ga ts ent ts g ent he 16 en 2, ng er et H. it HAUNASE je Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Brag XII., Fochova 62 Telephon 53077- Herausgeber: Giegfried Taub 17. Jahrgang Berantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Samstag, 4. Dezember 1937 Bombenwurf in Schanghai Kasper an Henlein: ,, Bewußte Fälschung" London.( Eigenbericht.) Bei dem freitägigen ,, Triumph- Marsch" der japanischen Armee durch die Internationale Niederlassung in Schanghai kam es zu einigen Zwischenfällen. In der Nankinger Straße warf ein junger Mann eine| Bombe auf die marschierenden Soldaten. Von den zwei schwer verletzten japanischen Soldaten ist ciner gestorben. Außerdem wurden ein britischer und ein chinesischer Polizist und ein japanischer Soldat leicht verletzt. Der Täter wurde erschossen. Man nimmt an, daß es nicht ein Chiese, sondern ein Koreaner war.( Auch Korea wird von den Japanern unterdrückt.) Ein Amerikaner entriß einem japanischen Soldaten ein Papierfähnchen und konnte nur mit Mühe in Sicherheit gebracht werden. Bei dem Vorbeimarsch der Drohung mit der ,, vollen Wahrheit"! Rudolf Kasper hat am 27. November an alle Kreisstandesvertreter der Arbeiter und Angestelltenschaft folgendes Rundschrei= ben verschickt: Aus den Inhalt: Neuer Austritt aus dem SdP- Klub Sidor- Affäre beigelegt Bedeckungsvorlagen zum Teil noch strittig Auseinandersetzung Zischkas mit der SdP Der ,, Kämpfer"- tot Nr. 285 Außenpolitische Aktivität Der Besuch des Lord Halifar in Deutschland falschen Schlußfolgerun hat eine Epoche lebhafter diplomatischer Aktivität gen führen. Ich sehe mich veranlaßt, eingeleitet: kurz darauf find Chautemps und mit aller Entschiedenheit zu verlan Delbos in London gewesen und Donnerstag hat gen, daß die Versendung die der französische Außenminister die Reise nach jes Berichtes unterbleibt, warschau, Bukarest, Belgrad und Prag angetre bzw. der Bericht sofort ten. Die diplomatischen Kanzleien werden also vollinhaltlich zurückgebis Weihnachten stark beschäftigt sein. zogen und ausdrücklich als unrichtig widerrufen wird, Es sind eine Reihe von weltpolitischen falls er bereits versendet wurde. An- Problemen, die den Diplomaten Stoff zu Unters derenfalls könnte ich mich nicht haltungen und Verhandlungen geben. Nach dem mehr einseitig an die erbielen Rätselraten darüber, worum es sich eigente klärte Vertraulichkeit lich bei der Unterredung zwischen Halifax und gebunden fühlen, sondern müßte Hitler gehandelt habe, steht jetzt fest, daß es voc vielmehr der vollen Wahr heit zu ihrem Rechte verhelfen." ,, Wie mir zur Kenntnis gelangte, wurde seitens der Parteiführung am Donnerstag, den 25. November I. 3. an alle Kreisstandesvertreter der Arbeiter und Angestelltenschaft in der SdP ein Bericht über die am 21. November stattgefun= bene Sigung der Kreisstandesvertreter und Parlamentarier der Arbeiter- und Angestelltenschaft der Sudetendeutschen Partei" zur Versendung ge= japanischen Truppen wurde auch aus einigen Fen- bracht. Dieser Bericht dürfte heute in die Hände stern geschoffen. Ein Chinese sprang aus dem der Kameraden Kreisstandesvertreter gelangt dritten Stock eines Hauses mit dem Rufe: ,, Es lebe China!" Er war auf der Stelle tot. Ich selbst mußte nach Kenntnisnahme des baner haben in die Internationale Niederlaffung Berichtes feststellen, daß er fast zur Gänze Verstärkungen geschickt. Es ist anzunehmen, daß den Tatsachen widerspricht. Ich ber Durchmarsch der Japaner durch die Interna- fah mich daher genötigt, mich mit einem Schreifionale Niederlassung das Ende des englisch ben, das ich am 25. November I. 3. expreß rekomamerikanischen Einflusses in Schanghai einleitet. an Konrad Henlein zu wen Die Jabaner werden den durch die französische den und gegen den Inhalt des genannten Berich- gende Antwort erhalten: Niederlassung geplant gewefenen Marsch nicht tes entschiedensten Einspruch zu erheben. durchführen, doch haben sie diese Niederlassung Mein Schreiben an Konrad Hen= bollständig zerniert. Tein wies folgenden Wortlaut auf: Die Ja= jein. mandiert aufgab ,, Werter Kamerad! Ich erhebe Valencia fordert Aufklärung schärften Einspruch gegen die FasBarcelona.( A g. Efp.) Die dem Foreign office überreichte Antwort der spanischen Regie tung an den Nichteinmischungsausschuß führt. a. aus: Die spanische Regierung, die vor Monaten bie Entfernung der ausländischen Kämpfer vorgeschlagen hat, hält diesen Standpunkt unverrückt aufrecht. Sie zeigt sich durchaus geneigt, einer folchen Maßnahme unter internationaler Kontrolle und der Entsendung von Kommissionen zuzuftim-| men. Aber sie hält gewiffe Aufklärungen für unerläßlich, um konkreterweise die Tragweite zu erkennen, die das Kompromiß haben wird, zu dem man sie auffordert". Die Note fährt fort: der nichtspanischen Kämpfer ,, in Abschnitten vor| fich gehen" soll, und zwar in Proportion zur Zahl der Kämpfer auf beiden Seiten. Es wird nichts gesagt über die Frage, ob diese Proportion einfach numerisch sein soll oder sich außerdem auf die verschiedenen Kategorien unter diesen Nichtspaniern beziehen wird, sowohl im Lager der Regierung| wie in dem der Nebellen. Die spanische Regierung drückt ihr tiefstes " Das Komité stellt fest, daß die Entfernung Auf dieses Schreiben hat Kasper nach wiederholter dringender Urgenz und zweimaliger Verhandlung mit K. H. Frank von diesem fol„ Werter Kamerad! Konrad Hente in hat mir soeben mitgeteilt, daß er den von Dir im fachlichen Teile mit Deinem Schreiben vom 25. November 1987 angefochtenen Bericht, der zur Orientierung der Kreis- und Bezirksstandesvertreter bestimmt war und bei den Kreisstellen vorläufig unter Verschluß gelegen hat, noch einmal gründlich durchgelesen und ihn für vo II tommen den Tatsachen des Tagesverlau fes entsprechend gefunden hat. Ich bin beauftragt, Dir mitzuteilen, daß dieser Bericht heute nachmittag durch die Kreisleiter an die Kreissung des„ Berichtes über die am 21. November 1937 stattgefundene Sitzung der Kreisstandesvertreter und Parlamentarier der Arbeiter- und Angestelltenschaft", da sie fast zur Gänze zu dem tatsächlichen Ab laufe der Beratungen in unbe. dingtem Widerspruch steht. Der Bericht stellt meiner Auffassung nach eine bewußte Fäl. Kasper stellt zum Beweise seiner Behauptunschung des wahren Verlaufes und Ergebnisses der genannten Tagung gen einen Auszug des stenographischen dar. Er ist dadurch geeignet, ein protolo II es über die Sigung vom 21. vollkommen falsches Bild November 1. 3. dem parteiamtlichen Berichte zu bieten und muß daher zu ganz gegenüber. Frankreich arbeiterstandesvertreter zu Informationszivecken in der unveränderten, ursprüng lichen Form freigegeben werden wird. Diese Entscheidung ist entgiltig." Einmütigkeit für das Budget des Kriegsministers geschlossen hinter dem Heer Paris. Der Nationalverteidigungsminister! Daladier erklärte weiter, daß sich das Sh= Erstaunen aus, zu sehen, daß in bezug auf Daladier errang Freitag in der Kammer einen| stem der Befestigungsarbeiten in allem die Frage der Kolonien gewesen ist, die Deutschland im Augenblick interessiert. Irgend= welche Forderungen bezüglich Mitteleuropa hat Deutschland nicht erhoben. Die mitteleuropäischen Fragen- d. i. vor allem die Unabhängigkeit Desterreichs und die Unversehrtheit der Tschecho= Slowakei werden in den gegenwärtigen Disa fussionen vor allem von England und Frankreich angeschnitten. Diesbezüglich wurde in London zwischen den beiden Westmächten eine so weitgehende Uebereinstimmung erzielt, daß Delbos bei feinen Besuchen in Ost- und Mitteleuropa nicht nur als Sprecher Frankreichs sondern auch als Dolmetsch der englischen Politik auftreten kann. Bon einer freien Hand Deutschlands in Mittels europa ist also keine Rede. Nicht nur die beiden. westlichen Demokratien sind sich einig darüber, daß die Freiheit und Unabhängigkeit der kleines ren Staaten nicht verletzt werden dürfe, sondern auch Italien hat nicht die Absicht, deutsche Solda ten und Zollwächter am Brenner zu begrüßer Die Achse Berlin- Rom, die im Süden und Nors den zeitweise ebenso gefeiert wird, wie in der " Beit", hat den Gegensatz der beiden faschistischen Großmächte im Donauraum nicht aus der Welt geschafft. Der beste Beweis hiefür ist das Inters esse Italiens an der Verständigung zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn, wie überhaupt an der Annäherung der Kleinen Entente und Uns garn. Wenn die italienische Politik hier einen Erfolg erreicht, so wird das Ergebnis die Zusam menarbeit der fünf Donaustaaten sein, was zweifellos eine Stärkung dieser Staaten und damit eine Schwächung Deutschlands in Mittel- und Südosteuropa wäre. Auch die Vorgänge im Fernen Osten üben die Entfernung der ausländischen Kämpfer das großen Erfolg. Die Deputiertenkammer geneh- der Praris voll bewährt hat. Frankreich baut ge=| Londoner Komité die Untertanen des Sultans von migte nach seinem Exposé ein mütig von der genwärtig die Befestigungslinie einerseits im ihre Wirkungen auf die europäische Politik. Das Maroffo, die in der spanischen Protektoratszone extremen Rechten bis zur extremen Linfen mit Juragebirge und im Oberelsaß, andererseits auch rücksichtslose Vordringen Japans in China hat leben, nicht als Ausländer betrachtet". Stimmen das Budget des Nationalverteidi- an der belgischen Grenze in Nordostfrankreich zu die Gegenfäße der drei großen Weltdemokratien Ende. Die Befestigung dieser Grenzen hat sich USA, Britanniens und Frankreichs zu gungsministeriums. Daladier erklärte, daß er, falls es notwendig insbesondere nach der Neutralitätserklärung Bel- Japan verschärft und damit naturnotwendig zu sein werde, die Regierung nach Erschöpfung der giens als unerläßlich erwiesen. vier Milliarden um weitere Milliarden für schwer erkrankt die Sicherung der Staatsverteidigung ersuchen Handelsminister Najman erlitt Freitag werde. 387.000 französische Soldaten stehen im Handelsminister Najman London.( Eigenbericht.) Der franzöfifche einer Annäherung der Drei an die SowjetUnion geführt. England hat- das dürfte Dels bos in London gesagt worden sein gegen die bolitischen Ministerkomitees im Kolowrat- Balais often über 300.000 Mann gegenüber. Unter die- Kammeraussprache u. a., daß Frankreich sich im zuwenden, daher können in London auch keine mittags, als er eben zu einer Sitzung des sozial- Nordosten über eine Million Mann und im Süd- Kriegsminister Daladier erklärte in der Freundschaft Frankreichs mit Rußland nichts ein eingetroffen war, einen Schlaganfall. Unmittel- fen Umständen könne also keine Rede von einer vorher hatte er über starke Neberarbeitung Verlangsamung der französischen Rüstungsan- Kriegsfalle nicht nur auf die Abwehr einer Bedenken bezüglich des Beistandspaktes Pragund Unwohlsein geklagt; sein verändertes Aus- strengungen sein. bar sehen war bereits aufgefallen. Er wurde in seine Wohnung geschafft, wo er in Bewußtlosigkeit fiel. Sein Zustand wird als äußerst ernit bezeichnet. mann des Abgeordnetenklubs der Gewerbepartei Bei dem erkrankten Minister fand sich der ObMlčoch ein, der zusammen mit dem Privatfeindlichen Invasion beschränken könne. Warschauer Ovationen für Delbos Polen zur Kleinen Entente Moskau obivalten. Deutschlands Versuch erst die Sowjet- Union von England und dann auch Franks reich von England zu trennen, ist also bisher nicht gelungen und die Ergebnisse der Londoner Besprechungen zeigen, daß auch in Zukunft mit der Zusammenarbeit Englands und Frankreichs zu rechnen ist. Diese Zusammenarbeit aber gilt auch Ueber den Empfang von Delbos in Warschau es nach Auffassung gewisser Kreise auch erlauben für Mitteleuropa, wozu noch kommt, daß ein Vors den Hintergrund treten zu lassen, ohne die Ge-| Sowjet- Union und Italien ebenso wenig brauchen sieht also, daß die Machtverhältnisse in Europa Daß Delbos bei seiner Durchreise durch nicht so sind, wie es sich unsere Henlein- Jünger bom Reichsaußenminister Neurath vorstellen. Die tschechoslowakische Demokratie sekretär des Ministers Sektionsrat Dr. Tanter- verlautet, daß er weit herzlicher war als den russisch- französischen Vertrag ein wenig in dringen Deutschlands in diesen Gebieten die man und der Familie des Ministers ein ärzt der Empfang von Barthou im Jahre 1934 fahr eines Kurswechsels in der russischen Außen- fönnen, wie die Franzosen und Engländer. Man liches Konzilium berief, dem neben dem Pri und von Laval im Jahre 1935. Laval wurde politik heraufzubeschwören. marius Dr. Wagner der Professor der KarlsUniversität Dr. Weber beigezogen wurde. Nach damals auf einem Nebengeleise ausgeladen. der Beratung der Aerzte wurde der kranke MiniEiner der Hauptpunkte der Unterredungen Berlin iter, der aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht ist, in Warschau werden wahrscheinlich die pols aufgesucht wurde, während man am Tage vorher tann an der Linie ihrer bisherigen Außenpolitik in das Weinberger Krankenhaus übergeführt, wo nisch tschechoslowakischen Beziehun- erklärte, von einem Empfange Delbos in Berlin festhalten, der Besuch Delbos in Prag wird der Es wurde auch Professor Dr. Pelnář berufen. Paris viel erhofft. Eine Annäherung Bolens an plötzliche Wechsel in den Auffassungen Berlins ganzen Welt offenbaren, daß das Land in der et von Primarius Dr. Wagner behandelt wird. gen sein, von deren Verbesserung man sich in fönne teine Rede sein, hat Aufsehen erregt. Der des Ministers Najman schwer, jedoch nicht hoff dieser Staaten untereinander und mit Frankreich in Berlin infolge des Ausganges der Londoner eine europäische Frage ist. Ansicht der Spezialisten ist die Erkrankung die Kleine Entente könnte eine stärkere Bindung wird auf die Nervosität zurückgeführt, die Welt Freunde besitzt, und daß seine Sicherheit Nach hungslos, zur Folge haben. Diese stärkere Bindung würde Besprechungen entstanden ist. i Seite 2 GamStag, 4. Dezember 1937 Nr. 285 Auseinandersetzung Zischka-SdP Population*„Arbeit für 300.000“# Die Resolution von Hohenelbe Die Budgetdebatte im Abgeordnetenhaus erfaßte im Laufe des Freitags auch die dritte und letzte Gruppe„Wirtschaft, Verkehr und Finanzen"., Um 9.Uhr abends war sie soweit zum Abschluß gekommen, daß für TamStag früh nur mehr zwei Redner, Kundt und Dr. Marko viö, angekündigt sind. Dann wird der Refevent R e m e s das Schlußwort halte«. Freitag nachmittag- kam in der Debatte Genosse A i s ch k a zu Wort, der in temperamentvoller Weise auf die Reden einiger SdP-Leute reagierte und gleich mit den ersten Sätzen die Henlein-Leute so in Harnisch brachte, daß fast die ganze Redezeit mit unausgesetzten Plänkeleien mit der SdP ausgefüllt blieb. Je mehr 5krawall die Henlein-Leute machten, desto schärfer griff sre Zischka an, der dabei auch bei seinen Klubkollegen eine wirksame Unterstützung fand. In unbedachten Zwischenrufen gaben sich Kundt und Holube von der SdP arge Blöße«. • Im ersten Teil sei ner Rede befaßte sich Zischka nach einem Hinweis darauf, wie uugünstia die beutiae Zeitdes Rüstunas« Wettlaufes ,, für die große« aesellschaftli- chen und sozialen Probleme ist. mit je-• «en sozialpolitischen. Aufgaben, die wir trotz aller Ungunst der Zeit doch unverlveilt lösen müssen. Avbnlich wie im Budgetausschuß formulierte er daS Problem so: Schützen wir die gesunden Menschen vor Krankheit und sozialer Not. heilen wir die kranken und helfen wir den sozial gefährdeten Menschen! Dem SdP-Geschwäd über PopullrtionSfragen stellte er eine Statistik entgegen, aus der eindeutig' hervorgeht, daß alle europäischen Länder schwc. mit dem Geburtenrückgang zu kämpfen haben, den man also keineswegs auf das Konto des„Materialismus" setzen kann. Unsere Sorge muß daher vor allem - darauf gerichtet sein, am Lgben zu erhalten, was am Leben ist. „Artalt für 300.000“ In einer scharfen Polemik mit den SdP-Abge- ordneten erinnert sie Zischka an die Broschüre„Arbeit für 300.000", Das war eine Sache der P r o p a- ganda. Wir aber haben immerhin im Zusammenhang mit der allgemeinen Belebung erreicht, daß die Zahl der Arbeitslosen von rund 960.000 auf . 220.000 zurück«egaugen ist. also aevierteilr wurde. Wo bleiben Sie(zur SdPgewendet), jetzt mit lÄrer Broschüre?(Zwischenrufe.) Jeder Einsichtige auch unter Ihne« muß zugeben, daß die Maßnahmen der Regierung in vielen Fällen dazu beigttragen haben, dir Not unserer Gebiete z« lindern und Arbeit zu beschaffen. Aba. W o l l n e r: Warum kämpfen Sie gegen die deutsche Volkshilfe? Zischka: Wenn die sudetendeutsche Volkshilfe eine wirklich objektive Organisation wär«...(Krawall bei der SdP)... wenn zum Maßstab für die Zuteilung von Unterstützungen die Not des einzelnen und nicht seine politische Einstellung gemacht würde, dann wären wir für die sudetendeutsche Bolkshilfe. An Ihnen liegt eS also, di« Voraussetzungen zu schaff««, damit solche Organisattonen mit unserer Zustimmung arbeiten können.(Neuer Lärm bei der SdP Rufe: Heraus mit den Gemeindewahlen etc.) Unter ständigem Geplänkel mit de« SdP-Abge« ordneten machte Zischka darauf aufmerksam, daß„Die Zeit" dem Abgeordneten Wollner den Passus von der „Aufteilung der Güter" aus seiner Rede gestrichen hat. Zischka ist überzeugt, daß nicht nur„Die Zeit", sondern auch die maßgebenden Herren in der SdP da anderer Meinung find als Herr Wollner. Zum Schluß hat sich Wollner auch noch als der Mann offeriert, der sich noch zum loyalsten Staatsbürger entwickeln kann, nachdem er zu Beginn seiner Rede stark über die Grenze geschielt hatte. Das ist wahrlich ein buntes Programm.(Zwischenrufe Wollners.) Wer hat zuerst„tschediisiert“? Zischka ruft ihm zu: Sie haben auch viel von der Tschechisierung geredet, ei» Wort, dar mir sehr unsympathisch ist.(Zwischenrufe:Weü Ihr mitschuldig seid!) Zischka: Nein, ich höre es genau so ungern, wenn von tschechischer Seite mü dem Wort„g e r- r.r a n i s a c e" gearbeitet wird. Ueberdies: Wer har denn das deutsche Koblengebiet von Nordböhmen tschechisiert? Das wäre« di« deutsche« Kohlenbarone!(Lärm.) Wer hat auf die Meierhöfe im deutschen Gebiet die tschechischen und slowakischen Arbeiter gebracht? Das waren die deut- schenGroßgrundbesitzerl(Neuer Lärm.) Und wer hat etwa Kratz au in einem solchen Ausmaß mit tschechischen Arbeitern bedacht? Die deutschen Fabrikanten! Sie haben also'keine Ursache, dem tschechischen Volk besonder- Vorwürfe zu machen! Die Resolution von Hohenelbe Im Laufe weiterer Auseinandersetzungen mit Zwischenrufern aus den Reihen der SdP befaßt sich Zischka unter wütenden Protesten der Henleinleut« mir der bekannten Resolution von Ho- henelbe. die der Bund der Deutschen zur Frage des Geburtenrückganges gefaßt hat. Kundt ruft: Das ist ja unsere Resolution! Sofort stellen unsere Genossen fest, daß also der Bund der Deutschen gleichgeschaltet ist. .Kundt sucht dann den Eindruck des Zwischenrufes dadurch abzuschwächen, daß er darauf hinweift, daß sie eben alle Mitglieder der BdD seien. Zischka liest die Resolution stückweise vor: die Unternehmer müssen schon aus wirtschaftlichen Gründen ein besonders Interesse an der Steigerung der Geburtenzahl haben... „Gewiß ist das Geburtenproblem in erster Linie, «ine Frage der geistig-seelischen Haltung, also des Charakters eines Menschen: aber eS steht andererseits fest, daß ohne die entsprechende.. Wenn ich jetzt etwas sagen wollte über di«(bekanntlich zumeist kinderlosen!) Führer im Dritten Reich, da würde ich wahrscheinlich hei euch(zur SdP gewendet) einen Sturm der Entrüstung Hervorrufen. Wenn das.Kinderkriegen eine Frage des Charakters und der aeistig-seelische« Haltung ist. dann hört wirklich jede Argumentation auf! Zischka zitiert dann weiter: erfüllt von tiefster Sorge um unsere völkische Zukunft, weil durch die wirtschaftliche Not unsere letzten Geburtenreserven, die lebenstüchtigen sudetendeutschen Arbeitsmenschen zu versagen beginnen, wendet sich die Bundesleiiung an alle Unternehmer. Arbeiter und Angestellten in einer Zeit steigender Lebenshaltungskosten ausfreien Stücken durch Gewährung von angemessenen Lohn- und Gehaltserhöhungen, insbesondere aber durch ausreichende und gestaffelte Kinder« z u l a g« n die Gründung und Erhaltung kinderreicher Vollfamilien zu ermöglichen, auch Kinderreiche bei der Aufnahme von Arbeitern und. Angestellten zu bevorzugen, nach dem Beispiel des Bundes der Deutschen...."(Neuer Lärm.) Wo bleiben die Kinderzulagen?- Zischka: Ich frage nun die Herren v« der SdP, 'wo ist daS. deutsche Unternehmen, daS— jetzt sind . sechs Monate seit Hohruelde verflossen— sich„auS freien Stücken" bereit grfunden hätte, einer kinderreiche» Arbeiterfamilie die Zulagen z» geben, von denen hier in der Resolution die Rede ist. Darauf geben Sie mir eine positive Antwott und dann«erden wir Ihnen empfehlen, diese« Man» zur Rach- ahmsng i» den deutschen Gebieten hrrumzirführrn! H o l l u b e von der SdP ruft dazwischen: Da soll doch euer Staat den Anfang damit machen!— Auf Anfragen, welches denn dann ihr Staat sei, geben die Herren von der SdP keine Antwort! 3 i s ch k a: llm jede Krone, um jeden Heller mußten die deutschen Arbeiter in den letzten Jahren einen schweren, erbitterten Kampf führen: freiwillig ist ihnen von dar Unternehmern nichts gegeben worden. Sie sprechen von der.Motgemeinschaft der Opfer." Wenn Die heute hier als Moralpauker auftreten wollen, dann muß es Ihnen auch recht fein, wenn wir hier von den Watschen in den Weinkellern reden. Sie reden von der„sittlichen Erneuerung", ich rede vom Prozeß in Leipa. Sie reden vom„Versagen der 18. Feber" und Ihre Mitglieder im Budgetausschuß stimmen für die Resolution Falsch. Setzen Sie sich nur an-rinander mit Ihrer stetig wachsende« Opposition, mit jenen Elementen i» Ihrer Battri, die nicht mehr willens find, zu schweigen, die heute offen rebellieren. Wir wollen, soweit eS sich um die Aufstellung von Forderungen handelt, nicht mit Ihnen kon- kurriercn. Wir setzen Ihre« sich demagogisch überschlagende« Anträgen dir positiveArbeit entgegen. Wir werden auch in aller Zuknyft alles tun, um für unsere Heimat, für unser schwer geprüftes Volk, für die sudttendrutsche Arbeiterschaft zu arbeiten.(Lebhafter Beifall.) *» Jaksch: Kein nationalpolitischer Verfolgungswahn Letzter Redner des Tages war Genosse Falsch, der aus der Diskussion den Schluß zog, daß wir uns nicht gegenseitig in einen national- politischen Verfolgungswahn hineinleben dürfen; auf tschechischer wie auf deutscher Seit« dürfen die höheren menschlichen Gesichtspunkte nicht verloren gehen. Der SdP, die sehr verlegen zuhörte, hielt Jaksch eindringlich vor, wie unsinnig die Hoffnung auf das Ausland sei. An Hand des so gerühmten deutsch-polnischen Minderheitenvertrages stellt« Jaksch fest, daß wir aus eigener Kraft weit mehr erreicht haben als jene deutschen Minderheiten, die sich auf die Hilfe Berlins verließen. Die Ehrendelegierten vom Nürnberger Parteitag sollten bei uns lieber nicht alS Vorkämpfer der-Demokratie. auftreten. Als Jaksch nachwieS, daß der deutsche Mensch in der Tschechoslowakei mehr Freiheit genießt alS die Deutschen im Dritten Reich und alle anderen deutschen Minderheiten, gab es auf der tschechischen Linken starken Beifall, der sich, noch steigerte, als Redner erklätte, daß heute in Böh- misch-Leipa nicht die Verführten, sondern die Führer angeklagt sind. Als Jaksch unter Hinweis auf den 18. Feber damtt schloß, daß auf.unserem Boden immer ein Bündnis der vernünftigen, besonnenen, anständigen Menschen nötig sein werde, stimmte auch die tschechische Re