Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik / Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62 Telephon 53077 17. Jahrgang cher Redakte Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Rari Rern, Prag Freitag, 10. Dezember 1937 Italien bricht mit England Begründung: Brüskierung des Faschismus durch die englische Demokratie Austritt Roms aus dem Völkerbund? London.( Eigenberich t.) Der Große faschistische Rat ist von Mussolini überraschend für Samstag vormittags einberufen worden. Seine Beschlüsse werden vom Balkon des Palazzo Venezia aus den aufmarschie renden Faschisten mitgeteilt werden. Diese Form der Ankündigung läßt Beschlüsse erwarten, auf deren propagandistische Ausnügung das faschi stische Regime Wert legt. Man vermutet, daß es sich um den Austritt Jta liens aus dem Völkerbund handeln wird. nun um die Früchte seiner großen Anstrengungen und Opfer in Spanien betrogen ficht, zu diesem Entschluß beitragen. Itallen und Jugoslawien Aus dem Inhalt: Millionster Rundfunkhörer - ein Deutscher Budgetausschußabstimmung zweimal vertagt Lansbury in Prag Bergwerksunglück in Přibram Deutscher Massenmörder 16 in Paris is b 926ho Nr. 290 Die deutschen Schutzvereine Ihre Politisierung und Gleichschaltung Ein langjähriger Funktionär eines der deutschen Schutzverbände, der schon lange mit der Gleichschaltung dieser Verbände nicht einverstanden ist, weil er darin eine schwere Gefahr für ihren Bestand sieht, sendet uns die nachfol gende Darstellung, die das Interesse der sudetendeutschen Oeffentlichkeit finden wird. Die leßten Vorgänge im Turnverbande zeigen zum ersten Male die Hintergründe jener Weniger glaubhaft erscheint ein in London Bolfstumsarbeit auf, die sich in den letzten Jahren als die erlösende Tat der Sudetendeutschen berbreitetes Gerücht, daß es Mussolini gelungen fei, St.jadinović zum Abschluß einer anpries. Ob Turnverband, ob Bund der DeutAllianz zu veranlassen. Damit ſteht im Wider- fchen, ob Kulturverband- alle haben sie mehr Die Begründung für diesen Schritt wird schaltet. Im Londoner Gespräch zwischen Eng spruch, daß die italienische Presse Mittwoch und oder weniger eindeutig die Linie„ Konrad Henüber- pruch, wahrscheinlich durch den Hinweis auf die Amianz land und Frankreich ist Italien über Donnerstag gegenüber Jugoslawien einen fühle- lein" bezogen, was gleichbedeutend mit Kame Italiens mit Deutschland und I a pan erhaupt nicht erwähnt worden. Eden ren Ton als bisher anschlägt. Außerdem kann sich radschaftsbund ist. Der Turnverband, desfolgen, die beide dem Völkerbund nicht mehr an- hat, wie hier verlautet, den italienischen Bot- niemand in Europa und am allerwenigsten wohl sen Ehrenobmann Konrad Henlein ist, hat es nicht gehören. Weiters wird auf den Protest Chinas schafter Grandi feither kurz wissen laffen, daß, Muffoloni darüber einer Täuschung hingeben, daß länger ausgehalten und hat seine Starten nun gegen die Anerkennung Mandſchukuos durch Ita- solange die antibritische Propaganda Italiens im eine folche Allianz, die von der überwältigenden bor aller Deffentlichkeit aufgedeckt. Wer sich nicht lien berwiesen, die mit den Völlerbundsatzungen Umkreis des Mittelmeers fortdauere, diploma- Mehrheit der jugoslawischen Bevölkerung empört zu Konrad Henlein bekennt, wird seines Amtes im Widerspruch steht. abgelehnt werden würde, im Ernstfalle nicht ein enthoben, aus dem Turnverbande ausgeschloſſen, mal das Papier wert wäre, auf dem fie aufge- denn der„ leßfe Pimpf" muß es begreifen lernen, zeichnet ist. In jugoslawischen Regierungsfreisen daß Konrad Henlein ein Führer ist. Zu Deutsch über die Haltung Englands außerordentlich verwird nicht verheimlicht, daß man darüber, wie die heißt das, daß sich der Turnverband selbst als ftimmt. Seit dem Briefwechsel zwischen Mussolini Italien will daher durch eine weithin ficht im März abgegebenen italienischen Versprechun- ein politisches Gebilde ansieht und zu parteipolimit einem Briefe Mussolinis an Chamberlain be- nenden Verhalten der westlichen Demokratien besser zu behandeln, bisher erfüllt wurden, höcht hören haben". Mit Recht wurde darauf hinge und Chamberlain Ende Juli dieses Jahres, der bare Geste demonstrieren, daß es aus dem ableh- gen, die jugoslawischen Minderheiten in Italien tischen Fragen Stellung nimmt, ja seinen Mita gliedern vorschreibt, welcher Partei sie anzuges tische Gespräche keinen Sinn hätten. FrantIn London wird allerdings der wirklichereich hat seinerfeits auf die Abberufung des Anlaß an anderer Stelle gesucht. Italien ist italienischen Botschafters aus Paris überhaupt nicht reagiert. gann, und von dem englischen Ministerpräsiden- feine Schlußfolgerungen zu ziehen wisse. Zu die enttäuscht ist. Mussolini hat nun neuerdings verten höchst unverbindlich beendet wurde, ist in den fem Schritt wird Italien wohl auch noch durch sprochen, daß eine Besserung eintreten werde, da- wiesen, daß der Turnverband seine Sabungen englisch- italienischen Beziehungen eine völlige die Tatsache bestimmt, daß seine Bemühungen, für aber hat er von Stojadinović die Einleis damit überschreitet, aber darin ist er ja nicht mehr Erstarrung eingetreten. England läßt fich englife& rebite zu erbalten, auf allen, tung von Verhandlungen mit Ungarn verlangt, durch nichts aus seiner Referve herauslocken und Linien scheiterten. Auch dürfte der erfolg was mit den Konferenzbeschlüssen der kleinen rüftet einfach unentwegt weiter. Als Halifax nach reiche antiitalienische Schachzug Englands in Entente vom September im Widerspruch stehen Berlin fuhr, sah sich Italien völlig ausge& rancofpanien, wodurch sich Italien würde. Mildes Urteil in B.- Leipa allein. Auch der Bund und insbesondere der ulturverband haben eine„ machtvolle Schwenkung" gemacht, haben sich eindeutig dem Gefolge Henleins angeschlossen. Aber dem Bunde und insbesondere seinem Werbeleiter Oberlehrer Czermat fagt man nach, daß er bis schärfster politischer Gegner, ist uns vollkommen nun mehr dem„ Aufbruche" als den Kamegleichgültig, und auch wir meinen, daß unsere radschaftlern zuneigte, während Prof. Geßner wieder die Kameradschaftler Kamasin. Gesetzgebung auf diesem Gebiete sehr reformbe Steil, Hodina usw. in seinen Kriegsrat berief und dürftig ist; wenn aber ein homosexuell Veranlag die Aufbruchleute unschädlich machte, bis auf jene, ter als Schöpfer von Erziehungsgrundsäßen auffritt, die in einem großen Erziehungsverband auch die sich trop der Vollmachten, die Sekretär Heger tatsächlich verwirklicht werden, hört seine feguelle besaß, nicht aufs Eis legen ließen. Bund und Kul turverband stehen aber heute vor derselben Frage, Beranlagung auf, eine Privatangelegenheit zu Sieben Verurteilungen, fünf Freisprüche Begründung: alle verführt! Böhmisch- Leipa. Im sogenannten ,, Rutha"-war vollständig geständig, mit 5. Nutha mutuell Prozeß verkündete der Senat Donnerstag vor- onaniert zu haben. Ihm wurden die meisten Fälle mittags das Urteil. Strafen wurden nach nachgewiesen und das Gericht hat angenommen, daß § 129 6 und teilweise in Verbindung mit dem er sich der Strafbarkeit der Handlungen vollständig sein. Die männliche Zucht", welche die Grund wie der Turnverband und Pfarrer WebJugendstrafgesek verhängt über: bewußt war. Auch Kurt Franzte hat ein vollstän lage der Erziehung im Deutschen Turnverband renfennig wird seinen Werbeleiter demdiges Geständnis abgelegt, mit Heinrich Rutha ist, muß genau so wie seine Erziehungs pra nächst befragen müssen, ob er sich zu Konrad Henden Bankbeamten Werner Weiß, dem mutuelle Onanie getrieben zu haben und sei sich der ris( vor allem gehört dazu die mindere Bewer- lein oder zum Aufbruche bekennt. Tut er es nicht, zwölf Fälle nachgewiesen wurden, u. a. auch mit Seinrich Sermann hat ſtrafbaren Geschlechts- tung der Frau) die Homosexualität unter der werden die Kameradschaftler die oft angedeutete Heinz Rutha und Dr. Walter Rohn; Weiß erhielt verkehr eingestanden, doch geschah die Tat vor der Jugend fördern. Und so faz neben Ruthas Hebe gegen den Bund verstärken und Herrn Wehbier Monate schweren Kerkers, bedingt auf drei Erreichung seines 17. Lebensjahres und sein Ge- Schatten auch das ganze Erziehungsih renfennig eines schönen Tages ebenso absetzen. ſtändnis wurde als vollkommen glaubhaft ange- tem auf der Anklagebant, dem Zehntausende wie es Herr Gegner mit den ihm unbequemen den Textiltechniker Adolf Wagner( fünf nommen. in deutscher Jungen ausgeliefert sind, so wurde es wendigkeit, die er in Aussprachen mit hohen Berdeutscher Jungen ausgeliefert sind, so wurde es Funktionären macht. Herr Geßner mag trotz aller Monate schweren Kerkers, bedingt auf drei Jahre); Die Verteidigung hat eine Rechtsmittel an- mit Rutha verurteilt. den Dr. Walter Rohn( acht Monate gemeldet. schweren Kerkers, bedingt auf drei Jahre); Sämtliche Berurteilte werden sofort auf freien den Kurt Franzt( zwei Monate schwe- Fuß gesezt. Jahre; Strafbarkeit der Handlungen bewußt gewesen. Sun him So sehr man damit übereinstimmt, daß Ver- fönlichkeiten gut anzuwenden weiß, eine neue führte milde bestraft werden, so sehr muß man Möglichkeit gefunden haben, eine Reihe weiterer Amtswalter verschwinden zu lassen. mit Nachdruck auf die Verführer aufmerksam Was geschieht jeßt aber, wenn bie Opposi machen und auf jene, die sie deckten. Zu den leb ten gehört auch Konrad Henlein, der das tion des Herrn Henlein doch mehr Fuß faßt, als bon Rutha geschaffene Erziehungssystem im Turn- die Führungen" der Schutzvereine glauben? Was geschieht, wenn der Aufbruch mit einem verband eingeführt hat. organisierten Austritte aus den Schußverbänden ren Kerkers, bedingt au fdrei Jahre); den Heinrich Hermann( sechs Wo- Es wird keinen rechtlich denkenden Menschen chen Verschließung, bedingt auf zwei Jahre); geben, der das Urteil von Böhm.- Leipa nicht beeinen ingendlichen Studenten grüßen würde. Denn durch dieses Urteil werden, aus Komotan( fechs Wochen Verschließung, be- wenn auch einige zunächst nur bedingt, junge Das Urteil ist milde aber es widerlegt antwortet? Werden die Führungen der Schutzdingt auf zwei Jahre); einen jugendlichen Menschen der Freiheit wiedergegeben, die sich zwar die Behauptungen einer gewiffen Flüsterpropa vereine diese Volksgenossen aus der VolksgemeinPhilofophie studenten aus Prag gegen die Geseze vergangen haben, die aber zwei- ganda, daß Rutha unschuldig war, daß an ihm schaft ausschließen? Und was geschieht morgen, ( ein Monat Kerker, bedingt auf zwei Jahre). fellos in ihrer überwiegenden Mehrheit vor allem ein ,, Rufmord" begangen worden sei. Rutha wenn die Zahl der Ausgeschlossenen größer ist als Außerdem wurden vier Jugendliche Objekte des Verbrechens anderer, bzw. Vers war schuldig und war verantwortlich für die die der Kameradschaftler? Die Nachrichten aus führte gewesen sind. Auf der Anklagebank saß Erziehungspraxis des Deutschen Turnverbandes, den Gauen der Schußverbände sind jedenfalls überhaupt freigesprochen, ebenso Wilhelm der Schatten Heinz Ruthas, des Mannes, der nicht Rutha hat selber junge Menschen zur Homosexu- nicht darnach angetan, eine Boltsgemeinschaft im Hoffmann. nur der erste Mann der SdP nach Henlein war, alität verführt. Durch seinen Selbstmord hat er Sinne Henleins zu beweisen, das wissen die In der Begründung sprach das Gericht sondern auch der Schöpfer jener Erziehungsgrund feine Schuld fürchterlich gefühnt. Aber es ist kein geführten Führer sehr gut. Erscheinungen, wie aus, daß alle Beschuldigten als verführt anzufäße gewesen ist, die im Deutschen Turnverband Grund, ihn zum Hero 3 zu stempeln und ihn der sie in letter Zeit, von alten Schubarbeitern bejehen seien, weshalb das Gericht nur bedingte Ver- noch heute Geltung haben. Die sexuelle Veranla- Jugend als Beispiel hinzustellen. Das richtet werden, sind erschreckende Anzeichen daurteilungen aussprach. gung irgendeines Menschen, und sei er auch unser geht aus dem Urteil von Böhm. Leipa hervor. Dr. Walter Rohn hat in der Voruntersuchung gestanden und sein Geständnis wurde durch das di refte Geständnis des Werner Weiß bestätigt. Sein für, daß es den Kameraden jest auch noch gelun gen ist, die unpolitische Volksgemeinschaft, die zweifellos 3. B. im Kulturverbande jahrelang in der Hauptverhandlung erfolgter Widerruf wurde Grenzbefestigungen: verläßlicher Schutz borbanden war, au zerstören. Man mag zur ter 3 und Dr. Rohns vollständig glaubhaft seien Schubarbeit und den einzelnen Schußvereinen eindurch die Aussagen der Beamten, welche die Unterjuchung geführt haben, widerlegt. Das Gericht hat Im Budgetausschuß des Senats erklärte Staatsverteidigungsgesetz große Härten aufweise, gestellt sein, wie man will, soweit sie fachliche angenommen, daß die Geständnisse Adolf Wag= Verteidigungsminister Machnit, daß man die die aber feineswegs nur die deutschen Bewohner Arbeit geleistet haben, fanden sie auch Anerkenund Dr. Rohn teilweise als verführt, teilweise aber Frage, ob fünftig Pferd" oder" Motor" für die treffen. Nur legen die Tschechen, die ebenfalls nung und fanden Mitarbeiter in allen Kreisen; auch als aniriator angesehen werden muß. Adolf Armee ausschlaggebend seien, dahin beantworten betroffen werden, diese Maßnahmen nicht falsch bie Leistung aber scheint heute feineswegs mehr Bagner erscheint burch das Geständnis des Werner müsse, daß eine zivedmäßige Kombination bei aus. Wenn Existenzen vernichtet werden, fo werde oberftes Brinzip der Schubarbeit zu sein, oberstes i z vollständig überführt. Sein in der Haupt- der Elemente für die Armee notwendig sei. man sich darum kümmern müssen, daß man den Prinzip ist die politische Einstellung der Mitgliedberhandlung vorgebrachter Einwand, daß er mit Heute aber, da wir schon Grenzbefestigungen Betroffenen irgendwo anders eine neue Eristena fchaft geworden und man weiß heute allenthalben Heinrich Rut ha und Dr. Rohn feinen strafba- haben, an denen sich jeder die Zähne ausbeißen bietet. Eine Novellierung sei dazu nicht nötig, genau, was es zu bedeuten hatte, als plößlich die ren Geschlechtsverkehr gehabt habe, wurde vom Ge- würde, müffen man sich umorientieren. Die Be- nur vernünftige Durchführungsverordnungen und Erziehungsarbeit" als der oberste Grundsaß der richt als den Tatsachen richt entsprechend angefestigungen geben uns die Hoffnung, daß wir das hauptsächlich deren vernünftige Durchführung Schubarbeit erklärt wurde, nicht mehr Schule, nommen. Dem Angeklagten war, wie nach seinem Wort von dem plötzlichen Ueberfall" schon über- burch die untergeordneten Stellen. Die Militärs nicht mehr Boden, nicht mehr Turnen nter Sandlungen befannt. Er ist als verführtes haupt aus unserem militärischen Wörterbuch ſtrei- verwaltung hege das ehrliche Bemühen, begans erziehen! Die Buch ausstellung im Teutgene Fehler gutzumachen. Gewisse Gärten wur- schen Hause hat die Tendenzen dieser Erziehung, selbst Werner Weiß verführt. Werner Weiß selbst! fer. Ruthas anzusehen, bat seinerseits aber chen können. Auch diesmal gab der Minister zu, daß das den bereits gutgemacht. lebenso beleuchtet, wie die Hitlersitate in nein: 4 Seite 2 Freitag, 10. Dezember 1937 den Zeitschriften oder die Frage: Anerkennst stehen kann. Man wundere sich nicht, wenn nun jedoch die Frage der Armenpflege zusammen, die du Konrad Henlein als Führer auch der kleine Mann an der Tätigkeit der Schuß- äußerst heikel sei. Auch diese Frage sei überdies oder nicht? Die Frage, ob man ein Deut- bereine irre wird. Er kann es nie verstehen, daß Gegenstand der vorbereitenden Arbeiten des Mischer ist, ist nicht mehr aktuell, nur noch die Frage, die Ueberparteilichkeit der Schutzvereine, an eine nisteriums zur Neuregelung der Vorschriften über| ob man Gefolgsmann sein will und Partei vertan wird, die kein Ewigkeitswert ist, die Gemeinden. fuschen wird, selbst wenn einem Erzieher vorge- wie es ihre Vorgängerinnen nicht waren. Nicht jetzt werden, die die Ethik der Grundfäße„ mann- wer Konrad Henlein dient, ist der Träger einer schaftlicher Erziehung" vor den Schranken der Idee wer dem Volfe dient und die sudetenGerichte beweisen. deutsche Aufgabe zu lösen hilft, verbindet fich Die Schußarbeit hat sich auf eine Ebene einem Ethos, das ihm Anerkennung vor der begeben, die kein vernünftiger Mensch mehr ver- Welt und der Geschichte sichert. Linksparteien beschleunigen Vorlage des Kartellsteuerentwurfes Abstimmung im Budgetausschuß zweimal vertagt Im Budgetausschuß des Abgeordneten-| abstimmungsreif feien. Der Borfihenbe des Ausbaufes follte Donnerstag vormittags die End- fchuffes trug diesem Wunsche Rechnung und verabstimmung über die Bebedungsvor tagte die weiteren Ausschußberatungen auf FreiI agen stattfinden. Borher fand noch eine in- tag vormittags. terne Beratung der Koalition statt, in der die Vertreter der sozialistischen Parteien bekanntgaben, daß sie dem Staatsverteidigungsbeitrag und der Steuer von außerordentlichen Gewin= nen solange nicht ihre Zustimmung geben könnten, solange nicht auch die letzte der Bedeckungsvorlagen, die Borlage über die Kartellgebühren, dem Hause vorgelegt sei. Die Verhandlungen mit den zuständigen StelTen über die Kartellgebühr gingen bekanntlich nur fehr langsam vorwärts. Die Bertreter der Kartelle wendeten sich nicht einmal so sehr gegen die Höhe der Abgabe, aber sie wollten die Aufteilung der Summe auf die einzelnen Startelle möglichst selbständig vornehmen und sich dabei durch geseßliche Vorschriften nicht au start einengen lassen; ihrem Einfluß war es zuzuschreiben, daß die Vorlage noch immer im interministeriellen Verfahren stedte. Auf diese energische Intervention der Auf diese energische Intervention der Linksparteien mußten erst im Laufe des Tages die interministeriellen Verhandlungen int Gilim tempo beendet und die Vorlage auch noch gedruckt werden. Der Motivenbericht zur Vorlage trägt auch erst das Datum des 9. Dezember. Die Vorlage wurde nach 5 Uhr nachmittags im Hause verteilt, erst dann konnte die für 3 Uhr anberaumte Plenarsihung ihren Anfang nehmen. In der Plenarsizung selbst wurden nur die Referate zu zwei handelspolitischen Verträgen erstattet und die Debatte auf die nächste Sizung am Montag, den 13. d., vertagt.! Neue Schwierigkeiten Nach der Plenarsizung trat der Budgetaus schuß abermals zusammen. Eine Zeitlang mußte noch auf die tschechischen Agrarier gewartet wer den, die sich in einer Klubjigung nochmals mit der Frage des Beimischungszwanges Schweinefett zur Margarine befaßten, dann aber doch beschlossen hatten, die Situation durch neuer liches Aufrollen dieser schon bereinigten Frage nicht zu verschärfen. bon Die Kartellgebühren eine Sammlung von Kautschukparagraphen me si Die Personalsparmaßnahmen nur für ein Jahr festgelegt Im sozialpolitischen Ausschuß stand Donnerstag die Regierungsvorlage über die Per fonalsparmaßnahmen in Verhandlung. Der Vorsitzende Dr. Meißner teilte eingangs mit, daß er gemäß dem seinerzeitigen Ausschuß beschluß mit dem Referenten Rybarit die Vorlage umgearbeitet habe. Nun umfaffe fie alle Per fonalsparmaßnahmen und schaffe auch nach der Richtung volle Klarheit, welche Bestimmungen des finitiv und welche nur vorübergehender Natur find. riums, die Sparmaßnahmen für drei Jahre zu Entgegen dem Vorschlag des Finanzministe beschließen, nahm der Ausschuß einmütig den Antrag an, die zeitweiligen Sparmaßnahmen nur bis Bessere Beziehungen Nr. 290 Prag- Warschau London.( Eigenbericht.) Verschie bentlich wird darauf aufmerksam gemacht, daß in ben polnisch- tschechoslowakischen Beziehungen in den letzten Tagen eine gewiffe Entspannung eingetreten ist, die auch mit dem Besuche Delbos in Verbindung gebracht wird. Man erwartet übrigens, daß Delbos in Bukarest das Angebot auf Abschluß eines ilfs pattes erneuern wird. Die Chancen für die Annahme durch Rumänien werden ver schiedentlich beurteilt. Da Rumänien teine weitgehenden Verpflichtungen gegenüber Rußland übernehmen will, aber doch auf Frankreichs Hilfe gegen die revisionistische Politik und vor allem auf die französische Unterstüßung für die rumä nische Aufrüstung angewiesen ist. Gemeinden 78 auf eine Umfrage ausbrüdlich beftätigt, daß die Steuererleichterungen ein ausgezeich netes Mittel zur Belebung der Bautätigkeit sind. 31. Dezember 1938 au terminieren. Dies gilt auch für die Bestimmungen über Ehepaare im Staatsdienst und über die Beförderungstare, die Noch kein Einvernehmen nach Ansicht des Ausschusses nicht dazu führen barf, daß der Angestellte durch das Avancement finanziell noch geschädigt wird. giert werden. Beschaffung von Hypothekarkrediten im Bergbau Brag.( Amtlich.) Am 9. Dezember wurde Die Vorlage über die Kartellgebühren weist einige sehr dehnbare Bestimmungen auf, von denen ten Sibung auch noch vorgeschlagene ft i I i ftiüber die Forderungen der Bergleute im OstrauAm Abend nahm der Ausschuß in einer zwei- im Ministerium für öffentliche Arbeiten in Prag es noch keineswegs sicher ist, daß sie die ungeteilte Bustimmung des Ausschusses finden werden. Die Ge- dhe Aenderungen an und ferner zwei Resolutio- Starwiner Revier zwischen den Vertretern der bühr wird auf 0.5 Prozent der Gesamtsumme der nen, in denen die Regierung aufgefordert wird, Unternehmer und der Bergarbeitergewerkschaftsdie Reisediäten für Staatsangestellte einheitlich zu organisationen verhandelt. Beide Parteien fonBahlungen für inländische Lieferungen und Leistun regeln und die abermalige Auszahlung eines fretisierten ihren Standpunkt, die jedoch allzugen, auf die sich der Kartellvertrag bezieht, festge- 28 eihnachtsbeitrages zu erwägen. fehr voneinander abweichen, so daß es noch nicht fezt, wobei Doppelbersteuerungen ängstlich vermieden wenn die Auszahlung in der seinerzeit festgesetz gelungen ist, ein Einvernehmen zu erzielen. Die werden. Schon im§ 2 wird aber bestimmt, daß dieser ten Höhe untunlich erscheine, sollen wenigstens die Berhandlungen wurden um 23 Uhr abgebrochen. Abgabenabsatz durch Regierungsverordnung erfür individuelle Weihnachtsentlohnungen Am 10. Dezember wird mit den Verhandlungen mäßig t, ja jogar gana nachgelaffen zur Verfügung stehenden Beträge einheitlich auf über die Forderungen der Bergarbeiter aus dem werden kann. Auzer Kratellverträgen, die sich nur alle Angestellten aufgeteilt werden. Belohnungen nordböhmischen und Falkenauer Revier begonnen auf den Erport erstreden, find auch internatio für besondere Leistungen sollen dadurch nicht tan- werden. " ale Kartellverträge abgabenfrei, soweit nicht die Konkurrenzverhältnisse inländischer Kartellteilnehmer Krofta: Unsere Außenpolitik ist friedlich. Im burch fie geregelt werden. Die Gebühren sind im allwaltung soll jedoch nach§ 11 berechtigt sein, mit den gemeinen vierteljährlich zu bezahlen. Die FinanzverBudgetausschuß des Senates erklärte AußenStartellen Vereinbarungen über die Gebüh- bauen oft an der Unmöglichkeit, Bautrebite zu an Feindschaft gibt. Wir hegen auch keine Feinds Bekanntlich scheitert auch die beste Absicht zu durchaus friedlich ist und niemandem Grund zur minister Dr. Krofta, daß unsere Außenpolitik rengrundlage, über die Aufteilung der Gebühren und nehmbaren Bedingungen zu erhalten. In der Aus- schaft gegen gewisse Nachbarn, auch wenn wir die Art ihrer Einhebung abzuschließen. In diesem sprache über die Verlängerung des Bauförderungs- von ihrer Seite allerhand mitzumachen hatten. Falle soll es auch zulässig sein, die ganze Kartell gefeßes regte Genosse aub im sozialpolitischen Wir haben das mit Ruhe und Selbstverleugnung gebühr durch eine entsprechende Regelung des Um- Ausschuß deshalb eine Ergänzung des Artikels VI ertragen und selbst niemanden beleidigt und auch sazsteuerpauschals zu erseßen. in dem Sinne an, daß der Staat nach Kräften KreResolution, in der verlangt wird, daß sich der Aus- Nachbarstaaten nicht so ist, wie es sein sollte, ditmöglichkeiten gewähre. Er beantragte ferner eine nicht gereizt. Wenn unser Verhältnis zu einigen fchuß in einer der nächsten Sizungen im Beisein der Nachbarn haben wir jedoch solche Differenzen, dann ist das nicht unsere Schuld. Mit keinem Minister für soziale Fürsorge und für Finanzen daß sie sich nicht in Ruhe und Frieden beilegen sowie von Vertretern der Geldinstitute mit der Frage der Beschaffung von Sypothetartre. licßen. diten beschäftigte. Die Resolution wurde bom Ausschuß angenommen. verwaltung, die bis zur völligen Aenderung der geDiese weitgehenden Vollmachten an die Finanzfamten Struktur der Abgabe gehen, find offenbar auch die Ursache, weshalb die tschechischen Sozialdemokraten am Abend neuerdings den Auf schub der Abstimmung im Budgetausschuß durch fetten. Unifizierung der Gemeindeordnung Der Budgetausschuß des Senats befaßte sich Donnerstag vormittags mit den Kapiteln Aeußeres, Nationalverteidigung und Inneres. Im Alles schien nunmehr in Ordnung zu sein. Schlußwort kündigte Sektionschef Dr. Pia č Doch da erklärte vor der Abstimmung über die nit in Vertretung des Innenministers an, daß Bebedungsvorlagen der Sprecher der tschechischen Vorbereitungen zur Unifizierung der Sozialdemokraten Chalupa, daß seine Partei Gemeindeordnung im Gange find. Auch erst noch die Vorlage über die Kartellgebühren das Innenministerium gebe zu, daß die Institus durchzuberaten wünsche und daß fie über- tion des Heimatsrechtes durch die Entwicklung der haupt über die Bedeckungsvorlagen nicht ab. Verhältnisse zu einem beträchtlichen Teil überholt stimmen wolle, ehe nicht auch die Kartellgebühren sei. Mit der Neuregelung dieser Frage hänge| 34 DERKLEINE VON EUGENE DABIT Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot ,, Borwärts. Bereits erledigt." Er dankt mir mit einem Lächeln, das mich für alles entschädigt. Jezt erst spüren wir unsere Müdigkeit, unseren Hunger, unseren Durst. Wir wollen fragen, ob wir immer aufam mengehen können", sagt Masse leise. ,, Willst du?" ... Ich will gern", gebe ich ihm zur Antwort. 9. Kapitel Die Kameraden schütteln mir die Hand. Der General gibt mir das Papier zurück und entfernt sich. Und ich gehe, innerlich aufgewühlt, weiter. In Jumigny warten Wagen auf die Urlauber. Endlos ist die Fahrt, ehe wir in Epernay ankommen. Durchgeratiert und steif im Kreuz, steige ich aus. Hier hat Vater im Jahre 1893, also vor macht. fünfundzwanzig Jahren, seine Dienstzeit abgeIch denke: wie viele Monate sind vergans gen, seit wir uns zuletzt gesehen haben? Keine Aenderung in den Pensionisten- Abzügen! Im sozialpolitischen Ausschuß teilte der Vorsitzende Dr. Meißner mit, daß er mit dem Mehr Hausreparaturen in deutschen Ministerpräsidenten und dem Finanzminister dars Gemeinden über verhandelt habe, ob nicht den Pensionisten Bei der Beratung der Steuerbegünstigungen für als Entgelt dafür, daß sie an der weiteren HerabSausreparaturen erklärte der Referent Tymes im fegung der Abzüge nicht partizipieren sollen, eine sozialpolitischen Ausschuß, daß diese Vorlage, die Herabseßung des Staatsverteidigungsbeitrages nunmehr berlängert werden soll, von den deutschen zugestanden werden könne. Weiters habe er darHausbefizern weit mehr ausgenügt werde als von über verhandelt, ob es nicht möglich wäre, durch den Tschechen. So partizipierten 8. B. in Böhmen einen Verzicht der aktiven Angestellten auf die an den Steuerbegünstigungen die Hausbefizer in weitere Milderung der Abzüge vor dem 1. Juli Gemeinden mit deutscher Mehrheit im Jahre 1935 einen Betrag von 17 Millionen einzusparen, der mit 59, im Jahre 1936 fogar mit 66 Prozent. Trotz dann für die Pensionisten verwendet werden dem das Gefeß den Gemeinden einen empfindlichen fönne. Beide Anträge seien jedoch von den er Ausfall an Zuschlägen bringt, haben doch von 104| wähnten Faktoren abgewiesen worden. ,, Woher kommst du? Hast du auch richtigen| Kartoffeln dazu und reicht mir den bollen Napf. Urlaub? Wann fährst du weiter?" Er läßt mich nicht aus den Augen. Er beklopft mich, tritt einen Schritt zurück. " Du bist gewachsen. Ich weiß nicht, ob es die Uniform ist: jedenfalls erkennt man dich kaum wieder. Du bist ein Mann geworden indessen." Er fragt mich aus. Dann wendet er sich an feinen Freund: " Du siehst, Boiteur, da heißt es von der Artillerie, sie wäre ein halber Druckposten!" Seine Stimme ist voll staunender Bewunde rung, voller Zärtlichkeit. " Donnertvetter ja, hast dich mächtig verIch zähle an den Fingern ab, tomme aber ändert. Kleiner kann man dich jest nicht mehr nicht zurecht. Dann nehme ich eine Photographie nennen." aus der Brieftasche: Vater, inmitten einer Auch er ist nicht mehr, der er war. Ganz Gruppe, mit spöttischem Gesicht. Er hat mich nie anders sieht er aus als auf der Photographie! als Soldat gesehen, wird also sehr überrascht sein. Nicht mehr so luftig. Mit seinen fünfundvierzig Hinterher besuche ich Mama in Marcilly. Jahren hält er sich frumm wie ein alter Mann, Der Zug fährt die Marne entlang und be- und wenn er geht, schleppt er die Füße nach. Auch Als ich mich an einer Wegkreuzung umrührt das Lager von Chalons. Man ruft einen schlaff, seine Augen trübe, seine Stirn ist voller magerer ist er geworden. Seine Backen sind drehe, um ihnen noch einmal zuzuwinfen, find Namen aus: La Veuvel" Hier ist es. Falten. Er ist nicht rasiert, und die Stoppeln, die sie verschwunden, Nur Masse steht noch da. Ich sein Gesicht bedecken, sind ganz grau. Seine ,, Bergnügten Urlaub", ruft er, seinen Helm schwieligen Hände mit den abgebrochenen Nägeln Ich sind hart wie Leder; sie riechen nach Tabat, nach Schweiß und Mist. Ein Landstürmer, zu alt, um zu kämpfen, doch gut genug, um die Wege auszus beffern oder Material zu farren. schwenkend. Der Weg ist schlecht, aber still. Das Gras wächst wieder, die Sträucher seßen nospen an, das Wasser in den Trichtern fault. Und doch ist Fauchois hier in der Nähe gefallen, als wir das mals in die Stellung gingen. Ein Mann, der aus einem Hohlweg auftaucht, hält mich an. ,, Wo wollen Sie hin, Artillerift?" Sterne funkeln an seinem Käppi und an seinen Aermeln. Ich schlage die Hacen zusammen und nehme Haltung an. ,, Herr General, ich gehe... Ihren Urlaubsschein." Er lieft ihn aufmerksam durch. Ein General! Mich durchzuckt der Gedanke, ich müsse mich auf den Mann stürzen, um meine Kameraden zu befreien. Am Eingang des Dorfes Baracken. dringe ohne weiteres ein. Ein Mann fist auf einem Strohsad. frage ihn: Kennen Sie Henri Decamp?" Er starrt mich an. Schließlich fagt er: ,, Das ist doch der Sprößling, wenn mich nicht alles täuscht?" Es ist Boiteur, Vaters Freund. ,, Henri ist einholen gegangen. Der wird Augen machen, wenn er zurüdfommt!" " Du siehst", sagt er, mit den Armen schlenferno,„ man hat es nicht schlecht. Man lebt. Was will man mehr?" Mein Herz trampft fich aufammen, so traurig bin ich. Zärtlich legt er mir die Hand auf die Schulter. ben ,, Es ist viel Wasser ins Meer gelaufen, seit man sich zum lestenmal gesehen hat, mein Junge. Wo war es doch? In Matougues." Wir plaudern. Die Tür geht auf. ,, Papa!" Ich stürze in seine Arme. Zum Glück ruft Boiteur mich ab, um mich alten Kameraden seiner Rotte vorzustellen. Du haft uns in Matougues gesehen", sagen Erinnerft dich nicht mehr? Allerdings warft du ein Junge, damals." fie. " Bu Tisch!" schreit Boiteur. Man gibt mir den Ehrenplay. Man öffnet eine Konservenbüchse und bietet mir zuerst davon an. Dann wählt Vater ein Stück Fleisch aus, tut Wie Mama nötigt er mich, mehr zu essen, als ich kann. Und ihr?" frage ich. ,, Mach dir um uns feine Sorge!" " Sie haben hauptsächlich Durst. Sie füllen ihre Becher, leeren ihre Flaschen. Dann holen sie ihre Pfeifen hervor und qualmen. ,, Willst du auch eine?" fragt Vater. " Ich rauche lieber eine Bigarette." " Hier, trink einen Schnaps. Und Mutter fannst du erzählen, daß wir in Ruhe sind. Bis auf die Flieger. " Und die Krankheiten und das Ungeziefer", ruft Boiteug dazwischen. Man hat's bis oben bin, kann ich dir sagen. Vielleicht geht's jetzt schneller, wo die Amerikaner tommen. Wenn man erst wieder zu Hause wäre!... Vier Jahre! .. Verdammter Mist!.. # Aber wenn sie uns dann noch Knüppel zwischen " Ja, verdammter Mist", pflichtet Bater bei. die Beine werfen, in der Heimat, meine ich, dann gnade ihnen!" ,, Wirst du wieder Kutscher werden?" „ Nee, dazu hat man nicht vier Jahre Krieg gemacht, Kleiner." " Ich gehe auch nicht mehr in mein Büro", fagt Boiteur. anderer. " Jch auch nicht mehr in die Fabrit", ein " Alle reden durcheinander. Sie errichten eine neue Gesellschaft", in der Bourgeois und Neus reiche nichts zu lachen haben. Für die Jungen", versichern sie mir,„ kommt eine gute Zeit." Baters Augen leuchten. Sein Atem riecht nach Tabat und nach Wein. Er wiederholt mir begeistert: Du gehst in die Schlosserei zurück. Wirt bald Werkmeister. Tja, man hat noch schöne Tage vor sich." Plöblich ein Ruf: ,, Achtung, Fliegeralarm!" ( Fortsetzung folgt)] Freitag, 10. Dezember 1937 Seite 3 -Nr. 290 kelckenberger Theaterbrief Einen künstlerischen Höhepunkt hat di« laufende zweite Spielzeit der Direktion Paul Barnah mit einer im ausverkauften Haufe mit jubelnder Begeisterung aufgenommenen Neueinstudierung der „M e i st e r f i n g e r" erreicht. Was Dr. Jalowetz als Opernchef für Reichenberg bedeutet, hat diese wahre Festaufführung so recht bewiesen. Dar verstärkte Orchester, folgte mit Verständnis und Hingabe den feinsten Einzelheiten seiner den imiersten Geist des Werkes erschließenden Leitung. Magners kundige Regieführung, SaidaS schöne Bühnenbilder und Kostüme, die von Kapellmeister Adler mit besonderer Sorgfalt einstudierten Chöre und die Leistungen der ihr Bestes hergebenden Solisten paarten sich mit dem Orchestralen zu einer von der Pracht und dem Glanz der Tondichtung erfüllten Wiedergabe. Als Hans Sachs gastierte Josef Schwarz (Prag), in Gesang und Spiel gleich beherrschend. Lore Meher als Eva, Erich Kaufmann als Pogner, Fred Hülgerth als Stolzing, Rudolf Sandner als David, Georg Vogt als Beckmesser, Vera Borska als Magdalene, sind ein glänzendes Ensemble, dem sich Fritz Bergar als Kothner anfangs mit seinem Hellen Stimmklang etwas befremdlich, dann aber gleichwertig einfügte. Sehr lebendig war die Prügelszene, berauschend schön die Festwiese. Der Beifallsturm nach den Aktschlüssen, besonders aber nach der Festwiese wollte kein Ende nehmen. Die Oper hat uns seit dem vorigen Bericht außerdem mit einer in jeder Beziehung prachtvollen Aufführung von„Figaros Hochzeit" erfreut— Leitung Dr. Jalowetz, Regie Martin Magner, Bühnenbild und Kostüme Franz Saida, Almaviva Paul Erdy, Gräfin Lore Meyer, Figaro Erich Kaufmann, Susanne Edith Falusch, Cherub in; Martha Arazym. Ebenso gut war auch di« Neueinstudierung von Massenets„M a n o n" in geradezu idealer Besetzung der Hauptpartien mit Martha Arazym, Anton Klubal, Erich Kaufmann, Paul Erdy; musikalische Leitung Kurt Herbert Adler. So zeigt sich die Oper als künstlerischer Mittelpunkt des Spielplans und widerlegt aufs glänzendste jene Meinungen, die zur„Sanierung" des Theaters einmal einer Auflassung der eigenen Oper das Wort redeten. Das Schauspie l zeigte seine Leistungsfähigkeit in einer packenden, Wiedergabe von ,Fi a- bale und Liebe". Die von Direktor Barnay besorgte Spielleitung brachte das Werk in einer Art heraus, die seine Aktualität fühlen ließ. Eine manchmal an Paula Wessely gemahnende Luise war Lotte Mittersteiner, eine überzeugende Milford Thea Schober. Walter Guberth als Präsident, Lothar Rewalt als Wurm, Bernhard Wilfert und Emma Murauer als Miller und Frau, Edgar Mehlhardt als Kammerdiener, Felix Knüpfer als Kalb boten ausgezeichnete Verkörperungen,(gegen die der Ferdinand Werner Krauts in seinem Ungestüm leider etwas abfiel.)„Jean" hat trotz glänzender Aufführung hier nicht so eingeschlagen wie an vielen anderen Bühnen. Ebenso ist der aus dem englischen übersetzten Komödie„Erinnerst Du Dich?" der große Publikumserfolg versagt geblieben. Das.Meine Glück auf der Wieden" aber hat eingeschlagen und nicht nur mit der Werbezirk, sondern auch mit Emma Murauer sehr gefallen. In der Operette war in den Berichtswochen die auf unserer Bühne für die Tschechoslowakei uraufgeführte„Grete im Glück" der größte Erfolg; darüber wurde schon gelegentlich der Erstaufführung berichtet. Das Werk steht auch jetzt noch — abwechselnd mit dem„Echten Grinzinger", der in Reichenberg das Licht der Welt erblickt hat— auf • dem Spielplan. Das mit in den■ Bereich der Operette gehörende musikalische Lustspiel„Warum lügst Du, Cherie..?" hat auch hier großen Beifall gefunden, nicht zuletzt dank der glänzenden Aufführung(Spielleiter Otto Dewald, musikalische Leitung Emil Emanuel). Das au- Elfi Streit, Niax Böhm, Rudolf TIusty, Otto Dewald, Emma Murauer, Alwin Brosch und Alexander Haber bestehende Ensemble ließ keinen Wunsch offen. Eine Klasse für sich waren die mit unseren ersten Opernsolisten Kaufmann, Erdy, Klubal usid Sandner besetzten vier Polizisten, die das Publikum förmlich begeisterten. Es war ein sehr vergnüglicher Abend voll spritzender Laune. Das erste Sinfoniekonzert brachte im erfreulich gut besuchten Hause die Kantate Ar. 106(actus tragicus) von Johann Sebastian Bach, dann Bruchstücke aus der Oper„Wozzek" von Alban Berg und schloß mit Beethovens„Eroica". Dr. Jalowetz und das von ihm mit Feuer und Inbrunst geführte Orchester mußten unzählig« Male für die Beifallsstürme danken. In die Berichtszeit fällt auch der Beginn der diesjährigen Arbeiter- und Angestelltenvorstellungen, veranstaltet von der Reichenberger KreiSgewerkschaftskommission. In je zwei ausverkauften Aufführungen wurden bisher geboten„FigaroS Hochzeit" und.Kabale und Liebe". Beide Werk« find Anklagen gegen Unmoral und Sittenlosigkeit der Herrschenden. Die aufrüttelnde Wirkung auf die Besucher der vier Vorstellungen läßt sich kaum schildern; sie ist der überzeugendste Beweis von der unvergänglichen Gegen- wartSnähe wahrer Dichtung, aber auch von der immer lebendigen Unmittelbarkeit der Verbindung zwischen wirklicher Dichtung und arbeitendem Volk Karl Löwit. Großangriff auf Nanking aus japanischer Trupprnabteilun- Wenn diese Mrl- Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht erfolgt.(DND) Kronprinzen-Paläis l Glauben die Herren, die den tschechoslowakischen Gesandten dorthin gehen ließen, daß auf solche Weise das aktivistische, demokratische, staatstreue Element im sudetendeutschen Lager gestärkt wird? Und wird solcher Art wirklich der Grundgedanke erhöht, auf dem dieser Staat beruht und dessen Zeugen Masaryk, Benes und HodZa sind? Spina und Henlein vor dem Daubaer Gericht Vor dem Bezirksgericht in Dauba erfolgt heute vormittags die Fortsetzung deS Ehrenbelei« digungsprozesses, den Konrad Henlein gegen den BdL-Sekretär B e ck wegen des Vorwurfes deS Wortbruches, den Beck in einer öffentlichen SdP- Versammlung in Woken erhoben hatte, angestrengt hat. Die Hauptverhandlung ist für Freitag und Samstag angesetzt und es soll dabei zu einer Fortsetzung der Zeugeneinvernahme Henleins sowie zur Einvernahme des Ministers Dr. Spina als Zeugen kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine Gegenüberstellung der Zeugen Spina und Henlein erfolgt. Der Prozeß soll spätestens Samstag seinen Abschluß finden. Abgeschlagene Angriffe Francos Madrid.(Havas.) Mittwoch früh eröffneten die Aufständischen einen heftigen Angriff im Abschnitte Billa Nueva de la Eanada, zwei Kilometer nördlich Brunete. Seit dem letzten Gegenangriff des Generals Franco im Juli des heurigen Jahres, im Verlaufe dessen die repu- blikanijchen L Abteilungen^Brunese 7 verlassen haben, blieben die Abteilungen FrancvS ungefähr drei Kilometer südlich von Billa Nueva de la Canada. Der gestrige heftige Angriff, bei dem die Francotruppen zahlreiche Tanks einsetzten, wurde von den Republikanern zurückgeschlagen. Nanking. Die Schlacht um Nanking begann in Wahrheit erst Donnerstag, als die Japaner nach einigen Pofitionsänderungen die Offensive gegen die Chinesen begannen, welche zähen Widerstand leisten. Den ganzen Tag über ist Ge- schützfeuer und das Einschlagen der Granaten zu hören, während jepanische Flugzeuge ohne Unterlaß die chinesischen Positionen bombardieren. Die chinesischen Abteilungen setzen die Vernichtung aller Gebäude fort, die alS Deckung dienen könnten. Gegen Abend wüten in einzelnen Stadtvierteln Nankings noch Feuerbrände und die Stadt ist in dichten Rauch gehüllt. Die verzweifelten Bewohner beobachten traurig das Werk der Vernichtung, dem ihre Wohnstätten zum Opfer fallen. Einzelne äußerliche Anzeichen, insbesondere Vorbereitungen für Gegenwehr, scheinen dafür zu zeugen, daß die Chinesen die Stadt bis an die Grenze des Möglichen zu verteidigen beabsichtigen. Sämtliche schmale Gassen sind verbarrikadiert und auf den aus Möbelstücken, Sandsäcken und Steinen errichteten Barrikaden sind Maschinengewehre aufgestellt. Die chinesischen Militärbehörden erließen an die Ausländer eine Warnung, gegen den Eintritt in die Stadt. Die Chinesen geben zu, daß die Japaner Tschinkiang erobert haben, erklären aber, daß die Festungen noch in ihren Händen sind. Unbestätigte Meldungen Ouellc besage», daß japanische gen in Wuhu eingezogen find. dnng der Wahrhett entspreche« würde, würde dies Lansbury ist in Prag eingetroffen Der labouristische Abgeordnete George L a n s- b u r u ist Donnerstag abends in Begleitung seines Mitarbeiters Rev. Carter und des Generalsekretärs der Gesellschaft der Friedensfreunde Percy W. Bartlett in Prag eingetroffen. Auf dem Wilsonbahnhof begrüßten ihn in Vertretung des Außenministeriums Ministerialrat Dr. Cerny und Dr. Kubka, für di« englische Gesandtschaft H. C. Purvis. bedeuten, daß die einzige Möglichkeit für den Rückzug der Chinesen im UeVerschretten des Flusses Jangtse bestände. Japans Kriegsziele Tokio.(Reuter.) Der Präsident einer großen Textilgesellschaft Kanegafuchi erklärte, der Fall Nankings könnte vielleicht von großer militärischer Bedeutung sein, in wirtschaftlicher Beziehung würden aber mit dem Falle der chinesischen Hauptstadt bei weitem noch nicht alle Ziele Japans erreicht sein. Kanegafuchi fügte hinzu, daß die wirtschaftlichen Kreise Japans den Wunsch hegen, daß die Kriegsoperationen noch weiter fortgesetzt werden. Tatarescu nach Paris Bukarest.(Havas.) Wie verlautet, wird der rumänische Ministerpräsident Tatarescu der fran« zösischen Regierung im Jänner n. I. einen offiziellen Besuch abstatten. Tatarescu, der heute mit Minister DelboS über den Gegenstand dieses Besuches beriet, wird in Paris mit dem Ministerpräsidenten ChautempS und den übrigen Regierungsmitgliedern politische Gespräche führen. In Karies London. Wie„Times" aus Warschau berichten, hat der polnische Außenminister Oberst Beck eine offizielle Einladung zum Besuch« Lettlands erhalten, der er voraussichtlich Folge leisten wird. Bei dieser Gelegenheit wird er auch Estland besuchen. Der Besuch wird im Jänner des nächsten Jahres stattfinden. Mexiko City. Der gegenwärtige mexikanische Gesandte in Paris Oberst Alberw Tejeda wurde zum mexikanischen Botschafter in Barcelona ernannt. München. Der Zustand des Generals Ludendorff hat sich, wie auS dem Krankenhause mitgeteilt wird, bedeutend gebessert. Was noch Herr Mastny? Mittwoch wurde in Berlin die„erste sudetendeutsche Kun st aus st el- lung" eröffnet.„W erwardabei? Natürlich die Führer der sudetendeutschen Schutzverbände, Getznerfür den Kulturverband, W e h» renfennig für den Bund der Deutschen, Bernhard für den Deutschen Turnverband; (die letzgenannte Körperschaft dürfte ja besonders berufen sein, diese sudetendeutsche„Kunst", die sich vorher schon in Karlsbad sehr unkünstlerisch zur Schau gestellt hatte, zu beurteilen und zu fördern!). Und wer war noch dabei? Herr Kolk' e n h e y e r, der Dichter von Hitlers und Henleins Gnaden. Und natürlich Herr Henlein selber; der hielt die Eröffnungsrede namens des Sudetendeutschtums; diese Präponderanz läßt sich der Führer der SdP nicht nehmen, selbst zu dem Zeitpunkt nicht, da ein Teil der eigenen Partei sich gegen ihn wendet und ihm das Recht abspricht, namens der Sudetendeuffchen schlechthin zu sprechen. Wer aber war schließlich noch dabei, als der Führer jener Partei, für die T e p l i tz und seine beispiellose Ausschlachtung durch die reichsdeutsche Presse charakteristisch ist?„Unser" Gesandter, der Herr Mastnh, der vielbesprochene„Diplomat", der jetzt überall dabei ist, wo die Loyalität unter die Sonne der Diktatur geht! Hat Herr Mastnh dahin gehen müssen? Gab es keinen anderen diplomatischen Ausweg? Herr Henlein, der sich immer blendender Gesundheit erfteut, wenn er die in einer Demokratie lebenden Sudetendeutschen vor den Augen der Diktatoren repräsentteren darf, wurde, als Ma« | saryk begraben wurde, unpäßlich, obwohl die Lenin— auch ein Trotzkist? In ihrem krankhaften Eifer überall Trotzkisten der Arbeit zu sehen, ist der„Roten Fahne" in der“ böser spricht „ollen nins", wird und nennt das Goebbels-Küche". Daß das Testament Lenins eine mehr als zehn Jahre alte Sensation ist. daran sind wir unschuldig, denn Lenin ist eben mehr als zehn Jahre tot. Es ist aber immerhin bemerkenswert, daß ein richtiges Zitat aus dem Testament des Begründers des neuen Rußland als aus der„Trohki-Goebbels-Küche" bezeichnet wird. Hat vielleicht Stalin die Herren aus der „Roten Fahne" angewiesen, auch Lenin einen Trotzkisten zu nennen, bloß deswegen weil Lenin in seinem Testament die Bolschewiki vor Stalin gewarnt hat? Polemik gegen den«Sozialdemokrat" ein Betriebsunfall zugestoßen. Das Blatt in dieser Auseinandersetzung von der 1924er Sensation vom Testament Lewelche von uns gegen Stalin ausgenützt „Kohl aus der Trotzki« Rumäniens Nazi-Deutsche als nationale Verräter Wahlbündnis mit Tatarescu-Voevod London. fEigenbericht.) Die rumänische RcgiernngSgrnppe hat ein Wahlübereinkommen mit den deutschen Nazis in Siebenbürgen gettoffen, dir von dem berüchtig- ten Goebbelsagenten Fabricins geführt werde». Fabricins spielt in der dcnffchen Minderheit Rumäniens ungefähr die Rolle, die Henlein im Sadetendeuffchtnm spielt und sein Wahlabkomme» mit der Regiernagsgrnppe ist ein glatter Verrat an de» Interesse» des rnmä- nischeu Deutschtums zugunsten von etwa neu» Leuten, die Abgeorduetensitze erlange» werden. Dieses Wahlabkomme« ist eine gewisse Parallele z» de« Bemühungen, die tschechische Rechtskreise seinerzeit znr Gewinnung der SdP für dir Kandidatur eines uattonalistischen Staatspräsidenten unternommen hatte», Bemühungen, de- ne« gegenüber sich die Henleinlente bekanntlich damals ebensowenig spröde gezeigt haben wie ihr Gesiunungsgenoffe Fabricins in Rnmänieu sich jetzt spröde zeigte. Diese seltsame Bundes- geaoffenschaft des Naziführers mit de« Exponenten der Unterdrückung deutsche» Volkstums in Rumänien wird seine anfklärende Wirkung über die nationale BerratStatigkeit der Nazis auf die Ausländsdeutsche« hoffentlich nicht verfehle«. Die Kanzlei des Präsidenten und der 18. Feber Wie„SeveroLeskh denik" berichtet, wurde ein junger Beamter der Steuerverwaltung in Reichenberg namens Stöffl sowie ein älterer Angestellter der gleichen Behörde in die Kanzlei des Präsidenten berufen. Wie der DND hiezu erfährt, befinden sich bisher unter dem Personal der Kanzlei des Präsidenten der Republik sechs Deutsche, darunter zwei Konzeptsbeamte und zwar Ministerialrat Dr. Schraubet und Dr. Pachmann. Entsprechend den Regierungsbeschlüssen vom 18. Feber soll den Deutschen auch in der Kanzlei des Präsidenten der Republik eine schlüsselmäßige Vertretung im Beamtenstande eingeräumt werden, weshalb verschiedene Berufungen in Aussicht genommen sind. Tatsächlich soll von der Reichenberger Steuerverwaltung der Beamte Stöffl in die Dienste der Kanzlei des Präsidenten der Republik übernommen werden, ebenso ein älterer Angestellter deutscher Nationalität aus Prag. ] 1 stoßen habe. Die Arbeiterpartei stehe geschlossen hmter Attlee. Die Regierung werde in keiner Weis« eine Aussprache über die Spanienreise Attlees begünstigen. Labour hinter Attlee London. Die Labour Party lehnt die An griffe des konservativen Abgeordneten Lidall auf bte Spanienreise des Labour-FührerS Major\ sumsten Strahlen der Frühherbstsonne dem großen Attlee entschieden ab.„Daily Herald vertritt Demokraten auf seinem letzten Gange leuchtete; die Auffassung, daß Attlee rn keiner Werse gegen! dem Herrn Mastnh tuen die garstigen Nebel die von ihm übernommenen Verpflichtungen ver-, be8 Winters nichts— er muß dabei sein, auch im Titulescus Kandidatur Bukarest. Der frühere Außenminister Ti« t u l e s c u wird nach einer Mitteilung der nationalen Bauernpartei im Wahlbezirk Old, dem Heimatbezirk TituleScuS, auf der Liste der nationalen Bauernpartei in die Kammer kandidieren. TituleScu, der Senator von Rechts wegen, also auf Lebenszeit ist, wird nach zwei« bis drei« monatiger Tätigkeit in der Kammer auf sein Senatsmandat optieren und sein Kammermandat srinem Nachfolger überlassen. Vor neuer Nazi-Offensive In Oesterreich? London.(Eigenbericht.) Man erwar- 1er eine neuerliche Nazi-Offensive in Oesterreich, die durch eine intensive Tätigkeit der illegalen Nazi-Organisationen in Oesterreich eingeleitet werden soll. Es werden Berichte bekannt über das Bestehen einer auswärtigen Sektion der österreichischen Nazis, die an der Brennergrenze Spionagedienste für Deutschland gegen Italien leisten. Aus Schuschniggs„Demokratie" Graz. Der 33jährige Maurer Rudolf Berger auS Knittelfeld wurde vom Schwurgericht in Leoben wegen V e r k e h r s mit der illegalen kommunistischen Partei und wegen Verbreitung von Propaganda-Material zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Berger war bereits wegen Hochverrats zu zwei Jahren Kerkers verurteilt worden. Teile 4 Freitag, 10. Dezember 1937 Nr. 290 Deutscher Massenmörder in Paris TlALsnemAkeikk Die StreIcher-„DeutscheiT Die„Seit", bekanntlich das Hauptorgan der Henlcinpartei, bringt eine langatmige Besprechung der Münchener Ausstellung.Der ewige Jude". Es ist selbstverständlich, daß dieses Blatt, in einer demokratischen Republik als Organ einer .demokratischen" Partei erscheinend, diese Ausstellung in den Tönen höchsten, Lobes besingt, obwohl, ja, weil diese Ausstellung im Stile der „Stürmer"-Pornographie an die„Lösung" der Judenfrage herangeht. Die„Zeit" ist„erschüt- tert" durch den Anblick der.Judengesichter", die ihr Berichterstatter in München sieht. Um die Toten zu nennen: es sind die edlen Gesichter der Sozialisten Bernstein, Austerlitz, Haase, Singer. Die„Zeit" meint, das; Polgar kein Dichter, weil nicht rein arisch sei, sie mokiert sich über den „näselnden Gesang", der in der Ausstellung von „jüdischen Schallplatten" kommt. Und besonders bedauert die„Zeit", daß die— Tschechoslowakei auf dieser Ausstellung*stark vernachläs- s i.g t" wird,„ob wohlsie reichlich Material böte"! In der„Zeit" sind jedoch folgende Tatsachen aus dieser„Ausstellung" nicht zu lesen: daß die Juden für sämtliche pornographische Literatur verantwortlich gemacht werden(obwohl z. B. der„Stürme r" nicht von ihnen redi» giert wird), daß„jüdische" Rasen und Ohren demonstriert' werden, daß behauptet wird, vor allem die Juden betätigen sich kriminell und sie beschäftigten sich mit dem Schächten von Menschen.„Auch die grauen Haare der jüdischen Greise flößen keine Achtung ein; die Halunkengesinnung steht ihnen auf dem Gesicht geschrieben"— so heißt es auf Seite 1k einer Broschüre, die in der Ausstellung verkauft wird. Bon fünfzig Juden, die, zum Teil aus rein politischen Gründen, schon jahrelang im Konzentrationslager Dachau gequält werden, heißt neben den ausgehängten Photographien, daß es„Iau- terMörderündSittlichkeits- p erbrech er" seien. Bon La Guardia, dem' Bürgermeister New Jorks wird besagt:„Ein s ch w e inischer Coupletsänger? Nein— eS ist der Oberbürgermeister der jüdischen Weltmetropole". Diese Ausstellung also findet den Beifall der„Zeit" l Da kann man wohl verstehen, welcher Art die„Kulturverbundenheit" ist, der Henlein in Berlin das Wort redete: sie schließt das Bekenntnis zu den Streicher- Bestien in sich, für die sich jeder Kultur- deutsche zutiefst schämt. 0er millionte Rundfunkhörer: ein Deutscher Julius Richter aus Mariaschein Prag. Donnerstag wurde der millionte Hörer des tschechoflowaki scheu Rundfunks ausgelost. Millionter ist Julius Richter aus Mariaschein. Als 999.999 Hörer wurde Jaroslav G u- p ä n aus Zidenice und als der Millionerste Hörer Augustin Bayer aus Neutitschein ermittelt. Richter und Bayer sind Deutsche. Alle Gewinne werden in einer Sondernummer der Zeitschrift„Radioobchod" und„Radiohandel" veröffentlicht werden. Der Anzeiger des Radiojournals wird bereits in dieser Woche die Namen der 13 ältesten Rundfunkhörer bringen» die im Rahmen einer vom tschechoslowakischen Rundfunk veranstalteten Aktion Prämien erhallen werden. Die Aktion, die am 20. Oktober eröffnet wurde, hatte guten Erfolg. Der tschechoslowakische Rundfunk gewann durch die Aktion„Eine Million Rundfunthörer" 23.564 neue ordentliche Rundfunthörer, was für das Post- und Telegraphenministerium eine neue Einnahme von Xd 285.640.— an regelmäßigen monatlichen Rundfunkgebühren einbringt. Zu dey bereits gemeldeten ersten drei ausgelosten Rundfunkteilnehmern kommen noch hinzu als 1,000.002. Konrad Heintel, Hannsdorf, 1,000.003, Georg Konhäuser, Fleißen, 1,000.004. Lilli Theiner, Prag XI, Militärverrat Prag.(Amtli ch.) Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Kreisstrafgericht in Prag verurteilte am 9. Dezember ds. den 26jährigen Privatbeamten Otto Meinl aus Chodau bei Karlsbad wegen des Verbrechens der Nichtanzeige des Militärverrates.nach§ 12, Art. 1, Abs. 2 und Nr. 2 des Gesetzes zum Schutze der Republik, weil die Tat in der Absicht begangen wurde, den Verräter zu unterstützen, zu schwerem Kerker in der Dauer von drei Jahren, verschärft durch ein« Faste vierteljährlich, zu einer Geldstrafe von 3000 Xö, im Falle der Uneinbringlichkeit zu weiteren 30 Tagen schweren Kerkers und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Doch Wiedereröffnung der Expo 7 Der Handelsausschuß der Deputiertenkammer hat mit 17 gegen 12 Stimmen den Bericht Frangois Martins abgelehnt, der sich gegen die Wiedereröffnung der Pariser Internationalen Ausstellung im Jahre Paris. Die Polizei hat Mittwoch abends den in Deutschland bereits mehrmals vorbestraften deutschen Staatsangehörigen» Wiedmann verhaftet, der nach einem ganztägigen Verhör Donnerstag vormittags eingestand, daß er in der letzten Zeit in Frankreich insgesamt fünf Mordtaten begangen hat, die durchwegs unaufgeklärt geblieben waren. So hat er im Sommer die amerikanische Tänzerin Jean de K o v e n, dann einen Chauffeur und drei weitere Personen ermordet. Wiedmann hatte in Saint Cloud, in der Umgebung von Paris, eine Villa gemietet, in die er seine Opfer lockte, um sie dann zü ermorden. Der Mörder, der in zynischer„Leise seine Verbrechen eingeftand, trat in Frankreich Unter verschiedenen Namen wie Wiedmann, Karen, Sauerbrey u. a. auf. Die Polizei, die ihn nur der Teilnahme an der Ermordung des Pächters L e s o b r e verdäch- tigt hatte, drang Mittwoch abends in die Villa Wiedmanns ein, der sie mit Revolverschüssen empfing und hiebei zwei Polizeiinspektoren verletzte. Einer der beiden Polizeiinspektoren konnte trotz seiner Verletzung Wiedmann durch einen Revolverschuß verwunden, so daß seine Verhaftung möglich war. Donnerstag wurden drei von den ftins Opfern Wiedmanns aufgefunden. Man fand die Leichen im Keller der Villa bzw. in dem diese umgebenden Garten vergraben auf. Außerdem wurde festgestellt, daß die Hosenträger und eine Füll- sxder, die Wiedmann bei sich trug, von einem der Opfer stammen. Der bisherige Verlauf der polizeilichen Untersuchung und Beglaubigung bestättgt, daß der deutsche Staatsbürger Wiedmann in der kurzen Zeit von nicht ganz fünf Monaten in Frankreich tatsächlich fünf Raubmorde begangen hat und ohne das rasche Handeln des Pariser Polizei- 1938 ausspricht. Der Ausschuß ist, indem er seinen gestrigen Beschluß aufhcbt, mit dem Finanzausschuß konform, der vorgeschlagen hat, baß die Ausstellung im nächsten Jahre wiedereröffnet werde. Ermäßigte Eisrnbahn-Halbjahreskatten für Geschäftsreisende. Die nächste Ausgabe erfolgt mit Geltung vom 1. Jänner 1938. Organisierte Geschäftsreisende erhalten die Halbjah- rtskarten zum Preise von je 50.Prozent(statt 65 und 50 Prozent) und außerdem einen Sondernachlaß von fünf Prozent vom Gesamtpreise. Bei Karten für mehr als zwei Direktionen werden noch weitere Nachlasse gewährt. Ferner genießen die Besitzer der Halbjahreskarten Nachlässe auf StaatsautobuSlinicn sowie freie Bahnfahrt vom Wohnsitz zur Anschlußstation für die Halb- jahreÄärtenstrtzcke?" Nähere AltMünfte Aber diese Begünstigungen sowie über die sonstigen Bedingungen erteilt der Bund der Vertreter und Reisenden(Fachgruppe im Allgemeinen Angestellten-Berband), Reichenberg, Turner Straße 27, der auch die begünstigten Halbjahreskarten besorgt. Die Einbrecher von Kremsier. Seit einigen Wochen hauste im Gebiet zwischen Kremsier und Rapajedly eine Diebsbande, die Einbrüche in eine ganze Reihe von Geschäften verübte und verschiedene Waren im Werte von 15.000 XL entwendete. Der Gendarmerie ist es inzwischen gelungen, drei der Täter zu verhaften. Es handelt sich nm junge Leute, die im September den Militärdienst in Kremsier beendet haben, wo sie auch die Veranstaltung von Raubexpeditionen vereinbarten. Staatlicher Autobus verunglückt. Die Direktion der Staatsbahnen in Pilsen meldet: Am 9. Dezember um 7.30 Uhr kam auf dem Eis der Straßenautobus der Auwbuslinie der Staatsbahnen Winterberg—Prachatitz zwischen den Haltestellen Novä hospoda und Kosmo ins Gleiten und stürzte um. Ein Reisender und der Chauffeur wurden ernster, fünf Reisende leicht verletzt. Die Ursache des Unfalls wird amtlich untersucht. Alexander Sttng gestorben. In Warschau starb Donnerstag vormittags im Alter von 64 Jahren an einet schweren Nierenerkrankung der hervorragendste zeitgenöffische Schriftsteller Polens, Andreas Strug(mit seinem Familiennamen Taddäus Galecki). Strug erwarb sich in Polen nicht nur als größter zeitgenöffischer Schriftsteller, sondern auch als bekannter Unabhängigkeitskämpfer einen klangvollen Namen. Er gehörte seit seiner Jugend der geheimen polnischen Unabhängigkeitsorganisation an und war Mitglied der sozialistischen Partei noch in der Zeit, als diese auf dem ehemals russischen Gebietsteile Polens verboten war. Nach dem Weltkriege repräsentierte Strug die sozialistische Partei als Senator im polnischen Parlamente während einiger Jahre. Sein großes dichterisches Talent stellte Strug in den Dienst der polnischen Nation und der sozialen Idee. In seinen Schriften würdigt er die Verdienste der namenlosen Kämpfer für die Unabhängigkeit und Freiheit Polens, insbesondere die Verdienste der Arbeiter, Bauern und der arbeitenden Intelligenz. Der Tod StrugS bedeutet für die polnische Literatur einen schweren Schlag. Der Name StrugS war auch in den Kreisen der Sozialdemokratie der ganzen Welt wohlbekannt, da Strug die polnische sozialdemokratische Partei sowohl vor dem Weltkriege als auch in den Nachkriegsjahren bei zahlreichen internationalen sozialistischen Kongressen vertrat. inspektors Belin wahrscheinlich weitere Morde verübt hätte. Die Morde wurden durchwegs nach einem überlegten Plan entweder in der Weise begangen, daß Wiedmann seine Opfer in eine Falle oder in seine Villa lockte, oder sie meuchlings von rückwärts erschoß oder erwürgte. Die Morde brachten Wiedmann nach den bisherigen Schätzungen 25.000 Francs ein. Die Pariser Abendpresse bezeichnet die Mordwten Wiedmanns durchwegs als abscheulich und vergleicht sie mit den bekanntesten Morden in der schwarzen Chronik der letzten Jahre. * Line Infamie der„Zelt" Die„Zeit" Konrad Henleins versieht ihre Meldung über die Verhaftung des Scheusals Wiedmann mit dem Titel:„Emigrant als dreifacher Mörder". Es ist klar, daß es ihr um eine Diffamierung der Emigration zu tun ist. In Wirklichkeit scheint es sich bei Wiedmann um eines jener gemeinen Subjekte zu handeln, die sonst in der Regel in der SA und der SS zu finden sind. Wiedmann ist nicht Emigrant, sondern Deserteur. Die„Zeit" hätte eigentlich angesichts der Tatsache zu schweigen, daß ihr Mörder Scheithauer, der Rosenzweig in Kunau erschollen hat, in Deutschland geehrt wird. Und sie müßte mit Diffamierungen der Emigranten auch aus dem Grunde vor- sichttg sein, weil am 30. Juni auf das Geheiß e i n e s Mannes in Deutschland gleich hunderte ermordet wurden. Und dieser Mann ist nicht Emigrant. Noch nicht Emigrant.— Wiedmann: das ist ein Schüler jener Herren, die in der„Zett" sehr geschätzt sind und sich unter dem Beifall dieses Blattes als die Kulturträger des Dritten Reichs gebärden. Strenger Winter in Griechenland. In Griechenland herrscht heuer ein ungewöhnlich strenger Winter. An vielen Orten des Festlandes und auf zahlreichen Inseln ist die Temperatur bis auf 12 Grad unter Null, in Athen bis auf 6 Grad Celsius, gesunken. Im ParnaSgebirge, nördlich von Athen, das 1500 Meter hoch ist, liegt der Schnee 20 Zenttmeter hoch. An vielen Stellen wurde der Autobusverkehr durch Schneewehen unterbrochen. Auch Telephon- und Telegravhenleittmgen, besonders zwischen Athen und Saloniki, sind zerrissen. In der Nähe der Stadt Kozani in Krie- chisch-Mazedonien, überfiel ein Rudel Wölfe einen Autobus, dessen Insassen sich der Raubtiere nur mit Mühe erwehren konnten. In Griechisch- Mazedonien und Thrazien schneit es. Britische Jugend in Barcelona.^ Eine Abordnung der britischen Jugendorganisationen ist Mittwoch abends in Barcelona eingetrofsen, um die Mittel zu studieren, wie dem republikanischen Spanien Hilfe gebracht werden könne. Flohr fordert Aljechin. Der Prager Schachmeister Salo Flohr hat Dr. Aljechin zum Wettkampf um die Weltmeisterschaft im Jahre 1940 herausgefordert. Fürchterliche Heberschwemmung in Serbien. Durch das Hochwasser sind in den südlichen Gegenden Jugosiawiens ungeheure Verheerungen angerichter worden. Der Winicka-Fluß hat in der Gemeinde Gradac die Schule zum Einsturz gebracht Und fünf kleinere Mühlen und andere Gebäude weggerissen. Auf der Strecke Belgrad— Sarajewo entgleiste ein Pcrsonenzug, wobei mehrere Reisende leicht verletzt wurden. Am meisten heimgesuchr sind einige Bezirke des Morawa-, Wardar- und Zeta-Banats. An einigen Orten nmßte die Bevölkerung evakuiert werden. In der Umgebung von Jagodina hat die angeschwollene Morawa die Sttaßen bis zu einer Höhe von 80 Zentimeter überschwemmt. Der Verkehr ist vielfach unterbrochen. Ein grausiger Fund. Im Wiener Franz- Josef-Bahnhof wurden Donnerstag an der Lokomotive und unter dem Dienstwagen des tschechoslowakischen Schnellzuges Nr. 61 Menschenhaare, Fleischfetzen und Gehirnmaffe festgestellt. Ob es sich um einen Selbstmord oder um eine andere Ursache handelt, konnte bis jetzt noch nicht sicher- Eine neue Ehrenliste. Der„Reichsanzeiger" bringt wieder eine Liste von 29 Personen, die der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt wurden• Kältewelle in Amerika. Bei dem Brand eines zweistöckigen Wohnhauses in Knorville(Tennessee) kamen neun Personen, darunter eine Frau mit vier Kindern, ums Leben. Mehrere Personen werden noch vermißt. Das Feuer, das in der Nacht ausgebrochen war, konnte deshalb einen so großen Umfall annebmen, weil die Hydranten infolge der großen Kälte zugefroren waren» so daß die Feuerwehr nicht eingreifen konnte.— Schwere Eisstürme suchten die Oststaaten heim, besonders aber den Staat Pennsylvanien. In Buffalo lag der Schnee einen Meter hoch und legte den gesamten Verkehr still. Hunderte von Autos und Autobussen sind auf den Landstraßen eingeschneit. In New Dork selbst sind in der Nacht zum Donnerstag sieben Personen erfroren. Kampf gegen den Lärm in Brün». Unter dem Vorsitz des Brünner Bürgermeisters Jng. Spazier fand eine Beratung über die Ursachen und die Be« seittgung des großen Lärms in Brünn statt. Es wurde auf verschieden« Mangel verwiesen, die zu bcseittgen wären. Im nächsten Jahre sollen die bis» Berswerksunslück bei Pribram Prag.(Amtlich.) Am 9. Dezember gegen halb 14 Uhr ereignete sich auf der^Adalbert- Grube in Brezove Hory bei der Ausfahrt der Mannschaft ein Unglück, Der Förderkorb, in wel- chem elf Bergarbeiter aus der Grube ausfuhren, fuhr mit großer Geschwindigkeit auf die keilförmige Verengung unterhalb der Seilscheiben auf, wo sie mtt einem heftigen Anprall steckenblied. Dabei riß das Förderseil und verletzte den bedienenden Maschinisten durch einen Schlag, so daß. er eine Gehirnerschütterung erlitt. Bon den elf aus- fahrenden Arbeitern erlitten drei Frakturen derSchädelknochen. Sie befinden sich im Pribramer Krankenhaus in Behandlung. Weitere drei Arbeiter erlitten Rückgratverletzungen. Die übrigen fünf Arbeiter'wurden leichter verletzt und erlitten teilweise Skalpierungen der Häut, Abschürfungen u. ähnl. Bei der Fördermaschine befanden sich zwei Maschinisten. Das Ministerium für Oeffentliche Arbeiten hat eine Sönderkommission entsandt, um den wahren Sachverhalt zu erheben. Freitag wird die Ursache des Unglücks auch von einer Kommission des Revierbergamtes und einem Experten für Maschinenwesen der Montanistischen Hochschule in Pribram untersucht werden. Nach der strengen Untersuchung dieses Maffenunfalles wird der Oef- fentlichkeit Bericht erstattet werden. Wie das„Pr. T." meldet, ist der Bergmann Alois Sonn im Krankenhaus gestörten; sein Kollege Alois Prüöek ringt mit dem Tode. herigen Pfeifensignale der Straße nbahnschaffnec durch elektrische Signale ersetzt werden. Die Straßenbahngeleise werden in Hinkunft grundsätzlich in die Mitte der Fahrbahn verlegt werden, um den Stra- . tzenverkehr zu erleichtern. Es wurde beschlossen: An frequentierten Stellen wird mit Spezialappararen eine Lärmmessung durchgeführt werden. Die Postverwaltung wird aufgefordert werden, die Postwagen mit Gummireifen zu versehen. Das ElektrizitärSwerk wird beauftragt werden, die Beleuchtung an wichtigen Kreuzungen, besonders dort, wo Verkehrsbrücken für die Wach« stehen, zu verstärken. Einigen Unternehmungen wird aufgetragen werden, Maßnahmen zur Beschränkung des LärmS in ihren Be« rrieben zu treffen. In der nächsten Zett werden die Straßenübergänge in Brünn bezeichnet werden, um das beliebige lleberschreiten der Straße zu verhindern. Der Vertteter der Polizeidirektton kündigte ein scharfes Borgehen gegen die Besitzer von Motorfahrzeugen, die mtt offenem Auspuff fahren, an und meinre, alte Motorfahrzeuge, insbesondere Lastwagen, würden behördlich aus dem Verkehr gezogen werden. Di« Passanten werden zum Linksgehen angehalten werden, Wohnkultur iu der Tschechoslowakei. Auf Initiative des Sozialfürsorgeministeriums wird am.15. Dezember d. I. eine Wohnungszählung in allen Städten der Tschechoslowakei durchgeführt, bei welcher die Wohnverhältnisse der Stadtbevölkerung festgestellt werden sollen. Wie die„Novä Doba" mit- teilt, wurde bei den 1986 in den 133 größten Siedlungen vorgenommenen Kollaudierungen von insgesamt 4866 Neubauten festgestellt, daß in bloß 4314 Häusern elektrische Leitungen eingefühtt, d. h, daß 552 Neubauten ohne elektrisches Licht geblieben sind. Gas wurde bloß in 1515 Häusern eingeführt. Trinkwasserleitungen hatten 3204 und einwandftei hygienische Kanalisation nur 2741 Neubauten. Dabei handelt«S sich durchwegs um Städte mtt mehr als 5000 Einwohnern und es sind auch Großstädte, die in dieser Statisttt figurieren. Für«ine Brfferung der Wohnkultur ergibt sich also noch«in weites Wirkungsfeld und seine Bebauung würde auch wesentlich zu einer Besserung der Wirtschaftsverhältnisse bettragen. Unbeständig. An der Vorderseite der tiefen Störung, die von Südftankreich her entlang des Nord« abhanges der Alpen gegen Mitteleuropa fortschreitet, dringt vom Süden wärmer« Lust vor. Auf der Bai- kan-Halbins«l und in Italien wurden Donnerstda nachmittags an zahlreichen Otten 17 bis 20 Grad Wärme verzeichnet, dagegen wurden gleichzeitig-in Deutschland lediglich 3 bis 7 Grad unter Rull gemessen. Im Hinblick darauf, daß das Gebiet der Republik gerade zwischen den kalten und warmen Luftwaffen liegt, wird bei uns das bedeckte Wetter mit NiederschlÄen vorherrschen. Die Entwicklung der Temperaturen bleibt sehr unsicher. Morgen dürft« jedoch wärmere Lust daS Uebergewicht besitzen.— Wahrscheinliches Wetter F reitag: Vorwiegend bedeckt mit Niederschlägen, ettvas wärmer, Südostwind.— Wetter a u 8 sicht e n für Samstag: Andauern des Unfreundlichen Wetters in den böhmischen Ländern. Winddrehung gegen Nord bis Rordosten. Abkühlung. Vom Rundfunk empfehlenswerte* eu* den Prosremmeni SamStag Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse. 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau. 12.10: Schallplatten. 14.00: Deutsche Sendung: Fröhliches Wochenende von Multerer.' 17.55: Deutsche Sendung: Nordböhmisches Glas, Funkbilder aus Steinfchönau. 18.45: Deutsch« Presse./ 18.55: Deutsche Aktualitäten. 19.20: Militärmusik. 20.30: Aus dem Swe« tanasaal: Konzert der Tschechischen Philharmonie: Dvokäk. Roväk etc.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kleines Solistenkonzett: Alte deutsche Meister. 14.55: Deutsche Presse. 18.15: Tanzmusik.— Brünn: 12.35: Rundfunkorchester« konzert. 17.40: Deutsche Sendung: Konzert auf zwei Klavieren.— Prefiburg: 10.15: Buntes Schallplattenkonzert.— Kaschau: 11.05: Militärmufik.— Mühr.-Ostrau: 18.00: Kompositionen von Suk. Nr. 290 Ein geschenk JD Mirsa Ideal für's ganze eben Freitag, 10. Dezember 1937 Verbrauchs zu verzeichnen ist. Das bedeutet also, Die Berg- und Hüttenwerksgesellschaft hielt daß, obwohl die breiten Bevölkerungsschichten in- am Donnerstag, den 9. Dezember d. J., in Prag folge verschlechterten Einkommensverhältnisse sich eine Verwaltungsratsizung ab. Nach dem über im Verbrauch wesentlich einschränken mußten, sie die Beschäftigung und die Ergebnisse im laufenden dennoch mehr an Verbrauchssteuern entrichtet Jahre erstatteten Berichte ist der größte Teil der haben. Werke voll beschäftigt. Im Vergleiche zum Vorjahre erhöhte sich im laufenden Jahre die ProEine gewerkschaftliche Ausstellung buftion bei Stohle um 49 Prozent, bei Stots um 86 Prozent, bei Roheisen um 44 Prozent und bei Das„ Odborové sdruženi českoslovenste" hat Stahl um 60 Prozent. Was die Aussichten für in diesen Tagen das Jubiläum seines 40jährigen das Jahr 1938 betrifft, kann troß der Vermins Bestehens gefeiert. Außer einer großen Kundge- derung der Nachfrage aus dem Auslande infolge bung, die in Prag stattfand, wurde im Prager der Zurückhaltung einiger Uebersee- Märkte und Gewerkschaftshaus eine Ausstellung der gewerk wegen des Konfliktes im Fernen Often mit einer schaftlichen Presse veranstaltet. Die Ausstellung guten Beschäftigung der Werke für das erste Halbzeigte neben Protokollen aus der Gründungszeit jahr gerechnet werden. Der Verwaltungsrat er der tschechischen freien Gewerkschaften an Dia- nannte Herrn Dr. Ing. Jan Tille zum Generalgrammen den Aufstieg der Verbände und ihrer direktor- Stellvertreter. Bresse. Von einer Auflage von wenig über 21.000, die die Presse der angeschlossenen Ges werkschaftsorganisationen im Gründungsjahre 1897 hatte, ist sie heute bis zu einer Auflage von fast 800.000 gekommen. Dem„ Odborové sdrus ženi" find gegenwärtig 60 Verbände angeschloss Gründungsjahre Ausland Die berühmte MIRSA PORTABLE, fen, deren Mitgliederzahl nahe an 700.000 ber Die Reise Delbos eine äusserst hochwertige tragbare Schreibmaschine- leiser Gang- geniale, unverwüstliche Konstruktion grosse Leistungsfähigkeit. 4 Modelle! MIRSA IDEAL 8 DYNAMIC die berühmte Kanzleimaschine bedeutet grösste Leistungsfähigkeit bei antommt. Es ist ein gewaltiger Aufstieg, der sich in diesen Zahlen ausdrückt. Die zahlreichen tschechischen und deutschen Gewerkschaftsblätter sind Dokumente dafür, daß die gewerkschaftliche Schulung auch mit dem Mittel des gedruckten Wortes eifrig betrieben wird und daß die gesamte Presse der freien Gewerkschaften im Zeitungs- und ZeitALLGEMEINER BÜROBEDARF- VERTRIEB fchriftenwesen der Tschechoslowakischen Republit PRAG II, Václavské náměstí 28, Passage Styblo. ein recht beachtlicher Faktor geworden ist. Berufen Sie sich auf dieses Inserat! kleinstem Arbeitsaufwand. Auch gegen geringe Raten. Volkswirtschaft und Sozialpolitik ir einigen Ländern die freien Gewerkschaften und ihre Organe unterdrückt worden sind, so vermittelte die Ausstellung doch das Bild einer weltweiten Gewerkschaftsbewegung, die die immer zunehmende Macht der Arbeiterklasse verkörpert. Die Ausstellung, die leider nur von einem BERSON Seite 5 Die Pneumatik für eladen Schuh stisch und dauerhaft ist der Gummiabsatz Berson. BERSON jemals Opfer einer Attacke werden sollte, ein solches Abenteuer dem Angreifer sehr teuer zu stehen täme. Diese Entscheidung liefert der Tschechoslowakei die beste Grundlage für ihre Politik abso Tuter Loyalität hinsichtlich der tollettiven Sicherheit und der Treue zu ihren Verbündeten. Und diese Situation gibt ihr die Möglichkeit mit dem Außenminister Frankreichs auf der Grundlage freimütiger Freundschaft, aber auch völliger Gleichheit zu verhandeln. Frankreich kann von der Tschechoslowakei nichts verlangen, was sie nicht schon spontan gegeben hätte. Umgekehrt aber ,, e Peuple", das Hauptorgan der bel werden die Staatsmänner Prags dem französi= gischen Sozialdemokratie, bringt einen von seis schen Minister gewisse Fragen über die Art vornem Außenpolitiker Jeras gezeichneten Reit- legen, in der Frankreich praktisch seine Bekenntartikel über die Reise Delbos durch Zentral- nisse zur tollettiven Sicherheit und zur gegenseiund Osteuropa. Wir zitieren aus dem inter- tigen Beistandsleistung zu erfüllen gedenkt. Herr essanten Artikel vor allem die Stellen, die die Delbos hat also ein großes Stück WiedergutTschechoslowakei betreffen. Es heißt da: machungsarbeit vor sich..." und die Tschechoslowakei Am Schluß des Artikels heißt es dann: ,, Wenn Herr Delbos in Warschau und Brag, in Bukarest und Belgrad Versicherungen Die Ausstellung der inländischen Gewerk4451 schaftspresse wurde ergänzt durch eine Abteilung,..Die Tschechoslowakei, der sicherste Bundesin der die internationalen Gewerkschaftszeitun- genoffe Frankreichs, sieht sich seit etlichen Jahren gen zu sehen waren. Wenn auch durch den Terror mehr und mehr besonders bedrohlichen diploma- eines kollektiven und für jedes Opfer eines Antischen Offensiven ausgesetzt, die das Land zwangriffs wirksamen Beistandes nicht nur im Namen gen, seine Situation mit einem jede Illusion aus- Frankreichs, sondern auch ein wenig im Namen schließenden Realismus zu prüfen. Das Verhal Englands abgeben kann, dann fann seine ten der demokratischen Großmächte in Genf und teise sehr große Rückwirkungen auf die ganze. anderswo scheint die Staatsmänner Brags ge- europäische Politit haben. Wenn er aber im Ge lehrt zu haben, daß die Tschechoslowakei in der genteil diese Versicherungen nicht wird abgeben Oststaaten nur vage, unvollständige oder mit Vorbehalten garnierte Versprechungen wird bieten können, dann wird der Prozeß der Auseinandersetzungen neue Verheerungen anrichten. Die Steuerbelastung Bei der Begründung der neuen Steuerbors allem auf ihren eigenen Verteidigungs- und Lebenswillen rechnen muß. Und die Tschechoslowakei hat Maßnahmen getroffen, damit, wenn sie auch eine vom Finanzministerium fertiggestellte geringen Teil der Arbeiterschaft besucht worden gegenwärtigen internationalen Verwirrung vor fönnen und wenn er den kleinen und mittleren Uebersicht über die Erträgnisse der Staatssteuern ist, wäre wert, daß sie gelegentlich wieder gezeigt in den Jahren 1926 bis 1936 befannt gegeben und einem größeren Streis der Gewerkschafter zu worden. Die Zahlen sind außerordentlich auf- gängig gemacht würde. schlußreich und haben deshalb Anspruch darauf, auch von der Arbeiterschaft beachtet zu werden. Nach den Behauptungen der kapitalistischen Kreise müßte es so sein, daß ihre Steuerbelastung in den letzten zehn Jahren viel härter geworden ist, während andere Bevölkerungsschichten, so vor allem auch die Arbeiter, weitgehend vom Steuerdruck entlastet worden sind. Die Uebersicht des Finanzministeriums, die auch eine Berechnung der auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Steuerbelastung wiedergibt, zeigt nun ein ganz entgegengesettes Bild. Wir führen die Durchschnittsbelastung pro Kopf der Bevölkerung im Jahr durch die wichtig Sten Steuerarten an. Sie betrug: Direkte Verbrauchs Steuern Umsaß- und Steuern Lurussteuer Kč Kč Kč 1927 177.108.146.1928 136.114.166.1929 139.116, 161.1930 129.114.161.1931 120.133.150.1932 139.130.150.1933 124.125.154. 1934 114.122.159.1935 117.122.153.132.1936 126.160.Es geht also aus dieser Uebersicht ganz einwandfrei hervor, daß die Belastung durch die direkten Steuern im Laufe der letzten zehn Jahre wesentlich geringer geworden ist. Die wichtigsten der direkten Steuern sind neben der Einkommensteuer die Ertragssteuern, die allgemeine und besondere Erwerbsteuer, die Grundsteuer, die HauszinsSteuer und die Rentensteuer. Die Erträgnisse dies ser in erster Linie die kapitalistischen Schichten treffenden direkten Steuern haben pro Stopf gerechnet bon 1927 bis 1936 von 177 auf 126 Kronen abgenommen. Die Belastung ist also um rund 30 Prozent niedriger. Dagegen hat die Belastung durch die Verbrauchssteuer von 108 auf 132 Stronen zugenommen. Die Mehrbelastung beträgt rund 22 Prozent. Ebenso ist die Durch schnittsbelastung durch die Umsatz und Lurusder Anteil der Lurussteuer ist überhaupt ganz außerordentlich gering gestiegen, Steuer und zwar um rund zehn Prozent. Bei der Mehrbelastung durch die Verbrauchsund Umfassteuern muß berücksichtigt werden, daß im Vergleich zu 1927 und erst recht zu den späteren Jahren eine nicht geringe Abnahme des Man erhält für 100 Reichsmark Markmünzen 100 österreichische Schilling 100 rumänische Lei 100 polnische Zloty 100 ungarische Pengö 100 Schweizer Franken 100 französische Francs 1 englisches Pfund 1 amerikanischer Dollar 100 italienische Lire 100 holländische Gulden 100 jugoslawische Dinare. 100 Belgas 100 dänische Kronen 100 schwedische Kronen. 9 Kč 618.667.50 528.50 16.05 506.550.50 656.50 0 → 4 · * ,, Aufgeblasene" Piloten Die englischen Piloten, die zum Geschwaderflug nach Sidney zur 150- Jahrfeier der Stadt starten werden, probieren ihre Luftanzüge. Zensur kontra Film Von Charlie Chaplin Darsteller, die Hollywood verkonsumiert. Wer hätte je geglaubt, daß das Theater mit all seiner Tras dition ein derartiges Schicksal erleben würde? Was wird nun das Schicksal der Filmindus Von Tag zu Tag verschärft sich die Film- strie sein? Heute beherrscht der Film die Welt. zensur in fast allen Ländern der Welt. Es eri- Die unscheinbare Bretterbude in den Elendsvierstieren sogar Generalboykotts gegen einzelne teln von New York hat sich durch viele Phasen hinFilmstars wie gegen bestimmte Sujets. Filme, durch in den Filmpalast der Rockefeller City verdie mit Politit nicht das geringste zu tun haben, wandelt. Hat die Filmindustrie ihren Höhepunkt werden aus innerpolitischen Gründen sensuriert erreicht? Wird sie noch weiter gehen? Technisch oder verboten, so z. B. dieser Tage erst der gesehen, hat sie wunderbare Fortschritte gemacht, Renoir- Film La Grande Illufion", der auf aber vom künstlerischen Standpuntt aus sind noch dem internationalen Wettbewerb den zweiten viele Hindernisse zu überwinden. Preis erhielt. Auch die Moral wird zenfuriert, und eine der Folgen ist, daß Autoren und Film- Eines dieser Hindernisse ist die Frage der hersteller die Wahl ihrer Themen immer enger Benfur. Wochenzeitschrift, Tagespresse, Roman begrenzen und verwässern, um ja nirgends an- und Theater können frei und ohne Einschränkun zustoßen. Wie sehr diese Dinge der fünstleri- gen laufend Ereignisse kommentieren. Der Film ichen Entwicklung des Films in seiner Gesamt- hingegen ist mit einer eigens für ihn eingerich heit schaden, charakterisiert an treffendsten teten Zensur belastet, die ihm nicht das Recht zu Charlie Chaplin in folgendem Artikel, der in steht, zu den uns täglich bewegenden Problemen Stellung zu nehmen. der amerikanischen und englischen Bresse veröf fentlicht wurde und entsprechenden Widerhall fand. Uebrigens ist soeben in Jugoslawien ein Mickey Mouse- Streifen, der eine Militärrevolte behandelt, vom Zensor verboten worden. " Vielleicht geht es hier um eine hervor ragende Gelegenheit zur Organisation eines wirklichen Friedens. Die faschistischen Diktas turen, die den Frieden bedrohen, befinden sich sichtlich ökonomisch und verhältnismäßig sogar hinsichtlich der militärischen Kraft in sehr schlech ter Situation. Sie können einen Angriff nu riskieren, wenn sie Gründe haben zu hoffen, daß fie ein verlassenes und schwächeres Opfer vor sich finden werden. Ihnen in aller Offenheit, katego risch und endgültig diese Hoffnungen zu nehmen und zu zeigen, daß die Verteidiger des Friedens gegen jeden Angriff, woher immer er fäme, und gegen wen immer er sich richte, einig sein werden, ist das beste, ja das einzige Mittel, Europa zu retten." Maul- und Klauenseuche In Deutschland Ein eigentümliches Licht auf die Verhält niffe im Deutschen Reiche wirft die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in den letzten Monaten. Während am 15. November von dieser Epidemie 6481 Wirtschaften heimgesucht waren, ist diese Anzahl nach dem eben erschienenen amtlichen Bericht auf 12.128 gestiegen, hat sich also in bierzehn Tagen verdoppelt. Man muß ange sichts dessen die Frage aufwerfen, ob die schlechte Ernährung des Viehs durch Ersatzfuttermittel nicht an der rapiden Verbreitung der Seuche die Schuld trägt, Es scheint, daß zwar der Mensch die Ersatzstoffe in der Nahrung wenigstens eine Zeit aushält, nicht aber das Vieh. Für diesen Zustand ist die Pressekampagne verantwortlich, die vor noch nicht langer Zeit tobte und nach reineren" Filmen schrie. Sie behaup tete, daß die meisten Filmsujets einen derartig demoralisierenden Einfluß auf unsere jüngeren Zeitgenossen hätten, daß eine strengere Zensur unumgänglich notwendig geworden sei. So tam es, daß die Filmindustrie sich noch selbst eine Zensur auferlegte, außer der staatlichen Filmzensur, die sowieso ausgeübt wird. ede die schreienden Schlagzeilen der Tageszeitun Trotzdem kann jedes Kind an jeder Straßengen lesen, die Verbrechen, Gewalt, Streits und Revolutionen ankündigen. schwieriges, und vielleicht wird es niemals zur ZuDas Problem der Filmzenfur ist ein sehr friedenheit aller gelöst werden. Trotzdem kann ich mir eine Methode vorstellen, die weitaus mehr ge= eignet ist, herauszufinden, was für die Moral des eignet ist, herauszufinden, was für die Moral des Filmpublikums gut ist. Ich meine eine Beurtei lung nach ästhetischen Gesichtspuntten. Das am meisten behandelte Filmthema, Eine beträchtliche Anzahl von Filmen, die nämlich„ ER und SIG", die mehr oder weniger gut erfundene Liebesgeschichte, hat es schon unter heute die Zensur passieren, würde, nach ästhetis normalen Zenfurberhältnissen schwer genug, mit fchen Gesichtspunkten beurteilt, niemals gezeigt Im goldenen Zeitalter des sogenannten dem Realismus der Filmivochenschau zu konkurs werden. Es wäre dann unmöglich, die vielen Ge fünstlerischen Dramas, als das Theater blühte und rieren, die die Ermordung eines Königs, die tra- schmacklosigkeiten zu übersehen, die hemmungslos gedieh und seine ungeheure Popularität unbestrit- gische Reppelintatastrophe oder die phantastischen begangen werden. Die tiefe Verlogenheit des in ten war, tam aus heiterem Himmel der Sturm Leistungen eines Lindbergh bringt. Aber heutzu solchen Filmen geschilderten Lebens müßte auf der technischen Wissenschaften dahergerast, in Ge- tage, im wilden Trubel der Ereignisse, wenn Ur- gedeckt werden und die grobe, vulgäre Art und stalt von Kino und Radio. Und siehe da, das fache und Wirkung mit immer größerer Geschwin Weise, in der es behandelt wird. Theater stellte mit einem Mal fest, daß es an den digkeit die realistischere Seite des menschlichen Küsten des Vergessens gelandet war. Da stand es nun, zwar ein Gebäude von monumentaler Würde, aber immerhin schiffbrüchig, ein Wrad 729.- eute ist es eine Brutstätte für die Dramen und 95.95 141.25 28.30 120.40 1577.63.30 482.50 630.Lebens ans Licht bringen, ist das Filmdrama gezwungen, diese vitalen Probleme au ignorieren und darf sich nur mit Angelegenheiten befassen, die ein Kind in einem Märchenbuch liest. Andererseits würden viele Themen, die heute berboten find, nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt, sich als nüßlich und aufbauend erweisen, wenn sie mit wahrhaft fünstlerischen Mitteln, mit Intelligenz und Würde dargestellt werden. MTP. Seite 6 Prager Zeitung Im Kampf für die Demokratie In unserer an Entscheidungen reichen Zeit verfucht jede Gruppe, jede Partei, jede Jdee die Ju,, Sozialdemokrat" riaus et malt Landschaften in bleichen freidigen Farben. Von Richard leigners Freitag, 10. Dezember 1937. Nr. 290 Gablons ist das schöne Bild„ Evene" beachtensivert, Was fordert die Jugend bon Rudolf A. Wabenauer Eger gute Aquarelle. Die Plastik ist durch Karl Vogel und Marh Dura 3 vollgültig vertreten, aber auch die fleinen Bronzen und Terrakotten der Sturias Straßenbahnlinie 23 wird verlängert. In der Schülerin Gabriele Waldert- Radigau nächsten Zeit wird die Straßenbahnverbindung mit bestehen neben den Meisterleistungen. eh. Báběhlice in Angriff genommen werden. Die Strede 23 wird bis zur Kreuzung der Straße nach Chodov daran wird eine neue Strede in der Länge von ungefähr 700 Metern mit einem Aufwand von rund 800.000 Kč gelegt werden. Die Verlängerung der Strede 23 wird eineinhalb Kilometer betragen. Sondermotorschnellzug ins Riefengebirge. Ab Samstag, den 11. Dezember um 18 Uhr vom Wilfonbahnhof, Preis Kč 75.- inklusive Fahrt, Autobus, Frühstück und Versicherung. Arbeitervorstellung Gastspiel Gisela Werbezirk rana". am Sonntag, den 12. Dezember, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten täglich von 9 bis 12 und 2 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. von der Demokratie?" Oeffentliche Versammlung mit Genossen Abg. Rögler als Redner im großen Saal des Handwerkervereins, Prag II. Ve Smečkách 22, heute, Freitag, 10. Dezember. Beginn halb 8 Uhr. An schließend freie Diskussion. Genossen und Genossinnen, kommt vollzählig zu dieser wichtigen Veranstaltung der gend für sich zu gewinnen. Auch in dem heißen das Geleise der Linie 19 benüßen und anschließend in. dem Volt 3 st üd Der goldene Stampfe der Demokratie gegen den Faschismus wird um die Seelen der jungen Menschen gerungen. Der Faschismus lockt sie mit großen Paraden, Uniformen, berantwortimgslosem Sichführenlaffen, mit Mystik und klingenden Phrasen, von einer nebelhaft glorreichen Zukunft. Und laufen sie ihm nicht frei willig nach, dann kommt der Terror und zwingt fie dazu. All diese Mittel fehlen der Demokratie. Sie bedeutet Freiheit, aber auch Verantwortlichkeit, Recht der freien Meinungsäußerung, aber Phrasenlosigfeit, gleiches Recht für alle, aber nicht Nachgiebigfeit gegen ihre Gegner, Hebung der Lebenslage der breiten Massen, die aber nicht als reife Frucht in den Schoßz fällt, sondern erkämpft werden muß. In der Ausnüßung all der Rechte, und Freiheiten, die das Wesen der Demokratie ausmachen, befestigen wir sie gleichzeitig, fämpfen wir um sie und erringen fie Die ersten Jubiläumsvorstellungen anläglich des SOZIALISTISCHEN JUGEND 50jährigen Bestehens des Neuen Deutschen Theaters: KREIS PRAG! 5. Jänner:„ Die Meistersinger von Nürnberg"( Ab. aufgeh.), 8. Jänner:" Carmen"( Abonn. aufgeh.). Anmeldungen für Abonnenten für beide Vorstellun gen bis 10. Dezember. Bitte rechtzeitige Vormertung. uns aufs Neue. er, Bodenbach, über das Thema: Was fordert die Jugend Kunst und Wissen Kunst und Prager Sezession " Vom Deutschen Theaterverein. Am 16. Dezem ber wird eine Ausschußsizung des Deutschen Theatervereins stattfinden, auf deren Tagesordnung die Neuwahl des Obmannes steht. Diese Funktion ist durch den Rücktritt des Herrn Dr. Wolf- 3dekauer freigeworden, als dessen Nachfolger Herr Dr. Hans Ringhoffer genannt wird. Vorträge Der Vortrag Schweizer, der für heute abends geplant war, wurde mit Rücksicht auf die öffentliche Versammlung mit Abg. Rögler abge= iagt. Der Film Den Ehrenplag in der Ausstellung der Prager Sezession im Kunstverein für Böhmen nimmt Alfred Kubin ein, der im April d. J. Městské divadlo v Plani, über dessen Bretter viele Gastspiel des Pilsner Theaters in Brag. Das feinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Die Jubiläums- der hervorragendsten Ensemblemitglieder der Prager Was die Demokratie von der Jugend zu fordern ausstellung seiner graphischen Kunst, durch deren Ver- tschechischen Bühnen tamen, vollendet heuer das 35. hat und was umgekehrt wir Jungen von den Or- anstaltung die Sezeffion ihr Mitglied ehrt, erinnert Jahr seiner Tätigkeit. Der Klub der tschechischen und ganen unserer Demokratie erwarten, soll in der an die besten Zeiten des Münchener Simplizisi deutschen Bühnenangehörigen hat aus diesem Anlaß heutigen Jugendversammlung, in der Abg. Kög- mus", in dem damals die Federzeichnungen Kubins das Schauspiel- Ensemble des Pilsner Stadttheaters erschienen. Und so tief hat sich der traumhafte Sput, nach Prag eingeladen, welches am Montag, den 13. Urania- Kino Gordian der Tyrann" mit Weiß dem Kubin skurril versponnene Gestalt gab, mit un- Dezember, im Weinberger Theater mit einer Nacht- Ferdt, Eichheim, Paul Richter! Millardo in seinem bergeßlichen Einzelheiten eingeprägt, daß man sich vorstellung der Komödie Vrchlickýs D a 3 Liebes- Verwandlungsaft! Normale Preiſel 6, 149 Uhr. nach Jahrzehnten noch bestimmter Zeichnungen ganz gericht" in der Regie J. Štrblants gastieren wird. genau entsinnt. Und so wird die Betrachtung der 65 Die Vorstellung findet unter dem Protektorate des bier ausgestellten Blätter zu einer Wiederbegegnung Ministers für Schulwesen und Volkskultur, des mit Kubins Welt, in der sich fabulierender Humor Bürgermeisters der Stadt Pilsen Luděk Pik und und grotester Sput, Realität und gespenstische Hin- des Pilsner Stadttheaters statt. Ueber die kultureltergründigkeit, erlösendes Lachen, ahnungsvolle len Beziehungen zwischen Brag und Pilsen referiert Schauer und wiſſende Traurigkeit seltsam durch der Intendant des Pilsner Theaters, Bürgermeisterder Erkenntnis der geheimnisvollen Welt dringen. Jit Kubins Welt nicht in gewissen Bereichen stellvertreter Dr. Sip. Frau Eva Vrchlická, die Franz Tochter des Dichters, spricht über ihren Vater. Naftas eng verivandt? Sollten den Graphiker Kubin die dichterischen Gesichte Kafkas nicht im Innersten von der Demokratie" referiert, besprochen werden. Jeder, der zu diesen Fragen seine Meinung äußern will, fommt in der dem Referat folgenden Diskussion zu Wort. Mit dem Bekenntnis zu Demokratie allein ist nicht alles getan, man muß flarstellen, wie man für sie einzutreten gedenkt, darum Treffpunkt der jungen Demokraten heute halb 8 Uhr im großen Saal des Handwerkervereines. Kleine Begebenheiten * Der kleine Hermann erzählte frohgemut: „ Ach, diese Schularbeit brauchen wir erst für Samstag zu machen. Am Mittwoch ist ja Maria im Gefängnis." Er meinte: Maria Empfängnis." Mit dem Worte wußte Hermann jedoch nichts anzufangen. So deutete er es sich auf seine Weise. Und einem Emigrantentinde, wie es Hermann ist, liegt die Vorstellung, daß jemand im Gefängnis ist, gewiß näher als der religiös- mystische Begriff. berühren? 811 Weihnachtsabonnement 1937/38. Bahlreichen Anregungen folgend gibt das Deutsche Theater zu Weihnachten Scheckhefte heraus, die 30 Bons enthalten und eine Ermäßigung zwischen 15 und 20 Prozent gewähren. Die Bons gelten zu allen Vorftellungen ohne Ausnahme; auch die Kleine Bühne ist durch sechs Anweisungen eingeschlossen. Ausgabe ab 14. Dezember, Voranmerkungen werden schon entgegengenommen. Sport- Spiel- Körperpflege Krise im Wiener Fußball. Dem österreichischen Sport und insbesondere dem Wiener Fußballsport geht es unter der vaterländischen Führung nicht be= fonders gut. Verschiedene Fehlschläge im internatio nalen Verkehr sowie der Rückgang im Können und das verminderte Interesse der Zuschauer brachten die einzelnen Spizenklubs in finanzielle Bedrängnis. Für einige sollte der Mitropacup eine Art Sanierung bedeuten, aber statt dessen wirfte er sich sehr verhängnisvoll aus. Der Enttäuschung über die Migerfolge folgte auch noch ein moralischer und finan zieller Rückschlag. Admira ist in der Meisterschaft ins Hintertreffen geraten und Austria kommt nun Spielplan des Deutschen Theaters. Freitag 8: Die gleichfalls ins Wanten. Das Prestige des Wiener Weber, D. Samstag halb 8: Kleines Glück auf Fußballsporis ist im Sinfen begriffen, Auslandss der Wieden, 2. Sonntag halb 3: Der Golspiele werden rar und da für den Winter zugkräftige dene krans. Gastspiel Werbe. zirt, Arbeiter borstellung. halb 8: Frauen in New York, A 1. Dem Jubilar zu Ehren haben die Künstler der Sezession diesmal mit der Hälfte des verfügbaren Raumes vozlieb genommen und je nur eins, zwei oder drei Bilder ausgestellt. Willi Nowat zeigt ncben einer farbig ungemein reizvollen Fassung des Eislaufplages einen Blick auf Prag vom Turme des St. Veitsdomes, einen in gedämpfte Farbigkeit gehüllten Traum von der Schönheit der Stadt. Das neben hängt starkotoichtas„ Prag". das den doch auch an sonnigen Tagen auf jilbriges Grau gestimmten Blick auf Karlsbrücke und Hradschin einem Jneinandersprühen fladernder Farben berzaubert. Es ist ein brillant gemaltes Bild, aber der genius loki Brags ist nicht darin. Und auch Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag halb 8: Die Straße entlang geht ein Händler mit surt allegger stellt ein Bild Prag" George und Margaret, Theatergemeinde des KulGlüdspuppen. Es sind schwarze Kaminfeger mit aus. Es iſt nahezu das gleiche Motiv, wie es No- turverbandes und freier Verkauf. Samstag rosigen Gesichtern und weißen Kappen. Wie eine tochta gewählt hat, aber ganz anders gesehen, in der halb 8: Kabale und Liebe, neuinszeniert. Sonn Belerine hängen ihm die Puppen über Brust und Komposition befremdend gezwungen und farbig in tag 3 thr: Glück, 8: George und Margaret. Vor der Kaserne stehen zwei Offiziere im Gesichere, fast tragisch drohende Stimmung versenkt. Dreimal Prag, gesehen durch drei verschiedene fünftspräch. Soldaten gehen vorbei und falutieren. Der ferische Temperamente. Von Hallegger ist ferner das Händler aber bleibt stehen und bietet die Puppen auch den Offizieren an. Jetzt werden sie den Händler gleich anschnurren, was ihm einfalle, denke ich. Aber nein einer der Offiziere schaut die Puppen an, nimmt eine in die Hand, befühlt sie, zieht die Geld Rüden. Bortrait der Schauſpielerin Tilla Durieur intereſſant aus der Partei im Vergleich mit dem Bildnis der gleichen Künstlerin in der vorhergehenden Ausstellung von Magim op f, der diesmal wieder mit einem Portrait bertreten ist. Drei ausgezeichnet schöne Bilder stellt Alle Parteigenossen werden aufgefordert, die sammlung der sozialistischen Jugend zu besuchen, Spiele fehlen und daher ergiebige Einnahmen nicht zu erwarten sind, kommen die Klubs weiter in Schwierigkeiten. Die Krise wird also andauernd werden und das Niveau des Wiener Fußballs einem weiteren Tiefpunkt zustreben Urania- Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. 66 „ Gordian, der Tyrann" börſe und kauft den Kaminfeger. Der andere lacht, rie brich geigl aus, farbiger als seine un- große, heute abends stattfindende öffentliche Ver- Verlanget überall bekommt aber auch Lust, seiner Frau eine Glückspuppe vergeßlichen Verlaine- Bilder in der vorjährigen Semitzubringen, und kauft auch eine. Zufrieden mit dem Geschäft geht der Händler weiter. Die Offi- seifionsausstellung und ungemein reich in der malerischen Gestaltung. Ludwig Püschel bariiert ziere segen ihr Gespräch fort. Und jeder hat einen Kaminfeger unter den Arm geklemmt. Soldaten in seinen Landschaften den Farbenklang Gelb- Grün. wird. gehen vorbei und falutieren. Ein fleines Zwischenspiel auch anderen gefällt es; ich sehe es an ihren bergnügten Mienen. Mir aber gefällt es besonders deshalb, weil so etwas zum Beispiel in Deutschland ganz unmöglich wäre. Ein Reichswehroffizier mit einer Kaminfegerpuppe unterm Arm, vom Straßenhändler gekauft, vor der Kaserne unmöglich! -> Es war in einer Nacht nach Weihnachten und es wird sich mun bald jähren. Die Straßen schimmerten weiß beschneit im Laternenlicht. Es war ganz still und die weiße Decke machte alles noch ftiller. Vittorio Mussolini flicht aus Hollywood in der Abgeordneter Franz& ö g I er preden Volkszünder darum von der ersten Minute an unter Polizei- Die schlimmste Brüstierung erfuhr Mussobewachung. In Hollywood wurde die Garde auf lini durch Joan Crawford. Im Augenblick, da drei Mann reduziert, die Vittorio Mussolini aller- Mussolini das Atelier betrat, verließ sie ihre Ars dings nicht eine Sekunde lang aus den Augen lie- beit und erklärte, nicht eher zurückzukehren, als Vor zwei Monaten hatte Mussolini dem Ben. Der Sohn des Duce beklagte sich bitter. I bis Mussolini das Atelier wieder verlassen habe. Hollywooder Filmreporter Nummer Eins, Mig Wörtlich erklärte er den Autoritäten:" Bin ich ein| Da jede Atelierminute 10.000 Dollar foftet. Louella Parson, ein Interview gewährt. ,, Von Verbrecher, daß man mich unter Bewachung wurde Vittorio ersucht, sich ein anderes Atelier 20 italienischen Filmen waren 19 Versager" erstellt?" Hal Roach ersparte der Hollywooder Polis zur Besichtigung auszusuchen. flärte der Duce freimütig. Das sollte anders zei die Mühe einer Antwort. Dies ist unsere werden. Lateinisches Genie zum Filmemachen Art, Ihnen eine Ehrengarde zu geben", erklärte brauche amerikanische Technik. er. Vittorio schien befriedigt. Der Zufall wollte, daß sein 21jähriger GeDie Zusammenarbeit zwischen dem italieniAus dem Dunkel kamen mir Stimmen entgegen. schen Hollywood und Hollywood schlechthin überRot leuchtete ein Mantel auf, Gold blinkte, und auf Nach diesem Zwischenfall padte Mussolini feine Stoffer. Sein zunächst auf fechs Monate berechneter, dann auf 14 Tage reduzierter Stus dienaufenthalt" fand nach sechs Tagen ein Ende. Es platzte noch eine andere Bombe. Ein " die schweren Falten eines blauen Mantels, blau wie trug der Duce seinem 20jährigen Sohn Vittorio burtstag auf den dritten Tag seines Aufenthaltes Dr. Senise flagte Hal Roach an. Denn auch ihn der Südhimmel, fiel das Licht einer Laterne. Es waren die Heiligen Drei Könige. Drei Er telephonierte das Büro für die Placierung von in Hollywood fiel. Hal Roach versendete an die und dem Hollywooder Produzenten Roach. einer amerikanisch- italienischen Produktion bes Dieser ist in der Filmstadt als der Meister 300 Ersten Einladungen zu einer gewaltigen Ge- hatte der Tuce„ erklusiv" mit der Organisierung Männer, angetan mit morgenländischer Pracht. Gol- der sogenannten„ Dlapstid- Komödie" berühmt, burtstagsfeier, wie sie nicht einmal Hollywood getraut, und zwar schon sechs Monate früher. Die dene Kronen blinkten, und einer batte ein schwarz deren Komit darin besteht, daß sich die Schauspie- fehen hatte. Etwas Peinliches geschah: Absage Beweise waren so schlagend, daß sich Roach gar gefärbtes Gesicht; das war der König der Mohren. Ler gegenseitig ein Bein stellen oder Schlagobers auf Absage traf ein. Hal Roach war verzweifelt. nicht erst auf den Prozeß einließ, sondern mits Extras an und bestellte 250 Statisten, die den teilte, daß er sich von dem römischen Hollywood gen sie nach Hause. Der Schnee dämpfte ihre Schritte. tive nicht zurück, daß an den Gestaden des Tiber Platz der ausgebliebenen Berühmtheiten einneh- zurückziehe und den empfindlichen finanziellen Geburtstagsfester men mußten. Das Geburtstagsfest fand statt, Berlust, den ihm seine Gutgläubigkeit eingebracht aber mit der einzigen Ausnahme Dolores del Rios batte, als Lehrgeld draufzahlen wolle. Nach Auswohnte ihr kein namhafter Filmstar, Produzent, Autor oder Regisseur bei. Bei einer Vereinsfeier mochten sie als die Weisen torten ins Gesicht werfen. aus dem Morgenlande aufgetreten sein und mun ginund wie sie so in der weißen Stille dabingingen und in ihrer Sprache, von der ich nur wenig verstehe, Teise miteinander sprachen, war es wirklich, als gin gen. da drei Könige aus fremdem Lande an mir borüber. Sie gingen, rot und blau und weiß. Gold blinkte. Ein Stück weiter hin, am Zaun der Vorgärten Rome Hollywood schreckte vor der Perspetähnliche Filmmeisterwerte entstehen könnten. Des Produzenten Roach Selbstbewußtsein aber schmoll, " sage Hal Roach standen rund auf dem Spiel. Millionen Dollar Sechs große Filmopern werde ich in Rom herVittorio Mussolini flog nach Washington. stellen: Traviata, Rigoletto, Troubadour usw." ließ er von allen Lautsprechern der amerikanischen In Hollywood wurde die Feindseligkeit gegen Er kündigte an, daß er den Präsidenten Rooses Reklame verkündigen. Aber auf die Ankündi Vittorio Mussolini täglich größer. Protestver- belt sprechen wolle. Das Staatsdepartement aber blieb der eine der Könige stehen und verrichtete ein gung, daß er die gesamten Opernnovitäten ver- fammlungen fanden statt: Die Produzenten such teilte mit, daß ein solcher Besuch nicht vorgesehen tleines Geschäft. Das goldene Zepter hielt er babet filmen werde, ließ er den Zusatz folgen:„ Vor ten nach Ausflüchten, wenn sie ersucht wurden, sei. Daraufhin fuhr Mussolini nach New York. unter den Arm geklemmt. So einfach menschlich be- diesen Opern kommt aber eine Opernparodie mit Mussolini ihre Ateliers zu zeigen. Die" Screen Da erklärte er, er sei gar nicht aus Hollywood nahm sich ein Heiliger König aus dem Morgenlande. Laurel und Hardy dran." Also nochmals ,, Slap- Actors Guild", der Verband der Hollywooder geflohen, er hätte lediglich ausstudiert und übri Wahrscheinlich hatte er bei den Hirten in der Gast- stick Komödie", diesmal unter dem Himmel der Schauspieler, veröffentlichte ein Injerat in Holly- gens sei er früher abgefahren, um sich das New ſtube ein bißchen zu viel getrunken. Er hinterließ einigen Stadt zur Regenerierung des lateinischen wooder Blättern, worin er aus Anlaß der An- Morfer Nachtlet n gründlicher ansehen zu können. ein seltsames Monogramm im Schnee, raffte feinen Filmgenies. wesenheit Mussolinis zu Geldspenden für spani So ist der Traum davon, daß sich Rom und Holly Burburmantel und lief schnell hinter den anderen Vittorio Mussolini traf in Amerika ein.„ Er sche Kinder aufforderte. Auszüge aus Vittorio wood die Hand zu einträchtiger Zusammenarbeit beiden Königen her, um sie wieder einzuholen. Das wird sich hier ein halbes Jahr aufhalten, um das Mussolinis Buch wurden veröffentlicht, wo er sich reichen, in Nichts zerschmolzen. In Hollywood bei hielt er die goldene Krone mit der Hand auf Filmmachen zu lernen", hieß es. Sehr erfreut darüber beklagt, daß brennende abessinische Hüt- war man gegen die Eintracht. Joan Crawford Und dann gingen die Heiligen Drei Könige war man in Washington nicht über den Besuch ten sich nicht so effektvoll in Wirklichkeit ausneh- wird aber als zweite Joan of Arc, Hollywoods weiter dur die weiße Stille. Rot, blau und weiß Man befürchtete unangenehme Zwischenfälle, anti- men, als brennende Hütten in amerikanischen Jungfrau von Orleans, gefeiert. Henry Jordan. mogten ihre Stäntel und Gold blinkte im Laternen- faschistische Demonstrationen, aber auch die Pro- Filmen, und worin der Krieg für den nobelsten Man stellte ihn Sport des Mannes erklärt wird. ( Copyright by Sozialdemokrat" und Lutetia- Preß.) paganda Vittorio Mussolinis. ganzjährig K 192.-: Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Lezug durch die Bost monatlich Kč 16.-, vierteljährlich Kč 48, halbjährig Kč 96. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rüdstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. ( Kontrollpoftamt Praha 25. Drucere: Orbie" Drud. Verlags- und Beitunas-.- G. Brag. graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. seinem Haupte fest. ſchein. " Die Zeitungsfrantaur wurde von der Bost- und Tele