Sozialdemokrat Zentralorgau der Deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei tn der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Mont»- täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag Xll., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern. Prag 17. Jahrgang Mittwoch, 15. Dezember 1837 Nur dem Inhalt: Zusammenstöße mit der SdP im Senat Einschränkung des Regresses? Einigung auch in Kladno und Ostrau Neue Bedrohung des deutschen Bodens in Südtirol Nr. 294 Yvon Delbos Der französische Außenminister Avon DelboS stammt trotz seines bretonischen Vornamens nicht aus Nordfrankreich, sondern auS dem Südwesten, aus der Dordogne, berühmt durch ihre prähi» Roosevelt appelliert an Bestürzung in Tokio Japans Kaiser storischen. Funde. Er wurde am 7. Mai 1885 in der kleinen Gemeinde Thonac geboren, wo sein Vater, der vor wenigen Monaten verschieden ist, Lehrer war. Auch sein Großvater übte dort den Lehrerberuf aus. Nach den Mittelschulstudien in Perigneux und später in Paris, die er durchwegs mit Auszeichnung absolvierte, trat er ist die Ecole normale supLpeure über, die höchste fran- zosische Lehrstätte, die den ausgewählten Nachwuchs zum Lehramt an der Universität vorbereitet. Fvon DelboS legte an der philosophischen Fakultät die Fachprüfungen ab, er genoß den Ruf eines guten Lateiners und eines scharfsinnigen Interpreten französischer Dichter. Er schrieb einen„Beitrag zur kritischen Ausgabe Lamartine-.Meditationen", aber die Politik entführte ihn unversehens nach dem Beispiel seiner älteren Kollegen aus der Hohen Normalschule Jäür-, Herriot und Lton Blüm der Universitätslaufbahn. Schon, im Jahre 1911 widmete er sich, dem Journalismus, zunächst als Literaturkritiker. lieber« laschend wandte sich DelboS aber der politischen Journalistik zu. Am 2. August 1914 mobilisiert, ging er als Sergeant eines Infanterieregimentes an die Front und wurde im September durch drei. Schüsse, an der Hand verwundet: Nach der Ausheilung seiner Verwundungen meldete er sich als. Pilot zur Flugwaffe und wurde wieder verwundet. ..Nach der Beendigung des Weltkrieges, bzw. nach der Demobilisierung kehrte Delbos zur Jour- «alisük zurück. Im Jahre 1919 gründete Delbos gemeinsam mit Herriot das Blatt„Ere nouvelle", an dessen Spitze er bis zum Jahre 1922 verblieb. Im. Jahre 1929 wurde Avon DelvoS Sekretär, im Jahre 1922 Vorsttzenderftellvertreter der Radi- kalsoziälistischen Partei und im Jahre 1924(nach einem Mißerfolg bei den Wahlen im Jahre 19191 Abgeordneter seines heimatlichen Kreises, der ihn seither immer wieder wählt. Im Parlament spielte Avon Delbos bald eine führende' Rolle, schon im Frühjahre 1925 vertraute ihm Ministerpräsident Painleve den Posten eines llnterstaatSsekretarS für den technischen Unterricht und. die schönen. Künste und bald darauf— nach der Demission Anatol de Monzi— das Ministerium für Unterricht an, daS er bis zum November 1925 behält. Zehn Jahre hindurch lehnt Delbos die verschiedenen Angebote der Ministerpräsidenten, in das Kabinett einzutreten, ab und widmet sich neuerdings der Tätigkeit in der Partei,- im Parlmyent und dem Journalismus. In diesen Jahren unternimmt er mehrere Reisen durch Europa und auch nach Sowjetrußland.. Seine Eindrücke schildert er, zuerst in der ,La Dep-che de Toulouse" und später in dem im Jahre 1933 erscheinenden Buch ,Le Erperience rouge". . In den Jahren 1932 bis 1933 war DelboS stellvertretender Vorsitzender der Deputiertenkammer und zeitweise auch Vorsitzender d«S radikalsozialistischen Abgeordnetenklubs. Im Jänner 1936 ist er einer der ersten Sprecher, die den Sturz des Kabinetts Lavals herbeiführen, und der Präsident der Republik betraut ihn mit der Bildung der neuen Regierung. DelboS lehnt ab, übernimmt jedoch daS Vizepräsidium in der Regierung und im Kabinett Albert Sarraut(Jänner bis Juni 1936) da- Justizministerium., Räch den Parlamentswählen>m Fruhrahr des Vorjahres wurde Delbos Außenminister im Kabinett Blum, welches Ressort er, auch im gegen, wärtigen Kabinett Chautemps bekleidet. Scharfe Proteste und japanische Entschuldigungen Loudon. Es wird hier bekannt, daß außer der schon überreichte« Note Amerika- au Japan, die in äußerst scharfem Tone gehalten ist, der Präsident der Vereinigte« Staate«, Roosevelt, eine Botschaft an de« japanischen Kaiser Hirohtto gerichtet hat, in der er von diesem Garantie« dafür verlangt, daß sich ähnliche Dorkommniffe wie jene, deretwege« Amerika jetzt einschreiten muß, nicht mehr wiederholen. Die Rote Roosevelt- wird, ebenso wie die diplomatische Rote Amerika-, in Tokio geheimgehalte««nd hat in amtlichen japanischen Kreisen Bestürzung Hervorgerufe«. Der Kaiser gilt in Japan als gottähnliches Wese«, der nicht in die Politik hineingezogen werde« darf. Zum erste« Male seit dem Aufstieg Japan- in die Reihe der Großmächte kommt es vor, daß ei« solcher Versuch unternommen wird, und noch daz« von einer auswärtige» Macht. Der Schritt Roosevett- Kan« angesichts dieser besondere« Stellung de- japanische« Kaisers sehr schwerwiegende Folge« habe«. Scharfe amerikanische Kote"eure englische Entscheidung Washin g l» n.(Reuter.) Der amerikanische Botschafter in Tokio überreichte der japanischen Negierung ein« Rote, in welcher gegen di« Versenkung des Kanonenbootes»Panatz"«nd § dreier amerikanischer Handelsschiffe per schärfste , Protest eingelegt wird. I» der Rote wird darauf i verwiesen, daß bei zahlreichen früheren Gelegenheiten die apamschen. Abteilungen die Rechte der ^Bereinigten Staaten verletzt hab«. I« letzt« Falle seien die japanischen bewaffnet« Kräfte IN einer derartigen Weise oorgegang«, daß die amerikanisch« Recht« überhaupt mißachtet wurden. Unter dies« Umständen fordert die amerikanische Regierung von der japauisch« Regierung, sich formell zu entschuldige«, das Bedauern über diese Vorfälle auszusprechen, dm»ollen Ersatz der angerichteten Schä» deu zu garantieren»nd Schritte zu unternehmen, daß künftighin die Interessen und Güter amerikanischer Staatsbürger in China weder Angriff« der japanischen bewaffneten Kräfte noch ungesetzlich« Eingriff« durch die japanischen Behörde« oder di« japanisch« Militärabteilungen ausgesetzt werden. Die Rote betont schließlich, daß die Vernichtung der vier Schiffe die Regierung und daS Volk der Vereinigt« Staat« statt beeindruckt habe. Diese Schiffe hätt« sich mit unbestreitbarem Recht auf dem Aangtse-Fluß aufgehalt«»nd, mehrmals ihre Position« geändett, um der Ge- fahrrnzone auszuweich«. Nanking ganz besetzt Schanghai.(Havas.) Ein Sprecher der japanischen Armee ettlärte Pressevertretern gegenüber, daß japanische Truppen Nanking besetzten und die Stadt säubern. In Erwähnung des Falles von Nanking referiette der Sprecher über die antijapanisch« Stimmung, die in China auch nach dem Fall von Nanking zum Ausdrucke kommt und der japanischen Oeffentlichkeit bestätigt, daß der Krieg jetzt erst beginnt. Schattenregierung In Pelplng Tokio. Nach einer Meldung der Agentur Domei aus Peking ist dott, wie angetündigt, am Dienstag vormittags um 11 Uhr Ortszeit die „vorläufige Regierung der Republik China" gebildet worden.. Nach dem feierlichen Staatsakt in der Tschujentang-Halle nahmen die Ausschüsse für Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung sofott ihre Arbeiten auf. Der Vorsitzende des Gesetzgebungsausschusses Tangerho er« klärte chinesischen und japanischen Pressevertretern, daß die vorläufige Regierung zunächst für Ruhe und Ordnung im Lande sorgen und dann umfangreich« Maßnahmen zur Herstellung einer vollen Verständigung zwischen dem chinesischen und japanischen Volke ergreifen wolle. Ausländische Beobachter legen der Tatsache große. Bedeutung bei, daß die neue Peipinger I Regierung alle Verträge und Abkommen Chinas mit fremden Mächten respektiert. Sie erinnern daran, dass dadurch eine ähnliche Situation entsteht, wie sie nach der Bildung der mandschuri» I scheu Regierung gegeben war, welche sich ver- London. Das britische Kabinett wird sich in seiner regelmäßigen Sitzung am Mittwoch mit den Maßnahmen befassen, die eine Wiederholung der Vorfälle verhindern sollen. In englischen parlamentarischen Kreisen herrscht di« Auffassung vor, daß ein über einen Protest hinan Sge- h e n d e s demonstratives britisch-amerikanisches Vorgehen nicht nur eine Verbesserung der britischamerikanischen Position im Ferne,. Osten nach sich ziehen, sondern auch auf den Krien in China selbst günstige Rückwirkung« haben müßte. Bis jetzt ist aber keine derartige Entscheidung gefallen. Auch Deutschland erhebt Protest Wegen der Beschießung des englischen Schiffes„Wangpu".auf dem sich auch die deutsche Bot- schafterdlenststelle befand, durch japanische Artillerie, hat das Berliner Außenamt beim japanischen Geschäftsträger energischen Protest erhüben. Japans Entschuldigung Tokio.(Reuter.) Das japanische Außenministerium hat der britisch« und der amerikanisch« Botschaft ein Memorandum überreicht, in welchem sich die japanische Regierung wegen der Angriffe japanischer Flugzeuge auf amerikanische und englische Kriegsschiffe entschuldigt und dm Ettatz der bei dm Angriff« auf die Kanonmboote »Lady Bird" und„Panay" verursachten Schäden anbietet. In dem Memorandum wird weiter er» klärt, daß bereit- Vorkehrungen getroffen würdm, um ein« Wiederholung solcher Zwischenfälle zu verhindern. pflichtete, die Interessen und Rechte der ausländischen Mächte ohne Unterschied zu respektieren. Das soll bedeuten, daß nur jene Mächte, welche bereits sein werden, mit der neuen nordchinesi- schen Regierung in direkte Beziehungen zu treten, ihre erworbenen Privilegien behalten oder neue werden erwerben können. Chinesische Erfolge Peiping.(Reuter.) Auf der Strecke Peiping- Hankau wüteten in den letzten Tagen Heftige Kämpfe. Die Chinesen, welche die Stadt Wutaj« schau in der Provinz Schansi beherrschen, unter- nahmen einen Angriff auf die Eisenbahn und bemächtigten sich der Stadt Sanschan. Dreijährige englische Rüstung: 133 Milliarden Ki London.(Eigenbericht.) Für die Einschätzung der internationak« Lage durch die dri- tische Regierung ist kmnzrichnmd ein« Erklärung, di« der Minister für die Vereinheitlichung der Landesverteidigung, Sir Thomas I u S k i p, am Dienstag im englisch« Unterhaus abgab. Er sagte, daß die Aufrüstung Englands noch vier bis fünf Jahre fortgesetzt werden würde und daß sie täglich an Umfang zunrhme. In diesem Jahr wurden 278 Millionen Pfund Sterling aufgewm- det, im kommenden Jahr werden eS 320 Millionen und im Jahre 1939 gar 340 Million« Pfunde Sterling sein. Die volle Leistungshöhe der Rüstungsindustrie werde in etwa 18 Monaten er-, reicht sei«. Willkommener Gast Auf seiner Rundreise durch Ost- und Mitteleuropa trifft der französische Außenminister Delbos heute in Prag ein. Minister Delbos weiß, daß er in Prag zu aufrichtigen Freunden kommt. DaS Verhältnis der Tschechoslowakei zu Frankreich war seit der Schaffung der Tschechoslowakischen Republik ein besonders herzliches, ja das intimste, welches dieses Land mtt irgend einer Großmacht verbindet. DaS hat seinen Ursprung in der besonder» Unterstützung, welche Frankreich der tschechoslowakischen Auslandsrevolution im Weltkrieg hat angedeihen lassen und der Masarqk und Benes zum Teil den Sieg über, die Habsburger-Monarchie zu verdanken haben. In den ersten Jahren der Nach», krregszeit war das Verhältnis zu Frankreich geradezu die Achse der tschechoslowakischen Außenpolitik, was seinen international-rechtlichen Ausdruck in dem am 25. Jänner 1924 abgeschlossenen Bündnis fand, das durch keine der seither wechselnden weltpolitischen Situationen erschüttert worden ist. Die.wirkliche Harmonie der Interessen und Gefühle", wie Benes als Außenminister dieses Bündnis charakterisiert hat, blieb der ruhende Pol in der Außenpolitik der Tschechoslowakei, während sich die inneren Verhältnisse und die auswärtigen Beziehungen von Dutzenden Staaten ändetten. Wie sehr unsere Außenpolitik mit jener Frankreichs verbunden ist, wurde insbesondere in jenen schicksalhaften Monaten ersichtlich, als die Sowjet-Union ihre Stellung zu Europa ändert«, in den Völkerbund eintrat und als im Mai 1935 kurz nach einander erst Frankreich und Dann die Tschechoslowakei einen P.ttt tzegensettigkr Hilfeleistung mtt'der Sowfrt-Nnion abschlossen. Heute, da das Zusammengehen Italiens, Japans und Deutschland Wittlichkeit geworden ist, kann man erst richtig erkennen, wie vorausschauend diese Politik gewesen ist. DaS Zusammengehen der drei Staaten ist angesichts der faschistischen Gefahr eine Art Notwehr, es dient den Cristen,Interessen des demokratischen EilandS in Mitteleuropa und es ist vor allem ein Instrument der Erhaltung des europäischen Friedens. Unser Bündnis mit Frankreich ist aber auch eine Brücke, die uns mit dem englischen Weltreich verbindet. Seitdem die unheilvollen Regierungen der Rechten in Frankreich gestürzt sind— an den» Sturz Lavals war der jetzige französische Außenminister hervorragend beteiligt— ist daS Zusammengehen Frankreichs und Englands ein so engeS geworden, daß man eS aus der europäischen Lage nicht mehr wegdenken kann. Man bedenke nur. wie eS mit dem europäischen Frieden und der europäischen Demokratie bestellt wäre, wenn die beiden westlichen Demokratien nicht miteinander gingen. Mit England sind die Vereinigten Staaten befreundet, mit Frankreich ist Rußland verbündet, so daß wir eine Mächtegruppe von vier Großstaaten haben, deren Verbindung untereinander oft nur lose ist, die aber doch den faschistischen Angreifern Drohung und Schrecken ist Gewiß ist die Friedenssehnsucht in all den vier Großstaaten so stark, dass sie sich bisher zu gemeinsamem kraftvollen Einschreiten gegen die Friedensstörer in Spanien, Abessini« und China, nicht entschließen konnten— ein Zögern, daS den grundsätzlichen Anhängern der Demokratie ost auf die Nerven geht— aber in dieser zerrütteten, zerklüfteten Welt, in der die Barbarei Triumphe feiett, ist die illegale lose Vereinigung der vier Friedensmächte immerhin ein Gewinn, eine Tatsache, die im entscheidenden-Augenblick auch den Angreife« und Friedensstörern zu Bewußtsein gebracht werden wird. Delbos war vor Antritt seiner Reise in London und wird der tschechoslowakischen Regierung auch den englischen Stand» , punkt verdolmetschen können, der darin besteht, daß das britische Weltreich den Dingen in Mitteleuropa nicht uninteressiert gegenübersteht. Der französische Minister kommt in einem Augenblick nach Prag, da manches zwischen ihm und seinem ffchechoslowakischen Kollegen zu besprechen sein wird. ES ist dies der Austritt J1ali«S aus dem Völkerbund, der allerdings auf die internationale Haltung unseres Landes keinen besonder Einfluß ausüben wird. Die Auffassung, daß der Friede ein unteilbarer, die Sicherheit daher eine kollektive ist, wird keine Aenderung erfahren. Wichtiger ist.schon, welche Kunde Delbos aus Warschau und Belgrad mitbringt. In Polen wie in Jugoflawien macht man— trotz der bestehenden Bündnisverttäge— eine rein Seite S Mittwoch, 15. Dezember 1937 Nr. 294 opportunistische Außenpolitik, man glaubt, daS Kokettieren nach allen Seiten entspreche den In« terxssen der beiden Länder. Mit einer solchen Politik ist schon Wilhelm II. gescheitert, der zwischen England und Rußland nicht zu wählen vermochte, der das angetragene Bündnis mit Großbritannien mehrerrmals ausschlug— bis sich England und Rußland gegen den unsicheren Kantonisten verbanden. Eine Weile mögen Beck und StojadinoviL auf der außenpolitischen Schaukel Kunststücke zum Besten geben, in entscheidender Stunde wird eS sich zeigen, daß nur eine grundsätzliche Politik möglich ist und daß das Vertrauen in eine stetige Politik, wie. sie die Tschechoslowakei treibt, mehr wert ist als einige Armeekorps. Der Streit um Danzig, den Korridor und Oberschlesien wird ebenso wie der Kampf um die Adria im entscheidenden Augenblick aufflammen und dann werden Polen und Jugoslawien ihre wahren Freunde erkennen und— suchen. Wir glauben, daß die aufrichtige Freund- sckast, welche die Tschechoslowakei mit Frankreich und der Sowjet-Union verbindet, im Interesse der Demokratie, des Friedens und des Fortschrittes gelegen ist. Wir begrüßen daher den französischen Minister, der Mitglied einer Regierung ist, in der unsere französische Bruderpartei stark vertreten iit, als Sendboten des Friedens und wir werden dem Streben nach Befestigung einer Mächtegruppierung in Europa,' die einen zweiten Weltkrieg verhindern will, stets unsere politische und maro- lische Unterstützung leihen. 6en0886 Hackenberg im Senat; Sozialer und kultureller Fortschritt Durch die faschistische Kriegshetze bedroht Im Senat kam DienStag nachmittags im Laufe der Budgetdebatte Genosse Hackenberg zu Wort. ES wies nach, wie überall im Budget dringende soziale und kulturelle Forderungen zurückgestellt werden müssen, weil die Rüstungm notwendigerweise den Borrang habe». AlS er dann der SdP auf den Kopf zusagte, daß der Faschismus und damit auch sie selbst diese Zustände zu verantworten haben, gab eS bei der SdP große Entrüstung. Unsere Genossen blieben die Antwort nicht schuldig, so daß bald ein ungewöhnlich scharfer Wortwechsel im Gange«ar, der noch lang« nach HackenbergS Rede in unverminderter Heftigkeit weiterging, um schließlich einen fiir die SdP nicht sehr rühmliche« Ausgang zu nehmen. Einleitend erklärt es Hackenberg für nicht nachahmenswert, die Generaldebatte zum Budget mit der Sve» zialdebatte zu vereinigen, um so vor den Feiertagen noch Zeit zur Aufarbeitung des restlichen Pensums zu schaffen; eine solche Vorgangsweis« sollte sich keineswegs ständig einbürgern. ES ist für die zweite Kammer auch entwürdigend, wenn man hier über den Staatsvoranschlag spricht und kein Reffortvertreter anwesend ist.(Zustimmung.) Eine befriedigende Auswirkung der unstreitigen Besserung der Wirtschaftslage auf den Voranschlag ist leider» i ch t zu verzeichnen. ES gibt eine Reihe von Fragen wirtschaftlicher, sozialer, gesundheitlicher und kultureller Natur, die n i ch t entsprechend berücksichtigt werden konnten. Hiezu gehört die Hebung deS Exportes, an der die sozialistischen Parteien ganz besonders intereffiert sind. Wir müffen ferner Klage darüber führen, daß zu, h?.«. u i.g. ft.j.p.« dukti b e Jnbestlt'i o n e n dnrchgrfuhrk werden. Wir haben ferner verschiedene Fonds, die auf regelmäßig« Jahresdotationen angewiesen sind, so z. B. den M« l i o r a t i o n S f o n d s, den Straßenfonds und den Fonds für Elektrifizierung. Nun wurden aber die Dotationen so stark reduziert, daß für absehbare Zeit überhaupt keine Möglichkeit mehr besteht, aus den Mitteln dieser Fonos neue Arbeiten in Angriff zu nehmen. Die Erschöpfung der Fonds und der Kreditmangel bringen es mit sich, daß wir auch auf wirtschaftlichem Gebiete nicht das leisten können, was zur Ankurbe-1 lung der Wirtschaft nötig wäre. Oder nehmen Sie die sozialen Fragen! Unsere Arbeitslosenfürsorge ist nicht entsprechend, weil di« Arbeitgeber nicht herangezogen werden. Es wird aber notwendig sein, eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit zu schaffen, die leider eine dauernde Belastung bilden wird. Infolge der Rationalisierung werden wir nicht imstande sein, in absehbarer"Zeit alle Arbeitskräfte unterzubringen. Hier kann nur eine entsprechende Verkürzung derArbeitSzeithelfen. Auch der Voranschlag des Gesundheit S- ministeriumS entspricht nicht unseren Wünschen. Wenn wir unS ansehen, welche Beträge etwa zur Bekämpfung der BollSrankheiten und der Infektionskrankheiten ausgeworfen sind, so müffen wir zugeben, daß das ungenügend ist. Ebenso sind zum Ausbau der Krankenhäuser entsprechend« Mittel nicht vorhanden. Uebrall leiden eben auch die Absichten des Gesundheitsministeriums darunter, daß eS di« entsprechenden Mittel nicht aufbringen kann! Auch unsere Hochschulen haben«inen Ausbau dringend nötig. Nicht anders ist es bei den Mittelund Volksschulen. Bei letzteren sind die Gemeinden häufig nicht imstande, die Lasten der Schulerhaltung zu tragen, geschweige denn entsprechende Schulneubauten aufzuführen. Os» Problem der Minderheit s* schulen Nicht nur wir, sondern auch sehr viele Angehörige des tschechischen Volkes sstld hier der Ansicht, daß das Minderheitsschulwesen in der gegenwärtigen Form nicht aufrecht erhalten werden kann. Man kann nicht auf der einen Seite — in deutschen wie in tschechischen Gemeinden— die Schulen vollkommen verwahrlosen lassen, ohne den Gemeinden beim Bau von Schulen zu helfen, während auf der anderen Seite P a l ä st e zur Unterbringung einer ganz geringen Zahl von Kindern in den Minderheitsschulen aufgeführt werden. Das ist k e i n e richtig« Lösung des Problems. Gewiß soll man für jedes Kind die Möglichkeit schassen, in seiner Muttersprache unterrichtet zu werden, aber eS ist nicht notwendig, künstlich Minderheiten zu schaffen! Kollege Hubka hat in der Ausschußdebatte gemeint,«S sei„k e i n M a l h« u r". wenn die Kinder deutscher Angestellter im tschechischen Gebiet« in die tschechische Schule gehen: Sie würden dadurch nicht entnationalisiert, aber sie erlernten die Staatssprache. Was würden Sie aber sagen, wenn wir derselben Auffassung bezüglich der t s ch e ch i- scheu StaatSbedienfteten Ausdruck gäben, die in deutsches Gebiet versetzt werden? Senatorin Plaminkovä: Das ist schon so! Hackenberg: Nein, das ist n i ch t so, sondern es wird für diese Kinder eine Minderheitsschule errichtet. Ich sprech^ wahrhaftig nicht vom nationalistischen Standpunkt, sondern ich will nur. Laß die vorhandenen Mittel auch für die tschechischen Schulen zweckmäßiger verwendet werden! Es hat auf gewisser tschechischer Seite Aerger- nis erregt, daß die Post für die deutschen Provinztheater heuer erhöht worden ist. Wenn Sie auf der anderen Seite berücksichfigen, daß für das Nationaltheater i» Prag 11.8 Millionen ausgeworfen find — außer den Zuwendungen für die tschechischen Provinztheater— so darf man es nicht als Unrecht empfinden, wenn auch die deutschen Theater bedacht werden, und zwar in einem Verhältnis, das man noch immer nicht als gerecht bezeichnen kann. Zwischenrufe des Senators Paulus von der Nationalen Bereinigung. Hackenberg: Regen Sie sich nicht auf. Mit Ihnen, dem Rationalisten, werd« ich nie Übereinkommen. Wir haben rin Recht der Kritik, weil w t r es wann, die im alte» Oesterreich daS an Ihnen begangene Unrecht in nationalen Fragen bekämpft hccheu. Wir haben auch daS Recht, Forderungen zu stellen, und daran werde ich mich von Ihnen wahrhaftig nicht hindem lassen!(Zustimmung.) Selbst rüsten— die einzige Sicherung Redner beschäftigt sich dann mit der Erhöhung des Voranschlages insbesondere für Rüstungszwecke und sagt hierzu u. a.: Als wir den Weltkrieg hinter uns hatten, haben wir unS all« der Hoffnung hingegeben, daß der Ruf der Heimkehrer.Nie wieder K r i e gl" in Erfüllung gehen werde. Hoffnungsvoll haben wir der Schaffung des Völkerbundes entgegengesehen und gehofft, daß eS nun möglich sein werde, dem Gedanken der Abrüstung näher zu kommen. Leider sind wir in unseren Erwartungen getäuscht worden; heute erleben wir fast den Zusammenbruch deS Völkerbundes. Auf der einen Seite sehen wir die Staaten mst demokratischer Verwaltung, auf der anderen Seite die faschistischen Staaten. Deutschland ist nicht nur aus dem Völkerbund ausgetreten, es hat auch zu rüsten und dann, als«S sich stark fühlte, zu drohen begonnen. Wenn wir uns die Rundfunkhede von drüben gegen die Tschechoslowakei ein bißchen anhören, so müssen wir auch als Pazifisten sagen: Jetzt gibt eS keine andere Sicherung, als selbst zu rüsten! Schmidt(SdP) ruft dazwischen: GureS Ein- vern-hmen mit seinem Nachbarn! Oie Hetzer aus der Tschecho slowakei Hackenberg: Der Wille zum guten Einvernehmen mutz beiderseits bestehe« und darf nicht einseitig sein. Wir bezweifeln, daß bei dem heutigen Regime in Deutschland der gute Wille besteht, frrundnachbarliche Beziehungen zu»ns zu unterhalten. Dafür, daß de« nicht f» ist, sorge» auch rin bißchen Sie mit, dir Hetzer aus der Tschechoslowakei! Krawall bei der SdP. Zwischenrufe: Die Emigranten! Hackenberg: ES gibt auch Emigranten aus der Tschechoslowakei in Deutschland. ES sind dort Jung und KrebS und auch noch andere, die reichlich mit zur Hetze gegen die Tschechoslowake, beitragen. Und wenn Deutschland sich auf den M, n- derbeitenschud bezieht, so muß man aus Südtirol verweisen. Ich habe einige Jahre in Südtirol gelebt und kann mir vorstellen, wie es den dortigen Deutschen zu Mute ist angesichts der Behandlung. die sie von dem Bundesgenossen Deutschlands unter Duldung Deutschlandi erfahrenl Die Südttroler Deutschen dürfen keine deutschen Schulen besuchen, sie dürfen nicht einmal den Religionsunterricht in ihrer Muttersprache genießen. Wenn es Ihnen(zur SdP), wenn es Deutschland wirklich um die Minderheiten geht, dann haben Sie vor allem dort zuzuareifen. meine Herrschaften! Auch unser Standpunft ist es, in unserem Staate nationale Gerechtigkeit herbeizuführen und wirklich das zu schaffen, daß wir uns als Gleiche unter Gleichen fühlen können. Aber daS ist eine Angelegenheit, die wir uns hier in diesem Staate ausmachenmüffen. von Nation zuNationl Das ist der Unterschied in der Auffassung zwischen uns und Ihnen! Zwischenrufe der SdP: Ihr seid nicht berech- tigt, im Namen des sudetendeutschen Volkes zu sprechen! Dr. Heller: Alle aktivistischen Parteien zusammen haben in zwanzig Jahren nicht so viele Affären gehabt, wie ihr in drei Monaten! Hackenberg: Und wenn Sie nun berück- stchtigen, daß der Mehraufwand für unproduktive Zwecke im Boranschlag durch diese Kriegshetze, durch die von Ihnen mitverschuldete Rüstungspolitik herbeigeführt wird, dann werde« Sie mir recht geben müssen, wenn ich sage, daß Sie sich das Recht der Kritik an unserem Verhalten verwirkt haben.(Lärm.) Wir bedauern es, daß eS infolge dieser Verhältnisse nicht möglich gewesen ist. den Voranschlag so zu gestalten, wie wir eS gerne gesehen hätten. Wir werden aber für de» Boranschlag stimme«, well es gilt, die Demokratie zu erhalte«, und weil eS gilt, durch die Abstimmung für den Voranschlag auch für die Verteidigung deS Staates gegen den Faschismus zu sorge«. (Lärm bei der SdP. Lebhafter Leffall der Linkm.) * Or. Kostka für Schulautonomie Von sonstigen deutschen Rednern ist Doktor Kost!» hervorzuheben, der von den staatlichen Siellen^vie besondere Beachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den deutschen Gebicken fordert. Weiters verlangte er eine Durchführungsverordnung zum 18. Feber, die für alle staatlichen Stellen verbindlich sein müßte. Eine totalitäre Autonomie, wie die SdP sie fordert, hält er für unmöglich, wohl aber könnte in demokratischer Weise eine Schulautonomie durchgeführt werden. Ein Rationalüätenkataster sei aber unnötig, vielleicht sogar gefährlich. Der Präsident der Republik empfing Dienstag, den 14. Dezember, den Wiener Korrespondenten der„Times" H. E. Read, ferner eine Deputation des Verbandes der Klubs der Akade- miter der tschechoslowakischen nationalsozialistischen Partei und schließlich den Abgeordneten Anton S r b a. Die böhmische Landesvertretung trat Dienstag zu ihrer Winterseffion zusammen, die voraussichtlich drei Tage dauern wird. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Berichte über die Durch» fühxung des Sprengelschulgesetzes«. der. Landes« straßenaktion usw. Der Landesvertretung wurde auch der Bericht einer Subkommiffion des Ge- sundheitsauSschusses vorgelegt, welcher Anmerkungen zum Entwurf des neuen Krankenhausgesetzes enthält. Zu Beginn der dienstägigen kurzen Sitzung hielt der Vorsitzende Landespräsident Dr. Sobotka einen Nachruf für den verstorbenen Handelsminister Najman. Konkurs deS Faschistenführers Gajda. Am 20. d. M. wird beim Prager Kreiszivilgericht über die Verhängung des Konkurses über das Vermögen des Faschistenführers R. Gajda verhandelt werden. Bezeichnend ist, daß der Konkursantrag von dem ehemaligen Verteidiger und Mitglied der tschechischen Faschistenpartei Advokaten Dr. Karl Langer gestellt wurde. 38 VONeugInedabet Berechtigte Uebertracun” au dem Französischen von Bejot Nach einer Weile kommen wir an die Stellung der dreizehnten Batterie. Ringsum ist der Boden zerwühlt von Granateinschlägen. Der Telephonunteroffizier kommt uns entgegen. »Dicke Lust?" fragt ihn Gleize. „Volltreffer beim dritten Geschütz. Die ganze Mannschaft ist gefallen." Die in Zeltbahnen gehüllten Körper liegen nebeneinander auf dem Boden. Fttix, Feret, Bou- tarel. Wir sind zusammen vom Urlarw zurückgekommen. Sergeant Portugal, ein gutmüttger Riese. Mechanisch lasse ich daS Leitungskabel abrollen, das Gleize auf gur Glück verlegt. Auf der Straße wimmelt es jetzt von Soldaten: Infanteristen, Jäger, Koloniale, Italiener in grünlicher Uniform, alle beladen mtt Schanzzeug, Maschinengewehren, Patronengurten. Sie verschwinden hinter einem Gebüsch. Noch ehe eine Stunde um ist, sind sie mitten im Kampfe. >< HEINE 11. Kapitel Wir erwarten den Kameraden von den achten Pionieren, der uns jeden Abend die neuesten Funkmeldungen bringt. Endlich kommt er. Wir eilen ihm entgegen wie dem Postverteiler und bestürmen ihn mit Fragen. ,bringst du gute Nachrichten?" „Ja", antwortet er strahlend..Hört zu. Aber schon wird die Küchentür aufgerissen, und einer schreit: „Der Boche haut ab. Morgen früh ziehen wir lös." Es ist einer aus der Schreibstttbe. Er hat genaue Informationen. Man johlt und tanzt vor Freude.- „Das ist der Anfang vom Endel" „Darauf müffen wir einen guten Happen genießen", sagt Cauvin. Dreckig, mit offenem Rock, überwacht er die Zubereitung einer Extrasuppe. Er kostet, tut Knoblauch daran, kostet wieder. Gradouble öffnet Konservenbüchsen. Ich nehme Teller aus einem Schrank. Wir setzen uns an einen langen Tisch, und Böguel baut ein Dutzend verstaubter Flaschen auf. „Wo hast du die gestohlen?" fragt Gleize. Er gibt keine Antwort, füllt die Gläser, erhebt daS seine. „Ich trinke aufs Wohl der Quasselstrippenkolonne." Alles in allem haben wir bisher Glück gehabt. Keinen Toten, keinen Verwundeten in der Abteilung. Aber unmöglich kann man den Eindruck des Dorfes vergessen, das erfüllt war von einem entsetzlichen Verwesungsgeruch, und in dem die Toten, blau gedunsen oder graugelb mumifiziert, scharenweise auf den Straßen lagen. Bsguel singt: Und wieder sehen wir Panama, Den Eifelturm und Notre-Dame... Ich schließe die Augen und sehe die Seine, die Kais, die Boulevards. Ich bin etwas betrunken, glaube ich. „Ob's wohl diesmal wirklich wahr ist, Masse?" „Todsicher." Er spricht mit ungestümer Begeisterung von unserer Zukunst. Er ist völlig verändert, umarmt mich, lacht mir zu, weiß sich nicht zu lassen vor Glück. Alle schreien durcheinander. Btguel will, wenn er erst frei ist, eine Woche lang nicht nüchtern sein, Bruger und Gradouble phantasieren von der Rückkehr auf ihren Posten, Gleize vom Wiedersehen mft seinen in Lens wohnenden Eltern, Eauvin von Marseille. Ach, keine Leitung wehr flicken, keine Wache mehr schieben, vor keinem Trommelfeuer mehr zittern müssen!... Jetzt erst fängt das wahre Leben an! Die alten sprechen von der Marne, von den ersten Schützengräben, von den Kämpfen mn Verdun, von einem stillen Herbst hinter der Front. Sie haben gute und schlechte Tage gesehen, menschliche Offiziere und feige, brutale Bestien. Sie erinnern sich an manchen Urlaub, an Frauen, an Kameraden, von denen ein hartes Geschick sie getrennt hat. Auch ich ordne meine Erinnerungen. Was ist aus Tavernier geworden? Aus Lemoignr, Jacques Eollin, Pierre Lentaigne, die versprochen hatten, mir zu schreiben? Vielleicht sind sie verwundet» vielleicht auch... Man hat sein« gesunden Gliedmaßen behalten.(Und wie sehr haben wir uns manchmal einen Heimatschuß gewünscht!) Jetzt fängt Cauvin zu singen an: Jungfer Therese, Die schönste von Marseille... Er trifft keinen Ton. Dann schildert er unS den Hafen, die Cannebiöre. „Das müßt ihr sehen! Ihr kommt und besucht mich, sobald der Friede unterzeichnet ist." „Ich bleibe in Panama", erwidert BSguel geringschätzig. „Und ich in Toulouse", sagt Salvat. Sie sind im Begriff, sich in die Haare zu fahren, als Gradouble aufsteht und die Madelon zu grölen beginnt. „Schnauze!" herrscht Gleize ihn an. Dann läßt er seinerseits seinen Tenor erschallen: Wenn man ein halbes Jahr gefastet hat» Und dann zehn Tage Urlaub hat» Dann ist man kreuzfidel, Das ist wohl klar... Er machte eine Pause, und wir brüllen im Chor: Wenn der Muschkote Urlaub hat. Kämpft Poincarö an seiner Statt. Das ganze Repertoire wird abgeleiert. Jeder Refrain läßt irgendein Bild erstehen, ein heiteres oder ein trauriges: eine durchwachte, durchfrorene Nacht in der Stellung oder eine Szene aus der Zeit, da wir uns hinter den Kolonialtruppen abrackerten und bis zum Ueber- drutz ihr Lieblingslied vom Seesoldaten und seinem Brustkasten genießen mußten. Bruger, der sich auf seine Stimm« etwas einbildet, bittet um Ruhe und läßt uns dann eine Romanze aus dem Sommer 1914 hören. Salvat, den sein Erfolg nicht ruhen läßt, blökt uns den schaurigen Sang von den„Bat's d'Aff", den afrikanischen Strafbataillonen, in die Ohren. Dann ist es genug. Wir tanzen. Gradouble und Cauvin schieben, eng umschlungen. Gleize schlägt mit den Händen den Takt. Bruger macht Luftsprünge. Ich tanze mst Masse. Er drückt mich fest an sich. Ist es der Wein, oder sind es die Zukunfsträume? Jedenfalls leuchten seine Augen, strahlt er Freude, Selbstvertrauen und eine sichere Kraft aus, die auch mit fortreißt. „Ausverkauf!" kreischt Diguel.„Ausverkauf wegen Aufgabe des Geschäfts!" Wir unterbrechen unseren Tanz. Er hat Frauenkleider angezogen, stelzt auf und ab, kommt, sich in den Hüsten wiegend, auf uns zu, macht verführerische Augen. Er hat einen Schrank ausgeräumt und wirst nun seinen Inhalt unter uns: Handtücher, Laken und Hemden. Eine Frauenhose schwenkt er wie eine Trophäe. Salvat möchte sie ihm entteißen. Sie kämpfen, umeinander hüpfend, um die Beute. Möbel werden umgeworfen, Stühle zerbrochen, Geschirr zerschlagen. (Fortsetzung folgt) Rr. 2S4 Mittwoch, 15. Dezember 1937 Seite 3 Te- •, geb. Kö 38.—. der ehe» vis-Aufstellung lies IVisssi'vk-Osnkmsls in Teplitj Der mit der Errichtung des Teplitzer-Ma- saryk-Denkmals betraute vorbereitende Ausschuß beschloß, das Denkmal vor dem Hauptbahnhof in Teplitz aufstellen zu lassen, tvo die neuen staatlichen Gebäre den geeignetsten Rahmen abgeben werden. Solidarität lehrt basteln. In jedem Jahr führt die Kinderfreundebewegung eine Solidaritätsaktion besonderer Art durch. Ihr« sämtlichen Gruppen basteln dann Spielsachen, um sie zu Weihnachten den Aermsten der Arbeiterkinder schenken zu können. Wer einmal zehn Minuten lang an einer solchen Bastelstunde derPrager Kinderfreunde teilnehmen will und außerdem neue Jugendlieder und dazu Schilderungen von der großen Englandfahrt der Falken hören möchte, der höre, was di« Prager Deutsche Arbeitersendung am Sonntag, den 19. Dezember, nachmittags von 14.20 bis 14.30 Uhr unter dem Titel„Solidarität lehrt basteln" im Rund- f u n k zu Gehör bringen wird. Kein« Kolonien an Deutschland London.(Havas.) Eine Gruppe von 70 konservativen Abgeordneten beschloß, dem Ministerpräsidenten Chamberlain mitzuteilen, daß sie grundsätzlich gegen jedwede Abtretung irgend eines britischen Mandatsgebietes an Deutschland sind und zwar insbesondere aus dem Grunde, weil Deutschland die Regelung des Kolonial-ProblemS als eines Teiles der internationalen Gesamtverhältnisse nicht anerkennen wolle. aus der BermögenSsubstanz. wie etwa in Italien.— Dr. TouZek(Rat. Ber.) benützt die Gelegenheit zu einer billigen Aaitationsrede und vermißt einen großzügigen Wirtschaftsplan. Später wirft ihm der Sozialdemokrat Pik vor. daß er schon anders reden würde, wenn er dieselbe Verantwortung wie die Regierungsparteien tragen müßte. Es sei leicht, alles abzulehnen. ohne sagen zu müssen, auf welche andere Weise der Staat die Mittel beschaffen soll. Weitersprachen Dr. B r u Z i n s k y(Siow. Bv.), P o- ptiva(Komm). Bikanek(Tfch. Bp.) und Dr. H o l o t a(Ung.) Dann wurde die Debatte auf Mittwoch 1 Uhr nachmittags vertagt. Regreß noch unfertig Das Schicksal der Regreß-Vorlage ist noch ungewiß. 2m sozialpolitischen Ausschuß stellte der Referent Sedh zum III. Hauptstück, das von dem mit Hilfe eines Staaisbeitrages gebauten Häusern handelt, fest, daß es sich um 7103 Häuser handle, zu denen das Ministerium seinerzeit rund 560 Millionen in Form von Staatsbeiträgen beigesteuert hat. Gegen die Geltendmachung des Regresses ergeben sich hier Bedenken, da noch keine genaueren Informationen darüber vovliegen, ob der erwartete Erfolg des Regresses nicht durchdieRegieauf- gezehrt würde. In jedem Einzelfalle müßte nämlich erst eine Abschätzung des derzeitigen Hauswertes vorgenommen werden, und zwar auf Kosten der Staatskasse. Ueber diese Dinge soll erst noch in der Koalition verhandelt werden, weshalb die wettere Ausschußberatung vertagt wurde. Wie es heißt, dürste der Regreß bei dieser Gruppe von Häusern überhaupt fallen. Schutz gegen Betriehestillegungen bis 31. März 1939 Von den terminierten Vorlagen sozialpolitischer Art, die noch vor den Feiertagen erledigt werden müssen, hat der sozialpolitische Ausschuß Dienstag früh die Maßnahmen gegen Betriebsstillegungen und Massenentlassungen mit der Aen- derung genehmigt, daß diese Maßnahmen nicht bis Ende 1938, sondern bis 31. März 1939 Geltung haben sollen. Ferner wird der ganze Text der bisherigen Regierungsverordnung ausdrücklich als Gesetzestext rezipiert. In dieser Fassung wurde die Vorlage auch vom Gewerbeausschuß angenommen. Wie eS heißt, wurde im politischen Ministerrat beschlossen, die Unkündbarkeit der K o l l e k- tivverträge nicht unbefristet, sondern nur auf ein Jahr zu verlängern. PariS.(Eigenbericht.) Zu den Belgrader Besprechungen von Dechos stellt die Pariser Presse abschließend fest, daß Stojadino- viö eine Außenpolitik der Vorsicht und der Rückversicherung führe und daß diese Außenpolitik der innerpolitischen Situation in Jugoflawien und ber europäischen Lage entspreche. Aus diesem Grunde habe man in Paris für die Haltung des Ministerpräsidenten Stojadinoviä durchaus Verständnis. Man sei aber davon überzeugt, daß ail dem Tage, da England und Frankreich entschlossen sein würden, die Organisation der europäischen Ordnung zu übernehmen, Jugoslawien vorbehaltlos an ihrer Seite sein würde. Der„Manchester Guardian" nennt die gegenwärtige jugoslawische Außenpolitik das zeitweise Ergebnis der Schwäche der westeuropäischen Demokratien in den letzten Jahren. Es wird außerdem in Paris hervorgehoben, daß Stojadinoviö seine Reise nach Rom ausdrücklich als eine bloße Höflichkeitsvisite bezeichnet hat. In bezug auf Spanien wird Jugoslawien nicht so weit gehen wie Eirgland, obwohl der jugoslawische Holzexport nach Spanien früher beträchtlichen Umfang hatte. Jugoslawien ist bereit, in dieser Frage Rücksicht auf Frankreich und die Länder der Kleinen Entente zu nehmen. Handelsabkommen Belgrad-Paris Belgrad.(Havas.) Dienstag nachmittags wurden drei Wirtschaftsabkommen zwischen Frankreich und Jugoflawien unterzeichnet, und zwar die Ergänzung zum Handelsabkommen aus dem Jahre 1929, ferner das Abkommen über den Zahlungsverkehr und schließlich das Abkommen über die Warenkontingente. Die Unterzeichnung nahm namens Frankreichs Minister D e l b o s, für Jugoflawien Handelsministcr VrbaniL vor. Durch diesen Vertrag werden die Kontingente Jugoslawiens um 20 Prozent erhöht. Lesen die Deutschen In polen Deutschenhatz im Zeichen des Minderheiten-Abkommens Henleins.Leit" hat seinerzeit daS deutsch- polnische Mindrrheitenabkommen als„sehr weitgehend" gelobt. Wir haben schon wiederholt auf die ungünstigen Auswirkungen dieses Abkommens hingewieson. Der folgende Bericht der„Frankfurter Zeitung" ergänzt unsere Mitteilungen: „Die Ernennung des Wojewoden von Pol- nisch-Oherschlesien, Grazynski, zum Ehrendoktor der Krakauer Bergakademie erfolgt nach verschiedenen Maßnahmen in der letzten Woche, die geeignet sind, die Annahme zu bestätigen, daß die ostoberschlesischen Behörden und ihr oberster Chef. Grazynski, unter Mißachtung der deutschpolnischen Minderheitenvereinbarungcu den Kampf gegen das Deutschtum in Oft-Oberschlesien nicht nur billigen, sondern unterstützen. Beamte der polnischen politischen Polizei haben bei Vernehmungen ohne Scheu ihre Mißbilligung darüber bekundet, daß deutsche Arbeiter noch in polnischen Jndustriewerken arbeiten dürsten. Die Polizei hat ihre Aufmerksamkeit jetzt auch den entlassenen deutschen Arbeitern zugewandt. Einige von ihnen, die schon lange arbeitslos waren, konnten durch die Vermittlung der deutschen Gewerkschaft in Ost» Oberschlesien bei deutsch-oberschlesischen Hüttenwerken angestellt werden. Diese Arbeiter sind nu» Grenzgänger geworden. Das ist der polnischen Polizei anscheinend ausgefallen, und sie hat diese Arbeiter vorgeladen, um sie darüber zu vernehmen, durch welche Vermittlung ihnen die Arbeitsplätze in Deutschland zugewiesen worden seien." Die Wahl zwischen Cholera und Pest Paris. Der Sonderberichterstatter des„3n» transigeant" Jean Thouvenin, der den französischen Außenminister auf dessen Reise begleitet, verzeichnet entschiednee Aeußerungen jugofla- wischer politischer Persönlichkeiten, die sich im Gespräch mit ihm sowohl gegen einen eventuellen Anschluß Oesterreichs an Deutschland, als auch gegen die Rückkehr Otw Habsburgs auf den Thron ausgesprochen haben.„Wenn der Anschluß durchgeführt werden würde, würde Oesterreich von dem deutschen Koloß, der der unmittelbare Nachbar Jugoflawiens wäre, zermalmt werden." Wenn Otto Habsburg den Thron bestiege, würde er alsbald die territoriale Frage aufrollen, die daS jugoslawische Nationalqefühl sehr empfindlich tangieren würde. In Belgrad wiederhole man, wie Thouvenin erklärt:»Wir wollen weder den Anschluß noch die Habsburger in Oesterreich, denn es ist nicht möglich, zwischen Cholera oder der Pest zu wählen". Lehn Bedeckungsvorlagen stehen zur Debatte Blubobildung. Die Henlein-„Rundschau" müht sich in ihrer neuesten Nummer ab, darzutun, daß die aktwistische Aktion gegen die Jrrefüh- rungSversuche der Rutha-Partei in England mißglückt sei. DaS Vergnügen kann man ihr lassen. Aber wenn sie dabei den erzliberalen „Manchester Guardian", dessen Parteistellung wirklich in der ganzen Welt bekannt ist, als „Organ der Labour Party" und„Arbeiterblatt" bezeichnet, so würde sie dafür in einer Journalistenschule einen ausgewachsenen Fünfer bekomme«. Wissen ist allerdings niemals von den völkischen Schriftleitern verlangt worden, ebensowenig wie die-Pateutdeutschen die deutsche Sprach« zu beherrschen brauchen. Im alten Oesterreich war einer der geistigen Ahnherren des offenen und getarnten Nazismus, der Tierarzt Türk, geradezu berühmt, weil er einmal in offener Reichsratssitzung vom„Kampfersationslexikon" gesprochen hatte. Die damaligen Pgs wußten freilich nicht alle, ivaS denn daran so komisch war, daß schallendes lächter ausbrach,(bn) Friedrich Stolberg» der Vorsitzende Deutschen christlichsozialen Volkspartei und malige Senator, feierte am 14. Dezember seinen 60. Geburtstag. Stolberg war seit 1919 Landtagsabgeordneter und 1913 Beisitzer des schlesischen Ausschusses. Nach dem Zusammenbruch war er eine Zeitlang Senator der Deutschen christlichsozialen VolkSpartei. Ein Obdachloser im Strohschober verbrannt. Beim Orte Schlief im Bezirk« Plan brannte nächtlicher Weile ein Schober von 30 Zentnern Stroh nieder. In der Asche stieß man auf die halbverkohlte Leiche eines noch jungen Mannes, der wegen'Obdachlosigkeit im Strohschober übernachtet und durch Unvorsichtigkeit beim Rauchen das Stroh angezündet habe« dürfte. Bei der Leiche fand man neben einigen KL und Hellern auch deutsches Kleingeld. Auf verkohlten Papierresten von Personaldokumenten konnte man nur den Namen„Kurt" entziffern und die Ziffer 15. Ein Eisenbahnunglück in WurzmeS. Wie erst jetzt bekannt wurde, passierte am Dienstag, den 7. Dezember in WurzmeS ein Eisenbahnunglück, das glücklicherweise keine größeren Folgen zeitigte. Früh, zwischen acht und neun Uhr, wurde von einem Motorwagen der Anhänger losgekoppelt, der auf ein Nebengeleis gestellt werden sollte, weil tagsüber geringerer Verkehr herrscht. Infolge dichten Nebels wurde übersehen, daß der Anhängewagen nicht auf das Nebengeleis fuhr, sondern auf der Strecke WurzmeS—Trupschitz stehen geblieben war. Als dann der Motorwagen ausfuhr, fuhr er auf den Anhängewagen auf. Dadurch wurde der Motorwagen stark beschädigt und verkehrsunfähig. Sieben leichtver- letztePersonen konnten in häusliche Pflege entlassen werden. Madrid wieder bombardiert Madrid. Dir Artillerie der Aufständischen hat DienStag um 16.15 Uhr die Bombardierung Madrids eröffnet. Die Granaten schlugen hauptsächlich im Zentrum der Stadt ein und forderten viele Tote und Verwundete. Madrid. Die republikanischen Batterien setzen die Beschießung der nördlich von der Hauptstadt konzentrierten Aufständischen-Abteilungen fort. Artillerie-Duelle werden von der Jarama« Front, vom Tajo-Flusse und aus der Provinz Avila gemeldet. PositionS-Aenderungen sind nicht zu verzeichnen. Tvs schlechte Wetter vereitelt jede Angriffsaktion. Dienstag früh gingen in den Auhenbezirkenwon Madrid einige Granaten nieder, wobei eine Reihe von Personen getötet wurde. I» Kürze: London. Den„Times" zufolge hat der jugoslawische Ministerpräsident Etojadinoviö den österreichischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Dr. Schmidt zu einem Jagdbesuch nach Jugoflawien eingeladen. London.„Manchester Guardian" berichtet aus Paris, daß der Direkwr der Presseabteilung des Außenministeriums M- Comert Ende dieses Monates nach Berlin fahren wird, um sich m>t dem Pressechef des deutschen Außenamtes über einschlägige Fragen zu unterhalten. Das Blatt hat bekanntlich gestern al- einzige Zeitung die Meldung Wer die Berliner Reise Comerts veröffentlicht. Warschau. Der englische Abgeordnete LanS- burh traf in Warschau ein. Paris. Auf Grund einer anonymen Anzeige kam die Polizei in Lyon einem großen Waffenlager bei dem Inhaber eines Depots für Arzneimittel auf die Spur. Die Waffen sind deutschen und französischen Ursprungs, doch befinden sich unter ihnen auch zahlreiche österreichische Gewehre. Haifa. Terroristen ermordeten Samstag den Scheich Mohammed Halib und verletzten einige Personen. Außerdem wurden auf eine Reihe von Automobilen Anschläge verübt. DienStag nachmittags begann daS Abgeordnetenhaus die Aussprache über alle Bedeckungs- vorlagen zum Budget mit Ausnahme des noch nicht fertiggestcllten Regresses. Dazu kommen zwei weitere Vorlagen über die Personalsparmatz- nahmen und über die Gehaltsabzüge deS Präsidenten der Republik, der Parlamentarier» Minister«sw. Insgesamt handelt es sich um z w ö l f Vorlagen» über die die Debatte gemeinsam aige- führt wird. Da alS Redezeit fünf Minuten pro Klubmitglied vorgesehen sind» dürfte die Debatte kaum vor Donnerstag abgeschlossen werden. Rach Aufarbeitung dieser Bedeckungsvorlagen hat das Haus dann als letzte Etappe vor den Feiertagen noch die terminierten sozialpolitischen Vorlagen zu genehmigen» die Montag dem Hause vorgrlegt wurden. Der StaatSanaeftellten nahm sicki der Referent Bergmann warm an. DaS Problem der öffentlichen Angestellten lasse sich nicht durch Sparmaßnahmen und Abzügen von den Gehältern und Pensionen lösen. Die Pensionen seien keine Gnadengabe, ihre Kürzung die' Konfiskation eines Rechtsanspruches. Um die Staatsverwaltung zu entpolitisieren, müsse man die Zeitvorrückung der Staatsangestellten wieder «inführen. Der Referent R y b a r i k regt an. eme Revision der Pensionierungen durchzuführen und freie Stellen mit jüngeren Pensionisten zu besetzen, die noch arbeitsfähig sind und arbeiten wollen. C h a l u p a(Soz.-Dem,) führt als Referent zu den Kartellgebühren an. daß von den 853 existierenden Kartellen kaum ein Zehntel von der Gebühr erfaßt werde. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß eine Aenderuna des Par. 1 Mängel in dreser Richtung mildern, bzw. beseitigen wird. Gegen die Pauschalierung müsse man Mißtrauen haben. Martinakek(Rep.) erklärt, daß ein Liter Wein heute mit 56 bis 82 Prozent der Preises beim Produzenten besteuert ist. Sehr ungesund ist die hohe Spannung zwischen den Preisen beim Erzeuger und beim Verbraucher, die oft bis 400 Prozent beträgt. Ueber den StaarsverteidigungSbeitrag und die außerordentliche Gewinnsteuer referierte Dr. N o- v ä k. Seit Bestand der Republik habe man noch nie auf einmal so Hobe Summen von der Nationalversammlung verlangt. Er nimmt an. daß die Gewinnsteuer doch auf die Warenpreise übertragen werden wird, was eine allgemeine Teuerungswelle zur Folge haben müßte. Die Debatte wurde von dem Nationalsozialisten Dr. K l a p k a eröffnet, der u. a. darauf hinwies, daß die vermögenden Schichten in anderen Ländern noch weit stärker als bei uns besteuert werden. So erreicht die Besteuerung eines ledigen Steuerträger- mit hohem Einkommen in England 55.4, in Frankreich 48 und bei Einkommen aus dem Ertrag von Gesellschaften etc. 55.8 Prozent. Die Steuern zahlen be. uns die Steuerträger aus dem Ertrag und keineswegs Gutes Ergebnis in Belgrad Belgrad.(Tfch. P.-B.) AuS allen afsi- Stellen Erklärungen, aus der Schreibweise der Llätter und den Kundgebungen der Oeffentlich- tcit, die während des Besuches des Ministers Delbos in Belgrad erfolgten» kann geschloffen werden» daß das Verhältnis JugoflawienS zu Frankreich unverändert vertrauensvoll und freundschaftlich ist. Am Dienstag um 22.50 Ahr trat Außenminister Delbos seine Reise nach Prag über Budapest an. Josef Hofbauer: Dorff In Scherben Preis kart. KC 32. 3« beziehen durch die Zentralstelle fltr daS Bildimgswefvn in Prag XU, Sleska 13/V. Herr Woliner, was ist denn? Der.Llolkswille" referiert über eine Ber- sammlungsrede, die der SdP- Abgeordnete Wollner am vergangenen Sonntag in Asch hielt und in der ihm» laut stenographischen Aufzeichnungen, unter anderem folgende Bemerkungen entschlüpften: „Ein Staat» der mit Diktatur vorgeht, kann sich nicht lange halten... Die Opposition wird so groß» daß eine Aendrrung kommen mutz!" Darf man den Ohren des Berichterstatters, darf man den eigenen Augen trauen? Ein SdP- Abgeordneter gegen Diktatur und als Prophet notwendiger Veränderungen, die also vor allem im Dritten Reich eintreten müßten? Sollte die oppositionelle Stimmung in einzelnen SdP- Kreisen schon so weit gediehen sein, daß man ihrer nur noch mit dem Bekenntnis zur Wahrheit Herr werden kann? Ja aber was wird Hitler dazu sagen? In Deutschland würde solcher Abgeordneter ins Konzentrationslager abgeordnet werden. Wir erwarten also, daß Herr Abg. Wollner feststellen werde, irgendjemand habe sich da geirrt. Brief an den Zeitwiegel Zu unserer Notiz..Die SdP. will die Ver- aicherungren gle^chschalten“ in Nummer 387 erhalten wir von einem Versicherungsvertreter folgende Mitteilung: „Die Bestrebungen der SdP, die Versicherungsanstalt„Set. Florian" in ihre Hände zu bekommen, sind keineswegs auf dieses Institut allein gerichtet. Auch bei dem Brüxer und Reichenberger wechselseitigen Brandschaden-Versicherungsverein ist es teilweise bereits gelungen, die totalitären Machtansprüche zu verwirklichen. Von den Versuchen, auch bei den Wamsdorf er und Böhm.-Leipaer wechselseitigen Versicherungsvereinen auf kaltem Wege an die Macht zu kommen, haben Sie unwidersprochen im Vorjahre hingewiesen. Diese Machtansprüche gehen so weit, daß Versicherte ihre bei neutralen Instituten abgeschlossenen Versicherungen bei Ablauf zu kündigen verpflichtet werden, wenn sie nicht den Parteiausschluß gewärtigen wollen, was vielfach gleichbedeutend mit schwerer wirtschaftlicher Schädigung für den Betreffenden ist. Jede Anstalt, die in Prag ihren Sitz hat, wird als ,Juden- und Tschechengesellschaft" hingestellt. Ob die Leitungen aller in Frage kommenden wechselseitigen Vereine klug handeln, wenn sie die Methoden ihrer SdP-Vertreter tolerieren oder sie sogar fördern, ist sehr zu bezweifeln, da diese Vereine doch große Teile andersgesinnter Bevölkerungsschichten als Versicherte haben. Ueber- dies wird die ganze Aktion höchst demagogisch geführt, denn letzten Endes sind ja fast alle Vereine bei den sogenannten ,.Juden- und Tschechengesellschaften" wieder rückversichert!" Seite 4 Tagesneuigkeiten Mussolinis Brot ( ITF)„ Das Brotin Romist nicht gut", schreibt die römische Tageszeitung Tribuna"( am 14. Oftober 1937), man muß Mits tel finden, es besser zu machen... Wir haben festgestellt, daß das Brot mit seltenen Ausnahmen biel zu wünschen läßt; es wird denn auch allge= mein geklagt." „ Diese Zeilen stimmen mit dem Inhalt der Briefe überein, die wir vor allem aus kinderreis chen Arbeiterfamilien erhalten, für die Brot das wichtigste Nahrungsmittel ist“, ergänzt l La voro Fascista", die Tageszeitung der faschistischen ,, Arbeiterorganisationen"( am 15. Oktober 1937):„ Wir haben sieben Kinder", schreibt uns die Frau eines Maurers, und wir verbrauchen im Durchschnitt mehr als drei Kilo Brot pro Tag .. Wenn ich meinem Mann, unseren sieben Kin dern und meinen Schwiegereltern, die bei uns wohnen, frische Brötchen geben würde" die für die empfindlichen Magen der Vermögenden nach wie vor aus gutem Weizenmehl gebacken werden! Red.- ,,, dann könnte ich farrenweise kaufen. Ich muß deshalb die hungrigen Mäufer mit altbatfenem Brot stopfen. Nur wird dieses unglückselige Brot, das frisch, wenn auch nicht gut, so doch wenigstens genießbar ist, am nächsten Tag eine Art Baumaterial und schmeckt wie ein Gemisch von Kalk und Kreide, so daß man es nur mit Mühe herunterwürgt... Ich möchte zu gern wissen, was zum Teufel fie ins Brot hineintun, " denn es hält sich im Speiseschrank feine 24 Stuns den, selbst nicht, wenn man es, wie ich, in ein Tuch schlägt." Mittwoch, 15. Dezember 1937 Für Panzerwagen gibt es keine Hindernisse Eine Aufnahme vom chinesischen Striegsschauplab, die während des Angriffs eines japanischen Panzerkorps gemacht wurde. Ungehemmt und durch nichts aufzuhalten dringen die Panzerwagen in Straßen und Häuser ein ihr zweites elfjähriges Töchterchen mußte mit erlegungen ins Krankenhaus übergeführt werden. Die Chauffeure wurden verhaftet. acht verletzt. Der Fahrer des Autobusses hatte die bereits geschlossene Schranke geöffnet, um die Geleise vor dem Zuge zu überqueren. Englisches Flugzeug abgestürzt. Ein Bombenflugzeug, das zur Flugbasis in Mildenhall gehörte, stürzte Montag abends in der Grafschaft Susser ab und geriet sofort in Brand. Vier Mann der Besatzung fanden den Tod. Im Sand erstickt. In einer Schlackenziegelei Lokomotiven gegeneinander. Auf dem Bahnin Ujezd bei Kladno arbeitete am Dienstag der hof in Linz stießen Dienstag früh zwei Lokomo40jährige Arbeiter Ladislav Hausenblas aus tiven zusammen, die beide schwer beschädigt wurStročehlav bei einem Sandreservoire. Plößlich den. Beide Lokomotivführer wurden schwer, die " Diese Unzuträglichkeiten sind nicht auf die glitt er aus und wurde durch den fließenden Sand Heizer leicht verletzt. Art des Backens zurückzuführen, sondern in erster in den Kanal des Reservoirs hineingezogen. Obs Linie auf die Verwendung von Mehlmischungen, wohl alsbald Hilfe herbeieilte, konnte der Arbeidie nicht den vorgeschriebenen und genehmigten ter nicht mehr ins Leben gerufen werden. Er war entsprechen", fügt" l Lavoro Fascista" an und infolge der auf ihn liegenden Sandschicht erstickt. beteuert:„ Wir werden besonders und mit nicht erlahmendem Eifer das Brot des Volkes überZug gegen Auto. Die Staatsbahndirektion wachen müssen, das Brot der finderreichen Fami- in Königgräs meldet: Am 14. Dezember wurde lien, die auf altbackenes Brot angewiesen find..." auf einem ungeschützten Bahnübergang zwischen Fünf Wochen später war der Eifer schon er- Neudorf a. N. und Gablong a. N., StaatsbahnTahmt. Fünf Wochen später ordnete die faschisti- hof, durch den Personenzug Nr. 5804 ein nu: sche Tittatur an: Ab 1. Dezember 1937 wird der von einem Chauffeur besetztes Personenauto zer Mehlbeimischungszivang von fünf auf zehn Pros trümmert. Der Chauffeur wurde leicht verletzt. zent erhöht. Die Bäcker müssen dem Weizenmehl zehn Prozent Maismehl beimischen oder fünf Prozent Maismehl und fünf Prozent Reismehl oder fünf Prozent Moismehl und fünf Prozent gemah Tenes Dörrgemüse. beitet, Nr. 294 schauern besuchten Madison Squar Garden überlegen und hatte seinen Gegner in der achten Runde so weit, daß der Ringrichter den Kampf wegen Kampfunfähigkeit des Amerikaners ab-. brach. Der Bulfan Stromboli ist Dienstag plözlich in eine. heftige Eruptionsphase eingetreten. Der Ausbruch seste explosionsartig ein und war mit gewaltigen Detonationen verbunden. In dem bewohnten Teil der Insel wurden vielfach die Fensterscheiben zertrümmert. Weitere Schäden werden bisher nicht gemeldet. In Moskau verschwunden. Die Agentur Habas meldet aus Moskau: Am 6. Dezember ist aus dem Moskauer Hotel„ National" der Schriftsteller Donald Robinson verschwunden, der wahrscheinlich aus Amerika stammt. Seine Frau Anna Robinson crklärte, daß ihr Mann ins Krankenhaus überführt wurde, weil er an einer Lungenentzündung litt. Sie wußte aber nicht, wie das Krankenhaus heißt, weil sie nicht russisch tann, und fügte hinzu, daß ihr das Betreten des Krankenhauses nicht bewilligt wurde, was mit den Spitalsvorschriften in Sowjetrußland im Einklang steht. Donnerstag ist. nun auch Anna Robinson verschwunden und alle Nachforschungen nach ihr sind ergebnislos geblieben. Die Hotelverwaltung behauptet, daß sie abgereist ist. Die amerikanische Botschaft, welche die Nachforschungen nach dem Ehepaar Robinson eingeleitet hat, versucht nun festzustellen, ob es sich tatsäch= lich um amerikanische Staatsbürger handelt. Ein Unglücksschiff. Dienstag mittags ist bei der Talfahrt auf der Donau univeit von Eferding das jugoslawische Frachtschiff„ Srbja" durch Versagen der Steuerung auf eine Schotterbant aufgefahren. Das Schiff wurde dabei an das rechte Do= nauufer getrieben, ein Teil der Vorderwand wurde weggerissen und unter Wasser gesetzt. Mensenleben sind nicht zu beklagen. Das Schiff wäre erst vor furzem bei der Reichsbrüde in Wien infolge einer schweren Havarie fast gesunken. Nunmehr ereignete sich auf der Rückfahrt von Linz der zweite Unfall. ,, Todesstrahlen und andere neue Kriegswaffen". Im Verlag Hachette, Paris, erschien eben der von Kurt Doberer bearbeitete technische Teil dieses Bu ches. Die französische Uebersetzung besorgte der Capitaine der französischen Armee G. 3. Capart. Das Vorwort schrieb General A. Niessel. Einrechnung des Militärdienstes in die Pension. Stalin kann es noch beffer: fast 100 Proseit. Die Zentralwahlkommission für die Wahlen in den Obersten Sowjet der USSR meldet, daß um Mitternacht des 13. Dezember die Stimmenzählung noch nicht beendet war. Wollständig sind Die vom Militärdienst in ihren Privatberuf zujedoch die Ergebnisse aus folgenden Städten und rückkehrenden werden darauf aufmerksam gemacht, Gebieten: Mostau- Stadt, die eine Wahlbeteili- daß sie sich um die Einrechnung ihrer Präsenzdiensts Visumpflicht für Frankreich? Blättermel gung von 99.13 Prozent aufweist," Mostau- Land zeit bei der Allgemeinen Pensionsanstalt oder deren dungen zufolge wird in der nächsten Sizung des mit einer Wahlbeteiligung von 98 Prozent, Le- Ersaginstituten binnen 15 Monaten nach der RückMinisterrates der Innenminister einen Geſetz- ningrad- Stadt mit einer Wahlbeteiligung von fehr vom Militär anmelden müssen. Bei Versäumentwurf vorlegen, der die Wiedereinführung der 96.8 Prozent, Leningrad- Land mit einer Wahl- nis dieser Frist geht der einschlägige Pensionsan Bisumspflicht für alle nach Frankreich einreisende beteiligung von 96 Prozent, Kiew- Stadt mit ſpruch verloren. Bei Angestellten, die erst zwölf Ausländer vorsieht. Der Entwurf ist eine Folge einer Wahlbeteiligung von 98.6 Prozent, Char- ersten Male in die Pensionsversicherung eintreten, Monate nach ihrer Rückkehr vom Präsenzdienst zum Delbos im Rundfunk. Am Donnerstag wird des Mißbrauches der von Frankreich gewährten fow- Stadt mit einer Wahlbeteiligung von 98.8 wird die militärische Präsenzdienstzeit in die Beidurch den tschechoslowakischen Rundfunk eine Feier Gastfreundschaft durch zahlreiche Ausländer und Prozent, Taschtent- Stadt mit einer Wahlbeteili- tragszeit eingerechnet, wenn sie die Anmeldung bei übertragen, die anläßlich der Anerkennung der wurde namentlich im Hinblick darauf ausgear- gung bon 93.7 Prozent und Baku- Stadt mit der APA oder beim Ersaßinstitut spätestens sechs tschechoslowakischen Armee durch Poincaré vor daß sich Ausländer auf französischem einer Wahlbeteiligung von 95.15 Prozent. In Monate nach Eintritt in die Versicherung vornehzivanzig Jahren veranstaltet wird. Im Rahmen Staatsgebiet Verbrechen zuschulden tommen Mestau- Stadt wurden u. a. gewählt Stalin und men. dieser Feier wird der französische Außenminister laſſen. Gegenivärtig sind auf Grund eines Ab- Molotow, in Leningrad- Stadt u. a. Kalinin und Telbos sprechen. Außer ihm nehmen der Mini- kommens zwischen Frankreich und der Tschecho- Litwinow, in Leningrad- Land u. a. Dybenko, in sterpräsident Dr. Hodža und der Nationalverteidi- slowakei die Angehörigen der beiden Staaten nicht der Stadt Minst. die eine Wahlbeteiligung von gungsminister Machnit das Wort. Der tschecho- an die Visumspflicht gebunden.) 99.16 Prozent aufweist, wurde u. a. Woroschilow slowakische Rundfunk wird Mittwoch um 16.15 gewählt, in der Stadt Taschkent u. a. KaganoUhr vom Wilsonbahnhof in Prag aus, eine Rewitsch. portage vom Empfang des französischen Außenministers Delbos senden. Donnerstag nach 21 Uhr werden von dem zu Ehren von Delbos veranstalteten Diner die Ansprache Minister Krof tas und die Antwort von Delbos gesendet werden. Verkehrsunfall in Bardubit. Bei dem Zusammenstoß zweier Lastautomobile in der Kreuzung der Strossova und der Bubenikova in Pardubiz geriet einer der Wagen auf den Gehsteig, wo er einen Kinderwagen zertrümmerte und die dreicinhalbjährige Olga Horát tötete. Die Mutter des getöteten Kindes wurde zur Seite geschleudert. Die Schicksalstragödie des Thronfolgers Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Donnerstag: Selbstmorde. Der bekannte Wiener Rechtsanwalt Dr. Ernst Berned hat dieser Tage in Prag, Sender I: 7: Morgenmufit, 10.05: selbstmörderischer Absicht eine starke Dosis Gift Trotzdem. Jm„ Daheim", Leipzig, stand Sala: Grundlage und Ziel der moralischen WehrDeutsche Presse, 14: Deutsche Sendung: Franz genommen und wurde ins Krankenhaus geschafft. nachfolgendes unfreiwilliges Befenntnis einer erziehung, 14.10: Luniat: Was für einen Emp wo er starb. Das Motiv der Tat sind finanzielle schönen Seele: Ein wenig Wärme! Ein wenig fänger soll ich mir kaufen? 17.50: Deutsche SenSchwierigkeiten.- Der Hilfsarbeiter Johann Seele! Bin 28 Jahre, Ingenieur, selbständig. dung: Mohapel: Das Weihnachten der Soldaten, Winter, der Mörder des Fuhrmannes Hegels- Wünsche Ehe mit gebildeter Frau von frei 18.10: Landwirtschaft, 18.45: Deutsche Presse, berger aus Unterkniewald, hat sich am Dienstag beitlichem und selbständigem Denten 19.15: Slowakische Volkslieder, 20.55: Rundfunkfurz vor seiner Vernehmung in der Zelle des Bes und trop dem bewußt deutscher Einstellung". orchesterfonzert: Beethoven, Dvořák, 22.35: Komzirksgerichtes in Burkersdorf bei Wien erhängt. Auch ein„ Sport"! Schmelings Galopp für 14.20: Deutsche Sendung: Volks- und Weihnachtspositionen von Janáček. Prag, Sender II: Zugsunglück in Siebenbürgen. In der den neuen Weltmeisterschaftskampf mit Joe Louis lieder, 14.55: Deutsche Preise. Brünn 17.40: Nähe von Brasso( Kronstadt) wurde ein Auto- in New York nahm den erwarteten Verlauf. Der Deutsche Arbeitersendung: Dr. Hedwig Kreisler: bus beim Ueberqueren der Eisenbahngeleise vom Deutsche zeigte sich von der zweiten Runde an dem Richtige und unrichtige Kinderpflege, Schallplat Buge erfaßt. Fünf Personen wurden getötet und Chicatoer Harry Thomas in den von 18 000 3uten. Breßburg 15.15: Rundfunforchesterkonzert. Kaschau 19.35: Jazzorchester, 20: Aus dem Stadtheater: Oper ,, Traviata" bon Verdi. Re Bomba, zerstört, verdüstert auch die Kindheit| jcvo. Franz Ferdinand und seine Gattin starben Mährisch- Ostrau 17.55: Deutsche Sendung: Willi und das frühe Mannesalter Franz Ferdinands; unter den Schüſſen des Attentäters Princip. Das Fischer liest aus eigenen Werfen, 19.40: Leichte ARCAL daß er die Krankheit mit zäher Energie über- ist das Ende eines unseligen, von ungestilltem Musik. windet und zu robuster Gesundheit heranreift, Ehrgeiz zerfressenen Lebens. Winder gestaltet es scheint vom Schicksal nur gewollt, um ihn für den mit dramatischer Kraft. Der Katastrophe von Das Leben und Sterben Franz Ferdinands Tag von Sarajevo auszusparen. Und der gleiche Sarajevo folgt noch das bizarre Formelspiel um In einem packend geschriebenen Roman, in fanatische Ehrgeiz, der in der Seele der Mutter tie Rangordnung der Toten und dann das nächtdem sich biographische Genauigkeit und dich brannte, peitscht auch den Sohn. Menschenfeindliche Inferno der Bestattung, das wie von einem terische Gestaltung zu geschlossener Wirkung ver- lich, bon tranfhaftem Mißtrauen zerfressen, un- böhnischen Dämon an das Ende dieses Lebens einen, schildert Ludwig Winder das Leben froh, unglücklich, ehrgeizig, herrschfüchtig, jäh- gesezt ist. und Sterben des österreichischen Thronfolgers zornig und rachsüchtig, unfähig zur Freude, be= Winder hat diesen wie von erbarmungslosen Franz Ferdinand*). Winder hat damit das sessen von der Lust, Tiere zu töten, belastet und große geschichtliche Epos vom Untergang der von Minderwertigkeitsgefühlen zernagt und bin Schicksalsgöttern selbst geschriebenen Roman mit In babsburgischen Monarchie geschaffen. Unrettbar nen furzem unbeliebt bei allen und überall, wo bezwingender Eindringlichkeit gestaltet. mit der unlenkbaren Macht eines Fatums zieht er auftritt, verbringt er seine Jugend. Und wie lebensvoller Fülle umgibt das historische Milieu der Tod des Thronfolgers den Absturz des Rei- durch ein Wunder geht der ehrgeizige Traum der die Figur Franz Ferdinands. Kaiser und Könige, ches nach sich. Eine Schicksalstragödie rellt ab, in Mutter in Erfüllung. Franz Ferdinand, der als Erzherzöge und Fürsten, Minister und Politiker, der alles, was geschieht, das Ende herbeiführen Sohn eines der vielen Erzherzöge nur die Aus- Aristokraten und Lakaien, Generale und Hofhilft. Und wie in der antiken Orestie das tra- sicht hatte, wieder nur einer der vielen Erzhers Schranzen erscheinen auf den Schaupläßen des gische Geschehen unabwendbar und unausweich- zige zu werden, wird durch den geheimnisvollen Geschehens, das in wechselnder Folge in Görz lich vorherbestimmt ist, so scheint auch in der Per- Tod des Kronprinzen Rudolf Thronfolger. Und und Graz, Dedenburg und Prag, Wien und son und im Leben des Thronfolgers durch dunkle damit beginnt die von Ränken und Plänen er- Konopischt spielt. Jede Figur ist vom Autor in Fügung alles von vornherein darauf angelegt, füllte Zeit unſeligen, qualvollen Wartens, des fanpper Charakterisierung an ihren Platz im Zudas Bestehende durch ihn der Vernichtung ent- Wartens auf den Tod des Kaisers. Eine Tra- sammenwirken und Widerspiel der Kräfte und gegenzuführen. gödie nach der anderen folgt dem Liebesdrama Ereignisse gestellt. Bis in die geheimen Zirkel Schicksal und Schuld durchdringen einander von Mayerling. Die Kaiserin wird ermordet. Der der Verschwörer hinein erfüllt Winder seinen fast unlösbar. Es beginnt schon vor Franz Fer- Schöne Otto" stirbt einen gräßlichen, abscheus Roman mit greifbarem Leben, dessen gesellschaftdinands Geburt mit dem Erbe, das die Mutter lichen Tod. Aber der Kaiser lebt und Franz Fer- liche und psychologische Triebkräfte unter dem Zwei verdiente amerikanische Kriegsflieger, die dem Sohne mitgibt. Die Krankheit, die die Mut- dinand muß warten, jahrelang, jahrzehntelang. biographischen Tatsachenverhalt er mit großer mit dem Erteilen von Flugunterricht durch den Auch die Liebe Franz Ferdinands zur Gräfin Kunst bloßlegt und überzeugend deutet. Backend Betrieb von ,, Luft- Taris" ihr Brot verdienen, Stönigs beider Sizilien, des Lazzaroni- Königs Chotet und dann das bürgerliche, fast fleinbür- bis zur letzten Seite vollzieht sich vor den Augen haben auf Grund ihrer Erfahrungen diesen flei gerliche Scheinglück der unebenbürtigen Ehe mit des Lesers die Schicksalstragödie eines unglück- nen Flugzeugtyp entwickelt, den sie selbst ,, Luftihr wirkt mit in der Folge von Verwicklungen und ichen Menichen. der von Geburt an das geheime tarren" nennen. Auffällig ist an diesem kleinen *) Ludwig Winder: Der Thronfolger. Ein Franz- Ferdinand- Roman. 502 Seiten. Breis Ereignissen, die mit unabwendbarer Zwangsläu- Mal des Gezeichneten auf der Stirn trug und Modell das dreirädrige Fahrgestell, das durch die fart. 8.80, gebunden 10.80 Schweizer Franken. Sufigkeit alles der Katastrophe zutreiben. Sie tritt mit dessen Tode auch das Schicksal des habsburgeringen Ausmaße der Maschine beim Starten E.§. ein an jenem berhängnisvollen Tage von Eara- gischen Reiches besiegelt war. manitas- Verlag, Zürich. und Landen bedingt sein soll. ter Maria Annunciata, die Tochter des letzten Der Luftkarren beim Probeflug über New York Nr. 294 Mittwoch, 15, Dezember 1837 Seite 8 mul§HLiaipoktik Einigung auch In kladno (hätand > 100 100 100 100 100 100 enthalten insgesamt Berbesse- dem Verhandlungswege ohne alten Kollektivverträge erzielt W » * Der Investitionsbeirat für Böhmen überprüfte das Programm der Bauten, die das Land Böhmen aus eigenen Mitteln durchführen will sowie der Schul-, Kultur?-, Krankenhaus-, Verwaltungs- und anderen Bauten, die das Landesamt für verschiedene Ressorts der Staatsverwaltung durchzuführen hat. Nach der Erstattung der Berichte entspann sich eine Debatte, die der Vorsitzende Dr. I. Stockh abschloß. Er bemerkte dabei, daß die kritischen Worte, die gegen die all- zügroßen Ausgaben für Repräsentationsbauten im Zentrum des Staates gerichtet waren und die gleichzeitig darauf hinwiesen, daß die notwendigsten Bedürfnisse kultureller, wirtschaftlicher und gesundheitlicher Art nicht befriedigt sind, das In« vestitionSprogramm der nächsten Jahre ernsthaft beeinflussen müssen. Das zeitweilige Nichtverständnis für diese Forderung einer gesunden Entwicklung des Staates wird sicher der Notwendigkeit einer praktischen Geltendmachung regionaler Bestrebungen Weichen. Baumwollanbau in Jugoslawien. Bon den Gebieten des früheren Jugoslawien hatten vor dem Weltkrieg gewisse Gegenden von Südserbien Baumwollkulturen. An den letzten Jahren ist die» ser Zweig der Landwirtschaft von der Regierung stark gefördert worden; im laufenden Jahre waren in Südserbien bereits über 8000 Hektar mit einer Ernte von etwa drei Millionen Kilogramm damit in Anspruch genommen. Neuerdings hat man versuchsweise auch Baumwollpflanzungen im südlichen Banat unternommen; der Erfolg soll überraschend gut sein. Das Ministerium für Viehzüchtern schweren Schaden zugefügt. Eine nochmalige Verteuerung ist vollkommen unmöglich. Es must vielmehr endlich die V e r b i l l i g.u n g der Futtermittel, vor allem der Kraftfuttermittel, herbeigeführt werden, damit es den keinen Vieh- ' züchtern wieder möglich wird, Kraftfutter zu geben, um den teilweise sehr stark gesunkenen Fett, gehalt der Milch und damit auch ihre oftmals einzigen Einnahmen erhöhen zu können. lich der gesamte Boden haben! Enteignet sollen allerdings nur„verwahrloste" Höfe werden. Ueber den vom Wiederaufbau-Institut gestellten Enteignungsantrag entscheidet das Ackerbau- Ministerium nach Anhören einer Schiedskommission. Bier Monate nach Einbringung des Antrages wird die Enteignung rechtskräftig, falls sie vom Ministerium nicht abgelehnt wurde. Der Besitzer kann nur innerhalb 45 Tagen Einsprüche geltend nurchen. Pachtverträge auf dem enteigneten Grund werden entschädigungslos hinfällig. Das Institut hat vor allen anderen Bewerbern ein Vorrecht auf Uebertragung von Grundbesitz. Vom 15. April bis 15. Juni dieses Jahres wurden von ihm 18 deutsche Höfe erworben. Mit Rücksicht auf die bisherigen Erfahrungen ist die Befürchtung der südtiroler bäuerlichen Bevölkerung verständlich, daß ihre Existenzgrundlagen durch die Fortsetzung der bisherigen Tätigkeit des von der Regierung tatkräftigst geförderten„Wiederaufbau-Instituts" ernstlich bedroht werden. Attlee Ober die Spanier Paris.(Ag. Esp.) Auf der Rückreise von Spanien haben Major Attlee und Ph. Noel B a k e r zu französischen und englischen Journalisten gesprochen, während Ellen Wilkinson schon vorausreisen mußte, da sie Freitag im Unterhaus sprechen muß.(Ihr Flugzeug mußte an der bbri- tischen Küste notlanden, Ellen Wilkinson ist aber mit einem Lhok davcmgekommen und mit dein Zug sveitergerelst.)’ Attlee gab seiner Bewunderung für den Mut der Madrider Aüsbruck, die ihr Leben normal weiterführen, als ob sie nicht bloß einige hundert Meter von der Frontlinie entfernt wären. Eine politische Rede, sagte Attlee, wolle er nicht halten, das werde er im Unterhaus tun. — Gonzales Peüa, der Vorsitzende des spanischen Gewerkschaftsbundes UGT. sprach Attlee und Baker, sowie der Labour Party den Dank der spanischen Arbeiter aus.— PH. Noel Baker berichtete, wie er in Barcelona Leichen kleiner Kinder gesehen hat, die kurz vorher von Rebellen« bomben ermordet worden waren. Er erwähnte auch, daß man jenem Bombardement das»militärische" Ziel zugeschrieben hat, einen Minister und seine Umgebung zu treffen. Baker gab seiner vollen Anerkennung für die Schulerziehung und den Rekruttnunterricht mitten' im Bürgerkrieg Ausdruck und rühmte gleich Attlee die große Herzlichkeit, mit der die Labourabordnung sowohl von der Regierung wie von jedermann im Boll der ' Landwirtschaft will diese Kulturen wieder fördern und man glaubt, daß Jugoflawien.in Zukunft etwa zwei Drittel seines Baumwollbedarfes selbst decken kann. Frankreich gewährt Jugoslawien Hnndcls- erleichterungen. Wie die„Times" meldet, wird Delbos in. Belgrad drei Zusatzabkommen zum jugoslawisch- französischen Handelsvertrag in Belgrad unterzeichnen, denen zufolge der jugo- flawische Export nach Frankreich den französischen Export nach Jugoslawien dem Werte nach um 20 Prozent übersteigen, soll, und denen zufolge Jugoslawien die französische Einfuhr nach Jugoslawien zu. diesem Behufe wird kontrollieren können. Weiters soll eine Reihe von Quoten kür die jugoslawische Einfuhr nach Frankreich erhöht werden. Die Weizen-Weltproduktio» wird vom Internationalen Agrarinstitut für 1937 auf 1035 Mil- lionen q gegenüber 959 Millionen im Vorjahr und 1022 Millionen im Durchschnitt der Jahre 1926/30 geschätzt. Für Europa lautet die Schätzung auf 410 Millionen q gegen 404 Millionen im Vorjahr und 429 Millionen 1935. Die Weltexporte in den ersten Monaten der laufenden Kampagne betrugen im August 11.1 Millionen q im Vorjahr und im September 10 Millionen gegenüber 14.1 Millionen im Vorjahr. Die Weltnachfrage hat eine Verringerung um etwa 8 Millionen q monatlich erfahren. Vierzigstundenwoche in Frankreich bleibt London.(Eigenbericht.) Zu dem Bericht der französischen Kommission für die Reorganisation der Produktion erfährt man, daß die vierzigstündige Arbeitswoche bleiben wird. Borgeschen sind lediglich zeitweise Ausnahmen für Grundindustrien, wie den Kohlenbergbau. Möglicherweise wird die Acheitszeit auf sechs Tage aufgeteilt werden, während sie bisher auf fünf Tage aufgeteilt war. aus..... Wilhelm unmittelbar nach seiner Flucht nach Holland entführt werden sollte. Obwohl die Angelegenheit volle 19 Jahre zurückliegt, stellt sie einen interessanten Beitrag zur damaligen Stimmung der Amerikaner dar. Die Sache wird dadurch bekannt, daß der Oberst Luke Lea, ehemaliger Senawr des Staates Tennessee, sie jetzt erzählt hat. Der Oberst hat mit acht anderen amerikanischen Offizieren diesen Plan gefaßt, weil er mit seinen Kameraden der Meinung war, daß Ex-Kaiser Wilhelm unbedingt als Gefangener auf die Friedenskonferenz von Versailles gebracht werden müßte, weil er für die amerikanischen Offiziere als der einzige Schuldige am Kriege sich auch selbst vor der Konferenz zu verantworten hätte. Die Amerikaner arbeiteten einen ganz genauen Plan aus und begaben sich von Luxenchurg aus. wo sie stationiert waren, auf den Weg. Sie hatten schon sehr bald Pech, denn ihr Auto hatte bei Lüttich eine Panne. Wie verwegen die acht Freunde waren, kann man daraus sehen, daß sie kurzerhand einen vorübergehenden Lastwagen beschlagnahmten und weiterfuhren. An der holländischen Grenze gckb cs einen Aufenthalt, da sie ja keinerlei Visa besaßen und auch sonst nicht erklären wollten, warum sie nach Rolland reisten. Oberst Luke Lea kannte aber den amerikanischen Botschafter im Haag persönlich, er setzte sich mit Man erhält für 100 ihm telephonisch in Verbindung, und einige Stunden später brachte ein Kurier Pässe, für alle acht Beteiligten. Die Expedition kam am 5. Jänner 1919, abends um 8 Uhr, in Amerongen an, wo der Kaiser damals im Hause des Grafen Benttnck wohnt«. Die Offiziere fanden ohne weiteres Zutritt in daS Haus, weil die Wachtposten beim Anblick ihrer Uniformen und Ehrenzeichen salutierten und sie sofort passieren ließen. Sie ließen sich beim Grafen Bentinck melden und wurden auch von ihm empfangen. Sie erklärten, daß sie in persönlicher Mission den Ex-Kaiser sprechen müßten. Bentinck erwiderte höflich, daß er Wilhelm ll. fragen wolle, ob er empfangen würde. Er ging in den Nebenraum, und die Amerikaner hörten deutlich die Unterhaltung zwischen ihm und dem Kaiser, der sich weigerte, herauszukommen. Benfinck kam mit dem abschlägigen Bescheid zurück, und nun begannen die Offiziere mit ihm unter irgendeinem Vorwand eine Unterhaltung, um vielleicht doch noch an den Kaiser heranzukommen. Bentinck faßte jedoch Verdacht, alarmierte den Bürgermeister, die Wachen wurden verstärkt, und die Offiziere begriffen, daß sie ihren Plan nicht durchführen konnten. Sie verabschiedeten sich daraufhin höflichst, nachdem sie vom Grafen Benfinck. zum Abendbrot eingeladen worden waren, und verließen, ohne behelligt zu werden, das Haus. Als General Pershing von dieser Sache erfuhr, er- flärte er, daß die Leute vollkommen recht gehabt hätten. Er bedaure, daß der Plan nicht gelungen sei. er hätte ihnen sonst gern als Anerkennung ein Jahresgehalt auSgezahlt. Luke Lea hat als Andenken noch einen Aschenbecher mit dem Wappen der Hohenzollern mitgenommen. Die Einigung in Ostrau Zwischen den Vertretern der GewerkschaftS» organisationen der Bergarbeiter des Ostrau-Kar- winer Steinkohlenreviers und den Vertretern der Grubenbesitzer wurde Dienstag nach längeren Verhandlungen ein Einvernehmen über die Art der Auszahlung der fünfprozentigen Teuerungsaushilfe an die Arbeiterschaft der Bergbauindü- strie erzielt. Es wurde festgestellt, daß im Vorjahre im Revier in allen Betrieben der Bergbauindustrie ein Bruttolohn von 265,167.352 Kö ausgezahlt wurde. Im Revier gibt es insgesamt 32.422 Arbeiter im Bergbau, davon 5154 Ledige und 27.268 Verheiratete. Es wurde vereinbart, daß die Verheirateten K