Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Giegfried Taub Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 17. Jahrgang Samstag, 18. Dezember 1937 Uebereinstimmung Prag- Paris Das Ergebnis der Gespräche mit Delbos Die Frage der Minderheiten Prag.( Amtlich.) Der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan Hodža erwiderte Freitag vormittags den Besuch des Ministers Yvon Del bos auf der französischen Gesandtschaft. Bei dieser Gelegenheit setzten die beiden Staatsmänner die bei dem Besuch des Ministers Delbos im Kolowrat- Palais aufgenommene Unterredung fort. Die Unterredungen flangen in eine volltommene Einmütigkeit der Auffassungen der beiden Staatsmänner aus, sowohl hinsichtlich der Beziehungen zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei, als auch über die künftigen Aufgaben der europäischen Politik. Unterredungen des Ministers Delbos mit dem Aus dem Inhalt: Bericht über ein neues Masaryk- Buch Weihnachtsferien des Parlamentes Ossietzky schwer erkrankt 2450 Gestapo- Agenten im Ausland Eine Milliarde Zigaretten monatlich Nr. 297 Präsidenten Dr. B e n e 3, mit dem Borsibenden Ein Sieg der Demokratie der Regierung Dr. Hodža und mit Außenminis ster Dr. Krofta. frage Beneš zwei Jahre Präsident In dem Abendblatt der Linken ,, Ce Soir" Heute sind es zwei Jahre her, daß Eduard behandelt dessen Sonderberichterstatter Paul Nizan Beneš zum Präsidenten der Republik gewählt ausführlich das Problem der Beziehungen zwischen worden ist. Es waren Tage voll banger Erivarder Tschechoslowakei und Deutschland und erklärt, hung und atemraubender Spannung, die zwischen Minister Delbos habe bei seinen Unterredungen dem Augenblick der Abdankung Masaryks und der mit den führenden tschechoslowakischen Staats- Wahl seines Nachfolgers lagen. Die Art, in welmännern die fallweisen Vermutungen zerstreut, daß cher der große Tschechoslowate auf sein Amt verer damit betraut worden wäre, der tschechoslowa- zichtete, hatte den stärksten Eindruck gemacht. In fischen Regierung zu Konzessionen gegenüber der weiser Voraussicht wollte Masaryk der Tschechos deutschen Minderheit im Intereffe guter Beziehun flowakei die Verwirrung ersparen, welche einges gen mit Deutschland zu raten. Die Minderheiten- treten, wenn Masaryk gestorben wäre, ohne daß schreibt der Korrespondent wird der das Steuer des Staates sich in den festen Hän Prag. Freitag abends wurde folgendes tinnität ihres Bemühens um die Bildung und Si- souveränen Beurteilung und Entscheidung den des gegenwärtigen Staatspräsidenten befunoffizielle Kommuniqué ausgegeben: cherung der Bedingungen für eine friedliebende der Prager Regierung überlassen werden. den hätte. Der Tod des großen alten Mannes hat ,, Minister für auswärtige Angelegenheiten Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten feststelseine Weisheit und Voraussicht bestätigt. Statt Unsicherheit und Chaos, eine Trauermanifestation, Delbos hatte während seines Prager Besuches am len können. Die französisch- tschechoslowakischen Der gestrige Tag 16. und 17. Dezember zahlreiche Unterredungen Beziehungen waren Gegenstand einer eingehen- Delbos führ Freitag vormittags zum Grabe welche eine Kundgebung für den Staat und die mit dem Präsidenten der Republik, dem Vorsitzen- den Ueberprüfung und es wurde mit Dank be- T. G. Masaryks nach Lány. Ihn begleiteten der Demokratie gewesen ist, auf welche ganz Europa den der Regierung und dem Minister für aus- tont, daß auf politischem und intelellektuellem französische Gesandte de Lacroix und Osustý, am mit hoher Achtung geblickt hat. wärtige Angelegenheiten der Tschechoslowakei. Es Gebiet diese auf liebevollem und gegenseitigem Friedhof wurde Delbos von Dr. Krofta erivar- Präsident Beneš hat sein Amt in einer wurden alle Fragen, welche die Beziehungen der Verständnis beruhenden Beziehungen beider tet. Der französische Außenminister weilte in stil- schwierigen Zeit angetreten, ihm ist die Sorge um Tschechoslowakei zu Frankreich betreffen sowie die Völker besonders aktiv und herzlich waren. Es lem Gedenken am Grabe und legte einen Stranz den Staat anvertraut in einer Epoche unerhörter allgemeine europäische Lage geprüft. Diese ein wurde anerkannt, daß der wirtschaftliche Aus- nieder. Auch die französischen Journalisten ehr- Spannungen und Kriegsgefahren. Es ist nicht abgehende Prüfung der Lage, die im Geiste der herz- tausch erweitert werden soll. Die eben in Paris ten Masaryk durch die Niederlegung eines Kran- zusehen, welche Folgen es gehabt hätte, wenn in lichsten Aufrichtigkeit durchgeführt wurde, ermög- verhandelnde Handelsdelegation wird Instruktio- zes in Lány.- Freitag nachmittags besuchte dieser Zeit ein schwacher, unerfahrener, von allen lichte es, die vollständige Uebereinstimmung der nen erhalten, sich bei ihren Arbeiten nach diesem Delbos das Denis- Institut in Prag. Abends Seiten oder gar nur von der Rechten beeinflußAnsichten der beiden Regierungen über alle alten Willen zu richten. fand in der französischen Gesandtschaft ein vom barer Präsident an der Spiße des Staates gestan= und neuen Probleme festzustellen. Die Politik bei- Aus der Neberprüfung der Beziehungen, die französischen Gesandten zu Ehren des französ ben wäre. Ebenso schwankend wie die Außenpolider Staaten, die durch einige grundlegende und zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei seit fischen Außenministers veranstaltetes Diner statt, tit der Republik wäre die Innenpolitik gewesen, dauernde Prinzipien beherrscht wird, welche gleich der Bildung des tschechoslowakischen Staates be- an dem u. a. teilnahmen: der Präsident der Re- Unsicherheit nach allen Seiten würde herrschen. zeitig durch die natürlichen Bedingungen bestimmt stehen, ging hervor, daß dieses Verhältnis weder publik mit Gemahlin, Ministerpräsident Doktor So aber geht von der Spiße des Staates Festigund den internationalen Ereignissen angepakt jemals gestört noch getrübt wurde und daß die Hodža, Außenminister Dr. Krofta, die Minister feit und Vertrauen aus, die überwiegende Mehrwerden, bleibt diesen gemeinsamen Prinzipien Busammenarbeit auf allen Gebieten stets ver- Machnik, Dr. Franke, die Generäle Syrový und heit der Staatsbürger weiß, daß das Staatsschiff tren, die sich bereits bewährt haben und keine trauensvoll war. Diese glückliche Feststellung Krejčí, Kanzler Sámal, die Gesandten Osustý einen fundigen Steuermann hat, der durch alle Möglichkeit der Versöhnung ausschließen. Diese kann beide Staaten nur von der Notwendigkeit und Pavlů. Stürme eines aufgepeitschten Meeres uns alle Uebereinstimmung der Ansichten tritt insbeson überzengen, die Zusammenarbeit fortzusetzen, die ruhig und sicher führt und der den entfesselten dere in der gemeinsamen Zuneigung der Tschecho- sich unter allen Umständen so nüßlich bewährt Elementen einer aus den Fugen geratenen Welt slowakei und Frankreichs zum Völker bunde hat und die solcher Art ist, daß sie gleichzeitig Brag. Der französische Außenminister Del- gemeinsam mit allen Menschen guten Willens die zutage. Beide Länder sind auch fernerhin über- die Entwicklung und die Sicherheit beider Staa- bo3 beendet heute, Samstag, seinen Prager Auf- Stirne bietet. Es gibt viele, denen die Kundgezeugt, daß der Frieden Europas und die Sicherten, den Erfolg einer wahrhaft europäischen Bo- enthalt mit dem Empfang der Pressevertreter auf bungen des Präsidenten zu optimistisch sind. Aber heit der Völker tatsächlich und wirksam nur durch litik und die Erhaltung des Friedens sichert. der französischen Gesandtschaft. Um 11.30 Uhr Beneš tennt genau die Gefahrenzone, welche wir cine allgemeine Zusammenarbeit gesichert werden begibt sich der Gast von der französischen Ge- jetzt und noch eine Zeit zu passieren haben. Was können, welche die Achtung vor den Rechten und sandtschaft zum Wilson- Bahnhof, ihn vor Pessimismus bewahrt, sind seine guten Pflichten jedes Staates beinhaltet. Im Verlaufe 12.20 Uhr die Rückreise nach seiner Heimat an- Nerven, sein fester Wille durchzuhalten und nicht der Unterredungen in Prag wurde betont, daß tag tritt. zuießt die politischen Vorkehrungen, die unsere auswärtige Politik wie unser militärisches Bereitbeide Regierungen in ihrer Sorge um die Erhal= fein, getroffen haben. Wir werden infolge unsetung des Friedens Europas bereit sind, jede Aktion rer zentralen Lage durch einen zweiten Weltkrieg zu unterstützen, welche die Annäherung mit allen wie ein Schwimmer in einen Strudel hineingeNachbarländern erleichtern könnte. Beide rissen werden, aber wir tun mit unseren Freun Regierungen sind überzeugt, daß die bestehenden den zusammen alles, um die Katastrophe von uns, Verpflichtungen kein Hindernis für eine derartige von Europa, von der Menschheit abzuwenden. Annäherung bilden, die vom politischen und wirtDas Verhältnis zu Deutschland Paris. Die Pariser Abendblätter vom Freiberichten ausführlich über die entscheidenden Heute Abreise wo Pr um Der Mikado muß antworten! schaftlichen Standpunkt für alle intereffierten Steigende Erregung in Amerika Staaten und für ganz Europa vorteilhaft wäre. In diesem Geiste beglückwünschen sie sich, daß sie die Solidarität der KleinenteEntente und die KonDie Teplitzer Vorfälle im Immunitätsausschuẞ Das Subkomitee des Immunitätsausschusses nahm Freitag einen Bericht des Referenten Dr. Neumann über die Vorfälle in Tepliß- Schörau entgegen, die der SdP Anlaß zur Beschwerde gaben. In seinem umfangreichen Bericht legte Dr. Neumann die Meldung des Kommandanten der Staatspolizei, einen Situationsplan über den Zwischenfall mit dem SdP- Abg. Frank und Ausschnitte aus reichsdeutschen Blättern vor, die über diese Zwischenfälle berichteten. Ferner wur Hongkong im Verteidigungszustand London. Die„ Times" berichten aus Washington, daß sich die antijapanischen Strömungen in den Vereinigten Staaten durch die offizielle Bestätigung der Presseberichte über den Hergang der Versenkung des Kanonenbootes Panay" wesentlich verstärkt haben. Lediglich eine entgegenkommende Antwort des Kaisers von Japan werde erst in der Lage sein, diese Stimmung in den Vereinigten Staaten zu beruhigen. Der japanische Botschafter in Washington habe auf einer Pressekonferenz erklärt, daß der Kaiser von Japan auch ohne ausdrückliche Botschaft des Präsidenten Roosevelt von den Vorfällen unterrichtet worden wäre. Dem Aufrufe Greens, des amerikanischen Labour- Führers, zur Verschärfung des Boykotts japani scher Waren in den Vereinigten Staaten wird sehr große Bedeutung beige messen. Es wird weiters berichtet, daß eine zweite Note, die einen noch entschiedeneren Ton aufweisen dürfte, demnächst an Japan abgesandt werden wird. London.( Eigenbericht.) Der japanische| Wie hier verlautet, hat die Regierung in In das zweite Präsidentenjahr des HäusTersohn aus Kožlany fällt der erste Schritt, der zur Bereinigung des nationalen Problems in diesem: Lande getan wurde. Daß Beneš ein Hauptverdienst am 18. Feber 1937 und an der Durch führung der an diesem Tage gefaßten Regierungsbeschlüsse hat, steht außer allem Zweifel. Es hat sich da wieder gezeigt, daß nur Staatsmänner, deren Blickfeld nicht bei Raudniß aufhört, sondern ganz Europa umfaßt, wie es bei Benes und seinem ersten Mitarbeiter Dr. Hodža der Fall ist, die innerpolitischen Probleme des Staates zu lösen imstande sind. Der Präsident will das deutsch- tschechische Verhältnis mit demokratischen Methoden regeln und darin trifft er ſich mit den heißesten Wünschen der deutschen Sozialdemokra tie. Nicht mit den Mitteln der Gewalt, sondern auf der Grundlage des Rechts wollen wir die neue Ordnung der Völker im Donauraum be= gründen. An jenem 18. Dezember 1935, den diejeni ben die protokollarischen Ausia- Ueberfall auf die" Panay" stellt sich auf Grund der Tokio Marschall Tichangkaischek wissen lassen, daß gen, welche dem dramatischen Ablauf der Ereigben von lieben Wachleuten sowie des nugget i anden Einzelheiten als eine faſt die ihm vor einigen Wochen gemachten Friedens- nisse aus der Nähe zugesehen haben, niemals berunbegreifliche Reihe von Roheitsakten dar, die die angebote nicht mehr gültig sind. Japan sei so weit, gesien werden, hatten wir demokratisch gesinnten Polizeifommiffärs adek über die Erregung in Amerika weiter ansteigen lassen. daß es ihn nicht mehr als das Haupt der chinesi- Deutschen das Gefühl, die reaktionären halb- und Vorführung des Abg. Frank auf die Wachstube So wird berichtet, daß javanische Flugzeuge nach schen Regierung anerkennen könne. Es ist aller- ganzfaschistischen Mächte hätten ihre Marneschlacht und über die Verhandlung mit ihm verlesen, den Bombenabwürfen Maschinengewehrfeuer auf dings anzunehmen, daß es sich dabei in Wahrheit geschlagen. Die 44 Abgeordneten und 22 Senaebenjo bie Aussagen von fünf Bivilisten ein offenes Boot richteten, in dem Verwundete an um einen Schreckschuß handelt, der Tschang- toren, welche die parlamentarische Gefolgschaft über den Angriff bes Abg. Frant auf erfitt Dabei eine weitere Berber Verwundeten faischek veranlassen soll, sich endlich zu Ver- Adolf Hitlers und Konrad Henleins darstellen, Verlegung. Das Boot handlungen herbeizulassen. die wa ch e. Endlich wurden auch die poli- wurde durchlöchert und konnte nur mit Mühe das zeiärztlichen Zeugnisse über die Verlegun Land erreichen. gendreier Wachleute und der Abges Hongkong bereitet sich vor = ordneten ranf und Dr. Köllner vorgelegt uad die Protokolle der beteiligten Wachleute über die Zwischenfälle mit den Abgeordneten Ing Rich ter und Sandner zur Kenntnis gebracht. Die weiteren Beratungen wurden sodann bertagt. London.( Eigenbericht.) Der erwartete Angriff Japans auf Südchina hat mittlerweile eingesetzt und die britiſche Festung Hongkong ift infolgedessen von den britischen Soldaten in Verteidigungszustand gesetzt worden. hatten den Vorhang von ihrer eigenen läglichleit und Gottserbärmlichkeit weggezogen, die SaftAlle Zeitungen der britischen Hauptstadt be- and Kraftlosigkeit des Kolosses auf tönernen richten ferner in diesem Zusammenhang, daß der Füßen war enthüllt. Vom 19. Mai bis 18. DeKaiser von Japan den Marineminister, Kontre- zember 1937 war die Gefahr der Untergrabung admiral Yonai, in einer Sonderaudienz empfansen habe und daß die japanische Admiralität in der Folge den ungewöhnlichen Schritt einer separaten Entschuldigung unternommen habe. ter demokratischen Gefahr an größten, die Wahl Beneš' war die siegreiche Abwehr des stärksten Eingriffes der antidemokratischen Kräfte, am 18. Dezember konnten jene, welche die Burg der Demokratie verteidigen, die Fahne des Sieges von Seite 2 Samstag, 18. Dezember 1937 Nr. 297 -£en Zinnen dieser Burg wehen lassen weit hinaus in das Land; die Fahne, welche allen S^vair- 'lcnden und Schwachen das Zeichen der Verheißung »ist und ihnen den Mut gibt, daß für alle bessere Aage kommen, die unbeugsamen Mutes und zäher Ausdauer sind., Die Treue, welche Präsident Eduard Benes der Demokratie und Menschlichkeit hält, werden DERlfLElNE VON EUGENE DABIT Berechtigte üebertragun«* aus dem FranzAaisrhea von Rejot Ich singe. Die Menschen drehen sich nach mir um. Ja, guckt nur, ich bin nicht betrunken. Frauen gehen vorüber und junge Mädchen. Ich möchte ihnen meine Freude zuschreien, nein, lieber noch sie mit ihnen teilen Die Welt ist wie neu, und sie gehört mir. Ich atme tief. Der Lärm der Straße wird plötzlich Musik. Die Straßen kenne ich. Hier ginge ich mit verbundenen Klugen. Hohe Häuser rechts und links, grau, verrußt, lange nicht mehr geputzt. Jetzt kommt bald unseres. Ach, wie gern würde ich an den Wänden Meinen Namen lesen und all das Gekritzel, das der Regen längst abgewaschen hat! Arbeiter kommen aus den Fabriken, springen aufs Rad oder verschwinden in einer Destille. Richtig: Zehnstundentag I Von sieben bis zwölf, von eins bis sechs. Wie bei Herrn Bernard, meinem Lehrchef. Man könnte natürlich ganz aufhören, vielleicht auch die Chefs zum Teufel jagen....- Ich habe Mama geschrieben:«Ich komme bald."' Sie wird wohl schon zu Hause sein und auf mich warten. Meine Straße. Still, beinahe kleinstädtisch mit ihrem holprigen Pflaster, ihren alten Mauern. Jeder Mensch kennt mich. Man lebt hier wie auf dem Dorfe. Aber ich will keinen begrüßen. Dagäbe ein Schwatzen ohne Ende. Die Portiersfrau, die vor ihrer Log? steht, ruft: »Ah, Kleiner..., ich wollte sagen, Herr Louis. Endlich frei? Frau Decamp wird sich freuen." ihm alle jene durch Treue vergelten, die für den sozialen und kulturellen Fortschritt kämpfen. Wir haben heute vor zwei.Jahren tinen unserer schönsten Siege erfochten— aber der Krieg ist noch nicht beendet, wir legen die Waffe nicht aus der Hand, wir müffen weiterkämpfen bis die Menschlichkeit ihre letzte Schlacht, gegen die Barbarei gewonnen haben wird. Sie redet und redet. Ich antworte ihr kaum, lasse sie stehen und steige schnell die Treppe hinauf. Die Stufen sind staubig, das Geländer klebt vor Schmutz, die Wände sind besudelt. Es riecht nach Ausguß. Weiber schreien, Kinder weinen. Je höher ich komme, desto bester kann ich durchs Trev- penfenster die Landschaft sehen. Endlich bin ich oben und donnere an die Türe. Der Schlüstel dreht sich im Schloß. „Mama!" Sie steht auf der Schwelle, will etwas sagen, aber wortlos zieht sie mich an ihre Brust und schluchzt. „Bleiben wir nicht draußen stehen, Mama." Wir gehen hinein. Mir ist, als setzte ich die Füße ins Leere. Meine Gedanken verwirren sich. Ich halte mich an den Möbeln fest. Und zuletzt sehe ich überhaupt nur noch Mamas Gesicht. „Komm nur erst zu dir", sagt sie.„Auch Vater konnte anfangs nicht fasten, daß eS wahr sein könne. Aber nun bleibst du hier!" Ach, soweit es an mir liegt, wollen wir uns nicht mehr trennen. Hier fühlt man sich wohl. Alles ist so still. Man möchte sich nicht von der Stelle rühren. Ich setze mich. Mama fragt: „Ißt du immer noch so gern Röstkartoffeln? Hoffentlich geht es dir nicht wie Henri. Sein Magen war ganz verdorben." Sie steht in der Küche, hantiert am Herd unplaudert und fragt unaufhörlich. Ich höre kaum, was sie sagt. Aber es genügt ihr. wenn ich mit einem Ja oder Nein antworte. Immer wieder muß ich unsere Möbel ansehen, den friedlichen, mir so vertrauten Raum. „Du kannst indessen den Tisch decken." Ich stelle zwei Teller aus die Wachstuchdecke, lege Gabeln hin Als Mama, eine Schüssel in der Hand, an den Tisch tritt, lacht sie auf. '„Fein hast du das gemacht! Und wo sind die Gläser? Und BaterS Platz hast du genommen.? geführt und knapp nach dem Umsturz im Ausland dafür bis zu 14.77 Ki pro Kilogramm erzielt! In .den Jahreq 1919 bis 1921 wurden aus dem Zucker, export der Staatskaffe 4.S Milliarden KL abgeführt. Seither haben sich die Verhältnisse allerdings radikal verschlechtert. Der Ausschuß hat in den Motiven- bericht die Feststellung übernommen, daß die Siruperzeugung für den Hausgebrauch durch des vorliegende Gesetz nicht berührt wird. Die Unternehmer haben nichts zugelernt... Die Maßnahmen gegen Betriebsstillegung und Massenkündi- g u n g e n sind, wie der Referent Rovtz anführte, auch weiterhin notwendig. Die Lohnpolitik der Unternehmer beweist, daß sie aus der letzten Kickse nichts zugelernt haben. Sie wollen immer noch nicht einsehen, daß, niedrige Löhne die Krise beschleunigen. Sehr notwendig ist ein Plan für öfffentliche Investitionen, wobei man namentlich die Notstandsgebiete berücksichtigen müßte. Zu diesen zählt er u. a Weftböhmen. Die Verarmung dieses Gebietes habe einen Grad erreicht, daß sie schon ein« Gefahr für den Staat darstelle. Die Regierung müsse sich auch mit der Frage von Ersatzindustrien beiassen. » Zur Debatte hatten sich auch mehrere Koalitionsredner gemeldet, die sich dann aber, um die Sitzung nicht zu stark in di« Länge zu ziehen, wieder aus der Rednerliste streichen ließen. Dafür sprachen zwei Hlinka-Leute, ein SdP-Redner und nicht weniger als fünf Kommunisten Alle sechs Vorlagen wurden dann nach den Schlußworten der Berichterstatter unverändert angenommen. nung im Grenzgebiet gesichert habe, und verlangte, daß jede Jrredenta sofort im Keim radikal erstickt werden müsse. E n h u b e r lSdP) propagiert den..Verzicht auf das Mitmachen eines internationalen Wettrüstens", während Herr Dr. Peters erst vorgestern im Parlament ausdrücklich bestätigt hatte, daß die Tschechoslowakei gezwungen sei. das Wettrüsten mitzumachen. Da Enhuber auch als Ideal für die Behandlung der Opposition England feierte, hielt ihm der nächste Redner, der tschechische Sozialdemokrat Müller, vor. daß die Bezugnahme auf England verfehlt sei. denn di« englische Oppesitton beziehe ihre Direktiven bestimmt nicht aus dem Ausland... Der Senat f(lr die Pensionisten Eine Resolution Dr. Hellers angenommen Der verfassungsrechtliche Ausschuß des Senats behandeüe am Freitag abei.„s die Vorlage über die Milderung der Gehaltsabzüge der Staats« angestellten und nahm sie nach längerer Debatte an,- Gleichzeitig nahm der Ausschuß eine Resolution an, welche Genosse Dr. Heller im Intereste der Pensionisten einbrachte und die nachstehenden Wortlaut hat: »Die Regierung wird aufgefordert, für den Fall, als sich die Einnahmen deS Staates im ersten Halbjahr 1938 günstig gestalten, der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die Abzüge der Pensionisten jenen der aktiven Angestellten angeglichen werden." In einer zweiten Resolution wird die Errich- mng eines eigenen parlamentarischen SraatSanqe- stellten-AusschuffeS aus Vertretern beider Kammern gefordert, der die Frage der Reform der öffentlichen Verwaltung und das Problem der öffentlichen Angestellten behandeln soll. Wir essen. „Langsam, langsam! Das schmeckt bester als aus der Gulaschkanone, was?" Mein Glück sieht anders auS, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich kaue mit Hingebung. Zwischen zwei Bisten stelle ich Fragen: «Gehst du noch immer in dieselben Läden?" „Nein. Man mutz jetzt öfter wechseln. Nur der Bäckersfrau bin ich treu geblieben." „Und deine neue Stellung?" „Wie in Marcilly ist sie nicht. Biel mehr Arbest und weniger Lohn. Neureiche, weißt du. Bei Herrn Gaston wußte man, woran man war. Aber ich wollte nicht immer auf dem Lande bleiben, und nach dem Waffenstillstand ging auch das Geslbäft nicht mehr so. Immerhin habe ich mir «men Tausender beiseitelegen können. Und so haben wir vorläufig keine Rot." „Und Papa?" „Alles in Ordnung. Er fährt natürlich wieder, aber er liefert nicht mehr nach den Vororten. Leicht hat er'S trotzdem nicht. Man muß erst sehen, wie lange es geht." . Ihre Stimme klingt hohl. Ihr Rücken ist gekrümmt, ihr Gesicht hat eine aschgraue Farbe. Und um Mund und Augen liegen tiefe Falten. Der Krieg hat das Altern meiner Eltern beschleunigt. ES wird nötig sein, daß ich ihnen helfe, daß ich bald eine Stellung finde. Soll ich in die Nord- Süd zurück? Bei meiner Gesellschaft hat man keine Zukunft. Soll ich als Schlosser gehen? Habe ich nicht schon das meiste vergessen? „Ich werde mich umtun müssen, Mama." „Mach dir nur keine Sorgen. Wir werden heute abends mit Vater sprechen. Die Hauptsache ist. du bist wieder da. Und so unglücklich, wir wir im Kriege waren, werden wir wohl nie mehr sein." „Angst habe ich keine mehr, Mama. Und der Kleine bin ich gewesen." Sie lächelt. „Du wirst noch genau so stark wie Onkel Auguste.".LSchlutz folgt.). Ole Abwanderung der Industrie nach den Hauptstädten Senatsresolution verlangt Abhilfe Der Senat nahm bei der Budgetabstimmung eine Koalitionsresolution an, die ein für unsere Industriegebiete sehr wichtiges Kapitel, die Abwanderung der Zentralen großer Industrie-Unternehmungen in die Hauptstädte, behandelt. Dadurch entgehen den Jndustriegemeinden große Summen an Umlagen. Die Resolution Winter— Tvnat—Reyzl hat folgenden Wortlaut: „Der große Unterschied im Prozentsatz der Zuschläge zwischen den Hauptstädten und der Provinz verursacht, daß die Industrie ganze Betriebe ist>er zumindest deren Sitz in die Hauptstädte verlegt, in welchen sie infolge der Zuschlagsdifierenz eine viel kleiner« Regie hat, abgesehen davon, daß der Sitz cm Ort der Zentralbehörden eine Reihe weiterer Vorteile bietet. Die Folge dessen ist wirfichaftlich und bevölkerungspolitisch eine Verarmung des flachen Landes. Ganz Südböhmen und Mittelböhmen bis gegen Beneschau sind bevölkerungspolitisch passiv, ebenso wie Westböhmen mit Ausnahme der Bezirke Pilsen und Rokycan. Nicht anders ist es in Mähren. Die Regierung wird daher aufgefordert, Maßnahmen zu erwägen, um die DiSparität der Zuschläge auf ein erträgliches Matz zu vermindern, und baldmöglichst der Nationalversammlung enfiprechende Anträge zu unterbreiten." Oer Ständige Ausschuß konstituiert Das Abgeordnetenhaus nahm Freitag die Wahl von 16 Mitgliedern und ebensoviel Ersatzmännern des Ständigen Ausschusses vor. Auf die Koalition entfielen zehn, auf die Opposition sechs Mitglieder und ebensoviele Ersatzmänner. Durch das Los erhielt im zweiten Skrutinium auch G a j d a ein Mandat. Die deutschen Aktivisten sind durch Taub als Mitglied und Dr. Luschka und Z i e r h n t als Ersatzmänner vertreten. Nach dem Plenum konstituierte sich der Ständige Ausschuß. Vorsitzender istMalhpetr, Stellvertreter Senatspräsident Dr. Soukup und die Abgeordnete Zeminovä; zu Schriftführern wurden Dr. Hruban, Oftrh und Taub gewählt. Der Präsident der Republik empfing am Freitag, den 17. Dezember, den neuernannten LandeS-Militärkommandanten für Mähren, Divi- ! sionsgeneral VojtLch L u Z a. Weiters empfing der Präsident der Republik den finnischen Militärattache Major von Essen und schließlich den Bürgermeister der Stadt Reichenberg, Senator Karl K o st k a sowie den Stadtrat Scherl. Der Staat erwirbt aus der Bodenreform eine halbe Million Hektar Boden. Bis Ende 1936 haben in der Tschechoflowakei insgesamt 639.090 Einzel- und juristische Personen im Rahmen der Bodenreform Boden erworben. Hiavarr entfallen aus Böhmen 270.640, auf Mähren-Schlesien 145.400, auf die Slowakei 188.540 und auf Karpathorußland 34.320 Personen. Der größte Bodenerwerber aus der Bodenreform ist. der Tschechoslowakische Staat, der für die verschiedenen Verwaltungszweige etwa über eine halbe Million Hektar Boden(505.950 Hektar) erworben hat. Es handelt sich vorwiegend um Waldboden..Einen Teil dieses Bodens erwarb der Staat durch Austausch gegen 32.540 Hektar Bodens, die. für die Zwecke der Bodenreform aus Staatsbesitz Mr Verfügung gestellt wurden. Um die Brünner Waffenwerke. Im Hinblick auf die Gerüchte über eine geplante Verlegung der Generaldirektion der Brünner Waffenfabrik nach Prag faßte der Stadtrat eine entschiedene Kundgebung gegen alle Versuche, welche eine weitere Verarmung der Stadt Brünn an den Zentralen d«r großen Jndustrieunternehmungen zur Folge hätten. Das Präsidium des Stadtrates wird in dieser Angelegenheit beim Ministerpräsidenten sowie bei der Vereinigung der Abgeordneten auS Mähren und Schlesien vorstellig werden, und wird mit den verschiedenen interressierren Faktoren über ein gemeinsames Vorgehen beraten. pariser Verstimmung gegen Delbos Paris.(E i g e n b i r i ch t.) In Pariser Linkskreisen werden geloiste Widerstände gegen Delbos lebendig, die sich nicht nur auf die Kommunisten und einzelne Gruppen der sozialistischen Partei, sondern auch auf das Zentrum um Flan- din und Reynaud erstrecken. Man wirft Delbos vor, daß er die französische Außenpolitik zu sehr von London abhängig gemacht und dadurch Frankreichs Ansehen bei den Mittel- und osteuropäischen Alliierten geschwächt habe. Bei seiner jetzigen Reise habe Delbos nicht nachdrücklich genug gegen gewisse vrofaschistische Strömungen auf dem Balkan Stellung genommen. Man erinnert daran daß HerriotS scharfe Rede für eine gute französische Außenpolitik auf dem Lister Parteitag der Radikalsozialisten jubelnde Zustimmung fand. Kein Minderheiten-Memorandum an Delbos In einigen ausländischen Blättern sind Meldungen aufgetaucht, daß dem französischen Minister für auswärtige Angelegenheiten?)von Delbos seitens der amtlichen tschechoslowakischen Faktoren irgend ein Memorandum über die Minderheitenfrage überreicht werden soll. DaS tschechoslow r« kische Pressebüro ist ermächtigt, zu diesen Gerüchten zu erklären, daß weder ein solches noch ein anderes Memorandum dem Minister Delbos. von jemanden überreicht worden ist. Weihnachtsferien im Parlament Die sozialpolitischen Verlängerungen und der Regreß genehmigt Das Parlament nahm Freitag nachmittags nach längerer Debatte den zngestntzten Bau- re g r c ß und fünf terminierte sozialpolitische Vorlagen(einschließlich des Verbotes der Fließarbeit in den Konfektionsbetrieben) an und beendete damit sein Borweihnachtsprogramm. Nach den üblichen Feiertagswünschen des Vorsitzenden ging das Haus voraussichtlich bis in die zweite Jännerhälfte in die Ferien. Wie verlautet, soll dann im Anschluß an die Behandlnng des Rechnungsabschlusses für 1936 eine grotzeinnen- politische Au s s p r a ch e geplant sein. Die Differenzen' in der Frage des Numerus clausus für Zuckerfabriken waren am Vormittag im Ausschuß in dem Sinne gelöst worden, daß die Regierungsvorlage meritorifch nicht geändert, wohl aber ihre Geltungsdauer von fünf a«f drei Jahre verkürzt wurde. Zwei Resolutionen, eine agrarische und eine nationalsozialistische, die die stritfigen Forderungen wenigstens in dieser Form z« verankern suchten, fanden im Ausschuß nicht die Mehrheit. Daraufhin ließen die Agrarier auch die Ber» längernng der Kollektivverträge um ein Jahr im Gewerbeansschuß passieren. Der Regreß Im Plenum des H-useS begründete der Referent über den Bauregreß, Abg. S e d 8. die Ausschel- dung des Hl. Hauptstückes aus der Vorlage damit daß sonst jedes Vertrauen in erworbene Rechte untergraben würde: überdies würde di« praktische Durch- führung auf große Schwierigkeiten stoßen. Für den Regreß kommen unmittelbar 817 Zinshäuser privater Unternehmer mit einer iährlichen Regreßleistung von 3.5 Millionen in Betreu ferner Familienhäuser mtt einer Abstattung von 10,7 Millionen iährlich. Nach dem Jahre 1940 würde sich der Regreß um den Betrag für weitere Familienbäuser und für Zinshäuser Ser Gemeinden und armeinnützigen Baugenossenschaft ten auf 28.4 Millionen jährlich erhöhen. Der Regreß für die direkte Staatsunterstützung in Form von Beiträgen durch 28 Jahre, den der Ausschuß aus der Vorlage zur Annahme empfiehlt, betrifit 784 ZinShäuser und 6913 Familienhäuser mit insgesamt 11.680 Wohnungen und' einem Bauaufwand von 556 Milliosten. Arbeitslosigkeit wird noch um 100.000 steigen? Abg. Petr referierte über den Staatsbeitrag zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung. Er betonte, daß im Winter die Arbeits» losenziffer noch um 100.000 steigen dürfte. Die Aufweichungen der Staatskasse für diese Zwecke sind nicht unproduktiv, denn durch sie sichert sich der Staat die soziale Ruhe. Allen Arbeitslosen statt Unterstützung Arbeit zu geben, ist unmöglich, denn um 330.000 Arbeitslose dauernd zu beschäftigen. braucht; man jährlich 8 bis 10 Milliarden, die weder der Staat noch die SelbstverwaltüngSkörper aufbringen können. Referent L a n g r erklärte, daß sicher das Ideal eine allgemeine Versicherung gegen Arbeits losigkeit wäre.'doch kann man sie leider noch nicht Istr- wirklichen. Kollektiwerträge bis Ende 1938 unkündbar Die Verlängerung d e r K oll ektivverträge erfolgt bis Ende 1938. Der Referent Stejskal betonte, daß di« seriösen Unternehmer die Verlängerung wünschen, weil sie ihnen eine feste Kalkulationsbasis- ermöglicht. Zuckerertrag einst und jetzt... Der Numerus clausus für Zu ckerfabri- k e n wird nur auf drei statt auf fünf Jahre verlängert. Der Referent Rechcigl erklärte die Verlängerung für unumgänglich notwendig, wenn das Londoner Zuckerabkommen, das die ZuckerauSfuhr der einzelnen Länder regelt, eingehalten werden soll. In den besten Jahren hat die Tschechoslowakei über ein« Million Tonnen Z u ck e r auS« Das Budget vom Senat genehmigt Der Senat beendete am Freitag nachmittags nach fünftägigerDauer die Budgetdebatte und nahm den Voranschlag, sowie daS Finanzgesetz für 1938 mit den Stimmen der Koalition in beiden Lesungen an. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung, die für Montag, den 20. d. M. um 15 Uhr einberufen ist, stehen bereits die zehn Bedeckungsvorlagen» sowie die beiden Vorlagen über*oie Gehaltsabzüge, die das Abgeordnetenhaus am Donnerstag angenommen hat. Es erübrigt dann noch die Verabschiedung der sozialpolitischen Vorlagen, die der Senat bis spätestens Mittwoch durchführen durste, um dann ebenfalls die wohlverdienten Weihnachtsferien anzutreten. Nach der Plenarsitzung traten noch die Ausschüsse zusammen und stellten die Vorlagen für die Plenarberatungen fertig. In der Debatte sprachen am Freitag noch acht Redner.. Der Stribrnss-Mann Jng^-Havltn hielt" eine, zündende Rede für den tschechoslowakisches Nationalstaat und lehnte die deutschen Forderungen in Bausch und Bogen ab. Er ist gegen jedwede spraü- liche Konzessionen bei der Aufnahme deutscher Bewerber und vor allem auch gegen das Verlangen, daß man im deutschen Gebiet deutsche Angestellte ver- J wende. Dr. Bas lGew.-P.) rechnete unsere« Polen vor, daß trotz der deutsb-polnischen Freund-, schäft 160.000 polnisch« Kinder in Deufichland nur zehn private Volksschulen und eine«inzige Mittelschule hätten; sie müßten blind sein, wenn sie daraus nicht selbst die nötigen Schlüffe ziehen wollten. Frau Plaminkovä(Nat.-Soz.) protestierte dagegen, daß in dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch die Gleichberechtigung dex Frauen nicht konsequent durchgeführt und die Stellung der Frau in den Ländern des ungarischen Rechtes sogar verschlechtert sei. N e j m o n(Agr.) sprach dem Innenminister seine Befriedung aus. daß er die Ord- Rr. 297 Samstag, 18. Dezember 1937 Sette 3 Ein Volksbuch Josef Hofbauers Masaryk-Biographie „Wo Masaryks Name verehrungsvoller genannt wird als irgendeines anderen Menschen, dort sollte alles Leben auf Recht und Gerechtigkeit begründet werden." Josef Hofbauer hat der sudetendeutschen Arbeiterschaft eine Reihe von Werken geschenkt, die den Stempel seines Geistes tragen. Es sei an seinen Kriegsroman„Der Marsch ins Chaos" erinnert, an seinen jüngsten Roman„Dorf in Scherben", der uns das Leid des sudetendeutschen Menschen in der Krise schildert, an zahlreiche Erzählungen, die in den Arbeiter-Jahrbüchern und in der Presse veröffentlicht wurden und an seine Lyrik. Alle diese Arbeiten sind vom Geiste der Menschlichkeit erfüllt, die HofbauersAuffaffung des Sozialismus bestimmt. Deshalb war es eine glückliche Wahl, diesen Autor mit der Niederschrift eines Buches zu beauftragen, welches das Leben des größten Herolds der Humanität in unserem Lande schildert, Thomas Masaryks. Hofbauer hat da ein wahres Volksbuch geschaffen, in welchem er mit Liebe und tiefster Sympathie Leben und Wirken des Begründers und ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik darstellt.*) Hofbauers Buch ist keine trockene Biographie, sondern mehr: es wirkt als Bekenntnisbuch. Der Verfasser erzählt nicht nur das Leben Masaryks, sondern er verweist bei den einzelnen Etappen dieses großen Lebens, um die tragenden Ideen und das große Beispiel dieses nach Goethe vielleicht reichsten Lebens zu würdigen und die Menschen zur Wertung alles dessen zu erziehen, was Masaryk als Wert des Lebens und als Wert im Menschen, im Geistigen, im Stttlichen erkannt hat. Wir durcheilen nicht mit der Geschwindigkeit des Schnellzuges die Lebensbahn Masaryks, sondern wir verweilen in einzelnen Stationen und machen an der Hand Hofbauers lehrreiche Führungen. So wirkt dieses Buch nicht nur als historisch-biographisches Werk, es ist ein politisch, menschlich und moralisch erzieherisches Buch. Schon die Anlage verrät den geübten Journalisten und Schriftsteller. Hofbauer beginnt sein Buch mit dem grandiosen Erlebnis der Trauer eines ganzen Bolles um seinen größten Sohn. Der Verfasser fesselt den Leser auf diese Weise von Anbeginn. Und nun läßt er vor uns das große, beispielhafte und im wahrsten Sinne heroische Leben Masaryks erstehen. Plastisch wird uns dessen Jugend geschildert, die menschlichen Seiten hervorgehoben— ohne auch nur einen Augetzblick- zp, übertreiben.. Ho zeigt Hofbauer treffend, welch nüchtern-praktischen Sinn der große Gelehrte hatte— nichts dämonisches finden wir bei ihm wie etwa bei Goethe, Hölderlin oder Kleist. Immer wieder, schon bei der Erzählung von Masaryks Jugend anknüpfend, finden wir Erwägungen über Philosophie, Literatur, Kunst, Politik, nationale Probleme, welche ihren Reiz daher empfangen, daß der Verfasser mit dem Manne, dessen Leben und Wirken er beschreibt, weitgehend übereinstimmt. So bietet der Handschristenstreit Gelegenheit, über die schicksalhaftnationale Frage zu sprechen, wobei Hofbauer immer auch an das Deutschtum denkt und die Probleme des eigenen Bolles zu klären versucht— weshalb man Hofbauers Buch als ein nicht nur in der Sprache, sondern auch im Geiste deutsch e s Buch bezeichnen kann. Masaryks Borliebe für Romane benützt Höfbauer chazu, um über Literatur zu sprechen, der Polnaer Prozeß ist ihm Anlaß, über die Judenfrage einiges Grundsätzliche zu sagen, Masaryks Auffassungen über die Frauenfrage verbindet Hofbauer damit, den Arbeitern den Wert der Frau vor Augen zu führen. Dabei verfällt der Verfasser durchaus nicht in den Fehler, Masaryk seine eigenen Ansichten zu unterschieben, sondern läßt Masaryk immer wieder selbst zu Worte kommen, damit der Leser möglichst viel mit Masaryks eigenen Worten kennen lerne. Dabei steht Hofbauer— das ist das erfreuliche— Masaryk trotz aller Bewunderung nicht kritiklos gegenüber. Für den Sozialisten das interessanteste Kapitel ist in dieser Hinsicht jenes, in dem Masaryks Stellung zur sozialistischen Theorie und zum Marxismus dargelegt wird. Hofbauer setzt das Wesentliche von Masaryks Marx-Kritik— so weit man es in einem volkstümlichen Buche dieses Umfanges tun kann •— auseinander, ohne aber mit seiner Antikritll zurückzuhalten und auf manche Mißverständnisse hinzuweisen, die nach Auffassung der Marxisten Masaryk bei seiner Beurteilung der Marxschen Lehre unterlausen sind. Das ist— so glauben wir— durchaus in Masarykschem Geiste gehandelt. Dabei legt Hofbauer erschöpfend und reichlich mit Tatsachen belegt dar, daß Masaryk immer ein Freund der Arbeiter gewesen ist und was den Kainpf der Arbeiter um ein höheres Menschentum betrifft, immer in ihren Reihen mitgekämpft hat. Denselben kritischen Sinn bewahrt Hofbauer in dem Kapitel, in dem er Masaryks Verhältnis zum Deutschtum schildert. Er breitet auch da vor uns alle Tatsachen und Worte Masaryks aus, die dafür zeugen, daß Masaryk sein ganzes Leben für eine Verständigung mit den Deutschen eingetreten ist. Aber Hofbauer geht nicht unkritisch an der ersten Botschaft des Präsidenten vorüber. *) Josef Hofbauer: Der große alte Mann. Berlag Eugen Prager, Bratislava. Preis gebunden XL 21.—. Die Hakenkreuzlerei der„unpolitischen" Verbände Laut einer Meldung des„Pr. M." aus Tep- litz erhielten die K i n o s in den deutschen Grenzgebieten vergangene Woche von verschiedenen deutschen»unpolitischen" Verbänden Rundschreiben, in denensie aufgefordert werden, darauf zu achten, daß die Programme in Zukunft ohne »artfremde" Filme zusammengestellt werden. Nach den etwas geräuschvolleren Erfahrungen, die in dieser Hinsicht schon etliche sudetendeutsche Theater machen mußten, wäre es nicht zu verwundern, wenn die in»unpolitischen" Verbänden getarnten Hakenkreuzler es nun mit der Gleichschaltung der Kinos versuchten. Hoffentlich finden sich die entsprechenden öffentlichen Stellen, die diese Angelegenheit untersuchen. Die Prager deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 19. Dezember, 14.20 bis 14.80: Solidarität lehrt basteln(Zehn Minuten in der Heimstunde der Kinderfreunde)— 14.30 bis 14.35 (Strasnice):„Für Boll«nd Frieden". Mittwoch, 22. Dezember, 18.20 bis 18.40: Der Geist der Akropolis, eine Hörfolge von Dr. Adalbert Markovits, Mitwirkende: H. M. K r a u S. Fritz Balk. Willy Volker. Samstag, 25. Dezember, 14.20 bis 14.30: Die eines guten Willens find(Josef Hofbauer). Sonntag, 26. Dezember, 14.20 bis 14.30: Demokratische Weihnachtsgedanken(Karl Kern) — 14.30 bis 14.35:„Für«oll und Frieden" Ein Zwölfiähriger erschießt„den Teuftl". In Netschenitz bei Saaz erschien kürzlich abends im Hause des Landwirtes Fuchs ein Mann als Teufel verkleidet, der den allein im Hause befindlichen zwölfjährigen Sohn des Landwirtes zwingen wollte, Geld herauszugeben. Der Knabe ließ sich jedoch nicht einschüchtern, ergriff ein an der Wand hängendes geladenes Jagdgewehr und schoß auf den„Teufel". Sodann lief er in ein Gasthaus, wo sich seine Eltern, bei einer Nikolo-Tanzunterhaltung befanden, und erzählte dort, daß er soeben den Teufel erschossen hätte. Als die Eltern daraufhin nach Hause eilten, fanden sie dort wirklich den Mann im Teufelskostüm tot liegen. Als man ihm die Maske herunterriß, erkannte man in ihm den Gastwirt Franz H e l i k, der gewußt hatte, daß Fuchs mit seiner Frau nicht im Hause waren und sich diesen UW- stand für einen Einbruch zunutze machen wollte. Lehrkurse für natürliche Gesundheitspflege. Di« Gesellschaft für neuzeitliche Lebensweise(Ge-ne-le) veranstaltet vom 26. bis 31. Dezember d. I. in ihrem Erholungsheim in Alberitz bei Karlsbad einen Lehrkurs, der den Mitgliedern nicht nur den Zweck und das Ziel einer naturgemäßen Lebensweise, sondern auch die Polarität der RahrungSmitel, die Erdstrah- lenfeststellung, di« Homöopathie, die Krebsbehandlung, die Krankheitsdiagnostik aus Handlinien und Fingernägeln in eingehender Weise von Fachleuten, wie Mcdizinalrat Dr. Mannlicher. Dr. Fritz Wesen. Jng. Postak, erläutern wird.(DRD) Brief an den Zeibpiegel F. H., letschen schreibt uns: Sie richten in einem Artikel an unseren Gesandten in Berlin die Frage:„Was noch, Herr Mastny“ f Was noch kommt, das kann man mit Genauigkeit ja nicht sagen. Aber viel Erfreuliches für unsere Demokratie scheint es nicht zu werden. So wird z. B. erlaubt werden, daß die NSDAP, die hier lebenden Zehntausende von Reichsdeutschen durch ihre A.-O. organisiert. Das heißt also, daß wir einer Partei gestatten werden, sich in unserem Lande zu betätigen, die der schärfste Gegner jeder Demokratie ist, deren Mitglieder auf Adolf Hitler vereidigt werden und die eine Kampforganisation ist. welche, einmal hier zugelassen, sich nicht damit begnügen wird, Winterhilfe und dgl. zu betreiben... Dann brauchen wir auch den„Völkischen Beobachter“ und das„Schwarze Korps“ nicht mehr zu verbieten, denn dann haben wir täglich zehntausende„Völkischer Beobachtet“ im Lande... Zollamtlicher Irrtum. Durch einen Leitmeritzer Buchhändler wurde beim Verlag Belhagen und Kla- sing das mehrbändige Werk„Deutscher Opernführer" bestellt. Als das Werk mit einer Sammelsendung au? Deutschland eintraf, wurde der Besteller vom Zollamt in Aussig aufgefordert, behufs Uebernahme des Buches zu erscheinen. Dort wurde ihm mitgeteilt, day Las Werk nicht ausgefolgt werden könne, sondern der Staatspolizei zur Zensur und eventuellen Beschlagnahme übergeben werden müsse. Nach längeren Verhandlungen stellte^ich sodann heraus, daß der Grund der Beanständung nicht etwa im Inhalt des Textes oder NorenmaterialS des Buches, sondern im Titel lag. Der abfertigende Beamte verband nämlich mit dem Titel„Deutscher Opernführer" den Begriff eines Oberführers der NSDAP, die sich gegen die Republik richt«. Erst nach nahezu einstünbiger mühevoller Aufflärung und genauer Durchsicht des Werkes könnte der Beamte überzeugt und belehrt werden, daß es sich um einen Leitfaden für das Studium der deutschen Oper handelte.(DND) 2450 Gestapo*Leute im Ausland London. 20 Millionen Pfund Sterling bclrug, so berichtet der heutige„Daily Herold" in großer Aufmachung auf seiner Titelseite, im abgelaufenen Jahre der Aufwand für die reichsdeutsche AuSlandSpropaganda. An britischen zuständigen Kreisen sei angesichts dieser Erweiterung der nationalsozialistischen Auslandspropa- gandaaktivität, die sich in bedeutendem Maße gegen die englischen Interessen richtet, eine ernste Besorgnis an den Tag gelegt worden. Das Blatt berichtet, die Bohleschr Auslandsagitation umfasse 25.000 nationalsozialistische Auslandsagenten und 2450 Gestapo-Vertreter im Anslande. In 45 verschiedenen Ländern gebe es im ganzen 548 nationalsozialistische Organisationen, wobei 300 Zeitungen im Auslände entweder ganz erhalten oder bedeutend subventioniert würden. in der Masaryk die Sudetendeutschen als Kolonisten und Gäste dieses Landes bezeichnet hat, ebenso wie der Autor als Sozialist dem Kampf Masaryks gegen den Pangermanismus die These entgegenstellt, daß der Imperialismus keine rein deutsche Erscheinung ist. Hofbauer tut aber auch da Masaryk nicht Unrecht, er erklärt diese zeitweilige Auffassung des großen Mannes aus be- sondern politischen Umständen. Für einen Geist wie Masaryk ist es bezeichnend, daß er in demselben Augenblick, wo er die deutsche Kriegspolitik als verderblich darlegt, an den lateinischen Spruch erinnert, daß die Verderbnis des Besten die schlimmste ist:„oorruptio optima pessima". Hofbauer zieht aus seiner Darlegung der Anschauungen Masaryks über das deutsche, insbesondere sudetendeutsche Problem Lehren und Folgerungen, die ebenso charakteristisch für die lehrhafte Darstellungsweise des Autors des vorliegenden Buches wie für seine politischen Anschauungen find. Eine Probe mag das zeigen: „Der tschechosiowakische Staat, der Staat Masaryks hat, eben weil er ein gemischtnationaler Staat ist, eine besonders große eine für die Zukunft Europas bedeutungsvolle Aufgabe. Eine größere als die, eine für die Menschheit wichtigere als die, Nationalstaat der Tschechoslowaken zu sein: die Aufgabe, die geschichtliche Sendung, diesem zerklüfteten, vom Chauvinismus mit Vernichtung bedrohten Europa zu zeigen, daß Neben- und Miteinanderleben von Nationen und Teilen von Rationen in einem Staate möglich ist, daß möglich ist. die Ueberwindung nationaler Gegensätze, daß möglich ist der gemeinsame Aufbau eines Staates, der schützendes Haus aller ist, von allen geliebt als die gemeinsame Heimat. Das soll der Beitrag der Tschechoslowakei zum europäischen Friede» und zur Erneuerung Europas werden. So sehr wir unsere Nation und die Heimat und das Vaterland lieben mögen— es ist uns doch längst bewußt geworden, daß wir ein noch größeres, freilich noch nicht gewordenes, erst in der Vorstellung lebendes, aber doch schon als notwendig erkanntes Vaterland haben: Europa. Vorbild dieses Vaterlandes der Zukunft soll die Tschechoflowakei Werden," Damit knüpft Hofbauer an die Jaurässche Tradition an, daß die wahre Liebe zu Nation und Vaterland zur Menschheitsliebe führt. Den Schluß des Buches bildet eine allgemeine Charakteristik von Masaryks Persönlichkeit. Hofbauer ist auch da bemüht, das allgemeinmenschliche an Masaryk hervorzuheben, das den großen Präsidenten picht'nur zum Gegenstand der Verehrung seines Volkes, sondern aller Menschen guten Willens macht. Charakterisfisch ist in dieser Art die Deutung, die Hofbauer dem Titel „Präsident-Befteier" gibt: „Sein Vaterland hat dem Präsidenten Ma- sarhk nach seinem Rücktritt den stolzesten Titel verliehen, den eS zu vergeben hatte und den kein anderer mehr tragen kann, den Titel Präsident- Befteier. Befreier war Masaryk auch noch in anderem als politischem und nationalem und staatlichem Sinne. Und er wird es in diesem Sinne allen, die sich von ihm führen lassen wollen, immer wieder sein: Befreier aus Kleinlichkeit und Enge des Lebens, aus geistiger Erstarrung, aus Traditionsgebundenheit, aus Eigenliebe und sittlicher Trägheit." Hat man das Buch, welches uns ein großes von Geist und Sittlichkeit durchglühtes Leben schildert, zu Ende gelesen, fühlt man sich erhoben und gestärkt trotz einer Zeit, da Masaryks Ideale in vielen Ländern in den Staub getreten werden. Deshalb soll, wie Hofbauer sagt, Masaryk der Lebenslehrer der Arbeiter sein und noch lange immer wieder zu ihnen sprechen. Sie werden aus seinen Worten Mut schöpfen, sein Beispiel wird ihnen Zuversicht geben. Seine Lehre von der Humanität wird ihnen Antrieb sein zum großen geschichtlichen Kampf um die Befreiung ihrer Klaffe, um die Befreiung der Menschheit! Möge das Buch Hofbauers den Weg zu den Herzen und Hirnen aller finden, deren sehnlichster Wunsch es ist, die Barbarei unserer Zeit zu überwinden und eine bessere Zeit, eine Zeit der Menschlichkeit herbeizuführen, welche die Ideale Masaryks und die unseren verwirklicht sehe» wird. LmU Strauß. MARGARINE das Wahrzeichen der guten Büche J I l VITE IW BOBY> verrät ein feines V; Weihnachts-Striezel-Rezept:’S 3 dkg Hefe löst man in l/ s Liter lauwarmer 1 Mild: auf. Dann rührt man sie mit Vs kg 1 Mehl zu einem Dampfei und litt dies gehen. I Unterdessen wirkt man am Brett 25 dkg Mehl, 10 dkg Vitello, 10 dkg Zucker, 2 Eier, */ s dkg Salz und etwas Muskatblüte zu einem Teig an. Zu diesem Teig knetet man das Dampfei und bearbeitet den Teig am Brett, bis er glatt ist. Jetzt erst wirkt man 5 dkg Rosinen, 1 dkg bittere Mandeln und 2 dkg geschnittenes Zitronat darunter. Nach dem Aufgehen formt man Striezel, lfiSi diese nochmals gehen und bAckt sie dann. Todesurteil In Jerusalem Jerusalem.(Reuter.) Das Militärgericht verurteilte einen Araber deshalb zum Tode, weil er einen Revolver bei sich trug. Acht Mitglieder seiner Familie wurden als Mitschuldige zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Den Behörden in Jerusalem wurde bekannt- gegÄen, daß sich in der Umgebung von Tulkarem eine Gruppe von Terroristen in der Zahl von etwa 30 Personen aufhalte. Die Behörden haben daraufhin mit Hilfe von Truppen eine Aktion gegen diese Terroristengruppe eingeleitet. In dem Kampfe, der sich im Verlaufe der Aktion entwik- kelte, wurden drei Araber getötet und einer schwer verwundet. Ein Araber fiel den Engländern in die Hände. Auch ein britischer Soldat erlitt Ver- leßungen. Es ist dies nach längerer Zeit wiederum das erstemal, daß es zu einem Kampfe im Zentrum Palästinas selbst gekommen ist. Bei einem Zusammenstoß zwischen Militär und einer bewaffneten arabischen Bande wurden in Tulkarem vier. Araber getötet und, eine größere, Anzahl verletzt. Das Militär hat nach den bisher«'Ngelaufe- nen Berichten keine Verluste zu verzeichnen. Ossietzkys Befinden verschlimmert Der Nobelpreisträger Carl von Ossietzky, der sich noch immer im Krankenhaus Berlin- Pankow befindet, leidet an einer nicht näher bezeichneten„Halskrankheit", die mit seinem Lungenleiden in ursächlichem Zusammenhang steht. Ob es möglich sein wird, für Ossietzky die Erlaubnis zu erhalten, in den Schweizer Bergen Heilung zu suchen, steht zur Zeit noch nicht fest. Teilkämpfe In Spanien Barcelona.(Havas.) Meldungen des Rationalverteidigungsministeriums zufolge machten die Regierungstruppen an der Teruel-Front sehr zahlreiche Gefangene. Die Aufständischen erlitten hier schwere Verluste. Eine Escadrille Re- gierungsflugzeugc belegte einen Eisenbahnzug der Aufständischen mit Verstärkungen mit Maschinrn- gcwchrfeurr. polen dleldt Im Völkerbund Warschau. Der Krakauer„Kurier Codzienny" dementiert auf Grund von Informationen aus maßgebenden Quellen die im Ausland lancierter Gerüchte, denen zufolge Polen die Absicht hätte» aus dem Völkerbund auszutreten. Nach Feststellungen des Krakauer Blattes besteht für Polen gegenwärtig keine Veranlassung, das bisherige Verhältnis zum Völkerbund einer Revision zu unterziehen. Ueberraschuns aus Irland London.(Havas.) Die Absicht der Regierung de. Freistaates Irland, einen diplomatischen Vertreter beim„König von Italien und Kaiser von Abessinien" zu bettauen, hat in diplomatischen und politischen Kreisen Englands eine gewisse Verwunderung und Ueberraschung hervorgerufen. Es wird allerdings darauf verwiesen, daß de Valera bei der Landtagsdebatte über den zu dieser Ernennung erforderlichen Kredit erklärt habe, daß diese Ernennung nicht als eine de jure-Anerkennung der italienischen Eroberung durch den Irischen Freistaat angesehen werden könne, sondern lediglich einen internationalen Höflichkeitsakt darstelle. In-englischen amtlichen Kreisen verhehlt man sich jedoch keineswegs den ziemlich peinlichen Charakter der Situation, die durch eine solche Ernennung eines irischen Gesandten in Rom entstehen würde. Berlin.(Havas.) Die Reichsregierung wird heute«ine neue Konsolidierungsanleihe in Höhe von einer Milliarde Mark ausschreiben, Seitr 4 Samstag, 18. Dezember 1937 9L-. 297 TlAesneuigkeitm Ein Volksfreund Der SdP-Abgeordnete Böhm bemängelte in der sozialpolitischen Parlamentsdehatte in sei» ner Jungfernrede am Freitag u. a., das; die Re» gixrung die Gelegenheit versäumt habe, die Fruge der Kollektivvcrträge durch ein Gesetz auf lange Sicht zu lösen und dabei zugleich auch das Problem von Mindestlöhnen gesetzlich zu regeln. Dagegen könnten nach Böhm»nur solche Unterneh» mer sein, die sich ihrer sozialen Pflichten gegen» über der Arbeiterschaft nicht bewußt sind und die vergessen, daß letzten Endes die höheren Löhne der Arbeiterschaft wiederum der Wirtschaft zufließen." — Wir empfehlen dem Herrn Böhm, sich vom Christkindl eine Laterne schenken zu lassen und mit ihr dann in der SdP auf die Suche nach jenen sozial denkenden Unternehmern zu gehen, die ohne Widerrede bereit sind, gesetzliche Mindest» löhne zu akzeptieren. Es wird ratsam sein, daß sich Herr Böhm vom Christkindl gleich auch einen dicken Pelz schenken läßt, denn die eisige Ablehnung, die er bei diesem Bemühen zu gewärtigen hat, dürfte ihn im Verein mit der Winterkälte todsicher in Erfrierungsgefahr bringen! In den Tod gefahren. In der Nähe von Böhm.»Wiesenthal fand ein elfjähriger Schüler beim Skifahren den Tod. Er fuhr auf Skiern in rascher Fahrt zu Tal und gelangte gerade in dem Augenblick auf die Straße, als dort ein Personenauto vorbeifuhr. Der Schüler stieß gegen das Auto und wurde auf der Stelle getötet. Gendarmerie wurde an die Unfallstelle berufen, welche den Vorfall untersucht und nach der Identität des Schülers forscht. Mord an einer Prostituierte». In der Nacht zum Donnerstag zwischen 21 und 23 Uhr wurde in Pretzburg in der Jiringer-Gasse die Prostituierte Margit Balenditsch ermordet. Ein unbekannter Täter stach ihr ein scharfes Messer in den Rücken und erdroffelte sie. Was ihr entwendet wurde, ist bisher nicht bekannt. Als Täter wird ein 25- bis 28jähriger Mann verdächtigt, der gegen 21 Uhr zu der Balenditsch kam. Hochwasser in Rom. Im römischen Stadt» teil Trastepere ist das Hochwasser des Tiber be< reits in die Straßen eingedrungen. An der Tibermündung bei Ostia haben die lleberschwemmun« gen ein besonders starkes Ausmaß erreicht. Der Ort Fiumiccio steht völlig unter Wasser. Flugplatz in Flammen. Auf dem Flugplatz in Philadelphia wütete Freitag ein schwerer Brand. Acht Flugzeuge wurden zerstört, zwei Flugzeughallen fast völlig eingeäschert. Die Löscharbeiten gestalteten sich infolge ständiger Explosionen von Benzintanks besonders schwierig. ES brennt in Deutschland. Auf dem Gut der Landesbauernschaft in Möhringenbei Stettin ist die 75 Meter lange Scheune vollständig niedergebrannt. Der Ernteertrag von 140 Morgen Land(darunter 2000 Zentner Weizen) fielen den Flammen zum Opfer. Außerdem verbrannte der Stall mit der ganzen Schweinezucht des Gutes. Die amlliche Erklärung über die Drandursache lautet: Brandstiftung. Deshalb wur- Eine Milliarde Zigaretten wird monatlich In der Tschechoslowakei verraucht I Diese Ziffer wirkt sicherlich phantastisch und die Gegner des Nikotins werden von ihr nicht begeistert sein. Aber sie ist wahr oder nahezu wahr. T«r Jahresverkauf an Zigaretten nähert sich bei uns fast der Ziffer von zwölf Milliarden und das ergibt nach Adam Riese einen Monats-Durchschnitt von einer Milliarde. Diese Tatsache wirkt beinahe noch überwältigender, wenn man nun den Tagesdurchschnitt errechnet und ihn der Bevölkerungszahl oder, was doch noch richtiger ist. der Zahl der erwachsenen Bewohner der Republik gegenübergestellt(wobei man wieder berücksichtigen müßte, daß es ja doch vor allem immer noch die Männer sind, die den größten Teil des Nikotins verschlucken). Aber wir überlassen diese Arbeit des Dividierens unseren Lesern und bieten ihnen, nach dem Bericht, den eben jetzt der Generaldirek- tor der Tschechoslowakischen Tabak-Regie erstattete, nur noch folgende weitere Ziffern. Bon den fast zwölf Milliarden entfallen sechseinviertel Milliarden auf die»Zora" und viereinviertel Milliarden auf die»Blast a", von der Heuer um 800 Millionen mehr umgesetzt wurden als im vergangenen Jahr. Dagegen wurden nicht einmal insgesamt 700 Millionen Stück»Aegyvtische",.Memphis" und »Letka" zusammen verkauft. Das Uebergewicht der beiden erstgenannten Vollszigaretten ist so stark, daß sie, obwohl doch die weitaus billigsten, auch im Erträgnis an barer Münze zusammen etwa 81 Prozent des gesamten Erträgnisses aus dem Verkauf unserer Zigaretten ausmachen I Und wiederum bringt die Zigarette überhaupt 83 Pro* zent des Gesamtertrags der Tabak-Regie zustande, während die Zigarre mit 5.5 Prozent fast schäbig dasteht. In den allerletzten Wochen hat die Zigarre Wohl«inen bemerkenswerten Vorstoß gemacht, der aber an dem Gesamtbild nichts än» dert; Zigarre, Zigaretten- und Pfeifentabak und gar schon Schnupftabak werden von der fertigen Zigarette immer mehr in den Hintergrund ge* drängt. Das hat auch soziale Auswirkungen auf die Tabak-Arbeiterschaft. In der Zigaretten- Trzeugung, die maschinenmäßig vor sich geht und sich also immer mehr vervollkommnen läßt, be» wirkt eine auch noch so vorsichtig inszenierte Ra» tionalisierung ein Sinken der Zahl der beschäftigten Arbeiter; die Zigarre aber, die nach wie vor durch Handarbeit hergestellt wird, sinkt im Kon« sum... Das Jahr 1938 wird wieder einige„N o- v i t ä t e n" der Tabak-Regie bringen. Vor allem, aus Anlaß des zwanzigjährigen Bestandes der Republik, Jubiläums-Zigarren in Packungen zu fünf Stück zum Preise von 5 Xö und Jubiläums-Zigaretten in Schachteln mit 20 Stück zu 7 XL. Beide Sorten sollen im März herauskommen. Zum Sokoltag werden gleichfalls Sonderzigaretten und»zigarren erscheinen; die Zigaretten in verschiedener Qualität, darunter auch eine bolksmäßige für 20 Heller. Und schon im Jänner wird es, allerdings nur für di« noblen Raucher, aus Anlaß der internationalen Hockey- Turniere in Prag, eigene Hockey-Zigaretten geben. Mit dem E x p o r t hat unsere Zigarette— ohne ihre Schuld, denn die Konkurrenz ist eben zu groß— wenig Glück. Zwar gehen etliche»Dagmar" über See, auf der Pariser Weltausstellung wurden»Slavia" geraucht und im Vatikan scheinen den Herren unsere Rauchsorten gut zu schmecken. Sonst ist aber mit dem Export nicht viel los. Dafür ist aber, wie die eingangs angeführten Ziffern zeigen, der Jnlandsverbrauch um so gewaltiger und der Staat verdient daran einen hübschen Batzen Geld. Wetterberichte unserer Schubhütten Zinnwald:—4 Grad, 28 Ztm. Alt». 4 Ztm. Neuschnee, teilweise klar, ruhig. Skifähre gut bis sehr gut. Raturfreundehaus Gersdorf:—4 Grad,«üte Schneelage unverändert., etwa 10 Ztm Neuschnee, bewölkt, Nord- bis Nordwestwind; geschloffene Schneedecke, Skifähre gut ab dritte Kiefer. Guttemperierte Schlafräume, fließendes kaltes und warmes Waffer. Bad und Dusche im Haus. den eine Anzahl Gutsarbeiter von der Gestapo in Haft genommen.— Bei zwei weiteren Bränden, denen ebenfalls Riesenscheunen mit Erntevorräten anheimfielen, wird gleichfalls Brandstiftung behauptet, auch da ist es zu Verhaftungen gekommen. — Interessant ist, daß die mit der Aktion beauftragten Geftapobeamten im Privatge'präch erklären, alle der Brandstiftung verdächtigen Leute seien„Gegner des Systems".(F. K.) Antijüdische Ausschreitungen in Lodj. In Lodz ist es zu antijüdischen Ausschreitungen gekommen. In mehrere jüdische Geschäfte wurden ätzende Flüssigkeiten enthaltende Bomben geschleudert. Unter den Geschäftsleuten herrscht Unruh«. Im Zusammenhang mit diesen Angriffen wurden etwa 30 Parteigänger der demokra» tischen Partei verhaftet. Streik in New Nork. Zweitausend Angestellte eines Kabelwerkes sind in New Uork in den Streik getreten und haben den Betrieb besetzt. Sie führen ihren Streik in der Form eines»StehstreikS" durch. Bor 35 Filialen eines EinheitS-Kaufhau» ses, das bestreikt wird, stehen Streikposten. Wei* terS sind 6000 gewerkschaftlich organisierte Kraft- lvagendroschkenfahrer in den Streik getreten. Auf dem Passagierdampfer»Monarch of Bermuda" streikt die Besatzung von 350 Mann. Der Damp» fer tonnte gestern nicht rechtzeitig auslaufen. Gewerkschaftlicher Sturmangriff auf Ford. Der von dem Komitee für Industriegewerkschaften angekündigte Sturmangriff gegen Ford hat nunmehr eingesetzt. In Detroit, der Stadt Fords, sind pagne, eine Viertelstunde lang am Radio zu den Fordarbeitern sprechen und an den Sonntagen sogar eine Stunde. Für den Besuch der Fordarbei- ter in ihren Wohnungen und für die Gewinnung von Gewerkschaftsmitgliedern sind Prämien bis zu hundert Dollar ausgesetzt. Gewerkschaftsführer dürfen am Radio in den USA für eine Kampagne gegen einen der Mächtigsten des Landes Propaganda machen! Uns dünkt, in manchen europäischen Demokratien wäre solches unmöglich. Hanna, was geschieht mit Dir? heißt der Roman von Henrik Heller, der eben in der illustrierten Wochenschrift ABC zu erscheinen beginnt und das unge. wöhnliche Schicksal einer jungen, schönen Frau schil» dert. die«in sonderbares Vermächtnis von Berlin nach San Francisko und nach Hawai führt. Rebe i vielen ausgesucht schönen Photos aus Spanien und China, sowie aus der übrigen Welt enlbält die eben' herausgekommene Nr. 31 derWochenschrift ABC Aufsätze mit richtigem Bilderschmuck über..Reis und seine sprechende Stricknadel", über eine Erzeugung von ..Pilsner" Bier in Hongkong.„Wie Shirley Temple Weihnachten feiert", darüber, was man vom Skisport wiffen muß, einen meisterlichen Bildbericht über den Winteranfang in Prag und neben dem Schluß des spannenden Kriminalromans„Der ABC-Fahrplan" noch vielerlei Lesenswertes und Interessantes. Trotz dieser Fülle des Inhaltes, den ABC zur größten deutschen illustrierten Wochenschrift der Republik macht und der von Stummer au Nummer reicher wird kostet das Heft nur XL 1.80. ABC ist überall erhältlich. Ganzstaatkiche Ski- und Eislaufkurse. Während d«r Semesterferien(20. Jänner bis 8. Feber 1038) finden acht staatliche Ski» und zwei Eislaufkurse statt. TeUnahmeberechtigt sind Vereinsübungsleiter, Professoren. Lehrer und Kandidaten für die Fachgruppe (Turnen). Anmeldungen müffen bis 3. Jänner 1038 bei folgenden Leitern erstattet werden:(Skikurse) Böhmerwald: Prof. Dr. Wurdak, Böhm.-Krumau. Kaiserwald: Prof. Gattermann, Karlsbad. Erzgebirge: Fachlehrer Sander. Qberleutensdorf. Nord- bihmen: Prof. Stocklöv, Mariäschein. Riesengebirge: Prof. Meißner, Ober-Altstadt bei Trautenau. Altvater: Prof. Breuer, Oderberg. Beskiden: Prof. Richter. Aussig, Doranthstraße. Slowakei: Prof. Ristler. Oderberg. Für Eislaufkurse im Jsergebirge (Friedrichswald bei Reichenberg): Leiterin Prof. Dr. Hergl, Reichenberg, Hauptmannstraße. Alwater (Karlsbrunn): Leiterin dipl. Sportl. Fritzi Metz- ner, Troppau. Die Teilnehmer müffen von der Ortsleitung des Vereines und deren Hauptleitung den Nachweis erbringen, daß sie als Uebungsleiter bestellt sind.(In unserem Falle: Ortsgruppe und Wg. Ernst Srnad, Prag.) Die Teünehmer genießen 50 Prozent Fahrpreisermäßigung. Legitimationen hiefür und di« dazu notwendigen Auskünfte erhält man bei den Bahnschaltern. Ortsgruppen oder Bezirksleitungen. welch« gesonnen sind,«in befähigtes oder interessiertes Mitglied zu einem solchen Kurse zu entsenden, müffen umgehend die nötigen Schritte «.»leiten, um die Teflnahme zu ermöglichen, oa in einem Kurse meift nur eine beschränkte Teflnahme Vom Rundfunk Empfehlenswertes au* den Programme» Sonntag Prag, Sender Ir 7.30: Konzert aus Karlsbad: Dvorak. Maffenet etc. 10.00: Gesangskonzert tschechischer Lehrer. 14.20: Deutsch« Arbeiterfendung: Hörfolge der Arbeiterkinder: Solidarität lernt bastel»; zehn Minuten in einer Heimftube der Kinder» freunde. 15.00: Aus dem Rationaltheater: Jakobiner, Oper von Dvokäk. 17.85: Deutsche Sendung: Klassische Zeugen. 17.40: Funkwochenschau. 17.50: Benyovfly: Tas mittelalterliche Christigeburtsspiel. 18.50: Deutsche Presse. 20.05: Symphoniekonzert des tschechoslowakischen Rundfunkorchesters: Franck. Bycpälek. 22.35: Jazzorchester.— Prag, Sender II: 14.30: Deutsch« Arbeitersendung: Für Volk und Friede. 14.35: Buntes Konzert.— Brünn: 10.00: Klavierkonzert. 17.35: Deutsche Sendung: Mozart: Geigenquartett.— Preßburg: 10.15: Mozart- Arien.— Kascha«: 15.30: Militärkonzert. pslegung!) an Tagespension zu entrichten. Abend wird Frankenstein, der Leiter der Kamsechs Gewerkschaftswerbebüros eröffnet worden. Die Zeitung»Der Vereinigte Autoarbeiter", die!zulässig ist. Außer der Eisenbahnfahrt find nur noch bereits eine Auflage von 150.000 Exemplaren s'rka 15 bis 25 XL(je nach der Teuerung-es Ge- in Wta in di-»MMte. Stten I te— Vom Lanibursdicii zum ninisicrprasidcntcn Von M. 8.(Kopenhagen) »Bom Laufburschen bis Ministerpräsidenten"— so heißt das Buch, das ein bis jetzt unbekannter dänischer Scribent Johs. Lehmann dem dänischen Ministerpräsidenten Thorwald Stau- ning gewidmet hat. Der Titel ist nicht ganz originell. Vor etwa 50 Jahren kam in USA eine ganze Serie von Präsidenten-Biographien heraus, und der Titel einer jeden Biographie bezeichnet« den Weg, den dieser oder jener Präsident der Bereinigten Staaten von seinen Kindesjahren ab gehen mußte, bis er auf der Höhe der Jahre und der Wirksamkeit in das Weiße Haus'in Washington einziehen durste. Jene Biographien, die auch in europäischen Sprachen erschienen waren, waren immer wieder der Persönlichkeit des betreffenden Präsidenten gewidmet. Der dänische Biograph verbindet aber die Biographje Staunings mit der Geschichte der dänischen Sozialdemokratie, und das tut er so gründlich(nicht umsonst zeichnet er sein Buch als »Dr. phil. Johs. Lehmann"), daß die Persönlichkeit Staunings in den Hintergrund tritt oder gar für die Dauer von mehreren Buchsciten ganz verschwindet. Es entspricht auch der Tatsache, daß Slauning nicht allein die dänische Sozialdemokratie geschaffen, großgezogen und zur politischen Macht geführt hat. Die Darstellung des gelehrten Verfassers, wie und warum die dänische Sozialdemokratie zu ihrer heutigen Stellung im Staat« kam, ist ziemlich trocken. Und sie wirkt auf den unbefangenen Leser um so weniger stark, als die Geschichte der dänischen Sozialdemokratie sehr arm an dramatischen Momenten ist. Ja, es gelang einst der dänischen Bourgeoisie, den allerersten Pionier des Spzialismus in Dänemark, P t o, zu überreden, daß er mit dem für ihn gesammelten Gelde nach Amerika auswanderte, um dort jene sozialistischen Experimente Lurchzuführen, die in Dänemark, ihrer.Ansicht" nach, erst nach dem Gelingen in USA erprobt werden sollten. Ja, es entstand ein» mal, Ende des vorigen Jahrhunderts, ein Handgemenge zwischen den demonstrierenden Arbeitern und der Kopenhagener Polizei, wobei diese leicht siegen und die roten Fahnen als ihre Trophäen mit sich mitnehmen konnte. Hiermit ist auch der dramatische Inhalt des Werdeganges der dänischen Sozialdemokratie erschöpft. Um so stärker, man könnte sagen: um so wärmer wirken jene Seiten/ die dem Werdegänge des jugendlichen Stauning gewidmet sind, und der ftische, freimütige Stil dieser Seiten läßt vermuten, daß Stauning selbst dem Verfasser diese Seiten erzählt oder gar diktiert hat. Wer könnte denn besser jenes arme Arbeiterheim schildern, in dem Stauning zur Welt gekommen ist, wer könnte besser als er selbst die Figuren seiner opferwilligen Eltern, Peter August und Frau Caroline» skizzieren? Der Vater hatte wenig Lohn, die Mutter alterte unter der Bürde des armen Haushalts schnell und früh, die beiden hungerten ost und mit Willen,— weil sie jeden Groschen und jeden Bissen dem kleinen Thorwald abgaben. Staunings Vater starb früher als die Mutter, ihr aber wurde von der Natur ein so hohes Alter gegönnt, daß sie den Aufstteg ihres Sohnes erleben durfte. Der»Aufstieg" begann damit, daß der halberwachsene Knabe Thorwald die Stellung eines Laufburschen bei einem Kopcnhagener Krämer bekam Laufbursche ist in Kopenhagen ein ganz anderer Begriff, als z. B. in Prag. Seit uralten Zeiten ist es in Dänemark Brauch und Gewohn- heit, daß alle Arten Daren dem Käufer oder Besteller ins Haus gebracht werden. ErNe Hausmutter braucht nur zu telephonieren, um im Laufe einer halben Stunde im Hause alles empfangen zu können, was sie für»en ganzen Tag und die ganze Familie braucht. Der)unge Thorwald mußte vom frühen Morgen bis Abend die bestellten Eßtvaren Treppe auf und Treppe ab liefern. Zuerst war er bei einem Kvlonialwarenhänd- ler, wo der Lohn wöchenüich aus wenigen Groschen bestand und wo die Hausmütter des Ouar- tiers ihre Sparsamkeit auf jene Nickelmünze er» streckten, die man sonst hier im Lande dem Lauf» burschen gerne gibt. Der kleine Thorwald wünschte eine Veränderung, nicht wegen des kärglichen Lohnes, sondem weil ihn die Fortbildungsschule, die in den Nachmittagsstunden für alle Jungen seines Atters offen stand, lockte. So wurde er Laufbursche bei einem Bäcker, mit der Hoffnung, nur in den frühen Morgenstunden beschäftigt zu werden. Weit gefehlt, die Kopenhagener Damen verstanden es, Brot und Kuchen beim Bäcker zu jeder Tageszett anzufordern! Der Wissensdrang des Jungen siegte aber: er war einer der fleißigsten und besten Schüler der Nachmittagsschule. Nun wollten seine Eltern, daß er eine Stel- lung bekam, die dem Grad seiner Schulbildung mehr entsprochen hätte. Sie fanden auch eine Stellung für ihn: in dem Privatbankhause Severin. Hier waren die Funkttonen des 14jährigen Thorwald um so mannigfacher, als das Bankhaus mit der Wohnung des Prwgtbankiers verbunden war. Thorwald war»Junge für alles": frühmorgens Schuhputzer und Küchenjunge, in den Kontorstunden Kontorist, Konzipient und Bankbote, nach Feierabend hatte er auch für die Reinigung der Fußböden und der Treppen zu sorgen. Auch abends war er nicht frei, denn die»gnädige Frau", die Gattin des Bankiers, liebte es, Gesellschaften und Theater zu besuchen, hatte aber angst allein auszugehen. Thorwald war ihr »Abendpage",— auch Nachtbegleiter, denn es konnte sehr spät werden, bis die Dame die Gesellschaft verlassen hatte. Dies alles für einen Lohn von zehn Kronen monatlich! Die Eltern Thorwalds faßten sich ein Herz und gingen zum Bankier. Ihr Wunsch ging dabin, daß Thorwald eine Stellung als Bankkontorist bekam. Der Bankier verlangte aber, daß man vbr allem für die Kleidung des jungen Kontoristen sorgte,— und dies überstieg die vorhandenen Möglichkeiten. Es war eine Enttäuschung für die»Alten", es war aber auch ein Moment, der im Leben des jungen Stauning eine Entschei- dung herbeiführte. Arbeiten wollte er, aber als Arbeiter und«licht als Laufbursche oder Diener. Rasch entschlossen nahm er die Stellung eines Hilfsarbeiters bei einem Schmied an. Er hatte noch viel zu lernen, und die Lehre begann mit dem Schwingen eines Hammers. Dazu war er zu schwacher Konstitution, und schon nach zwei Monaten erkrankte er schwer. Wiederum suchten seine Eltern eine mehr passende Stellung für ihn,— und nach der Genesung wurde er Tabakarbeiter in der kleinen Provinzstadt Fredericia. Biele, viele Jahre arbeitete Stauning beim Zigarrenfabrikanten Schmit in Fredericia, und eigentlich müßte das Buch des Herrn Dr. phil. Johs. Lehmann heißen:»Vom Tabakarbeiter zum Ministerpräsidenten",— denn in Fredericia war es, wo Stauning reifte und wuchs, wo er in den freien Stunden las und studiette, wo sein großes Interesse für die Arbeiterbewegung erwachte, wo er sich der sozialdemokratischen Partei anschloß lind die älteren Führer der Partei auf seine Kenntnisse, seine organisatorischen Kräfte und seine wenn auch so trockene und knappe Beredsamkeit aufmerffam wurden. Erst in Fredericia begann der richtige politische Aufstieg Staunings, der ihn ins Arbeitszimmer des dänischen Mini» sterpräsidenten führte. Wenn die Geschichte der dänischen Sozialdemokratie arm an dramatischen Geschehnissen war, war sie auch arm an großen Führern. Sie hatte keine so großen Theoretiker, wie Marx, Engels und Lassalle. Sie hatte keine so glänzenden Redner wie August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Singer. Sie hatte keine so großen polttischen Erscheinungen wie Blum in Frankreich, van der Velde in Belgien und all« di« großen Russen Sie hatte aber ein« ganze Reihe von stillen, starken organisatorischen Kräften. Unter ihnen nahm Stauning einen hervorragenden Platz ein Als Organisator und leitender Parteiführer ging er und geht von Sieg zu Sieg. Als Staatsmann weit und breit bekannt und geachtet, hielt er sich als Privatmensch immer still im Hintergründe, und das Buch Johs. Lehmanns macht uns zum ersten Male auch mit Thorwald Stauning als Menschen unter Menschen bekannt. Nr. SS7 Samstag, 18. Dezember 1937 Seite 8 Zaubertricks. GLAS ^bn Glas siehst Dii, was Dii kaufst!' Wo» wird der Zauberer wohl aus seinem Zylin- der hervorholen? Ein Kaninchen, einen Blumenstrauß, ein komplettes Service? Auf der Bühne sind solche Überraschungen sehr hübsch- beim Einkauf aber will man doch genau wissen, was man für sein gutes Geld bekommtl Das sieht man mit eigenen Augen— Kundgebung der Versicherungsangestellten Am Freitag fand im Steinersaal des„2ü dovh düm" in Prag eine vom Zentralverband der Versicherungsangesteflten in der Tschechoslowakei einberufene, sehr zahlreich besuchte Kundgebung statt, zu der sich auch Vertreter des Einheitsverbandes der Privatangestellten, der tschechoslowakischen Gewerkschaftszentrale,, des sozialdemokratischen und des kommunistischen Parlamentsklubs eingefunden hatten. Aehnlich wie die Bankbeamten am Tage zuvor brachten auch die Versicherungsangestellten ihre Forderung auf zehtlprozentige Erhöhung der Gehälter zum Ausdruck, di« durch die' Steigerung der Lebenshaltungskosten in den letzten vier Jahren, durch die in der Krisenzeir erlittenen Verluste und durch den guten Geschäftsgang der Versicherungsgesellschaften begründet ist. Der erste Redner der Kundgebung, Josef Koköcil, unterzog das Verhalten gerade der reichsten Versicherungsgesellschaften einer scharfen Kritik. Bei der„Riunione Adriatica" ist erst nach langen Kämpfen eine fünfprozentige Gehaltserhöhung erzielt worden, die„Union" hat sich jetzt zu Verhandlungen bereit, erklärt, die beiden reichsten Gesellschaften aber, di« zum Zivnobank- Konzern gehörenden„Moldavia Generali" und „SecuritaS" haben noch heute weder«inen Kol- lcttivvertrag noch eine Dienstpragmatik. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei der österreichischen Gesellschaft,„Anglo- Elementar", während die „Kotva" zur Anerkennung einer Dienstordnung gezwungen werden konnte. Besondere Beachtung verdient die Tatsache, daß bei der„Moldavia" ein „Angestelltenklub" von der Direktion gegründet wurde, um die Einmischung„Dritter", das heisst: der Gewerkschaftsorganisationen auszuschalten. In einer Resolution stellte die Versammlung folgende Forderungen auf: Erhöhung der Bezüge der Versicherungsangestellten entsprechend den erhöhten Lebenshaltungskosten und den früheren Gehaltsreduzierungen, Einstellung der Angriffe auf di» Dienstpragmatik, Aufhören des Mißbrauchs der lleberstundenarbeit, Neuaufnahmen der notwendigen Arbeitskräfte, Errichtung von Pensionszuschußfonds und Novellierung des Betriebsausschußgesetzes zur Erweiterung der Kompetenz der Betriebsausschüsse. Sonderbezahlung der Vorweihnachtssonntage Auf verschiedene Anfragen teilt der AAB (Allgemeiner Angestellten-Berband, Reichenberg) mit, daß für die Arbeitsleistung am Goldenen Sonntag(19. Trzember) im Sinne der Regierungsverordnung vom 4. Dezember 1936, Slg. 29, neben der vereinbarten oder ortsübliche^ Normalentlohnung der ILSprozentige Zuschlag an das zur Arbeitsleistung chevangezogen« Personal auszuzahlen ist, sofern nicht durch Kollektivvertrag eine höhere Entlohnung gewährleistet wird. Dieser Anspruch kann im Sinne des 8 2 der Regierungsverordnung durch Vereinbarung weder ausgeschlossen noch beschräntt werden. In Bezirken und Städten, in denen noch nicht die ganzjährige vollständige Sonntagsruhe Man erhält für K8 100 Reichsmark.... .. 628— Markmünzen... .. 677.50 100 österreichische P chilling ,. 528.50 100 rumänische Lei.. .. 18.10 100 polnisch« Zloty... .. 511.— 100 ungarische Pengö.. .. 551.50 100 Schweizer Franke». .. 65650 10> fron ösische Francs. .. 96.20 1 englisches Pfund .. 141.25 1 amerikanischer Dollar. .. 28.30 100 italienische Lire.. .. 114.40 100 holländische Gulden. .. 1577- 100 jugoslawische Dinare. .. 62.17 100 Belga»-....- .. 482 50 100 dänische Kronen.. .. 632.— 100 schwedische Kronen.« ». 729.— im Handel«ingeführt ist, so daß am Silbernen Sonntag(12. Dezember) so wie an allen anderen Sonntagen die Geschäfte vormittags geöffnet sein konnten, besteht für das zur Arbeitsleistung herangezogene Personal ebenfalls Anspruch auf den ILbprozentigen Zuschlag zum vereinbarten oder ortsüblichen Lohn im Sinne der erwähnten Regierungsverordnung. Gemäß ß 2 dieser Verordnung wird die Nichteinhaltung dieser Vorschriften nach Artikel II des Gesetzes 109/34 bestraft, ist also mit Geldstrafen bis zur Höhe von 80.000 KL oder Arreststrafen bis zu sechs Monaten bedroht. Nichtbeachtungen dieser Vorschriften find dem Allgemeinen Angestellten-Verband, Reichenberg, Turner Straße 27, oder einer seiner Geschäftsstellen zu melden.. Zu den Differenzen bei der Assicurazloni Generali Ein Angestellter schreibt uns:„Ich las mit Erstaunen in Ihrem Blatte, daß die genannte italienische Versicherungsgesellschaft den Tarifvertrag ihrer Angestellten verschlechtern will. Es wird der Bevölkerung unerklärlich bleiben, wieso gerade diese reiche Gesellschaft in einer Zeit, wo selbst kleinere Gesellschaften von derartigen Maßnahmen absehen, eine Schmälerung der Rechte ihrer Angestellten glaubt verantworten zu können. Eine Ueberficht über die Dividendenzahlungen, die im„Tschechoslowakischen BersicherungS- kompaß 1938" angeführt sind, zeigt, daß folgende Dividenden gezahlt wurden(die Prozentsätze beziehen sich auf das eingezahlte Aktienkapital): Jahr Pro,. Jahr. Proz. 1900 54.86 1930 35.00 1905' 6348 1981 85.00 1910 83.33 1932 85.00. 1915 34.00 1933 35.00 1920 80.10/12 1934 85.00 1925 30.00 1935,1936 je 17.50 Der halbierte Satz in den beiden letzten Jahren ist jedoch nur ein scheinbarer, weil er durch die Aufstempelun g der Aktien aufdasDop« velt« bewirkt wurde. Die Aktionäre der Gesellschaft haben also wahrlich genug verdient! Weitere Versdtiebunq In der Getreidebewirtschaftung? Wir haben vor kurzem auf die Verschiebungen der Getreideexportquoten innerhalb der einzelnen Gruppen infolge Einführung des Grundsatzes beim Getreidemonopol, daß die a u f g e- kaufte Getreidemenge maßgebend fei, verwiesen. Der Vorsitzende des Monopols, Dok- tor Feierabend, befaßte sich nun in einer Rede in PreAuvg mit dieser Frage und erklärte u. a.: „Sie"— die tschechoslowakische Getreidegesellschaft—.»wurde ursprünglich nach dem Prinzip« der Anciennität gestaltet, also so, daß die Verhältnisse in der Getreideplanwirtfchast möglichst der freien Getreidewirtschaft in den letzten Jahren entsprechen. Dieses Prinzip konnte im dritten Jahre der Getreideplanwirtschaft flicht aufrechterhalten werden, die Dynamik. de r Verhältnisse(l) erforderte vielmehr ein Abgehen von diesen Grundsätzen, und zwar sowohl bei der Bestimmung der neuen Kommissionäre, wie auch in Fragen der Aus- und Einfuhr. In der nächsten Zeit wird in diesen Fragen die Position der einzelnen Interessenten am Monopol nach der Menge des angekauften Getreides bestimmt werden und nicht nach dem Prinzipe der Anciennität. Deshalb kann in organisatorischer Hinsicht die heutige Situation in der tschechoslowakischen Getreidegesellschaft als nichtstabilisiert angesehen werden, denn die einzelnen Interessengruppen haben«in Jnteresie daran, sich auf Grund eines erhöhten Aufkaufes(wenn auch durch Nichteinhaltung der Monopol-, namentlich der Preisvorschriften) einen stärkeren Einfluß im Monopol zu sichern." Wir wollen diesen Ausführungen nur hinzu« fügen, daß eS angezeigt fein wird, die weitere Entwicklung im Getreidcmonopol in dieser Richtung genauzuverfolgen. Interessant ist die Redewendung von der„Dynamik der Verhältnisse", womit versucht wird, die wahren Triebkräfte zu verschleiern. Die Arbeits- und Lohnverhältniffe der Industrie-Arbeiterschaft. Im Sozialen Institut in Prag sprach über diesen Gegenstand Josef Bölina. Er wieS einleitend auf die Notwendigkeit einer ordentlichen Lohnstatistik hin, zu deren Erzielung zu erwägen wäre, aus der vertraulichen Jndu« strieftatistik wenigstens den Lohnsektor auszunehmen, um so die Bewegung der Löhne und ihrer. Anteil an den Gestehungskosten verfolgen zu können. Aus den Berichten der ZSVA, sagte der Vortragende weiter, geht hervor, daß die Lohnsumme immer noch um rund ein Fünftel unte* dem Stand von 1929 ist, obwohl der Umfang der Industrieproduktion sich dem Stand dieses Jahres sehr angenähert hat und ihn in einigen Zweigen sogar übertrifft. Einen der Gründe der Herabdrückrmg der Löhn« ist in der Altersschichtung der Versicherten zu erblicken- Von 140.340 Versicherten, die im Jahre 1Ö86 neue Legitimationen der ZSVA erhielten, waren 95.805, also mehr als zwei Drittel, im Alter bis zn 20 Jahren, während auf die Jahrgänge vo" 30 bis 40 Fahren nur 9 Prozent, bis 50 Fahrrund 5.5 Prozent und bis 60 Jahre ungefähr 3 Prozent entfielen. Diese Zurückdrängnng daälteren Angestellten ist schon seit 1933 zu beobach■ trn. An großem Ziffernmaterial zeigte der Vortragende dann den ständigen Rückgang des Lohn- anteils am Wert der erzeugten Produkte. Dieser 1'■ 1 I M S I #>• Haben Sie alles zu Hause? Haben Sie nichts vergessen? - Vor allem— haben Sie genug SANA vorrätig? Denn ohne SANA gibt es keinen mürben Striezel, keine feine Torte, kein wohlgelungenes Weihnachtsgebäck, ji Also zu den Feiertagen reich* ff lieh SANA einkaufen. ungenügende Anteil ist hauptsächlich durch di; großen Abzüge von den Akkordsätzen hervorgerufen. Unter den gegebenen Verhältnissen gebührt eine Bedeutung für die Besierung der Lohnver- hältnisie den Verordnungen über die Verbindlichkeit der Kollektivverträge, ihre Verlängerung, über die Stillegung von Betrieben und über die Massenentlassungen. Die Verordnung 141/37 gibt auch die Grundlage für die Festsetzung von Minimallohnsätzen, welche eine Preisunterbietung auf Kosten der Löhne verhindern könnten. Die Verordnung bedarf einer Ergänzung in dem Sinne, daß auch die vertragschließenden Gewerk schäften die Legitimation erhielten, das Arbeitsgericht zur autoritativen Auslegung des Sinnes und Inhalts des Vertrages anzurufen. Die gel-i tenden Bestimmungen geben den Gewerkschafte': nur dqs Recht, eine Anzeige bei der Bezirksbehörde zu erstatten, wenn der Arbeitgeber die Bestimmungen des Kollektivvertrags nicht«inhält Das verursacht große Verzögerungen und viele Arbeiter wenden sich aus Angst um ihre Existenz nicht an das Arbeitsgericht, um ihre Rechte zu wahren. Schließlich wäre es notwendig, hei der Beratung des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches an ausreichende Bestimmungen über die Kollektivverträge zu denken und vor allem den Grundsatz festzulegen, daß durch Einzelverträge die Rechte des Angestellten, die aus dem Kollektivvertrag erfließen, nicht geschmälert werden können. Auch in formaler Beziehung müßte der Frage der Kollektivverträge im neuen bürgerlichen Gesetzbuch größere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da di« zwei kurzen Paragraph«, die von der vorliegenden Fassung beantragt werden, vollkommen unzureichend sind, Bescheinigung über di« Dienstleistung stempelpflichtig?■■ Auf ein« vom Einheitsverband der Privatangestellten vor längerer Zeit an das Finanzministerium gerichtete Bitte, sich zu dieser Frage amtlich zu äußern, hat jetzt das Ministerium unter der Gesch.-Zahl 129.493/37—V/14B Bescheid erteilt. Das Ministerium erklärt, daß gemäß dem bestehenden Gebührenrecht die Bescheinigung über geleistete Dienste der Privatange- stellten, zu der der Arbeitgeber im Sinne des 8 44 des Prwatangestellten-Gesetzes verpflichtet ist, einer Gebühr von 5 XL unterliegt. Diese ist durch Aufkleben von Stempeln zu entrichten. Für die Bezahlung der Gebühr hastet der Arbeitgeber. Der französische Voranschlag angenommen. Die französische Kammer, welche die ganze Nächt über bis 5 Uhr morgens verhandelte, genehmigte in erster Lesung den Gesamtstaatsvoranschlag für 1938 mit 547 gegen 25 Stimmen. Der Staatsvoranschlag stellt sich für das kommende Jahr wie folgt dar: Gesamteinnahmen 54.600,332.808 Francs, Ausgaben 54.559,318.506 Francs. Mitteilungen aus dem Publikum. Der Feind der Platzvertreter— ist das lieber« gangSwetter. Ob eS Regen, Rebel, Frost oder Schneist— immer ist er es. der gezwungen durch seinen Beruf, allen Erkältungskrankheiten ausgesetzt ist. Wenn er auch weiß, daß warmgehaltene Füße eine Verkühlung fast ausschließen, wird er nicht wiffen, daß Bata jetzt Schuhe herauSbringt, die ihm in allen Fällen' 100 Prozent entsprechen werden.. Diplomat- Schuhe, die leicht, elegant, elastisch, und aus einem Material hergestellt sind, welches andauernd wärmt Der Welt-Taschentuch-Vorrat würde bestimmt aufgebraucht werden, wenn Bata nicht so nette und billige Gummi-lleberfchuhe verkaufen würde. In allen Bata-BerkaufSstellen bekommt man Gummi-Ueberschuhe. Diplomatie-Mittel gegen Verkühlung! Damit soll nicht behauptet werden, daß sich Diplomaten bei diesem Wetter nicht verkühlen können. Auch sie werden unter dem llebergangsweüex zu leiden haben, wenn sie nicht daS entsprechende Schuhwerk an den Füßen haben werden. Solche- Lchuhwerk, welche- di« Füh- warm hält, leicht ist und schmiegsam— wie eS die Baka-Diploma!'chuhe sind. Geschenke sollm schln auSsehcnk Nicht nur für Feinschmecker sind Marmeladen, Jams, Kompotte, Honig oder andere feine Delikatesten in blanke» Gläsern rin erfreulicher Anblick. Deshalb ist auch für solche Geschenke die GläSpackung ganz selbstverständlich. Tragödie eines verwahrlosten Jugendlichen (Jugendgericht.) Prag,(rb) Vor dem Jugendgericht(Vprs. OGR Dr. Svoboda) stand gestern ein sechzehnjähriger Bursche unter schwerer Anklage. Hätte dieser jugendliche Angekürgte das 18. Lübensjahr überschritten. so hätte er sich wohl vor dem Schwurgericht zu verantworten gehabt. Fälle wie dieser demonstrieren aufs eindringlichste die Notwendigkeit eines Sondergerichtes für jugendliche Täter, wie es in der Form unserer Jugendgerichte verwirklicht ist, bei denen die Richter"nicht nur besonders gelinde Strafsätze zur Anwendung bringen können, sondern wo der bei der Verhandlung anwesende Sozialbeamte die Möglichkeit hat, für die erforderlichen Maßnahmen zur weiteren Erziehung des jugendlichen Täters Sorge zu tragen. Dieser 16jährige Jung« genießt keinen guten Leumund- Er hat ein Vagabundenleben geführt, hat sich seine Nahrung dupch Bettel oder Diebstahl beschafft und diese Art seiner Lebensführung durch Straftaten gekrönt, die bei einem Erwachsenen als schwere Verbrechen zu verfolgen wären. Den jugendlichen Angeklagten entlastete die unsagbar traurige Vorgeschichte seines üngen Lebens. Er ist im Waisenhaus aufgewachsen, entlief ihm und trieb sich mehrere Monate umher, wobei er. wie erwähnt, seinen Lebensunterhalt durch Bettel und kleinere Diebstähle fristete. Mit Anbruch der kalten Jahreszeit hielt er es für bester, sich nach Prag zu begeben, wo er sich«her durchzubringen hofft«. Er hielt"sich damals in der Pilsener Gegend auf und versuchte, als Schwarzfahrer nach Prag zu gelangen. In einer kleinen Station bei Pilsen sprang er in einen, dem Anschein nach leeren Wagen des nach Prag fahrenden Petsonenzuges. Dann bemerkte er, dqß-es sich um einen Postwagen handelt«. Beim, Anblick der Postsäcke kam ihm der Gedanke, sich eines von ihnen zu bemächtigen, in der Meinung, daß es sich um Geldsendungen handle, die ihm ermöglichen'würden, längere Zeit ein sorgenfreies Leben zu fristen Er sprang bei der nächsten Station ab Und untersuchte den Inhalt des mitgenommenen PostsackeS. Dabei ergab sich, daß dieser keineswegs Geldsendungen, sondern nur Briefschaften enthielt, die für ihn ohne jeden Wert waren Er fühlt« di« Notwendigkeit, sich diese» corpus delicti sobald als möglich zu«nräußern Diese Absicht führte er in der Art durch, daß er den entwendeten Postbeutel in einen Strohschober steckte und den Strohschober dann a n z ü n d e t e. Brand- stifning ist nach den Bestimmungen unseres Strafgesetzes ein Verbrechen, das für erwachsene Personen vor dem Schwurgericht zur Aburteilung gelangt. AIS der jugendliche Täter gefaßt wurde, zeigte sich, daß er sich der Tragweite seiner Handlung überhaupt nicht bewußt gewesen und daß außerdem seine Absicht, den Postsack ohne Spur verschwinden zu lasten, völlig mißglückt war, da in der Asche des Strohschobers deutlich erkennbare Reste des Postbeutels aufgefunden wurden. Der Ankläger(Staatsanwalt Dr. E«säk) erhob gegen den jugendlichen Täter die Anklage wegen der Verfehlung des Diebstahls und wegen böÄvilliger Beschädigung fremden Eigentums. Das Jugendgericht verurteilte ihn zu drei Monaten Verschließung, worauf er der zuständigen Sozialstelle übergeben werden wird. Der jugendlich« Angeklagte war geständig und bezeigte aufrichtige Reue. Vielleicht gelingt es einer verständnisvollen Erziehung, ihn von der verhängnisvollen Bahn abzubringen. Amtspersonen... I Prag, lrb) Margarete F.. Gattin eines Prager Handelsvertreters, war gestern vor dem Strafsenat des GR Dr. Verner angeklagt des Verbrechens des Diebstahls. Die Angeklagte ist geständig, ihrem Dlenstgeber, dem Kürschner Kohn. Pelzwerk im Werte von 740 l