Ur l&l. AboMtMtNts-Kedingung«»: Bbonnement«-Prett pränumerando: Vi-rt-Ijährl. ZL0 Mi./ monatl.I,I0Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau«. Sinzein« Nummer S Pf«. Sonntag», Nummer mit illustrierter Sonnl-g», Beilage„Die Neue Welt" lll Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Mari pro Quartal. eingetragen in der Poft-Zeitung«, Preisliste für 1899 unter»r. 7890» Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Autland S Mari pro Monat. Lrscheinl täglich»utzer Montag», Vevlinev Volksblakt. 16. Jahrg. Die KnftMoilS' Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum tll Pfg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Auielgen" jedes Wort 6 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bii 4 Uhr nachmittag» in derErpeditton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» SUhr vormittags geössn«. Fernsprecher! Ami l, Nr. 1208, Telegramm-Adresse: „Sorlaldrmokrak Srrlin» (&£XxivctlovQ(XXx der focfaldeutokratifdjen Nartei Deutsitilands. Redaktion: 19, Beuth-Slraste 2. Tie politische Lage in Spanien. In Spanien spitzt sich der Gegensatz zwischen der gegen- wältigen Regierung und dem Volk immer schärfer zu. Man darf zwar die Bedeutung der gemeldeten Straßenkämpfe in Barcelona und Valencia nicht überschätzen— derartige lokale Putschversuche gehören fast zu den spanischen National- eigentnmlichkeiten—. aber auch die Haltung der liberalen und republikanischen Presse wird immer drohender, und zudem haben sich die einflußreiche Vereinigung der spanischen Handelskanimern und die Nationale Liga der Produzenten der Bewegung gegen die famosen Finanzpläne de?. Silvelaschen Kabinetts angeschlossen. Besonders geht die letztgenannte der beiden Vereinigungen, die mehr die klein- bürgerlichen Gewerbe- und Handelsschichten vertritt, sehr scharf vor. Sie hat am 6. Juli dem Kongreß durch eine Kommission eine Denkschrift überreichen lassen, die an Radika- lismns wenig zu wünschen übrig läßt. ES wird eine Herab- setznng des Budgets auf 750 Millionen Pesetas verlangt und zu diesem Zweck eine bedeutende Reduktion der Eivilliste, sowie der Staatspensionen, der Parlaments- und der Knltrisausgaben verlangt. Ferner sollen die besonderen Ministerien des Aeußercn, des Kultus, der Justiz und der Marine aufgehoben und deren Funktionen teils dem Ministe- rium des Innern, teils dem hohen Gerichtsftibunal und dem Kriegsministerium zugewiesen werden. Auch könnten, meint die Schrift, die eingerichteten besonderen Generaldirektionen in den Ministerien fallen und überhaupt der heutige schwer- fällige Verwaltungsapparat wesentlich vereinfacht und der- billigt werden. Die Hauptforderung aber gipfelt in der Beschränkung der Heerespräsenzstärke auf 60000 Mann mit einem Offizierkorps von höchstens 8000 Mann. Tic Ursache der ganzen Bewegung, die so tief in die ge- werbliche» Kreise eingreift, liegt in der Verschuldung, die Spanien sich durch seinen letzten Krieg mit Kuba und den Vereinigten Staaten von Nordamerika aufgeladen hat. Die schon ohnehin riesige Schuld Spaniens ist dadurch noch um beinahe 2600 Millionen Mark gewachsen, deren Verzinsung natürlich alljährlich gedeckt werden nniß. Außerdem ist noch aus den Kriegsjahren 1807/99, da die Staatseinnahmen die im Etat angenommene Höhe nicht er- reichten, ein Deficit von ungefähr 40 Millionen Mark vor- handen. In den mit der finanziellen Lage Spaniens einigermaßen bekannten einheimischen Bevölkcrungskrcisen rechnete man deshalb auch allgeniein mit einer Erhöhung der Staats- ausgaben; doch glaubte man, die Regierung wurde mit einer Mchrforderung von vielleicht 50 Millionen Pesetas aus- kommen— die in den letzten Jahren vor dem Krieg, d. h. 1893 96, in den Budgets ausgeführten Einnahnten bcliefen sich im Durchschnitt auf 730 Millionen Pesetas— wenn Ersparnisse in der Verwaltung durchgeführt und zugleich die Heercsstärke reduziert würde. Auch aus einer Einschränkung der vielen Veanitcn- und Offizierpensionen, die zum Teil für bloße Titel und nominelle Leistungen gezahlt werden, hoffte nian manche Million herausschlagen zu können. Die Rechnung war ohne das jetzige Kabinett gemacht. In � den vom Finanzminister Villaverde vorgelegten Budget- Vorschlägen werden rund 937 Mill. Pesetas gefordert. Anstatt einer Ermäßigung der Ausgaben für Heer und Marine werden ungefähr 31�s Millionen mehr als im vorigen Jahr verlangt; und von einer Beschränkung der Ausgaben für Lffiziersgehälter oder der Spanien aus dem Konkordat er- wachsenen jährlichen kirchlichen Obligationen im Betrage von ca. 41 Millionen Pesetas ist gar keine Rede. Und doch be- läuft sich z. B. das Gehalt der nichtdienstthuenden Offiziere auf jährlich über 24�/2 Mill. Pesetas. Villaverde selbst zeigte sich zwar von vornherein einer Ermäßigung der Ausgaben für Militärzwecke nicht abgeneigt, hat aber dem Druck des durch seine Mißwirtschaft auf den Philippinen bekannt ge- wordenen Kriegsministers Polavijea und des Kabinetts- Präsidenten Silvela nachgegeben. Die gegenwärtige konser- vative Regierung findet eben in den Militärkreiscn und dem niit diesen alliierten höheren Klerus ihren besten Bundes- genossen und— eine Hand wäscht die andere. Gegenüber der in weiten Schichten des Volks hervor- tretenden Gährüng hat zwar das jetzige Ministerium sich zur Ermäßigung einiger Etatssätze bereit erklärt, doch sind die zugestandenen Abstriche so unbedeutend, daß sie kaum in Betracht kommen. Nach den bisherigen Andeutungen würden sie kaum 10 Millionen erreichen. Villaverde mochte wohl, vornehmlich ans Kosten des Heeresetats, weitere Zugeständnisse machen; aber der Jesuitengünstling Polavieja will nicht, und vorläufig hat er im Kabinett noch das Heft in Händen, wie die stosfige Abfertigung der Liga der Produzenten seitens Silvela und feine Drohung mit der Suspension der sogenanni en konstitutionellen Garantien, d. h. Verhängung des Belagerungszustandes über Spanien, belveist. Warum sollte man auch zögern, zur Erhaltung der hohen Osfizicröpensionen und der Kirchendotationen die eben von Kuba und den Philippinen heimgekehrten Soldaten zur Veränderung mal gegen das eigene Volk zu führen. Wie man Ordnung schafft. hat Polavieja ja schon auf den Philippinen gezeigt. Vorerst ist die Bewegung gegen die neuen Finanzprojette vorwiegend eine bürgerliche, man kann sogar im Hinblick auf manche Vorkonminisse behaupten: eine kleinbürgerliche; wenn auch in einzelnen größeren republikanisch gesinnten Städten. wie zum Beispiel Barcelona, die Arbeiter sich in größerer Zahl den Demonstrationen anschließen. Der Geschäftsmann sieht sich in seinem Erwerb durch die neuen Steuerpläne der Regierung bedroht, und so phlegmattsch er sonst ist, wenn es sich um ideale Güter handelt, so rabiat wird er, wenn sein pekuniäres Interesse in Frage kommt. Daneben spielen allerlei Sonderinteressentcngruppen eine Rolle, wie z. B. die Minenbesitzer, die nur die ihnen drohende Profitvcrminderung ihrer Betriebe abwenden möchten. im übrigen aber recht wenig dagegen hätten, wenn die breite Masse der Arbeiter mehr zu den Lasten herangezogen würden. Welche fast komischen polittschen Blüten die Situation zeitigt, zeigt unter anderem die Thatsache, daß gerade Romero Robledo, der sonst nicht ostentativ genug seinen Monarchismus und seine Liebe für daß Heer bekunden konnte, im Kongreß den Antrag auf Reduktion der Eivilliste und der Heeresaas- gaben gestellt hat. Daher begreift sich auch, daß die socia- listische Partei trotz ihrer Bekämpfung des Silvelaschen Kabinetts sich im ganzen ziemlich reserviert verhält. Es ist nicht gerade ein Vergnügen, Leuten von der Qualität Robledos zu ermöglichen, eine wichtige politische Rolle zu spielen Eine Erscheinung ist noch zu erwähnen, die diesmal hervor- tritt, das ist die scharfe Wendung der Bewegung gegen den Klerus, besonders gegen die Jesuiten. In den Versammlungen sind in letzter Zeit mehrfach Rufe gegen die Jesuiten laut geworden, und die republikanische Presse greift die Ordens- gemeinschaften in schärfster Weise an. Wie es heißt, wollen die Republikaner im Kongreß den Antrag auf Aufhebung der religiösen Orden stellen,— natürlich eine bloße Demonstratton. Man weiß eben, daß die Mtlitärpartei mit dem Klerus eng liiert ist, und so richtet sich der Haß auch gegen diesen. politische Aebevttchk. Berlin, de» 13. Juli. Gillsam! Der deutsche Kaiser hat in seinem neuesten Telegramm gesagt, es sei in ihm ein unbeugsamer Wille, den einmal als richtig erkannten Weg allem Widerstand zum Trotz unbeirrt weiter zu gehen. Wenn dieses Kaiserwort nur so ausgelegt werden kann, daß der Herrscher unbeugsam s e i n P r o g r a m m von Oynhausen durchführen werde. so muß zugestanden werden, daß er sich schwere Ausgaben stellt, ker aspera ad astra! oder um das lateinische Wortspiel deutsch nachzuahmen: lieber Steine zu Sternen! Man bedenke, wie sehr der Kaiser bei diesem Unternehmen auf sich selbst gestellt ist, wie gering die Zahl der Helfer ist, die seinem Willen den Weg zu bahnen bereit sind. Das d e u t s ch e V o l k hat sich gegen jede Sttafverschärfung im Koalittonsrecht erklärt. Hunderte Versamnilungen erhoben Protest. Socialdemokratische, evan- gelische, katholische Arbeitervereine waren einig in der Zurück- Weisung. Keine einzige Versammlung von Arbeitern ist bekannt geworden, in der sich nur eine Stimnie für die Strafverschärfungen erhoben hätte. Aber auch die höchste Vertretung des deutschen Volkes, derReichstag, hatseinen Willen bekundet, dernicht nur weitabweicht von demunbeugsamenWillen des Kaisers, sondern selbst die schwächliche Regierungsvorlage verschmähte. Die schwächliche Regierungs-Vorlage— denn allerdikigs auch in der Vorlage des Grafen Posadowsky zeigt sich der kaiserliche Wille keineswegs ungebrochen. Der Kaiser hat erklärt: „Das Gesetz naht sich seiner Vollendung und wird den Volks- Vertretern in diesem Jahre zugehen, worin jeder, er möge sein, wer er will, oder heitzcn, ivie er will, der einen deutschen Ar- deiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hin- dern oder gar zu einem Streit anreizt, mit Zuchthaus bestraft werden soll." Ties ist der als richtig erkannte Weg, den der Kaiser jetzt unbeugsam fortwandeln zu wollen erklärt. Wie aber ist bereits die Regierung mit ihrer Vorlage von diesem richttgen Wege abgeirrt I Wir wollen daran nicht weiter erinnern, daß der Kaiser sich abgeftinden hat mit der Verfechtung des von ihm gewollten Zeitpunktes:„in diesem Jahre". Aber erfüllt denn die Vorlage materiell den kaiserlichen Willen? Und haben die Regierungsvertreter vor dem Parla- ment diesem Willen Ausdruck verliehen? Sie haben sich sogar in vollen Gegensatz zu ihm gestellt. Graf Posadowsky betonte wiederholt, daß die Aufforderung zum Streik durchaus erlaubt bleiben solle, wie der Streik selbst; der Kaiser aber wollte, daß jeder, der zum Streik reizt, bestraft, ja mit Zuchthaus besttaft werden solle. Zu alledem haben die Regierungsvertreter in der Anpreisung des mit so viel Wasser gemischten Weines so wenig Geist und Geschick aufgeboten, daß vielfach die Memung entstand, sie fänden selbst das Getränk nicht recht schmackhaft. Aber auch die Parteien, welche sich gern ihrer monarchischen Gesinnung rühmen und einen starken Willen auf dem Thron wünschen— vorausgesetzt, daß die Stärke dieses Willens sich gegen ihre Gegner und nicht gegen sie selbst richte— sie ebenfalls haben sich zu der Vorlage anders gestellt, als des Kaisers Wunsch ist. Wir erinnern nur an die Worte des Herrn v. Levetzow im Herrenhause: „Bon Zuchthmisstrafe ist in der Vorlage nur in dem H 8 die Rede; ich nehme an. daß diese Bestimmung hineingekommen ist aus Gründen, die ich hier nicht erörtern will, meine aber weiter. Expedition: 3�. 19. Veukh-Skrahe 3. daß die Zuchthaus st rasen in dem ganzen Gesetz sehr wohl entbehrlich wären...." Nur einige wenige Herren vom Centtalverband der Industriellen und ähnlicher Vereinigungen darf der Kaiser sich als Willensverwandte hinsichtlich der Zuchthausvorlage zählen. Er steht also fast einsam. Es wird auch für einen unbeugsamen Willen keine geringe Aufgabe sein, dem Wider- stand. der von allen Seiten sich entgegenwirft, zu trotzen. Wie soll es gelingen, Minister zu finden, die ihre Aufgabe ganz erfüllen können? Wie soll der Reichstag gebeugt werden, und wie schließlich das Volk, das hinter dem Reichstag steht? Doch es mag sein, daß der Kaiser, wenn er sieht, wie er allein trotz der hohen Ueberzeugung, die er von der Mission seines Geschlechts hat, nicht die Welt der Wider- strebenden mit sich ziehen kann, daß er alsdann bereit sein wird, seinen Willen zu wandeln, bis er Mitwollende findet. Denn manche Aussprüche des Kaisers zeigen, wie sehr er sich doch bewußt ist, daß er allein nicht mit den Parteien des Umsturzes fertig werden kann. Im September 1894 rief er deshalb in Königsberg:„Auf zum Kampf für Religion, für Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Umsturzes", er sagte nicht, wie wohl früher einmal:„Die Socialdemottatie überlassen sie mir", sondern:„Wohlan denn, lassen Sie uns zusammen in diesen Kamps hineingehen!" Einigs Wochen später sagte dann der Kaiser: „Ich hoffe, baß die Thorner polnischen Mitbürger sich ent- sprechend dem, was ich in Königsberg gesagt, verhalten werden, denn nur dann, wenn wir alle. Mann an Mann ge« schloffen, wie eine Phalanx zusammenstehen, ist es möglich, den Kampf mit dem Umsturz siegreich zu Ende zu führen." Es zeigt sich, daß der Kaiser, wenn er auch seinem persönlichen Willen trotz allem Widerstand Geltung schaffen zu können meint, doch wiederum die Notwendigkeit fremder Willenshilfe zur Durchführung polittscher Thaten anerkennt. Wird aber die Relativität des Einzelwillens und die Not« wendigkeit des Zusammenstehens in einer ganzen Phalanx erkannt, so ist nun das Eigenartige der jetzigen politischen Lage, daß die Zuchthausvorlage so sehr wie kaum je ein Gesetzesvorschlag die Phalangen der Bekämpfet' des„Um« sturzes" gesprengt hat.— Das Kaiser-Telegramm und die Presse. Die bürgerliche Presse fördert wenig Belangreiches zur letzten Kundgebung des Kaisers zu Tage. Der„Reichs- Anzeiger" nimmt, wie schon bei der Fähnleinrede, keine Notiz. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" äußert sich nicht,„Kreuz-Zeitung" und„ B e r l i n e t Neueste Nachrichten" schlveigen aus den gestern von uns gewürdigten Gründen. Dagegen ist der fromme „Reichsbote" von lutherischem Zorn gepackt und schichtet einen gediegenen protestantischen Scheiterhaufen für uns auf. Daß wir es wagten, den Großen Kurfürsten im Lichte ge- schichtlicher W a h r h e i t zu zeigen, erregt den flammenden Haß des liebevollen Traktätchen-Organs: „ES wird Zeit, mit diesem anmaßenden Treiben des revolutionären Agitatorentums ein ernstes Wort zu sprechen; ihm gegenüber ist die sociale Frage allerdings eine glatte polittsche Machtftage, bei welcher die bestehende Obrigkeit das legittme Recht hat, ihre umstürzenden Widersacher ihre Hand mit aller Schwere fühlen zu lassen." Wir werden uns also in» Verein mit unseren Gewährs- männern, den„liberalen Professoren", diesen Zahmsten der Zahmen, schmoren lassen müssen. Die liberale„National-Zeitung" schießt ein paar Dumm« Dumm-Geschosse erlesenster Art in die lachende Welt. Sie giebt nämlich folgende Interpretation des Telegramms: „Da der Sparenberg ebenso wie die Stadt Bielefeld der ehe- maligen Grafschaft Ravensberg angehören, welche durch Vertrag, auf friedliche Weise, unter dem Großen Kurfürsten an Branden- bürg stelen, so wäre es naheliegend gewesen, die Analogie, welche der Kaiser in dem Telegramm zwischen sich und diesem seinem Ahn zieht, dahin zu deuten, daß es sein unbeugsamer Wille sei, weiter de? Reiches Mehrer auf dem von ihm als I richtig erkannten Wege des Friedens zu sein, auf welchem durch den' Großen Kurfürsten Ravensberg an Brandenburg fiel, auf welchem er selbst allem Widerstand zum Trotz im Verlaufe einer zehnjährigen, gewiß' nicht immer leichten FriedenSerhaltung das Reich in drei Erdteile»! vergrößert hat. Dieser sachlich naheliegende Gedanke; liegt aber den modernen Vogelschauern örtlich und zeitlich zu entfernt." Gewiß, das ist eben so sachlich wie naheliegend. Di» Karolinenpolitik ist gemeint und es wird uns verheißen, dast wir noch mehr von derlei Punkten friedlich erwerben werden � Die nationalliberale Scholastik versteht fürwahr ihre Kunst! In der Parteipresse wird allgemein die Bedeutung der Aktton gewürdigt. Wir begnügen uns mit ein paar Citaten: Die„Fränkische Tagespost" äußert u. a.: „So, sich selbst einzig verantwortlich fühlend für die Geschicke des Volkes, spricht der deutsche Kaiser jetzt wiederum ein Damen, d. h. De n n och, wie damals, als er eS dem Chinesen- bischof Anzer unter sein Bild schrieb. Aber wir glauben nicht, daß man heute darin in Deuffchland der Meinung des Kaisers folgen wird: wir haben unsere Ver- fassung, in der die Teilung der Gewalt genau festgesetzt worden ist. Wir finden in ihr keine Möglichkeit, wie der Kaiser ein Gesetz einführen könnte, dem die Mehrheit des Reichstags die Zustimmung versagte. Es bleibt nur die Möglichkeit, es— mtt einem neuen Reichstage zu versuchen. Wie aber der Ver- such ausfallen würde, brauchen wir... nicht zu diskutteren." Dir..Leipziger V o l k s z e i tu n g" bemerkt: „Wenn man nicht schon ans der offiziösen Presse, ans den Organen der Scharfmacher. anS der halbamtlichen.Berliner Korrespondenz", wüßte, daß die Regiernng ans einen llmschlaa zn Gunsten ihrer Borlage rechnet, so zeigt die neue Kaiserdepesche, daß in den höchsten Kreisen der Gedanke an das Zustandekommen der Vorlage in irgend einer Gestalt noch nicht aufgegeben ist. Was ivir schon mehr als einmal hier gesagt, daß dem politischen und socialen Zusammenschlüsse der Arbeiterschaft das Fiasko der ersten Lesung In erster Reihe gedankt ist, daß sie auch ferner den Fuß am Rkale halten muß, um eine Sinnesänderung der bürgerlichen Mehrheitspartcien zu verhüten, gilt heute doppelt. Die guchthausvorlage muß in der Wintertagiuig völlig be- seitigt werden, der Wille des Volkes muß durch den Druck von außen und von unten auf den Reichstag wirken." Nicht ohne Grund klagt die katholische„Märkische Volkszeitung" melancholisch, das Telegramm werde der Agitation gegen die Zuchthausvorlage nichts schaden.— Vom Köllerknrs. Im ersten Halbjahr 18SS find aus NordschleSwig kund 170 dänische Unterthanen ausgewiesen worden. Der größte Teil der Ausgewiesenen sind Dienstboten, der Rest besteht aus Lehrlingen und Conimis. Neben dem Kampf gegen die Dänen läuft natürlich auch der gegen die deutsche Arbeiterklasse. Wie aus Hadersleben berichtet wird, wollten sich unlängst die Arbeiter einmal gemeinschaftlich mit ihren Familien einen vergnügten Abend machen. Sie erhielten aber keinen Saal, weil die Wirte, die den Saal zu diesem staatsgefährlichen Zwecke hergeben wollten, mit den üblichen Mitteln: Frühe Polizeistunde, Verweigerung der Tanzmusik, Boykott usw. eingeschüchtert wurden. Die Arbeiter waren aber nun sünd- hast genug, zu meinen, daß sie nicht nur als Versuchsobjekte für Köllersche Politik auf der Welt seien, und sie beschlossen, ihr Gewerkschaftsfest im Ausland zu feiern — bei den vielverfolgten und geschmähten Dänen. Am Sonntag den S. Juli— so heißt es in dem Bericht weiter— sah man denn die Arbeiter des Morgens nach dcni Hafen pilgern. Es lag daselbst der Dampfer„Faaborg", welcher die Teilnehmer des Festes nach Kolbing bringe» sollte. Natürlich fehlte auch die Polizei nicht am Hafen, na, die konnte ja dem Bürgermeister nielden, daß der nicht kleine Dampfer dlchtbesetzt war, und daß, als das Schiff im Fahrwaffer war, die rote Fahne der Hilfsarbeiter luiter Hurrarufen entfaltet wurde. Um lOVe Uhr vormittags fuhr der Dampfer in den Koldinger Hafen. Die Koldinger Arbeiter empfingen ihre deutschen Arbeitsgenossen und führten sie nach der „Alhambra*. Um 12 Uhr fand das Elsen statt, danach gemütliche Unterhaltung. Um 3Va Uhr stellten sich die Haderslebener auf und marschierten nach dem Bahnhof. Ein großartiger Anblick bot sich uns daselbst. Die Koldinger Gewerkschaften mit 11 Fahnen und einem Musikchor hatten am Bahnhof Aufstellung genommen. So wurden wir von den dänische» Gewerkschaften begrüßt. Jetzt be- gann der Umzug durch die Hauptstraßen. An 4—5000 Menschen beteiligten sich dabei. Nach dem Umzug sprachen verschiedene Redner, zuletzt der Abgeordnete Rasmusien-Helsingör. In feuriger, klarer Rede legte Herr Rasmusscn es den Arbeitern klar, was sie von den Kapitalisten zu hoffen haben. Ebenso sprack er über die Nationalitätenduselei hier an der Grenze. Brausender Beifall erscholl beim Schlüsse des Vortrages. Der darauffolgende Ball dauerte bis 2 Uhr morgens. Alsdann verabschiedeten wir uns von unseren dänischen Freunden und fuhren nach Preußisch- Deutschland zurück, zurück in daS Land, das seine Arbeiter wingt. inS Ausland zu gehen, wenn sie einmal vergnügt ein wollen. Abrackern und abschinden sollen wir uns bis aufs Blut, aber vergnügt dürfen wir nur im Ausland seinl Eo wird Vaterlandsliebe gehegt und gepflegt. Trotz alle- dem: Ein dreifach Hoch den dänischen Arbeitern, unfern BrüdernI So weit der Bericht. Das heißt einmal wahre nationale Politik l Erst wirst man die Dänen hinaus, die Deutschen treibt man hinterher, bis schließlich im nicht nur geeinigten, sondern auch gereinigten Vaterlande nur noch Köster und die Seinen übrig bleiben, als letzte Vertreter deutschen Geisteslebens.— Ein Schritt weiter zur Goldwährung. Wir haben die Ergebnisse der englisch-indischcn Wäh- rungskommission regelmäßig verfolgt, weil in Indien und in den Vereinigten Staaten die letzten Entscheidungen in der Wäh- rungSpolitik fallen müssen. Soeben hat das Inckian Currency Cornittee seinen Schlußbericht ausgegeben. Die darin enthaltenen, in den Grundzügen ein- stimmig gefaßten Vorschläge sind abermals ein Nagel zur dauernde» Einsargmig aller bimetallisttschen Hoffnungen. Während die indisch« Regierung in ihren-ersten Anregungen kaum mehr ins Auge gefaßt hatte als eine Goldwährung ohne jeden wirtlichen Goldumlauf, will die Kommission zwar der Silberrupie weiter die unbeschränkte Zahltraft in Jndieu erhalten— was ja ohne weiteres al» Notwendigkeit zugestanden werden kann, wenn man an unsere Erfahrungen mit den nichtverkausten deutschen Thalern denkt. Dieser Rupie soll jedoch nicht nur durch allerlei künstliche Matznahmen ein fester GoldkurS verschafft und bewahrt werden, die indischen Münzstätten sollen sich vielmehr für die freie Goldprägung öffnen. Nicht nur die R e g i e r u n g soll«ine gewisse Goldreserve feschalten, um die internationalen Zahlungen zu beeinflussen, auch der V e r k e h r soll für seine größeren Umsätze Gold gebrauchen und in entsprechenden Mengen zu seiner Verfügung vorfinden. ES würde zu weit führen, hier zu erörtern, wie man das vorgesteckte Ziel zu erreichen gedenkt. Das Ziel selber ist schon durch daS Gesagte ganz klar bezeichnet: Uebergang nicht nur zur Goldrechnung, sondern zur Goldprägung und zum Gold« Umlauf. An eine dem Plane entgegenstehende Goldnot glaubt die Kom- Mission nicht; die ungeheueren ProdultionSsteigerungen seit nun bald zwei Jahrzehnten haben dieser Befürchtung jeden Boden ent- zogen. Dagegen urteilen die englisch- indischen Sachverständigen genau wie emst die leitenden HandelStteise in Rußland, i» Japan, in Chile: daß eine schwankende, im Wette sinkende Valuta das ausländische Kapital von der Anlage in Eisenbahnen, Bergwerken, Fabriken abschreckt. Und gerade Indien lechzt seit langem nach «wem stärkeren Zuströmen der europäischen Kapitalien, um seine Witt- schaftliche Entfaltung zu beschleunigen: Eine unerschütterliche Goldwährung ist das einfachste und wirksamste Mittel, Kapital anzuziehen. Der Bedarf Indiens an stemdem Kapital ist unleugbar.... Eine vernünftige Politik ge- bietet, Kapital nach Indien hettiberzuleiten fauS Goldwährungs- Ländern, die Kapital anzulegen wünschen, und die« kann am besten erreicht werden bei Goldwährung und einem festen Wechsel- kurS.... Wir wiederholen daher zum Schlüsse, daß die Schaffung einer wirklichen Goldwährung von grundlegender Bedeutung für Indiens matettelle Wohlfahrt ist. Die Festigkeit de« Wechselkurses mit allen großen Welthandels- Ländern wird nicht nur dem eigenen Handel förderlich sein, vielmehr wird man auch ermatten dürfen, daß mit dem wachsenden Vettrauen auf die Beständigkeit der indischen Valuta auch die Lust des ausländischen Kapitals, in Indien zur EntWickelung von dessen natürlichen ProduktionSkrästen Anlag» zu suchen, weiter wachsen wird. Da Kommissionen in England nicht, wie so häufig bei un», für den Papierkorb zu arbeiten pflegen, so wird der Borschlag, zur großen Betrübnis unserer bimetallisttschen Propheten und Spekulanten, ivohl sehr bald auch zur Wirklichkeit iverden— obwohl Herr Dr. Arendt einst die sociale Revolution für Europa ankündigte, wenn auch Asien seine Thore dem Silber verschlösse und der Gold- Währung öffnete.—_ ü- k • o » Aeutsches Mch. Ein guteö Geschäft hat offenbar Spanien mit dem Verkauf seiner Karo lincn gemacht. In semer HerzenSsrende belohnt es den Käufer königlich— königlich, d. h. mit einem Orden. Staats- sekretär Graf B ü l o w hat von der Königin-Regentin von Spanien wegen seiner Verdienste um Spanien da« Kreuz des Ordens Karls 11l. erhalte«.— � v»\-/ IXJ i Der Gesetzentwurf, betreffend daö Urheberrecht an Werken der Litteratur und der Tonknnjt ist, wie angekündigt, nupniehr im.ReichS-Anzeiger" veröffentlicht worden. Der Entwurf enthält 70 Paragraphen, die in fünf Abschnitten geordnet sind. Der erste. Abschnitt regelt die Voraussetzungen de» Schutzes. Der zweite Abschnitt handelt von den Befuginssen de« Urhebers »nd vom Nachdruck. Ter dntte Abschnitt regelt die Dauer des Schutzes. Für Schriftwette, Vorträge und Abbildungen endigt der Schutz des Urheberrechts, wenn seitdem Tode des Urhebers d r e i ß i g Jahre und seit der ersten Veröffentlichung. des Wettcs zehn Jabre abgelaufen sind. Aus Werke der Tonkunst finden die Vorschriften über die Dauer des Schutzes mit der Maßgabe Anwendung, baß an die Stelle der Frist von SO Jahren eine fünfzigjährige Frist tritt. Der vierte Abschnitt handelt von den Rechtsverletzungen und setzt die Strafen und den Schadensersatz wegen vorsätzlichen oder fahrläisigen Nachdrucks fest. Für sänitliche Bundesstaaten sollen Sachverständigen- Kammer» bestehen, die verpflichtet sind, ans Erfordern der Gerichte und der Staatsanwaltschaften Gutachten über die an sie gerichteten Fragen abzugeben. Die Sachvcrständigen-Kammern sind befugt, auf Anrufen der Beteiligten über streitige SchadenSersatzansvtticvc als Schiedsrichter zu verhandeln und zn entscheiden. Der fünste Abschnitt enthält Schliißbestimnmngen, die sich auf die Ausführung de» Ge- setzes beziehen.— Eine Maßregelung. Wie gestern bereits telegraphisch ge- meldet wurde, ist der Gießener Ghmnasialdirektor und Ilmverfitäts- Professor S ch i l l e r, einer der hervorragendsten deutschen Päda- gogen der Gegcnwatt, kurzer Hand in den Ruljestaud versetzt und obendrein mit einenr D isciplinarv erfahren bedacht worden. Grund dieses Vorgehens ist der charaktervolle publizistische tiampf. den Schiller eben in der»Frankfurter Zeitung" gegen die hessische Schul- korruptton führt. Preußen und das Großherzogttim Hessen scheinen danach nicht nur in Eisenbahn- Gemeinschaft, sondern auch in Kultur- Gemeinschaft zu stehen. Bosses DiSciplinarpolittk reicht über di� Grenzen Preußens hmauS bis nach Dannstadt.— NilSwcisuitg mit ZwangSpast. Wir hatten schon mitgeteilt, daß der Genosse Sobota sich in der„freien Ntepnblik" Bremen dadurch„lästig" gemacht hatte, daß er Mitglied der Lohnkommiffion der Maurer in Bremer- Häven war, noch mehr ivohl deswegen, weil er vom Gericht wegen Vergehens tvider den ß 153— freigesprochen werden mußte. S. erhielt den Ausweis. Charattettsttsch ist, daß dieser Beschluß. wie die»Bremer Bürger-Zeitung" berichtet, bereits am IV. Mai ausgefertigt ist. Am 4. Juni wurde S. verhaftet und nach fünf- wöchentlicher unschuldig verbüßter UntersuchungShast, wie schon erwähnt— freigesprochen. Der Senat der Republik aber thut cm übriges, er nimmt sich auch die Freiheit, dem Genossen den Weg vorzuzeichnen, den er zu nehmen hat. I» einem Zwangspaff mit 50 tägiger Gültigkeil wird dem MiSgewiesenen der Befehl erteilt, sich auf geradem Wege über-Verden, Celle, Vrannschwcig, Magdeburg, Dessau, Eilen- bürg, Meißen, Dresden, Pirna, Tetschen, Bachofen, Königarätz, Wildteiischwett nach Littau in Mahren zu begeben, am letzteren Orte binnen fünfzig Tagen eiazntreffeii und sich unter Vor- l e g u n g dieses Z>v a n g s p a s s e s bei der K. k. Bezitts- hauptmaimschaft in Littau zu melden, auch diesen Zwangs- paß au jedem Orte, wo er übernachtet, visieren zu lassen. Inhaber hat sich bei Vermeidung' nachdrücklicher Haftstrafc und den Umständen nach des Transports oder stec.'brirfttcher Verfolgung jeder Verzögerung der Reise und jeder Abweichung von der obigen Route zu enthalten._ «uospeude Ttaatsretter. lieber Ausschreitungen junger Akademiker beschioert sich der Präsident des OberlandeS- aerichts in Celle. Der Präsident führt Klage darüber, daß Rechtskandidaten, die sich zwecks Vorbereitung ihres Examens in Celle anfhalten, sich w i e d e r h o l t E x c e s s e zu Schulden haben kommen lassen, insbesondere seien wiederholt nächtliche Ruhestörmigcn vorgekommen. In„Zukunft" solle» derartige Fälle„streng" bestraft werden. Es wird daraus anfmettsam gemacht, daß ein der- artiges Benehmen der RechtSkandtdaten„eventuell" sogar Aus- schließung von der höheren Juttstenkarttere zur Folge haben lann. Wir sind neugierig, wie die Zuchthausvorlage gegen akademischen Terrorismns und die„Denkschrist" ausfallen wird.— Die Fürsorge der fächfische« Behörde» für die Gocial- demotraten ist schier unbegrenzt. Wurde da neulich in Aue eine Ber- sammlung angemeldet, die, weil ein Lokal nicht zu haben ist. in einem Gatten abgehalien werden sollte; diese wurde verboten unter einer Begründung, welche wert erscheint, der breitesten Oeffentlichkeir bekannt zu werden: Die für Sonntag, den v. Juli im Gartengrundstück Mehnert- sttaße 42 zu Aue geplante Abhaltung einer Volksversammlung wird aus folgenden Gründen verboten: DaS Grundstück hat nur einen zwei Vleier breiten Zugang von der Mehnertslraße, der überaus steil ist, da das Terrain der Mehnettstraße ungesäbr sechs Meter höher liegt al« da« Grundstück. Infolgedessen ist nicht ausgeschlossen, daß bei der zu erwartenden zahlreichen Be- t e i l i g n n g auf diesem Zugang Bedränge entsteht, wobei sich leicht Unglücksfall« ereignen können. Hierzu kommt noch, daß durch die Ansamnilung der Menschen aus dem Grundstück den Bewohnern deS Heydenfchen und der beiden Mehlhornschen Häuser die Zugänge vollständig versperrt werden, da diese nur den einen Eingang von der Mehnettstraße haben. Weiter ist zu befürchten, ogß auf der Mehnettstraße Verkehrsstörungen infolge von Menschenansammlungen ent- stehen, da von dieser Straße da« Grnndstück Nr. 42 teilweise infolge der höheren Lage zu übersehen ist. Dann aber sind auch nicht'Un g lü cks sä ll e dadurch anSges-tilossen, daß unmittelbar an dem Grundstück daS Schwarzwasser vorbeiflieht. ohne daß am Ufer sich ein Zaun befindet und dadurch bei dem zu er- wattenden Gedränge Personen in diesen Fluß stürzen können. Auch befindet sich auf dem Grundftüa eine ungefähr zwei Meter tiefe nicht umzäunte ungefähr zehn Quadratmeter umfassend Grube. Endlich baden auch Bewohner der Häuser, die ihren Zugang über das HanZgrundsiück Mehnertsir. 42 haben, Beschwerde geführt, daß ihr Zugang durch die geplante Verfamm- lung gesperrt würde. Der Rat der Stadt. Ratsassessor Taube. Wie wohlthuend sticht diese rührend« Fürsorge ab von dem Ton, der sonst in den Zeiten deS ZuchtbauSkurseS den Arbeitern gegen- über vielfach angeschlagen loirD. Man erkennt den höflichen Sachsen; in Preußen hätte e« kurz gelautet: Js nich l Für das Urteil späterer Geschichtsschreiber ist diese Perle au« dem sächsischen„Juwel" von unschätzbare»» psychologischen Wert. Allerdings wird der zukünftige Kulturhistoriker eines nicht verstehen und möglicherweise über diesem unlöslichen Problem verrückt werden: Wie reimt e« sich, daß man in demselben Atemzuge, in dem man den Sorialdemokraten Tod und Verderben wünscht, fie zugleich vor dem kleinsten körperlichen Unheil zu bewahren bestrebt ist. Wenn jener Versammlungs- ort wirklich so gefährlich ist, so hätte man doch eigentlich alles auf- bieten müssen, um auf diese Weise ein paar hundert Umstürzler um- konimen zu lassen. Tie bayrischen Landtagswahle». Nach den Nrwahlen wird sich die Abgeordnetenkammer wie folgt zusammensetzen: C e n t r u m 81 Sitze(bisher 73), Socialdenioiraten 11 Sitze(bisher 5>, B a u e.rn b ü n d l e r 7 Sitze; die übrigen 59 Sitze entfallen auf die Liberalen, den Bund ber Landwirte und die Konservativen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die Wahlen der Abgeord- inten noch einige Ueberraschungen bringen. Das Centrum wird die absolute Mehrheit baben, wie es sie schon früher(186V-— 18S3) gehabt hat. Die„Münchener Post" bemerkt, daß das Centrum die Mehrheit insbesondere dem Zu- sammenbruch der BauernbundSbewegung zu ver- danken hat. Was das Wahlbündnis zwischen Centrum und Socialdemokratie in einigen Kreisen anlangt, io sind die Bedenken dagegen sowie die Gründe, durch welche sich unsere bayrischen Parteigenossen leiten ließen, im gestrigen, aus bayrischen Parteikreisen stammenden Leit- artikel dargelegt'worden. Unser Münchener Partei-Organ schreibt noch zu dieser Am geleacnheit:_ „Die„AngSb. Abendztg." mit ihrer edlen Schwester, der„Allgem. Zeiiung" in München, hat das„ininatürliche Bündnis" in München I vor allem mit zeitigen helfen. Gewiß trug auch die vollendete Un- gejchicklichleit der„M. Neuesten Nachrichten" ihr Scherflein zum Ge- deihen bei, allein der Löwenanteil dieses Verdienstes gebührt den zuerst genannten Blättern. Denn man ist in Bayern und namentlich in Südbayern nicht so sentimental, sich durch einige derbe Zeitungs- artikel in seinen politischen Erwägungen beirren zu lassen, allein soweit ist die Cittwicklung bei den katholischen Arbeiterorganisationen doch schon gediehen, daß sie ihr wirtschaftliches Interesse wahrzunehmen gelernt haben. Mit anerlennenswerter Rührigkeit traten sie namentlich in München gegen daS Zuchthausgesetz auf. Und während sie einerseits ihren nicht geringen Einfluß auf das Centrum geschickt auszuüben wußten.— ein Einfluß, der nebenbei bemerkt, wohl auch beim neuen Laiidtagscentmm zur Geltung kommen muß— macht gerade die Haltung der„AugSb. Abendztg." und der„Allg. Ztg." ihnen klar, welchen Fehler sie begangen hatten, als sie bei den Reichstagswahlen für den„Liberalen" Schtvarz sich lirren ließen." Liberale ZuchthauSsreunde. Tie Münchener„Allg. Ztg.", ein Hauptblait deS bayrischen Liberalismus, schreibt: „Man kann es ja dahingestellt lassen, ob in betreff des Arbeits- willigen- Schutzgesetzes noch in diesem Jahre ein Mittelweg, auf dem die jetzt noch aubcinandergeheiidcn Meinungen einander begegnen könne», gesunden werden wird. Aber waS in diesem Jahre n i cht mehr erreicht wird, gelingt vielleicht im folgenden." Zur Fmpfsragr. Ans Elsaß-Lothringen wird uns geschrieben: In dernielbeii Augenblick, wo aus Berlin die Nachricht toinmt, daß die Konwiissio» zur Prüfung der AnsjührungSbesttm- imiiige» zum I m p f g» s etz Vorschläge sormulieri habe zur Beseitigung der bei der Jinpsung wahxaeuommeueu Nebeuwittuugcn. ergreift die amtliche„Straßb. Korrespondenz" zu längeren Aiisjflhrtmgen das Wort, um_ sich über die zahlreichen, zum Teil ernstlichen Erkrankmigen und die vereinzelten Sicttbefälle von Kindern nuszusprechen, welche im Gefolge der diesjährigen Impfungen im Ndchs lande vorgekommen sind und der Presse seit Wochen zu lebhaften Erörterungen Äulaß geben. Das amtliche Organ sucht natürlich die in der Bevölkerung vorhandene Aufregung über jene„Unregel- inäßigkeiten" nach Möglichkeit zu beschwichtigen, muß aber anderer- seits doch zugeben, daß die im Lause des JahreS vorgenommenen Jmpsungcn in den Bezirkelr Ober- und Unter-Elsaß bei einem Teile der Impflinge„eine außerordentlich starke entzünd- liche Reaktion" zur Folge gehabt haben. Nach dem Ergebnis der angestellten Ermittelmigen?ei diese starke Reaktion in allen Fällen auf die Benvendmig von Jnipfsioff(Lymphe) zurückzuführen, welcher gegen Ende des Monats Mai an der Landes- Jmpfanstalt zu" Straßburg von einem bestimmten Kalve getvonnen und in der Zeit vom 2V. Mai bis 6. Juni an 51 Jmpfärztc abgegeben wurde. Die weitere Benutzung dieses Impfstoffes iei auf den ersten Verdacht seiner anormalcu Wirkung hin sofort untersagt worden, wodurch natürlich nicht veirttteden werden koimtc, daß bereit? Taufende von Kindern mit didser schädlichen Lymphe behandelt, mehrere von ihnen in Lebensgeinhr gebracht oder sogar in ein besseres Jenseits befördert ivordcn wäre«. Bei den Erstimpfungen bezeichnen 30 Äerzte, die 4670 Impfungen ausführten, den Verlauf derselben als voll- ständig normal. Die übrigen 15 Aerzte dagegen, welche den er- wähnten verdorbenen Impf st off bei 128V Erst- iMpflingen zur Anwendung brachten, geben an. daß bei einem Teil der Impflinge Erscheinungen aufgetreten seien, die„nicht innerhalb der Grenzen der normalen Reaktion liegen." Diese Angaben wurden durch die mit der Untcrsnchnng beauftragten Medizinalbeamten bestätigt. Es sei nicht möglich geivesen, sagt das aint- liche Blatt, die Zahl der unregelmäßig oerlaiisenen Fälle mit voller Genauigteit anzugeben; von den 1280 Impflingen, die in Frage stehen, seien es aber.höchstens 2V0"(i), welche regelwidrige Erjchcuiungen zeigreu. Daß dies immerhin eine erschreckliche Ziffer ist, wird ivohl niemand bestreiten. In euigehcnder Darstellung beschäftigt sich die„Straßb. Korresp." dann mit den verschiedenen S t e r b e f ä l l e n. die in der Presse auf die diesjährige Impfung zurückgeführt wurden. DaS amtliche Blatt muß dabei indirekt zugeben, daß zwei von den sechs Fällen als eine Folge der Berwendniig der erwähnten verdorbenen Lymphe anzusehen, während die übrigen auf andere Todesursachen zurückzuführen seien. Mag dem sein, wie ihm wolle, so viel geht selbst aus den offiziellen Darlegungen der„Straßb. Korresp." hervor, daß bei den dies- jährigen Jmpsunaen in Elsaß-Lothringen grobe, durch nichts zu entsch n ldigende Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, und daß die unabhängige Presse des Lande« sich ein un- bestrittenes Verdienst erworben hat, wenn sie die Folgen jener Ver- stöße an» Tageslicht gezogen und die Ermittelung der verantwortlichen Beamten gefördert hat. DaS empfindliche Herrenhaus. Ueder die Gerichtsverhandlung, die zur Verurteilung deS Rc« darteure Lobe wegen Beleidigung des Herrenhauses führte, be- richtet die Breslaner„Tagwacht": „Der Angeklagte ivies darauf hin, daß sich der inkriminierte Artikel nicht gegen alle Mitglieder des Herrenhauses, sondern nur gegen die Junker des Herrenhauses richtet, welche den Antrag auf Beschränkung der Freizügigkeit unterstützen. Gegenüber dem Versuch, ein so wichttges Recht, wie die Freizügigkeii für den deutschen Arbeiter ist, zu beschränken, muß ein' Srbeiterblatt energisch protestieren. Zudem haben die Junker im Herrenhause in genau derselben Tonart geantwortet. Wenn wirklich da«, Herrenhaus als Ganzes in Betracht komme, müsse auch berücksichtigt werden, daß diese erste Kammer sich nirgends besonderer Sympathien erfreue, daß Fürst Bismarck und Heinrich v. Treitfchk« in fast gleich scharfer Weise über das Herrenhaus gesprochen haben. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft betont, daß dieser Artikel grobe Beleidigungen enthält. Auch die Absicht zu beleidigen, gehe au» dem tendenziösen Artikel deutlich hervor. Der Schutz de«§ 193 müsse dem AngeNagten versagt werden, da ein individuelle» Interesse für den Ängeklaaten nicht in Betracht komme. Weiter muß aber der Parteistandpunkt des Angeklagten in Betracht gezogen werden, da er systematisch bestrebt ist. diesen Bestandteil unserer monarchischen Regierung, da« Herrenhaus, herabzusetzen. Der Staatsanwalt fügt außerdem noch hinzu. daß die Antwort der Junker im Herrenhause verständlich sei: wie es in den Wald hineinschallt, so schallt e» eben wieder heraus. Die Aiffübrung der Bismarckschen und Treitschkeschen Aeußerungen weise aus nn große« Selbstbewußtsein de» Angeklagten hin, der sich in dieser Weise mit genannten Personen auf eine Stuf« stelle. Diese Aenßermig veranlagt den Verteidiger, Herrn Rechtanwalt Hein, seine Meinung dahin zu aujjcxn, daß wohl auch jeder andere Bürger, und sei es selbst Fürst Bismarck, vor dem Richter- stuhl gleich beurteilt werden würde, wenn er wegen desselben Delikts hier stehe. Auch sei die Ucberzeugung, daß das Herreuhaus in seiner heutigen Verfassung überflüssig ist, nicht bloß bei Socialdemokraten vorhanden und die' Angriffe richten sich in erster Linie nur gegen das Bestehen der Institution als Teil unserer Gesetzgebung, seien aber durchaus nicht als Beleidigung aufzufassen. In der Hauptsache aber richte sich der inkriminierte Artikel gegen die Junker des Herrenhauses. nicht gegen die gesetzgebende Körperschaft, deren Strafantrag mithin hinfällig sei. Der Angeklagte habe als Redacteur eines Blattes für die werkthätige Bevölkerung ein individuelles und ein sittliches Interesse verfochten, wenn er die Beschränkung der Frei- zügigkeit bekämpft, deshalb müsse ihm der Schutz des§ 193 zugebilligt werden.» Das Gericht erkannte zedoch dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf einen Monat Gefängnis. In der Begründung wurde festgestellt, daß der Artikel beleidigende Wendungen gegen das ganze Herrenhaus enthalte, auch die Absicht tendenziöser Ver- hetzung erkennbar sei. Daß der Angeklagte unbestraft war, ist ihm nicht mildernd anzurechnen, da die alte Tendenz der„Volkswacht" auch jetzt weiter verfolgt werde, die schon oft mit dem Slrafrichter Bekanntschast gemacht habe. Der Schutz des Z 193 komme Genossen Löbe nicht zu Gute, da der Artikel in der Form der Kritik in gröb- licher Weise verstößt. Trotz des Breslauer Urteils dürste aber nach' wie vor die An- schauung der Herrenhäusler, die Menschen wieder zu Sachen ent- würdigen wollen und aus niedrigstem Egoismus freien Staats- bürgern das Grundrecht der Freizügigkeit zu rauben trachten, als unsittlich bezeichnet werden, oder die Ethik muß sich selbst aufgeben. Wenn die Herrenhäusler den Vorwurf einer unsittlichen Handlungsweise beleidigend finden, so können sie nichts Anderes thun. um sich davor zu bewahren, als solche im Kultursinn unsittlichen Handlungen und Pläne zu unterlassen. Preußen war einst stolz daraus, rn den Anschammgen des großen KönigsbergerPhilosophenseinc Söhnezu erziehen. Seine„Wiedergeburt" verdankt es gerade dieser sittlichen Schule. Das Junkertum hat heute noch die moralischen Anschauungen, die es bei— Jena bewährt hat; im Kamps gegen diese Moral der Versklavimg wuchs die frei- beitliche Volksbewegung am Anfange des Jahrhunderts empor. Die Geister von damals sind in der bürgerlichen Gesellschaft von heute auch geistig tot. Wenn Fichte heute unter uns träte, er würde es ' nicht begreifen, wie jemand, der die Moral der Leibeigenschaft als die Moral der Unsittlichkeit bezeichnet, auf einen Monat ins Ge- fängniS gesperrt wird."— „Friedenskonscrenz". Die„Köln. Ztg." veröffentlicht einen Artikel, wonach die Beratungen der zweiten Kommission der inter- nationalen Friedenskonferenz, die die Gesetze und Bräuche des Landkrieges betrafen, nach langwierigen Verhandlungen beendet sind. Der Bericht Rolin-Jaeguemins schildert den Gang der Verhandlungen, dem der russische Entwurf und die Brüsseler Akte vom Jahr 1874 zu Grunde lagen. Letztere hatten bisher keine Rechtskraft. Auch die jetzt angenommenen Beschlüsse sind nur der Versuch eines Vorschags zur Kodifizicrung des Kriegsrechts. Das Blatt teilt hiernach die Feststellungen der Kommission über folgende Punkt mit: 1. Militärische Autorität auf besetztem feindlichen Gebiet; 2. An- erkenuung als kriegführende Partei; 3. Mittel, um dem Feinde zu schaden; 4. Belagerungen und Beschießungen; ö. Spione; 6. Kriegs- gefangene; 7. Kranke und Verwundete; 8. Militärische Gewalt über Privatpersonen; 9. Kontributionen und Requisitionen; 10. Parla» mentäre, Kapitulationen und Waffenstillstand; 11. Internierte Krieg- führende und Verwundete bei Neutralen. Für weitere Kreise von Interesse erscheint nur der dritte Ab- schnitt über die Mittel, dem Feinde zu schaden. Hierüber sagt der Bericht: Entsprechend den früheren Vorschlägen der Brüsseler Konferenz wurde die Anwendung von Gift oder vergifteten Waffen, die Tötung eines Feindes, der die Waffen niedergelegt hat, die Drohung, keine Gnade zu üben, und endlich„die Verwendung von Waffen, Wurfgeschossen oder andern Materialien, die über- f lü s s i g e S ch m e r z e n erzeugen können, sowie der verbotenen Wurfgeschosse" untersagt. Die in Gänsefüßchen wiedergegebene Be- stimmung führte zu langen Verhandlungen. Hierzu harte England deantragt, daß die Verwendung von Geschossen, wie die Dum- dumkugeln, im Kampfe gegen wilde Nationen erlaubt sein sollte, doch fand es auf keiner Seite Unterstützung. Sodann lag ein Vorschlag vor, wonach die Staaten auf vorläufig b Jahre darauf verzichten sollten, die augenblicklich gebrauchten Ge- wehre durch neue zu ersetzen. Etwaige A e n d e« r u n g e n sollten sich auf den Typ und Kaliber nrcht er st recken und nur nebensächlicher Art sein dürfen. Außerdem beantragte Rußland, daß für die Schwere des Gewehrs, das Kaliber, das Geschoßgewicht, öie Anfangsgeschwindigkeit und die Feuergeschwindigkeit gewisse Grenzen festgesetzt werden sollten, innerhalb deren jeder Staat Ver- besserungen vornehmen dürfe. Beide Anträge wurden ab- gelehnt, und zwar unter dem Eindruck von Äusftihrungen, durch dte nachgewiesen wurde, eine wie ungeheuere technische Schwierigkeit tbrer Durchführung entgegenstände. Selbst wenn man feststellen könnte, welche Acnderungen und Verbesserungen den ThPuS nicht änderten, so ist immer noch der Fall möglich und wahrscheinlich, daß irgend eine Macht ihr Gewehr so verbessert, daß die anderen nachfolgen müssen. Kein Staat kann sich dann dazu ver- pflichten, auf eine weitere Verbesserung zu verzichten, sondern er wird immer danach zu streben haben, sich in den Besitz des augenblicklich besten Gewehre» zu setzen. Hier wurde auch d i e f frage der Kontrolle gestteift, die ja so außerordentlich chwierig liegt. ES wurde denn auch von zwei Vertretern erklärt, eine solche Kontrolle würde eine Beleidigung der Mächte bedeuten. Eine solche ist gewiß von keinem der Vertreter beabsichtigt worden, es bleibt aber die Thatsache bestehen, daß es sich bei diesen Dingen gar nicht um einen absichtlichen Bettragsbruch zu handeln braucht, sondern daß man in der Praxis sehr wohl darüber in Zweifel fein kann, welch« Verbesserungen unter daS Verbot fallen und welche er- laubt find. In diesem Falle giebt es keine Stelle, die den Zweifel in maßgebender Weise lösen kann. Als praktisches Ergebnis bleibt also aus diesem Kapitel nur das Verbot der englischen Dumdum- geschosse(das aber England nicht anerkennt) und ferner noch das Verbot des SchleudernS von Sprengstoffen aus Luftballons.— Ein Socialpolitiker im Kaiserhause. Die„Leipziger V o l k S z t g." widmet unserem Kritiker der Broschüre des Herzogs Ernst Günther über Arbeitsnachweis böse Worte. Ts ivird sogar die Möglichkeit behauptet, er habe bewußt Thatsachen auf den Kopf gestellt. Als solche Thatsache wird die Meinung angeführt, die Broschüre sei schon vor Wochen in der bürgerlichen Presse lobend besprochen worden. Wäre das falsch— darüber wird sich wohl unser Gewährmann noch äußern— um so besser I Dann hat die„Leipziger Volkztg." den Ruhm, wirklich z u allerer st das Lob deS hochgeborenen Socialpolitikers gesungen zu haben. Wir selbst wiffen nicht, ob die„Leipziger VolkSztg." oder unser Kritiker in dem Urteile das richtige trifft; denn wir kennen weder die Broschüre, noch das Maß der kritischen Ansprüche, das der Mitarbeiter der„Leipz. VolkSztg."— hoffentlich nicht derselbe, der daS Berlepsch- Attentat auf die Krankenkassen entdeckte— besitzt. Allerdings haben wir Grund, anzunehmen, daß unser Gewährsmann nicht ganz so genügsam ist, wie der Lobredner unserer Leipziger Kollegin, der anscheinend nichts dabei findet, daß in dieser herzoglichen Pracht- leistung die Bestrebungen der organisierten Arbeiter um Arbeits- nachweise gar nicht erwähnt worden find.— Ausland., Bretschueiderö Verurteilung. — 8t— W i c n. 12. Juli. In Oestreich sind politische Prozcffe nicht so häufig wie im Lande des Zuchthauskurscs, und deshalb erregt die gestern erfolgte Verurteilung des Genoffen Br et schneid er zu sechs Wochen strengem Arrest auch außerhalb der Partei großes Aussehen. Bret- Ichneider ist Sekretär der niedcröstteichischen Landcsorganisation und als solcher das ordnende und leitende Element bei allen Wiener Veranstaltungen. Er hat natürlich auch am letzte» Donnerstag für die Ruhe und Ordmmg gesorgt, die auch so lauge aufrccht.blieb, als die Polizei die Arbeiter in Ruhe ließ. Bretschneider wurde fast in demselben Augenblicke verhaftet, wie Neumann und Adler, und dieses Zusammen- treffen scheint durchaus kein bloßer Zufall zu sein. Man hat viel- mehr in Wien den Eindruck, daß die Verhaftung der be- kannten Genossen beabsichtigt war, daß, wie der amtierende Polizeirat an dem Abend sagte, endlich ein„Exempel" statuiert werden sollte. Die Anklage gegen Breffchneider läutete auf Aufreizung zur Widersetzung; dasselbe Delikt, weshalb Bretschneider wegen der Morgendemonstratton auf der Ringstraße im vorigen Monat bereits zu sechs Wochen Arrest venirteilt worden ist. Int Mittelpunkt der Strafthat stand diesmal etwa?, was wohl noch nie unter Anklage gestellt worden ist: eine Gebärde! Bretschneider soll, so behaupteten die Auklagezeugen, Polizisten und Polizeispitzel, die Arme meinandergeschlossen haben, eibe Geste, von der das Gericht amiahm, daß damit die Massen zum Konzentrieren' aufgefordert worden sein sollen I Dabei ist bewiesen worden, daß Bret- schneider die Arbeiter ausdrücklich zum Schwarzenbergplatze dirigiert hatte, dem einzigen großen Platze, zu dem der Zugang von der Ring- straße nicht abgesperrt war! Alles das nutzte nichts, und das Landesgericht erkaimte thatsächlich, daß mit der Armbewegung die Arbeiter zur Widersetzung gegen die Wachleute aufgefordert werden sollten I Diese Verurteilung hat unzweifelhaft denselbeit Ursprung, aus dem die Verhaftung stammt; es ist ein Tendenzurteil, wie nur je eines da war. Wie sich hier die Justiz ganz in den Dienst der Lueger- scheu Politik gestellt hat, geht daraus hervor, daß sich der Staats- anwalt gestern— eingestandenermaßen rite Auftrag— der EntHaftung Brctschneiders widersetzte, weil der Verurteilte als Mitglied einer internationalen Partei flnchtverdächttg sei! Da nun über die er- hobene Nichtigkeitsbeschwerde der Käsiationshof erst etiva im November verHandel» wird, so würde die Fortdauer der Untersuchungshaft einfach der Vennchtung des Appellationsrechtes gleichkomme�. Das war nun selbst dem sonst gefügigen Gerichte zu dumm uno beide Instanzen lehnten das Anfimicn de« Staatsanwalts, der be- zeichnendcrweise der Schwiegersohn des Justizministers ist, ab, so daß Bretschneider heute endlich aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist. Der ganze Verlauf der Sache zeigt aber deutlich die Absicht; von der Verhaftung angefangen ist alle? rite Auftrag und nach einem Plane vollzogen worden. Die Regierung läßt überhaupt alle östreichischen Polizeikllnste für Herrn Lueger mobilisieren. So wurde die für morgen an» beraumte Prolcstversammlimg der Liberalen gleichfalls verboten. Nützen thun diese Streiche freilich wenig; die östreichischen Besetze sind schon so, daß sich zu jeder Hacke ein Stiel finden läßt. So tagen heute zwei socialdcmokratische Versammlungen und wird die morgige als Versammlung von Vereinen tagen, über die der Behörde kein Verbotsrccht zusteht. Immerhin muß man sich noch auf manche Ueberraschungen gefaßt machen.— Schweiz., Zürich, 12. Juli.(Eig. Ber.) Die Ablieferung der letzten noch ausständig gewesenen Unterschriftenbogen hat die Zahl der Unterschriften, für beide I n i t i a t i v b e g e h r e n noch um einige Tausende erhöht, so daß 64 6S7 Bürger die Proporttonal- Wahl des Nationalrats und 63167 die Bollswahl des Bundesrats verlangen. Berücksichtigt man alle Schwierigkeiten, die mit einer so ausgedehnten Unterschriftensainnilung verbunden sind, so kann man mit dem Ergebnis ganz wohl zufrieden sein.— Bern, 12. Juli.(Eig. Ber.) Am 16.. 13. und 17. ds. Mts. findet hier die Generalversammlung neb st Centralfe st des schweizerischen Grütlivereins statt, wobei wichtige oolitische Fragen erörtert, daneben ober auch bon den Sektionen des Vereins gesungen, geturnt und geschossen wird. Dieselben halten ferner ihre besonderen Delegiertenversammlungen ab. Desgleichen die Kranken- und Sterbekasse des Bereins. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung des Hauptvereins stehen u. a.: die Revision des Fabrikgesetzcs, die Einführung des staatlichen Getreidemonopols, Absckiafiuug der polittschen Polizei, Reorganisation der locialdemokratischen Partei sc. Bezüglich der letzteren Angelegenheit, die feit einigen Jahren diskutiert wird, beantragt das Centralkomitee des GrütlivereinS, der Generalversammlung im Hin- blick auf die in Aussicht stehende Neuttaltsicrung des Gewerkschafts- bundeS und im weiteren Hinblick auf die Notwendigkeit, die lokalen und kantonalen Organisationen der Socialdemokratie weiter zu stärken, was besonders durch die Kräftigimg der bestehenden und Gründung neuer Sektionen des Grütlivereins geschehen sollte, sowie im Hinblick auf das bereits bestehende. Recht des Grütlivereins, durch sein Ecnttalkontitee gemeinsame Besprechungen von Delegierten und Vertrauensmännern gesiimungSverwandter Organisationen und Gruppen zu veranstalten— in die Frage einer Reorganisation der socialdemokratischcu Partei der Schweiz dermalen.nicht ein- zutreten.— Der Grütliverein zählte Ende 1893 in 324 Sektionen 11 118(Ende 1897: 10 919) Mitglieder. Der VereiitSselretär, Genosse Wu lls chle.g er, hielt im verflossenen Jahre 66 Vorträge ab, Der Grütliverein ist immer noch die stärlste und rührigst« politische Orga- nisation der Schweiz. Krankreich. Parts, 13. Juli. Das Kriegsgericht in Rennes tritt am 18. August zusammen. Der Krieg«minister erklärte im Namen der'Regierung. daß sie sich nicht in die Angelegenheiten des Kriegsgerichts zu Rennes einmischen werde und dem Regierungskommisse r volle Freiheit und Verantwortlichkett überlasse.— Rustland. Der Tod deS Thronfolgers scheint, wie das im Hanse Romanow traditionell ist, nicht ganz natürlich gewesen zu sein. Wie die«Schlesische Zeitung" meldet, stü.rzte der Großfürst-Thron- folger Georg von Rußland am Sonntag früh bei einem Ausflug in die Berglandschaft bei Abbas-Tuman so unglücklich vom Rade, daß er nach heftigem Blutverlust an Ort und Stelle verschied.— Serbien. Belgrad, 12. Juli. Für die Zeitungen wurde von heute ab die Präventivceusur eingeführt.— Zur Transvaal-Krise. Heute— Freitag, den 14. Juli— tritt in K a p st a d t daS Par- lament der englischen Kapkolonie zusammen. Es wird— gerade wie das englische Parlament— mit einer Thronrede eröffnet, die im Namen der Königin vom Gouverneur der Kolonie, Sir Alfted Milner verlesen wird. Sir Alfred Milner hat bekanntlich die frucht- losen Berhandlungen mit Krüger geführt. Er ist nun in einer 'eltsamen Lage. An der Spitze seiner eigenen Regierung, hinter der die Mehrheit des Kap-Parlaments steht. befindet sich Mr. Schreiner, welcher erfolgreich. mit den Boeren unter- handelt und sie zur Annahme eines Vergleichs bestimmt hat, den er für genügend erklärt und für den er einzutreten entschlossen ist. DaS englische Reaierungsorgan, der„Standard", erkennt heute rückhattlo« an, daß die« eine sehr„ungllickliche"(uukortnuete) Lage für dt« Ansprüche der„UttlanderS" ist. Kein Zweifel da« vorgehen des Führe rS'dtr„ A fri k a n d er d. h. der in den englischen Kolonien Südafrikas geborenen Staatsbürger holländischer Abkunft, die namentlich im Kapland die Mehrheit der Bevölkerung bilden— ist däs denkbar„miglücklichste" Ereignis für die Abentenrerpolitik Chamberlains. Das holländische Element in Süd- afrika tvar—■ ähnlich wie in Amerika— von Anfang an stärker als das stammverwandte englische, mit dem es sich nur langsam aussöhnte. Vor dem Auftreten des R h o d e s schien die Ver- schmelzung erfolgt zu sein, allein die imperialistischen Jingopläne des„afrikanischen Napoleon" riefen den Gegensatz wieder wach. Und heute steht die Sache so: daß die englische Regierung, wollte- sie an die Gewalt appellieren, nicht bloß Transvaal und die Oranje-Republik, sondern auch daS gesamte A f r i k a n d e r- Element der englischen Kolonien Südafrikas gegen sich haben. Und das wäre kein„kleiner Krieg" mehr. Das konnte sehr leicht, wie der Pariser„Temps" Herrn Chamberlain warnt, ein langer Krieg auf ausgedehntem Kriegsschauplatze werden. ähnlich dem Krieg der Engländer gegen die Amerikaner vor 130 Jahren, der zur U n a b h ä n g i g k e i l der amerikanischen Kolonien und zur Bildimg der Vereinigten Staaten von Nord- amerika führte. Herr Ehamberlain wird sich das wohl überlegen. Von verschiedenen Seiten ist geltend gemacht worden, daß England der Boerenrepublik gegenüber eigentlich die moderne Civilisation vertrete. Das ist insofern richtig, als England in seiner ökonomischen, politischen und geistigen Entwicklung zweifellos weit übet' der primitiven Boerenrepublik steht. Allein die Civilisation giebt doch nicht das Recht des Unrechts— sie legt im Gegen- teil die Pflicht des Rechts auf. Die Ausrottung der so- genannten„Wilden" durch„Eivilisierte" galt allezeit als ein Schand- fleck der Civilisation, und die Boeren sind wahrhastig doch auch eivilisierte Menschen, wenn sie schon keine Großfabriken und Schivindelbanken in ihrem eigentlichen Lande haben. Fabriken, Bergiverke und Schwindelbanken sind nur am„Rande" der Republik �— im Grenzgebiet, dessen Hauptstadt Johannisburg, das Hauptquartier der„Uitlanders" ist. Und diese„Ilitlanders" sind großenteils zivar Produkte unserer modernen Civilisation, aber zu- gleich deren Auswurf. Das Gesindel, aus welchem die Räuber- bände Jamesons bestand, ist doch gewiß an Civilisation den zwar altväterlichen, aber freien und die Rechte keines anderen Staates antastende» Boeren nicht überlegen. Und wenn die englischen„Uitlanders" sehr fragwürdige Re- Präsentanten der Civilisation sind, so hat die englische R e gi e r u n g s e l b st sicherlich keine besonders schöne Probe von Civilisation ab- gelegt, indem sie ihr Reich auf die wunderwrrkenden D u m- D u m- Kugeln, die den Getroffenen von innen in Stücke reißen, ge- stellt hat. Wir danken für diese Mordkultur. Die Vorschläge der TranSvaal-Regierung liegen jetzt in ge- nauerer Fasjung vor. Ein Telegramm aus Pretoria vom heutigen Tag besagt darüber: Der abgeänderte Entwurf bezüglich des Wahlrechts, der gestern dem Volksraad unterbreitet wurde, besteht auS 10 Arttkeln. Der erste Artikel bestimmt, daß jeder männliche Ausländer, welcher das siebenzehnte Lebensjahr erreicht hat, die Naturalisierungs- Urkunde erhalten kann, wenn er während eines bestimmten Zelt- raums in Transvaal gewohnt hat, ohne zu einer entehrenden Strafe verurteilt worden zu sein, und wenn er gelvisse Be- ' dingungen bezüglich der Steuerzahlung erfüllt. Die folgenden Artikel bestimmen, daß die Naturalisierung nach einem zweijährigen und daS volle Wahlrecht nach einem fünf- jährigen ständigen Aufenthalt im Lande eintreten kann. Die Ausländer, welche in Transvaal vor der Veröffentlichung des Gesetzes gewohnt haben, können das volle Wahlrecht neun Jahre nach ihrer Ankunft oder fünf Jahre nach der Veröffentlichung des Gesetzes erlangen, es sei denn, daß sie schon früher wenigstens 7 Jahre lang im Lande gewohnt haben. Die Bürger, welche früher schon nattiralisiert worden sind, können daS volle Wahlrecht fünf Jahre nach der Naturalisierung erlangen. Die Söhne� der neuen Bürger befinden sich in der Rechtslage ihrer Väter. Die in Transbaal geborenen Ausländer können im Alter von 13 Jahren naturalisiert werden, um im Alter von 20 Jahren das volle Wahlrecht zu erhalten. Nur die Weißen können das Wahlrecht erlangen._ Dttvkei-NaFzvrchten» Parteilittcratur. Die erste Auflage der„ZuchthanSvorlage vor dem Reichstage" ist innerhalb acht Tagen vollständtg vergriffen worden. Soeben erschien zum gleichen Preise(26 Pf., Porto 10 Pf.) eine zweite Auflage, deren Inhalt noch oft: in ehrt wurde durch Einfügung des Wortlautes des„Entwurfs eines Gesetzes zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältniffes", wie be- kanntlich die Zuchthauöborlage offiziell betitelt wurde. Sonderbare Unterhaltungsbeilagen haben verschiedene Partei- blätter, deren Namen lvir hier nicht nennen wollen. Eine dieser Beilagen betitelt sich„Welt und Zeit" und ist offenbar für Amts- blätter und„parteilose" Zeitungen bestimmt. In einem einzigen Exemplar finden wir eine lakaienhafte Retlamenotiz über eine„fürst- liche Ehe" und eine dito für den neuesten Staatssekretär des Aeußer», Herrn von Blllow. Ueber den sonstigen Inhalt wollen wir uns nicht auslassen. Er läßt sich nach dem Gesagten erraten. Jedenfalls passen solche Unter- Haltungs-Bcilagen nicht für socialdemokralische Blätter, zu deren Inhalt der ihrige im schärfsten Widerspruch steht. Warnmtg! Tie„Bielefelder Volkswacht" schreibt: Im April d. I. wurde folgende Warnung erlassen: „Die Parteigenossen allerorts und namentlich die Vertrauens- Personen werde» hiermit vor einem jungen Manne, angeblich Kaufmann und ftüher Redacteur der„Vogtländischen Volkszeitung" in Falkenstein gewarnt. Derselbe will sich auf der Flucht befinden und sucht zum weiteren Fortkommen das Mitleid der Vertrauenspersonen und Parteigenossen zu erwecken. Während er dem Dresdener Vertrauensmaim mitteilte, er nwlle nach Belgien, hat er einem anderen Genossen, den er auch noch um Geld beschwindelte, erzählt, er wolle nach Frankfurt a. M. Die Genossen seien deshalb vor diesem Schwindler, der Karten auf den Namen Wichmann bei sich führt, gewarnt." Am Sonnabend wurden tvir von einem Wiedemann um Unterstützung angesprochen. Wiedemann stellte sich uns als früherer Redacteur der„Vogtländischen Volkszcitnng" in Falkenstein vor und gab an, wegen einer zu erwartenden Strafe wegen Beleidigimg vor 4 Monaten, also im April, sich nach Belgien gewandt zu haben, da er dort aber nicht ein entsprechendes Unterkommen gefunden habe, wolle er sich in Falkenstein der Behörde stellen, und um nun dorthin per Bah» gelangen zu können, ersuchte er iins um Unterstützung. Im Sommer vorigen Jahres hat dieselbe Person schon einmalstch in dieser Gegend aus- gehalten und den Genossen Geld abgeschwindelt. Dieser Wiedemann und der in der Warnung vom April genannte Wichmann ist wahrscheinlich ein und dieselbe Person. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß der- selbe wieder mtter einem anderen Namen bei Genoffen vorspricht, möchten wir zur besonderen Vorsicht ermahnen. Der fragliche Wiedemann ist schlank, ziemlich groß, hat längliches Gesicht, schwarzes Haar und trägt einen grünlich-gelb-karrierten Anzug. Also Vorsicht I 3« den sächsische» Landtagswahlen nahm eine Partei. Versammlung in Crimmitschau Stellung. Nach einem Referate Geyers- Leipzig wurde Stolle- Gesau als Kandidat in Vor- schlag gebracht und ein Wahlkomitee gewählt. Ein Flugblatt, betitelt: Ins Zuchthaus mit. den Hetzern, ist in Hamburg in etwa 8000 Exemplaren im Hafen auf etwa 2300 Schiffen und kleinen Fahrzeugen verbreitet worden. Die Verbreiter brauchten hierzu fünf Barkassen und etwa zwanzig Jollen. Polikriliches, Gerichtliches nstv. � Sountagsentheiligung sollten eine Anzahl Parteigenossen in Lehe begangen haben durch die Verbreitung eines Flugblattes gegen die Zuchthausvorlage. Sie waren sistiert worden und der Staatsanwalt hatte Anklage erhoben. Der Liebe Müh war aber in diesem Falle umsonst, das Gericht lehnte die Eröffnung des Haupt- Verfahrens ab._ GvmevKMstf tliitzes. Berlin und Umgegend. Achtung, Schmiede! In C h a r l o t t e n b u r g und Gesellen Differenzen ausgebrochen.' den Meisten» hatten, trotz des Versprechens, an» 11. d. M. eine deffnitive Autwort zu � geben aus die ihnen seit Wochen unterbreiteten Wünsche der Gesellen, ain 12. abends noch nicht geantwortet. Es handelt sich um die Forderung einer Aehiistiindigen Arbeitszeit und Abschaffung des -Kost- und Logisweiens, oder vielmehr Ilnwesens, bei den Meistern; Forderungen, von denen der Obermeister selbst zugab, daß sie bescheidener Natur und leicht drirchführbar seien. Aber auch die Kleinmeister, denen oft kein Hammerstiel in der Sckuniede gehört, wollen.Herr in» eigene» Hause" sein. Zuzug ist fernzuhalte». Bergolder. Die Vcrtrauc»islcute der einzelnen Wcrlstellen werden hiermit aufgefordert, Listen für die streikenden Arbeiter Dänemarks beim Vertrauensmann zu erheben und in Umlauf zu setzen. Auf Wunsch werden die Listen portofrei zugesa>»dt. Lange, Zeughoffstr. 22. Deutsches Reich. Achtnug, Glas- und Porzellanmaler! Bei der Firma Otto Vogt in K a m e n z(Sa.) sind Differenzen ausgebrochen, fünf Kollegen wegen Vcrbandszugehörigkeit ausgesperrt. Keiner gehe nach Kamenz. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Der Vertrauensmann, 730 Maurer legten am Mittwoch in Düsseldorf die Arbeit nieder. Die Forderungen sind lOstirndige Arbeitszeit und 50 Pf. Stundenlohn. Etwas über 100 Maurer arbeiten nur noch. Die Haltung der Streikenden ist eine inustergültige. Bis mittags 11 Uhr halten bereits fünf Meister die Forderungen schrifi- lich beivilligt. Zuzug fernhalten. Die Zimmermeister von Frankfurt a. M. hatten dem Streik- komitee mitgeteilt, daß sie den Lohnfordeningen(50 Pf. Stundenlohn) nicht zustimmen könnten. Die Zinimercr beschlossen darauf. den Streik so lange fortzusetzen, bis mich diese Forderung beivilligt sei. Bei den Unternehmer»», welche die Forderungen der Streikenden bewilligt haben, arbeiten jetzt insgesamt 170 Mann, während 190 Ab- gereiste außerhalb beschäftigt find. Zu unterstützen sind, mit den- jenigen, die bei den misivärtigen Meldestellen als arbeitslos ver- zeichnet sind, gegenwärtig noch etwa 35 Streikende. Die Stimmung der Ansständigen ist fortgesetzt gut. Die Würzburger Bärkcrgescllen hatten bei ihrer letzten Lohnbewegung viele Geheimnisse der Backstuben aufgedeckt und sich so unzweifelhaft auch um das Publikum verdient gemacht. Infolge der Angaben der Gehilfen über die in Backstuben vorkommenden Schweinereien hat die Negierung eine scharfe Kontrolle angeordnet »md ist gegen eine ganze Reihe Bäckermeister Strafanzeige erstattet worden. Vor kurzen» w»irde ein Bäckermeister, der einen mit der sogenannten Bäckerkrätze behafteten Gesellen beschäftigt hatte, von» Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 45 M. verurteilt. Ausland. De« Achtstnndentag haben sich die Holzbildhauer in R e u p e st, die bisher eine zehn- bis zivölfstündigc Arbeitszeit hatten, erningen. Die Ncnpestcr Holzbildhauer, die für die doriigen, den Bndapester Möbelhändlcrn üagcrarbcit liefernden Tischler arbeiten, verfertigen zumeist schablonenhafte Arbeiten bis henmter zi» jener Schundivare, die niit der Strafhausarbcit konkurrieren muß. Bis vor krirzenr unorganisiert und unter„patriarchalischen" Arbeits- bedingungen rackernd, haben die Neupester Holzbildhaner-Gchilfen (40 an der Zahl), von ihren Bndapester Kollegen beeinflußt, sich aufgerafft und sind vor zivei Wochen i» d en Streik g e- treten. AuSschrcitnngcn ansständigcr Arbeiter werde»», wie wir bereits im Depeschcnteil der gestrigen Nummer kurz mitteilten, aus Brünn gemeldet. Danach sollen in dem Fabrikorte L h o t t a bei Brünn die Arbeiter in eine Spinnerei cingedrnngcn und die Arbeitenden mit Gewalt zu sofortiger Arbeitseinstellung gezwungen haben. Dabei sind die Treibriemen zerrissen und die Maschinen zun, Slillstchcu gebracht worden. Nachdem die Streikenden noch vom Fabrik- cigcutüiner unter Drohungen mit Totschlag und Zerstörung der ganzen Fabrik die schriftliche Erklärung erpreßt hatten, daß er nicht arbeiten lassen werde, entfernten sie sich. Eine ivcitere Gcivaltthat »bürde dadurch verübt, daß sie einen mit Wolle bcladcnen Wagen in den F l»» ß st ü r z e n wollten: nur aus die flehende Bitte des Kutschers ließen sie davon ab. Sechzig Ausständige sind dem Gerichte eingeliefert»vordcn. Der Streik der cn. 400 Stctnhaner in Zürich dauert fort, nachdem das Eiuigungsverfahren vor den» Einignngsanit an dem bösen Willen der selbstherrlichen Unternehmer scheiterte. Die Forde- rungen der Arbeiter sind: Ausstellung eines Lohniarifs mit Jnkraft- treten ain 1. September 1899, bis dahin minimaler Stundenlohn von 60 Cts. für gute, und von 50 Cts. für schwächere Arbeiter, keine Maßregelung, Fertigstellung unvollendet liegengebliebener Werkstücke durch dieselben Arbeiter, die sie begonnen haben. Tie Unternehnler steifen sich auf den 1. Januar 1900 als Termin für das Inkrafttreten des Tarifcs und sodann lehnen sie den Minimallohn ab. Obivohl sich bereits einige„Streikbrecher-Schuftcrli" gefunden haben, schrillt die Sache der Arbeiter nicht schlecht zu stehen. Der dänische Schuhmachcrstrcik wurde durch Vergleich be- endigt. Der Vergleich bedeutet eine Lohnerhöhung von 25 Proz. oder eine Steigerung des Wochenverdienstes um 4—5 Kronen. Sociales. Eine Verminderung der Zahl der Bau-Unfälle ist nach dem Verwaltungsbericht der Nordöstlichen Baugeivcrks-BerufSgenossen- schaft für das Jahr 1898 zu konstatieren. An Unfällen sind im Jahre 1898 zur Anzeige gelangt 7694 gegen 7274 im Jahre 1895. Dies würde eine Vermehrung um 420 bedeuten. Da aber die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeiter 171 576 einschließlich der Selbst- Versicherer betrug, so entfällt ein Unfall auf 22,30 Arbeiter im Jahre 1898 gegen 22,33 in, Jahre 1897. 22,98 im Jahre 1896, 24,3 in» Jahre 1895 und 27,17 im Jahre 1894. Ausdehnung des Logis- und Zchlafstellenwcsens in Preußen. Bei den Bestrebungen, durch ein Rcichswohnungsgesetz auch für die ärmere Bevölkerung Wohnungen zu sichern, die in Bezug ans Raum, Luft und Licht den Forderungen der Hygiene und Sitt- lichkeit entsprechen, ist es notivendig, den Umfang kennen zu lernen, den das Schlafgänger- und Logiswesen angenoinmen hat. Nach den Ernlittelungen des Preußischen statistischen Bureaus stellt sich der ans Zimmcrabmieter(Aftermieter, Chambregarnisten, Logis- leute) und Schlafgänger entfallende Anteil der in Familien- haushalwngen lebenden Bevölkmmg für die einzelnen Landesteile, filr Stadt»nd Land und für einzelne Großstädte sehr verschieden. Unter je 1000 männlichen beziehnngsiveise iveiblichen in Familien- banshaltimgen gezählten Personen waren nämlich bei der letzten Volkszählung: Bei der»lännlichen Bevölkerung Ziminer- C laf- abmieter im preußischen Staate.... 28,6 in allen Städte»...... 50,4 in den Landgemeinden und Guts- bezirken........ 14,7 g...iger 7,0 5,2 1.7 Bei der weiblichen Bevölkerung Zimmer- Schlaf- abmieter 8,3 12,0 5,8 gänger <8 0,6 Die bedenklichere Form des Zusammcnwohneus»n einer ge meinschoftlichen Wohnung, das Schlafgängerwesen, ist in vielen großen Städten recht stark verbreitet, in» aligemeinen aber doch nicht so stark, als das Zimmerablnieten. Nur in Berlin ist das umgekehrt. Hier giebt es weit mehr Schlafgänger, männliche ivie weibliche, als Zimmerabmieter. Es kanien in Berlin auf 1000 in Familienhanshaltungen gezählten Personen 77,2 männl. und 23,6 weibl. S ch l a f g ä n g e r, dagegen mir 48,8 männl. und 1,53 weibl. Zimmerabmieter. In keiner anderen Stadt oder Gegend ist die Vcrhälwiszahl der Schlaflcute auch nur halb so groß, als die in Berlin vorhandene. Am nächsten kommen Berlin die größeren Nachbarorte der Kreise Teltow»md Niederbarnim, ferner Spandan, Königsberg i. Pr. und Charlotten bürg. Bedenkt man, daß in solchen Schlafgängerwohinmgen oft 6, 8 und 10 Personen ein Zimmer beivohnen, Kinder und Er- »vachsene, oft mich verschiedene Geschlechter zusammen, sv fühlt man, ivie bedauerlich es ist, daß die Ncichsregierimg beschlossen hat, die Vorlage eines Reichs- Wohnungsgesetzcs auf spätere Zeit zu ver schieben. „Uin eine neue Beunruhigung weiter Kreise zu ver hüten", hat der Dresdener Stadtrat eine Erweiterung der Sonntagsruhe fiir ka»» fniän nische Ange st ellt abgelehnt. Diese geforderte„Erweiterung" bedeutete durchaus nicht etiva eine radikale Durchführung der Sonntagsruhe, sondern hätte eine solche erst eiuigerniaßen der Rede wert ge macht. In Dresden besteht i'iämlich die Einrichtung, daß an Sonntagen verschiedene Branchen unter den Ladengeschäften am Abend zun» drittenmal a>n Tage öffnen dürfen. Man kann in» deutsche» Vatcrlande lange suchen gehen, ehe man eine solche riickständige Einrichtung, deren sich die sächsische Hmipt- und Residenz stadt zu erfreuen hat, wieder findet. Daß den Angestellten in diesen Geschäften jede wirkliche Sonntagsruhe unmöglich gemacht wird, daß sie die zwischen den drei Oeffnnngszeiten verzettelten Ruhe- stunden zu Ausflügen kaum vertvenden können, liegt a»if der flachen Hand! Die Stadtverordneten haben das Beschämende dieses rück ständigen Zustandcs für Dresden denn auch einsehen muffen— eine Petition auf Abschaffung der Abeiidverkaufsstunde an den Sonn- tagen gab ihnen zu Anfang des Monats März die Veranlassung den Rat zu ersuchen, die Ladcngcschästszeit i,n allgemeinen — für Wcihnachts- und Jahrmarktszeiten sollten Ausnahmen vorbehalten bleiben— auf die Stunden von früh 1/2r bis'A9 Uhr und von vvlmittags 11 bis nacknnittags 2 Uhr fest zusetzen. Auch der Wohlfahrtspolizei-Ausschuß hat diescin�lntrag befürwortet. Die höchste Instanz, der Stadtrat, dagegen entschied trotzdem, wie oben angegeben. Eine Enquete über die Heimarbeit in der KonfektionS industrie in bestreich ist seitens des ö st r e i ch i s ch c n st a t i st i scheu A m t e s aufgenommen worden. Der Ministerialdirektor Dr, Ä a u t s k y gab darüber in der letzten Sitzung des Arbeits b e i r a t s, in dem, wie wir schon früher einmal mitgeteilt haben, auch die organisierten Arbeiter vertreten süid, einen Vorbericht und führte dabei u. a. folgeiides ans: Man habe die Vorerhebungen durch die Handels- und Gewerbe- kämmen» eingeleitet und von fünfundzwanzig Kämmen» zum Teil sehr eingebende Berichte über den Stand der Konfektionsindustrie in ihren Bezirken sowie Vorschläge.über geeignete Auslunftspersonen erhallen. Außcrdcin war es dem Amte gelungen, auch Expertinnen ans jenen socialen Schichten zu gewinnen, für die die Heimarbeit einen Zuschußverdienst zu dem Amtseinkommen des Familienober. Hauptes bedeutet. Von 146 geladenen Experten nommen worden, und zwar 78 Zwischeumeister und Arbeiter. Durch diese Experten seien alle Branchen der Kon?ektio"?industrie und auch deren vor« wiegendste Ccntrcn virtrctcn gewesen. Tic Abbörung der eulzetmm aichieuenen Experten, so fährt der Referent fort, war eine sehr eingehende. Sic verfolgte zweierlei Ziele: Einmal wollte sie die t h a r s ä ch l i ch b e st e h e n d e n Z u» stände an der Hand der dem ArdeitSbeirat bereits bekannten Fragebogen ergründen, und zum zweiten die Urteile der Interessenten über eventuell in Aussicht zu pchmende praktische Maßnahmen hören, wie solche im Alislande bereits getroffen wurden oder, wie die deutsche Novelle zur Reichs- Gewerbe- Ordnung, in jüngster Zeit die Legislative beschäftigten. Der Referent hebt hervor, daß es nicht die Aufgabe eines Vorbcrichtes sein könne, die Fülle des intercssanten Stoffes, die die Enquete nach beiden Richtungen zu Tage gefördert hat, auch nur in weiten Um. rissen vorzuführen. Nichtsdestoweniger versucht er, eine der Haupt sächlichsten Ergebnisse der Enquete herauszugreifen. Der Vorbericht stellt übrigens zur Vervollständigung des durch die Enquete ge wonnenen Bildes auch noch eine Besichtigung von Wohnungen der Heimarbeiter durch Organe des arbeits- statistischen Amtes und eine Bearbeitung der von den Kranken- i a s s c n zu gelvinnenden Materialien über die gesundheitlichen Ver- Hältnisse in der Konfektionsindustrie in Aussicht. Die Ergebnisse der Erhebungen sollen in ausführlicher Weise veröffentlicht werden. Fabrikinspektion in Rußland. Bisher ruhte in Rußland die Aufsicht über das Fabriksweien in den Händen von 171 Fabriks inspektioncn und von einer Anzahl von Fabriksrevisoren. die von der Regierung ftir die einzelnen Gouvernements ernannt, innerhalb dieser, auf m bestimmten Zeiträumen unternommenen Reisen, Unter. suchungen anzustellen, Klagen in Empfang zu nehmen usw. hatten und sich gegebenenfalls der Ortspolizei bediente»». Seft dem 1. Juli ist die Aussicht über die industriellen Betriebe dergestalt geregelt, daß die Oberaufsicht den» Finanzmii»isterinnr»mterstrht. Diele>»eue Oberbebörde für Fabrik- und Hültcnwecks-Angelegenheitcn zählt zu ihren Rlitgliedern auch Vertreter|bc« Ministeriums des Innern und des Ackerbaues. Das gesamte ruisische Industriegebiet soll nunmehr in 6 Ober-Fabrikinspektionen eingeteilt, die Zahl der Fabrikinspektoren aber um 80 vermehrt werden. Statistischen Angaben zufolge stehen zur Zeit unter der Fabrikaussicht 1400000 Arbeiter»md 20000 Etablissements mit 32 500 Kesseln. seien 39 erschienen und einver- 21 Konfektionäre und Versammlungen. Die Böttcher nahmen am Mittwoch in einer öffentlichen Ver- sammlung den Bericht ihres Delegierten zur Gcwertschaflskommisjion entgegen. Dann folgte eine längere Debatte über die gegen- wältigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Es wurde ausgeführt, daß im Jahre 1890 ein Tarif aufgestellt worden ist. seitdem seien aber die Löhne erheblich zurückgegangen, sowohl in de» Brauereien, wie in den Böttchereien. Auch die Arbeitszeit sei eine längere geworden, ja bei den Kleinmeistern sei sie nicht selten eine unbeschränkte. Die Versammlung trat einem Beschluß des Centraivereins der Böttcher bei. welcher dahin geht, daß eine Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Böttcher aufgenommen werden soll, wozq demnächst Fragebogen aus- gegeben werden. Mit der Ausführung der statistischen Auf- nahmen wurden die Vertrauensleute,»velche in allen Werk- stellen zu»vählen find, beauftragt. Hierauf wurde über die aus- wältigen Arbeiten der Kochschen Faßfabrii gesprochen. Wie berichtet wurde, schickt die genannte Firma von Zeit zu Zeit Böttcher nach Schweden, wo dieselben fiir die Firma in Aecord zu arbeiten haben und zwar zu so niedrigen Löhnen, daß es den Betreffenden nicht möglich ist, damit auszukommen. Wer sich weigere, zu den von der Firma festgesetzte» Bedingungen nach Schweden zu gehen, der werde entlasse»». Weiter wurde bemerkt, daß die Kochschc Fabrik nach Schweden billiger liefere, wie die schivedischen Böttcher, so daß also die von Berlii» dorthin geschickten Arbeiter ihren schivedischen Kollegen gegenüber als Lohndrücker benutzt»verde». Aus diesem Grunde, und da die genannte Firma demnächst wieder Arbeiter nach Schweden benötigt, beichloß die Versammlung eine Resolution, worin die Kollegen ersucht werden, die betreffende Arbeit, falls kein angemessener Preis dafür bezahlt wird, zurückzulvcisei», auch»vird in dieser Hinsicht an die Solidarität der schivedischen Böttcher appelliert.— Es»viirde noch mitgeteilt, daß die Innung uin Wahl eines Ecsellenansschuffcs ersucht hat, und soll in der nächsten Versammlung dazu Stellung genommen werden. Ju rincr Versammlung des Verbandes der Kürschner sprach mn 10. Juli Frau M c s ch über das Thema:„Haben die Frauen ein Interesse an der Hebung unserer wirtschaftlichen Lage?" An der Diskussion beteiligte» sich Heitmann und R e g g e. Michaelis gicbt hierauf den Kaffenbericht von» l. Quartal des IV. Jahrgangs bekannt. Danach betrug die Einnahme 148,25 M., der eine Ausgabe von 92,80 M. gegenübersteht. Inklusive des früheren Bestandes verblieben der Kasse 1 001,75 M. Der Vorsitzende be- merkt auf eine dahingehende Ansrage, daß unter den Einnahmen ein Geschenk des Kürschner-Gesangvereins in Höhe von 30 M. sich befindet. Hierauf»vird Schulz alt Revisor gcivählt. Ein Antrag, der dahin geht, den Brüsseler„Kürschner" abzubestellen, zeitigte eine längere Debatte, in deren Verlauf der Vorstand beauftragt wird, sich mit den Hamburger Kürschnern in Verbindung zu setzen behufs Uebernahme der Zeitung. Die Einladung der Metallarbeiter zwecks Beteiligung an einer Konferenz wurde abgelehnt. Nach einer Anregung des Frl. Weigert, eine Enquete über die Lage der weiblichen Mitglieder aufziinehmen, teilt der Vorsitzende noch»nit, daß am Sonnlag. den 16. Juli, ein Ausflug nach Hesjenivinkcl und die nächste Versammlung am 14. August stattfindet. Schöneberg. Die hiesige Zahlstelle des Deutschen Holz- arbeiterverbandes hielt am 6. Juli bei Obst ihre General- Versammlung ab. Von dem angekündigten Vortrag wurde, da zunächst geschäftliche Angclcgci»heilen erledigt wurden, der vor- gerückten Zeit wegen Abstand genommen. In dem HalbjahrSbericht des Vorstandes wird das geringe Interesse der Mitglieder an den Versammlungen bemängelt. Die Werkstatt-Kontrollkommiisioi» konnte in demselben Zeitraum nur eine Sitzung abhalten. Trotz»vicdcrholter Einladungen Ivaren in einer Sitzung von ca. 15 in Betracht toimneiidcn Werkstätten nur 3 vertreten. Die Zahlstelle beschloß, die 10 Pfennig. Streikmarke ebenfalls obligatorisch einzuführen. Mitglieder, die sich hieran nicht beteiligen, haben im Falle eines Streiks kein Anrecht an den» Lokalznschiiß. Mit der Ermahnung an die Amvescndeu, für die nächsten Bcrsannnlungcn gehörig Propaganda zu machen, damit endlich der Schlendrian aushöre, wurde die Versammlung ge- schlössen. Charlottenburg. Eine öffentliche Versammlung der T e xtil- a r b c i t e r nahm am 9. Juli den Bericht über die Verhandlungen vor den» Cinigungsamt des hiesigen Gciverbegerichts betreffs der Differenzen bei der Firma Gebauer entgegen. B l e e ck gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß es den Vertretern der Arbeiter ei» leichtes geive(en wäre, die sämtlichen Forderungen durchzusetzen, wenn die in Frage stehende Arbeiterschaft eine kräftige Organi- sation aufzuweisen hätte. Bei dem mangelnden Verständnis aber, das noch bei vielen für die Organisation vorhanden sei, müßte das Ergebnis der Verhandlungen als zufriedenstellend bezeichnet werden.(DaS Resultat ist bereits in der Sonntag- nummer des„Vorwärts" mitgeteilt.) Redner ersucht die Anwesenden, mehr Interesse fiir die Organisation zu bekunden, damit den etwa gestellten Forderungen mehr Nachdruck gegeben werden kann. o tz k e hielt hierauf einen mehrfach von Beifall unterbrochenen Vortrag, in dem er besonders die Kolleginnen aufforderte, dem Textilarbeiter- Verbände beizutreten. Nachdem noch mehrere Redner in» Sinne des Vortragenden gesprochen, wurden die vor den» EinigungSamt getroffenen Vereinbarungen gutgeheißen. arisch ermunterte die Anwesenden, in Zrtkunft die Mitglieder- Versammlungen fleißig zu besuchen. Letzte UtaiTieutzten und Dopesttzen. Frankfurt a. M., 13. Juli.(B. H.) Die.Frkf. Ztg." meldet aus Nciv Aork: Nacvrichtcn miS New Orleans zufolge»verde» in den nächsten Tage»» deutsche und englische.Kriegsschiffe ,n dem Hafen von Guatemala zu einer gemeinsamen Flottendcmonsttation ein- treffen, da die StaatSgläubiger Guatemalas weder Kapital noch Zinsen erlangen köl»nen. Köln a. Rh., 13. Jnli.(B. H.) Die„Köln. Ztg." meldet aus Belgrad: Der russische Geschäftsträger Marruivoiv zog im Namen seiner lltegierung amtliche Erkundigungen über die Ursache der Verhaftungen, unter den Führern der Radi- kalen und über den Stand der Untersuchung ein. ES scheint, daß im Laufe des heutigen Tages soivohl die russische als auch die österreichische Regierung d a z»v i s ch c n t r e t e n werden. Köln, 13. Juli.(B. H.) Die„Köln. Ztg." schreibt zu dem Telegramm des Kaisers an den Geheimrat Hinzpeter. Auch w»r glauben, daß der Kaiser durch die ablehnende Halmng, auf »velche die ZnchthauSvorlage gestoßen ist, nicht angenehm berührt »vurde, und daß er gesonnen ist, daß»vas jetzt mißglückte, erneut vielleicht in anderer Weise zu versuchen. Wien, 13. Juli.(B. H.) Einer Meldung der„Pol. Korresp." zufolge findet die Initiative, welche Kaiser Wilhelm behufs Anbahnung freundlicher Beziehungen zu Frank- reich ergriffen hat, in Petersburg sympathische Auf- nähme, weil dadurch die Garantien für Erhaltung des Weltfriedens vermehrt und die Interessen Rußlands in Europa und Asien gefördert werden. Wien, 13. Juli.(B. H.) Die Polizei gestattete dem hier gastierenden Berliiier Theater-Ensemble die Generalprobe zu Tolstois „Macht der Finsternis". Von dieser Probe wird es abhängen, ob das bisher für Ocftreich verbotene Theaterstück zur öffentlichen Aufführung gelangt. London, 13. Juli.(W. T. B.) Unterhaus. Der ParlanlentS- ekretär des Kriegsamts Wyndham teilte mit, es seien jetzt drei Batterien nach Süd-Asrika deordert worden.— Der Staatssekretär der Kolonien Chamberkain erklärte,� der Schriftwechsel bezüglich der Konferenz in Bloemfontein werde sofort vorgelegt werden. Was den Sckriftivechsel mit der Kap-Regierung und Natal angebe, so»verde er in Erwägung ziehen,»velche Schriftstücke bekam»t gegeben werden können, möglicheriveise»verde er jene Regierungen darüber befragen müssen. Mailand, 13. Juli.(B. H.) Der Techniker Daldisa stürzte von einem Felsen und blieb sofort tot. Belgrad, 13. Juli.(B. H.) Die Untersuchung gegen den'Atten- täter Georg Kuezevic»vird nach den§Z 41, 87 und 155 des serbstcbcn Strafgesetzes»vegen Mordanschlages auf ein Mitglied des regierenden Hauses geführt. Auf dieses Verbrechen steht die Todes- träfe. Ui»tcr den wegen Teilnahme der an dein Mordanschlage angeklagten Personen befanden sich auch der Staatsprokurator Jascha Neuadovic und der pensionierte Kassattonsrichier Gjoka Nenadoivic: beide sind nahe Verwandte des Fürsten Karagcorgieuic. Sämtliche verbaftete Personen werden auf das Strengste bewacht: »e liegen in Fessel«. Fortgesetzt findenV erHaftungen on Personen der radikalen Partei statt. Um diesen Verhaftungen ein Ende zu setzen, hatte der radikale Exminister Nicolic gestern eine Audienz bei dem Könige, welcher er kategorisch die Erklärung abgab, daß die radikale Partei mit dem Attentat nichts zu thun habe. Die Untersuchung wird auf Befehl deS Königs beschleunigt, damit die Urteile,»velche bei mehreren Personen auf Todesstrafen lauten werde»», noch vor der Reise des Königs inS Ausland gefällt und der Bestätigung des Königs unterbreitet»verde» kömien. Prätoria, 13, Juli.(W. T. B.) Der erste Volksraad hat heute die einleitenden Bestimmungen des neuen Wahl- echts-Gesetzes angenommen._ Ver-intwortlicher Redacteur: August Jacobe», tn Berlin Für den Inseratenteil verantwottlich: 2b.«locke in Berlin. Druck und Berlag von Max Badiu« in Berlin, Hierzu 1 Beilage und Uuterhaltnugobla,». Z!r. 162. 16. Iahrgavg. MW Ks„Kmiirts" Knlim WsM Fttitllz, lt. Juli 1883. Uokales. Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 16. d. Mts., Familien-Ausflug nach Tegel-Hermsdorf. Abfahrt nach Tegel früh 8,50 Uhr vom Stettiner Bahnhof, 8,S6 Gesundbrunnen.' Für Teilnehmer, welche die Pferdebahn benutzen, Treffpunkt bis lOVs Uhr im Restaurant„Zur Waldschänke", gegenüber Schloß Tegel. Für Nachzügler Wostracks Restaurant„Zur Mühle" in Hermsdorf, Ber- liner Straße(rechts am Bahndamm entlang, ca. 6 Minuten). Für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Um recht rege Beteiligung der Mitglieder und Freunde der Schule ersucht das Komitee.'— Wir machen die Mitglieder nochmals darauf aufmerksam, daß die Bibliothek während der Ferienzeit Mittwochs, abends von 8 bis 9 Uhr, in der Annenstr. 16 geöffnet ist. Der Vorstand. Bei der Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsanstalt Berlin sind im Laufe des Vierteljahres April/Juni 1399: 78 An- träge aus Gewährung von Altersrente eingegangen! aus der Zeit vor dem 1. April 1899 lagen noch 15 Anlange vor, hinsichtlich deren die Entscheidung noch ausstand. Von diesen 93 Anträgen sind be- willigt: 65, abgelehnt 15, anderweit erledigt 2 und unerledigt cur das folgende Vierteljahr übernommen 11. Bis zum 36. Juni 1899 ivaren insgesamt bewilligt an Altersrenten 4680. Von diesen sind ausgeschieden durch Tod 1322, aus anderen Gründen 166, zusammen 1423, so daß am I.Juli 1899: 2652 Altersrentenempfängcr vorhanden waren.— Innerhalb des gleichen Vierteljahres sind 745 Anträge auf Gewährung von Invalidenrente eingegangen und 161 unerledigt ans dem Vorvierteljahr übernommen. Von diesen 906 Invalidenrenten-Anträgen sind 552 bewilligt, 151 abgelehnt, 35 anderiveit er- ivdigt, 168 unerledigt auf das folgende Quartal übernommen worden. An Invalidenrenten sind bis zum 30. Juni 1899 überhaupt 7935 bewilligt ivorden. Ausgeschieden sind inzwischen durch Tod 2618, ans anderen Gründen 182, zusammen 2800, niithin war am 1. Juli 1899 ein Bestand von 5135 Invalidenrenten- Empfängern auf zuweisen. Nach amtliche» Ermittelungen war der Preis für Roggen- brot für 1 Kilogramm in Pfennigen(im Durchschnitt von 34 Bäckereien) am 15. Mai er.: 24,37 Pf., der niedrigste Preis 19.84 Pf., der höchste Preis: 29,07 Pf., am 1. Juni er.: 24,32 Pf. der niedrigste Preis: 18,52 Pf., der höchste Preis: 28.74 Pf., für Weizenbrot(Schrippen) für 1 Kilogramm in Pfennigen(im Durch, chnitt von 34 Bäckereien) am 15. M a i er.: 42.59 Pf., der niedrigste Preis: 34,25 Pf., der höchste Preis: 53,33 Pf., am 1. Juni er.: 42,10 Pf., der niedrigste Preis: 31,65 Pf., der höchste Preis: 48,31 Pf.; für R o g g e nm e h l Nr. 0/1, zur Hälfte Brutto mit Sack, guter Durchschnittsbeschaffenheit, ab Speicher oder Schifi für 100 Kilogramm 19,65 M., für Roggen, guter Durchschnitts- bcschaffenheit, ab Speicher oder Schiff für 1000 Kilogramm: 147,24 M., für Weizen guter Durchschnittsbeschaffenheit, ab Speicher oder Schiff für 1000 Kilogramm 159,13 M. Die Große Berliner Straßenbahn hat der städtischen Ver. kehrs-Deputation den Entwurf zum Ausbau des zweiten Gleises in der Schönhauser Allee bis zur Weichbildgrenze, serner in der Ber- linerstraße und in der Schloßstraßc auf Pankower Gebiet und einem Teil von Nieder-Schönhausen bis zum Schloß daselbst zur Ge- nehmigung überreicht. 90 000 M. gerettet hat die Große Berliner Straßenbahn bei dem Bau der Pfcrdebahn-Linie Gestlndbrnimen-Rciiiickendorf. Die Gemeinde des genannten Vorortes hatte sich verpflichtet, für den Bau einen Zuschuß von 30 000 M. zu zahlen, wogegen die Gesell- schaft gehalten war, die Linie bis zum 1. Juli betriebsfähig zu machen, widrigenfalls sie eine Strafe von 60 000 M. zu zahlen und auf den Zuschuß zu verzichten habe. Durch den im vorigen Monat stattgehabten vierzehntägigen Streik der Steinsetzer blieben die Arbeiten jedoch weit zurück. Nur dadurch, daß mehrere 100 Personen Tag und Nacht ununterbrochen thättg waren und das Steinpflaster nur provisorisch gelegt wurde, gelang es, den Bettieb vertragsmäßig aufzunehmen. Die endgültigen Pflafterungsarbeiten werden erst jetzt ausgeführt. Eine Niederlassung des Barsüßer-OrdenS ist in Berlin- Charlottenburg gegründet Ivorden. ES ist ein freier Orden und seine Mitglieder bestehen hauptsächlich aus Vegetariern und Lkneippianern. Die Ordensversammlungen finden immer Sonntags mittags um 2 Uhr am großen Stern im Tiergarten oder ani Knie in Charlottenburg statt. Die einzig streng gehandhabte Ordensregel ist, daß kein Ordensbruder Strümpfe und Stiefel tragen darf. Sandalen hingegen sind erlaubt. Von dem Versammlungsorte aus findet dann ein gemeinsamer Spaziergang durch die'belebtesten Straßen Berlins statt, welcher hauptsächlich den Zweck hat, die übrige Kulturmenschheit an den Anblick— Lbooldug— nackter Beine zu gewöhnen. Auf der Versnchsstrelke für elektrische Vollbahnen, welche die Firma Siemens u. Halste in Groß-Lichterfelde angelegt hat, finden jetzt mit einem eigens zu diesem Zwecke konstruierten Motorwagen Probefahrten statt. Dieser Wage», welcher den Zug fottzubewegen hat, gleicht in seiner äußeren Form den gewöhnlichen Eisenbahnwagen, ist aber etwas kürzer als diese. Auf dem Verdeck befinden sich in einem nach hinten offenen großen Blechgehäuse die Leitungen, ans denen die vertikale lange Kontaktstange mit drei übereinanderstehenden. horizontalen Auslegern hervorragt. Denn die oberirdische Stromzuführung erfolgt wegen der kolossalen Spannung, welche zu der Fortbewegung von Vollbahnzügen erforderlich ist, durch nicht weniger als drei an den Trägermasten angebrachte Leitungsdrähte, die ebenfalls übereinander liegen. An deni oberen Teil dieser Drähte schieben sich nun. ähnlich, wie dies bei dem be- kannten Bügel der elektrischen Straßenbahn der Firma Siemens und Halske geschieht, die drei Ausleger der Kontaktstange entlang und vermitteln so die Zuleitung einer ganz enormen Strommenge in das Motorwerk des Wagens. Um die Drähte gegen Spitzbuben zu sichern, steht an den Masten folgende Jnschrift:„Diese Masten sind mit Hochspannungsleitungen versehen, deren Berührung mit TodeS- gefahr verbunden ist". Professor BegaS und die Friedenskonferenz. In den Berliner Künstlerkreffen macht gegenwärtig ein„Begas-Bonmot" die Runde. Bei Gelegenheit einer Abendgesellschaft, an der auch Professor Reinhold Begas teilnahm, der Schöpfer des„Begas- brunnens" auf dem Schloßplatze und des Denkmals Kaiser Wilhelms I. an der Schlotzfreiheit, drehte sich der Hauptunterhaltungs- stoff naturgemäß um die Kunst. Geschaffene und noch im Werden begriffene Kunstwerke aller Art wurden besprochen und kritisiert und es dauerte nicht lange, so war man auch bei dem Kaiser Wilhelm- Denkmal angelangt. Nach lebhafter Besprechung des Denknials kam die Rede auch auf den fehlenden Säbel der Koloffalfigur des Kaisers. Professor Begas war heiter gestimmt und glaubte deshalb sicherlich, mit einem„Schlager" dienen zu müssen.„Ja, meine Verehrten", meinte er,„die Kunst ist doch eine eigenartige Sache. Ein richttger Künstler darf nicht mir seinem Fache leben, sondern muß möglichst mit vielen Künsten vertraut sein. Das bin ich. Als ich nämlich damals mit der Schaffung des Modells vorging. hatte ich mich als Hellseher bethätigt: ich sah die Friedenskonferenz im Haag voraus und rüstete schon bei Zeiten ein klein wenig ab." Für den Neubau der Roßstraßen-Brlllke ist jetzt mit der Errichtung einer Notbrücke begonnen, welche von der Straße Neu- Kölln am Wasser nach der Friedrichsgracht hinüberführen wird. Nach Vollendung dieser Notbrücke soll dann die alte Brücke ab- gebrochen werden. Zur Ergreifung des Nanbmörders Goenezi hat die Kriminal- Polizei eine Bekanntmachung erlassen, welche in einer großen Anzahl fremder Sprachen übersetzt, in geeigneter Weise allerorts zur Kenntnis des Publikums gebracht werden soll. Die Bekanntmachung, die ein ausgezeichnet gelungenes Porttät des Mörders und seiner Frau an der Spitze trägt, hat folgenden Wortlaut: „Es ist bisher nicht gelungen, des seit dem 25. August 1897 wegen Raubmordes steckbneflich' verfolgten Schuhmachers Jose' G o e n e y habhaft zu werden. Am 23. August 1897 wurde die Witwe Auguste Schnitze geb. Lutze und ihre Stieftochter Klara Schultze in ihrem Hause Könige grätzerstraße 35 zu Berlin ermordet aufgefimden. Die beiden Frauen sind»Uttels scharfer und schwerer Instrumente durch Schläge auf den Kopf getötet, die Leichname demnächst mit schwarzer Wachsleinwand un, wickelt, die Umhüllungen mit Bindfaden fest zusammengeschnürt und beide Leichname in genagelte Kisten verpackt, im Keller des genannten Hauses durch darauf ge schaufelte Erde versteckt worden.— Der That dringend verdächtig ist der Schuhmacher und Schuhwaren-Händler Josef G o e n ez i ,' am 2. Juli 1852 zu Maros-Varsahely in Siebenbürgen geboren, östreichischer Staatsangehörige. Goenezi spricht deutsch, ungarisch, rumänisch und polnisch. Größe 1,65 Meter, von untersetzter, gedrungener Statur. dunkles, grau-meliertes, lockiges Haar, welches Goenezi tiefdunkel, fast schwarz zu färben pflegte, niedere Stirn, dunkelbraune, etwas melierte Augenbrauen, breit geflügelte Rase, kleine braune Augen proportionierter Mund, etwas aufgeworfene Lippen, gelbliche Gesichtsfarbe, dunkelblonder, in der Mitte gescheitelter, ge wöhnlich schwarz gefärbter Schnurr- und Backenbatt; der obere Teil beider Backen frei von Bart. Besondere Erkennungszeichen: Große Narben, beginnend an der rechten H.a'lsseite und bis hinter die Mitte der Ohrmuschel reichend. Die in den östreichischen militärischen Strafanstalten auf genommenen Signalements bezeichnen diese Narben als Brand' und Skrophel narbe n. Goenezi selbst gab stets an. dieselben rührten von einer in den Feldzügen erhaltenen Schußwunde her. Als weiteres Erkennungszeichen ist ein erbsengroßes Mutter- mal am rechten Schulterblatt zu erwähnen. In der Begleitung des Mörders befand sich bei der Abreise seine Ehefrau A n n a G o en ezi, geb. Sattler, geboren am 20. Januar 1849 in Windorf(Königreich Bayern), 1,62 Meter groß. untersetzte Statur, dunkles, glatt gescheiteltes Haar, letzteres gewöhnlich nicht wellig, wie' auf den Photographien dunkelbraune Angenbrauen, gewöhnliche Nase, defekte Zähne. schmales Gesicht, gebliche Gesichtsfarbe, dunkelbraune Augen. rundes Kinn. Beiondere Erkennungszeichen: Kröpf' artige Geschwulst an der rechten Halsseite. Goenezi ist reformierter, seine Ehefrau katholischer Konfession. Die Goenezischen Eheleute sind am Abend des 18. August 1897 von Berlin nach Frankfurt a. d. O., am 19. August über K o t t b n s nacd Halle gefahren. Von hier aus sind sie allem Anschein nach nach Brüssel weitergereist, haben auch ihr Gepäck dorthin aufgegeben und am 25. August 1897 abgeholt oder abholen lassen. Von diesem Tage au fehlt jede Spur über den Verbleib des Paares, welches bei der Abreise einen weiß- und gelbgefleckten Wolfsspitz namens„Butzi" bei sich hatte. Goenezi soll iii seinem Fach als Schuhmacher(Zuschneider und Vorrichter) sehr tüchtig sein und soll auch im persönlichen Verkehr eine außergewöhnliche Ge wandthfit dokumentieren. Es muß hervorgehoben werden, daß in den Militärpapieren des Goenezi neben dem Beruf desselben als Schuhmacher auch derjenige als Matrose verzeichnet ist. Für die Ergreifung des Goenezi haben die Gerichtsbehörden eine Be' lohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Zur Unzeit geschlafen hat der Arbeiter Fischer, welcher Mitb wochnacht durch einen Schutzmann festgenommen wurde. Der Beamte bemerkte bei einem Kontrollgange durch den Grünen Weg einen Mann, der auf der Bordschwelle des Bürgersteiges saß und schlief; neben dem Fremden stand ein großer mit schwerer Last gefüllter Sack. Der Schutzmann weckte den an ungehöriger Stelle Ruhenden und erfuhr nun von dem stark angetrunkenen Mann, daß dieser soeben aus Posen hier eingetroffen, in Berlin noch vollständig fremd und ohne Obdach sei. Letzteres wurde ihm für diese Nacht auf der Polizeiwache zn teil. Gestern früh ging der Polizei die Mit- teilung von einem bei einem Gastwirt verübten Diebstahl zn. Die Einbrecher hatten, nachdem sie gehörig gezecht. Fleisch- waren, Cigarren ee. gestohlen. Man keim auf den Gedanken, daß vielleicht der„Mann aus Posen" bei dem Diebstahl nicht unbeteiligt sei. und bei einer Revision seines Gepäckes wurden auch thatsächlich Würste, Schinken, Cignretten und andere Gastwirts- arttkel vorgefunden. Der Sistierte gab Minmehr nnnmwnnden zu. daß er mir einem Komplizen den Einbruch verübt, in der Wohnung desselben die Beute verteilt und auf dem Wege von dort unter Ein Wirkung des bei dem Gastwirt veranstalteten Zechgelages ein- geschlafen sei. Noch am frühen Morgen wurde der zweite Dieb ver- haftet. Allem Anschein nach hat die Polizei mit der Festnahme der beiden Conipagnons einen vorzüglichen Fang gemacht, da dieselben verdächtig sind, eine größere Anzahl Einbruchsdiebstähle ausgeführt zu haben. Ein durchtriebener Betrüger wird in der Person des erst 19 Jahre alten Hausdieners Hans Kiesow von der Polizei gesucht. K. war bis vor einem Jahre Hausdiener in der Weingroßhaudlung von Rauch in der Jnvalidenstraße und kannte daher die gesckäft lichen Verbindimgen der Firma. Das hat er sich in sehr ergiebiger Weise zu Nutze gemacht. Vorgestern bestellte er in dem Korten- und Bindfadengeschüft von Kind, Alexandrinenstr. 22. für 50 M Ware und ließ ganz beiläufig die Aeußerung fallen, daß er sich mit seinem Prinzipal auf einer Kaffee-Auktion im Metzpalast be« inde. Nachdem eine halbe Stunde später bei Kind durch den Fernsprecher angeblich aus dem Nanchschen Ge schüft angefragt war, ob der junge Mann schon zum zweitenmal dort gewesen sei. tauchte Kiesow alsbald wieder auf, um sich für 'einen Herrn 21,12 M. zu leihen, die zur Bezahlung des gekauften Kaffees fehlten. Herr Kind gab 22 M., Kiesow quittierte den Em- pfang für Rauch. Als nun die bestellten Waren später in dem Weingeschäfr abgeliefert werden sollten, stellte sich der Schwindel heraus. Kiesow hat ans den Namen der Weinhandlnug noch in weiteren etwa zwanzig Fällen seine Betrügereien mit Erfolg durch- geführt. Er treibt sich umher und hat daher noch nicht unschädlich gemacht werden können. Die Beerdigung der Frau v. TnlkowSki und ihrer drei Kinder aus der Orangenstraße 2a. zu Charlottenburg fand am Donnerstagvormittag unter sehr zahlreicher Beteiligung auf dem Friedhof am Fürsrenbrunner Wege statt. Schon am Mittwochabend um 7 Uhr waren die vier Leiwen in zwei gelben, mit Trauerflor behangeuen Särgen von dem Schanhaus nach der Friedhosshalle gebracht worden. In dem rechts stehenden Sarge ruhte die Mutter, und in ihrem Arm die kleine Tochter, der andere nahm die beiden Brüder auf l Der Friedhof wurde von 9 bis 11 Uhr Polizei- lich abgesperrt: ihn betraten mir etwa 300 Leidtragende, während die große Mehrzahl draußen zurückgehalten wurde. Um die Särge vereinigten sich in der Halle nur die Verwandten und nächsten Be- kannten der Familie. Der Vater stand fassungslos au den Särgen und brach öfter in die Worte aus:„Meine armen Kinder!" Durch einen Stich i«S Herz hat sich der 36 Jahre alte Ar- beiter Otto Simon aus der Havelbergerstratze 35 auS Furcht vor dem Krankenhause am Mittwochnachmittag um l'/e Uhr getötet. S. arbeitete für Treu u. Nug lisch auf dem Grundstücke Dreysestr. 5 und öllte wegen eines schweren Nervenleidens auf Veranlassung des Professors Mendel der Neuen Charits zur Heilung überwiesen werden. Davon hatte er Kenntnis erhalten, entfernte sich von seiner Arbeitsstelle und stieß sich auf einem entlegenen Orte deS zweiten Hofes ein Buchbindermesser in das Herz. Der Arbeiter, der ihn nach dem Krankenhause begleiten sollte, fand ihn dort blutend auf. Ein Arzt wurde gerufen, konnte aber nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Zahlreiche schwere Verletzungen hat sich ein 73 jähriger Greis durch einen Sturz in die Senkgrube des Hauses Memeler- straße 63 zugezogen. Hier war die Grube am Mittwoch gereinigt worden, und der Maurer Karl Hartmann wollte um 5 Uhr nach- mittags den auf dem zweiten Hofe belegenen Ort benutzen. Der polizeilichen Bestimmung zuwider waren die Bohlen nicht auf die Grube gelegt worden, sodatz diese nicht bedeckt war. H., der schlecht sehen kann, stürzte 2Vz Meter tief hinein. Er wurde zwar bald herausgeholt, halte aber einen schweren Schädelbruch, eine Ver- stauchung beider Arme und innere Verletzungen erlitten, so daß er nach einem Krankenhaus gebracht werden mußte. Der geistesschwache Tischler Otto Völlmar aus Wittenberge. der hier in der Charilo untergebracht werden sollte, ist am 6. Juli seinem Begleiter in der Ackerstraße abhanden gekommen und ist bisher nicht zu ermitteln gelvesen.'Der Vermißte ist 26 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat hellblonde Haare, blaue Augen und gesunde Gesichtsfarbe. Die Kleidung bestand aus einem rotbraunen Jackett und gleicher Weste, dunkelgrauer, ge- streifter Hose, leinenem Chemisett mit Umlegekragen und vor- geschuhten Schaftstiefeln. Der Vater und der Halbbruder Völlmars wollen für die Auffindung des Vermißten 500 M. zahlen. Nachrichten sind an das Polizeipräsidium zu 4403 IV. 24. 99 zu geben. Straßensperrung. Die Auguststraße von der Kleinen bis zur Großen Hamburgerstraße, einschließlich des Kreuzdammes der ersteren, wird behufs Asphaltierung bis auf weiteres für Fuhrwr.Ir«no Reiter gesperrt; ferner werden die Fürbringerstraße von der Schleier- macher- bis zur Mittenwalderstraße und die Körnerstraße behufs Asphaltierung vom 13. d. M. ab bis auf weiteres gesperrt. Ans den Nachbarorten. Friedrichshage». Am Mittwochmorgen gegen 7 Uhr wurde der beim Bahnban in Hirschgarten beschäftigte Arbeiter� G. aus Köpenick, als er nach einem von Erkner kommendenden Personenzuge ausschaute, von dem aus entgegengesetzter Richtung nahenden Arbeits- zuge ü b e r f a h r e n u u d entsetzlich verstümmelt. Der sofort herbeigeeilte Arzt Dr. König von hier konnte nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen.— Die unverehelichte Kellnerin Auguste Sch. verlor im Frühjahr dieses Jahres wegen ihres schwangeren ZustandeS ihre Stellung. Während der kritischen Zeit fand sie bei einer hier ivohnhaften Freundin bereitwilligst Aufnahme. Doch die Sch. ver- galt das Gute, das ihr von der Freundin geboten, mit einem recht groben Vertrauensbrnch. Sie entwendete derselben eine goldene Uhr im Werte von 60 M. Wegen Diebstahls schon nichrmals vor- bestraft, wurde sie am Dienstag von der 1. Strafkammer des Berliner Landgerichts II zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft. Aus Groß-Lichterfelde schreibt man uns: Bereits in einer der früheren Nummern des„Vorwärts" wurde von der Absicht des hiesigen Gemeindevorstandes, die Versorgung des Ortes mit elek- lrischcm Licht und elekirischer Energie in die Wege zu leiten und in eigene Regie zu übernehmen, berichtet. Es mag für manchen überraschend erscheinen, daß die Vertretung der Gemeinde Groß-Lichterfelde, die sonst nicht im Geruch steht, auf dein Gebiete des Fortschrittes und der Kultur als besonders bahn- brechend zn gelten, sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Der Grnnd hierfür ist zu suchen in der unerträglichen Lage, in welche die Gemeinde durch den Abschluß jener bereits früher kritisierten un- gchcuerlichcn Vertrage mit der englischen Gasgesellschaft bezw. den Charlottenburger Wasserwerken gekommen ist. und durch welche die Gemeinde ans dem Gebiete der Beleuchtung und Wasserversorgung jenen Gesellschaften auf Gnade und Ungnade ausgeliefert wurde. Durch die Errichtung eines eigenen Elektricitätswerkes und Ver- sorgung der Privatleute— denn auf ihren eigenen Straßen hat die Gemeinde nichts zu suchen— mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft glaubt man die englische Gasgesellschaft zum Ab- schließ günstigerer Verträge zwingen bezw. die der Gemeinde schäd- lichen Bestimmungen ausmerzen zu können. Leider läßt sich heute schon sagen. daß dieses von Seite der Einwohnerschaft mit Freuden zu begrüßende Projekt keine Aussicht auf Verwirklichung haben dürfte. Die bis jetzt auf die Zuschrift des Gemeindevorstehers eingelaufene Anzabl von Offerten für Stromabnahme ist eine verhältnismäßig so geringe, daß auch eine bedeutende Vermehrung derselben die Ausführung jenes Planes unniöglich erscheinen lassen. Daran ändern auch die platonischen Erklärungen der verschiedenen Grundbesitzer- Vereine, an welchen Lichterfelde so reich gesegnet ist, nichts, die im„Princip" mit dem Projekt des Gemeindevorstandes einver- standen sind, aber nur dann sich wirklich für die Sache interessieren wollen, wenn das elektrische Licht billiger oder mindestens ebenso billig wie das GaSglühlicht sich stellen würde. Und das ist zweifellos der springende Punkt, an dem— selbst genügende Beteiligung vorausgesetzt— die Frage der Errichtung kommunaler Beleuchtungs- und Kraftanlagen scheitern wird. Bei der großen Ausdehnung unseres Ortes mit seiner relativ geringen Anzahl von Wohngcbänden ist eine außerordentliche Menge von Leitungsmaterial und Mehraufwand von Arbeitskräften notwendig i außerdem sind die Jnstallationskosten nach den Mit- teilungen von Sachverständigen infolge der vorhandenen Vorgärten ebenfalls höher wie sonst. Und unsere Hausagrarier sind— obwohl sie in der jüngsten Zeit einen erheblichen und glücklichen Beutezug auf die Taschen ihrer Mieter unternommen haben— für Ausgaben nicht zu haben, denen nicht mindestens ein etwas höherer Profit auf deni Fuße folgt. Aber selbst für den Fall, daß es der Gemeinde möglich wäre. elektrisches Lieht für denselben Preis wie jetzt das Gasglühlicht liefern zu lönnen, würde die englische Gasgesellschaft sofort durch eine mehr oder minder erhebliche Reduzierung ihres Gasprciscs die Gemeinde auf deni Felde der Konkurrenz schlagen und zum Rück- zuge zwingen. Und in diesem Konkurrenzkampf müßte die Gemeinde, die nun einmal bei derartigen Unternehmungen mit Verlust nicht arbeiten kann und darf, zweifelsohne unterliegen. Dagegen würde die englische Gasgesellschaft einen momentanen Verlust durch spätere, gelegentliche Erhöhung ihrer Gaspreise stets wieder wett machen können.— Das Schicksal der Gemeinde Ivird keine Aenderung, wenigstens keine zum besseren, in Bezug auf ihren Einfluß bezüglich der Be- leuchtung und Wasserversorgung erfahren; sie wird auch ferner die kontraktlichen Fesseln, die kurzsichtige und unfähige Vertreter ihr an- gelegt haben, weiter tragen müssen. Aber Sache der Geincindewähler wird es sein, den kommen- den Geni ein deWahlen im März nächsten Jahres ihr besonderes Angennierk zuzuwenden und durch Wahl wirklicher Volksvertreter tv eitere Schädiguugen kommunaler Interessen zu ver- hindern. Als ein Opfer seines Bernfes ist in Rummelsburg der praktische Arzt H. Jsaac gestorben. Er war vor einigen Tagen nach einem Besuche bei dem an Diphtheritis und Scharlach erkrankten Kinde der Schuhmacher Eichterschen Eheleute sofort erkrankt und mußte ein Krankenhaus aufsuchen, wo er seinem Leiden erlag. Auch das von ihm behandelte Kind ist gestorben. Die Hcldenthat eines 11jährigen Knaben. Am Sonntag- nachmittag fiel zwischen Eiswerdcr und Salzhof ein Knabe ans einem Kahn ins Wasser. Sofort sprang der 11jährige Otto K u I i ck e, rill Cohn dcs HylztvärterS K. in Spmidnu, dem Ber- ilnglüctten».ich, faßte den Knaben und brachte ihn schivimmcud an de» Kahn, wo ihn andere Knaben ans dem Wasser herausziehen balsen. Der mutige Knabe hat bei seiner braven That eine seltene Uncrschrockenheit gezeigt, denn, ohne sich einen Augenblick zu be- sinnen, oder sich seiner Kleider zu entledigen,' vollführte er das Rettungswerk, Der verunglückte Knabe wäre zweifellos ertrunken, da er nicht schwimmen konnte, und er bis zu dem Augen- blick, in welchem K, ihn erfaßte, bereits zweimal untergegangen war. Der brave Retter darf sich Übrigens rühmen, schon seinen jüngeren Bruder vom sicheren Tode des Ertrinkens errettet zu haben, Mit der Reinickendorfer Petrolenmquelle, über deren Auf- finden schon mehrfach berichtet ist, dürste es doch Ernst werden. Für das Vorhandensein von Petroleum in größeren Mengen scheint die Thatsache zu sprechen, daß neuerdings auf einer zweiten Stelle in Reinickendorf und zwar in der Blankeftr. 5, Petroleum entdeckt worden ist. In der Blankestraßc, die etwa 4 Kilometer von der ersten Petrolcnm-Fundstelle in der Gcsellschaststraße entfernt ist, zeigt das Wasser des Hofbrunncns einen ständig zunehmenden Petroleum- gchalt. Der Brunnen auf dem Grundstuck Gesellschaftstr. 31, der natürlich noch immer geschlossen ist, enthält nur noch ca. 5 Proz. Wasser und 95 Proz. Petrolennt. Am 1. Oktober wird dortselbst m»t den Bohrnnasversuchen begonnen werden, nachdem der jetzige Pächter des Gnmdstucks, dessen Vertrag Ende September ablaust, dasselbe geräumt habe» wird. AdlerShof. Wir erhalten folgende Zuschrift:„Die Einsender des in Nr. IM des„Vorwärts" mit„Anarchistisches Bravom-stück" bezeichneten Artikels haben sich erlanbt, einen durchaus entstellten Bericht über eine Krankenkassen-Versanimlung zu geben, der nur geeignet ist, Haß und Zwietracht in die Reihen' der hiesigen Arbeiter- schaft zu säen. Es handelte sich in der fraglichen Versammlung um Sie Neuwahl des Vorstandes der Krankeukasie. In der Versammlung zugegen waren zwei hierorts als Streikbrecher bekannte Kassen- Mitglieder. Unter Hinweis auf diese» Umstand lehnte es etwa ein Dutzend anderer Knssenmitalieder ab, im Beisein der oben- genannten in die Verhandlung einzutreten. Trotzdem die beiden Kassenmitglieder nicht die Konsequenz aus diesem Antrage zogen und im Lokal verblieben, wurden doch die Wahlen vorgenoinmen. Die Wahlen gingen auch ruhig svon statten. Unter Verschiedenem jedoch konnten die beiden Herren nicht unterlassen, gegen die Antragsteller des oben erwähnten Antraacs die verletzendsten Schimpfworte zu schlendern, die in ihrer Art deutlich ans irgend welche Privatangelegenheiten und Streitigkeiten der Bc- schimpften hinzielten. Die Antwort seitens der Beleidigten waren wohlverdiente Handgreiflichkeiten, bei welcher Gelegenheit es selbst- verständlich auch lauter als notwendig ivar, zuging, und in deren Folge auch die Neugierde einige im Garten sitzende Gäste herbei- lockte. Dies der thatsächliche Sachverhalt. Die Zahl der Versammlungsteilnehmer belies sich auf einige 40, von denen sich vielleicht ein halbes Dutzend Anarchisten nennen." Es sei uns gestattet, daß wir trotz der dargelegten Anlässe uns gegen die Prügeltaktik erklären müssen. Von wohlverdienten Hand- greiflichkeiten zu reden, mag in gewissen Kreisen Mode sein, in der Arbeiterbewegung sollten wir uns von lolchen„Gnindsätzen" fernhalten. Wirmeinen ferner, daß die gewerkschaftlichen Verfehlungen eines Kassen- Mitgliedes� dieses von seinen Rechten als Kassenmitglied nicht anS- schließen können, und das Verlangen, sich ans der Generalversamm- lung zu entfernen, unbillig und rechtlich unhaltbar ist. Das, waS die beiden Kassenmitglieder begangen haben, geht die Gewerkschaft an, diese mag mit ihnen rechten. Getfiifeks-Jeikung. Eine Anklage wegen Landfriedensbruches, der sich aus Anlaß der Maifeier ereignet hat, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Auf der Anklagebank erschienen: 1. der Maurer August G o l z e, 2. Maurer Josef Made, 3. Schlosser Franz Koni ecnh, 4. Maurer Fritz Herrmann, S.Maurer Karl Heinrich. Die Angeklagten, welche im Alter von 22 bis 30 Jahren stehen, werden beschuldigt: am 1. Mai er. an der offent- kichen Zusammenrottung einer Menschenmenge, welche mit vereinten Kräften gegen Personen Gclvaltlhätigkeiten' begiiig, tcilaenonmien zu haben und zwar sämtliche Angeklagte, indem sie Gewaltthätigkeiten gegen Personen begingen; die Angeklagten Golze und Made auch als Rädelsführer. Die Verhandlung leitet alS Vorsitzender Landgerichts- direktor Franke, die Anklage vertritt Staatsanwalt v. Jaraczewski, die Verteidigung fiihren die Rechtsanwälte Dr. S ch w i n d t, Referendar Dr. Fraedrich und die Rechtsanwälte B r e y e r, Ad. Blumenthal und Dr. B o n k. Es handelt sich bei der Anklage um folgenden Vorfall: Am 1. Mai nachniittags war eine ans sieben Mann bestehende Steinsetzerkolonne unter Führung des Arbcits- filhrers Robert Priebst in der Warschaucrsiraße bei den Häusern Nr. 47 und 43 mit der Ausführung von Pflasterarbeiten beschäftigt. Schon zwischen 3 und 4 Uhr kamen mehrere Droschken mit Arbeitern, die von einer in der Bockbrauerei abgehaltenen Maifeier kamen und nach dem Warschauerftraße belegenen Grundmannschen Lokale„Zur elektrischen Hochbahn" an dieser Kolonne vorüber und schon bei dieser Gelegenheit sollen den Steinsetzern von Insassen der Droschke Worte chie:„Ihr Schlumpse, ihr Strünke, wißt Ihr nicht, daß heute der 1. Mai ist?" zugerufen worden sein. Die Insassen der Droschke, unter denen sich Golze, Made und Heinrich befanden, zechten im Grund- rnannschen Lokale, die arbeitenden Steinsetzer machten um 4 Uhr eine Besperpause und gingen in das Warschanerstr. 48 belegene Schanklokal von Fritsche. Hier waren die Angeklagten Herrniann und Koniecny bereits anwesend und machten den Steinsetzern über ihre Arbeitslust am 1. Mai heftige Vorwürfe, die dahin führten, daß sie aus dem Lokale gewiesen wurden. Herrmann soll von der Straße aus die Thür nochmals geöffnet und hineingerufcn haben: «Wir wollen uns keines Hausfriedensbruchs schuldig machen, aber kommt nur heraus I" Als die Steinsetzer nach Beendigung der Vesperpause ihre Arbeit auf der Straße wieder ans- genommen hatten, kamen plötzlich aus dem Grundmannschen Lokale mehrere Trupps von Leuten und fingen mit den Steinsetzern Streit an. Golze soll dabei eine Art Fnhrcrrolle gespielt und den Steinsetzern zugerufen haben:„Schämt Ihr Euch nicht? Wißt Ihr denn nicht, daß heute der 1. Mai ist und daß wir heute feiern? Ihr Schlumpse I" Es kam dann zu einer heftigen Prügelei, bei der Golze und sein Trupp mit einer Gießkanne, Brechstangen und anderem Handiverkszeug der Steinsetzer, sowie mit Knüppeln ans die Stein- setzer eingeschlagen haben sollen. Im Verlaufe der Schlägerei soll aus dem Grundmannschen Lokale plötzlich ein zweiter Trupp heran- geströmt sein: Made soll der Anführer dieses Trupps gewesen sein, einen Spazierstock geschwungen und gerufen haben:„Sind keine Messer, Stöcke, Revolver da? Ich will sie alle totschießen!" Auch der zweite Trupp stürzte sich aus die Steinsetzer und nun entstand eine förmliche Schlacht, bei der die Pflastersteine flogen ,md durch die der Verkehr in der Warschanerstraße, in der sich eine ungeheure Menschenmenge und viele Wagen angesammelt hatten, für geraume Zeit vollständig gehemmt wurde. Die Prügelei endete erst, als eine telephonisch herbeigerufene größere Anzahl von Polizeimannschaften heranrückten und die Angreifer zerstreuten.— Die Angeklagten be- streiten bei ihrer Vernehmung, daß sie irgendwie die Absicht gehabt hätten, Gewaltthätigkeiten zu begehen. Sie seien schwer betrunken gewesen und könnten über die Einzelheiten der Prügelei keine Aus- knuft geben. Sie wollen nur wissen, daß einzelne von ihnen Plötz- lich in einem Knäuel schlagender Menschen sich befunden haben und daß sie diesen beigesprungen seien. Der Angeklagte Koniecny behauptet, daß er gar nicht die Absicht gehabt habe, am 1. Mai zu feiern, daß ihm im Gegenteil sein Arbeitgeber versprochen hätte, ihn am 1. Mai auf Montage zu schicken. Als der Arbeitgeber dieses Versprechen nicht erfüllte, habe er sich auf die Arbeitsuche nach der Warschauerstraße begeben, und dort sei er in die Schlägerei hineingeraten. Der Lngekl. Made er- klärte, daß, als er von außerhalb nach Berlin gekommen, er der Arbeiter-Organisation nicht angehört habe. Hier in Berlin sei er zanz gegen seine Absicht in die Organisation hineingedrängt worden, denn er habe nirgendwo ständige Arbeit finden können, sonder» sei stets sehr bald entlassen worden, weil die Organisierten sich ent- schieden weigerten, mit einem Richtorganisierien zusammen zu arbeiteu.— Die übrigen Angeklagten gehören zu den organisierten Arbeitern. Von den Angeklagten behauptet Heinrich, daß er überhaupt nicht geschlagen, fondern nur seine in Bedrängnis geratenen Kameraden vor Mißhandlmigen habe schützen wollen. Golze will der zuerst An- gegriffene gewesen sein, dasselbe behauptet der Angeklagte Koniecny, der auf eine Narbe an seiner Stirn verweist, die von einem Schlage mit einer Gießkanne herrühren soll.— Die Beweisaufnahme ergab, wie dies bei solchen Schlägereien gewöhnlich ist. von der Entwicklung und den Einzelheiten des Kampfes ein wenig klares Bild, nament- lich war eS schwierig, die Thätigkeit der einzelnen Angeklagten festzustellen. Es war eben eine„wüste Schlägerei", bei welcher Hiebe hin und her ausgeteilt wurden. Nach den Aussagen der beteiligten Steinsetzer soll die Schlacht damit begonnen haben, daß Golze ans den Steinsetzer Appelt zutrat und ihn an- schrie:„Schämt Ihr Euch nicht. Ihr jungen Kerle, heute am 1. Mai zu arbeiten? Euch müßte man mit dem Hammer auf den Kop schlagen, Ihr Schlumpse I" Al« Appelt ihm antwortete:„Wer ist denn Ihr Schlumps? Wenn wir heute nicht arbeiten, haben wir morgen nichts zu essen I", wurde er sofort über die Steine-ge- schleudert und daran schloß sich die Schlägerei, bei welcher sich der Angeklagte Koniecny gleichfalls sofort ans Appelt losgestürzt und die Personen, die diesem zu Hilfe eilten, mit einem harten Gegenstande über den Kopf geschlagen haben soll. Golze hat später eine Eisen- stange al» Waffe ergriffen, diese ist ihm aber mit einem Besenstiel ans' der Hand geschlagen worden. Der Angeklagt« Made hat nach den Bekundungen der Zeugen sich in hervorragender Weise an der Schlägerei beteiligt uno wiederholt den KriegSnis auS- gestoßen:„Ur verfluckten Steinsetzer, Euch werde ick beibringen. den ersten Mai zu feiern I" Er soll mit einer Gießkanne einem Gegner eine blutende Wunde am Kopfe beigebracht haben. Auch Herrniann soll energische Hiebe ausgeteilt haben, desgleichen wollen einige Zeugen den Angeklagten Heinrich schlagen gesehen haben. Die Beschuldigungen bezüglich des letzteren sowohl, wie bezüglich der einzelnen Angeklagten überhaupt sind aber ziemlich unsicher. Die Zeugen können eben nur bekunden, daß ein großer Menschenknäuel war und„allgemein" gehatien wurde. Daß die ganz« Situation sehr bedenklich war, wurde von mehreren Zeugen bestätigt. einer derselben meiiite, daß. al« Made mit geschwungenem Stock einen Tnipp zum zweiten Angriff anführte, es so ausgesehen habe, als ob„eine große Revolution losgehen sollte". Der ganze Exccß hat etwa b/, Srunoen gedauert, als die Polizei auf dein Kriegsschauplätze anlangte, Ivar die Prügelei bereits vorüber. Beim Herannahen der Polizei flüchtete Made in das Gnmdmamische Lokal und versteckte sich unter einem Bett, wo er dami aufgesunden wurde. Nach dem übereinstimmenden Urteil der Zeugen sind die Angeklagten zwar angetrunken, aber nicht sinnlos betrunken gewesen.— Die Beweisaufnahme wickelte sich so schnell ab, daß von der Hinzunahme eines zweiten Verhai.dlnngstages abgesehen werden konnte.— Der Staatsanwalt erkannte an, daß bei dieser ganzen Affaire weniger Politik als Alkohol eine Rolle gespielt hat und daß, wenn letzterer weniger aniniiert hätte, der ganze traurige und doch nicht harmlose Vorfall sich nicht er- eignet haben würde. Nach der Beweisaufnahme könne kein Zweifel darüber sein, daß Landfriedensbruch vorliege, dagegen lasse er den erschwerenden Punkt der Rädclsfnhrerschaft fallen, da dieser sich nach den Bekundungen der vernommenen Zeugen nicht aufrecht erhalten lasse. ES sei ferner bei den vier eilten Angeklagten das strafschärfende Moment nachgewicseii, daß sie Thätliaikeitcn gegen Personen ausgeführt haben, während Heinrich solcher Thätlichkeitcn nicht überführt sei und dieser nur des allgemeinen Landfriedens- brnches schuldig erscheine. In diesem Sinne mußten die Gc- schworene» die Schuldfragen bejahen, doch köimc ihnen die Zubilligung mildernder Umstände mit gutem Gewissen anempfohlen werden. That- sächlich sei der öffentliche Friede in erheblicher Weise gestört, zahlreiche Personen seien in Angst und Schrecken versetzt worden und in einem geordneten Staatswesen müssen solche Exccsse in empfindlicher Weise gestraft werden.— Die Verteidiger bestritten in längeren Ausfnhnmgcn das Vorliegen des ThatbestandSmerkmals des LandfriedensbrucheS, wiese» gleichfalls darauf hin, daß in diesem Falle irgend ein poli- tisches Moment oder ein principicller Gegensatz zwischen Arbeits- willigen und Streikenden gar nicht vorliege und plädierten eventuell nur auf Körperverletzung nntcr Znbilligmig mildernder Uinstände, wobei sie darauf hinwiesen, daß nach der Beweisaufnahme nicht nur die Angeklagten, sondern auch die Steinsetzer an jenem Tage etwas stark dein Alkoholgeiiusse gefrühnt haben. Bezüglich des Angeklagten Heinrich wurde Feisprechnng beantragt. Die Geschworenen verneinten die Schnldfrage in betreff des Landfriedensbruchs bei allen Angeklagten, bejahten dagegen die Schuldfrage in betreff der gemeinschaftlichen Körperverletzung bei den Angeklagten Golze, Made, Koniecny und Hermann, bei de» drei letzteren auch mit dem erschwerenden Umstände, daß dieselben ein gefährliches Werkzeug benutzt hatten. Ter Angeklagte Heinrich wurde für nicht schuldig gesprochen. Ten zu Verurtellenden wurden mildernde Umstände versagt. Ter Staatsanwalt beantragte gegen Golze. der zwar nur mit den Fäusten gehauen habe, aber doch die Seele der ganzen Ans- ■chreitnng gewesen sei, eine Gefängnisstrafe von ein Jahr sechs Monaten, gegen Made und Koniecny je e i n Jahr und gegen § ermann, der sich f"' j..b« besonders hervorgethan have, ein ahr sechs Monare Gefängnis. Die Verteidiger baten um Herabsetzung der Strafen. Das Urteil lautete: gegen Golze auf 6 Monate, gegen Made. Koniecny und Hermann auf je 9 Monate Ge« ä n g n i s. Auf die Strafe wurde je ein Monat UntersuchnngS« hast angerechnet. Der Gerichtshof hat, nach der Urteilsverkündung durch den Vorsitzenden, erwogen, daß ein schwerer Tumult vorlag, der eine große Erregnng und Verkehrsstörung hervorgerufen hatte, daß in recht frivoler Weise Leute, die weiterarbeiten wollten, von Bauten, die an jenem Tage seiern wollten, belästigt und gehindert wurden und daß bei dem Tumult auch recht gefährliche Werkzeuge zur Körperverletzung be nützt worden sind.— Der Angeklagte " e i n r i ch wurde freigesprochen und auS der Haft entlassen. TaS Kammergericht hatte vor einiger Zeit«ine o st e l b i s ch e Regierungs- Polizeiverordnung für ungültig erklärt, die mit Strafe diejenigen„Arbeitgeber ländlicher Arbeiter" bedrohte, welche Gefinde oder ähnliche Personen in Dienst nehmen, ohne sich vorher die Abzugsscheine der früheren Herrschaft der Leute vorzeigen zu lassen und sich so von ihrer ordnungs- mäßigen Entlassung zu überzeugen. Der Staatsanwaltschaft gefiel aber jene Entickeidmrg des höchsten preußischen Straf- gerichtS nicht, denn wiederholt suchte sie in späteren Fällen es durchzusetzen, daß die Gültigkeit derartiger Polizeivcrordnungen aus- gesprochen wurde. Reuerdings kam eS förmlich zu einer großen Aktion. Der Oberstaatsanwalt legte es dem Strafsenat des Kammergerichts nahe, sich ja die Sache noch einmal recht zu überlegen. Gegen jene Ungültigkeitserllärnng spreche dos„praktische Bedürfnis" und der Wartlaut verschiedener Bestimmungen des Gesetzes über die Polizeiverwallung vom 11. März 1350. Nach Ansicht des Kmnmergenchls sollten w e dse r Ortspolizeibehörden noch Regie- rungen befugt sein, die fragliche Unterlassung ländlicher Arbeitgeber unter Strafe zu stellen, weil A ö» bis d des PolizeiverwallungS- gesetzes die betreffende Materie nicht unter den Gegeiistäuden polizeilicher Vorschriften aufführe. Diese einengende Auslegung des Gesetze? wäre nicht haltbar. 8 3 bestimme z. B. noch unter i, daß in den Gegenständen ortspolizeilicher Vorschriften auch„alle« andere" gehöre, waS„im besonderen Interesse der Gemeinden und ihrer Angehörigen polizeilich geordnet werden muß und K 12 führe auS, die Vorschriften der Bezirksregierungen könnten sich auf die im§ 6 angeführten„und auf alle anderen Gegenstände beziehen, deren polizeiliche Regelung durch die Verhältniffe der Gemeinden oder de» Bezirk» erfordert werbe". Die zuletzt an- geführten Lestinmwngen der§8 0 und 12 seien sehr wohl zu berücksichtigen, und er, der Oöerstaätsänwält,' bitte danmi den hohen Senat, sie nochmals einer eingehenden Würdigung zu unterziehen. Das Gesetz über die Polizei� yerwaitung sei als ein Ausführungsgesctz zu 8 10 II 17 des Allgemeinen LnndrechtS im Jahre 1850 erlassen worden, und gerade um die voraussichtlich besonderen Verhältnisse der späteren Zeit zu berücksichtigen, habe anscheinend der Gesetzgeber die eben citierten Bestimmungen der 88 9 i und 12 in das Gesetz auf- genommen. Durch sie lasse sich die strittige Polizeiverordmmg rechtfertigen. Sie entsprächen auch der allgemeinen Fassimg de« 8 10 II. l7 deS Alls. Landrechts, wonn ausgeführt werde, es sei das Amt der Polizei, die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicher- hell und Ordnung und zur Abwehr der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahr zu treffen. Hierauf mußte überhaupt immer zurückgegriffen werden, wie es das Ober- Bcrwaltnngsgericht auch Ihne. Das Kammergericht zeige das Be- streben, das Berordmingsrecht der Polizei möglichst scharf zu um- grenzen. Nun, er(der Staatsanwalt) wolle nicht den Senat dazu verleiten, eine unbegrenzte Polizeigewalt zu konstituieren, aber ellvas weiter müßten die Grenzen des Verordmmgsrechtes der Polizei denn doch gesteckt werden. Man könne sehr wohl eine Grenze ziehen und sagen, dieser oder jener Ge- brauch liege m den bestimmten örtlichen Verhältnisien begründet und müsse insoweit polizeilich geregelt werden. Das Ge- rieht Hab« vielleicht Bedenken gehabt, daß durch manche Polizeiakte andere Gesetze verletzt werden könnten. Das sei hier aber nicht der Fall. Die Freizügigkeit werde nicht gefährdet, wenn ein Herr, bevor er Gesinde oder ähnliche Personen in Dienst nimmt, den Leuten das AbzvgSattest der früheren Herrsckaft abverlangen muß.— Der Strafsenat des KammergcrichtS ließ sich nicht von dem Herrn Staatsanwalt„verführen", sondern blieb dabei, daß die Polizei und die Regierungen zum Erlasse solcher Polizeiverordmingen nicht befugt seien. Der Präsident führte dann»och auS: Es sei daran festzuhalten, da» die Ortspolizeibehörden und die Regirnrngspräsidenten beim Erlassen von Polizeiverordnungen nur die Gegenstände berücksichtigen dürften, die im§ 6» bis d ausdrücklich aufgeführt seien. Wenn auch 8 bi und § 13 anscheinend die Befugnis zun, Erlasse von Polizeiverordnungen noch erweiterten, so ergeben doch die Motive zu dem Gesetz über die Polizeiverwalllmg. daß der Gesetzgeber nicht daran gedacht habe. ein Polizeiverordnungsrecht über den Rahmen des 8 6» bis h h» n a u s zu schaffen. Nachklänge zum Potsdamer Maurerstreik. Am Mitllvoch, den 12. d. Mts. fand vor dem Landgericht in Potsdam Verhandlung gegen die Maurer Grobig, Siegemund und Belli» wegen versuchter Erpressung, Vergehen gegen 88 43, 47. 253 des Strafgejetzbuchs statt. Der Thatbestono ist folgender: Während des vorjährige» Maurerstreiks wurde beschlossen, daß die Maurer, welche während des Streik« zu den neuen Vedingunge» arbeiten und inPotsdam odcrNowawes ihren Wohnsitz haben, außer den sonstüblichcn Sllcikbeiträgen erhöhte Beiträge zur Slreikkasse abzuführen haben. Die erhöhten Beiträge betrugen während der 5 Streikwochen im ganzen für Verheiratete 6,50 M., für Ledige 8,50 M. Anfangs Oktober arbeitete» die drei Angeklagten am Neubau der Irrenanstalt in Zchlendorf und stellte der Polier den Maurer Werle aus Nownives in Arbeit. Der dortige Baudeputierte Grobig stellte fest, daß die Papiere des Werle nicht in Ordnung waren. Es wurde dem W. deshalb ankgetragen, die Papiere in Ordnung zu bringen, sonst wurden die übrigen Kollegen nicht mit ihm zusammen- arbeiten. Der Werle weigerte sicki dieses zu thun und behauptete, er wolle sehe», wer ihn dazu zwingen wolle. Die circa 80 a» dem Bau arbeitenden Maurer gaben min dem Deputierten Grobig den Auftrag, dem Polier mitzuteilen, daß sie die Arbeit einstellen, wenn W. seinen Verpflichtungen nicht nach- kommt. Hieraus wurde W. entlassen. Werle erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen versuchter Erpressung gegen die drei Angeklagten. Im Laufe der Verhandlung meinte der Zeuge Werle, die Kollegen, die im Verbände seien, wären nach seiner Meinung nicht glaubwürdig, weil sie sich gegenseitig beistehen und einer den anderen ränsznreißen sucht, ferner behauptete er, daß er dreimal vom Ministerium des Innern vernommen worden 'ei. Ter Staatsanwalt beantragte wegen Nötigung— Erpressung ließ er fallen— gegen Grobig 4 Wochen, Siegemund und Belli» 2 Wochen Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte für Grobig 6 Wochen, Siegemund und Belli» 1 Monat Gefängnis. Natürlich nicht wegen Vergehen gegen die§8 13, 47, 253 des Strafgesetzbuches, sondern gegen 8 153' der Gcwerbe-Ordnung. Gerichtöfcricn. Mit dem 15. Juli beginnen die Gerichtsferien. Dieselben endigen am 15. September. Während der Ferien werden nur in Ferieiffachen Termine abgehalten und Entscheidungen erlaffen. Fericnsachen sind: Strafsachen. Arrestsachen, Maß- und Marktsachen, Streitigteiten zwischen Vermietern und Mietern von Wohmmgs- und anderen Räume» wegen Ueberlassung, Benutzung und Nänmung der- selben, sowie wegen Zurückhaltung der vom Mieter in die Mietsräume eingebrachten Sachen, Wechselsachen, Bansachen, wenn über Fort- 'ctznng emeS angefangenen Baues gestritten wird. Das Gericht tonn ans Antrag auch andere Sachen, soweit sie besonderer Be- chlennignng bedürfen, alS Fcriensachcn bezeichnen. Die Gerichts- 'erien sind ans Zahlungsbefehle, das Zwangsvollsireckungs- und das Konkurs verfahren, sowie ans die sogenannte freiwillige Gerichts» varkeit(BormundschaftS-. Testamentssachen usw.) ohne Einfluß. Klagen können in allen Sachen auch innerhalb der Ferien eingereicht werden: nur wird in Feriensachen Termin erst auf«ine Zeit nach dem 15. September anberaumt. VevmiMkes. Die Heluzelinännchen im Reichstag. Die„Münchner Jugend" veröffentlicht nachfolgende zeitgemäße Parodie: Die Heinzelmännchen. e r i ch t vom 13. Juli. Normale Eier je nach Qualität von 2, 421/,-2, 80 M. per Schock. Aussortierte Neine Ware je nach Qualität von 2,20—2,50 M. per Schock. Kalleler je nach Qualität von M. per Schock. Tendenz: fester. Berlins Getreide- und Mehlzufuhren zu Wasser vom 12. Juli mittags bis 13. Juli mittags betrugen 401 Tonnen Roggen, 121 Tonnen Hafer, 3900 Doppelcentner Weizenmehl. Witterungsübersicht vom 1Z. Juli 1899, morgeus 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien s§ if 765SO 762 OSO 763 0 761SO 7K4W 763jSO Weiter 3wolkenl Zwollenl 2 wölken! 3 wölken! 5 wolkig Iwolkenl »K c* Stationen yaparanda Petersburg Cork Aberdeen Part» Wetter'Prognose für Freitag, de» 14. Jnli 1899. Ew wenig lühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig bei mäßigen südwest- lichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. tri« juristisch« Siprechstnnde wird Dienstags. DounerStag» und Freltags abend» von 6 bis 8 Uhr abgehalten. Berein 49V. 1. Ohne polizeiliche Genehmigung nein. S. So lange als die Genehmigwig dauert. 3. Bei der Polizei. 4. Im allgemeincii 1,50 M.- W. W. 199. Innerhalb drei Monaten muß Ihre Frau sich an die Bersicherungsanstalt, Klosterstraße 41, wenden.— Arme Anna. Wenden Sie stch an die Annendirektion, Dammmühlcn.— P. T. 100. 1. Sie können nur die Anzahlung zurückfordern, da lein gültiger Vertrag geschlossen war. 2. Nein.- Otto. 1. Nein. 2. Das hängt von den ge- samten Umständen ab, in der Regel wird die Frage verneint. 3. In vier Jahren nach Ablauf des Jahres, in dem sie entstanden waren und, falls sie ausgeklagt smd, in 30 Jahren.- A. F. 1. In der Regel nein. 2. In drei Jahren.— H.®. Nur wenn die Krankheit durch den Dienst(z. B. beim Kartoffelschälen) unverschuldet zugezogen ist, haftet die Herrschaft. Briefkasten der Expedition. Schuhe. Die Firmen sind nicht identisch. i IN■ILO m chmerzloses Plattenloser Zahnersatz. Zahnziehen ohne Mose! KdOStl. Zähne, brauchbar, Plomben, scbmerzlo».,,,. 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Kirchstr. 15. Frleckrlebsherx: Auto» Kopp. Friedrich Karlflr. 4. Fanicorv: Kümmert. Kaiser Friedrichstr. 15. Itixckorf: C. Ostermann, Erckstr. 6. E. Retzerau. Hermannstr. 50. blehvneher«: Wtlh.Bäumler.ApostelPauIuSstr.lZ. V�elssensee: Heinrich Bachmann, Lehderttr. 1. JuliuS Schillert, Köntgchauffee 39». Rod. Liedschwager, Äustav-Adois- straß« 1«. Für diu Inlmlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknin gegenüber keinerlei Aeranttvortnng. Ä�sjeakev. Freitag, den 14. Juli. Neues Opern- Theater Ge- schlossc». Residenz. Der Schlafwagen- Con- trolenr. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7>,'2 Uhr. W> sten. Die versunkene Glocke. An� fang 7 Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Hierauf: AbschiedssouPer. Anfang?V, Uhr. Schiller. Carmen. Anfang 7>/z Uhr. Eentral. Lumpenpack. Ansang»Uhr. Friedrich- Wilhclnistadtischcs. Fuhnnann Henschel. Anfang 8 Uhr. Alexanderplatz. Nana. Anfang » Uhr. Ostend. Die Zauberin am Stein. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Bellc-Alliance. Spccialitäten-Vor stcllung. Anfang 8 Uhr. Zlpolle. Frau Luna. Specialitäten Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Re.chöhallcn. Stettiner Sänger. Anfang 3 Uhr. P>»ss»gr> Ponoptiknm. Specialis tntcn-Vorftellnng. Urania. Jnvalidenstr. 7>7/zUhr: Carmen. Oper in 4 Akten von Henry Meilhac und Ludwig Halevy. Musik von Bizet Sonnabend, a b e n d s 7»/, U h r VolllltUmIIcKs 0psni-Vorstellung bei halben Preisen: »er I>'re!noI»Utn. Sonntag, abends 7»/, Uhr: Gastspiel„Heinrich Iliitel": Der Postilloa von Lonjumean. Crntval-du'ntcv Direktinn: Jos4 Ferenczy. Gesault-Gastspicl des Hamburger Ernst Drucker-Theaters Anfang 8 Uhr. Utttnpcnpnck. Gr. Hauiburgcr BolkSstuck mit Gesang in sechs Bildern von W. Bial und S. Nofenthal. Musik von H. Groth. Morgen und folgende Tage: Linmpenpack. Hamb. Bolköstück. Wih-Klirl Wtisj-ThtM. Gr. Franksnrtrrstrasie lttL. Kleine Preise. Parkett 1,10. Cyklui volkstümlicher Vorstellungen. Die Zllubmil am Stein. Volks-Drama in 4 Akte» v. Fr. Nissel. StF" Anfang 8 Uhr.-lWL! 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HB mit dem Dnftballett „Ori�olatis Eerner: «i Otto Rentter« und 9 neue Specialitäten. Auf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Billet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Passage-Panoplicuni 9 Ubr früh bis 10 Uhr abends. Von 61/2 Uhr ab: Spcrialitüten. Neu! DJ briider. Herold und Leons in ihrer Burlesk- Szene: Die Riesenbraut. CASTANS" PANOPTICÜM Die oensatlonellcn iM" lebendeifW Photographien; mit Figuren In Lebensgrösse. Die russische Uinnnn" Damenkapelle uBIiyilull In moskowitlschen Kostümen. niiDifiico" mit 3 Beinen gebor. „Ul Cll UdO ieb. Kosakenpferd. Prater-Tliealer Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorns Resi. Volksslück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kcrsten. Kostüms oubrctie Fräul. Lude 8arow. Gebr.»Illardo, Grat. Dnett. Taumr-Ouartett, Gelang und Tanz, gbouo u. Campton, Neck- tunier. Br. Plcardy, Hand und Kopf- Equilibrist. BaNctlgcsellschast VSrlng. Hr. Bavtling, lebende Photographien. DM- Konzert und Ball.-HVN Eimritt wochentags und Sonniags litt Pf., NUM. Play SV Pf. Kalbo. W. Noacks Theater, Bninnmstraße 10. Täglich: Theater- u. Specialitäten- Vorstellung. Mein Husar. Liederspiel in 1 Akt von Steiner. N-u-MSlbltletterlillge oder: Goldene Tage. AusstattungS- Burleske mit Gesang und Tanz von W. Gericke. Im Musik von Wappaus. Saale: TanzkrlLanehea. Victoria-Brauerei Luhonistrahe III IIS. Im|kTaturgartcn oder Saal: Täglich Humoristische Soiree der Horddeutschen Zanger (Führmann',. Horst, Walde), ß- Auf. Sonntags u präc. 7, ivochen- tags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorvcrk. 40 Pf. Familienbillets = 1 M. Sonntag nnd Toiincrstag nach der Borsteuung T'aiir.krhn�ehen. Qsthaha-l�ach II er m arm Imbs 71 Rlldersdorfer Strafte 71, am Küsiriner Platz. Täglich: lioit-erl. Theater- und Speeialitäten-Vorstellung. Nur erstklassige Nummern. Anfang: Sonntage 4 Ubr. Entree 20Pf. Kinde, 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochcut. ö Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Ps. Jeden Dienstag: Nordde»t«ehe Sänger. Hermann Jmbs, Direktor. Vereill kt Ziiilliierer Berlins und Unigegenii. Sonntag, den 16. Juli 1899, vormittags 19 Uhr: DSf General--Versammlung in Cohns Jestsälen(grofter Saal), Benth- Strafte 20. Tagesordnung:'!. VcrcinSangelegenheiten. 2. Abrechnung vom 2. Quartal 1899. 3. Die gegen- wältige Situation in unserem Beruf. 4. Verschiedenes. 257/12 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vorstand. Sommer-Theater „Atter Mliiier" Nrtillerlestr. ZS. Inhaber: A. L-adewig. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Specialitäten-Vorstellniig. Dahlmann« ¥audeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Konzert, Theater n. Sppfialitiiten-Vorstellniig. Badstrafte 35,36. Regie: Willy Reusche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Konzert-, Theater- and Specialitäten- Borstcllnng. Berlin lvie's näht und trennt. Rose» ans dem Süden. Nach der Borstellung:»all. Aieichshalleu. Garten reap. Saal täglich: Stettiner Sänger (Mcpsei. Pietro, Britton. Sicidl. Krone, K t r ch in a y e r. Schneider und Schräder). Ansang Wochentag? 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageslafse von 11—1 Uhr. lecken Freitag: Neues Programm. R. Ballschmieders „Kastanleuwäldchen" Äonjertönrtcn u. ProMt Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grofter Ball im nouerbanten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichleiten. R. Ballschmieder. Metallarbeiter! Dienstag, den 18. Juli 1899, abends 8 Uhr, in Martens Festsaal, Friedrichstrafte 236, und Donnerstag, den 20. Juli 1899, abends 8 Uhr, im Moabiter Gcsrllschaftshaus, Alt-Moabit 86-81: 2 große öffelltliche Uersamilttuilgeii sör saiiltliche Arbkitcr Ulld Arbeiterilllleil der Firma& Halske. Tages-Ordnung in beiden Versammlungen: Die Arbeits- und Lohnverhältnisse im Betriebe der Weltfirma Siemen»«& Halske und welche Pflichten erwachsen hieraus den Arbeitern? Referent Dtto Kaether. 116/3 Der BertranenSmann der Berliner Metallarbeiter. Otto>«ether. Sv Annensirasie 39._ TischlerUerein. Sonnabend, den 13. Juli, abends 8'/- Uhr, Melchiorstrafte IS: General- DerlsuumUmg Tages- Ordnung: Abrechnung vom 2. Quartal 1899. Wahl eines Kassierers. Bericht über die Bibliothek. Wahl eines Bibliothekars. Ein Unterstütznngsgcsnch. Abrechnung von der diesjährigen Dampferpartie und Vercinsangelegen- heiten.— Mitgliedsbuch legitimiert. 198/19 Der Vorstand. Verband der Sattler und Tapezierer. Filiale Berlin I. Am Sonnabend, den IS. Juli, abends 9 Uhr, im Lokal „Englischer Hof", Neue Roftstrafte 3: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Panl Jahn über:„Der Welthandel im 19. Jahrhundert". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 177/18 Der Vorntand. Chavlottenbnrg. LVeltbaus 4 Wilmersdorferstr. 64 Ecke der Santstrasie. Trotz der anerkannt billigen Preise bei unS in Herren-, Knaben- und Arbeiter-Karderoben verkaufen wir wegen vorgerückter Saison sämtliche Artikel in«r-omnier- Garderoben, alS Paletots, kompl. Anzüge, Stofshoien, Knaben- Anzüge usw. zu bedeutend lloulooliki'llohsi'dottoi'-Vol'dgnll. Heute Freitag, abendS 8>/« Uhr, bei Cohn, Benthstr. SO LI: Sitzung; der Orts- Verwaltung. Sonntag, den 16. Juli, vormittags 0>/z Uhr, im Lokal des Herrn »ehlller, Rosenthalerstr. 57, Hof Part, links: Brllllchtil-Vcrsllmilllllllll i>er Büritell- mli> Pinsellilllcher, sowie Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen. Tages- Ordnung: l. Vortrag des Kollegen C. Dleck über:„Arbeiterrechte": 8, Diskussion. 3. Die bevorstehenden Wahlen zum Gesellenausschusi. Kollegen! Es ist notwendig, daß Ihr alle Mann für Mann pünktlich erscheint, da die Versammlung um 9l/t Uhr beginnt; die Wichtigkeit der Tagesordnung verpflichtet Euch dazu._ 107/9 oben- Anzüge»Iw. zu herabgesetzten Pi mieii. Große Abteilung in Radfahrer- Anzügen. Radfahrer-Hosen schon zu:t M. Maft- Abteilung unter Leitung bewährter Kräfte. Sämtliche Mahiachen mit kleiner Preiserhöhung. (Eigene Werlstatt im Hanfe.)(2IS8L- AVeltheius IHOnAIllM. Alilmersdorferstr. 94 Ecke der Kantstraße. Max Kliems Sommer-Theater llascnhelde 14-15. Artistische Leitung: Panl Milbitz. Tägliili: kroßes Garten-Konjert. � Theater- nnd Specialitäten-Porstellnng. Auftrete» des gesauitcn Schauspiel- u. Tpecialitäten-Personals. Nnr erstklassige Kräfte. Ceorg Fischer(Liedcrsänger), Karl Cursch(Tanz- Parodist), Knia Barnola (Kostiim-Sonbrette), Vendarg-7rlo(Phänoniciinl), Frerss Roslol(Eqnilibristcn), Mr. Leotardl(Antipode). Bfcncs gediegene» Fuinilicu-Programm. Entree: Wochentags 20 Pf.| Entrce: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf I Numerierter Platz 60 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsäle»: BFT" Grofter Ball."VS "ax Kl Die Kafsceküche ist geöffnet. Zita» Kllem. Schweizer Garten Am Königsthor<3iingbahu) Am Friedrichshain. Täglich: Theater- uud SpetlalLtateu-llorkellung. Auftreten de« nenen Künstler-Eiiüemble«. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität! Ober-Bonse von Klautsehon. Ausstattmigs Burleske mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.— Musik von Map Schmidt. Volksbelustiqungen aller Art. Im Saale: Belli» B. Günzel, Lothrln<|erslr. 52. ei fen, Nadeln, Brochen, Änöpsen. Büsten Lassalle, Marx zc. in Cigarrenspitzen,?W. W... Bildei-n n dgl., sowie iede Drecllslerwaare u. Repar.(Man verl. Preiskurant. Verein ckeuisvder Sedudmaeder. Sonnabend, den 13. Jnli, abends 8'/« Uhr, im Lokal des Herrn Paster, Juselstrafte Nr. 10: DevlaumtUmg der Schäftearbeiter und-Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen I-nrilr» 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 169/19 Die Drtaverwaltnng. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter und Berufsgenossen Berlins und UmgegsndJ BaJUftcUe Vixdorf. Sonnabend, den 18. Juli, abends SV'i Uhr, im Lokale de? Herrn Nroekrnann, Berliuerftr. 88 tEingang Jägerstrafte): Mitglieder-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. DiStusston. 3. Wahl eines BeitragsammlerS. 4. BereinSangelegenheiten. 142/7 Die Kollegen von Rixdorf werden ersucht, recht zahlreich w dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorntand. Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins nnd Umgegend. Sonntag, den 10. Juli, vormittag? 10 Uhr, im Lokal« de? Herrn Wllke. Audreasftrafte«6: Mitglieder-Versammlung. Wtz Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1899. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Vcreiiisangklegenbeilen. 4. Vcrühiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 84/12 Der Vorntand. I. A.:?. Kamal. Schöneöerg. Sonntag, den 10. Juli, in E. Witte«„Volk««arten", Wilmersdorf, Berliuerftr. 40 9. Stiftnngs-Fest des Arbeiter-Bilduilgsvertins Llhönebergs ulld Ulllgegelld. Brosses Voksi- und Instrumentsi-ltoniert unter gütiger Mitwirkung der Gesangvereine:„Rote Nelke",„Freiheit- Westen",„Frohe Hoffnung",„Gerechtigkeit"(Mitgl. d. A.-S.-B.). Die Kaffeelüche ist den geehrten Damen von 2 Uhr an geäffnet. Im Saale: Tanz. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. Jedes Kind erhält bei Vorzeigung einer Marke, welche an der Kaffe verteilt werden, eine Stocklaterne gratis. 13/s Gntree 80 Pf.»affeneröffnung 2 Uhr. Konzert von 4 Uhr ab. Der Vorotand. tmtrttl-Krankcll- 11. sterbr- klljse tzer Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. vertllchs Verwaltung Berlin B Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler 181/8 Ernst Klatsche nach langen und schweren Leiden am 12. Juli an der Proletarierkrankheir verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1». Juli, nachm. ö Uhr, von der Leichenhalle des Kirch- Hofes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltniig. Allen Freunden und Bekannten, welche meinem Manne, dem Eigarren macher[1307b Christian Strophff die letzte Ehre erwiesen haben, ins- besondere seüien Mitarbeitern der Cigarrensabrik von August Hintze meinen herzlichsten Dank. Pauline Strophff nebst Kindern. I? Pahiradkr wirklich erstklassige Maschinen .«HSIVIk.-i [Damen cyclesj •« OOMk... Baer Sohn Chausseestr. 24a. __ Prima harte"9(1 Schlackwurst mib Salami, a Pfund 1,10 Mark. SüPff fetten.. a Psd.-ö Pf. s�PL.11, mageren., 60„ LalldschiM,�- 90- J. Striepling vorm. E. Klähn, KUpnlckeratr. 103. ophastoffe 0»»» »H auch BC Nrckl? in Siips, Damast, ErSpe. Phantasie, Gobelin und _ Plüsch spoltbillig:[1609g« AMP" Proben frunco!-Wl S!hfnsti(t ••, Vs Berlin Emil Lefeure, Soeben beginnt mit einem neuen Roman ein neues Abonnement auf m-FRElEM STUNDEN mrzm ILLUSTRIRTEflOMAN BIBUOTHEK-3-JAHRO HEFT-10-PFENNIC- UNTERDEN DOLOMITEN Zu bezienen durcu uUe Buch- handlnngen, Colportenre und Spediteure, sowie durch die 1* o is t(Zeitungs-Katalog No. 3700) und den Verlag Buchhandlung Vorwärts Berlin SW., Beuth-Strasse 2. Verantwortlicher Redacteur: August Jacoben in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in«erlin. Druck und Verlag von Mar«ading w Berlin.