Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62 Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag Aus dem Inhalt: Wer finanziert Henleins Auslandsreisen? Die Revolte der Gauturnwarte Gablonzer Theaterbrief Forderungen des BdL 17. Jahrgang Tatarescu kündet ,, neue Richtlinien" an Bukarest. Der offizielle Viitorul" erklärt Freitag, 24. Dezember 1937 Weitere Erfolge bei Teruel Barcelona.( Agence Espana.) 3n Dank an Miaja im Leitartikel:„ Die Stimmen, welche die liberale Teruel ist jeglicher Widerstand aufgegeben und die gen ab: schreiten". 99529 Nr. 302 Die polnische Schaukel schen Information", des Nachrichtendienstes des polnischen Außenministeriums, die man in der Tat leicht als alarmierend bezeichnen könnte. Es hieß darin etwa, daß Polen den Austritt Italiens aus dem Völkerbund als einen Aft von weittragender Bedeutung ansehe. Gerade weil Polen sich zur Idee eines universellen Völkerbundes bekenne, Madrid. Zur Zeit, da sich die letzten Kämpfe um Teruel abspielten, wurde an der Madrider müsse es die nunmehrige Abwesenheit zweier Front nur eine sehr schwache Tätigkeit berzeichnet. betrachten. Wenn, so hieß es weiter, gewisse Streife europäischer Großmächte als entscheidend wichtig In der Sierra führten die Regierungsabteilungen versuchen sollten, aus Genf ein Lager der demotroß des schlechten Wetters im Abschnitte bei flüge. USA- Kabinett in Sondersitzung Verhandlungen England- USA- Frankreich London.( Eigenbericht.) Der amerika nische Präsident Roosevelt hat das Kabinett zu einer Sondersitzung einberufen, die über die Lage im Fernen Osten beraten und den Bericht der Admiralität über die Versenkung der Panay" entgegennehmen soll. Die japanischen Behörden versuchen, die USA zu besänftigen. Den japanischen Kommandanten in China ist der Befehl erteilt worden, die Ausländerrechte in China selbst um den Preis strategischer Nachteile zu wahren. Die japanische Presse setzt aber die Kampagne gegen England fort. Namentlich Chamberlain persönlich wird auf das schärfste aufs Korn genommen. springen vermag, denn England will unter allen Umständen vermeiden, daß Italien eine auch nur zeitweise Ueberlegenheit im Mittelmeer erhalte. für die englische und amerikanische Haltun wird bedeutsam sein, ob die Japaner weiterhin den Versuch fortsetzen werden, die Darstellung der Ereignisse um den„ Banay"-Zwischenfall 3 bestreiten, die den amerikanischen Behörden von mehreren Augenzeugen gegeben wurde. In Tokio scheint in dieser Frage ein heftiger innerer Nonflift zwischen der Armee und der Flotte ausge= brochen zu sein, die sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Warschau, im Dezember. Wenige Tage nach dem Besuch des französiMadrid.( Ag. Eſp.) Dem General Miaja iit schen Außenministers Delbos in Warschau, als Partei erhalten hat, stellen einen mächtigen Stadt nunmehr völlig von den republikanischen in feierlicher Sibung des Stadtrates und in Ges dessen Ergebnis man allgemein eine Befräftigung Schild für die Verteidigung der dauernden Soldaten besetzt. Mit Ausnahme derjenigen Gegenwart des Zivil- und des Militärgouverneurs, bat, sind in der internationalen Presse gerücht Schild für die Verteidigung der des polnisch- französischen Bündnisses angesehen Staatsinteressen und der moralischen Gesundheit bäude, in denen sich Zivilgardisten, Faschisten usw. sowie aller Chefs der Zentrumsarmee das weise Meldungen aufgetaucht, nach denen die pol des Landes dar. Die Regierung setzt das Werf verschanzt hatten, hauptsächlich in der Nähe der Diplom als„ Ehrensohn von Madrid" überreicht nische Regierung beschlossen haben sollte, aus dem fort, durch das das normale Leben Rumä- Straßenbrüde in der Richtung Alcanis, haben die worden. Dabei feierte ihn der Bürgermeister als Wölferbund auszutreten. Zurückzuführen sind diese niens gesichert werden soll." Häuser von Teruel wenig gelitten, wenn man in einen General, der sein Schicksal mit dem des Meldungen zweifellos auf eine am 14. Dezember Im Ministerrat gab Ministerpräsident Tata- Betracht zieht, welch heftiges Bombardement vor- Volkes verbunden habe. General Miaja antior- verbreitete Aeußerung der„ Polnischen Politis rescu bekannt, daß in der zweiten Hälfte Jänner angegangen ist. Die Soldaten räumen derzeit die tete, er sei nichts anderes als ein General, der eine große administrative Bersammlung nach Bu- Straßen auf und suchen in den Trümmern der dem Volte treu sei. Dann betonte er die inter farest einberufen werden wird, an der alle Prä- eingestürzten Häuser nach Leichen. Die Carabi- nationale Bedeutung der Einnahme von Teruel fekten, alle Bürgermeister von Städten und alle nieros sind dabei, die Rebellenstellungen bei Man- und schloß:" Jezt werden wir schneller zum Siege Borstände in öffentlichen Diensten teilnehmen suelo zu nehmen, zehn Kilometer von Teruel entwerden, um die neuen Richtlinien der fernt, wo der Feind einen Unterschlupf gefunden Teilkämpfe bei Madrid Regierung zur Kenntnis zu nehmen, welche hat. Man erwartete die Uebergabe dieser Stellung dann auf allen Gebieten des administrativen Le- noch im Laufe des Donnerstag. Die Zahl der militärischen Gefangenen in Teruel beträgt 4000. bens zur Geltung gebracht werden sollen. Sie waren alle in großer Todesfurcht, da man Maniu über die Wahlen ihnen immer vorgesagt hatte, daß die Noten" Bukarest. Der Präsident der Nationalen alle Gefangenen umbringen und sie wollten die Tablada und dem Leonpaß mehrere Operationen fratischen Staaten gegen die autoritären Staaten Bauernpartei Maniu gab der rumänischen Presse, entgegengesetzte Wirklichkeit zunächst gar nicht durch. Im Abschnitte bei Nova Storrada haben die zu machen, so bestehe die Gefahr, daß Genf zu Teiloffensiven der Regierungstruppen den Auf- einem Partner in doktrinären AuseinanderiebunWahlausgang baten, die folgenden Erklärun- gebäude geleistet worden, aus dem mit Maschinen- front von Guadalajara verhinderte die Regie- nis zum Völkerbund einer Revision unterziehen.. deren Vertreter ihn um eine Aeußerung über den glauben. Der letzte Widerstand war im Seminar ständischen große Verluste zugefügt. An der Nord gen würde. In einem solchen Falle müsse Polen die neue Lage prüfen und notfalls sein Verhält " Auf Grund der Berechnungen des Innen- fchen Soldaten eindrangen, hörte das Feuer auf. ständischen. Die Regierungsflugzeuge unternah- zialistischen und italienischen faschistischen Preffe gewehren geschossen wurde. Als die republikani- rungsartillerie Konzentrationsmanöver der Auf- nis zum Bölkerbund einer Revision unterziehen.. In der Auslegung der deutschen nationalsoministeriums und auf Grund der Berichte, welche Es wurden Handgranaten geworfen, worauf sich men an allen Abschnitten zahlreiche Erkundungs- zialistischen und italienischen faschistischen Preſſe meine Partei von ihren Bezirksorganisationen er die Besatzung ergab. erhielt diese Auslassung der Polnischen Politihalten hat, läßt sich feststellen, daß die liberale fchen Information" selbstverständlich sofort einen Partei die notwendigen 40 Prozent der Stimmen sehr bestimmten völkerbunds- gegnerischen Charaf nicht erhalten hat. Sie kann also auch die im ter. Italienische Blätter erflärten, daß franzö Wahlgesetz vorgesehene Wahlprämie nicht erhalten. fische Regierungsfreise bereits in Warichau ins Die außerordentliche Bedeutung dieser in der formiert worden feien, daß Polen fünftig eine politischen Geschichte Rumäniens einzig dastehentPolitik auf der Linie des Antisowjetpaktes betrei den Erscheinung kann niemandem entgehen. ben würde. Es werde zwar diesem Paft nicht Sie wird auf die gegenwärtigen politischen Ertig fernhalten. Zwar haben die Erklärungen, die ffiziell beitreten, wohl aber sich von Genf künf eignisse fowie auf die politische Entwicklung Nudarauf ausländischen Journalisten in Warschau mäniens überhaupt entscheidenden Einfluß haben. von maßgebender Seite zuteil wurden, die zabis Sobald die Zentralwahlkommission die offiziellen reichen Gerüchte und Kombinationen wieder auf Wahlergebnisse veröffentlicht haben wird, wird das Maß zurückgeführt, das die ursprüngliche VerZeit sein mitzuteilen, was ich darüber denke und lautbarung des polnischen Außenministeriums ein welches der Gesichtspunkt unserer Partei hinsicht gehalten hatte. Die polnische Diplomatie werde, lich der unmittelbaren Folgen der Niederlage der io hieß es in diesen Erklärungen, weiter an der Regierung Tatarescu ist." Völkerbundsorganisation mitarbeiten und abwarten, ob die Entwicklungen ihre Befürchtungen be= tätige oder widerlege. Jedenfalls ſei zunächst nicht beabsichtigt, irgendwelche Entscheidungen in Die amerikanischen Schußmaßnahmen an der Frage der Einstellung Bolens zum VölferDie weitere Entwicklung der diplomatischen der pazifischen Küste sind weiter ausgedehnt wor- bund herbeizuführen. Gerade diese Formulierung Jerusalem.( Havas.) Vereinigte Polizei und Situation wird von der Verständigung zwischen den. Vier japanische Fischerboote sind in San und die nochmalige Unterstreichung der ersten Militärabteilungen eröffneten am Mittwoch im England, den Vereinigten Staaten und Frank- Diego zeitweise angehalten, nach einer Durch offiziösen Verlautbarung hat vielleicht aber wenig Laufe der Verfolgung terroristischer Banden einen hartnädigen Kampf gegen eine bewaffnete Bande reich abhängen. Die englische Mittelineerflotte, fuchung aber wieder freigelassen worden. Der dazu beigetragen, die im Westen entstandene Bes von 50 Männern in der Nähe von Araba, westlich die nach dem Abkommen von Nyon im Mittelamerikanische Küstenwachdienst wurde verstärkt. unruhigung zu beseitigen. Und es ist klar, daß sich diese Beunruhigung über das Verhalten des Vers von Tiberias. Ihre Aktion wurde von Flugzeugen meer den Wachdienst versieht, wird nur dann und unterstützt. Nach den ersten Meldungen wurden elf nur insoweit nach dem Fernen Often abfomman- Verstärkung der indischen Armee bündeten insbesondere in französischen Streifen in Araber erschossen. diert werden, als Frankreich für sie einzu Delhi. Zur Modernisierung der indischen wenig freundlichen an die Adresse der polnischen Delhi. Zur Modernisierung der indischen Regierung gerichteten Aeußerungen Luft ges Armee ist ein Mechanisierungsplan" aufgestellt worden, der bereits am 1. Jänner 1938 in Straft Die Verlautbarung des polnischen Außens tritt. Zur Durchführung dieses Planes find ministeriums ist nicht zuletzt in Polen selbst einer 600.000 Pfund Sterling bereitgestellt. Vorerit werden, dem Plan zufolge, vier britische Kaval- scharfen Stritif unterzogen worden. Die demokras - sie stellen Der Bericht an die Kammer tischen Kräfte im polnischen Volk Yerie- Regimenter mechanisiert, und zwar je zwei unzweifelhaft die Mehrheit dar weisen auf den Paris. Außenminister Yvon Delbos erstat- mit jenen Frankreichs in Einklang, das ebenso Regimenter innerhalb eines Zeitraumes von Eindruck hin, den solche Verlautbarungen im bes ete Donnerstag im Außenausschuß der französ wie diese Staaten dem Völkerbunde fest ergeben zwei Jahren. Die Mechanisierung soll 1940/41 Eindruck hin, den solche Verlautbarungen im be ischen Stammer einen ausführlichen Bericht über it. Alle diese Staalen haben den festen Willen. beendet sein. Mit Rücksicht auf die Lage in freundeten Ausland hervorrufen müssen, und vers seine Reise durch Mittel- und Osteuropa. Er hob nichts zu unterlassen, um mit allen Staaten zu Hernen Osten wird hier gegenwärtig eine große gessen selbstverständlich nicht zu betonen, welche die Herzlichkeit und die oft ergreifende Art der einem befferen Einvernehmen zu gelangen. In Luftschußpropaganda inszeniert. Die Provinz lebenswichtigen Interessen Polen zumindest indiAufnahme hervor, die ihm sowohl seitens aller diesem Geiste muß sich die Politik der Solidarität regierungen sind angeregt worden, Ruftschut- rekt an den Völkerbund binden, wovon das franbeteiligten Regierungen, als auch seitens der und der Versöhnung entwickeln, die auf eine har organisationen in allen größeren Städten ine ösisch- polnische Bündnis. allein beweiskräftig genug ist. Man ist sich aber in allen informierten breiten Schichten der Bevölkerung zuteil wurde, monisierte Tätigkeit der von dem gleichen Ideal politischen Kreisen Warschaus über die Auslegung und sprach seine volle Befriedigung über die Un- beseelten Staaten und auf eine Erleichterung der terredungen aus, die durchwegs im Geiste freund Die Manöver der USA- Flotte inns jener Verlautbarung des Miniſteriums des Obersten Beck einigermaßen einig, und man schaftlicher Offenheit stattfanden. Aus allen die- Ueberall wurde auch der Wunsch nach einer London. Der Flottenkorrespondent des neigt der Ansicht zu, daß Herr Beck die alarmie sen Besprechungen gehe hervor, daß die Vande, Ausweitung der Wirtschaftsbe„ Daily Telegraph" mißt den Manövern der rende Wirkung seines Kommentars zum Austritt welche diese Staaten mit Frankreich verknüpfen, ziehungen und nach einem Kultur aus- amerikanischen Flotte im Stillen Ozean( 14. Staliens aus dem Völkerbund nicht verkannt, soneng und aufrichtig bleiben, da sie tausch geäußert. Durch dessen Vertiefung und März bis 29. April 1938) besondere Bedeutung dern wohl in seine Berechnungen eingesetzt hat. nicht nur auf der Gemeinschaft der dauernden die Intensivierung der Beziehungen leiste man bei. Die Anzahl der teilnehmenden Schiffsein. Die polnische Außenpolitik, die nicht anders zu Interessen, sondern auch auf den Gefühlen und einen sehr wirksamen Beitrag zu dem Einverneh- heiten und die Ausdehnung des Manövergebietes fönnen glaubt, als mit dem benachbarten Dritten der Treue der Bevölkerung und auf dem gleichen men zwischen. Frankreich und den befreundeten feien geradezu erstaunlich. Nicht weniger als 150 Reich immer einige Grade freundschaftlicher zu Friedensideal beruhen. Schiffe und 500 Flugzeuge feien an den Ma stehen als alle andern Nachbarn Deutschlands, In jedem der vier beteiligten Staaten bleibe Nach seinen Ausführungen antwortete növern beteiligt, die sich praktisch über den größ- glaubte deshalb auch in diesem Falle, seinen westdie Freundschaft zu Frankreich die Grundlage der Minister Delbos auf zahlreiche Anfragen, welche| ten Teil des Stillen Ozeans erstreden. Die ame lichen Nachbarn gegenüber betonen zu müssen, daß politischen Interessen dieser Staaten. Dem von Abgeordneten aller politischen Schattierun- ritanische Kriegsfrite werde während der Ma- das Verbleiben Volens im Völkerbund feineswegs Außenminister Frankreichs wurden diesbezüglich gen an ihn gestellt wurden. Der Borjißende des növer bis auf 600 Meilen an die japanischen eine Distanzierung gegenüber Italiens oder, was überzeugende und unzweideutige Ver- Außenausschußes der Kammer, Mistler, dankte Gewässer herankommen, was sicher noch nie der wichtiger ist. gegenüber Deutschland bedeute. Man ficherungen gegeben. Ein jeder dieser Staaten, dann dem Minister im Namen des ganzen Aus- Fall gewesen sei. Ein Teil der amerikanischen wählte zu diesem Zweck die Form einer Warnung deren Interessen sich in voller Entwicklung be- schusses für die hervorragende Art, in der er Flotte werde mit den Uebungen sogar noch weit an die demokratischen Kräfte des Westens, weil finden, habe oft einige besondere Forderungen, Frankreich auf seiner Reise durch die verbündeter aus früher beginnen, als zu dem festgesetzten sie ja teine Festlegung bedeuten und Deutschland aber alle diese Länder bringen ihre Bestrebungen und befreundeten Staaten vertreten habe. Zeitpunkt des 14. März. gegenüber doch als vorzeitige Abwehr von Ans Berlin. Wie man in hiesigen politischen Kreis fen hört, wird der jugoslawische Miniſterpräsident und Außenminister Dr. Stojadinovič zu seinem anjekündigten Besuch in Deutschland am 15. Jänner in Berlin eintreffen. Delbos voll befriedigt Zusammenarbeit zwischen allen Staaten abzielt. Staaten. Leben zu rufen. macht hat. Seite 2 Freitag, 24. Dezember 1937 Nr. 302 würfen brauchbar fein sollte. Der erste Eindruck, so meint man wohl in Warschau, mag gewisse Kreise verschnupfen, es gibt aber genügend diplomatische Mittel, um ihn zu ermräften, wenn er auch bei der Regierung des Verbündeten Frankreich allzu tief gewesen sein sollte. Und man erblickt in informierten Warschauer Kreisen in der Auslassung der»Polnischen Politischen Information" noch einen anderen, zusätzlichen Sinn. Dieser ist innenpolitischen Charakters. Das heutige polnische Regime, zumindest aber die Kräfte um das Außenministerium werden eS sicherlich nicht bedauern, wenn durch eine außenpolitische Distanzierung gegenüber einer angeblich bestehenden oder in Entstehung begriffenen Gesinnungsgemeinschaft der europäischen Demokratien— und eine solche Distanzierung sollte die Verlautbarung bedeuten— auch der starken und gefürchteten demokratischen Opposition m Polen das Wasser etwas abgegraben werden sollte. ES mag sein, daß gewissen Kreisen tatsächlich dadurch die Einflußlosigkeit der demokratischen Opposition auf das Regime eindrucksvoll unter» Sozialpolitische Gesetze Von Abg. Franz Macoun den der strichen erscheint, hatte doch erst vor wenigen Wochen der Präsident der Republik eine Delegation der sozialistischen Parteiführer, empfangen. Sie demokratische Wahlen und eine eindeutige völkerbundstreue Außenpolitik forderten; eine Tatsache, die in ganz Polen großen Eindruck gemacht hat. Aber wie dem auch sei, so wenig wie Polen als Nachbar Rußlands bereit ist, dem Antikominternpakt beizutreten» so wenig dürft« man in Regierungskreisen ernstlich daran denken, sich vom Völkerbund zu trennen. Man weiß vielmehr sehr wohl die unerhörten Nachteile richtig einzuschätzen, die ein solcher Schritt für das Verhältnis Polens zu Frankreich mit sich bringen müßte, daS trotz allem die wichtigste Grundlage der polnischen Außenpolitik darstellt. Wohl aber wird man sich in Warschau bemühen, einen Ausweg zu finden.»Zur Unterstützung wirksamer Bestrebungen zur Reform des Völkerbundes hat sich Polen schon früher bereit erklärt", so hieß eS in der jüngsten amtlichen Verlautbarung auch. Man wird also dieser Reform das Wort reden und hofft, damit allen Teilen Genüge zu tun. Arbeiterschaft nicht. Auch wir sind uns der Mängel, welche diese Gesetze jetzt tragen, bewußt. Aber sie sind grundsätzlich die Verankerung und Erweiterung des Arbeitsrechtes in der Gesetzgebung, Plattformen für unseren weiteren sozialpolitischen Kampf. Noch verzeichnen wir 332.981 Arbeitslose. Das ist ungefähr soviel wie in der gleichen Zeit des Jahres 1931. Nach diesem Stande der Arbeitslosigkeit ist die Wirtschaftskrise noch keineswegs überwunden, obwohl wir die Produktionsziffer vom Jahre 1929 erreicht haben. Nicht Schritt gehalten damit hat die Einstellung der Arbeiter und Angestellten in die Betriebe und keineswegs die Lohngestaltung. Wir wollen hoffen, daß die gegenwärtigen ungünstigen Schwankungen in einigen Industrien keine dauernde Erscheinung sind. Jedenfalls ist die Annahme der drei Gesetze bedeutungsvoll für unseren Kampf um die Lebens- intereffen der Arbeiterklasse in der Zeit zwischen Krise und Konjunktur. der Arbeitslosenfürsorge außerhalb des Genter Systems, gesetzlich zu regeln. Vorläufig aber sind die zahlreichen und oft willkürlichen Streichungen aus der Ernährungsaktion unhallbar geworden./ Beide Teile der staatlichen Arbeitslosenfürsorge werden Partei und Gewerkschaften im kommenden Jahre in der Richtung beschäftigen, daß wir gesetzliche Reformen anstrebeN. Daher ist eS gut, daß der Staatszuschuß zur Arbeitslosenunterstützung wieder ein parlamentarisches Gesetz geworden^ist. Die bisherige Verordnung gegen Betriebseinstellungen«nd Maffen- entlaffungen wird nun Gesetz, ebenfalls mit einer Befristung bis 81. März 1939. Seit ihrem Bestände vom 20. April 1934 hat diese Verordnung, in der wir uns manche Verbesserung wünschen, doch Erfolge aufzuweisen. Es sind durch die Wirksamkeit der zuständigen Ministerien gegen angemeldete Stilllegungen immerhin 365 Fabriken mit 48.273 Arbeitern und Angestellten im Betriebe erhalten geblieben. Unsere Bemühungen müssen aber vor allem darauf gerichtet sein, daß die Wirksamkeit des nunmehrigen Gesetzes von der Abwehr der Betriebsstillegungen auf die Initiative zur Wiederbelebung stillgelegter Betriebe erweitert wird. Ueber die wirtschaftliche Bedeutung eines so erweiterten Gesetzes für künftige Krisenverhütung wird eine besondere Erörterung sehr zweckmäßig sein. Schließlich hat das Abgeordnetenhaus Gesetzesantrag auf einjährige Verlängerung bisherigen Regierungsverordnung betreffend Die Unkündtarkett der Kollektivverträge beschlossen. Die ursprüngliche Vorlage sah allerdings die unbefristete Verlängerung vor. Es kam aber insbesondere im Gewerbeausschuß zu einem schwierigen Junktim mit der Vorlage für die Verlängerung des Numerus clausus für Zuckerfabriken. So wurde schließlich die Kompromißlösung der Verlängerung für die Kollektivverträge auf ein Jahr gefunden. Abgesehen von dieser Episode kommt natürlich in Betracht: Die Unkündbarkeit der Kollektivverträge war ein notwendiger und wirksamer Krisenschutz, mit welchem im Jahre 1934 dem Lohnabbau eine Schranke gefetzt wurde, die den Abwehrkampf der Gewerkschaften stützte und wirklich den Lohnverfall aufhielt. Um so mehr aber mußten unsere Gewerkschaften sofort die wirtschaftliche Wiederbelebung zur wenigstens teilweise Wiedergutmachung ausnützen. Es ist daher selbswerständlich, daß, nicht zuletzt im Interesse unserer Bollswirtschast, die Aufwärtsbewegnng der Löhne«nd Gehälter nicht«nterbunden werden darf. Mit der Regierungsverordnung vom 26. Juni 1937, Nr. 141, die noch bis 31. Dezember 1938 gilt, ist auch'der von den freien Gewerkschaften Vertretenen a l l g e m i i n e n V e bind l i ch k e i t der Kollektivverträge der Weg gebahnt. Die Anerkennung des Kollektivvertrages in der Gesetzgebung ist ein bedeutender Abschnitt in unserem gewerkschaftlichen und politischen Kampfe und es wäre verlockend, ihn geschichtlich zu würdigen. Jedenfalls wollen wir trachte», daß das Kollektivvertrag-Recht in unserem Lande dauernde Tatsache wird. So ist die Annahme dieser drei Gesetzesvorlagen durch das Parlament ein bedeutender Fortschritt in der sozialpolitischen Gesetzgebung der Tschechoslowakischen Republik. Die Oppositionsparteien, welche einseitig Kritik Nach dem Abschluß der bedeutungsvollen Verhandlungen der Bedeckungsvorlagen zum Staatsvoranschlag 1938 hatte das Abgeordnetenhaus in der Vorwoche noch drei sozialpolitische Gesetzesanträge der Regierung zu erledigen. Da es sich bei allen drei Vorlagen um terminierte Regierungsverordnungen Handelle, mutzte die Erledigung noch erfolgen. Sonst wäre es wahrhaftig besser gewesen, die drei Gesetzesvorlagen in einem weniger bedrängten Zeitpunkte zur parlamentarischen Verhandlung zu bringen. Nichtsdestoweniger ist es von großer Bedeutung, daß wichtige sozialpolitische Positionen, die bisher nur als Verordnungen auf Grund des Ermächtigungsgesetzes bestanden, nunmehr— sobald sie noch vom Senat verabschiedet sind— von der Nationalversammlung beschlossene Gesetze geworden sind. Dies unbeschadet des Umstandes, daß alle drei Gesetze befristet sind. Die drei im Texte recht bescheidenen Vorlagen kennzeichnen trotzdem die Lage der Arbeiter und Angestellten während der Krisenjahrr, ihre doppelte Belastung durch Massenarbeitslosigkeit und Lohnabbau ES handelt sich zunächst um den Staatszuschuß zur Arbeitslosenunterstützung, welcher gemäß der letzten Regierungsverordnung vom 31. März 1936» Nr. 78, für daS Jahr 1938 unverändert verlängert wurde. Das erste Gesetz vom Jahre 1921 über diesen wichtigsten Teil unserer öffentlichen Arbeits- ,losenunterstützung wurde am 1. April 1925 in 'Kraft gesetzt. Seine bedeutendste Umgestallung und Verbesserung erfuhr es am Begine der Krise durch t>ie Novellierung vom 5. Juni 1930» Nr. 74. Die Regierungsverordnung vom 29. Juli 1933, Nr. 161, bracht« dann auf Grund der Lage der Staatsfinanzen im Tiefpunkte der Krise wesentliche materielle Verschlechterungen. Konnte man sich der ungünstigen Lage der Staatsfinanzen nicht verschließen, so waren die administrativen Erschwernisse, welche nach unserem langen und zähen Abwehrkampfe in diesem kritischen Zeitpunkte kamen, nicht unwesentlich aus der Feindseligkeit Der Präsident der Republik empfing am 23. Dezember den amerikanischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minsster W. C a r r und hierauf den sowjetischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister S. A l e x a n d r o w s k i. Weiters empfing der Präsident der Republik den Oberdirektor der Bank der tschechoslowakischen Legionen Josef K h h n und schließlich den franzö- ,fischen Journalisten L. N a u d a u. Neuer Präsidialchef des Landwirtschaftsministeriums. Nach dem Scheiden des bisherigen Chefs des Präsidiums des Landwirtschastsmini- steriums, Sektionschefs JUDr. O. Eisenstein hat Landwirtschaftsminister JUDr. I. Zadina zu dessen Nachfolger den Ministerialrat Jng. Jan M a z a n e c ernannt, der seit dem Jahre 1920 Personalsekretär aller Landwirtschaftsminister und vom Jahre 1934 an Vertreter des Präsidialchefs gewesen war. Zum neuen Personalsekretär des Landwirtschaftsminssters wurde der Ministe- rialoberkommissär Jan Skramovsky ernannt. Veränderungen im diplomatischen Dienst. Wie die„Närodni Politika" berichtet, wird der bisherige Gesandte in Belgrad, Dr. Girsa, demnächst in Pension gehen, weil er die Altersgrenze erreicht hat. Ueber seinen Nachfolger ist noch nicht entschieden. Gleichfalls in den Ruhestand tritt der bisherige Vorstand der Oftabteilung des Außenministeriums, Ministerialrat Dr. Anton S u m. Der bisherige Gesandte in Bern, Künzl-Ji- zerskh, geht nach Wien, an seine Stelle-nach Genf kommt der bisherige Präsidialchef des Außenministeriums, Dr. Bohdan S t r t r. Der neue Präsidialchef wird der bisherige Beamte der politischen Sektion, Dr. Rejholee. Außerdem ist der Posten des Chefs des Diplomatischen Protokolls durch das Ableben des Gesunken Strimpl freigeworden. Prrsonaländerungen im Finanzministerium. Wie der„Prager Börsen-Courier" berichtet, geht der Sektionschef des Finanzministeriums, Dr. T. K u d e l a, am 1. Feber in Pension, Kudela war Vorstand der Bank-, Börsen- und Währungsabteilung in diesem Ministerium und wird in seinem Amt ersetzt werden durch Ministerialrat Dr. A. Ietäbek, der Settionschef werden soll. An die Stelle Dr. Jekäbeks, welcher bisher legislativer Referent gewesen ist, tritt Obersektionsrat Jaroslav R o s s i, der Ministerialrat werden wird. Rossi soll auch der Vertreter des Finanzministeriums an der Prager Börse werden, welches Amt gewisser bürgerlicher Gruppen gegen die Arbeits losenfürsorge diktiert. Es ist bei weiter nicht möglich, an dieser Stelle die gewalligen Leistun gen, welche unsere Gewerkschaften finanziell und durch ihre Arbeit erbrachten unb erbringen, zu umschreiben. Es sei nur festgestellt, daß abge sehen von der Tätigkeit in den Zentralstellen die tausende örtlichen Funktionäre unserer Gewerk schaften, die mft der Auszahlung der Arbeits- losenunterstützung befaßt sind, nicht nur schwie rigste, sondern hervorragende Arbeit im In- teresse des Staates leisten. DaS gilt besonders für die deutschen Gebiete mit ihrer viel größeren Arbeitslosigkeit.' Tatsächlich hat die Arbeit unserer Menschen dem Staate nicht nur einen kostspieligen Verwaltungsapparat er spart, sondern auch in wirtschaftlich schwerster Zeit wesentlich zur Aufrechterhaltung der Ruhe beigetragen. Die Durchführung der Arbeits losenunterstützung ist für unfere Funktionäre ge radezu Höchstleistung geworden. Deshalb ist es ein notwendiges Gebot, daß jener Teil der Pra xis von den staatlichen Organen geändert wird, der unerttäglich geworden ist. Es handelt sich hiebei um die Erhebungsart der Bezirks- behörden, die ein Fremdkörper in der Praxis der Arbeitslosenunterstützung bleibt und sehr schädliche Auswirkungen im Gefolge hat, um ein heitliche Weisungen, um die Zusammenfassung der bisherigen Erlässe u. a. m. • Nachdem die bisherige RegierungWerordf nüng ausdrücklich vorübergehenden Charakter hatte, wird es die Aufgwbe von Partei und Ge werkschaften sein, im Laufe des Jahres 1938 da für zu wirken, daß das Gesetz vom Jahre 1930 im wesentlichen wieder hergestellt wird. In diesem Zusammenhänge ein Wort über die ErnährungSaktion, die weder auf einem Gesetz noch auf Verordnungen beruht. Die Ernährungskarten im Ausmaße von Kö 10.— odev-XL 20.— wöchentlich bieten sicher keine ausreichende Lebensmöglichkeit. Es sind die zusätzlichen Leistungen von Milch, Winterhilfe, Weihnachtsbeitrag und die schon wiederholten Kindergenesungsaktionen zu werten. Es ist aber, zweifellos eine Notwendigkeit, auch diesen Teil lüben, trüben das Bild und dienen der Sache der; bisher gleichfalls Dr. Jeräbek inne gehabt hat. Mr laßt den Armen schuldig werden... Von Margarete Neumann „Unsinn!" beruhig* sich Adele, der Mann vor ihr sieht sonst ganz harmlos aus. Noch gut erhalten, ja sogar sehr kräftig auf sein Alter. Er verbeugt sich höflich, dann hört Adele ein leises Kichern. „Küß d'Hand! Gnädigste, also ein andermal!" murmelt er, wendet sich zur Türe, geht. Eilig sperrt Adele hinter ihm ab. Weiler brachte das Buch nicht zurück. Adele mahnte nicht, war froh, daß der Alle sich nicht wieder zeigte. Sie beschaffte sich gleich am nächsten Tag nach dem Besuch des Weiler eine Sierheitskette. Bevor sie schlafen ging, stellte sie noch den vollen Kohlenkübel vor die Türe, solche Angst hatte sie vor dem Manne. So lebten die beiden Menschen fast Tür an Tür— und dennoch weit' entfernt voneinander. Manchmal, wenn Adele Postarbeit hatte» bis in die späten Nachtstunden nähte» hörte sie in der Stille, die sie umgab, seltsame Geräusche, Klirren von Metallstücken, Kichern, manchmal leises Reden, Stöhnen, Unheimlich war das. Adele wagte dann kaum zu atmen. Die Geräusche kamen aus der Wohnung des Weiler, sein Zimmer grenzte unmittelbar an die Wand ihrer Stube. Wurde es wieder ruhig, wagte Adele die Steppmaschine in Bewegung zu setzen. Dann nähte sie eifrig, ihre Gedanken weilten weitab von der Gegenwart, beschäftigten sich mit dem einzigen großen Erlebnis, das Adele hatte: Marion! Die Liebe ihrer Jugend, sie lebte in Adele weiter, wov die zartesten Träume von einstigem Glück um die Einsame. So vergingen Tage, Wochen, Jahre, lln- freundlich ist die Stube, aber sie steht unter Mieterschutz. Adele ist froh, diesen Vorzug noch zu genießen. In ihr ist ja alles licht, überstrahlt non Phantasiebildern, Proben ihrer Kunst— kleine Kerammodelle— zieren die Kredenz. Denn Adele Bergner ist Kunstgewerblerin. Das Namenschilo verrät, was einst war. Umgeben von Wohlhabenheit und Liebe tyar die Kindheit Adeles. „Hoflieferant Vinzenz Bergner(Kürschner)" stand über dem Geschäft des Vaters, im Zentrum der Stadt. Der Adel von Wien, die reichen Bürgersftauen und-Herren waren treue Kunden, viele davon Freunde der Eltern. Während in Deutschland die großen Warenhäuser längst blühten, hielt in Oesterreich der„Handwerker" stand, ja, erlebte gute Konjunktur. Die „Zünftler" hatten Standesbewußtsein, damals sehr viel Geld, aber weniger Voraussicht. Adeles Eltern verwöhnten daS einzige Kind, nie dachten sie daran, es könnte auch mal anders werden. Vinzenz Bergner mußte 1915 einrücken, fiel bei der Schlacht um Lemberg. Damals besuchte Adele die Kunstgewerbeschule. Die Professoren waren einheitlich der Auftaffung, Adele sei ein großes Talent. Ihre Einfälle waren apart, kapriziös, die von ihr modellierten Gegenstände fanden Liebhaber. Aber die Mutter, die den Verlust des BaterS nicht überwinden konnte, erwies sich dem Leben ohne Mann völlig hilflos. DaS Geschäft verfiel. Ein Onkel nahm in letzter Stunde das Steuer in die Hand, Adeles Lebensweg führte er energisch in eine andere Bahn. „Die Spielerei mutz ein Ende nehmen, dabei könnt ihr beide verhungern!" sagte er. „Adele übernimmt der Nachfolger Bergners in die Lehre, mit so geschickten Händen wird sie als Kürschnerin mehr verdienen. Handwerk hat goldenen Boden!" damit schloß er seine Ansprache. Die Mutter überließ dem energischen Bruder alles weitere. Bon dem Betrag, den der„Nachfolger Bergners" für das Geschäft bezahlen^ mußte, konnten sie bescheiden leben. Sie mieteten eine kleine Wohnung. Brav und fleißig(Widerstand war niemals Adeles Sache) lernte Adele das Kürschnerhandwerk. Nur eines hielt sie durch. Den Besuch der Kunstgewerbeschule in Abendkursen. Weder der Mutter, noch dem Onkel verriet sie, daß sie einen„Freiplatz" erwirkt hatte. Wenn sie.— abgespannt und müde von der Arbeit als „Lehrling" nach Hause kam, kleidete sie sich rasch um, gab der Mutter einen Kuß, sagte:„Ein bis- serl an die Lust mutz ich, gell Mutter!, in zwei Stunde» bin ich wieder dal" So schnell sie imstande war, legte sie den Weg zur Kunstgewerbeschule zurück. Ist dem UebungSsaal umgeben von anderen Schülerinnen, vergaß Adele ihr gewöhnliches Leben. Sie versank völlig in ein anderes Sein. Der Geruch von Erde, Lehni, Gips, hüllte sie in Wonne, wie andere Menschen dem Alkohol Oder anderen narkotischen Genüssen verfallen. So lebte das heranreifende junge Weib ein absonderliches Leben. Niemanden anvertraute. Adele, was sie eigentlich ersehnt, wünscht oder erstreben will. Sie mied überflüssiges Reden mft den anderen Lehrlingen, sie war nicht hochmütig, aber unfähig, den Sturz aus bürgerlicher Umgebung in die des Arbeiters zu verstehen, wie sie überhaupt nicht dazu erzogen worden war, die Masse Mensch— die Proleten — zu beachten. Daß diese lebten, da waren, wußte sie, empfand für sie nichts. Die schlimmste Zett, die Nachkriegsjahre erlebte die Mutter nicht. Jetzt war Adele, sie nannte sich Dele, ganz einsann Sie war, ja inzwischen großjährig, der Onkel kümmerte sich wenig um sic, sie selbst fragte ihn niemals um Rat. Sie hatte, nach Vollendung der Lehrzeit die Firma„Berg- ncrs Nachfolger" verlassen. Als eines Tages der Onkel doch nachschauen kam, was das Kind seiner Schwester treibe, blieb er überrascht vor der Wohnungstür stehen. „Adele Bergner, Kunstgewerblerin" .(Wiener- Werkstälte) las er. Dele hatte die Küche in ein modernes Gemach verwandelt. Das Zimmer war ihr„Atelier". Ueberall standen Kunstgegenstände, reizende Ke- ramarbciten. Aber den zürnenden Onkel versöhnte die„Abteilung Mode!" Aparte Hütchen, Kappen, Kragen, boten sich den Blicken dar, allerdings nicht aus Fell, sondern alles Modelle aus Papier, bunt, eigenartig, manches für den Geschmack des biederen Zuckerbäckers unverständlich. Doch er drückte die Hand der Nichte anerkennend, als sie ihm erklärte, das„Geschäft"(wie er es nannte) gehe gut, jedenfalls könne sie leben ohne von dem lieben Onkel Unlerstühung zu verlangen. Die Nachbarn wunderten sich oft über Adele Bergner. Sie war jung, sogar„sehr hübsch", aber eine MänltSkfeindin. Das schien auch der Fall zu sein, stimmte nicht. Dele hatte einen Freund, Einen jungen Bildhauer. Sohn eines reichen rumänischen Gutsbesitzers. Verwöhnt, launenhaft, lieb und sehr begabt. In einer Ausstellung:„Wiener Werkstatt" sah er Kerammodelle, sie gefielen ihm, er ließ sich die Adresse Adeles geben. Als er vor ihr steht, wird er unsicher. Dann stottert er in drolligem Deutsch.' er wolle einige Sachen kaufen. Adele zeigt ihm verschiedenes, er nimmt, was er gerade vor sich sieht, überreicht Adele einen Scheck. Adele bleibt innerlich unberührt, dankt, geleitet den jungen Mann zur Türe. Zwei Tage später ist er wieder da. Diesmal bestellt er etwas „ganz Besonderes". Das muß besprochen werden. Er bleibt länger. Adele wird zutraulicher, jetzt löst sich alles in ihr. Da sitzt ein Künstler, ein Gleichgearteter vor ihr, mit dem kann man die Phantasie galoppieren lassen. Stunden vergehen, zwei junge Menschen merken davon nichts. Die herrlichsten Kunstgestalten entstehen, Denkmäler von gigantischer Art, keiner hemmt den anderen, dem Flug der Phantasie folgen beide. Adele mutz mitgehen in Marions Atelier. Ganz begeistert von dem verstehenden Partner folgt Adele. Die schönste Zeit ihres Lebens beginnt. .(Fortsetzung folgt.), Nr. 302 Freitag, 24. Dezember 1937 Sudetendeutscher Zeitspiegel Wer finanziert Henleins Auslandsreisen? Das Tschechoslowakische Pressebüro gab am 23. Dezember folgende Meldung aus: „ Die Tschechoslowakische Nationalbank teilt zu der in dem Artikel ,, Henleins Auslandsreisen" des " Právo Lidu" vom 18. Dezember erhobenen Frage und dem Hinweis auf die vermeintliche Benevo lenz bei der Zuteilung von Valuten für diese Auslandsreifen mit, daß Herr Konrad Henlein VaIntenzuteilungsgesuche bei der Tschechoslowakischen Nationalbank weder direkt noch indirekt ein gebracht hat." Knaben- und Jünglingsschändung find Verbrechen, die den Namen Heinz Ruthas aus der Turngeschichte für immer auslöschen sollten! Aus diesen Auffassungen heraus scheibe ich aus meinem Führeramte und empfinde es nicht als Schande oder Fahnenflucht!" Das sitzt! Weihnachtsbotschaft des Präsidenten heute im Rundfunk Alle tschechoslowakischen Sender werden heute auch der Kurzwellenfender um 21 Uhr eine Weihnachtsbotschaft des Präsidenten ter Republik Dr. Beneš übertragen. Der Präsident wird erst tschechisch und dann deutsch sprechen. Es war schon früher aufgefallen, daß Herr Forderungen des B.d.L. Henlein, der in London und seinerzeit in der Echweiz, aber auch in Berlin in den teuersten Ho- Die Reichsparteivertretung des Bundes der tels logierte und außerordentlich hohe Tagesrech Landwirte hielt am Mittwoch in Prag eine Sits mingen bezahlen mußte, sehr bescheidene Beträge zung ab, in welcher die politischen Referate des mit über die Grenze nahm, eben gerade so viel, Ministers Dr. Spina und des Vorsitzenden Guwie die allgemeinen Bestimmungen über die De- stav Hacer einmütig zur Kenntnis genommen visenausfuhr vorschreiben. In diesem Punkte wurden. In dem Bericht der„ Deutschen Land ist Henlein sehr gesebestreu. Aber es ist nicht post" über diese Tagung wird u. a. festgestellt, gut anzunehmen, daß die tschechoslowakischen daß innerhalb unseres Staates nicht der GeBanknoten, die Henlein ins Ausland mitnimmt, danke der Verschärfung der nationalen Gegenbort Junge kriegen, noch weniger kann man glaus säße, sondern der Gedanke des Zusammenführen ben, daß die Nobelhotels in London, Zürich und der Völker, also des Ausgleiches der Gegenfäße Berlin dem Führer der SdP nur um seiner schönen fortschreitet. Ein bedeutsames Zeichen für die Augen willen mit Speise, Tranf und Herberge um- Richtigkeit dieser Auffassung sind die Richtlinien sonst bewirten, zumal da Henlein ja auch immer des 18. Feber..." über ein ansehnliches Gefolge verfügt. Man weiß übrigens, daß Henleins Hotelrechnungen immer richtig bezahlt wurden. Es fragt sich aber an gesichts der obigen Meldung der Nationalbant, mit wessen Geld das geschah. Es liegt der Gedanke nahe, daß ein anderes Land Herrn Henlein iene Devisen- ,, Erleichterungen" geivährte, die er vor der Tschechoslowakei verschmähte. Herr HenLein wird ja doch wohl nicht ermangeln, gerichtlich Klarstellen zu lassen, ob eine solche Vermutung richtig ist. Die Revolte der Gauturnwarte Die Rumburger Zeitung" zitiert folgende Stellen aus einem ihr vorliegenden Abschiedsfchreiben eines Gauturnwarte 3 an seine Vorturnerschaft im Deutschen Turn berband: „ Ich bringe hiermit der Turnerschaft des Gaues zur Kenntnis, daß ich mein Amt als Gaus turnwart nieberlege. Meine mehr als fünfzehnjährige Tätigkeit als turnerischer Führer verpflichtet mich aber, meine Amtsniederlegung zu begründen. -Die Disziplinierung Ing. Rudolf Haiders ist feine Lösung des schwebenden Problems. Man fann überhaupt Probleme durch Disziplinarstrafen nicht aus der Welt schaffen. Es geht mir nicht um die Person Haiders, sondern einzig um die Behandlung der alten Mitglieder der aufgelösten Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und deren jüngeren Anhang. Die körperschaftliche Teilnahme am Begräbnis Heinz Ruthas durch die Verbandsführung, der Turners, aft, der Jugend und des Arbeitsdienstes, sowie die Widmung von Nachrufen in der Verbandszeitung waren für mich untragbar. Erklärung Zu dem in unferem Blatte vom 11. Oftober 1937 unter der Ueberschrift 60.000 in Leitmeritz" erschienenen Bericht über das Erntedankfest in Leitmerik erklären wir, daß wir diesen Bericht einer Pressekorrespondenz entnommen haben und uns mit den darin enthaltenen auf die Redaktion des„ Sozialdemokrat" bezüglichen Aeußerungen und Vorwürfen nicht identifizieren, weshalb wir sie widerrufen und auf diese Weise Genugtuung leisten. Die Schriftleitung der ,, Ascher Zeitung" Seite 3 Anwachsende Tuberkulose unter den Hochschülern In den letzten Wochen vor Weihnachten fanden im Rahmen des Studentischen Gesundheitsdienstes der deutschen Hochschulen die an den deutschen Kliniken und an der Deutschen Poli flinik durchgeführten Gesundheitsuntersuchungen der neueintretenden deutschen Hochschüler stutt. Der Gesundheitszustand muß als absolut unerfreulich bezeichnet werden, wurden doch bis jetzt zehn Fälle offener Tuberkulose. Die erkrankten u. a. 19 Lungenbefunde festgestellt, darunter Studenten werden sofort der obligaten Heilte handlung zugeführt und geeigneten Heilstätten zugeteilt. Gle: chzeitig hat auch die Deutsche Stu dentenfürsorge, welche als Geschäftsstelle des Gesundheitsdienstes die bisherigen Kosten der Ausgestaltung dieser so wichtigen Hilfsstelle ges tragen hat, eine Ernährungszuschuß- Aktion eins geleitet, wodurch über 270 unterernährte und rekonvaleszente Hochschüler mit Mittagfreitis.hen und mit Milchkarten beteilt werden. Ein Alarmruf Dr. Schachts Dritten Reiches respektiert „ Ich glaube, man darf nicht mehr Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat auch offenere Kampfansage an die Autarkielo= nach seinem Sturz als Reichswirtschaftsminister jungen des Dritten Reichs. Dr. Schacht sagt: und seiner Verdrängung durch Göring die Hoffnung nicht aufgegeben. In der Zeitschrift Der Beit versäumen, um eine internationale deutsche Volkswirt" beschäftigt er sich mit den Aufbaupolitit fräftig in Angriff zu nehmen. GeAussichten der Weltwirtschaft und warnt vor einer wiß, man hat Jahre hindurch der Entwicklung Fortsetzung der bisherigen Politik. Seine War- ihren Lauf gelassen und es ist relativ gut dabei nung obwohl sie die Abkehr vom statischen gegangen. Aber das beweist noch nicht, daß es und die Belehrung zum dynamischen Denken pre- auch weiterhin gut gehen muß. Im Gegenteil, jo digt und derart wenigstens die Terminologie oes wie die Dinge heute liegen, wird diese bequeme kann doch nur als Methode zunehmend gefährlich." vorwiegend an die Adresse der Machthaver Deutschland gerichtet angesehen werden. Gewiß find Dr. Schachts Feststellungen richtig, wenn er sagt, daß die Weltwirtschaft in die große Strise des Jahres 1929 mit erheblichen Reserven gegangen ist und daß heute, wenn ein Rückschlag eintritt, mit solchen Reſerven nicht gerechnet wer den kann. So betrachtet, ist die Weltwirtschaft tatsächlich, wie Dr. Schacht sagt, schlechter fundiert als im Jahre 1929. Die Landbündler fordern ein gutnachbar lich und wahrhaft freundschaftliches Verhältnis" zu Deutschland. In wirtschaftlicher Beziehung verlangen sie eine zwvedmäßige Regelung der Wieh- und Milchwirtschaft. Der Bde betrach tet es als einen Fortschritt, der sein Antrag betreffend die Errichtung einer deutschen & or se ho chi ch u Ie die prinzipielle Zustim mung des Parlamentes gefunden hat und hofft, daß sowohl diese Forderung wie auch die Forde Das Wesentlichste an Dr. Schachts Alarms rung nach Errichtung einer deutschen Tier- ruf ist jedoch sein Glaubensbekenntnis zu einer arznei hochschule und andere kulturelle internationalen Aufbaupoli Forderungen ihre eheste Verwirklichung finden. tit und damit seine neue, diesmal wohl noch Nazi- Offiziere in Haft 400- Jahrfeier Ruttenplans. Ruttenplan als einer der ältesten Orte Westböhmens( erste Er Sechzig österreichische wähnung im Jahre 1219, also zur Zeit der Kreuzzüge) gedenkt die Tage vom 23. bis 26. Juli 1938 festlich zu begehen. da ihm vor 400 Jahren das von König Ladislaus verliehene Marktrecht von Ferdinand erneuert wurde. Wien.( Insa). Ueber die von der franzöfifchen und englischen Presse gemeldeten Berhaftungen von Offizieren des Bundesheeres wird bekannt, daß sich gegenwärtig insgesamt 60 Offiziere und etwa 250 Unteroffiziere und Mannschaftspersonen, größtenteils in Wien, in Haft befinden. Die Verhaftungen setzten im September ein, und zwar bald nach dem Eintreffen eines nach Wien transferierten Bataillons des An unsere Abonnenten, Kolporteure und Inserenten Siroler Alpenjägerregimentes, dessen Mannschaft bei einer Ausrückung in den Straßen unter DulAnläßlich des Weihnachtsfeiertages dung der Offiziere nationalsozialistische Flugzetam Samstag, den 25. Dezember, tel ausstreute. Das Bataillon wurde daraufhin entfällt unsere Sonntagsausgabe in der Deutschmeister- Raferne versammelt und vom 26. Dezember. Da die Ausgabe durchsucht, wobei umfangreiches Propagandavom Samstag, den 25. Dezember, material, illegale Zeitungen und Flugblätter, die schon Freitags in den Abendstun- zumeist aus Deutschland stammten, beschlagden expediert wird, ist das Blatt nahmt wurden. Weitere Verhaftungen erfolgten in der Trainkaserne in Meidling, wo auch ein am Samstag zeitig früh in allen Oberstleutnant festgenommen wurde, den die Drten. Polizei als den Leiter einer nationalsozialistischen Zelle entlarvt hat. Auch mehrere Verbindungsmänner in anderen Kasernen, ferner der Oberst des Generalstabes, Danner, wurden verhaftet. Die Verwaltung. Ganz so unschuldig, wie Dr. Schacht es darstellt, indem er als Warner auftritt, ist er selbst an dieser Entwicklung nicht und man fann im Gegenteil sagen, daß er der vielleicht geschickteste der Männer war, die die etngegengesette Politik vertreten haben. Ihm ist jedoch augute zu halten, die Gefahr erkannt und zur Umkehr geraten zu haben. Es hat aber nicht den Anschein, daß Deutschland den guten Willen hat, seinen Anteil zu einer internationalen Aufbaupolitik beizutragen, wie Dr. Schacht sie verlangt, und doch sind es ge= rade die nationalsozialistischen Wirtschaftsdoktrinen, welche den größten Hemmschuh der vollkom menen Wiedergenesung und Sicherung der Weltwirtschaft darstellen. Erfolge der Chinesen Die chinesische Gesandta fchaft in Prag meldet: Am Nordufer des Yangtseflusses, insbesondere bei Itschen und Putau, sind heftige Kämpfe entbrannt. Nach einem Angriff der chinesischen Truppen bei Wuji und Itschen erlitten die Japaner schwere Verluste und wichen in Richtung Pukau und Takohu zurück. An der Nordfornt versuchten die Japaner einen Angriff auf Tanin, den südlichen Teil Hopeis. Sie wurden jedoch zurückgeschlagen und wichen mit schweren Verlusten zurück. Die japanischen Verfuche, den Hoangho in der Richtung Litschiatsanu im nördlichen Schantung zu überschreiten, scheiterten unter großen Verlusten. Schanghai.( Reuter.) Die Schlacht um Hangtscheu wird immer heftiger. Drei japanische Solonnen rücken von Nordosten und Nordwesten trop heftigen Widerstandes der chinesischen Abteilungen gegen die Stadt voz. Katholische Botschaft an die Kommunisten Paris. In der Weihnachtsbotschaft des französischen Kardinals Verdier ist ein Absatz enthalten, der sich ofenbar auf die Kommunisten delte. Damit sei gleichzeitig auf die allzu enge| ferner Hanna Dorn und Willy Popp an erster Stelle bezieht und folgendermaßen lautet: Gablonzer Theaterbrief Bindung ber Theaterleitung mit der im Sommer zu nennen. Das Tenorfach ist mit Sepp KazianerKurs nach rechts Die Spielzeit 1937/38 begann mit dem schon traditionell gewordenen Direktionswechsel In die neue Direktion mit Frau Hildegard Bertram wurden große, vielleicht allzu große Erwartungen gesetzt. Nach Ablauf der ersten Hälfte der Spielzeit kann einerseits festgestellt werden, daß di. neue Direktion die Erwartungen auf eine solide Geschäftsführung und Arbeitsweise wohl erfüllt hat daß aber andererseits der wirklich große fünstlerische Erfolg nicht zu verzeichnen ist. " " ,, Wir Christen wollen allen jenen helfen und des Jahres plötzlich aufgetauchten völischen Kallan unbefriedigt besett, Grete Just als Sängerin alle Trösten, die leiden müssen. Wir wollen dem Theatergemeinde hingewiesen. Es konnte stimmlich begabt, noch anfängerhaft. Eine feine Auf- Arbeiter helfen, damit er seine Rechte erringt auch auffallen, daß die tschechische Komödie des Mis führung stand mit dem Stück ,, Warum lügst Du, und für morgen die Versöhnung aller Menschen loš Kareš ,, Diktator Lämmchen", deren Darstellung Cherie?" gleich zu Beginn der Spielzeit. An den in Gerechtigkeit und Liebe vorbereiten. Wenn die allerdings nicht gelang, so quasi als Werk irgendeines Gastspielabenden mit dem Tenor Willy Scherdech Geste eurer dargereichten Hand den Wunsch beMilos Kares( ohne Häkchen und ohne Ueberseber) gab es sehr gefällige Aufführungen von„ Walzer- deutet, die katholischen Brüder besser kennenzuauf dem Theaterzettel erschien, damit es bei gewissen traum" und Bolenblut". Die beachtenswerte Ur- lernen, und mit dem Glauben, der sie besseelt. Kreisen nicht auffällt, daß man in der tschechoslowa- aufführung des Singspieles ,, Die Glocken von Straß auch ihre Ueberzeugung, ihre Gefühle und ihre fischen Republik eta gar das Werk eines tschechi- burg", als Werk der heimischen Autoren Albin Arbeit beffer zu respektieren, dann wird sich die schen Schriftstellers ſpiele! Man scheint aber daraut Brosch( Text) und Elinar Seibt( Musik) fand eine Kirche nicht weigern, dieses Werk der Erleichteeingeschworen zu sein, mit der bölfischen Gemeinde freundliche Aufnahme. Die jüngste Premiere, die rung durchzuführen und Ihr werdet bald festdurch Dick und Dünn zu geben; allzu siegesbewußi Ausgrabung ,, Dichter und Bauer" von Suppée, wäre stellen, daß die Kirche mächtig zum Glück aller ingen jedoch die Ermahnungen der übrigens rat- wohl als Wert wie im Aufführungsniveau geeignet, beitragen kann." und hilflosen völkischen Theaterförderer, daß man der erste Dauererfolg zu werden. Musikalisch steht doch die anders Gesinnten keineswegs ausschließen der Operette Kapellmeister Frik Arndt mit sichtlichem Fleiß und Können vor. molle, jedenfalls Der einzige Opernabend, Wagners Fliegender Pariser Weltausstellung wird doch verlängert In künstlerischer Hinsicht wurde vor allem eine verstärkte Pflege des seriösen Schauspieles erwartet. Mit Peer Gynt" wurde ein kühner Anlauf in die große Weltliteratur genommen; er blieb leider ohne Das Schauspielensemble hat in Erwin Groß. ben erwarteten Widerhall und damit verliefen sich Die französische Kammer genehmigte Frei offenbar die großen Schauspielpläne überhaupt. Es Arthus Ciovsky, Peter Desolani, Ludwig Göttl, Elifolgten zwei Werke mit erfolgreichen Rollen: Ven- sabeth Bircher sowie in der Frau Direktor selbst un- Holländer" hinterließ bei aller Anerkennung für tag abends nach einer ganztägigen Debatte mit chels„ Barin" und Guirauds ,, Karenina"( nach bedingt verläßliche Stüßen, die allen Aufgaben ge- Mühe und Koſten das Gefühl einer halben Sache. 338 gegen 271 Stimmen den ersten Artikel des Zolstoi). Eine der besten und wertvollsten Auffüh- wachsen sind. In der Operette scheidet die Pflege Auch der schwache Besuch zeigte, daß für solche Fälle Regierungsgeseßentwurfes, durch welchen der das Wiederauftreten ehemaliger Bühnenmitglieder Antrag auf Verlängerung der Internationalen rungen war ,, Rufmord" von F. A. Rokos. Das Ho- des klassischen Genres durch das reduzierte musikahenzollernstüd ,, Katte" von Hermann Burte war eine lische Ensemble leider von vornherein mehr oder oder unbekannter Provinzgäste, von denen Herbert Pariser Ausstellung im nächsten Jahre grundund Gillmann aus Aufsig zwar vortrefflich, die säßlich bewilligt wird. Vor der Abstimmung Deutliche Berneigung nach rechts, aber auch dort war weniger aus. Die ziemlich zahlreichen und gut vor Senta der Martha Focke aber ungenügend waren, sprachen Handelsminister Chapsal und Minister man von der Brutalität neudeutscher Blubodramati: bereiteten Premieren lassen auf eine fleißige und allenthalben enttäuscht, doch unsere Schulbehörden gewissenhafte Arbeit schließen. Die von der Reichs- keinerlei Anziehungskraft ausüben. Also wenn schon, präsident Chautemps, die beide übereinstimmen ließen es sich nicht nehmen, dieses Wert auch als musikkammer approbierten Werke( Kollo, Künnede, dann hätte man müſſen zu Gäſten von Rang und erklärten, daß der Staatsranschlag durch die Echülervorstellung zu geben. Als Lustspielerfolg ist Goeße) werden, wenn auch nicht immer mit PubliDer Besuch des Theaters läßt außerhalb eineinzig Bruno Frants Nina" zu verzeichnen. Das fumserfolg, bevorzugt und die völkische Theaterhat auch den Völkischen gefallen, weil man es als gemeinde macht sich wiederum nichts daraus, Paul seiner Abonnementsvorstellungen oft viel zu wünneudeutsche Neuheit eines Bruno Franz" auf den Abrahams ,, Victoria und ihr Husar" als Sonder- schen übrig, und es scheint, als ob alles Entgegen Theaterzettel setzte und so nicht merken ließ, daß es verstellung spielen zu lassen. Von den Kräften sin kommen an die völkischen Kreise nicht allzu reichlich fich um den ,, Kulturbolscheiten" Bruno Grant han- Regisseur und Charakterfomiter Walther Friedel, quittiert würde. Namen greifen. 6. Möldner. Finanzierung der berlä ten Pariser Ausstellung nicht belastet werden wird. Für die Verlängerung der Ausstellung haben sich insbe= fondere alle Abgeordneten für die Stadt Paris, und zwar sowohl die der Regierungsvarteien, als auch die der Opposition ausgesprochen. Sette 4 Freitag, 24. Dezember 1937 Nr. 302 JaAesneuigkelkn Eine Unslöckllche auf dem Thron Zum hundertsten Geburtstage der Kaiserin Elisabeth Am 24. Dezember sind es hundert Jahre, daß Kaiserin Elisabeth von Oesterreich geboren wurde. 'Sich ihrer zu erinnern— das bedeutet nicht, einer plötzlichen monarchistischen Anwandlung zu verfallen. Erinnerung an Elisabeth von Oester« reich, das ist Erinnerung an eine eigenartige, in- tcreffante und unglückliche Frau. Als kaum lüjähriges Mädchen hatte Kaiser Franz Joseph die junge bayrische Prinzessin kennen gelernt, als er in Ischl mit Elisabeths Schlvester Helene verkuppelt werden sollte. Er verliebte sich in die wunderschöne Elisabeth. Sie wurde Kaiserin von Oesterreich. Eine Liebesheirat also. Aber die österreichische Höfluft bekam der jungen Elisabeth schlecht. Sie lernte gar bald die überstrenge, steife Hofetikette verabscheuen, und an dieser Etikette, aber nicht weniger an Franz Josephs innerer Kälte, an seiner Gemütsarmut zerbrach die Ehe und zerbrach das Glück Elisabeths. Auch als nach zwei Töchtern schließlich doch ein Thronfolger geboren wurde (KronprinzRudolf, der durch Selbstmord endete), war die Entfremdung zwischen Elisabeth und Franz Joseph nicht mehr zu überbrücken. Da der Kaiser in eine Ehescheidung nicht einwilligte, ging Elisabeth auf lange Zeit ins Ausland. Sie war viel auf Reisen und auf der Insel Korfu, wo sie sich ein Schloß nach ihren Bedürfnissen eingerich- te: hatte, zog sich die immer mehr in Melancholie versinkende einsame Frau zu gelegentlichem Ausruhen zurück. Auf Korfu errichtete sie ihrem Lreb- lmgsdichter Heinrich Heine ein Denkmal. Ja, diese Kaiserin war eine gebildete und nachdenkliche Frau, eine Freundin der Kunst und der freien Dichtung, und auch deshalb mochte man sie am Wiener Hofe nicht.:— Ihr Lebensglück piar dahin. Sie mußte noch den Verlust des einzigen Sohnes erleben— und die völlige Gleichgültigkeit ihres Gatten, des Kaisers, und wußte, daß niemand in ihren Kreisen sie verstand. Eine fcine, kluge, gefühlvolle, tief empfundene Frau war dadurch unglücklich geworden, daß ein Kaiser sie als Gattin erwählt hatte. Sie wurde immer einsamer, immer stiller.• Im Jahre 1898 wurde sie in Genf von dem italienischen Anarchisten Luccheni ermordet. Nie hat es ein sinnloseres Attentat gegeben. Elisabeth freilich war der Tod ein Erlöser. Erlöser von Schrecken zur Weihnachtszeit Nein, es ist kein Tippfehler und Sie haben auch ganz richtig gelesen, diese Betrachtung ist wirklich den unschönen Nebenerscheinungen des Mittwinter-Festes gewidmet, die manchmal auch die bestfundierte Festtagsfreude in die Flucht schlagen können. Die weihnachtliche Zeit ist fast jedem Menschen in irgendeinem Sinne bedeutsam. Es ist das Sonnwendfest der Germanen, die Feier der Geburt Christi, der Beginn des Winters, das Fest der Familie, die Umkehr des Lichtes. Der religiöse Mensch und der Atheist, der Astronom und der Ethiker, alle kommen auf ihre Rechnung Der Sinn wechselt, doch immer ist er ein Anlaß, diese Zeit aus der Flut der Tage herauszuheben. Darin ist auch die Lebensdauer dieses Festes begründet, das sich durch die Jahrtausende erhalten hat und seit fünfzehnhundert Jahren am s-lben Tage gefeiert wird. Aus dem vieldeutigen Durcheinander von weltlichem und geistigem, christlichem und heidnischem Gedankengut wächst der Aberglaube. Die Zeit zwischen Anfang Dezember und dem Drei- königstage wird zum Tummclfeld der Geister, sie ist erfüllt von Gefahren, dunklen Bedrohungen und verschiedenen Grauslichkeiten, die uns auf Schritt und Tritt umlauern. Die Mystik des Mittelalters und der. Vorzeit wird wieder lebendig, der Mensch ist ein Spielball der unbekannten Mächte, die Feuer, Wasser, Erde und Luft beherrschen, die Furcht macht sich breit und liegt wie eine dunkle Wolke über der Festtagsfreude der Menschen. einem Leben, das dadurch für sie sinnlos geworden war, daß das Schicksal sie auf einen Thron gehoben hatte. Der Präsident heim Wcihnachtsbaum. Donnerstag abends fand sich der Präsident der Republik' mit Gemahlin wie alljährlich, beim We.h- nachtsbaum auf dem Altstädtxr.Ring ein ud erlegte einen Beitrag von 100b KC. Außerdem bedachte der Präsident' der Republik aus Anlaß der Weihnachten die tschechische und die deutsche Jugendfürsorge mit einem besonderen Beitrag. Die Zngsverspätungen. Die Staatsbahndirektion in Prag gibt bekannt: Die erwartete Steigerung des Weihnachtsreiseverkehrs hat sich auf den. Prager Bahnhöfen Mittwoch und hauptsächlich Donnerstag morgens durch Zugsverspätungen, insbesondere der Schnellzüge und hauptsächlich der Fernverbindungen der Personenzüge und infolgedessen auch der Arbeiterfrühzüge kundaegeben. In nicht geringem Maße wurde die Verkehrsunregelmäßigkeit der Züge durch die außerordentlich große Zähl von Weihnachtssendungen, Post- und Fischsenhungen erhöht. Auch der' Frosteintritt hat starke' Verkehrszwischentälle verursacht, wie z. B. auf der Strecke Üvaly—Eefth Brod, wo eine längerdauernde Störung im Tele« araphen- und Televhonbetrieb eintrat, weiter kam es zur Entgleisung eines Waggons beim Rangieren auf dem Hillover Bahnhof(Hra- bovkal. Auch der außerordentlich starke Frachtver- kchr übte einen störenden Einfluß auf den Per- sonenzugsverkehr. Die größte Verspätung bei internationalen Schnellzügen erreichte bis 122 Minuten, bei Personenzügen 100 Minuten. Zur Bewältigung der erhöhten Verkehrsfreauenz wurden Donnerstag und Mittwoch eine Reihe von Sonderzüaen eingestellt und die regelmäßigen Züge verstärkt. Die beengten Verhältnisse der Präaer Bahnhöfe und das Zusammentreffen der erwähnten Umstände erlaubte es bei aller Anstrengung sämtlicher ausübender Beamten nicht, eine vollkommen glatte Berkehrsabwicklung auf« rechtzuerbalten, so daß einige Früh-Perlonen- ^i'ige mit Arbeiter- und Beamtenfrequenz längere Zeit in den Vorstadtbahnhöfen bis zum Freiwerden der G-l-iZanlagen der Präger Hauvtbabn« böse, des Wilson« und des MasarykbahnhofeS, aufgebalten werden mußten. Wenn Nazi eine Reise tut... Nach Rejk- iavik, der Hauptstadt Islands kam jüngst ein richtiger reichsdeutscher Naziftudent, der die Jslän- länder mit einem Vortrag über den Hierlschen «Arbeitsdienst" beglücken wollte. Dazu forderte er die Wcrbcdienste des deutschen Generalkonsuls an. Der Pg. Student war aber mit der einschlägigen Tätigkeit des Generalkonsuls nicht zufrieden. So besuchte er ibn und haute dem Vertreter des Reiches, das die körperliche Ertüchtigung über alles stellt, einige zackige Ohrfeigen. Der Generalkonsul und deB'Gesandte in Kopenhagen ersuchten darauf die isländische Regierung, den akademi« scheu Pg. auszuweisen, der das jedoch nicht abgewartet bat, sondern vorher abgereist ist.(bn) Der Bukarester Theaterbrand. Zu dem Brand des Bukarester Theaters.Vox" vom Mittwoch wird berichtet: Das.Vox"-Theater ist da^ größte Theatergebäude in der rumänischen Hauptstadt und dient der leichten Muse. Bei der gestrigen Revue war der Zuschauerraum vollkommen ausvcrkauft und der Brand brach derart rasch aus, daß die Flammen im Ru Bühne und Zuschauerraum erfaßten. Die Flammen fanden besonders an der reichen Holzverkleidung, an den Holzgalerien und den Holztüren sowie an den leicht entzündbaren Bühnendekorationen leichte Nahrung. Wie Donnerstag frühmorgens bekanntgegeben wird, kam«ne Reihe von Personen ums Leben, u. zw. zumTeil durch die Flammen selbst, zum Teil durch die ausgebrochene unbeschreibliche Panik. Die Töten konnten noch nicht identifiziert werden. Viele andere Zuschauer wurden mehr oder weniger Diese überall lauernden Schrecken verdüsterten auch die Weihnachtsfeste meiner Kinderjahre, Die Herrlichkeiten begannen schon ein paar Wochen vor Weihnachten. Kaum war die Dämmerung hereingebrochen, gingen auch schon Gespenster um. Es war jedes Jahr dieselbe Sache. Ernsthafte ältere Leute hatten sie gesehen und waren zu Tode erschrocken gewesen. Doch ehe sie sich fassen konnten, war das.Gespenst" wieder verschwunden. Wir wußten genau>oie diese Geister der Adventzeit ausschauten: Sie waren vorn weiß und hinten schwarz, hatten weiße, spitze Mützen und trugen Schuhe mit Sprungfedern. Außerdem hatten sie rote Hände, die sie mit Vorliebe dem arglos Dahinschreitenden aus die Schultern legten, dabei murmelnd„Rette mich! Nette mich!" Ansonsten aber waren, wie alle Eingeweihten betonten, diese Gespenster absolut harmlos. Trotzdem wurde unter diesen Umständen ein Gang über die Straße zum gefährlichen Abenteuer, dem sogar die mutigen Erzähler lieber aus dem Wege gingen. Manchmal kam es sogar vor, daß ein solches Erscheinen mit nachfolgender Behandlung des„Gespenstes" im Krankenhaus endet«, denn auch mit den irdischen Mächten ist kein Ewiger Bund zu flechten. Die'harmlosesten Dinge, die man ansonsten unbeschwert von beängstigenden Empfindungen behandelt, wurden zum unheildeutenden Anzeichen. Die Beschaffenheit des Weihnachtsstriezels war ein bedeutsames Orakel; kam er verbrannt aus dem Ofen heraus, dann kündigte er schwere Krankheiten an, wurde er gar zerbrochen, dann holte sich bald der Tod ein Opfer. Am Weihsckwer verwundet. Das Publikum verzichtete, um rascher flüchten zu können, auf die in der Garde- rcbe abgegebenen Ueberklerder und stürzte ins Freie, wohin auch die Schauspieler, Statisten und die Ballettkorps sowie das Chorpersonal, geschminkt und in Theatcrkostümen, drängte. Wie kekanntgegeben wird, beläuft sich der Materialschaden auf einige Millionen Lei. Erdbeben in Mexiko. Wie die„New Mark Sun"' aus'Mexiko-Stadt meldet, ereignete sich Donnerstag stich in Mexiko ein schweres Ero- beben. durch das auch die Hauptstadt stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der'Erdbebenherd wird 400 Kilometer von Mexikostadt entfernt vermutet. Da sämtliche Instrumente des Landesobservatoriums. infolge des Bebens unbrauchbar wurden und auch alle telegraphischen Verbindrm» gen der in der Hauptstadt vertretenen amerikanischen Kabelgesellschaften unterbrochen sind, lst« gen einstweilen keine näheren Einzelheiten üb-r deren Umfang vor. In Mexiko-Stadt riß oas Erdbeben den Straßenasphalt auf und brachte in den Häusern die Möbel zum Umstürzen. Da das Beben sich in früher Morgenstunde ereignete und die Meisten, der'Einwohner noch schliefen, kom.te man auf den Straßen hunderte von Menschen in Panikstimmung durcheinanderrennen sehen. Besetzung eines polnischen Bergwerkes. Da die Lohnforderungen der Arbeiter seitens der Direktion nicht berücksichtigt würden, trat die Belegschaft der staatlichen Gruben in Knurow(Oberschlesien) in den Okkupationsstreik. Ein Teil der Arbeiter verbleibt unter der Erde, der Rest der Belegschaft über Tage. Die Frauen und Kinder der Streikenden versammelten sich vor den Gruben. Der Besetzungsstreik der 46 Mitarbeiter der suspendierten Zeitung des«Bundes polnischer Lehrer",«Dziennik Poranny" dauert^chon die siebente Woche. Todesurteil in Jerusalem. Das englische .Kriegsgericht in Nablus hat wiederum ein Todesurteil gegen einen Araber gefällt, in dess-n Besitz Waffen gefunden wurden. In einem Dorf: bei Hebron ist ein Araber von unbekannten Tätern erschossen worden.— Nach Meldungen aus Damaskus ist in der syrischen Provinz Djestreh der dortige Gouverneur auf einer Reise mitsamt seinen vier Begleitern entführt worden./ Internationaler Zug durch chinesisches Kriegs- gebiet. Hankau hat Donnerstag früh mit dem Reiseziel Hongkong ein internationaler Weihnachtszug verlassen, der bunt mit britischen, amerikanischen und deutschen Flaggen sowie anderen Staatsfarben geschmückt kst. Er bringt etwa 300 Reisende nach Hongkong, die dort Samstag oder Sonntag erwartet werden. Den japanischen Behörden wurde dieser Zug gemel- oet und der Flaggenschmuck dient dem Zwecke, daß man den Zug schon von weitem erkennt. Spanisches Verkehrsflugzeug abgestürzt. Im Departement Aude(Frankreich) stürzte Mittwoch ein spanisches Flugzeug ab, wobei es schwer beschädigt wurde. Es transportierte vier Passagiere aus Spanien und sechs aus Paris stammende Kassen mit der Aufschrift.London Victoria" nach Spanien. Nach Aussagen der Passagiere, die nicht verletzt wurden, waren diese Kassen für die Bank von Spanien bestimmt. Baumblüte in Barna. In der Umgebung von Barna stieg das Thermometer vor einigen Tagen bis auf 20 Grad C über dem Nullpunkt, so daß zahlreiche Obstbäume ausschlugen. Ueber Barna entlud sich ein Gewitter.. Eine solche Ersckeinung wurde hier zu Weihnachten zuletzt vor über 20 Jahren beobachtet. Rachejustiz in Polen. Die Prozesse gegen die Führer der Vereinigten polnischen Volkspartei, welche wegen der Organisierung des Buiern- streiks im August d. I. verhaftet und zur strafgerichtlichen Verantwortung gezogen wurden, werden fortgesetzt. Das Bezirksgericht Buczac nachtsabend dursten, nie eine ungleiche Zahl von Gästen bei Tische sein, das schlimmste Verhängnis war es, wenn man sieben oder dreizehn Köpfe zähste. Das Essen muhte ohne jede Störung von außen eingenommen werden. Wehe dem Unglücklichen, der es wagte, während der kritischen Zeit anzuläuten oder anzuklopfen: Er oder einer der Aufgeschreckten mußte im kommenden Jahre sterben! Nach dem Essen wurde ein Apfel in soviel Stücke zerteist, als Personen anwesend waren. Dann durste sich jeder bangenden Herzens einen Teil nehmen, sand er darin einen zerschnittenen Kern, dann konnte ihn keine Macht der Wett vor dem Tod und Vernichtung retten. Zu spät bemerkte manchmal einer, daß er mst dem Gesicht zur Tür gekehrt gesessen hatte: er war verurteilt, in der nächsten Zett das Haus zu verlassen, um nie mehr wiederzukehren. Sie waren wir auf Schritt und Tritt von bedeutsamen Orakeln umlauert; sie kannten nur zwei Urteile: Freispruch oder Tod. Das Leben hing dauernd an einem Zwirnsfaden, jeder Gassenjunge, der einen Schneeballen an.das Fenster warf, konnte ihn zerreißen. Jeder Bissen, deN wir zu uns nahmen, konnte unser Verhängnis sein. Die harmlose Walnuß war gefährlicher als eine Dynamitpatron«, der Apfel war eine Höllenmaschine uNd der Weihnachtsabend eine Stunde der Angst und des Grauens. Verwunderlich ist nur, daß überhaupt einer von ünS am Leben blieb. Das Ergebnis dieser Gespenstergeschichten war, daß ich in späteren Jahren, um den Tod zu überlisten, meinen ganzen Einfluß aufwendete, daß keine Striezel gebacken, keine Christbaumlichter entzündet und keine Aepfel gegessen wurden. Ich drang aber nicht durch: Die Tradition und Wetterberichte unserer Schufehütten RaturfreundehauS Rollendorf:— 9 Grad, 20 Zentimeter Ast-, 10 Zentimeter Neuschnee, Westwind. Rauhreif, Ski und Rodel gut bis sehr gut. Natnrfreuüdehaus Gersdorf:—10 Grad, Ski- fähre sehr gut, da 5 Zentimeter Neuschnee, Nörd- Nordwestwind, Rauhreif.'Schneefall. , Zinnwäld:— 6 Grad, 36 Zentimeter Schnee. Wintersporwerhältniffe sehr'gut. verurteilte Donnerstag den Lemberger Rechtsanwalt Dr. Stanislaus Tabicz, den ObMann der Vereeinigten Bolkspartei auf dem Gebiete der Wojwodschast Lemberg, zu zwei Jahren schweren Kerkers. Fliegerin bricht Welttekord. Die französische Fliegerin Marysa Hils ist in Saigon uni 6 Uhr 46 Minuten gelandet. Sie war am 19. Dezember um 10 Uhr 13 Minuten in Paris aufgeftiegen und legte die Strecke Paris—Saigon in 92 Stunden 32 Minuten zurück, womit sie den auf dieser Luftlinie aufgestellten Rekord des französischen Fliegers Japy gebrochen hat. 35.000 Pariser haben Mittwoch Paris mit 53 SpörtsonVerzügen in die Alpen, Vogesen. Pyrenäen usw. verlassen, um die-Weihnachten beim.Wintersport zu verbringen. Obwohl der Wintersport in Frankreich gewöhnlich erst im Jänner beginnt, haben sich Heuer viele Pariser beeilt, Weihnachten im Schnee zu feiern. Flucht vor dem Henker in den Tod. In Wels gelang es dem 26jährigen Bauer Matthias Reiter, der vor einiger Zeit wegen Mordes an seiner Frau zum Tode durch den Strang verurteilt worden war, zu entfliehen. Später wurde er erhängt aüfgefunden. Tel Aviv ist auf einer alten Festung erbaut! Bei dem Ausbau des Hafens von Tel Aviv wurde eine alte Festung aus der Zeit der Phönizier gefunden, die später zur Zeit der Römer und Byzanz restauriert worden ist. Dort, wo heute die jüdische Stadt Tel Aviv steht, stand einst eine starke Militärfestung, die den Weg vom Meere ins Innere des Landes schützte. Allmählich« Erwärmung. Auch Donnerstag behauptete sich in unseren Gegenden Ganztagsfrost. Die tiefsten Morgenminima meldeten Böhm.-Bub- weis minus 19. Poliöka minus 18, Troppau minus 17 Grad C. In Frankreich ist jedoch die Temperatur über Plus zehn Grad C. angestiegen und warme Lust breitet sich von dort langsam gegen das Binnenland aus. Auch in Bayern hat es sich bereits etwas über dem Gefrierpunkt erwärmt. In Böhmen hat es im Zusammenhang damit zeitweise ein wenig geschneit. Weiter ostwärts ist eS ziemlich heiter.— Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend umzogen, vielfach neblig, im Westen des Staates strichweise Glatteisgefahr infolge Sprühregens. Allmähliche Erwärmung. Im Osten halbbeirer, nachts strenger Frost.— Wetteraussichten für SamStag: Ruhig und nebelig, auch im Osten des Staates wärmer. Vom Rundfunk tmpfeMenswerte* aus den Programmen' Samstag Prag, Sender I: 7.30: Weihnachtsmusik, 11: Joh. Seb. Bach: Weihnachtsoratorium. 14.2.0: Deutsche Arbeitersendung: Josef Hofbaueri,„Die eines guten Willens find", 17.35: Deutsche Sendung: Univ.-Vrof. Winter:. Friede auf Erden, 17.45:'Mühlberger: Baudenleben im weihnachtlichen Riesengebirge, 18.45: Deutsche Presse, 18.50: Deutsche Akwalitäten, 19.30: Aus dem Nationaltheater:„Die verkaufte Braut". Oper von Smetana, 22.30 Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.30: Deutsche Sendung: Hector Ber- lioz in Prag; Hörbild.— Prag 17.35: Deutsche Sendung:. Deutsche Weihnachtslieder.— Preßburg: 15.30: Rundfunkorchesterkonzert. 17.50: Zigeunerlieder.— Kascha« 12.20: Unterhaltungsmusik.— Mähr.-Ostra« 10: Rundfunkorchesterkonzert. der Aberglaube waren stärker. O, du fröhliche, o, du selige... Nach dem Weihnachtsabend giltg aber der Spaß erst richtig an, doch waren dann die Anzeichen nicht mehr so übler Natur. Wenn also einer, etwas angeheitert vom Weihnachtspnnsch, vor die Haustür trat und zwischen den Wolken am Himmel, eine helle Scheibe austauchen sah, so war das— der Mond, meint ihr?— falsch, ganz falsch, das war das„Goldene Kalb" und wer es sah, der hatte viel Geld zu erwarten.— Die Nacht auf den fünfundzwanzigsten Dezember ist die erste der zwölf Unternächte. Da braust der wilde Jäger mit seinem Gefolge von Geisten: durch die Luft, und wehe dem Armen, der dem wilden Troß fern der schützenden Behausung begegnet! Die Träume der Unternächte brauchen nicht mehr mit dem ägyptischen Traumbuch ausgedeutet werden, denn sie gehen ohne Anlegung in Erfüllung, und zwar in den zwölf Monaten des nächsten Jahres. Wenn man also in der Nacht zum achtundzwanzigsten von Dinosauriern träumte, so hieß das, daß man den allerliebsten Tierchen im Monat April des kommenden Jahres begegnen würde. Meist hatte man dann am nächsten Abend Furcht vor dem Einschlafen, da man in bezug auf den weiteren Verlauf dieser Begegnung schlimme Befürchtungen hegte. So schlängelte man sich zwischen den Gefahren durch, von Gespenstern umjohlt, von Gefahren bedroht, bis sich durch Irrtümer und Zweifel die Erkenntnis Bahn brach, daß wir uns aus Unwissenheit und Not erlösen müssen durch unseren unerschütterlichen Glauben an den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Martin G r i l l. Nr. 302 Freitag, 24. Dezember 1937 Volkswirtschaft und Sozialpolitik reits um 25 Prozent höher als im Vorjahr und| Deutschland richtet sich in zunehmendem Maße nach Staaten mit freier Devisenwirtschaft. Lohnaktion für die Baggerarbeiter Scite 5 Matthias Claudiu 3: Ein Lied um Regen Der Erste Regen, komm herab! Unfre Staaten stehn und trauern, Und die Blumen welken. Der Zweite ten. Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Wies Die Vertragsorganisationen, Union der dergewinnung der berlorenen Positionen unseres Bergarbeiter in Turn, Svaz hornitů und Jednota Exports und sozialpolitische Maßnahmen zur Ver- hornitu, beide in Brüg, haben an die im Sprenfürzung der Arbeitszeit notwendig. Die Ent: gel der Revierbergämter Brüg- Tepliẞ- Komotau schließung spricht ferner von der Schaffung von beschäftigten Bagger- und AbraumunternehmunArbeitsmöglichkeiten für die Jugend, für eine Re- gen die Forderung auf gelung der Sozialversicherung, welche den alten 15prozentige Erhöhung der Arbeiterlöhne Arbeitern das Ausscheiden aus dem Arbeitspro- und Revision des bestehenden Lohnübereinfomzeß ermöglichen soll, und vom Ausbau der Ar- mens gerichtet und baldige Verhandlungen über Der Erste beitslosenfürsorge. diese Forderungen beantragt. 200.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahr Vor einigen Tagen berichtete Direktor Klum par der Ausschußiißung der Zentralfozialver sicherungsanstalt, daß im heurigen Jahr voraus sichtlich die Durchschnittszahl der Versicherten um 200.000 größer sein werde als im Jahre 1936. Der Novemberbericht der ZSVA entspricht dieser äßung, indem er einen Stand ausweist, der zwar um rund 31.000 niedriger als im Oktober, trauensmänner, Funktionäre und Mitglieder auf Große Bestellungen der Staatsbahnen. Der aber um mehr als 200.000 größer ist als im vor- die Notwendigkeit aufmerksam, angesichts des zu Verwaltungsrat der Staatsbahnen hat in seiner jährigen November. erwartenden starken Widerstands gegen die noch lezten Sizung die Vergabe von großen Lokomo Bei den 295 Bezirkskrankenversicherungs- unerfüllten Arbeiterforderungen alles zu tun, tiben- und Waggon- Bestellungen für das Jahr anstalten, die der 3SVA unterstehen, waren im um eine starke und geschlossene Organisation zu 1938 beschlossen. Die Staatsbahnen werden neue November versichert: schaffen, die diesen Widerstand zu überwinden Waggons im Werte von 183 Millionen Kronen erhalten, ferner 54 neue Lokomotiven und sieben Tender für 63 Millionen. a) nach dem Gesetz 221/24( Arbeiter): Männer Frauen • 0 • . 1,530,323 880.764 zufammen. 2,411.087 30.731 204.391 gegenüber Oktober 37 weniger um gegenüber November 36 mehr um b) nach dem Ges. 117/26( Pensionsverf.): Männer Frauen • • zusammen. gegenüber Oktober 37 mehr um gegenüber November 36 mehr um Lohnaktionen 9 · 132.477 59.810 192.287 2.951 10.774 des Fabrikarbeiterverbandes Der Fabritarbeiterverband hat im Dezem ber bei den Verhandlungen mit der Firma Brüs der Roesler in Tiefenbach, Dessendorf und Jeſenny ein Abkommen erzielt, nach dem zu Weihnachten der Arbeiterschaft eine Aushilfe von 25.000 und zu Pfingsten eine Aushilfe von 12.500 Stronen ausgezahlt wird. Die Aushilfe beträgt zu Weihnachten 210 Kronen für Haus haltungsvorstände und 120 Kronen für Ledige. Mit der Moldaumühl Brüder Borat wurde eine Einigung erzielt, wonach die Firma eine Aushilfe für das erste Halbjahr 1938 noch vor Weihnachten auszahlt. Diese Aushilfe beträgt 80 bis 200 Kronen. An dem Abschluß sind 1600 Arbeiter beteiligt. Die fortgesetten Verhandlungen mit der Elbemühl A.-G. fonnten bisher nicht zu Ende geführt werden, da die Firma auf der Ablehnung der Arbeiterforderungen beharrt. Die Metallarbeiter zur Wirtschaftslage Der erweiterte Verbandsvorstand des Internationalen Metallarbeiterverbandes nahm in setner lebten Sibung, die unter dem Vorsiz des Obmanns Franz Kaufmann stattfand, die Berichte über den Stand der Organisation zur Kenntnis und faßt sodann die Ergebnisse der Aussprache in einer bemerkenswerten Entschließung zus ſammen. Der Verbandsvorstand macht alle Verbermag. Aushilfen in der Glasindustrie Regen, komm herab! Unfre Bäume stehn und trauern! Und das Laub vordorret. Und das Vieh im Felde schmachtet, Und brüllt auf zum Himmel. Wenn Hunger, böse Sench und ihre Nöten Freund, Freund und Feind ins Grab Bersammleten, und mir zu Ehren krähten von einer Leich herab? Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre? Die könnten mich nicht freund ' s ist leider Krieg und ich begehre Nicht schuld daran zu sein! Litauen Volkslied Bolontärabkommen mit Belgien. Bei den Fürsorge durch Vermittlung der Gesandtschaft in Berhandlungen, die vom Ministerium für soziale Brüssel geführt worden sind, gelang es, ein Abtommen über die gegenseitige Zulassung von Volontären zwischen der Tschechoslowatei und Bel- Der Wolf, das Wölfchen, das Tier des Waldes, gien mit Wirksamkeit vom 1. Jänner zu vereins Tritt aus dem Walde hin auf die Weide, baren. Das Jahrestontingent ist mit 25 Personen Zerreißt das Kälbchen und auch das Füllen. festgesetzt. Die Begünstigungen des Abkommens' s ist seine Arbeit. bestehen hauptsächlich darin, daß Personen, die Der Fuchs, das Füchschen, das Tier des Waldes, jich als Volontäre in den anderen Staat bege- Schleicht aus dem Walde hin nach dem Vorhof, ben, die Arbeits- und die Aufenthaltsbewilligung Ergreift und schlachtet die Gans, das Hühnchen, auf ein Jahr, ausnahmsweise auch länger, erteilt wird. er's ist seine Arbeit. Auf Intervention der Vertragsorganisation haben die Firmen in der Glasindustrie, welche dem Arbeitgeberverband angehören, ihre Bereitschaft erklärt, eine einmalige Aushilfe zu gewähren und zwar in der Tafelglasindustrie je nach dem Wochenverdienst und Stand( bzw. Zahl der Kinder) 67 bis 337 Stronen, in der Gußglasindustrie einen halben Wochenlohn( drei Schichtlöhne). In der Flaschenglasindustrie haben nach den bishert gen Berichten, welche das Fachblatt des Glasarbeiterverbandes enthält, die Firmen Mühlig und Fischmann eine Aushilfe wie in der Tafelglasindustrie bewilligt, während in andern Betrieben noch verhandelt werden soll. Eine einheitliche Regelung bezeichnete die Arbeitgeberorganisation in der Flaschenglasindustrie für nicht möglich. Die Firmen der Hohlglasindustrie haben die Aushilfe Die Einigungsverhandlun mit der Begründung abgelehnt, daß sie durch den gen zwischen der Facharbeitergewerkschaft Ame- Der Floh, das Flöhchen, das leckere Tierchen, Kollektivvertrag schon erhebliche Opfer auf sich ge- rican Federation of Labor" und der Lewis- Orga- Schlürft füßes Blut auf, bei Tagesanbruch nommen hätten ein Argument, das ein allzu nisation" Comitee for Industrial Organisation", Bum Kühmelken wedt er die Mädchen. durchsichtiger Vorwand ist; denn in feinem Fall die auf eine Verschmelzung beider rivalisierenden' s ist seine Arbeit. sind die Löhne genug gestiegen, um die Notwen- Gewerkschaften abzielten, sind nunmehr nach zwei- Die Bien, das Bienchen, des Gartens Tierchen, digkeit der geforderten einmaligen Aushilfe zu monatiger Dauer endgültig gescheitert. Summt zwischen Blumen, sticht in den Finger, Das Anerbieten Lewis, sämtliche vier Millionen Ins Ohr, ins Antlik und gibt uns Honig. entkräften. C30- Mitglieder in die Fachgewerfschaft einzus's ist seine Arbeit. gliedern, wurde von der Gegenseite abgelehnt mit der Begründung, daß die Aufnahme der Mitglie. der in Etappen erfolgen müsse. Gute Beschäftigung der Westböhmischen Kaolinwerke Nach fünfjähriger Unterbrechung eröffneten die Westböhmischen Kaolinwerke nunmehr den 16. Konzernbetrieb, die keramische Fabrit in Bliw bei Pfraumberg( Südböhmen). Nach und nach werden dort 200 Arbeiter beschäftigt werden. Die Beschäftigung der Firma ist sehr gut, die Angestell tenzahl( eund 6000) nähert sich dem Stand der Höchstkonjunkturjahre. Der Export ist heuer be Stimmen der Völker Unter dem Titel„ Stimmen der Völker. Eine Sammlung der Lyrik der Welt. Die schönften Gedichte aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Alfred Wolfenstein", erschien im Querido- Verlag, Amsterdam, ein sehr empfehlenswertes Buch, dem folgende Gedichte entnommen sind: Mah berichtete zunächst über die neuen Richtlinien des Fürsorgeministeriums betreffend die Auszahlung der Arbeitslosenunterstübungen. England Er stellte fest, daß der Verband bisher über 50 Millionen Kronen aus eigenen Gewerkschaftsmitteln an die arbeitslosen Mitglieder ausgezahlt hat. Obwohl wiederholt die Beträge, die hiefür notwendig waren, die Einnahmen überstiegen, wurden die Unterstübungen stets rechtzeitig auss gezahlt. 2adig erstattete Bericht über die Lohnbe wegungen und die Arbeit im kommenden Jahr. Die gute Arbeit, welche der Verband für die Mes. tallarbeiterschaft geleistet hat, zeitigte ihre Früchte. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres konnte der Verband den Neubeitritt von 4000 Mitgliedern verzeichnen. John Milton: USA- Gewerkschaftsverhandlungen endgültig gescheitert " Wachsende Steuereingänge in Frankreich. Der Steuerertrag im November hat die Erwar tungen bedeutend überschritten und ist um 650 Millionen Franc größer als angenommen wurde. In den elf Monaten des heurigen Jahres ist der Steuereingang um 4300 millionen höher als im vergangenen Jahr. Bringt solch ein Krieg herbei. Was hat die felgen Geister Berlockt zu solcher Tat, Daß fie ir frevlem Rat Berleugnen ihren Meister? Was reißt von Gott fie Tos Und treibt sie, Dies zu wagen? Die Frauen: Die Wonne war zu groß, Sie fountens nicht ertragen! Der Himmel war zu klein Mehr als das All begehrend Drang Nebermut herein, Neid, Haß und Tücke lehrend. D, wer führt nun zurüd Des Friedens einstig Glück? An Cyriack Skinner Cyriac drei Jahre finds, daß diese Augensterne, Die äußrer Anblick frei von jedem Makel glaubt. Die Kunst des Sehns vergaßen, ihres Lichts beraukt. Daß ihnen Sonne nicht noch Mond noch Sterne Erschienen durch das Jahr, nicht Mann noch Fran Jedoch nicht rechte ich mit himmlischen Gewalten, Noch läst mein Herz ab der Hoffnung, auszuhalten, Deutschland Sondern feft bleibend hoch am Steuer steh ich, schau Geradeaus. Du fragst, was mir das fromme? Freund, der Gedanke, daß ich meiner Augen Licht Der Freiheit aufgeopfert, meiner hohen Pflicht. Die ganz Europa rühmt: so trefflichen Geleiter and ich wohl nie. Er ists, an dessen Hand ich komme Durch diese Welt des Scheins, blind zwar, doch frei und heiter. ( Felig Braun) Die Entschließung fonstatiert, daß im heuri gen Jahr in einer großen Anzahl von Lohnbewegungen das Ziel, den Lohnabbau der Krisenjahre wettzumachen, erreicht werden konnte. Troß der wirtschaftlichen Besserung war aber die Zahl der arbeitslosen Mitglieder des Verbandes immer noch bedeutend und gerade in der lebten Zeit ist eine neuerliche Erhöhung eingetreten. Der erweis Holland terte Verbandsvorstand verweist deshalb darauf, daß die von der Verbandsleitung den zuständigen Stellen vorgelegten Vorschläge auf Wiederbele bung einiger Betriebe und auf Schaffung von Ersaßindustrien ehestens verwirklicht werden sollMan erhält für 100 Reichsmark Markmünzen 100 rumänische Lei Kč 625.50 100 österreichische chilling • 100 polnische Zloty 675.528.50 16.35 508.50 100 ungarische Bengö: 551: 50 100 Schweizer Franken 657100 französische Francs 96.20 1 englifches Prund 141.25 1 amerikanischer Dollar 28.30 100 italienifdhje Lire 117.40 100 holländische Gulden 1577.61.30 482.50 -> 9 631.100 schwedische Kronen 魚 729.100 jugoslawische Dinare 100 Belgas 100 dänische Kronen Jost banden Bondel: Lucifer: Und Lucifer das Haupt erhebt, Als fiege er in Himmels Hallen: Jehovas Reich ist mir verfallen, Mein, was in seinen Marken lebt! Gott geht zu seiner Kleinen Erde, Daß mir die obre Herrschaft werde! Mein großes Heer, erkenne mich: Was ist der Ewge mehr als ich? Wir sind die Macht, wir sind die Kraft, Wir find Gewalt, die alles schafft. Ich führe euch und ewiglich Was ist der Ewge mehr als ich? Die Engel: Weh, daß in diesen Reichen Des Kriegs Gewalt erschallt, Daß von der Waffen Streichen Der Himmel selber hallt! Wie auch der Streit sich wende, Wer auch der Sieger sei, Nur Trauer ohne Ende ( Alfred Wolfenstein) Gottfried August Bürger: Die Tode Für Zugend, Menschenrecht und Menschenfreiheit sterben, 3ft höchst erhabner Mut, ist Welterlöfertoh: Denn nur die göttlichsten der Heldenmenschen färben Dafür den Panzerrod mit ihrem Herzblut rot. Am höchsten ragt an ihm die große Todesweihe Für sein verwandtes Bolt, sein Vaterland hinan. Dreihundert Sparter ziehn in dieser Heldenreihe Durchs Tor der Ewigkeit den übrigen voran. So groß ist auch der Tod für einen guten Fürsten, Mit Zepter, Wag' und Schwert in tugendhafter Hand. Wohl mag der Edlen Mut nach solchem Tode dürften: Denn es ist Tod zugleich für Volk und Vaterland. Der Tod für Freund und Kind und für die füße Holde Ift, wenn nicht immer groß, doch rührend stets und schön, Denn es ist Todesgang, den, nicht erkauft mit Golde, Im Drange des Gefühls nur edle Menschen gehn. Für blanke Majestät und weiter nichts verbluten. Wer das für groß, für schön und rührend hält, der irrt. Denn das ist Hundemut, der eingepeitscht mit Ruten Und eingefuttert mit des Hofmahls Brocken wird. Sich für Thrannen gar hinab zur Hölle balgen, Das ist ein Tod, der nur der Hölle wohlgefällt. Wo folch ein Held erliegt, da werde Nad und Galgen Für Straßenräuber und für Mörder aufgestellt! Der Hund, das Hündchen, des Hauses Wächter, Bellt und verwundet des Diebes Ferse, Scheucht alte Weiber und Wandersleute. ' s ist seine Arbeit. Menfch, Menfchlein, fieh auf die Biene, Genug ja stichst du ins Herz, ins Herzchen! Gib lieber Labsal auch deinem Bruder. ' s ist Menschenarbeit. Tschechoslowakei ( Nesselmann) Petr Bezruč sil out tho sn as di musi Ich und Du Geh aus dem Wege: Feucht meine Kleider und schwarz meine Hände, Ich nur ein Bergmann, bu edel und träge, Dich wirten Baläste, mich bretterne Wände, Die phrygische Kappe fällt mir ins Gesicht. Nicht mir folgt der Waisen Schluchzen und Drängen, Weil deine Hafen die Felder auffreffen, Herzlos du, schamlos der Blitz soll dich sengen! Ich, Sohn der Beskiden, geh niedrig im Licht, Bedien deine Defen, bedien deine Essen, Indes meine Adern heiß sich vergällen, Och fange die Stämme auf schäumenden Wellen, Mit triefender Stirne, voll Ruß und entrechtet, Hab nicht im Gebirge die Waisen geknechtet, Nicht Witwen gepreßt und Besitz abgeschnitten, Denn mein ist: zu betteln, und dein alles Gut Die phrygische Kappe folgt hart deinen Schritten. Du kommst in die Berge? Sei auf der Hut. ( Rudolf Fuchs) Rußland Michael Lermontoeo: Der Prophet Seit mir des höchsten Richters Wort Verliehn ein alles wissend Wesen, Konnt ich im Menschenaug hinfort Das Lafter und die Bosheit lesen. Der Liebe Lehren predigt ich, Bom Bösen diese Welt zu reinigen, Da steinigten die Menschen mich, Mit Wollust selbst die Nächsten: Steinigen! Ich streute Asche auf mein Haupt, Entfloh den Städten weit und büßte. Jetzt leb ich, jedes Guts beraubt, Ein einfain Tier, grau in der Wüste. Gehorsam dem Gebot des Herrn Folgt meinem Winke dort die Erde, Es horcht auf mein Gespräch der Stern, Erwidernd mit des Lichts Gebärde. Doch wenn ich plötzlich, dann und wann Zur Heimatstadt die Schritte richte, So hebt der Greis zum Kinde an Mit selbstzufriedenem Gesichte: Seht hin! Das ist ein schlechter Tor! Sich brüstend mit des Himmels Kunde, Er spiegelte uns üppig vor, • Gott rede, Gott! aus seinem Munde. Nun seht, wie ist er nackt und bleich, Sein Antlik trocken und verschmachtet, Wie arm an Lust, an Leid wie reich Seht, wie ihn Irng und Alt verachtet! ( Nach Bodensted.) Seite 6 Prager Zeitung Die schwarze Chronik des Jahres 1937 ,, Sozialdemokrat" diesen Sieg ermutigt, Tiefen fie ihm nach, drangen in die Wohnung ein, wo er sich unter dem Bett verfrochen hatte und begossen ihn mit heißem Kaffee. Krejčit räumte schließlich endgültig das Feld und bat Die Polizei legt, wie alljährlich. zum Jahres einen Nachbar, die Nacht über bei ihm bleiben zu schluß eine Uebersicht von Kriminal- und Unglücksfällen vor, die noch größer wäre, wenn sie von Un- dürfen, während die drei Sieger unterdessen die Wohnung turz und klein schlugen und sämtliche füllen auch die geringeren verzeichnete, die aber jo, an Möbelstüde zerhadten und verbrannten. Sie wurden anderen Großstädten gemessen, bergleichsweise doch nicht allzu groß ist. Im Hinblick auf Morde und wegen gefährlicher Drohung und boshafter Beicä große Unfälle war der Juni d. J. der schwarze Mo- digung fremden Eigentums nach Pankraz gebracht. 1: ai. Er brachte nicht nur den Straßenbahnzu- Tod bei der Arbeit. Gestern nachmittags war sammenstoß vor dem Museum, wobei 19 Personen der 20jährige Arbeiter Jaroslav Zahradka beim Mas verletzt wurden und zwei den Tod fanden, sondern am faryk- Altersheim in Krč mit Erdarbeiten beschäftigt. gleichen Tage auch einen Unfall in Holleschowiß mit Um sich auszuruhen, trat er auf einen Augenblick in zwei Toten und einem Schwerverleßien und ein eine Höhlung, über der ein anderer Arbeiter Lehm Vauunglück mit einem Toten; ferner den Mord eines grub. Plößlich wurde Babradka von einem großen Vaters an seinem dreijährigen Töchterchen, das er Lehmstück auf den Kopf getroffen, das ihm die erst in die Moldau werfen wollte und dann erschlug. Echädeldecke durchbrach. Er stürzte auf der Stelle tot Am 10. Juli ereignete sich das zweite große Versusammen. fehrsunglück des Jahres; beim Zusammenstoß eines Brutaler Einbrecher. Im Lagerraum der Firma Kraftwagens mit einer Straßenbahn wurden in Hol- Sule in Straschnitz wurde gestern mittags der 39Der Gattenmord Horát wurde am 8. August iährige, polizeibekannte Einbrecher Wenzel Slušticks begangen, aber erst im November entdeckt; in frischer aus Straſchniß, feſtgenommen, der bereits an den Erinnerung ist der am 17. Dezember begangene An- beiden vorhergehenden Tagen dort eingedrungen war schlag dreier Burschen auf den Chauffeur Ryvola; und zuerst eine Kiſte Kunstfett entwendet, dann aber im Jänner d. 3. tötete ein Taubstummer einen ande- den Nachschlüssel im Schloß abgebrochen hatte, so daß ren aus Eifersucht mit Hammerschlägen und brachte er unverrichteter Dinge abziehen mußte. Gestern tam Eie Gitta Fischl in Wysotschan ihr Kind um, die fich er zum drittenmal wieder, riß das Vorhängeschloß später im Baumgarten vor den Zug warf und in die ab und versette dem Handlungsgehilfen, der ihm zuSrrenanstalt gebracht wurde. Im März erichoß nach fällig im Lagerraum antraf und anhalten wollte ausgesprochener Scheidung eine Offiziersgattin ihren einen Fauftschlag ins Gesicht, der ihm drei Zähne ausbrach. Dann ergriff er die Flucht, konnte jedoch berhaftet werden. Teschowitz neun Personen verlegt. Geschäftsverkehr und Straßenbahnbetrieb am Weihnachtsabend. Heute werden die Geschäfte in Prag um 17 Uhr geschlossen. Auch die Straßenbahn stellt ihren Verkehr früher ein. Die letzten Wajen verlassen die Endstationen um 19 Uhr und fahren dann direkt in die Remisen. Das gleiche gilt bon den Autobus- und Trollenbußstreden. Da bereits nach 18 Uhr die Reduzierung des regelmäßigen Straßenbahnverkehrs durch fortschreitende Aussche: dimg der verkehrenden Wagen beginnt, ist nament lich für Bewohner der Außenbezirke ratsam, thre Besorgungen in der inneren Stadt bis längstens um 18 hr zu beenden, wenn sie sich nicht der Gefahr aussehen wollen, die Straßenbahnverbindung mit ihrem Wohnort zu versäumen. Mann im Gerichtsgebäude. Bei der Arbeit fanden mit dem heute gemeldeten Fall 23 Personen den Tod, 214 wurden verlegt. Von Autos wurden 32, von der Straßenbahn acht getötet. Acht Personen die Selbstmorde abgerechnet starben durch Leuchtgas, vier durch die Eisenbahn, sechs ertranten beim Baden in der Moldau, vier wurden tödlich verbrüht, drei durch elektrischen Strom getötet. Zehn Personen erkrankten an Fleisch, zwei an Schwammvergiftungen, ein Mann wurde vom Blizz erschlagen und 15 Leichen Unbekannter wurden aus der Moldau gezogen. Von Selbstmorden wurden 220 vollbracht und 317 bersucht. Vollbracht haben ihn meistens Männer ( 144), versucht meist Frauen( 181). Unter den bollbrachten überwiegen als Beweggründe Krankheit, Lebensüberdruß, Not und Familienzerwürfnisse, unter den versuchten unglückliche Liebe neben Straßenbahn demoliert Postwagen. Bei einem anderen. Selbstmorde und Selbstmordversuche aus ganz geringfügigen Gründen wurden meist in der Trunkenheit begangen. Von 144 größeren Bränden sind drei hervorzuheben: die Einäscherung der ehemaligen Dampfmühle in der Bahnhofstraße in Smichow im März, der Brand in der Holzhandlung Eminger u. Co. in Karos Iinental im April und in der Möbelfabrik Gerstl am 10. Dezember. Unangenehme Untermieter. Beim Fleischer Ru dolf Krejčit in Whiotichan wohnten die 26jährige Friederike Kutchan, die gleichaltrige Helene Profes vnd ein gewisser F. s. in Untermiete, die bereits of ters mit Strejčík in Streit geraten waren und ihm gedroht hatten, ihn zu erschlagen, die Wohnung zu zerhacken u. dgl. Nach einem besonders heftigen Streit auf der Straße, bei dem Krejčík den beiden Frauen ihren liederlichen Lebenswandel vorwarf. begannen die drei mit Steinen und Holzstücken nach ibm zu werfen, so daß er die Flucht ergriff. Durch Literatur Die Liebesinsel sein.... Unsere Staatshymne leitete die bescheidene Feier ein, dann wurde der Republik herzlich Dant gesagt für die Gewährung des Asylrechtes, und den Freitag, 24. Dezember 1937. Nr. 302 Josef Hofbauer: anwesenden Bertretern der deutschen und tichecht- orf in Scherben Breis fart. Kč 32.-, geb. Kč 38.-. Bu bezieher durch die Zentralstelle für das Bildungswesen in Brag XII, Cleffa 13/ V. schließen mußten, beschlossen die Ehegatten, ein fremdes Kind als eigenes anzunehmen und später zu adoptieren. In dieser Situation erinnerte sich der ingenieur an sein Kind. Die Mutter dieses Kindes satte fich inzwischen mit einem Arzt verheiratet und rar gern bereit, ihr Einverständnis zu dieser Kinbesannahme zu erklären. Dagegen stieß die geplante Kindesannahme auf unerwarteten Widerstand bei en Pflegeeltern des Kindes, die die Kleine so liebewonnen hatten, daß sie sich von ihr nicht mehr rennen wollten. Ein weiteres Hindernis ergab sich an dem anfänglichen Widerstand der legitimen Gat in des Ingenieurs, als sie den wahren Sachverhalt erfuhr. Sie wollte zunächst nicht das Kind der Sünde" ihres Gatten in ihr Haus aufnehmen. schen Bruderpartei und anderer Körperschaften der Bewegung für immer wieder tätig bewährte Soltdarität. Briefe aus Frankreich, England, Schwes den und Kolumbien wurden verlesen, von dorthin weiter gegangenen ehemaligen Prager Emigranten. Vom Klavier erflana eine einprägsame Fantasie über das Lied der Moorsoldaten", ein vollendeter Geigenvortrag folate, Rote Falken fangen und spra chen, die Internationale" ertönte. Bücher wurden verloft und dann wurde noch Abschied genommen von einer jungen Genoffin mit ihrem Söhnchen, die nun nach England fahren, die Mutter als Haus gehilfin, Klein- Mucki in Obhut der Quäker.( bn) Die deutsche Hilfsschule in Brag geht ihrer Verwirklichung entgegen. Der deutsche Zentralschulausschuß hat erreicht, daß das Schulministerium eine Fachkommission zur Einreihung von Kindern in die Silfsschule eingesetzt hat. Endlich können diese Stieffinder des Lebens eine ihrer Eigenart ange paßte Ausbildung erhalten. So manches Kind, das in der Normalschule nicht mitkommen fann, wird iegt in der Hilfsschule sein Ziel erreichen. Der Lehrplan der beutigen Hilfsschule weist der förperlichen Die Tagfahrt, die über das weitere Schicksal Erziehung fast die Hälfte aller Stunden zu, fie eigs des fleinen Mädchens entscheiden sollte, nahm ange= net sich daher auch für solche geistig vollbefähigte fichts diefer widerstrebenden Einstellungen der BeKinder, die wegen ihrer abnormalen förperlichen teiligten einen dramatischen Verlauf. Die Gattin Schwäche beim Unterrichte nicht mitkommen. In der ses Ingenieurs faßte indeffen beim Anblick des kleinen Mädchens, das ihrem Gatten sehr ähnlich sieht, Hilfsschule holen diese Schwächlinge bald auf und können dann, zu Kräften gekommen, wieder in die Zuneigung zu dem Kind und erklärte sich schließlich Eltern, deren Normalschule umgeschult werden. Kinder wegen einer geistigen oder körperlichen Hem Adoption bereit. Die Pflegeeltern, die sich bisher mung dem Unterrichte in der Schule nicht beiwoh einer solchen Lösung widersekt hatten, ließen gleichnen können, mögen dieſes für die deutsche Hilfs falls ihren anfänglichen Widerstand fallen. Die Ausbeim deutschen Zentralschulausschuß in einanderiebungen zwischen den Barteien endeten mit ichule Prag II., Graben, Deutsches Haus, Zimmer 16, einer einverständlichen Unterzeichnung des vormundtunlichst noch im Laufe des Dezember anmelden.chaftsgerichtlichen Protokolles, nach welchem fämtdas Gerichtssaal Glückliches Ende vor dem Vormundschaftsgericht das an zu dessen Annahme an Kindes Statt und späterer fiche Beteiligten der Kindesannahme und späteren Adoptierung des Kindes zustimmen. Das Vormundschaftsgericht bestimmte, daß die. seinerzeit von dem Kindesvater ausgeworfenen 100.000 Kč für das Kind in einem vinkulierten Sparkassenbuch sicherzustellen sind und daß das Kind jedes Jahr vier Wochen bei seinen bisherigen Pflegeeltern verbringen soll. Kunst und Wissen schlossen. Prag. rb Die Angelegenheit, mit welcher Prager Vormundschaftsgericht dieser Tage befaßt war und die durch die Unterfertigung der zuändigen Protokolle ein versöhnliches Ende fand, berifft einen Sachverhalt, der den Gegenstand eines Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Stomans bilden könnte, Vor acht Jahren verheiratete Freitag geschlossen. Samstag 2½: Frauen in sich der damals 27jährige A. K. mit einem Mädchen. New York. 7½: André Chénier, Erstaufführung. einer tuberkulosen Erkrankung litt. Das a 2. Sonntag 2½: Schottenring, Gastspiel glückliche Eheleben fand eine zweijährige Unterbre- Werbezirk. 7½: Wiener Blut, neueinstudiert, B 1. Zusammenstoß zwischen Straßenbahn und Postwachung, als die Gattin des Ingenieurs sich auf Ver Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag gea gen erlitten gestern vormittags zwei Bostangestellte fügung der Aerzte zu einem zweijährigen KuraufSamstag 3: Georg und Margaret, 7½: teilweise ernste Verlegungen. An der Kreuzung der enthalt in den Schweizer Kurort Davos begeben Sonntag 3: Nessel- und der Dittrichgasse stieß ein Wagen der mußte. In dieser Zeit lernte der Ingenieur ein Mäd- Erinnerst du dich? Erstaufführung. Straßenbahn in einen Transportwagen der Post, den fennen, zu dem er in vertraute Beziehungen Firma. 8: Erinnerst du dich? Es tam ein der vollkommen demoliert wurde. Die beiden Post- trat. Die Folgen blieben nicht aus. ler, die auf dem Bock des Wagens saßen, wurden Mädchen zur Welt, für das der uneheliche Vater ein auf das Pflaster geworfen. Einer von ihnen, Karel Kapital von 100.000 Kč auswarf, in der Meinung, Prejza, mußte auf der Klinik Jirásef in Behandlung daz damit dieses Zwischenspiel ein für allemal erbleiben. ledigt jei. Die ledige Mutter brachte das Kind bei einer Bauernfamilie unter, wo es aufs befte betreut wurde und mit den Kindern seiner Pflegeeltern her anivuchs. Das heute sechsjährige Mädchen betrach tete seine Pflegeeltern nicht anders als Vater und Mutter und seine Ziehgeschwister als Brüder und Schwestern. Fern der Heimat feiern die deutschen und öfter reichischen Emigranten ihre Weihnacht bei uns, manche von ihnen schon zum fünften Male; andere find später gekommen und der oder die gar erst in der jüngsten Zeit. So hatte man in der Runde um den Lichterbaum eine ganz ansehnliche Zahl von Jahren 8. Gefängnis und Zuchthaus zusammenrechnen können. Aber der Blick geht nicht zurück und venn die Heimat erwähnt wird, so nur in der Hoffs nung, daß sie wieder frei werde. Dann wird sie auch nicht mehr Drohung gegen kleinere Nachbarn Inzwischen war die Gattin des Ingenieurs gebeilt von ihrem Kuraufenthalt heimgekehrt und die Ehe nahm auch weiterhin einen glücklichen Verlauf. Beide Ehegatten wünschten sich Kinder. Da aber die Aerzte die Möglichkeit einer Nachkommenschaft aus und Verstand aufbietet, um in feiner to bio- Weltenräume werden ihn vielleicht locken oder das, I ogie die biologischen und technischen Möglichkeiten was irgendwo weit, weit hinter den Elektronen liegt. der Menschheitszukunft feffelnd, anfeuernd und kampf Er wird nicht aufhören, Mensch zu sein, das heißt stärkend auf ganz besonders reizvolle, wenn auch Erfahrungen zu sammeln. Denn der Mensch bleibt ficherlich nicht in jedem Belang unstrittigen Weise ewig ein Erfahrungstier. So wird seine Welt taus darzutun. Sehr im Gegensatz zu der leider sehr im sendfach bunter sein als die unſere, weil sie für ihn Im Prager Verlag Neumann u. Co. ist eben Schivange befindlik en Abendland- Untergangsstim- tausendmal mehr Erfahrungen beherbergen wird als eine fünfattige Komödie Dofio Kofflers er mung entwickelt Arnold Hahn tausend Argumente die unsere. Sie wird befreit sein von aller Erdenschienen, die Liebestniel", erfreulich schon vor allem gegen die abgrundtiefe Mutlosigkeit, die große Teile schwere, ein einziger großer Spielplatz für ein Wedeswegen, weil darin Kraft und Wille fich regen, einer an sich selbst zweifelnden und verzweifelnden ien, das sich den beglückendsten Lebensrhythmus berz troß aller äußeren und stofflichen Schwierigkeiten Menschheit erfaßt hat. Hahn stellt fest, daß die schafft hat, der in dieser Welt überhaupt möglich Es soll durchaus nicht behauptet werden, die Fraße des Faschismus in dramatischer Satire so Wienschheit im letzten Jahrhundert und insbesondere ist." aufscheinen zu lassen, daß die Ent- Larbung be- im letzten Vierteljahrhundert so viel geleistet hat, daß nicht sehr vieles in diesem Buch zum Widerfreiend wirkt, wenn auch das Leben uns die Er- daß sie mit sich zufrieden sein und daß fie, ausges spruch oder doch zu ernstem Zweifel reizt. Aber es lösung noch vorenthält. Gewiß, die Lächerlichkeit stattet mit allen Hilfsmitteln Jahrtausende alter Er handelt sich ja eben um eine Utopiologie, um einen Adolfs und all dessen, wofür er Symbol ist, tötet fahrung und mit den modernen Hilfsmitteln fühner Blick ins Unbekannte und Unerforschte. Das Wenicht das Grauen, das er verbreitet, und die Lie- technischer und auch psykologischer Erfahrungen un- fentliche liegt hier in dem grenzenlosen Optimismus. besinsel", auf die Dosio Koffler den Un- und ierer eigenen Epoche, mutig daran gehen könnte und dessen ungezählte Zeitgenossen wie eines Heilmittels Wahnsinn der Raffe- Diktatur poetisch geflüchtet müßte, fich über den Weg in die technische und bio- bedürfen und mit dem sie sich also bekanntmachen hat, fann selbst mit Hilfe von Jacques Offenbachs logische Zukunft des Uebermenshen im Goetheschen sollten. Und gerade der Umstand, daß dieses Buch parodistischen Tönen nicht einen Augenblick lang den Sinne flar zu werden. Aus der Geschichte der Mensch- in unserer Zeit geschrieben werden konnte, darf man Fortbestand einer peinigenden Gegenwart vergessen heit gebe unzweideutig hervor, daß sich mit fort- für ein erfreuliches Zeichen beginnender Wandlung machen, aber als Versuch, das überlebensgroße schreitendem Wissen und Erkennen unbedingt die zu höherem Selbstvertrauen der Menschheit hinneh1. g. Echreckensgesicht in seinen untermenschlichen Verzer seelische und materielle Lage des Menschen gebessert men. rungen dem verdienten Hohn preiazugeben, ist diese hat. Man dürfe sich vom Lärm des Tages und von Ein weihnachtliches Buch von besonderer Präs Komödie jedenfalls stärkster Anerkennung wert, um Rückschlägen vorübergehender Art und Dauer nicht gung ist die Neuausgabe der Dickensschen Weihso mehr, als dem Autor Angriffstraft. Wiz und täuschen lassen. Wissensfortschritt ist mit Lebens- nachtserzählungen, die die Büchergilde Gutenberg Sprachkunst zur Verfügung stehen. Schade, daß der fortschritt unlösbar verkoppelt und deshalb müsse ihren Mitgliedern zu einem billigen Vorzugspreis ibliche verlagsmäßige Vorbehalt für Aufführung, man dem Menschen der Zukunft alle Vorteile eines beschert( Kč 15.-). Aus grünem Grunde leuchtet Verfilmung und Funksendung zumindest in unseren ungeheuer hohen Lebensstandards in materieller und auf dem Buche der goldene Kranz, der um die IniBreiten derzeit nur als Redensart aufzufassen ist; geistiger Hinsicht zusprechen. Jeder Wissensforts britt tialen von Dickens sich schlingt, so schon im äußern tenn es wird sich hier niemand finden, der solche gebe die Möglichkeit, zweckmäßiger zu leben und das Gewand das Wesen des Dichters deutend, nach dem Reproduktion wagen würde. Dazu bedürfte es einer Klabundschen Wort: Sein sonnenhaftes Auge überVielheit jener La Guardias, deren Urbild der Verstrahlte das Grau mit einem leichten Gold" Und fasser sein( von Bert einprägsam und wirkungsdieses Strahlen seßt sich im Innern des Buches fort, voll illustriertes) Buch dankbar gewidmet hat. wo der Erzähler düstere Realität durch frohen Optimismus, Poesie und feinsten Humor verklärt und aus den einfachen Geschichten wahrhaft weihnachts liche Dichtungen macht. Dickens Eigenart wird durch llustrationen noch beront, die nach englischen Originalausgaben dem Terte beigegeben sind und auf besonders gefällige Art das Weihnachtsbuch der Büchergilde schmücken. L. g. heiße vollkommener und glückseliger, denn das Unzweckmäßige ist immer verlorene Kraft, berlorene Mühe, Bedrückung, Qual, Irrtum. Eine gemeinsame Erdwirtschaft werde Erzeugung und Verteilung aller Güter so zweckmäßig anordnen, daß das böse Gespenst der Sorge um das nackte Leben ein für alle Arnold Hahn:„ Grenzenloser Optimismus". mal gebannt sein wird. Der Mensch der Zukunft Ohne Kampf gibt es keine Ueberwindung ganz gro- wird aber auch mit den vollkommensten Organen ausBer Hindernisse, aber refte Stampffähigkeit gibt es gestattet und daher gegen Krankheiten gefeit sein. wieder nicht ohne Glauben an die eigene Sache oder, Seinen Egoismus in seinem heutigen aggressiven mit anderen Worten, ohne Optimismus. Daher tit Einn und keinen Willen zur Macht werde es gein jedem Kampfe alles zu begrüßen, was mit an- ben, das Leben werbe für diesen Menschen der Zu- ,, Der große alte Mann", das Masaryk- Buch ständigen Mitteln der verstandes- oder gefühlsmäßi- funft zum Spiele werden, er wird mit seinem Ver- von Josef Hofbauer, das tnavp vor Weihnachten im gen Ueberzeugung den Optimismus der Kämpfenden stande spielen und vielleiht gerade daraus die höch- Eugen Prager- Verlag erschienen ist. 230 stärkt. Und gerade in diesem Sinne sei auf ein neu sten aller Wonnen ziehen. Die Unerforschbarkeit der Seiten start, in Ganzleinen, tostet im Buchhandel so schließt das Buch wird ihm Kč 42. Nur für organisierte Arbeiter gilt der erschienenes Buch hingewiesen, dessen Autor sich schon legten Ursachen it Titel seiner interessanten Arbeit zu ,, Gren- immer neue Probleme stellen, denen er sich mit der gelegentlich der Besprechung des Buches genannte zenlosem Optimismus" bekennt und der Herz, Wissen Glückseligkeit des reinen Spiels widmen wird. Die niedrigere Preis. Der Film Liebe und Menschen Der tschechische Film..Basta a lidé", der in einer Voraufführung gezeigt wurde, ist eine abseits der aroken Ateliers entstandene Arbeit, die großenteils ein wenig dilettantenhaft anmutet. Die Handlung. die von den Regisseuren Václav Kubáset und Vladislav Vančura berarbeitet wurde, lebt von der Eifersucht zwischen einem Rennfahrer und einem Auto- Konstruktur, der durch einen( vom Rennfahrer verschuldeten) Unfall zum Krüppel wird, seine Fran an den Nebenbuhler verliert und Selbstmord begeht. Der Versuch, die düstere Geschichte durch die komische Figur eines Photo- Reporters aufzuhellen, ist infolge iziner Absichtlichkeit miklungen, und die hübschen Freilicht- Aufnahmen und Autoren- Reportagen geben dem umständlichen Film nicht so viel Schwung, wie er nötig hätte. Hinzu kommt, daß die Ton- Aufnahmen mangelhaft und die in den Hauptrollen wirkenden Film- Neulinge ihren Aufgaben nicht immer gewach= sen sind. Den besten Eindruck machen Karel Be= niško und die im Film nicht mehr unbekannte Marie Glaferová, beren aweifelloses. Talent durch verſtändnisvolle Regie noch gefördert werden fönnte. ―eisUrania Kino, Klimentská 4. NO Fernsprecher 61623. Weihnachts- Doppelprogramm Bremiere Rosel vom Traunsee Dtto Hanser bom Radio Wien fingt Wiener Lieder. Transportanlagen Aufzüge Elektro- Flaschenze 4391 Emil Spiegel& Co. A.-G., Warnsdorf, ČSN Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Kč 16.-. vierteljährlich Kč 48-, balbjährig Kč 96 ganzjährig K 192.-. Inferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rückstellung on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Zeitungsfranka ur wurde von der Posts und Telegraphendirektion mit Erlag Nr. 13.800/ VII/ 1980 bewilligt.( Stontrollpostamt Braba 25.- Druckerei: Orbis". Drud. Verlags- und Beitungs-.- G. Brag.