Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller ✓ Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Tsinan besetzt Die Haup stadt von Schantung Dienstag, 28. Dezember 1937 Aus dem Inhalt: Flugzeugkatastrophe am Weihnachtsabend Die freien Gewerkschaften dringen vor Zum Thema ,, Pressefrieden" Nr. 304 Tatarescu vor dem Rücktritt? England und die Welt Plötzliche Rückkehr Carols nach Bukarest A. S., London, Weihnachten 1937. Shanghai. Die Japaner teilen offiziell mit, daß sie im Verlaufe des Montag- Vormittags Die Sphing der englischen Außenpolitik ist Empfang des rechtsradikalen Führers Goga die Besetzung von Tsinan, der Hauptstadt der auch durch die jüngste Aussprache im Unterhaus Provinz Schantung, beendet haben. Bevor die Bukarest. König Carol hatte in Sinaja, die weniger als 2 Prozent der Gesamtstimmen er nicht durchdringlicher geworden. Das liegt wahrs chinesischen Truppen den Rückzug nach Süden in wo er die Weihnachtsfeiertage verbrachte, mit dem reicht haben. scheinlich daran, daß es eine Spying ohne G2Richtung auf Tajan antraten, setzten sie zahlreiche Ministerpräsidenten Tatarescu eine lange Ein amtliches Kommuniqué des Minister- heimnis ist: es gibt noch feine britische AußenGebäude in verschiedenen Stadtteilen in Brand, Beratung über die politische Situation nach den retspräsidiums, welches in den Abendstunden aus- politit, sie ist erst im Werden. Sie entsteht aus darunter die Gebäude des japanischen und des Barlamentswahlen. Unbestätigten Meldungen zugegeben wurde, teilt mit, daß die Regierung mit den harten Tatsachen der Außenwelt und dem heffolge soll Tatarescu bereits die Demission Rücksicht auf die offizielle Feststellung, daß der tigen Ringen, das in der öffentlichen Meinung, Nach der Besetzung Tinans rücken die japo- des Kabinetts angeboten haben. Montag vor- Regierungsblcd das vom Wahlgefeße für die der konservativen und der Arbeiterpartei vor sich nischen Truppen gegen Tiinta o vor und be- mittags kehrte der König unverutet nach Buka- Mehrheitsbildung im Parlament vorgesehene Min- geht. Jeder Versuch, sie zu skizzieren, geht daber finden sich bereits bei der Stadt Schantien auf der test zurück, wo er den zweiten Vorsitzenden der destquorum von 40 Prozent nicht erreicht hat, die irgendwie fehl. Denn er macht einen Querschnitt Strecke Tsinan- Tsintao. Die chinesischen Trup- nationalchristlichen Partei Goga und später den hiedurch entstandene neue Lage prüfen füllten Entwicklungsprozeß, bei dem alles auf das durch einen mühseligen, von Widersprüchen er ven haben bei Weisten auf der gleichen Strecke ehemaligen Generalstabschef Antonescu, den Kom- werde. Mit Rücksicht auf diese amtliche Mitteilung werden, nichts auf das Sein ankommt. Schützengrabenstellungen bezogen. mandanten des vierten Armeekorps, in Audienz liegt ein Rücktritt der Regierung durchaus im Becmpfing. reiche des Möglichen. deutschen Konsulates. gesprengt hatten. Die Japaner in Hantschau Die nationalchristliche Partei, eine ausge Darüber hinaus ist man lediglich auf Ver= Shanghai. Aus chinesischer Quelle wird sprochene rechtsradikale Organisation, fionen angewiesen, von denen jede richtig oder gemeldet, daß Vorhuten der japanischen Armec hat nur 9.7 Prozent aller Stimmen erhalten und falsch sein kann. Die Audienz des nationalchristSamstag um 14 Uhr Hantschau betraten. dürfte nur etwa 35 bis 40 Mandate erreichen. Der lichen Parteiführers Go ga hat die AufmerkamDie Chinesen haben die Stadt verlaffen, nachdem Regierungsblock dürfte etwa 150 Mandate erhal- eit natürlich auf dessen Verson und auf diese Parsie zwei über den Fluß Tsientan führende Brücken ten, die Nationale Banernpartei 88, die Eiserne tei gelenkt. Die Berechnungen der parlamenta Garde 70. Die genaue Aufteilung der Mandate rischen Basis einer solchen Regierung ergeben jetann erst nach der für Montag einberufenen Sit- dech im günstigsten Falle nur eine minimale Mehrzung der Zentralwahlkommission erfolgen, die erst heit gegenüber der Opposition. Die Version einer gewisse Unklarheiten des Wahlgesetzes beseitigen liberalen Regierung Constantin Bratianus, mußte. Diese Kommission hat entschieden, die des liberalen Parteichefs, ist zwar in den HinterMandate prozentuell nach den einer Partei im grund getreten, aber durchaus nicht aus der Erör= ganzen 2an de zugefallenen Stimmen und terung der parlamentarischen Kreise verschwunden. nicht nach Wahlbezirken aufzuteilen, wie dies der Im übrigen ist die Lage unklar, die Span Regierungsblock gefordert hatte, und von der nung sehr groß und der weitere Verlauf Stimmenzuteilung jene Parteien auszuschließen, nicht zu überblicken. Auch Tsingtau blockiert Shanghai. Das japanische Marinekommando hat jetzt über Tsingtau die Blockade für alle chinesischen Schiffe verhängt. Damit ist die Blockade über die ganze chinesische Küste mit Ausnahme der Territorien fremder Mächte ausgedehnt. Die Blockade von Tsingtau ist geeignet, die Lebensmittelversorgung Schanghais zu ge= fährden. Besonders Gemüse und frisches Fleisch gefangen meist über Tsingtan nach Schanghai. Schlacht mit Arabern in Palästina Jerusalem.( Havas.) Die Schlacht, die sich Teruel: Rebellenstützpunkte brennen Die drei Fragenkreise, mit denen sich das britische Weltreich derzeit auseinanderzufeßen hat, sind von ungleichem Gewicht und ungleicher Attualität. Die Mittelmeerfrag ist für London heute ohne Dringlichkeit. je länger die Gesamtregelung dort hinausgeschoben werden kann, um so stärker wird England auftreten fönnen. Denn die britische Aufrüstung kommt in immer schnelleres Tempo, während Italien, von Finanz- und Wirtschaftssorgen bedrängt, immer Chancen der Republik in Spanien feineswegs io weniger Schritt zu halten vermag. Und da die ungünstig beurteilt werden, wie das offiziell England vor, die Entscheidung zu beschleunigen. gerne angedeutet wird, liegt auch fein Grund für Um so mehr, als man noch immer die Hoffnung nicht aufgegeben hat, mit Deutschland wenigstens eine Art zeitweisen Waffenstillstands herbeizuführen, der Italien isolieren und daber dem britischen Druck widerstandslos ausießen würde. Gegenüber Deutschland bleibt die Parole daher weiter die geheimnisvolle„ Gesamtre gelung". Darunter ist zweierlei zu verstehen. Einmal eine gesamteuropäische Rege= lung. Es ist das große Verdienst der französischen Politik, London auf diese gesamteuropäische Res dem Bündnis mit Frankreich die logische Folge= rung, daß es Frankreichs Freunde auf dem Kontinent nicht im Stich lassen darf, wenn es umges fehrt auf französische Hilfe auch dort Anspruch ereine halbe Million Menschen in Barcelona auf,* Gesamteuropäische Regelung heißt aber auch um anläßlich des Sieges von Teruel die unzer- friedliche Verständigung. Ein brechliche Einheit von Front und Hinterland zu Ausgleich der Forderungen durch allseitige Zugedemonstrieren. Unter den Rednern war Léon ständnisse. Was das gegenüber Deutschland tonin Nordpalästina zwischen britischen Truppen und Barcelona.( Ag. Esp.) Wie das Mini- gewisse Berühmtheit wegen der Zahl der Tref- gelung festgelegt zu haben, nachdem die zu einer einer bewaffneten arabischen Terroristengruppe sterium für Nationalverteidigung mitteilt, haben fer befitt, wurde neuerlich getroffen, ebenso wie Kapitulation vor Deutschland drängenden Lords entspann, dauerte Sonntag bereits den vierten die Regierungstruppen in Teruel Montag zahlreiche andere Gebäude in der Gran Via. eine Zeitlang die englische Außenpolitit, ins Tag an. Die Truppen versuchen, die Rebellen zu früh die alte Infanteriekaferne genommen und Die Beschießung hat acht Tote und gegen 60 Ver- Schwanken gebracht hatten. England zieht aus umzingeln. In der Nähe der Orte, wo die Zu die Zivilgardisten und Phalangisten, die dort letzte gefordert. sammenstöße erfolgten, wurden noch mehrere Widerstand geleistet hatten, gefangengenommen. Die Regierungsgeschütze erwiderten fofort Leichen von Arabern gefunden, meistens junger Das Seminar und das Zivilgouvernement, wo sich das Feuer der Aufständischen, das schließlich zum Männer zwischen 20 bis 30 Jahren, die sämt noch Rebellen halten, stehen in Flammen. Den Schweigen gebracht wurde. heben will, wo französische Interessen nicht unlich mit modernen Waffen ausgerüstet waren. Regierungstruppen sind in Teruel bisher weit mittelbar auf dem Spiele stehen. Insoweit hat Die Araber verloren 45 Mann. Auch in anderen über 100 MG, zwei komplette Batterien Artille Siegesfeler in Barcelona Lavals Politik wie Mephisto gewirkt: England Gebieten Palästinas dauern die Unruhen an. rie, sämtliche modernste deutsche FlugabwehrgeBarcelona.( Ag. Esp.) Der Aufforderung hat in der Abessinienfrise zu fühlen bekommen, In Haifa warf ein unbekannter Täter in ein Schüße, die den Rebellen in Teruel zur Verfügung überfülltes Staffeehaus eine Bombe. Ein brit: standen, alle unbeschädigt, fowie viel Munition der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiter- daß es Frankreich ebenso braucht wie Frankreich organisationen folgend, marschierte am Sonntag England. scher Soldat fing aber geistesgegenwärtig die und Kriegsmaterial in die Hände gefallen. Bombe auf und warf sie auf die Straße, wo sie Das Gebäude, das dem Seminar gegenüberexplodierte, ohne jedoch Schaden anzurichten. In liegt, ist seit Sonntag von den republikanischen Ramleh murde die telephonische Verbindung Truppen besetzt, die auch in das Nachbarhaus eindurchschnitten. In Tulkarem beschossen unbe- gedrungen sind. Von Zeit zu Zeit fliehen Grup- Jouhaug, Generalsekretär der französischen fret bedeuten soll, ist völlig undurchsichtig. Das fannte Tater das Gefängnisgebäude.. ven der Belagerten in aller Eile aus dem Semi- CGT und Vizepräsident des Internationalen Ge- Einzige, womit England und Frankreich sich nar; Sonntag nachmittags waren es allein 55 werkschaftsbundes. Er führte u. a. aus:" Euer deutsche Zugeständnisse erkaufen können, sind Mann. Bei der Eroberung der Infanteriekaferne Sieg ist unser Sieg! Das Weltproletariat steht toloniale Ronzessionen. Der deutsche schlichtet Pariser Streiks befindlichen Zivilgardisten vollständig ergeben. in die Flucht zu schlagen und nicht nur um den reise durch Berlin aber offiziell bestätigt, was die mn der Nähe des Bahnhofes haben sich die darin zu den spanischen Arbeitern, um den Faschismus Außenminister Neurath hat Delbos bei der DurchBaris. Die Streiffonflikte in Paris, haupt- Die Mehrzahl von ihnen hatte seit zwei Tagen Bestand der Republik, sondern um die schon er deutschen Blätter seit Wochen schreiben: Deutschsächlich im Lastautoverkehr und im Lebensmittel nichts mehr zu essen. worbenen Freiheiten zu sichern und die Möglich land betrachtet koloniale Zugeständnisse als sein handel, befinden sich auf dem Wege der Beile= Bei der methodischen Säuberung der Stadt feit weiterer Errungenschaften zu gewinnen."" gutes Recht", für dessen Erfüllung es feinen Gegung. Beide Parteien haben sich mit der Ueber haben die Republikaner das gesamte Verteidi- Präsident Companys rief:" Wir werden den gendienst zu leisten bereit ist. Deutschland will nahme des Schlichtungsverfahrens und des Ar- gungssystem der Rebellen entdeckt. Die Hauskeller Krieg gewinnen, weil Vernunft und Kraft auf auf dem Kolonialgebiet wiederholen, was es in bitrageurteils durch den Ministerpräsidenten ein- waren ausbetoniert und durch ein ganzes Netz von unserer Seite stehen. Wenn Spanien den Sieg der Aufrüstung und der Rheinlandfrage schon gez verstanden erklärt, der sich bereits mit der Beile Gängen miteinander in Verbindung gesetzt wor- über die totalitären Staaten errungen hat, wird tan hat: sich die Leistung der anderen geben lasgung des Streiffonflittes in der Goodrich- Pneu- den. Die Einnahme einiger dieser Keller hat den es sich würdig erweisen der Aufgabe, die ihm die sen, ohne selbst eine Gegenleistung zu vollbrin matitfabrik befaßt. Widerstand der Rebellen, die sich nicht mehr ver- demokratischen Länder anvertraut haben." pflegen konnten, zusammenbrechen lassen. Chautemps unternommen. gen. Ob das diesmal ebenso erfolgreich gelingen wird, wie 1935 und 1936, ist reichlich zweifelhaft. Meinung nicht ändert, die Generalregelung vöiaber jedenfalls hängt, solange Deutschland seine lig in der Luft. Daß England trotzdem an ihr festhält, ist für jeden, der die Vorkriegsdiplomatie London.( Eigenbericht.) Jouhaux fennt, feine Ueberraschung. England ist so selbstDas Berliner Echo der Papstrede Während Rebellenflugzeuge bei aller Afti- Der I. G. B. als Vermittler zwischen Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro vität in der Umgebung von Teruel nichts ausge meldet: Die Weihnachtsansprache des Papstes, richtet haben, bombardierten republikanische Flug den spanischen Gewerkschaften welche Angriffe gegen Deutschland enthielt, hat zeuge wirkungsvoll zahlreiche Truppenkonzentra in Dentfchland infolge der überall herrschenden tionen der Rebellen, was auch die RegierungsWeihnachtsruhe(?) nicht die geringste artillerie besorgte. An der Außenfront von Ternel und Scheven els find Montag in Barcelona bewußt, daß es Prestigerücksichten nicht fennt und Beachtung gefunden. haben die Rebellen am Sonntag teinen Angriff eingetroffen. Sie sind vom Vorstand des Inter- an Verhandlungen festhält, solange noch die Wafnationalen Gewerkschaftsbundes beauftragt, in fen nicht sprechen. Am aktuellsten ist für London der asias den Konflikt innerhalb der spanischen Gewerk- tische Fragenkreis. Man legt sich darüber Res schaftsbewegung zu vermitteln. Die beiden Na- chenschaft ab, daß heute die gesamten britischen tionalkomitees werden unter dem Vorsitz der bei Kapitalanlagen in China und der britische Handel den Delegierten eine gemeinsame Tagung ab mit China auf dem Spiele stehen. Was immer halten, worauf die Gründung eines nenen ein- auch Japan heute versprechen mag, um sich die Neutralität Englands zu erkaufen, ist das Beis spiel Mand chufuos da, um England zu warnen. liche Entscheidung in seiner China- Politif zu tref Weihnachtsurlaub Schwere Beschießung Madrids für internierte Pastoren Berlin.( Havas.) Die deutschen Behörden haben etwa 40 Pastoren und Angehörigen der Madrid. Die Aufständischen begannen in deutschen Bekenntniskirche, welche sich derzeit im Gefängnis befinden, gestattet, die Weihnachts- der Nacht auf Montag neuerlich ein Artilleriefeiertage im Kreise ihrer Familie zu verbringen. bombardement der Hauptstadt, wobei die Straßen beitlichen Nationalkomitees erfolgen soll. Die Dem bekannten Pastor Martin Niemöller in den Sentrumsvierteln getroffen wurden. Das Aussichten der Vermittlungsaktion werden in Japan wird in der nächsten Zeit eine grundsäßwurde dieser Urlaub jedoch nicht gewährt. Gebäude der Telephonzentrale, die schon eine Barcelona als günstig bezeichnet. Seite 2 DienStag, 28. Dezember 1887 Nr. 304 An unsere Abonnenten, Kolporteure und Inserenten Anläßlich des Reujahrstages am Samstag, den 1. Jänner, entfallt unsere Sonntagsnummer vom 2. Jänner. Das Blatt liegt sonach drei Tage auf und ist für Insertion besondergut geeignet. Die Verwaltung. fen haben, soferne es sie nicht schon getroffen har. ES wird die Frage beantworten muffen, ob es den Krieg gegen Tschiangkaischek auch im Innern Zentralchinas und an den Küsten Südchinas fort« setzen will. Es ist mehr als wahrscheinlich, daff Tokio ursprünglich davon Überzeugt war, die Einnahme Nankings werde das Ende des chinesischen Widerstands im Gefolge haben. Erst in den letzten Tagen hat man sich damit abgefunden, daff China den Fortgang des Krieges will. Das heißt aber, daß Japan gezwungen wird, quer durch die riesigen Räume Mittelchinas, das Dangtse-Tal hinauf der chinesischen Zentralregierung nachzujagen, um sie zu Verhandlungen zu zwingen. London.(Eigenbericht.) Die Bereinigten Staaten haben in ihrer Antwortnote an Tokio die japanischen Entschuldigungen wegen der Versenkung des Kanonenbootes„P a n a Y" akzeptiert, aber zugleich Tokio wissen lassen, daß mit dieser Konzession die Grenzrder amerikanischen Zugeständnisse er. reicht sei. Wenn es sich in Zukunft Herausstellen sollte, daß die japanischen Garantien gegen eine Wiederholung derartiger Zwischenfälle wertlos sind, würde Präsident Roosevelt auch gegenüber der öffentlichen Meinung der Bereinigten Staaten in der Anwendung schärfster Maßnahmen gedeckt sein. Die amerikanische Antwort an Tokio lehnt überdies die japanische Darstellung des Panah- Zwischensalles ab. Washington zieht eS vor, an den Festrllungen drS amerikanischen SeegerichteS frstzuhalten. Dies« Rote, die in Tokio bereit- überreicht wurde, macht, wie in Washingtoner Kreisen erklärt wird, der diplomatischen Spannung zwischen Japan, und Amerika ein Ende, bedeutet aber an sich noch keine Liquidierung des Zwischen- falles. ES erübrigt noch die Festsetzung der Höhe deS von Japan z» leistende» Schadenersatzes. Die Note dürste die amerikanische Oeffrnt- lichkeit beruhigen, wenigstens für einige Tage, bis zur Vorführung deS FilmeS über da- Bombardement der„Panay". Man ist der Meinung, daß die Rote den ersten Schritt zu einer engeren diplomatischen Zusammenarbeit Amerikas mit den übrigen Unterzeichnerstaaten der Washingtoner Konvention zu dem Zwecke dar- IDas heißt andererseits, daß Japan die Widerstandszentren in Südchina, die die besten Soldaten des Landes und die wichtigsten Wege der Munitionsversorgung bergen, niederwerfen muß. Militärisch wäre Japan auch dieser Aufgabe vermutlich gewachsen. Aber die finanzielle Belastung eine-, unter solchen Umständen vielleicht Jahre währenden Kriege- wäre kaum erträglich. Genau in diesem Augenblick setzen England und die USA gemeinsam eine diplomatische Offensive ein, die in ihrer Schärfe beispiellos ist. Die englische Linie ist festgelegt: England wird genau so weit gehen wie die Vereinigten Staaten. Die Entscheidung liegt also bei Roosevelt und der öffentlichen Meinung der USA, die durch die letzten Zwischenfälle aufgewühlt wurde. Die Chicagoer Rede Roosevelts, die rm Namen des Völkerrechtes die Abkehr von der Isolierung forderte, war ein Mißerfolg. Nun versucht der amerikanische Präsident sein Volk durch den Hinweis auf die eigenen Jn- tereffen in Bewegung zu setzen» die in China bedroht sind. Es scheint, daß die Bevölkerung auf dieses Argument stärker reagiert. Ein Neuer Zwischenfall in China könnte den Au-schlag geben. Hier liegt für Japan da- stärkste Argument zur Vorsicht. Was die erst tastend angebahnte Zusammenarbeit zwischen England und den USA für die Weltpolitik Großbritannien- bedeutet, kann man sich ohne Schwierigkeit klar machen. In China geht es für England nicht bloß um die Verteidigung seiner eigenen Interessen, sondern mich um die ersehnte Einheitsfront der beiden angelsächsischen Demokratien. stellt, damit im Falle einer neuen durch Japan verursachten Komplikati»« ei» gemeinsames Borgehen angebahnt werde. * Die japanische Erklärung, wonach in den ovn Japanern besetzten Gebieten keine Ezterri- roriqlitätSrechte bei Verstößen gegen Japanmilitärische Gesetze anerkannt würden, stellt einen neuen Vorstoß gegen die Vereinigten Staaten, England und Frankreich dar. Auch gegenüber England weitreichende Entschuldigungen Tokio. Die japanische Nachrichten-Agentur„D o m r i" meldet, daß die Antwort der japanischen Regierung auf.die englische Rote über den Jangtse-Zwischenfall nunmehr fertiggestellt sei. Dir Rote komme zu dem Schluß, daß es sich um rin„bedauerliches Unglück" gehandelt hab«, verursacht durch ein„M i ß» e r- st ä n d n i s". Di« japanische Rote bringe das tiefe Bedauern Japans zum Ausdruck und enthalte dir Versicherung, daß geeignete Maßnahmen zur Verhinderung ähnlicher Zwischenfälle ergriffen werden würde«. Japan komme für di« durch das Unglück entstandenen Verluste auf. Vor dem Angriff auf Kanton? London.(Eigenbericht.) Eine japanische Landung in Südchina wird im Hinterland von Macao erwartet, wo am Montag 20 japanische Kriegsschiffe, darunter auch TranSportdampfrr «nd ein Flugzeugmutterschiff, gesichtet wurden. Aus diesem Gebiet führen direkte Straßen nach Kanton. Kriegsschauplatz Innerdeutschland Das fünfte Jahr der deutschen Diktatur neigt sich dem Ende zu. Der Terror wütet weiter. Er war keine Kinderkrankheit de-^Systerns, wie die aufgeschreckte Welt sich im Anfang einzurcden versuchte. Er ist das System selbst, ist das Knochengerüst, ohne das es zusammensacken müßte. Aus dem wilden Terror wurde inzwischen ein organisierter Terror— oder besser: die Wildheit ist organisiert worden. Aber sie hat dadurch nichts von ihrem Schrecken eingebüßt, säubern nur an Unentrinnbarkeit gewonnen. Fünf Jahre sind eine lange Frist, und viele Menschen im Ausland wenden sich resigniert von dem grauenhaften Anblick ab mit der Begründung:„wir können ja doch nicht helfen." Sic irren. Sich nicht abwenden, das Unbequeme tun, die Wahrheit nicht nur ertragen, sondern suchen lernen, heißt schon helfen. Die deutsche Regierung droht heute damit, sich für die in der Auslandspreffe erscheinenden Enthüllungen an den Gefangenen in den Konzentrationslagern zu rächen. Aber es wäre unausdenkbar, was mit den Gefangenen geschähe, wenn diese Drohung ihr Ziel erreichte, wenn die Stimme der Wahrheit, die in Deutschland zum Schweigen gebrächt wurde, auch in der übrigen Welt schwiege. Die„Deutschland-Berichte" der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands veröffentlichen in ihrer neuesten Ausgabe eine Uebersicht über die gegenwärtig im Dritten Reich bevorzugten Terrormethoden. Alle Feststellungen sind mit authentischen, aus dem Reich stammenden Tatsachenberichten belegt. Es wird zunächst darauf hingewieien, daß die Unterdrückung jeder politischen Opposition in Deutschland längst nicht mehr allein dem Zweck dient, die errungene Macht zu erhalten. Vielmehr versucht das Regime, sich auch vorbeugend gegen alle Aiderstandsregunsscn im Kriegsfall zu schützen. Deshalb eine ständig wachsende Zahl von Todesurteilen und Hinrichtungen. Deshalb die Verhängung von„Schutzhast" auf unbestimmte Zeit über jene Männer, die keinen Anlaß zu einer Strafverfolgung gegeben haben, deren Vergangenheit aber lehrt, daß sie eines Tages als Führer der Opposition in Frage kommen könnten. In einem Bericht aus Berlin heißt es: „Ich habe mit einem Scharfrichter gespro chen. Er erzählte, daß er und seine Kollegen jetzt vom Staat eine feste Anstellung erhalten haben. Es fänden täglich Exekutionen statt, man arbeite deshalb seit kurzer Zeit nicht mehr mit dem Hand-, sondern mit dem Fallbeil. An einem einzigen Tage in der dritten Juniwoche wurden allein in Köln vier Hinrichtungen vollzogen." Daneben werden gegen Oppositionelle täglich hohe Freiheitsstrafen verhängt. Die politischen Gefangenen, vor allem die Häftlinge in den Konzentrationslagern, die kein Urteilsspruch, sondern reine Willkür zu ihrem Los verdammt hat, werden weit härter behandelt als die Kriminellen. Sie sollen körperlich und seelisch zermürbt werden. Ein entlassener Dachauer Häftling berichtet: „Wir waren vollkommen der Willkür der SS ausgeliefert. Wenn einem Posten die Nase eines Gefangenen nicht gefiel, ließ er ihn„Sport" machen oder brachte ihn zur Meldung. Bei der ersten Meldung gibt eS meistens Strafarbeit, daheißt SonntagSarbeit. Wer mehrere Meldungen hat, bekommt Bunker und 25 Schläge... Weiter wurden Gefangene zu einer, bzw. zwei Stunden „Pfahlhängen" verurteilt. Die Gefangenen wurden mit den Armen nach rückwärts an den Handgelenken so aufgehangt, daß die Fußspitzen den ~ Boden gerade noch berührten..." Ein« Frau, die ihrer Gesinnung wegen ein« inehrjährige Zuchthausstrafe verbüßt hat, schreibt: „Die kriminellen Gefangenen werden beviw» zugt behandelt.,..Wenn einer Politischen vom Aufsicht-personal da- Leben besonders schwer ge- " macht wird, versuchen die Kameradinnen ihr Erleichterungen zu verschaffen. Kommt aber die Aufseherin dahinter, dann wird di« Gefangene in eine andere Abteilung versetzt.." Ein aus dem Gefängnis Bautzen Entlassener: „Fast alle polltifchen Gefangenen werden in ihrer Zelle beschäftigt und kommen nicht in die Arbeitssäle. Sie müssen Peitschenschnüre drehen oder Lumpe» zupfen. Kokosmatten, Abstreicher, Kohlensäcke flechten oder Tüten kleben. In den Tischler-, Schlosser- und Schmiedeweüftätten werden fast nur Kriminelle verwendet..." Viele politische Gefangene werden nach Verbüßung ihrer Strafe in ein Konzentrationslager geschasst und dort nach Willkür auf unbestimmte Zeit festgehalten. Aber auch die freigelassenen ^.Politischen" werden bespitzelt; man droht "mit neuer Verhaftung und erschwertihnen das berufliche Fortkommen. Der allgemeine Terror, der sich gegen jeden Deutschen richtet, auch gegen den Unpolitischen und Unverdächtigen, hat Deutschland mit der Zeit in eine Art Belagerungszustand versetzt. Jeder fühlt sich belauert, beargwöhnt, bedroht. An den Grenzen gehen innerer Terror und Kriegsvorbereitung am sichtbarsten ineinander über. Was als Vorsicht nach außen gedacht ist, wirkt gleichzeitig als Bedrückung im Innern. Wir zitieren einige dieser Grenzberichte: Südwestdeutschland:...„Ganz scharf ist auch die Kontrolle beim Uebergang von Kehl nach.Straßburg. Jeder wird auf Herz und Nieren geprüft und wenn jemand keinen stichhaltigen Grund angeben kann, warum er hinüber will, macht er sich schon verdächtig. Tatsächlich ist seit etwa einem Jahr der Ausflugsverkehr nach Straßburg vollständig stillgelegt." Bayern:„Längs oer Grenze werden in kurzen Abständen größere Zollhäuser gebaut. Von den dort beschäftigten Arbeitern werden die Häuser als Kaserne« bezeichnet. Alle Räum« sind sehr groß." Die Bespitzelung der Bevölkerung nimmt zu, weil sich da- Regime mit wachsender Mißstimmung immer weniger auf freiwillige Denunziation stützen kann. Aus Berlin wird z. B. berichtet: „DaS Bedienungspersonal der Gaststätten wird vielfach dazu gezwungen, der Gestapo Hilfsdienste zu leisten. In Lokalen, wo viel getrunken wird, und den Gästen häufig der Mund übergeht, verstreicht fast keine Woche ohne einige Verhaftungen." Der Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler hat in einer Rede angekündigt, im Kriege werde es neben den Fronten zu Wasser, zu Lande und in der Lust ein»«» orerten Kriegsschauplatz geben:„Jnnerdeutschland". Wer den von uns zitierten Terrorabschnitt der„Deutschland-Berichte" lieft, gewinnt den Eindruck, daß Jnnerdeutschland heute schon ein Kriegsschauplatz ist» auf dem die wohlgerüsteten Terrortruppen weniger Machthaber einem wehrlosen, erbitterten Boll gegenüberstehen. „Panay“-Zwischenfall beigelegt? Ihr laßt den Armen schuldig werden... Von Nardorefe Neumann Sie hat nicht gerufen, sie ist ganz still, die Stimmbänder gelähmt vor Schreck. Die Binder aber kommt zu sich. Sie führt Adele an der Hand wieder zurück auf den Korridor. Dort schreit sie gellend: »Mord! Mord! Hilfe! Hilfe!" In dem Kontor hört man den Hilferuf nicht, dort ist niemand um diese Zeit; er dringt weiter zu dem Hausbesorger» Menschen eilen herbei— bald die Mordkommission der Polizei, die jemand telephonisch verständigt hat. Adele lehnt an der Korridorwand, leichenblaß. Me Binder spricht auf den Polizeikommissär unausgesetzt ein. Der wendet sich nun an Adele: »Und was wollten S i e in der Wohnung des Weiler?" Adele stammelt:„Ich? Ich? Ich weiß nicht! Ich kam von der Lieferung zurück, bekam starkes Ohrensausen— Flimmern vor den Augen — legte mich angezogen auf das Bett— und schlief sofort ein!" „Nicht danach stage ich Sie, sondern— was wollten Sie bei Weiler in der Wohnung?" Adele starrt den Polizeikommissär an. Wieder schwinden ihr fast die Sinne. Vor ihren Augen wird alles dunkel— dann ein großer blutroter Schein. Sie schüttelt sich vor Grauen, bedeckt das Gesicht mit den Händen. So steht sie, die ganze Zeit, bewacht von zwei Polizisten. Der Polizeikommiffär geht in ihre Stube. In Weilers Wohnung, in der Kammer, wird ein Mordüberfall inszeniert. Man hört Poltern, Hilferufe, Anordnungen. Dann kommt der Polizei kommiffär aus Adeles Wohnung, die Mordkommission steht beisammen. Adele hört: „In der Stube hört man jeden Laut, jedes Geräusch, warum haben Sie nicht Hilfe geholt?" Adele gibt keine Antwort, der Polizeikommissär befiehlt: „Sie kommen mit!" Und zur Binder:„Sie auch!" Adele folgt ohne ein Wort zu sprechen, während die Binder laut weint und ihre Unschuld beteuert. Am nächsten Tag melden die Zeitungen: „Die Bedienerin Binder hat ein volles Geständnis abgelegt. Sie und die Heimarbeiterin Adele Bergner haben den alten Weiler ermordet, um sich in den Besitz seiner Schmucksachen und des Bargeldes zu setzen. Während die Bedienerin alle- genau angibt, leugnet die Bergner hartnäckig, doch ist ihre Mitschuld durch die Aussage der Binder voll erwiesen." Adele Bergner sitzt den siebenten Monat in Untersuchungshaft. Sie ist an dem Tage, an dem sie so wundervoll von Marion geträumt hatte und so grausam aufgeweckt worden war, zusammengebrochen. Apathisch läßt sie alles über sich ergehen. Nur die Schuldstage vemeint sie hartnäckig. Man stellt ihr die Binder gegenüber. Der Untersuchungsrichter:„Also, Binder, sagen Sie es ihr mal ins Gesicht!" Die Binder:„Ich schwäre, was ich zu Protokoll gab, beruht auf Wahrheit!" Der Untersuchungsrichter:„Was jagen Sie jetzt, Bergner?" Die Bergner:„So wahr mst Gott helfe— ich bin unschuldig!" Die Binder geht, die Bergner muß bleiben. „Ueberlegen Sie sich'S, Bergner, reumütige» Geständnis ist ein MilderungSgrund l Ich werde Ihnen nochmals vorlesen, was die Binder auSge- sagt hat: „Ich kam am 28. November etwa- nach Uhr zu Weiler. Ich läutete, niemand öffnete. Da griff ich an die Türklinke, die Tür war auf. Ich ging erstaunt durch die Küche, in das Zimmer. Weiler war nicht zu sehen. Da fiel mir die nur zugelehnte Kammertüre auf. Ich trat ein. Weiler stand mit dem Rücken zur Türe, vor ihm lagen Goldstücke. Ich war so weg von dem vielen Gold, daß ich kein Wort rausbrachte. Schon oft habe ich versucht, in die Kammer zu kommen, aber Weiler war sehr mißtrauisch, er entfernte sich niemals, wenn ich austäumte, die Kammer war immer abgesperrt, in die ließ er mich überhaupt nicht. Als ich nun sah, daß der Alte so vertieft war, daß er mich gar nicht hörte, schlich ich zurück, klopfte bei der Bergner an. Wir hatten schon immer zusammen beraten, wie man den Geizhals drankriegen könnte. Ich hab der Bergner auch gesagt, daß sie ihm gefällt. Er lieh von ihr auch Bücher aus, sie besuchte ihn oft, das hat er mir selbst erzählt. Jetzt kam ich auf die Idee, dem Alten das Gold leicht wegnehmen zu können, wenn ich ihm die Bergner bringe. Die Bergner ließ mich in ihre Wohnung, ich erzählte ihr, was ich mir dachte. Sie ging gleich auf meinen Plan ein. Wir begaben uns ganz leis« wieder in die Wohnung Weilers. Ich-ging als erste, hinter mir die Bergner. Das hat er gehört. Er drehte sich um— erschrak. Ich sagte ihm:„So, Herr Weiler, jetzt teilen wir mal!" Der Alte war aber so erschrocken, weil wir ihn bei dem Gold sahen, daß er mit der Hand zur Tür wies, dann schrie er:„Raus, hier hat niemand was zu suchen!" Ich lachte. Die Bergner kam näher:„So, du alter Geizhals, mir gibst du nie einen Heller, warte nur, jetzt nimm ich mir, was mir gehört!" Der Weiler stieß sie zurück. Da schrie sie mir zu:„Schnell, Binder, gib chm eine mit der Hacke!" Sie selbst hatte ihm beim Hal- gepackt und würgte ihn. Er ist viel kleiner als sie und versuchte, sich aus der Umklammerung zu befreien. Im Handgemenge stürzte er, da nahm die Bergner die Hacke.und schlug zu. Dann suchten wir alles durch, wir wußten, er hat Geld und Sparkassabücher. Das fanden wir aber nicht. Me Goldstücke nahmen wir nicht an uns. dse Bergner meinte, das sei alles wertloses, altes Kupfergeld. Die Bergner zog mich dann aus der Wohnung und schrie:„Mörder!" Ich habe weder Schmuck, noch Geld an mich genommen. Ich gestehe aber, daß ich und auch die Bergner nur mit der Absicht in die Wohnung des alten Weiler gingen, um uns in den Besitz dieser Sachen zu setzen. Das ist die lautere Wahrheit. Ich bereue die Tat sehr, ich wollte den Weiler nicht ermorden, das hat die Bergner getan, ich hatte damals solche Furcht vor ihr, daß ich sie daran nicht zu hindern wagte." Adele hört dieses Geständnis der Binder das zweitemal. Unfaßbar ist es für sie. Sie hat gleich bei der Polizeiy,«iS sie sich von dem ersten Schreck erholte— wahrheitsgetreu erzählt, wieso sie in die Wohnung Weilers kam, was die Binder dort machte, wie sie zu ihrem Entsetzen den Weiler in einer Blutlache liegen sah, darüber so außer sich war, daß sie nicht gleich begriff, was der Polizeikommissär von ihr wollte. „Das ist alles unwahr", stammelte Adele auch die-mal. Sie war über die Niederträchtigkeit der Binder, die, ihrer Meinung nach, den Weiler selbst und ohne Mithilfe irgend jemandes ermordet hatte, faffungslos. Wie die Binder log! Die Geschichte mit dem Buch(vor Jahren)- bauschte sie auf, wie alles, was damals über Weiler gesprochen wurde. «Bei Weiler fand man tatsächlich dieses Buch!" „Das grüne Gesicht!" las Adele, während der Untersuchungsrichter weiterblätterte. „Adele Bergner" stand mit Tinte auf dem nächsten Blatt. „Ist das Ihre Handschrift?" „Ja!"—„Ihr Eigentum also?"—„Ja." —„Na, sehen Sie, warum sollte die Binder Mär- Len erzählen? DaS Buch hat Weiler von Ihnen auSgeliehen, vielmehr werden Sie es ihm geschenkt haben. Man läßt doch Bücher nicht jahrelang bek icmand, mit dem man ein einzigesmal gesprochen hat." (Fortsetzung folgt.) Skr. 301 Dienstag, 28 Dezember 1937 Seite 3 D'e freien Gewerkschaften dringen vor! Keine Wahlen in der SdPI Man fürchtet die Opposition Die Henleinpresse bemüht sich krampfhaft, die»unerschütterte innere Geschlossenheit" der SdP nachzuweisen. Als ob etwas» was unwiderlegbar vorhanden ist» erst bewiesen werden müßte. In Wirklichkeit ist es mit dieser Geschlossenheit nicht weit her. Es liegen nämlich verläßliche Nachrichten vor, denen zufolge die SdP-Führung veranlaßt hat, daß die Mandate aller SdP-Funk« tionäre ohne Neuwahlen auf ein Jahr verlängert werden. Diese Verfügung, die sich auf Kreis-, Bezirks», Orts- und Sprengelleiter bezieht, wurde ganz vertraulich erlassen, aber man konnte, wie man sieht, nicht verhindern, daß diese Nachricht auch in die gegnerische Presse gelangte. In manchen Grgenden scheint der SdP-Führung die „Aufbruch"-Opposition doch rin wenig zu stark zu sein, ja, man fürchtet sich schon vor dem Widerstand jener, die mit der»Ausbruch"-Opposition sympathisieren. Lum Thema„Prenefrteden“ Die Herausgabe der„Arbeiter«Zeitung" wurde bekanntlich verboten und man mutz befürchten, daß dem Faschismus noch andere Bissen hingeworfen werden, obwohl man doch nicht glauben kann, es würde sich nachher etwas anderes einstellen als ein noch größerer Appetit der faschistischen Erpresser. In Stuttgart erscheint die Pressekorrespon« denz des Deutschen Auslands-Institutes. Diese Pressckorrespondenz mischt sich in die innrnn Angelegenheiten der Tschechoslowakei ununterbrochen ein. Selbstverständlich wird in der Korrespondenz mit keinem Wort das Schicksal lrr Südtiroler Deutschen behandelt. Ueber die Lrge der Deutschen in Polen ist in der Korrespondenz kein Wort mehr zu lesen und die lächerlich geringen Zugeständnisse, die eben jetzt den Deutschen Rumäniens von der rumänischen Regierung gemacht wurden, werden als ein Zeichen drS „Gerechtigkeitssinnes" gelobt, von dem die rumänische Regierung den Deutschen gegenüber erfüllt sei. Hingegen werden die außenpolitischen Schwierigkeiten der Tschechoslowakei nicht n.:r mit breitem Behagen geschildert, sondern zu den vorhandenen werden neue hinzugedichtet. In der letzten Ausgabe der Korrespondenz wird wieder einmal verlangt, daß die Regierung in Prag we politischen Wünsche der Sudetendeutschen Partei erfülle und es wird— zum wievielten Male? — der„Nachweis" geliefert, daß die Tsche Noslowakei ein durch und durch bolschewisie'.ter Staat ist. Dürfen wir und die bescheidene Anfrage erlauben, ob die Einstellung dieser hetzerischen Tätigkeit des Stuttgarter AuSlandSinstituteS und seiner Pressekorrespondenz inS Auge gefaßt ist? Oder werden die sndetendeutschen Razi-Emigran- ten in diesem Institut weiter ihr Unwesen treiben? Der IS. keder In der Krankenversicherung Nationaler Schlüssel in der Troppauer Anstalt gefordert Bei der Bezirks-Krankenversicherungsanstalt in Troppau ist die Hälfte der Mitglieder deutscher Nationalität. Der deutsche Anteil an der Beamtenschaft beträgt jedoch weniger als ein Drittel. Unter drei beamteten Aerzten befindet sich kein Deutscher. Im Borstand sitzen acht Tschechen und vier Deutsche. Im Namen der deutschen aktivistischen Parteien protestierte in der letzten gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und UeberwachungSausschus« ses der deutsche Sozialdemokrat Stolz gegen diese Tatbestände und forderte unter Hinweis auf den 18. Feber deren Aenderung. Zwei Literaturpreise des Bezirkes Ren- Titschein. Anläßlich der Feier des 20jährigen Bestandes der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1938 schreibt der Neu-Titscheiner Bezirk zwei Literaturpreise zu je 2500 KL für die zwei besten literarischen Werke aus, die von Einwohnern des Neu-Titscheiner Bezirkes oder von im hiesigen Bezirke geborenen Schriftstellern verfaßt wurden. Die Preise werden nach vorhergehendem Wettbewerbe zugesprochen, und zwar so, daß ein Preis auf das beste in tschechischer Sprache verfaßte Werk und der zweite auf das beste in deutscher Sprache verfaßte Werk entfällt. Schüler abgängig. Am 14. Dezember verließ der Sohn der Eheleute Emil und Marie Eichler, der am 2. Mai 1925 in Aussig geborene Schüler der zweiten Bürgerschulklasse in Aussig, Heinrich Eichler, das elterliche Heim. Er war mit hellgrünen Knickebockern, einem braunen Winterrock, einer grünen MLye, grünem Sweater, grünen Strümpfen und hohen schwarzen Schnürschuhen bekleidet. Er ist v.n hagerer Gestalt, hat braune Augen, dunkles Haar und ist tuberkulös Selbstmord ist nicht ausgeschlossen. Die Wahlen in den Betrieben zeigen immer deutlicher, daß die Geister sich klären. Dort, wo die Menschen aus unmittelbarer Anschauung prüfen können, wie die Kameradschaft und Volksgemeinschaft der Tagungen und Manifeste im täglichen Leben anssieht, vollzieht sich die Abkehr von der SdP und ihren Nebenorganisationen zuerst. Der Scheinradikalismus und Schrinsozialik« mus völkischer Arbeitervertreter verflüchtigt sich vor der Wirklichkeit. . Die freien Gewerkschaften, deren führende Rolle im deutschböhmischen Gebiet nie angezweifelt worden konnte, festigen ihre Positionen auch in den Betrieben, in welchen sie in der Mind'r» heit waren, immer mehr. In der letzten Nummer berichtet der„Bolkswille" über zwei charakter'st.» sche Wahlen in westböhmischen Textilbetrieben, E. Reichenberger, Generaldirektor des BolksbundeS deutscher Katholiken, hatte am 12. Dezember in Dux eine Rede gehalten, in der er über die Affäre Rutha und die an ihr Beteiligten sehr offene Worte sprach, Worte, die von allen unterschrieben werden konnten, denen es ernst ist mit dem Streben nach Reinheit und Sauberhe t im politischen Leben des Sudetendeutschtums. Die Rede Reichenbergers war u. a. auch im„Montagsblatt" veröffentlicht. Am 24. Dezember veröffentlichte zur Ueberraschung der sudetendeutschen Oeffentlichkeit die„Deutsche Presse" in fetter Schrift und unter einem zweispaltigen Titel eine Erklärung, die den Charakter einer Berichtigung trug und der Redaktion offensichtlich von einer bestimmten Gruppe katholischer Jung-Akademiker aufgenötigt worden war; in dieser Erklärung rückte die«Deutsche Presse" von Generaldirektor Reichenberger ab. Nun polemisiert Reichenberger im„Prager Montagsblatt" mit jener Erklärung und den Kreisen, die hinter ihr stehen. Er verweist darauf, daß auch gewisse jugendbelvegte Kreise des -rutschen Katholizismus den Deutschen Turnvey- band als den einzigen Erziehungsverband des SudetendeutschtumS anerkannt haben; das Pi auf der Tagung der Sudetendeutschen Jugendgemeinschaft vom 26. und 27. Jänner 1935 in Reichenberg geschehen. Damals hat die SJG den vom DTB aufgestellten Erziehungsgrundsätzen Absturz Im Sdineesturm Nach den letzten Angaben des Bordnavigators hat sich das Unglück um 17.30 ereignet. Zu dieser Zeit herrschte an der Unglücksstelle ein so heftiger Schneesturm, daß die Bewohner einer etwa hundert Meter von der Unglücksstelle entfernten Hegerei nicht das mindeste hörten. Erst Samstag um 8 Uhr 30 früh fand der 15jährige Hegerssohn B. Schmied! das zertrümmerte Flugzeug, dessen einzelne Teile ebenso wie die Leichen der bei dem Unglück Umgekommenen weit voneinander verstreut und tief im Schnee lagen. Das Flugzeug ist vollständig zertrümmert, der einzige Passagier sowie die Bemannung mutzten sogleich tot gewesen sein. Ole Ursache der Katastrophe ist demnach offensichtlich in dem heftigen Schneesturm, im Nebel, in dem herrschenden Winde zu suchen, die zur Folge hatten, daß der Pilot in der vollständigen Dunkelheit die Orientierung verlor. Die Arbeiten der Untersuchungskommission des Ministeriums für Oeffentliche Arbeiten wurden dadurch sehr aufgehalten, daß die Unglücksstätte zweieinhalb Stunden von Bergreichenstein entfernt ist und nur auf verwehten Wegen erreicht werden kann. Die Trümmer des Flugzeuges sind in einem Umkreis von 100 Metern verstreut und wurden SamStag früh.neuerlich vom Schnee verweht, der zuerst vorsichtig entfernt werden mutz, damit etwaige für die Feststellung der eigentlichen Ursache des Unglückes wichtige Gegenstände nicht vernichtet werden oder verloren gehen. Sonntag vormittags fand sich an der Ungliicksstätte auch eine gerichtliche und eine ärztliche Kommission welche diese Tendenz anschaulich zum Ausdruck bringen. In der Spinnerei Fischer in A s ch erhielten die freien Gewerkschaften von 479 abgegebenen Stimmen 353 und sechs Mandate, die DAG 118 Stimmen und zwei Mandate, obwohl diese nichts unversucht gelassen hatte, vm durchzudringen. Die Arbeiterschaft zeigte, wie sie über die Volksgemeinschaft mit der Firmachefin denkt, die zu den Stützen der Ascher SdP zählt. Bei der Firma Geipel. in Asch ergab d.e Stimmenzählung, daß der Erfolg der Union der Textilarbeiter noch größer ist als ursprünglich angenommen wurde. Die Union gewinnt ein Mandat, die DAG verliert ungefähr 60 Stimmen und ein Mandat. zugestimmt und das Zusammenwachsen der völkisch mit den religiös orientierten Jugendverbänden zu einer Gesamterziehungsorganisation als Arbeitsziel proklamiert. Diese Erklärung sei bis heute nicht widerrufen.— Reichenberger macht auf die interessante Tatsache aufmerksam, daß eine katholische Familienzeitschrift, die von Dr. Walter Simon redigiert wird, Werbeprospekte mit dem Namen Ruthas herausgab.(Die Sache wird dadurch noch interessanter, daß Dr. Walter Simon auch Vorsitzender de? Sudetendeutschen Jugendherbergsverbandes ist.)— Schließlich deutet Rcichenberger Intrigen an, die von katholischer Seite in Uebereinstimmung mit nationalsozialistischen Wünschen bei kirchlichen Stellen gegen ihn unternommen wurden. Reichenbergcr beendet seine bedeutsamen Feststellungen mit den folgende» Sätzen, in denen er sich gegen die Leisetreter und Packler wendet:„Niemand kann zwei Herren dienen, niemand zwei Weltanschauungen. Das katholische Volk erwartet jedenfalls, daß seine Jugend im Geiste des Christentums, erzogen wird. Wer einen anderen Weg-gehest!^»der die katholische Jugend in anderer Richtung führen will,"' soll eS offen bekennen» nicht aber seine Absichten mit Christentum tarnen. Klare Fronten, nich* Verschmierung der Gei st er! Wir werden diese Scheidung erzwingen." ein, welche feststellten, daß der Tod aller drei im Flugzeug befindlichen Personen unmittelbar nach dem Absturz eingetreten ist. Parallel mit diesen Kommissionen arbeitet in Prag eine weitere Kom» > Mission, welche daS schriftliche Material über den Verlauf des ganzen Fluges verarbeitet. Erst nach dem Vergleich der Ergebnisse und Arbeiten dieser Kommissionen wird man sich über die-wahrscheinliche Ursache deS Unglücks ein genaues Urteil bilden können. Einer der Augenzeugen der Katastrophe, ein Bauer aus Cervenä erklärt, daß er zur Zeit des Unglückes drei Detonationen gehört und einen starken Lichtschein wahrgenommen habe. ES handelt sich wahrscheinlich um das von den Motoren verursachte Geräusch und um die Lichtsignaie, welche der Pilot offenbar gegeben hat. An dem Flugzeug selbst sowie an den-reichen konnten nicht die mindesten Brandspuren entdeckt werden, so daß es sicher ist, datz das Flugzeug bei dem Absturz nicht in Brand geraten ist. Ole Opfer Pilot L e h k h war ein sehr erfahrener Flieger und hatte bereits fast anderthalb Millionen Flugkilometer zurückgelegt. Der Radiotelegraphist Astruc, ein Franzose, war jung, aber sehr gewissenhaft. Dr. Flanderka hatte, wie einigt Blätter melden, vor Weihnachten geschäftlich in Bukarest zu tun und benützte das Flugzeug, um noch am Weihnachtsabend in Prag zu sein. In Wien entschlossen sich di« anderen Passa- j giere, die Reise mit der Bahn fortzusctzen, da die Wettcrvrrhältnisse den Weiterflug gefährlich mach- ! ten. Dr. Flanderka soll die Flugzeugbesatzung be- - woge» Haden, doch nach Prag zu starten. Ein Katholik mahnt Katholiken „Ke ne Verschmleruns der Geister I“ Katastrophe am Weihnachtsabend Verkehrsflugzeug Wien—Prag bei Bergreichenstein abgestürzt— Drei Todesopfer Prag. Das Flugzeug der Luftstrecke Bukarest—Prag—Paris, welches am 24. Dezember «m 15.55 Uhr von Wien nach Prag startete, irrte aus bisher unbekannter Ursache von der Flugroute ab und ist zwei Stunden später auf dem Knappenberg, südlich von Brrgreichenstei» abge- stürzt. Dem Unglück fielen beide Mitglieder der Besatzung, und zwar der Pilot Lehth und der Radiotelegraphist Astrue sowie der einzige Flugpassagier Dr. Karel Flanderka, ein bekannter Prager Advokat, zum Opfer. Die Schiefertafel feiert Auferstehung Folge der deutschen Papierknappheit Berlin. Offiziell wird mitgeteilt,, daß die Rücksicht auf die Rohstofflage und auf die Erfordernisse des Pirrjahresplanes„neben praktischen Erwägungen" den Reichserziehungsmini- ster veranlaßt hat, die Schiefertafel w>-- der einzuführen, und zwar einheitlich für alle Volksschulen. In der 1. und 2. Bolksschulkl.nse ist vom Beginn des Schuljahres 1938 an Stelle des Schulheftes grundsätzlich die Schiefertafel zu gebrauchen. Ihr Gebrauch ist auch im 3. und 4. Jahrgang gestattet. Polnisches Flugma’.erlal für Rumänien London.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit der Delbos-Reise wird eine Erweiterung der rumänisch-polnischen Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Aviatik unter französischer Mitivirkung erfolgen. Frankreich wird mit technischen Ratschlägen und Krediten daran Mitwirken. Rumänien hat schon seit zwei Jahren größere Mengen von Flugzeugen in Polen angekaust; auch werden rumänische Piloten in Polen ausgebildet. Bisher standen finanzielle Schwierig- kciten dem Aufschwung des Flugwesens in den beiden Ländern hindernd entgegen; diese Schwierigkeiten sollen nunmehr durch französische Kredite überwunden werden. Auch der Bau von kleineren Kriegsschiffen rür Rumänien auf polnischen Werften ist vorgesehen. Gdingen wird gegenwärtig durch eine englische Firma ausgebaut und soll instandgesetzt werden, Kriegsschiffe bis zu 3000 Tonnen Wasserverdrängung zu bauen. Der Baskenschatz der Spanienregierung zuerkannt Paris. Mittwoch ist in Paris aus Havre der berühmt gewordene Baskenschatz angelangt, der seinerzeit von der Baskenregierung nach Havre gebracht wurde. Da General Franco auf den Schad Anspruch erhob, wurde der Schatz bis zur Entscheidung der Regierungsbehörden zurückgehalten. DaS Gericht hat jedoch zugunsten der spanischen Regierung entschieden und so wurde oer Schatz der spanischen Botschaft in Paris überwiesen. Der Schatz umfaßt Goldstäbe, Bilder, Edelsteine und allerlei Kunstwerke im Gesamtwerte von 10 Milliarden Franken und füllte zehn Eisenbahnwagen. Bei der Ueberführung des Schatzes mutzten besondere Maßnahmen getroffen werden. Athen. Auf seiner Durchreise nach Kairo ist hier der Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst von Fritsch eingetroffen. Nach Besichtigung der klassischen Stätten setzte er seine Reise fort. Kein Startverbot Ein amtlicher Bericht deS Ministeriums für öffentliche Arbeiten gibt folgende Darstellung: Rach der amtlichen Mitteilung deS österreichischen LuftfahrtamteS, die das Ministerium für öffentliche Arbeiten telephonisch anfordrrtr, ist daS Flugzeug FAMAD um 13.42 Uhr auS Budapest in Wien eingetroffrn, wo es bei der harten Landung einen Raddefekt am Fahrgestell erlitt. Tie Reparatur diese» Defekte» erforderte zwei Stunden Zeit, so daß daS Flugzeug statt um 14 Uhr erst um 15.55 Uhr nach Prag abflog. Da» Wetter war derart, datz kein Startverbot er- lnssen wurde. Das Flugzeug stand nach dem Start ständig mit ter Wiener Radio-Peilstation bis 16.50 Uhr in Verbindung und überflog die Staatsgrenze um 16.26 Uhr. Von den tschechoflowakischen Peilstationen ln Prag, Brünn, Marienbad und Budweir wurde daS Flugzeug in der Richtung nach Prag geleitet. Der gegenwärtige Stand der Untersuchung gestattet kein» Schlußfolgerungen über dir, letzte Flugphase des Flugzeuge» FAMYD, insbesondere nicht darüber, warum diese» Flugzeug so wesentlich von der richtigen Flugrichtung abgewichen ist. Erst nach Vergleich der Aufzeichnungen der Boden-Peilstationen mit jenen der Radiostation des Flugzeuges wird die wahre Ursache der Abweichung teS Flugzeuges von der normalen Richtung festgestellt werden können. Nach den Aufzeichnungen der Boden-Radiostationen flog daS Flugzeug in einer Höhe von 1500 Meter und e» wurde ihm von me- mandem die Weisung erteilt, niedriger herunterzugehen. DaS Flugzeug, da» mit einem radioelektrischen Bordpeiler ausgerüstet war, nahm während deS ganzen Fluges selbst Peilungen vor und bestimmte so selbst seine Flugrichtung. Auf dem Flugplatz in Ruzhnk war der normale Dienst noch so verstärkt worden, wie es bei jeder Nachtlandung der Fall ist, u. zw. von 17 Uhr bis zu dem Augenblick, da das Flugzeug sicherer Kalkulation nach nicht mehr in der Luft sein konnte, d. i. bi» 20.46 Uhr, da der Betriebsstoff deS Flugzeuge- gan- bestimmt vor 20 Uhr erschöpft sein mußte. Während dieser ganzen Zeit war der Flugplatz entsprechend beleuchtet, ebenso waren die Leuchttürme auf den Flugplätzen in Kbcly und in Letnany in Tätigkeit, Seite 4 Dienstag, 28. Dezember 193. Nr. 204 3o$emeuu$eiten Die Belagerung von Teruel Die Einnahme von Teruel durch die 91t- gierungstruppen wird von nationalistischer Seite als militärisch unbedeutend dargestellt. Uni so interessanter ist es, daß die auf hohem Felsen gelegene alte Feste im Laufe der spanischen Geschichte unzählige Male belagert worden ist. aber nur ein einziges Mal eingenommen wurde. Hier spielten sich schon die Kämpfe zwischen den spanischen Rittern und den Arabern ab, aber die größten Belagerungen von Teruel erfolgten erst im 19. Jahrhundert. Vor genau 129 Jahren, und zwar merkwürdigerweise ebenfalls mitten im Winter, im Dezember 1808, gelang es Mar- schall Suchet nach schwersten Kämpfen, in die Stadt einzudringen. Die Armeen des Bürger- krieges aber zerbrachen vor Teruel. Dies war im Sqpimer 1874 der Fall, als 6000 Karlisten, unter dem Oberbefehl Alfons' von Bourbon, dem Bruder des. damaligen Thronprätendenten, zum Sturm auf Teruel ansetzten. Sie wurden blutig zurückgeschlagen und konnten in dem auch jetzt genannten Vorort, Cerro de Santa Barbara, Fuß fassen. Auch damals kündigten die Monarchisten eine neue Offensive an, die tatsächlich einen Monat später begonnen wurde. Jetz- waren die Karlisten 14.000 Mann stark, während die Verteidiger von Teruel kaum 5000 Mann zählten. Trotzdem hielt die Stadt zwei Monate stand, bis die Belagerer unverrichteter Dinge wieder abzogen. Blutige Llebestragödle bei Bodenbach Der Täter stellt sich der Staatspolizei Am 2. Weihnachtsfeiertage in der siebenten Abendstunde ereignete sich in Steinsdorf bei Bodenbach ein blutiges Eifersuchtsdrama, bei welchem zwei junge Menschen schwer verletzt wurden. Im Gemeindehause in Steinsdorf wohnt bei einer Partei die 27jährige Irma Runge, die mit einem dort wohnhaften jungen Manne nainens W e i p e r t! ein Liebesverhältnis unterhalten hatte. Während Weipert beim Militär diente, machte sie die Bekanntschaft eines anderen Diannes, namens Iecni. Zu den Feiertagen kam Weipert nach Steinsdorf auf Urlaub und war am 1. Feiertage mit der Runge bei einer Tanzunterhaltung. Dadurch scheint in Aeäni die Eifersucht entfacht worden zu sein. Er begab sich am zweiten Feiertage gegen 7 Uhr abends ip die Wohnung der Runge, als eben Weipert bei ihr war, und rief ihr durch die Türe zu, sie möge herauskommen. Als sie dies ablehnte, forderte er Weipert auf, herauszukommen und als auch dieser ablehnte, öffnete er einen Spalt und feuerte gegen die beiden in rascher Folge v i e r S ch ü s s e aus einem Revolver ab, die unglücklicher Weise alle trafen. Der Soldat erhielt einen Brustschutz, Irma Runge einen Hals- und Mundschutz. Nach seiner Schreckenstat flüchtete Jeäni und stellte sich am nächsten Tage früh der Staatspolizei in Aussig. Die beiden Verletzten wurden in das Krankenhaus nach Tetschen übergeführt. Ihre Verletzungen sind, wie uns mitgeteilt wurde, glücklicher Weise nicht schwerer Natur. GräBllcher Mord an einem Kinde In der Stadt Bystkice p. H. rief am Montag die Nachricht über einen Mord an einem Kinde große Erregung hervor. In der Vikoüslä wohnt die Fabrikarbeiterin Franziska Ejemovä, die in der dortigen Möbelfrabrik Thonet Mündus. beschäftigt ist, mit ihrem siebenjährigen Söhnchen Franz. Wie gewöhnlich begab sich die Frau am Montag in die Fabrik zur Arbeit, ihr einziges Söhnchen blieb im Bett liegen. Als die Frau mittags heimkam, bot sich ihr beim Betreten des Zimmers ein schreckliches Bild: 2m Lette lag ihr Sohn mit zertrümmertem Kopf und neben ihm das Mordinstrument, ein Knüppel. Das Bett und die Wände ringsum waren mit Blut und Hirn bespritzt. .• Die Gendarmerie stellte fest, daß es sich um einen Raubmord handelt, da die einzigen Ersparnisse der Ejemovä, 120 Kö, die hinter einer alten Holzuhr im Zimmer verborgen waren, geraubt wurden. Der Täter— offenbar ein Bekannter— wurde bei dem beabsichtigten Diebstahl wahrscheinlich von dem erwachenden Kinde überrascht. Er wollte sich durch den Mord des einzigen Augenzeugen seiner Tat entledigen. Allen Anzeichen nach mutzte er mit den Verhältnissen der Ejemovä gut vertraut sein. Alle Gendarmeriestationen der Umgebung haben die Nachforschungen nach dem Mörder ausgenommen. Bin Kind In Flammen Montag nachmittags sahen Nachbarn auS der Wohnung des Schuhmachers Vybihal in Brünn Rauch dringen. Als sie die Tür aufbrachen, sahen sie neben dem brennenden Bett die vierjährige Tochter Vybihals mit schlveren Brandwunden liegen.Das schon beivußtlose Kind wurde sofort ins Krankenhaus überführt, konnte aber nicht mehr gerettet werden. Es wurde fest- Vie Unglückschronik der Weihnachtstase Auch diesmal sind die Feiertage nicht ohne zahlreiche Unglücksmeldungrn vergangen. Der Katastrophe im Böhmerwald kielen drei Menschen zum Opfer, in Jugoslawien ertranken sieben Personen während einer Kahnfahrt, sechs verloren auf ähnliche Weise ihr Leben in den Bereinigten Staaten. Der Ozean und die Berge forderten Opfer. Das wegen der Umstände furchtbarste Unglück wird aus Frankreich gemeldet: Brand im Irrenhaus Neun Kranke verbrannt Paris. Im Irrenhaus von Montredon im Departement Haute Lire, das 3000 Kranke beherbergt, ist am Samstag um 21 Uhr, wahrscheinlich infolge eines Kurzschlusses, Feuer aüsgebrochen. Die Feuerwehr konnte erst nach Mitternacht das Feuer eindämmen. Ein Gebäude, in dem 135 Kranke untergebracht waren, ist niedergebrannt. Bisher konnten neun Leichen geborgen werden. In der allgemeinen Aufregung sind zwölf gemeingefährliche Geisteskranke entkommen. Allein dem Umstande, daß die einzelnen Gebäude der Anstalt durch hohe Mauern von einander getrennt sind, ist es zu verdanken,-daß der Brand nicht auch noch auf andere Abteilungen Übergriff. T'ie Wärter hatten große Mühe, die durch das Feuer erschreckten Kranken in Schach zu halten. ein Kahn zerschellt. ein Auto stürzt in den Flu3 Belgrad. Am Heiligen Abend wollten gegen 3 Uhr morgens acht junge Männer in einem Kahn die Hochwasser führende Save überqueren. Die scharfe Strömung warf den Kahn gegen eine Weide, der Vorderteil des Kahnes zerbrach und sieben Insassen ertranken. Der achte Insasse blieb mit dem Rocke an der Weide hängen, wo er am Morgen in halberfrorenem Zustande aufgefunden wurde. Er wurde ins Krankenhaus geschafft, wo er den Hergang des Unglücks schilderte, dann jedoch in Bewußtlosigkeit fiel und starb. Wellsburg. In Wellsburg in West-Virginien fiel während der Weihnachtsfeiertage ein Automobil in einen Fluß, wobei die sechs Insassen ertranken. Zwei Sklfahrer getötet Graz. Am Hohen Veitsch(Steiermark) wurden Sonntag zwei Wiener Skiläufer, Walter Kli- mesch und Anton Höfler, von einer Lawine verschüttet. Während sich Höfler selbst aus den Schneemassen befreien konnte, wurde Klimesch nurmehr als Leiche aufgefunden. Am Schneeberg stürzte Sonntag vormittags der 20jährige Kurt Jahn beim Skifahren in eine Schlucht. Eine Rettungsexpedition fand ihn nach einigen Stunden nur mehr als Leiche vor. Stürme auk den Meeren Moskau. Durch einen schweren Orkan im Schwarzen Meer wurde der sowjetrussische Dampfer„Menschinski" gegen das Ufer gelvorfen und schwer beschädigt. Tier sowjetrussische Oeldampfer „Äsnepht" wurde gegen die Mole geworfen und sank. Der Kapitän und ein Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben. Calais. Infolge des sehr dichten Nebels, der über dem Kanal la Blanche lag, vermochte der französische Postdampfer nicht in den Hafen von Calais einzulaufen. Die Versuche dazu dauerten länger als drei Stünden. Der britische Postdampfer, der am frühen Nachmittag in Calais Anker werfen sollte, konnte überhaupt nicht einlaufen. 70 Häuser abgebrannt Santiago de Chile. Die auf der Insel Chi- loe gelegene Ortschaft Castro(Chile) wurde Sonntag von einer schlveren Brandkatastrophe heimgesucht. 70 Häuser brannten nieder, 150 Familien wurden dadurch obdachlos. Der Sachschaden wird auf fünf Millionen Pesos geschätzt. den erpreßen.(Ein Photo eines derartigen Last« wagens wurde im»Schwarzen Korps" vom 9. Dezember abgedruckt.) Faschistifche Terrorjustiz. In Mailand wur« den 24 Arbeiter zur Deportation auf die Inseln verurteilt, weil sie kleine Summen für die Familie eines Arbeitskollegen gegeben hatten, der aus -Italien geflohen und nach Spanien gegangen war^ um auf feiten der Republik zu kämpfen. Fünf Arbeiter wurden zu je fünf Jahren verurteilt, zwei zu je drei Jahren, die übrigen zu je zwei Jahren. Ein Spitzel hatte sich die-Sammelliste zu verschaffen gewußt und sie der Polizei ausgeliefert. Der Eisenbahnzug auf der Landstraße. T'ie kanadischen Eisenbahnen, die wie anderswo stark unter der Konkurrenz der schweren Autobus- und Lastwagenzüge zu leiden haben, machen im Augenblick Versuche mit einem völlig neuartigem Zug. Maschine und Waggons dieses elektrisch detricbe- ncn Zuges haben nämlich die Möglichkeit,, sowohl auf den Eisenbahnschienen wie auch auf der Landstraße zu fahren. Dies wird dadurch erreicht, daß die Wagen außer den üblichen acht Rädern noch vorn und hinten je ein kleineres Näderpaar besitzen, wie etwa bei Lokomotiven. Diese Räder, sind auf beweglichen Achsen montiert, die sich nicht nur seitlich verschieben, sondern auch nach oben und nach unten, und damit alle Terrainunebenheiten ausgleichen. Sie werden durck» ein besonderes System von Bremsen und Lenkstangen von der .Lokomotive aus automatisch bedient. An besonderen Stellen sollen, wenn sich diese neue Erfindung bewährt, Vorrichtungen geschaffen werden, wo die Schienen des Eisenbahndammes langsam bis genau in gleiche Höhe mit dem Fahrdamm der Landstraße gebracht werden. An diesen Uebergän- gen wechselt der Zug entweder von den Schienen auf die Straße oder umgekehrt. Die Versuche haben ergeben, daß dieses Manöver nicht mehr als eine einzige Minute dauert. Eifersucht auf dem Friedhof. Der Friedhofswärter Gustave Julien hätte sich mit der leidenschaftlichen Witwe Regnault nicht einlasien sollen. Tenn als er sich von ihr trennen wollte, hatte sie ihm schon vor einigen Monaten zwischen den Gräbern aufgelauert und ihm Pfeffer in die Augen gestreut. Jetzt gestellt, daß das Kind versucht hatte, in Abwesenheit der Mutter die Kerzen auf dem Weihnachtsbaum anzustecken. Es scheint, daß es das noch brennende Streichholz so>veggewor,en hatte, daß das Bett davon Feuer fing. Militärverrat. Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Kreisstrafgericht in Prag verurteilte Montag den 46jährigen Robert Rimek, Arbeiter ohne festen Wohnort, zn sechs Monaten Kerker unbedingt wegen des Ver» brechens der,Nichtanzeige des Militärverrates nach 8 12, A. 1, Abst 2, des Gesetzes zum Schutze der Republik. Der Angeklagte hat die Strafe angenommen und angetreten. Vorsicht bei Absperrung der Orfen! Alfred Simchen, Handelsangestellter in Dux, und seine Gattin Marie begaben sich am Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr nachts.zu Bett. Vorher hatte» sie den Ofen abgesperrt, in welchem sich wahrscheinlich noch unverbrannte Kohlenstücke befunden hatten. Als am Montag früh die Gehilfin das Ehepaar wecken wollte, rührte sich nichts. Tu alles Klopfen nichts hals, schlugen Nachbarn die Fenster ein. Alfred Simchen lag leblos im Bett, der Arzt konstatierte, daß der Mann bereits drei Stunden tot sein müsie; die Frau wurde in schwerbetäubtem Zustand ins Krankenhaus übergeführt. Mehlstaub explodiert. In der großen Hlasi« vec-Miihle in Prag-Pankratz erfolgte Montag früh eine Explosion von Mehlstaub, die 35 Arbeiter, welche eben zur Arbeit antraten, zu Boden warf, die Einrichtung der Werkstätten demolierte und hundert Fensterscheiben zertrümmerte. Die Explosion war so stark, daß sogar das Dach in die Höhe gehoben wurde. Bei dem Brand, der dabei verursacht wurde, erlitten zwei Arbeiter Brandwunden zweiten und dritten Grades. Fünf-KL-Stücke aus Nickel. Die Kremnitzer Münze wird im kommenden Jahr vornehmlich mit der Prägung der neuen Fünf-KL-Stücke aus Nikkei beschäftigt sein. Im kommenden Jahr sollen zehn Millionen Stück dieses neuen Kleingeldes geprägt werden. Ein 600 Jahre alter Schatz. Bei Ausbes» ferungsarbeiten in einem alten Haus in Calais wurden in einer Mauer Goldmünzen aus der Zeit Philipps des Kühnen gefunden, die einen Wert von einer Million Francs haben sollen. Die Münzen wurden auf Grund eines königlichen Erlasses vom 15. April 1339 geprägt. Es ist anzunehmen, daß der Besitzer der Münzen diese bei der Eroberung durch die Engländer im Jahre 1347 eingemauert hat und daß der Schatz bei seinem Tode vergessen wurde. Nur! Der Gesandte der Republik San Domingo in Washington entkräftete die Wahrhaftigkeit der von der Republik Haiti genannten Ziffern der Opfer des Massakers von Bürgern Haitis auf dem Gebiete San Domingos. Die Note Haitis sprach von 5000 Toten, wogegen es sich nach der Behauptung des Gesandten nur um 100 Personen handelt. Turbulente Weihnachtsfeier. Während einer Weihnachtsfeier im Ausstellungspark von Bourges, an der 10.000 Personen teilnahmen, entsprang ein Panther seinem Käfig. Unter dei' Festteilnehmern brach eine Panik aus. In wenigen Augenblicken war der Ausstellungspark men schenleer. Erft nach langen Bemühun gen gelang es der Polizei, den Panther, der sich auf einen Baum geflüchtet hatte, zu erschießen. Hitler liefert den Rexisten das Zeitungspapier. Ein Abgeordneter stellte in der belgischen Kammer an den Außenminister und Minister für Außenhandel die Frage, ob die 300 Tonnen Papier, die aus Deutschland für- die rexistischen Zeitungen„Pays Riel" und«Nieuwe Staat" eingeführt worden sind, auch bezahlt worden seien. Der Minister antwortete:„Es stimmt, daß eine deutsche Vereinigung von Papierfabritanten der Prefse-A.-G. der Rexisten für den Drück bestiMÄ- tes Papier geliefert hat. Das belgisch-luxemburgische Kompensationsbüro, das sich mit den zuständigen deutschen Behörden in Verbindung gesetzt hat, hat bis jetzt keine Bezahlung für die in Frage stehenden Lieferungen erhalten. Wiederholt stand das belgisch-luxemburgische Kompensa- twnSbüro mit der Presse-A.-G. der Rexisten wegen dieser Lieferung in Verbindung. Ein eingeschriebener Mahnbrief des Büros blieb unbeantwortet." Damit ist die Unterstützung, der Nazi- Propaganda in Belgien durch das Dritte Reich erneut bewiesen. Den einen liefern sie das Papier, den andern, wie in der Schweiz, gleich die Druk- kereimaschine dazu. Daß Henlein keine Valuten ins Ausland nehmen muß, sondern dort immer genügend zur Verfügung hat, hat damit aber nichts zu tun. Erpreffer. Um bei den Straßensammlungen zur Winterhilfe besonders viel Geld zu erpreßen, fuhr die SS, die schwarz uniformierte Nazi-Parteigarde, mit Reklameautos durch die Straßen. Einige dieser Lastautos trugen das Spruchband: „Zieht nun schnell die Groschen vor, sonst kommt ihr ins„Schivarze Korps". Eine Anprangerung im„Schwarzen Korps", dem Wochenblatt des Leiters der Gestapo, ist im Dritten Reich gefürchtet. Mancher ließ sich daher zu größeren Spenwurde die Sache gefährlicher: wie ein Gespenst lauerte Madame Regnault ihm wieder auf, versuchte ihn abzuschießen, und erst eine groteske Jagd quer durch den Pariser Friedhof Pantin mach« dem tragt» komischem Liebes spuk ein Ende. Es bleibt frostig! Der Zufluß kalter Luft aus Nordosten gegen das Binnenland beginnt bereitnachzulassen. Dienstag muß jedoch noch mit winterlichem Wetter gerechnet werden. An Orten mit vorübergehender Ausheiterung kann die Temperatur wiederum unter minus 10 Grad sinken. Montag nachmittags wurden in unseren Gegenden minus 3- bis 5 Grad, auf den Bergen minus 11 bis 14 Grad verzeichnet: stellenweise fällt ein wenig Schnee. Im Norden des Erdteils tritt nunmehr eine Erwärmung ein.— Wahrscheinliches Wetter Diens- t a g: Andauern des winterlichen Witterunzscharakters. Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, vereinzelt leichter Schneefall, mäßiger Frost.— Wetter- aussichten für Mittwoch: Weitere Wit« terungsentwickluna unsicher: in den böhmischen Ländern erneut etwas wärmer. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen» Mittwoch: Prag, Sender I: 7: Morgenmusik, 10 05: Deutsche Presse, 10.10: Schallplatten. 12.10:- Po« puläres Schallplattenkonzert, 12.85:' Militärmusik. 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 14: Deutsche Sendung: Heimische Komponisten, 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Reue Bücher, 18 20: Deutsche Arbeitersendnng: Abg. W. Jaksch: Die Position der Sudeten deutschen im europäischen Umbruch, 18.40: Sozialinformationen, 18.45: Deut'che Presse, 19.30: Aus dem Nationaltheater:„Wal« •ermann" Oper von Vomäöka, 22.15: Schallplrt- ren.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kmderstunde, Scholz liest Märchen, 14.55-: Deutsche Presse.—- Brünn 11.05: Salontrio, 17.40: Deutsche Sendung: Klavierkonzert.— Preßburg 15.15: Leichte Musik, 16.10: Rundfunkorchesterkonzert, 22.30: Englische Tanzmusik.— Kaschau 10.15: Schallplatten.— Mährisch-Ostrau 18: Zitberquartett. Dio Niagarafälle Im Winterkleid Nach dem letzten schweren Schneesturm hat sich auf den Niagarafällen das erste Eis gebildet. «r. 304 Dienstag 28. Dezember 1837 Serie 5 MWsüMUWU Das Wanderungsproblem Nach einem Bericht des Internationalen Arbeitsamtes über die Wanderungsfrage betrug die Zahl der Personen, die in den 87 Jahren von 1846 bis 1832 von Europa nach überseeischen Ländern ausgewqndert sind, schätzungsweise 60 Millionen, deren Verteilung über. diesen Zeitraum jedoch keine ungebrochene Entwicklungslinie «ufmeist Naturgemäß sind die Auswandererzahlen heute höher als vor neunzig Jahren. Ihr jeweiliger Auf- und Abstieg aber ist eng an die jeweilige politische und wirtschaftliche Lage der Ein- wie der Auswanderungsländer gebunden. So nahmen die Bereinigten Maaten im Jahr- fünft von 1906 bis 1910 848.182, Yon 1.931 bis 1935 dagegen nur 116.370, d.^weniger als in dem einzigen Blütejahr 1926(479.013), Einwanderer auf. Aehnlich verhält es sich mit den kontinentalen Binnenwanderungen. So nahm das Deutsche Reich vor dem Kriege jährlich eine große Anzahl ausländischer Arbeitskräfte auf. Insbesondere landwirtschaftliche Saisonarbeiter, z. B. in den Jahren 1912 bis 1914 allein über 500.000, 1921 aber nur noch 22.000, 1928 wieder 136.000 und 1932 nur 10.000. Ebenso ging in den Vereinigten Staaten von Amerika die Zahl der Einwanderer von durchschnittlich 87.400 in den Jahren 1911 bis 1915 und über 160.000 in den Jahren 1921 bis 1924 auf 9186 im Jahre 1935 zurück. Dasselbe Bild bietet sich— stellenweise mit gewiffen Abweichungen—• in den übrigen Ländern. Diese Entwicklung wurde seit einigen Jahren noch verstärkt durch eine bedeutende Rückwanderungsbewegung. So weisen die Vereinigten Staaten, Argentinien, Frankreich, im Gegensatz zur Vergangenheit, seit 1931 eine passive Wanderungsbilanz auf, während in Polen, Italien, Mexiko, Großbritannien in einzelnen Jahren oder Jahresreihen die Zahl der zum großen Teil rückwandernden Einwanderer überwog. Entscheidend haben zu dieser Entwicklung neben Ktteg und Wirtschaftskrise behördliche Maßnahmen beigetragen. Um in der Wirtschaftskrise die ost unzureichenden offenen Arbeitsstellen den Inländern zu sichern, verwehrte man Ausländern den Zutritt oder erschwerte ihn auf jede Weise(Paß- und Visazwang, Kontingentierung der Einwanderung; Verbot der Beschäftigung von Ausländern). Gleichzeitig förderte oder erzwang man die Abwanderung der früher zugelassenen Einwanderer. Unter diesen Umstän Man erhält für Kä 100 Reichsmark.,. .. 625.50 Markmünzen... ,. 672.50 100 österreichische Schilling ,. 526.50 100 rumänische Lei.. ,, 16.35 190 polnische Zloty.. «. 507.50 109 ungarische Peng»., .. 551.50 100 Schweizer Franken« .. 656.50 100 ftanzöstsche Franc». .. 96.20 1 englisches Pfund.. .. 141.25 1 amerikanischer Dollar. .. 28.30 100 ttalienische Lire.. .. 119.40 100 holländische Gulden< .. 1577— 100 jugoslawffche Dinare, .. 61.05 100 Belga»....» .. 482.50 109 dänische Krone«». .. 631— 100 schwedische Kronen. .. 729— den sahen, sich verschiedene Auswanderungsländer, obwohl selbst an Arbeitslosigkeit leidend, gezwun- gen, die AuSwcmderung einheimischer Arbeitskräfte zu erschweren oder ganz zu sperren. Wie es scheint, ist jetzt jedoch der kritische Punkt überwunden. Die Zahl der Rückwanderer ist seit 1934 im Fallen und die der Auswanderer erneut im Steigen begriffen. Besonders in Südamerika macht sich ein starker Bedarf an ftemden Arbeitskräften fühlbar. In Brasilien(Sao Paulo) mußten sogar staatliche Kredite für die Förderung der Einwanderung von Landarbeitern bereitgestellt werden. Auch die umfangreichen Siedlungspläne Argentiniens verdienen Erwähnung, die zur Gründung eines Siedlungsamtes in Buenos Aires und auch schon zu Abkommen mit der Schweiz und Holland, denen weitere folgen sollen, geführt haben. Aehnlich ist die Lage in Europa. So brachten in Belgien die Bedürfnisse der Wirtschaft eine Milderung der Einwanderungsgesetzgebung (Erteilung persönlicher Arbeitsgenehmigungen statt Kontingentierung der Einwanderung l zuwege, und das Deutsche Reich öffnete durch Abkommen mit Polen und der Tschechoslowakischen Republik den Landarbeitern aus diesen Staaten wieder seine Grenzen. Gleichzeitig wird die Aus- wanderung, besonders nach Südamerika, gefördert. Der schweizerische Bundesrat bewilligte eine Million Franken für Auswandererhilfe, und die polnische Regierung bemüht sich um Fahrpreisermäßigung bei den Schiffahrtsgesellschaften und veranstaltet Schulungskurse für künftige Siedler. Welche Bedeutung diese Probleme für die Tschechoslowakei haben, geht schon daraus hervor, daß vor der Zeit der Wanderungs- und Einwanderungsbeschränkungen von hier jährlich bis zu 50.000 Menschen auswanderten. DaS Gebiet der siärfften Auswanderung war der Osten des Staates, die Folgen der Stauung— zuletzt sank die jährliche Quote bis auf 5000— wurden aber im ganzen Staate fühlbar, denn diese Zehntausende, die sonst ihren Erwerb im Ausland und zum großen Teil in Uebersee suchten, drückten nun auf den inländischen Arbeitsmarkt. Die Zahl der so zur Arbeitslosigkeit Verurteilten erreicht Hunderttausende. Wenn es auch in jüngster Zeit gelungen ist, Erleichterungen zu erzielen, wobei die Unterbringung von ungefähr 8000 Bergarbeitern in Belgien erwähnt sein soll, lastet das Problem doch noch schwer auf dem Staat. Eine internationale Behandlung des Wanderungsproblems erfolgte auf der Konferenz der skandinavischen Länder vom Oktober 1935 und auf der Panamerikanischen Konferenz von Ende 1936. Auch die Jnternattonale Arbeitsorganisation hat sich seit ihrer Gründung mit dem Wanderungsproblem beschäftigt. Seit 1921 unterhält sie eisten eigenen Wanderungsausschuß und die Jnternattonale Arbeitskonferenz hat schon Mehrere Uebereinkommen angenommen, die eine Erleichterung des Loses der Auswanderer bezwecken. Ebenso hat die im Jänner 1936 in Santiago in Chile abgehaltene Konferenz der amerikanischen Mitgliedstaaten der Organisation auf die Dringlichkeit des Problems gerade in der Gegenwart hingewiesen. Bald darauf begab sich eine Mission von Beamten des Internationalen Arbeitsamtes nach Südamerika, um an Ort und Stelle die NiederlafsungS- und Siedlungsmöglichkeiten europäischer Auswanderer zu studieren: das Ergebnis dieser Reise wurde zu einem Bericht an den Wanderungsausschuß des Internationalen Arbeitsamtes zusammengefaßt, der daraufhin dessen Verwaltungsrat eine Reihe praktischer Vorschläge machte. Sie zielen auf ein internationales Zusammengehen, besonder- zur Behebung der technischen und der finanziellen Schwierigkeiten, ab. Der Verwattungsrat beschloß ferner, die Frage der Anwerbung und der Unterbringung der Wanderarbeiter und ihrer Gleichberechtigung gegenüber den einheimischen Arbeitern des Einwanderungslandes auf die Tagesordnung der Arbeitskonferenz von 1938 zu setzen. Daneben wird die Frage der Wanderungen von Siedlern weiterbearbeitet. Auf beiden Gebieten dürsten l>ald greifbare Ergebnisse vorliegen. Zementhöchstpreise verlängert. Die PreiS- schiedskommission beim Landesamt in Prag hat die Geltung der Regierungsverordnung vom Januar 1936, durch welche Höchstpreise für Zement festgesetzt wurden, bis zum 15. Feber 1938 verlängert. Blottendorfer Glashütten wieder in Betrieb. Mit der Wiederinbettiebnahme der Glasfabrik „Annahütte" in Blottendorf wird nun in beiden großen Glashüttenbettieben dieses von der Wirt- fchaftskrise besonders stark heimgesuchten Jndu- strieortes voll gearbeitet. In der von einer tschechischen Genoflenschast angekauften„Rudihütte", ehemals ,^larahütte", wird schon seit längerer Zeit wieder gearbeitet. Die„Annahütte" hat jetzt rund hundert einheimische Glasmacher und Hilfskräfte ausgenommen, die kaufmännische Leitung wurde Gremialdirektor Rudolf Helzel in Haida übertragen. Die Firma geht nun allmählich auch zur Erzeugung gläserner Spezialartikel(Rubinüberfang, feinstes Kristall ufw.) über. Kleiner Znckerverdrauch in der Tschechoslowakei. Nach den von der internationalen Zuckerindustrie angestellten Erhebungen weist das kleine Dänemark von allen Staaten den größten Zuckerverbrauch auf, nämlich 55.9 Kilogramm pro Jahr und Einwohner. ES folgen in dieser Statistik sodann: Großbritannien mit 54.6, Australien mit 49.8, Schweden mit 48.8, die Vereinigten Staaten mit 47.9, Kanada mit 44.9, Irland mit 38.7, Schweiz mit 36, Norwegen mir 31.9, Belgien mit 29.8, Niederlande mit 28.9, Oesterreich mit 26.4, T s ch e ch o slowakei mit 26, Frankreich mit 25.1, Deutschland mit 25 Kilogramm. In Dänemark, Großbritannien und Schweden werden also doppett so große Zuk- kermengen verbraucht als in Deutschland, Frankreich und der Tschechoslowakei. Aenderungen der belgischen Bergarbelterversidierung Die Bergarbeiterversicherung wurde kürzlich in Belgien erneut abgeändert; insbesondere wurde eine Verbesserung der Leistungen vorgenommen. Die normale Altersrente für den-verheirateten llntertagarbefter wurde von 6000 auf' 6300 Franken erhöht, diejenige für unverheiratete, verwitwete oder geschiedene Untertagarbeiter von 4002 auf 4302 Franken, diejenigen für den verheirateten Uebertagarbeiter von 4800 auf 5000 Franken. Die verhältnismäßige Altersrente des verheirateten Arbeiters wird unter Zugrundelegung von 210 Franken für jedes Dienstjahr untertagr und von 170 Franken je Dienstjahr übertage berechnet. Die verhältnismäßige Altersrente der unverheirateten, verwitweten oder geschiedenen Arbeiter wird unter Zugrundelegung von 143.30 Franken je Dienstjahr untettage und von 133.60 Franken je Dienstjahr übertage berechnet. Die Invalidenrenten betragen jetzt 133.60 bis 210. Franken für jedes Dienstjahr je nach Familiengröße und der Dauer der Beschäftigung deS Arbeiters im Bergbau, an Stelle von 120 und 90 Franken gegenüber den früheren Bestimmungen. Der Mindestbetrag der Invalidenrente würde von 1800 auf 3200 Franken jährlich erhöht.: Die Hinterbliebenenrente, die ohne Rücksicht auf ihr Alter den Witwen der Arbeiter zu- steht, die wenigstens 30 Jahre im Bergbau gearbeitet haben. Wurde von 840 auf 1200 Franken jährlich erhöht. Die Witwen im Alter von wenigstens 60 Jahren erhalten eine Rente von 3000 Franken jährlich. Die Waisenrenten für die Kinder unter 16 Jahren wurden auf 630 Franken jährlich für die ersten vier Waisen festgesetzt, während sie früher 360 Franken für das erste Kind, 460 für da» zweite Kind und 540 Franken für das dritte Kind betrugen. Zur Deckung deS Mehraufwandes und zum Ausgleich des Haushatts der Landeskgsse wurden die Beiträge auf 11 v. H. erhöht; 6.5 v. H. sind vom Arbeitgeber und 4.5 v. H. vom Versicherten zu tragen. Arbeitslosenversicherung in den Vereinigten Ltsstvn von Amerika 21 Bundesstaaten der Bereinigten Staaten von Amerika beginnen im Jänner 1938 mit der Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung. Nach dem Bundesgesetz für soziale Sicherheit bestimmen die Bundesstaaten selbst Höhe und Art der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, die Höhe der Unterstützungen, die Dauer der Wartezeit» die Bezugsdauer der Unterstützung und die Art der Verwaltung der Arbeitslosenkassen. Bisher sind in 45 Bundesstaaten Gesetze über die Arbeitslosenunterstützung erlasien worden. Nach dem genannten Bundesgesetz für soziale Sicherheit darf in den Bundesstaaten mit der Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung frühestens zwei Jahre nach der ersten Beitragszahlung begonnen werden. Die Rücklagen, die die verschiedenen Bundesstaaten mit Arbeitslosenkaffen bis zmn 15. September 1937 angesammelt haben, betrugen 447 Millionen Dollar. In Kurze: Wien. Die Legitimistenorganisation„Kreis der österreichischen Soldaten" hat eine unifor- miecte und militärisch organisierte Jugendgruppe errichtet, welche die„Eiserne Legion" heißt. Diese„Eiserne Legion" wird in ganz Oesterreich Zweigstellen gründen. »'' Rim. Der neue Bizekönig von tArchiopien, der Herzog'von Aosta, ist in Addis Abeba eingetroffen, wo er von Marschall Grazianu und sämtlichen Militär- und Zivilbehörden feierlich empfangen wurde. Bukarest. Wie der.Adeberul" meldet, ist der Direktor Fenice der Zuckerfabrik in Sascut, Bezirk Focsäni, der italienischer Staatsangehöriger ist, wegen politischer Propaganda für die Eiserne Garde mit sofortiger Wirkung aus Rumänien ausgewiesen worden. Dem Ersuchen FeniceS, ihm eine fünftägige Wartefrist zu gewähren, wurde nicht entsprochen. Kairo.(Havas.) Am 5. Jänner n. I. wird in Kairo der deutsche ReichS-Propaganda-Minifter Dr. Goebbels erwartet, der etwa drei Wochen in Aegypten weilen wird. Er wird am 6. Jänner Nahas Pascha einen offiziellen Besuch abstatten und hirr- I auf zur Erholung nach Nord-Aegypten fahren. Tan-a*Nah, der Medizinmann Von Edgar v. Hartmann Schwermütig und uferlos lag die unermeßliche Einsamkeit der fibirischen Steppe vor uns. Die endlose sumpfige, jeden Augenblick den Tod bringende Tundra hatten wir verlassen. Rächt für Nacht schlugen wir unsere Zelle an kärglichem Lagerfeuer auf. Wölfe, zu Hunderten und mehr, hatten unser Lager Nacht für Nacht umkreist. Aber da unsere Karawane zum Teil au» erfahrenen Jägern und alten, schon jahrelang hier reisenden Kaufleuten bestand, dazu einen alten erfahrenen Tungusen als Führer hatte, waren wir heil durch das Sumpfgebiet der Tundra gekommen. Unsere Wege trennten sich— die Kaufleute, Handelsleute und Jäger zogen nach Norden, während ich mit meinen beiden Begleitern zu einem Tungusenstamm nach Nordosten wollte. Rur noch zwei Tage trennttn mich von dem Stammplatz der Tungusen, wber diese beiden Tage waren aufregender als die wochenlange Fahrt durch das heimtückische Sumpfgebiet. Am ersten Tage überraschten uns Sturm und Regen, so daß wir kaum zehn Schritt weit in der Dunkelheit der tief herabhängenden Wolken sehen konnten. Sorgenvoll saßen wir am Abend um unser Lagerfeuer, das nur wenig Licht und Wärme spendete. Die Nacht brach herein, der Regen rann stärker und stärker, der Sturm heulte gleich Höllengespenstern über un» hinweg— und in dem aufregenden Geheul dieses Unwetters hörten wir zu unserem Entsetzen das unaufhörliche wilde Bellen der Wölfe, die unser Lager umschlichen. Zitternd und voller Grauen saßen wir am Feuer, und im Geiste wähnten wir uns schon von den Wölfen gefressen. Hier, in der totenstillen Einsamkett und in dem monownen, gleichmäßiger. Rauschen des Regens und im Heulen des Sturmes erkennt der Mensch seine Machtlosigkeit. Die Natur erwacht aus ihrer dumpfen Ruhe, rast mit ungeheurer Gewalt über die zum Teil noch mit Schnee bedeckten Flächen, vernichtet und begräbt, was sich ihr in den Weg stellt. Stunde um Stunde verrann— keiner wagte in dieser Nacht schlafen zu gehen. Mit aufgepeitschten New en, am allmählich niederbrennen- den Feuer, erwarten wir den Morgen. Düster und unheimlich brach der Tag an. Wir waren entschlossen, so schnell wie möglich zum Lager der Tungusen zu kommen. Der mißtrauische Schamane In der Dämmerung des nächsten Nachmittags sahen wir nicht weit vor uns die einsamen Hütten und Zelte, dazu die Renntierherden und HUnde des StmnmeS. Mißtrauisch wurden wir von dem Medizinmann oder Schamanen ausgenommen. Tan-a-Rah, fo hieß der Schamane, war in der ganzen Gegend und bei befreundeten Stämmen als böswillig und hinterlistig verrufen. Der erste Eindruck, den ich von Tan-a-Nah erhielt, war ganz dazu angetan, mein Mißtrauen zu verstärken. Selbstverständlich wurde unter voller Zeremonie der»Große Geist" befragt, ob unser Verweilen bei dem Stamme auch angenehm sei. Dieses Geisterbefragen kannte ich schon von anderen Stämmen. Der Schamane geht in lein Zelt, in welches er nur allein Zutritt hat. Dort bleibt er eine Weile, läßt unmögliche Laute erschallen, und führt dazu einen Tanz auf. Ist das geschehen, wird der Fremde in das Zelt gerufen, und die Prozedur beginnt noch einmal. Der Schamane handelt jetzt mit dem Fremden, um durch dessen Anwesenheit recht viele Vorteile zu erreichen. Mich konnte Tan-a-Nah auf diese Art nicht betrügen. Nachdem-er erst hundert Patronen und drei Pistolen verlangte, einigten wir un» schließlich auf zwanzig Patronen und ein Messer. In seinen Blicken konnte ich aber lesen, daß der Große Geist mtt doch nicht wohl gesinnt war. Also war Vorsicht geboten. Wir erhielten«in Zelt angewiesen, durch das der Wind in allen Tonarten pfiff, ein Zeichen dafür, daß man uns nicht als Gäste des Stammes betrach- tete. Kurze Zeit darauf erschien eine ältere Frau, brachte Licht und auch etwas zu essen. Beide- war für unsere Begriffe ungenießbar. Das Licht bestand aus einer Schüssel Tran, auf dem eine Holzrinde schwamm. Das Essen aus einem blutigen, rohen Brei, Pferdemilch und getrocknetem Fisch. Für die Nacht erhielten wir einen Haufen Felle— und bald lagen wir im ttefsten Schlaf, obwohl der Regen in das Innere des Zeltes gepeifcht wurde. Geheimnisse der Tungusen Lebt man hier oben unter den verschiedenen Dolksstämmen, so ist man gezwungen, sich den Sitten und Gebräuchen der Bewohner anzupassen. Eine tägliche Reinigung ist undenkbar.— Die Tungusen sind ein Volk, das in der Hauptsache von Pelztierfang, Fischerei und Pferdezucht lebt Als Bewohner der nordischen Tundra, ständig von Gefahren umgeben, sind sie zäh und abgehärtet, und nur der Wind, Wetter, Sturm, Regen und der gewaltige Donner, der die Steppe erbeben läßt, sind die Vertrauten dieser Romadenvölker. Ihre Hütten sind mit Fellen und Pelzen verkleidet. Das Familienleben ist patriarchalisch. Der Vater bestimmt in allen Hausangelegenheiten, er verkauft auch seine Tochter an den Meistbietenden. Aber trotz ihrer absoluten Primitivität und Abhängigkeit von dem Schamanen und dem Großen Geist stehen die Tungusen auf einer höheren moralischen Stufe als manches andere Volk. So viel Haß und Neid, so viel Ränke, Betrug und Lüge wie bei den Kulturvölkern kennt der Tunguse nicht. Bei allen Steppenvölkern steht das Gastrecht als geheiligt da. Die Frau spielt im Leben der Romadenvölker eine große Rolle. Während sich der Mann in den unermeßlichen Gebieten auf der Jagd befindet, muß sie die Herde, die Hütte und ihre Kinder betreuen. Kranksein kennen sie nicht. Und selbst wenn sie Kinder zur Welt bringen, reiten sie schon nach ein paar Stunden meilenweit durch die Sttppe... Für un-.?äre es in diesem Falle besser gewesen, wenn wir in einer Hütte mit einer Tun« gusenfamilie hätten wohnen können. Doch der heimtückische Schamane hatte uns wohlweislich in einer leerstehenden, abseits liegenden Hütte untergebracht, um seine bösen Absichten besser ausführen zu können... Der Ueverfall Plötzlich schrecke ich aus dem Schlaf auf. Undurchdringliches Dunkel um uns— instinktmäßig fühle ich, daß jemand im Zelt ist. Leise tastet meine Hand nach dem Revolver. Deutlich höre ich die schleichenden Schritte des Eindringlings. Otxvohl wir uns in höchster Gefahr befinden, tue ich, als ob ich schliefe. Aus den leisen Geräuschen höre ich, daß die Eindringlinge in unserem Waffenvorrat wühlen. Ich wußte sofort: es ist der Slüamane mit seinen Leuten. Die Lage war äußerst ernst. Die Waffen konnte und durfte ich nicht stehlen lassen, meine Begleiter konnte ich auch nicht unbemerkt wecken— was sollte ich tun? Da kam mir ein Zufall zu Hilfe: ein Geräusch—> wodurch entstanden, konnte ich nicht feststellen— weckte auch meine beiden Begleiter. Ich springe auf, stürze aus dem Zelt und unklar erkenne ich hinter mir her den Schamanen, der sich auf mich stürzen will. Aber schon trifft ihn der Kolben meiner Pistole derart auf den Kopf, daß er hintenüber stürzt. Inzwischen hatten im Zett meine Begleiter seinen Raubgenossen gefesselt und ich band mit meinem Pelzriemen den sich sträubenden Md um sich schlagenden Tan-a-Nah die Hände auf dem Rücken zusammen. Der nächtliche Vorfall war nicht ohne Lärm abgegangen und hatte schnell die schlafenden Bewohner geweckt. Noch in derselben Nacht wurde der Schamane vor dar Aeltesten- Gericht geschleppt und mit Zustimmung des ganzen Stammes für immer ausgestoßen. Sette 6 »Ssztaldemokrat TirnStag, 28. Dezember 1937. Nr. 304 Trages Fünfundzwanzigtausend Prager In den Bergen In der Zeit vom 22. bis 26. Dezember kamen auf allen Prager Bahnhofen insgesamt 400.955 Personen an und 416.968 Personen haben in dieser Zeit mit der Bahn Prag verlassen. Für diese Rekordfrequenz waren 155 Sonderzüge und 82 Wintersportzüge eingesetzt. Mit den Sportzügen haben 15.232 Personen Prag verlassen, weitere rund 10.000 nahmen Autobusse und Privatautos(nach den ungefähren Erhebungen der Mauteinnehmer) in Anspruch, so daß allein an die 25.000 Prager die Weihnachtszeit in den Bergen, wo Heuer kein einziges freies Plätzchen zu haben war, verbracht haben. Weihnachten der Polizei Unfälle, Exzesse, Diebstähle, Selbstmorde Infolge des Glatteises verzeichnet die Feiertagschronik verhältnismässig viel Unfälle: elf, dar- unier ein tödlicher—- und«in weiterer Todesfall durch elektrischen Strom. Sonntag glitt der 41jäh- rige Arbeiter Franz Trnka in der Palackhstrasse in Nusle aus und verletzte sich blutig am Kopf. Vorbeigehende trugen den Bewusstlosen in seine nahegelegene Wohnung, wo er nach kurzem verschied. Am Weihnachtsabend wollte in Michle der 38jährig« Arbeiter Franz Rott in der Wohnung des Fleischhauers Dersata beim Ausbessern der elektrischen Leitung helfen, stieg auf einen Stuhl, stürzte aber vom Strgm getroffen zu Boden. Auf dem Wege ins Krankenhaus verschied er. Zu drei größeren Raufereien kam es in der Nacht auf den Weihnachtstag. In einem Wirtshaus in Zi.skov, Karlsstrasse 9, geriet ein Gast wegen der Bezahlung seines Kaffees mit dem Kellner in Streit; ztvei andere Gäste, ein Installateur und«in Zeitungsverkäufer. mischten sich ein und es kam bald zu einer allgemeinen Rauferei, in der eine Menge Biergläser. Stühle und ein Spiegel zerschlagen wurden.— Kurz nachher kam es vor dem Hause Nr. 10 in der Husstrasse zu einer Rauferei zwischen der Hausmeisterin auf der einen und einem Arbeiter, einer Arbeiterin und einer Kellnerin auf der andern Seite, wobei das Haustor zerschlagen wurde. Ursache deS Streites war. Vast die beiden letztgenannten kein Sperrgeld bezahlen wpllten.— In einem Gasthaus in Holleschowitz wurde der Architekt V. S. nach seiner Angabe gegen 11 Uhr abends von einem unbekannten Gast angefallen, mit einem sturstpfen Gegenstand ins Gesicht geschlagen und schliesslich vom Wirt und dem Kellner mit Fusstritten bearbeitet. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn mit einem Bruch des Nasenbeins, einem Bluterguss im Knie und meh- JCtmat ttftd Wsssn Andri Chenier Umberto G i o r d a n o. der Komponist der am ersten Weihnachtsfriertag im Prager Deutschen Theater neuinfzeniert und neueinstudiert zur Aufführung gelangten Oper„Andrt Cht- n i e r", gehört dem Kreis der veristischen italienischen Opernkomponisten MaScagni— Leoncavallo— Puccini an. Obwohl er nicht den sensationellen Erfolg wie diese mit ihren repräsentativen Hauptwerken hatte, so war sein Opernschaffen doch bedeutend genug, sich erfolgreich neben ihnen zu behaupten. Sein bestes und erfolgreichstes musikdramatisches Werk war das in vier Bilder sich gliedernde musikalisch« Drama„Andrk Chenier", das seinen erfolgreichen Weg auch über Italiens Grenzen fand. Auch dieses Musikdrama ist«ine echte Verist i s ch e O p e r, in der Sentimentales und Realist: sch-GrausanieSi musikalisch entsprechend-llu- striert, in greller Gegensätzlichkeit einander geg-n- Lbergestellr ist. Andre Chenier ist Dichte» und Re- volutionär,. den die Liebe zur Grafentochter Madeleine verdächtig macht und dem in dem GärtnerS- sohn Gcrard, der Madeleine ebenfalls liebt, ein er- bitterier Feind gegenüberfteht. Das RevolutionS- tribunäl verurteilt Andri zum Tode, Gärard. vom Liebreiz Madeleines bezwungen, bereut sein« Verdächtigungen Andri Cheniers, möchte ihn gerne retken, vermag es aber nicht mehr, da das rasende Volk sein Opfer haben will. Da wird Madeleine zur Heldin; es gelingt ihr, sich an Stelle einer anderen Verurteilten den Platz neben Chenier auf dem To» desto:en zi> verschaffen; vereint in Liebe gehen die beiden ihren letzten Weg. Wenn GiordanoS veristische Opernmusik im „Andre Chenier" auch nicht an die glutvoll-autre- gende Musik Puccinis. wie wir sie aus dessen .Tosca" kennen heranreichr, so ist sie doch voll echten dramatischen Lebens, von stärkster Ausdruckskraft in den dramatischen Spannungen, st-.m» mungs- und empfindungsvoll in den lyrischen Partien und— was ihr besonders rühmend anzumerken ist— ohne aufdringliche Effekte in ihrer Tonsprache. Daß den Sängern auch recht dankbare Aufgaben gestellt sind, hat die Oper zu einem immer wieder gern verwendeten Repertoirftück aller grossen Opernbühnen gemacht. Wir hätten also auch gegen ihre Wiederaufführung am Prager DeutschenTheater nichts einzuwenden, wenn der Spielplan dieses Theaters sonst entsprechend wäre. Leider aber find bei un- in der letzten Zeit die Opern vieler anderer, weit wichn- grrer Opernkomponisten als Umberto Giordano, vor allem die Opern WagnerS und Verdis und die ganze deutsch« Spieloper(nicht einmal LortzingS hat man anlässlich des 100. SchöpfungstageS seiner komischen Oper^Lar und Zimmermann" gedacht), sozusagen in der Versenkung verschwunden. . Hans Georg Schick, der musikalische Lener der Neuaufführung, war vor allem bemüht, die dramatischen Kraftstellen der Oper zu betonen, was Geltung reren Schnittwunden im Gesicht ins Allgemeine Krankenhaus. Am Weihnachtsabend wurde auf dem Graben ein jünger Mann verhaftet, der mit einem Pelzmantel über dem Arm über die Straste lief. Er erwies sich als der 36jährige, arbtitS- und wohnungslose. mehrfach vorbestrafte und aus der Tschechosiowakei ausgewiesene Artist Silz. Er gab an, den Pelzmantel aus dem Wartezimmer des Nervenarztes Dr. Otto Sittig auf dem Wenzelsplatz entwendet zu haben. Der Pelz ist 1000 KC wert. Austerdem wurde Silz von der Budweiser Polizei wegen des Diebstahls von Musikinstrumenten im Wert von'1500 Kö gesucht.— Aus der Kanzlei der Bonbonfabrik Eger entwendete ein unbekannter Täter drei Schreibmaschinen.—- Dem Autokonzessionär Franz Peral in Smichov wurden zwei Borratsräd^: und eine Apotheke sowie verschiedene Werkzeuae ans der Garaae in der Mozarr- gasse, Smichov, gestohlen.— Am Stevvanierag« wurde dem Grigoris Strach aus seiner Garage in Straschnitz der Kraftwagen P 26.701 gestohlen. Gestern um 7 Uhr früh wurde der Wagen auf der Neustratchn'tzer Landstrasse gefunden und kurz nachher der Täter in der Person des 23jährigen Gehilfen Milosiav Treibal verhaftet. Der 22sährige arbeitslose Beamte Paul Schulz schost sich am Weihnachtsabend in keiner Wohnung am Poriö in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in di« linke Bruftseite. Er wurde in sterbendem Zustand ins Allgemeine Krankenhaus gebracht.— Der 62jährige Schlaffer Josef Käsek erhängte sich Sonntag in seiner Wohnung in Lieben. Ursache sind Fa<- milienzerwürfnisse. TaS Referat der AuSflugSzüge der Staatsbahnen verunstaltet folgende Neujahrsexkursionen: 31. Dezember bis 2. Jänner: Spindlermühle Kö 240.—, Böhmerwald Kä 245.— Erzgebirge KC 200.—, Riesengebirae mit dem Motorzug, Nachtlager, zusammen Kö 75.—.— 31. Dezember bis 9. Jänner: Bysnie Rulbachy Kö 590.—. Anmeldungen und Informationen im Bazar neben dem Wilson-Bahnhof. Telephon 883—35. Die Freie Schule der politischen Wiffrnschaften (l.. Ovocny trh 3) nimmt die Einschreibungen für das Wintertrimrster 1938 vom 27. Dezember 1937 bis 8. Jänner 1938 vor. Di« Vorlesungen beginnen am 10. Jänner. Nähere Details im Studienpro- gramm. Weihnachtsfürsorge für deutsche Hvchschüler. Auch Heuer lud die Deutsche Studentenfürsorge am Weihnachtsabend alle Studenten, die aus den verschiedensten Gründen gezwungen waren, da? Weihnachtsfest in Prag zu verbringen, zu einer Feier mit Bescherung ein. Professor Dr. Tschermak-Sevsenegg, der die Feier eröffnet«, konnte neben den Rektoren der deutschen Hochschulen ungefähr 80 Hochschüler be- «rüsten. nicht immer zum Vorteil der Sänger, war; ansonsten war sein« Interpretation Sauberkeit und rhyihmische Lebendigkeit nachzurühmen. Renato M o r d o s Inszenierung, die sich auf in Ton und Stimmung eindrucksvoll« Bühnenbilder Frruk Schult«?' stützt«, war einfallsvielseitig in der Detailausstattung der Szene und sorgte auch für ihre Buntbewegtheit, aber es war ihr nicht gelungen, das Tbeaterhaste der Revolutionsszenen und Volkskundgebungen zu korrigieren. Als ausgeze h- net und durchaus charakteristisch besetzt erwiesen■ sich die drei Hauptpartien der Oper. Kurt B a u m'st ein Andrti Chknier von blendenden stimmlichen Oua- litäten, der den Helden vor allem als ritterlicher Dichter spielt, Oosef S ch w a r z ein Gerard von austerordentlicher schauspielerischer und stärkster gesanglicher Ausdruckskraft. Christina E f t i m i a» dis eine Madeleine von rührender Schlichtheit in Spiel und Gebärde, von bestechendem Wohllaut der namentlich in der Höhe aufhlühenden Stimme. In kleineren Rollen zeigten namentlich Frl. W a n k a und die Herren Andersen, Paweletz, Göllnitz und L i b a l schöne Leistungen. DaS gut besuchte HauS spendete viel Beifall, wiederholt sogar bei offener Szene. E. I. Wiener Blut „SB i euer B l u t", die W e i h n a ch t S- operette des Prager DeutschenTheater s, ist eines der merkwürdigsten Produkte seiner Gattung und könnte in der Art der Entstehung Vorläufer der neuzeitlichen Sammel-Operette sein. Nur erfolgte im Falle der Operette„Wiener Blut" die Sammlung der Tanzmelodien von Johann S t r a u st mit ausdrücklicher Einwilligung des damals noch lebenden Meisters, von dem man eine neue Operette für das Carl-Theater in Wien wünschte, der sich aber selbst schon zu alt fühlte, um ein vollständiges neues Werk zu schaffen. So übernahm Adolf Müller, selbst erfolgreicher Operettenkomponist und langjähriger erster Kapellmeister des Theaters an der Wien, die ehrenvolle Aufgabe, nach einer ganzen.Kiste" von musikalischen Gedanken. Einfällen und Tanzthemen, die ihm Strauss zur Verfügung gestellt hatte, die verlangte. Strauss- Operette zusammenzustellen. Viktor L i on und Leo Stein, die erfahrenen Wiener Librettisten, lieferten ein paffender Textbuch dazu.„W'enrr Blut" hiess di« Operette, die«in« typische Wiener Geschichte aus dem Wien der Kongresszeit zur Unterlage hat, in der Sentimentalität und Lebensfreude in der richtigen Mischung zur Geltung kommen. in der Menschen aus dem Volke und Aristokraten durcheinander gemengt werden, in der dl« Geliebte deS Mannes seiner Frau Unterricht in der Liebe erteilt und in der die richtigen Operettenvr» Wechslungen der Personen die eigentlichen, zur erheiternden Aufklärung führenden Pointen bild-n. Adolf Müller hat seine BearheitungSarbeit für und mit Strauss durchaus im Geiste des grossen Klassikers der Wiener Tanzmusik besorgt; Eigenes hat er nur im Aufbau der grossen Ensembles und Finales gegeben. Interessant ist, dass die Uraufsührung der Operette am Carltheater«in richtiger Durchfall war !und erst ihr« drei Jahre später am Theater an der Wien bewirkte Wiederaufführung ein glänzender Erfolg wurde, der.ihre Zukunft sicherstellte. Bei der sonntägigen Neuaufführung der Operette debütierte unser jugendlicher GesangSkom'ker Max Schipper als Regisseur. Mit v'kl Glück: denn seine Inszenierung hatte Geschmack und Stil und seine Regie zeigte die nötige Umsicht; nur auf schlagfertigeren Ablauf der Szenen wird er noch sehen müssen. Kapellmeister Friedrich Rieger dirigierte das Werk, korrekt und beschwingt, aber doch nicht mit dem richtigen Wiener Schmiss. Fast durchwegs gute Leistungen sah und hörte man von den Hauptdarstellern, trotzdem der Wiener Dialekt oem und jener Schwierigkeiten machte. Besonders zu nennen sind: Kurt Erich P r e g e r als stimmprächtiger, fescher Diplomat, Käthe W a l t e r als feine vor allem blendend aussehende, aber auch gesanglich repräsentative Gattin, Ruth K u t h a n als temperamenwolle, pikant« Probiermamsell, Herta R a y n als resolute Tänzerin. D u d e k als immer witzbereiter vertrottelt-listiger Fürst, Schipper als wiffer gräflicher Kammerdiener. A f r i t s ch als gewandter gräflicher Gast- und Festgeber, B aller in der glänzend urwienerisch gezeichneten Rolle eines RingelspielbesiherS usw. DaS Haus war auch an diesem Operettenabend sehr gut besucht und in beifallsbereiter Stimmung.«. j. Erinnerst du dich? Die Kleine Bühne Hai als WeibnachtS-Premier« eine schwache englische Komödie(von Edith Sa» Ville und John Carlton) gezeigt, deren Uebersetzung inS Deutsche nicht gerade«ine dringende Notwendigkeit war. Der deutsche Titel deS Stückchens ist einigermassen zweideutig. Wenn es in dem fröhlich-armen Haushalt beginnt, in dem der junge Maler, der junge Musiker und der verliebte jung« Dichter zusammenwohnen, dann kann der Zuschauer antworten:..Ja. ich erinnere mich— nämlich an die „Boheme". Und wenn di« schöne Diana von ihrem Dichter ewigen Abschied nehmen muss, weil der Will« der Mutter sie einen reichen Herrn zu heiraten nötigt, dann kann man abermals antworten: Ich erinnere mich, diesmal an„Alt-Heidelberg", wo eS zwar anders war, der junge Prinz das arme Mädchen verlassen musste, aber«S war genau so rührend und kitschig. Und dann kommt noch ein„Epilog", der fünfundzwanzig Jahre später spielt, und da erfahren wir dass der reich- Herr von damals ein langweilig widerlicher alter Mann geworden ist. dass aber daS Mädchen von damals noch immer an den nun schon toten Dichterjüngling dekikr,— sie erzählt es dem Sohn deS Toten, der seinerseits berichtet, dass auch sein Vater bis zum letzren Augenblick an hie Iugend- aeliebte gedacht hat. Erinnerst du dich? Ja, an ein Dutzend Film«, in denen eS ebenso„poetisch" war. ES scheint die Absicht der Autoren gewesen zu sein, durch eine Mischung von Rührung unh Heiterkeit und durch die Transponierung der Liebesgeschichte in eine nun schon verklärte Vergangenheit eine besondere Stimmung zu schaffen, und zu dieser wehmütig lächelnden Laune sollten besonders die fleinen Verrücktheiten heS Bohcme-HauShalteS beitragen. Aber in der Inszenierung Arnold Marlis haben diese Verrücktheiten recht groteske Ausmasse angenommen, der Schimmer der Vergangenheit wurde durch wo« Lerne Anspielungen verwischt, und wo man auf Sofas und Stühle springt, kann sich der Hauch holder Schwärmerei nicht verbreiten. Während Walter 2 z u r o w Y mit sonnigem Lächeln. Erna T e r r e l mit herzlichem Spiel(wenn auch mitunter unreiner Sprechweise) und Karl Padlesak mit sympathischer Freundlichkeit eine Jugend-Romanze spielten, führten Karl T r ab a u e r und Anwn S ch m erzen r e i ch(dieser sogar mit viel schauspielerischem Aufwand) einen derben Schwank vor. und nurn konnte sich schliesslich nur an di« reifen Gestalten halten, die eigentlich unsympathisch erscheinen sollten: an Leo S l e d l e r' s nobel gespielten Gentleman und an die Mutter Lott« S t e i n s. di« ihre Heiden Auftritte zu schönen und haftenden Eindrücken machte. Silvester-Nachtvorstellung 10)4 Uhr„Schaut her, wir sind'S". Grosse Siloefterrevue mir Gisela Werbezirk in der„Vorlesung bei der Hausmeisterin" und als„Elisabeth von England"; Dudek als Conferencier, Padlesak als Johann Nestrov, Götz alS Willibald in„Schlimme Buben". Ferner Volker, Schipper, Stadtler usw. Vorverkauf täglich! Diese Vorstellung kommt nicht ins Abonnement! Spielplan des Deutschen Theaters. Dienstag 7.30: „Kleines Glück auf der Wieden". Gastspiel Werbezirk. Mittwoch, 7.30:„A n dr t Chenier". Donnerstag, 7.30:,„,W i e n e r Blut". Freitag, 7.00:„S ch o t t e n r i n g". Gastspiel Werbezirk. 10.15:„Schaut her. wir s i n d' SI". Silvesterrevue mit G. Werbezirk. Samstag, 2.30:„Hänsel und Gretel". 7.80: „Die Z a u b e r f l ö t e". Sonntag. 2.30: .Kleines Glück auf der Wieden", Gastspiel Werbezirk. 7.30:„W i e n e r Blut". . Spielplan der Kleinen Bühne. Heute,'Dienstag. abends 8 Uhr:„Georg und Margaret". Mittwoch. 8 Uhr:„Hilde und das.Lotteriespiel".(Bankangestellten und freier Verkauf). Donnerstag, 8.00:„Erinnerst du dich?" Freitag. 7.30: Georg und Margaret". 10.30:„Sie, Johann", musikalisches Lustspiel. Erstaufführung. Samsta< 3.00„Kabale und Liebe".' 8.00:„GeorgundMargaret", Der Dkm u.'riikM» Rekrut Willie Winkle ., Shirley TempIe hat in ihren bisherigen Filmen fast immer die Rolle des Friedensrngels gefpielt. der Ehen stiftete und feindliche Verwandte versöhnte. Jetzt aber kann man sehen, wie sie auch zur politischen Friedensstifterin wird: in dem Film.Wee Winnie Winkie"(nach Rudyard- Kiplings Erzählung) führt sie den Oberst eines in Indien stationierten Schotten-Regiments eigenhändig zu dem Häuptling-des aufständischen Mohammedaner-SrammeS, — und bald darauf sehen wir die beiden Gentlemen Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms HauS oder be, Bezug durch die Poft monatlich Kd 16-. vierteljährlich fit 48-. halbjährig Kd 96 Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass. Rückstellung on Manuskrivren erfolg» nur bei Einsendung der Rerourmarken— Die graphenditektion mit Erlass Nr. 1S.S00/VH/19S0 bewilligt.(Komrellvostamt Vroha 25.— Druckerei:„Orbis" Druck» Verlage An unsere Leser! Die allgemeine Teuerung hat auch die Herstellungskosten der Zeitungen gesteigert. Die Papierpreise sind in die Höhe gegangen, ebenso die Druckkosten(diese u. a. auch durch die Erhöhung der Arbeitslöhne) und die Kosten kür die Berichterstattung. Diese Tatsachen, die bei anderen Blät> tern schon vor drei Monaten zu einer Erhöhung des Bezugspreises führten, zwingen auch uns, wenn wir Inhalt und Umfang des Blattes auf der gewohnten Höhe halten wollen, den Bezugspreis zu erhöhen. Die Preissteigerung wird monatlich 1 KC betragen, so daß unser Blatt ab 1. Jenner 1938 monatlich 17 KL statt 16 KL kosten wird. Der Einzelpreis des Blattes betrug bisher 70 Heller und wird ab 1. Jänner 75 Heller betragen. Wir sind davon überzeugt, daß unsere Leser die Gründe würdigen werden, die nns zu dieser Maßnahme zwingen und daß nns die Treue unserer Leser erhalten bleiben wird. bester versöhnt im Hauptquartier des schotttschen Regiments beisammensitzen, im Hintergründe übrigens die Mutter deS braven Kindes mit dem von ihr geliebten jungen Offizier. Man soll mit denen, die an Shirley Tempi« und ihren Filmen Geschmack finden, nicht über den Geschmack streiten. Und«S hiesse, den Film unverdient ernst nehmen, wenn man darauf hinwiese, dass auch heute— da die gute Königin Victoria, von der im Film gesprochen wird, lange tot ist— noch immer kein Friede an Indiens Nordgrenze herrscht und die von dem Filmkind gestellte Frage, warum der englische Oberst in Indien ist und nicht in England, noch keineswegs befriedigend beantwortet ist. ES genügt fcstzustellen, dass der verdient« Hollywood-Regisseur John Ford den Film mit grossem Aufwand hergestellt hat. mit einer.indischen" Natur- und Militär-Szeneri«, die eS mit dem Film von den.Bengalischen Reitern" aufneb- men kann, mit schottischer DudelsackmusU, die Ford hi-r eben'o kunstvoll verwendet hat wie in seinem .Maria Stuart"-Film und mit Schauspielern, di« dem koketten Gehaben deS exerzierenden Miniatur» StarS Shirley Tempi« rauhe, robuste und dann um so rührendere Tön« entgegensetzen: vor allem der wackere Victor Mac L a g l e n als kraftvoll väterlicher Sergeant und Aubrey Smith als knurrend grossväterlicher Oberst.—eis— 8swr!§piek-Xorperp^kegr Schlechte Sportverhältnisse zu Weihnachten gab es wieder einmal zum Verdruss besonders der Wintersportler. So"schöne Hoffnungen die freitägigen Wetterberichte noch zuliessen, am SamStag wurde.fast alles zu Wasser.- Trostlos grau war dieser Tag, welcher feinen Schnürlregen statt des Neuschnees vüm Himmel fallen liess.. In der Nacht auf Sonntag fiel gegen Morgen wohl hier und da etwas Neuschnee, doch die Schäden in der Schneedecke wurden damit nicht ganz ausgeglichen und dazu kam noch«in strenger Frost. Glatteis und splitterscharfer Harsch liessen es nicht ratsam erscheinen. di« Bretter und sich selbst unvermeidlichen Stürzen und Verletzungen auszusetzen. Die Weihnachten des.weissen Sports" brachten unS also, so wie im Jahre vorher, keine Freuden, es waren zum Teil Tage.der Enttäuschung. Wollen wir hoffen, dass die Jahreswende uns zwei schöne und schneefefte Tag« der Erholung und der Erfrischung beschert. Im unvermeidlichen Fussballbetrieb zu den Feiertagen fielen ebenfalls fast alle Spiele dem schlechten Wetter zum Opfer. ES waren aber nicht viele und darum gut so. Vereiste und tiefmorastige Spielplätze sind kein geeignetes» Terrain und wo doch em Versuch gemacht wurde, den Launen der Natur zu begegnen, gab man e- nach einer Stunde Spieldauer auf. Das Nufler Fußballturnier brachte mit den vom SamStag auf Sonntag verlegten Spielen eine Heber« raschung, da Cechie Karlin mit 4:0(2:0) Viktoria Zistov. schlug. Im zweiten Match besiegten die Bo» hemians den TK Rusle mit 4:1(1:1). Eine Niederlage deS Trplitzer FK gab es am Samstag in Pilsen durch die dortig« Viktoria mit 4:1(3:1). Das Spiel wurde nach 60 Minuten wegen unbenützbaren Bodenverhältnissen abgebrochen, lieber 100 Zuschauer waren trotz dem trostlosen Tage von der.Notwendigkeit" der Durchführung überzeugt. Di« Pilsener sollten am Sonntag in Teplitz das Rückspiel absolvieren, kamen jedoch nicht, da sie den Teplitzern«inen Auto-Unfall vorschützten. Die Nachforschungen ergaben aber, dass di« Pilsener keinen AutobuSunfall erlitten hatten, sondern ruhig zu Hause geblieben waren, um sich durch diese telephonische Mystifikation wahrscheinlich von den Lorbeeren und Strapazen des Vortage- auszuruhen. Sonderbare Methoden des Fair play entwickeln sich da im bürgerlichen Sportbetriebe... Sonstige Fußballergebnissr. W i e nr Austria gegen Wacker Wiener-Neustadt 6 st) und gegen Grazer SK 2:1, Wacker gegen Grazer SK 8:1 und gegen Wacker Wiener-Neustadt 9:0,- Red Star gegen Schwarz-Rot 0:3(abgebrochen), Fav. AC gegen Wiener-Reuftädter SK 1:1(0:0), Simmering geg. Badener AC 3:1.•— Budapest: Ujpest gegen Venu- Bukarest 2:1.— r Lissabon: Hungaria Budapest gegen Belenes« 1:1(1:0).— Gibraltar: Kispest Budapest ge^en Team 1:4..— Al« gi er: FloridSdorfer AC Wien gegen Gallia 1:4.— Bort Said: Vienna Wien gegen Team 0:3 und Freitag gegen Team von Kairo 0:0.— Athen: Rapid Wien ge^en Team 3:2 und SamStag gegen das. Team von PiräuS 3:2. ganziäbng V 192—.— Inserate werden laut■ Zeitungsfranka'ur wurde von d»r Post- und Tele- s- und Zeitungs-A.-G. Brao