Aus dem Inhalt: Pariser Verkehrsstreik beendet Faruk entläßt das Wafd-Kabinett Ein SdP-Arbeiter kommt zur Sozialdemokratie Das Urteil Im„Patria“-Prozeß Goebbels auf Japanisch Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: PragXII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakt««: Karl Kern,Prag 17. Jahrgang Freitag, 31. Dezember 1937 Nr. 307 i «i Wie verlautet, hat das Marineministerium ein mehrjähriges Bauprogramm ausgearbeitet, das die Kiellegung von 10 biS 15 schweren Kreuzern von je 10.000 Tonnen vorsieht. Die sollen mit srchszölligen Geschützen bestückt werden. Die Baukosten sind auf je 20 Millionen veranschlagt. Washington.(Renter.) Innenminister Ickes hielt Donnerstag abends eine große Rundfunkrede an daS amerikanische Bolk. Er sagte u. a., die konzentrierte Macht des amerikanischen Reichtum- müsse im Laufe der künftigen Session deS Kongresses gezwungen werden, sich den amerikanischen Gesetzen zu unterwerfen. Der unversöhnliche Konflikt der Finanzmacht mit der Kraft des demokratischen Instinktes habe während der letzten Monate einen solchen Grad erreicht, daß rS heute offensichtlich sei, daß dieser Kampf zu Ende gekämpft werden müsse und daß entweder die Plutokratie oder die Demokratie, entweder 60 amerikanische Fami- lien oder 120 Millionen Amerikaner siegen werden. Diese 60 Familien drohen«ns mit ihrer Finanz- und Wirtschaftsmacht, ihnen entweder freie Hand zu lassen, um frei und ohne jede Beschränkung ihr« Spekulationen vornehmen und uns alle gleich schrankenlos beherrschen zu können, oder die Bereinigte« Staaten ihren ersten Generalstreik mit verschränkten Armen erleben zu lassen, keineswegs jedoch einen Streik der Arbeiter, keineswegs einen Streik des amerikanischen BolkeS, sondern den Streik der 60 Familien und den Streik des Kapitals, daS zwar von der gesamten amerikanischen Ration geschaffen wurde, dessen Kontrolle sich jedoch diese 60 Familien bemächtigt haben. Wenn das amerikanische Bolk diesen Bluff znrückweisen wird, dann werde Amerika demokratisch und frei sein, unterwirft sich jedoch daS amerikanische Bolk diesem Bluff, dann wird Amerika ein großes Geschäft werden, rin faschistisches Amerika, ein versklavtes Amerika. ein Interview mit dem „Evenlns Standard** Kanton bombardiert Kanton.(Reuter.) Japanische Flieger begannen Donnerstag ein heftiges Bombardement von Kanton und Umgebung. Ein großer Teil der Bevölkerung nahm in unterirdischen Drckungeu Zuflucht, während di« Flugabwehrverteidigung energisch eingriff. Di« Japaner hatte« es offensichtlich auf das Arsenal und auf die Industrieunternehmungen abgesehen. Wie es scheint, haben die Angriff« jedoch nur wenig Opfer gefordert. Die Bevölkerung setzte nach Beendigung des Bombardements in aller Ruhe ihre normale Tätigkeit fort. Wie der„C« r« n t« I" meldet, wird eine der ersten Regierungsmaßnahmen die Zurückziehung der Schankkonzessionen sein, welche von Juden ausgrübt werden. Inden werden ferner nicht mehr das Recht haben, Tabaktrafiken oder Berschleißstellen sonstiger staatlicher Monopol, artikel zu führen. In der Linie dieser Maßnahmen liegt auch dem„Curentul" zufolge daS Verbot für jüdische Kaufleute, sich in Dörfern niederzulassen. Ferner soll der jüdische Land-Grundbesitz enteignet werden. Auch sollen alle Einbürgerungen revidiert werden, um allen jenen das Staatsbürgerrecht zu entziehen» welche eS auf„unrechtmäßige" Weise erworben haben. Die Entziehung von Schankkonzessionen soll sich auch auf all« Ausländer beziehen. Auch die Konzeffionierung zur Er- zrngung und Bertrilung von SpiritnS soll mit den politischen Anschauungen der nationalchristlichrn Partei in Einklang gebracht werden. Wohlwollende Haltung der Liberalen Die„Jndependence Roumaine", welches nunmehr lediglich als offiziöses Organ der Liberalen anzusehen ist, veröffentlicht einen Artikel, in welchem gesagt wird, daß die liberale Partei gegenüber der neuen Regierung eine wohlwollende abwartende Haltung einnehmen werde. Rebellenaufmarsch Im SQden? Gibraltar.(Ag. Esp.) Dienstag nachmittags haben mehrere Lastwagen mit deutscher Infanterie, ausgerüstet mit modernsten automa- tischen Schußwaffen, von Algeciras kommend. La Roque in der Richtung nach Malaga durchfahren.'Gegen Ende der vorigen Woche sind von Sevilla und Zlerez 4500 Mann und von Algeciras 3000 Mann an die Cordobafront geschickt worden. Die Reellen konzentrieren sehr viel Kriegsmaterial bei Cabra, wo auch einige Panzerzüge stehen. London.(Eigenbericht.) Der„E v e n» ing Standard" veröffentlicht ein Interview mit dem neuen rumänifchen Ministerpräsidenten Goga, der erklärte, daß der Grundsatz seiner Politik die Parole„Rumänien den Rumänen" sein werde. Seine Partei sei nicht prinzipiell antisemitisch, werde jedoch den Einfluß der ausländischen Juden auf die Industrie, den Handel und die geistigen Beruf« beseitigen. Goga beabsichtige, diese Juden aus ihren Stellungen zu werfen und st« durch Rumänen zu ersetzen. Die Industrie werde nach dem Muster der faschistischen Länder organisiert werden, doch werde das rumänische Regierungssystem sonst keine besonderen Aehnlichkeiten mit diesen faschi- stischrn Systemen haben. DaS Rrgirrungssystem werde sich von den früheren Systemen nicht wesentlich unterscheiden, die Berfaffung werde nicht geändert werden, doch beabsichtige Goga rin« Re- volution durch friedliche langsame und stabile Methoden zu erzielen: London. Wie„Evening Standard" berichtet, ist zwischen der polnischen und der französischen Regierung eine Verständigung darüber erzielt worden, daß die Insel Madagaskar für jüdische Auswanderer aus Polen zur Verfügung gestellt werden soll. Schanghai. Die amerikanischen Flüchtlinge aus Tsingtau erzählen, dah bereits drei Viertel der Bevölkerung der Stadt sich nach dem Innern Chinas begeben haben. Mit der Bevölkerung ver- ließen auch di« Martneschützen und di« Polizei die Stadt und verblieben dort nur etwa 1000 Mann, die das BernichtungSwerk an japanischen Eigentum beenden: Mittwoch früh wurde die Stadt durch mehrere Explosionen aus dem Schlafe geschreckt. Die Chinesen hatten die Kabelstationen in die Lüft gesprengt. Auch die Telegraphenämter und Radiostationen wurden zerstört. Vier britische Dampfer, mit Flüchtlingen dicht gefüllt, sind nach Schanghai ausgelaufen. Hinsichtlich der Außenpolitik bemerkte Goga» daß die neue rumänische Regierung eine engere Freundschaft mit En gland herbeiführen wolle, als sie bisher bestand Uebcr das Verhältnis zu Frankreich, das bisher außerordentlich herzlich war, äußerte Goga, Rumänien werde mit einem Lande» das sich in so enger Freundschaft mit England befinde wie Frankreich, ebenfalls ein treuer und verläßlicher Freund sein. Mit Deutschland werde ein Han- delspakt abgeschlossen werden, doch werde die innenpolitische Lage Rumäniens nicht zwangsläufig dazu führen, daß die Freundschaft Rumäniens zu Deutschland und Italien anders geartet sei««erde als zu anderen Staaten. Goga hoffe jedoch, die Beziehungen zu den beiden Ländern z« besser«. Die Regierung beabsichtigt, die Durch- führung von Gemeindewahlen und(offenbar nach dem Verbot der gegnerischen Presse) die Abschaf, i fung der Pressezensur. Demokratie gegen Plutokratie Amerikas Innenminister ruft zum Kampf gegen die Finanzmagnaten USA-Flusseschwader nach Hawai Washington. Der Marineminister beschloß, die Entsendung einer Eskadrille nach Pearl L>arbour auf Hawai zur Berstärkung der dortigen Flugbafis um einen Monat vorzuver- legen. Die Eskadrille verläßt San Diego am 18. Jänner. geschriebenen zwei Prozent der Gesamtstimmenzahl(3,072.000) nicht erreichten. „Loyal respektieren Ein Telegramm an Krofta Der neu-rnannte rumänische Außenminister Jstvati Micescu sandte dem Minister des Aeußern Dr. Krofta folgendes Telegramm: „Aus Anlaß meiner Ernennung zum Minister für Auswärtige Angrlegenheten sehe ich rS als meine Pflicht a«, Euer Exzellenz zu versichern, daß ich zur Aufrechterhaltung deS Friedens beitragen will und die Berpflichtungen und freundschaftliche« Bande, die»nS verbinden, loyal respektiere. Auch bin ich glücklich, daß ich mit Euer Exzellenz spätestens auS Anlaß der nächsten Tagnug der Kleinen Entente persönliche Beziehungen änknüpfen kann. Jstrati Micescu." Paris. Die Agence Havas meldet auS Bukarest: Der neue Außenminister Micescu sandl» dem französischen Außenminister Avon DelboS eine Depesche, in welcher er ihn der Treue, der Freundschaft und der Bundesgenoffenschaft Rumäniens mit Frankreich versichert. Verdeusimz vor Italien Ministerpräsident Goga hat der in Bukarest arbeitenden Agentur„Oriente" folgende Erklärung abgegeben: „Ich brauche meine alten Gefühle der In- nKgung gegenüber Italien nicht zu erneuern. Die Politik der Annäherung an Italien, welche ich während der Opposition stets vertreten habe, wird nnnmehr, da ich an der Regierung bin, verwirklicht werden." Bulgarien sperrt sidi gegen Flüchtlinge ab Sofia. Wie der Reuter-Korrespondent erfährt, hat die bulgarische Regierung jüdischen und anderen Flüchtlingen auS Rumänien das Betreten bulgarischen Staatsgebietes verboten. Gogas erste Tat Einstellung dreier demokratischer Blätter Bukarest. Wie der„Curentul" meldet, find die Blätter„D i m i n e a t a",„Ade- v« r u l" und„L« p t a" durch Ministerrats Veschluß e i n g e si e l l t, worden. Diese Bestimmung ist den Berlagsleitungen noch im Laufe der Rächt bekanntgegrben worden. Donnerstag krüh ist die„Dimineata" nicht mehr erschienen. Sämtliche genannten Zeitungen waren linkorientiert. Antisemitische Maßnahmen folgen] Die endgültige Mandatsverteilung Nach achttägigem Warten hat der Oberste Wahlausschuß amtlich die Verteilung der Kam mersitze bekanntgegeben. Es erhielten: 6ogS5 Berufung auf das faschistische Vorbild Liberale 152 Sitze Rationalzaranisten... 86 u Eiserne Garde 66 Nationalchristliche Partei. 30 Ungarn...... 19 Georg Brattanu... 16 Junian 9 Auf der liberalen Liste wurden auch vier Deutsche gewählt. Alle anderen Parteien und Gruppen bleiben ohne Mandat, da sie die vor» Rumäniens gefährlicher Weg Das unerfreuliche Halbdunkel, in dem sich die rumänische Politik in den letzten Jahren vollzog, ist einer unerfreulichen Klarheit gewichen: es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß eS sich bei der Regierung Goga nicht um eine demokratische, sondern um eine autoritäre Regierung handelt. Das innenpolitische.Programm des neuen Ministerpräsidenten gleicht aufs Haar dem Programm der Hitler, Goebbels und Göring, und Goga hat durch das Verbot der demokratischen Zeitungen, die zugleich die größten und angesehensten des Landes sind, den Beweis erbracht, daß er es auch nicht an Forschheit fehlen laffen will. Rumänien, daS von. den revisionistischen Ungarn hart bedrängt wird, hat im Verbände der Kleinen Entente erfolgreich an der AÄvehr dieser revisionistischen Bestrebungen gearbeitet. Die Ungarn werden kaum bereit sein, um der schönen Augen des Herrn Goga willen auf ihre Revisionsbestrebungen zu verzichten. Es ist auch nicht gut anzunehmen, daß die Ungarn Ratschläge dieser Art befolgen würden, selbst wenn diese Ratschläge auS Deutschland kämen, daS die Etablierung der Regierung Goga ebenso begrüßt, wie es die Existenz der Kleinen Entente bedauert. Rumänien kann aber auch keine Beunruhigung seiner LandeS- grenzen durch die Sowjetunion brauchen; die Stabilität der Verhältniffe an diesem Teile der rumänischen Grenze war in den letzten Jahren durch die Verbindung der rumänischen Außenpolitik mit der tschechoslowakischen gesichert. Rumänien bedarf auf militärischem Gebiet der Unter« stützung durch die Tschechoslowakei, auf finanziellem der Hilfe Frankreichs. Die faschistischen Freunde Gogas in Rom und Bersin, unzureichend gerüstet und finanziell auSgeblutet, können in dieser Hinsicht die bisherigen Freunde Rumäniens nicht ablösen. ES ist deshalb glaubhaft, daß der rumänische König keine andere Außenpolifik haben will als die bisherige. ES ist aber unwahrscheinlich, daß der autoritäre Kurs im Innern, den die Regierung Goga bereits eingeschlagen hat, keine Rückwirkungen auf die Außenpolitik haben wird. Vorläufig hat Goga erklärt, die bisherige Außen- politik werde fortgesetzt werden. Diese Außenpolitik war bisher jener der europäischen Demokratien koordiniert. Der Widerspruch Zwischen autoritärer Innenpolitik und demokratischer Außenpolitik wird nicht lange aufrechtzuerhalten sein. , Warum wurde, als die Mission TatareScuS gescheitert war, nicht die nächststärkste Partei, die NatiSnalzaranisten, berufen? Warum haben sich die demokratischen Rationalzaranisten durch rin Wahlbündnis mit den faschistischen Eisernen Garte« kompromittiert? Warum wurden, wenn in Rumänien schon autoritär regiert werden soll, nicht die stärkeren und agileren Eisernen Garden berufen, hinter denen ein großer Teil der rumänischen Jugend steht? Nun, die Ursache für daS unnatürliche Bündnis zwischen Rationalzaranisten und Eisernen Garden war die gemeinsam« Ablehnung gewisser Verhältniffe am königlichen Hof. Das Verhältnis zwischen dem König und diesen beiden Parteien ist außerordentlich schlecht, so schlecht, daß bei dem Besuche deS französischen Außenministers Telbos in Bukarest ein eigener Empfang für die oppositionellen Parteien abgehalten werden mußte, die es ablehnten, sich an dem offiziellen Empfang zu beteiligen. Die Rationalzaranisten sind jedoch weit davon entfernt, Feinde des monarchisttschen Systems zu sein. Der König hat aber die Rationalzaranisten nicht gewollt, ihre Berufung, insbesondere aber die Berufung seines Gegners Maniu war für ihn nicht tragbar. DaS gleiche aber gilt für Codreanu, den Führer der Eisernen Garden. Von zwei so starken Parteien bedrängt, hat der König eine starke innerpolitische Hand gewählt, von der er hofft« daß sie die von ihm gewünschte Ordnung schaffen wird. Er hat nur übersehen, daß er dadurch die Kräfte der Opposition noch stärker zusammen- manövrierte. Goga stützt sich auf die staatliche Exekutive. Aber diese ist, was das Verhältnis zu den Eisernen Garden betrifft, nicht zuletzt durch die Schuld der Innenpolitik TatareScuS, ziemlich löchrig. Dazu kommt, daß nun wohl auch ein Teil der Liberalen eine scharfe Oppositionsstellung beziehen wird. In anderen Ländern hat eine faschistische Partei gegen die demokratischen Par- Sekte 2 Freitag, 31. Dezember 1237 Vr. 307 und seine Verbündeten Völkerbund garantierten Rechte der Minderheiten und der auf Grund der Friedensverträge in Rumänien eingebürgerten Juden anzugrcifen. Angesichts dieser Tatsache fällt es schwer, die außenpolitischen Versicherungen GogaS ernst zu nehmen. Die vom König berufene Diktatur Toga, welche die Verfassung in dem Augenblick beschwört und einzuhalten verspricht, in dem sie sie verletzt» entspricht keineswegs den Bedürfnissen deS rumänischen Volkes und des rumänischen Landes. Die Spannungen, von denen die rumänischen Verhältnisse erfüllt find, werden durch die Diktatur Goga nicht beseitigt, sondern eher verschärft werden, und die außenpolitische Kraft Rumäniens wird genau so leiden wie sein An- scrwrrke arbeitete«» doch«ar die GaSzusührung immer noch etwas schwächer. Gegen Mittag nahmen auch die Straßenkehrer und AifallrSnmer den Dienst auf, de« sie jedoch nicht bewältige« konnte«. Di« Straßen waren stark verunreinigt, insbesondere in der Gegend der Zentralmarkt- halle. In der Pariser Vorstadt Nanterre besetzten nachmittags die Angestellten der Gasanstalt deren Betriebe. Verstärkte Polizisten- und Gardistenabteilungen räumten im Laufe des Nachmittags die Gasanstalt« K a i r o. Di« Differenzen zwischen dem 18jährige« König Faruk und dem Ministerpräsident NahasPascha haben dazu geführt, daß der König die Regierung Nahas Pascha kurzerhand entließ und den Führer der liberalen Partei Mohamed Mahmud Pascha mit den Verhandlungen über di« Neubildung der Negierung beauftragte. Mohamed Mahmud Pascha hat bereits die Verhandlungen ausgenommen. ES sollen in ihr alle Parteien mit Ausnahme der Wasd-Partei vertreten sei«, dere« Führer der entlassene Nahas Pascha ist. Ja der neuen Regierung hat Mahmud de« Vorsitz und daS Innenministerium, Jehia das Außenministerium, Ismail Sidki daS Finanzministerium und General Husei daS KriegSmini- sterium übernommen. Köniz Faruk entläßt das Kabinett Koalition aller Parteien mit Ausnahme der Wafd-Partel geplant Paris. Donnerstag«m halb 5 Uhr früh wurde in einer gemeinsamen Sitzung der drei Sekretäre des Allgemeinen ArbeitSverdandes und des Ausschusses der Syndikate der streikenden Gruppen der Beschluß gefaßt, den Streik der Pariser städtischen Angestellten zu beenden. Vorher hatte« die Sekretäre deS Allgemeinen ArbeitSverdandes eine längere Beratung mit dem Innenminister D o r m o y in Anwesenheit der sozialistischen Minister Paul F a«r e und GeorgeS M o n n e t. In dieser Sitzung gaben die Mitglieder der Regierung Garantien, welche von den Delegierten als hinreichend zur Wiederaufnahme der Arbeit anerkannt wurden. In der Rächt ließ die Regierung a«S Brest Mechaniker, Chauffeure«nd Elektrotechniker des militärischen Marinedienstrs nach Paris berufen, um sie zur eventuellen Sicherstellung deS Betriebes in den ElektrizitätS-, Gas-«nd Wasserwerken zur Verfügung zu habe«. Ihr Einsatz war jedoch nicht mehr erforderlich. Der Beschluß, den BerkrhrSstreik zu beende«, wurde rasch in die Tat«mgesrtzt. Donnerstag früh fuhren die ersten Züge der Untergrundbahn mit nur unbedeutenden Verspätungen a«S«nd auch die Autobusse Haven den Verkehr aufgenommen. Auch die ElektrizitätS-, Gas- und Was- Einlgung In Rekordzeit Ministerpräsident Ehautemps hatte zunächst Verhandlungen mit den Delegierten der Streikenden abgelehnt, solange der Streik nicht abgebrochen sei. Die sozialistischen Minister wandten sich jedoch gegen diese Auffassang EhautempS, der «nter diesem Druck den Innenminister D o r m» Y mit Verhandlungen betraute. Im Laufe von dreiviertel Stunden war eine vollkommene Einigung erzielt. In sozialistischen Kreise« wird jetzt darauf hingewiesen, daß dir Verhandlungen gezeigt haben, daß eS auch ohne Streik zu einem befriedigen- den Abschluß gekommen wäre. den positiven Plänen der französischen Politik. Wie konnte eS also geschehen, daß dadurch in Frankreich Enttäuschung und Unruhe geschaffen wurde? Wie konnte es geschehen, daß anstatt das als einen Anhaltspunkt zum Frieden anzusehen — nachdem alle ernsten Konfliktstoffe beseitigt waren,— darin für Europa eine Gefahr zu erblicken? Die Erklärung ist schwierig. Die französische öffentliche Meinung ist überrascht davon, daß diese Annäherung, an der wir vergeblich gearbeitet haben und welche wir nicht durch unsere Vermittlung verwirklichen konnten, ohne uns zustande gekommen ist. Im übrigen ist sie in einem Augenblick erfolgt, wo die Diktate Hitlers und die Abenteuer Mussolinis unsere eigenen Beziehungen mft Deutschland und Italien verschlechtert haben. In einem immer wieder geteilten und zerrissenen Europa war ihre tatsächliche Folge, daß das Gleichgewicht der Kräfte im Interesse der totalitären Mächte geändert wurde, d. h. der Rächte, welche darauf bestehen, den Krieg als ein legitimes oder gar notwendiges Mittel ihrer Ausdehnung und Größe zu betrachten. Schließlich, wenn sich diese Bündnisse nicht gegen uns auSwirken,— denn wir bleiben überzeugt, daß ihre Urheber in gutem Glauben die Unversehrtheft der Beziehungen ihrer Länder mft Frankreich zu erhalten beabsichtigen— waren sie nicht von demselben Geist anderen Ländern gegenüber beseeü, welche in erster Linie unsere Freunde und unsere Verbündeten sind. Indem es sich Deutschland annäherte, näherte sich Polen sicher nicht der SSSR und der Tschechoslowakei. Die direfte Abmachung Jugoslawiens mft Italien hatte nicht den Zweck, die Klein« Entente zu verstärken, welche für Mussolini ein Stein des Anstoßes geblieben ist. Bon da rührt die Unruhe her, da war die Gefahr. Sie läßt sich nicht sogleich wie ein böser Traum verscheuchen. Aber man bann sich trotzdem damit abfinden, daß sie nach der Reise, des Herrn DelboS sich allmählich lösen Wirch. Richt nur die deutsch-italienische und die ftalo-serbische Annäherung find zwar nicht gegen Frankreich gerichtet, was sich von selbst versteht, aber sie können zu einer Zuspitzung gegenüber den Freunden uns Verbündeten Frankreichs führen. Die ftanzösische Diplomatie hat eS trotz aller Anstrengungen, die sie feit mehr als einem Jahr macht, nicht vermocht, in dem Verhältnis zwischen Polen und der Tschechoslowakei eine Versöhnung herbeizuführen, welche die Umstände mehr als je erfordern. Aber zwischen Polen und der Sowjetunion haben sich die nachbarlichen Verhältnisse fühlbar verbeffert. Die Bande zwischen der Kleinen Entente haben sich nicht gelockert oder haben sich zumindest neu geknüpft. Man kann es zur Stunde für sicher halten oder mindestens für sehr wahrscheinlich, daß die drei Staaten, welch« sie bilden, bereit sind, ihre politische, wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zu verstärken. Man kann dem hinzu- ügen, daß sie die Projekte einer Donaukoafödera- tion, welche seft einigen Monaten im Umlauf sind, und di« bereits mit Ungarn eingeleiteten Besprechungen, unter dem gleichen Gesichtspunkt betrachten. Wir versprechen uns von der Europareise eines französischen Ministers keine Wunder. Aber trotz alledem beginnt man die seit dem Macht« antritt der Volksfront, die durch die Politik des Herrn Laval und durch das Diktat vom 7. März (welches davon die direkte Folge war) verursachten Schäden zu beheben. Pariser Verkehrsstreik beendet Arbeitsaufnahme nach Zusicherung von Lohnerhöhungen Inner baD der französischen Sozialdemokratie Hat sich eine Diskussion über Wert und Bedeutung der Reise deS Ministers Delbos nach Ost- und Mitteleuropa entspannen. Im Außenausschuß der Kammer und in der Zeitschrift „LumiSre" Hat Grumbach das Ergebnis der Ministerreise kritisiert. Für die Politft der französischen Sozialdemokratie find jedoch richtunggebend einige Artikel, die im Hauptblatt der Partei, im»Populaire", in den letzten Tagen fortlaufend erscheinen und von denen wir den nachstehenden bringen. Die Arttkel find stets an der Spitze des Blatte« und in einer Weise aufgemacht, die erkennen läßt, daß sie aus der Feder eines hervorragenden Führers der fran- ■ Mischen Sozialdemokratie stammen. Wir haben gezeigt, daß die Reise des Herrn DelboS, weit davon entftrnt, die Hindernisse zu beseitigen, welche einzelne europäische Staaten dem Völkerbund entfremden könnten, eine gesunde Bremswirkung gehabt hat. ES ist nicht ohne Nutzen, die kritische Prüfung dieser Reise weiter fortzusetzen. Was insbesondere Polen und Jugoslawien betrifft, wirst ihre internationale Stellung ernste Probleme auf, welche man ausführlich und freimütig besprechen muß. Polen und Jugosiawien find mit Frankreich durch ein Bündnis und durch Freundschaft verbunden. Im Laufe der stattgehabten Empfänge wurde dieses Bündnis und diese Freundschaft in feierlichen Ausdrücken kundgetan. Wir haben kein Recht, daran zu zweifeln, daß sie der Politik der Regierungen zur Grundlage dienen; wir haben die Beweise mehr als einmal gehabt, daß sie dem Instinkt und dem wohldurchdachten Willen der Völker entsprechen. Indessen hat Herr Beck die Annäherung Polens an Deutschland vollzogen, Herr Stoiadinoviä die Annäherung Jugoslawiens an Deutschland und Italien. Die französische öffentliche Meinung hat infolgedessen einen Schock erlitten und ein Unbehagen verspürt. Sie fragt sich, wie man vollständiges Vertrauen bewahren kann,«nd ob man nicht von einer Zweideutigkeit getäuscht worden ist... Ist diese Erregung und sind diese Sorgen gerechtfertigt? TvS ist der hauptsächliche Punkt, den es aufzuklären gilt. Am gerecht zu sein, müssen wir zunächst erkennen, daß die Annäherung Polens an Deutschland und Jugoslawiens an Italien durch die französische öffentliche Meinung lebhaft unterstützt worden ist. Durch Jahre hindurch hat unsere Diplomatie dem große Anstrengungen gewidmet, insbesondere waS Jugoslawien betrifft. Durch das Netz der Bündnisse und Freundschaften könnt« ein Konflikt zwischen Berlin und Warschau oder zwischen Rom und Belgrad Frankreich in«inen allgemeinen Krieg hineinziehen und dieser Ausblick hat für niemanden etwas Anziehendes. Insbesondere in den Kreisen der äußersten Linken und besonders in den Kreisen der Arbeiter erweckt dieser Ausblick mn wenigsten Begeisterung. Die Arbeiter würden eS sicher schlecht verstehen, wenn Frankreich wegen des Korridors, wegen Oberschlesiens oder wegen der dalmatinischen.Küste in einen Krieg einträte. Die deutsch-polnische oder italienisch-serbische Annäherung entspricht den Wün- Vor der Entlassung deS Kabinetts RahaS Pascha machte der König dem Ministerpräsiden ten den Vorschlag, ein Koolitionskabi« nett zu bilden. Dieser Vorschlag wurde abge lehnt. Ferner machte der König den Vorschlag, eine gemischte parlamentarische Kommission ein zusetzen, die die strittigen Punkte in der Ver fassung eindeutig klären sollte. Dieser Vorschlag wurde grundsätzlich angenommen, dagegen wurde die empfohlene Zusammensetzung dieser Kom mission abgelehnt, da darin die Wafdiften nur drei Vertreter gegenüber 18 Vertretern der übrigen Parteien besitzen sollten. Der König teilte dem Ministerpräsidenten Nahas Pascha seinen Beschluß von der Absetzung der Regierung in einem Brief mit, den ein beson-,„ derer Bote in die Wohnung RahaS PaschaS brachte.| scheu der öffentlichen Meinung Frankreichs und tcien um die Macht im Staate gerungen und sie schließlich erobert. In Rumänien stehen zwei saschistische Parteien gegeneinander: die Partei Gogas und die Eisernen Garden. Im Kampfe gegen die Regierung Goga fallen die Interessen aller anderen Parteien zusammen. Ob die Macht der Krone groß genug ist, Gogas Dütatur gegen die übergroße Mehrheit der Nation zu stützen, wird die Zukunft lehren. Die Liebeserklärung Gogas an die Bauern, die zu dem Zweck erfolgte, die Bauern aus der Gefolgschaft der National» zaranisten zu lösen, wird kaum großen Erfolg haben. Man kann also sagen, daß es Goga nicht sehr leicht fallen wird, sich zu behaupten. Er hat erflärt, daß seine Regierung den Bündnissen und dem Völkerbund treu bleibe» wolle. Gleichzeitig aber schickt er sich an, die dem s sehen. ihr Iaht den Armen schuldig werden... Von Margarete Neumann Acht Stunden währte daS Ausfragen, um 11 Uhr nachts wankt die Binder zurück in die Zelle. Am frühen Morgen wird sie wieder ver- hört:. „Es fehlen Bargeld, Schmuck und Spar- kaffaeinlagebücher!" „Ich weiß davon nichts!" weint die Binder, denkt:„Das Luder hat alles gut versteckt!" Sie beginnt Adele Bergner zu hassen. „Fingerabdrücke an dem vorgefundenen Beil, Fingerabdrücke an den Münzen, am Halskragen des Toten. Alle stimmen mit ihren überein, wieso behaupten Sie, die Bergner ist die Täterin?" Die Binder schweigt, zerschmettert von diesem unerwarteten Schlag. Jetzt kann der Poli» zeikommiffär das Protokoll unterschreiben lassen. Die Buchstaben schwimmen vor den Augen der Frau, die glaubt, um den Verstand zu kommen. Hat sie nicht den Weiler schon ermordet vorgefunden? Wo sind die Fingerabdrücke des Täters? Warum, wieso sind nur ihre Fingerabdrücke vorgefunden worden? Die Binder findet die Lösung nicht. Der Poltzeikommiffär findet sie: „Die Binder hat die Tat vollbracht, die Bergner, die ist ja intelligent, die hat die Binder dazu verleitet, selbst bedacht, die Finger davon zu lassen. Vorderhand mutz man aber die Bergner überführen, zu dem Zweck ist die Aussage der Binder gerade so, wie man sie braucht. Alles andere hat noch Zeit." Ein zweiter schwerer Schlag für die Binder. Mann und Kind befinden sich auch in Haft. Sie schreft:„Ich geb' alles zu, alles— laßt die zwei Unschuldigen in Ruh, Gott im Himmel— warum strafst du mich so!" In der Zelle weint sie unausgesetzt. Beruhigt sich erst bei der Nachricht, Mann und Tochter sind wieder frei. Als sie der Bergner das zweftemal gegenübersteht, überfällt sie namenloser Haß, maßsiose Wut. Dieses verdammte Frauenzimmer war es und gibt es nicht zu, verrät nicht, wo daS Geld versteckt ist. „Du Drecksau! Nur du warst es!" schreit sie bewegungslos. Dann voll Haß:„Ich bleib bei dem, was ich ausgesagt hab!" Dann sitzt sie in ihrer Zelle. Sie hat sich mft dem Schicksal scheinbar abgesunden. ES ist nur so sonderbar. Niemand hetzt sie, niemand verlangt Arbeit von ihr. Die krummen Finger erholen sich, die Krampfadern in den Beinen ziehen nicht so stark, wie sonst.„Marantjosefl Habens die Leut' gut, die nicht so rackern müssen!" Es vergehen Monate der Hast im Landesgericht. Irgendwie kommt durch den Gleichschritt der Zeit die Binder aus dem Gleichgewicht. „Was Vater und Kati machen? Ob d'e Frau Hofrat die Kati statt ihr ausgenommen hat? Der Prozeß muß doch endlich stattfinden, dann tst alles vorbei. Die Geschworenen werden doch gleich raus haben, daß die Bergner die Mörderin ist. WaS— aber— wenn?— Angst überfällt die Binder. An diesem Tag geht auch sie ruhelos auf und ab in der Zelle. Nachts schläft sie schlecht, träumt: Ein großes Holzbeil schwebt in der Lust, jetzt— jetzt— es fällt. Fällt auf den Nacken der Bergner. Der Kopf rollt in den Sand, die Bergner steht ohne Kopf vor ihr, und schreft: „Es brennt, oh es brennt! Hilf mir doch Mutter!" Und die Binder schaut auf. Marant- sosef, das ist nicht die Bergner, das ist die Kati, ihr eigenes Kind. Blutet aus der Halswunde— soviel blutet sie! An dem folgenden Morgen kniet di« Binder in der Ecke der Zelle, betet. Unberührt bleibt das Frühstück. Unberührt daz Mittagmahl. Abends, al» di« Wärterin das Brot bringt, bittet sie: ,Lch will beichten!" Der AnstttltSpriester kommt. Die Binder küßt den Saum der Soutane, weint. Alles widerruft sie. Sie wisse eigentlich doch nichts. Sie will sich mit der Sünde nicht belasten, vielleicht ist die Bergner so unschuldig, wie sie selbst! Sie weint und ist nicht zu beruhigen. „Steh auf, ich kann dir nicht helfen, das Beichtgeheimnis hindert mich. Du aber geh und sage dem Untersuchungsrichter alles, genau so, wie du es'mir gesagt hast. Wenn du aber nicht die Wahrheit sprichst, dann bleibe in deiner Zelle warte ab, bi» der Fieberwahn von dir weicht, denn — ich sehe deinen Augen an, du bist krank! Ich werde dir den Arzt schicken." Die Binder ist krank. Ein Nervenfieber stellte sich ein, so heftig, daß sie zeitweise bewußtlos lag. Ihre Beichte wertete der Priester nun wirklich al» die Beichte einer Irren. So blieb alles beim alten. Adele Bergner aber harrt in ihrer Zelle auf ihr Schicksal schon gefaßter. Sie hat eine W- lenkung gefunden. Sie modelliert aus Brotkrumen, unermüdlich formen die mageren Finger. Die Wärterin hat Mitleid mit dieser stillen Frau, sie ersetzte die Brotration, als sie dahinterkam, daß Adele anstatt zu essen, da» Brot in allerlei Gestalten verwandelt. Anfangs Juni, im siebenten Monat der Untersuchungshaft, kam der Untersuchungsrichter in die Zelle. Er blieb an der Tür stehen. Erstaun: und nicht ganz ohne Teilnahme blickt er auf Adele. Sie stand ganz versunken vor dem Fenster. In der Linken hielt sie das aus Brot modellierte Ebeitbild der Amsel. DaS Schnäbelchen des Bogels war leicht geöffnet. Genau schaut der Untersuchungsrichter, was Adele in der Hand hält und als er da» fleine Kunstwerk sieht, entlockt es ihm unwillkürlich ein lautes Ahl" Erschrocken wendet fick Adele, rasch versteckt sie die Hand hinter dem Rücken. «Jetzt ist Schluß mit der Ablenkung, die mir das Leben gerettet hat", denkt sie.„Fräulein Bergner, eine frohe Botschaft für Sie, und ich fteue mich, der Ueberbringer sein zu können!" ??? „Der Mörder des Weiler ist gefaßt. Geständig. Sie— sind— frei!" Adele siebt, Augen aufgeriffen, Mund halb auf. Ein Zittern überfällt sie, ein leiser Aufschrei, das Modell fällt aus der Hand, alles Blut strömt zum Herzen.— Der Untersuchungsrichter stützt di« Schwankende. Die Wärterin legt sie auf die Pritsche. Da liegt sie, so plötzlich in die Wirflichkeft zurückgedrängt und es ist ihr» als sei es die letzte Stunde ihres Lebens. Sie hat mit einem Male wahnsinnige Angst, mit Menschen zusammenzukommen. „Frei— wie früher! Makeflos und— wieder— arbeiten*— dürfen!" Endlich erfaßt sie es richtig» Langsam erholt sie sich und schon ist die bange Frage da:„Wird bei WollheimS für mich noch Beschäftigung sein?" «Sie müssen sich beruhigen, Fräulein Bergner. Wenn ich raten darf, suchen Sie gleich einen Anwalt auf, er soll Ihnen behilflich sein. Sie können Haftentschädigungsansprüche stellen!" Di« Stimme d«S Untersuchungsrichters flingt weich, menschlich, der Mann fühlt mit. Auch die Wärterin tröstet Adele, spricht ihr Mut zu. Es ist ihr davei aber sonderbar zumute. «Wie ist nur so etwas möglich", denkt sie, aussprechen darf sie es nicht.„Da sitzt die Arme sieben Monate, wir alle glaubten, sie ist die Mörderin und auf einmal— weder sie, noch die Binder? Ein Dritter, ein Mann ist der Täter! Wenn der Zufall es nicht an den Tag bringt— Gott im Himmü— die beiden Frauen wären hingerichtet... zumindestens aber lebenslänglich eingesperrt worden!" Direkt mitschuldig fühlt sich die biedere Frau an diesem Justizirrtum und tut alles» um Adele Bergner, die jetzt hilflos dasteht, bei der Entlassung aus der Untersuchungshaft behllflich zu sein.(Fortsetzung folgt.). Nr. 307 Freitag, 31. Dezember 1937 Seite 3 Internationales Bekenntnis zur Sozialdemokratie Es ist nicht unsere Schuld! bäret Kinder" l— Wird sich ein„deutschbewutz- ter" Hausherr finden, der einer deutschen Mutter, wenn schon nicht w e g e n, so t r o tz der fünf Kinder eine Wohnung gibt? Was ist mit der „Volksgemeinschaft"? Madrid. Der HavaS-Korrespondent berichtet, daß die republikanischen Abteilungen weiter in das Innere von Teruel Vordringen. An der äußeren Front von Ternel unternahm der Feind am Mittwoch zweiGegenangriffe, die michttger waren als alle vorangehenden. Die ans den Höhen«m Ternel postierten republikanischen Abteilungen schlugen diese\ Angriffe ab. Die Franco-Truppen, welche Flugzeuge und Tanks benütztem konnten das Oberkommando der Re- giedungStruppen nicht überraschen. Die Artillerievorbereitung der Aufständischen, unterstützt durch ein Fliegerbombardement, dauerte über drei Stunden. DaS Hauptziel der Aufstän- rischen bildete der Pir del Zorro nordwestlich von Teruel. Ans den übrigen Höhen sowie an den Hängen deS Pie del Zorro entspann sich dann ein langandauernder heftiger Kampf. Trotz dem hef. tigen Maschinengewehrfeuer der RegierungStrup- pen nnd ohne auf die Kugeln der Tankgeschütze zu achten, griffen die Franco-Truppen immer wieder von neuem an, wobei eS ihnen jedoch nicht gelang, die Linien der Rrgierungstruppen zu durchbrechen. Die Schlacht dauerte am Mittwoch biS in die Nachmittagsstundrn und dm rrpublikant. scheu Truppen gelang es, die Angriffe deS Gegners vollständig zurückzufchlagem. Hierauf richtetm die Franco-Truppen einen mächtigen Angriff auf die rechte Flanke der repu- blikanifchm Linim bei P i e r o östlich von Teruel. Die Regierungötruppen trirbm dm Feind im Gegenangriff zurück, bemächtigten sich zweier Tanks und befetztm neuerlich das verlorene Terrain. Den ganzm Tag über fanden heftigr Lustkämpfe statt. Das Kloster Santa Clara, in daS die Rebel- len auS dem Seminar durch unterirdische Gänge Gesundheitswesen und Körpererziehung ein N a- tionalausschuh der Hygiene-Kommission der Staaten der Kleinen Entente ernannt, der sich mit dem Studium der Aufgaben dieser Kommission, der Abgabe von Gutachten und Vorschlägen zur Lösung dieser Aufgaben befaffen wird. Dieser Tage hat der Minister für Oeffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung 25 Mitglieder dieses Ausschusses— durchwegs Fachleute in Fragen der Hygiene und der Sozialhygiene— ernannt, deren Zusammenarbeit mit der Hygiene-Kommission der Staaten der Kleinen Entente in ungewöhnlichem Matze zur Lösung der umfangreichen und Verantwortlichen Aufgaben auf dem Gebiete der Hygiene in diesen Staaten beiträgt. Zum Vorsitzenden des Nationalausschusses wurde Professor Dr. Josef P e l n ä k, zu dessen Stellvertretern Professor Dr. Hynek Pele und Ministerialrat Dozent Dr. Th. Gruschka, zum Geschäftsführer Ministerialrat Dr. JaroslaUS D l o u h h, zum Sekretär Ministerialrat Dr. hartes Lager monatlich, sowie zum Verlust des Wahlrechtes unbedingt verurteilt wurden. Dic Angeklagten Krumpholz, Otto Z u l e- g e r und F r o d l wurden fteigesprochen. Ren- ger und Stengel meldeten die Nichtigkettsbe» schwerde an. nieck zu 500 Kö Geldstrafe ober fünf Tagen Arrest, im zweiten Fall unter Berücksichtigung der ersten Strafe zu einer Zusatzstrafe von 1000 Xi oder vierzehn Tagen Arrest, weiters zur Tragung sämtlicher Kosten, zur Veröftentlichung des Urteilsspruches und zur Zahlung von zweimal 200 XL für die Veröffentlichung im„Bolkswille" verurteilt. Der gleiche verantwortliche Redakteur wurde Wohl sagen, daß mir ein Teil der.Lameraden" die Belohnung für meine Tätigkeit gegeben haben, aber darüber noch kann ich heute nicht schreiben. Die Oeffentlichkett wird schon noch so manches erfahren. Ich werde nunmehr, da mir selbst die Augen aufgegangen sind, der völkischen Arbeiterschaft, so gut ich es kann, die Augen öffnen. Es braucht sich heute keiner mehr zu fürchten, den Arbeitsplatz zu verlieren, oder wegen Bolksverrat angeklagt zu werden, weil er aus der SdP ausgetreten ist. Ich selbst bin als Deutscher geboren und werde als Deutscher sterben. Ich werde nie ein Volksverräter werden und ein anderer mutz eS auch nicht. Wenn man mir vorhält, ich sei wegen meinen Forderungen aus der Partei ausgetreten, so sage ich, es war mein Recht und meine Pflicht, für die Arbeiter zu fordern, aber ich habe kennen gelernt, dah man für die Arbeiterklasse den geschloffenen sozialistischen Kampf braucht, der sich den sozialen und kulturellen Aufstieg als oberstes Ziel gesetzt hat. Diesen Kampf konnte ich in den Reihen der SdP nicht führen, deswegen gehe ich in die Reihen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, um dort für Brot, Freiheit«nd Frieden z« kämpfen. Richt der nationale Kampf«nd die nationale Hetz« sichert unsere Zukunft, sondern der Ausgleich mit den anderen Völkern des Staates wird«ns das Recht geben» daS wir zu 'ordern haben. I« diesem Sinne rufe ich alle Arbeiter auf, mit mir zu gehen«nd mit mir z« kämpfen. Ich grüße alle Genossen«nd Ge- noffinnen der sozialistischen Bewegung mit einem herzlichsten Freundschaft. Teuer bezahlte Schützenhilfe 3n dem Kesseltreiben der Karlsbader SdP gegen den sozialdemokratischen Vizebürgermeister H o l i ck hatte die Karlsbader„Deutsche Tageszeitung" kräftig Schützenhilfe geleistet. Anschuldigungen, die der bekannte Propagandaleiter Rüdlbach gegen Holick in SdP-Ber- fammlungen erhob, wurden von dem Blatte grotz aufgemacht wiedergegeben und breitgetreten. Holick strengte gegen den verantwortlichen Redakteur zwei Prozesse an, die aus den Jahren 1935 und 1936 datteren und von der Gegenpartei bis jetzt verschleppt worden sind. Nun kam es in beiden Fällen zu einem Schuldspruch gegen den angeklagten Redafteur, da ihm nach Feststellung des Gerichtes weder der Wahrheitsbeweis, noch der Beweis des entschuldbaren Irrtums gelungen ist. Im ersten Prozeh wurde Karl F r a- geflüchtet waren, brennt seit Mittwoch nachmittags. Die Rebellen halten sich im Keller auf und haben keine Berteidigungsmittel. Die Republikaner haben den ganzen Komplex umzingelt«nd warten nur das Ende deS Brandes ab, um dann einen Sturmangriff zu unternehmen. Schwere Verluste der Angreifer Ein Ueberläufer aus dem Rebellenlager, der sich letzte Nacht bei den republikanischen Linien bei Teruel gemeldet hat, teilte mit, dah die jetzt angreifenden Rebellenstreitkräfte hauptsächlich aus chemaligen Angehörigen der Nordfront bestehen, wo sie an der Massakrierung der asturischen Bevölkerung teilgenommen haben. Es sind im wesentlichen Fremdenlegionäre, Maroflaner und Phalangiften. Sie haben aber ihr Selbstvertrauen schnell verloren, nachdem die ersten Zusammen« stütze mit der republikanischen Armee ihnen sehr schwere Verluste gebracht hatten. Die bisherige Beute Nach den bis Donnerstag nachts vorliegenden Meldungen aus verschiedenen Sektoren der Te- ruelfront schätzt man die Verluste der Rebellen sett Beginn der republikanischen Offensive auf 3000 Tote und über 6000 Verletzte. Die Anzahl der Gefangenen, die in einem Konzentrattonslager in Teruel festgehalten werden, beträgt 4869, darunter über 30 Offfziere und mehr als 300 Unteroffiziere. Bon dem erbeuteten Kriegsmaterial sind bis jetzt mehr als 4800 Gewehre, 211 Maschinengewehre, 184 Maschinenpistolen, 97 Mörser, 30 Geschütze verschiedener Kaliber und zahlreiche Kisten Munition, sowie 300 Lastwagen und zahlreiche Motorräder und Autos gezählt. und ten~ Schraubenfabrik, kann und hat auch bis jetzt die Miete pünktlich bezahlt. Der gewesene Hausherr des Ehepaares hat sie delogiert— wegen der fünfKinder. Die Hausherren-Kameraden würden der Familie ja eine Wohnung vermieten — aber die fünf Kinder, das geht nicht. In ihrer Bedrängnis kommt das Ehepaar zur Gemeinde und ersucht um eine Wohnung im Armen« h a u s. Die Delogierung erfolgte kurz vor Weihnachten, also schon in der Zeit, da man von den „Deutschen Weihnachten" überall hören und lesen konnte. Uns ist aber auch eine Aufforderung des evangelischen Priesters und BundeSobmanneS W e h r e n f e n n i g, die er auf einer Tagung des Bundes der Deutschen an die deutschen Frauen richtete, in Erinnerung:„Deutsche Frauen geEin SdP-Arbeiter kommt Das schriftliche Bekenntnis eines Gehellten Wenzel Lorenz aus Schatzlar schlich dem„Trautenauer Echo" einen Brief, in dem er seinen Ucherttitt von der SdP zu den So zialdemokraten erklärt. In dem aufschlutzreichen Schreiben heißt er: „Ich war seit 1924 bis 1937 in der völki schen Bewegung als ordentliches Mitglied tätig. Von 1924 war ich bis zur Auflösung in der nationalsozialisttschen Partei. Während dieser Zett habe ich manches erlebt und manches Opfer bringen müssen. AE später Konrad Henlein das deutsche Voll zusammenrief, war ich einer der ersten in seinen Reihen, um mich mit ganzer Kraft und die ganze freie Zett der Bewegung Konrad Henleins zu widmen. Besonders in der Mahlzeit 1935 war ich auf dem Posten. Während andere schliefen, habe ich ost bis in der Früh Wahlarbeit geleistet. Bin mit Henlein-Plakaten und Flugblättern auf dem Wege gewesen, um— wie man so sagt— meine Pflicht zu tun. Jetzt, da ich das zu Papier bringe und die Erfahrung aus der Entwicklung der Bollsgemeinschaft gesammelt habe, Weitz ich, wie nutzlos diese Arbeit gewesen ist, und ich möchte auch nicht, daß man von mir sagt, ich schwöre meinen alten Glauben ab, um wo anders dafür belohnt zu werden. Ich will daher feststellen, dah ich weder eine Belohnung erwarte, noch haben kann, denn sonst mühte ich wo anders hingehen und tätig sein. Ich bin auch nicht undankbar und vergesse die Menschen» die mir in grotzer Not geholfen haben, nicht. Jene, die gut zu mir waren, werde ich als Menschen weiter schätzen, aber mtt dem polittschen Kampfe hat soziale Hilfeleistung wenig oder gar nichts zu tun. Auf der anderen Sette darf ich Bas Gesundheitsministerium fördert die Hyglene«Bestrebungen Beim Wirtschaftsrat der Staaten der Klei nen Entente wurde als Fachorgan eine besondere Hygiene-Kommision errichtet, die die Aufgabe hat, sich mit den gesundheitlichen Problemen und Auf gaben der drei Staaten der Kleinen Entente zu befassen. Zur Unterstützung und Erleichterung der Arbeit der Mitglieder der Hygiene-Kommission wurde jetzt vom Ministerium für Oeffentliches| R i h a bestimmt. Heftige Angriffe Francos bei Teruel blutig abgewiesen Für die Heilfürsorge der Arbeitslosen. Das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen hat für Zwecke der Heilfürsorge für Arbeitslose dem Komitee in Komotau 5000 XL, dem Komitee in Brüx 6000 XL bewilligt. Die Zuteilung für das Komitee in Teplitz-Schönau wurde auf 9000 XL erhöht. Die„Arbeiterfürsorge" hat soeben die Ver- handlungsschrist über die 3. ordentliche Hauptversammlung im Juni d. I. als eigene Broschüre herauSgegeben, welche das Referat Abg. Koglers wiedergibt und alle auf der Tagung erstatteten Berichte sowie den Berhandlungsverlauf enthält. Die Broschüre vermittelt ein eindrucksvolles Bild der weitverzweigten und wirkungsvollen Tätigkett der„Arbeiterfürsorge". Urteil Im„Patrla**-ProzeB Brüx, lieber die Funktionäre der Bau- und Zweckspargenoffenschaft„Patria" in Saaz, die sich jetzt vor dem Strafsenat des Brüxer Kreis gerichtes wegen des Verbrechens der Veruntreu ung und des Betruges, sowie wegen deS Verge hens der fahrlässigen Krida und der nachlässigen Buchführung zu verantworten hatten, wurde am I Donnerstag das Urteil gefällt, nach welchem der> vor einer Woche wegen eines Angriffes gegen die Direktor der Genossenschaft Reng e r zu 18 Mo-«sozialdemokratischen Gemeindevertreter von Aich naten und der Angeklagte Stenge I zu lö^zur Abgabe'einer Ehrenerklärung verurteilt,/.« Monaten schweren Kerkers, verschärft durch ein der er all« Beschuldigungen als unbegründet zu- hartes Lager monatlich, sowie zum Verlust des! rücknehmen und den angegriffenen Gemeindevec» tretern volle Genugtuung leisten muhte. Fünf deutsche Klnddr— aber keine Wohnung? AuS Graupen wird uns geschrieben: Das Ehepaar E. läuft von Haus zu HauS sucht Wohnung für sich und ihre unversorg- fünf Kinder. Der Mann arbeitet in der Teplitzer Theaterbrief Sein oder Nichtsein!— DaS ist die Frage, auf di« jedes Theater je nach seiner besonderen Schick- salSstellung die Antwort zu finden hat. wenn«S in einer Zeit allgemeiner Begriffsverirrungen nicht den Boden unter den Füßen verlieren soll. Längst ist er «ine müßige Spielerei geworden, die kulturellen Aufgaben der Bühne beschwörend anzurufen; woher sollten sie in der allgemeinen Pleite den Marktwert nehmen. wo doch die geistige Abrüstung die einzige ist, die so ziemlich überall bereitwilligste Gefolgschaft gefunden hat. Den Sinn des Theaters, den Sinn der Kunst überhaupt wird man wieder finden, wenn man einmal den Sinn des Lebens wiedergefunden haben wird. Bis dahin scheintS noch ein wenig Zeit zu haben. Unterdessen haben sich die Theater um die Sorgen des Tages zu kümmern und zuzusehen, wie sie damit fertig werden. Und fürwahr— sie könnten'- nicht, wenn nicht unter Tausenden doch immer noch ein paar Zehnerschasten von ftüher her Besessene wären;, wenn nicht in der(sonstmalS gern« recht übel vermerkten) Entfernung vom menschlichen Alltag der Kunst;eneS sich selbst speisend« Feuer erhalten geblieben wäre, das immer wieder zu auf- opiernder Hingabe entflammt. Je teilnahmsloser die Zeit ist. um so mehr ist sie in ihrem geistigen Besitztum angewiesen aus die mit Inbrunst und durch Selbstentäußerung Dienenden. Sie sind die einzige und letzte Gewähr dafür, daß eS für Kunst und Kultur doch noch eine Zukunft geben wird. Sein oder Nichtsein!— Direktor Cutth H u r r l e und seine Künstler beantworten die Frage bald in der Mundart der augenblicklichen Publikum»- ftimmung. bald in der eindringlichen Sprache litera- rischen Anstandes. In beiden Fällen find sie der Souffleur für die letzte Entscheidung, die eben dem Publikum Vorbehalten bleibt, solang« da? Theater Marktobjekt des Kartenverkaufes bleibt und nicht zum bewußten Wertbesitz der Gesellschaft wird. Solange die Einsager nicht den Mut und die Geduld, die Hörer nicht die letzte Bereitwilligkeit deS Hörens verlieren, bestehen wir. Was unveräußerliches Gut bedeuten sollte, ist«in zwischen fluger Höflichkeit und lohne innere Verpflichtung) zufallendem Geneigtsein hin und her irrender Spielball. In Teplitz wie überall ist das Verhältnis zur Kunst eine Angelegenheit der Verdauung; der körperlichen viel mehr als der geistigen Bereitschaft zugeordnet. Direktor Hurrle trägt allen diesen Gegebenheiten Rechnung und bringt eS fettig, aus dieser eine künstlerisch aktive Bilanz zu ziehen. Sie hat ihre romantische Verklärung in Marcel PagnolS »Fann h". deren leidvolle» Lieben der zarten Teilnahme im Herzen des Frl. Christi R a e n tz anvertraut ist; sie faßt in das Edelmetall der Viktor § a x e l'schen Regie das Juwel„K a m tz l" von Neuron und verzeichnet in dem Gastspiele deS Edward Stirling» mit„Oskar Wilde" eine schauspielerisch außerordentlich interessante dramatische Gestaltung der im Namen deS Dichter» gegebenen Lebensbegriffes.— In ganz anderer Art als dies« englischen Spieler mit virtuoser Sprachtechnik und souveräner Wortgestaltung heben die prachwollen Exl-Künstler aus Schönherrs„Erde" das im Boden wurzelnde, im engen Lebensraume nicht in die Weite, sondern in die Tiefe wachsende Schicksal der von Naturgesetzen bestimmten Menschen, deren herrlichster Eduard Köcks alter Grub ist. Der aus gleichem Boden keimende, zur possenhaften Karikie- rung triebhaften Lebens verlangende Humor hat StteicherS„BerlegenheitSkind" zur Welt gebracht. Keine besseren Taufpaten konnte es finden als eben die Erl-Leute mit ihrer wundervoll verhaltenen Luftigkeit. Mit der Komödie von Heller-Schütz„Der Vorhangfällt" tat, dem Publikum zur Freude, das Theater einen sentimental angefeuchteten Blick hinter die eigenen Kulissen; mit FosterS industtteller Dichtung„Gefängnis ohne Gitter" durfte sich, dem Publikum zu noch größerer Freude, da» Vergnügen an dramattscher Effekthascherei ein guter Stück vorwagen, um Harmlosen nachher mit Bunies „EtappenhaS'"«inzureden, der Krieg sei eine fröhliche Sammlung überaus heiterer Anekdoten gewesen. Axel Fvers zeigte zwischendrin in„P a r k- straße 18". daß auch in der Kriminalkomödte trotz atemraubender Spannungen für anständige Gesinnung und saubere dramatische Ordnung Raum sei; in ihm brachte Direktor Hurrle sein« grotesk- exzenttische Komik unter.— Zur Weihnachtszeit machte Büttner»„Dornröschen" in zwei Aufführungen die Kinder glücklich. Zu Ehren einer diskreten Jubiläums der überaus»beliebten Diva Dely Drexler brachte die Operette da» gefällige Spielchen„Dorine und der Zufall" von Gilbert. Mit Jara Benes's „Gassenmädel" konnten sich die Teplitzer trotz der sehr reizvollen Wiedergabe nicht befreunden. Dagegen folgten sie willig und freudig dem lockenden Melodienzauber und den von Walter Jakob und Richard Zikesch geschaffenen Ausstattungswundern einer„N a ch t i n B e n e d i g", in der sich der Ope- rettentenor Leonardo ArameSco verabschiedete, um sich wieder ganz dem Rundfunk und der Schallplatte zu widmen. Einstweilen ist sein Nachfolger Dario M ed ina, der Mann mtt dem richtigen Sex appeal für die Teplitzcrinnen. Benatzkys„Herzen i m S ch n e e" waren die geeignete AntttttSvifite für den galanten Routinier bestrickenden Scharmützeln». Die Theaterbesucher sind seitdem ganz auf diesen Wintersport eingestellt und alle mit leichtem Herzen haben dieses derzeit in Stz Anton verloren. Der Teplitzer Theaterverein machte einen Versuch zur Wiederbelebung der Oper mit einer Festaufführung der„B o h e m e". Elisabeth g o r i n i von der Wiener StaatSoper(Mimi), Kurt Baum vom Prager Deutschen Theater(Rudolf). di« beiden Brünner Opernsänger Hans Songström(Collin) und Leopold W e i n e r t(Marcell) waren die Prominenten neben heimischen Kräften. Ein auSverkans« tes Haus war der Dank für die opferwilligen Bemühungen des Theatervereines und der Direktion. Hier und dott will nun die Hoffnung aufetttehen, Teplitz könnte in der nächsten Spielzeit wieder mtt eigener Oper beginnen. Für einen so kühnen Schluß sind nun freilich die Voraussetzungen in einem einzigen glücklichen Abend nicht gegeben. Das Wagni» einer eigenen Oper kann eine Teplitzer Theaterdirektton nur dann auf sich nehmen, wenn in einem eigenen Opernabonnement die Sicherung gegeben ist. daß keine finanziellen Erschütterungen den Bewirb gefährden. Aber auch ohne diesen weiteren Ausblick können wir an der Jahreswende mit viel Zuversicht der wc-, teren Entwicklung unseres Theaterlebens entgen--"- i schauen. Direktor Hurrle hat den Betrieb kür'- leritch und finanziell aus gesunde Grundlagen a-= stellt und einmal wird man ja doch erkennen, daß auch die geistige Aufrüstung ein nicht zu unterschätzender Beitrag ist zur Wehrhaftmachung eine» Volkes! Lroit T h ö n e r. Teil» 4 Freitag. 31. Dezember 1837 Nr. 307 vkei flugplstrbesmte suspendiert UnverstSnrllleNe Schweigsamkeit 6er vekvrpen Prag. Die Untersuchung des Flugunglücks bei Bergreichenstein wird im Ministerium für öffentliche Arbeiten auf Grund des vorliegenden Materials weitergeführt. Keine amtliche Stelle hält es aber für notwendig, über diese Katastrophe, welche die Oeffentlichkeit in einem schon lange nicht dagewesenen Maße erregt, auch nur ein Wort der Information zu sprechen. Gewiß ist es bis zu einem gewissen Grade berechtigt, eine Untersuchung durchzuführen und abzuschließen, bevor Wertungen über Schuld oder Unschuld gefällt werden. Wenn aber, wie es diesmal so wie schon in zahlreichen früheren Fällen geschieht, daß einzelne Blätter über nähere Umstände des Falles unter Anführung von sehr konkreten Angaben berichten können, wäre es ein Gebot nicht nur der Pflicht gegenüber der Oeffentlichkeit» sondern auch ein Ge« tot der Klugheit, aus der amtlichen Reserve hervorzutreten und mehr zu geben als die bloße, so bekannte Versicherung, daß alles genau untersucht werde und Schuldige zur Verantwortung gezogen werden würden. Es trägt nicht zur Beruhigung und zum Vertrauen, sondern im Gegenteil zur Beunruhigung der Oeffentlichkeit bei, wenn eine Katastrophe, wie es die Bergreichensteiner ist, zum Objekt von Kombinationen und Sensationsmeldungen wird. Der gesundeste Beruf Daß wirklich die Journalisten die langlebigsten Menschen sind, wie ein von der»Saflei Nationalzeitung" zitiertes amerikanisches Blatt behauptet, kann vielleicht bezweifelt werden. Daß ihr Beruf ein besonders gesunder oder auch nur gefahrloser sei, wird niemand ernstlich behaupten können, der etwas von der Journalistik weiß. . Erinnert euch doch an Meldungen aus gar nicht ferner Zeit» die von aufregenden Abenteuern ebenso pflichteifriger wie rckagemutiger Berichterstatter in Abessinien» in Spanien, ja vom LdriegStod ausländischer Journalisten in Spanien und in China berichteten! So viele Journalisten sind— von Krankheit und Siechtum soll gar nicht erst geredet werden— Todesopfer ihres Berufes geworden, daß man ihn wirklich nicht zu den ungefährlichen rechnen kann. Nun könntet ihr einwenden, daß eben Wer Beruf seine besondere. Gefahr habe. Ja» das trifft für alle zu bis auf einen einzigen: den des Feldherrnl Daß an diesen Beruf die amerikanische Zeitung nicht gedacht hat, als sie sorgengequälten Vätern Ratschläge für die Berufswahl ihrer Söhne gab! Laßt euere Söhne Hel- den werden! Nicht nur ganz gewöhnliche Hel- den- die wirklich kämpfen und dem Kriegstod ins Auge schauen und sich verwunden und gar töten lassen müssen! Große Helden, ganz große! Solche, die garantiert sicher nach am Schreib- tisch und an gut gedeckten Tafeln verbrachten» Leben'nach Walhall kommen(sofern sie Deutsche sind. Aber es wird schon auch für die anderen einen Heldenhimmel geben). Nicht die Gewiß- heit des Eingehens in Walhall ist, obschon nich: zu verachten, das Lockende, sondern die Sicherheit, sehr alt zu werden und von keiner Gefahr bedroht zu werden. Hindenburg und Ludendorff, Fach und die anderen Feldherren, sind sic nicht alle alt geworden? Und stirbt nicht jeder ganz ausnahmslos jeder Feldherr, jeder ganz große Held also, den mit Recht von den Germanen verachteten, aber trotzdem bevorzugten „Strohtod", den Tod im Bett, den Tod an irgendeiner Zivilistenkrankheit? Also laßt eure Söhne Feldherren werden! Es gibt keinen gesünderen Beruf. Basarv'ertel von Sarajewo e'.ngeäschert Belgrad. In dem alten muselmanischen Viertel von Sarajevo brach in der vergangenen Nacht eine große Feuersbrunst aus. Das bekannte, über 400 Jahre alte Basarviertel ist fast völlig niedergebrannt. Das Feuer konnte isoliert werden. * In einer Staubsaugerfabrik im Amsterdamer Hafenviertel brach am Mittwoch abends ein Feuer aus, das sich mit rasender Schnelligkeit verbreitete, so daß bald der ganze Gebäudeblock in Flammen stand. Der Feuerwehr, die mit 20 Leitungen den Brand bekämpfte, gelang es nach stundenlanger Tätigkeit, ein Uebergreifen des Feuers auf die benachbarten Häuser zu verhindern. Der Schaden wird aus etwa 4,000.000 XL geschätzt. Postmarken, welche ihre Gültigkeit verlieren: Das Postministerium teilt mit: Mit dem 31. Dezember 1937 verlieren folgende Brief« marken ihre Gültigkeit: Die WohltätigkcitSmar- ken„Dktem 1937", und zwar die Werte zu 50 Helle;, 1 und 2 XL; die Gedenkmarken„Zborov", und zwar die Werte 50 Heller und 1 XL; die Eine Reihe vor» Blättern meldete im Laufe les Donnerstag, daß drei Angestellte der Flugplätze in Rüzyne und Marienbad ihres Dienstes enthoben wurden. Selbst diese neuen Meldungen vermochten die Behörden nicht zu dem Entschluß zu bewegen, sie entweder zu bestätigen oder zu dementieren. Donnerstag nachmittags fand im Prager Krematorium die Einäscherung der sterblichen lleberreste des Piloten Franz Lehky statt. An der Trauerfeier in dem vollbesetzten Saal des Prager Krematoriums nahmen Vertreter des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, der Air France, des Aeroklubs, des Ministeriums für nationale Verteidigung, der Masarykfliegerliga, der Fluggesellschaften und viel« Trauergäste teil. Nach einer musikalischen Einleitung verabschiedeten sich die offiziellen Vertreter der Behörden, der Fliegerkorporationen und der Kollegen von dem verdienten Piloten. Die Regierung der französischen Republik hat dem während seiner Pflichterfüllung so tragisch aus dem Leben Geschiedenen post mortem das Ritterkreuz der Ehrenlegion I verliehen. Marken Malä dohoda im Werte von 2 XL und 2.50 XL; die Gedenkmarken I. E. Purkynö zu 50 Heller und 1 XL; die Blocks mit Frankomar- ken zu 50 Heller und 1 XL, ausgcgeben anläßlich der ganzstaatlichen Philatelistischen Ausstellung in Preßburg. In der Uevergangszeit nach der Außerverkehrssetzung der erwähnten Briefmarken, das ist bis 20. Jänner 1938, werden die Postämter Sendungen, die mit den obangeführ- tcn Marken frankiert sind, nicht beanständen. Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die Trauerpostmarken der Werte 50 Heller und 2 XL, ausgegeben zur Ehrung des Andenkens des Präsident-BefreierS, weiter als gültig in Umlauf bleiben. Paul FaureS Privatsekretär tödlich verunglückt. Bei MontargiS stieß Donnerstag nachmittags das Automobil, besten Insassen der Sekretariatschef des Ministers Paul Faure, Lago r g e t t e mit Frau und Sohn waren, mit dem Auto Pierre M i ch e l i n s, des Sohnes des bekannten Industriellen zusammen. Der Zusamen» stoß war so heftig, daß alle drei Mitglieder der Familie Lagorgette den Tod fanden. Michelin wurde schwer verletzt. Die näheren Umstände des Unglücks sind noch nicht bekannt. Zwei Millionen Franc geraubt. Mittwoch überfielen sechs bewaffnet« Banditen drei Kassenbeamte der Filiale«er Bank von Frankreich in Troy und entrissen ihnen die Geldtaschen, in denen sich eine Summe von 1,800.000 Francs Bargeld befand. Obwohl die Beamten später von der Schußwaffe Gebrauch machten, gelang es den Tätern, in einem Auto zu entkommen. Schnee- und Hochwafferkalamitäten in Ju- goflawien. Seit Mittwoch liegt über ganz Jugo- flawien eine Schneedecke. Starke Schneestürme haben den gesamten Verkehr auf den Bergpässen von Montenegro und Dalmatien lahmgelegt. Auf der Insel Hvar ist nach zehn Jahren zum erstenmal wieder starker Schneefall zu verzeichnen.— Hochwasserführende jugoslawische Misse haben in die Millionen gehende Schäden angerichtet. Nach den Berichten der Zeitungen hat allein das Hoch- wasser der Save etwa 8000 Häuser überschwemmt. Von Sissek bis Semlin, das ist in einer Länge von mehr als 400 Kilometer, hat die Save das Gebiet bis zu einer Breite von mehreren Kilometern überschwemmt. Die Zeitungsmeldungen sprechen auch von 17 Todesopfern, die die Ueberschwemmungen gefordert haben. In einer Essener Grube ist am Donnerstag eine Kohlenwand eingestürzt. Zwei Bergleute wurden getötet, mehrere andere verletzt, davon einer schwer. Keine Teilnahme Norwegens an den Olympischen Spielen. Auf Grund von Verhandlungen des Vorsitzenden des Finanzausschusses des Norwegischen Olympia-Komitees, Mogens Oppe- gaard, mit den verschieden!.. Sportverbänden. wird damit gerechnet, daß sich Norwegen an den Olympischen Spielen des Jahres 1940 in Tokio nicht beteiligen wird. Als Begründung wird angegeben, daß Japan durch seinen Krieg gegen China sich gegen den Sinn der Spiele vergangen habe.(„N. Z. Z.") Gefährliches Spielzeug. Im Hotel„Plaza" in Jersey City brach Mittwoch ein Brand aus, bei dem zwei Personen den Tod fanden. Der Brand entstand durch die Funken eines Keinen elektrischen Zuges, mit welchem gestern ein Knabe, der in dem Hotel wohnte, unter dem Weihnachtsbaum spielte. Araber im Londoner Rundfunk. Wie„Dafly Telegraph" meldet, sind dr-i Araber als Rund- funksprecher in den Stab des britischen Rund- ninks ausgenommen worden. Sie werden ftir die britischen Rundfunksendungen in arabischer Sprache verantwortlich sein. Zwei dieser Araber haben früher bereits im Dienst des ägyptischen Rundfunks gestanden. Wilhelm geht nicht nach Deutschland! Die Zentralverwaltung der Güter der ehemaligen preußischen Krone dementiert kategorisch die Nachricht, daß der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm ll. die Absicht habe, in ein Schloß in Hamburg oder in einem anderen Orte auf deutschem Gebiete zu übersiedeln. Die AuSgeschalteten. Die Bafler„National- Z.iiüng" erzählt in einem Bericht über die nationalsozialistische»Luiturpropaganda" in den Bal- tanstaaten, daß das Zentrum dieser Aftion Belgrad ist, wo ein Abgesandter der Reichskultur- kammcr, der von Goebbels mit dem diesjährigen Staatspreis belohnte Dichter Gerhard Schumann, eine deutsche Buchausstellung der Vergangenheit und Gegenwart eröffnete. Auf dieser „Schau" waren weder Goethe, noch Schiller» noch Lessing vertreten.— Mit Recht ausgeschaltet!"Wenn mkt dem gästZen HumanitätS- und WcltbürgertumSschwindel radikal Schluß gemacht wird, muß man endlich auch dessen dichterische Verkünder entthronen. Eine neue Schreibmaschine. Große Sensation hat ein neues Schreibmaschinenmodcll erregt» das vor kurzem patentiert worden ist und soeben zum Verkauf gelangte. Diese Schreib- nlaschine besitzt nicht eine Walze, sondern vier, das heißt, daß man auf ihr vier Originale gleichzeitig schreiben kann. Mit den üblichen sieben bis acht Kopien, die man von jedem Original machen kann, leistet also die Schreibmaschine 28 bis 32 Exemplare gleichzeitig, was namentlich für kleinere Vervielfältigungsbüros, interne Rundschreiben und ähnliches wichtig ist. Auf dem„Trockenen" Amerikanische Slowaken um 60 Millionen Kronen betrosen New Uork. Der Staatsanwaltschaft ist es gelungen, einem Grundstücksschwindel von riesi- gcm Umfang auf die Spur zu kommen. Ueber 1500 Slowaken, die vor allem in den Staaten New Aork, Pensylvania und New Jersey ansässig sind, wurden geschädigt. Das Schwindlerkonfor» rium hat ihnen Ersparnisse im Betrage von rund zwei Millionen Dollar abgenommen. Die Betrüger, die als Slowaken austraten, warben für eine große Siedlung auf Lang Island, deren Grund und Boden schon vorhanden sein sollte. Tatsächlich besaß die Bande nichts als eine wertlose Sandgrube, mit der sic operierte. Die Anklage ist gegen 51 Mitglieder der Bande, deren Rädelsführer bereits hinter Schloß und Riegel sitzen, erhoben worden. Emer der Hauptangeklagten beging Selbstmord. Unter den Angeklagten befinden sich auch Mitarbeiter verschiedener in Amerika erscheinender slowakischer Blätter. Sie hatten ihren Lesern daS Wunschbild einer großen slowakischen Siedlung auf amerikanischem Boden mft den Trachten, der Sitte und der Sprache der Heimat vorgegaukelt. Die Schwindler zeigten ihren Opfern die Grundrisse von neu zu errichtenden Fabriken, vor allem von Spinnereien und wußten ihnen das ganze Projekt als sehr günstig hinzustellen. Durch die Fälschung der Unterschriften von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie des ehemaligen Präsidenten Hoover, gelang es der Bande, auftauchenden Zweifeln ihrer Opfer zu begegnen. Ein Asphaltsee schwindet. Die kgl. holländische Fluggesellschaft wurde beauftragt, Flugzeugaufnahmen der Insel Trinidad in den Kleinen Antillen durchzuführen, welche eine Erforschung der Insel erleichtern würden. Die durch den Asphaltsee bekannte Insel soll insbesondere auf Bodenschätze erforscht werden. Der Spiegel des Asphaltsees sinkt jährlich um 30 Zentimeter, was auf Entnahmen von Petroleum, das sich unter der Asphaltdecke befinden soll, zurückgeführt wird. Es sollen nunmehr andere Petroleumquellen gesucht werden, um ein weiteres Sinken des Spiegels des Asphaltes zu verhindern. Stierkampf auf der Untergrundbahn. Auf der Untergrundbahnstation Pont de Flandro kam eL gegen 12 Uhr mittags, zur Stunde des größten Verkehrs, zu einem wilden Stierkampf. Aus den nahegelegenen Schlachthöfen war ein Stier ausgebrochen. Das Tier rannte durch die Tore und mitten hinein in die Menschenmenge, die die Stufen zur Metro-Station heruntergehen wollte. Es entstand eine Panik» und im Augenblick war der Weg für den Stier frei. Er ging auch, nachdem er das Gitter demoliert hatte, behäbig die Stufen herunter, die Kassenfräulein glaubten» daß ihre letzte Stunde gekommen sei. Vor einer Tür, die die Auffchrift trug:„Eintritt ver- botenl" machte er halt. Es bleibt dahingestellt, ob er lesen konnte oder nicht, jedenfalls hielt seine Verblüffung nicht lange an, und er versuchte mehrmals, die Tür einzustoßcn. Es gelang ihm nicht, und er trottete wieder ans Tageslicht. Hier erwarteten ihn die Schlächter, die gekommen toaren, um ihn einzufangen. Und wenige Minuten später mußte auch er seine Rindes-Pflichten erfüllen, das heißt, der Ernährung der Menschheit dienen... Keine Awrdermrg. Eine seichte Druckstörung, die aus dem Norden bis nach Polen vorgedrungen ist, wird von einer etwas wärmeren Luftströmung be- gleitet. In Nord-Deutschland stieg die Temperatur über Null Grad bis auf pluS 1 Grad Celsius an. Bei unS dauert der Frost überall weiterhin an, in der Südslowakei wurden am Nachmittag des Mittwoch noch minuS 8 bis minüS 13 Grad Celsius verzeichnet. Unter der Einwirkung der erwähnten Störung fällt in den böhmischen Ländern stellenweise Schnee. Die etwas unbeständig« winterliche Witterung dürste auch in den nächsten Tagen anhalten.— Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, zeitweise Schneefälle, namentlich in der Osthälfte des Staates. Weitere Frostmilderung.— Wetteraussichten für Samstag: Unbeständig, strichweise Schneefälle, in den Niederungen nur leichter Frost Wetterberichte unserer Sdiutjhütten Atusheim Hinter-Zinnwald:—8 Grad. 38 Ztm. Alt-, 5 Ztm. Neuschnee, Skifähre gut. Naiurfreundchaus Nollendorf:—8 Grad. 20 Ztm. Schnee. Ski und Rodel gut. andauenrder Schneefall, starker Rauhreif. Nebel, Nordwind. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» aus den Programmen: Samstag: Prag, Tender I: 7.30: Schallplattenkonzert, 8 45: Orgelkonzert, 9.45: Schallplatten, 11.05: Gesangskonzert. 11.35: JanäLek: Sinfonietta. 14.20: Deutsche Arberterscndnng: Lichtwitz: Unser NeujahrSwunsch, 17.10: Gesangskonzert der mäbr. Lehrer 17.35: Deutsche Sendung: NeujahrSgruß, 17.40: Der Monat Jänner. Hörfolge, 18.10: Allen zu gefallen, es fingen die Karlsbader..Minnesänger", 18.50: Deutsche Presse. 18.55: Deutsche Aktualitäten. 20.05: AuS dem Smetanasaal: Konz.rt der tschechischen Philharmonie: Dvotäk: Slowaki-ch« Tänze. 22.30: Jazzmusik.— Prag, Sender II: 14.30: Deutsche Sendung: Ins neue Jahr. Hörfolge von Demi. 10.05: Kinderstunde.— Brunn 17.35: Deutsche Sendung: Zum neuen Jahr Preßburg 15.15: Operetten von O. Nedbal. 19.25: Konzert auf zwei Klavieren.— Laschau 12.05: Schallplatten. 18.30: Slowakische Volkslieder, Nr. 307 Freitag, 31. Dezember 1937 Seite 8 WhuwWioft uml äosiaipoiM Du hilfst mit scheinbar Kleinstem am Großen bauen, wenn Du immer und überall nur Volkszünder verlangst! Schokoladenkartell befindlichen genossenschaftlichen Schokoladenfabrik ihre Vorteile haben. imponieren will: man muss erklären können, dass die ganze Nation geschloffen hinter der Regierung steht.„Neunzig Millionen sind in ihren Herzen überzeugt, dass die Regierung den einzigen Weg beschritten hat, der für die Verteidigung der Inter» essen der Nation offenstand. Kann man das im Westen ignorieren?" Goebbels auf japanisch. Der Geist des Dritten Reiches hat die Reise um die Welt gemacht. Und die Folgen sind auch in China Bomben und Statt Viehmonopol verlängertes Viehsyndikat In der letzten Sitzung des Viehsyndikates hat der Sektionschef des Landwirtschaftsininiste- riums Dr. Frankenberger eine Erklärung abgegeben, aus der zu entnehmen war, dass die Agrarier mit der Tätigkeit des Biehsyndikates unzufrieden sind. Er behauptet» dass das Biehsyndikat bisher nur die Bieheinfuhr regulierte, eine Reihe anderer dringender Fragen der Viehwirtschast, für die tS ebenfalls zuständig sei, nicht gelöst hat. Insbesondere handelt eS sich um den Artikel 3 des Syndikatsvertrages, der»einen ordentlichen und regelmässigen Absatz der inländischen tierischen Produktion ermöglicht und die Aufgabe hat, eine Preisstabilisierung herbeizuführen". Ferner handelt es sich um den Artikel 4 des Syndikatsvertrages, der das Verhältnis der Einfuhrmenge zur Abnahme der inländischen tierischen Erzeugnisse vorschreibt u. dgl. m. Der Sektionschef äußerte auch noch andere Wünsche; über alle diese Angelegenheiten soll im Biehsyndikat nach Neujahr verhandelt werden. Mit Rücksicht auf diese Verhandlungen ist das Biehsyndikat nur auf drei Monate verlängert worden. Aus diesen Erklärungen kann man Wohl den Schluss ziehen, dass die Agrarier selbst die endgültige Erfolglosigkeit ihrer Wünsche nach einem Viehmonopol nach Art des Getreidemonopols ein« je. ui und nun ihre Wünsche auf dem Wege über das Viehsyndikat erfüllt sehen wollen. Die Vertreter der Konsumenten im Syndikat sind bereit, die Wünsche der Grossagrarier anzuhören, und deren Wünsche sollen erfüllt werden, soweit dies möglich ist, ohne auch nur die geringste Mehrbelastung der Verbraucher. Bor allem werden sie aber den Vertretern des Landwirtschaft-» ministeriums den guten Rat geben, die Viehzucht der kleinen Bauern durch Herabsetzung der unerhört hohen Monopolaufschläge auf die Futtermittel rentabler zu gestalten. Für Stabilisierung der Viehpreise sind auch die Vertreter der Konsumenten, doch wird es wahrscheinlich nach der Richtung schwer zu einer einheitlichen Auffassung kommen. Die Preisforderungen der Agrarier sind unerträglich für die Verbraucher. Konvention der Schokoladenfabriken (Sv. T.) Zeitungsberichte melden, dass die Schokoladen- und Zuckerwarenfabriken eine Konvention»zur Regulierung der Preise und Ver» kaufsbedingungen" vereinbart haben. Die Konvention hat auch die Aufgabe, die Produktion an Kakaoerzeugnissen zu regeln und deren Absatz im In- und Ausland zu fördern. Die Konvention wird über die Gewährung von Umsahrabatt beschliessen, jeweils festlegen, ob und unter welchen Umständen franko geliefert werden darf, wann Kisten und Verpackung kostenlos beigestellt werden können u. dgl. m. Die Konvention ist vorläufig bis Ende 1942 abgeschlossen und kann vor dieser Zeit auf Grund schriftlicher Erklärungen der absoluten Mehrheit aller unterzeichneten Fabriken aufgehoben werden. Zur Bestreitung seiner Regie wird der Verein— wie es heisst, mit Bewilligung des Handelsministeriums— für alle Lieferungen auf das nächstjährige Kalaobohnenkontingent 7 KL je 100 Kilogramm berechnen und einheben. Bei einem Kontingent von 1200 Waggon Kakaobohnen beträgt die Gebühr, die die Konvention, also das Kartell, einhebt, 840.000 XL pro Jahr. Diese enorme Summe wird den Verbrauchern aus der Tasche— herausgenommen. Gegen diese, die Schokolade und Kakao so stark verteuernde» also den Verbraucher schwer belastende Massnahme, müssen wir mit aller Entschiedenheit protestieren. Wenn die Schokoladefabrikanten ein Kartell machen wollen, dann sollen sie die Kosten dieses Kartells auS eigener Tasche bezahlen, sie holen sie ja in Form höherer Schokolade« und Äakaopreise doch wieder herein. Es wäre aber ganz unerträglich, wenn diese private Vereinigung der Schokoladefabrikanten das Schokoladekartell, eine Verfügung von feiten eines Ministeriums zu einer Bereicherung auch noch auf diese Weise benützen ivürden. Die genossenschaftliche Schokoladenfabrik des GEC-Verbandes wird diesem Kartell natürlich nichtbeitreten,sie lehnteSauch ab, die Zuteilung des ihr zustehenden Kontingentes durch die Konvention zugewiesen zu erhalten und lehnt die Beitragsleistung an das Kartell für das ihr zustehende Kontingent entschieden ab. Die Pr-iS« Bestimmung der genossenschaftlichen Schokoladenfabrik wird ganz unabhängig sein von der des Schokoladenkartells. Dies wird eine Beruhigung für die organisierten Verbraucher sein, aber auch die nicht organisierten Verbraucher werden von dieser preiSregulierenden Tätigkeit der nicht im Schlechter Auftakt zur Margarinewirtschaft 1938 In der kommenden Nummer der»Konsumgenossenschaft" schreibt F. Svojse u. ä.r. Wie wir erfahren, will das Handelsministerium von dem Kontingent für 1938 nur 7000 Waggons an die mit der Erzeugung bisher betrauten Fabriken aufteilen, und zwar nach dem Schlüssel, nach dem das Kontingent für das abgelaufene Jahr aufgeteilt wurde. 350 Waggons will das Ministerium»nach eigenem Ermessen" verteilen. Die kleineren Fabriken sollen in größerem Ausmasse berücksichtigt werden und die Reserve soll auch zur Befriedigung»sonstiger dringender" Wünsche" herangezogen werden. Gegen diese Absichten mutz mit aller Entschiedenheit protestiert werden. Es ist sehr bedauerlich, dass das Handelsministerium nicht selbst das Gefühl dafür hat, dass mit diesen«Sondergeschäften" bei dem Mar- garinekontingent endlich Schluss gemacht werden muss. Es kann sich jedermann an den fünf Fin- geru bar Land. auSrechnÄ» Oer die.320. Waggon bekommen soll. Wir verlangen gerechte Aufteilung und wünschen, dass endlich Schluss gemacht.. wird mit dieser bei Margarine nun schon üblich gewordenen Protektionswirtschaft. Die vielleicht volkstümlich klingende Begründung, dass diese Reserve für kleinere Fabriken bestimmt sei, müssen wir vor aller Oeffentlichkeit als— sagen wir— nicht ganz ernst gemeint aufzeigen. Wir haben immer schon darauf hingewiesen, dass es ein Unding ist, dass„Fabriken" Kontingente von einem, zwei, fünf Waggons gegeben werden. Diese„Fabriken" können doch bei dem kleinen Kontingent keine Erzeugung einrichten, sie verschachern die Kontingente an andere, grössere Betriebe. Auch die Fabriken, die ein Kontingent von zehn Waggons bekommen,- können nicht rentabel erzeugen. Soweit sie aber selbst erzeugen, bestehen Sott meist die grössten sanitären Gefahren für die Verbraucher. Die grossagrarischen Organisationen verlangen, dass von dem Kontingent 80 Prozent Kunstspeisefett und nur 20 Prozent Margarinebutter und Margarineschmalz erzeugt wird. Wenn mau dies hört, weiss man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Wir stellen in aller Kürze fest, daß der Kunstbutterbedarf vom Gesqmtkontingent mindestens 65 Prozent und der Bedarf an Kunstfett nur 85 Prozent beträgt. Trm Verbraucher ist nicht damit gedient, wenn er anstatt des mit 85 Prozent geschätzten Bedarfes an Kunstfett 80 Prozent bekommt. Es ist aber unerträglich für ihn, wenn er anstatt des Bedarfes von 65 Prozent Margarinebutter nur 20 Prozent zu kaufen bekäme. Kunstfett ersetzt nicht restlos Margarinebutter, und Margarinebutter kann nicht überall verwendet werden, wofür man Kunstfett verwendet. Wenn eS trotz unserer intensiven Bemühungen noch immer nicht möglich gewesen ist, die Abschaffung dieses unglückseligen MargarinegeseheS zu erzielen, müssen wir bestrebt bleiben, durchzusetzen, daß den Bedürfnissen der Verbraucher im Rahmen des Gesetzes entsprochen wird. Wir verlangen die restlose Aufteilung deS Kontingentes von 7350 Waggons an die bisher mit dem Kontingent beteilten Firmen, und zumindest nach dem Schlüssel des Kontingente- 1935, denn der Schlüssel für 1936 ist eine Verschärfung des bis dorthin schon bestehenden" Unrechtes gegenüber verschiedenen, hauptsächlich in den deutfchen Gebieten arbeitenden Fabriken. Die Fabriken müssen verpflichtet Iverden, 65 Prozent des Kontingentes in Margarinesorten nach Wahl der Verbraucher abzugeben, der Zwang nach Abnahme der teuersten Milchsorten muss abgeschafft werden und an Kunstfett aller Art müssen mindestens 35 Prozent erzeugt werden, wobei auch wieder dem Bedarf nach billigsten Sorten, zumindest in der heutigen Preislage, restlos entsprochen werden muss. Erfolge der Metallarbeiter Die Verwaltungsstelle des Internationalen Metallarbeiterverbandes in Böhm.»Leipa trat an das Gremium der nordböhmischen Glasindustrie wegen einer Aushilfe für die Metallarbeiter heran mit dem Erfolg, dass eine Aushilfe in der Höhe eines halben Wochenlohnes bewilligt wurve. Auch die Kurzarbeiter sollen eine Aushilfe im Verhältnis zu ihrer Beschäftigung erhalten. 2n der Böhm.-Leipaer Waggonfabrik gelang eS,' den Ende 1937 ablaufenden Vertrag unverändert für 1938 neu abzuschlietzen, so daß die Arbeiterschaft die im jetzigen Vertrag enthaltenen erhöhten Löhne und Akkordsätze weiter erhalten. Auf Einschreiten des 2 MV wurden auch der Arbeiterschaft deS Eisenwerkes Neudek eine Aushilfe in der gleichen Höhe, wie sie im Frühjahr 1937 auSgezahlt wurde, bewilligt. 2m Elektrizitätswerk und bei der Straßenbahn in Aussig, wo die Weihnachtsaushilfen von früher sieben Prozent der JahreSlohnsumme im Jahre 1932 auf die Hälfte reduziert worden war, gelang es dem Verband, durch Verhandlungen die Wiederauszahlung von sieben Prozent— allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Beschluss der Stadtvertretung vom Bezirk bestätigt wird— zu erzielen. Die Metallarbeiter können sich an diesen neuen Erfolgen des JMB davon überzeugen, dass i« in dieser freien Gewerkschaft ihre stärkste Stütze haben. Aufstieg des Bekleidunssarbelterverbandes Im JahreSruckblick stellen die BekleidungS- arbeiter mit berechtigtem Stolz einen schönen Aufstieg ihres Verbandes fest. In der letzten Nummer des»Bekleidungsarbeiters", in welcher gesondert noch ein Gewinn von 1389 bis zum 15. Dezember ausgewiesen wird, heisst eS u. a.:»Auch in unserem Verbände haben wir in fast allen Vertragsgebieten Lohnaktionen eingeleitet und dieselben mit mehr oder weniger großem Erfolge abschließen können. Fast vier Millionen Kronen tonnten wir den Arbeitern an höheren Löhnen, einmaligen Aushilfen und Zuschlägen erkämpfen. Freilich, nicht überall gelang es, auf dem Verhandlungswege eine Einigung zu erzielen. Es mußte oftmals zum letzten Mittel, zum Streik» gegriffen werden. So bei den Lederarbeitern in Znaim, Böhm.-Kamnitz, Schönlinde, Bärringen, Abertham und Breitenbach, in den Schuhfabriken in Warnsdorf und Tschernoschin, bei den Schneidern in Marienbad, in der Hutindustrie in Ko- motau sowie in der gesamten Handschuhindustrie des oberen Erzgebirges. Bei den einzelnen Kämpfen ging es hart auf hart. Aber durch die Entschlossenheit und den Kampfeswillen der Arbeiter konnten Lohnerhöhungen von 7 bis 23 Prozent errungen werden. Die Unternehmer— ohne Ausnahme, ob sie bei der Volksgemeinschaft waren oder nicht— mußten erst unter Druck gestellt werden, bevor sie für die Arbeiter annehmbare Zugeständnisse machten. Wäre die Arbeiterschaft weniger kampfentschlossen gewesen, dann wären die errungenen fast vier Millionen Kronen als Sonderprofit in die Taschen der Unternehmer geflossen. So konnten sich tausende Arbeiterfamilien zumindest teilweise besser ernähren und manche Neuanschaffung an Kleidung und im Haushalte vornehme^ Die erhöhten Arbeitslöhne wurden üusMhmsloF wieder umgejsstzt und der Wirtschaft zugeführt, so daß dadurch auch Handel und Gewerbe profitierten. Auch rein verbandsmäßig gesehen brachte uns das abgelaufene Jahr einen schönen Aufschwung, dies sowohl mitgliedermäßig, als auch in finanzieller Beziehung, trotzdem wir durch die oben angeführten Kämpfe rund 210.000 Kronen an Streikunterstützung ausbezahlt haben. Wir sehen, dass sich unsere Reihen in fast allen Orten verdichteten. Aus kleinen Zahlstellen konnten im Laufe deS Jahres durch rege Werbearbeit zahlenmässig starke Ortsgruppen geschaffen werden. Größere Gruppen haben ihre Mitgliederzahlen bedeutend erhöhen können. In einigen Orten konnten neue Zahlstellen errichtet werden. Unser Verband hat am Jahresschluss einen Mitgliederstand, wie er ihn selbst in der beste» Nachkriegszett des Jahres 1921 nicht erreichen, konnte. Dies, trotzdem in den abgelaufenen 16 Jahren viele Leder- und Schuhfabriken liquidier» ten und auch in anderen Verbandsberufen viele‘ mittlere und kleinere Werkstätten ihre Tätigkeit j eingestellt haben. Die durch zähe und unermüd-< liche Werbearbeit errungenen Erfolge bieten die Gewähr dafür, dass wir auch in Zukunft weiter, vorwärts stossen werden." Goebbels auf Japanisch „Japan kämpft für den Frieden",— das steht auf dem Titelblatt einer Sondernummer der illustrierten, in englischer Sprache erscheinenden Ausgabe des japanischen Blattes„Asahi". Es ist kein Witz,— es ist eine Propaganda-Losung, die zeigt» dass die Faschisten an allen Ecken der Well einander sehr ähnlich sind. Einen Ueberfall auf ein anderes Land als Akt der Selbstverteidigung bezeichnen und betonen, dass man den Frieden anstrebe. aber nur dann erreichen könne, wenn man die dafür in Betracht kommenden Gebiete erobert habe,— das haben die wegen ihrer Gelehrigkeft oft gelobten Japaner dem Duce und dem Führer mit verblüffender Genauigkeit abgeguckt. Und auch das haben sie natürlich schon gelernt: dass als. letztes Argument immer die„Bolschewisierung" des Landes bleibt, das man gerade zerstören will. Die Lektüre dieser 34 Seiten starken, mit technischem Raffinement ausgestatteten Propagandanummer aus Japan, die sich an den westlichen Leser wendet, ist für diesen westlichen Leser doppell erregend: erstens wegen ihrer zynischen Verlogenheit überhaupt, besonders aber, weil die hier geübte Methode des Lügens ftaglos abendländischen Ursprungs ist, von den völkischen und heroischen Erneuerern Europas an die Oftasiaten ausgeliehen. Man bewachte nur die Photographien, die mit sinnigen Unterschriften den ungläubigen Leser von der Friedfertigkeit der japanischen Bemühungen überzeugen wollen. Da sehen wir „einen fteundlichen japanischen Offizier, der die ihm von Hause gesandten Süssigkeiten hinter der Front mit einer Gruppe entzückter chinesischer Kinder teilt", idyllische Bilder von dem„Frieden, der in Nordchina wiedereingekehrt ist"(zu welchem Zweck es eben unbedingt erobert werden musste), wir sehen die schrecklichen Sandsackbarrikaden, welche die Chinesen in Tientsin gegen die Japaner zu errichten gewagt hatten,—„einer der Gründe, weshalb Japan die Waffen gegen China ergreifen musste", und während die chinesischen Soldaten, die in diesem Propagandaheft abgebildet sind, immer mtt Bajonetten und krummen Schwertern erscheinen, präsentieren sich die japanischen Solda- i ten waffenlos als wahre Friedensengel: sie verbinden verwundete chinesische Kinder(wer mag sie wohl verwundet haben?), heilen kranke Büffel, füttern Maulliere, Pferde und Esel, treiben friedlichen Sport„hinter der Front", verwöhnen die chinesischen Kriegsgefangenen im„Konzentrationslager" ldas ja schon zum Inbegriff angenehmer Unterhaltungen geworden ist), und schliesslich sehen wir noch Bilder von den Mühseligkeiten des japanischen Vormarsches im chinesischen Gebirgsland, die unsere Hochachtung vor den Anstrengungen wecken sollen, welche die Japaner bei ihrem 1 Bestrebe», den chinesischen Nachbarn den Frieden. J zu bringen, auf sich genommen haben. O nein, sie haben es nicht gern getan, son- ■ dern schweren Herzens, weil die Chinesen ihre nationale Einigung mit Hilfe einer antijapanischen Stimmung vollzogen und weil die chinesische Regierung den Japanern Nordchina, das sie zu ihrer Sicherung(so wie vorher die Mandschurei) beseht hatten, nicht freiwillig überlassen wollten. Und so kam cs zu dem„Krieg", der in dieser Propa« gandaschrift nach dem Vorbild der allfaschistischen Diplomatie und mit der besonderen japanischen Höflichkeit nur in Anführungsstrichen genannt wird, ebenso wie der„Feind", der in Wirflichkeit ein mtt voller Sympathie bedachter Nachbar ist, mit dem sich Japan versöhnen möchte» wenn nicht anders, dann eben mit Gewalt. „Niemand bedauert mehr als Japan, dass eS gezwungen war, die Waffen gegen seinen Nachbarn zu ergreifen", erllärt höchstselbst der japanische Ministerpräsident Fürst Konoye(der sich, um den angelsächsischen Lesern vertrauenswürdig zu erscheinen, als Golfspieler abbilden liess). Konoye, der Gentleman,.beteuert immer wieder, dass nicht Japan, sondern China„aggressiv" war, dass hinter dem Krieg, der eigentlich keiner ist, die Bolschewiken stecken, und dass Japan nur das Ziel habe, die Chinesen„zur Vernunft" zu bringen.„Gerade die Schwierigkeiten, denen wir entgegengehen, und die Ueberzeugung, dass wir für das Gute kämpfen, treiben uns vorwärts dem Ziele entgegen." Wen so schöne Worte freilich nicht überzeugen können, der wird selbst in dieser japanischen Propagandaschrift die Tatsache bestätigt finden, dass Lügen kurze Beine haben. Da steht ein Artikel über die kommunistische Bewegung in China, der selbst-, verständlich die übertriebensten Meldungen der kommunistischen Presse über den Umfang„Sowjetchinas" und seiner„roten Armee" als bare Münze verwendet, aber selbst zugeben muss, dass Tschang- kaischek der erbitterste Gegner der chinesischen Kommunisten war— und sich erst seit dem„Zwischenfall" von Mandschukuo ldas heisst also: seit die Japaner die Mandschurei erobert haben) ihnen anzunähern begann, und der Professor Tagaki aus Tokio, der über das Thema„Wie der Frieden im Fernen Osten erreicht werden kann" einen nachdenklichen Aufsatz schreibt, lässt sich sogar den Say entschlüpfen:„Eine paradoxe Tatsache ist, dass Japan den kommunistischen Einfluss vergrößert, trotz seiner Absicht, ihn zu bekämpfen." Und während ein amerikanischer Journalist namens Hedges sein Verständnis für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bekundet, die Japan durch die Autarkiepolitik gewisser europäischer Mächte entstanden sind(so dass Japan zur Expansion, gezwungen wurde), wird in einem anderen Artikel das verbündete„wiedererwachte" Deutschland Adolf Hit lers, das seinen Anspruch auf Kolonien geltend macht, als Vorbild für Japan gerühmt, wobei dem Leser allerdings einfallen könnte, dass gerade Japan sich eine ganze Reihe ehemals deutscher Kolonien angeeignet hat. Damit nicht genug, erklärt auch noch der amerikanische Journalist, dass die Mussolinische These von den besitzenden und den nichtbesitzenden Staaten auf Japan besser nicht anzuwenden sei. So ftisst eine Propagandalüge die andere auf,— aber auch im Fernen Osten weiss man schon, wormif es ankommt, wenn man trotzdem 1 Blut. Seite 6 Volksgemeinschaft und völkische Arbeitervertreter ,, Sozialdemokrat Trager Zeitung Die Forstarbeiter in den Forsten der Herrs schaft Löwenstein bei Haid im Tachauer Be zirk haben die Arbeit niedergelegt. Die Streis fenden, zum größten Teil Mitglieder der DAG, verlangen eine Erhöhung ihrer Krisenlöhne. Sie Gattenmörder Horakhaben zuerst die Hilfe ihrer Gewerkschaft ange= rufen. Ein Vertreter dieser Organisation tam auch, unterhielt sich mit den Vertretern des Befizers, ohne daß die Funktionäre der Arbeiter etwas davon wußten, und ging wieder. Die Arbeiter wandten sich daher an die freie Gewerk schaft. Diese veranlaßte sofort, daß am 3. Jänner bei der Bezirksbehörde eine Verhandlung über die Forderungen stattfindet. Die Arbeiter haben den Unterschied zwischen der freien Gewerkschaft und einer Organisation, wie es die DAG ist, schnell fennengelernt. Die zum überwiegenden Teil aus Anhängern Henleins bestehende Arbeiterschaft einiger Firmen im Wefelsdorfer Bezirk fann ebenfalls von der„ Volksgemeinschaft" erzählen. Die Unternehmer haben sich geweigert, mit den deutschen Gewerkschaften einen Lohnvertrag abzu= schließen, und der Bezirk wurde daher dem tschechischen oſtböhmischen Vertragsgebiet angegliedert. In diesen Betrieben deutscher Unternehmer erhalten deutsche Arbeiter, die für Henlein gestimmt haben, 25, 30, 35 und mehr Prozent weniger als sie nach dem Vertrag zu bekommen haben. Diese Henleinarbeiter müssen gegen ihre Kameraden Unternehmer von den tsche chischen Gewerkschaften in Schutz genommen werden, welche die Einhaltung des Kollektivver trages im Wekelsdorfer Gebiet zu überwachen haben. Zwei Beispiele, die anschaulich das Wesen der„ Volksgemeinschaft" zeigen. Oesterreichs Gebirgsbauern unter dem Faschismus Wie die„ Lp." meldet, führte bei der Aussprache über den niederösterreichischen Landesvor: anschlag ein Abgeordneter Klage über die Ents völkerung vieler niederösterreichischer Gebirgsgegenden. Er wies darauf hin, daß sich der Großgrundbesitz die schwierige Lage der Gebirgsbauern zunuze mache und bei Zwangsversteigerungen für geringes Geld Bauernhöfe, Boden erwerbe. Die Bauern müßten die Scholle verlassen und die neuen Grundherren, denen es hauptsächlich um Jagden zu tun sei, ließen die Höfe verfallen. Der Abgeordnete verlangte eine sofortige und grundsätzliche Aenderung des Grundverkehrsgeseßes, um der bedrohlichen Entvölkerung der österreichischen Gebirgsgegenden entgegenzuwirken. Man erhält für Kč 100 Reichsmark 608.• Markmünzen 655.100 österreichische Schilling 526.50 100 rumänische Lei 16.35 100 polnische Zloty 510.50 100 ungarische Pengö 550.50 100 Schweizer Franken 656.50 96.20 141.25 1 englisches Pfund 100 franzöfifche Francs 1 amerikanischer Dollar 100 italienische Lire 100 holländische Gulden 100 jugoslawische Dinare 100 Belgas 100 dänische Kronen 100 schwedische Kronen 28.30 Falschmünzer Im Verlauf der Untersuchung konnte der Gattenmörder Kamill Josef Horát, der sich zur Zeit in Pankrat befindet, der Fälschung ungarischer FünfPengö- Münzen überführt werden. In seiner Woh nung wurde zwar nur ein einziges, unvollendetes Falschgeldstück gefunden, das auf galvanoplastischem Weg aus Kupfer hergestellt und noch nicht versilbert war; er selbst behauptet auch, niemals falsche Münen in Umlauf gefeßt zu haben, gibt jedoch zu, sich Seine Frau babe angeblich von seinem Plan gewußt. auf diese Weise aus der Not habe helfen zu wollen. Ein Vierteljahr vor seiner Verhaftung babe er seine Versuche, Falschgeld zu erzeugen, aufgegeben. Bei den Budapeſter Sicherheitsbehörden wurde angefragt, ob falsche Fünf- Pengö- Stüde dort aufgetaucht feien; die Antwort steht vorläufig noch aus. Falsche Briefmarken. In lezter Zeit tauchten in tungsmarken auf. Es handelt sich um Marken, die Prag Bögen falscher sogenannter Preßburger Beianläßlich der Preßburger gesamtstaatlichen Briefmartenausstellung 1937 herausgefommen waren. Die auf Veranlaffung des Poſtminifteriums eingeleitete Untersuchung führte zur Verhaftung eines Mannes, der die Fälschungen verkaufte und zur Beschlagnahme bon 250 Bögen Falschmarken. Der Verhaftete hatte die Marken um einen den Nominalvert übersteigenden Preis verkauft. Ferner wurden mehrere Bogen des gleichen Papiers beschlagnahmt, auf dem die zum 100. Todestag Buschkins in Sowietrußland herausgegebenen Jubiläumsmarken gefälscht wurden; 100 Stück dieser Fälschungen wurden bei einer andern Person beschlagnahmt. weise verlief der Unfall für die Insassen ohne Schaden. Es wurde niemand verletzt. Da der Wagen fahrtunfähig war, mußte der andere Autocar nach der Rückkehr nach Prag noch einmal in die Ortschaft bei Unhošt, um den Rest der Expedition abzuholen. publik. Am 31. Dezember von 9 bis 18 Uhr und Neujahrswünsche für den Präsidenten der Ne am 1. Jänner von 8 bis 12 Uhr werden auf der Prager Burg Bögen zur Eintragung von Neujahrsglückwünschen für den Präsidenten der Republik auf gelegt werden. gerichtes in Brag. Angefangen mit dem 12. Jänner Nebersiedlung der Kanzleien des Zivilfreis1938 werden die bisher im Hause Prag II, Na Poříči 7, untergebrachten Kanzleien des dritten und vierten Berufungsſenats, des Zivilgerichtes in das eigene Amtsgebäude des gesagten Gerichtes in Prag 1, Ovocný trh 18, übersiedeln. Das Referat für Ausflugszüge der Staatsbahn veranstaltet folgende Stierfurfionen: Vom 8. nach Vyšne Ružbachy 550 Kč und in die Hohe Tatra bis zum 16. Jänner in die Beskiden für 440 Kč, 530 Kč. Anmeldungen und Informationen im Bajar neben dem Wilsonbahnhof in Prag. Telephon 38335. Kunst und Wissen Freitag, 31. Dezember 1937. Nr. 307 Dies und das D Ein Wunderkind der Lüfte Vermutlich besist Frankreich in dem dreizehn einhalbjährigen Georges Le bouteiller den jüngsten Piloten der Welt. Der Junge hat zwar noch nicht sein Piloteneramen abgelegt, aber er hat bereits mutterseelenallein am Steuer eines PotezFlugzeuges einen Flug durchgeführt, und zwar mit einer so vollendeten Kenntnis aller notwendigen Und dabei hat er insgesamt vorher erst sechs Stunden Coutances begeistert waren, als er sicher landete. Manöver, daß die Mitglieder des Aeroklubs von 55 Minuten in den Lüften verbracht, an der Seite seines Lehrers, der erklärt hat, es handele sich um eine wirklich geniale Begabung. Sein Vater befir ein Privatflugzeug, und er hat den Jungen unterrichten gesetzliches Verbot für Flugunterricht für Kinder laffen. Das war möglich, weil es in Frankreich kein gibt, aber niemand hätte wohl gedacht, daß der Knabe so schnell Meiſterflieger werden würde. Er besucht zunächst weiterhin das Lyzeum von Coutances und beabsichtigt später selbstverständlich! Flieger, sondern Konstrukteur zu werden. Der letzte Einwohner von Silver City nicht nur Silver City in den Rocky Mountains ist nun mehr vollkommen verlassen. Der letzte Einwohner der Stadt, Joseph Smith, ist gestorben, und die Siedlung, verödet und verfallen, liegt nun menschenleer da. Silver City ist vor einem balben Jahrhundert entstanden, zu jener Zeit, als die Goldsucher überall Städte gründeten, wo auch nur im geringsten die Aussicht bestand, das kostbare Metall zu finden. Joseph Smith war Bauarbeiter auf der PacificBahn, das Goldfieber erfaßte auch ihn, aber er schloß sich damals feiner der vielen Abenteuergruppen an, sondern wanderte mutterseelenallein durch die Rocky Mountains, um sein Glück zu versuchen. Er glaubte, in einem Tal, durch das ein Flüzchen floß, Gold gefunden zu haben, baute sich ein Blockhaus und nierswiiwe Rosa Strach aus Karolinental aus einem fahrenden Straßenbahnwagen der 19er- Linie und gewusch monatelang den Sand aus. Er fand aber nichts riet unter den Schußrahmen. Die Rettungsgesell- Spielplan des Deutschen Theaters. Freis und lebte als Jäger in voller Einsamkeit lange des linken Beins festgestellt wurde. schaft brachte sie auf die Klinik Jirásek, wo ein Brucht a g. 7.00: Schottenring". Gast Monate. Eines Tages kamen zwei Merikaner vorbei, Die 56jährige spiel Werbezirk. 10.15: aut her, wir sie wunderten sich über diesen Einsiedler der Rocky Anna Undeutsch aus Branik fiel in der Modřaner find's!". Silvesterrevue mit G. Werbezirk. Sams, Mountains, fie glaubten Joseph Smith nicht, als er Gaffe aus einem fahrenden Straßenivagen der 21er tag, 2.30: änsel und Gretel". 7.30: ihnen erklärte, es gäbe kein Gold in der Gegend. Linie und blieb bewußtlos liegen. Mit einer Leich Die 3auberflöte". Sonntag, 2.30: Hatte er ihnen nicht auch gleichzeitig gesagt, im Geten Gehirnerschütterung wurde sie ins Allgemeine eines Glück auf der Wieden", Gast birge gäbe es Silberlager? Als sie wieder abzogen, Aus der Straßenbahn gefallen. Gestern fiel in der Nähe des Republikplates die 57jährige IngeKrankenhaus gebracht. Autohavarie der Mährischen Lehrer". Die Ge" fangsvereinigung der mährischen Lehrer fuhr in zwei Autocars gestern vormittags nach Lány. Auf der Rückfahrt stürzte der eine Autocar in den Straßengraben und wurde dabei stark beschädigt. Glücklicher117.15 1579.9 60.30 482.50 631.729.Jean Gabin in dem Film„ Die große Illusion". Die Folterung Silvester- Nachtvorstellung 10% Uhr Schaut her, wir find's". Große Silvesterrevue mit Gisela Werbezirk in der Vorlesung bei der Hausmeisterin" und als Elisabeth von England"; Dudek als Conférencier, Padlejak als Johann Nestroh, Göz als Willibald in Schlimme Buben". Ferner Volker, Schipper, Stadtler usw. Vorverkauf täglich! Diese Vorstellung kommt nicht ins Abonnement! " Werbezirk. 7.30: Wiener. But". Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag: 7.30: Georg und Margaret". 10.30:„ Sie, Johann", musikalisches Lustspiel, Erstaufführung. Samstag, 3.00, a bale und Liebe". 8.00: Georg und Margaret". Vereinsnachrichten Note Falten, Prag. Freitag, den 31. d. in Heim um 16 Uhr Silvester feier. Samstag Wanderung. Näheres im Heim. Der Film Urania- Kino Ab hente Neujahrs- Galaprogramm:„ Spiel auf der Tenne", ausschließliche Premiere mit Stöckl, Kampers, Eichheim, Dorjan, Fintenzeller etc. Dazu eine Silly- Symphonie und Attualita- Premiere! hatten sie nichts Eiligeres zu tun, als die Kunde vom Silber in den Rocky Mountains überall zu verbreiten, und kurz darauf kamen Scharen von Abenteuern, um noch den Schäßen zu suchen. Mit ungeheuerer SchnelTigkeit wuchs eine Stadt empor, der man den stolzen Namen ,, Silver City" gab, aber schon nach ein paar Monaten fruchtloser Suche nach Silberadern verf schwanden die meisten ihrer Bewohner, dann zou ic auch die letzten davon, und Smith blieb wieder allein I Er hatte dieses Tal entdeckt, er wollte es nicht wieder 5. verlassen. Ein Menschenalter lebte er weiter in den immer mehr zerfallenden Häusern der Stadt, die ih allein gehörte. Im vorigen Jahr wurde er frant, e. mußte in die nächstgelegene Siedlung wandern, un Silver City hat heute nun feinen Bewohner me Urania Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. Das Spiel auf der Tenne Bremiere. Normale Breife! Heute 6, viertel 9 11hr, Samstag Verlanget überall und Sonntag 2, 4, 6, viertel 9 Uhr. Heute, halb 11 Uhr, Silvester Nachts borstellung! Wenige rest I ich e Karten! Volkszünder Das Nach jeder Nacht, die Petrus Arbues vor| Mund des Inquisitors, und wie durch glänzende| vielfachen Verhören, denen sie tagelang ausgesezt Altären und in dem Kreuzgang seiner Kirche ver- Schleier hindurch verbreitete sich ein Ausdruck stil- war, gestand sie nichts. Soeben ist ein zweiter großer Roman des brachte, kehrte er demütiger zurück. Er las gerne len Glücks. Und während Arbues dem Gehilfen Da erschien eines Tages Petrus selbst zu Karlsbader Dichters Ernst Sommer unter bon den heiligen Märtyrern und malte fich ihre befahl, die Garotte schärfer anzuziehen oder das ihrem Verhör. Maria de Labadia war von einer dem Titel„ Botschaft aus Granada"( im Ver- Qualen aus. Und wenn er selbst den Sizungen Becken mit glühenden Kohlen den Fußsohlen des Lag Julius" Nittls Nachf.) erschienen, ein histo- des Inquisitionsgerichtshofs zu Saragossa in der Opfers zu nähern, trat der Kopf des späteren Jugend schien unverwüstlich. Ein wenig blaẞz und wochenlangen Befragung erschöpft. Aber ihre rischer Roman, in deffen Brennpunkt die Er- Kathedrale S. Salvador präsidierte, unterbrach er Heiligen in eine Aureole von Licht. Jeder, Schrei mit bebenden Lippen trat sie dem Inquisitor enteignisse stehen, die das Spanien des Jahres sich oft und schloß leise atmend die Augen. Und des Opfers schien wie ein Pfeil gegen ihn loszu1492 betpegen: die Eroberung Granadas, die die Mitglieder des Gerichtes, Caspar Juglar, schnellen, aber ein Pfeil, der einen Sankt Seba- gegen. In dem Halbdunkel des Raumes standen Vertreibung der Juden und die Ausfahrt des Roderich Sanchez de Zuaco, Juan de Anchias, stian verwundet. einander Arbues und die zwanzigjährige Gefan Was Wunde schien, war in Kolumbus zu seiner Entdeckungsfahrt. Wir Petrus Jordan, Didacus Lopez von Calatayud, Wahrheit selige Luft. Und wo man Schmerz er ihrer kostbaren Kleidung beraubt. Sie trug ein gene gegenüber. Maria war ihres Schmucks und entnehmen dem Roman nachstehenden Abschnitt: Juan de Erea, endlich der Fiskaladvokat Ray- wartete, verbreitete sich strahlende Heiterkeit. Petrus Arbues war zweiundvierzig Jahre mundus Mur warteten geduldig, bis ihr Meister bis zur Erde reichendes dunkles Gewand. Nicht daß sie verfolgt wurden, sondern die reiche Haar hing aufgelöst über ihren Rüden. alt, als er von Torquemada am 4. Mai 1484 sich aus seinen Gesichten zur Wirklichkeit zurüd- unerklärliche und beängstigende Haltung dieses Aber von ihrem Gesicht ging selbst in dem kargen zugleich mit dem Dominikaner Caspar Juglar zum gefunden hatte. Raymundus Mur, der die Rolle Inquisitors erbitterte die Verfolgten Aragoniens. Licht der langgestreďten Gefangenenzelle ein Inquisitor von Aragonien bestellt wurde. Im des Staatsanwaltes vertrat, tagte es nicht, eine Man fonnte die Härte eines Torquemada ertra Glanz aus, dessen Kraft man ausgeliefert schien. Gegensatz zu seinem Meister Thomas hatte er eine Frage an den Angeklagten zu richten. Der Notar gen. Man konnte ihn hassen oder ihn fürchten. Und als sie zu reden begann und um Erbarmen sanfte und geschmeidige Art, die wohltat, um dann des Offiziums hielt im Protokollieren inne, und Arbues hingegen verwundete mit seinem Lächeln bat, war eine solche Gewalt rührender Zuversicht zutveilen um so tiefer zu erschreden. Seine Worte felbst die Gehilfen des Gerichts ruhten in solchen die Gefolterten bis in die Tiefen ihrer Seelen. in ihr, daß der die Tür bewachende Alguazil eine hatten immer dasselbe, schwebende Gleichgewicht. Augenblicken. Der Angeklagte, nackt, in seinen Es war beinahe ein Glück, ihn anzusehen. Doch Träne vergoß. Sie beruhigten, selbst wenn sie drohten. Und Ar- Fesseln, sah sich einer Gesellschaft von Schweigen diefes Glüd war fürchterlicher Schein. Man bues Gesicht, das guterhaltene Geficht eines ge- den gegenüber, die alle mit angehaltenem Atem mußte, wenn er mit sanfter Stimme fragte, ihm Denn Arbues hatte seit Jahren den Umkreis der bertrauen oder ihn sogar lieben. Aber man vergewöhnlich weiß. Am weißesten war die Stirn, Arbues saß in seinem Richterstuhl, dessen lor sich in dieser Sanftheit wie in einer grauen- Kirchen S. Salvador und S. Maria del Pilar nie die schon frühzeitig an die Stirn eines Heiligen hohe, wappengeschmückte Lehne funkelnd gegen den vollen Wildnis. Und zuleßt erfannte man, daß verlassen. Als sie den Blick hob und ihn ansah, schwarzen Hintergrund stand, mit niederhängens man sich einem Trug ausgeliefert hatte und daß erschrat sie. Steinen Richter sah sie vor sich, sonArbues liebte es, lange vor einsamen Altären dem Kopf und halbgeschlossenen Augen. In sol- der verlockende Friede auf den Zügen des Inqui- dern einen sehnsüchtig Bittenden. Sein Schweizu knien und sich, während die Worte des Gebetes chen Fällen glaubte der Inquisit, es sei Mitleid, fitors ein Köder war, vielleicht Arbues selber gen glich einer leisen Liebestlage, nicht um eine auf seinen Lippen zerfloffen, efstatischen Visionen das den Richter überwältige, und schöpfte unter unbewußt. Frau, sondern um die Menschen. Und Arbues sah sie fortgesetzt an. hinzugeben. Wenn er nachts durch die Bogen- den Windungen der Garotte plößliche Hoffnung. Maria bermochte sich, da So erging es der von mütterlicher Seite aus gänge der Kirche S. Maria del Pilar wandelte, Aber schon richtete Arbues sich unvermittelt auf. jüdischem Blut stammenden Maria de Labadia, das Halbdunkel ihr vertraut war, in des Mannes glaubte er Engelchöre zu bernehmen, und im tiefen Sein Geficht entspannte sich, die Müdigkeit ver- der Schwester eines Adeligen der Stadt Saragossa. sanftem Gesicht zurechtzufinden. Und in den nächDunkel erlebte er die mystischen Begebenheiten. schwand und machte einem unerbittlichen und Sie war wie viele andere Gefangene der Inquisi- einsamung des Priesters zu erkennen und statt sten Sekunden schon glaubte sie die ungeheure Verwie sie in den Evangelien geschildert werden: das ftrengen Ausdrud Plaz. Und wiederum wech tion der mosaischen Häresie angeklagt. Ihre weiter um Mitleid zu bitten, begann fie Mitleid Wunder der Verkündigung, das Geheimnis des felte die seltsame Szenerie dieses rätselhaften und Schönheit und der Reichtum ihrer Familie bewog zu empfinden. Abendmahls und die Stunde im Delbaumgarten, undurchdringlichen Gesichts. Eine beinahe mäd die Familiaren und Kerkermeister der Inquisition, in der die Jünger schlafen und Jesus wacht. chenhafte Weichheit beseelte plötzlich Augen und sie mit größter Schonung zu behandeln. In den ( Schluß folgt.)' Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Lezug durch die Poft monatlich Kč 16.-. bierteljährlich Kč 48, balbjährig Kč 96.- ganzjährig K 192.-. Inferate werden laut Tarif billigit berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaß. Rückstellung on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. Die Zeitungsfranka ur wurde von der Posts und Tele graphendirektion mit Erlas Nr. 18.800/ VII/ 1930 bewilligt.( Rontrollpostamt Praha 25.- Druderei: Orbis". Drud. Verlags- und Beitungs- A.- G. Brag. pflegten Mannes in den besten Jahren, war uns erinnerte. auf ihren Vorsitzenden blickten. Maria hatte den Inquisitor nie gesehen. 8: D.