Ur. 168. Ablnmrments■ Kedingunzen: Abonnements- Preis pränumerando! Vierteljährl. 330 Mb, monatl. 1,10®!., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-ZettungS» Preisliste für 1SSS unter Dr. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erfcheink lZglich nutzer«onkag». Vevlinev Volksbl�kk. 1«. Jahrg. Die Dnstrtlons- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonsl- zeile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in derExpedttton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1008, Telegramm-Adreff«: „Sorialdemokrak Berlin" Centraiorgan der soeiatdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Straste 2. Expedition: 19, Benttz-Steafze 3. Ferien. Die Schulkinder haben Ferien und die Politiker auch. Es ist die glückliche Sauregurkenzeit, über welche nur die klagen und witzeln, die sie nicht genießen können. Glückliche Kinder und glückliche Eltern, die mit ihren Kindern„aus spannen" und für einige Wochen der Tretmühle des Berufs entwischen können. Tie„Welt" ist„aufs Land" gegangen, in die Bäder, auf die Berge— irgendwohin„aus der Welt"— die Scheinwelt aus der wirklichen Welt. Die„Welt" freut sich ihres Daseins, sie freut sich, daß sie in der„besten aller möglichen Welten" lebt, sie freut sich und schwelgt mit Wollust im Recht auf die Faul heit. O süßes Nichtsthun 1 O beneidenswerte„Welt", die im Schweiße des Angesichts Anderer Ferien machen und aus der Welt gehen kann,— ohne daß die Welt etwas davon merkt. Denn schiffte sich alles, was„die Welt" heißt, auf einem halben Dutzend der modernen Riesenschiffc ein— mehr wären nicht nötig— und führe es nach den Diebsinseln oder den Karolinen, wo ein paradiesisches Klima sein soll— für die große weite Menschenwelt wäre es nicht anders, als für das Pferd vor dem Erntewagen, von dem ein paar Hem hüpfer heruntergesprungen sind. Die„Welt" faulenzt in den Ferien— die Welt aber muß arbeiten, sonst würde die„Welt" Hungers sterben. Wie gedankenlos dieser Ausdruck„die Welt", um die„oberen Zehntausend" der verschiedenen Kulturländer zu bezeichnen, die freilich sich selber einbilden, alles zu sein, und nichts sind. Gerade jetzt in oer Ferienzeit sehen wir es so deutlich. Die„Welt" ist fort— und stehen nicht alle Häuser, wimmelt's nicht in allen Gassen, hämniert's nicht in allen Fabriken, lebt, stöhnt und schafft nicht überall das Volk der Arbeit? Wird nicht gerade in dieser Ferienzeit, unter den sengenden Strahlen der Sonne, am meisten gearbeitet im Jahre? Müssen nicht neben den Millionen fleißiger Hände in der Stadt jetzt auch auf dem Lande Millionen fleißiger Hände sich fieberhaft rühren, damit die Ernte eim gebracht werden kann und das Brot,„der Stab des Lebens", der Menschenwelt nicht fehle? Und die„Welt" will die Welt sein! Es ist dieselbe Thorheit, die dem Franzosenkönig das frevelnde Wort eingab: ich bin der Staat! Es ist derselbe Wahn, welcher der Cäsarenkrankheit zu Grunde liegt— jene, dem schrankenlosen Geld- und Macht besitz entspringende Ueberschätzung des Ich und Unfähigkeit, den wahren Wert der Menschen, Dinge und Verhältnisse zu be- greifen. Nero, der sich als Gott anbeten ließ und auch glaubte, ein Gott zu sein, war nicht Ivahnsinniger als Ludivig der Vierzehnte. Und die„oberen Zehntausend", die sich die Welt dünken? Ist mehr Vernunft in ihnen als in Nero und dem französischen„Sonnenkönig",— die beide über eine verfaulte Welt- ordnung, die sie mit Gewalt erhalten wollten, das Verderben und die Sühne nur um so rascher und furchtbarer hereinbrechen machten? Es ist Ferienzeit— und die Politiker haben Ferien. Man sagt sogar: die Politik hat Ferien. Ganz unrichtig ist es nicht. Wenn die Minister und Diplomaten statt am grünen Tisch der Bernfspolitik— in Karlsbad, Ems, Monte Carlo, Ostende oder im Haag am grünen Tisch der Spielhöllen oder der Spiel- Friedenskonferenz sitzen— dann kann in der That von einer„Politik" nicht mehr die Rede sein— wenigstens nicht von der Politik der Politiker. Aber die Politik der Politiker verhält sich zu der Politikder Wirklichkeit genau so wie„die Welt" der oberen Zehntausend zur wirklichen Welt. Sie ist nur ein winziger Bruchteil, der sehr gut entbehrt werden könnte. Sogar unzweifelhaft mit Vorteil. Oder glaubt jemand, für den die Geschichte kein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch ist, die Politik der Politiker, die uns den Dreyfus-Skandal in Frankreich, das Zuchthausgesctz in Deutschland, den Belagerungszustand und S t a a tsstreich in Italien, die Wahlrechtsverfälschung in Sachsen, in Belgien und Oestreich bescheert hat, sei den Völkern heilsam und diene der friedlichen EntWickelung unserer Staaten? Das wäre eine arge Verblendung. Ebenso gut könnte nian den Kurpfuscher, der die Krankheitserscheinungen heilt, indem er Geschwüre weg- schneidet und den Giftstoff in den Körper treibt, für einen Wohlthäter der Menschheit und eine Leuchte der Wissenschaft halten. Dieser Psusch-Politik der Zunftpolitiker liegt die näm- liche Ursache zu Grunde wie der Praxis der ärztlichen Kurpfuscher: Unkenntnis des organischen Lebens. Der politische wie der ärztliche Kurpfuscher glaubt alles mit äußerlichen Mitteln und durch mehr oder weniger gewaltsames Eingreifen in die Natur heilen zu können. Die natürliche Lebenskraft ist dem politischen wie dem ärztlichen Kurpfuscher der Feind, welcher um jeden Preis bekämpft werden nmß. Von einem Arzt wird erzählt, daß er eine Frau auf Wassersucht kurierte. bis eines schönen Morgens die Kranke eines gesunden Knäbleins genas. Jenem Arzt gleichen unsere polittschen Kurpfuscher an Weisheit und Einsicht— sie haben nur die S t a a t s v e r- n u n s t— raison ä'Ltat—, welche in Umdrehung der ge- 1 meinen Menschenvernunft besteht. Aber der Arzt, der in der Schwangerschaft eine Krankheit sah, nahm mit dem Opfer seiner Unwissenheit wenigstens keine Mani- Pulationen vor, welche die Geburt hinderten. Die Politischen Kurpfuscher sind nicht so unschädlich— sie stören gewaltsam den Geburtsprozeß, und können sie ihn auch nicht hemmen, so erschweren sie doch die Geburt und bereiten Katastrophen vor, die den Staatsorganismus gefährden und zahlreichen Staatsangehörigen zum Unheil gereichen können. Ein Glück nur, daß in dem Organismus des Staates genau so wie in dem Organismus des menschlichen Körpers die Natur ihre Heilkraft übt und im Wachstum keinen Still- stand duldet. Wie die Welt fortlebt und fortarbeitet, während die so- genannte„Welt" Ferien hat und faulenzt— so dauert auch, webt und wirkt die Politik der Menschheit, während die Politik der Zunftpolitiker feiert. Und die natürliche Heilkraft macht die Thorheiten und üblen Folgen der Kurpfuscherei im großen wieder gut. Wohin wir schauen, gesundes, frisches, blühendes Leben in der wirklichen Welt. Mag die„Welt" faulenzen, verfaulen— die Welt lebt fort, wächst, stößt die Krankheitsstoffe aus und räumt fort die Hindernisse des Lebens und des Wachsens. Von innen nach außen— von unten nach oben drängt, treibt das Leben. Von unten herauf! Wie prächtig hat das belgische Volk die politischen Kurpfuscher abgeschüttelt. Wie kräftig, daß es eine wahre Lust ist, regen sich unsere Brüder in Oe st reich und Italien, Heilung bringend dem faulen, morschen Ding: dem Staat, den die politischen Kurpfuscher an den Rand des Untergangs gebracht haben. In F r a n k r e i ch der Socialismus schon mit der Hand am Staatsruder. Und in Deutschland! Wie zornig hat das Volk sich aufgebäumt gegen das Zuchthausgesctz. Welche Kraft hat dieser Angriff unserer Feinde uns der- liehen! Welche Kraft verleiht er uns. Schöpferische Kraft. Nicht die ohnmächtige Wut, wie sie den Feinden der organischen EntWickelung eigen ist, nicht die blinde Leidenschaft, ivelche bloß umstürzen kann. Nein, staats erhaltende, staats verjüngende Kraft, die Kraft der N e u g e b u r t. Nicht bloß das organische Leben wollen sie zerstören die Herren Zunftpolitiker. Auch das Gesetz, das sie selber einst gegeben, so lange sie noch glaubten, den Staat als ihre unbestrittene Domäne ausbeuten zu können. Wie Ferri am Dienstag in unserem Blatt schrieb, wie wir schon vor anderthalb Jahrzehnten es Bismarck ins Ge- ficht schleuderten— die Gesetzlichkeit tötet unsere Feinde, und darum sind sie es, nicht wir, welche die Gesetzlichkeit töten wollen. Das Wahlrecht, das Koalitionsrccht zer- stören— und damit alle Bedingungen organischer, friedlicher, gesetzlicher Weiterentwicklung— das ist das Ziel unserer Umstürzler von oben. Empfahl nicht dieser Tage die„Kreuz- Zeitung", das Beispiel der italienischen Regierung nach- zuahnicn, das ist den Staatsstreich? Wir Socialdcmokraten wissen, daß die Gesetz- l i ch k e i t unsere Feinde tötet— daß das allgemeine und gleiche Wahlrecht niit dem Koalitionsrecht der Nagel zu ihrem Sarge ist. Wir wissen, daß, wenn die Zunftpolitik auch Ferien hat, der Kampf um die Rechte und Existenzbedingungen des Volkes fortdauert. Mögen die Zuuftpolitiker hinter den grünen Spieltischen von Ems, Karlsbad, Monte Carlo und dem Haag sich aus- ruhen und Friedenskomödie oder anderes Spiel spielen— das internationale Proletariat legt die Waffen nicht aus der Hand und sorgt— staatserhaltend im Kampf gegen die Um- stürzler von oben— für eine schöpferische, für eine echt staatsmännische Politik der Freiheit, des Friedens und des Fortschritts. Und unsere Politik hat keine Ferien. ZDolikische Berlin, den 14. Juli. Ein Stnmm-Paragraph im Urhebergesetze. Seitdem neulich der„Vorwärts" von der Anklage freigesprochen worden, er mit seiner Veröffentlichung der Stumm- Briefe ein Vergehen gegen das Urheberrecht begangen, erwarteten wir, daß man schleunigst ein Special- gesetz anfertigen würde, um die Möglichkeit eines Freispruchs in solchen Fällen zu verhindern. Wir brauchten nicht lange zu warten. In dem soeben erschienenen„Entwurf eines Ge- setzcs, betreffend das Urheberrecht an Werken der Litteratur und der Tonkunst" ist beiläufig, ohne Zusammenhang mit den anderen Bestimmungen und im Gegensatz zu dem Grund- gedanken des ganzen Gesetzes, bei dein§ 44 folgender Absatz eingefügt worden: „Das Gl ei cheiersatz und Geldstrafe bis zu 1500 M.) gilt, wenn jemand vorsätzlich solche Privatbricfc, Tagebücher öder persönliche Aufzeichnungen anderer Art, an denen ei» ge- schütztes Urheberrecht nicht besteht und die noch nicht erlaubter Weise veröffentlicht worden sind, wörtlich oder dem Inhalt nach unbefugt öffentlich mitteilt. Unbefugt ist eine Mittheilung. die ohne Einwilligung des Verfassers und des Eigentümers der Schrift erfolgt. Nach dem Tode des Verfassers hat an seiner Stelle, soweit er nicht besondere Bestimmungen getroffen hat, der überlebende Ehegatte über die Einwilligung zu befinden. Die Vorschriften der Abs. 1, 2 finden keine Anwendung, soweit die Mitteilung zur Widerlegung einer öffentlich auf- ge st eilten Behauptung oder zur Wahrnehmung berechtigter Interessen erfolgt oder wenn seit dem Tode des Verfassers der Schrift zehn Jahre abgelaufen sind. Diese Bestimmung ist ein Ausnahmegesetz im Gesetz. Das ganze Urheberrecht beruht auf dem Gedanken, daß es das geistige Eigentum schützen soll, das heißt, wie es im einleitenden Paragraphen heißt:„die Ur- Heber von Schriftwerken und solchen Vorträgen, welche dem Zwecke der Erbauung, der Belehrung oder der Unterhaltung dienen." Sofern Briefe, Tagebücher oder persönliche Auf- zeichnungen„Schriftwerke" in diesem Sinne sind, treffen auf sie die Schutzbestimmungen sowieso zu und es bedürfte keiner besonderen Bestimnmng. Der angeführte§ 44 betrifft aber Briefe usw., die keine„Schriftwerke" sind, die an sich nicht geschützt sind. Es wird mithin hier geistiges Eigentum ge- schützt, das gar kein geistiges Eigentum ist. Nicht geistiges Eigentum soll hier geschützt werden, sondern jede be- licbige Persönlichkeit, die gar nicht fähig ist,„Schriftwerke" zu produzieren, soll vor dem Aerger und Schrecken, der ihnen eine unliebsame Veröffentlichung bereitet, mit gesetzlichen Machtmitteln bewahrt werden. Der Entwurf betreffend das Urheberrecht wird an dieser Stelle ein Entwurf zum Schutze der Nerven und zum Schutze des Rufes des Freihcrrn von Stumm. Wenn man über den Ursprung und die Absicht dieser Bestimmung noch irgendwie einen Zweifel haben könnte, so genügt ein Blick auf die dem Entwurf beigegebenen„er- läuternden Bemerkungen", um volle Gewißheit zu haben. Es heißt da: „Darüber hinaus ist ein Schutz des Verfassers gegen Ver- öffcntlichung auck für Erzeugnisse vorgesehen, an denen ein Urheberrecht nicht besteht. Daß gegenwärtig derartige mit der Vchttnig vor der fremden Persönlichkeit unvereinbare Veröffentlichungen möglich sind, ist vielfach als Miststand empfunden worden. Der s 44 Absatz 2 des Entwurfs macht sie deshalb von der E i n w i l l i g u n g der Personen abhängig, die dadurch unmittelbar berührt werden. Da das Verbot ausschließ- lich den Ztvcck hat, Eingriffe in das Gebiet der Persönlichkeit ab- zuwehren. so trifft es nur private Aufzeichnungen, nicht auch amtliche Schriftstücke." Die zarte Sorge für das Recht der Persönlichkeit, die auch hier wieder vorgeschützt wird, um den Kampf für Freiheit und Wahrheit zu erschweren, um zu verhindern, daß mächtige Personen in ihrem Wesen„a k t e n m ä ß i g" entlarvt werden, erinnert ganz an die Art, wie die Zuchthausvorlagc begründet worden ist. Durchbricht man aber einmal den Gedanken des Entwurfs, indem man plötzlich ganz willkürlich„Nichteigcntum" schützt, so ist es ganz inkonsequent, die unbefugte Veröffentlichung amtlicher Schriftstücke nicht gleichfalls unter Strafe zu stellen. Den Schutz, der dem Einzelnen zugebilligt wird, sollte doch der Staat erst recht beanspruchen dürfen. Aber der Ver- fasser des Entivurfs hat denn diese Konsequenz doch nicht gewagt, weil sie zu offen die Gelegenheitsmache verraten Hütte.—_ Die Herren Pastoren, die sich um Politik nicht kümmern sollen, dieweil sie das nichts angeht, erheben jetzt Tag für Tag im„ R e i ch s b o t e n" einen Höllenlärm Wider den Umsturz zu Gunsten der Zucht- Hausvorlage. Der Ruhm der„Post" erblaßt vor dieser Scharfmachcrci des Muckcrorgans.„(Juonsquö?"—„Wie lange noch?"— überschreibt es seinen neuesten Leitartikel, mit einer recht uuchristlichen Anlehnung an den Heiden Cicero. Da heißt es, nachdem die Aktion des Kaisers, die er in Viele- feld und Oeynhausen angekündigt, verherrlicht: ..Kaum, daß dieses aber geschehen war, stürzte diese gesamte Politikasterei über die als Znchlhattsvorlage betitelte gesetzgeberische Absicht her und bekämpfte sie mit tciideiiziösen Uebcrtrcibungcn und Unterstellungen, von denen sich in Wahrheit dann keine einzige bestätigte, wie einen Verrat an dem heiligsten Rechte des Volks. Die Mehrheit des Reichstages aber mit ihrer äußeren und inneren Ab- häugigkeit von den Stinnnen und Stimmungen der verhetzten Massen beeilte sich, diesen Feldzng zu ratifizieren, ohne bisher nur einen aufrichtigen Versuch zu machen, dem wohlgemeinten Plane des Kaisers eine sachliche Seite abzugewinnen und ihm ein objektives Verständnis entgcgcnzutragcn. Wo dieser sich jetzt nicht beugen will, sondern seine Ucberzeugung aufrecht erhält und sein Volk zur Einkehr mahnt, wird da abcrnials der geringste Versuch zu einer ernsten Prüfung gemacht? Nur derselbe kory- bantische Lärm, der alles ruhige Ucbcrlcgcn übertönen soll, erhebt sich. So geht es nicht weiter. Niemand ist im Zweifel, daß der bestehende Staat sich gegenüber der socialistischen Agitation längst im stände der begründeten Notivehr befindet. Die Socialdemokralie treibt ihre Vcrschivörnng keineswegs hcinilich, wie Catilina, sondern zahllose offene Kriegserklärungen sind der bestehenden Gesellschaft und Dynastie mit jacobinischer Drohung in das Gesicht geschleudert worden. Ans allem geht hervor, daß die offizielle socialdernokratifche Parteileitung seit. Jahrzehnten damit droht, den preußischen Staat und und das Reich durch ei»e Schöpfung nach dem Muster der Pariser Kommune zu depossediercn; daß sie ebenso wie jene und die Revollition von 1789 gesonnen ist. zu diesem Ziele auch durch Mord, Blut, Diebstahl, durch Gewalt und Zwang aller Art, durch Vernichtung der edelsten Güter der deutscheu Kultur, wie Religio», Ehe, Monarchie, zu schreite»." All sich lohnte es nicht, dies Pastorale Gcschänm zu be- achten, wenn der„Reichsbote" nicht ganz deutlich eine Tendenz enthüllte, die auf den Staatsstreich abzielt. Man höre: „Soll das furchtbare Trauerspiel, die verbrecherische Thorhcit, die vor hundert Jahren Frankreich niit Blut und Thräncn er- füllte... ungestraft von einem an den Fingern herzuzählenden Konsortium verbildeter ogcr halbgebildeter Agitatoren, die sich mit Hilfe des allgemeine» gleichen Wahlrechts und krausköpfischer Lorspiegelungen von einem paradiesischen Zukunstsstaate der stumpfen Phantasie urtcilSloser Massen bemächtigt haben, in Preußen wiederholt werden? „Die kaiserliche Vorlage versuchte einen(?) davon abzuschneiden, indem sie das heraufziehende Gcwaltshstem des socialen Eroberer- tums bei seinen schon geschaffenen terroristischen Organisationen im Erwerbsleben zu fassen suchte. So bescheiden und naheliegend da« Unterfangen war, so kurzsichtig hat sich die bestehende Ge- scllschast ihm wieder versagt. Das legt die Erwägung nahe, ob cS nicht viel heroischerer Mittel bedarf, um hier endlich einmal Wandel zu schaffe». So lange man freilich selbst auf manchen Ministersesseln die beiden Seiten der socialen Frage, ihre sociale Rcsorniscite und ihre politische Machtscite noch immer mit einander verwechselt, wird man dazu niemals fähig sein." Jedes Wort in diesen Sätzen ist zugespitzt auf den Ab- solutismus des Staatsstreichs. Nicht vom Deutschen Reiche wird geredet, sondern an die p r e u tz i s ch e n Traditionen (wohl aus der Standrechtszeit) wird erinnert. Statt Vorlage der Regierung heißt es mit einem vorweg- genommenen geistigen Aufhebung der Verfassung: kaiserliche Vorlage. Das allgemeine Wahlrecht wird als die Ursache alle Uebel dcnunciert, und gegenüber der Schlaffheit der bürgerlichen Gesellschaft werden„heroischere Mittel" gefordert. Kein Zweifell In diesem Artikel des„ReichSboten" steckt nicht nur die blanke Aufforderung zuni Hochverrat, sondern auch die schwerste— Majestätsbelcidigung, die denkbar ist. Und man würde sehr unklug thun, wenn man in solchen Aeußerungen nur die Unzurechnungsfähigkeit des Stils und der Gedanken, nicht aber auch die sehr beivnßte Klarheit der Absichten in Rechnung ziehen wollte. Wozu sich der„ R e i ch s b o t e" offen bekennt, dcutei die ,, K r e u z- Z e i t u n g" nur an, die heute zum erstenmal sich über das Kaiser-Telegramm an Hinzpctcr äußert: «Wir unsererseits fühlen feine Veranlassung, das genannte kaiserliche Telegramm zu kommentieren. Wer' den Gang der Regierung und die Kundgebungen Kaiser Wilhelms II. verfolgt hat, wird ohne Kommentar heransfühlcn, was Seine Majestät mit dieser energischen Mahnung an die Gesellschaft hat sagen wollen." Der„Reichsbote" gicbt diesen von der„Krcuz-Zciwng" unterdrückten Kommentar, der nicht sowohl erläutert, was der Kaiser hat sagen wollen, als vielmehr ausspricht, was diese Gesellschaft wünscht, daß er sagen möge.— Agrarier im Streit über den Miltelland-Kanal. Einen recht interessanten Schriftwechsel veröffentlichen die „Berliner Neuesten Nachrichten". Danach hatte der Bund der L a n d>v i r t e auch Herrn v. T i e d e m a n n in bekannter Weise— durch die Vorstände und Vertrauens in änner de« Bunde« an« den Kreisen Jnowrazlaw, Strelnow und Schubin— ersuchen lassen,„strikte gegen" die Vor- logs'zu stimme»;„es genügt nicht die Stimmenthaltung". Der Ausbau des Kanals sei für die„gesamte" deutsche Landwirtschaft eine„große" Gefahr. Herr v. Tiedemann lehnt nicht nur dieses Niisiinieu strikte ab, solidem erklärt zugleich rund heraus, daß er für de« Kanal stimmen werde. Er ist zwar Regierungspräsident in Bromberg und darum wird man auch ihn der Liebedienerei gegen die Berliner leitenden Kreise bezichtigen. Andererseits jedoch'ist der ehemalige Chef der ReichSlanzlei ein waschechter Agrarier: er saß 18, g in dcr�Zolltarif- Kommission und vertrat' die Getreidezvlle als Kommiffar dcS Bundesrates im Reichstage; er ist selber Großgrund- besitzer und hat sich oft genug au agrarischen Agitationen und Gründlingen beteiligt. Freilieh spielt er beim Spiritusring dieselbe ötolle, wie der Streikbrecher bei der Lohnkoalition. Indes kann ihn das in der Achtung der Feudalen ja nur heranssetzeil. Herr v. Tiedemann ist also. wie sich ans seinem lniigans- gespoimeucn Llntwortschreiben ergicbt,„durch ein sehr eingeheiides Studinm" zu der Ueberzengnng gelangt, daß der ganze ländwirt- wirtschaftliche Osten Preußens nicht nur teincii Schaden von dem Kanal haben köiliie, daß sogar der nördliche Teil der Provinz Posen und die westliche Ecke der Provinz Wesipreußen eine Verbesserung ihrer Absatz- und PreiSverhältnisse erfahren würden. Osiprcnßcii und die der Weichsel nahe gelegenen Distrikte WcstprcnßcnS würden ihre Gctrcidc-llebcrschüsse weiter der See znsührcn, um so ihre Märkte in den Niederlanden und dem deutschen Besten, in Eiigland und Skaiidlnavien in billigster Weise zu erreichen. Vom Broinbcrgcr Bezirk ans sei jedoch bei der tencrcn Eiseilbahnfracht(von Broniberg bis Herne 38'/« M.) der industrielle Weste» niemals zu fassen, da zwischen Bromberg und Köln der Preisunterschied durchschnittlich höchstens 20 M. für die Tonne Getreide betrage. Mit Hilfe des Kanals werde man durch einen Aufwand von 9 bis IV Mark bis in das Innerste des rheinisch- westfälischen JndnstrierevierS gelangen können und für die Gctreidclähne auch noch eine bessere Rückfracht haben wie heute bei den Fahrzeugen, welche poscnsches Getreide znwcilcn nach Böhmen lTetichen) führen, seitdem die Aushebung des Jdentitätsnachlveises diese künstliche Aus- fuhr möglich gemacht hat. Natürlich bleibt Agrarier Agrarier. Nachdem Herr v. Tiedemann die Engherzigkeit und Kurzsichtigkcit seiner bündlerischen Wähler zurückgewiesen hat, geht er ihnen zum Schlüsse Nn«der mit der immer eindrucksvollen Forderimg um den Bart: Erhöhung der Ge- t r e i d e z ö l l e bei der nächsten Zolltariftefonn. Die billigeren Traiisportiuittel dürfen nur dazu da sein, die Grundrente der Edlen und Edelsten zu steigern, die zwischen Elbe und Weichsel de« deutschen Volkes Wohlfahrt opferwillig hüten.— « »» Deutsches Hteich. Znm Ursprung der ZnchthanSvorlage erzählt der Berliner Vertreter der„Frlf. Ztg." in einem Briefe über das letzte Telegramm: „Es spricht übrigens sogar etwas dagegen, daß der Kaiser in seinem Telegramm speeiell die Zuchthansvorlage gemeint habe: nämlich die Person des Empfängers dieses Telegramms. Herr H i n z p e t e r ist der politische Vertrauensmann des Kaisers in soeialpolitischen Dingen ans der ersten Zeit, der Acra des Arbeiter« schutzcs. Er gilt nicht für einen Freund der ZuchthauSvorlage. Man erzählt in parlamentarischen Kreisen, daß die Anregung zur Znchthansvorlage dadurch entstanden ist, daß der K a i s e r bei einem Besuch in Bethel bei Bielefeld bei in Pastor v. Bodelschlvingh einen Ball leer stehen sah, der zur Anstlahme von Epileptischen bestimmt war, und dabei erfuhr, daß er nicht rechtzeitig fertig gestellt werden könne, weil die Arbeiter streikten und Arbeitswillige terrorisiert würden. Herr v. Bodelschwingh soll dann später über die Wirkung seiner damaligen Aeußerungen gegenüber dem Kaiser überrascht gewesen fein, und er soll— so erzählen hervorragende Abgeordnete-- Schritte gethan haben, um übertriebenen Folgen vorzubeugen. Dabei soll mich Geheimrat Hinz- peter mitgewirkt haben. So wäre es immerhin etwas auffällig, wenn eine so stark speeiell auf diese Znchtshans- Vorlage berechnete Kundgebung gerade an die Adresse dcS Herrn Hinzpeter gerichtet wäre." Das Auffällige vermindert sich dadurch erheblich, baß der Kaiser cS liebt, gerade Personen, deren Ansichten den scinigen wider- sprechen, derartige Erklärungen seines unbeugsamen Willens zu widmen. So bekam der frühere Kultusininistcr Herr v. Goßler den Spruch dediziert: Sie volo sie jubeo— eine Widmung, die dann auf dem Umwege einer, wie man erzählt, weiblichen Kritik über den Spruch, zur Amtsniederlegung Goßler« Anlaß gegeben haben mag.—_ Der Streit im nntionaMberaleu Lager. Den„Bcrl. Neuest. Nachr." geht eine Zuschrift aus B ade u zu— wie das Blatt sagt: „von hochgeschätzter nationalliberaler Seite"—, welche die Gegensätzc innerhalb der uationallibcralen Partei von neuem aus- deckt. Chnralteristisch ist es freilich schon, daß ein Teil der National- liberalen sich mit seinen Zilschnften an das Blatt der bösartigsten Scharfmacher wendet. Die Zuschrift lautet: „Es wäre unseres Erachtens ein entschiedener Irrtum, wenn man die süddeutsche nationaMbcrale Partei, welcher etwa die Hälfte de« badischen Volkes angehört, oder auch nur die Mehrheit derselben mit Herrn Bassermann identifizieren wollte. Ein großer Teil unserer badischc» Liberalen hat es e r n st 1 i ch g e m iß billi g t, daß die Vorlage über den Schutz der Arbeitswilligen a limine abgewiesen wurde, hervorragende liberale Organe, wie die„Bad. Landcsztg.", sind mit Wärme für die Vorlage eingetreten und haben danrit die Meinung eines großen Teils unserer Bevölkerung vertreten. Daß unser liberales Bürgertum nicht gewillt ist, vor Dcinolratcn und Socialdemokratcn zu kapitulieren, zeigt wohl auch der Beschluß des Stadtrats Karlsruhe, die städtische Fefthalle einer Versammlung zur Besprechung der„Znchthansvorlage" zu verweigern, wodurch er ein wahres Wutgeschr« gegen sich entfesselte. DaS Streben, an die Stelle des st a'rke» Königtums die Herr- schaft des Parlaments zu setzen und den Reichstag zum nraßgebeilden politischen Faktor zu machen, mag in den Köpfen einiger Parteiführer spuken, in den breiten Schichten unseres Volkes hat es aber keine Wurzeln, man ist vielmehr— namentlich im Hinblick auf die Erfahmngen anderer Länder— sehr froh, daß ivir keine Parlamentsherrschaft haben. Wir bc- dauern sogar, sagen zu müssen, daß die Achtung vor unseren Parlamenten und daS Interesse an den parlamentarischen Ver- Handlungen trotz der schönen Steden des Herrn Basscrniann nnd seiner Äesinnmigsgenossen nnvcrkcimbar im Sinken begriffen ist." Die Tonart und die Unterstellungen, die sich hier' die„hoch- geschätzte nationaUibcrale Seite" gegen ihre Parteigenossen leistet, zeigt, ivie stark es in den Reihen des NaiionaUibcralisnnrs gährt. Herr Vassermann wird wohl nächstens, weil er die Zuchthansvörlage verwirft, von seinen nntionallibcralen„Freunden" als Nepublikaii'cr und Petrolcur vorgestellt werden.— Wertvoll oder nicht wertvoll? Znm Streit um Ernst Günther schreibt uns unser Gewährsmann: In seiner Nr. ISS druckte der„Vorwärts" einen Artikel von mir ab, in dein ich der Wertschätzung entgegentrat, die eine Broschüre des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein seitens eine« Mitarbeiters der„Leipz. V.-Z." geftmde» hatte. Dieser Ne- eensent antwortet mir in der„Leipz. V.-Z.", er würde kaum ans den Artikel des„Vorwärts" reagiert haben, wenn nicht darin„direkt einige Thalsachcn bewußt oder unbewußt geradezu auf den Kopf gestellt würden". Also ist etwa die Arbeit des Herzogs doch eine wistenschaftliche Leistung und ich habe diese Thatsache ans den Kops gestellt? Ach nein, das wagt mein Gegner nicht zu sagen. Aber mit zwei anderen „Thatsachen" schlägt er mich tot. Erstens: Es sei nicht wahr, daß die bürgerliche Presse vor der»L. V.-Z." eine Besprechung ge- bracht habe: nur eine Anzeige sei darin erschienen. Zweitens: dies werde dadurch bewiesen, daß die bürgerliche Presse„gerade am wenigsten dann niiscrcn Artikel so zahlreich als neue Mit- teil« n g ihn ausdrücklich hervorhebend nachgedruckt haben würde". Das ist die Beweisfühntng gegen meine Behauptimg von der Uebcrschätznng dcS Wertes der herzoglichen Arbeit! Angenommen und meinetwegen auch zugegeben, in der bürgerlichen Presse sei bloß eine„Anzeige"— sie war sehr lobend gehalten— erschienen: Was beweist das für meinen Gegner? Es beweist höchstens, daß er nicht Mitschuldige hat: daß er allein uneingeschränkt lobte, wo auffällige Mängel das Lob verboten. Mein Gegner klagt denn auch, ich hätte seinen Artikel entstellt, weil ich sagte, er habe bei der Kritik den objektiven Maßstab ver- leren. DaS ist eine Behauptung, über die sich reden läßt. Sehr leicht kann mein Gegner nachweisen, ob er recht hat. Nämlich indem er zeigt, die herzogliche Arbeit sei w c r t v o l l n a ch F o r m nnd Inhalt. Sehr leicht kann er mich inS Unrecht setzen. indem er deweist: die Arbeit i st, was zu sein er, der Reeeiisenl, von ihr behauptet. Lcidcr, leider läßt er uns hier im Stich; darüber, sagt er, verliere er kein Wort. Schade, denn darum dreht sich nämlich der ganze Streit! Es war unnütz, daß mein Gegner antwortete, wenn er um den Kern der Sache herum- 'f. Mein Gegner sagt seinen Lesern nicht einmal, was ich an Broschüre tadele: seine Leser erfahren in der Hauptsache nnr, daß— die„Leipziger Volks-Ztg." zuerst eine„Besprechung" brachte nnd daß diese Bcspicdmiig von vielen Zeitungen nachgedruckt wurde. Dieser Thatsachen dürfen sich alle freuen, denen es gefallt; ob fach- lich etwas dabei herauskommt,, ist eine andere Frage. Der Streitfall liegt so: Der Mitarbeiter der„L. V.-Z." lobt die Arbeit. I ch sage: Du irrst: die Arbeit ist sehr lncken- nnd also sehr mangelhaft: einen der Hauptmängel Michtbcrücksichtignng der Geiverkschasts- Arbeitö'.iachwcise) zeige ich speeiell ans. Nim mußte mein Gegner beweisen, daß entweder der nnglanbliche Mangel, den ich rüge. nicht vorhanden sei, oder daß ihn gewisse Vorzüge zum Teil kompensieren. Mein Gegner macht gar nicht den Versuch, diesen Be- weis zu führen. Nun mag sich jeder ein Urteil bilden.— Flcischsperre. Eine neue nnd keineswegs nötig erscheinende Sperrmaßregel hat die Regierung angeordnet. Frisches Rind- fsicisch aus Belgien einzuführen ist verboten worden. Als Grund wird angegeben, daß die belgische Regierung die Einfuhr von amerikanischem fft i n d v i c h erlaubt habe und daß hier- durch nie Gcfabr der Scnchencinschlcppnng einstanden sei. Die „Allg. Flcischcrztg." macht zu dieser iicncsrcn Fleischvertcnernngs- Maßnahme folgende in ihm,, letzten Satz allzu hoffnungsfrohen Bc- Merklingen: „Wir sind an niid für- sich selbstverständlich keine Freunde der Einfuhr frischen Fleisches; aber so lange die Regierung sich nicht entschließt, die Grenzen für lebendes Vieb zu öffnen, muß eben aup andere Weise Ersatz für das fehlende Fleisch geschaffen werden. Ein solcher Notbehelf ist das frische Fleisch unserer Nachbarländer. Verhindert die Rc- gierung auch diese Eitifnhr, so zwingt sie die deutsche Bc- völkcrung. zu den amerikanischen Fleischwaren. die doch noch viel bedenklicherer Art sind, ihre Zuflucht zu nehmen, und die Bevölkerung kanft schließlich das amerikanische Fleisch, dessen nur vermutete Ein- fuhr unter belgischer Flagge unmöglich gemacht werden soll, in Gestalt von Konserven. Wurst u. dergl. Wirtlich gesunde Zu- stände auf dem Gebiete der Fleischversorgung wird es in Deutsch- land erst wieder gebe», wenn die Einsicht, die ja allerdings in iiiimer weiteren Schichten auch der Laudlvirtschaft sich Bahn bricht, bis zu den Regierungskreisen vordringt, daß, soweit ein Bedürfnis vorliegt, dem ausländischen Vieh, wenn auch unter der strengsten vcterinärpolizeilichen Kontrolle, die deutschen-.Grenzen ivie der geöffnet werden müssen. Hoffen wir, daß diese Zeit nicht mehr fern ist."— Ei» Massenprozest in größtem Stile wird in Herne vor- bereitet. Das B o ch u m e r„Volksblatt" schreibt darüber:„Wie sehr es den Behörden darum zu thun ist, recht bald die Anführer des jüngsten Streiks und diejenigen zu ermitteln, welche an dem ersten Zusammenstoß mit der eine bedrohliche Haltung zeigenden Menschen- menge die Hauptschuld tragen, geht daraus hervor, daß hier' gestern ein Lokaltermin und eine Besichtigung des That- orts' stattgefunden hat. Demselben wohnten der Staatsanwalt von Bochum, Assessor Berendcs� von hier, sowie die Polizeimannschaften, die die ersten Schüsse abgegeben haben nnd die sonst beteiligten Personen, Angeklagte wie Zeugen, bei. Die Zahl der unter Anklage stehenden Bergleute ist ganz erheblich; auch iverden nach uns zugegangenen Mitteilungen noch fast täglich ans den umliegenden Zechen Bergleute, meist jüngere Leute, ver- haftet, weil sie sich bei dein Aufruhr beteiligt, beziehungsweise ihre Kameraden bedroht haben sollen." . Erschreckliche Dinge ereignen sich in Schlesien, so daß die „Post" entsetzt um behördliche Hilfe ruft:. „Gegenwärtig entfaltet die Socialdemolratie in Schlesien eine ebenso dreiste als ausgedehnte Agitation gegen die Reichstags- Vorlage betreffend den Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses. Mit welchem Raffinement die Soeialdeinokraten zu Werke gehen, beweist die Thatsache, daß man überall da, wo es ihnen nicht ge- lingt, für ausdrücklich als socinldemokratisch bezeichnete Ver- smmnlungcn Lokale zu gewinnen, sogenannte„Gewcrkschafts- Versaminlnngen" veranstaltet und nnter dieser harmlosen Bc- Zeichnung„alle ohne Ilnteftchied der politischen Richtung und des religiösen Bekenntnisses" einladet, um dann in diesen Vcrsanim- lnngcn durch socialdemokratische Redner in wüster Weise g n die vorgenannte ReichStagsvorlage zu eifern. Aus dieser Sachä./.c ergicbt sich erneiit, wie dringend notwendig es ist, den Geiverk- schaften und der von ihnen betriebenen Agitation die größte Auf- mcrksamkeit zuzuivcndcn und das Publiknm über ihren ausgesprochen soeialdemokratischen Charakter aufznklären." Nach der„Post" geht die Znchthansvorlage die Gewerkschaften gar nichts an, obwohl sie deren LcbeuSkcr» zerstören will. Aber zum Leidwesen finden so abscheuliche Vorgänge nicht nur in Schlesien, sondern allenthalben im deutschen Vatcrlande, höchstens von dcni Ziickithanstcrritoriiim des Freiherrn v. Stninm abgesehen, statt. Die „Post" möge also schleunigst für Verbot der Arbeiterversaninilnngen sorgen, welche gewerkschaftliche Interessen bchaudcln, dann ist vielleicht auch die Znchthansvorlage überflüssig.— Cieffcn, 13. Juli. Ter Rektor der Universität und die Dekane der vier Fakliltäten sind nach D a r m st a d t gereist, um gegen die Pensionicrnilg dcS Professor Dr. Schiller zu protestieren.—_ N«S Bayern, 13. Juli.(Eig. Bcr.) Die Kompromisse unserer Parteigenossen bei den Wahlen in München I, Llidwigshafen'und Fürth- Erlangen werden nicht überall aus Verständnis stoßen. Die den hiesigen Verhältnissen fremden Parteigenossen haben ein un- ztveifelhastes Anrecht, daß ihnen diese Vorgänge erklärt werden, und wir in Bayern müssen die Erklärung rasch bringen, Iveil die liberale Presse nnd die sich so gerne als Hofmcistcrin der Social- dcniokratie aufspielende„Franks. Ztg." über die bayrischen Partei- genossen sehr entrüstet thun. Das Wahlergebnis lehrt uns, daß wir unter dem veralteten und auf Kompromisse zugeschnittcncii Wahlrechte zur_ bayrischen Ab- gcordiietcnkammcr heute bloß in den Wahlkreisen München II und Nürnberg ans eigener Kraft siegen können; in München I, Fürth-Erlangcn nnd LÜdwigshafen ist keine Partei in der Lage, aus eigener' Kraft bei den Landtagswahlen zu siegen; in diesen Wahlkreisen, die znsanmreii 13 Abgeordnete zu wählen haben, sind wir die weitaus stärkste Partei, hätten wir unS des Konipromisses enthalten, so hätten wir selbst bei Wahl- ciithaltnng ans die Dauer die Vertretung dieser Kreise nicht ver- hindern können. Freilich theoretisch wäre diese Möglichkeit vorbanden geivesen. da nur bei Anwesenheit von zwei Dritteln aller Wahlmanner die Wahlhandlung vorgenomnicn werden kanu; da aber die Abwesenden die sehr erheblichen Kosten jedes vergeblichen Wahlaktes, der ja allwöchentlich u»d öfters während 6 Jahre vor- genommen werden kann, zu trageil hätten, wären die Summen nicht zu erschwingen gewesen, die zur praktischen Baickrotterklärung des vayrischen Wahlrechts erforderlich gewesen wären. Da dieser Weg nicht eiiiznschlagen war. hätten wir durch Ab- lchnung jedes Kompromisses das Zusammengehen der bürgerlichen Parteien erzwingen können, tvir wären dann, obgleich die relativ stärkste Partei iii dcit betreffenden Wahlkreisen, um jeden Erfolg bc- trogen geivesen, die Klerikalen hätten;omit auch ohne unsere Unter- stützung' die absolute Mehrheit in der bayrische« Abgeordneteiikamincr errungen, die ihnen übrigens selbst sicher geivesen wäre ohne die Münchcner und Lndivigshafener Sitze. Die„Frankfurter Ztg." nnd die liberale Presse hätte gegen einen Komproiniß nichts einzuwenden gehabt, wenn unsere Wahlhilfe den Liberalen zu gute gekommen wäre. Leicht ist unseren Parteigenossen die Wahl sicher nicht gcivorden, die Soeialdemokratie Bayerns hatte bisher und ivird künftighin mit gleicher Entschiedenheit Liberale wie Eenttum bekämpfen, aber die Liberalen sind heute noch Regierungspartei; sie haben nicht mit der Entschiedenheit das Znchthansgesetz bekämpft wie da« Centriim. über dessen Zuverlässigkeit in dieser'Lebensfrage dcö Proletariats sich frei- lich auch hier zu Lande niemand Illusionen hingiebt. Wie aber die Dinge logen, konnten die Genossen in München I und Lndwigshafen nicht anders handeln, als sie es gethan haben. Ganz'eigenartig liegen die Verhältnisse in Fütth-Erlangen. Heute noch, drei Tage nach der Wahlmäimcrwahl, drei Tage vor der Ab- geoidneteiiwahl weiß noch niemand in diesem Kreise, welchen Parteien die Vcrkrctiing im Landtage zufallen tvird. Die schon bei der Wahl- ntäuttetwahl zusammen operierenden Socialdemokraten nnd Demo- traten verfügen über das relative Mehr, die ziveitstärksle Partei ist der Bancnibuild, dann folgen Liberale nnd Konservative, die ichtvächstcn sind die Freisinnigen. Wäre nicht bei der Wahlmänner- ivahl in der Stadl Erlangen lvidcr die klaren Bcstimnumgen des Wahlgesetzes zu unserem Schaden verfahren worden, so hätten die vereinigten Socialdemokraten und Demokraten mit den Freisillingen die Mehrheit der Wahlmäimer und ein Konipromiß dieser Parteien würde die Wahl eines Socialdemokraten(Scgitz), eines Demokraten(Professor Onidde oder eine Fürther Lokal- größe) und eines Freisinnigen zur Folge haben, ans Griind der Liste der geivnhlt erklärten Wablinänner ist aber diese Konstellation unmöglich, ein Bündnis mit den Freisinnigen bedeutete eine Waffen- strecknng unserer Partei. Die Bündlcr haben die Entscheidung in der. Haild, ohne deren Unterstützung können nieder die Socialdemokraten und die ihnen folgenden Temolraten»och die mit den Konservativen eng verbundene» Natioiialliberalen siege». Wir haben jeden Schritt zur Herbeiführung eines Kompromisses in diesem Wahlkreise unterlassen, Ivährend die Nationalliberalen um die Stimmen der Bündler buhlen. Die Bündler erklären aber unter keinen Umständen mit den Nationalliberaleii gehen zu wollen, weil te sich über ihre schlechte Behandlung bei den letzten ReichStagSwnhlc» noch nicht getröstet haben; sie würden, toenn man ihnen einen der drei Landtagsivahlsitze des Fürth-Erlanger Wahlkreises einräumen würde, für Scgitz und einen Demokraten stimmen. Wie die Entscheidung in diesem Wahlkreise falle» ivird, ist noch ungewiß. Interessant ist, daß daS veraltete und unhaltbare bayrische Wahlgesetz die Parteien selbst zu Abniachiingen zivingt, die in ihrem Ergebnisse einer Anwendung des Proportional- Wahlsystems sehr nahe kommen. »» * AuS der bayrischen Pfalz wird uns noch über den Verlans der Wahl geschrieben: Mit dem gestern(Donnerstag) in Ludwigshafen beendeten vierten Wahlgange haben die W a h l m ä n n e r- W a h l e n in der Pfalz Ercn Abschluß gcfmlden. Die zum Teil in ganz beträchtlicher, in Frankcnthal bei einem dritten Wahlgange in noch nie gekannter und in der gnnzensLandtags-Wahlbewcgnng einzig dastehender Anzahl ab- gegebenen Stimmen weisen wiederum einen bedeutenden Zuwachs der Socialdcmokratie auf. Das Facit der Wahlen bedeutet für die Nalionalliberaten, wie bci der Reichstagswahl, so auch bei der Landtagswahl der Verlust des Wahlkreises Speyer-Lndwigshafen-Frankenthal und vermutlich auch des Wahlkreises Zweibrücken-Pirmasens, wo die Nationallibcralcn und das Centrum gleich viel Stimmen erreichten, und die in der Minderheit gebliebenen socialdemokratischen Wahl Männer das Zünglein an der Wage bilden. Die von unserer Partei hierbei zu beobachtende Taktik wird erst noch festgelegt werden müssen. Der Wahlkreis Kaiserslautern-Kirchheimbolanden, wo wir namentlich in der Stadt Kaiserslaniern eine ganz bedeutende Mehr hcit erzielten, die. vom Landbezirk aber überholt wurde, ist leider unter dem gemeinsamen Druck derNationalliberalen und des Bundes der Land- Wirte unterlegen; diesen Wahlkreis hatten unsere Gegner selbst schon verloren gegeben. Die durch die Wahlmänner vorzunehmende Wähl der Abgeordneten findet am Montag in der Kreishauptstadt Speyer stakt. Die Nationallibcralcn büficn von ihren bisherigen 20 Sitzen 8 ein, von denen den Socialdcmokraten 3 oder 4 und dem Centrum 4 oder S zufallen.— Man ficht, die Pfalz, die einstmals so stolze .Hochburg des Nationalliberalismus", hat sich ganz vorteilhaft ,ge- mausert".— Ausland. Oestreich- Ungarn. Nationale Balgereien. Der„Neuen Freien Presse" wird aus Pilsen gemeldet: 20 Schüler der Pilsener denlschen Gewerbe-, schule wurden Mittwochabend auf dem Rückmarsch von euren, Ausflug in dem ezechischen Dorfe Ratschitz bei Pilsen von etwa 30 czechischen Lincchtcn mißhandelt. Mehrere Stndendcn wurden verletzt, einen versuchten die Czcchen ins Wasser zu werfen. In Prag entstand in einer zum Zwecke der Stellungnahme zur Sonntagsruhe abgehaltenen Versammlung von Handlungsgehilfen, in welcher die Nationalpartei stark vertreten war, bei der Verlesung deutscher Telegramme aus Wien und Eger eine Rauferei. Der Versammlungssaal wurde durch Wachmannschaften geräumt, die Excedcnten wurden verhaftet. Frankreich. Dem Nationalfest des 14, Juli, dem Tag des Bastillen- st n r m s, sah nian in Paris mit einiger Besorgnis entgegen. Würden die Nationalisten diesen Tag zu einer großen Demonstration zu benutzen versuchen? Tie bisher vorliegenden Nachrichten lauten jedoch durchaus nicht beunruhigend. Das„Wolfische Bureau" teilt mit: Aus Anlaß des Nationalfestcs haben die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser geflaggt. Dsroulsde und Marcel Hadert legten, gefolgt von einigen Hundert Mitgliedern der Patriotenliga, an der Statue der Stadt Stratzbnrg einen Kranz nieder, wobei Hochrufe auf die Armee, die Republrk und Dsroulede laut wurden. Die Kundgebung war von keinem ernsten Zwischenfall begleitet. DaS Wetter ist schön. Eine große Volksmenge begab sich zu der Trupperlbesichtigung nach Longchamps; an den Zugängen zu dem Paradefelde waren strengste Maßregeln zur Aujrcchtcrhaltling der Ordnung getroffen. Um 2l/e Uhr verließ der' Präsident L o u b e t, begleitet von dem Kriegsminister General Gallifet, das Elhsee und wurde auf dem Wege nach Longchamps sowie bei der Ankunft auf letztcrem von der Bevölkerung mit den Rufen: „Es lebe Loubett"„Es lebe die Rcpublikt" de grüßt.- Uiitersuchuug gegen Pellieux. Dem„Figaro" zufolge wird tn Sachen Pellieux zu einer ergSnzeltden Untersuchung geschritten werden. General DucheSne, der die Untersuchung führte, soll gerade die wesentlichen Zeugen nicht vernommen haben. Die Dauer deS DreyfuS- Prozesses wird auf einen Monat geschätzt, da bisher A>0 Zeugen vorgeladen sind. Nach den,„Echo de Paris" sollen die Verhandlungen drei Wochen dauern, so daß das Urteil etwa am 2. September gesprochen würde. Sämtliche Zeugen aus der Enquete der Strafkammer des Kassationshofes würden öffentlich vor dem Kriegsgericht aussagen, insgesamt 17S Zeugen, ohne die außerdem von der Verteidigung zu ladenden. Der Prozeß wird in dem großen Saale des Gymnasiums in Rcnnes verhandelt werden. Trcyfus äußerte gegenüber Major Carriere, der ihn be- suchte, nach dem Attenstudium habe er die Ucberzeugung, daß die Militärrichter von 18S4 ihn nicht gerichtet, sondern ermordet haben. Spanien. Madrid, 14. Juli. Der Ministerrat hielt gestern eine lange Sitzung ab. Wie der Minister des Innern Dato einem Reporter mitteilte, hat der Ministerprästdcnt Silvcla in dieser Sitzung eine Erllärnng vorgelegt, welche die Zustiinmung der übrigen Minister fand. Es verlautet, die Minister seien sich darüber einig, daß von den Regierungsvorlagen nicht nachgelassen werden dürfe. Den ganzen Abend Über waren gestern Gerüchte über eine unmittelbar bevor- stehende Ministerkrisis verbreitet, jetzt heißt es, dieselbe sei vorläufig als beseitigt anzusehen.— Serbien. Belgrad» 13. Juli. Der Kreisvorsieher von Schabatz, Zivko Angjetic, ist verhastet worden; derselbe hatte dem Attentäter Knezevic einen Auslandspaß ausgestellt. Auch der radikale Deputierte Uros Brkic wurde in Kladova verhaftet. Asien. Mandarinen-Untcrschleifc. Den„TimeS" wird aus Peking telegraphiert: Es ist eine kaiserliche Verordnung erlassen worden, welche eine durchgreifende Anklage gegen die bei der Einhebung�icr Jnlandszvlle, der Likin- und Salzabgabcn diirch die Chinesen all- gemein üblichen Untenchleife bildet. Der Erlaß weist die Provinz- behörden an, innerhalb drei Monaten die Abrechnungen über die eingezogenen Staatseinnahmen vorznlegen und die bisherigen Miß- bränche abzustellen. Afrika. Die Tranövaal-Angelegcnheit niirnnt augenscheinlich eine friedliche Gestalt an. Dabei legen wir noch kein besonderes Gewicht ans nachstehendes Telegramm, das unS soeben zugeht: London, 14. Juli. Eine dem hiesigen Bureau der„Standard and DiggcrS News" zugegangene Depesche ans Johannesburg besagt, die Regierung der Südafrikanischen Republik habe eine in herzlichen Ausdrücken gehaltene Mitteilung der britischen Regierung erhalten. welche in warmen Worten den Wahlrcchisvorschlägcns znstiinme. Die Mitteilung lege gleichzeilig in freundschaftlicher Form einige im- bedeutende Abänderungen nahe. Die Regierung der Südafrikanischen Republik nehme in ihrer Antwort die erhaltenen Anregungen dankend an und erkläre, daß die Beratung der jetzt dem Raad vorliegenden Rcfoimgcsctze gemäß dem Rate der britischen Regierung einstweilen aufgeschoben worden sei. So das Telegramm, das wohl etwas verfrüht sein dürfte. Nach einem anderen Telegramm von heute vonnittag äußert sich noch ein Teil der Londoner Morgenblätter ungünstig über die Vorschläge der Boerenregierung. Allein es kann doch keinem Zweifel unter- liegen, daß diese Porfchläge den englischen Geschäfts- und Radau- Politikern den Wind aus den Segeln genominen, und auf das Publikum eine gute Wirkung hervorgebracht haben. Eine Zeitungsnachricht: die Königin von England habe den Ministern erklärt,' sie werde keinen Krieg gegen Transvaal dulden, ist natürlich freie Erfindung, da die englische Königin zu einem solchen Eingreifen gar nicht das Recht hat, auch zu tlujj_ ist, sich ein solches Recht anzumaßen— aber daß die Königin ihren persönlichen privaten Einfluß gegen den Krieg geltend macht ist gewiß, und dabei kann sie sich auf die öffentliche Meinung des Landes stützen. i Ueber die heutige Sitzung deS KaptzarlamentS haben wir noch kein Telegramm. Die Nachricht, die englischen Mitglieder wollten die Afrikander-Regierung stürzen, ist auf Kannegießerei zu- rückzuftihren. Daß die Gegner Schreiners ihn zu stürzen wünschen, versteht sich von selbst— allein vom Wunsch zur That ist noch ein weiter Schritt, und die Afrikander haben auch unter den briti- schen Kolonisten viele Freunde. Durch das hysterische Geschrei der Agenten Chamberlains und seines Spießgesellen Rhades darf man sich nicht irre machen lassen. Für ihre Brotherren handelt es sich um Sein oder Nichtsein. Parteistreit in Frankreich. Die Bildung des Ministeriums Waldeck-Rousseau mit Gallifet und der Eintritt Millerands in dieses Ministerium hat in der socialistischen Welt Frankreichs eine große Erregung hervorgerufen und den Austritt eines Teils der socialistischen Deputierten aus der vereinigten Kammerfraktion zur Folge gehabt. Und zwar waren' es die„Marxisten" fGuesde usw.), die„Blanquisten (Vaillant usw.) und die„Allemamsten"(Dejernite usw.), die austraten. In der Kammersitzung, wo das neue Ministerium sein Programm entwickelte, enthielten sich die ausgetretenen Mit glieder der Abstimmung, während die anderen— in ungefähr gleicher Zahl— f ü r das Ministerium stimmten. Die französischen Parteigenossen im ganzen Land beschäftigen sich natürlich sehr lebhaft mit diesen Vorgängen; eS gab Erklärungen für und wider. Man muß die Tiefe des Hasses bedenken, den die ungeheuren Verbrechen des„Kommuneschlächters" Gallifet in der Brust jedes französischen Arbeiters erzengt haben. Mancher glaubte jedoch, die Trennung der Kammerfraktion sei keine endgültige. Jetzt erhalten wir aber ein Manifest der drei protestierenden Gruppen, das. in Überaus scharfer Sprache verfaßt� die Kluft zunächst erweitert. Das Manifest, das uns im Äorrekturabzug zugeht, lautet: A» die socialistischen Arbeiter Frankreichs. Bürger! Bei ihrem Anstritt ans der Kammergruppe der sogenannten socialistischen Vereinigung, die eines ihrer Mitglieder in die Regierung der bürgerlichen Republik entsandt hätte, haben die Vertreter der organisierten socialistischen Arbeiter Frankreichs nicht einer bloß augenblicklichen Zonicswallung gehorcht, ebenso wenig wie sie bcab sichtigt haben, ihre gemeinsame Aktion auf eine einfache Protest lundgebuiig zu beschränken. Es handelte sich darum, mit einer sogenannten socialistischen Politik zu brechen, die aus Kompromissen und Prinzipverleugnungen zusammengesetzt ist, und die man sich schon lange bemühte, an Stelle der revolutionären Klassenpolittk des kämpfenden Proletariats und der socialistischen Partei zu setzen. Der Gegensatz zwischen diesen beiden Politiken mußte not wendigerweise jetzt oder später hervortreten. Und durch den Eintritt eines Socialistcn in das Ministerium, wo Waldeck- Rousseau Hand in Hand mit dem Kommuneschlächter zusammensitzt, hat der Gegensatz sich unter so ernsten und anstößigen Umständen(conditions de gravitö et de scandale telies) offenbart, daß er keine Gemein- schaft mehr erlaubt zwischen denen, welche die Ehre und die Interessen des Socialismus bloßgestellt haben, und denen, die gewillt sind, sie zu verteidigen. Die socialistische Partei als Klasscnpartei darf niemals, will sie nicht Selbstmord begehen, eine Regierungspartei werden. Sie dar: nicht die Macht teilen mit der Bourgeoisie, in deren Händen der Staat nur ein Werkzeug socialer-Rcaktion und Unterdrückung sein kann. Ihre Aufgabe ist es, der Bourgcosie den Staat zu entreißen. um ans ihm ein Werkzeug der Beftciung und der jocialcn Re volution zu machen. Oppositionspartei sind wir und Oppositionspartei müssen wir bleiben, und die Unsrigen nur als Feinde in die Parlamente und anderen Wahllörper schicken, um die feindliche Klasse und ihre der- schiedcnen politischen Vertretungen zu bekämpfen. In diesem Geiste und auf diesem Boden organisieren sich und handeln die arbeitenden Klassen beider Welten seil einem halben Jahrhundert und besonders seit der Komininie als eine große inter- nationale Partei, deren wir unwürdig geworden wären und die uns gcrcchterweise hätte des Verrats anklagen können, wenn wir ans deni nationalen Kampffeld, für das wir verantivorttich sind, nicht die Taktik beibehalten. hätten, ohne, hie es keine Möglichkeit des Sieges gicbt. Entschlossen, dies Werk zu Ende zu führen zum Heile des Socialismus, werden wir durch nichts uns trennen lassen. Der engste Zusammenschluß wird zur Notwendigkeit, und wir verpflichten uns, ihn aufrecht zu erhalten. Und wir zählen darauf, daß die französischen Arbeiter unserem Aufruf Folge leisten, und diejenigen, welche noch versuchen sollten, sie von ihrem Interesse und ihrer 5klassc»pflicht abzulenken, in nicht mißzuverstchcnder Weise bedeuten, daß die Zeit der Täuschungen (I'heure des dupes) vorbei ist. Wir rechnen darauf, daß sie, durch die Erfahrung, belehrt, sich enger imr unsere Fahne scharen und zusammen mit uns bis zum Sieg den guten Kampf kämpfen:_ den notwendigen Befreiungskampf der Arbeiterklasse gegen die Kapitalisten klaffe, der Revolution gegen die vereinigten Mächte der Reaktion. Für die französische Arbeiter« pattei: Der Nationalrat: Stadtrat von Toulouse; Benezech, Deputierter von Hcrault; Bernard Cadenat, Carnoud, Depu- ttcrte von Bauches- du- Rhüne; Ch. Brunclliere, Stadtrat von Nantes; Rens Chauvin; G.Delory, BürgcnneistcrvonLille:Dufour,Dc- Putierter des Jndredepartemcnts; Ferrero, Deputierter des Bar- departcments; Ferroul.Depntiertcr von L'Aude; Forttn; Gabriel jarjat; Jules Gucsde; Krauß, Deputierter des Rhüne-Dcparte- meiits; Paul Lafargue; Raymond Lasigne' H. LegittmuS, Deputierter von Guadeloupe; H. Millet, Stadttat von Romilly; Paftre, Deputierter dcsGarddepartementS; Pedron; Prevost; Rouffel, Bürger« meister von Jvry; Sauvanet, Deputierter des Allierdeparte Für die revolutionäre socialistische Partei: DaS Verwaltungskomitee: Allard, Deputierter des Bar departcments; Argyciadös; Eugene Baudin; I. L. Breton, De pntierterj des ChcrdcpartcmcntS; Calmels; Chauviere, Deputierter des Scinedepartcmcnts; Louis Tubrenilhe i�Ebers; Pierre Forest; Albert Gaulle; Guyor; E. Laudrin, Stadtrat v. Paris; H. Le Page; St. Letany, Deputierter des Allicr departements; Leon Martin Paqnier: Louis Parassols; Henri Place; Eng. Reslianx; Maxence Roldes; Marcel Sembat, De- putierter des Seinedepartements; Eng. Thomas, GeneralratdeöSeine- departements; Edouard Vaillant, Deputierter des Seinedeparte- mentS; Walter. Deputierter des Seinedepartements. ments; Alexandre ZevaeS, DepU- ticrter des Jseredepartements. Für die kommunistisch- revolutionäre Vereinigung. Die Sekretäre und die Erwählten: B e r t H a u t, Stadttat von Paris; D s j e a n t e, Deputierter deS Seinedepartements; Faillet, Stadttat von Paris; Arthur Groussier, Deputierter des Seinedepartements; M a r ch a n d und P a s q u e t, Sekretäre der Vereinigung. Wir können nur den Wunsch ausdrücken, daß unsere französischen Genossen aus dieser Krise die Lehre ziehen werden, daß ohne e i u h e i t- liche Organisation ein einheitliches Handeln nicht mäg- l i ch i st. Und da Janrss erst in der vorletzten Nummer der„Petite Republique" sich für die Schaffung einer einheitlichen Organisation ausspricht, die solche Zwischenfälle, wie den Eintritt Millerands in die Regierung ohne Beschluß der Gesamtpartei, von vornherein unmöglich machen würde, so geben wir die Hoffnung auf Ausgleichung der Gegensätze noch nicht ans. Die Massenattssperrnng m Diinciuark. K o p e.nch a g.q n, 13. Juli 189g. Die Einignngskammer hielt gestern eine' drei Stünden lange Sitzung ab, welche ebenso wie hie früher abgehaltenen ohne das geringste Resultat endigte. Die Vertreter der Arbeitgeber hielten störrisch an den von ihnen gestellten Bedingungen fest, die für die Arbeiter so erniedrigend sind, daß dieselben auf keinen Fall darauf eingehen können. Eine specielle Verhandlung, welche nach Schluß der offiziellen Sitzung zwischen den Vertretern der Arbeiter und der Arbeitgeber stattfand� verlief ebenso resultatlos. Heute mittag um 2 Uhr trat die Einignngskammer zu einer neuen Sitzung zusammen,, jedoch liegt bei Abiendung dieser Kor- respondenz noch kein Resultat vor; ein solches ist ja überhaupt, wie ich schon öfter bemerkt habe, nicht zu erwarten, da die Arbeitgeber alles versuchen, um die Aussperrung in die Länge zu ziehen. Als ein Beispiel von dein Fanatismus, mit welchem die Kapita- listen die Ausgesperrten verfolgen, will ich. nachstehendes anführen: Der Verfvalter eines größeren Rittergutes auf der Insel Falster hatte zwei Kindern von Ausgesperrten Ferienaufenthalt bei sich ge- geben. Als der Gutsherr Grandjean, welcher als ein erbitterter Arbeiterfeind bekannt ist, dieses erfuhr, gab er dem Verwalter den Befehl, die beiden Kinder augenblicklich hinauszujagen. Obgleich dxr Gutsherr nicht das geringste zum Ferienaufenthalt der Kinder beiträgt, indem dieser ausschließlich von dem Verlvalter be- stritten wird,'wollte er doch auf keine Welse dulden, daß Kinder von den Ausgesperrten auf seinem Gute ihren Aufenthalt haben.. Der Verwalter niußte als eine' untergeordnete Person, dem Befehle seines Vorgesetzten nachkommen, aber erbittert über diese von dem Gutsherrn bewiesene Brutalität, k>i n big te ersofort seine Stellung aus dem Gut, obgleich er ein älterer Mann ist, ivelcher diese Stellung schon viele Jahre hindurch inne hatte. Wir haben erfahren, daß es der Arbeitgeber-Berein ist, welcher die Initiative zu dieser Verfolgung der Kinder der A.usgesperrtsn erzriffen hat. Ebenso wie er ein Cirstilar an seine„lieben Kollegen", die Arbeit- geber im Ausland, erlassen hat, mit der Aufforderung, die dänischen Arbeiter, welche im Ausland Arbeit suchen. auf die Straße zu werfen, hat der Arbeitgeber- Verein eben- falls ein Cirknlar an seine„lieben Kollegen", die Arbeit- geber auf dem Lande, versandt und diese ersucht, die Ausgesperrten auf keine Art-zu unterstützen, weder dadurch, daß man ihnen Arbeit giebt,»och dadurch, daß man ihren Kindern während der Ferien einen. Landaufenthalt gewährt. Die Absicht ist deutlich genug. Die Arb e i tg e.b er w o ll.e-n den Hunger der Kinder dazu benutzen, die Väter unter das Sklavenjochz u beugen. In den letzten Tagen haben die Arbeitgeber die.Aussperrung wiederum erweitert, indem mehrere Fabriken, welche bisher gearbeitet haben, geschlossen worden sind, und das nicht etwa als eine Folge, von Arbeitsmangel, sondern als esne Folge eines Dekrets vom Arbeitgeberverein. Sie haben ebenfalls. ihre Aufforderung an die Arbeitgeber im Auslande erneuert, keine Arbeiter aus Dänemark in Arbeit zu nehmen. Mit brüderlichem Gruß P. Knudsen. Dülvtci Tie„Staatsbürgertn" erstaunt darüber, daß die Social- demottatie bemüht ist,'ihrer Presse— socialdemokrattschen Inhalt zu geben, und es tadelt, wenn einzelne Parteiblätter die philisttösen llnterhalttmqsbeilagen aus bürgerlichen Ramschbazaren beilegen. Nun, w i r haben nichts dagegen,' wenn die„Staatsbürger-Zeitung" künftig nicht nur ihren Inseratenteil, wie bisher schon, sondern auch ihren redattioncllen Inhalt auf den Mosse-Ton- stimmt. Wir aber werden uns gestatten, auch fürderhin socialdemokratisch zu bleiben.— Tie Kieler Parteigenossen sind in eine Bewegung eingetreten, um den taufenden Bürgern zweiter Klasse, denen vot Jahren durch die„liberale" Mehrheit der Stadtverordneten« Versammlung das Kommunalivahlrccht entzogen worden ist, dieses Ivieder zu ge- Winnen. Provinzial- Pnrtcitag. Die Parteigenossen der Provinz S ch l e s iv i g- H o l st e i n, des. Herzogtums L a u e n b u r g. des Fürstentums Lübeck und der freien.Hansastadt H a m b.u r g halten am 10. September in Neumünster ihren diesjährigen Partpi- tag ab.' � Polizrilichro, Gerichtliche« usw. — Wege» der Tchüderiing der Priigelaffäre im stichthaus zu' Werden, deren Opfer der jetzt in B o ch u m wohn- afte Genosse Gräf war, einer der im Meineidsprozeß gegen Schröder und Genossen Verurteilten, hat der ßiedacteur Lödius von der„Rh.-Wests. Arbeiterzeitung" in Dort in n n d und Gräf selbst vom Dortmunder Landgericht die Äliiklageschrift wegen Be« leidigung der Zuchthansbeamten zugestellt erhalteii. Der inkriminierte Artikel hat seiner Zeit die Runde durch die deutsche Presse gemacht und mag natürlich in gewissen Kreisen sehr peinlich berührt haben. Kein„Schandgesetz"! Wegen groben ÜnsugS, weil sie in einer Volksversammlung die Zuchthausvorlage als.„Schandgesetz" bezeichnet haben, sind in München vier Parteigenossen zu je 20 M. Geldstrafe verurteilt worden.— Jedenfalls ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Berlin und lliiigrgcnd. In der Holzbeavbeittingsfabrik von Lange u, Wagner, Engel-Ufer 1b, sind Differenzen zwischen den Unternehmern und den Maschinenarbeitern aiisgebrochon. Die genannten Unter- nehmer suchten in der„Volks-Zeitimg" durch die Vermittlung eines Jnseratenbureaus Maschinenarbeitcr, die„dem Verbände nicht an- gehören". Dies geschah, trotzdem die Werkstätle voll besetzt war und zivar ausschließlich von Verbandsmitgliedern und obgleich irgendwelche Streitigkeiteii zwischen diesen und den Unter- nehmern durchaus nicht vorgekomnien waren. Die Unter- nehmer verfolgen mit ihrem Vorgehen ohne Zweifel den Zweck, die Verbandsmitgliedfr nach und nach zu ersetzen durch unorganisierte, billigere Arbeitskräfte. Die Verbandsmitglieder haben selbst- verständlich vorgezogen, sofort und in G e m e i n s ch a f t die Arbeit niederzulegen. Die Fabrik dct Herren Lange u. Wagner ist daher für die Mitglieder des Verbandes gesperrt. Des Ferneren ersuchen wir aber auch die T i s cki l e r, das obige zu beachten und die Herren, so lange sie unsere Organisation nicht anerkeimen wollen, auch ihrer- eits zu meiden. Gleichzeitig fordern wir die Kolkegen änderer Fabriken auf, etwa von der Firma Lange u, Wagner überwiesene Arbeiten zurückzuweisen. Der Vorstand. Bei den Wahlen zum GesellenanSschuß der Posamentter- nnd Seidenknopfmacher-Jnnung, welche am 12. d. Mts. vor« zenommen wurden, sind sämtliche von der Organisation(Filiale II zcs Textilarbeiter-Verbandes) aufgestellten Kandidaten einstimmig gewählt worden. Deutsches Reich. Aufruf an die gesamte Rrbctterschaft Deutschlands. Kollegen! Arbeiterl Seit dem 6. Juli stehen hier 120 Spinner der„Kammgarnspinnerei M.-Gladbach" un Ausstände. Die Arbeiter forderten die sofortige Entlassung eines Meisters, welcher in brutaler Weise die Arbeiter behandelte; .Schimpfworte der niedrigsten Art, Wersen mit Schraubenschlüsseln nach den Arbeiten: war tagtäglich zu verzeichnen. Durch eine solche von den Arbestern jahrelang geduldete Behandlung sahen dieselben ich veranlaßt, obige Forderung zu stellen. Es ist nun notwendig, )aß den Arbeiten: die äußerste Unterstützung zu teil wird, zumal eine fivoßc Kinderznhl vorhanden ift. Schon so oft hat die deutsche Arbeiterschaft ihre Solidarität in glänzender Weise bewiesen, und hoffen wir, daß auch Sie in dem gerechten Kampfe uns Unter stntzung zukommen lassen, bannt wir den uns von der Firma aufgedrungenen Kampfe siegreich durchführen können, wodurch wir auch in- Gladbach eine dauernde Grundlage der modernen Arbeiterbewegung legen werden, D e r A u s s ch u h. Alle Geldsendungen sind an den Kassierer des Deutschen Textil arbeiter-Verbandes Herrn Georg Baiben, M,- Gladbach B r 0 i ch st r. 25, zu richten. Uebcr die Lage des Streiks erhalten wir folgenden Bericht. Der Ausstand der K a m nr g a r n s p i n n c r e i nimmt ernsteren Charakter an._ Die Direktion verlangt Rückkehr zur Arbeit, ohne ein Zugeständnis gemacht zu haben. Ein Streikbrecher oder Arbeitswilliger hat sich bis jetzt noch nicht gefunden. Sämtliche Ausständige sind entlassen, ebenfalls sind die Arbeitswohnungen binnen 4 Wochen zu räumen Eine Volksversammlung, wie sie Gladbach noch nicht gesehen, fand am Mittwochabend statt. Der Polizei-Jnspektor von M.-Gladbach, welcher in dieser Versammlung mehrcremale daS Wort ergriff, erklärte unter lebhaftem Beifall, daß die Arbeiter das Recht hätten, eine menschenwürdige Behandlung zu verlangen, und ersuchte die Arbeiter, auf gesetzlichem Wege ihre Sache in Ruhe zu verfechten. Die Agenten der Fabrikanten sind auf der Suche nach Arbeitern.— Zuzug ist streng fern zu halten. Achtung, Klavierarbcitcr! In der Pianofortefabrik von Hegeler u. Ehlers in Oldenburg sGrosth.) droht Konflikt auszubrechen. infolge Vorlegung einer unmmehmbareii Fabrikordnung und Verlängerung der Arbeitszeit. Zuzug von Tischlern zc. fernhalten. Zur Lohnbewegung im Wnpperthal wird uns vom 13. d. M. aus Elberfeld geschrieben: Heute traten fast sämtliche Baudwirker, 31 Mann, der Firma H. u. B. Schröder-Barmen in den Ausstand, weil die Firma auf bestimmte Artikel eine Lohn- rcduzierung vorgenommen hat.— Von den streikenden Färbern in Elberfeld werden 120 die Arbeil wieder auf nehmen, da die betreffenden Firmen die Forderungen der Aus- ständigen in der Hauptsache bewilligten. Nur 160' werden noch iveiter im Ausstand bleiben. jedoch werden auch diese bald die Arbeit aufnehmen können, da die Unternehmer bewilligen werden Die Unterhandlungen, angeregt durch den Fabrikinspektör, sind ini Gange.— Für die Zimmerleute, die. wie schon berichtet, in E I b e r- seid und Barmen ausständig sind, ist ebenfalls ein günstiger Ausgang zu erwarten. Die Maurer hatten, um alles, was einem annehmbaren Frieden dient, zu versuchen, das Gelvcrbegericht zu E l b e r f e l d als Einigungsamt angerufen. Die„Baugciverken-Jnnung" hat die Verhandlungen jedoch abgelehnt. Die Herren Unternehmer scheinen die Anrufung des Einignngsamtes seitens der Arbeiter als Schwäche derselben zu deuten. Darin werden sie sich aber täuschen. Die Barbiere führen einen Kampf um den Neunuhr-Ge- schäftsschluß. In denjenigen Geschäfte», die die Forderung nicht bewilligen, ivnrde heute die Kündigung eingereicht. Schutz den Arbeitswillige»! Die Maurer Elberfelds traten vor einiger Zeit zwecks Einführung eines Minimallohnes von 45 Pf. bei zehnstündiger Arbeitszeit an Stelle der bisherigen lOVastiiiidigcii mit den Bauunternehmern in Unterhandlung. Die Unternehmer lehnten ein Eingehen auf die Forderungen ab,' weshalb seitens der Maurer mit seltener Einmütigkeit beschlossen wurde,'zur Durch führung derselben am nächsten Montag in den Streik zu treten. Dieser Tage erschien nun in allen bürgerlichen Blättern des Wupper thalcs, selbst in dem der Stadt gehörenden amtlichen Organ, dem „Täglichen Anzeiger" folgende Bekanntmachung der Elberfelder Maureriunüng: Maurer Elberfelds! Durch Jnnungsbeschlust ist festgesetzt: jetzt 43 Pf. für die Stunde bei der bisherigen Arbeitszeit oder 4,50 M. Tagelohn und vom 1. April 1900 an 45 Pf. Lohn für die Stunde bei . 10 Stunden Arbeitszeit oder ebenfalls 4,50 M. Tagelohn. Arbeitswillige Maurer, bleibt an der Arbeit und. im Ver- dienst, Ihr werdet vor Belästigung du rch St reitende kräftigst geschützt! Der Jnnungs-Vorstand. Abgesehen davon, dasj die Mitteilung über die Zugeständnisse der Meister nicht ganz den Thatsachen entspricht, ist vor allem der zweite Teil des Unternehmcrukas interessant. Um die Einigkeit der Maurer zu stören, verspricht man den Arbeitswilligen oder denen. die es noch werden ivollcn, noch che es zum Streik gekommen, den Schutz der Polizei. Man entblödet sich nicht, dies sogar öffentlich, und zivar im amtlichen Organ, durch eine offizielle Bekanntmachung zu betonen, dadurch den Anschein hervorrufend, als sei dieser auster- gewöhnliche Schutz bei den Maurern eine Selbstverständlichkeit. Und trotzdem die Maurer zu anstcrgcwöhnlichen Mastnahmcn der Polizei durch ihr friedliches, im Rahmen der strengsten Gesetzlichkeit sich be- wegendes Verhalten keine Veranlassung gegeben, werden djese Mast- nahmen im einseitigen Interesse des Untcrnehniertums doch getroffen. Denn lvie bekannt wird, äuherten Bauunternehmer, das; ihnen seitens der Polizeibehörde ein nustcrgcwöhnlichcr Schutz, wie Ueberwachung der Bauplätze, zugesichert sei.— Wer zweifelt da»och an dem guten Willen zum Schutz der Arbcitsivilligen. Ter Kampf im Miinchener Schucidcrgewerbc dürfte kaum noch zu vermeiden sein. Die Unterhandlungen zivischen de» Unternehmern haben zu keinem Resultat geführt; wie es scheint, wollen die Ringmcistcr unter allen Umständen die Aussperrung. Die namhaftesten Geschäfte erklärten näinlich, den Tarif ohne einen Pfennig Abzug auch in Zukunft und nach der Aus- s p e r r u n g>v e i t'e r zahlen zu wollen. Sie müssen nur mitmachen, weil sie im Ring sind und weil sie Solawechsel aus- gestellt habe». Kommt eS zum Kampf, dann hat die beispiellose Frivolität der Meister die Schuld, denen es auf eine Machtprobe ankommt. Die Stuttgarter Möbelfabrikantcn haben sich nach wieder- Holter Weigerung endlich zu gemeinsamen Verhandlungen mit der Kommission der Streikenden unter dem Vorsitz des Bürgermeisters bereit erklärt. Ausland. Die Kupferschmiede in Wien sind allesamt in den Streik getreten, die gestellten Forderungen sind von den Unternehmern in protzenhaftcr Weise abgeschlagen worden. Zweidrittel der Strei- kcnden sind Familienväter. Zuzug ist deshalb fernzuhalten. Sc»cmliMZ. Ein ncneS Grubenunglück. Aus Herne wird gemeldet: Am Freitag früh ist der Flötz„Sonnenschein" auf der der „Harpener Bergbau- Gesellschaft" gehörigen Zeche Rccklinghausen I eingestürzt. Das Unglück soll infolge eines Erdbebens ge- schehen sein. Die Erschütterung dauerte zivanzig Sekunden an und wurde bis Münster verspürt. Etwa sechzig Mann sind etngeschloffen. Bisher wurden vier Schwer- verletzte und fünf Leichtverletzte geborgen. Wie viel Mann tödlich verletzt sind, ist noch unbekannt, da ein Vordringen zur Un- fallstelle sehr schwierig ist. In Herne und Umgegend sind bis auf eine Entfernung von 1000 Meter zahlreiche Schornsteine abgestürzt und die Wände der Häuser gerissen. Gvvichks"�eikunlg» Die Ursache der häufigen Zusammenstöße der elettrtschcn Wage» unter sich wie mit anderen Fuhrwerken erhielt eine eigen- artige Beleuchtung durch eine Verhandlung, welche gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Der Moto» Wagenführer Wilhelm M a n t h e y war beschuldigt, in drei Fällen durch Vernachlässigung der ihm obliegenden Pflichten einen Eisenbahn transport in Gefahr gesetzt zu haben. Manthey, der bis dahin Pförtner in grösteren hiesigen Hotels gewesen, trat am 1. Januar d. I. in den Dienst der Berliner Strahenbahn-Gesellschaft. Vorher hatte er vier Wochen hindurch täglich je eine Stunde Unterricht im Führen der Motorwagen gehabt. Schon am 4. Januar begegnete ihm das erste Mitzgeschick. Auf einer Haltestelle in der Gitschiner- straste fuhr er von hinten auf einen anderen Wagen der elektrischen ein, obgleich der Abstand grost genug war, um seinen Wagen rechtzeitig zum Halten zu bringen. Am 24. Januar verursachte der Angeklagte dadurch einen Zusammenstoß dast er in der Elsasserftraste mit voller Wucht gegen einen beladencn Kohlenwagen fuhr. Auch hier hat er es an der nötigen Aufmcrk- samkeit fehlen lassen. In beiden Fällen entstand nur ein erheblicher Materialschaden. Aber schlimmeres Unheil richtete der Angeklagte am 15. März an. Er fuhr einen Motorwagen durch die Prinzen- straste und hinter einem Wagen derselben Linie her, ohne die vor- schriftsmästige Entfernung von 35 Metern inne zu halten. An der Ecke der Dresdenerstraße hielt der vordere Wagen, um Fahrgäste einzunehmen. Dies»inst der Angeklagte völlig unbeachtet gelassen haben, denn sein Wagen fuhr mit solcher Wucht auf den Vorderwagen auf, daß dem letzteren der Puffer abgebrochen wurde und beide Wagen außerdem schwere Beschädigungen erlitten. Die auf dem Hinterperron des Vordcrlvagciis stehenden Fahrgäste wurden bös durcheinander geworfen und geschüttelt. Im Innern des vom Angeklagten geführten Wagens, vorn an der Stirnwand, saß der Heilgehilfe Voigt. Er'erhielt einen solchen Stoß, dast er zunächst mit dem Kopf durch die nach dem Perron führende Scheibe und dann zurück bis in die Mitte des Wagens flog. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er sich noch heute m ärztlicher Behandlung be findet. Nach diesem dritten Debüt zog der Angeklagte es vor, das Gebiet der Elektricität zu verlassen und wieder Pförtner zu werden Während der Staatsanwalt den Angeklagten in allen drei Fällen für überführt hielt und gegen ihn eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten beantragte', hielt der Verteidiger, Rechtsauwalt Dr. Meyerstcin, die Schuld des Angeklagten in einem Falle nicht für nachgewiesen. Er bat in diesem Falle um Freisprechung, in den beiden anderen Fällen unter der Be- gründung, dast die dem Angeklagten zu teil gewordene usbi'ldung keineslvegs ausreiche, um ihm einen so verantwortungsvollen Posten anzuvertrauen, um eine milde Strafe. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagte in zwei Fällen und er- kannte hierfür auf eine Gefängnisstrafe von insgesamt 15 Tagen. Die Tnrchstcchcrcirn im Ccntralgefängnissc Plötzensee be- schäftigten gestern in neuer Auflage die zweite Strafkammer am Landgericht II. Wegen Vergehens im Amte war der 45jährige, seit dem 8. Februar d. I. in' Untersuchnngshast befindliche Aufseher Friedrich G r e m b o w angeklagt. Von dem Angeklagten ivurde behauptet, dast die Gefangenen, welche Geld hatten, schlechterdings alles von ihm erhalten konnten. Daneben soll er auch die Gefangenen, von denen er nichts profitieren konnte, miß handelt haben; wenn auch nur ein solcher Fall zur Anklage stand, so kamen doch in der Beweisaufnahme mehrere Fälle von Misthandlungen zur Sprache. Der Angeklagte behauptete, von den Gefangenen niemals etwas angenommen zu haben, auster in zwei Fällen, in denen er von Gefangenen im Augenblicke der Entlassung je 1 Mark empfangen habe, die er>v e g e n d e r N o t i n s e i n e r a m i l i e nahm, obwohl oder Ivcil er den Gebern während ihrer aft niemals eine Gefälligkeit erwiesen habe.— Der Ver- tcidigcr, Rcchtsanivalt Dr. Werthauer, stellte unter Be- weis, daß der Angeklagte einmal von einem entlassenen Gefangenen einen abgetragenen Rock als Geschenk angenommen habe, was er sicher nicht gethan haben würde, wäre seine Not nicht eine sehr große gewesen. Der betreffende Zeuge war ausgeblieben und wurde deshalb in zwanzig Mark Geldstrafe genommen. Unter den übrigen Zeugen befanden ich die Kauflente M o s e s, Göbel und Treu herz, die ihr Zeugnis verweigerten. Der Staatsanivalt beantragte 3 Jahr Gc 'ängnis, der Gerichtshof schloß sich aber der vom Verteidiger empfohlenen milderen Auffassung an und erkannte— einschließlich der Körperverletzung— auf ein Jahr sechs Monate Ge- ängnis, wovon vier Monate auf die Untersiichuugshaft an- gerechnet wurden. Rabencltern. Unter der Anklage, den vierjährigen Knaben Erich Faber in roher Weise gcmisthandelt und bedroht zu haben, tanden der Schlosser Emil Meißner und dessen Ehefrau Luise Meißner vor dem Spandauer Schöffengericht. Der Knabe ist ein uneheliches Kind des Schlossers Meißner und war bis zu seinem vierten Jahre in Berlin in Pflege. Dem Meißner, welcher sich in- zwischen verheiratet hatte, aber nicht mit der Mutter des Knaben, mögen wohl die Alimcntcnzahlungcn lästig geworden sein und er nahm das Kind, als es vier Jahr alt war. zu sich. Nun begann eine Lcidcnszeit für den Knaben; nicht nur, daß man ihn in barbarischster Weise mit einem Rohrstock schlug, sondern das Kind mußte auch, ivie die Zeugen bekunden, stundenlang in kalter Stube nachts nn- bekleidet vor seinem Bettchen stehen; er wurde ferner wiederholt mit Händen und Füßen an die Bettstelle gebunden und mußte stundenlang so verharren. Auch hat die Frau Meißner den Knaben einmal an den Haaren über die Straße geschleift und ihn bedroht, tot zu schlagen. Herr Kreisphysikus Dr. Jänickc schildert den Befund des Kindes bei der Untersuchung 'olgcndernmsten: Der lleine Körper war vollständig>nit dicken blauen und blutigen Striemen und handtellergroßen Flecken bedeckt, die rechte Hinterbacke war geschwollen, an der Nase zeigten ich Kratzwunden und die Augenlider waren blutunterlaufen. Der Knabe sei in einer Weise gezüchtigt worden, welche weit über das Maß des Erlaubten hinausgehe. Die Angeklagten entschuldigten ihre Handlungsweise damit, daß der Knabe verlogen und sonst un- geraten war, was aber durch Zeugen widerlegt wurde. Das Gericht hielt die That für sehr roh und verurteilte die Angeklagten zu je zwei Wochen Gefängnis. VevpcumnUmgcn. Die Bauarbeiter beschäftigten sich in einer öffentlichen Ver- ämmlnng, die am Donnerstag bei Cohn in der Beuthstraße statt- 'and, mit ihrer Lohnbewegung. Ter Vertrauensmann N o a ck teilte mit, daß betreffs der an dre Unternehmer gestellten Forderungen bereits Vorbesprechungen auf dem Gcwerbcgericht stattgefunden haben. Die Angelegenheit sei nun soweit gediehen, daß der Unter- uehmerbund am 18. d. Mts. über die Forderungen beschließen und den Arbeitern den Beschluß mitteilen wird. Zwar habe die vorige öffentliche Bauarbeiter- Versaminlung bestimmt, dast am 3. d. Mts. eine Versammlung einzuberufen sei, die, falls die Forderungen ab- gelehnt ivürden,' eventuell die Arbeitsniederlegung zu beschließen hätte. Die Lohnkommission habe aber gemeint, davon einstweilen Abstand nehmen zu müssen und das Resultat der VerHand- lungen abzuwarten. Weiter sei die Kommission der Meinung. daß. so lange die Einigungsverhandlungen schweben, keine Forderungen gestellt werden und auch keine Arbeitsnicder- legung stattfinden dürfe.— Die Diskussionsredner erklärten sich im allgemeinen mit der von der Kommission befolgten Taktik einverstanden, jedoch wurden der Kommission Vor- würfe gemacht, daß sie nicht schon früher eine Versammlung ein- berufen habe. Aus der langen Verzögerung der Verhandlungen glaubten die meisten Redner schließen zu müssen, daß die Unter- nehmer die Absicht hätten, die Bauarbeiter so lange hinzuhalten. bis die gute Konjunktur vorüber ist. um dann schließlich nichts zu bewilligen. Man forderte deshalb eine Be- schleunignug der Verhandlungen und striktes Festhalten an den Forderuilgen. Räch beendeter Debatte wurde beschlösse», am Dicustag, den 18. Juli, eine Versammlung abzuhalten, welche zu den Beschlüssen des Unternehmerbundes, die am gleichen Tage gefaßt iverdcn, Stellung zu nehmeir hat. Ein weitergehender Antrag, welcher verlangt, daß, wenn bis zum 15. Juli keine Einigung erzielt wird, ain Montag, den 17. Juli, die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden solle, galt damit als zurückgewiesen. In der Versannnlnng der Fliesenleger am Donnerstag erstattete W e g e n e r den Bericht der Lohnkonimission über den Verlauf der Lohnbeivegung bezw. die erzielten Resultate. Die Lohn- kommission hat von den Arbeitgebern nach einer etiva fünf Stunden dauernden Verhandlung folgende Zugeständnisse erlangt: 1. Der Normal- Arbeitstag beträgt 9 Stunden, von morgens 7 bis 6 Uhr abends, Sonnabeiids bis 5 Uhr ohne Vesper, an den Vor- abcnden der hohen Festtage, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, bis 8 Uhr nachmittags ohne Lohnabzug. Die Laufstunde fällt hierdurch weg, es ist demnach um 7 Uhr früh mit der Arbeit zu beginnen. Zufpättonimen oder willkürliche Arbeitsuntcrbrechung bedingt Lohn- abzng, im Wiederholungsfall Entlassung. 2. Der Stunden- lohn beträgt ,für fertig ausgebildete Fliesenleger, die mindestens zwei Jahre hintereinander als solche gearbeitet haben müssen, 50 bis 70 Pfennig. Im übrigen bleibt es der Vereinbarung überlassen. Es wird angenommen, daß Fliesenleger im Gewerbe der Maurer oder bei einer Fliesenfirma eine drei- jährige Lehrzeit bestanden haben. Ferner Ivird ausdrücklich bemerkt, daß durch den neuen Tarif die bisher gezahlten Löhne unter kcincii Umständen herabgesetzt, sondern entsprechend aufgebessert werden. Beim Uebcrtritt eines Fliesenlegers in eine andere Firma darf eine Herabsetzung des Lohnes nicht statifindeu. 3. lieber- stunden, Nacht- und Sonntagsarbeit werden nach Möglichkeit ver- mieden. Ueberstundcii von abends 6 bis 9 Uhr werden mit 10 Pf., Nachtstunden und Sonntagsarbeit scrstere von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens) mit 30 Pf. Zuschlag pro Stunde vergütet. 4. Der Lohn Ivird Soiinabendabend zivischen 5 und 6 Uhr iin Bureau gezahlt. 5. Für Arbeiten innerhalb des Kreises auf der im Bureau aus- hängenden Katte werden Fahrgelder nicht vergütet. Außerhalb dieses Kreises werden die verausgabten Fahrgelder zurückgezahlt. Für Arbeiten auf einer Baustelle außerhalb der Niiigbahnliuie ivird die mehr erforderliche Zeit vergütet. Bei auswärtigen Arbeiten werden vergütet Fahrgeld dritter Klaffe, sowie 2 bis 2,50 M. pro Tag. wenn Kost und Logis nicht gewährt werden; andernfalls erhält ein' jeder Fliesenleger eine Vergütung von 50 Pf. pro Tag. Diese Bestimmungen treten mit dem 31. Juli 1899 in Kraft. Es sei, so fügte Wegener hinzu, unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen leider unmöglich gewesen, mehr zu erreichen, was aber die Fliesenleger ihrer eigenen Lässigkeit zuzuschreiben hätten. Von seiten der Arbeitgeber sei namentlich auf die verschiedene Leistungsfähigkeit und das unpünktliche Beginnen der Arbeit eines Teils der Arbeiter hingewiesen und alle weiteren Zugeständnisse entschieden verweigert worden. Maßregelungen der Lohnkommissions-Mitglieder und anderer Streikender dürfen nicht stattfinden, wenn alle. Be- teiligten ihre Arbeit am 14. Juli wieder beim bisherigen Arbeitgeber beginnen. Im übrigen konnte festgestellt werden, daß die minder geübten und unpünktlichen Arbeiter gerade die Nicht organisierten waren. In der hierauf folgenden Besprechung wurden von einer Anzahl Redner der Lohnkommffsion die heftigsten Vorwürfe gemacht, einen „Verrat" begangen und das Vertrauen der Arbeiter schmählich ge- täuscht zu haben, da die geringen Aufbesserungen gar nicht der Rede wert seien. Nachdem die' Mitglieder der Lohnkommission sich nach- drücklich gegen alle Angriffe verwahrt, gelangte nunmehr ein Anttag, die Vcinbarungen f ü r g i l t i g zu erklären, und die Arbeiten am 14. I u l'i wieder zu beginnen bezw. fortzusetzen, bei vielfacher Stimmenenthaltung, mit 44 gegen 21 Stimmen zur »nähme. Die Streikenden erhalten für die zwei Tage des Ausstandes 3 M. pro Tag Unterstützung, die am Sonnabendabend im Bureau, Grenadierstr. 33, ausgezahlt wird. Der Beitrag zum Streikfonds, 50 Pf. pro Woche, wird bis auf weiteres ebenfalls entrichtet. Der Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe hielt am Montag, den 10. Juli, seine erste Generalversammlung ab. Die Vorsitzende gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung und Thätigkeit des Vereins. Es wurden demnach in der Zeit vom 13. April' bis 12. Juni 9 wissenschaftliche Vorttäge gehalten. Laut Bericht der Kassiererin betrugen die Einnahmen 120,10, die Ausgaben 103,17 M., so daß ein Bestand von 16,93 M. verblieb. Der Kassiererin wurde auf Antrag der Revisorinnen Dccharge erteilt. Unter Verschiedenem wurde beschlossen, am 7. August einen Ausflug nach Westend, Restaurant Hoffniann, zu unternehmen. Die nächste Vereinsversammlnng findet am 27. August statt. Allgemeine Krauken-»nd Tterbekafie der Metallarbeiter, Filiale Berlin 3. Mitgliedervcrsaninilung heute abend 8V, Uhr Reichen- bergerstr. 157 bei Bcrgner. Filiale Berlin 4. Mitgliederversammlung heute abend 8>/z Uhr bei Fritz Wille, Andreasstr. 2«. Tischler- Verein. Heute abend 8-/, Uhr, Melchiorstrabe 15: General- Versammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Freireligiöse«emeinde. Sonntag, den 16, Juli, vorm. 8«/, Uhr, im oberen Saal des„E n gl i s ch e n Gartens", Alexanderstrabe 27c, Versammlung; Freireligiöse Vorlesung.— Um 10Vj Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„Weltentzweiung«nd Weltversöhnuna." Gäste willkommen.— Montag, den 17. d. M., abends 8'/. Uhr� ebendaselbst: Beschliebendc Versammlung. Beschlubfaffung über Aenderung der Kassenverwaltung. Zahlreiche Beteiligung notwendig. Uetzke MNtszvipszken und DepesÄzvn. Frankfurt a. M.» 14. Juli. sB. H.) Der„Frks. Ztg." wird aus Aachen telegraphiert: Aus Komern a. d. Eistet wird gemeldet, daß daselbst im«ranlenhaus ein Maiin aus Schultzeudorf vor seinem Tode das Geständnis abgelegt hat, daß er seine vor 6 Jahren verschwundene Frau im Backofen verbrannt hat. Pietzing, 14. Juli.(33. H.) Heute mittag fand hier ein Zu- , a m m e n sl o ß statt zwischen einem Dampftramway- Wagen und einen, vollbesetzten Fcuerwehr-Wagcn, wobei ein mitfahrender Feuer- mehr- Hauptmann tätlich, zehn Feuerwehrmänner leichter ver- mundet worden. Brüffcl, 14. Juli.(W. T. B.) Die von der Kammer zur Prüfung der Wahlgcsetz-Entwnrfe eingesetzte Kommission beschloß heute vormittag mit 8 gegen 7 Stimmen, an die Regierung die Frage zu richten, ob sie der Ansicht sei, daß das Wahlgesetz noch in der'jetzigen Session zur Beratung gelangen soll. PariS, 14. Juli.(W. T. B.) Nach de» bisher ans den großen Städten vorliegenden Meldungen sind dort überall die Truppen- revucn ohne Zwischenfall verlaufen und die Truppen mir den Rufen:„Es lebe die Armee I es lebe die Republik begrüßt worden. Nur in Lile kam es zu einigen unbedeutenden Zwischenfällen. Ein Individuum, welches Hochrufe auf die Armee ausbrachte, wurde von der Menge unter den Rufen:„Es lebe die Republik!" zu Boden geworfen und leicht verletzt. Einige hundert Manifestanten durchzogen singend und unter Schmähruseii auf den Pater Flaminianns die Stadt. Verhaftungen wurden nicht vor- genommen. Belgrad, 14. Juli.(B. H.) Unter Androhung straf- weiser Entlassung aus dem Staatsdienst wurde der Gesandte Gruics in Petersburg aufgefordert, zu seiner Rechtfertigung sofort in Belgrad einzutreffen. Mehrere angesehene radikale Per- 'önlichkeiten stellten sich unter den Schutz auswärtiger Gesandten. Der Prinz Karageorgievic soll sich versteckt in Pauesova aushalte». New Jork, 14. Juli.(W. T. B.) Die Beamten der ameri- kanischen Weißblech-Gesellschaft„nd das Lohnkomitee der Eisen- und Stahlarbeiter-Vercinigungen haben heute eine Lohnskala vereinbart, wodurch ein Ausstand vermieden worden ist. Kapstadt, 14. Juli.(W. T. B.) Das Parlament der Käpkolonie wurde heute eröffnet. Die Rede des Gouverneurs enthält leinen Hinweis aus die augenblickliche politische Lage. Es heißt darin, daß die Beziehungen der Kapkolonie zu de» Staaten und Kolonien in Afrika freundschaftliche sind. Prätoria, 14. Juli.(W. T. B.I Der Volköraad nahm heute in geheimer Sitzung Artikel 1 und 2 des neuen Wahlgesctz-Ent- wlirses an. Berantwvrtlicher Redactcur: August Jacobey in Berlin. Für de» Juseratenieil verantwortlich: Th. Glocke in Berlilt. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin Hierzu i Beilage. hj. i», Scilajf Sks Jjtwrtf fttliiift Zoittiübcud, 15.|iili 1899. NonttttunAles. AnS der Ma.�istratSsitzmig. Der Mci�istmt hat dcr vom Tolizcipräsidhim«ntcvbrcitctcu Banverordming für da-Z Gelände dcr Schönebenicr Wiesen zwischen dem Tiergarten, dein Parke Bcllcvue, dcr Spree s—• �—....... sst-c...»«..t---- n— ti— v... Professor Geyer, Bildhauer Mcifzlcdcr und dcr Ingenieur Hammer kontraktlich alsLchrcr an dcrzwcitc» Hand werker schule angestellt werden.— D c r W e g durch den S ch l e s i s ch e n B u s ch, in welchem die elektrische Straßenbahn von SicincuS u. HalSke durch- fuhrt, wird gegenwärtig durch Pctrolcuinlainpc» erleuchtet. Tic gc- nannte Firma hat denn Biagistrat beantragt, an Stelle dcr Petro- lcmnbclcnchtimg ans ihre Kosten elektrische Beleuchtung daselbst ein- richten zu dürfen. Tas Kollegium hat beschlossen, die Gcuehiuignng zu erteile».— Den st üb tischen K a n z I i st e n soll eine Anfbcsicrnng ihrcö Verdienstes insofeni gewährt werden, als das Magistrats- rollcgium ans Antrag der Personalkommission beschlossen hat, den alteren Kanzlistcn neben ihren Schrcibgcbnhrcu eine feste monat- liche Zulage von 1ö bis 20 M. je nach dcr längeren oder kürzeren BcichaftigmigSzeit iin städtischen Dienste zu gewähren.— Nach Bcichlns; der städtischen Behörden soll die Alcxaudcrstraße vor dein Grundstücke dcr dort befindlichen Kaserne verbreitert und die Fest- stcllung von ncncu Baufluchtlinien vorgenommen werden. Das Magistratsrollegium hat heute beschlösse», die Angelegenheit weiter zu. verfolge» und die Genehmigung der Staatsbehörden nach- zusuchcn. Der bereits erwähnte Entwurf einer Polizei- Verordnung bchnss Verbots dcr Anbringung von Nckkameplakatcn an den Anjzcnsciten der Omnibusse lag in der Magistratssitznng zur Be- ratnng vor. LS wird darauf hingewiesen, dag derartige Plnlate das Erkennen dcr Fahrtrichtung, dcr Firma des Omnibnsuntcrnehmers und bor Wngrnmnnmern beeinträchtigen und daher nicht nur dem Publikum eS erschweren, sich schnell znrecht zn finden, sondern auch der Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs nicht znlräglicli sind. Das Vingistratskollrainm hat beschlossen.' auch zu dieser Polizei- Verordnung seine Zilftiunnung zu erteilen. Frau Jrnniicttc Echwor-in starb gestern an den Folgen einer Operation, welche durch ein langjähriges Leiden notwendig geworden war. Die Verstorbene gehörte zu den bekanntesten FNHrcri'nnen dcr bürgerlichen Frauenbewegung; sie war wohl in ihren politischen und wirnchaftlichen Anschauungen die vorgeschrittenste und anfgeklärtestc derselben und war deshalb auch stets bestrebt, mit der proletarischen Bctvcgung in Fühlung zu bleiben. Frau Schwerin wurde schon frühzeitlg durch das Beispiel ihrer Eltern dazu angeregt, sich mit dein engen ThätigkcitSkreise dcr bürgerlichen Hausfrau nicht zu be- gniigcn, sondern i» einer genicinnützigcit Beschäftigung Besriedigniig zu suche». Ihr Vater, Dr. Abcrbancll, spielte— u. a. durch die Begründung des Berliner HandlverkervercinS— eine Nolle in der rcvolnlionnrcii Bewegmig der vonnärzlichen Zeit und des Jahres 1848; ihre Mutter gehörte zu den Frauen, denen die Arbeit in Wohlthätig- keitSvcrcinen Sclbstztvcck, nicht Mittel zur Bcftiedigimg dcö persön- lichcn Ehrgeizes war. Der Verstorbenen genügte aber bald diese Thatigkcit iiicht, sie schloß sich darum bei Vegründung dcr„Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" dieser mit Fcucrciscr an und getaugte auch bald zu einer führenden Stcllmig in derselben. Gerade durch die Einflüsse, die in diesem Kreise auf sie eiMvirkten,— unter audcrm durch den Verkehr mit Professor v. Gizycki— vertiefte sich auch bei Frau Schwerin das socialpolitischc Verständnis, sie gelangte immer mehr zu der Einsicht, daß die Arbeit dcr WohlthätigkcitSvcrcine stets nur ein kleines Mittel zur Beseitigung einer einzelnen KraiikheitSerscheiuiliig bleiben werde und daß. wer gründliche Besserung der wirtschaftliche» Verhältnisse dcS Proletariats anstrebt, den BrfrcinngSkampf desselben unterstütze» muß. Das that sie n. a., indem sie bei Gelegenheit den Berliner KonfektioilSarbcitcr-StrcikS in den Kreisen der ethischen Gesellschaft und der bürgerlichen Franciibctvegung für die moralische und materielle Unterstützulig dieses Streiks eintrat, und auch eine solche erreichte. DaS that sie ivcitcr, indem sie innerhalb des Bundes deutscher Frauenvereine eine Centralstclle für daS Studium dcr Arbcitcrtnncnfrnge begründete und in nichrcrcn Städten Enqueten über die ivirtschaftlicheii Verhältnisse einzelner Gruppen von Arbeite- rinnen in die Wege leitete. Auch in dein„Eeutralblatt des Bundes deutscher Francnvcrcine", dessen öicdaktion sie»och in dcr letzten Zeit ihrer Krankheit übernahm und bis zn ihrem letzten Tage fort- siihrle, nahm sie stets gegenüber der Arbeiterbewegung eine durchaus freundliche Stellung ein. Sie stand uns in ihren letzten Lebens- jähren in ihren Anschauungen sehr nahe. Wenn sie eS unterließ, dem auch äußerlich Ausdruck zu geben, so geschah eS einmal, ivcil ihr GcsundhcirSznstand� ein agitatorisches Hervortreien ohnehin verbot und weil andererseits sie glaubte, dadurch der Sache des Proletariats am besten zu dienen, daß sie sich bemühte, in den Kreisen der bürgerlichen Frauen socialpolitischeS Verständnis zn verbreiten. Vom Arbeits markt. In der Hoffnung. Arbeit und Verdienst zu finden— so wird uns geschrieben— begab ich mich am 11. Juli »ach dem Ccntralverciii für Arbeitsnachweis und wartete dort in Gesellschaft vieler anderer Arbeitsloser auf eine Gelegenheit. meine Arbeitskraft zn verwerten. Eine solche Gelegenheit hätte sich auch bald gefunden, aber zn welchen Bedingungen! Ter Arbeftövcrmittlcr trat herein und teilte uns init, kwß mehrere Arbeiter nach dein Anhalter G ü t e r b ah n- b o s verlangt werden, zu 23 Pf. ldrcinndzwanzig Psciniige I) Elnudeulohn, die Lohnzahlung erfolgt alle 14 Tage.— Ware» etwa 100 Arbeitincheude im Saale anwcsc»d, die zweifellos ebenso gern gcnrbeilcl hätte» wie ich selber, aber dieser „königlich«» Lochu konnte nicht einen einzigen Arbeitslosen vcr- aiilaiien, sich ans daS Angebot zn melden.— Räch ftitzct Zeit ivnrdcn wieder Arbeiter und zwar nach dcni b> i s- D c p o t in dcr Maricnbnrgerstrnße verlangt. A». �oh» ivlltcn die Bctrcsiendcn für d�e Woche c i n s ch I i c ß- l i ch d e s S o n»tag s 15 Mark erhalten. Auch ans diese Offerte meldete sich mcuiand. Wir sagten uns, wenn wir für nnftrengeiidc Arbeit einen Lohn bekommen.' dcr zum Sattessen nicht ausreicht, dann können wir mich hungern ohne zu arbeiten. Nun stellte ich allerlei Betrachtungen an über staatliche Mlisterinstitute und gciviilnbringcnde Atl'.ciigescllscknftcn, die sich nicht scheue», Berliner Arbeitern derartige Löhne zn bieten, und zog es vor, mir aiiderweitig Arbeit zu suchen, da durch den Central- Arbeitsnachweis ivohl selten ausreichend bezahlte, meistens aber mir vorübergehende Arbeitsgelegenheit. oft von sehr kurzer Tauer. zn haben ist. Bei alledem muß dcr„Glückliche", dcr vom Crntralvcrcin Arbeit erhalt, eine Gebühr von 20 Pf. zahlen, während die Verinitteliing für dcii Arbeitgeber, dcr durch Zu- Weisung billiger Arbeitskräfte den größten Nutze» hat, kostenlos ist. Tie Älllgeincinc Omnibnö- Gesellschaft ist bekannt als eine derjenige» llntcnwhmnngen, die in der Ansmitznng ihrer Arbeit?- lräfte bis zur äußersten Grenze dcS Möglichen gehen. Die Schajsncr der gcnanittcn Gesellschaft müssen um die Kutscher schon um 2 llhr morgens ihren Tienst antrete», dcr frühestens um J2ll Ilbr abends, in mnuchcn Fällen aber noch später, zn Lude ist. Pansen gicbt es in dieser»im, enschlich langen Arbeitszeit nicht, denn die kurzen Unlerbrcchungen der Fahrt während des Haltens an den Endpunkten der Linie» sind als solche nicht zn rechnen, da diese wenigen Minuten nicht einmal zur freien Vcrfügiliig des Personals stehen. Wer bei der Gluthitze, die gegenwärtig in den Straßen Verlins herrscht, eine Strecke im Omnibus gefahren ist, wird sich ungefähr vorstellen können, was eine 10—13 stündige Arbeitszeit für das Fahrpersonal bedeutet. Daß die Löhne dieser Angestellten in gar keinem Verhältnis zn der entsetzlich langen Arbeitszeit stehen,' ist ja bekannt. Weniger bekannt dürfte eS fein, daß die Allgemeine Omnibus-Gesellschaft— wie es den Anschein hat— ihre Schaffner mit verantwortlich macht, tvcnn die Tageseinnahme einer Linie nicht so hoch ausfällt, wie die Gesellschaft oder deren Vertreter es erwarten. Erstkürzlich passierte es einem Schaffner, dessen Einnahme nach Ansicht eines Direktors zu gering war, daß er auf eine für den Schaffner wenig einträgliche Linie ver- setzt wurde. Sollte diese Versetzung mit dcr geringeren Einnahme des Schaffners im Zusammenhang stehen? Da die schlecht ent- lohnten Schaffner bekanntlich auf den Zuschuß aus den Trinkgeldern dcö Publikums rechnen müssen, so bedeutet eine Versetzung an eine wenig frequentierte Linie einen einpfindlichcu Ausfall am Verdienst des Schaffners, und aus diesem Grunde zog es dcr bon der Maß- rcgel Betroffene vor, seine Entlassung zu nehmen. Man knini ivohl Geschäftsreisende, Agenten ec. für untüchtig hakten, wenn sie es nicht verstehen, ihre Waren an den Mann zu bringen. Wie aber ein OmnibuSschaffnrr es machen soll, neben seiner Pflicht- crfiillnng eine besonders hohe TagcSciiniahme zu erzielen, das ist ein Geheimnis dcr Allgcnicincn Omnibns-Gesellschaft. Berliner BcvSlkcriinaSstatistir. In dcr Stadt Berlin haben im Jahre 1897 19 330 Cheichlicßungcn stattgefunden.— Die Zahl dcr Geburten betrug 51099<29 200 männliche, 24 359 weibliche). Unter den im Jahre 1897 Geborenen befanden sich 908 männliche und 830 weibliche, zusammen 1804 Totgeborene. Unter den 49 295 Lcbendgcborcncn waren 7012, unter den Totgeborenen 442 außerehelich geborene Kinder. Sterbcfälle kamen 30 593 vor, 10 305 unter männ- lichen, 14 228 unter ivciblichcn Personen. Es wurden mithin 18 702 Kinder<8907 niäunkiche, 9795 weibliche) mehr geboren, als Personen verstorben sind. Die vom Bildhancr Maz Klein modellierte neue F o n t a i n c n g r u p p c in den Anlagen der Nationalgalerie ist am Donnerstag enthüllt worden. Tie in weißein Marmor ans- geführte Gruppe stellt eine halbbekleidete weibliche Figur dar, welche sich träumerisch an eine ans einem ziemlich hohen Postamente ruhende Schale lehnt. DaS aufgelöste lange Haar fällt über den Rand dcr Schale bsiiab. anS deren Mitte ei« Wasserstrahl emporschießt. Das sich in die Schale ergießende Wasser wird von zwei zu beiden Seiten dcS PostamenicS angebrachten Löwenköpfen in daS darunter befind- liche Fonrainen-Bassin gespien, daS sich ans einem grünenden Nasen- Hügel erhebt. Befördert. Der LandgcrichtSrat DoiSly in Berlin ist zum Landgcrichtsdircktor in Halberstadt ernannt worden.— Herr Boisly hat als Straflnmmcr-Borsitzendcr des öfteren Gelegenheit gehabt, in politischen Prozessen harte Strafen zn begründen. Bon den. 68 Berliner Junnngcn gchvi-tcn am Schluß des Jahres 1890 insgesamt 45 dem„JrnniugS- Ausschuß dcr vereinigten Jinniiigcn zn Berlin" an. Unter denselben besaßen 8, die Innungen der Feilcnhancr. Goldschmiede. Kammacher, Maler, Messerschmiede ec. Nagclschinicbe. Stellmacher und Tapezierer keinen Gcscllcn-AuSschuß Die 5 Innungen der Gas- und Wassrrkcitnngs- und HeiznngS- Fachmänner, der Sattler, Schlosser, Tischler und Töpfer' hatten Gesellen- Ausschüsse, deren Mitglieder indes vom JnnnngS- Vorstände ernannt waren, weil die Gesellen schaft die Wahl verweigert hatte. Mangels des Gesellen anSschnsscS konnten die erstgenannten acht Innungen an dem vom JininngSanSschuß cinacrichtctcn JnnnngS-Schiedsgericht nicht teil- iichine», weil eS an Beisitzern anS dem Kreise dcr Arbeitnehmer fehlte. Vor diesem Schiedsgerickit sind im VcrivaltungSjahre 1890/97 insgesamt 865 Streitsachen zur Verhaiidlinig gelangt, von denen 419 durch kontradiktorische Verhandlung, 177 durch Vergleich, 82 durch VcrsänuniiSnrtcil, 187 durch Entsagung erledigt worden sind. Dcr erste Zlccuiunlatorcn-Postwagcu wird am nächsten Dienstag in Betrieb gesetzt werden. DaS erste mit elektrischer Kraft betriebene Postgefährt ist ein sogenannter Güterwagen, eincr jener großen Kastenwagen, die ausschließlich dem Packercivcrkcbr zwischen den Bahnhöfen dienen. Dcr Wagen wiegt ohne Ladung 50 Centncr, von denen 13 Centncr ans Kasten und gkädcr, 38 Centner ans Bccnnuilatorcn, Motor und Getriebe entfallen. Zur Ansspcichcrnng der elektrischen Kraft sind 42 Accumulatore» vorhanden, die in einem anS Hartanmini gefertigte», zwischen den beiden Achten ruhenden Kasten sich befinden. Die Hartgninmi-Umhüllung ist gewählt worden, ivcil Holzkästeit nach den bisherigen Erfahrungen den sich ent- wickelnden Säuren nicht genügend Widerstand ciitgcgeiiznsetzen vermögen. Unter dem Sitz des Wagenführer? befindet sich ein GcrätschaftSknstcn. in dem die nötigen Haiidwcrkszcuge, Blei« uirsichcrnilgen. die zur Vornahme etwaiger kleinerer Aeparaturen notwendig find, aufbewahrt werden. Ter iicnc Postwagen kann eine Geschwindigkeit bis zn 40 Kilometern in der Stunde und bei ein- inaliger Füllung der Accnmulatorcn eine Fahrtdaucr bis zu 10 Stunden entwickeln. Für die Dauer von vier Wochen wird das Geführt probeweise, begleitet von einem mit Pferden bespannten Wagen, denützt werden. Die Strasjrnbahn-Linie Gesundbrunnen- Marheiuckeplatz wird, wie miiuiiehr feststeht, zu dem vorgesehenen Termin am 1. August den elektrischen Betrieb erhalten. Rvhrcnbrnch in der Wasscrlcitnug. Jene Teile verlins, deren Leitungsnetz das Wasser von Tegel über Charlottcnbnrg empfängt, waren Donnerstagabend, an einem Tage, an welchem die Hitze drückender war als je, etwa drei Stunden hindurch— in der Zeit von 7—10 Uhr abends— des Wassers beraubt. Die Ursache dieses unangenehmen Vorfalls war ein Röhrcnbrnch der Wasser» leiiimg. In Charlottenburg war man dieses Hebels zuerst gewahr geworden. Dort brachen vor dem Hanse Bcrlincrstraße 120 plötzlich Wnsscrmaffcn ans dem Erdreich, die den Straßen- danmi in seiner vollen Breite überfluteten. An einer schadhaften Stelle des Hanptrohrcs dcr Berliner Wnfferwcrke hatte sich daS Wasser Dnrchbrnch verschafft. Dcr Druck war so gewaltig. baß ein gerade vorübcrkommcndcr Pferdebahuwagen der Strecke Charlottcnbnrg— Moabit mit seinen Vorderrädern ans dem Geleise herausgehoben wurde. Ein Radfahrer dcr sofort zn Hilfe gerufenen Feuerwehr wurde von den ihm cntgcgciifliiteiidc» Wasscrmaffen um- geworfen. Es bildete sich an der Unfallstelle eine Oeffnung im Erdreich von etwa vier Meter im Quadrat, die zur Verhütung von Unsällcn sofort abgesperrt wurde. Die Ucbcrschlvcinmnng hatte eine Verkehrsstockung im Gefolge, die ctiva eine Stniidc anhielt. Da seitens dcr Chärlottenburgcr Polizei zunächst die Nachricht kam, der Defekt sei im Nordstrang geschehen, während er in Wahrheit im Südstrang war, wurden die AbsperrungSmaßregeln verzögert. Im ncncn Botanischen Garten ist jetzt auch das iiiiu, ittelbar an der Polsdanicr Chauliee erbaute Jnspektorhans gerichtet, während die beiden an dcr Dnhlcincr Chanffee liegenden großen Direktorialgebäude im Rohbau schon vollständig fertig sind. Alle drei Gebäude sind in Rohziegeln ausgeführt worden und haben, entsprechend ihrer landschaftlichen Umgebung, einen villcnartigen Charakter. An der Dahlemer Chaussee zeigt die neue Anlage ferner eine sehr reiche Vegetation, denn die im Frühjahr hier eingesetzten Bäume und Sttäucher haben sich in jeder Beziehmig gut entwickelt. Auch die Bepflanzung dcr zahlreichen langgestreckten „Gebirgszüge", welche in der Nähe der Dahlemer Chaussee künstlich angelegt worden sind und zur Kultivierung dcr alpinen Flora dienen, ist zum Teil bereits erfolgt. Namentlich sind es junge Fichten und Tannen, die hier eingesetzt worden sind und schon in einiger Höhe zwischen den Felsmassen hervorsprießen. Das Anbringen von Hängematten an den Bäumen ist von den königlichen Forstverwaltmigen den Sommerfrischlern verboten Ivorden. Es ist nämlich festgestellt, daß alte Fichten durch das wiederholte Befestigen von Hängematteil tiefe Einschnitte bekommen haben und abgestorben sind. Ans dem Fenster gesprungen ist am DoimerStagnachmitiag gegen 4 Uhr die erst 19 Jahre alte Ehefrau dcS Schlossernleisters Schäfer ans der Ackerstraße 43. Die Eheleute sind erst seit einem Jahr verheiratet und lebten gut miteinander. Namentlich fehlte es dcr Frau an nichts. Sic neigte aber zum Leichtsinn und bezahlte dem Wirt die Wohimiigsiniete nicht, während sie ihrem Mann die von ihr selbst vollzogene Quittung vorlegte. Darüber kam es zu ernsten Anseinäudersetzungeii, bei denen die junge Frau eine Ohr- feige davontrug. Als der' Mann die Wohnung verlassen hatte, schloß sich die Frau ein. Bald sah man sie auf dem Fensterbrett ihrer im zweiten Stock belegenen Wohnung, ans dem sie sich etwa 10 Minuten lang unschlüssig aufhielt. Dann sprang sie ans den Hof hinab. Mit Verletzungen am Rückgrat und mit Berstanchlmgen wurde sie im Koppschen Rettungswagen nach der Universitätsklinik gebracht. Ans dem Wasser vom Hitzschlag getroffen wurde am Doiincrstagiiachmittag der 28jährigc Schifferlnccht�Woltcr, der ans einem Odcrkahn beschäftigt war. Während des Sinkens dcr mit Ziegelsteinen bcladcncn Zille, die sich zwischen dcr Warschauer und Riiigbahiibriicke befand, brach W. plötzlich zusammen. Er wurde sofort nach der Unfallstation am Mariaimen-Ufer gebracht, wo man eine Erkrankung infolge Hitzschlag konstatierte. Nachdem sich W. einigermaßen erholt hatte, wurde er dem Krankenhaus Bethanien zugeführt. Ein zweiter Fall von Hitzcrkrankmig ereignete sich in Pcinkoiv. Dcr Kaufmann R. ans Berlin wurde, als er gegen 4 Uhr nachmittags die Heincrsdorfcrstraße passierte, von Unwohlsein be- fallen und mußte, da er sich nicht wieder erholte, nach der Eharits überführt werden. Beide Erkrankte befinden sich außer Lebens« gcfahr, Em Opfer dcr Hnndstage. Vom Hitzschlage getroffen wurde heute vormittag dcr 14jähr>ge Klcmpncrlehrling Kael Trahms, Goltz- straße 14. Derselbe fuhr einen mit Werkzeug beladencn Wagen die Potsdamerstraße entlang. Als dcr junge Mensch mitcr ersichtlicher Anstreiigimg die Steigung dcr Potsdamer Brücke überwunden hatte, brach er plötzlich, vom Hitzschlag befallen, ohnmächtig zusammen. Man brachte den Kranken in einen Hnusfliir und suchte einen Arzt herbeizurufen. Ehe ein solcher jedoch eiMraf. hatte bereits ein vorübergehender Student der Medizin dem Verimglücktcii die erste Hilfe geleistet. Ausgezeichnet hergestellte Falschmünzer- Fabrikate sind gegenwärtig im Umlauf. Es handelt sich um 1-, 2- und 3-Markstückc, die kaum von den echten Münzen zu unterscheiden sind. Vermißt wird seit dem 7. d.M. dcr Putzer Rein h ol d S cki w a n d t, 48 Jahre alt, 1,75 Meter groß, mit blondem Haar und Schnurrbart. Bekleidet war derselbe mir weißem Strohhut, schwarzem Rock mit gleicher Weste, gestreifter Kammgarnhose, einem weißen und wollenen Hemde. Unterhose und Vorhemd, grauen Strümpfen und Zugstiefcln. Man vermutet, daß dem Schwandt ein Unglücksfall zugestoßen ist. Wer Näheres weiß, wird gebeten, Stromslr. 40 oder der Polizei Mitteilung zn machen. Der Zeuge, der seiner Zeit ans unserer Redaktion über die Affaire mit dem Heizer TnttaS nähere Mitteilungen machte, wird gebeten, nochmals icinc Adresse an uns einzusenden. Ans der Trcptow-Stcrnwarte wird in dieser Woche dcr M o n d schon von 7>/2 Uhr an mit dem gticscnfcrnrohr gezeigt, nach dem Mond dcr Saturn mit leinen Ringen. Die Sonne kann schon von nachmittags 2 Uhr an beobachtet werden. AnSnahmsweise findet heilte, Sonnabend, abends 8 Uhr, ein Vortrag statt. Das Thema lautet:„Ein Ausflug in die Stcrncnlvclt", Sonntagnachmittag 5 Uhr spricht Direktor Archcnhold über:„Die Erscheinungen in dcr Atmo- sphärc", unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder von Wolken, Blitzen und leuchtenden Nachtwolkc». Für den 7 Uhr-Vortrag lautet das Thema:„Jupiter und Saturn", die am Sonntag von 10 Uhr abends an beobachtet werden. Fcnrrbcricht. Die durch den DonnerLtagabend infolge Rohr- brnchs über Berlin hcrcingcbrochcne Wasserkalamität ist glücklicher- weise für die Feuerwehr gut verlaufen, ES ist gar nicht abzusehen, welch imber«(heilbarer Schaden eiitstcheii koimtc,' wenn während des Wassermangels größere Brände ausgekommen wären. Für den Stadtteil Gcsuiid'brimnen wäre die Gefahr um so größer gewesen, als hier nur sehr wenig Brunnen vorhanden sind und die öerbeischaffung von Flnßiva'sser mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Während so im allgemciiicn Wassermangel herrschte, gab es Freitag früh gegen i Uhr Kloster st r. 1 b eine Äellcr- Überschwcmnmng, Die Wasserhähne waren hier nicht zugedreht und als dann die Leitung wieder fimktioniertc, wurde dcr Keller derart überschwemmt, daß die Feuerwehr herangezogen werden mußte. Donnerstagabend mußte Reinickendorfer st ratze 7a ein Bodenbrand abgelöscht werden, der noch im Entstehen begriffen war. Bei den Löschvcrsuchcu erlitt ein Hausbewohner Brandwunden an den Händen, so daß er von den Samaritem der Feuerwehr ver- bimden werden mußte. AnS den Siachbarovte». Gpaudau. Heute abend 8Vs Uhr. findet im Lokale von Wehe, Pichelsdorferstr. 39 eine öffentliche Volksversammlung statt. Die- selbe, soll u. a. zu dem Verhalten dcr Pichclsdorfcr Brauerei gegen- über der Arbeiterschaft in dcr Tnalfrngc Stellung nehmen. Zahlreicher Besuch dcr Versaiiimliing ist mit Rücksicht ans diesen, für die Arbeiterschaft Spandaus so hochwichtigen Punkt der Tagesordnung, mibedingt erforderlich. Treptow- Bnniiischnlciiweg. Im Kampf gegen die Social- dcmokratie errang dieser Tage der Herr AmtSvorstehcr S ch m 0 ck die erste Niederlage, Ans Betreiben des Herrn war der Vertrauensmann der socialdcmokratischen Partei angeklagt, zur Verbreitung und Anheftnng von Druckschriften an öffentlichen Orten angereizt" zu haben. Da nun aber im Gesetz ein solches strafbares Delikt noch nicht vorgesehen ist, so war die Akttow des Herrn Amtsvorstchers ohne Erfolg; dcr Angeklagte mußte freigesprochen werden. Von den Parteigenossen aus Banmschnlcnweg wird nochmals der dringende Wunsch geäußert, die Lokalliste zn beachten. Leider ver- kehren viele Bauarbeiter in der Wirtschaft von Schulz und ebenso wird von den Arbeitern das Lokal von Nchse„Zur Walbecke" stark frequentiert. Beide Lokale stehen der Arbeiterschaft zur Abhaltimg von Versammlungen nicht zur Bcrfügung und es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß von dcr Arbeiterschaft dies berücksichtigt wird'. Der Stralancr Fischzng soll in diesem Jahre mit besonderem Glänze gefeiert werden. Die beteiligten Gastwirte gedenken einen „schwniiinendcn altbcrllner Fischmarkt" zu veranstalten. Ans vier oder fünf großen mittelalterlich dekorierten Prähmen soll sich ein reges Marktlrciben entwickeln, dem kostümierte Verkäufer und Käufer einen bmitcn Anstrich verleihen werden. Die Vorfeier findet am Sonntag, 20. August, die Ztachferer am 27., statt. Der eigentliche Fischzug fällt wie immer ans den 24. August. Schöneberg. Em gefährlicher Kinderfreund treibt seit einiger Zeit in der nördlichen Sladtgegciid, zwischen Schöncbcrg und Char- lottenburg. sein Unwesen. Er lockt kleine Mädchen in die Hansflure, um mit ihnen unzüchtige Handlungen vorzunehmen. Der Schöne- berger Kriminalpolizei liegen bereits mehrere Anzeigen vor, jedoch ist es bisher nicht gelungen, den Wüstling abzufassen. Sein Recht gegenüber der Stadt Tpandan hat sich der Klempner M. erkämpft. Im Juli v. I. fand in Spandau das Provinzial-Schiitzcnfest statt. Zn Ehren desselben glaubte der Ma- gistrat etwas thim zu müssen und so'wurde unter anderen auch an der Charlotten- Brücke unter der Aufsicht eines städtischen Bauleiters eine Ehrenpforte errichtet. Beim Passieren der Brücke fiel dem M. eine etwa zehn Pfund schwere Holztafel, welche nach sachverständigem Gutachten wider alle Regeln nur oberflächlich befestigt war, auf den Kopf und verletzte den M. derart, das; er voraussichtlich Zeit seines Lebens arbcits- unfähig sein wird. M. erhob gegen die Stadt Spandau, als der verantwortlichen Veranstalterin der Ausschmncknngs- Arbeiten, Entschädigungsansprüche; der Magistrat bot ihm auch zuerst ganze 300 Mark und zuletzt 1000 Mark als einmalige Abfindungssumme an. Da M. jedoch 4000 Mark beanspruchte, beschlossen die Stadtverordneten, es auf den Prozeß ankonmien zu lassen. Dieser Tage nun hat das Landgericht II in Berlin dem M. eine jährliche Entschädigung von 1500 M. im ersten Jahre und cirka 1000 M. für die ferneren Jahre zugesprochen. Der Stadt Spandau erwachsen aus diesem Prozeß außerdem etlva 1000 M. Koste», sodaß die von M. ursprünglich als einmalige Abfindungs-- summe geforderten 4000 M. schon in zwei Jahren erreicht sein werden. Volksschule lind Realschnlc in Pankow. Wie schon kurz erwähnt, wird die im Bau begriffene Realschule ein Observatorium erhalten. Die Unkosten in der Hohe von 4000 M. wurden in der Gemeindevertretung mit nur einer Stimme Majorität bewilligt. Es braucht wohl kaum darauf hingewiesen zu werden, daß wir der- artige Einrichtungen mit Freuden begrüßen und ihnen sympathisch gegenüberstehen. Da nun die Mittel dazu von der Gemeinde aufgebracht werden, so halten wir es für selbstverständlich, daß dcn� Schülern der Volksschule diese Einrichtung zugänglich gc- macht wird. Vielfach zeigt allerdings die Gcmeiildcvcrtrctung bei der Volksschule eine große Zurückhaltung, und so erscheint es Zweifel- Haft, ob unser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Als vor mehreren Jahren ein Antrag gestellt wurde, iii der Volksschule eine Turnhalle zu errichten, bekämpfte man diesen Vorschlag in der Gemeinde- Vertretung mit der Motivierung, daß der in lolcher Halle sich ent- wickelnde Staub nur schädlich für die Kinder sei, worauf der Antrag abgelehnt wurde. Daß die Realschule eine Turnhalle bekommt, betrachtet man als etlvas Selbstverständliches und wird dies unseres Wissens sogar von der Schnlaufsichts- Behörde verlangt. Dagegen kommt man bei der Volksschule init sehr bescheidenen Plänen, denn als im Frühjahr die nengebaute Gemeindcschule in Benutzung genommen werden sollte, beanstandete die Schnl-Aufsichts- behörde, daß der Hof viel zu klein sei. Die Gemeinde sah sich des- halb veranlaßt, noch ein Grundstück anzukaufen, um den Schulhof zu vergrößern. Es wird mithin Sache der Arbeiter sein, ihre Wünsche zu äußern; das soll in der am Dienstag stattfindenden Versamnilung geschehen. Ein mächtiger Feuerschein am südwestlichen Himmel vcr- anlaßte in der Nacht zum Freitag die Alarmierung sämtlicher ftei- willigen Feuenvehren der westlichen und südwestlichen Vororte. Es brannten auf dem an der Bergstraße zu Steglitz belegenen Nüstplatz des Zimmermeisters Reiche ein Schuppen und große Vorräte auf- gestapelten Bauholzes,, die aus dem Abbruch des alten Reichstags- gebäudes stammten. Die Feuerwehren von Steglitz, Friedenau, Deutsch-Wilmersdorf. Schmargendorf, Grunewald.'Tempelhof und Mariendorf. gaben sich auf der Brandstelle Rendesvous. Nach zwei- stündiger Arbeit hatte man den Brand gedämpft. Der größte Teil des Baumaterials ist vernichtet. Zweifellos liegt Brandstiftung vor. Berichtigung. Wir erhalten von Herrn Max Wolfram in Weißensee. Mitinhaber der Firma„Gcrickc-Wolfram", folgende Zuschrift: „In der vorgestrigen Beilage des„Vorwärts" Nr. 161 befindet sich ein Artikel:„Der Staat war wieder einmal in Gefahr." Als Erwiderung darauf bitte ich zu berichten: Es ist u n w a h r, daß ich den Gcndarin herangerufen habe, daß ich ihn auf die mit roten Farben aus- geschmückte Droschke aufmerksam gemacht, oder irgend eine Unter- redung mit dem Gendarm darüber geführt habe." VvvnnMkes- Ein Goethe- Preis. Im Hinblick auf den bevorstehenden 150. Geburtstag Goethes lädt die„Frankfurter Zeitung" die deutschen Dichter ein, an einer P r e i s b e w e r b u n g um einen poetischen Fe st grüß zum 28. August 1839 teilzunehmen. Das Gedicht soll den Umfang von 120 Vcrszeilen nicht überschreiten. Alles einzelne in Bezug auf Idee und Form bleibt dem freien Er- messen der Dichter überlassen. Als Preis für die beste Arbeit sind dreihundert Mark ausgesetzt. Die Einsendungen sind bis spätestens Sonntag, den 13. August, an die Fcuilleton-Redaition der„Frank- furter Zeitung" zu adressieren. Als Preisrichter wird die Redaktion der„Frankfurter Zeitung" fungieren. Der Dieb im Korbe. Im Dorfe S. in Russisch-Polen kamen eines schönen Tages zu dem deutschen Ortslehrer, der kürzlich das Erbe seiner Frau, 1000 Rubel angetreten hatte, 2 Fremde mit der Bitte, ihren großen Reisekoffer mit Sachen in seiner Wohnung auf- stellen zu dürfen; am nächsten Morgen wollten sie den Koffer mit einem Wagen abholen. Bald nachdem der Korb in die Wohnung geschafft worden, wurde der Hund des Lehrers unruhig und sprang wiederholt am Korbe auf. Der. neugierig gemachte Lehrer wollte nun den Korb öffnen; da er sein Vorhaben jedoch ohne Beschädigung des Korbes nicht ausführen konnte, rief er seine Bekannten, die, wie das„Echo Pt." meldet, in Gegenwart des Dorfschulzen und der Wächter den Korb öffneten. Mit nicht geringer Verwunderung fanden die Anwesenden statt der erwarteten Sachen in dem Korbe einen mit Revolver und Messer bewaffneten Dieb. Nur dem Hunde hatte es also der Lehrer zu verdanken, daß er in der folgenden Nacht nicht bestohlcn wurde. Klancnscnche und Fahnenweihe. Folgende kuriose Ein- ladung zur Fahnenlveihe bringt die„Freiburger Ztg.": Militär- verein Ebnet. Wir bringen den Kameraden der Umgegend zur Kenntnis, daß wir am 16.' Juli d. I. unsere Fahnenweihe abhalten, und daß wir uns am 3. Juli in den Landesverband angemeldet haben. Jedoch nuissen wir von einer förmlichen Einladung der Vcr- eine absehen, da zur Zeit in vielen Ställen unserer Gemeinde noch die Maul- und Klauenseuche herrscht. Sollten aber Kameraden der Um- gegcnd die Seuche nicht scheuen, so sind dieselben am Feste herzlich willkommen. Der Vorstand. Willmann. Die Not im Sprcethal. Der„Berl. Ztg." wird aus Sprem- borg geschrieben' Das am Freitag hier eingetretene Hochwasser ist im Fallen begriffen, und sind auch einzelne an der Spree gelegene Wege schon wieder passierbar, doch sind die unmittelbar an dem Flußbette belegenen Wiesen immer noch nicht wasserfrei. An ver- schicdcnen Stellen fließt das Wasser überhaupt nicht ab, da sie tiefer als das versandete Sprcebett gelegen sind. Bei der inzwischen eingetretenen Wärme geht das Wasser an solchen Stellen all- mählich in Fäulnis über und verpestet die Luft. Der Weg unter- halb der Stadt, der nach Parma führt, ist immer noch überschwemmt, und außerdem haben ihn die Fluten wieder derart ruiniert, daß die in diesem Jahre zum zweiten Male auszuführende Reparatur viele Geldopfer fordern wird. Einen traurigen Eindruck erwecken die vielen verschlammten Wiesen, und vorläufig ist noch gar nicht abzusehen, wann das Wasser vollständig abziehen und die Bestellung der Wiesen von neuem wird erfolgen können. Auch so mancher schöne Hausgarten hat schwer leiden müssen, so daß die Besitzer nicht den mindesten Ertrag für die gehabten Mühen erzielen werden. Was nicht das Hochwasser direkt vernichtet hat, richtet später das Grundwasser zu Grunde. Tic im Wiener Raiinnnd-Thcatcr gastierenden Mitglieder des Berliner Deutschen Theaters wollten auch Hauptmanns„Weber" zur Aufführung bringen. Die Censur war aber nicht dazu zu be- wegen, die Aufführung zu gestatten. Die Berliner Gäste versuchten hierauf wenigstens die Erlaubnis zur Vorstellung eines Bruchstückes der„Weber" zu erwirken, indem sie nur den dritten und fünften Akt spielen wollten. Allein auch dies wurde untersagt. Pfälzischer Wahlhumor. Die nationallibcrale„Pfälzische Presse" brachte aus dem ersten pfälzischen Wahlkreise folgende Notiz: „Beinahe Sekt jctrunken! Sitzen da einige„Führer" an der Mittags- tafel und stärken sich noch durch einige Gläser Sekt zur Attacke gegen die Natioualliberalen. Auf einmal entdeckt der Herr Chef- redacteur die ersten gerade ankommende» ländlichen Besucher: „Donnerwettärr, da kommen schon meine Bauern! Herr Wirt! Schnell die Flaschen weg,'sonst meinen sie, wir hätten Champagner jctrunken!" Der Wirt entfernt sich schleunigst mit den Flaschen unter dein Rock durch die entgegengesetzte Thür. Der „Pfälzische Kurier", das Organ des Bundes der Landwirte, auf dessen Chefrcdacteur Treutlcr die Notiz gemünzt war. erwiderte folgendes;„Der Treutler säuft S.ckt! Hort Jhr's. Bauern, er säuft wirklich Sekt, und schlechte Witze macht er auch noch dazu. Also so ivcit wäreii wir Unit glücklich schon im Wahlkampf, daß man dem Gegner die leere Scktpu'lle„vorwirft". Denn sie war wirklich leer, kein Tropfen mehr in ihr, und Treutler hat sie that- sächlich ausgetrunken. Scheußlich— was? Soweit die Geschichte vom Sekt, und nun die vom schlechten Witz. Treutler war in Ge- sellschaft der Landwirte Stauffer und Lebeau. Er allein trank Sekt, die beiden anderen Tischwein. Als nun einige Grunstadter Spießer kurz vor Beginn der Versammlung die Pulle im Kühleimcr und den Trinker mit entsetzten Blicken beäugten, sagte dieser zu seinem Nachbar:„Nun wird's aber Zeil, daß die Flasche verschwindet, sonst kommen Sie beide auch noch in Verdacht und irgend ein Esel wird naw berühmten Mustern dann schreien: Die notleidenden Agrarier saufen Sekt!" Der Esel hat ich gcftinden, und seine Krippe steht in der„Pfälz. Presse"."— Folgende Stilblüte wurde dieser Tage in der evangelischen Gcncralsynode zu Karlsruhe geleistet:„In einer früheren Synode wurde ein Antrag von einem Abgeordneten eingebracht, der bei näherer Prüfung sofort in drei Teile zerfiel."— Marktpreise bo» Berlin am 1Z. Jnli 18S9 nach Ermittelungen dcS kgl. Polizeiprasidinrns. *)Weizen D.-Ctr. «)Rvggeu Futter-Gersle Hafer gut „ mittel„ .. gering Nichtstroh Heu �Erbsen spSpeisebohuen„ T)Öi»fcu Kartoffeln, neue Nindfleisch, Keule 1 üg do. Bauch„ *) Ermittelt pro 1kg 60 Stück 1kg per Schock ],f.O 1,00 1,00 2,40 4,- 2,- 2,80 2,60 2,40 1,00 2,50 1,40 12,— I,- 1,— 1,- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 16,20 14,80 Schweinefleisch 15;20 13,90 Kalbfleisch 13,40 13,— Hammelfleisch 15,60 15,10 Butter 15,— 14,50 Eier 14,40 14,— Karpfen 4- 3,50 Aale 6,20 3,80 Zander 40,— 25,— Hechte 50,— 25,— Barsche 70,— 30,— Schleie 15,— 6,50 Bleie 1,60 1,20 Krebse 1,20 1,- Tonne von der Ceniralflclle der Prenss. Landivirt- schastSkammer— Notierungsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Döppel-Ceutner. ch) Kleinhandelspreise, P r o d u k t e n m a r k t vom 14. Juli. Am Getreidemarkt übt das dauernd der Ernte günstige Wetter einen stetigen Preisdruck aus, dessen Wirkung heute durch die flauen Meldungen aus New Jork und Chikago und wesentlich billigere Offerten in Asowroggen noch verschärft wurde, lieber die Erdruschresultate in Südrustland lagen telegraphische Nachrichten vor, deren ungünstiger Inhalt jedoch ohne Einfluß blieb. Weizen und Roggen waren am Frühmarkt 0,50 M. billiger zu haben. Em weiterer Rückgang der Preise wurde dadurch verhindert, daß ein hiesiger Groß- fpekulant die angekommene Ware aufnahm. Hafer blieb fest im Preise, wurde aber wenig utngesetzt. R ü b ö l war auf forciertes Saatangebot 0,20 M. billiger offeriert. Der S p i r it u s m a rkt war durch die neuesten Ziffern der Statistik ungünstig beeinflußt. Am Markte waren 5000 Liter 70er Loco, die mit 41,50(— 0,10) gehandelt wurden. Termine gaben 0,20 M. nach. Berlins Getreide- und Mehlzu fuhren zu Wasser vom 13. Juli mittags bis 14. Juli mittags betrugen 1100 Tonnen Roggen, 100 Tonnen Hafer, 1332 Doppelcentner Weizenmehl, BSIttcruiigöiibcrsicht vom 14l. Juli 1899, inorgenS 8 Uhr. j Wenee- vrognoic nie«oniinorno, oc» io. Kühler, zunächst ziemlich trübe mit etwas Regen und schwachen West- lichcu Winden; nachher ansklarend. Berliner Wcttcrbureau. Briefkasten der Redaktion. Die inrisilschc Sprechsiiiudc wird Dienst., gS, To»,ierstaj,S und Freitags abends v»» k bis 8 Uhr abgehalten. Sch. Ein Recht in Deutschland zu bleibe», habe» Sie als Ausländer nicht. Eine Ausweisung ist daher stets möglich. Solche soll nur erfolge», wenn der Ausländer„lästig" geworden ist.- Pertersen. ES genügt das UnterstützungSwohnsitz-Gesctz(die handlichste Ausgabe ist die in der Guttentagschen Sammlung deutscher Reichsgcsctzc unter Nr. 8 er'chienene Krachsche Bearbeitung). Die von Wablerü herausgegebene Sammlung der Entscbeidungcn des Bundesrats für das HeimatSwesen und die Eutscheidungeu des Oberverwaltungsgerichts sind für Ihren Zweck wünschenswert, aber teuer. Dr. H. Die Sachen find veraltet.- Kraylat. Wir haben wieder- holt vor diesen Kasten im Blatt gewarnt und auch den Ucbelstand kritisiert. den Sie cuipfunde». Es scheint, daß unsere Waruung bei Ihnen nichts genützt hat.— Heine. Kcpvlerilr. 7. Rudorf zählt 86000 Einwohner; Schöneberg hatte im Anfang d. I. 79 208 Einwohner und dürfte inzwischen aus 85 000 gestiegen sein.— Ilmlauifd. Wir empfehlen Ihnen, diese An- gelegenheit der Gewerkschaft zn miterbreiten. W. F. Nachteiliges ist uns über die Gesellschaft nicht bekannt, dagegen können wir natürlich für die Sicherheit leine Garantie übernehmen. Schlesinger. Zur Ausnahme nicht geeignet. F. Grolh. Nein.— K. 102. Der Frau bleibt nur übrig, ans Alimente gegen ihren Mann zn klagen und beim Amtsgericht einen BesserungSbcsehl zu erwirken.— A. 16. 1. So lange Ihnen das Armen- recht nicht entzogen ist, lann eine Beschlagnahme nach der von Ihnen an- gedeuteten Richtüng hin nicht stattfinden. 2. Revision ist unziilässig. 3. Sie künnen sich eine mit der Rechtskrasts- und Vollstreckbarkeitsklauiel versehene UrteilSausfcrtignng erteilen und auf Gnind dieses Urteils vsänden lasse». S!. B. Am 1. Januar 1901 beginnt daS 20. Jahrhundert, der Sprach- Antrag stellen,„das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erklären«, so können ' ie alsbald nach der Verurleilung, vor der Rechtskraft des Urteils, die Sache abholen lassen. 4. Nein, Sie müßten tu Ihrem fetzigen Klage-Antrage sagen: den Schlauch herauszugeben, eventuell dessen Wert mit... zu er- setzen.— R. 12. Ein solches Recht steht Ihnen nicht z». Die Ansicht, daß»lau innerhalb 24«nnidcn von einem Vertrage einseitig zurücktreten könne, ist eine rechtsirrtümliche.— M. W., Rixdorf. 1. Ja. 2. Nein. Segler-Schloss, Sankels Ablage am Wald und Wasser gelegen, empf. sich den werten Vereinen und Gesellschaften. Mein- Lokal ist Sonnabend, den 29., und Sonntag, den 30. Juli für Vereine noch frei._[1185b] W. Heinrich. Jägerhaus Schönhauser Allee Ho. 103. Neu renov. Garten(6000 Personen fassend) mit.neugcbauter Bühne für Vereine. Großer »■wifriMiniwnraaaaa Tanzsaal. 20110* Cirösste Volksbelustigungen In ganz Berlin. Käffeeküche von 2 Uhr an geöffnet. Arbeiter-Berufsartikel u. Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Spectalität: Arbeiter- Berufs- kleidung: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Größe mit 10 Pf., blau Käper-Holcn, in allen Längen, M. 1,65. Arbetterhemde», Blusen, Maler- kittet u. Moutenrhemde». B. Wurzel& Co., Wrangclstr. 17. Wirtshaus Schmargendorf, Warnen, ümler Strasse 6.(Direkt am Grunewald belegen.) 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D i e n S i a a, abends 7r/, u h r: Gastspiel Heinrich Hittel: Strnrlelln. Wlii-Klirl Weiß-Wter. Gr. Frantfnrterstrahe l.llS. Kleine Preise. Parkett 1,10, ltyklus volkstümlicher Vorstellungen. Die ziuiberm am Ttei». Dolks-Drama in 4 Akten v. Fr, Riffel. StT" Anfang 8 Uhr,"9% Borzugsbillets haben Gültigleit, CrntvKl TtzrnteT' Direktion: lese Fereuozy. Aesamt-Gastspiel des Hamburger Ernst Drucker-Theaters Anfang 8 Uhr. Unmprnpnck. Gr, Hamburger Bolksstück mit Gesang w sechs Bildenr von W. Bial und S, Rosenthal. Musik von H, Groth, Morgen und folgende Tage: Lninpcnpack. Hamb, Volksstück, AM" Schlug des Gastspiels am Li. Juli. Metropol- Theater. Behrenstr. 53,54. Direktion: Richard Schnitz. Phänomenales Ju||-Programm. Mi?- Keue De jntM!"TfBfZ S Champions. Das graziöse ongl. Gesangs- und Tanzensemblo Charles Baron. Der nrkoinlsche Dresseur im Löwenkäfig, Siegsvart OcnthcM als Yvctte taiiilbert, unvergleichliche Kopie. FM- Um 9 Uhr"NF der grUstitc Suison-KrTolg Berlin lacht! Berliner Eevua. Das grosse Prcssc-Ballctt. Des grossen Erfolges wegen pro- longiert. Die G Bonhairs. Sommergarton.Eauchen gestattet. Anfang; Sonn- und wochentags 8 Uhr. Apollo-Theatep. Abends 9 Uhr: FrataLiiiMsa mit dem I.nrtballctt rigolatis". Ferner: K Otto Sentier« und 9 neue Speeialitäten. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„Künsllerilanh", Unter den Binden(19. Prater-Tlieater 51n stiin ten-Alice 7/9. Täglich: Doms Kcsi. Volksstück mit' Gesang u. Tanz v, Hugo Schulz, Musik von A, Kersten, KMümsanbrette Fränl, Lucio Larcw. Gebr. Milardo, Grot, Dnrlt, Tauma-Quartett, Gelang lind Tanz, ädeue o. Campten, Zicck- ttirner, 3r. Plcardy, Hand- und KoPf- Egnilibrift. BaNctlgcicllichaft Ovrlng. »r, Bartllng, lebrnoc Phviugraphicn, Konzert lind Ball."VF Eintritt ivochr'iitags und Sonntags LO Pf,, NIIUI, Platz öl) Pf. Kalbo. Passage-Panoplicum 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Bon 61/2 Uhr ab: Speeialitäten. Neu! briider Herold und Leons in ihrer Burlesk- Szene: Ole Riesenbraut. CASTANS« IPANOPTICÜM Die sensationellen � lebenden |Phoiographien! mit Figuren In Lebensgrösse. Die russische DamenkapeMe 1» In moskowitlschen KostUmen. ni. Im Yatiirgarten oder 8aal: Täglich Hnmoristischc Soiree der Korddeulsclien Sänger (Führmann,« Horst, Walde). /?] Auf. SonnlagS' pväc. 7, wochentags 8 Uhr, Entree 5(1 Pf. Borvcrk. 4 6 Pf. FainilienbilletS :i- 1 M, Sonntag und Tonnerstag nach der Borstelluiig: TnnzhrUnzehen. Osthalm-Park Bei mann Imba 71 Niiderodvrser Strasse 71, a m Sl ü st r i n e r Pia tz, Täglich: Bonzert. Theater und Speeialitäten-Botstellnng. hur erstklassige Kümmern, Anfong: Sonntags 4 Uhr. EntrceLOPf, Kinder 10 Pi, Sperrsitz Rachzahl, 20 Pf, Ansang: Wochritt. ä Uhr, Entrec 10 Pf, Kinder 10 Pf, Sperrsitz Rachzahl.lO Pf, Jeden Dienstag: Korddcutochc Nhnger. Hertiian» Jmbs, Direltor, Neichshallen. «arten r c» p. Saal täglich: Stcttincr S仫gcr fyif(»Jclifcl, yf Pielro, Britto». Steidl, jirone, K i r ch 1» a h e r. Schneider und Schräder). WS. Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Tagcs.'affc von 11—1 Uhr, Jeden Freitag: Heues Programm. Rabatt-Sparveretn„Süd-Ost". Am Montag, den 17. Juli 18SS, abends 8 Uhr, im Lokal„Märkischer Hof"(Möhring), Admiralstraßc 18 v: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, 2. Kassenbericht, 3. Ersaülvahl des Borstandes. 4, Abänderung des Statuts. 5, Verschiedenes.,. 268/5 133?- Zur Kontrolle ist von den Konsumenten das Mitgliedsbuch und von den Lieferanten die Legitimations- karte vorzuzeigen,_ Ter Borstand. I A,: Hermann Kunze, Ntltill iltr MliUinistkn. Dchtl und Mrufsgenossen Berlins und Umgegend. Sonntag, den 16. Juli, nachmittags 5 Uhr: Ordentliche General- Versammlung bei Cohn(kleiner Saal), Beuth-Strasse 19/20. TageL- Ordnung: Mitteilungen, Kassenbericht, Bericht der Revisoren, Beratung etwa gc- stcllter Anträge. DM- Mitgliedsbuch legitimiert,"TfG 138/12__ Der Vorstand. I, 81.; Holz. BerbanS der Möbelpolierer. Montag, de» 17. Juli, abendS 8Vz Uhr, Andreasstr. 26: Versnnnnlung. T 11 g e S- O r d n n n g: 1. Diskussion über die Bertraiieiismäiincr-Eentralisation und wie gc- denken wir unsere Organisation in Zukunft auszubauen 2 2, Verschiedenes, DM- Die Kollegen, welche durch Verhinderung ihr Mitgliedsbuch in Geiicralversainiiiliing nicht erbalten haben, küiiiicn dieses in obiger Vcr- WWWW sainiulung von 8—9 Uhr in Empfang nehmen, Der Vorstand. 146/17 Vtlbünd der in Buchbindereien, der P Dpi er- und Leder- Galnnteriewaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter lind Arbeiteriimen Deutschlauds. Zahlstelle Berlin. Montag, den 17. Jnli I8N», in der Nene» Welt, Hasenheide 198—111: Cxrossss Sommerfest zur Feier des guteu Montags. (k Cllrtell-Koilzttt, TpecilllMt« 1. Rililges, Felltmerk. Thcntcr-A'orstcllung: für Kinder. I'aehelznxx. Im Bai chainpdtre von 5 Uhr an: t&vntifiV lürtll Eintritt in den Saal für Herren 30 Pf,, für Damen 10 Pf, vJlu BH Ullll, DM- JcdcS Kind erhält am Eingang zwei BonS für Stocklatcrne und Schaukel oder Karonffel:c, DM- Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen von 2 Uhr an geöffnet, Billct 29 Pf,, an der Äaffc 25 Pf, Ansang des Konzerts 1 Uhr. Programm gegen Abgabe des BillctS gratis, Billcis sind noch in allen Zahlstellen, in den mit Plakaten belegten Handlungen, sowie bis Akoiitngmittag IS Uhr in nnscrcm Bure an, Auncnst raste 50, zu haben, 24/13 Um recht zahlreichen Besuch bittet Die Ortsvcrwnltnne. Bergmigungs-Rlub„Arion". Sonnta-z, den 10. Jnli 1899: Dampferpartie mit Musik nach Nedlitz bei Potsdam. Abfahrt morgens 7>/z Uhr vorn Schlütersteg(Bahnhof Fricdrichstraste). Billcts a i,50 M, bei P, S ch w l g k, Luckauerstr.!0 IV; A, T e tz l a ff, Manteuffelstr, 63 IV; F, H errnb ed, Willibald 8lleriss!r. 25 part, s 131110 Organisation der Steinarbeiter Berlin I. und 11. Sonnabend, den SS Juli, in der..Kronen- Brnnerci", Alt-Moabit Ko. 47—4»: —@»�ommev-JcR, bestehend aus Konzert, Specialitäten-Borftellung und grohein Ball. Alle Kollegen und Freunde ladet hiermit freundlichst cm 172/16 Das Fest-Koniitee. Max Kliems Sommer-Theater Ilascnhclde 14—15. Artistische Leitung: Paul Atilbih. ISF Täglich: Croßcg Wten-Koilzert. � Theater- und Specialitäten-Vorstellung. Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Speeialitäteii-Persoiinls. Nur erstklassige Kräfte. Ceorg Plsebsr(Liedersängcr), Karl Curseb(Tanz- ParodisI), Fma Barnola (Kostüiu-Soubrettc), Vcndaro-Irlo(Phänomennl), Prsrcs Rosini(Eqiiilibristen), Mr. Leotardl(Alitivode), T.'cncs gediegene» Fainillcn-Prograniin. Socialilemokratisclier Walilvercin f. den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Den Genoffen zur Nachricht, dost unser Mitglied, der Tischler Wilhelm Voss Adolsstr, 14, am Mittwoch verstorben ist,— Die Beerdigung findet am Sonntaginittag 1 Uhr von d, Leichen- Halle des Moabiter Kraiikenhaiises aus statt, 247/9 Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Borstand. Zterbtklljse thtiiilll. Pftgschtr Arbtiter (HGicliche Kasse). Sonntag. L3. Juli er., vormittags präc, 10 Uhr, bei Nnmanu, früher Gründet, Briiiincnstr, 188: llenerkll-Vei'LAMMluvg. T a g e s o i d Ii u ii g: 1, Verlesung des PiotokollS der Generalversominliiiig vom 22. Januar 1899, 2, Kassenbericht pro 1, Halb- jähr 1899 und Bericht der Revisoren, 3, Festsetzung der Zeitungen pro 1900. 4, Verschiedene Koffenangclegcnhettcn Das Mitgliedsbuch legitimiert, - 4,••■ 1317b Der Borstand I, A,: Otto Winkl er, Allen Gcnoffcii u. Verwandten die traurige Nachricht, dast meine liebe Frau Martha Xcrnlko geb. Brückner am 13, Jnli nach kurzem aber schweren Krankenlager in der Cbaritc verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag nacknnittag 5 Uhr von der Charitä ans nach dein Charito- Friedhof, Mlillcrstraste, statt, 2212L Oer trauernde Gatte nebst Kindern. LMWtmb.SteiilMttt Berlin I und II, Der� am 10, Juli verstorbene Stein- nictz 172/17 Urigi Dell Mascliio wird mit Sonntag den 16, Jnli nach- mittags 5 Uhr von der Leichenhalle des St, Mattbiirs-FricdbvfS, zwischen Mariendorf und Friedenau, ans bc- erdigt, Ersiichc um zalsircidic Bc- tciligiing, P. Fischer. Weiter-MWer-Verml „Berlin". Morgen 8 Uhr: Koppenplatz n, Liepnitz- scc, Zehlcndors, Don- ncrstag: Vcrsauuul.III, Schöutcuisiraste 6. 12/4 Empfehle meine drei Rostanrants: Bühi'iznhl, am Müggelsee, Tciifblnscc, Müggelberge, Marlenlnst, u. v, Dahme, zwiscpen'Crllnau und Frlcdrlchshagsn, bei Fustparlien über die Müggel- berge, 1676L'' t. Slreiehlian, Besitzer des Kaiserhofs Eopenirk. ZtömwiidergskeLlAiuMl Treptow, Parkstrasse. (Ii rast er Saal.— Grosier Garten. 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