Ur. 165. Adomtments-Kedtngungen: Abonnements-Pret» pränumerando: vterteljährl. 3,30 Mb, monatb 1,10 Mb. wöchentlich 23 Psg. frei tnS Hau». Sinzeine Nummer 5 Pfg. Tonnlag», Nummer mit illustrierter Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" 10 Plg. Post- Abonnement t 3,30 Mark pro Quartal. Singetragen tn der Post-Zeitung», Preisliste für Ig20 unter vr. 7gS<>. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige«utland 3 Mark pro Mona». Srscheink täglich nutzer Monkng». Vevlinev Volksblakt. 16. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr oeträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zetle oder deren Raum 40 Pfg., für poltttscheund gewerkschaftliche Verein»- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Klelue Anzeigen" jede» Wort S Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« tn dorErpedttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 3 Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:«mk l, Hr. 1608. Telegramm- Adresse: «Sorialdemokrat Verlin" Centvawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Sedaktinii! LTV. 19, Senlh-Slratze 2. Dienstag, den 18. Jnli 1809. Expedikivn: SW. 19, Veukh-Skrasze 3. Oestreichische Sommerpolitik. — bt— Wien, 14. Juli. . Der Ausgleich wird nun bald„durchgeführt" sein. Mit minutiöser Genauigkeit sind alle Einzelheiten'des grohcn Staats- strelches vorausbestimmt: zu den Verordnungen, deren„dringende Notwendigkeit" sich plötzlich„herausstellen" wird, sind schon die Voll- zugsvorschriften festgestellt, und das Publikum wird seit Wochen amtlich darauf vorbereitet. daß am 1. August die Znaersteuer um 6 Gulden per IVO Kilogramm erhöht werden wird. Diese Erhöhung der Znckersteuer ist sicherlich eine der gehässigsten Maßregeln, die jemals ein Ministerium zu verüben sich vennessen hat. An sich ist jede Verschärfung der lndirekten Steuern eine antisociale That, die hier umso erbitternder wirkt, als sie von einem sogenannten„Socialpolitiker", dem jung- czcchlschen Finanzminister Dr. Kaizl. verübt wird. Dazu kommt noch, daß die Erhöhung vollzogen wird ohne Parlament, daß sie der Bevölkerung auferlegt wird ivie eine Kontribution etwa in der Türkei. Aber auch sachliche Gründe sind für diese über alle Matzen odiose Steuererhöhung nicht vorhanden. Die finanzielle Lage des Staates ist, wenn auch nicht glänzend, so doch befriedigend: der Ertrag aller Stenern wächst genügend, um es überflüssig erscheinen zu lassen, die Stcnerschranbc scharfer anzuziehen. Die Negienmg thut zwar so. als ob sie die neue Einnahme zur Bestreitmig der Kosten der Reaulienina der Dlenstgchalter brauchen würde; in Wirklichkeit braucht inau aber das i1!1 �Ie w' Hintergründe lauernden neuen Forderungen des Multarismus. Die neue Steuer soll die Negierung in den Stand fetzen, sich gegenüber den Wünschen der Kricgsverwaltung splendid zu zetgen: und je willfähriger ein östreichisches Ministerium in dieser H'nstcht ist,, desto gefestigter wird seine Stellung»ach oben. Es ist aber gar nicht unmöglich, daß die Negierung hier den Bogen über- spannt: daß man ihr, der man alle Attentate auf die Verfassung verziehen Hag das Attentat auf den Geldbeutel nicht verzeihen wird. Der Stilmp/sinn. mit dem man in Ocstrcich den verschämt unverschämten AbsoliitismuS erträgt, kann sich in eine tiefe Erbitterung *J S'V, V I V. I| l,| V " sie fast alle nur mittelbar: die Erhöhung der Zucker- steuer, die natnrgemäß eine wesentliche Verteuerung dieses wichtigen Konsummittels hervorrufen muß. wird es aber jederniann faßlich machen, was eine skrupellose Regierung, die durch kein Parlament gezügelt ist. für Unheil anrichten kam,. Mit der„Durchführung" des Ausgleiches, das heißt mit der Kundmachung einer Anzahl verfassnngswidriger Verordnungen, ist aber das politische Programm der Negiening Thnn für den Sommer nicht erschöpft. Auf dem Programme steht auch eine„VcrsöhnungS- aktion", eine jener obligaten Versuche mit mitanglichen Mitteln, zu einer Lösung des deutsch-czcchischcn Sprachcnstreitcs zu gelangen. Da im September der Ncichsrat einberufen werden muß— man braucht dieses arme, genotzüchtigte Parlament»och immer als Wahl- lollegium für die Delegationen— so muß Graf Thun auftands- halber etwas„thun". ivas seinen guten Willen zur Behebung der chronischen Krise erweist. Obwohl sich kein Mensch mehr in Oestreich darüber täuscht, daß diese Rcgiermig der Verfassnngsvcrlctzmigcn in Permanenz so ziemlich die ungeeignetste ist, um eine„Versöhnung" der hadernden Nationalitäten herbeizuführen, muß Gras Thun den Versuch noch einmal machen, schon als Deckung gegenüber der Krone, bei der unzweifelhaft der Wunsch nach Beseitig, mg dieses dcrnütigendeii, das Reich entwürdigenden Ziistandes sehr lebhast ist. Wenn man in Oestreich eine Sache nicht machet, will, der Welt aber doch Sand in die Augen streuen möchte, so beruft man allerwegs eine Enquete ein. Nirgendswo in Europa wird so viel„enquetiert" wie in diesem lieben Oestreich. wo man doch gar nichts macht und nichts zu machen die Neigung hat: hier sind die Enqueten eben Selbstzweck. In der Politik vertreten die Stelle der Enquete die Konferenzen; speciell in der Sprachcnfrage haben wir schon ein Dutzend Kon- ferenzen gesehen, verbindliche und unverbindliche Vorbesprechungen und meritorische Verhandlunge», Konferenzen zwischen den Parteien und Konferenzen der Parteien mit den Regierungen. Hundert gegen eins kann man Ivetten, daß die»eueste.Sommeraktion" wieder eine „Konferenz" sein wird. Nicht unwahrscheinlich ist es. daß es dies- mal»ur bei einem Versuche bleiben wird, denn die deutschen Ab- geordneten werden es sich wohl gründlich überlegen, sich mit einem Menschen wie dem Grafen Thun an einen Tisch zusammenzusetzen. Graf Thun wird voranssichtlich die Deutschen laden, sie werden nicht komme« und Graf Thun wird also„gerechtfertigt" sein, daß es „nicht" seine Schuld sei. wenn er die Deutschen nicht versöhnt habe. Der Reichsrat wird natürlich wieder dem an- archischen Zustaude verfallen, in dem er sich seit zwei Jahren befindet, und wenn man die Delcgationswahlcn durch- gelistet haben wird— sie mit den gewöhnlichen Mitteln der Obstrnktion zu verhindern, geht nicht, man müßte da schon zn dem Angriff auf die Urnen schreiten, wie es in Italien geschah—. so ivird sich die Regierung beeilen, das Parlament wieder in der Bcr- senkung verschwinden zu lassen. Man darf nämlich nicht vergessen, daß die Regierung Thun die Lähmung des Reichs rates heute geradezu braucht, dem, sie erspart ihr die Verantwortung für den verfassungswidrig durchgeführten Ausgleich. Die Regierung begeht, indem sie den Ausgleich ohne Parlament macht, etwas, was sie nicht verantworten kann; was Wunder also, daß sie froh ist, der Verantwortung zu entgehen. Eine Regierung, die nur möglich ist, wenn das Parlament tot istO die ist wirklich eine ganz uugeeigncte Regierung für die Aufgabe, das Parlament zum Leben zi! erwecken. Man könnte freilich auch die Regierung wegschicken und die Lösnng der Parlamentskrise weniger bemakelten Leuten anvertrauen, als es die Mitglieder des Kabinetts Thun sind. Lebensfähig ist diese Regierung natürlich nicht mehr: so lange sie am Ruder ist, kam, auf eine Aenderung der innerpolitischen Sitnation absolut nicht gehofft werden. Ob sich der Monarch zu einem Personenwechsel schon Heuer oder erst vor der nächstjährigen Frühjahrssession entschließt, steht dahin. Aber das ist leider ganz sicher: Mehr als ein Personenwechsel wird, ja kam, es nicht sein. Man läßt einen Zustand, wie der ist, in dem sich Oestreich befindet. nicht ungestraft zwei Jahre lang bestehen; da frißt sich die Krankheit tief in den OrganisinnS und gestaltet sich zu einer unheilbaren. Ein Staat, der seiner Bevölkerung so absolut gleichgültig geworden ist, wie Ocstrcich es seinen Bürgern ist. ein Staat, den niemand will und den jeder wie das Unglück flieht— ein solches Gemeinwesen ist nicht zu retten. Europa kann an den Geschehnissen in Oestreich das lehrreiche Schauspiel betrachten, wie ein Staat durch das Ungeschick seiner Lenker versällt und zerfällt. Die neue Z u ck e r st e u e r hat bereits in Mährisch- O st r a u zu Unruhen geführt. Aus Troppau wird gemeldet: Am Sonntagvormiltag fand in Mährisch-Ostran eine Bersaimn- lmig statt, in der gegen die Verteuerung der Lebensmittel protestiert wurde. Nach Schluß der Bcrsammlmig veranstalteten die Teil- nehmer eine Kmidgebung in der inneren Stadt. Die Gendarmen lind Sicherheits- Wachmannschaften zerstreuten die Menge und ver- hafteten zehn Personen. Weitere Ruhestörungen kamen nicht vor. politische Ltebeeficht» Berlin, den 17. Juli. Das kompromittierte Centrui». DaS Centrum hat in München die Wahlabmachiing mit der Socialdemokratic gehalten. Es wurden in der Haupt wähl am Montag drei Socialdemokraten und zwei Mitglieder des Centrums gewählt. Das Centrunl mutz den Abschluß eines socialdcmokratischen Biind nisscs mit schwerer Entrüstung nicht nur der in Bayern unter- legenen Nationalliberaleu, sondern auch der preußischen Scharf macher büßen, welchen die Gelegenheit höchst willkommen ist, der mächtigen und denn doch nicht jeder reaktionären Blödheit zustimmenden Centrumspartei ihr Mißtrauen auszusprechen und diese Partei wenn möglich„nach oben hin" zn bis kreditieren. So schreibt die„ N h e i n.- W e st f. Ztg." gegen die„Germania": „Zuletzt rafft sicki dann die„Gennania" zu der Versichetliiig ans, daß sie dies Wahlbündnis„principiell nicht billigen könne. Das sind natürlich alles lcicbt erkenntliche Spiegelfechtereien. Thatsächlich hat die bayrische Ccntrnmspartei die Bnndcsgcnosscnschast der Socialdemokratic g e sucht und a n g e n o m in e n, um mit dieser Hilfe die Parka- mcntarische Herrschaft in Bayern an sich zu reißen und danüt die bisherige Lücke zn schließen. Auch in diesem Falle mußte der Zweck das Mittel heiligen." Die„Post", welche sich durch die dem Kapital eigene Freiheit pon jeglichem religiösen Sinne auszeichnet, liest dem Ceutrum erbauliche Lektionen, daß seine Geistlichen und Kapläne die Gemüter der frommen Gemeinde verwirrten, indem sie nicht gegen, ja sogar häufig f ü r die„religions> feindliche" Socialdemokratie den— nur für Unternehmer Interessen zu gebrauchenden!— Beichtstuhl gemißbraucht hätten. Es verlohnt sich, einige Sätze der zornigen Epistel festzustellen: „Gezeigt haben jene Ereignisse ferner aucb, daß das b a y r i s ch e C ei, t r n m, nur um seine Herrschaftszwcckc zu erreichen, alles, seine Grundsätze, scinc Ehre und sein Gewissen, prcisgiebt.... Wohl aber müssen wir fragen, wie sich nach Abschluß des Wahlbündnisses mit den Sozialdemokraten die Aus- sührmig der priesterlichen Wahlagitation thatsächlich gestaltet hat. Indem die CenirumSwähler verpflichtet worden sind. Social- demokratcii zu wählen, sind sie z u r W a h l der g r i m m i g st e u Feinde der Religion und der Kirche, der Mon- archie und der bürgerlichen Gesellschaft mit der Drohung gezwungen worden, daß sie sich im WeigernngSfallc schwer gegen dieselbe Religion und Kirche versündigen und als Abtrünnige im Glauben angesehen würden. Kanzel und Beicht- stuhl sind dadurch thatsächlich zn Agitationszwectcn für die Umstnrzpartei mißbraucht worden.... Wir nehmen keinen Anstand, die Agitation der unteren Geist- lichkeit, wie sie diesmal betrieben worden ist, als deS Amtes und der Stellung, die der Geistliche in der Bevölkerung einnehmen soll, durchaus unwürdig zn bezeichnen. Der katholische Geistliche«rsreut sich eines ganz besonderen Ansehens in seiner Gemeinde: was er sagt, das gilt als unverbrüchliche Wahrheit: was er schon im Privätgespräch äußert, dem wird von den meisten Mitgliedern seiner Gemeinde Folge geleistet, und wenn er gar die Kanzel und den Beichtstuhl benutzt, um seine Gemeinde nach seinem Wunsche zu leiten, so ist lein anderer Ein- flutz stark genug, um ihm das Gegengewicht zu halten.... Es muß der Geistlichkeit verwehrt werden, eine der- artige Rolle zu spielen... Die Geistlichkeit muß aus der thätigen Anteilnahme an den Wahlen mehr zurücktreten. Dann werden auch solche bedauerlichen Vorgänge, wie wir sie jetzt in Bayern gesehen haben, sich nicht wiederholen, dann werden wir nickt das Schauspiel erleben, daß ein Mann, der die g ö t t- liche Wahrheit auf Erden predigt, dazu auffordert, den An- hängern der Partei, die die Religion zerstören will, die Stimme zu geben." Me„Post" hofft schließlich, das preußische Ceutrum werde dafür sorgen, daß sein bayrischer Flügel solche Schändlichkeiten nicht wiederholen werde. Die„K r e u z- Z e i t u n g" aber hofft weiter. Mit vorsichtig verhaltener Begier nach neuen Wendungen in der Reichspolitik wendet sie ihre Betrachtung über die bayrischen Vorgänge mit der Andeutung: Ob aber die bayrische Wahlschlacht auf die Partei- konstellation im Reiche klärend und fördernd ein- wirken lvird, ist eine Frage, auf welche man vorläufig die Antwort wird schuldig bleiben müssen." Die Uebermacht des Centrums ist den Konservativen schweres Aergernis. Da das bayrische Centrum nicht den gewünschten Grad politischer Verranntheit aufweist, um unter gewissen Umständen ein Bündnis mit einer ihm gegnerischen Partei zu verschmähen» so glaubt das vom Centrum bei seite gedrängte Scharfmachertum hier einen günstigen Anlaß ge- fuiiden zu haben zur Diskreditierung jener Partei—„nachoben hin" und zu ihrem Sturze in den Parlamenten. Letzteres übrigens ein Ziel, dessen Verfolgung kein Scharfmachertum eifriger betreiben kann, als gerade wir— trotz deS bayrischen „Kuhhandels!"—_ Die Ruicrikaiicr auf den Philippinen. Die letzten aus Manila hierher gelangten Mitteilungen lassen erkeimeii, daß die amerikanischen Truppen die Positionen, die sie in der llmgcgend Manilas und im Norden der Provinz Cavite ge- Wonnen hatten, fast sämtlich wieder verloren haben. Manila ist vollständig von dem philippinischen Heer eingeschlossen. Amerika- Nische Patronillen. die sich wenige Kilometer über die Stadt- iiiancrn hinanswagen, stoßen überall ans die vorgeschobenen Posten der Filipinos. In der Stadt selbst herrscht � unter der tagalischen und der Mestizen-Bevölkerung eine heftige Gährung gegen das amerikanische Militär. Wenn die Militärbehörden bisher noch cinigermaßeii die Ruhe in der Stadt aufrecht lzu erhalten ver- mochten, so verdanken sie das lediglich der Furcht der einheimischen Bevölkerung vor eine», Bombardemcnt Manilas durch die feindliche Flotte. Die heutige Lage gleicht völlig der vor dem Eingriff der Amerikaner in die spanisch-tagalischen Kämpfe. Wie damals die spaiiische» Truppen sich nach und nach immermchr auf die eigentliche Stadt zurückgezogen hatten, so sehen sich jetzt auch die Amerikaner trotz aller komischen Sieqesfanfaren des Generals Otis ausschließlicki auf die Vcrteidigimg der Stadt Manila gegen die An- griffe der Filipinos beschränkt: eine Aufgabe, der sie nur unter Aiispailnuiig aller Kräfte mid mit Unterstützung ihrer Flotte zu genügen vermögen: denn von dem Laudheer liegen an 4500 Mann in den Hospitälern und auch die übrige Mannschaft ist durch den fortwährenden Wachdienst und den Kleinkrieg mit den philippinische» Insurgenten völlig erschöpft. Es ist die wohlberechnete Taktik der Filipinos, daß sie großen offenen Kämpfen möglichst ausweichen, dafür aber durch fortwährende kleine Angriffe und Ucberfälle die aincrikanuchen Truppen in Beweginig halte». Das überdies allem Anschein nach auch noch schlecht geführte amcrikaiiischc Heer muß büßen, was die amerikanischen imperia- listischen Politiker und die hinter ihnen stehenden Kliquen der Eisen- bahn- und Exportinagnate» in ihrer Unkenntnis der philippinischen Verhältnisse und in ihrer Begierde nach neuen Ausbeiitungsobjekten verschuldet haben. Hätten die amerikanischen Großkapitalisten ihre Ansprüche ans Manila und Cavite und einige Dependenccn an] der Bai. sowie auf die Insel Cebn beschränkt und im übrigen der philippinischen Bevölkerung die Selbstregieruiig unter amerikanischem Protektorat zngestanden, so.würden höchstwahrscheinlich die Filipinos sich nach einigem Sträuben zufrieden gegeben haben. Und da bisher schon der ganze auswärtige Handel der Philippinen sich auf diese wenigen Plätze konzentrierte, hätten die Amerikaner bei einigem Geschick leicht die„philippinische Republik" in ökonomischer Ab- häiigigkcit halten können. Luzon und die Visayas-Gruppe wären gewissermaßen zu einem bloßen wirtschaftlichen Hinterland der äiiierikamschen Besitzungen geworden,— besonders wenn die Ver» cinigtei, Staaten sich das Recht gesichert hätten, die nördlichen Tabak» und Znckerdistrikte Luzons durch Eisenbahnen mit Manila zu verbinden. Außerdem hätte die Rasieu- und Stammesfeiudschaft, die zwischen den philippinischen VolkSstämmeu, de» Tagalen, Visayern, Pam» pangas, Jlokanei, usw.. besteht. der amerikauischeu Verwaltung reichlich Gelegenheit geboten, einen gewissen Einfluß auf die philippinische Negierung auszuüben. Aber die amerikanischen Groß- lapitalisten wollten die völlige Aimektion des Archipels, um dort unter der besonderen Gunst der von ihnen geleiteten amerikanischen Regierung eine ähnliche Plantagenwirtschaft ei»zuführen, wie auf den Hawaii- Inseln. und sich zugleich vorteilhafte Stützpunkte für den ostasiatischen Handel zu sichern. Sic glaubten mit den Philippinen »och weit leichter fertig z» werden, als mit Kuba. Darin haben si« sich jedoch, wie die jetzige traurige Lage der amerikanischen Truppen in Manila beweist, gründlich getäuscht. Nun sollen weitere Nachschübe frischer Truppen helfen. Auch die neuen Regimenter werde», wem, nicht»och immer weitere und größere Truppcnmasscn folgen, ivenig ausrichten. Wollen die Ver» einigten Staaten die Filipinos zur Anerkeuuung ihrer Herrschast zwingen. dann müssen sie an allen wichtigeren Plätzen der Küste und des Innern Truppen stationieren und zwischen diesen Stationen gegen den Guerillakrieg der Filipinos eine nnnnterbrochene Verbindung aufrecht erhalte». Das erfordert aber nicht nur große Geld-, soiidcru unter den klimatischen Verhältniffen LuzonS noch größere Menschenopfer. Es ist daher recht wohl zu verstehen, wenn jetzt der Präsident der amerikanisch-philippinischen Civilkommission. Schurmann, für Gewährung der Autonomie an die Filipinos ein» tritt. Leider scheint seinem'Vorschlag in der Union wenig Gewicht beigemessen zu werden. Einflußreiche amerikanische Interessenten» kliquen wünschen die Anncktion, und dieser Wunsch ist ihren KommiS in Washington Befehl. Ob die Erfüllung des Verlangens Tausenden oon Menschen das Leben kostet, ist Nebensache.— „Friedenskonferenz". Zu dem Schiedsgerichts-Entwurf sind von den Re« gierungen»och verschiedene AbänderungSanträge im Haag ein« gegangen. Der deutsche Delegierte auf der Friedens« lonfcrenz, Professor Zorn wird, wie verlautet, gegen den„zu juristisch und zu destnitiv klingende»" Ausdruck„Schiedsgericht" protestieren und dafür den Ausdruck„Institut für Schieds- s p r u ch" vorschlagen. Der Brüsseler„Petit Bleu" erzählt, wie wir der„Z ü r i ch e r Post" eiitnehmen. einige erheiternde Züge, die das Bild der Komödie vervollstäudigeii. Als die Vertreter der Großmächte sich rund und nett gegen die Abrüstung erklärt hatten, ergriff der Führer der bulgarische» Delegation das Wort und hielt eine feurige Rede gegen den Krieg: die Ablehuuug der Abrüstung nannte er dabei eine„Schande s ü r d i e m o d e r n e Menschheit". Man mag sich de» Erfolg dieser Improvisation vorstellen! Die Mehrzahl der ausländischen Abgeordneten verlangte, daß die Rede des Bulgaren nicht ins Protokoll a u f- e n o m m e n werde; darauf erklärten die Vertreter des Fürsten Ferdinand, daß sie in diesem Falle die Rede auf anderm Wege in die Oefseiitlichkeit bringen werde». Der Zweck ist durchsichtig. Sie kmßten lvohl, daß ihr Protest pintonisch war, aber er machte dem—? Frankreich und speciell in Paris der Wunsch keineswegs vereinzekt Zaren Freude und daran liegt dem Fürsten Ferdinand nicht wenig, auftritt, daß Kaiser Wilhelm II. zur Weltausstellung nach Paris In derselben Sitzung führten die griechischen Abgeord- kommen möchte, so würden doch, auch wenn der Kaiser selbst Person- tcn einen höchst ungeschickten Schachzug aus. Herr D e l h a n n i s lich nicht abgeneigt sein sollte, eine solche Reise ins Auge zu fassen, deklamierre auf die bulgarische Rede, nie werde Hellas sich zur Abrüstung verstehen, bevor die Schmach de letzten Krieges gegen die Türken abgewaschen sei. Die Entrüstung war höchst überflüssig, das Abrüstungsprojckt hatt bereits verröchelt. Der Erfolg der Deklamation lvar nur der, daß sie sowohl den Sultan, als den Zaren wütend macht. Im„Radikal" resümiert H. M a r e t die Ergebnisse der Konferenz in folgender„Resolution „Tie Abgesandten der verschiedenen Nationen, einig im Wunsch, de» Krieg nie zu unterdrücken, spreche»« ein stimmig die Ertvartnng aiiS, das- der Friede»ncntwegt ans rechterhalte»»verde. Das ist, fügt Maret bissig hinzu, gerade so, wie wenn ein Gericht einen Angeklagten zn zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilte, mit der Erklärung, es halte ihn für unschuldig. Von den schweizerischen Blättern ist die über wiegende Mehrzahl der ausgesprochenen Ansicht, daß der Erfolg der Konferenz gleich Nllll sei, Tie Genfer Konveulion hätte sich in aufrichtigerer Gesellschaft gründlicher revidieren lassen und das„Schiedsgericht"— P a p i e r w i s ch! Die„S» i s s e liberale" bemerkt, die Schweiz habe mit den Haager Heucheleien nichts mehr zu schaffen; die Pflicht diplomatischer Höslichkeit hat sie ersüllt, ihre Vorschläge hat man abgelehnt. Damit ist unsere Auf- gäbe zu Ende.„Was man uns im Haag verweigert hat, ist eine Sache, deren Entscheidung nicht den iläglichen diplomatischen Ver Handlungen hinter geschlossenen Thürcn zusteht, die Völker selbst haben sie bei Hellem Tageslicht zu treffen." �* Itiib täglich kommen Nachrichten, welche die Lächerlichkeit der Haager Farce»och vermehren würden, ivenn eine Vermehrung noch deirkbar wäre. In Nußlniid wird das jährlich zu stellende Rekrutcnkontingent kurz und bündig durch einen Ilkas des Zaren festgestellt. In dem soeben in der„Noweje Wremja" veröffentlichten, bezüglichen Manifest wird die Zahl der Rekruten für 1880 auf 201 000 Mann festgesetzt, was gegen die Vor jähre eine Steigerung bedeutet. Also auch in dieser Kundgebung des Zaren offenbart sich die Macht der Friedensidee. Zugleich berichtet die„New Aorker Handelszeitung" über nrnc umfangreiche Vestellungr» von Kriegsmaterial in den Ver- eii» igten Staaten: .... Des weiteren glauben die hiesigen Fabrikanten von Kriegsmaterial mit ziemlicher Bestimmtheit darauf rechnen zu dürfen, daß ein ansehnlicher Teil der von der russischen Regierung für Aus- rüstung der Artillerie mit 6000 neuen Geschützen zu verausgabenden angeblichen 20 000 000 Doll. seinen Weg nach Amerika finden wird .Bereits hat Rußland amerikanische Firmen aufgefordert, sich an einem im August d. I. bei St. Petersburg stattfindenden Kongreß zu beteiligen, bei welchem es sich um Er Mittelung der in der Lieferung von Geschütz Material l e i st u n g s f ä h i g st e n Firma der Welt handelt. An der Konkurrenz werden sich von deutschen Firnien be- teiligen besonders Krupp in Essen, von englischen Firmen Vickers Son und Maxim, Armstrong und Hotchkiß, von französischen Finnen Schneider»ind die Nordenfcldt Co. Inzwischen sind Vertreicr der rnsfischen Regierung nmerwcgS, um sich über die Leistungsfähigkeit der zu konkurrierenden Finnen an Ort und Stelle zn überzeugen.' So wird ans Bridgcport. Conn., gemeldet, daß dem dortigen Etablissement der �„American Ordnance Co," ein Vertreter der rnsfischen Regierung einen Besuch abgestattet und Ilntcrhandlnngcn angeknüpft habe, die c i n i g e ll e b c rra s ch u n g hervorgerufen haben, da sie v o n d e m M o n a r ch c n a u s g e h e n, a u s dessen Anregung der gegenwärtige Abrüstungs- oder Frieden s-Kongrrß inrHaag lagt. Danach handelt es sich uni die event. Lieferung von Itlv Feld Batterien von je sechs 6- und 12pfl!ndigcn Geschützen, sowie von IVOO MnnitionSwngcn und Protztnstcn. Die Ordre würde einem Werte von 6 000 000 Dollar entsprechen. Wie es heißt, macht die russische Regierung es zur Bedingung, daß, falls die ganze Lieferung einer Firma zuerteilt wird, der größere Teil der Arbeit in einer in Rußland selbst zu errichtenden Fabrik vollendet werden muß."— Die Transvaalkrifis ist aus dem kritischen Stadium herausgetreten. Die englische Regierung hat den direkten Verkehr mit der Boeren-Regierung wieder aufgenommen. Das beweist noch nicht, daß die Be- ziehungen wieder freundlich sind, aber es beweist, daß sie keine akut feindlichen mehr sind. Die Lage hat sich insofern positiv gebessert, als nun auch unter den Uit- l a n d e r s selbst Widerstand gegen die Hetzpolitik sich zu äußern beginnt. Wie über London heute telegraphirt wird, finden zu I o h a n n i s b u r g im Transvaal feit einigen Tagen stark besuchte Protestversammlungen gegen den Krieg statt. Es war dies bei Andauern der Spannung mit Be- stimmtheit zu erwarten. Denn Johannisburg ist in wenigen Jahren zu einer sehr bedeutenden Geschäftsstadt heran- gewachsen, jedenfalls zu der bedeutendsten in Südafrika— und die Boerenregierung, gegen die von den Agenten des edlen Bruderpaares Rhodos und Cham- b c r l a i n der stereotype Vorwurf erhoben wird, sie hätte kein Verständnis für die Forderungen der Neuzeit, hat für die industrielle und kommerzielle Hebung der Stadt, sowie überhaupt dos Landes außerordentlich viel gethan. Unter den Wirren der letzten Jahre hat das Geschäft aber natürlich schwer gelitten und liegt jetzt fast ganz darnieder. Schon in dem zu Johannisburg erscheinenden englischen„Standard and Diggcrs News"(„Standard und Goldgraber-Zcitung") vom Juni, die uns vorliegt, wird bitter Klage geführt über die Umtriebe der zum Krieg hetzenden„Uitlanders". die sich dazu hergeben, Handelund Wandel zu beunruhigen, und diedadurchdie Mehrheit der Uitlanders in ihren Interessen schtver schädigen. Von den 100000(nach anderen Schätzungen sogar 900000)„Uitländers" im Transvaal ist doch nur eine kleine Minderheit an dem verbrecherischen Treiben der Rhades und Chamberlain beteiligt.— Inzwischen haben gestern in London wieder große Kundgebungen gegen die Kriegshetzer statt- gefunden. Auf Trafalgarsquare protestierte eine kolossale Volks- Versammlung; es wurde eine sehr hefttge Sprache geführt. Herr Chamberlain wird gut thun, bei Zeiten sich der öffent- liehen Meinung zu unterwerfen. Sonst spielt er ein ge- wagtes Spiel. Er war am Donnerstag schon genötigt, im Unterhaus seine faule Akticngeschichte„zu erklären", und seine besten Freunde müssen eingestehen, daß ihm das„durchaus nicht zufriedenstellend" gelungen ist, und daß er eine recht klägliche Figur gespielt hat. Die Sache wird das Unterhaus noch weiter beschäftigen._ Deutsches Weich. „Aus Hofkreisen" übernimmt der offiziös bediente„Hamb. Korrespondent" folgendes: „Vielfach besteht die Meinung, es sei bereits so gut wie sicher, daß der d e u t s ch e Kaiser die nächstjährige Pariser Welt- ausstellung besuchen werde. Das ist ein. Irrtum. Wenn in einer Ausführung des Planes von vomherein so erhebliche Be- denken sich entgegenstellen, daß einstweilen nicht recht abzusehen ist. ob sich ihre Entkräftnng als möglich erweisen werde. Der im vorigen Jahr geplante Besuch des Pharaonenlandes unterblieb, weil an bestimmten Stellen des Erdenrunds die Neigung stark sich be- merlbar machte, eine Hinkunft des Kaisers politisch auszubeuten in einem Sinne, der vom Standpunkt der deutschen Politik als ein erwünschter nicht betrachtet werden konnte. Das würde bei einem Kaiserbesuch in Frankreich wahrscheinlich in noch verstärktem Grade der Fall sein. Außerdem aber Iveiß doch noch kein Mensch, und auch der klügste politische Prophet vermag darüber noch keinerlei irgendwie verläßliche Vorhersage zu machen, wie im Jahre 1800 die politischen Ver- Hältnisse im allgemeinen und die in Frankreich im besonderen sich gestaltet haben dürsten. Schließlich muß auch die Frage als eine sehr wichtige mit in Betracht gezogen werden. ob die französische Neglernng in der Lage sei, genügend Bürgschaften für die Sicherheil der Person des Kaisers zu bieten." Es ist anffällig, daß in diesen Bemerkungen etwas bestritten Ivird, was öffentlich in der deutschen Presse niemals behauptet worden ist.— Keine Gliickivnuschc. Dje Nachricht, daß nach dem Telegramm- Wechsel des Kaisers Wilhelm mit dem Präsidenten Lonbet der König von Schweden an beide Staatsoberhäupter Glückwunsch- schreiben gerichtet habe, wird vom Nordischen Telegraphcnbureau als gänzlich aus der Luft gegriffen erklärt. Ans die politische Untauglichkeit der angeblichen Glückwünsche wiesen lvir schon in der vorigen Stummer hin.— Tie Mucker° Eamartlla hat wie auf Kominando gleichzeitig ihre öffentliche Thätigkeit eingestellt.„Reichsbote",„Kreuz-Zeitnng", „StaatSbiirger-Zcitnng" schweigen. Man ist wohl zu der Meinung gelangt, daß. es das Wesen einer Camarilla sein muß, insgeheim zu wirken. Verschwörungen, die sich öffentlich ankündigen, bleiben Ko- mödien. Tie„Krcuz-Zeitung" hat nicht einmal' den Mut, ihren Montecuccnli vor dem Verdacht zn retten, daß er die Vorkämpfer der Reformation unter die„Liederlichsten" gerechnet hat. Die Absicht der Artikel mag ja übrigens doch erreicht werden. Sie mögen gelesen lvcrden, wo sie gelesen»Verden sollten. Dann witd'wieder hinter den Conlissen gearbeitet. Aber zugleich sind durch unsere Mitwirkung die Brandartikel auch dort gelesen worden, wo man es nicht gern sieht:' im V o l k. Und das Volk ist nicht vergeßlich.— Tas Recht und der Fall ZlronS. Die„Post" bestreitet die juristische Richtigkeit unserer Meinung, daß in dem Verfahren gegen Arons der RcchtSgrnndsatz„no bis in ickem" verletzt werde. Das Blatt bemerkt: „Die Bedeutung des obigen juristischen Grundsatzes wird vom „Vorwärts" hier in einer gröblichen Weise verkannt. Gewiß, wenn schon einmal eine Bcstrafnng erfolgt ist, so kann nicht wegen derselben Handlung nocbmals eine Bestrafung erfolgen. Wenn sich aber nach einem Frcispruch neue M o m e n t e ergeben, so kann auch ein.früheres Verfahren Ivieder auf genommen werden". Während die„Post" hier das nene Verfahren als eine Art Wiederaufiiahinc-Versahreil entschuldigt, spricht sie— in krassem Widerspruch— unmittelbar darauf von einem„neuen Verfahren. das mit dem früheren nichts zu thun hat Also auch ein„Wicdcraufiiohme-Verfabrcn" wäre unzulässig, da sich absolut keine neuen Momente für die Schuld Arons ergeben haben können, sofern nämlich auch das jetzige Verfahren — worüber wir nickt unterrichtet sind— auf das Partei- bekenntnis gerichtet ist; denn diese„Schuld" ist ja schon im ersten Verfahren zugegeben ivorden, es bedarf also gar keiner neuen Momente zum Beweise der„Schuld". Es wurde einfach festgestellt, daß die cingestaudene Schuld keine Schuld sei. Das einzige„neue Moment" ist die inzwischen erfolgte Acir dennig des Gesetzes, und das hat keine rückwirkende Kraft. Sc wird also gegen Arons in der That wegen des gleichen Delikts ein zweites Verfahren eingeleitet, ohne daß etiva neue Scknldbetveise ermittelr worden wären. Das Verfahren erinnert an jene„revo- lutionären" Vermischungen von Rechtsprechung und Gesctzgebmig. >vo man schleunigst ein neues Gesetz gab, wenn jemand, den man treffen wollte, nicht oder nicht hart genug auf Grund des be- stehenden Gesetzes verurteilt werden konnte.— Politik im Urheberrecht. Die„Berliner Neuesten Nachrichten jubeln über den Z 44 des Urheberrechrs-Entwurfs. Sie meinen, es »verde dadurch die Gefahr beseitigt, daß Publikationen, wie z. B. das Tagebuch Kaiser Friedrichs möglich tverden. Das Krnpp-Blatt irrt. Das Tagebuch ist von Professor Gcffcken ganz sicher„nicht unbefugt' vcröffcmlichr worden, und damit trifft der§ 44 nicht zu. Anderer 'citS hätte man schon damals wegen der Beröffent lichnng ein NachdrtickS-Vcrfahren eröffnen können, weil die Znblikation ziveifellos zu den„Schriftwerken" litterarischen Charakters gehörte. Bismarck unterließ das damals, entweder, weil er wußte, daß Proffcff'or Gcffcken das Nachdrncksrccht besaß, oder weil er die Strafe, die ihn ivegcn Nachdrucks betroffen hätte ist zn gering hielt für das Verbrechen. Vielleicht besaß man aber auch damals noch so viel Urteil über die Wirtungen der eigenen Handlungen, daß man es verschmähte, die Heiterkeit mit derlei Quengeleien hervorzurufen. Jedenfalls kompromittieren diese Lobspriiche aus der Scharf- macherei— der„Reichsbote" sieht auch in dem§ 16 ein Mittel gegen die Veröffentlichung geheimer Aktenstücke— den ganzen Eni- wurf aufs schwerste, und die Regierung kann sich wieder ans eine kleine Hinrichtung im Reichstag gefaßt machen. Die„Post" äußert sich nicht über die moralische Zulässigkeit ihres Nachdrucks des Stvckerschen Schciterhaufenbriefcs. Wie steht eS mit der nnbefngtcn Veröffentlichung von Privatbricfcn, die in der unter ihrer geistigen Oberhoheit erschienenen Broschüre des Korb- macherö Fischer erfolgt ist? Ein bißchen moralische Entrüstung gefällig?— Ein Krisenanzeichen? Wie lange die Zeit der Prosperität noch währen ivird, ist schwer zu erraten. So manche Anzeichen, wie z. B. die für die. nächsten Jahre gemachten großen Bestellimgen bei den Waggon� Bauanstalteii. Maschinenfabriken und elektrischen Etablissements' die geplanten großen Kanalbauten, dix größere Konsumkraft der Ver- einigten Staaten und die gebesserten handelspolitischen Beziehungen zum Deutsche» Reiche machen die Annahme nicht unwahrscheinlich, daß wir noch 2—3 Jahre vor dem Hereinbrucke der Krise gesichert bleiben dürften. Aber es fehlt auch nicht an Anzeichen für gefähr. liche Ueberproduktion und Rückgang der Geschäfte in großen Industrien. Beachtung verdient unter diesem Gesichtspunkte auch die plötzliche Steigerung der überseeischen Auswanderung, die im ersten Halbjahre 1890 mit 70 367 von Bremen und Hamburg beförderten Personen weitaus die bez. Zahlen für die Periode: 1. Januar— 80. Juni in den vier vorausgegangenen Jahren(189ö: 54 161, 1896: 68 884. 1887: 38 684, 1883: 51 432) überragt. 1888 wanderten im ersten halben Jahre gerade doppelt so viele Personen über Bremen und Hamburg ans wie 1897. Da Bismarck» Auffassung, daß die Auswanderung ein Zeichen des Wohlbefindens der Bevölkerung ist. nicht Anerkennung gesunden hat, werden wir in diesem Hinausschnellen unserer AuSwanderungS- ziffer ein bedenkliches Sturmzeichen sehen müssen. Wichtig wäre es, die Berufsverteilnng der Auswanderer zu kennen, dann wären die angeführten Zahlen noch weit lehrreicher.— Zum Fall Schiller wird gemeldet, daß die hessische Regierung den Bescheid erteilt hat, daß durch die erfolgte Pensionierung des Geh. OberschulratS Pro-. feffor Dr. Schiller das Halten von Vorlesungen an der Universität und damit die Ausübung der akad'enlischen Lehr- thätigkeit durch ihn nicht ausgeschlossen ist und seitens des Mimstcrulms nicht beanstandet wird. In Hessen hat die öffentliche Meinung eine größere Macht als etwa in Preußen. Schiller selbst wurde beim Beginn der Vorlesung am Sonnabend Gegenstand stiinnischer Ovationen. Schiller erwiderte, er habe es für heilige Pflicht gehalten, als Schulmann für die Schule einzutreten, deren hohe Aufgabe es sei, tüchtige Männer fürs Leben heranzubilden. Er sei überrascht gewesen, daß man in der heutigen Zeit an gewissen Stellen so lvciiig die Wahrheit vertragen könne, die Wahrheit öffentlich gesprochen, in einer Angelegen- heir, von der man sich doch gestehen müsse, daß die breite Oeffent- lichkeit das größte Interesse an ihr habe. In der hessischen Kanmier wird die Angelegenheit zur Sprache kommen. Preußen wird natürlich den Kultiirbernf, den es sich so gern nachrühmt, in diesem Fall ausüben und den in Hessen Gemaßregelten zum K ul t u s m i n i st e r erheben. Herr Bosse muß doch an diesem Bekenner der Wahrheit, an diesem Kämpfer der Geistesfreiheit solche Freude haben, daß er ihm sofort freiwillig Platz macht, zunial er dann einen Fachmann ersten Ranges zum Nachfolger erhielte.— Vom Unternehmoi?- TerrortSmnS gicbt die Bäcker- i n n n u g in Dresden, wie man uns von dort schreibt, ein hübsches Pröbchen. Die Innung hat sich in eine Zwangs- innung umgewandelt. DaS neue Statut enthält nun eine Lc- stintmung, nach welcher die Meister verpflichtet sind, nur uoin Unternehmer-Arbeitsnachweis zugewiesene Gehilfen zu beschäftigen. Wer dagegen sündigt, wird mit 20 Mark bestrast, und muß außerdem solche nicht legal nach dem Statut angenomniene Gehilfen sofort entlassen, wenn er nicht wiederholt b e st r a f t sein will. Da es sich um eine Z tv a» g s- innung handelt, der sämtliche Bäckermeister angehören müssen, kann sich der einzelne gegen diesen Terrorismus nicht im geringsten — durch Austritt:c.— wehren. Es ist recht bezeichnend, daß eine derartige Bestimmung die Billigung der Behörde gefnndcn hat.— Socialtstischc Polizei. Bürgermeister B u l s von Brüssel hat den vernünftigen Plan gefaßt, bei Straßenaufziigen und Volks- dcinonstrationen der Arbeiter der socialdeinokratischen Partei die Sorge für die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu überlassen. Darob Zetergeschrei unserer Socialistenfresser. Die«ocialisten als Ordnungspartei anerkannt! Tas ist unseren Uinstiirzlern von oben natürlich ein undenkbarer Gedanke. Herr Bnls ist aber durch das Zetergeschrei nicht irre gemacht worden. Wie wir aus dem' heutigen„Peuple". unserem Brüsseler Parteiorgan, ersehen, finden förmliche Verhandlungen statt und die Angelegenheit befindet sich ans dem Wege endgültiger Regelung. In Amerika ist beiläufig wiederholt schon die socialistische Partei bei vssentlicheit Auszügen, Arbeitcr-Manifestationen usw. von der Polizei zur Aufrechtcrhaltung der Ordnung ein- geladen worden. Wird es unseren Recke und Puttkamer nicht rot vor den Augen?— „Berlin lacht!" Schreckliches begiebt sich zur Zeit in mär- kischcn Dörfern, die sonst so sehr ein Hort der Ordnung find, daß sie selbst Nhlwardt ein RcichStagSmandat anvertrauten. Und jetzt geht eS dort schlimmer her, als wenn Pest, Cholera und Dsphtherltis ge- meinsam wüteten. Die„Staatsbürger-Zeitung" hat diese verheerende Seeschlange entdeckt, die den Frieden der märkischen Dörfer mit giftigem Athem vcrhecn. Es wird nämlich daselbst ein Rührstück ansgcsiihrt, das das Elend des Opfers des franzö- fischen GencralstabeS durch künstlerisches Elend darzustellen sucht. Kurz in den märkischen Dörfern wird ein Stück:. K a P i t ä n D r c y f u s" gespielt. Diesem wahrhaft weltgeschichtlichen Ereignis widmet die„ S t a a t s b ü r g e r- Z e i t n n g" einen Leitartikel, der von tiefsinnigen Schönheiten überläuft. Man lese folgendes zur Probe: „Tas ist unerhört! Und nitglanblich ist eS, daß ein solcher Schnficrendircktor meinen kann, mit eincnt Schaner-Tcndenzstnck solcher Art bei der deutschen Lnndbcvölkcrnng ein Geschäft machen zn können, obwohl»Itter ihr sich noch so viele befinden, die den EinignngStrieg Deutschlands unter nnserm Heldcniaiser Wilhelm I. und seinen Paladinen in dem gewaltigen blutigen Ringen mit Frankreich mitgemacht und ihr Blut dort vergossen haben. um die unS durch die französischen Herausforderungcu angethane Schmach abzuwaschen. Run, den deutschen Bauer Ivird man mit solcher Judenmache fteilich nicht ködern können, da hat es keine Gefahr; aber auf einer andern Seite liegt sie: Weiber. Kinder, das Gesinde, sie sind die Besucher solcher Bor st ell un gen und sie saugen das Gif» ein, das davon ausgeht; durch dieses Tendcnzstück tverden ihr« Begriffe von Recht und Gerechtigkeit verwirrt. die Achtung vor dem Gesetz wird vernichtet und der Keim zu jener internationalen Vaterlands- l o s i g k e i t gelegt, der sich dann später zur Anhängerschaft an die socialdeinokratischen Unistnrzlicstrcbnngen auswachsr. Der Soeialdemokratie und dem Judentrnne kommt die Wirkung zn- gute, lind das jüdische DreyfuS-Syndikat ivird damit sehr zu- srieden sein." Die Bedeutung dieser Anklagen erhält erst die richtige Wucht, wenn man sich überlegt, daß der Chefredakteur der„Staatsbürger- Zeitung"— nach dem Tode Henrys und nachdem Bcanrepaire durch den Knaben Karl schnöde gelauscht ivorden ist— der einzige ist, der das zerinnlinendc Material für die Schuld Dreyfns besitzt. Er ist auch bereits als Zeuge nach NenneS geladen.— Staatsbeamte und Soeialdemokraten. Ein Zeitungsbote unseres Kölner Parteiorgans erhielt von seinem Hausherrn folgenden Brief: Köln. 8. Juli 1890. Geehrter Herr Höllerl Das Vorkoimmiis von heilte Morgen mit der„Rheinischen Ztg." nötigt mich, Ihnen die Wohnung kündigen zu müssen. Sie tverden selbst einsehen, daß ich als Beamter derS taa ts- anwalts chast nicht ander« handeln kann»nd handeln darf. Ich bitte also höflichst die Wohnung binnen zwei Wochen zu verlassen. Achtungsvoll F e u ch t. Zur Erklärung diene, daß dem Hausherrn eine Rnmmer der Rheinischen Zeitung" übersandt worden war. worin in einem Inserat die Adresse des Zcilliiigöbotcn Höllcr mitgeteilt ist. Herr Feucht, der Staatsanwaltschafts-Beamte, hat sich offenbar dir Entscheidung des Ober-Venvaltungsgerichts gegen den Gemeinde- Vorsteher Schulze in Nahmitz gemerkt, wonach ein Beamter seine Amtspflicht verletze, der an Socialdcniokraten Wohnungen Vermiete. Möge die Glinst seiner Aorgesetzte« ihn lohnen!— Der Herzogkritiker. Der quadratische Mitarbeiter der„Lpz. Volksztg." behauptet, daß er die Broschüre de» Herzogs Ernst Günther nickt überschwänglich gelobt habe und daß es eine Unter« chiebung des moralisch verkommenen„Vorwärts" sei. wenn wir in 'einem Sinne von einer herzoglichen Prachtlcistung gesprochen haben. Der dl Mitarbeiter ersucht u»S, die wir in gewohnheitsiuäßigcr Niedertracht alle schönen und starken Gründe unserer Widersacher den Lesern unterschlagen, den Schlußabsatz seiner Kritik vom 5. Juli wörtlich vorzuführen, aber ohne Fortlassnngen und Mätzchen." Wir erfüllen dicies verhältnismäßig billige Verlangen des Mit- arbeiters mit bedeutendem Vergnügen. Hier ist der„Schluß- absatz": „Im übrigen aber accepticrcn wir die ernste Arbeit des Verfassers. So sehr wir auch von der absoluten Machtlosig- keit einzelner Versonen in den Rcgierungskreisen bei dem heute gebietenden feudal- kapitalistischen Regime überzeugt sind, so sehr anerkennen wir doch andererseits. wie wir wiederholen. nicht nur den Wert der herzoglichen Arbeit inForm u n d Inhalt, sondern noch n, ehr die Vorurteils- lose Gesinnung, die in jenen Regionen zu bewahren last einWunder zu nennen ist. Der Regierung aber em- pfehlen wir diese Arbeit des Schwagers des deutschen Kaisers, der die Rede zu Oeynhausen hielt und dcnZuchthausgesetzentwurfsanktionicrte, ans das wärmste! Sie wird zwar kein Material zu irgendwelchen »Denkschriften* oder dergleichen kulturfeindlichen Scherzen liefern, aber ihr immerhin zeigen, daß es auch in den hoch st en Regionen noch eine Person ohne den Geist der Schars n> acher giebt�— leider aber wird sie uns mit Recht entgegenhalten können, daß eine Schwalbe noch keinen Sommer niachr, und ein weißer Rabe immer nur ein weißer Rabe bleibt: für das klassenbewußte Proletariat übrigens einerlei, es vertraut lediglich auf seine eigene Kraft und hat darin die absolute Bürg- schart für seinen endlichen Sieg.* Wir gestatten uns aus den vorhergehenden Abschnitten des Artikels noch ein paar Lobsprüche zu citieren:»vorurteilslos und sachlich*,»die beiden Sätze... genügen in ihrer deutlichen und einfachen Knappheit*,„alles zeichnet sich... durch eine stilistisch vornehme und objektive Ruhe aus, wie denn überhaupt der Stil in seiner einfachen Formsicherheit sich sehr angenehm liest.* Hätte uns der Mitarbeiter nicht streng alle Mätzchen verboten, so würden wir die Meinung auszusprechen wagen, daß man in diesem Ton un- gcführ ein klassisches Werk der Wissenschaft anerkennen würde. Wem» der Mitarbeiter weiter meint, wir hätten die„ganze Strc ilage so zweideutig* verschoben,»wie es bisher nur ein Privilegium bürgerlicher Jonrnnlistik war"— unser Gewährsmann tlt* 1 O T f» et«»i n V»>> Iii 1 r> �-n,,*«».»«..» Z 2C..»».*. � L-t... i.Y 1 Jf. a... � CT...er"_______ lvir auch den Tadel eines Mannes nicht tragisch nehmen zu urüsscn, der in» Umgang mit Herzögen so unkritisch lobt. Wir er- kennen die Werturteile des Mannes nicht an, auch die moralischen nicht, selbst wenn er, wie er mit„aller Entschiedenheit* erklärt, unter einem anderen Zeichen mitarbeitet, wie der Erfinder des Berlepsch- Attentats auf die Krankenkassen. Nach der Art, wie diese beiden Mitarbeiter erwidern/ finden wir die Seelenvcrwandtschasl trotz der verschiedenen Zeichen noch größer. In einem geben ivir übrigens dem Mitarbeiter recht: Er bat in der That gehalten, was er vcr- sprachen. Er hat uns nicht gleichwertig geantwortet, wenn er auch andererseits nnS in der von ihm bi'lter gerügten Nichts- Würdigkeit erreicht hat, daß er die Entgegnung des„Vorwärts" gleichfalls nicht im. Wortlaut anführt, obwohl sie mir wenige Zeilen lang war. Wenn wir uns schließlich noch ein Mätzchen gestatten dürfen über das Parteiblatt, das sowohl die überschlvänglichen Lobsprüche des Mitarbeiters auf den Herzog, wie seinen überschwänglichen intellektuellen und moralischen Tadel des»Vorwärts* widerspruchslos sich aneignet, so möchten wir den Herzog Ernst Günther dringend warnen, auf die Festigkeit der Freundschaft der„Lcipz. Volksztg." allzu große Hoffnungen zu setzen. Wir erinnern uns z. V.,„übcrschwängliche* Huldigungen für Professor S o m b a r t in der„Leipz. Volksztg." gelesen zn haben— es sind allerdings bereits zwei oder am Ende gar drei Jahre her— und jetzt ist er beinahe so schwarz wie Herr v. Berlepsch. Wir sehen für den Herzog Ernst Günther eine sehr düstere Zukunft voraus— in der„Leipz. VolkSztg.". Unsere sonst so muntere und frische Kollegin liebt das melancholische Handwerk, so viel an ihr liegt, Material für die alte Weisheit zu erzeugen, daß niemand vor seinem Tode glücklich zu preisen.— Ausland. Der„Bclostokcr Arbeiter". Eine neue Ausgabe des»Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundcs" in Rußland und Pole» liegt uns vor, nämlich der„Belostoker Ar- beiter*. Belostok gehört zu den Städten Rußlands, die an der Spitze der Arbeiterbewegung marschieren. Trotz aller unglanblichstcn Per- folgnngcn von feiten der Regierung und der koalierten Fabrikanten und Meister haben die Arbeiter Bclostoks nicht aufgebort zn kämpfen. Sie haben sich sogar ein örtliches Organ geschaffen, wo nicht nur allgemeine, sondern auch rein örtliche Fragen behandelt werden. Der Inhalt dieses ö6 Seiten starken Heflchcns ist recht gut zusammen- gestellt. Durch die ersten drei Artikel(„Was wollen wir",„Tie socialdcmokratische Arbeiterpartei Rußlands" und»die Arbeiter- bcwegung in Belostok") geht die Grundidee hindurch, daß die Ar- beiter nur durch politischen und wirtschaftlichen Kampf, und zwar durch planniäßigcn Kämpf, ihre Lage verbessern können, daß man politische Rechte erobert» muß, um den ökonomischen Kampf leichter führen zu können, und daß endlich die viclgerühmte Einheit des jüdischen Volkes nichts als ein Märchen sei, dnrchlwelcheS die jüdischen Kapitalisten das erwachende Bewußt- sein des jüdischen Proletariats einschläfert» möchten. Der zweite Ar- tikel:„Die socialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands" sucht zu beweisen, daß nur der SocialiSmus die Arbeiter von» kapitalistischen Joch befteien kann, und ertlärt, ivelche wichtige Stolle für die russische Arbeiterbewegung die Bildung des„Allgemeinen Jüdischen Arbeitcrbnndes" und besonders„der Socialdcmokratischen Arbeiter- Partei Rußlands* spielt. Im dritten Artikel finden wir eine eingehende Schilderung der BelostokerArbeitcrbewegnng in den letzten 4— S Jahren. ES wird auf den gewaltigen Unterschied der früheren Ausstände und derjenigen von den letzten Jahren hingeiviesen; in früheren Zeiten nur wüste Ausbrüche einer verzweiselten Masse, in den letzten Jahren planmäßig organisierte Streiks mit bestimmten Forderimgen. Was die positiven Erfolge anlangt, die durch die Bcivcgung der letzten Jahre erzielt lvurden, so sind sie schon jetzt ganz bedeutend. Tie Arbeitszeit ist fast in allen Berufe» von 15— IV Stunden auf 12 Stunden täglich gesunken: der Lohn ist überall gestiegen, bei den Webern z. B. von tz—S Rubel auf 6—7 Rubel pro Woche. Die weiteren zwei Artilel enthalten eine Chronik der Arbeiterbewegung in Belostok und den benachbarten Orten während der letzten Monate. Alle Streits, alle Verhaftungen. Ausweisungen, Demonstraiionc», Urteile, kurz alles, was in irgend welcher Beziehung zur Arbeiterbeivegung steht, wird hier verzeichnet. Das Feuilleton dieser Zeitschrift(»llhaim, der Weber") gicbt ein interessantes psychologisches Bild aus dem Leben eines Juden, der eine orthodox- talmndistische Erziehung be- kommen hat und infolge seiner schwierigen matertcllcn Verhältnisse ein Weber geworden ist. Wie der Mann an- fongs an die Vollkommenheit der göttlichen Weltordnung. an die Einheit dcö ganzen jüdischen Volkes und besonders an die Schädlich- keit oller gegen die Kapitalisten und Regierung gerichteten Be- strebungen glaubt und wie er allmählich' zu der anderen Ansicht kommt, daß die jüdischen Kapitalisten ihre jüdischen Arbeiter gar nicht als Brüder bebandeln, daß die Hetzer und Wühler und die von ihnen verbreiteten Schriften gar nicht unrecht haben, und wie er endlich offen auf die Seite der kämpfenden Arbeiter sich stellt, zu ihrem Ratgeber wird und nach einiger Zeit schon als bejahrter Mann verhaftet wird, alles dicS wird mit großem Talente geschildert und macht einen tiefen Eindruck auf den Leser. Homo. die Behörden bestrebt, die Schwindeleien der Unfallversicherungs- gescllschaften gegenüber verletzten Arbeitern zu verhindern, die zu Gunsten der reichen Aktionäre in ihren berechtigten Ansprüchen nicht selten verkürzt werden wollen. Daß alle die verschiedenen Be- stimmungen des Fabrikgesetzes öfters übertreten werden, ist nichts Besonderes und Ueberraschendes, da auch alle anderen Gesetze seltener oder häufiger übertreten iverden. Die St. Galler Regierung erklärt es in ihrem Berichte für„bedauerlich und verdrießlich, daß mitunter Arbeiterkreise, denen der genaue Vollzug dieses Bnndcsgesctzes in erster Linie am Herzen liegen sollte, den bezüglichen Vollzugsorganen von Ucbertretungen der Arbeiterschutz-Gesctze keine Anzeige machen, dagegen in ihren vertrauten Kreisen über mangelhafte Ausführung derselben klagen*. Die organisierten Arbeiter St. Gallens haben schon seit längerer Zeit eine Ueberwachungskommission bestellt, die sich um die Durchführung der Arbeiterschutz-Gesctze ernstlich kümmert und wohl auch manche Anzeige den Behörden macht. Allein nicht immer ist der Arbeiter in der Lage, wahrgenommene Gesetzesübertretungen ohne Gefährdung seiner Existenz zur Anzeige zu bringen und sodann versagen manchmal die Gerichte bei der Beurteilung der ihnen vor- gelegten Vergehen, worüber die St. Galler Regierung selbst schreibt: „Es ist leider die Thatsache zu konstatieren, daß die zuständigen Gerichtsinstanzcn öfters in der Bestrafung von Eingeleiteten allzu „mild" sind. Es wird ja verhältnismäßig ein geringer Teil von Gesetzesübertretungen entdeckt und gerade deshalb sollte der Richter durch scharfe Urteile für andere Schuldige tvarnende Exempel statuieren." Diese Kritik der milden Spruchpraxis der Gerichte gegenüber renitenten und gesetzesverachtenden Unternehmern ist sehr berechtigt. Jmtnerhin kommt die St. Gallcr Regierung zu folgendem Schlüsse:„Wir haben auch in der verflossenen Berichtsperiode durch unsere Beobachtungen die Ueberzeugung gewonnen, daß man sowohl in amtlichen als privaten Kreisen im allgemeinen mit gutem Willen bestrebt ist. den fabrikgesctzlichen Bestimmungen nachzuleben.„Auch die Regierung von Appcnzcll-J.-Rh. berichtet:„Was den Vollzug des Fabrikgesetzes anbetrifft, darf gesagt werden, daß die Anfsichtsorgnne bestrebt waren, demselben Nachachtuug zu verschaffe»», daß aber auch die Abneigung der Fabrikanten und Arbeiter gegen das Gesetz immer seltener ist." Bemerkenswert ist die erhebliche industrielle Weiterentwicklung der Schlveiz in den letzten 2 Jahre»». Während in den 15 größten Kantonen Ende 1896 4612 Etablissements auf der Fabriklistc stände»», waren es Ende 1898 5109, um 492 oder über 10 Proz. mehr. Gleichzeitig wurden Hunderte von bestehenden Fabriken durch Um-, An- und Neubauten vergrößert und»st zivcifelloS auch die Zahl der Fabrikarbeiter bedeutend vermehrt»Vörden, doch geben die vor- liegenden Berichte darüber keine Auskunft. Diese Thatsachcn zeigen neuerdings, daß eine ernste Arbeiterschutz- Gesetzgebung nicht im mindesten die mdustrielle Weitereutivickluug eines Landes hemmt, sondern im Gegenteil durch die erzwungene Ordnung im Betriebe fördert.—* Frankreich. Paris, 17. Juli.„Siöcle* meldet, es sei nunmehr definitiv beschlossen, daß General Pellieux einer ergänzenden Unter- s u ch u n g uittenvorfci»»verde» solle, Ivelche cincin anderen Osfizier als General Duchesne anvertraut»verde»» würde. »Figaro* veröffentlicht ein an den StaatSanIvalt gerichtetes Schreibe» Christian Esterhazys, in»velchem dieser er zählt, ivelche»» verlverflichcn Machenschaften des Majors Csterhazh er zun» Opfer gefallen sei. Das Schriftstück enthält mehrere Briefe des letzteren, in ivelchcn» er verächtlich von der Armee spricht und Christian Esterhazy betrügerische Mittel angicbt, un» vmn Militärdienst loszukommen.— Der pensionierte Major Miscolvski, ein Mitarbeiter der„Libre Parole" und des»Jntransigeant*, übersandte den» RcgicrimgS kommissar beim Kläegsgcricht in Neniics ein Schriftstück, in»velckcm er behauptet, General Brngöre habe am 6. Juni 1897 vor 62 Lsfizicrci» erklärt, das Graiiatengcheimnis sei zur Zeit, als DreyfuS in Bonrgcs Dienst that, an Deutschland verrate»» ivordci».— Richland. Warschan, 16. Juli. Einer Korrespondenz des„Dziennik Polski* zufolge»vurde der vor mchrcren Monaten in Warschau vcr- haftete und»viedcr in Freiheit gesetzte deutsche Branereibcsitzer S. Jung und sei»» Mitangeklagter Benisch»»ach ncncrlicher Verhaftung »vcgcn der»Verbreitung verbotener politischer Schriften und irrtüm sicher Ideen im Volke", wie es offiziell heißt, und»vcgen„Volks aufklärung", wie cS»vohl heißen sollte, zn drei bezüglich zn sechs Jahren ZivangSansiedclung in Sibirien unter Verlust aller besoii> deren Rechte verurteilt.— Serbien. Belgrad, 17. Juli. Gestern»vurde Gymnasialprofessor Milan Petroivitsch verhaftet, ferner»vurde der Jollrualist Steva Radosavljewitsch auS Serbien a u s- gewiesen, angeblich»veil derselbe in Neusatzer serbischen Blättern aufreizende Artikel veröffentlicht habe. Im ganzen sollen 38 Personen»vegen des Attentats verhaftet sein.— Asien. NnS Tokio melden die„TimeS*. daß die revidierten Ver träge, nach welchen Japan allen Völkern des Westens geöffnet »vird, an» 17. Juli in kraft treten, Frankreich und Australien behalten jedoch die Konsular-Jurisdiktion noch bis zuin 4. August.— bestreich-Ungarn. Nationaler Hader. In der Nacht zum Sonntag fanden in Wien gelegeiitlich eines Festes deS Sokolisten-Vercins„Fügner" Schlägereien zivischcn Sota listen und deutsch-nationalen Studenten statt. Eine größere Ai»zahl der Lärmenden wurde verhaftet. In der Nacht zun» Montag»viederholte sich der Unfug.— Schweiz. Zürich, 13. Juli.(Eig. Bcr.) Da? eidgenössische Jndnstrie- departemcilt in Ben» hat vor kurzem die Berichte der LZ Kantons- rcgicrungcn über die Durchführung dcö FabrikgcsetzeS in den beiden Jahren»897 und 1898 veröffentlicht. Die Berichte bestätigen aufs neue die Richsigkeit der Arffasiung, daß sowohl die KontonS- regicrunaci»»vie der Bundesrat ernstlich bestrebt sind, da» Fabrik- gesctz ans der ganzen Linie durchzuführen. So vereiteln die Behörden riickstchtslos alle Versuche der Unternehmer, sich unter schivindelhaften Angaben und Praktiken dem Fabrikgesetz zu entziehen. Ebenso sind Die Parteikonferenz dcö 3. Weim arischen Wahlkreises. die am 16. Juli in Jena abgehalten wnrde, beschloß, einen regel- mäßigen Beitrag für die einzelnen Parteiortc festzusetzen, damit die Centrale der Gesamtpartei gegenüber leistungsfähiger werde. Bei den» Punkte: Agitation und Bericht des KrcisvcrtranensmaniieS Leber- Jena, wurde lebhaft über die im Kreise Neustadl- Weida geübte Praxis des dortigen BczirkSdircktorS S t i ch l i n g, soivie über das ungesetzliche Vorgehen des Weida er Bürger- meisters debattiert, und soll das Material über die fast unglaublichen Vorgänge den» Genossen B a u d c r t zur Verwertung i>»» Landtage übergeben werde»». Ueber die Thätigkcit im Landtage»md die bevorstehende LandtagSivahl hielt der Abg. B a u d e r t einen Vortrag, zu»velchem die Konferenz in einer Resolution ihre volle Zustininmng erklärte. Beziiglicki der konnneiiden Landtagsivahl sollen Kompromisse bei den Wahlmännerivahlen nicht eingegangen»verde,,. Als RcichStagS-Kandidat»vurde Ge- nosse P. Le uteri- Apolda»vieder aufgestellt. Zun» Parteitag in Hannover»vurde als Delegierter Genosse H. Leber- Jena, als dessei» Stellvertreter Genosse Hohl-Ne»stadt geivählt. Die Central- leitung des Wahlkreises»vurde Jena»vieder übertragen. Polizrilichrs, Gerichtliches«st»». — Die Kieler Polizci-Behörde, die seit einiger Zeit in eine K ön i g li ch e'verivandclt ivorden ist, bemüht sich eifrigst, die Mitglieder des dortigen„Socialdemotratischen Vereins" genau kennen zn lernen. Sie hat bereits ziveimal den Vorsitzenden Genosse» Rindfleisch vorgeladen und ihm aufgetragen, auch die Mit- gliederliste mitzubringen, damit er Auskunft geben könne über die Mitglieder. Rindfleisch hat sich zwar beide Male pünltlich ge- stellt aber ohne die Liste mitzubringen. Er hat desivcgcn nun zivci Strafbcfchle von je 150 Mark oder 14 Tage Haft erhalten, gegen die er natürlich gerichtliche» E>»tscheid beantragt hat. Die Mafsenaussperrung in Dänemark. Kopenhagen, 15. Juli 1899. Seit Mittwoch, dein 12. d. M., hat die Emigungstanimer jeden Tag lange Sitzungen abgehalten, un, möglichertveisc ein Ueberei»»- kommen zu treffen, welches zum Abschluß der Aussperrung führen könnte. Daß dies nicht erreicht, ist ausschließlich die Schuld der Arbeitgeber. Nun sind die Verhandlungen endlich auf die Weise abaeschloffen worden, wie wir eS vorausgesehen haben, daß es so koinmen mußte, nämlich mit der Sprcngrntg der EinlgmigS- kammcr.„ Die Einignngskammcr brauchte»hre Sitzungen am Mittlvoch und Donnerstag dazu, den Versuch zu machen, ob es»nöglich wäre, eine Einigung über eine neue llebereiillunft zu stände zu bringen. Dieser Versuch scheiterte. Von sciten der Arbeiter»vurde ein Einigungsvorschkag gestellt, welcher den Arbeitgebern so viele Ein- rüumnngen machte, als uns möglich»var. Mit diesem Vorschlag erklärte sich der Vorsitzende der Kammer, Prof. De nutz er, einver- standen. Die Delegierten der Arbeitgeber verwarfen diesen jedoch absolut»ind hielten störrisch an ihrem einmal eingenonnnenen Standpunkt fest. Auf dieser Basis stellten sie dann einen Gegen- Vorschlag auf, der aber, weil er in tvesentlichen Punkten eine». Ein- griff in das OrgaiiisationSrecht und das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter über die Arbeitsverhältnisse bedeuten, für die Arbeiter durch- aus unannehmbar»var. Als Folge hiervon mußten alle Ein»- gnngsversnche als undurchführbar aufgegeben»verde»,. Die Eiiiigungskammcr versuchte nun gestern(Freitag) und heute, ob sie nicht durch ein Veto zu einem Resultat gelangen könnte. Mit diesen» Ziel vor Augen machte der Vorsitzende den Vorschlag, ein Schiedsgericht zu ernennen,»vclches ein Urteil über diejenigen Punkte fällen sollte, um»vel-be die beiden Parteien nicht eimg»verde», konnten und daß die Delegierten der Parteien schon i>n voraus erklären sollten, daß sie sich dem Urteil»mterwerfen und dieses in ihren betreffenden Organisationen durchzuführe», suchen wollten. Das Schiedsgericht sollte änS drei von den Arbeitern und drei von den Arbeitgebern gewählten Mitgliedern soivie einem von diesen sechs ernannten Vorsitzenden bestehen. Die Vertreter der Arbeiter in der Einignngskammer erklärten sich mit diesem Vorschlag einverstanden, jedoch nur unter der Be- diiiguiig, daß so»vohl der Ein ig nngsvor schlag der Arbeit cr so»vie derjenige der Arbeitgeber dem Schiedsgericht vorgelegt»vürd e>». Die Vertreter d e r I e tz t e r e n»v e i g e r t e>» f i ch j e d o ch, h i�e r a»> f einzugehen und verlangten, daß»»»»r ihr eigener, für die Arbeiter ganz unannchnibarcr Porschlag, dein Schiedsgericht vorgelegt werde» sollte; der Vorschlag der Arbeiter dürste dagegen n, ch t vorgelegt»verde»!. � Nach dieser Weigerung mußte die EinigungSkamnier ebenfalls den Vcisuch aufgeben, ein Veto abgeben zu können, das heißt die Einigmtgökanllucr wurde gespreilgt und anfgelöst..... Die Arbeitgeber haben durch dic,e Handlung belviesen, daß sie noch immer nicht daran denken, ihren Krieg gegen die Arbeiter- orgauisationcn anfziigebci». Wir sind jedoch bereit, den uns auf- gezwungenen Komps weiterzuftthren und richten deshalb »vieder holt eine dringende Aufforderung an unsere Genossen im Ausland um Unterstützung. Wie lauge»vir den Kampf führen müssen, wisse», wir rncht, aber unser Mut ist»»»geschwächt und»vir hoffen, daß wir durch unsere Ausdauer»rnd durch die Unterstützung von seiten unserer Genoffen siegen werden über die Brutalität und die UiitcrdrückungSgelüstc unserer lapitalistischen Gegner. Mit brüderlichem Gruß _ P. K n u d s e n. CtilttMchlmlNg Ceiltrillsest des sijwdzmsllp CruMercills. Bern, 16. Juli. Bern, die Hauptstadt der schweizerischen Demokratie prangt im prächtigsten Flaggciischninck, der»nt den Draperie»», � Gnirlandcn, Pforten ein farbenreiches schönes Bild bietet. Auch die beiden Bundes- palais soivie das noch mit dem Gerüst versehene neue Parlaments- gcbäude sind beflaggt und mit Draperien geschmückt, Ivas»vohl bciveist, 'daß auch der Bundesrat vor den Griitlianern uiid Socialdcmotratcn alle Achtung hat. Ucbrigcns haben ja auch die Bcrncr Kantons- regicruiig und der Geuicinderat der Stadt Bern zu den Koste», der Fcstorganisation Beiträge geleistet. So»var es auch nicht über- rascheiid, daß der Finanzdircktor der Stadt Bern, Genosse Müller, am Freitagabend die Delegierten mit einer schönen Ansprache be- grüßte, in der er. die Ideale der Sveialdeinokratie feierte und die reaktionären Strömungeu in der Schiveiz verurteilte. Gestcrii»norgcn»vurde die Delegiertenversamnilung im S a a l e des Großen RateS eröffnet. Da Ivo geivöhiilich die Berner Radikalen und die besitzesstolzen Berner Großbauern als Kantonsräte sitzen, machen es sich die Delegierten des socialdemo- kraiischen Grütlivereins auf den»vcichgepolstertcn Sitzen bcquein. Außer zahlreichen lleinerei» und größereu Vereinsgeschäften, an denen es bei der größten politischen Organisation der schiveizerischen Ar- beiter,»velche der Grütliverein mit seinen 357 Sektionen und 11 IIS Mitgliedern ist, nie fehlt, wurden auch politische Angelegen- heften von»nehr oder»venigcr großer Wichtigleit behairdelt. Dabei »vurde ,»»it der Zeit sehr gerechnet. So diskutierte inan über die bereits in frühere» Vcrsanimlungei» beratene Revision des Fabrikgesetzes nicht lange, sondern nahm den kurzen Bericht de? Vereins- sekrctärs Wullschleger entgegen,»vmiach bis heute 70 Antworte»» eingegangen sind. Es»vurde'bcschloffen, den Tennin für die Ab- liescrililg der Antworten ans Eiide September fcstzusetzci». Beziig- sich der Abschaffung der politisch ei» Polizei wurde den» Centralkoniitce der Auftrag gegcbci», an die Bniidesbehörden eine bezügliche Eingabe zu niachcn. Als VereinSsckretär wurde Genosse Wullschleger und als Sitz des Cciitrallomitees L u z e r>» bestätigt. Gcliosse Wullschleger referierte hiernns über die D v p p e l- initiative. Er konstatierte, daß viele Genossen ihre Pflicht nicht erfüllt haben und daher an nianche» Orten das Resultat ein viel schlechteres ist. als es sein könnte. Wohl»viirdc Terrorismus geübt von Geineindematadorcn, Fabrikanten, von einer gewissen Presse; allein die Furcht der Genossen ist häufig viel größer, als begründet ist. Wo würde die Socialdeniokratie in Deutschtand» Oestreich, Belgien geblieben sein, wenn die Genossen nicht ganz anders kämpften, nicht mehr Mut hätten mid ii» höherem Maße opferfreudig »väreu als»vir. Unsere Arbeiterschaft ist vielfach zu ängstlich, ja feig, eine schliinme bürgerliche Untugend, die,»venu sie mit nnserer politischen Freiheit zusairnncnhängen sollte, keine schöne Folge derselben»väre. Immerhin sind für die Jnitiative betreffend die Volköivahl des Bundesrates noch um ca. 4000 Unterschriften mehr aufgebracht worden, als seiner Zeit für die Jnitiative betreffend das Recht auf Arbeit. Besoirdercs Interesse erregten Mitteilungen über einen Fall gemcindeschreibcrlicher Obstruktion. In einer kleine»» Gemeinde des Kantons Zürich verivcigerte der Gcnicindeschrcivcr ans absolut nichtigen Vorwänden die vorgeschriebene Beglaubigung (Verifikation) der' Untcrschriftenbogen,»'o daß das Attioiiskoniftee für die Jnftiativvc>vcg>i»g die Intervention der Züricher Regierung anrnfen niußte. Ueber die parteipolitische Konstellation ans die Volksabstimmung hin führte er ans, daß auf der einen Seite die Radilalcn und die rechten Flügel der beiden konservativen Parteien, aus der anderen Seite die Socialdemokrate» und die linken Flügel der Konservativen, soivie einzelne Zuzügler aus den Kreisen der Radikalen stehen»verdcn. Es»vird cinen heißen Knnipf geben, aber»venu»vir alle Schulter an Schulter knnipfen,»verde»»»vir mit Ehren bestehe»».(Lebhafter Beifall.) Nach stattgefundener Diskussion»vics Wullschleger noch auf den Borivurf der Gegner hin, es seien die Uutcrschriftensaimnler bezahlt ivorden. Scboi» aus nnserer Finanzlage(bei circa 1400 Frank Ausgaben besteht ein Defizit von ca. 2000 Fr.) ergiebt sich, daß hierfür leine Mittel vorhanden waren und zene Gemeinden, in denen eine solche Entschädigung von den Genossen gezahlt»vurde. bilden eine kleine Zahl. Es sei aber zu betonen, daß diese be- zahlten Entschädigungen durchaus zulässig und kein Anrecht sind und daß sie in noch viel höherem Maße von den Freisinnigen »verde»» gezahlt»Verden, wenn sieZ ei»>e tJnitiative nnlernehmen würden, die sie aber nicht nötig haben, da sie die Regierenden sind. Wie sie sich selbst entschädigen lassen, als Experten, KommissionSmit- glieder zc. ist bestimmt. Wir dürfen also derartige Vorivürfe als absolut unberechtigt energisch znriickiv eisen.— Hier»vurde Mittags- pause gemacht. In der um 2 Uhr nachmittags wieder eröffneten Sitzung hielt zunächst Genosse Greulich ein Referat über die Kranken- und Unfallversicherung. In einem historischen Rückblicke verbreitete er sich über die wiederholte Stellungnahme der organi- sierten Arbeiterschaft zu dem Versicherungswerk und trat sodann in eine Besprechung des von der nationalrätlichen Kommission be- reinigten Textes ein. Greulich zeigte, daß eine große Zahl von Arbeitern und Arbeiterinnen von der Ber- sichcrung ausgeschlossen bleiben; daß die Ersetzung der Haftpflicht durch Bestinimnngcii des Obligationenrechts eine empfindliche Verschlechterung des bestehenden Zustandes bedeutet; daß die Anrechnung nur des Barlohnes der Gehilfen iin Handwerk und der Bediensteten der Landwirtschaft eine schwere Schädigung der betreffenden Versicherten ist, während der Arbeitgeber nur etwa 6_ Fr. pro_ Jahr ersparen wird usw. Er führte auch aus, wie die verschiedenen humanitären Forderungen der Arbeiter ab- gewiesen und der vorliegende Gesetzentwurf mit seinen bloßen 60 Proz. des Krankengeldes weit hinter der Krankenversiche- rnng Deutschlands zurückbleibt. Bei der Beleuchtung der Finanzlage des Bundes erinnerte er daran, wie leicht die Herren im Jahre 1893 das Tabakmonopol hätten haben können, wenn sie die Initiative des Arbeiterbundes mit republikanischem Wohlwollen be- handelt hätten, statt ihre Meute auf sie zu hetzen, wie sie es ge- trieben hatten. Wir stehen noch heute dem Tabakmonopol sympathisch gegenüber, aber im allgemeinen hängen für die Herren die Trauben M hoch. Schließlich wendete sich Greulich mit berechtigter Eutrüstung gegen die gehetzte Meute, die ihn inimcr mit dem Höherhäugen des Brotkorbes bedroht, wenn er nach oben nicht botmäßig sei. Er werde sich aber nie verwehren lassen, seiner Ueberzcugung offenen Ausdruck zu geben.— Au den mit großem Beifall aiifi genoimneucn Vortrag knüpfte sich ei e längere Diskussion, in deren Verlauf von einem Lausanuer Delegierten der Autrag gestellt wurde, bereits heute gegen das Vcrsicheruugsgesetz Stellung zu nehmen. Aus taktischen Gründen wurde der Antrag bekämpft und sodann zurückgezogen, aber er ist bezeichnend für die Stimmung in den Arbeiterkreisen gegenüber der Versicheruugsvorlage. Ein Bild im kleinen von der geschichtlichen Entwicklung der schweizerischen Arbeiterbewegung entwarf W u l l s ch l e g e r in seinem Referat über die Reorganisation der social- demokratischen Partei der Schweiz, sodann gab er eine Darstellung der heutigen verschiedenen Organisationen und der verschiedenen gegenwärtigen Strömungen, z. B. derjenigen auf Neu- tralisieruug des GcwerkschaftsbuudeS. Im Zusammenhang daniit beleuchtete er auch die bürgerlichen Parteien und ihre Entwicklung. Der besonders charakteristische Zug derselben ist das allmähliche Verschwinden der Demokraten, deren es heute nur noch in den Kantonen Zürich, Glarus, Thurgau und St. Gallen einige gicbt, und die Erstarkung der freisinnigen oder radikalen Partei. Wullschleger hat die Ueberzugung von der Notwendigkeit einer großen und starken socialdcmokratischcn Partei in der Schweiz, allein die Entwicklung der Arbeiterbewegung ist noch nicht so weit gediehen. Es gilt noch auf der ganzen Linie alle Kräfte einzusetzen, und die bestehenden Orga- uisationcn weiter auszudehnen, auszubauen und zu stärken und so von unten auf die Verhältnisse so zu gestalten, daß das Ziel: die Schaffung einer starken Socialdemokratie sicher erreicht wird. Er beantragte schließlich, aus all' den angeführten Gründen auf eine Reorganisation der socialdeniokratischen Partei dermalen nicht einzu treten, welcher Antrag auch nach kurzer Debatte angenommen wurde. Nach Erledigung einiger weiteren kleinerer Geschäfte waren die Verhandlungen abends 6»/? Uhr beendigt und schloß der Central- Präsident End die Versammlung. Heute mittag fand der Festzug statt, der ungemein imposant war und dessen Vorbeimarsch eine halbe Stunde dauerte. Die Zahl der Festtheilnehmer betrug 4000. Im Zuge marschierten 8 Musik- kapellen und wurden ca. 300 Fahnen mitgeführt. Neben den Sän- gern, den Schützen mit Gewehren und den Turnern in ihrer schmucken weißen Sportsklciduug marschierten Gruppen von Sennen und andere in Kostümen, Kadetten sc. In den Straßen und an den Fenstern waren tausende von Zuschauern. Vor der Festhütte hielt der Centra lprä- sident End eine mit Beifall aufgenommene Festrede. Während des Mittagbanketts in der 10000 Personen fassenden Festhütte überbrachte der konservative Regier nngsrast v. Stei'gcr den Willkommgrutz namens der Regierung des Kantons Bern und er schloß seine Rede mit einem dreifachen Hoch auf die vaterländische Arbeit im schweizerischen Grütliverein. Noch sprach Greulich unter großem Beifall. Am Nachmittage fanden die Wettkämpfe der Turner, Sänger und Schützen statt, nachdem vormittags diese Sektionen ihre Dclegiertenversammlungen abgehalten. In der Fest- Hütte herrscht reges Leben und Treiben. So haben auch einmal die Proletarier auf die sauren Wochen des ganzen Jahres einige frohe Festtage, die ihnen wohl zu gönnen sind und die aus Sympathie mit ihnen auch der Himmel mit seinem schönsten Wetter ver- herrlicht. Berlin und ttmgcgcnd. Zlchtung, Zimmerer! In dem Baugeschäst von A. Müller Söhne in Tegel sind Lohndifferenzen ausgebrochen; die dort beschäftigten Zimmerer verlangten einen Stundenlohn von SO Ps Die anfänglich bewilligte Forderung ist wieder zurückgezogen worden. worauf die dort beschäftigten Zimmerer die Arbeit niederlegten Herr Müller sucht nun Arbeitskräfte durch die Provinz blätter und verläßt sich haupt'ächlich auf die Berliner Zimmerer.— Wir erlvarten nun von unseren Berufs- genossen allerorts, daß sie bei oben genannter Finna die Arbeit nicht eher aufnehmen, als bis die bescheidene Forderung unserer Kameraden bewilligt ist. Die Vertraue nsmänner-Centralisation. Der Streik bei der Firma Lange«. Wagner, Holz bearbeitungsfabrik, Engel-Ufer 1b dauert fort. Die Unter- Handlungen, welche am Sonntag zwischen den Unternehmern und der Konimission der Streikenden gepflogen wurden, sind resultatlos verlaufen. Zuzug ist auf das strengste fern zu halten. Am Dienstag, abends SVe Uhr, findet im Englischen Garten Versammlung der Holzbearbeituugsbranche statt, die zu dem Streik Stellung zu nehmen hat. Der Vorstand. Tapezierer! Auf dem Bau Pfalzburger st r. 83 in Wilinersdorf haben 5 Kollegen die Arbeit niedergelegt. Arbeitgeber ist D ö r m e r, Wilmersdorf, Hagenauerstr. 2.' Wir erwarten von den Kollegen, daß sie diese Adressen meiden. Der Vertrauensmann. Deutsches Reich. Warnung an die deutschen Glasarbeiter! Der französische Muster- Unternehmer Resseguier in C a r ni a u x, von dessen terroristischem Treiben wir den deutschen Arbeitern schon manches zu erzählen hatten, ist, nachdem er alle Socialisten aus seinen Glaswerken vertrieben zu haben glaubte, mit seinem Personal, infolge geivaltthätiger Praktiken, dermaßen in Konflikt gekommen, daß ein Tcil„seiner" Arbeiter ihn verlassen, und die französische Glasmacher-Gesellschaft die Sperre über ihn ver- hängt hat. Da er in Frankreich keine Arbeiter finde» kann. die charakterlos genug sind, sich von ihm schuhriegeln zu lassen, so sucht er jetzt Arbeiter i m A u s I a n d. wo seine P a s'ch a w i r t s ch a f t nicht so bekannt ist, wie in Frankreich. Voraussichtlich hat er sich auch nach Deutschland gewandt und wird durch lockende An- erbietnngen Arbeiter für sich zu gewinnen suchen. Die deutschen Glasarbeiter sind gelvarnt. Ein Arbeiter von Ehre und Klassenbewußtsein geht nicht in das Arbeiterzuchthaus eines Resseguier! DaS Znchthausgcfetz wirft feine Schatten voraus. Bisher galt allgemein als feststehend, daß„Verrufserklärungen" durch den § 153 der Gewerbeordnung nur dann getroffen werden kann, wenn Arbeiter durch Arbeiter oder Arbeitgeber durch Arbeitgeber bestimmt oder zu bestimmen versucht worden sind, Verabredungen usm Diese durch Entscheide oberster Instanzen festgelegte Praxis sucht jetzt das Amtsgericht Hamburg zu durchbrechen; es hat dem Vertrauensmann der S t e i n a r b e i t e r einen Strafbefchl zu esaudt, weil derselbe über einige Firmen die Sperre verhängt atte. Der Betreffende soll dies mit einem Mona Gefängnis büßen. Selbstverstäudlich ist gerichtlicher Entscheid beantragt. Das Hamburger„Echo" erinnert daran, daß die Unter nehmer und deren Vcrbnudsfckretäre durch die„schwarzen Listen sich fortgesetzt der Verrufserklärungen zu schulden kommen lassen. Dieser Vorfall zeigt auch, was die Arbeiter zu gewärtigen hätten. wenn die Zuchthausvorlage Gesetz würde; sie zeigt, wie es dann mit der„gleichmäßigen Verteilung von Licht und Schatten"— frei nach Posadowsky— bestellt sein würde! Aus Torgelow wird uns depeschiert: Obwohl der Streik der hiesigen Metallarbeiter durch Vereinbarung beigelegt ist, muß der Zuzug nach hier nach wie vor streng femgehalten werden, weil noch etwa 100 Mann ausgesperrt sind. Der Zhisstand der Lederarbeiter in Wilstcr, bei welchem nicht weniger als ca. 2000 Personen beteiligt sind, dauert noch fort Die Unternehmer wenden ihre ganze Kraft auf, um die Arbeiter durch Hunger zur Arbeit zu ztvingen. Glücklicherweise wird ihnen das nicht gelingen. Ter Verband der Lederarbeiter hat an die Ausständigen während des nunmehr bereits die achte Woche währenden Kampfes pünktlich die Unterstützung ausgezahlt und nach den: nun die Arbeiterschaft im allgemeinen zur Unterstützung dieses Kampfes angerufen ist, sind bereits erhebliche Summen eingelaufen. so daß der Kampf seitens der Arbeiter wegen Mangel an Unter stützuug nicht aufgehoben werden braucht. Die Arbeiter stehen noch wie ein Mann zusammen und sind nicht gewillt, die Arbeit be diuguugslos aufzunehmen; auch dann würden sie eS nicht thun, wenn der Wunsch der Unternehmer sich bestätigte, daß die Unterstützung ausgehen mutz. Die Arbeiter wissen genau, daß die bedingungslose Aufnahme der Arbeit für sie eiserne Ketten anlegen heißt. Das Be- streben des Unternehmertums geht dahin, die Organisation, die ihnen bisher bei allzu grober Ausbeutung der Arbeitskraft hindernd in den Weg trat, v ö l l i g z u vernichten und neben kolossalen Lohn- abzügcn auch die Verlängerung der Arbeitszeit vorzunehmen. Einige Hunderttausend Mark sollen mehr Profit aus den Knochen der Ar- beiter herausgeschunden werden. Das können und werden sich die Arbeitet: nicht gefallen lassen. Die Unternehmer setzen nun alles in Bewegung, Arbeitswillige heranzuschaffen. Bisher ist es ihnen nicht gelungen. auch nur einen zu bekommen. In den letzten Tagen wurde das Gerücht in Umlauf gesetzt, daß ein Tauipfschif' mit westpreußischcn Arbeitern als Arbeitswillige in Käsen ort landen solle; auch 200 böhmische Arbeiter sollten als Ersatz für die Ausständigen eintreffen. Beides ist noch nicht erfolgt und ist anzu- nehnicn, daß man in der größten Verlegenheit durch solcherlei Schreck schüsse die Einigkeit der Arbeiter durchbrechen will. Die Haltung der Arbeiter ist, wie die bürgerlichen Blätter überaus lobend hervor heben, eine mustergiltige. Alles bewegt sich in Ruhe; jeder der Arbeiter füllt im Interesse des Kampfes seinen Platz aus. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß organisierte Arbeiter sich durch nichts provozieren lassen. In Anbetracht dieses kolossalen Kampfes, bei welchem es sich um Sein oder Nichtsein einer altbewährten Organisation handelt, deren Mitglieder zu jeder Zeit, wo es galt, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ihre Pflicht erfüllten, er- suchen die Lederarbeiter um moralische und finanzielle Unterstützung. Jeder Arbeiter möge darauf achten, daß dieser berechtigte Kampf der Arbeiter um ihr Koalitionsrecht nicht etwa durch Zuzug von Arbeits- willigen zum Nachteil der Arbeiter ausfällt. Der Vorstand des Verbandes der Lederarbeiter Deutschlands. Die Organisation der Steinarbeiter stand dieser Tage vor den Schranken des N a u m b u r g e r Landgerichts. Angeklagt waren die zwei Vertrauensleute des Verbandes in Droyßig. Diese hatten Statut und Mitgliederlisten einreichen sollen, und weil sie das nicht gethan, waren sie vom Schöffengericht in Zeitz zu einer Geldstrafe' von IS M. verurteilt worden. Ihre Berufung, die vom Rechtsanwalt Heine- Berlin vertreten wurde, hatte Erfolg. Das Gericht nahm mit dem Verteidiger an. daß es sich hier nicht um einen politischen Verein handelt, die Angeklagten daher auch nicht nötig haben, die Mitgliederlisten einzureichen. Soldaten als Konkurrenten der Kellner. Bei dem kürzlich in G ö t t i n g e n stattgeftmdenen Bundes-Sängerfest haben den Berichten Göttinger Blätter zufolge Soldaten die Dienste streikender Kellner übernommen. Das„Göttinger Tageblatt" be richtet darüber:„Das Festessen am Abend wäre beinahe durch einen Streik der von auswärts engagierten Lohnkellner in die Brüche gegangen. Als Retter in der Not trat Herr Oberst v. Voigts-Rhetz auf, indem er erlaubte, daß eine Anzahl Soldaten die Kellner- dien st e übernahmen. Den Schluß des zweiten Tages machte ein Kommers im Kollosseum." Die Sitte, an Stelle streikender Arbeiter Soldaten abzu kommandieren, nimmt immer mehr überhand. Es dürfte an der Zeit sein, daß der Reichstag den 5lriegsminister einmal in energischer Weise daran erinnert, daß das Volk die Kosten für das Heer nicht aufbringt, damit die Soldaten dann als„Arbeitswillige" fungieren. llebrigeus, wenn die Soldaten soviel überflüssige Zeit haben, dann wäre wohl auch eine Herabsetzung der Dienstzeit angebracht. I» Wiesbaden sind sämtliche Glaser in den Ausstand ge- treten. Die Hauptforderungen sind: g>/sstündige Arbeitszeit und ISprozentige Lohnerhöhung. Ein erfreuliches Resultat haben die H e r n e r Unruhen be- kanutlich auch gehabt: sie haben die beiden Verbände der Berg- arbeiter einander näher gebracht. Sofort nach Beginn des Streiks, der infolge der für die Arbeiter ungünstigen neuen Bestimmungen des Knappschaftsfiatuts ausbrach, wurde von beiden Seiten der Wunsch laut, bei den nächsten KnappschaftSwahlcn zusammen zu gehen und gemeinsame Forderungen aufzustellen. Wie der„Köln. Volks- Ztg." aus Bochum gemeldet wird, hat die am Sonntag dort statt- gefundene Versammlung der Knappschaftsältcsten gemein- sames Vorgehen des alten Verbandes und des christlichen Gewerk- Vereins der Bergarbeiter bei der am 22. Juli stattfindenden Er- gäuzungswahl des Knappschaftsvorstandes beschlossen und eine Keindidatenliste aufgestellt. Von 260 Aeltesten waren 162 anwesend. Ferner setzte die Versammlung eine zehugliedrige Kommission ein zur Ausarbeitung gemeinschaftlicher Forderungen für eine Knapp- schaftsrcform. Die Vorsitzende» beider Verbände waren anwesend. Zum Streik der Stuttgarter Möbeltischler wird uns de- pcschiert: Die Möbelfabrik Rall mit 170 Arbeitern hatte die Forderungen der Arbeiter bewilligt, die Arbeiter wollten am Montag- morgen die Arbeit beginnen. Auf Beschluß des Fabrikantenrings darf die Fabrik nicht geöffnet werden. Wer also sind hier die„Friedensstörer"? Zum Rugsbnrgcr Manrrrstreik. Der Stand des Streiks ist günstig, obfchon circa 200 Streikbrecher zu verzeichnen sind. Die Arbeit drängt immer mehr und mindestens 1200 Mann könnten beschäftigt werden. 70 Maurer arbeiten zu den neuen Bedingungen und 124 sind ausständig, die den Ueberwachungsdienst verschen. llllle anderen sind abgereist. Wie jedoch Maurer Putz in einer jüngst stattgehabten Versammlung bekannt gab, haben acht Maurer- meister neu bewilligt, die in den nächsten Tagen mit Neubauten be- ginnen. Kürzlich machte durch die bürgerliche Presse eine Notiz die Runde, in der von Ausschreitungen der Streikenden gegen Arbeits- willige gesprochen wurde. Auch wir gaben die Nachricht wieder, gaben aber gleichzeitig unserem Zweifel an der Richtigkeit derselben Ausdruck. Und die Notiz ist in der That eine Schwindelei gewesen, die offenbar von Scharfmachern lanciert lvar, um den Ausstand zu diskreditieren. Nach der_„Münchener Post" liegt der Lügeumcldung folgender Thatbestand zu Grunde: Baumeister H o f f m a n n hatte durch Inserate, Briefe und Tele« gramme einem Trupp Italiener vorgeflunkert, der Streik sei zu Ende, die Streikkommission stehe schon in Arbeit und nur alte, un- brauchbare und arbeitsscheue Lumpen streikten noch. Die Italiener, 15 Mann, glaubten die Mitteilungen und ließen sich nach Augsburg schleppen. Sie wurden aber schon stutzig, als sie mitten in der Nacht statt in Augsburg in Gersthofen aussteigen mußten, um den Weg von ca. l'/2 Stnnden zu Fuß zurückzulegen. Auf der Straße stießen sie dann auf die ausgestellten Streikposten, diese(7 Mann) gingen auf die Italiener zu, begrüßten sie kollegial durch Händedruck, und klärten sie darüber auf, daß sie betrogen wurden und daß der Streik noch fortdauert. Darauf erwiderten die italienischen Maurer:„ W i r machen keine Streikbrecher; unter diesen Ver« h ä l t n i s s e n w o l l e n a u ch w i r n i ch t a r b e i t e n." Als man nachts 12 Uhr mit diesen Italienern in Augsburg anlangte, konnte man ein Quartier nicht erhalten und die Leute blieben deshalb im Wittelsbacher Hof, während der Vorarbeiter im Cafo Königsplatz untergebracht wurde. Andern Tages wurde den Leuten ihr Gepäck von Gersthofen geholt. Die Italiener wurden nicht, wie die Scharf- macher gelogen hatten, eingesperrt, sondern sie gingen während des ganzen Tages spazieren, ohne von den Streikenden auch nur im geringsten belästigt zu werden. Nachdem man zwei italienische' Poliere auf diesen Vorfall hin auf die Polizei rufen ließ, um den Thatbestand festzustellen, sagten diese aus, daß sie weder geschlagen, noch von Seite der Streikenden geschimpft wurden, s i e h ä t t e n v i c l- mehr, nachdem sie über den Streik aufgeklärt lvaren, aus freien Stück e n sich bereit erklärt, nicht zu arbeiten, und reisten am folgenden Tage von hier ab. Die Polizei habe dem anwesenden Bau m e i st e r erklärt, nachdem die Italiener nach erfolgter Aufklärung über die Streiklage freiwillig nicht arbeiten wollten, könne man den Streikenden nichts anhaben. »• München, 17. Juli. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Die Maurenucistcr Augsburgs suchen durch Telegramme, die sie in die Welt senden, durch Plakate, Zeitungsnotizen:c. den Glauben zu erwecken, der Streik sei beendet. Dies ist nicht der Fall. Der Streik wächst sich durch das Verhalten der Unternehmer zu einem wahren Klassenkampf aus. Zuzug ist noch streng fernzuhalten! RnSland. In Bilbao(Spanien) sind, wie der Telegraph meldet, die Hochöfen-, Bergwerks- und Hafenarbeiter aus- ständig. Einige Tausend Mann Truppen sind zusammengezogen. Sociale,?. Uebcr das Grnbcnnngliick in Herne wird uns aus Bochum geschrieben: Unsere Nachbarstadt Hern« kommt aus der Unruhe nicht heraus, nach den Krawallen der streikenden Arbeiter, die den Ort in ein Kricgslagcr verwandelten, wird es gar von einem Erdbeben heimgesucht, welches � nach Lesart bürgerlicher Zeitungen auf Zeche Recklinghausen l lClerget I) den Zusammenbruch eines Kohlenflötzes ver- schuldet haben soll, wobei es wieder eine Anzahl Toter und Ver« wnndeter gegeben hat. Die Zahl wäre bedeutend größer geworden, wenn das Unglück sich etwas später ereignete; die Mannschaften der Morgenschicht hatten das Flötz noch nicht vollständig belegt, als der Zusammenbruch erfolgte. Erfahren« Bergleute und besonders auch solche, welche am Flötze arbeiteten, änd allerdings nicht der Meinung der so schnell bedienten Zeitungen, 'ondern halten das Umgekehrte für richtig, daß nämlich der Zu- ammenbruch erst das Erdbeben, welches sich ja auf einem circa viertelstündigen Umkreis beschränkte hervor- gerufen habe. Die Sicherung der Baue und abgebauten Strecken mag eine keineswegs tadellose gewesen sein, doch behalten wir uns ein' Urteil darüber vor, bis die Sache klar gestellt wird; die Untersuchung über die Ursachen des außergewöhnlichen Er- eignisses kann wahrscheinlich mehr Licht in die Sache bringen, als manchen Leuten lieb sein wird.— Uetzko und Depvschvn. Homburg v.d.Höhe, 17.Juli. iW. T. B.) Hsute früh 5 Uhr konnte der von Frankfurt a. M. kommcuve Güterzug bei der Einfahrt in den Bahnhof nicht mehr rechtzeitig zum Stehen gebracht werden. Er überfuhr die Drehscheibe und bohrte in die, die Luiscustraße vom Bahnkörper trennende Mauer. Der Lokomotivführer und der Heizer retteten sich kurz vor der Drehscheibe durch Abspringen, auch von dem übrigen Fahrpersonal ist niemand verletzt. Der Material« chaden ist nicht sehr bedeutend, der Verkehr wurde nicht nuterbrochen. Baden bei Wien, 17. Juli.(B. H.) Bei Helenenthal stieß durch Versagen der Bremse ein Motorwagen mir einem Fuhrwerk zusammen, wodurch drei Passagiere schwer verwundet wurden. Tarmstadt, 17. Juli. iW. T. B.) Der Darmstädtcr Zeitung" zufolge ist Landgerichisdirektor Kiichlcr auf sein Ansuche» Pen- ionicrt worden mit dem Bemerken, daß die Pensionierung ohne Ein« fluß auf das anhängige Verfahren sei. München, 17. Juli.(W. T. B.f Bei der heutigen Haupt« wähl zur zweiten Kammer erhielten von insgesamt 159 Mandaten das Ccntrnm 83, die Liberalen 43, die Konservativen 4, derBauernbund mit seinen verschiedenen Schattierungen ssüdbayensche S, unterfränkische 2, mittelfränkische 5) zusammen 13, die S o c i a l« demokraten 11, die Demokraten ein Mandat, außerdem wurde» zwei Wilde gewählt. Wien, 17. Juli.(B. H.) Alle Studenten, welche an den De- mon st ratio neu gegen die Czechen teilgenommen haben, werden nicht zu den Prüfungen zugelassen. Ein Lehrer und ein Zollbeamter sind in Diseiplinaruntersuchnug gezogen. Wien, 17. Juli.it den Bseren bei Laings-Nek und am Majuba- Berge stattfanden. Sie ist der kürzeste Weg zur Hauptstadt Pretoria bcziv. zu der noch südlicher derselben gelegenen Stadt Johannesburg. Eine dritte britische Anmarschlinie bietet sich durch die von Kapstadt in nord-nordöstl icher Richtung über die Diamantfelder von Kimberley und Mafcking die Wcstgrcnze des Oranje« Freistaats und Transvaals entlang führende Bahn. Bon ihr aus würde ein Angriff gegen Transvaal und seine Hauptstadt Pretoria sich i»� östlicher Richtung, derselben, in der sich der berüchtigte I a m e s o n s ch e Flibustierzug bcivegte. zu erstrecken haben und hierbei die goldrcichen WitwatcrSraird-Gebiete bis nach Johannesburg durch- guerc», also die von den boercnfeindlichcn Nitlanders bewohnten Landcstcile. Uoknles. Fünfter Wahlkreis. Die heutige Flugblatt-Vcrbrcitung findet bon folgenden Stellen aus statt: 30. K o m m u n a l b e z i r k: W i t t s ch o w, Kleine Hamburgerstr. 26/27; Hoppe, Ackerstr. IIS. 27. Kommunalb e z irk(KönigSthor- Viertel): W i llner, Winsstr. S9. "Oic Parteigenossen des sechsten Wahlkreises halten am Sonntag, den 23. Juli, im Schloff Wcihcnscc ihr Sommerfest ab. Das Programm bietet ein buntes, abwechslungsreiches Bild der Belustigungen und Unterhaltungen für Jung und Alt. Und ist das Wetter dem Unternehmen hold, dann ivird es gewiff auch nicht an dem nötigen Zuspruch aus Partcikrciscn fehlen. Ucber die Ursache der MietSsteigmmg giebt die„Post" eine Darstellung, die von gedankenlosen Schwätzern schon oft aus- und vor- getragen wurde und deshalb mit Recht ihren würdigen Platz in diesem Unternehmerorgan beanspruchen darf. Es gehört nicht viel dazu, um zu erraten, welche Erklärung die„Post" für MietSsteigernng finde; cS würde dem Stummschen Geist widersprechen, wenn andere als die Arbeiter die Urheber der ruchlosen Thal sein könnten. Die fortwährenden Streiks haben die Baukosten in die Höhe getrieben und damit besonders die Mictsstcigcrungcn der kleinen Wohnungen hervorgerufen, so faselt derMoniteiir des Herrn Stumm. Danach mühten also die Arbeiter die Bauspclulantcn, die alle Welt betrügen und eigentlich am billigsten bauen, als die Förderer niederer Wohnungsmieten gerührt an ihr Herz drücken. Für diese Oekonomie ist nun allerdings in Arbcitcrkrcisen wenig Berständniff, denn diese Sorte von„Menschenbeglückem" stehen der„Post" näher als den Arbeitern, und sie werden deshalb auch die ihnen zu teil gc- wordene Ehrung in dem ihre Interessen wahrenden Organ mit dem nötigen Verständnis aufnehmen. ES bleibt aber auch unverständig, warum die Wirte, deren Häuser lange vor der heutigen Baupcriodc entstanden, auch von den hohen Arbeitslöhnen geplagt, zur Micthcsteigcrung greisen müssen. Der„Post" leuchtet das auch ein, aber sie meint, man kann es de» Besitzern nicht verdenken, wenn sie auch die Mictsstcigcrungcn der übrigen antizipieren wollen. Das ist die Moral aller Spekulanten. Den Arbeitern wird das Vcrlvcrfliche der Lohn- stcigerung vorgehalten, wenn aber ohne Grund Mietsstcigcrungen eintreten, dann hält das Ausbcutcrblatt diese Spekulation für selbst- verständlich. Nun sind aber in diesem Jahre bei den Maurern über- Haupt keine Lohnerhöhungen eingetreten und trotzdem traten, wie die „Post" zugicbt, Mietssteigerungen von 15 bis 25 Prozent in die Erscheinung. Eine wiche Lohnerhöhung ist aber auch in den letzten Jahren nicht annähernd eingetreten, denn eS bleibt zu berücksichtigen, daff in Berlin die Arbeitslöhne bei einem Bau als eine vcrhnltnismäffig geringe Summe gegen die Kosten, die der Grund und Boden erfordert, figurieren, lind hier treibt das Spekulantentnm sein schmutziges Gewerbe, hier ist die Preistreiberei geschehen und hier ist mit eine der Ursachen, und zwar die bedeutendste. zu finden, für die Mietsschraube und die Auswucherung besonders der Arbeiterklasse und nicht minder der kleinen Geschäfts- lcute. Von Patienten der Lungenheilstätte am Grabowsee wird unS mitgeteilt, daff die Jnvaliditäts-Anstalt Berlin seit einiger Zeit die Praxis befolgt, ihren Kranken, nachdem dieselben 13 Wochen in der Heilstätte zugebracht haben, und der leitende Arzt eine weitere Kur von 4 bis 6 Wochen für notwendig erklärt, keinen längeren Ans- einhält in der Heilstätte zu bcivilligen, und jeden dahingehenden Antrag abzulehnen. Diese Maßregel werde damit begründet, daff Raum geschaffen werden müsse für die groffe Zahl derjenigen, die für die Aufnahme in die Heilanstalt vorgcnieldet sind und auf den Beginn der Kur warten.— Mit vollem Recht betonen die abschlägig beschicdencn Patienten, daff es für sie und ihre Familien geradezu trostlos ist, wenn sie ein Heilverfahren, welches nach etwa 18- bis 20wöchiger Dauer dem ärztlichen Gutachten zufolge mit Erfolg beendet sein würde, schon nach 13 Wochen abbrechen müssen, um ungeheilt oder ohne wesentliche Besscrmig die Anstalt verlassen und ihre Beschäftigung wieder aufnehmen müssen, was zur Folge hat. daff sich über kurz oder lang ein weiteres Fortschreiten der verheerenden Seuche, mit all' den Schrecken, welche sie über den Kranken und dessen �Familie bringt. bei den Betreffenden bemerkbar macht.— In dem uns zugegangenen Schreiben wird ferner gesagt: Im Gegensatz zu der JnvaliditätL-Anstalt Berlin bewillige die JnvaliditätS- Anstalt Brandenburg den von ihr in die Heilstätte geschickten Kranken von vonihercin einen sechsmonatlichen Aufenthalt, jedoch nehme die letztgenannte Anstalt die Hälfte, ja von den Arbeitern der königlichen Fabriken in Spandau-sogar zwei Drittel des von den betreffenden Krankenkassen zu zahlenden Krankengeldes für sich in Anspruch. Durch dies von der Brandenburger Jnvaliditäts-Anstalt beliebte Verfahren— wozu sie ja leider gesetzlich befugt ist— wird zweifellos ein gut Teil der Erfolge, welche, durch scchsmonatliche Kur in der Anstalt erzielt tvcrdcir könnte», illusorisch gemacht, denn da die Familie mit den ihr verbleibenden paar Groschen Krankengeld uu- möglich auskommen kann, so sieht sich mancher Kranke genötigt, ans Sorge um die Existenz seiner Angehörigen die Heilstätte vor Be- endigung der Kur zn verlassen. Hat doch der erste HalbjahrcSbcricht der Heilstätte am Grabowsee ausdrücklich konstatiert, daff von 78 als„gebessert" Entlassenen 40 aus Sorge um die Familie vor Erreichung günstigerer Resultate, zu denen sie qualifiziert waren, die Anstalt vcrlicffcn. Ein nicht zu unterschätzender Erfolg der Agitation derer, die sich seit Jahren um Durchführung des Hcilvcr- fahrens bei lungenkranken Arbeitern bemühen, ist cS, daff die auf Kosten der Jnvaliditäts-Anstalt Berlin Behandelte» für ihre Angdhörkgen das volle, von den Krankenkassen zu zahlende Krankengeld erhalten. Ein Umstand, der auf die Gemütsverfassung der Kranken und damit auf den Heilungsprozeff sehr günstig wirkt. � Bedauerlich ist es nun, wenn die JnvaliditälS-Anstalt Berlin betreffs der Dauer der Kur nach einem bestimmten Schema verfahren und die Heilstätten- bchandlung niemals über 13 Wochen ausdehnen sollte, selbst in solchen Fällen, Ivo die Verlängerung der Kur um einige Wochen die gewünschten Erfolge verspricht. Leider ist es ja Thatsachc, daff bei der Bcrtiner Jnvalidilätsänstalt viel mehr Lungenkranke vorhanden sind, als in den verfügbaren Plätzen der Heilanstalten untergebracht werden köuncii. Irren wir nicht, so liegen bei der Berliner Anstalt zur Zeit weit über 400 Meldnngen auf. Einleitung des Heil- Verfahrens vor, und jeder der Gemeldeten muff daher monatelang warten, bis er einer Heilstätte überwiesen werden kann. Das lange Hinausschieben des Beginns der Kur verschlimmert nicht selten den Zustand des Kranken derart, daff die Aussicht des Heilverfahrens mehr oder minder zweifelhaft wird. ES ist deshalb wohl zn vcr- stehen, daff der Vorstand der Jnvaliditäts-Anstalt sich in einer Pein- lichen Lage befindet, wenn er in einem bestimmten Falle entscheide» soll, ob es besser sei, einem Patienten den Aufenthalt in der Heilstätte zu verlängern, oder statt dessen Platz für einen der Kur bedürftigen Kranken zn schaffen.— Aus dem vorstehend Gesagten erhellt, daff die vor- handcncn Einrichtungen auch nicht entfernt genügen, um auch nur dem gröffcrcn Teil der lungenkranken Proletarier die Hilfe zu bringen, die ihnen in einem auf humanen Grundsätzen aufgebauten Staats- wescn zu teil werden müffte.— Die Patienten vom Grahowsec, welche fich an uns wandten, sagen in ihrcmSchrciben: Wivhattcn gcglailbt, das; die Regierung nach dem, waS auf dem Tuberknlose-Kongrcff vorgebracht wurde, energische Maffnahinen zur Bekämpfung der Schwindsucht treffen werde. Dieser Optimismus macht dem guten Herzen der Bricfschreiber alle Ehre. Wir sind dagegen nickt so hoffnuiigsvoll, denn wir wissen, daff die Organe der heutigen Gesellschaft uud die herrschenden Klassen für keine Geldbewilligung zn haben sind, wenn es sich um die Förderung großer Kulturnufgaben handelt. Wenn dagegen Liebesgaben an die notleidenden Junker gegeben, oder neue Schiffe. Kanonen und Flinten angeschafft werden sollen, dann hat man stets die erforderlichen Millionen flüssig gemacht.-■ Die Verteidiger dcS Herrn Kose. Herr Kose, der bekannte Armenkommissions-Vorsteher, der, wie im Prozeß gegen die nnglück- lickc Frau Entrich festgestellt wurde, dieser den Rat erteilte, sie möge sich einen reichen Bräutigam anschaffen, hat einige Verteidiger ge- fuudcn, die ihm folgende sonderbare Rechtfertigung im„Verl. Lokal- Anzeiger" widmen: „Herr Kose, der seit 16 Jahren in der 150. Armenkommission thätig, hat sich jederzeit durch gewissenhafteste Wahrnehmung sciiier Pflichten und durch treue Hingabc für die Sache der Armenpflege, häufig sogar mit Hintansetzung von Familienrückfichten hcrvorgcthan, so daff er uns bis jetzt Vorbild gewesen ist und wir von ihm lernen konnten. Wenn es uns auch fern liegt, seine bekannte leichtsinnige BcrNcrknüg bc- schönigen zu wollen und wir wie jeder Billigdcnkende solche aufs entschiedenste verurtheilcn, so halten wir dieselbe doch durch den bitteren öffentlichen Tadel und die geheime», mafflos-gen, einen Zn- schriften und Bedrohungen, die sich nicht nur gegen ihn selbst, sonder» sogar gegen Fra» und Tochter richten, für- schwer gc- sühnt. Wer Herrn K. kennt, der weiß, daff er nickt daran ge- dacht hat. Frau E. auf did Bahn des Lasters zu drängen, und daff jene Bemerkung im krassesten Gegensatz zu seiner sonstigen Lebensführung steht. Sechzehn Jahre voll treuer Arbeit. in denen er, wie jeder gern von uns bezeugt, manche Thränc ge» trocknet, in denen er von seiner vorgesetzten Behörde Lob und Dank erntete— und ein m nervöser, verärgerter Stimmung gcthaneS. frivoles Wort soll genügen, um ihn moralisch totzuschlagen? Wir habe» den Wahrhci'tSmut zn erklären: Das genügt uns nicht. Um einem solchen Manne bei seinen« Rücktritt zugleich Achtung und Zn- neigung aufzukündigen, und fühlen uns gezwungen, auszusprechen, das; solche Härte sehr entmntigcnd ist bei dem. wie jedermann zu- geben wird, gewiß nickt leichten Amt, das wir bcllciden. Tic Mitglieder der 150. Armcnkommission: Paul B a u c r in e i st e r, Mitglied der 150. Armenkommission, 14., ZionSkirchstr. 18." Daß eine solche Syinpathie-Erklärung von den Mitgliedern der Armcnkoinmiision ausgeht, läßt die Principien. die in einer solche» Kommission innegehalten werden, nicht in günstigem Lichte erscheine», Es erscheint danach fraglich, ob die Kommission, wenn ihr dasVerhaltcn des Vorstehers bekannt geworden wäre, Schritte gcthan hätte, diesen Mann von seinem Posten zu entfernen. Das wäre aber die Aufgabe einer Kommission gewesen, die es ernst mit ihrem Amt nimmt und Vcr« ständnis für ihre Thätigkeit beanspruchen will. Wir können nicht die Vcrdiciistc dieses Mannes anstaunen, sondern nur die Arme» bc- danern, die sich solche Bchandlung gefallen lassen mußten. Fast erweckt es den Eindruck, als ob die Kommission der Mei« nung ist, daß gegen arme nnterstiitzungsbedürftige Leute zotige Redensarten nicht so herbe zu verurteilen sind, als sonst im gesell« schaftlichcn Umgang. Wenn das der Fall ist, dann wäre die Armen- Verwaltung in den' Händen von Leuten, die in der Armut nur das Laster sehen, dem gegenüber alles erlaubt ist. Wer die Vorgänge auf dem Gebiete des AnnenwescnS kennt, weiff, daff solche Auf-. sassungcn leider schon recht oft vertreten worden sind und die obige Erklärung eine Bestätigung dessen bildet. Insofern entbehrt die Kundgebung nicht jedes Interesse, wenn sie auch für Herrn Kose keine Ehrciircttnng sein kann. Die Arbeitsverhältnissc in den Norddeutschen Eiöwcrkcn. Vor kurzem berichteten wir. daff ein Kutscher der Norddeutschen Eis- werke, der infolge übermäßig langer Arbeitszeit so ermüdet war, daff er auf dem Kutschersitz einschlief, vom Wagen stürzte und zu Tode gefahren wurde. Dieser entsetzliche Unglücksfall veranlaffte uns, über die in den Norddeutschen Eiswerken übliche Arbeitszeit Er- kundigungcn cinzuzichcn, und können wir darüber folgendes mit- teilen: Am günstigsten hinsichtlich der Arbeitszeit sind diejenige» Arbeiter gestellt, welche feste Touren fahren, d. h. die Kunden bc- dienen, welche täglich kleinere Quantitäten Eis beziehen. Diese Ar- bester(Kutscher und Mitfahrer) müssen morgens um 3 Uhr den Dienst antreten, dann wird der Wagen beladen, das Fuhrwerk in stand gesetzt, so daß etwa um 6 Uhr die Fahrt zu de» Kunden beginnt. In der Regel ihn 3 Uhr nachmittags ist die Arbeit dieser Leute beendet, die dann also eine ISstündige Arbeitszeit hinter sich haben. Pausen giebt es nicht. Die Mahlzeiten müsse» während der Tour so uebenbei cingenommen werden. Eine ganz ungeregelte Arbeitszeit haben die Arbeiter, welche Extratouren fahren. Das ist die Bcdicnnug derjenigen Kunden, die in unbestimmten Zwischenräumen größere Mengen von EiS, oft ganze Wagen- ladungen beziehen. Bei diesen Arbeitern richtet sich die Arbeitszeit nach den jeweiligen Bestellungen der Kundschaft. Da in der gegenwärtigen Jahreszeit viel Eis verlangt wird, so kommt' es nicht selten vor. daff die Extratour-Fahrcr. einige Stunden länger arbeiten müssen, wie ihre Kollegen mit den festen Tonren. Sonntags wird ebenfalls regelmäßig gearbeitet,»nd zwar von 3 Uhr morgens bis zwischen 10 nnd 11 vormittags. Länger kann die Sonntagsnrbcit nämlich wegen der polizeilichen Vorschriften über die Sonntagsruhe nicht ansgcdchnt werden. Die Löhne betragen für die Wockc einschließlich Sonntag: Für die Mit- fahrcr 18 M., für die Kutscher der Extratouren 18 M., für die Kutscher der festen Touren 21 M., einige der ältesten und zn- verlässigsten derselben bekoinmen 24 M. Wenn die Extra« tonrfahrer noch nach 3 llhr nachmittags eine neue Fahrt begiiinen(die immer mehrere Stunden in Anspruch nimmt), so er- halte» sie dafür eine Vergütung von 50 Pf. Wenn sie dagegen etwa um 2 oder'/s3 Uhr noch eine neue Tour antreten, nmg die- selbe auch erst um 5 llhr oder noch später beendet sein, so giebt cS dafür keine besondere Vergütung. Nun besteht noch eine Arbeiier- kolonne, zu der der verunglückte Kutscher Richter gehörte._ Diese Arbeiter haben die Aufgabe, mittels großer, etwa 80 Centner fassender Wagen, Eisvorräte aus einer in Mariendorf bestehenden Niederlage nach Rummelsburg zu schaffen. Die Arbeitszeit dieser Leute beginnt um 2 Uhr nachmittags. Ter Transport der Eisvorräte wird in den Abend- und Nachtstunden bewirkt und ist etwa um 3 oder 4 Uhr morgens beendet. Wenn nun viele Bestellungen vorliegen, dann miissen diese Arbeiter nach Beendigung des Transports nach Extratonren machen, mit denen sie bis 8. 9, mich tv Uhr vormittags beschäftigt sind. Aber nm 2 Uhr nachmittags miissen sie den Dienst wieder antreten. Pausen sind während der Arbeitszeit nicht vorgesehen. Diese Ar- beiter bekommen einen Stundenlohn von LS Pf., seit einiger Zeit angeblich 30 Pf.(Es handelt sich hier zum großen Teil um Nachtarbeit.) Für die Sountagsarbcit giebt es 3M. extra. Bis zu welchem Maße die Ucbcrarbcit ausgedehnt wird, das geht ans einem Zettel hervor, auf dem der verunglückte Nichter die von ihm in der Woche vor seinem Tode geleisteten Arbeitsstunden notiert hat. Danach hat der Bcrstorbene am Montag, Mittwoch und Donnerstag je 11 Stunden, am Dienstag, Freitag und Sonnabend je 10 Stunden gearbeitet. Nachdem er am Unglückstage, Sonntag, den 0. d. Mts., um 10 Uhr vormittags von der Arbeit gekommen war, hat er dieselbe um 2 Uhr nachmittags wiedex angetreten und ist dann gegen 4 Uhr morgens, von Müdigkeit überwältigt� vor die Rader seines Wagens gefallen, die über ihn hinweggingen und seinem Leben ein Ende machten. Nach dem Angeführten unterliegt es keinem Zweifel, daß der Per- unglückte ein Opfer der Ueberanstrengung geworden ist, ein Opfer des Kapitalismus, der in der Ausnutzung fremder Arbeitskraft keine Rücksicht auf das Wohl der Arbeiter kennt. Daß solche unwürdigen Zustande besteheit können, ist zum großen Teil die Schuld der betreffenden Arbeiter selber, die den Wert der Organisation noch nicht erkannt haben, und, weil sie einzeln dem Unternehmer gegen- über machtlos sind, sich keine geregelten Arbeitsverhältnisse verschaffen können. Ehcschlieftmigcn, Geburten und Sterbrfälle. In der Woche .�Un' bis 1. Juli fanden in Berlin 287 Eheschließungen 1.» der Lebendgeborcncn betrug 800(471 männliche, 410 weibliche). Totgeboren wurden 25 Kinder(16 männliche, neun welbuchc). Unter den Lebendgcboreueu befanden sich III, nuter den Totgeborenen 4 außerehelich geborene Kinder.— Die Zahl der Sterbcfalle betrug in der Bcrichtsivoche S73 und betraf 301 männ- Iichc,. 1 2 weibliche Personen. Unter den Verstorbenen befanden sich �4. Kinder im ersten Lebensjahre<133 ehelich und öl außer- ehelich geborene). Iii Krankenhäusern sind 156 Personen(87 männ- itche und 69 weibliche) gestorben. Auf gewaltsame Weise endeten 14 Personen, darunter 7 durch Selbstmord.— Auf die ein- Zcliicn Stadtteile verteilten sich die Sterbefälle wie folgt: Berlin- Kvlln-Dorotheenstadt 11; Friedrichstadt 13; Friedrich- und Schöne- berger Borstadt 17; Friedrich- und Tcmpelhofer Vorstadt(ivestl.) 13; Tempelhofer Vorstadt(östl.) 26; Luisenstadt jenseits des Kanals 67; Lmienstadt diesseits des Kanals 32; Stralauer Viertel 72; Königs- viertel 44; Spandauer Viertel 20; Rosenthaler Vorstadt 84; Oranien- burger Vorstadt 51; Friedrich-Wilhelnistadt und Moabit(östl.) 15; Moabit(westl.) 37; Wedding 57.— Die Eheschließungen- betrugen 16,0, Die Lebend�eboreuen 25,5, dke Totgeborenen 0,7, die Sterbe» fäEc 16,4 pro Mille der Bevölkerung. ... 27 städtischen Volksbibliotheken haben im Jahre 1808/00 in runder Zahl 630 000 Bände nach Hanse verliehen. Am meisten benutzt wurden die beiden mit Lesehallen verbundenen Bibliotheken in der Mohrenstratze und Ravensstraßc. die bei drei- stündigem täglichem Betriebe 68 600 bczw. 67 430 Bände verliehen haben. Die beiden städtischen Lesehallen, außer denen die Gemeinde- behörden noch weitere achi bereits genehmigt haben, entwickeln sich m crfteulichster Weise. Die Lesehalle in der Mohrenstraßc ist im �ahre 1808/00 von 18 566 Männern und 544 Frauen, zusammen von 10 100 Personen und die Lesehalle in der Ravenestraße von 18 767 Männern und 063 Frauen, zusammen von 10 730 Personen besucht worden. Leider ist das Büchcrzimincr(zugleich Bücher- magazin wie Ausleiheraum) bei beiden Lesehallen so beschränkt, daß die Verwaltung auf eine Erweiterung bedacht sein müßte. Jrrciipflcgc-Anstaltcii. Die Irrenanstalt zu Dalldorf hatte am 30. Juni d. I. einen Bestand von 646 Männern und 601 Frauen, zusammen 1247 Personen. In Brivatanstalten befanden sich 402 Männer, 538 Frauen, gleich 040 Personen, während 04 Männer und 68 Frauen, gleich 162 Personen in Privatpslege gegeben waren. Die Jdiotenanstalt Dalldorf wies einen Bestand von 132 Knaben und 67 Mädchen auf gleich 100 Personen. In Privatpflege befanden sich ferner 48'Knaben und 26 Mädchen, gleich 74 Personen. Die Irrenanstalt Hcrzberge zu Lichtenberg beherbergte ain 30. Juni er. in ihrer Hauptanstalt 634 Männer und 500 Frauen, gleich 1134 Personen, in Privataustalte» 182 Männer und 162 Frauen, gleich 344 Personen, und hatte ferner 70 Männer und 71 Frauen, gleich 141 Personen in Privatpflege untergebracht. In der Anstalt für Epileptische Wuhlgarlen ivaren am 30. Juni untergebracht: 532 Männer, 337 Frauen und 80 Kinder, gleich 058 Personen. Beurlaubt waren 10 Männer, 7 Frauen, 1 Kind, in Privatpflege 3 Knaben. Der Bezirk der Berliner Perrückenmacher- nnd Frisenr- Innung ist jetzt vom Handelsminister auf den ganzen Regierungs- bezirk Potsdam ausgedehnt worden, umfaßt soinit auch die Stadt Charlottenburg, obgleich dortselbst bereits eine freie, gegen 00 Mit- glieder zählende Innung für das Barbier-, Friseur- und Perrttcken- macher-Gewerbe besteht, lieber diese Konkurrenz sind die Charlotten- burger Jnnungsmeister wenig erbaut. Eine folgenschwere Katastrophe hat sich Sonntagnachmittag gekcgeittlich des Gewitters, das besonders im Nordwesten und Norden Berlins wütete, am Nordufcr zugetragen. D o r t s e I b st wurde ein junger Mann vom Blitzstrahl getötet und vier weitere Personen betäubt. Der 17jährige Wilhelm Schönfeld. Triftstraße, und der 10jährige Brauerci-Arbeiter Karl Blank, Tegelerstt. 27 wohnhaft, waren gemeinschaftlich nach der Plötzenseer Bade-Anstalt gegangen und befanden sich gegen 3 Uhr auf dem Rückwege nach Berlin. Als sie das Nordufer passierten und in der Nähe des im Neubau befindlichen städtischen Krankenhauses von dem Gewitter überrascht wurden, suchten sie Schutz an dem Bauzaune des erwähnten Krankenhauses. Neben diesen Beiden standen auch der 38jährigc Arbeiter Glockwitz und dessen lOjähriger Sohn Eugen, sowie der 23jährige Brauer Jgnaz Loock, Kolbergerstr. 26 wohnhaft. Ein besonders heftiger Blitzstrahl ttaf nun den Bauzaun, riß ein Stück aus diesem heraus und sprang dann auf die Personengruppe hinüber. Schönfeld wurde von dem Strahl voll getroffen und stürzte leblos zu Boden. Auch die nächftstehenden Personen wurden betäubt und blieben bewußtlos liegen. Es waren dies Blank, Glockwitz Vater und Sohn und Loock. Die Verunglückten wurden durch hinzugekommene Personen nach der Unfallstarion in der Lindowersttaße geschafft, wo sie die erste Hilfe von dem an- wesenden Arzt Dr. Lohmann erhielten. Durch Hantieren und An- Wendung der Elektricität und Frottierung gelang es. die vier letzt- genannten Personen wieder ins Leben zurückzurufen. Dieselben hahen keine äußeren Verletzungen erlitten und konnten sich schließlich zu Fuß nach ihren Wohimngen begeben. Schönfeld, dessen ganzer Körper blau angelaufen ivar, ist allem Anschein nach von dem Blitz auf der Stelle getötet worden. Die Leiche wurde nach dem Schau- Hause gebracht. Hilfe bei Unglücksfällen. Der Magistrat hat dem Polizei- Präsidium 24 Kästen mit Verbandzeug und Mitteln für die erste Hilfe bei Unglücksfällen, Verletzungen und plötzlichen Erkrankungen zur Verfügung gestellt. Diese Hilfskästen sind an 24 Polizeireviere, welche nicht in der Nähe von Krankenhäusern ec. gelegen sind, ver- teilt worden. Die Kästen enthalten: 1 Scheere zuin Kleidertrennen, 1 Litergefäß, 2 Gummibinden, 3 breite Flanellbinden, 3 Gazebinden, 2 Beinschienen von Holz. Schusterspahn, Glycerin-Pergamentpapier, 2 Kompressen von Leinewand, 1 Paket Salicylwatte. 2 Esmarchsche Tücher, 1 Stück Nähseide, 1 graduierte Glasmensur(20 Gramm), Spirit. aetherii, 100 Gramm, Acidi carbolici liqueiacti, 100 Gramm, Liqu. ammonii caustici, 100 Gramm, Tinct. oppii sixnpi., 50 Gramm. Ferner hat der Magistrat dem Polizei-Präsidium 19 Tragbahren zur Verivendung in den Polizeiwachen überwiesen, die ebenfalls an die Polizeireviere verteilt sind. AuS Lievcsgram hat sich die 24jährige Näherin Klara Braun am Sonnabendabend das Leben zu nehmen versucht. Das junge Mädchen hatte seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis mit einem Brauergesellen, welches nicht ohne Folgen geblieben war. Der Bräutigam kümmette sich jedoch in der letzten Zeit nicht mehr um das Mädchen und das Kind und war seit einigen Wochen ver- schwunden. Die B. erfuhr nun dieser Tage durch eine Freundin, daß der Ungetreue sich mit einer anderen verlobt habe und das scheint der Grund dazu gewesen zu sein, daß die Verlasseue sich am Sonnabendabend in ihrer in der Rheinsbergerstratze belegenen Schlafstelle vergiftete. Die Schwcrerkrankte wurde in wenig hoff- nungsvollem Zustaud- nach einem Krankenhanse gebracht. Eingebrochen, um sich zu erhängen, ist in der Nacht zum Sonntag ein etwa 30 Jahre alter, sauber gekleideter Manu, dessen Persönlichkeit mangels jeglicher Ausweispapiere bisher nicht fest- zustellen geivesen ist. Er hat durch Einsteigen den Hintcrgarten eines Hauses in der Müllerstraße erreicht und sich dort an einem Kirschbaum aufgehängt. Am Somitagmorgeu wurde die Leiche zum Entsetzen des Eigentümers und der Mieter aufgefunden und nach dem Schauhnuse abgeholt. An Barmitteln fand man in der Geld- lasche des Tobten' 15 Pf. vor. Der Garten gehört mit zu der Wohnung eines Kanzleirates, der über die ihm geivordeue Bevor- zugung leineSlvegS erbaut ist. Wegcn zu geringer Freiheit ist ein kaum den Kinderschuhen entwachsenes Mädchen lebensmüde geivorden. Tie 17 Jahre alte Emilie Ncuge ivar feit sechs Wochen bei dem Gastwirt L. in der Neuen Friedrichstraße in Stellung. Am Souuabeudmittag lief die N. ans der Küche fort und kehrte nicht zurück. Spät Abends lief die behördliche Benachrichtigung ein, daß das junge Mädchen den Tod im Wasser gesucht habe, aber gerettet und nach einem Krankenhaus gebracht worden sei. Die Viotori» regia in unserem Botanischen Garten wird ihre erste diesmalige Blüte tragen. Die in diesem Jahre besonders schön entivickelte Pflanze zeigte schon gestern eine große Knospe über dem Wasserspiegel, welche sich heute in ihrer ganzen Pracht entfalten wird. Vor kurzem hatte die Vietoria rexia bereits einige Knospen getrieben, die aber, weil sie zu zeitig entstanden waren, abgeschnitten werden mußten, da sie sonst die Pflanze in ihrer Entwickeluug ge- hindert hätten. Ferner ist im Botainschcn Gatten augenblicklich eine Fülle der schönstell Sommerblumen sowie auf der Höhe ihrer Ent- ivickelung stehender Nutzpflanzen zu sehen, lind auch die zur Kultur der alpinen Flora angelegten künstlichen Gcbirgsparticen prangen im Schmucke einer üppigen Vegetation. Ans dcr TrcPtow-Ttcrnivarte spricht am Dienstagabend 8 Uhr Direttor Archen hold über:»Ein Ausflug in die Sternenwelt". In diesem Vortrage werden zahlreiche Licht- und Drcbilder vom Mond und den Planeten Jupiter und Saturn vorgeführt. Die Vcrciusbillete haben zu diesem Vortrage Giltigkcit und Schüler er- halten ermäßigte Vorzugskartcn. Ter Orgelvortrag, ivclchen Herr Musikdirektor Otto DicncI Mittivoch, den 10. Juli, mittags 12 Uhr, in der Marienkirche bei freiem Eintritt hält, ivird durch Frl. Gertrud Mauksch, Frl. Lotte Dicncl, Hrn. Alex. Cnrth, den Violinisten Hrn. Ludivig Grube und Hrn. Robert Schiviehelmaun iliiterstützt. Außer Orgel- kompositioncn von Bach, Händel und Dicncl werden Terzette, Duette, Arie» ec aufgeführt. Fencrbcrtcht. Seit Sonnabend sind größere Brände nicht zu verzcichncu. Nur mußte Somirngavend 10 Uhr für kurze Zeit Wasser gegeben werden, als Prenzlauer Allee 34 in der Lackier- Werkstatt der Korso-Fahrradiverkc ein Brand auskam, der aber auf seinen Herd beschränkt werden' komite. Sonutagmittag 11 Uhr ivar L ü b e ck e r st r n h c 4 ein kleiner Zimmerbrand zu beseitigen. Abends 8 Uhr wurden L i n i e n st r a ß e 3 a Kleidungsstücke durch Feuer zerstört. Gleichzeitig erfolgte Alarm nach Alexa ndrine n- st r a ß e 40, wo durch den Bruch eines Wasserrohrs eine kleine lieber- schwemmung herbeigeführt wurde. Ein Balkenbrand rief die Wehr um 10 Uhr nach Wallstraßc 50. Montag früh hatten sich L i t t h a u c r st r a ß e 27 Preßkohlen entzündet,' doch konnte größere Gefahr leicht beseitigt werden. Aus den Nachbarorte». Fricdrichsfeldc. Am Donnerstag, den 20. d. M., abends 8Vs Uhr, findet im Lokal des Herrn Schulz, Prinzen-Allec 6, eine Versammlung des socialdemokratischen Wahlvcrcins statt, in der Dr. We yl über das Ergebnis des Tuberkulose-KongresseS referieren wird. Der Vorstand. Von dem Gewitter am Sonntagnachmittag werden nachträglich nnerfreutiche Details gemeldet. So wird uns aus Falkcnhagen- Segcfeld bei Spandau berichtet, daß dott am Sonnabcndnachmitlag ein furchtbarer Hagclschlag niedergegangen ist. Die Hagelkörner fielen in der Größe von Wallnüssen und vernichteten neben vielen Hunderten von Singvögeln die Gartenfrüchte und Pflanzen gänzlich. In den Ställen der Gebäude des gciiamitc» Dorfes stand das Wasser fußhoch. Im Schweinestall des Gutes Segefeld ertranken u. a. 20 Ferkel. Ein aufregender VootSunfall trug sich am Sonntagnachmittag vor den Augen von Zehntausenden in Treptow zu. Ein Herr und eine junge Dame fuhren in einem kleinen Ruderboot aus der Ober- spree; in der Nähe der Abtei, mehr nach der Stralauer Seite zu. wollten beide Personen die Plätze wechseln und dabei schlug>das Fahrzeug um. Die Insassen sanken mir dem Boot unter nnd kamen etiva 30 Meter von der Unfallstelle wieder an die Oberfläche des Wassers. Die Rettungsversuche, die sofort von allen Seiten an- gestellt wurden, waren außerordentlich schwierig, da die Verunglückten, die sich umschlungen hielten, reißend schnell davontrieben. Kapitän Neumann vom Dampfer„Hertha" der Dampfer- Gesellschaft „Stern" war einer der Ersten, der sich an dem Rcttungswett beteiligte. Er ließ die Schwimmgürtel ins Wasser, doch war es den total erschöpften Verunglückten nicht mehr mög- lich, diese Rcttungswerkzeuge zu erfassen. In dem Augen- blick, als die beiden Personen in die Tiefe versanken, gelang es einem herzngeeiltcn Ruderboot, sie zu erfassen und ins Fahrzeug zu ziehen. Die Verunglückten, welche bewußtlos geworden, erhielten die erste Hülfe in der Abtei. Für die bevorstehenden Neuwahlen zum Teltower KrciS- tage hat jetzt der Kreisausschuß das Verzeichnis der wahlberechtigten größeren Grundbesitzer und Gewerbetreibenden sowie der Landgemeinden der Städte zur öffentlichen KennMis gebracht. Nach dem erfolgten Ausscheiden Schönevergs und Rixdorfs aus dem Kreise hat in diesem eine vollständige Neuregelung der Kreistags-Wahlverhält- nisse erfolgen müssen, nachdem erst vor etwas mehr als Jahresfrist infolge der Erhebung Schönebergs zur Stadt gleichfalls eine Neu- gcstaltung geschehen mußte. Bis zum April vorigen Jahres hatte die Zahl der Kreistags-Abgeordneten ohne Rücksicht auf die gewaltige Zunahme der Seelenzahl der Vorottgemeinden 46 betragen. Als dann aber die Stadtwerdung Schönebergs eine gänzliche Neueinteilung der drei Wahlverbände(der Städte, Land- gemeinden und größeren Grundbesitzer) zur Folge hatte, weil die neue Stadt nach der Kreisordnung nicht mehr mit den Landgemeinden wählen konnte, wurde zugleich die Wahl der Kreistags-Abgeordneten gemäß der nach der Volkszählung von 1805 auf ca. 325 000 Seelen berechneten Bevölkerung des Kreises von bisher 46 auf 65 vermehrt, von denen 22 auf die Städte(11 allein auf Schüneberg) 22 auf die Landgemeinden und 21 auf die größeren Grundbesitzer entfielen. Mit dem Ausscheiden der Städte Schöne- berg und Ripdorf aus dem Kreise verlor dieser nun aber, selbst nach der Volkszählung von 1805, nicht weniger als 125 000 Seelen(in Wirklichkett jetzt ca. 170 000). so daß dem Kreise nur noch 203 550 Einwohner(ohne die akttven Mililärpersonen) verblieben sind. Infolgedessen mutz nun die Zahl der Kreistags- Abgeordneten ivieder entsprechend vermindert werden. Und so sollen denn jetzt nach dem Ausscheiden der beiden Städte statt der zuletzt 65 Abgeordneten wieder nur 50 gewählt werden. also immer noch 4 mehr, als vor zwei Jahren bei ca. 300 000 Kcis- bcwohneni. Von diesen 50 Abgeordneten sollen den im Kreise ver- bleibenden sechs Städten(Köpenick, Zossen, Trebbin, Teltow, Mittenwalde und Teupitz) acht Abgeordnete und dem Wahlverbaude der Landgemeinden sowie der größeren Grundbesitzer und Geivcrbe- treibeuden je 21 Abgeordnete zugewiesen worden, wobei es besonders bemerkenswert ist, daß der Wahlverband der größeren Grundbesitzer ec., obgleich auf denselben nur ein ganz vcrschiviudeud geringer Bruchteil der Kreisbevölkcrung, nämlich— 8336 Seelen, entfällt, doch genau ebenso viele Abgeordnete wählen kann, wie der Wahlvcrband der L a n d g e m e in d e n und der dazu gehörenden „selbständigen Gutsbczirke, Gewerbetreibenden und Bergwerksbesitzer" mit nicht weniger als— 163 137 Seelen. Und nicht minder bemerkenswert ist es, daß die sechs Städte mit 31 577 Eimvohncrn(heute vielleicht 35 000 Eimvohner) acht Abgeordnete zu wählen haben, dagegen z. B. die vier großen Vororte Wilmersdorf, Steglitz, Groß-Lichtcrfelde und RowaweS mit zusammen 55 712 Seelen(gegenwärtig aber schon ca. 75 000) nur 7 Abgeordnete, und daß Köpenick allein mit 18 168 Ein- wohnern(heute ca. 20 000) 5 Abgeordnete wählen kann, während Wilmersdorf mit heute 23 000, Steglitz ca. 20 000 und Groß-Lichter- felde 22 000(1895: 14 000, 16 000 und 15 000) im Kreistage nur jedes durch 2 Abgeordnete vertreten werden darf. In furchtbarer Weise im Gesicht verbrannt wurde im Hause Friedcaauerstraße 44 ein Dicnstinädcheii. das aus einer Flasche Petroleum in das Hcrdfeuer goß. um dieses zu entfachen. Die Flasche explodierte und die emporschlagenden Flamme» trafen die Ilnvorsichtige im Gesicht und am rechten unbekleideten Anne, ihr schlvere Brandwunden beibringend. Auf das gellende Hilfcgcschrci eilten die Nachbarn herbei und erstickten das Feuer. Das Mädchen wurde nach der Friedenauer SanitätSwache gebracht und ihr dort mit Leinöl und Kalkwasser getränkte Verbände umgelegt, welche die großen Schmerzen etwas Luderte». Namentlich die rechte Gesichts- feite>var vollständig entstellt, die Angenbrmmen versengt und die Nase soivie das rechte Ohr außen und innen total verbrannt. Polizeilich verboten tvnrde das Auftreten des Tierbändigers Mario mit scinc» dressierten Panthern, der in der Charlottenburger „Flora" eilt längeres Gastspiel eröffnen sollte und bereits den Engagementsvertrag unterzeichnet hatte. Das Verbot erfolgte mir Rücksicht ans die Gefährlichkeit der in Aussicht genoinmene» Prodtlktioncii. Im Tchlostpark Pankow erschoß sich am Sonntagnachmittag der 17 Jahre alte Arbcilsbnrsche Oskar Wagner auS der Exerzier- straße 3a. der in der Chansseestr. 60 beschäftigt war. Von einer Dogge zerfleischt wurde eine Berliner Dame, welche in Neubabelsberg Somincranfenthalt genommen hatte. Bei Gelegenheit eines Ausfluges nach Rehbriick überfiel das bissige Tier plötzlich die ruhig Spazicrengchende und brachte ihr besonders im Gesicht und an den Armen eine Anzahl schivcrcr Vißivundcit bei. Geviitzks-Seikung. Das dicustliche Verhalte» und der Eid eincS Polizeikomiuissars vor Gericht. Vor dein Schwurgericht in Königsberg spielte sich vor einigen Tagen ein in mehrfacher Hinsicht iiitercssanrer Meineidsprozeß ab, der folgende Vorgeschichte hat: Am 30. August 1807 hat der Schutzmann Kögel den Zimmerer Zimmer, der— ivie sich später herausstellte ohne jeden Grund— wegen MajestätSbeleidigling denunziert worden war, verhaftet und ihm dcii P o l i z e i k o m m i s j a r Marx vorgeführt. Auf dem Bureau soll der Kommissar auf eine Aeilßeruiig Zimniers zu diesem gesagt haben: DaS ist auch einer von den Lümmels, die die„ V o l s- T r i b ü n c" l e s e n. Die Königs- bergcr„Volls-Tribüiic" hatte diesen Vorfall nnd die angebliche Acnßermig des Kommiffars berichtet n»d ist deshalb wegen Be- !cid>gil»g des Polizeikommiffars verurteilt worden. In der be- treffenden GerichtSvcrhaudlung hat der Komnlissar Marx unter seine m Eide bestritten, die genannte Acußerung ge- ulacht zu haben, und der Schntzmaua Kögel hat b e- s ch w o r e Ii, ep lörnie sich nicht entsinnen, daß er den fraglichen Ausdruck gehört habe. Z i in in e r, der als Zeuge mit voller Bestimmt- heit beknndcte, daßMarxdie betreffendeBemerkung gemacht habe, wurde nicht vereidigt nnd seiner Aussage vom Gericht keine Glaubwürdig- keit beigcmcfsen. Durch einen Bericht, den die„Vokks-Zeitung" über diese Gerichtsverhandkuilg brachte, fühlte sich der Polizeikomuiissar Marx wiederum beleidigt. Der angeklagte Redacteur niurde frei- gesprochen. In dieser Vcrhaiidluug trat ein Schutzmann Wilhelmy als Zeuge aus. Derselbe war, wie erst nach der ersten Verhandluiig gegen die„Volks-Tribiine" mit vieler Mühe ermittelt worden ist, gleichfalls auf dem Polizei- Bureau zugegen, als Marx dem verhafteten Zimmer gegenüber gesagt haben sollte: DaS ist auch einer von den Lümmels, die die„Volks-Tribüne" lesen. Während nun Marx abermals in Abrede stellte, diese Aellßerliiig gethan zu haben, bekundete Wilhelmy eidlich, daß er gehört habe, Marx habe diese Worte thatsächlich gesprochen. Marx behauptete dagegen, Wilhelmy sei bei dem in Rede stehenden Vorgang gar nicht zugegen gewesen. Wilhelmy wurde in Unter« suchiingshaft geiiommcii. Er stand nun am 10. d. M. unter der' Anklage des Meineides vor dem Schwurgericht. Aus der Verhandlung, die zwei Tage währte, seien folgende Zeugen- aussagen wiedergegeben: Zeuge Polizeikommiffar Marx, einmal wegeii schlechter Behandlung eines Untergebenen disciplinarisch be« straft, stellt die betreffende Äeußening in Abrede. Wenn er sie ge« than hätte, würde er nicht streiten, denn„was wäre denn dabei los". Der Zeuge giebt zu. daß er die Schutzleute oft schroff behandelt habe und zuweilen über die zulässigen Grenzen hinausgegangen sei. Auch den Angeklagten habe er beschimpft und zu ihm:„Satan von innen" oder etwas Achnliches gefagt. Zeuge Schutzmann Kögel, der seinerZeit den verhafteten Zimmer demKommissar zuführte, und der früher aussagte, er könne sick, der Aeutzerung von den Lümmels, die die „Volks-Tribiine" lesen, nicht entsinnen, macht jetzt ganz b e- stimmte, den Kommissar entlastende Aussagen und' behauptet auck, Wilhelmy sei bei jener Gelegenheit nicht zugegen gewesen.— Zeugin Frau Zimmer, die Witwe des inzwischen verstorbenen, s. Z. verhafteten Zimmer bekundet: Als sie von der Verhaftung ihres Mannes Kenntnis erhalten, habe sie sich nach dem Polizeibureau begeben und nach dem Grunde der Verhaftung gefragt. Nachdem ihr gesagt wurde, ihr Mann sei der Majestätsbeleidigimg beschuldigt, habe sie ihre Verwunderung hierüber ausgedrückt. Dann habe der Kommiffar Marx zu ihr gesagt:„Das sind die Früchte der Socialdemokratie. das ist auch einer von den Lümmels, die die„Volks- Tribüne" lesen." Als ich dann weinte und klagte, schrie er mich an:„Heulen Sie nicht, brüllen Sie nicht, sonst werden Sie auch eingesperrt."— Zeuge Schutzmann Pein: Kögel erzählte mir damals, daß er einen Mann wegen Majestätsbeleidigung verhaftet habe, dem sei Marx gründlich in die Parade gefahren, so daß er und Wilhelmy auch kräftig haben lachen muffen.— Der Zeuge Kögel wird ihm gegenübergestellt und bestreitet das.— Zeuge Pein: Dem kommr es auf eine Unwahrheit mehr oder weniger nicht an. Befragt, ob er nicht wisse, daß sich Marx den Schutzleuten gegenüber einmal wegwerfend über die Heiligkeit des Eides geäußert habe, teilt er mit: Marx sagte einmal, bei welcher Gelegenheit, weiß ich nicht mehr:»Wir schwören den Eid bei Gott, Gott ist ein Geist, ja S....— Zeuge Jackschi es: Zu ihm habe Kögel auch erzählt, daß er die beleidigende Acußerung Marx' gehört habe. Doch nun habe er doch einmal geschworen und könne nicht mehr zurück. Zeuge Kögel bestreitet das. Zeuge Maurermeister Zucht: Mir hat der Schutzmann Kögel im Herbst 1807 von einer Verhaftung erzählt, wobei Marx den Verhafteten sehr grob angefahren habe. Dann erzählte er mir später, daß et es gamicht mehr aushalten könne, da ihn Marx gradezu moralisch mißhandele. Er solle es durchaus nicht gehört haben, daß Marx geschimpft habe. Marx habe gesagt:„Was, Sie wollen etwas ge- hört haben? Na. warten Sie, Sie sollen es gut haben bei mir." Ich sagte ihm, er solle sich doch nicht beeinflussen lassen, sondern die Wahrheit sagen, was er nun auch versprach. Als ich ihn dann später wieder einmal traf und fragte, wie die Sache denn ausgefallen wäre. sagte er:„Na, der wurde bestraft, ich habe doch anders geschworen." Präs.: Kogel, was sagen Sie dazu?— Zeuge Kögel: Die ganze Aussage ist Erfindung. Z u ch t sagt dem Kögel'alles noch ciinnal ins Gesicht, worauf dieser sagt:„Das ist alles gelogen. Selbstredend sind Sie auch Anhänger der Partei."— Zeuge. Schutzmann B u ch m a n n: Kögel hat mir auch erzählt, dag er bei der Verhandlung anders ausgesagt habe und der Angeklagte verurteilt wurde. Ich sagte ihm danials:„Mensch, dann sage doch jetzt wenigstens die Wahrheit aus, deim wenn Du das nun wieder be- schwörst, dann hat Dich Marx ganz in der Hand, dann kannst Du gar nicht mehr von ihm los." Zeuge Kögel be- streitet auch das. Kommissar Marx beruft sich zur Be- kräftignng seiner Behauptung, wonach Wilhelmy bei der Einlieferung ZinmicrS auf dem Bureau gar nicht zugegen gewesen sein soll, auf die in dem diese Angelegenheit betrestcnden schriftlichen Rapport ent- baltene Zeitangabe. Der«chreibsachverständige, Kanzleirat Dingler, begutachtet: Es habe den Anschein, als ob die betreffende Zahl nach- träglich geändert worden sei. Zeuge Zimmermeister Kösling: Frau Langner, die Frau eines Hausverwalters, hat niir vor längerer Zeit erzahlt, dasi Marx ihr uusittliche Anträge gemacht hat. Ich wurde viel mit Strafmandaten bedacht, auch hat der Schutzmann Ehlert den Antrag bei der Polizei gestellt, sie solle mich veranlassen, den Mann der Langner als Ver- Walter zu entlassen, Zeugin Frau B e n u w i ch: Ich fand einmal ein verlaufenes Kind auf der Straße, nahm es zu mir, machte es satt und brachte es dann zu Herrn Marx aufs Bureau. Da sagte Marx:„Da greift Sie sich die Kinder auf und bringt Sie zu mir." Als ich einwendete, ich könne das verlaufene Kind doch nicht auf der Straße lassen, schnauzte er mich an:„Halte Sie die Fresse und gibble Sie nicht noch; bring' Sie das Kind zurück nach der Borstadt, wo Sie es gefunden hat." Zeuge Marx bestreitet auch das ivieder. Zeuge Polizei-Jnspcktor Tausch stellt dem Koimnissar Marx das Zeuguiß aus, er sei ein tüchtiger Beamter, der aber infolge von Nervosität sich nicht selbst beherrschen' könne, und dem die Zunge manchmal durchgehe. Prä s.: Was können Sie uns über die Glaubwürdigkeit des Marx sagen. Ist es vorgckoniincn. daß er es auch mit der Wahrheit nicht genau nimmt?— Zeuge Tausch(nach längerem peinlichen Schweigen): Beweise habe ich nicht. ES ist vorgekommen, daß er Berichte etwas geschminkt hat.— Zwei als Zeugen vernommene Polizeikonunissare bekunden, daß der Angeklagte Wil- helmy ein gewissenhafter, anständiger Mensch sei, der jederzeit seine Pflicht gethan habe. Nach kurzer Beratung verneinten die Geschworenen die Schuldfrage; der Angeklagte wurde darauf freigesprochen uud sofort aus der Haft cutlassen. Was wird noch übrig bleiben? Schon mehrfach mußten wir mitteilen, daß Bestimmungen der Arbeitcrschutz- Gesetzgebung, namentlich Bestimmungen über die Sonntagsruhe durch die Judikatur des Strafsenats am Hanseatischen Oberlandesgerichts wieder aufgehoben worden sind. Erst vor etwa 14 Tagen hat das Obcrlandcsgericht ein Urteil gefällt, durch das den Gehilfen von Schlächtern, Wildhändlcrn, Fischhändlern. Krämern usw. das bißchen ihnen gewährleisteter Sonntagsruhe verkümmert wurde, DaS Oberlandesgericht hat nun auf dieser Bahn einen Schritt weiter gethan. Der Milch Händler Eickhoff beschäftigte einen Knecht mit Milchaus- tragen auch während der au Sonntagen festgesetzten Ruhezeit von !U/s bis ll'/a Uhr vormittags, Eickhoff erhielt eine Straft) erftiguug. Gegen diese legte er durch den Rechtsanwalt und Reichstags- abgeordneten Dr. Vielhaben, den eifrigen Kämpfer gegen die Arbeiterschutz- Gesetze zu Nutz und Fromme« des anneu Mittel- standes, Einspruch ein, der jedoch solvohl vo>n Schöffengericht Ivie vom Landgericht zurückgewiesen wurde. Dr. vielhabcu hatte geltend gemacht, daß Sch. gegen den Willen und ohne Wissen des Eickhoff die Milch während der Freistunden ausgetragen habe, Eickhoff habe Scki. anbefohlen, bei Beginn der Freistunden mit dem Aiistragcn von Milch aufzuhören und sich solange in einer bestimmten Wirtschaft aufzuhalten, bis die Freistunden zu Ende seien. Dagegen führten nun Schöffen« und Landgericht in ihren Gründen aus: es liege schon darin eine Beschäftigung des Gcwcrbegehilfcn, daß der Arbeitgeber demselben befehle, sich ihm während der Freistunden so zur Verfügung zu halten, daß er sofort nach Schluß der Freistunden seine geschäftliche Thätigkeit wieder aufnehmen könne. Die Freistunden sollten den Arbeitnehmern völlig freigegeben werden, so daß sie darüber verfügen könnten, wie sie es für gut und angebracht be- fänden. Die Arbeitnehmer könnten aber nicht völlig frei über ihre Freizeit verfügen, wenn sie sich während dieser Zeit zur Verfügung des Arbeitgebers halten müßten. Gegen dieses Urteil legte Dr. Viel- haben dann Revision ein. Zur Begründung derselben iveist er auf die großen Nachteile hin, die die Gewerbetreibenden durch eine derartige Auslegung des Gesetzes erlitten. Diese weitgehende Auslegung der Bestimmungen habe der Gesetzgeber auch gar nicht beabsichtigt. Infolge solcher Urteile könnten und würden die Arbeiter ihre Arbeitgeber in der ärgsten Weise chikanieren. Die Arbeiter seien gerade so auflässig wie die Dienstmädchen, und die Milcherknechte brauchten nur, wenn sie einmal vom Arbeitgeber aus- geschimpft seien, gegen den Willen und ohne Wissen des letzteren Milch austragen, so träfen sie ihren Arbeitgeber in der ärgsten Weise, Der Staatsanwalt Heinichcn, Vertreter des Oberstaatsanwalts, führt aus: Auch nach seiner Meinung dürften die Arbeitgeber nicht bestraft werden, wenn die Arbeiter gegen der ersteren Willen und ohne ihr Wissen während der Freistunden sich im Gewerbebetriebe beschäftigten. Ganz unhaltbar sei aber der Standpunkt der Vorderrichtcr, daß die Ar- bciter während der ganzen Freistunden über diese völlig verfügen können nmßten. ES widerspreche durchaus nicht dem Sinne der gesetzlichen Be- stimmungen, daß z. B. der Milcherknecht während d.er zwei Frei- stunden sich hier in Hamburg zur Verfügung seines Arbeitgebers hallen müsse, um sofort nach Beendigung derselben wieder im Ge- Werbebetriebe thätig sein zu können. In diesem Sich-zur-Verfügung- Halten könne eine Beschäftigung im Sinne des Gesetzes nicht erblickt iverden. DaS Urteil sei deshalb aufzuheben und an die Vorinstanz zwecks anderweitiger Entscheidung zurückzuverweisen. Das Ober- landeSgericht entspricht diesem Antrage, indem es sich die Gründe deS Staatsanwalts zu eigen macht. VevsÄknntluttgen» Spandau. Am Sonnabend, den 18, Juli, tagie im W e h eschen Lokale Hierselbst eine Volksversammlung, in welcher zunächst Genosse Görke aus Charlottenburg über die Friedenskonferenz und russische Politik sowie über die Ursachen, welchen die Zuchthaus- vorläge ihre Geburt verdankt, unter lebhaftem Beifall der An- wesenden referierte. Alsdann schritt die Versammlung zum eigentlichen Zweck deS Abends, zur„Stellungnahme gegenüber der Brauerei Pichelsdorf". Im Saale war von einem Ver- treter der Brauerei ein Flugblatt verbreitet ivorden, auf welches Schröer, der zur Sache das Referat übernommen hatte, näher einging. Er schilderte in ausführlicher Weise die bereits von der Lokalkommission im„Vorwärts" bekannt gegebenen Verhältnisse. Es sei eine Unwahrheit, wenn von feiten der Branercidirektion jetzt erklärt werde, einzig der Oekonom sei zur Hergabe der Räumlichkeiten zu VcrsammlungSzweckcn beftlgt; dem steht'die Thatsache gegenüber, daß in dem Vertrage zwischen dem Oekonom und der Brauerei vom Jahre 1894 ausdrücklich be- stimmt ist,„daß über die Hergabe der Räumlichkeiten zu Versamm- lungszwecken stets die Direktion zu entscheiden habe". Diese letztere Bestimmung wird jetzt aber von der Brauereiverwaltung ab- geleugnet, um die Schuld von sich ab und auf den Oekonom zu wälzen. Während der ganzen Jahre habe nicht der Oekonom, sondern stets die Direktion und der A u f s i ch t s r a t, in letzter Zeit immer nur nach hartem Kampfe die Säle für die Zwecke der Arbeiterschaft hergegeben. Betrachten wir die Sache, so führt SÄröer aus, gleich der Brauerei- Direktion auch nur vom geschäftlichen Standpunkt und brechen wir die Geschäftsverbindung mit der Rade- berger Exportbierbrauerei(Pichelsdorfcr Brauerei), welche ihrer- seits mit"der Arbeiterschaft keine Geschäfte mehr machen will, einfach ab. indem wir weiter kein Pichelsdorfer Bier konsumieren. (Allseitiger Beifall.) Nachdem der anwesende Braucrcivettreter einen recht kläglichen Versuch gemacht, die Brauerei vor wirtschaftlichem Schaden zu behüten, kritisierten Rieger, Lemmo und Pieper recht scharf das auf eine Schädigung der Spandaucr Arbeiterinteressen gerichtete Ver- halten der Brauerei. Hierauf wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: „Es ist Ehrenpflicht jedes Arbeiters, das Bier der Pichelsdorfcr Brauerei ferner nicht zu konsumieren, sondern mit aller Kraft in den Kreisen der Arbeiterschaft dahin zu wirken, daß dieser Beschluß allseitige Beachtung findet. Die Versammelten richten an die Arbeiterschaft Berlins und der sonst in Betracht kommenden Orte das Ersuchen, uns in diesem Kampfe solidarische Unterstützung zu gewähren und auf die Be- seitignng deS Konsums Pichelsdorfer(Radeberger) Bieres durch Arbeiter kräftig hinzuwirken. Die Lokalkommission wird mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt." Bemerkt wurde noch ausdrücklich, daß die Pichelsdorfer Brauerei Eigentum der Aktiengesellschaft Radeberger Exportbier-Vrauerei ist, welche ihr Hauptgeschäft in Nadeberg bei Dresden hat. Friedrichsfelde. Am 12, d. M, tagte hier in Budes Festsälen eine von circa 250 Personen besuchte Volksversammlung. Reichstags- Abgeordneter Arthur Stadthagen referierte über:„Die Thätig- kcit des deutschen Reichstags." Redner geißelte das Bestreben der Regierung nach beständiger Vermehrung des Heeres und die Stellung- nähme der Eentrumspartei hierzu; andererseits hob er die Vorzüge deS Milizsystems hervor. Ferner kritisierte der Referent die Jnvalidengesetz-Noveve, die leider nur in verschwindend kleinem Maße Verbesserungen erhalten habe, ebenso mangelhaft wie diese sei die heutige Krankenkassen-Gesetzgebung. Nachdem Redner noch die lex Hcinze und lex Rintclen erwähnt, kam er auf die Zuchthaus- vorläge zu sprechen und stellte dem Bestreben nach Einschränkung des Koalitionsrechts die unzureichende Arbciterschutz-Gcsctzgebnng gegen- über; hier könne die Regierung sich nützlich machen. Zum Schluß forderte Redner auf, Front zu machen gegen die Bestrebungen der Gegner, die jeden Kulturfortschritt zu hemmen suchen. Eine Diskussion fand nicht statt. Werner wies noch auf die am 20, d. M. bei Schulz stattfiudeude Versammlung des Wahlvereins hin, in welcher Dr. Wehl über den„Tnbcrknlosckongrcß" sprechen wird. Mit einem begeisterten Hoch a..f die Socialdemokratic schloß die Versammlung. Berlins Getreide- und Mehlzufuhren zu Wasser vom 15, Juli mittags bis 17, Juli mittags betrugen IlllS Tonnen Roggen, 7025 Doppelcentner Weizenmehl. Et er 6 er{cht vom 17. Jult. Normale Eier 2,40—2,85 M,, klein« 2,20—2,25 M, Berlins Eierzufuhren in letzter Woche betrugen 552 432 Kilo- gramm, davon per Bahn 519 S?0 Kilogramm per Niederschlesische, 7500 per Ost«, 4030 per Anhalter, 19 330 per Nordbahn, Die Vlnsfuhr betrug 56 723 Kilogramm, davon 5l00 Kilogramm per 91'iede- wificlje 5189 ver Ost-, 8070 per Stettiner, 1260 per Nord!, 2?!>0 per Lchrler, 33 32! Kilo, gramm per Potsdamer Bahn, Die nicht eingerrvsteneu Ziher» der«-»»lo.'«- Bahn sind nicht in obigen Zahlen enthalten. Briefkasten der Kedaktion. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder ein« Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll und die letzte Abonnemeutsquittuug beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beanl- wartet und schriftliche Antwort wird nicht ertheilt. Die jurtsttschc Sprechstunde wird Dienstags, Donnerstag»«nd Freitags abends von K bis 81ttie abgehalten. F. Fr. Augnststraste. Am 7. Januar 1898. O. C. W. Wir betauern, uns unbekannt. S. 39. Sind nicht alle Maurer. Warum auch? M. Gieuke. Ist dieselbe Firma. Annonce versehentlich auf- genommen. S. M. B. Leider würden sie mit einer Klage nicht durchdringen. Ratibor. Es verlohnt sich wohl kaum, auf die ehrenwerw Person des Herrn K. jetzt noch zurückzuwunnen. Im übrigen ist uns bisher von leiner anderen Seite eine diesbezügliche Berichtigung zugegaugeu. A. F. lins allbekannt, Kanarie». Fleiszig baden. Reinlichkeit deS Käfigs. EtwaS Insekten- Pulver in die Federn, I. F. Bitte, richtig zu frankieren, Tuchbrauchc. Unseres Wissens hier fast gar nicht vertreten, B. 100. 1. Am ersten Tage des Monats, 2. Zu jeder Zeit,— O. Gulow. 1. n, 2, Ja,— tkliarlottenburg 100. 1. Falls die Arbeit untanglich, ist ein Schadensersatz-Anipruch nach der bestehenden Rechtsprechung berechtigt und bis zum 1. Januar 1900 Lohnabzug zulässig, 2, Wenn Sie keinen Accord angefangen oder übernomnien halten, kann der Meister ihn auch durch dritte fertigstellen lassen.— Th. 13. Wenden Sie sich direkt an die Klinik, Zicgclstrabe.— D. K.. Oranienftraste. Nein MlticiuiigStibersicht vom 17. Jnli 180», morgen» 8 llhr. Stationen Swiiiemde, Hamburg Berlin Wiesbaden Miiiiche» ! Wien = 2 a- 1 I I 64 NNO 1 2heiter 765WSW! lihlb. beb 764«NW 766 N 766 NW 763 NO Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris ZK 763 766 765 766 Still s SW NO Wetter heiter 2ibcdeckt 2 hlb, bed. Imollenl VS 11 Z? Ein Modell dcS„Fram". Das Marineniuseum zu Baris ist um eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bereichert worden: eö handelt sich um ein Modell des„Fram", des zu großem Rur, nie gc- laugtcu Schiffes, weiche« den kühnen Nausen durch das PolareiS führte. Der Leiter des MariuemujcumS, AdinirnI Miot, hatte ein- mal den Wunsch ausgedrückt, für seine Sammlungen ein Modell dieses Schiffes zn erlangen. Als der reiche und sehr freigebige Norweger Ryghens von diesem Wunsche hörte, ließ er auf seine Kosten ein 3 Meter langes Modell der„Fram" bauen und vollständig aus- rüsten, so daß auch nicht das geringste fehlt; sämtliche Masten, sämtliche Maschinen, kurz alles ist vorhanden ivie auf dem Original- „Fram". Das Modell' soll»uchr als 20 000 M. gekostet haben.— Folgenden Ukas erhielt vor kurzem ein Eingesessener des Kreises Rafienburg:„Amtliche bekannttnachung: Laut Gemeinde. bcschluß vom 15. d. M. wurde einstimniig beschlossen, daß der Weg von P. nach R.. sotvie der Lehmberg an F. die schlechsten Stellen mit kleinen Steiner und Sand befahren werden soll, es trifft auf jede Hufe 9 Meter und soll die Wegcbesserung bis zum 1. Jum d. I. beseitigt tverden wer bis dahin sein Teil nicht gc. bessert hat, wird bei 3 Mark Strafe event. auf dessen Koste» ausgeführt. Siegel. Der Gemeindevorsteher, lgez.) G." Darauf crividerte der so Aufgeforderte uuter anderem:„Ich werde dieser Aufforderung keine Folge leiste», da die amtliche Bekanntmachung besagt, daß die betr. Begebesserung bis zum 1. Juni beseitigt werden soll, wogegen ich hiermit feierlich Protest erhebe. DesgleicUen iverde ich mich auch dagegen sträuben, daß ich, da von meiner Seite bis zum 1. Juni nichts geschehen ivird, bei 3 Mark Strafe eventuell auf meine Kosten ausgeführt werde."— Bis jetzt aber ist der Betreffende noch nicht ausgeführt. Ein fürchterlicher Orkan wütete in der über 2800 Einwohner zählenden Ortschaft Nikolajewskoje(Rußland) im Gonvcriiement Pensa. Von 205 Wohnhäusern liegen 12 in Schutt und Trümmern. 10 Leichen wurden aus den Trümmern hervorgezogen. 33 Menschen erlitten schlvere oder leichte Verletzungen. Die Ortschaft bietet ein schreckliches Bild der Verwüstung. Der materielle Schaden ist fthr groß. Ein scheußliches Verbrechen ist in einem Walde der Gemeinde Leifringhaujen begangen worden. Wie der„Berk. Ztg." ans Lüdenscheid berichtet wird, fand man dort die Leiche einer etwa 30jährigen Frau, nur noch mit Strümpfen und Stiefeln bekleidet. Die Hände waren auf dem Rücken mit einem Tuche zusammengebunden. Das Gesicht der Leiche war bis zur Ulikenntlichkeit eittstelit. Der Mörder befindet sich offenbar noch in der Nähe. Darauf läßt Folgendes schließen. Bis zum Eintreffen der Staatsanwaltschaft aus Hagen i. W. hatte man einen Wachtposten bei der Leiche aufgestellt. Diesem war es bei Anbruch der Dunkelheit unheimlich geworden, er hatte sich zeitweilig entfernt. Als er später zurückkehrte, war die Leiche ver- schibunden, so daß die Behörde anfänglich einen Leichenraub ver- mutete und die uächstgelegenen Bahnhöfe benachrichtigte. Einige Stunden später wurde die Leiche aber wieder, ziemlich an derselben Stelle, vorgefunden. Seitens der Staatsanwaltschaft und des Gerichts sind sofort umfangreiche Recherchen angestellt worden. 1 heiter Zlivolkenl 4 heiter Mb. bed Wetter-Prognose für DtenStag, den Warm und schwül, teilS heiter, teils wolkig Lustbeweguug und fortdauernder Gewitterneigung, Berliner W e t t e r b u r e a u. 22 16 16 19 18. Juli 1800. bei lueistens nur schwacher Achknnn:%w Achtung: Wahlverein Berlin*1. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Dienstag, den 18. Jnli, abends 8 Uhr, die 247/10 F 1 it zzvlQtk Ve vv v eil mt n betreffend Enizeichnnng in die Wühlerliste» zu de» Stadt- verorduetcu-Wahlen stattsindet, Bei der Wichtigkeit, welche die Stadtverordneten-Wahlen für die Berliner Arbeiterschaft haben, erachten wir es als Pflicht eines jede» Mitgliedes, an den bekannten Stelleu pünktlich zu erscheinen und bei der Berbrcitnng mitzuwirken, damit diese prompt von statten geht. 247/10» Ter Vorstand. Nene freie Bolksbiihne. Sim Souittag, den SS. Jnli: BJKesixzFSr'fpAHlBS mit üusik SüF- nach Uessenwinkcl."MM Abfahrt morgens 7ft« Uhr von der Jannowitzbrücke(Stern-Gesellschaft). Karte» für Erwachsene 1,25 Dt., für schulpflichtige Kinder 65 Pf. sind mir zu haben bei O. A ck e r m a u n, Jagowstr. 15, Hof I.; f. Peck, Möckernstr, 120; C, W e r l i n g, Zoflenerstr, 32; P. R u f ch, dniiralstr. 17, Sof I.: H. B obsten, Kommandantenstr, 62; H. Kauf- hold, Aielchiorstr. 3, I, sowie beim Unterzeichneten. 1S0/11 Sonntag, den«. Rugnst, nachiiiittagS ftzS llhr, Extra-Borstellnng im tztehiliee-Theatee(iHorwitz-Oper): Arth«. Romantische Oper in 4 Akten von Fr. v. Flotow. Karten a 1 Mark inkl. Garderobe sind auher bei oben genannten Personen auch in den bekannten Zahlstellen zu haben. _ I. A.: Ad. Lillhr, Kassierer, Ackersir, 38, I. Reu eröffnet! W eddlng-Kasino Franz Olelncrt Neu eröffnet! I Schul straffe 29 Franz Olelncrt Schulstraffe 20. 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I lartoffeln, neue Rindfleisch, Keule 1 kg do, Bauch„ *) Ermittelt pro 16.30 14,80 15,30 14,- 13,60 13,- 15, BO 15,- 14,90 14,40 14,30 13,60 4,- 8,60 6,10 4,- 40,- 2B,— 50,— 2B,— 70,— 30,- 14- 6- 1,60 1,20 1,20 1,- Tomie von der Centralflefle der Preuh, Landivirt- schastSkammer- Notienmgsstelle- und umgerechnet vom Poltzeipräftdüim für den Doppel-Centner. f) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 17. Juli. Die Getteidepreise verharrten auf ihrem vorgestrigen Niveau bei einiger Lebhaftigkeit des Marktes. Das aus dem Inland« reichlich voriiegende Angebot fand williae Aufnahme seitens der Platzspekulation, die sich zu Deckungskäufen genöttat sah. Die gleichfalls in bedeutendem Umfange vorhandenen Offerten Rußlands waren außer Rendement und fanden leine Beachtung. Auch die nachbörsliche Er- mattung der Weizennotierungen in New Kork und Chikago übten keinen Einfluß aus die Preisgestaltung am hiesiegen Platze aus. Weizen mid Roggen verkehrten am Frühmarkte zu vorgestrigen Preisen. Hafer war behauptet, Rüböl still, preishaltend. Am SpirituSmarkte wurden 20 000 Liter loko 70er mit 41, BO(unverändert) gehandelt. Termine lagen sehr still. Fünfte Abänderung zum Statut .der OrtS-Krantentaffe der Dach- decker zu Berlin. .§ 27 des Statuts wird wie folgt abgeändert: Die wöchentlichen Kaffen- beiträge betragen I. für Dachdeckergesellen.. 48 Pf. Ur Arbeiter.... 39„ ür Lehrlinge..... 30„ Absatz n bleibt, Berlin, den 23, April 1899. Der Vorstand der OrtS- Krankenkasse der Dachdecker Berlins. G. Krebs, H. Apel, 1. Vorsitzender. Schriftführer. Vorstehende Abänderung wird hier- durch genehmigt. Berlin, den 14. Juni 1899, (I-, 8.) Der Bezirks-Ausschuß. K a y s e r, 1371d Diese Abänderung tritt am 1. August 1899 in Kraft. 0.227/1.99. ZuJ-Nr.�Gew.II99. auf Teilzahlung. J. Kellermann, Prlnzenatr.O?, parterre, Eingang vom Flur, f» l m. Bier 60 Pf. Braten, Kompott flöpsnlvksrstr.Sb». 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AlWnitü! ß. Wahlkreis. AMmg! Donnerstag, den 20. Juli, abends S'/a Uhr, im Kösliner Hof, Köslinerstr. 8- Partei- Uersammwng Tages- Ordnung: l. Vortrag des Genossen F. 8lnx«r: Die nächsten Stadtverordneten- Wahlen. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Wahlkomitees für den 6. Kreis. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein 219/20� Die Vertranenslente. Mauarveiter! Dienstag, den 18. Juli 1899, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstraße S9: (ttrffcttkl. Vorfktinmlung der Dliillirbeiter Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über die Verhandlungen vor dem Einignngs- aint. 2. Diskussion und Verschiedenes. 31/14»__ Ple lLohnkomwilssIon. I. A.: Voak, Große ifrnilidir MUmM der Schneider und Schneiderinnen der Kostümbranche am Dienstag, den 18. Juli er., abends 8V2»Hr. in den„�rmln- hallen", Kommandantenstraste Nr. 20. Tages-Ordnung: 1. Der Tcrrorisnius der Arbeitgeber in der Kostümbranche. Referent: Kollege Ritter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._[164/12* Achtung! MaurePp Achtung! Liittwoch, den 19. Juli, abends SVa Uhr� Zwei Bersammlmrgen des Vereins znr Wnhrnng her ziltereffen her Manrer Berlins und Umgegend. 1. Frankfurter Chaussee 129 bei H ö f f l i ch. 2. Stvinemütlderstr 42, GescllschaftshauS. Tages-Ordnung: 1. Unser Verhalten nach dem Einigungsvertrage und wie soll sich das- selbe für die Zukunft gestalten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 129/15_ Der Vorstand. I. A.: G. Hertorth. Rixdoi*f. DMscher Dotzarbeiter-Uerbailil. General-Bersammlnng am Mittwoch, 19. Juli, abends 8V2 Uhr, bei Herrn Klcmke, Bergstr. 1S7. Tages-Ordnung: I. Kassenbericht von« 2. Quartal. 2. Wahl eines Schriftführers. 3. Verbandsangelegenheiten. 107/12 Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die OrtsverrvaltiinK'. Aitlm! MAURER. Mim! Mittwoch, den 18. Juli, abends 8 Uhr, in Kellers Leflfälen, Koppcnstraße 29: Grosze Mitglieder-Bersammlung her Ulialeil Berlins unh Umgegenh hes Centralverbandes deutscher Maurer. � Tages-Ordnung: o Vortrag des Genossen G. Wagner über: Volksbildung und Klassenbewußtsein. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 133/18* Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gefaßt werden, so ist es Pflicht jedes Verbandsmitgliedes zu erscheinen.__ Die Verbandsleltnng. I. A.: Karl Panser. Konsum-Verein Berlin- Nord. (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Donnerstag, den 20. Juli, abends N/z Uhr, im Swlncmiinder Oesellschnftshans, Swinemünderstr. 42: ensammlung. Tagesordnung: 1. Die Konsumgenossenschaften und ihre Bedeutung. Referent Herr Landgerichtsrat Kreckc. 2. Diskussion. 3. Geschäftliches. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 268/6 Die Mitglieder werden ersucht, in der Versammlung vollzählig zu erscheinen, rege für dieselbe zu agitieren und der Genossenschaft neue Mitglieder zuzuführen. Gäste willkommen. Der Vorstand. mmi Melmliktter Derlins! Dienstag, 18. Jnli, abends 8V2 Uhr, im Lokal des Herrn Cranz(„Victoria-Garten"), Badstr. 12: Gr. öffentliche Versammlung aller in der Lederfabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinne», als: Weißgerber, Lohgerber, Lederfärber, Zurichter und Berufsgenossen. Tages-Ordnung: Der eingebrachte Antrag betreffs der vorkommenden Maßregelnngen. Der Streik in Witster und wie stellen sich die Berliner Kollegen dazu? 1390b Der Vei'trancnsniann. Velffonll. Devsnnttnlu aller in StA imi) Schimsabrikeil besWigten Arbeiter am Dienstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr, bei Herrn Steehert, Aildrensstr. 31. Tages-Ordnung: I Dortrag des Genossen Lanckow. 2. Diskussion. 3. Bericht deS Vertraueiismaunes. 4. Neuwahl eines solchen. 5. Werkstattangelegenheiten. 6. Verschiedenes. 179/3 Koliegeii! In letzter Zeit sind unsere Versammlungen sehr schlecht besucht gewesen; wir bitten Euch deshalb, diesmal zahlreicher zu erscheinen, da die sehr wichtige Tagesordnung unbedingt Euer Erscheinen erforderlich macht. Der Vertrau cnsmaun. Umm du Mtzogroplskil, Llkiitate und BcrufSge». Deutsch!.(Filiale I, Steindrucker u. Bernfsg.) DounerStag, 20. Juli, abends 8V2 Uhr, im„Englischen Garten*. Alexanderstr. 27c: 96/13 General-Versammlung."HW Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht und Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wie stellen sick; die Mitglieder zur Abschaffung des 5 Pf.-Extra-Bcitrages? 4. Bericht und Neuwahl der Agitationskommission. 5. Abrechnung der Matineekommission. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Um pünktliches und zahlreiches Ericheinen ersucht Die Vermiltnng. Donnerstag, de» S9. Jnli, in Cohns Festsälen, Benthstrasie 10: 107/11 Okffkiitliche Eiiisetzer-Versillllminng. Tagesordnung: Die Lohnfrage der Einsetzer. Referent Millarg. Der Vcrtrancnsiunnn. Soeben erschien in meinem Verlage: Die Macht der Finsternis. Streiflichter aus der christlichen Kirche von Franz Sladck. Preis 35 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. doli. iSassenkaeli, Verlag, Berlin. Verband der Möbelpolierer. De» Kollegen zur Kenntnis, daß das Mitglied H. Schwirz am Sonnabend gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Dienstag- nachmittag 6 Uhr, von der Halle des Zions- Kirchhofes in Neu- Weißensee aus, statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet 146/18j_ Der Vorstand. Am 15. d. M. verschied nach langem schweren Leiden im Krankenhause„Am Urban" mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Bruder und Onkel 1377b Rjedsrd Lemke. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 19. d. M., abends 6 Uhr, von der Halle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Admiralstr. 5. Danksagnng. Allen denjenigen, die bei der Be- erdigung meines unvergeßlichen Mannes, des Tischlers Frnst Klotsche zugegen waren, meinen innigsten Dank. 1380b Prau Emma Klotsche. F,hrcnerklärnng. 1374b Die von mir gegen Herrn Albert Janike ausgesprochenen Beleidi- gungcn und Verdächtigungen erkläre ich in Uebereilung gethan zu haben. Herr Janike ist für mich ein Eh ren- mann. V/itwe Anna Benewa. Stempel- Fabrik vousl740L� Robeil Hecht, Dcrlln S., Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. Kautschuk-Typen„Perfekt" zum Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer Sätze von 1.50 M.an. Soeben beginnt mit einem neuen Roman ein neues Abomieiiieiit auf ILLUSTRIRTERQMAN Zu beziehen durch alle Bucll- Iiandlnngen, Colporteure und Spediteure, sowie durch die Dost(Zeitungs- Katalog No. 3700) und den Verlag Buehliandlimg Vorwärts Berlin SW., Beuth-Strasse 2. s ophastoffe auch IW C jf C'*0 in NipS. 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Zkraatz, Swinemünder- straßc 50._ f-G* Mamsells, bessere Jacketts und Aitöfcrtigcrin verlangt RutkowSki, Usedomstraße 14.__ jö» Mamsells, gute Damcnjacketts im Hause, verlangt Elsner, Bnuinen- straße 151.__ 1393b* Mamsells auf bessere Jacketts außer dem Hause, den ersten Mantel im Hause, verlangt Petersdorf, Schön- hanser-Allee 74 a, vorn II.[1346* Mamsells auf wattierte Räder verlangt MebeS, Dieffenbachstraße 35 vom HI. 1388b* Mamsells auf glatte Damen mäntel<2>/,— 3»/, M.) im Hause ver langt Breitschuh, Fruchtstraße 63. f" Maschinennäherin, auch Lehrmädchen verlangt Pankow, Schulze- straße Nr. 15, parterre._ f7 Kindermäntel- Arbeiterinnen im und außerm Hans« bei hohem Lohn, dauernder Beschäftigung, Lebuserstr. 4, Hof I. 1384b 'Arbeiterinnen aufJackctts außerm Hause verlangt M. Deutschbcin, Wraugelstraße 86 vorn III.[1375b Stepperin. Handnäherinnen ver- langt Lambrecht, Beruauerstraße 49. Stepperin und AuSfertigcrin, Jacketts verlangt Scheuche, Schul- straße 12. 1386b Steppdcckcn-Handnähcrinncn sucht Lew», Mcndelsiohnstraße 1.[56K* Gaceborten-Näherin, geübte, auch Lernen. Langer, Forsterstraße 45, 3 Treppen.-[32 Tüchtige Belegerinnen, Versilberer und Barockvergolder verlangt Max Leonhard, Goldlcistensabrik, Schlesische- straße 12._ t32 Goldleiste». Tüchtige Belege- rinnen nnden bei hohem Verdienst dauemde Beschäftigung, Köpnicker- straße 109a. 1379b Löterinnen verlangt Schäfer Nach- solgcr A.-G. Dresdenerstrahe 97. 'Aeltere Frau bei Kindern sucht Stark, Lausitzerstraße 12._ 132 Knrbelsteppen kehrt, nachher be- schästigt Lischka, Winsstraße 64. fl? Im ArbeitSmarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzeigen koste» 10 Pf. pro Zeile. Achtililg, MslsiiileNrSeiter! In der Holzbearbeitungs-Fabrik von Liange«t Wagencr, Engel- Ufer 1 1», haben sämtlicheArbciter wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug scmzuhalten. 83/7' Der Vorstand orstand des Verbandes. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Annahme-Stelle» für„Kleine Anzeigen". Ost eil• Robert Wangels, Fruchtsir. 30, H. L. Vogel Wwe., Kopveiistr. 83. Chr. Schultz. Blumeustr. 14. VordoNten: I. Raul, Barnimstr. 42. X orden: W. Gasimanu. Grünthalerstr. 65. Karl MarS, Kastauien-Allec 95/96. Emil Stolzeuburg, Wicsenstr. 14 L. Dechnnd, Ruhcplatzstr. 24. H. Bogel, Dcmminerstr. 32. A. Tietz, Jnvalidcustr. 124. Ziordsveston: Karl Anders, Salzwedclerstr. 8. Slidsveaten: F. Ohnesorge, Bergmannstr. 23. H. H. H. Schröder, Krcuzbcrgstr. 15. Bilden: Hans Baakc. Dresdcnerstr. 52 53. F. Gutschmidt, Kotlbuier Damm 8. 8ijd<>>tea: Fritz Thiel, Skalitzcrstr. 35. W. Gcsche, Wrangclstr. 58. Marti» Mascha. Adalbertstr. 24. Oentnun: P. Horsch, GipSstr. 27. Ckarlottenkiirg: Gast. Scharnberg, SchiUerstr. 941. A. Tietz, Kaiser Friedrichftr. 37 b. Vrledenan: H. Bernsee. Kirchstr. 15. Vriedrlehskerg: Auto» Kopp, Friedrich Knrlstr. 4. Dankorv: Kümmert, Kaiser Fricdrichstr. 15. Nlxdork: C. Ostcrmann. Erckstr. 6. E. Netzerau, Hermannstr. 50. 8olli»net>erg: Wilh.Bnumler.ApostelPaulnsstr.lZ. Vl"elis«en«ee: Heinrich Bachmann. Lehderstr. 1. Julius Schillert, Königchaussee 39a Rod. Liebschwager, Guslav-Adoif- straße 16. lös. i«.»!»!. 2. Dm des Jsmätts" fietliner ilglblilult. Dirnslsz, 18.|iili 1899. Arbeiter! Kleinbürger! Parteigenossen! Im Herbst dicseö Jahres finden die Neuwahlen zur Stadtvcrordnetcn�Vcrsammlung statt. Tie Liste der stimm berechtigten Bürger liegt in der Zeit vom 13.— 31. Julid. I täglich von 9—3 Uhr im städtischen Wahlburea». Poststr. 16, S Tr., zu jedermanns Einsicht aus. Wahlberechtigt ist nach K 5 der Städte- Ordnung jeder selbständige Einwohner, der Prcnstc»nd S-t Jahre alt ist, seit einem Jahre in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine Armrnuntcrstüiznlig ans öffentlichen Mitteln erhalten hat, sowie mindestens zur zweiten Stcncrstufc(666 bis 966 M. Einkommen) eingeschätzt ist, und sofern er in die Wählerliste eingetragen ist. Ehambrcgarnistcn sind selbständig und daher wahlberechtigt. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Listen könne» nur während der Zeit dcö Zluslicgcns schriftlich beim Magistrat erhoben werde», lieber die Berechtigung der gegen die Richtigkeit der Liste» erhobenen Einsprüche entscheidet die Stadtverordneten-Bcrsammlung. Um nicht seines Wahlrechts verlustig zu gehen, ist es Pflicht jedes Bürgers, sich davon zn überzeugen, da st fein Name in die Wählerliste eingetragen ist. Wer die Einsichtnahme jetzt versäumt, kann sehr leicht am Tage der Wahl rechtlos dastehen und zum Siege des Gegners indirekt mit beitragen. Wir mahnen daher dringend zur genauesten Kontrolle der Wählerlisten. Bei der Ausübung der Kontrolle wird es sich empfehlen, die letzte Stcuerquittung mitzunehmen, um, sollte die Eintragung vcr- säumt sein, sofort die Rachtragnng in die Liste beantragen zu können. Möge niemand versäumen, dieser Pflicht nachzukommen, damit er im stände ist, sein Wahlrecht auszuüben. Um denjenigen Wählern, die keine genügende Zeit zur Einsicht »ahme in die Wählerlisten übrig habe», die Sache zu erleichtern, haben sich nntcnstehcnde Parteigenossen bereit erklärt, Meldungen entgegenzunehmen, um dann für diese die Einsicht in die Wähler listen zn besorgen. Wir bitten, diesen Genossen die Legitimation ISteir zcttel, Mietskontrakt) auszuhändigen, dieselbe wird prompt lind gewissenhaft wieder abgeliefert. Die socialden, ok ratischen Vertrauensleute. 1. Reichstags-Wahlkreis. 1. K o m m u n a I- W a h l b e z i r k, Stadtbezirke 1—10. Mörschel, Jüdcnsir. 3ö. Gärtner, Molkenstr. 12. Neyen, Neue Fricdrichstr. 1. D i e s c l e r. Stralaucrstr. 16. S o m m e r, Grünstr. 21. Preust, Neue Friedrichstr. 20. II. RcichstagS-WahlkrckS. K. Lankow, Schuhmacher, Köuiggrätzcrstr. 86, Part. I. Sah, Restauratcur, Markgrafenstr. 102. Fr. Z u b e i l.. Lindenstr. 106. K. Liidke,„ Zoffcncrstr. 10. A. Q u a n d t,, Bellc-Alliancestr. 74. H. Schröder, Cigarrengesch., Krenzbergstr. 15. W i ch e r t, Restanrateur, Grostbeercnstr. 54. F i e b e l k o w.. Yorkstr. Zg. Marsch,„ Steinmctzstr. 5. Z e r b c.„ Lützowstr. 7. H. W e r n e r,„ Bülowstr. 50. Schulz,„ Prinz Aldrcchtstr. 3. III. Reichstags- Wahlkreis. 16. Wahlbezirk. L i n d e m a n n, Moritzstr. 9. Z ö t t e, Restanrateur, Biandenburgstr. 18. Flick,„ Simeonstr. 23. Li er.„ Alte Jatobstr. 110. 10. Wahlbezirk. M e s ch a, Cigarreuhandl., Adalbcrtsir. 24 sEfle Engel-Ufer). Humbscr, Slestaur., Köpnickerstr. 73. Richter,„ Franzstr. I(Ecke Schmidstraste). Lenz,„ Alte Jakobstr. 69. IV. Rcichstags-Wahlkreiö. 0. 20. Kommunal-Wahlbezirk. T a b b e r t, Gastwirt, Grüner Weg 14. G o r n,„ MarkuSstr. 23. E. Köpnick,„ Schillingstr. 30a. Chr. Schultz. Cigarrengeschäft, Blumenstr. 14. F. M e r k o w s k tz, Gastwirt, Wallnertheaterstr. 20. 21. Kommunal-Wahlbezirk. F. Wrlke, Gastwirt, Andrcasstr. 26. B u t s ch k e,„ Krautstr. 36. Richter, Cigarrengeschäft. Stralaucr Platz 15a. R e u m a n n, Gastwirt, Mühlenstr. 49a. Martins,„ Langestr. 90. 26. Kommunal-Wahlbezirk. Otto Franke, Gastwirt. Pallisadcnstr. 0. W i e d e m a n n,, Friedcnstr. 67. Mühle, Gastwitt, Koppcnstr. 41. T h i e l k e.„ Pallisadcnstr. 52, Ecke Friedenstraste. Jonas.„ Elbingerstr. 0. B a d t g e,„ Tilsttcrstr, 48. W e n d t l a n d. Cigarrengeschäft, Maricnbnrgerstr. 32. 27. Kommunal-Wahlbezirk. KarlSpäth, Gastwirt, Gcorgcnkirchstr. 65. Steuer,„ Weinstr. 22. Schulz,, Höchstestr. 30. H a f e l o f f,„ Landsbergerstr. 8. Wilh. Späth,„ Weinstr. 28. R e u l, Cigarrengeschäft, Barnimstr. 42. Eichhorn, Gastwirt, Grcifswalderstr. 3. W i l l n e r., WinSstr. 50. Bergan,„ Christbnrgcrstr. 24. IV. RcichStags-WahlkreiS. S.-O. 15. Kommunal-Wahlbezirk. umfassend die Stadt- bezirke 109—113. Im Stadtbezirk 100: Karl B ä st lc r. Restaur., Lübbcncrstr. 1. .. 110 n. Iii: Fritz Golz, Rest.. Grünauerstr. 3. 1 12a u. 112b: K a r l K u b i s ch. Rest., Forstcrstr. 17. 113: A u t o u S e i d l e r. Rest.. Ratiborsir. 16. V. Reichstags-Wahlkreis. 30. Kommunal-Wahlbezirk. Ri e r ck e r. Bergstr. 10. Hoppe, Ackcrftr. 143. W i t t j ch o w, Kleine Hamburgerftr. 26/27. Gründer. Johannisstr. 9. Brinkmann. Groste Hamburgerstr. 9. Jäckel, Vlonbijou-Platz 10. 27. K o m m n n a l- W a h l b c z i r k. W i l l n e r, WinSstr. 50. Bergan, Christburgerstr. 24. Eichhorn, Grcifswalderstr. 3. Wilhelm Späth, Weinstr. 23. Jakob Reul, Barnimstr. 42. VI. RcichstagS-WahlkreiS. Moabit: Karl 93a ch st ein, Restanrateur, Salzwedelerstr. 16. Döring.„ Thurmstr. 72.- Max Faber,„ Stephanstr. 11. A. F a b r a.„ Waldstr. 57. KarlFischer,„ Bensselstr. 9. OttoFischcr,„ Bensselstr. 66. Jllhardt,„ Stromstr. 46. Lorenz.„ Sickingenstr. 43. May,„ Rostockerstr. 12. Petri,„ Emdenerstr. 2. Johann Pfärr«„ Putlitzstr. lo. R c n f c r,„ Bensselstr. 23. R o w e,„ Bensselstr. 62. Schreiber,„ Huttenstr. 7. W c n d t,„ Rostockerstr. 20. Wcdding und Oranienburger Vor st adt: Fr. Bergmann, Restauratcur, Pasewalkcrstr. 3. Ad. B ä r s ch,„ Dronthcimcrstr. 1 b. W. Brösicke,„ Tegclerstr. 26. Ad. Do bat,„ Sellerstr. 3. Aug. Doye,„ Müllerstr. 32 a. F. Gleinert,„ Müllerstr. 7 a. Franz Gleinert,„ Schnlstr. 29. Beruh. Raabs,„ Colbergcrstr. 23. Herrn. Krawczack,„ Müllerstr. 159a. Schnitze,„ Gcrichtstr. 80. Alb. Seidel.„ Gcrichtstr. 10. Herm. Tausche!,„ Wiescnstr. 20. Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen: Karl Blostfeld, Schlächterladen, Hussitenstr. 21. Otto Brückner, Gartenstr. 63. F i ck i n g e r, Usedomstr. 22. Karl H c l b i g. Barbier, Usedomstr. 9. Otto I a n i s ch(früher Kerber), Brunnenstr. 74. Lorenz, Voltastr. 43, im Laden. Fritz Lietzke, Vriiimenstr. 85, im Laden. G u st a v Pape, Barbier, Gcrichtstr. 80, im Keller. Bernhard Steinhauser, Grenzstr. 4, pt. Karl Walter, Cigarrengeschäft, Hussitenstr. 35. Schönhauser Vor st adt: Fellechner, Weistenburgerstr. 29, im Laden. G r o b l e r, Restaurateur, Franseckistr. 12. G u b i n.„ Prenzlauer Allee 232. Kiesel,„ Weistenburgerstr. 53. L a m p r e ch t.„ Wörtherstr. 39. Pin»er, Cigarrengeschäft, TreSckowstr. 36. Emil Schmidt, Restanrateur, Tresckowstr. 22. S i e b e r t,„ Wörtherstr. 15. Wir bitte» unsere Parteigenosse» diese Bekanntmachung anfznhcbe». Vevsanrntlungen. In einer Versammlung der Schlächtcrgesellen am Sonntag referierte Genosse Jahn über»Die Zuchthausvorlage" nnter leb- haftem Beifall der Anwesenden. In der hieraus folgenden Be- sprechung bemerkten einige Redner, dast gerade die Schlächtcrgesellen unter ihren traurigen Verhältnissen alle Beranlassung hätten, sich um die Vorgänge im wirtschastlichcn und politischen Leben zu kümmern und sich gegen jede weitere Unterdrückung auf- zulchnen. Kos linke' erstattete den Bericht über die Thätigkeit der GewerkschaftSkommission. Unter„Verschiedenem" wurde unter anderem darüber geklagt, dast bei Hefter dem Personale eine nur ustaenügcnde Beköstigung verabreicht werde. Bei einer grasten Zahl voin-Schlächterincistern, welche„Knobländer" für den Sonntagsvcrkauf herstellen, seien Lehrlinge nnd Gehilfen gezwungen, fast jeden Sonntag z u arbeiten, ohne dast sich die sonst so aufmerksame Polizei auch nur im inindcstcn darum kümmert. Ferner haben bekanntlich die Lehrlinge und Gesellen nach Feierabend das„Abfragen" der Kundschaft wegen Bedarf für den anderen Tag nnentgeltlich zu besorgen. Nachdem von mehreren Rednern eine Anzahl anderer. Uebelständc besprochen, und auf die Bedeutung sowie zum Beitritt der Or- ganisation aufgcfordctt wurde, ersuchte der Vorsitzende um zahlreichen Besuch der am Sonntag, den 20. A n g u st, bei S ch i l l e r, Roscuthalerstr. 57, stattfindenden Versammlung des„Verbandes der Schlächtergesellen für Berlin nnd Umgegend". Insbesondere aber wurden die Schlächtergesellen ersucht, anstatt der bürgerlichen Zeitungen mehr den„Vorwärts" zu lese». Eine Volksversammlung, einberufen von der Central- „am Mission der Krankenkassen Berlins tagte am 13. Juli im„Kösliuer Hof". Sie beschäftigte sich ebenfalls, wie die Versammlung, die am 5. Juli in Stechcrts Salon statt- gesunden hatte, mit dem Thema:„Die Bekämpfung der Tuberkulose und der Verband der Metallindiistriellen". Das Referat hatte Dr. F r c N d e n t h a l übernommen. Die Versammlnng, die eines guten Bcsnctics sich erfreute, ichlost sich nach der mit grostem Beifall aiisgenoinmcnen iliede des Referenten einstimmig der von der früheren Versammlung angenommenen Resolution an. In der öffentlichen Bnchdritlkcr-Vcrsammlimg, die am 11. Juli tagte, erörterte Kitzler die Frage:..Warum wird die Pcrläiigening des Tariscs nicht der Allgemeinheit niilerbreitet?" Der Referent führte etlva folgendes aus: Das Tarifamt der Buchdrucker habe in einer Sitzung den Beschlnh gcfastt, den in diescm-Jahre ab- gelaufenen Tarif auf weitere zwei Jahre zu verlängern. Die Tarif- vertrcter der Gehilfen, die von der Allgemeinheit' gewählt jsicrt, hätten die Pflicht gehabt, diese» Beschlust den Kollegen in öffentlichen Ver- ammlnngen vorzulegen. Wenn es auch feststehend ist, dast die Zahl der Bnckdrnckereien, die den Tarif schriftlich anerkannt haben., ge- stiegen sej. so zeigt doch eine nähere Betrachtung, dast eine sehr groste Zahl derselben cniwcder den Tattf nicht innehalte oder überhaupt gar keine Gehilfen beschäftige. Redner verliest aus dem„Kor- reivondent" eine Reihe solcher Druckereien. Eine Statistik, die mehrere bayrische Kollegen veröffentlicht haben, zeige, dast im Gau Bayern 86 Druckereien die tarifliche Bezahlung. Arbeitszeit und Lehrlings» zahl nicht innehalten, aber trotzdem in der Liste der tariftrcucn Druckereien stehen. Nun sei auch auf der Generalversainmlnng des Verbandes dieser Beschlnst des Tarifamtes sanktioniert worden und gleichzeitig wurde erklärt, dast auch im Jahre 1901 an eine Er- höhnng des Miniiniims und Verkürzung der Arbeitszeit nicht zu denken sei. Die tarifliche Lage, an deren Kenntnis jeder Kollege interessiert sei, ist dort nicht öffentlich verhandelt worden, desgleichen das Abkommen betreffs der Prinzipals- Kasse. Hierngch ist es jedem Verbandsmitqlied freigestellt, sich dieser Kasse anznschliesten. Auf Jahre hinaus seien die Kollegen verpflichtet, füx dieses niedrige Miiiinnnn dem Unternehmer ihre Kraft zu verkaufen. Es sej hoch endlich an der Zeit, dast sich die Kollegen von diesen Fesseln befreien und sich nicht von den Prinzipalen den Preis ihrer Arbeitskraft bestimmen lassen. An der Diskussion, die eine sehr rege war, beteiligte sich auch Philipp Schmitt, der erklärte, es wäre doch besser, wenn man sich wieder einige. Ganz einverstanden erklärte er sich damit, dast das tarifliche Minimum ein viel zu niedriges sei nnd wenigstens 30 M. betragen müstte. Von anderen Verbandsniitgliedern wurde den jetzigen Gewerkschaftlern der Vorwurf gemacht, dast die Großstädte in ihrer Art der Opposition falsch vorgegangen wären und dadurch diesxlbe geschädigt hätten. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde die Ver- sammlung gegen �/sl Uhr geschlossen. Ter Centralvcrband der Bäcker hielt am 11. Juli im Englischen Garten, Alcranderstr. 27e, seine OuartalSucrsaininliing ab. Der Kassierer R e p p m a n n gab den Quartalsbericht und wurde demselben, nachdem die Revisoren die Richtigkeit bestätigten, Decharge erteilt. Die Mitglieder wurden sodann auf die Statuten- Veränderung aufmerksam gemacht, wonach jedes zwei Monate resticrende Mitglied der Mitgliedschaft verlustig geht. � Sodann gab der Vorsitzende einen kurzen Bericht über die Einberufung der Gau- konferenz in Kottbus am 16. Juli und deren Tagesordnung. Einige zu derselben gestellte Anträge würden den gewählten Delegierten H e t s ch o l d, H ü pfn er und B ries korn überwiesen. Nach- dem noch einige Vcrbandsangclcgenheiten und die Gründung eines Lese- piid Diskntierllnb» besprochen waren, folgte Schluß der Vcr- sammlung. Die Lederarbeiter, Weißgcrber, Lohgerber und Lederfärber hielten am 14. d. Vits, im„Victoria- Gatten", Badstraße 12, eine öffentliche Versammlung ab, in welcher A. K n o l l über „Die Arbeiterbewegung im Mittelalter" sprach. Der Redner �cr- ledigte sich seiner Aufgabe zur Zufriedenheit der Versammlung. Im Anschluß daran gab der Vertrauensinann den Kassenbericht für das letzte Halbjahr: au? demselben ging hervor, dast durch die mannig- fgchcn Kämpfe der Arbeiterschaft des In- und Auslandes, zu deren ilnterstützung die Lederarbeiter jederzeit helfend eingriffen, die Kasse geschtvächt wurde. Es haben dieser- halb die Vertranenslcute beschlossen, in Anbetracht der noch vorhandenen eigenen wie sonstigen Kämpfe der Arbeiterschaft, den Lokalbeitrag auf das Doppelte zu erhöhen. Die Versammlung bicst diesen Beschluß gut nnd war sogar geneigt, zur stetigen Unter- stützung der harten Kämpfe einer weiteren Erhöhung des Lokal- beitrags znzustinimen. Als Vertrauensmann wurde H. K n o b l i ch wiedergewählt und demselben Decharge erteilt. Anschließend daran, rügte der Vertranensmann das laue Verhältnis des Fabrik- Vertranensinännersystems und meinte, soll das Vertrauens- männersystei» im Allgemeinen gut funktionieren, dann sei es notwendig. stets die geeigneten Ratgeber ihm zur Seite zu stellen. Bei der Wahl der Delegierten zum Geiverkschaftskartell wies Beiß- w a n g e r darauf hin. daß die Lederarbeiter gemäß des Regulativs des Kartells zn Unrecht zwei Delegierte entsenden. Die Lederarbeiter Berlins hätten eine einheitliche Organisation, die 600 Mitglieder zählt und da stünde ihnen nur das Recht auf einen Delegierten zu. Eine Beschwerde der großen Organisation hierüber sei berechtigt. Redner meint, dast es dem Gcwerksckiaftsansschiist wohl nicht be« kaniit sein müsse, dast die Lederarbeiter nur eine Organisation, aber zwei Delegierte haben. Wollte man sich darauf be- rufen, dast die Lederarbeiter sich aus drei Branchen zusammen- setzen nnd dieserhalb ein Recht für doppelte Vertretung deduzieren, so sei das auch nicht richtig. Sobald den Leder- Arbeitern eine Branchen Vertretung im Kartell eingeräumt würde, müsse das auch den Holzarbeitern nnd Metallarbeitern gegenüber geschehen und alsdann dürften die Metallarbeiter wohl nächstens, wenn ihnen die Doppelvcrtrctnng der Lederarbeiter richtig klar wird, mit 20—30 Tclcgiertcn ins Kartell einziehen. Redner hält es für das gerechteste, einen Delegierten zurückzuziehen und nur einen Delegierten zu entsenden. Busse, AnSschnstmitglied des Gewerk- schaftskartclls stellt sich den Aussührungcn Beißwangers gegenüber und meint, trotzdem die Lederarbeiter auch nur etwa 600 organisierte Kollegen in Berlin zählen, sei es doch bisher nicht beanstandet worden, daß sie eine Doppclvcrtrctnng hätten. Für die Leder- arbcitcr sei eine Doppclvertrctimg, die uns für das Kartell auch nicht einen Pfennig mehr Ausgaben verursache, doch gewiß nicht nachteilig, und da wäre man docki dumm, wollte man aus purem Gerechtigkeitsgefühl, wie Beistwanger sage, davon Abstand nehmen. In der Diskussion erkannte man die Richtigkeit der Ausführungen des ersten Redners an, meinte aber doch nicht freiwillig auf eine stärkere Vertretung zu verzichten, sondern man faßte den Beschlust, dast, ivenn eine Vranchcnvcrtretnng als die mit den Lohgerbern als zu recht anerkannt ist seitens des GcwcttschaftSkartells, dann auch noch ein dritter Delegierter für die Lederfärbet' zu wählen ist. Leider war die Versammlnng schwach besucht und nahm von den anwesenden Lederfärbcrn keiner die dritte Delegation ins Kartell an. Bei der nächsten Wahl soll das indessen nachgeholt werden. Unter Gewerk- schaftlschcm wurde noch zur Sprache gebracht, dast den gemaßregelten Kollegen eine höhere Ilnterstützung als bisher zu teil werden müsse. Dieser Punkt wie einige andere wurden zu einer Vcr- samnilnng, welche nächste Woche stattfinden soll, vertagt. Der Verein zur Wahrung der Interesse» der Maurer Berlins hielt am 12. Juli zwei Wander-Vcrsainmlungen ab. Im „Victoria-Saale" Perlcbergerstr. 14 erläuterte Zechlin an Stelle Kalcr's in kurzen, treffenden Worten die Lohnkämpfe Deutschlands in jüngster Zeit, nnd verwies hauptsächlich auf die nie ermüdende Opfcrwilligkcit der Vcrlrnncnsinänncr-Centralisation für alle in Lohnlämvsen befindlichen klasseubewustten Arbeiter. An der Diskussion beteiligten sich mehrere Kollegen und wurde folgende Resolution eiiistimmig angenontincn:„Die Anwesenden sprechen den Kollegen in Halle a. S., welche sich im Kampf mit ihrem llutcruehmertum be- finden, ihre volle Sympathie ans nnd verpflichten sich, dafür zn sorge»,, dast es den im Kampf Befindlichen nicht an Untci-stütznng mangelt." Im weiteren wurde auf ein Schreiben, welches die Bcr- lincr Jnnnngsmeistcr ihren Polieren zugestellt haben, nnsnicrksain gemacht. In diesem Schreiben werden die Poliere aufgefordert� iiur Gesellen durch den Arbeitsnachweis einzustellen, widrigen- falls sie. die Meister, an die Innung 20 M. Konventioiial- strafe pro Kopf zu zahlen haben.— Die zweite Ver- sammlung tagte im„'Englischen Gatten", Alexandcrstrnste 27 o. Hier hielt B ehrend das Referat. Redner begründete u.a. treffend die Notwendigkeit der Organisation; jeder einzelne müsse strikte im Sinne der Organisation bandeln. An der regen Diskussion be- keiligten sich Dietrich, Metzle und andere. Im Verschiedenen wurde von den Flicsenkcgern ans ihren letzten Streik anfnieeiinm gemacht und die Kollegen moralisch verpflichtet, überall dort, Ivo Fliesenleger arbeiten, darauf zu achten, dast selbige auch zu den anettannten neuen Bediiignngcn arbeiten. Deutscher Senefelder-Bund. Mitgliedsckiast Berlin. Heute abend 8 Uhr im Restaurant Miegel, Stralauerstr. b7. Mitgliederversaimiilimg und Borstandssttzung. ffüt fccu Jiismlt der Inserate tiberiiiiiiiiit die Ncdattio» de», Piiblikniii ncgeniil'cr keinerlei Bcrantinortnng. TlzvQkev. Dienstag, den 18, Juli, Neues Opern- Theater Die Fledermaus, Ansang 7»/z Uhr. Residenz. Der Schlasivagcii- Con- trolcnr. Vorher: Zum Einsiedler, Anfang?l/z Uhr, Weste». Der Troubadour. Anfang 7 Uhr, Neues. Die Wahrsagerin, Vorher: Die Frage an das Schicksal. An- lang 7�2 Uhr, Schiller. Allcffandro Stradella. Anfang 7>/2 Uhr. Neutral. Lunivenpack, Ansang 8 Uhr Friedrich- Wilhclmstädtischcs. Der Trompeter von Säkkingcn, Ansang 8 Uhr. Alexandcrplats� Nana. Anfang 8 Uhr, H Ostend. Die Ahnfrau. Ans, 8 Uhr, Metrovol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Bclic-Zllliance. Spccialitäteu-Vor stcllung. Ansang 8 Uhr, Apollo. Frau Lima, Specialitiiten Vorstellung, Anfang 8 Uhr, Reichshalle». Stcttiner Sänger Ansang 7 Uhr, Passage- Panopilknt». Spceiali täien-Vorslcllnng, Urania. Juvalidenslr. c»7/l>Ä Täglich abends von S— 10 Uhr Sternioarte. Passage-Panoiilicuni 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends, Bon 6V, Uhr ab: Spccialitäte». Neu! Uorvlck und Leons in ihrer Burlesk- Szene: Die Rlesenbraut. Sdjllld'liditcr tWallner- Theater). illoi' witz-Oper. Dienstag, abends 7i/, Uhr Gastspiel»«Ini-iel»: Stradella. Romantische Oper in 3 Akten von A, Friedrich. Musik von F, v, Flotow Mittwoch, a b e n d« 71/, U h r: Volkstümliche Opern-Vorstellung bei halben Preisen: �ar nnd Zimmermann. Donnerstag, ab d S, 71/, Uhr Gastspiel Heinrich Hiitel: Der Posttllon von Lonfnaiean. Eentvn l T Ijcntcv Duektion: Josö Ferenczy. Gefankt-Gttstspiel des Hamburger Ernst Drucker-Tliealers Anfang 8 Uhr, UuinprnpKck. Kr, Hamburger BolkSstück mit Gesang in sechs Bildern von W, Bial nnd S. Nosenthal. Musik von H, Groth, Morgen nnd folgende Tage: Liimpenpaclt. Hamb, Bolksstück, Schluß des Gastspiels am Wnii-Kiil'l Weisi-TsMter. («r. Franksurtrrstrahe Ili». Klein» Preise. Parkett 1,10, Cyklus volkstümlicher Vorstellungen Die Zlhnfrau. Trauerspiel in 5 Akten von Grillparzer, SV" Anfang 8 Uhr, TSSß Morgen: Dieselbe Vorstelliing, Heute im Garten: Specialiräten und Theater-Vorstellung,_ Metropol- Theater. Behrenstr. 53/54. Direktion: Richard Schnitz. OrUKster Saison-Erfolc!!! 9'/= Uhr: Oy, Uhr: Berlin lacht! Frank- Bonhalr- Trappe. Werner Amoros Pantomime S Champlonsi, sowie die Übrigen Kunstattractionen Anfang 8( lir. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorna Resi. Bolksstück mit Gesang u, Tanz v, Hugo Schulz, Musik von A, Kersten, Kostüms oubrette Fräul, Lucia Sarow. Gebr. Mllardo, (Biet. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz, Die 3 Schönbrunns, hu- moristisches Bilderbuch, The4Fla8hes, Exeentrics. Vendaro-Trlo, Exercitien am Hand- Trapez, Daniel- 1 nippe, Pantomiine, Ballcltgesellschaft Döring. AM- Konzert und Ball.'VQ Eintritt wochentags und Sonntags Z« Pf,, num, Platz 50 Pf, Kalbo. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Fr an Lima mit dem liiiftballett „Orlgolatis". Ferner: «Otto Rentter« und 9 neue Specialitäten. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich imTheater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69._ Dahlmann» Vaudeville- Theater Inhaber F, Lehmann, SchSnh, Allee 148, Kastan.-Allee»7/39. Täglich: Konzert, Theater n. Specialitäten- Vorstellnng. h55" CASTANS PANOPTiCÜMi Die»enaationcllcn SW?" lebendenm Photographien mit Figuren in Lebensgrösse. Die russische Rliimnn" Damenkapelle„Mi�llvll in moskowitlschen Kostümen. n|ipifiipn, e r. Schneider und Schräder). Zum Schlnst: Kitt vttglljigter Wahltag. Burleske von Mcyscl. Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Vorher: Konzert des Reichs- Hallcn-Orchestcrs. Entree 50 Pf, (Vorverkauf für die Woche 40 Pf.) Estrade 1 M,:c, zc, laden Freitag: Neues Programm. VI. Noacks Theater, Brunnenstraste 16. Täglich: Theater- it. Specialitäten- Uorstelliing. Sien! MS- Ken! Diirlh Älijijjfii tlilit Wellen. Lebensbild mit Gesang in 1 Akt von O, Richter, Grober Beüall! Die Schmetterlinge oder: Goldene Tage. AnSstattungs- Burleske mit Gesang und Tanz von W, Gcricke. Musik von Wappaus. Im Saale: Tanzlirlinzchen. TomitttlMteeMarieMtl Badstraste 35;3(i. Regie: Willy Reusche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Renzert-, Theater- and Tpecialitätcn-Borstelliiiig. Berlin ivic'S näht nnd trennt. Rosen aus dem S irden. Nach der Lorsteliung: 1k a 1 1. ViLtonaLrAiisrei Liiholnftrastc 111/118. 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Juli 1899: ¥olks-Fesl orrangiert von den LgeiANZMÄrslM ük8 8. WMWsls. Massen-ßesänge von circa 300 Mitgliedern des Arbeiter- Siiiigcr- Rundes unter Leitung des Bundes- Dirigenten Herrn Rlohel. Grossartlge turnerische Auiführnngeu von Mitgliedern des Zlrbeiter- Turnvereins „Flehte". MS?*' Grosser Radfahrer-Korso und M?" Rclgenrahren-PIF aus festlich geschmückten Fahrrädern, ansgeführt von Mitgliedern des Arbeiter-RadfahrervercinS Berlin, Im herrlich gelegenen See: Grosse Schwimm--Pantomime, bestehend ans: 1. kroßes lttkicr Nschcrstechen,?. KS zogen drei Bvrschm wolil Ver den Rhein, 3. Lorelt!), L DentschlnildS Znkilnft anf dein Wnß'er, ailsgefllhrt vom Schwiminklub„Nord"(Mitglied des Arbeitcr-Ichwimmerbuiibeö). Kivder-LeilisliMgell aller Art Ullt grobartige» Ueberrafchniigen. Eselreitcn, Wettrennen n.s.w. Kaspcrle-Theater. �llslrelev Lämlllelier Lzzeelalllstsi! in dem herrlich gelegenen Ice-Theater, Ii. o i» ss s r t- JWf u 8 1 Ii von 2 starlbefetztcn Mitsikkavcllcn unter Leitung der Dirigenten Herren Uetz u, Behnfeld Gr. Krillant-Master Feuerwerk. Ausgeführt von dem berühmten Pyrotechniker Herrn<1. Albers. Bon 4 Uhr nachmittags an: Fn beiden Snlen Tnnz-"MZ Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf, nach, Anfang des Renferts früh 8 Ehr. Billet ÄO Pf. Nie Kliffeckiiche steht den geehrten silimen von 2-S Zihr!«r Vu/ngnng. Für hiureichende Fahrverbiudung wivd Sorge getragen. Da wir weder Mühe noch Kosten gescheut haben, um das Fest gronartig zu gestalten und die Besucher in cder Weile zu frieden zu stellen, so erinchen wir um reckt t zahlreichen B ,>:!>:is Komitee. iSeMDss WelsseMsee. Koppen-. Ecke Gr. Franksurterftraße, orndorserstrahe 1. ..rautstraste 48. Langestrnhe'27. Oranienstrafte 189» Butkowerstraste 14. Memelerstraste 58 Rigaerftrafte 1. Markuss, raste 47. 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