Mr. 168. Abomumeitts-Kedingungen: «bonncments-Prel» pränumerando! vierleljährl. 3.30 Ml., manall. l.ioMl., ivöchentltch LS Psg. frei ins Haui. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags. Nummer mt» illustrterler Sonntags. Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post-ZeitungS» Preisliste für 1800 unter Et. 7080. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland S Marl pro Monai. Srscheink läglirll nutzer Woniag«. my Vevlinev Volksvlakk. 16. Itchrg. Die Inftrtions-Geiiülfr beträgt für die fechSgefpaltens Kolonsl» zeile oder deren Raum<0 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knfcigrn" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittags in dcrExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Fernsprechet: Amt I, Nr. ISOS. Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrat Berlin» Centraiorgan der sociatdemokratisthen Uartei Deutschlands. Kedaklion: L�s. 19, Veutlz-Skrafze 2. Freitag, den Äl. Juli 1899. Expedition: SW. 19, Veuklz-Skeahe 3. Ein Feldzug gegen die Syndikate. Der Vorstoß gegen den angeblichen Terrorismus der Arbeiter in der Zuchthausvorlage hat auch Erörterungen über den Terrorismus der Arbeitgeber heraus- gefordert Und zwar kam dabei es nicht sowohl auf den Terrorismus der Unternehmer gegen die Arbeiter als viel- mehr auf die Zwangsherrschaft von Unternehmern gegen Unternehmer an. Es wurden schon bei den Verhandlungen über die Zuchthausvorlage drastische Beispiele solcher gegenseitigen Bedrohungen angeführt, die namentlich von Syndikaten gegen solche Fabrikanten ausgeübt werden, die sich ihrer persönlichen Gewerbefreiheit nicht begeben wollen. Es war angesichts dieser Erörterungen ein starkes Stück, als der preußische Handelsminister Brefeld ein maßloses Loblied auf die industriellen Syndikate sang, das von Ausschreitungen und Mißständen nichts zu erwähnen wußte. Ja, der Herr Minister bestritt sogar, daß bisher Aus- schreitungen durch Syndikate in erheblichem Maße stattgefunden hätten. Der Herr Handclsminister behauptete das iil der nämlichen Zeit, da zwischen der deutschen Eisenindustrie und dem Kohlensyndikat mit Mühe und Not ein offener Kampf verhütet wurde, weil die Eisenindustrie über das diktatorische Vorgehen des Kohlensyndikats in der Frage der Gewährung von Exportprämien empört war. Ter preußische Handels- minister ist anscheinend so mangelhaft unterrichtet gewesen über die Stimmung des Unternehniertunis gegen die Syndikate, daß er von der stillen und offenen Agitation der Kohlen- und Eisenverbraucher gegen die Syndikate nichts er- fahren hatte und daher auch nichts zu sagen wußte. Und doch hatte das Kohlensyndikat eben erst durch ein ihm nahestehendes Organ verkünden lassen, daß auch auf wirtschaftlichem Gebiete die Bisniarcksche Blut- und Eisenpolitik allein zu Erfolgen führe, daß die Syndikate den Outsiders gegenüber rücksichts- los von ihrer Macht Gebrauch machen müßten. So wenig man auch in der Oeffcntlichkeit von dem geheimen Krieg der Syndikate gegenüber den außenstehenden Werken erfährt, soviel bleibt und blieb doch gerade in dem Monat vor der Beratung der Znchthausvorlage übrig, um wissen zu können, daß Drohungen und Boykottierungsversuche, wirtschaftliche Schädigung und direkte Existenzvernichtung im Kampfe der syndicierten Werke gegen die außenstehende Kon- kurrenz an der Tagesordnung sind. Gerade im Mai erfuhr man von einer Reihe großer Eisenwerke, daß sie sich durch Ankauf von Kohlengruben vom Kohlen- und Eoakssyndikat un- abhängig machen wollten. Selbst dieFirmaKrupp nahm an diesen Bestrebungen teil. Kaum hatte das Kohlensyndikat diese Ab- sichten bemerkt, als es auch schon den Bannstrahl gegen diese Eisenwerke schleuderte. Das Syndikat drohte, alle Privat- abnehmer von Hüttenzechen von dem Bezüge von Syndikats- kohlen auszuschließen. Diese Drohung hat auch in der That eine Reihe Werke von ihrer Absicht, eigene Zechen zu er- werben, zurückgehalten. So hat die Union in Dortninnd es inzwischen nicht mehr gewagt, die so günstig für sie gelegene Zeche Adolf v. Hansemann, an der sie mit mehr als der Hülste beteiligt ist, ganz zu erwerben. Auch der Bochnmcr Verein und der Hörder Verein haben von der Vergrößerung ihres Kohlenbcrgwerks-Bcsitzes aus Rücksicht auf die Bedrohung durch das Syndikat Abstand genommen. Dagegen hatten sich weder Krupp noch das Eisen- und Stahlwerk Hösch ab- halten lassen, ihre Absicht auszuführen. Sie haben, unseres Wissens beide, sogar Syndikatszechen aufgekauft und somit den Bestand des Syndikates selbst zu gefährden unternommen. Auch hiegegen hat freilich das Syn- dikat mit Erfolg die Hilfe der Gerichte in Anspruch genommen und damit zunächst sich vielseitiger Angriffe für einige Zeit erwehrt. Von alledem aber hat der Handelsministcr nichts gewußt, und darum allein war es ihm möglich, sein Loblied auf die Syndikate zu singen. Freilich, er hat nicht ntit der Möglichkeit gerechnet, daß sein Lied ein Echo zurückwerfen würde, vor dem dem Fürsprecher der Zuchthausvorlage angst und bange werden kann. Die uneingeschränkte Anerkennung der Syndikate seitens des preußischen Handelsministers war denn doch einem großen und einflußreichen Teile des deutschen Unternehmertums zu stark und zu dick aufgetragen, als daß er sich hätte ent- schließen können, dem Herrn Handelsniinister nicht in die Flanke� zu fallen. Hätte Herr Brefeld geschwiegen, er müßte es jetzt nicht erleben, daß in der Presse ein förmlicher Feldzug gegen das Syndikatswesen ausgefochten wird. Das ist unseres Erachtens eine vorzügliche Nebenerscheinung des recht unglücklichen Eingreifens des Herrn Handelsnünisters zu Gunsten der Zuchthausvorlage. Wir führen hier eine Reihe von Preßüußerungen der letzten Tage über die Syndikate an, um zu zeigen, bis zu welchem Grade die feindliche Stimmung gegen den Terrorisnms der Syndikate schon gediehen ist. Vor allem, und nicht erst seit lctztcrZeit, gehtdie Een trums politischen und in ihrem Handclsteil von jeher mit aufmerk samem und mißtrauischem Auge die Syndikate verfolgt hat und seit jüngster Zeit eine Sondergesetzgebung gegen diese gefährlichen Gebilde der Unternehmcrkoalition verlangt. Aber auch die konservative Presse und noch mehr die liberale nimmt seit einiger Zeit eine auffallend oppositionelle Stellung gegen die Syndikate ein. Unter dem Titel„Die Zwangsrute der Syndikate" hat die„Vossische Zeitung" den Terrorismus dieser Unternehmerkoalitionen gegeißelt, die die„arbeits- willigen" Unternehmer, die sich der Koalition nicht anschließen, mit allen, oft geradezu mit den verwerflichsten Mitteln nieder- zukonkurrieren bestrebt sind. Aber was wollen alle diese An- griffe bedeuten, seitdem dasjenige Organ, das unentwegt bislang für die Syndikate eingetreten ist und selbst weit- gehende Ausschreitungen der Syndikate mit blindem Eifer verteidigt hat, sich in der Rolle des Anklägers gefällt? Bis zu welchem Grade muß aus dein Großunternehmertum der Druck der Syndikate schon lasten, wenn die„Kölnische Zeitung", das Organ f ü r Syndikate, nicht mehr umhin kann, den hinnnelschreienden Terrorismus der Syndikate zuzugestehen, und ein Bild von dem Treiben derselben zu entrollen, das das gerade Gegenteil von dem Lobliede des preußischen Handelsministers widerspiegelt. Tie„.Kölnische Zeitung" gicbt nicht nur zu, daß Uebergriffe und Ans- schreitungen der in mächtigem Aufblühen befindlichen Be- wcgung der Klartcllbildung vorkommen und scharf verurteilt werden müßten; sie giebt zu, daß die Kartelle gegen außen- stehende Werke Mittel anwenden, die im Sinne der heutigen Rechts- und Sittlichkeitsanschanungen nicht erlaubt seien; sie giebt zu, daß nian den Beitritt zu Syndikaten durch Drohung mit Sperre zu erreichen sich bemühe. Sie sagt sogar, es läge hier ein Vorgehen vor, das der Nötigung und einem Erpressungsversuch ziemlich nahe komme und unter allen Umständen strafbar erscheine. Wenn Arbeiter bestraft werden, welche Lohnerhöhung unter der Drohung mit Ausstand und Sperre erzwingen wollen, so müsse auch der Kartellvorstand bestraft werden, der sich solcher Mittel bediene, und es gehe durchaus nicht an, daß man einen Gewerbetreibenden vor die Wahl stelle, entweder den Wünschen des Kartellvorstandes zu entsprechen oder der Sperre entgegenzusehen, die unter U in ständen mit der völligen Vernichtung seiner Existenz gleichbedeutend sein werde. So beurteilt und verurteilt das kartellfreundlichste Blatt in Deutschland das Gcbahrcn der nämlichen Unternehmer- koalitionen, an denen der preußische Handelsminister nichts auszusetzen fand, während er im nämlichen Atemzitge die Arbeiterkoalitionen schwarz in schwarz malte. Bei einer solchen Beschützung des Unternehmertunis kann man aller- dings nicht umhin zu sagen, daß Herr Brefeld päpstlicher sein will wie der Papst. Wie kann eine Regierung noch Anspruch auf Zubilligung eines unparteiischen, objektiven Urteils und Handelns seitens der Arbeiter verlangen, wenn ein Mitglied derselben die Untcrnchmcrinteressen unter völliger Ignorierung der nackten Thntsacheu einseitiger und maßloser vertritt als die ausgesprochensten Organe des Unternehmertums selbst. Eine niederschniettcrnderc Kritik und ein vernichtenderes Desaveu konnte dem Herrn Handelsminister nicht zu teil werden als wie durch das offene Zugeständnis der„Kölnischen Zeitung" von dem thatsüchlich bestehenden Terrorismus der Unternehmer- syndikate. Angesichts dieses Sturmlanfs gegen die Syndikate wird aber auch die Zuchthansvorlage weiten Kreisen in wesentlich noch schlimmerem Lichte erscheinen, wie bisher. Man wird mehr, als es den Freunden der Vorlage lieb ist, auch den Terrorismus der Arbeitgeber zur Erörterung stellen und eine Nc- gicrung verurteilen, die einseitig genug ist, gegen den angeblichen Terrorismus der Arbeitcrkoalitionen nach drakonischen Strafen zu verlangen, obgleich sie Ausschreitungen schon heute nach- drücklich sühnen kann, während sie sich gegen die Ausschreitungen der Unternehmerkoalitionen blind stellt und sich von der Unter- nehmerpresse selbst sagen lassen muß, daß strafbare Aus- schrcitungen der Syndikate häufig genug vorkommen, daß aber bis heute Staatsanwälte gegen diese Ausschreitungen vorzugehen nicht für gut befunden haben. polikifcho Mebevstchk. Berlin, den 20. Juli. Das heroische Mittel. Tie„Krcuz-Zeitung" verrät nun, wie sie sich das heroische Mittel denkt, das nach dem italienischen Musterbeispiel bei uns gebraucht werden soll, um gegen den Willen des Reichs- tags den Umsturz in jeder Form und für alle Zeiten zur Strecke zu bringen. Der Pfadweiscr ist der Herr von W e n ck st e r n, der über Marxvcrnichtutig und Flotten- werberei emporgewachsen, jetzt zur Rat- und Hilfe-Erteilung für die diskreten Fälle der Gesellschaft sich berufen fühlt. Am Anfange einer Artikclreihe über die„roten Geivcrk- vereine"— der erste ist gegen Brentano gerichtet— malt Herr v. Wenckstern folgendes Zukunftsbildchen: Das sogenannte deutsche Bürgertum hat wieder einmal einen großen Sieg über die Regierung erfochten: wenn es wirklich so wäre und so bliebe, einen potenzierten Pyrrhussieg, ans dessen Folgen in absehbarer Zeit, weint die Regierung sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt ist, gegenüber den socialdcmo- kratischc» Geioerkvereineu und den von ihnen tnsccuiertcn Streiks, mit den Mitteln wird vorgegangen werden müssen, welche die Erklärung des BelagcruttgsznstandcS an die Hand gicbt. Der Ernst der Lage ist ein so großer, das deutsche Bürger- tum mit einer so kolossalen Blindheit geschlagen, daß, wenn diese Blindheit nicht alsbald durch eine gründliche Staaroperation von seinen Augen genommen Iverden kann, der Regierung nur dieser eine Weg bleibt, den sie hoffentlich mit aller Energie ergreifen wird. Es ist heraus! Zuchthausvorlage oder B e- lagerungszustand— das ist die Wahl. Ermannt sich das Bürgertum nicht und apportiert die Znchthausvorlage, so wird eben mit dem Belagernilgszustand geivirtschaftet. Die Bestimmungen über den Belagerungszustand in der Reichsverfassung sind aus dem preußischen Gesetz vom 4. Juni 1851 übernommen. Arfikel 68 der Verfassung besagt einfach: „Der Kaiser kamt, wenn die öffentliche Sicherheit in dem Buudcsgebiet bedroht ist, einen jeden Teil desselben in Kriegs- zustand erklären. Bis zum Erlaß eines die Voraussetzungen, die Forin der Verkündigung und die Wirkungen einer solchen Erklärung regelnden Reichsgesetzes gelten dafür die Vorschriften des preußischen Gesetzes vom 4. Juni t8ö1." Die Regelung des Belagernngszustand-Wesens gehört zu jener ewigen gesetzgeberischen Zukunftsmusik, die bei Gründung des Reichs in die Verfassung eingefügt worden ist. Die Regelung ist, wie die des Vereinsrechts, bis heute nicht er- folgt, und so gilt denn noch„interimistisch" jenes alte preußische Gesetz, das der dunkelsten Reaktionszeit entstammt, da der kranke Geist Friedrich Wilhelms IV. für alle Pläne der Mucker-Eamarilla zu haben war. Tie Kreise, die Herr v. Wenckstern erleuchtet, sind geistig nicht ehrgeizig. Ihnen genügt es, wenn sie nur regieren. Aber„Eavours" Wort gilt nicht für alle Zeiten. Man muß heute sagen: Auch der größte Weise, ein wahrer Heros könnte heute nicht mit dem Belagerungszustand regieren. Dieses Mittel wendet sich gegen die, welche es anwenden. Indessen es verlohnt sich, sich einen Augenblick in die StaatSrettungs- Phantasie des„Kreuz- Zeitungs"- Ritters zu versenken. Das Bequeme an dieser Methode ist, daß der Reichstag nicht befragt zu werden braucht, nicht einmal die Regierung, ja auch die Souveräne der Bundesstaaten haben nichts dreinzureden, wenn der Kaiser im Interesse der„öffent- tichcn Sicherheit" den Kriegszustand erklärt. Das ist die größte, auch verantwortungsvollste staatsrechtliche Befugnis, die der Kaiser persönlich ausüben darf, größer und ver- antwortungsvollcr selbst als die der Kriegserklärung; denn sie bedeutet die Anwendung eines gesetzlichen Rechts zur Er- klärung des inneren Krieges. Die Ausübung der durch den Artikel 68 gegebenen Rechte, nicht für seltene Ausnahme- fälle augenblicklicher Gewaltzustände, sondern für die Zwecke der allgemeinen Politik, nicht in Uebereinstiinmung mit der Mehrheit des Volkes und seiner Vertretung, sondern als ein Kampfmittel gegen die verfassungsmäßige Macht- Vollkommenheit des Parlaments.— Das wäre eine Revolution von oben, die um so schlimmer ist, als sie sich niit dem Schein der Gesetzmäßigkeit umgiebt, als sie den Buchstaben eines Paragraphen gegen den Gesamtgeist der Verfassung aiisbtzütet. Der Artikel 68, so angewandt, wäre eine Um» gehung der Verfassung unter Berufung auf sie. Man sieht, welche Pläne unsere Königstreuen auszuhecken wagen. Die Wencksternsche„Anregung" aber hat auch ein Gutes: Sie gemahnt daran, daß man endlich eine reichsgcsetzliche Rege- lung der im Artikel 68 behandelten Materie fordert. In der heutigen Fassung giebt er in der That derlei Rezessen einen Schein von Ernst. Als einzige Voraussetzung der Erklärung des Kriegszustandes wird die Bedrohung der„öffentlichen Sicherheit" genannt. Unter dieser Bedingung kann dann der Kaiser— so lange er will, für welche Teile des Reichs er will, sei es eine Stadt, eine Provinz, ein Staat oder das ganze Reich— den Belagerungszustand verhängen. Was ist nun„öffentliche Sicherheit". Der§ 2 des preußischen Gesetzes lautet:„Auch für den Fall eines Aufruhrs kann, bei dringender Gefahr für die öffentliche Sicherheit, der Belagerungszustand sowohl in Kriegs- als in Friedenszeiten erklärt werden. Wer sich in dem Gedankenkreis der Zuchthaus- Vorlage bewegt, für den ist jeder Streik ein Auf- rühr, und bei jedem Streik besteht dringende Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Und da die Gewerkvereine gewisser- masfen— nach dieser Anschauung— den Aufruhr in Permanenz bedeuten und jederzeit die öffentliche Sicherheit bedrohen— so ist eben der Anlaß gegeben zur Erklärung des Kriegszustandes, mit seiner Diktatur der Militärgewalt, seinem Standrechte und anderen Erbaulichkeiten. Fehlt dann nur, daß dem Arbeitswilligen schleunigst Bcamtencharakter verliehen lvird, dann kann jeder Gewaltthätigkeit eines Streckers gegen einen Arbeitswilligen mit dem Tode bestraft werden. Die Znchthausvorlage ist dann überflüssig, denn jeder steht alsdann unter dem Militärgesetz. Es fällt schwer, diese Phantasien eines erregten Staats- retters mit einigem Ernst zu behandeln. Dennoch sind sie nicht unbedeutsam; denn sie zeigen, was wir von diesen„Muster- Patrioten" zu erwarten haben, deren Sinnen und Trachten aufgeht in Vorstellungen gewaltsamer Unterdrückung der auf- strebenden Massen, die von Blut träumen und denen das Recht nur eine Hülle der Brutalität ist. Das ist der Barbarenstaat der„Kreuz-Zcitnngs-Heldcn", der nichts mehr zu thun hat mit der modernen Kultur. Um das Znchthausgesctz. Die Zärtlichkeit unserer Stantsretter für die„Arbeits willigen" ist so groß, daß der Gedanke, der Znchthausschutz könne scheitern, sie zu Ausfällen wahrer Politischer Tobsucht treibt. Das Organ des blutigen Laurahnttcn-Gründers und des 8 Millionen jährlich Mehrwert schlürfenden Essener Kanoncnkönigs verzeichnet jubelnd die Sanktion des' schwedischen Zuchthausgesetzes und deliriert also Wider die Socialdemvl kratie: „Unsere Z e i t k r a n k h e i t ist die Socinldemokratie, die sich am gesimdc» Ivittschaftlichcn Körper von Tag zu Tag mehr ausbreitet, die, gleich anderen Seuchen, kcinp' politischen Grenzen kennt und infolge ihres internationalen Charakters besonders gefährlich erscheint. Auf dem von ihr bereiteten Boden wächst eine charakteristische Straf that unserer Zeit hervor: die Verhinderung Arbeitswilliger durch jedes hierzu geeignet erscheinende Mittel zu dein Zwecke, die Arbcitcrsolidarität zum obersten Grundgesetz der staatlichen Einrichtungen zu machen »nid ihre angeblichen Vertreter au die Stelle der heute maß- gebenden Personen zu setzen. Der krankhafte Ehrgeiz ein- zelner g e iv i s s e n l o s e r H c tz e r, die eine Bewegung geschaffen haben, von der sie sich tragen lassen, die über zerrissene Kaiililien- bände, dem Strafgesetze verfallene Opscr und den Ruin des wirtschaftlichen Gedeihens gleichgültig zu ihren persönlichen Zielen zu schreiten versuchen, ist der böse G e i st, den wir mit allen Mitteln auszutreiben haben. Wer seinen Beistand zu diesem Werke wahrhasten Volks- und Arbeiterschri'tzcs bcrsagt, wer aus theoretischen oder eigennützigen Gründen ihm entgegenarbeitet, macht sich mitschuldig an der Ansdebmmg des nnscre Zeit kennzeichnenden Vergehens gegen die Volks- Wohlfahrt: der Beraubung des arbeitswilligen Arbeiters an seinem größten wirtschaftlichen Gute, an seiner Arbeitskraft." Wie wertvoll muß der„Arbeitswillige" den Industrie Magnaten sein, daß sie um seinetwillen im Begriffe stehen, sich um das Geringe gesunden Verstandes zn schinipfen, das sie zu eigen haben mögen. Wenn die Kapitalistenklasse ihre VerstandeZfunktioncn preisgicbt und nur noch ihre brutalen Herrscherinstinkte in dm politischen Kampf einsetzt, so wird die Arbeiterklasse mit um so kühlerem Kopfe den Wahnwitz der für ihre Ausbeuterprivilegien Zitternden Widerstand bieten. Das wüste Toben der Unternehmersöldlinge ruft das arbeitende Volk zu unausgesetzter Wachsamkeit gegen alle Ueberraschungcn und zu unermüdlicher Rüstung gegen alle reaktionäre Zukunfspläne I— Zur Transvaal-Krifis. Die kluge Nachgiebigkeit der Boercn ist den englisch- afrikanischen Kriegshetzern sehr unangenehm: und da es sich bei diesem politischen Geschäft um hohe bedeutende Geld- summen handelt, so geben die Kriegsspekulanten das Spiel nicht ohne weiteres auf. Sie verbreiten allerhand Alarm- Nachrichten. So kam gestern abend plötzlich die Nach- richt. die englische Regierung habe die Zugeständnisse des„Volksraads" für unzulänglich erklärt und bestehe kate- gorisch auf der Erlangung des Bürgerrechts nach fünf Jahren — statt nach sieben. Die Nachricht war jedoch erlogen und zwar offenbar zu Zwecken von unsauberen Börsen- äeschäften. Aehnliche Alarmnachrichten zu ähnlichen Zwecken werden noch öfters auftauchen. Man darf sich dadurch indes nicht beunruhigen lassen. Die englische Regierung— oder ein Mitglied der englischen— ist jetztnichtmehrin derLage, einen Krieg gegen die Transvaal-Republik in Scene zu setzen. England ist nicht ein absolutistischer Staat, in dem der Wille eines launischen Individuums Gesetz ist. Maßgebend ist einzig der Wille des Volkes, und dieses will entschieden nicht einen Krieg, in dem England nichts gewinnen und nur seine Ehre und seinen guten Namen verlieren könnte. Einer wichtigen Kundgebung der Uitlander erwähnt nach stehendes Telegramm aus Pretoria vom Mittwoch: Der Bolksraad beschloß, die Kosten für die Naturalisation von zwei Pfund aus fünf Schilling herabzusetzen.— Das Amtsblatt veröffentlicht die Antwort der Regierung ans die von 22 000 UitlandcrS unterzeichnete Petition, in welcher das Vertrauen zur Negiemng ansgcsprochcn wurde. In der Antwort heißt cS, die Regierung sei Über das Vertrauen glücklich. Abschriften dieser Petition seien an die Rcgieruiige» derjenigen Staaten gesandt worden, deren Angehörige die Petition unterzeichnet hätte». Die Regiening erstrebe eine friedliche Cnllvickcluiig der Liitcresscn des Staates und seiner Bewohner. Schon gestern teilten wir auf Grund zuverlässiger Mcl- düngen mit, daß die„Uitlanders" in ihrer Mehrheit durchaus nicht mit dem Treiben der Chaniberlain- Rhodesschen Radau- brüder in Johannisburg und in Pietermaritz- bürg(der Hauptstadt der britischen Kolonie Natal) ein- verstanden sind.— Deutsches Weich. Die Absage der Kaiserreise. Die vlötzliche Meldung, der Kaiser werde bei der Eröffnung des Dorhrnino-EmS-KmialS nicht zugegen sein, mich Herrn Krupp in Essen nicht besuchen, wird, da offiziell keine Gründe angegeben worden, um so eifriger mit Gründe» versorgt. In Dortmund rief, wie unser dortiges Parteiblatt berichtet, in den bürgerlichen Kreisen— die Stadt halte 100 000 Mark für den Empfang bewilligt— große Bestürzung hervor. Das Festprogramm war vis auf das letzte Pünktchen ausgearbeitet, der Festausschuß in heißer Thätiakeit; am Hafen sind schon die Tribüne» errichtet und die emsigen Lokalblätter wußte», in Ermangelung anderen Stoffes, ihre Leser seit Wochen täglich, sogar in besonderen Rubriken von den Festvorberettungen wahre Wunderdinge zu berichten. Gar nicht zu reden von den Knegcmreincn, von den Zechen und den großen Werken, die ihren Patriotismus bei dieser Gelegenheit in hellster Beleuchtung strahlen lassen wollten I Gewisse Kreise des Ilnternehniertuins, die sich solche Gelegenheit nicht entgehen lassen) hätten auch gerne die Festtage zu Massendemonstrationen gegen die Socialdemokratie benutzt, die, trotz aller Anfrinduiig, im Rnln'rcvier unaufhaltsam fortschreitet. Und die Arbeitermaffen hätten den Unter- nehmern zu dieser Demonstration die Grundlage geben miisscn. Nun sind alle diese Znrüstnngen und Hoffnungen zu Schanden geworden. Allerdings habe» die Dortmunder städtischen Behörden beschlossen, die Einweihung des Dortmund- Eins- Kanals zu ver- schieben, bis das Erscheinen de» Kaisers möglich sei. Aber wenn gcivisse Kombinationen zutreffend sind. wird diese Möglichkeit in absehbarer Zeit nicht eintreten. Die„Militär- Pol. Korrrspondenz" erzählt: „Es kann nicht fehlen, daß hieraus allerlei Schlüsse ans das weitere Schicksal der Kanalvorlage werden gezogen werden. Man erinnert sich, daß kürzlich die Meldung verbreitet wurde und nicht ans Widerspruch stieß, Minister Dr, v. Miquel habe Herrn v. Lucanus gebeten, den Kaiser zu bestimmen, die Kanalfrage auf eine gelegenere Zeit zu ver- tagen. Ginge der Kaiser nach Dortmund, so würde er auch nicht umhin können, sich zur Kanalfrage zn äußern, dies wäre dann von den Kanalfrennden stark ausgenutzt worden. Wenn hinterdrein das Abgeordnetenhaus oder das Herrenhaus den Kanal abgelehnt hätte, wäre der Kaiser nach Ansicht der Kanalfreunde engagiert. Tic Auflösung sei dann nicht zu vermeiden. ES kommt noch hinzu, so wird erzählt, daß der Kaiser von Transaktionen mit dem Centrum sehr wenig wissen wolle, nachdem die Wahlen in Bayern dort für das tttiltnmi eine absolute Mehrheit ergeben haben. Wenn die Vcrabsthieduug der Kanalvorlage' nur durch Konzessionen an das Ccntrnm zu erreichen sei, so bleibt nicht übrig, als zn ivarten, bis eine günstigere politische Konstellation eintrat. Dies ungefähr ist die Meinung von Kreisen, welche in der Regel gut orientiert sind. Daß auch andere Gründe für die Aenderung der Plane des Kaisers maßgebend gewesen sein können, muß vim vornherein zugegeben werden. Morgen dürfte sich mehr darüber sagen lassen." Die„Deutsche Tageszeitung" meint aufatmend: „Daß, wenn überhaupt politische Gründe maßgebend gewesen sind, sie mit dem Schicksal der Kanalvorlage zusammen- hängen, um das zu bchrnchlen, bedarf cS keines besonderen Scharf- sinns.... Vielleicht hat der allgemeine Widerstand gegen den Mittellandkanal, dem sich neuerdings in sehr energischer Weise Hamburg, Altona und ganz Schlcsivlg- Holstein angeschlossen haben, auf gewisse RcgiernugSkreise Eindruck gemacht. Daß, wenn solche Stimnmngeu sich auch nur in zurückhaltender Weise geltend zn machen suchen, ein Erscheinen des Monarchen im Iadilstrievczirk, das unter allen Umständen für den Kanal in anS- giebigster Weise von der Presse ausgebeutet werden würde, uicht angebracht wäre, liegt auf der Hand," Die„Rheinisch- Wests. Zeitung" gicbt folgendes StimmiingsbilS: „Der Eindruck, den die Kunde von der Absage des Kaisers zur Hafcncinweihungsfcicr auf alle Kreise der Dortmunder Be- völkenmg gemacht hat, ist der einer allgemeinen Be- stnrznng. Ans heute nachmittag 5 Uhr war eine geheime Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten im Stadt- verordneten-Sitzmigssaal anberaumt, um über das»uumchrige Programm der Feier zu beraten. Die Beratimg war vertraulicher Natur. Man nimmt an, daß e S schwerwiegende Gründe politische� Patur gewesen s e i n m ü s s e n, die den Kaiser veranlaßt haben, seine in aller Form bestimmt gegebene Zusage zum Besuche unserer Stadt wieder zurück- zuziehen und mit seiner Vertretung bei der Einweihung des Dortmund-EmS-KanalS den Prinzen Friedrich Heinrich zu bc- trauen. Es soll nun das Hosmarschallamt in Berlin angegangen Ivcrden,»in zu erfahren, od die Gründe, die den Kaiser bc- stimmten, am 3. August nicht nach Dortmund zn kommen, nicht in einer kurzen Frist derart hinfällig werden könnten, daß der Besuch des Kaisers etwa um die Mitte August möglich würde. In diesem Fall würde die Feier bis dahin verschoben werden »nd dann das Programm scincin ganzen Inhalte nach zur AnSführuiig kommen, andernfalls würde man vor die Frage gestellt werden, das Programm der Feier erheblich einzuschränken,' vielleicht auch dazu überzugehen, die Eiiiwcihungsfcier des Häsens als ein rein städtisches Fest zu begehen. In den allernächsten Tagen hofft man Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Kaiser dennoch hierher kommt. Dann wird ein bestimmter Beschluß gefaßt und der Lcffcitt- lichkeit mitgeteilt werden." Obwohl nickt einzusehen ist, warum der Kaiser nicht Krupp be- suchen und der Kanalseröfsnimg beiwohnen kann, ohne eine po- itische Kundgebung zu Gnnftcii der Kanalvorlage zu nntcrnchmen, 'o sind die Kombinationen jcdciifolls intercffnnt und decken jedenfalls das Spiel aus, das unsere Scharfmacher in den letzten Tagen in ihren Zeitungen getrieben haben. Der Zweck des Ganzen wäre dein- nach die Verhinderung der Kanalvorlage gewesen. Zu diesem Ende müßte das CcMruni seiner RegierungSfähigteii beraubt werden. Schon vor Wochen wurde in den Organen der Scharfniacherei gemunkelt, das Ccntrmii habe oben das Vertrauen eingebüßt. Der bayrische Knhbandel kam den Leuten nun höchst gelegen. ES erschienen jene wilden Artikel über den socialdemokralisch-nltranwiitanen Zweibund und sie scheinen von Einfluß gewesen zu fein. Das Centrum hat allen Kredit ver- lorcn, und da ohne Centrum die Kanalvorlage nicht durch- gesetzt werden kann, wird lieber einstweilen ans den Entwurf ver- zichtct. Folge: Absage des Besuchs im taualbegeisterten Industrie- bezirk. Wir wissen nicht, ob diese Kombinationen richtig sind. Jeden- falls beweise» sie, daß unsere Junker und ihre Helfershelfer sich ans Psychologie verstehen und sie auszubeuten wissen. Welche prächtige Ironie in der Verflechtung des Geschehens, wenn wirklich die Gewinnmig der Macht in Bayern,»in dcretwillcn das Cciitrnm den kompromittierenden Kuhhandel geschlossen, mit dem Verlust der Protektion im Reiche erkauft worden wäre!— Ter Fall Schiller. D a rm sta d t, 13, Juli. Die StaatSraison über Alles— unter dieser Devise haben sich Nationalliberale, CcntrumLlcute, Äntiscmitcn der hessischen Kammer brüderlich zilsammeiigefnndcn, um dem Ministerium Rorüc ein LvbcSzeugnis ausznstellcu' wegen seines„energischen" Vorgehens gegen den Geheimen Oberjchulrar Schiller. Die Regierung recht» fertigte ihr Verfahren mit dein Art. 13 des Edikts von 1820 ll>. wonach jeder Beamte jederzeit uiigcfrngt und ohne vorheriges D i S c i p l i>i a r v e r f a h r e n stj in den Ruhestand versetzt werde» kann. Dieses kapiralistischc Ueberblcibscl vorniärzlicher Kabinetisjustiz, das außer in Hessen unseres Wissens mir noch in Bayern formell zu Recht besteht, und daß man auch in Hessen sich gescheut hotte, in Anwendung zu bringen, mußte herhalten, um einem Manne wie Schiller den Stuhl kurzerhand vor die Thüre zu setzen. O alte „liberale" Herrlichkeit, wie tief bist du gesunken! Dabei mußte die Reaicrung, durch den Mund des Mmistcrial- ratcs E i s e n h u t dem Gcmaßreacltcn daS höchste Lob schnlniänni» scher Tüchtigkeit und fachmännischer Bedeutung zuerkenne». Sic gab die hohen Verdienste Schillers nm das hessische Schulwesen, und insbesondere seine bahnbrechende Thätigkm in Sachen der pädago- gischcn Ausbildung des höheren Lehrerstgndes imimiwuiiden zn und wies damit selbst die blöden Angriffe ihres aiiiisemitischen lfreundes Bahr auf die Bedeutung Schillers>» ihr nichts zurück, Aber der Mann hat sich am„Geist der Staatsordnung", d. h. an den Jnteresseiigcfiihlcii der regierenden Bureaukratie vergangen. Er hat„Amtsgeheimnisse" preisgegeben, den schuldigen Steipctt gegen seine Vorgesetzten verletzt, das heischt Sühne: schnellste Sühne, wenn nicht der„Geist der Unbotmäßigkeit" überhand nehmen soll. So lautete daS Lied, daS vom RegiernngStisch erklang und vielstimmiges Echo in der Kamnicr der„Volksvertreter" fand. Die National- liberalen Schmeel, Osann und Jockel stimmten natürlich be» geistert zu. Hätte sich Schiller wenigstens der„gntgesinnten" Presse bedient, aber man denke— die demokratische„Frankfurter Zeitung" I Das bezeichnete Herr Osann als ein so unerhörtes Vergehen gegen die Disciplin, daß er sogar eine noch schärfere Strafe, Dienst- cntsctzung mit Pcnsioiiscntzlehung, für angebracht hielt. Und das C e n r r ii m, dessen Führer. Abg. Schmitt, sich sonst so gern mit dem Mantel demokratischer FrcihcitSIiebe drapiert, hielt die Gelegen- heit für günstig, der Regierung seine Bewunderung zn Füßen zn legen und seiner Unterstützung in ähnlichen„Fällen" zu versichern. Diese Gründe für dieses Verhalten sind zwiefacher Natur. Erstens handelte es sich um die Maßregelung eines ehemaligen„Kultur- kämpferS", da braucht man eS nicht so scharf mit der Wahrung demokratischer Gerechtigkeit zu nehmen. Und zweitens trägt sich das hessische Centrum nencrdiiigs mit Hoffnungen a»f Ncgicrui'gssähigkeit. Wir wünschen ihm Glück zu dieser raschen Schwenkung aus der Opposition heraus hinüber ins Negierunaskager. Möge der erhoffte Lohn, eine Ministerialratsstelle oder ähnliches, nicht lange auf sich warten lassen. Der pathetische Hinweis aus die„Einmütigkeit" der Kamnicr gegenüber der Anffasffmg der interpelliere»�» Socioldemokratic. beantwortete Abg. David mit der Versicherung, daß die Social- demokratic sich in dieser Situation, als die alleinige Bckäinpfcrin deS im Edikt von 1820 niedergelegten reaktionären Geistes sehr wohl fühle. Selbst wenn man vom Standpunkt einer antiginerten Staats- raison aus das Vorgehen Schillers als Vergehen auffassen wolle, so bleibe ein flagranter Widerspruch zwischen der relativ unbedeutenden Schuld der rücksichtslosen, harten Bestrafung— vor der Eröffnimg eines geordneten Untersnchungsversahrciis! Angesichts dieses Bor- kominiiisicS kündete er an, daß seitens der socialdclnokratischcn Fraktion sofort bei Beginn des nächsten Landtags die Aufhebung des Edikts von 1820 beantragt ivcrden würde. Wir werden dann sehen, aiif wessen Seiten die Sympathien der Bcainienscuast in dieser Sache stehen. Die klaffenden Widersprüche, die situ zwischen einzelnen Angaben Schillers und den Behauptungen der Regierung ergeben haben, ivcrden ja noch zu weitere» Lusciliaiidcrsctzuiigcn führen. Ob die Regierung dabei Recht behält, erscheint uns mehr als zweifelhaft. Noch weniger sind die von Schiller bloßgclegtcn Schäden durch die vielen und langen Reden der Herren vom' Rcgierungstisch ans der Welt gcschaff'r. Daß sie bei den kommenden Budgctberatungeil eine gründliche Detailuiltersiichung erfahren werden, dafür werden unsere Genossen im Landtag Sorge tragen.__ Ueber Scharfniacherei nm jeden Preis schreibt der Berliner Vertreter der„Frankfurter Zeitung". Es heißt in dem Brief: „In Wahrheit rechnen natürlich auch die konservativen, anti- semitischen und großindlistriellc» Organe, die jetzt gegen das den S o c i a l d c in o k r a t e n verbündete Centrum los- ziehen, nicht mit einem Gesinnungswechsel im Centrum beim Zucht» hansgesctz. Sie spekuliere» vielmehr aus den Eindruck, deu� der bayrische Vorgang und ihre ihn begleitenden hcuchlcrischrn Kommentare ans die maßgebende Stelle machen sollen. Diese soll dadurch scharf- oder vielleicht, sagt man richtiger, noch schärfer gemacht werden und vor allen Dingen zn der Ncberzcngmig gelangen, daß das Centrum doch eine höchst verdächtige Regierungspartei ist, der nia» zwar das Flottengesetz, Hecresvermebrnngeii. den Ankauf von Südsecinseln und andere na- tioiiale Großihaten verdankt, die aber doch die Keime de? Umsturzes und zwar noch ctncr besonderen Art— nämlich des Uinstnrzes des protettantischeu Kaisertmns— in sich birgt. „Hand in Hand damit gehen, so offen, wie noch nie zuvor, Bestrebungen auf die Bescitigmig des alten Fürsten Reichs- kanzlers, dem der ivcscmlichstc Erfolg seiner staaiSmännisch- diplomatischen Thätigkcit, die Gewinnung des Centrums als des Kernes einer Regierungsmehrheit für Heeres- und Flotte»- bewilligniigen nud für die meisten audem großen Aufgaben der Gesetzgebung nun zum schweleil Vorwurf gemacht wird. Ter alte Herr ist vieien unbequem. Er ist groß im Verhindern und im Verzögern. Und das paßt natürlich allen denen nicht, die die Nieder- iversnng deS Uniswrzcs, zolllricgcrischc Unlernchimmgen im agrarischen Interesse, eine schneidige MittelftandSpolnik und überhaupt allgemeine Schncidigkcit auch nach außen hin, in möglichst fchnellcin Tempo wünschen. Sie erblicken in dcm NcichSkanzlcr»nd Millistcr- Präsidenten schon längst ein Hemmnis der schnelleren Ent« schlvsscnheit cinzellicr S'.aatSsctrelerc und Minister � Sogar sei» Kaihvliztsnms gereicht ihin jetzt zum Vorwurf sritens der protestautischcn Nichliing, die bei der Beratung der KarfrcitagSvoriage ini Lbgeorducteiihause und Hcrrenhausc ohne bc- sonderes Widerstreben den Rückzug init angetreten hat. Ans per- sönlichcr Verehrung und in Anerkcnntnig der große» Schwierigkcile», die seine Stellung mit sich bringt, bat Fürst Hohenlohe bisher eine ivcr.gchende. cigenllich keineni friibeicn RcichSlaiizler derarlig zu icil gewordene Schonung von allen Sehen— von rechts nnd links— er» iahrrn. ein Beweis, wie klug er doch operiert hat. Man hat nie seinen Rücktritt verlangt, weil keine Partei riiicn Nachfolger wußte, von dein sie sich mehr versprechen koimtc. Ticie Schonzeit scheint nun vor- über zu sein. Von dcr rechten Seite her, von Amisemiten, Agrariern, frommen und iudiislnell uiifronimen Scharfmachern, wird er jetzt offen attaanierl. Fast scheint eS, als ob diese cincil Nachfolger für ihn in Aussicht hätten. Jedenfalls soll da« ZnchthonSgesttz zur Kraftprobe benützt werben und den SiiSgangspnnkt mehrsach erwarteter Vernndenmgcn innerhalb dcr Regicruiig bitdeu. Das kann im Hcrbst iiitercffant werden," Die Ucbcrschätzling Hohenlohes und seiner Politik deS Ver- Hinterns mag ans sich beruhen. Daß aber der gegenwärtige Sommcr-Fcldzng der Scharfmacher, ans den wir in den letzten Tagen wiederholt hingewiesen haben, Beachtung verdient, könnte mir politische Thorheit verkennen.— SvdrofscluugSstcucr. Ans B c n t h c n in Lbcrschlcsicn wird berichtet: Tic Stadl Benthe» hat. wie bekannt, eine vom Bezirks- ausschiiß in Oppeln, dem Finaiizminister und dem Minister des Jmieril genehmigte Gclvcrbcsiencr-Ordiinng erlasse», die sich a» S- schließlich gegen ei» vor drei Lahre» dort errichtetes Waren ha ns richtet. Ans Gnmd dieser Stciierordinnig ist die Finna, wie die„Breslaner Zeitung" berichtet, für das laufende Stcncrjayr veranlagt worden wie folgt: Va Proz. des Ertrages von 10 000 Mark---- 5:0 Mark, 7ü Angestellte a 50 M.— 8750 M.. Slitnma 8800 M. Vorstehende Sätze erhöhen sich bestimmungsgemäß bei 0000 M. Miciswert der Räumlich- tetken um 1 Proz. pro 1000 M., soweit sie 1000 M. übersteigen, das heißt uni 8 Proz.«omit kommen zn jenen 3800 M. hinzu 304 M., macht in Summa 4104 M. Dieser Betrag erhöht sich nun, da dcr Gcsamtznschlag zur Gciverbcstcner in itjentben 50 Proz. beträgt, noch um 50 Proz.. so daß die Finna bei einem vorausgesetzte» Ertrag von 10 000 Mk. im ganzen 0156 M. an Gewerbesteuer zu zahlen hat. Strafiniindigkcit.§ SS de? Strafgesetzbuch» bestimmt, daß. wer bei Begchnng einer Handlung das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet har. ivegtn derielben mcht strafrechtlich verfolgt ivcrden kann. Wie offiziös mitgeteilt wird, ivird im Jiitcrcsse der Bcncrung der jugendlichen Miffethäter eine Vorlage vorbereitet, worin für die Strasmündigteit an Stelle des vollendeten 12., das vollendete 14. Lebensjahr als Grenze gcivählt werden soff. Im Zusammen- hang damit sieht die im Abgeordnetenhause für Preußen bereits an- gctnndiate weitere Alisbildung dcr ZwnngSrrziehnng. Die diesbezügliche Vorlage ist nur wegen audenveitiger Ucbcrlastnng des Landtags ii: dcr gegenwärtigen Session nicht eingebracht worden.— Vom bayrischen Landtag. Einige interessante Personalien an? der bayrischen Kaiiuner nach dcr Wahl werden bekannt. Alters- Präsident ini iicuen bayrischen Landtag wird dcr social- demokratische Abgeordnete Gabriel L ö w e n st e i n, Redacteur in Nürnberg, sein Derselbe ist am 7. November 1825 in Fürth ge- boren. Wie dcm„Berliner Börsen- Courier" aus München geschrieben ivird, verschwindet mit den diesmaligen Wahlen der großgrundbe sitzende Adel vollständig ans dcr bayrischen Abgcordiietcnkainmer. Von den Volksvertretern besitzen den erblichen Adel mir nocb— welche Ironie der Zeit- geschichte— dcr Socialdcmokrat v. B o I l m a r. der ultramonkane Druckerrlbesitzer v. L a m a und der liberale, von nicdcrbayrischcu Vauernbiinviern gewählte v. L e i st n c r. Noch 1893 gab es in der Kanmier zahlreiche Adelige, die Gutsbesitz hatten und den Kammer- berruschltiffcl trugen. Mit Frhrii. v. Stanffeiiberg, dem liberalen Manne, verschwand der letzte adelige Gutsbesitzer aus der bayrischen Kamnicr. Das Parlament hat durch diesen Wandel der Dinge sicherlich nicht gelitten.— Stuttgart, 20. Juli. Reskript vertagt worden. Dcr Landtag ist heute durch köuigkichet Personcntarif> Reform. Die württembergische Ab- gcordiietcnkammer in Stuttgart hat sich noch vor der Vertagimg des Landtags in einer Resolution anerkennend ausgesprochen über die von dem Minister von Mittnocht in Uebcrcinstininiiliig»üt Bayern, Baden ynd den Rxichs lande» in Aussicht geiioiiiincnc Reform dcr Personcntarifc. In derselben wird für die dritte Klasse ein Einheitssatz von 2,3 Pfennig oder höchstens 2,5 Pf. angesetzt, für den Nahverkehr ist dcr 2 Pfennig-Satz in Ansstcht geiioinmen. Dcr Schnellzngözuschlag soll, wenn auch nicht ganz aufgehoben, doch ganz wesentlich ermäßigt werden.— Zur Rgitatiou für die Znchihausvorlagc. Man schreibt nnS aus Offen bürg(Baden): Der hiesige Hutfabrikant Hcinri ch entließ in falscher Auffassung des geschäftlichen Interesses den alte» Stamm bewährter Arbeiter und stellte dafür jugendlichere und im* gelernte Arbeiter und Arbeiterinnen ein. Der Verband der Hut- arbcitcr aber handhabt den Arbeitsnachiveis mit aller Entschiedenheit, um die Ehre des Hntmacherbemfs zu schützen. Jedes Verbands- »ntglicd ist verpflichtet, seine Anstellung in der Fabrik durch den ort- lichen Gcwerks chaftS vorstand vermitteln zu lassen. Vor etlichen Wochen entließ der Fabrikant den derzeitigen Vorsitzenden des Lokal- Verbandes, einen alten tüchtigen Arbeiter ans Gründen, die eine Maßregelung nicht ausschließen. Kürzlich trat ein junger Arbeiter ein, der sich als Verbandsmitglicd entpuppte, und vom gcmaßregclten Vorsitzenden auf die statutengemäßen Be- stimmnngen bezüglich des Arbeitsnachweises hingewiesen wurde, deren Verletzung den Ausschluß ans dem Verbände, zum mindesten die Entziehung der Neisc-Unterstützung zur Folge hätten. Der Arbeiter sah seinen Fehler ein und entsagte unter Ein- Haltung der Kündigungsfrist der Stcllung, aus welcher ein bewährter Arbeiter und Familienvater nach vieljähriger Thätigkcit vertrieben worden war. Die Fabrikdircktion, er- dost über die Knudignng, eilt nun zum Staats- a n w a I t und verklagt den Vorsitzenden des Lolalverbandes wegen Vergehens gegen das ZuchthauSgcsctz. da ein Arbeits- williger an der Fortsetzung der Arbeit verhindert wurde. Ein Wacht- meistcr wird ausgesendet, den Böselvicht cinzuveriichmcn. Die Afsaire endet als Posse. Vielleicht bekommt Herr v. Posadowsky dieses Prachtstück von„Terrorisums" in frischer Eisverpacknng nach seinen! Kuraufenthalt nachgesandt. Sollte es dann im Herbst mit anderen dcnkschriftSwürdigen Stücken dem Reichstage vorgesetzt werden, dann möge die geschäftliche Moral der Heinrichschcn Hutinanufaktur eben- falls serviert werden. ES ist die hochsittliche Art gemeint, deren sich diese Firma bedient, um Arbeiterinnen aus weiter Entfernung zum billigen Frohndicnste heranzulocken. Den klassischen Ausdruck' findet sie in einem Briefe der Heinrich und Adrionschcn Hntmanufaktur voni 15. Juli 1897 an ein Fräulein I. E. in P. bei Augsburg. Sie er- hält bei Utägiger Lehrzeit 1,20 M. Lohn und die Aussicht, es bei Aecordarbcit auf 10 M. pro Woche zu bringen! hält sic's ein Jahr aus. so vergütet die Firnm auch das Reisegeld. Nun kommt der Lockvogel im Schlußsatz des Briefes: „Das Leben in dem wunderschön im Schlvarzlvald gelegenen Lsfenbnrg ist angenehm und wird noch mehr Abwechslung bieten, wenn nächstes Jahr zwei Bataillone Militär herkommen, für das die Kasernen gegenwärtig gebaut werden." Das arme Ding von bayrischem Mädchen trug dann seine christliche Jungfräulichkeit in das„wunderschöne, ablvechSlungsrciche" Offenbnrg. hielt's aber bei dem Hungergeld von 1,20 M. nicht lange aus. Mit verbesserter Moral ging die Arbeiterin nicht vonnen. Wer verdiente nun, mit dem Zuchthausgesetz bekannt zu werden? Die von TonuerSmarck. Die„Kattowitzer Zeitung" berichtet von einem Helden- stück der Sparsamkeit, das die Grafen Henckel von Donnersmarck, die Reichsten der Reichen gemeinsam vollführt haben, wie folgt: »Der AmtSauSschutz deS Amtsbezirkes Dcutsch-Piekar hatte 1896 beschlossen, im Hinblick auf das Austreten der contagiösen Augenerkrankung dem Amtsvorstcher einen Vorschuß von 2000 Mark zur Verfügung zu stellen. Es sollten Mittel vorhanden sein,(ms denen dir Ausgaben für die Besoldung von Aerzten und Hilfspersonal, sowie' für die Beschaffung' von Arzencieu und UnterfiichungSlokalen gedeckt werde» konnten. Der Amtsausschuß hatte gleichzeitig beschlofien, die von dem Amts- Vorsteher in dieser Richtting aufgewendeten Mittel durch eine Um- läge auf die zu dem Amtsbezirk gehörenden Gemeinden und Guts- bezirke aufzubringen. So erforderte der AmtsauSschnß von den Grafen Hugo, Lazh und Arth urHenckel von DonnerS- marck einen Beitrag von 101,18 M. Sie wendeten sich hiergegen nach fruchtlosem Einspruch mit der Klage und machten geltend, daß sich die Aufgabe der Polizei nur daraus erstreckt, das Vorhandensein einer Krankheit festzustellen, dagegen zu den Bestignissen derselben nicht auch die Uebernahme der Behandlung der Erkrankten gehöre. Demgegenüber legte der beklagte Amtsausschuß dar, wie der Aintö« Vorsteher zu den von ihm getroffenen Anordnungen befugt gewesen sei t das Vordringen der contagiösen Augenerkrankung aus dem bc- nachbarten Kreise Tarnowitz habe ein besonderes energisches Ein- schreiten erforderlich gemacht. Der Kr e i s a u s s ch'u tz wies die Klage ab. Ei' hatte zuvor Stabsarzt Dr. Lorenz darüber gehört, ob die von dem Amtsvorstehcr ergriffenen Matznahen notwendig und geeignet gewesen seien, die' Weiter- Verbreitung der Krankheit zu verhüten. Die gegen diese Entscheidung eingelegte Berufung wies der Bezirk- ausschuß zurück, nachdem der Beklagte noch ausgeführt hatte: zu der entscheidenden Zeit sei täglich eine große Zahl von Arbettern aus den Ortschaften im Kreise Tarnowitz in den Amts- bezirk übergetreten, um auf den Gruben beschäftigt zu lvcrden, sie seien vor der Annahme einer Untersuchung unterzogen worden; auch bei den zweitausend Schullmden, im Amts- bezirk sei die Untersuchung erfolgt; die schwer Erkrankten seien den Knappschafts-Lazaretten überwiesen worden. Auf die Revision der Kläger hat nunmehr der erste Senat des O b e r- B e r- waltungSgerichteS die Entscheidung deS Bezirksausschusses aufrecht erhalten. Daß sich die Grafen weigerten, ihren Kostenbeitrag für Unter- drückung einer Seuche beizutragen, beweist, daß der Adel zur Sparsamkeit verpflichtet. Die Gerichtskosten werden sie sich nun wohl auspfänden lasten. In das gleiche Gebiet gehört eine Mitteilung der»BreSl. Morgen- Zeitung" über einen anderen schlesischen Grafen: „Zu dem ungefähr 6000 Morgen großen Majorate deS Herrn Grafen X. auf X.-dorf gehört auch das Dominium, auf lvelchem zwei in den Ruhestand versetzte Schäfer leben, von denen der eine ivcit über 80, der andere über 70 Jahre zählt. Letzterer ist erst vor ungefähr einem halben Jahre pensioniert lvorden. Von beiden Personen leben noch die fast im gleichen Alter stehenden Ehefrauen. Als Pension beziehen die beiden Schäfer freie Wohnung(1 Stube) und die Hälfte von ihrem frühereu Deputate: Getreide, Kartoffeln. Milch. Feuerung, sonst nichts. Dafür müssen sie aber dem Herrn Grafen die Altersrente abtrete»! Die Not der Landwirtschaft schreit gen Himmel l lkhronik der MajestätSbcleidiguiigS-Prozcffe. Majestätsbeleidigungen, die sich gegen den Kaiser und dessen Familie richteten, hatte der Mechaniker Popp auS Nürnberg an zwei auf einander folgenden Tagen in einer Wirtschaft in Fürth aus- gestoßen. Er wurde zu zehn Monaten Gefängnis ver- urteilt. Wegen MajcstätSbeleidignng und Beschimpfung der katholischen Kirche ist in G le i iv itz der Fabrikschlosser Josef Lischka aus Borsig- werk, jetzt in Berlin, zu nenn Monaten Gefängnis ve'r- urteilt worden.— Die FricdcnSkoniödic. Dem„Manchester Guardian" wird auS dem Haag� gemeldet, daß das Prüsnugskomitce vier Stunden lang damit beschäftigt war, alle beschlossenen Aenderungen in den Text des SchiedSgericktS-Entwurfcs hinein zu bringen. Der Paragraph, welcher auf die R e v i s i o n einer schiedsgerichtlichen Entscheidung Bezug hat, wurde in so dchubarc» Bcstimmunge« abgefaßt, daß die Parteien, welche ei» Schiedsgericht annehmen, unter sich abmachen können, daß entweder keine Revision zulässig ist oder daß eine solche zulässig ist innerhalb dreier Monate, innerhalb sechs Monaten oder innerhalb einer un- bestimmte» Frist, wie sie auch unter sich abmachen können, daß der Schiedsspruch verworfen werden kann. So hätte man, meint der Korrespondent, die schiedsgerichtliche Untersuchung ohne vorherige Verpflichtung, daß der Schiedsspruch angenommen wird. Die Frage der Unterzeichnung der endgültigen Konvention wird, wie der Korrespondent weiter mitteilt, noch viel Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. In der vorigen Woche sagte Graf M ü n st e r, er beabsichtige alle Konventionen zu unterzeichnen, in dieser Woche hat er eine Jiistrnktion aus Berlin erhalten, die ihn daran hindert. Ein Druck von feiten Oestreich- Ungarns soll diesen Frontwechsel veranlaßt haben. Gegenwärtig er- wartet man, daß alle Mächte das Protokoll unterzeichnen werden und daß die französisch-russisch-englisch-amerikanische und die chinesisch-japauische Gruppe zusammen mit den meisten kleineren Staaten die Konventionen zeichnen, die dann nachher natürlich der Ratifikation seitens der Regierungen unterliegen. Der Dreibund dagegen zusammen mit der Türkei und vielleicht auch Griechenland und'Rumänien werden die Konventionen nicht eher unterzeichnen, als bis ihr gesamter Inhalt von den Regierungen genau ge- prüft ist. Ausland. RnS Russisch-Polen. Es ist eine bekannte Sache, daß die russische Regierung in Polen nichts mehr fürchtet, als den Einfluß der gebildeten Klassen ans das Volk. Deshalb strengt sie alle Kräfte an. um diesen Einfluß zu vernichten. Als eine Acutzernng dieser Taktik müssen wir die neuliche Suspension der in Warschau erscheinen- den Volkszeitung„Zorza" auf 8 Monate ansehen. Diese, durch eine Gruppe sehr begabter populärer Schriftsteller redigierte Zeitung, lvar schon längst ein Dorn im Auge der russischen Behörden; es fehlte nur eine Gelegenheit zur Unterdrückung, die infolge der präventiven Ccnsnr auch nicht so leicht zu finden lvar. Demi, wenn anch die Redaktion etwas gegen die Regierung schreiben wollte, würde sie daran durch die Ccnsnr verhindert. Vor kurzem, während der Vcrhaftniigen der Bauern im Gouvernement Ljnblin, hat man bei einer Hanssiichung eine photographische Gruppe gefunden, welche den Redacteur der„Zorza" zusammen mit einigen Bauern vorstellte. Mit Freuden hat mau darin einen Beweis un- gesetzlicher Agitation erblickt. Aber bald wurden die Hoffnungen der Polizei vereitelt, da sich erwiesen hat, daß diese Gruppe seiner Zeit in„Zorza" unter der Billigung der Zensur abgebildet wurde. Eine Haussuchung in der Redaktion der„Zorza" hat anch leine Beweise der Staatsgcfährlichkeit beibringen können. Erst nach einigen Wochen haben die russischen Behörden ihr Ziel erreicht. Infolge der Unansinerlsarnkeit des Korrektors wurde ein Ukas des Zaren unter der Ucbcrschrift„Ausländische Nachrichten" gc- druckt. Das ist als ein augenscheinlicher Bcivcis des„Separatismus" angesehen, und die Zeitung ist auf 8 Monate suspendiert. ES scheint, daß diese Maßregel nur der erste Schritt ist ans dem Wege zur vollständigen Unterdrückung der Volkspresse in Polen, da die rnssische Regierung die köstliche Absicht hegt, selbst eine Volks- zeitung in polnischer Sprache zu veröffentlichen. Man kann sich leicht vorstellen, was für eine werte Zeittmg dieses Organ sein wird. Sein Hanptziveck wird in der Einimpfung der Liebe zum Zaren und zum„heiligen Rußland" in die Herzen der polnischen Bauern bestehen,— genau so, wie derselbe Zweck in den zahkreickien Broschüren hervortritt, ans denen die kürzlich durch die Regierung begründeten Dorf-Lesehallen hauptsächlich bestehen. Aber alle diese Maßregeln kommen zu spät. Wir sind überzeugt, daß bei keiner noch so gewandten Staatsknnst und bei keinem noch so unwissenden und jedes politischen Instinktes beraubten Volke solche Maßregeln erfolgreich sein würden. Und dcstomehr und sicherer muß ein solches Unternehniern scheitern, da heutzutage eine große Anzahl antirussischer und antizarischcr Faktoren unter den polnischen Bancrn thättg sind. Da ist zunächst die„Polnische National-dcnio- kratische Partei", welche in Krakau die Zeitschrift„Lokale"(Pole) veröffentlicht, die ausschließlich für die Bauern in Russisch-Polen bc- stimmt ist, und zusammen mit zahlreichen nntirussischcu Publikationen über die russische Grenze heimlich eingeführt wird. Besonders in dem südlichen Teil von Russisch-Polen sind die Bauern infolge der Nähe der galizischen Grenze im stände, ihre Lescbcdürsniffe vollständig durch die illegale antirusstsche Litteratnr zu befriedigen. Jedoch den stärksten Einfluß auf die Landbevölkerung üben die Verhältnisse in den Fabrikcciitren ans, die in Polen zwar sehr zerstreut sind, aber ein verhältnismäßig großes Wirliingsgcbict umfassen. In vielen Gegenden bestcheii die Stadtarbcitcr hauptsächlich aus prolctarisicrtcn Bauern, die niit der Landbevölkerung sich im beständigen Verkehr befinden. Infolgedessen dringt die socialistische Littcratur in großer Masse in die Dörfer. Auf den Kongressen der Sociallstischcn Partei Polens wird die Agitation unter der Landbevölkerung immer nichr Gegen- stand der größten Sorgfalt; die Partei veröffentlicht viele Broschüren für die Bauern sz. B.„Das Evangelium für die Landarbeiter", „Was wollen die Socialistcn?",„Vater Szhmon",„Haben wir heut- jzutage keine Knechtschaft?",„WaS niuß jeder Bauer wissen":c.) und zählt schon zahlreiche Anhänger auf dem Lande. Man darf also hoffen, daß die Regierung deS Zaren mit ihrem neuen Experiment keinen größeren Erfolg Häven wird, als mit den vielen anderen, die ja alle an dem gesunden politischen Sinn des polnischen Volks und der Thatkrästigkeit der revolutionären Pnrtcieu gescheitert sind. Tie jetzigen Maßregeln wird dasselbe Schicksal treffen, wie die Propaganda der russischen StaatSidccn unter dem polnischen Volke oder die Vergistnng der Torfbibliothekcn mit den Beschreibungen der„edlen" und„heroischen" Thaten russischer, blut- dürstiger Zaren.—_ Oestreich-Ungarn. Wien, 20. Juli.(.©. T.") Die Christlich- Socialen hakten heute avend Vs8 Uhr im Hotel„Englischer Hof" im Bezirk Maria« hilf eine Fe st Versammlung ab, um auch für die Wahl- rcform zu demonstrieren Infolgedessen veröffentlicht die„Ar- beitcr-Zeitung" einen Aufruf au die Arbeiter, sie möchten abends 7 Uhr ans der Mariahilferstraße erscheinen, um hierdurch gegen de» Wahlrechts- Raub zu inanifcstiereu und ihre Zahl der Zahl der Christlich- Socialen cutgcgenzuslellcn. Der Aufruf warnt die Arbeiter vor Zorn und vor Beschimpfungen der Gegner und sagt:„Beineistcrt Euren Ekel, spuckt nicht aus! Die Ver- achtnng soll stumm sein! Genossen, kommt alle und seht Eure Feinde an!"— Frankreich. Der Beginn der Verhandlungen deS Kriegsgerichts in Reimes ist amtlich auf Freitag den August festgesetzt worden. Die Generale B vis deffre und Gonse weilten am Sonnabend in Reimes, wo sie, wie eS heißt, von einem Mit« gliede des Kriegsgerichts empfangen wurden. Eine Note der„Agence Havas" besagt: Die dem RegienmgS- kommissnr beim Kriegsgericht zu Stcnncs erteilten In- struktionen, von welchen ein Morgenblatt spricht, haben zum Zweck, erstens diejenigen Pinikte festzilstcllcn, auf welche sich gemäß dem Urteil des Kassationshofes die Anträge dcS Regierung«- Kommissars zu erstrecken haben; zweitens diejenigen Punkte, welche nicht abermals erörtert werden dürfen, weil sie durch Richterspruch bereits erledigt. Drittens sollen die vor- zunehmenden' Verhöre festgestellt werde», von denen die Bestimmung der vorzuladenden Zeugen abhängt. KricgSministcr Gallifet hat befohlen, das U n t e r s u ch u n g S- verfahren gegen denKapitänGuyot dcVilleneuve einzuleiten, welcher in einem Schreiben den Professor Shveton zu der ihm zu teil gewordenen Maßregelung beglückwünscht und dein« selben eine Geldsumme als Entschädigung für GchaltLcntziehung übersandt hat. Estcrhazy erklärte dem Londoner Korrespondenten deS„Matin". das Bordereau sei von einem im französischen Spionagedienste stehenden Deutschen dem Nachrichtenburcan dcS Gcneralstabes überbracht worden. Wenn man ihn zwinge, werde er den Namen diese» Agenten nennen, der noch im letzten Jahre im Nachrichtenbureau beschäftigt worden sei.— In einem Brief an den„Figaro" schreibt Gabriel M o n o d, Mitglied der Akademie, er habe vernommen, daß die Beweise, welche gegen DreyfuS angeführt werden sollen, Briefe dcS Prinzen Heinrich von Preustcu seien. Diese Briefe erklärt Monod für F ä l s ch u n g e n. Nach dem„Temps" hatte der frühere Kolonialminister Lebon seine Demission als Mitglied des Verivaltmigsrats des Credit Foncicr eingereicht. Der BerwaltungSrät lehnte die Annahme der Demission ab, legte jedoch mit allen gegen zwei Stimmen Lebon nahe, sich nach dem Prozeß in Reimes gegen die in der Presse er- hobenen Anklagen zu rechtfertigen.— DreyfuS studiert, wie der„Franks. Ztg." auS Renne! telegraphiert wird, gegenwärtig m Abwesenheit seiner Vertheidiger verschiedene Dossiers' seiner Afsaire: er arbeitet pne wütend vom frühen Morgen bis Mitternacht. Die Lampe seiner Zelle erlischt oft erst gegen 1 Uhr. Die Arbeit wird nur unterbrochen für die kurze» Mahlzeiten, für den anbefohlenen Sparziergang und für den Besuch sciiicrFrau. Drcyfus zeigt eine große Ausdauer und Regsamkeit. Die Er- rcgilng, welche der Gegenstand scincs Studiums hcrv orbringt, bewirkt, daß der Gefangene wenig igt, dagegen raucht er beständig. Für seinepersönlichen Bedürfnisse ist ihni ein inhaftierter Soldat als Bursche zugeteilt. Mit Ungeduld erwartet Drcyfus, daß seine neue Uniform fertig werde, damit er die ihm anscheinend jetzt unangenehmen Civilklcider ablegen könne. An den Hof des Gefängnisses stößt eine Gerberei, wo sich Journalisten und Photographen festsetzten. Man versperrte jetzt die Aussicht durch ausgespannte Tücher. Eine Galerie, die Drehfus zu passieren hat, wurde mit einem Bretterzaun verschen, um zu- dringliche Beobachter auszuschließen. Belgien. Brüssel, 19. Juli. Die Fttnfzchncr-Kommission für die Wahlreforui-Vorlnge hielt heute vormittag eine Sitzung ab, in welcher die Antwort der Regierung auf die Anfrage der Kom- Mission betreffend die Berattmg der Vorlage bekannt gegeben lvurde. Die Regierung forderte die Kommission ans, ihre Beratungen zu beschleunigen, damit die Beratung der Vorlage noch im Laufe der gegenwärtigen Session möglich sei. Im Laufe der Debatte erklärten die Vertreter der Linken, sie lehnten es cnffchiedcn ab, der Kommission anzugehören. Theodor(unabhängig) erklärt, hieraus gehe die Niederlage der Einstimmenvorlage hervor. Da die Kommission zu keiner Einigung über irgend ein Wahl- shstein gelangen wird, so wird es entweder zu einer K a m m e r- a n f l ö s u n g kommen, oder die nächste Wahl wird noch nach dem jetzigen System stattfinden. Spanien. Barcelona, 20. Juli. Anläßlich der Ankunft deS französischen Geschwaders gab die Stadt gestern abend im Stadthause dem Admiral Fournier und seinen Offizieren ein Festessen. Nach dem- selben begleitete eine Polksmenge von etiva 800 Personen den Admiral bis zum Hafen und durchzog alsdann die Straßen mit einer französischen Fahne, rief„es lebe die Republik" und sang die Marseillaise. Die Polizei zerstreute die Menge. Die Angsburger Krawalle. Die Ansammlungen großer Menschenmassen und auch zum Teil die Ausschreitungen haben sich in Augsburg dem offiziösen Telegraph zufolge auch am Mittivoch ivicderholt. Militär ist requiriert worden; die Soldaten hatten das Bajonett aufgepflanzt. machten aber keinen Gebrauch davon, sondern beschränkten sich darauf, die Menge mit dem Kolben zurückzudrängen. Eine Schwadron Chevaux- lcgers säuberte die Straße. Die Polizei mußte wiederholt von derWaffe Gebranch machen, mehrere Personen und eine größere Anzahl von Schiitzlenten wurden verwundet, einer der letzteren ernsthaft. Etiva 30 Verhaftungen wurden vorgenommen und aufrechterhalten. Die Erregung im Stadtteile ist eine sehr große, die Ruhestörungen dane'rtcn bis tief in die Nacht.— Soweit der Telegraph. lieber die Ursachen und den Verlans der Krawalle wird uns von Augsburg vom 13. Juli geschrieben: „Am Sonntag, den 16. Juli, abends 10 Uhr, wurden mit dem Personenzug von Ulm 50 Italiener hertranSportiett, herbei- gelockt durch die Vorspiegelung, der hiesige Maurerstreik sei be- endet. Am Ccntralbnhn'hof, Ivo sie ausstiegen, wgr Herr Thormann und Stiefel persönlich, mit sämtlichen Polieren, Bauführern und Buchhaltern am Bahnhof, sowie 18 Polizcibeaintc, welche die Arbeits- willigen in Empfang nahmen. Die Streikposten, sowie eine' Anzahl anderer Arbeiter sprachen mit den Italienern, diese wollten auch mit den Streikenden gehen, � wurden aber von den Polieren festgehalten, fast die Röcke wurden ihnen herunter- gerissen, ja handareiflich ivurden die Poljere mit den Arbeitswilligen; anch die Polizei half die Arbeitswilligen auf die Baustelle schleppen. Charakteristisch ist es. daß der Magistrat sich dazu hergegeben, im Schlacht- und Viehhof den Unternehmern ein Gebäude zur Ver- ftigung zu stellen, in dem die Italiener wohnen könne». Bis jetzt arbeiten die Italiener unter dem Schutze der Polizei." Eine zweite Zuschrift desselben Korrespondenten vom gleichen Datum lautet: „Wie schon berichtet, sind am Sonntag 50 Italien« hier angekommen und ivurden dann teils im Schlacht« und Viehhof und in die Fabrik zum Senkelbach befördert, wo sie auch arbeiten. Die Bevölkerung Augsburgs regte das Vorgehen der Unter« nchmer und Behörde in hohem Maße auf. Schon am Montag sanmielten sich vier« bis fünfhundert Personen an und protestierten gegen daS Vorgehen der Unternehmer nnd Be- Hörde. Heute abend 7 Uhr standen an der Fabrik Senkelbach vier bis sn»f Maurer Posten, vorübergehende Arbeiter erkundigten sich. ivie es mit den Italienern stehe. Es wurde ihnen mitgeteilt, daß die Italiener nvch arbeite». In etiler halben Stunde sammelten sich schon über tausend Personen an. Man hörte Nlfe»:„Heraus mit den Italienern, wir wollen mit ihnen sprechen!" Jilzwischen sammelten sich über zweitausend Personen an. Die Polizei griff ein, trotzdem sich die Menge bis dahin ruhig verhielt; die Polizei begab sich dann zum Hydranten, schraubte die Schläuche an und spritzte aiff die Volksmenge, aber die Masse blieb stehen wie eine Mauer. Nun brach der Tumult los. die Schutznimmschaft zog blank, Verhaftungen wurden 12 vor- genommen. Die Masse zerstreute sich so nach und nach nnd um 9 Uhr kam eine Compaguie Infanterie und anch Reiterei. Das Militär wurde mit Hoch« und Hurrarufen empfangen. Die Bevölkerung— und zwar nicht etwa blvß die Arbeiter— ist fast vollsländig ans Seiten der Maurer. Die Unternehmer hätten längst bewilligen können, sie lassen es sich lieber Zehutausend« kosten, als' daß sie die bescheidenen Forderungen der Streikenden bclvilligcn. Die Einschnniggekung der Italiener hat sehr viel böses Blut gemacht. Den Streikenden wird allgemein das Zeugnis ausgestellt, daß sie bisher ihre Sache in der ruhigsten, gesetzlichsten Weise geführt haben. Auch an dem Ausbruch der Krawalle haben sie keinen Anteil. An Grillenbergers Denkmal legten die socialbemokratischen Wahlinämicr Nürnbergs am Tage der Abgeordnetenwahl einen Kranz mit roter Schleife nieder. Gegen die ZnchthanSvorlage. AuS Köln wird uns ae- schrieben: In dem nicht weit von dem benachbarten Mülheim a. Rh. liegenden Ort Thurn hat am Sonntag eine von mehr als dreihundert Arbetisr» besuchte Protestvcrsanmilnng gegen die Zucht- Hausvorlage staltgesniiden, die genieinschaftlich von unsere» Partei- genossen nnd den katholischen Arbeitern unter Führung des Pfarrers Dr. Hillmann veranstaltet war. Die Reden des Pfyrrcrs und miscres Parteigenossen Hofrichter stimmten in der gänzlichci« Verwerfung der Verlage, in dem Urteil über die Unztilimglichf.it dcS hentigcn Koalitionsrechts, in der Ansicht über die moralische und gesellschaftliche NichtZinitzigkeit der„Arllcit'k-willigen", ferner darin, daß die Arbeiter, ob katholisch oder crangelisch, ob gläubig oder nichtglänbig, zusammenstehen müssen in'dem Kampf gegen die drohende Gefahr, vollständig überein. Die Versammlung verlief in idealer Einmütigkeit.— Kürzlich waren auch die Kölner Gewerkschaften an die unter ultramontancr Leitung stehenden christlichsocialcn Arbeitervereine herangetreten, um eine gemeinschaft- liche Protestkundgebung gegen die Znchthausvorlagc herbeizuführen. DaS Ansinnen aber wurde von den„Christlichen" schnöde abgelehnt. Die katholischen Arbeiter in dem ländlichen Orte Thurn stehen also in der Erkenntnis dessen, was heute notthut, hoch über denen der Weltstadt Köln. In Köln giebt aber auch eine schürende Geistlichkeit den Ton an.— Znm frauzitsischcn Partcistrcit. Der Gedanke der Einigung hat unter der Masse der französischen Socialisten bereits so feste Wurzel gefaßt, daß die Spaltung, welche durch den Eintritt Millerands in das Ministerium Waldeck-Rousscau-Gallifet hervorgerufen ward, nicht von Dauer sein konnte. Wie wir er- warteten, hat der Vorschlag von Jaures: den Streit wie alle sonstigen Streitfragen auf einem allgemeinen socialistisckicn Kongreß, auf dem alle s o c i a l i st i s ch e n Fraktionen Frankreichs vertreten sein sollen, zu erledigen,— bei allen Fraktionen Anklang gefunden. Die Vaillant'sche Gruppe hat sich schon für einen Kongreß ausgesprochen und auch die zweitandcrcn, an dem Manifest betheiligten Gruppen scheinen sich für den Kongreß erklärt zu haben. Ein Telegramm, dessen Richtigkeit wir allerdings im Augenblick nicht verbürgen können, das aber durchaus glaubwürdig ist, meldet uns. daß sämtliche Unterzeichner des Mani'fests sich fü die Berufung und B e s ch i ck u n g eines allgemeinen französi schen Socialistcnkongrcsses ansgesprochcn haben und daß der Kongreß im Laufe des September zusammentreten soll. Polizeiliches, Gerichllichrs usw. — Als Verfasser eines Boykott- Flugblattes gegen einen Wirt ül P a r e y a. d. Elbe, welcher uns seinen Saal zu Ver sammliingen verweigerte, wurde Genosse S t o I l b e r g- Burg vom Schöffengericht Genthin zu 14 Tagen Haft verurteilt. Ebenso die Genossen Krause und I u h l- Parey lvcgcn Verbreitung desselben Dieses Urteil wurde vom Obcrlandesgericht N a u ni b u r g bestätigt. — Der Genosse Kroll- Burg wurde wegen groben Unfugs, lie- gcmgcn durch eine sogenannte Bismarckbelcidigung(Altreichskanzler) zu 14 Tagen Haft verurteilt.— Genosse R i c p e k o h l- Burg wegen eines ziveiten Flugblattes über Parey als Verfasser und S t a'h- in a n n- Burg als Verbreiter desselben wegen Geschästsschädignng je 14 Tage Haft. Gegen dies Urteil ist jetzt' Berufung beim Land- gcricht eingelegt. GenrevItMelftliifzes. Berlin und lliiigegend. Achtung, Schnhniacher: Nach den am Donnerstagvormittag stnttgefiindenen Verhandlungen zwischen dem Fabrikanten- Verbände, Vertretern des Vereins Deutscher Schuhmacher und des F a b r i k a u s s ch u s s e s der aus- ständigen Arbeiter ist der Streik bei der Firma Emil P i n n e r Nach f., An der Stadtbahn 41. beigelegt. „Zwischen der heute zusammengetretenen Kommission der Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist folgende Einigung zu stände gekommen. Die Arbeiter der Firma Emil Pinner Nach f. unter schreiben die Original-Fabrik-Ordnung des Verbandes der Berliner Schuhfabrikanten. Dagegen ninimt die Firma Emil Pinner Nachf. sofort alle Arbeiter wieder auf, welche keinen Entlassungsschein erhalten haben. Ferner nimmt sie die am Sonnabend ordnungsmäßig entlassenen sechs Mann wieder auf, sobald dieselben die vom Arbeitsnachweis sofort zu erteilenden Nachweisscheine mitbringen. D i e K o m m i s s i o n Die Kommission der Arbeitgeber. der Arbeitnehnier. gez. S ch l i z w e g. gez. Otto Zunder. H. H i n tz e. C. Herrmann. Schnitze. Der Inhaber der Firma hat sich mit den Bedingungen verstanden erklärt und nehmen die Arbeiter am Frcitaamorqen die Arbeit wieder auf. Die Ortsverwaltung des Vereins der Schuhmacher. Die Platzdcputicrten der Verlrauenömänucr-Ccntralisatiou der Zimmerer beschlossen am Mittwochabend nach Äcimtnisiiahme des ablehnenden Bescheides der Unternehmer, vor dem Gewerbe- gericht zu verhandeln, die Versammlung des Arbcitgebcrbundes ab- zuwarten und dann unverzüglich mit den Vertretern des Bundes in Unterhandlung zu treten. Die Arbeiter der Goldlcistcnfabrik von Albert S p i e s e ck e, Alexandrinenstr. 25 haben sehr zu klagen über eine unwürdige Bc- Handlung seitens ihres Herrn Chefs. Derselbe scheut sich' nicht, „seine" Arbeiter in der gröblichsten Weise anzufahren; die nächste Versammlung der Vergolder wird sich mit den Zuständen in der bc- treffenden Fabrik beschäftigen und falls nicht eine humanere Bc- Handlung Platz greift, werden sich die Arbeiter der genannten Fabrik veranlaßt sehen, eventuell den Ort, wo sie in einer vielleicht in Ost- Preußen, nicht aber in Berlin angebrachten Weise behandelt werden, insgesamt zu verlassen. Kasseubeamtc im Gcscllcnnusschnff. Dieser Tage fand eine Versammlung der Malerinnung statt, an der zum erstenmal die ueugewählten socialdemokratischen Gesellenvertretcr teilnahmen. Einzelne Malermeister erhoben Protest gegen die Gültigkeit der Wahl des Gesellenausschuffes, weil sich unter den Gewählten zwei angestellte Beamte der Maler-Krankenkasse befänden. Obermeister Schnare erklärte darauf, es genüge seiner Meinung nach, wenn die Mitglieder des Ausschusses gelernte Gehilfen seien. Als Kassen beanite ständen die Betreffende» übrigens im Dienste der Maler, sowohl der Meister als auch der Gehilfen. Die Innung habe keinen Anlaß einem Einspruch. Die Innung erkannte dann ein- st i m m i g die Gültigkeit der Wahlen an. Deutsches Reich. Rnfrnf an die gesamte Arbeiterschaft. Die Stuttgarter Möbelarbeiter befinden sich nunmehr in der elften Woche des Streiks. Seitens der Fabrikanten ist der Kampf zu einer Machtprobe gemacht worden. Sie wollen den Beiveis liefern, daß die Arbeiter nicht stark genug sind, ihre Forderungen in einem Lohnkampf durchzusetzen. Wir dagegen beharren ganz ent- schieden auf unseren Forderungen und werden alles daransetzen, daß dieselben bewilligt werden. In der Hauptsache handelt es sich jetzt um die Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden. Bis vor kurzem sträubten sich die Fabrikanten noch ganz ent- schieden gegen deren Bewilligung. Bei einer Einigungsverhandlung unter dem Vorsitz des Stadtvorstandes erklärten sie sich zwar bereit, die neunstündige Arbeitszeit zu bewilligen, jedoch e r st vom 1. Okto b er 1S00 ab, was einer Ablehnung unserer Forderung gleichkommt. Auf einen solch fcrngclegenen Zeitpunkt konnten wir uns deshalb nicht einlassen. Da die Fabrikanten nicht weiter ent- gegenkommcn, dauert der Streik ungeschwächt fort. Lange kann aber der Widerstand der Fabrikanten nicht mehr anhalten. Ein Teil derselben wäre gern bereit, zu bewilligen, jedoch haben es die Scharfmacher bisher noch immer fertig gebracht, ihn davon abzuhalten. Die Firma Rall u. Gerber mit 170 Arbeitern hatte bereits bewilligt und sollte am letzten Montag die Arbeit auf- genommen werden. AufBeschlußdesFabrikantcuringes wurde die Firma aber gezwungen, die Arbeit nicht aus- nehmen zu lassen. Außerdem hat eine kleinere Firma bewilligt und ist bei derselben die Arbeit bereits aufgenommen. Andere werden in kurzer Zeit nachkommen. ein- Gelingt es uns, den Kampf mit aller Energie weiter führen zu können, dann wird der Sieg unser werden. Die Streikenden stehen heute in der elften Streikwoche ebenso geschlossen und einig zw sammen als in der ersten. Alle Lockungen und Drohungen der Fabrikanten haben nicht vermocht, uivere Reihen wankelmütig zu machen. An alle Kollegen, Arbeiter und Genossen richten wir die dringende Bitte, uns in diesem Kampfe genügend zu unterstützen. Insbesondere ist es notwendig, daß der Zuzug von Tischlern, Drechsler», Polierern und Maschincnarbeitern nach Stuttgart streng ferngehalten wird. Wiederholt haben wir erfahren, daß auswärts das Gerücht ver- breitet wurde, der Streik sei beendet. Das ist nur geschehen, um uns zu schädigen. Der Zuzug muß nicht allein jetzt, sondern auch nach Beendigung des Streiks noch längere Zeit ferngehalten werden. Des weiteren muß streng darauf acht gegeben werden, daß für die Stuttgarter Möbelfabriken keine Arbeiten gemacht werden. Die Fabrikanten suchen sich in ihrer Verlegenheit damit zu helfen, aus- wärts die dringendsten Arbeiten anfertigen zu lassen. Daß ihnen das gelingt, muß verhindert werden I An unsere Kollegen richten wir deshalb die Mahnung, strenge Kontrolle zu üben, damit sie nicht wider Willen unsere Bewegung und damit sich selbst schädigen. Stuttgart, den 19. Juli 1899. Die Streikkoinmission der Möbelarbeiter. Adresse: Ed. Stein brenner, Gewerkschaftshaus, Eßlinger- straße 17/19. dkB. An die Gewerkschafts- und Parteiprcffe richten wir die Bitte, diesen Aufruf abzudrucken. Die Leipziger Formeransspcrrrmg hat wieder einige Konflikte in anderen Orten zur Folge gehabt. So wird aus C r i m m i t- s ch a n berichtet: Wegen Verweigerung von Leipziger Streikarbeit erhielten sämtliche zehn Former der Firma Richard Franz am 18. Juli ihre Entlassung. Darauf erklärten sich sämtliche sechs Gießerciarbeiter solidarisch mit den Gemaßregclten undlegten glcichfallsdicArbeitniedcr. Dagegen haben die Former der Firma vorm. Göthes u. Schnitze in Bautzen die eingereichte Kündigung wieder zurückgenommen, nachdem die Leipziger Modelle wieder weggeschickt worden sind. Beitrag znm Kapitel Unternehmerterrorismus. In Kamcnz verlangte ein Unternehmer von den bei ihm beschäftigten Arbeitern, soweit sie gewerkschaftlich organisiert waren, den Austritt aus dem Verband. Wer am nächsten Lohntag nicht eine B e- s ch e i n i g u u g bringe, daß der Austritt erfolgt sei. solle hinausfliegen. Die Arbeiter gaben die treffende, einzig richtige Antwort, indem die bisher Nichtorganisierten uuiimehr auch in die Organisation ein- traten. So ging die Sache gerade verkehrt aus. Der Fall ist des- halb aber nicht weniger interessant und charakteristisch für die Un- Verschämtheit des Unternehmertums. Dir geplante Aussperrung der Mnnchcncr Schneider unterbleibt. Am Sonnabend trat die Kontrollkommission unter Hinzuziehung des Hauptvorstandcs Holzhäuser mit dem Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandcs, Herrn Hoflieferanten Fries, nochmals zu« smiimen und dort wurde nach sachlicher Debatte und ruhiger Erwägung der Einzelheiten der Friede geschlossen. Die Lohnsätze des Gehiffentarifs wurden im wesentlichen anerkannt und auf die Dauer von drei Jahren vertragsmäßig garan- t i e r t. Das„Schuhmachcr-Fachblatt", Organ der deutschen Schuh- machergehilfcn, stellt in einem Artikel Betrachtungen an über den Verband der deutschen Schuhe und Schäftefabri- kanten", die es wie folgt schließt:„Angesichts der Einigkeit der deutschen Schub- und Schäftcsabrikantcn. deren Verband keine gleichgcartcte UnterNchmer-Orgauisation Konkurrenz macht, überkommt einen wieder das Gefühl der Scham und des Zornes über die Zerrissenheit der deutschen Arbeiter. Man sehe sich nur die Zersplitterung der Schuh- in n ch e r a n! Der größte Teil derselben ist überhaupt nicht organisiert; einige Tansende gehören dem Hirsch-Duuckerschcn Gcwerkvercin an, andre sind wieder in den evangelischen und katho- lischcn Arbeitervereinen, die zum Teil den schönen Namen„Arbeiter- 'chutz" tragen, nicht selten aber zutreffender„Untenichuierschutz" sich betiteln würden. Alle diese Soudcrbündelcicn werden von Unternehmern, bürgerlichen Parteiführern und Behörden nach dein verwerflichen Grundsätze„teile und herrsche" gefördert und unterstützt und so die Arbeiterschaft zu ihrem eigenen chwcrcn Schaden von der Erringung einer eili Zeitliche n und starken Arbeiter- Organisation abgehalten. Wenn die Arbeiter nur entfernt so gut ihre Interessen erkennen würden, wie die Fabrikanten, sie müßten alles nnfbietcn, um sich einheitlich zusammenzuschließen und um die stärkste Organisation, den Verein d c u t s ch c r S ch» h in a ch e r mit seinen lö 000 Mitgliedern z u scharen. Gciviß würden diese gerne die Hand bieten zur Bereinigung und zum ge meinsamen Kampf und mancher Fortschritt winde dann leicht erkämpft werden können." Ausland. Weitere Gcwaltmastnahnien der dänischen Unternehmer. Kopenhagen, SN. Juli. Die Unternehmer Dhabcn in ihrer clegiertenversanunlung eine weitere Ausdehnung der Aussperrung angedroht. Wird diese Androhung wahr gemacht, so würde» weitere SV 00V Arbeiter davon betroffen werden, in Summa also 60 000 Mann ausgesperrt sein. Diese Maßregel soll am Montag Play greifen. Um schnelle, auSgicbigc Hilfe möchten wir unsere deutschen Kameraden nochmals dringend ersuche». Jensen. Ei» Friedensvertrag im Bangcwcrbc von Dorkshire (England). Eine feit längerer Zeit spielende Arbeitsspcrre im Ba» gcwerbe von Dorkshire hat dieser Tage in einem Vertrage zwischen dem Bund der Bauunteruehmer und der Gewerkschaft der Maurer geendet, der manche Bestimmungen von allgemeinerem Interesse enthält. Punkt eins setzt fest, daß kein Werkführer(Polier) von den Arbeitern genötigt oder von den Prinzipalen behindert werden soll, sich der Gewerkschaft anzuschließen. Nach Punkt zwei verpflichten sich die Gewerkschaftsmitglieder, nur Vcrumiftsgrüude anzuwenden, um die Nichtgcwerkschnftler zum Eintritt in die Organisation zu bewegen. Dagegen ver- pflichten sich die Prinzipale, Arbeiter, von deiien ihnen die Gewerkschaft nachweist, daß sie ihr Beiträge schulden, zur Zahlung dieser Beiträge anzuhalten, bezw. sie im Weigerungsfälle zu entlasse n. Punkt drei trifft Vorkehrung für die Erledigung von A b- greiiznngsstreitigkeiten zwischen Arbeitsgruppen auf schiedsrichterlichem Wege. Punkt vier für Beilegung von Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern durch Verweisung an die Vor- stände der beiderseitigen Organisationen, bezw. an ein aus Ver- tretern beider zusaminengesetztes Komitee. Punkt fünf bestimmt hinsichtlich der L e h r l i n g S f r a g e, daß kein Unternehmer mehr als einen Lehrling auf je vier Maurer- gehilfen beschäftigen soll. Die Lehrlinge sollen gesetzlich auf eine Lehrzeit von nicht weniger als fünf Jahren verpflichtet werden und die Lehre nicht später als mit dem vollendeten 16. Lebensjahr an- treten. In einem Zusatz wird den Unternehmern empfohlen, keinen Lehrling anzustellen, der nicht schon zwölf Monate im Geschäft thätig ist. Mit diesem Zusatz wurde die Lehrzeit praktisch auf sechs Jahre erhöbt. Eine etwas zünftlerische Bestimmimg. wie denn überhaupt im Bangewerbe hier noch ein ziemlich zünftlcrischer Geist herrscht. Der Vertrag imterstcht noch der Itrabstimimir- der Gewerkschaftsmitglieder, doch wird seine Annahme als außer s> age betrachtet. Z» der Zliisstandsbcwcgung der Brooklyncr Straßenbahn- Angestellten liegen solaende telcgraphische Meldungen ans New Dort vom 20. Juli vor: Gestern Abend kam es zu weiteren ernsten Unruhen. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Alle Straßenbahnwagen der zweiten Avenue wurden von einem aus Männern. Frauen und Kindern be- stehenden Volkshaufen mit Steinen beworfen. Auch von den Dächern und aus den Fenstern wurden alle Arten von Gegenständen ge- schleudert. Die Ruhestörer verbarrikadierten die Straßen und es kam vielfach zum Handgemenge mit der sechshundert Mann starken Polizei, welche die Linie bewachte. Mehrere Polizisten wurden mit Knochenbrüchen oder Schädelverletzungen nach dem Krankenhause gebracht. Viele Fahrgäste wurden erheblich verletzt. Aus dvv F*Äuenbcuicgimg. Die Lage der weiblichen Handclsangcstcllten in Leipzig wird durch eine Erhebung der Frau Regierungs-Baumeister Krause beleuchtet. Nach dieser wollte von den arbeitsuchenden Comptoiristinnen ein Drittel, von den Verkänferinnen ein Achtel die erste Stellung antreten. Das bedeutet ein Ueberangebot von jungen Kräften, welches einen verhängnisvollen Druck auf die Lage der Gesamt- heit auszuüben geeignet ist. Das Durchschnittsgchalt für Comptoiristinnen beträgt nicht viel über 50 Mark monat- lich, das der Verkäuferinnen nur wenig mehr. Vielen Angestellten würde es nicht möglich sein, von ihrem Gehalte zu leben, wenn sie nicht bei den Eltern wohnen würden und nur einen Teil ihres Unterhaltes zu bestreiten hätten. Von den 224 Aus- kunftspcrsonen konnten 41 gut auskommen, 79 bescheiden leben, 73 waren auf Unterstützung durch ihre Eltern angewiesen, 31 hatten noch keine Anstellung gefunden. Ans diesen Angaben ist ersichtlich, daß 33 pCt. der Handlungsgehilfinnen nicht von ihrem Verdienste zu leben vermögen. Verkürzung der Arbeitszeit für Konfcktionsarbciterinnen. In E d i n b u r g(Schottland) haben 300 bürgerliche Frauen ein Ntundschreiben an die Verfertiger von Damenkleidern gerichtet, worin sie dieselben mit NamenSunterschrift im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit ersuchen, die Arbeitszeit der von ihnen beschäftigten Arbeiterinnen auf höchstens 8 Vs Stunden für die ersten fünf Wochen- tage und fünf Stunden für den Sonnabend festzusetzen, die Ueberzeit- arbeit aber mit 50 Proz. über den gewöhnlichen Lohn zu bezahlen. Ob der Appell allein genügen wird, die Prinzipale zur Durchführung der vorgeschlagenen Resomi zu bewegen, ist mehr wie zweifelhast, immerhin kann man der guten Absicht die Anerkennung nicht ver- sagen.— Frauen als Richter über Kinder. Aus New D o r k wird berichtet: Hier ist ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, wonach die Vergehen von Kindern unter 12 Jahren von einem Gerichts- Hof, der ausschließlich aus verheirateten Frauen b c st e h t, abgeurteilt werden sollen. Der Grundsatz, daß Mütter die einzigen maßgebenden Beurteiler kindlicher Fehl- tritte sind, würde hier zum ersteumale gewissermaßen staatliche Beglaubigung erhalten._ Uvtzke Mschvichken untt Depeschen. Pariö, 20. Juli.(B. H.) Die Regierung hat dem Regierungs- kommissar in Renncs Befehl gegeben, in dem Prozesse gegen D r e y f u s nur solche Doluiueute in Erwägung zu ziehen, die sich auf das Bordereau oder auf die Ucbermitteluug von Dokumenten, welche die Sicherheit des Landes gefährden, beziehen. Wie allgemein angenommen wird, wird der Dreyfus-Prozeß voraussichtlich bis spätestens 25. August dauern. Paris, 20. Juli.(W. T. B.) Die vereinigten Kammern des Kassaltonshofcs, welche in dem Disziplinarverfahren gegen den Vcrsailler Richter G r o s j e a n zu entscheiden hatten, verhängten über dcnsclbeir eine sechsmonatliche Suspendierung vom Amte wegen Mitteilung eines auf die Drcyfus-Angclegeuheit bc- züglicken Schriftstückes an die Presse. Paris, 20. Juli.(W. T. B.) Wie dem„Tcnips" ans Epinal gemeldet wird, stehen die dort wegen Verdachts der Spionage e r- olgten Verhaftungen in keinem Zusammenhange mit der Angelegenheit des in Nancy festgenommenen Pirschon. Die in Epmal' nach längerer Ileberwachung gestern in Haft gebrachten Per- fönen sind ein dortiger Kaufmann und ein Handlungsgehilfe schweizerischer Nationalität. In derselben Angelegenheit wurden heute mehrere Soldaten verhört. Trieft, 20. Juli.(B. H.) Heute vormittag'/»II Uhr ist Admiral Dcwcy hier angekommen und von dem amerikanischen Gesandten, sowie dem deutschen und französischen Konsul empfangen worden. Alsbald nach der Begrüßung hatte der Vertreter der ,.N. Fr. Pr." eine Unterredung mit Dcwcy, der, um seine Meinung über die Friedenskonferenz befragt, erklärte, er halte nichts davon, denn niemand werde z u c r st abrüsten wollen. Durch den letzten Krieg veranlaßt, werde Amerika mit den Rüstungen sori- fahren und 40 neue Kriegsschiffe bauen; er glaube daher nicht, daß bei solchen Austreiiguugcn Amerikas andere Mächte den Vorteil, den sie durch ihre Rüstniigeii haben, aufgeben würden. Brüssel, 20. Juli.(B. H.) In der heutigen Senats- s i tz u n g antwortete der Ministerpräsident Vandeupeercboom auf eine Anfrage des liberalen Senators und früheren Ministers Bara, die Regierung habe ihre Wahlvorlage' nicht zurück- gezogen, und wenn sie einen Fünfzehner-AuSschuß mit der Prüfung der verschiedenen anderen Wahlvorschläge betraut habe, so beanspruche sie doch volle Verantwortlichkeit für ihre Vorlage. Wenn die Regiernng sich vor einigen Wochen zurückgezogen habe, so geschah das, weil sie dies für den richtigen Weg erkannt habe. Antwerpen, 20. Juli.(B. H.) Am nächsten Sonntag wird im hiesigen Hafen der Aus st and der Hafenarbeiter be- ginnen. Die von den Arbeitern verlangte Lohnerhöhung ist so bedeutend, daß sich bereits mehrere große Handels- Transportgesellschaften entschlossen haben, wenn die jetzige Lage fortdauern', ihre Dampfer nickt mehr i n A n t w e r p e n an- laufen zu lassen. U. a. beabsichtigt dieses die Read Star-Linie. Rom, 20. Juli.(B. H.) Heute früh 5 Uhr fanden wiederum Erdstöße statt, die aber keinen besonderen Schaden anrichteten. Die fortdauernd aus der Provinz einlaufenden Nachrichten lauten trostlos, da das gestrige Erdbeben großen Schaden an- gerichtet hat. Madrid, 20. Juli.(B. H.) Wie verlautet, hat die Königin- Negentin das Dekret der K a m m e r a n f l ö s u n g vor ihrer Abreise nach San Sebastian unterzeichnet. Die Kanimerauflösuiig dürste voraussichtlich nächste Woche stattfinden. London, 20. Juli.(W. T. B.) Im Unterhause teilte Chamber- lain heute mit, er habe von dem Gouverneur der Kapkolonie gestern ein Telegramm erhalten, wonach der britische Agent in Pretoria berichte, daß Artikel 4 der Wahlrechtsvorlagc mit 22 gegen 5 Stimmen angenonimcn sei unter Vornahme folgender Acudcrnngen: In 8 1 seien an Stelle der Worte„wenigstens neun" die Worte„wenigstens sieben" eingesetzt und die Worte von „oder fünf Jahre" bis zum Schluß des Paragraphen gestrichen worden. Hierdurch werde erreicht, daß die Bestimmung, welche die für den Erwerb des Wahlrechts nötige Ansässigkeit in Transvaal auf ieben Jahre bemeffc, rückwirkende Kraft habe. Was die Neuverteilung der Sitze des Volksraads betreffe, so habe er. fuhr Chambcrlain fori, keine aintlicke Mitteilung hierüber, aber eS verlaute, daß die Regierung Transvaals den Tistritten, welche hauptsächlich von Uit- landcrs bewohnt seien, sieben Sitze einräumen wolle. Wenn sich diese Meldung bestätige, so ivürde diese wichtige Abänderung in den Vorschlägen Krügers, verbunden mit den schon rühcr angenoninicnen Zusätzen, der britischen Regiernng die Hoff- ming geben, daß das neue Gesetz sich als Basis einer Ver- t ä ii d i g u n g in den von Milncr bei der Vloenifontciner Konferciiz vertretenen Grimdzügcn erweisen werde._ � Verantwortlicher Ncdacteur: Angnst Jacobcy in Berlin, stür den Inscratrnicil verantwortlich: Ah. Glocke in Berlin. Drink und Verlag von Mar Badivg in Berlin. Hierzu 2 Beilagen und llnierhalenngsvlatt. Hr. 168. 16. rnnm- 1. Dtüllgk Zur Verbanttttngsfrage in Nitszland. Der zarische Uefclil bctrcffcud dic Einschränkung der Vcr- daniiuiig nach Sibirien hat nun dic Nnlide durch dic gcsainte Nlssische Presse gemacht und eine lebhafte Diskussion— unter dem wachende» Auge der russischen Censur!— hervorgerufen. Die Ncgicrung hat zur näheren Prüfung der Frage cmc besondere Kommission eingesetzt und sucht ihre Absichten beznglich des Dcportations- und Gefängnis- Wesens in einen liberalen Schein zu Hullen, indem sie sich zur Ent- gegcnnahmc guter Ratschläge bereit erklärt. Keiner aber, der von russischen Dingen etwas kennt, schreibt natürlich dieser zarischen Anordnung Motive der Humanität in Bezug auf die Vcr- dannimg zu; es ist klar genug, das; cS sich hier nicht um die Verbcssermtg der Lage und Hebung der Gesittung von tauscndcn und tmisendc» Unglücklichen handelt, welche alljährlich den langen sibirischen Trakt wandern müssen, um im weiten, fast wilden S steii. in den kümmerlichsten und robcstcn Verhältnissen, unter der Willkür der verrohten Obrigkeit physisch und moralisch zu Grunde zu gehen. Es handelt sich vielmehr u m d i c Für s o r g e fü r Sibirien, wo jetzt ein kulturelles Leben erivacht, wo sich der verderbende Emflujj der rohen verbannten Krimiualvcrbrcchcr einerseits und der aufklärende, veredelnde und revolutionierende Einflng der politischen Verbannten andererseits sich sehr fühlbar macht. Ist erstem- Einflnx von wirklich groszem Hebel für das Land,— so ist letzterer der Ne- giernng sehr unbehaglich geworden. Man spricht natürlich nur von der Befreiung Sibiriens von Kriminalverbrechern; dag aber die politischen . Tbrechcr" auch in das neue Strafsystem— über das man jetzt zu t e sitzt und das wahrscheinlich grausamer als drc Verbannung selbst ausfallen wird— hineingezogen werde», isr lainn zu beztvciseln. Allem Anschein nach wird die Verbannung durch Einzelhaft mit strengstem Regime und barter Arbeit ersetzt werde». Es werden bereits Projekte von Ricscngcsänginsscn vorgelegt. ist doch das GesängniSwesen der Stolz der russischen Nc- gierung!— und die nächste Zukunft wird uns belehren. wie man, ini urnuzchuten Iahrhtmdcrt durch traurige Erfahrung über die llmvirksamkcit und Schädlichkeit des VcrbnnnnngS- sysirmö aufgeklärt, im zwanzigsten Jahrhundert eine grotzc .Reform" vollzieht: dic Ersetzung der Verbannung durch Riesen- gcfängnisse mir Einzelhaft. Zwangsarbeit und allerlei Grausam- keilen l Empfiehlt doch bereits die„Pcterburskija Wjcdomosti" in Bezug auf die Zwangsarbeit:„man mutz diese höhere Strafe zu einer wirklich so ernsten und schweren machen, daß sie im stände wäre, Furcht vor der Drohung des Gesetzes einzujagen. Mit andere» Worte», man wird dic Zwangsarbeit zu cincr noch härteren machen und in ihr eine» kräftigen Widerstand gegen den verbrecherischen Willen schaffen müssen." Tie meisten Prcszartikcl in Bezug auf die Anordnung vom (3./18. Mai drehen sich hauptsächlich um dic Schilderung des Ein- flusseS der Verbannung auf das Land und auf die Verbannten selbst, und wir entnehmen hier dem„Sin Otctschcstwa" einiges ans einer Schilderung der Verbanunng. Tie gesetzliche Regelung der einfachen Verbannung nach be- stimmten Städten und Dörfern Sibiriens, ivie auch der Verbannung nach der„Katarga" sZwangSarbcit in Bergwerken) datiert vom 17. Jahrhundert, seil dieser Zeit nimmt die Verbannung stelig zu. Anfangs trug sie einen kolonisatorischen Charakter; unter Peter dein Grojjen wurde sie für die Arbeiten in den großen Staalsunternehmnugen in verschiedene» Teilen des Landes verwendet; unter seinen Nachfolgern wurde sie wiederum zum Zwecke der Kolonisation Sibiriens gebraucht. Dic Erfolge der Verbannung in den ersten Zeiten sind nicht leicht fest- zustellen, denn mit dem Strome gerichtlich Verbannter zog zugleich eine Welle freier llebersiedler, welche sich uicisteus in den Grenzortcn niederließen, sich mit Ackerbau bc- schäftigte» und gewiß einige positive Erfolge erzielt haben. Wenn man aber das völlige Mißlsiigc» der ZivaugSkolouisation von Ochotsk in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Betracht zieht, ebenso wie die mißlungenen Versuche der Bcsicdclnng des TransbajtalienS. BarabaS und anderer Gegenden Sibiriens— meist an den großen Flüsse»— so muß man zu dem Schlüsse gelangen, daß dic Verbmmung des vorigen Jahrhnnderts im allgemeinen ein negatives Resultat erzielt hat. Dic augesiedeltcu Verbannte» liefen bei der ersten besten Gelegenheit auseinander und wurden zn den gefährlichsten Landstreichern oder bildeten in den verschiedensten Orten ganze Diebes- und Nänbcrnestcr. So wurde schon im Jahre 180L von Laba und in« Jahre 1822 von Speransky konstatiert, daß„der größte Teil der Verbannten sich ohne jede Beschäftigung in Sibirien herumtreibt". Auch die eifrigsten Bemühungen SpcraiiskqS und feiner Nachfolger vermochten es nicht, die Verbannung in irgend welche geregelten Schranken zn hallen. Im Laufe der Zerr wurde es bei der sucecssiven Ent- Wickelung der tvirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse, namentlich»nt der Enttvickclnng großer handclSindnstricllcr Centre», mit der Verbannung immer schlimmer bestellt. Es hat sich das System herausgebildet, dic Verbannten in den Dörfern von alten stbirischcn Einwohnern anzusiedeln, was aber nur bedeutet, die elenden rmd himgrigen Verbannten dort ihrem eigenen Schicksal überlassen. Hilter solchen llinstäiiden mußte ein hartnäckiger, dumpfer Kampf zivischeu den alten Dorfbewohnern und den Vcrwicsciieii entstehen. Was Wunder, daß immer mehr und mehr Klagen über Grausamkeiten, Widcrgcsetzliebkciten und Willkür ivie der alten Dorfbewohner so auch der Anköinnilinge laut wurden-, letztere hielten es gewöhnlich auf die Dauer nicht auS und zogen cS vor, bei ihrer erstaunliche» Verwegenheit vogelfrci im Lande hcrnmzuschwcifcn und es mit den blutigsten schauderhaften Verbrechen zu überfüllen. Nicht besser als mit der„freien" Verbannung Ivar cS auch mit der ihr nahe verwandten Zwangsarbeit bestellt. Die Verbanunng mit Zwangsarbeit in Sibirien dnticrtvom Jahre 1721. Die Sträflinge wurden zu den Arbeiten in Goldbcrgwcrkcn und in verschiedene» staatlichen»iid privaten Fabriken verwendet. Die Rcsnltatc waren aber auch hier vollständig negative und trotz den kolossalen Ausgabe» seitens des Staates war es unmöglich, auf der Basis der Zwangsarbeit keine blühenden Hntcriichniimgeii zu erzielen. Fern von jeder KoutroNc mißbrauchte dic auch sonst schlechte Verwaltung zu sehr ihre Macht, hielt dic Sträflinge in Vcr- hältuisscn, die den primilivstcu Forderungen eines Kulturmenschen spotten, i»id ließ sie gewöhnlich bei Hnngcrkost übermenschlich ar- beitcn. Wenn nran noch an dic in der Kätorga übliche rohe im- menschliche Behandlung criimcrt, wird es begreiflich, warum die Zwangsarbeit keine giiten Fruchte zeitigen konnte. Neben den ZlvaiigSarbcits-Ecfäiignisicn wurden Niisicdelrmgcn von milder bestraften Zwaiigsarbcitcrn errichtet; diese Ansiedelungeii wurde« aber bald zu den gefährlichsten Vcrbrcchcrncstcrn. Dic zu langjähriger Zwangsarbeit Vcriirtcilrcn, für die jeder Lichtstrahl im Leben miSgcloschcn war, zage» c« meistens vor, dem Gefängnisse zu entfliehen, und nahmen von keinem Mittel Abstand, die Freiheit— und sei es»nr dic Freiheit ciiics verbrecherische» Landstreichers— zu erlangen. In manchen Orten betrug dic Zahl der Eutlaufcncii über 50 Proz. Nach der Aufhebung derLcibcigcnschaft wurden mehrere Zwangs- arbcitSfabrilcn geschlosien, viele Hnteruehmnngcn aufgegeben, 19/20 aller Katorg'nncr hatten keine Arbeit und sanken in ihrer Demora- lisation noch tiefen Da verfiel man auf dic berühmte Insel Sachalin. Dic Insel hatte große Kohlenlager, auch schien ihre geographische Lage Garantie gegen jeden Flnckitverfiich zu bieten. ESschien nichts Vernünftigeres, als den Strom der Sträflinge nach Sachalin zu leiten; mau hatte ausgerechnet, daß der Staat im Laufe von 12 Jahren einen Reingewinn von 000 000 Rubel erhalten kann. Die Bc- rechiiunge» aber schlugen fehl und der Staat erzielte nichts als Deficit. In den 70er Jahren hat sich bereits I.-.-ausgestellt, daß dic Stein- kohicit-Jndustric nicht im stände ist, die immer gimchmciide Zahl der to jHMtls" Wim ü tmammmBm—mtmmmmmmammamtmammmmmmmmmmmmmmtmmi Arbeiter zu beschäftigen, und man mußte wiederum auf neue Bc- schäftigungSinittel sinnen. Man beschloß Ackcrbaukolonien zu gründen, man hat aber die klimatischen und Boden- Verhältnisse der Insel und die stets wachsende Zahl der Ver- bannten nicht genügend berücksichtigt; General- Gouvcncnr Baron Korf mußte bereits im Jahre 1890 konstatieren, daß auch dic Acker- baukolonisatio» sich nicht bewährt habe. Frauen wurden zu Zwangsarbeiten nicht verwendet, dagegen aber zur Förderung des Familienlebens in der Koloiiisniion Zu diesem Zwecke wurden sie einfach unter die Kolonisten „verteilt", oder einfach für daS Ziisainmciilcbcn mit dem einen oder ai, deren„bestimmt". Was für ein„Familienleben" bei der Sitten- losigkcit der Verbannten, was für eine Nachkommenschaft sich bei cincr derartigen Ordniiiig herausbilden koinitc, ist leicht zu begreifen. Trotz den kolossalen Ausgaben des Staates und feine„Vc- täubungen" führten A'ro der Kolonisten ihre Wirtschaft mir zum Schein und laiierten natürlich auf dic erste Möglichkeit, die Insel zn vcr- lassen. Viele Verbannte aber bekoiiniicn weder Arbeit, noch Land, in manchen Orten stieg ihre Zahl bis zn 00 Proz. Auch der Glaube an dic Unmöglichkeit der Flucht ist gescheitert. Die Sträflinge fanden auch auf Sachalin Mittel— wenn auch mit Lebensgefahr— ihrem traurigen Lose zn entfliehen. So lastet das Vcrbaniiuiigslvcscn mit all seinen bedauernswerten Folgen auf Sibirien und es hat dieses Land dermaßen verseucht, daß man ihm nichts besseres wünschen kann, als dic vollständige Ab- schaffling dieses Systems. Kein Land kann eine so hohe Zisicr von Kriminalverbrechen anfweiscn, wie Sibirien; es gicbt Bezirke, wo auf 80 000 Einwohner bis 100 Mordthaten jährlich vorkommen,— von Diebstahl, Betrug, Einbruch niid dergleichen gar nicht zu reden. Man bedenke, daß die meiste» Verbannten die Gemeinden, denen sie zugeschrieben sind, verlassen und frei im Lande herumstreifen. So verzeichnete z. B. die Jrkntskiche Gcfäiigiiisinspcktion im vorigen Jahre mir 17.3 Proz. der sich in ihren Gemeinden befindenden Vcr- bannten; 20.7 Proz. mit richtigen Ablaßzeugnissen verreisten, hielten sich in anderen Orten auf. und 02 Proz.'mußten in die Rubrik „Landstreicher" eingetragen werden I Einige günstige Erfolge wurden mit der Verwendung der Vcr- bannten für die Eisciibahnarbcitcn erzielt. Relativ sehr günstige Arbeitsverhältnisse, Verkürzung der Strafzeit, anständigere Bc- haiidlimg haben ihre günstige Wirkung auf die Arrestanten nicht verfehlt. Nun sind aber die Arbeiten zu Ende, und bereits wird berichtet, daß Züge— diese ersten Förderer der Kultur in Sibirien— seitens der Lniidstrcichcr überfallen worden sind. Diese furchtbaren Mißstände allein gaben den Anlaß zu. der „himiniicii" Absicht der zarischcn Regicriiiig, statt der Verschickung nach Sibirien ein neues Strafsystem zu schaffen. Uolrsiles. Parteigeuossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Der diesjährige Prodi nzial- Parteitag wird am Sonntag, de» 17. September, im Lokale des Herrn Stcchcrt, Aiidrcasstr. 21, stattfinden. Beginn mittags 12 Uhr. Dic provisorische Tagesordnung gebe» wir demnächst bekannt. Den Parteigenossen, hauptsächlich der Provinz, machen wir es zur Pflicht, unverzüglich die Krciskonfcrcnzcn zu berufen zwecks Stclliiiigiiahme zur TageSordiumg und Wahl von Delegierten. Jeder ReichStags-Wahlkrcis ist berechtigt, 3 Delegierte zu entsenden. Den Gewählten ist seitens der Leiter der Kreiskonferenzen bezw. Partei- Versammlungen ein Mandat auszustellen. MandatSformulnrc werden allen in Frage kommenden Kreisen rechtzeitig zugestellt. Mit Partcigruß I A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n für d i e P r o v i n z Brandenburg. I. A.: Carl Diimnick, Berlin 8., Luisen-Ufer 11. Dic Versammlung deS WahlvcrctnS für de» ersten Berliner Wahlkreis findet am Montag, den 24. d. M., in Miegels Restaurant, Stralauerstr. 57, statt. Zur TageSordining steht:„Die Be« deutung der Stadtverordneten- Wahlen". Referent.- D r. Curt Frendenberg. Die Parteigenossen dcö zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreises veranstalten am Sonnabend, den 22. Juli, in dem Lokale der Bockbrauerci, Tcmpelhofer Berg, ein Sommcrfcst. Wie den Genossen bcknmit, soll der lleberschuß des Festes zum Nutzen der Partei verwandt werden und bitten wir deshalb um recht rege Be- tciligung. Die Vertranensmäiiner. Dic Parteigenosse» de» sechste» Wahlkreises begehen ihr Sommcrfcst kommenden Sonntag in Schloß Weißensee. Das schöne Lokal steht den Besuchern ganz zur Verfügung und werden auch die Arrangements für Belustigung und Unterhaltung gewiß den Beifall der Genossen finden. Es ist deshalb eine recht rege Be- tciligrmg erwünscht._ Dic Kindermilch im hetsten Sommer. Wenn da? Thermo- metcr einige Tage bis über 19 Grad ilteaninnr gestiegen ist, dann werden, namentlich in den großen Städten, die Kinder bis zn einem Jahre und auch noch darüber, von Brechdurchfall und ähnlichen Magen- und Darmkraiikheiten ergriffen und hingerafft. Auch hier sind es in erster Linie dic Kinder der Armen, die erliegen, und dic Ursache ist die Schwierigkeit und meist Uimiöglichkeit, den Kindern eine richtige Ernährimg rmd Pflege zn bieten. Vielfach wird auch die Gefahr durch die Uiikciiiitnis der Mütter vergrößert. Deshalb wollen wir hier auf einige in dieser Beziehung sehr wesentliche Punkte aufnrerksam machen. Tie Kuhmilch, wie sie in den Handel kommt, auch die als Sanitätsmilch, Kindcrmilch und mrter anderen schönen Namen ver- kaufte, enthält stets Keime von mikroskopisch kleincii Lebewesen, die zrim Teil unschädlich sind, zum Teil aber auch Krankheiten ver« Ursachen. Dieselben entwickeln sich bei wärmerer Temperatur von 20 bis 30 Grad Reaunmr aus den Keimen binnen wenigen Stunden. Durch stärkeres Erhitzen werden dieselben zum größten Teil getötet. Daher erhitzt nur» die Milch entweder im große» unter Luftabschluß auf 80 Grad Rcarimur und verkauft sie in vcrscklossencti Flaschen als sterilisierte Milch, oder man kocht die des Morgens gekaufte Milch bald ans. Aber nicht alle krankmachenden Keime werden durch das Kochen, auch iveim es länger als eine Stunde dauert, getötet. Selbst ob alle Tuber-kelbazilleiikeime dadurch getötet werden, ist noch nicht er- wiesen. Es ist richtig, frisch sterilisierte Milch enthalt keine ans- gebildete» Mikro- Organismen, Iveil diese sämtlich durch das Erhitzen getötet sind, und in der- kühleren Jahreszeit, wenn da? Thermometer nicht bis a»f 15 Grad Rearimur steigt, und die Milch in verschlossenen Gefäßen aufgehoben wird, entwickeln sich in solcher Milch keine Mikr-o-OrgaiiiSmen. Daher werden auch die kleincir Kinder in der kühleren Jahreszeit selten vom Brechdurchfall ergriffen. Steigt aber die Temperatur dauernd auf 20 und mehr Grad St., so bleibt auch die sterilisierte und die abgekochte Milch nur kurze Zeit baktcriciifrei, denn es entwickeln sich bei dieser Temperatur die vorhandenen Sporen rasch zu krankmachenden Bakterien, welche dic gefährlichen Magen- und Darmcrkraukiliigcn hcrvorrnscn. Hm diese Er- kranlungen zu verhüten, genügt es deshalb nicht, daß Irnlfio, 21.|)ili 1899. man, wie cS gewöhnlich gemacht wird, die des Morgens für den Tagesbedarf gekauste Milch gleich anflocht und sie dainr nach Bedarf für dic einzelne» Mahlzeiten wieder anwärmt. Nur wenn man dic aufgekochte Milch den Tag über dauernd und sicher sehr kühl halte» könnte, wäre man vor cincr Entwicklung der virulenten ftr-aiikmachciidcii) Bakterien sicher. Sonst ist es znm sichern Schutz vor Erkräiikung in der wärmeren Jahreszeit d u r ch aus er- f o r d c rl i ch ,'jedc Milch, auch die sterilisierte, inimer erst noch e i n in a l a u f z n k o ch c n, che man sie den Kindern giebt; im übrigen sie möglichst kühl aufzubewahren. Natürlich muß man auch sonst'darauf achten, daß die Milch nicht entrahmt oder sonst verpanscht ist und größte Sauber- k e i t in jeder Beziehung beobachten, was die Koch- und Trinkgefäße und die Wüsche und Lagerstätte deS Kindes betrifft. Das ist viel wichtiger, als die Verabreichimg von Salcp, Kindermchl, Fcnchelthce und süßem Ungarwein, für den manckie arme Frau vergeblich ihre letzten Groschen hcrgiebt, um ihren Liebling zu retten. Befolgt man aber die im vorstehenden angcgebciie Behandlruig der Milch, ob- gleich dieselbe etwas umständlich ist, so wird niaii die Kleincir weit lichcrcr als sonst durch die heißen Monate bringen. Born Univcrsitätörichtcr der Kunst. Der Musen- a I in a n a ch der Berliner Studentenschaft und der Univcrsitätsrichrcr als Censor. Vor einiger Zeit ist die Frist für die Einlieferimg zum Musenalmanach abgelaufen, das Prersrichtcrkollcgirmr hat seines Amtes gewaltet, und die Kommission dachte daran, mit Unterstützung der Univcrsitätsbchörde saris dem allgemeinen StiideirtenfondS) den Almauach drucken zn lassen, zumal Prof. Erich Schmidt erklärt hat, daß manches hübsckic Talent unter den Mitarbeitern stecke. Der Univcrsitätsrichter Geh. Rat D a u d e hat sich nun aber gegen eine Untcrstützmrg ans dem Studcntcirfonds ausgesprochen, da rinter den Gedichten„zu viele misittlichc Sachen" rvnrcn. Eine Novelle behandle gar die Frage, ob ein rein geistiger Verkehr ohne sexuelle Beimischung zwischen Mann rmd Frau möglich sei. Solche Fragen eigneten sich doch nicht für Studenten 1 Endlich hätten einige Herren eine so schlechte Hand- schrist, daß man schon daraus ihren geringen Ernst erkenne!— Unter diesen Umständen haben die Herausgeber' auf die llnterstützring verzichtet. Sic hoffen, dic nötigen Mittel— 500 M.— auf privatem Wege aufzubringen. — Die Gelehrten streiten sich noch um die Gnindsätze des ästhetischen Urteils, um die Gesetze des Geschmacks. Herr Dande hat das Problem glänzend rmd endgültig gelöst: Es giebt Dichter mit guter rmd mit schlechter Handschrift. Die ersteren sind die Klassiker, die anderen die Stümper. Bleibt mir noch zu erledigen, wohin dic Dichter, dic sich der Schreibmaschine bedienen, zu ordnen sind; daö wird wohl am besten nach dem System der benutzten Maschine entschieden. In den Fällen, wo nicht mit Sicherheit fest-- gestellt werden kann, ob die Handschrift gut oder schlecht ist, wo sie geivisscmraßcn jenseits von Gut nnd Böse steht, wird man die nickit ganz so zuverlässige Nebenfrage nach der Sittlichkeit hilfs- weise heranziehen dürfen. Doch wird Herr Tande hier noch einen bestimmteren und anSführkichcren Sittlichkeitstarif ausarbeiten miiffcn; denn die eine Weisung, daß das Problem des geistigen Verkehrs der Geschlechter, also der Freinidschast, zu den Unsittlich- leiten gehört, genügt nicht für alle Fälle des täglichen Lebens. Man könnte ja, wenn man wissen will, was sich ziemt, jedesmal bei Herrn Dande anfragen— aber er ist doch manchmal auf Urlaub und sonst verhindert, außerdem nicht unsterblich. Mithin wird er sich nicht der Pflicht entziehen dürfen, einen Codex der Sittlichkeit für niigeheiidc Dichter der Mit- und Nachwelt zu überliefern. Einst- weilen wird der UiiivcrsitätSrichtcr im nächsten Semester das von ihm entdeckte Grundgesetz der Acsthctik, dic Daudcsche Werttheorie, in öffentlichen Vorlesungen den Studenten näher bringen. Die Große Berliner Straßenbahn hat den zuständigen Behörden das Projekt einer iicncir Straßenbahnlinie vorgelegt. Die iicrie Linii führt durch dic Wakdenrarstraße über den Larisitzer Platz, durch dic Lansitzcrstrnße bis zur Wicncrstraße, dniin auf den vor- handenen Geleffen der letzteren Straße bis zum Spreewald-Platz und von hier mit cincr Knrvenverbiiidung nach der Griinaiicrstraße rinter Bcmitznirg der Geleise von Siemens n. Halske bis zur Rcichenbergerstraßc. von hier unter Benutzung vorhaiidcircr Geleise der Straßenbahn durch dic Glogaiierstrasie bis zur Thielen-Brücke Tic Bestände dcö Kolonial- Museums an der Moltke- brücke werden augenblicklich ans deiicu deS M u s e u m s für Völkerkunde ergänzt. Auf Anordnung deS Killtnsininisters sollen nämlich die im Bülkcrmiiscrnn vorhandenen Duplikate oder solche Gegenstände, die hier leinen Platz flndcn können, dem Koloiiial-Miisenm, dessen Renovierung und Erweiterung jetzt beendet ist, als Geschenk oder leihweise überwiesen werden. Eiilhuudertiindzwci an Hitzschlag erkrankte Hnnde sind teils durch die Polizei teils durch Privatpersonen in den letzten acht Tagen in die beiden Depots des Deutschen TierschntzverciiiS cingeliefert worden. Die sämtlichen gefallenen Tiere sind Ziehhunde, die' auf der Straße vor den Fuhrwerken infolge Erschöpfung zn- sammengcbrochcn Ivaren. Diese Thatsachen beweisen wiederum, daß der Hnno ein drwchauS ungeeignetes Zugtier ist, welches ganz bc- sonders der Hitze gegenüber keinen Widerstand entgegenzusetzen ver- mag. Die Besitzer der Ziehhinide erleiden infolgedesscir nicht nur viele Unannehmlichkeiten, sondern auch durch Zeitverluste häufig bc- deutenden Schaden. Dic hiesigen Handelsleute haben auch bereits den erheblichen Vorteil erkannt, der ihnen durch Benutzung von Eseln als Zugtiere entsteht und so hat sich die Nachfrage nach den Langohren rmgcmein gesteigert. Täglich laufen bei dem Deutschen Ticrschntzvercin, der nebenbei bemerkt, am Sonnabend den sechsten Transport erhält, Bcstellrmgcn auf Esel ein, rmd zwar fast ausschließlich von feiten kleinerer Händelslente, so daß der Verein nur mit Mühe in der Lage ist, den an rhu gestellten Ansprüchen gc- recht zu werden. Dic Verlegung der Centrale der Rcttnngsgcsellschast, bisher Obcrwnsserstr. 10, die mit allen Krankenhäusern, Rettrings- wachen und mit den drei Krankentransport- Geschäften in direkter fernsprechcrischcr Verbindung steht und den Verkehr zwischen diesen Anstalten rmd dem Publikum Tag nnd Nacht vermittelt, in das Langenbcckhans, Ziegclstr. 10/11, wurde in der letzten Vorstands- sitzung der Berliner NcttniigSgcscllschaft beschlossen. Sie wird Anfang Oktober d. I. geschehen. Die Ueberficdelnng wird wegen der er- hcblich vermehrten Jiiansprnchnahme der Ccntr-ale zur Notwendigkeit. In den neuen Räumen wird dic Ccirtralc ihrer Vedcutimg' ent- sprechend eingerichtet und dein Publikum und den Aerzteu zugänglich gemacht werden. Das rätselhafte Verschwinden einer durchreisenden Frau be- schäftigt gegenwärtig die Behörden. Am 10. d. MtS. traf die am 10. November 1874 geborene Kaiismaiinsfran Llnna Elxleben, geb. Dittcrt, die in der Kleinen Gartenstr. 1a zu Brandeiiburg wohnt, auf dem hiesigen Potsdamer Bahnhof ein, um in der Kirschen-Allee auf Westend eine Frau K. zu besuchen. Die Fremde gab ihr Gepäck auf dem Bahnhof bei der Pnckctsahrt-Gesellschaft zur Weiterbeförderung auf, ist aber selbst nicht au ihrem Reiseziel angelangt und wird seitdem vergebeirs gesucht.' Dic kräftig gebaute Frau hat hellblondes Haar und blaue Augen, einen kleincii Mund, eine spitze Nase, ist etwa 1,00 Meter groß und trügt am Obcrkicser ein ans vier Zähnen be- stehendes künstlickies Gebiß. Sie trug ein schivarzcs Kleid mit Moirv-Einsatz und einer silbernen Schnalle und einen mit lilancn Veilchen besetzten Hut. In einer Umhängetasche aus braunem Lcdcr führte sie ihre Schlüssel nnd ihr Geld mit sich. Dic Wäsche ist mit den Buchstaben A. E. versehen. stsestgeilommen ist der.Gerichtsassessor Stern", der, wie wir mitteilten. Bcstcllschwindcl in größerem Maßstabe ausführte. Der angebliche BcrichtSasscssor, in Wirklichkeit ein ehemaliger- Kanfmann. hat ganz besonders auswärtige Briefmarkenhändler geschädigt, indem er sich Auslvahlsendungen kommen ließ und die ihm gesandten Waren, die er natürlich nie bezahlte, in Berlin verkaufte. Der Schwindler dürfte jedenfalls für längere Zeit' unschädlich gemacht werden. In der Narkose gestorben ist am Mittwochvormittag um Uhr die öS jährige KaufmannSfrau Hedwig Waldmann aus der Bnckowerstr. 14, die wegen eines bevorstehenden Ereignisses eine Privatklinik aufgesucht hatte. Die Narkose wurde vorschriftsmäßig durchgeführt. Ein von den Aerzten nicht vorauszusehender Umstand scheint den Tod herbeigeführt zu haben. Ein Uldglücksfall ereignete sich gestern in der Buchdruckerei von Hermann in der Bcuthstraße. Eine Arbeiterin geriet mit dem Arm unter die Eisenstange des Cylindcrs, wobei ihr der Arm völlig zerquetscht wurde. Die Verunglückte wurde nach Anlage eines Not- Verbandes der Unfallstation zugeführt. . Vom Dach gestürzt. Der Lehrling Oswald Lindemann, der nut zwei Gesellen auf dem Dache des Potsdamer Hauptbahnhofes Klempncrarbciten ausführte, rutschte vom Laufbrett des Daches her- unter und fiel auf das ungefähr in gleicher Höhe befindliche Glas- dach eines unmittelbar daneben liegenden Luftschachtes. Der Lehr- ling brach durch die Scheiben, blieb aber glücklicherlveise mit den Armen im Rahmen hängen und wurde von den beiden Gesellen Ivieder auf das Dach gezogen. Beim Fallen durch die Scheibe hat er nur eine Schnittwunde am Schienbein davongetragen. Eine Panik im Strastcnbahnwagen verursachte am Mittwoch- abend in der Schdelstraße das Durchreißen des Ankers an der automatischen Bremse. Der vollbesetzte Wagen schoß in rasendem Tempo über die Haltestelle hinaus, durchquerte den Spittclmarkt und erst in der Leipzigcrstraße gelang es den krampfhaften An- strengungen des Wagenführers, den Wagen mit der Handbremse zum Stehen zu bringen. Dabei erhielt ein auf dein Vorderperron stehender Pferdebahn-Beamtcr einen Stoß, so daß er vom Wagen flog Als ein Wunder ist es zu bezeichnen, daß bei dem dort herrschenden starken Verkehr kein größerer Unfall verursacht wurde. Vergiftet hat sich in der Nationalgnlcrie der dort angestellt qe- wesene Hausdiener Robert Wächter aus der Biesenthalerstraße. Kurz vor Schluß der Besuchszeit benierkte am Donnerstagnachniittag gegen 3 Uhr ein Museumdiener den Hausdiener, der sich in den unteren Räumen auf einer Ruhebank niedergelassen hatte und ein verändertes Aussehen zeigte. Wächter hatte bereits die Sprache ver- koren und wurde von einem herbeigerufenen Schutzmann in einer Droschke nach einem Krankenhaus gebracht. Dort schied er gleich nach dem Eintreffen aus dem Leben. Bei ihnr befand sich ein an die Eltern gerichteter Brief, in dem der Sohn sie bittet, sie möchten sich nicht um ihn grämen: er habe den Tod gesucht und gefunden. Die Art des genossenen Giftes und die Ursache sind vorläufig nicht bekannt. Im Tiergarten vergiftet hat sich der 43 Jahre alte Kellner- Robert Walter aus der Wicuerstr. 33a. Er ist seit Jahren lungen- leidend und konnte seinem Berufe nur noch aushilfs- chni® nachgehen. Mittwoch früh fanden ihn Schutzmänner des 33. Polizeireviers in der Nähe des Großen Sterns röchelnd auf und brachten ihn nach einem Krankenhaus. Bei der Ankunft daselbst Ivar der Tod schon eingetreten. W. wollte seiner Frau, die durch Näharbeit den Lebensunterhalt verdient, nicht zur Last fallen. . In Erstickungsgefahr schwebten mehrere Personen anläßlich eines Fabrikbrandes, der Mittwochabend 9Vs Uhr in der Schilling- straße 17/18 zum Ausbruch kam. Das Quergebäude dient im Erd- geschoß als Lagerraum für Papier, während der erste Stock in seiner ganzen Ausdehnung von der Kofferfabrik von Karschner zu Fabrik- räumen eingerichtet ist. Der 2. Stock, sowie das Dachgeschoßrmhaltcn Familienwohnungen. Das Feuer kam in der Kofferfabrik aus und fand an den dort lagernden Papp-, Papier-, Koffcrvorräten und Rohmate- rialien so reiche Nahrung, daß der ganze Fabrikraum in kurzer Zeit ein Flammenmeer bildete. Da die Familie» des 2. Stockes mit Ausnahme verschiedener Kinder wegen eines Ausfluges nicht anwesend waren, drangen einige Hausbewohner über die' erst teilweise verqualmten Treppen vor, um die Kinder in Sicherheit zu bringen, was auch noch vor Ankunft der Wehr gelang. Mittlcrivcile ivar aber den im Dachgeschoß wohnenden anwescnden Personen, der 72 jährigen Witwe Krause und ihrem 73 jährigen Aftermieter Fr. R o st der Rück- weg über die Treppe infolge dicken Qualms abgeschnitten. Die etwas schwerhörige Frau Krause war noch mit Waschen in der Küche beschäftigt, während Rost bereits im Bette lag. Wahrend nun ein Teil der von der Gefahr der beiden alten Leute benachrichtigten Feuer- wehr auf Leitern zu dem Brandherde vorging, wurde vorsichtshalber das Sprungtuch ausgebreitet, den Bedrohten aber gleichzeitig zugerufen, nicht zu springen, sondern noch wenige Minuten auszuhaltcn. Mit Rauchschutzvorrichrungen versehene Sappcure drangen nun nach oben. Der alte Rost war infolge des Schreckes zum Gehen unfähig, weshalb er über die Treppe herabgetragen werden mußte, während die Witwe Krause, von zwei Sappeuren geführt, den gefährlichen Weg zurücklegte. Beide Gerettete hatten zwar viel Rauch zu schlucken, befanden sich aber heute früh wieder wohl.— Die Fabrik- räume sind total ausgebrannt, doch konnten die übrigen Stockwerke gehalten werden. Der verursachte Schaden ist groß. Wodurch der Brand entstanden ist, konnte nicht ermittelt werden, da das Arbeiter- Personal die Räume schon um 7 Uhr verlassen hatte. Straßensperrnng. Die Waßmannstraße und die Webcrstraße, beide von der Elisabeth- bis zur Landsbcrgerstratze, werden wegen Verlegen von Straßenbahngeleisen vom 24.' d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Aus den Nachbarorte». Der Arbeitcr-Bildnngsvercin von Oberschöneweide und Umgegend hält am Sonnabend, den 22. Juli, abends 8Vz Uhr, seine Vereinssitzung im Restaurant Haferland ab. Gäste sind willkommen. Bannlschulcnwcg, Der Rauchklub„Waldmeister" veranstaltet am Sonnabend, den 22. d. M., in Ackermanns Lokal ein Vergnügen. Wir weisen darauf hin. daß dieses Lokal der organisierten Arbeiter- schaft nicht zur Verfügung steht.— S ch i e f k e, Mitglied der Lokal- konunission. Schöncberg. Am Montag, den 24. Juli 1899, abends 8j Uhr, spricht Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil im Klubhause, Hauptstr. 6/6, über:„Die Socialdcmokratie im deutschen Reichstage". Der Vertrauensmann. Schöneberg. Der Rauchklub„Gemütlichkeit" feiert am 22. Juli im Schwarzen Adler, Hauptstr. 134, sein Stiftungsfest. Das Lokal steht der Arbeiterschaft zu Versanimlungcn nicht zur Verfügung. Die Lokalkommission. Fvicdrichöfclde. Die alten, schattenspendcndcn Linden sollen nun doch bei der etwaigen Regulierung der Berliner Straße erhalten werden. In der letzten Gcmcindevcrtretcrsitzung wurde in diesem Sinne beschlossen. Sodann wurde über eine Petition der Kolonie Carlshorst, die die Abtrennung von Fricdrichsfelde und Bildung einer eigenen Gemeinde fordert, verhandelt. Die Vertreter aus Carlshorst, speciell Herr Baumeister Gregorovius, begründeten dieses Verlangen damit, daß in Carlshorst nur besser situierte Leute, in Frie- drichsfc'lde dagegen mehr Arbciterbcvölkerung wohne. Die Carls- Hörster müßten deshalb verhältnismäßig zuviel Steuern aufbringen, ohne entsprechende Gegenleistung von' der Gemeinde zu erhalten. Die Gemeindevertretung hatte jedoch wenig oder gar kein Mit- empfinden für die Leiden der Carlshorster und lehnte die Pe- tition ab. Allgemein wird ein Uebclstand unangenehm empfunden, der dringend der Abhilfe bedarf. Auf der Chaussee nach Carlshorst be- findet sich für Fußgänger kein abgeteilter Steg. An Sonn- oder Reimtogc» ist aber der Wagenverkchr ein so starker, daß die Passanten in Gefahr kommen, Übersahren zu werden. Besonders den Sport- fexen beliebt es nach Verlassen der Rennbahn auf dein Nachhanse- wcge eine kleine Wettfahrt zu veranstalten, sodaß die Fußgänger oft ihrer Sicherheit ivegen in dem Chansscegraben laufen. Vielleicht sind noch einige Polizei'beamtc zu dem Dienst übrig, diesem gefährlichen Ilnfng zu steuern. Die dicht am Ccntral-Fricdhof gelegene Franke'sche Windmühle ist nun auch dem Verkehr zum Opfer gefallen. Ter Bahnfiskus hat das Gelände zur Vergrößerung des Bahnhofes angekauft und hat das letzte Stündlein der Mühle geschlagen. Der Protest gegen die vorjährigen Krcistagswahlen im Kreise Teltow stand gestern vor dein Bezirksausschuß in Potsdam zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Berivaltnngsgerichts-Direktor Joachim, Referent war Herr Rcgiernngsrat Keßler. Nach ziveistündigcr Verhandlung wurde die Klage zurückgewiesen. Der Protest richtete sich nicht bloß dagegen, daß die Wahlhandlung im Krcishause weit über die Mitternachtsstunde hinaus ausgedehnt»nd dadurch vielen Wahl- berechtigten die Ausübung ihres Stimmrechts unmöglich gemacht wurde, sondern es wurde auch behauptet, daß Besitzer, deren Grund- stücke sich in Snbhastation befanden oder antichretisch verpfändet waren, an den Wahlen teilgenommen haben.— Der Bezirksausschuß schloß sich indessen den Ansführimgen des Beklagten, des Landrats des Kreises Teltow, an und gelangte zu dem obenerwähnten Urteil. Der städtische Arbeitsnachweis in Schöncberg wird nunmehr am 1. Angnst d. I. eröffnet. Derselbe vermittelt Be- schäftignng in jeglichein Beruf und für beiderlei Geschlecht einschließlich Lehrlinge und Tienstboten. Die Verncittelung erfolgt sowohl für Arbeitgeber, als auch für die Arbeitnehmer lLehr- linge, Dienstboten) unentgeltlich. Der Arbeitsnachweis ist geöffnet: a) für männliche Arbeitnehmer einschließlich der Lehrlinge an Wochen- tagen im Winter von 8 bis 1 Uhr vormittags(im Sommer von 7 bis 12 Uhr vormittags), an Sonn- und Feiertage» von 8 bis 9 Uhr vormittags, ausgcnommcn ain 1. Wcihnachts-, Oster- und Pfingst- feiertag, Bußtag und Karfreitag: b) für weibliche Arbeitnehmer ein- schließlich der Dienstboten an Wochentagen von 3 bis 8 Uhr nach- inittags, an Sonn- und Feiertagen, ausschließlich der vorgenannten Feiertage, von 9 bis 10 Uhr vormittags. Die Anmeldungen um Zuweisung von Arbeitern k. können mündlich— eventuell telephonisch— oder schriftlich unter Benutzung der im Arbeitsnachweis unentgeltlich erhältlichen Formulare erfolgen. Ein bedanerlicher Unfall ist gestern dem Militär-Jnvnliden Hannemann in Schöncberg zugestoßen. H.. der seinen Lebens- unterhalt niühsclig durch Drchorgclspiclcn bestreitet, wollte gerade die Bahnstraße überschreiten, als ihn ein Schlvindelanfall ergriff und er zu Boden fiel, wobei der schwere Leierkasten auf ihn herabstürzte. Der alte, gebrechliche Mann hat durch den Sturz schwere innere Verletzungen erlitten. Man brachte ihn sofort nach dem Kranken- Hause. In eine Kalkgrube gefallen nnd schwer verbrannt ist am Mittivoch nach Feierabend der Arbeiter G. auf einem Neubau im Fricdenaucr Ortstcil zn Schöncberg. Die Kleider waren ihm buch- stäblich vom Leibe gerissen. Auf seine Hilferufe eilten einige zn- fällig noch anwesende Arbeiter zu feiner Rettung herbei, sonst wäre crfzwcifellos umgekommen. Da der Kalk noch ganz heiß war, so hat G. sehr bedenkliche Brandwunden erlitten, die seine Aufnahme in ein Krankenhaus erforderlich niachtcn. Die Einwohnerzahl von Schöncberg belicf sich nach de» amtlichen Ermittelungen am 31. Mai d. I. auf 77 476 Seelen, und zwar wurden 42 619 weibliche»nd 34 866 männliche Personen ge- zählt, so daß es in Schöncberg 7744 Frauen mehr als Männer, oder auf 46 Männer 66 Frauen gab. Mit Einschluß der Militär- Personen hat danach die Stadt gegenwärtig etwa 82 999 Einwohner. Bei der l e tz t e n Volkszählung am 2. Dezember 1895 betrug die ortsanwescnde Bevölkerung Scköncbergs einschließlich des Militärs 62 634 Personen, ist also seit jenem Zeitpnnlt, d. b. in 3V2 Jahren, um rund 19 599 Einwohner gewachsen, während die Volkszählung am 1. Dezember 1899 für Schömberg etwa 28 999 Bcivohncr ergab, so daß sich innerhalb der letzten 8�/2 Jahre die Zunahme auf rund 53 599 Personen belaufen hat. Ein schwerer Unglücksfall hat sich in dem ehemaligen Dorfe D ö b c r i tz bei Spandau ereignet. Der zur Kommandantur des Schießplatzes Döberitz gehörende Fencrwcrkshanptmann Reuter feierte seinen Geburtstag, nnd das Schießplatz-Arbciis- und Ziclbau- Kommcmdo wollte feinen Vorgesetzten durch Abbrennen eines Feuer- Werkes ehren. Durch zn frühes Ziehen der Zündschnur explodierte ein„Kanonenschlag" vorzeitig, wodurch ein etwa vier Schritt davon entfernt stehender Füsilier des 5. Garderegimcnts z. F. schwer an Beinen und Unterleib verletzt wurde nnd sofort mittels eines Wagens in das Spandauer Garnisonlazarctt transportiert werden mußte. Ein frecher EinbrnchSdicbstahl ist bei dem in der Wanzlick- straße 3 wohnhaften Gürtler Angclrarh in Rixdorf verübt worden. Frau A. hatte sich nur auf einige Minuten aus ihrer Wohnung cnt- fernt und dieselbe beim Vcrlafscn zugeschlossen. Als sie wieder zurückkam, merkte sie, daß sich Einbrecher die kurze Zeit ihrer Ab- Wesenheit zu nutze gemacht hatten, denn außer mehreren Ringen, welche auf einem Tische in der Stube gelegen hatten, wurden noch verschiedene andere Schmuckgcgcnstände vermißt. Geld ist den Dieben glücklicherweise nicht in die Hände gefallen. Die Rettungsstation am Müggelsee, die von den Ruder- vereinen Berlins am RahnSdorfer Äemünde errichtet werden soll, ivird in diesem Jahre unter keinen Umständen mehr in Thätigkcit treten können, da die Regierung, als Eigentümerin der als Bauplatz auserlesenen Landzunge fMolo), die Erlaubnis für den Bau ver- weigert hat. Inzwischen bleibt die provisorische Rettungsstation be- stehen und wird nach wie vor von dem Fischcrmcislcr Linscncr auS Ncu-RahnSdorf verwaltet werden. Sociales. Die neugierige Bnrcaukratie. Durch eine Verfügung der Eisenbahndirektionen ivird den ihnen unterstehenden Bahnhofs- Wirten aufgetragen, über ihre Einnahmen aus den einzelnen Ver- kaufsgcgcnftänden genau Buch zu führen, so daß der Brntto-Ucbcr- schuß' leicht zu ersehen ist. Warum wohl die Wißbegierde des Eisen- bahnfiskus? Nun sehr einfach. Die Kontrolle hat den Zweck, die Pachten möglichst in die Höhe zu schrauben. Stellt sich heraus, daß dem Wirt trotz der hohen Pacht, die ja heute schon allcrwärts auf den Bahnhöfen gezahlt werden muß, doch noch ein höherer lieber- schuß bleibt, wird er gesteigert. Nun muß ivieder der Wirt suchen, den Mehrbetrag heraus zu schinden. Das gc- schieht nach zwei Richtungen hin: Einmal ivird das Publikum geschröpft und dann nicht minder das Dienstpersonal ausgepreßt. Die hohen Bahnhofsprcise und die kleinen Portionen sind schon jetzt bei dem reisenden Publikum berüchtigt: leider ist es vielfach aus die BahnhofS-RestaurantS an-clvicscn. lind das Personal? Man braucht nur die Kcllnerbnrschcn— Bahnhöfe sind als Lehrlings- züchtereien bekannt— anzusehen, müde nnd schlaff verrichten sie ihre Arbeit, die häufig von früh um 6 Uhr bis gegen Mitternacht währt. Viel richtiger wäre eS. wenn die Eisenbahn-Verwaltnng in die Kontrakte, die sie niit den Bahnhofswirten abschließt, Bestimmungen träfe über die Bedingungen, unter denen in den vom Staate ver- pachteten Etablissements die Angestellten beschäftigt iverden dürfen. DaS würde dem„Staat der Socialreform" bester anstehen. Der Vorstand der Stadtköliiischcn BcrsichcrungSkasse gegen Arbeitslosigkeit im Winter beschloß in seiner letzten Versamm- lung. den Endtermin für die Einreichung der Versicherungsanträge zu verlängern. Die Beitretenden haben einzuzahlen 8,69 M. in wöchent- lichen Beiträgen von 25 Pf., dafür hat der Versicherte in der Zeit vom 15. Dezember bis 15. März acht Wochen lang Anrecht auf Tagegelder, falls passende Arbeit nicht nachgewiesen werden kann. Das Tagegeld beträgt für die ersten 21 arbeitslosen Werktage 2 M. für den verheirateten nnd 1,59 M. für den»»verheirateten Versicherten, für die übrige Zeit ist daZ Tagegeld auf die Hälfte fest- gesetzt. Ans dev beste» der Welten. In Zittau(Sachsen) hat die llntcrsuchnug der Schulkinder für die Ferienverpflegung ein überaus trauriges Ergebnis geliefert. Das„Zittancr Amtsblatt" berichtet darüber: Es waren 116 Knaben und' 148 Mädchen, zusammen also 264 Kinder, die dem Arzte zugeführt wurde». F a st n u s n a h m s- los dürftig genährte blutarme und schwächliche G e st a l t c n. e u t st a m in t e n sie i n s g e s a nr t k ü m m e r- lichen häuslichen Verhältnissen. Waisen, die fremdes Brot essen, und Abkömmlinge aus linder- reichen Arbeiterfamilien, bei denen oft Schncal- Hans K ü ch e n in e i st e r i st, waren in großer Zahl darunter, nnd mit verschwindend wenig Ausnahmen mußten alle Vorgestellten als bedürftig der Wohlthat der Ferienpflcge anerkannt werden. Leider reichen die Mittel nicht ans, um den armen Kindern eine Fcricnkarte zukommen zu lassen. Bestenfalls können 189 Kinder beteiligt werden, während ca. 99 Kindern, die berufen waren, aber nicht anserwählt werden konnten, eine empfindliche Enttäuschung bereitet werden wird. Sociale Merijkspftege. Muff der Faktor einer kleineren Druckerei Korrektur lesen? Der Druckereibcsitzer Baum hatte seine Buchdruckerei an eine Frau Vogt verkauft und sie dann wieder von ihr gepachtet. In dem Micts- vertrage verpflichtete er sich, den Gatten der neuen Besitzerin für die Dancr des Vertrages gegen einen Wochenlohn von 33 M. als Faktor und technischen Geschäftsleitcr zn beschäftigen. Baum cnt- ließ nach einiger Zeit den Faktor. Vor dem Gelverbcgcricht, an das sich Vogt'dann wandte, machte Baum unter anderem geltend, der Kläger wäre verpflichtet gewesen, Korrektur zu lesen, habe das aber schließlich niit SRiicksicht auf seine etwas angegriffenen Augen abgelehnt. Nach laugen Verhandlungen, die sich durch mehrere Sitzungen der Kammer VlII hindurchzogen, verglichen sich die Parteien. Der Kläger tritt wieder in das Geschäft ein und es wurde ihm anheimgegeben, sich zum Korrekturlesen ans dem Personal der Druckerei eine geeignete Kraft auszusuchen. Die Ver- antlvortung muß er aber tragen.— Der Vorsitzende Dr. Meier publizierte als Ansickit des Gerichts folgendes: Das Gericht sei der Meinnng, daß es zu den O b l i e g e n h e i t e n d c s Faktors und technischen Geschäftsleiters eines kleinen Vuchdruckercibetriebes gehöre, die Kor- rcktur zu lesen nnd die Verantwortung dafür zu tragen. Wenn er erkläre, daß er nicht dauernd dazu im stände sei oder daß er es nicht nichr wolle, dsmi sei das einer der wichtigen Gründe, die zur sofortigen Lösung des AnstellniigsvertrageS von Betricbsbcamtcn, Werkmeistern, Abteilungschefs:c. berechtigten. Der Kläger hätte deshalb abgewiesen werden müssen, wenn es zu einem Urteil gekommen wäre. Die„hingezogene" Entlassung. Der eine Chef der be- kannten Firma Gebrüder Aschinger beobachtete am 13. April in dem großen Hofbrän- Ausschank in der Leipzigerstraße, wie der Busfetier L. seinen Arm um ein Mädchen legte. Herr Aschinger machte darauf dem Geschäftsführer G. Vorhaltungen, daß so etwas in seinen Lokalen nicht vorkommen dürfe: L. w erde entlassen! Der Geschäftsführer wandte sich nun an L. und sagte zu diesem, er„werde wohl" seine Stellung verlieren. Wohlwollend gab er L. den Rat, Herrn Aschinger um Verzeihung zu bitten. L. sprach denn auch mit Aschinger und erzählte nachher dem Geschäftsführer, der Chef wolle sich die Sache nochmal überlegen. Am nächsten Tage ersch en jedoch ein Ersatzmann für L.. so daß letzterer nicht mehr arbeiien konnte. Herr G. bemühte sich noch wiederholt, L. zu einer Rücksprache mit der Firma zu veranlassen. Auch wollte er mit ihm zn einem Stammgast gehen, damit der betreffende Herr bei den Chefs für L. eintrete. Es wurde indessen nichts daraus. Gelegenl- lich eines Besuches forderte L. den Geschäftsführer auf, � doch nun endlich eine Entscheidung herbeizuführen. Am 19. Juni erst erfuhr L. in unzweideutiger Weise, daß er entlassen sei.— Die Angelegenheit beschäftigte kürzlich die Kammer VI des Gewerbcgcrichts. L. ver- laugte eine größere Lohiicntschädignng und der Gerichtshof billigte ihm insgesamt 295 Mark zn. Gcwerberichtcr Dr. Krause führte begründend ans: Das Gericht sei der Uebcrzeugnng. daß am 13. April eine Entlassung nicht stattgefunden habe. Eine Entlassung müsse dem Betroffenen gegenüber ausdrücklich und unzweideutig ans- gesprochen werden. Hier habe der Chef nur zu dem Geschäfts« führcr gesagt, L. werde entlassen. nicht aber zn dem Kläger; und der Geschäftsführer habe dem Kläger gegenüber nicht erklärt, er fei entlassen. sondern,— er„werde wohl" seine Stellung verlieren. Die letzte Acußcrung könne unmöglich als Eni- lassung angesehen werden. So habe denn der Kläger zur Tis- Position gestanden, bis am 19. Juni seine Eiitlassnng unzweideutig ausgesprochen worden sei. Für die Zeit vom 13. April bis zum 19. Juni küime er deshalb eine Entschädigung verlangen. Eintägige, unentschuldigte ArdeitSversänmnis alS Ent- lassnngsgrnnd. Gegen eine Lohncntschädignngsklnge der Näherin E. machte die beklagte Schneiderin vorder Kammer l des Gewerbegcrichts geltend, daß die Klägerin eines Tages von der Arbeit fortgeblieben sei. Die Klägerin berief sich zur Nechlfcrtignng ihres Fernbleibens darauf, daß ihre Mutter krank gewesen sei und ihrer Hilfe bis zum Nachmittag bedurft habe. Dann wäre sie, Klägerin, allerdings noch zn einer Hochzeit gegangen. Es wurde festgestellt, daß sich die Klägerin am fraglichen Tage nicht entschuldigt hat. Ihre Klage wurde mit der'Begründung abgewiesen, daß Arbeiterinnen nnd Arbeiter sofort entlassen werden können, wenn sie den Arbeit- gebcr an einem Arbeitstage ohne alsbaldige Entschnldignng im Stiche lassen. GevUszks�cikimg» DaS polizeiliche Ermessen. Der Handschuh- und Kravattcn- Händler Meier hat vor seinem Geschäft in der Ncandcrstraße zwei Schaukästen angebracht, die durch eine Lampe beleuchtet werden. Der Polizeipräsident erließ vor einiger Zeit an ihn eine Verfügung, worin M. aufgegeben wurde, die Laternen zu entfernen, weil sie nicht drei Meter, sondern 2'/« Meter über dem Erdboden angebracht seien. Auf eine Beschwerde erklärte der Oberpräsidcnt die Verfügung ans vcrkchrspolizcilichen Gründen für berechtigt. Die nunmehr eingelegte Klage wurde vom Ober- Verwaltuugsgcricht ebenfalls znrückgewieseli, nnd zwar erhielt Herr Meier einen sogenannten Vorbescheid. Besonders interessant sind die folgenden Ansführnngcn des Gerichts: Es sei Sache der Polizeibehörde, zu e r in essen und zu bestimmen, in welcher Höhe sich Laternen befinden müßten, die von Privatleuten am Bürgerstcige und auf dem Bürgcrsteige angebracht würden. Gleichgültig wäre, ob die Lampen an Schaukästen oder am Hause befestigt seien. Der Kläger habe nun geltend gemacht, daß er am gegenüber liegenden Hanse vor seinem Ilmzuge sieben Jahre lang ganz dieselbe Be- leuchtnngSvorrichtung besessen habe. Dem sei ciitgegcnznhaltcn, daß nach der Ucbersicdclnng die Anlage als eine uene anzusehen 'ei. Aber selbst wenn M. nicht' verzogen wäre, hätte die Polizei die Beseitigung der Lanipen jederzeit in dem Augen» blick verlangen können, wo sie der Ilcbcrzengung wurde, daß die in der fraglichen Höhe auf den Kästen' angebrachten Lampen aus vcrkehrSpo'lizeilichcn Gründen dort nicht bleiben könnten. Der Kläger gab sich mit dem Vorbescheid nicht zufrieden, er ver- langte einen Termin zur mündlichen Verhandlung. Vor dem vierien Senat betonte sein Vertreter dann, daß gerade in der Stadtgcgend, wo der Kläger wohne. Hunderte von Lampen vor den Geschästcn in geringerer Höhe wie drei Meter angebracht seien, ohne daß die Polizei einschreite. Wenn schon ein VcrkchrSintcresse vorliegen solle, dann träfe es doch für alle zu. Auch hätten die Lampen den Verkehr vorher nie gestört. Der Senat hielt indessen seinen Vor- Kescheid aufrecht und der Vorsitzende tr Meyeren betonte noch ganz besonders, das die Lampen des Klägers ivcichen müßten, selbst wenn in Tausenden von Fällen die Polizei nichts dagegen einlvende, das, Geschäftslampen am Biirgersteige niedriger hingen, wie drei Meter. Beim Hinausgehen erklärte der Kläger, das hätte er ja nur erfahren wollen, ob andere dürften, was man ihm verwehre. Keine Anzeigepflicht der Acrzte bei Kindbcttficber. Der praktische Arzt Hoppe sollte sich gegen eine Polizeiverordnung vcr- gangen haben, die es den Aerzten zur Pflicht macht, nach Fest- ftellung von Kindbettfiebcr hiervon sofort die Behörde zu benach- richtigen. Das Schöffengericht sprach jedoch den Beschuldigten frei und das Landgericht verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft. Die Gerichte gingen davon aus, daß die Polizeivcrordnnng mit einer Kabinettsordre vom 8. August 183ö in Widerspruch stehe. Dieses für das ganze Königreich maßgebende Regu- lativ, das sanitätspolizciliche Borschriftcn iibcr die am häufigsten vorkommenden ansteckenden Krankheiten enthält, regeln die betreffende Materie erschöpfend, über ihre Bestimmungen könne deshalb in Polizeivcrordmingen nicht hinausgegangen werden. Da mm die Kabinettsordre sRegulativ) von 1835 die Acrzte nicht verpflichte, auch bei Kindbcttfieber Anzeige zu erstatten, so könne eine solche Anzeigepflicht auch nicht durch Polizcivervrdinmgcn geschaffen werden. Die Staatsanwaltschaft legte noch Revision ein und betonte, daß das Regulativ vom 8. August 1833 keineswegs die fragliche Materie erschöpfend regele. Das K a mm e r g c r i ch t trat aber der Eni- s ch e i d u n g des Landgerichts bei, Das Berliner Droschrcil-Polizei-Neglenieut ist ein wunder- sames Werk. Die Droschkenkutscher, welche demselben unterstellt sind, können unter Ilmständen mit Polizcistrafe belegt werden, ob sie nun den Bestimmungen des Reglements entsprechend handeln oder nicht. So war der Kutscher Haseloff am Potsdamer Bahnhof angefahren und hatte vorschriftsmäßig seine Blcchmarke abgegeben. Nachdein der er- wartete Eisenbahnzug abgefertigt worden war. blieben Hascloff und noch einige andere Kutscher übrig, d.h. sie waren von den allgekommenen Reisenden nicht in Anspruch genommen worden. Nachdem die Kutscher ihre abgegebenen Blechmarken zurückerhalten hatten und eben den Bahnhof verlassen wollten, wurde Hascloff von zwei Damen zu einer Fahrt in Anspruch genommen. Der an ihn ergangenen Aufforderung kam Hascloff denn auch ohne weiteres nach. Da erschien aber der Hüter des Gesetzes, der dicnstthueude Polizeiwachtmcister, und „notlcrte" Haseloff ob des Vergehens gegen 48 des Droschkcn- Polizei-Reglements, darin bestehend, daß Hascloff auf dein Bahnhofe eine Fuhre angenommen habe, ohne zuvor seine Blcchmarke, die er kurz zuvor zurückerhalten hatte, abgegeben zu habcil. Das Ende vom �Licde war ein Strafmandat in Höhe von 2 M. Da Hascloff nicht gewillt� war, die Polizeikasse auf diese Art zu bereichern, so entschloß er sich zu dem Schritt, sein Recht auf gerichtlichem Wege zu erstreiten. Das angerufene Schöffengericht bestätigte dach Strafmandat, und erst in der Bo- imfungsinstauz gelang es Haseloff, seine Freisprechung zu erziele». Die Strafkammer nämlich erkannte an, daß er, hätte er die fragliche Fahrt mit den beiden Dainen nicht ausgeführt, er wegen Vergehens gegen§ 26 des Droschken-Polizcireglenients sFahrtverweigcruiig) bestraft hätte werden müssen. 8 26 und§ 48! Scplla und Chart, bdis! Wer dem einen entrinnt, fällt dem anderen zum Opfer! Es ist doch etwas Wunderbares um das Berliner Droschken-Polizci- reglement! Ei» unsittliches Attentat gegen ein löjährigcs Mädchen führte gestern den Cigarettenarbeitcr Wilhelm Wolff vor die 140. Ab- teilung des Schöffcngerichis. Als der Angeklagte am Abende des 17. Juni durch die Belle-Lllliancestraße ging, fiel ihm ein junges Mädchen auf, das vor ihm ging. Der Angeklagte holte es ein und versuchte ein Gespräch init ihm aiizii- knüpfen. Trotzdem er keine Antivort erhielt, blieb er an der Seite des Mädchens und folgte demselben auch, nls es sich in ein Haus begab, in der Hoffnung, dadurch von dem lästigen Begleiter befreit zu werden. Auf der Treppe verging der Angeklagte sich gegen das junge Mädchen in schamloser Weise. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten, wobei der Vorsitzende hervorhob, daß die Strafe weit höher ausgefallen wäre, ivenn der jugendliche Angeklagte nicht ein anscheinend reuiges Geständnis abgelegt hätte. Welcher Art bisweilen die Ware ist, die dem Publikum zur Nachtzeit von den„fliegenden Wurfthändlcrn" verkauft wird, zeigte eine Verhandlung, welche gestern vor der 6. Bernfungs- Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Der Schlächter Wilhelm U t h e s betreibt seit einigen Jahren den Wursthandcl auf der Straße. Er hat sich dabei drei Vorstrafen ivegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zugezogen, jedesmal hatte er den Käufern verschwiege», daß seine Würste aus Pferdefleisch hergestellt waren. Im März hatte er seinen Stand am Stcttiner Bahn- Hofe. Ein Kriminalbeamter kaufte von ihm zwei Würste, die der Gcrichtschemiker Dr. Bischoff zur Untersuchung erhielt. Derselbe stellte fest. daß die Wurst aus Fett und Pferdefleisch bestand, und nm diese beiden Stoffe zusammenzuhalten, war noch eine erhebliche Menge Kartoffelmehl hinzugefügt. Da der Angeklagte an seinem Kasten nicht, wie es vorgeschrieben ist, ein Plakat mit„Roßfleisch- wurst" augebracht hatte> so faßte das Schöffengericht seine Hand- lnngswcise als Betrug auf und verurteilte ihn zu einer Gefängnis- strafe von 14 Tagen. Das Berufungsgericht bestätigte dies Er- kcnntnis, da das Publikum gegen ein derartiges Verfahren in Schutz genomnie» werden müsse. Vevscurnnl u ngcn. Die Arbeiter- Bildnngsschule hielt ain Donnerstag, den 13. d. Mts., im Lokal von Vehse, Anncnstr. 16, ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende L a m in 6 gab den Geschäftsbericht vom verflossenen Vierteljahr. An den Unterrichts- kurscn nahmen teil Nationalökonomie. 27 Personen, Redciibung... 37„ Geschichte.... 75 Für die Monate Juli. August, September fällt der Unterricht o- v Die neuen Untcrrichtskurse beginnen Oktober und zwar lehrt '• chichte Dr. Rud. Steiner; Naturerkenntnis Schriftsteller Wilh. Loijche; für Nationalökonomie kann der Lehrer noch nicht bekannt gegeben werden, da der Vorstand noch bemüht ist, eine Lehrkraft für diesen Kursus zu gewiuucu.— Hierauf verliest der Kassierer Königs den Kassenbericht. Einnahme April— Juni 770,70 M.. Ausgabe April— Juni 669.30 M Hierzu kommt Bestand vom März 2231,91 M., bleibt ein Kassenbestand am 1. Juli 2333,22 M.— Den Bericht über die Bibliothek giebt der Bibliothekar Qu arg und zwar wurde im letzten Quartal die Bibliothek uni 44 Bände vernichrt, so- daß jetzt der Bücherbestand 942 Bände beträgt. Ausgeliehen wurden von April— Juni 277 Bände.— Das FestkommijsionS-Mitglicd P ü f ch c l erstattet hierauf Bericht über die Abrechnung vom Stiftungsfest, welche einen Ucberschuß von 91,95 M. ergicbt. Es wird hierauf dem Kassierer sowie der Fcstkonimission' Dccharge erteilt. Tie Freie Volksbühne hielt am Freitag ihre General- Versammlung in den Arminhallen ab. Der Vorsitzende, Dr. Schmidt, konnte in seinem Geschäftsbericht wieder ein erfreuliches Steigen der Mitglicdcrzahl konstatieren.— Die Theaterverhältnisse werden sich im nächsten Spieljahr etwas anders gestalten wie bisher. Das „Friedrich- Wilhclmstüdtische Theater" konnte bei dem Vertrags- Abschluß für daS nächste Jahr nicht berücksichtigt werden. Die Zu- fammensetzung des Personals, der Mangel an guten Dekorationen und Requisiten ist derartig, daß eS völlig unmöglich ist, gute Vorstellungen in diesem Theater herauszubringen. Dazu koinnit, daß der Preis des Theaters, wenn ivir auf das Personal verzichten, beinahe ebenso hoch ist, wie bisher. Der Vorstand hat sich nach anderen Theater- räumen umgesehen und nach eingehender Beratung mit dem Aus- schliß sich entschlossen, daS Ostcnd-Karl-Weiß-Theater für die nächste Saison zu mieten. Wenngleich der Zuschauerraum in diesem Theater nicht so groß und gut ist. wie in dem Friedrich- Wilhelmstädtischcn Theater, so wird diesem Uebclstandc durch Reduzierung der Mitglicdcrzahl der einzelnen Abteilungen abgeholfen werden. Dafür werden wir aber, durch reichliche Geldmittel unterstützt, in der Lage sein, in diesem Theater ganz vorzügliche Vorstellungen zu liefern.' Unser Vertrag mit dem Lessing-Thcater ist erneuert worden, und wird die neue Saison im Lesfing-Thcater am 3. Sep- tember mit Freitags Lustspiel„Die Journalisten" eröffnet. Im Oktober folgt dann„Faust" von Goethe. Ter Kassenbericht ergab an Einnahmen vom 1. April 1899 bis 30. Juni 1899 15 934,04 M., an Ausgaben 13 651,38 M., so daß 2282,66 M. als Bestand am 1. Juli 1899 verblieben. Der Revisor Frank beantragt Dccharge, die einstimmig erteilt wird. Es wird beschlossen, Ende August eine Goethe- Feier zu veran- stalten. Die Tapezierer(Filiale Süd) nahmen in der Qnartalsver- sammlung vom 11. Juli den Bericht des Vorstandes entgegen. Da- nach fanden im letzten Vierteljahr 6 Versammlungen und 3 Vor- standssitzungen statt. Der Kassenbericht ergicbt pro 2. Quartal eine Einnahme von 410.25 M., davon wurden an die Hauptkasse gesandt 203,15 M., es verblieben somit der örtlichen Verwaltung 205,10 M. Hiervon ab 3 Proz. für den Kassierer in Höhe von 6,15 M., andererseits hinzu eine Einnahme von 11 M. vom Stiftungsfest durch Löllich verbleibt eine Gcsamtciunahmc für die örtkchc Verwaltung von2v9.95Pt. der eine weitere Ausgabe von 124,83 M. gegenübersteht; der Uebcr- schuß beträgt sonach pro 2. Quartal 83,10 M.; inklusive eines alten Bestandes von 544,40 M. verblieben der Filialkasse 629,50 M. Am Schlüsse des 1. Quartals waren 340 Mitglieder vorhanden, ein- getreten sind 60, ausgeschlossen wurden 30, abgereist sind 9 Mit- gliedcr, verblieben am Schlüsse des[2. Quartals 361 Mitglieder. Der Kassierer schließt seinen Bericht mit einer speziellen Angabe der Restanten und den Verbleib der Wertzeichen. Au Antrag der Revisoren wird dem Kassierer Entlastung erteilt. Der Vorstand wurde durch folgende Personen ergänzt: Holz- am er, 2. Vorsitzender, Ebner, Schriftführer, und Müme, Re- visor. Hierauf referierte Biester unter voller Austnerksamkeit der Anwesenden über die„Chartistcnbcwegung".— Auf eine Anfrage erklärt der Vertrauensmann, daß für die beiden letzten Wochen je 30 Pf. zum Streikfonds zu entrichten sind, und daß die Kollegen der Firma Jacob u. Brausisch trotz Äl braten der Kommission init 13 gegen 7 Stimmen beschlossen haben, die Arbeit wieder auf- zuuchmcn. In der weiteren Debatte wurde gewünscht, daß die Agitation intensiver betrieben werden müsse, um die Zustände, die gegen die im Jahre 1894 errungenen erbärmlich zu nennen seien, er- träglichcr zu gestalten. Ter Untcrstütznngövcrcin der Kupferschmiede(Filiale Berlin) nahm in der Generalversammlung vom 15. Juli den Kassenbericht für das verflossene Quartal entgegen. Die Centraikasse hatte eine Einnahme von 1523,05 M., der eine Ausgabe von 1060,39 M. gegenübersteht, von den 462,66 M. Uebcrschnß wurden 362,66 M. an den Hauptkassicrcr gesandt, es verblieb somit der statutarische Bestand von 100 M. Die Filialkasse hatte eine Einnahme von 878,88 M. und eine Ausgabe von 665,32 M., bleibt Bestand 213,56 M. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung eingehend mit der Lage der ausgesperrten Arbcitsbrüdcr in Dänemark. Wien usw., sowie der mit den Kupferschmieden im Kartellverhältnis stehenden Former. Es wurde beschlossen, den im Streik befindlichen Kollegen in Wien vorläufig 100 M. zu senden, und unter Beibehaltung der 15 Pf. Extrnstener für den Dispositionsfonds Listen herauszugeben. Nach Erledigung interner Angelegenheiten wird die Versammlung mit einem Appell an die Solidarität und Opferfrcudigkeit der Kollegen geschlossen. Der Verein der Zimmerer hielt am 16. Juli bei Cohn, Bcnthstrnßc, seine 3. diesjährige Generalversammlung ab. Vor Ein- tritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des in Zchlendorf verstorbenen Vertrauensmanns Wilhelm Frisch in der üblichen Weise. Hierauf gab der Vorsitzende den Bericht über den Arbeitsnachweis; danach ist derselbe von den Arbeitslosen, sowie von den Arbeitgebern in der gcivllnschten Weise benutzt worden. Nach- dem der 1. Bibliothekar den ViertcljahreSbcricht erstattet und der Au- trag, ein neues Bücherspinde anzukaufen zur Annahme gelangte, wurde vom ersten Kassierer die Abrechnung vom letzten Quartal gegeben. Es betrugen die Gesamteinnahmen 2381,30 M., Bestand vom ersten Quartal 8084,03 M., die Gesamtausgaben 2403,43 M., mithin bleibt Bestand 8261,90 M.• Die Richtigkeit der Kassengeschäfte wurde von den Revisoren bestätigt, und der Kassierer einstimmig entlastet. Der weitere Gegenstand der Tagesordnung„die gegenwärtige Situation im Beruf" gab Anlaß zu einer sehr regen Debatte. Nach den Ausführungen der Kommissionsmitglieder find die Arbeit- gebcr zum Freitag, 14. Juli, zur Unterhandlung gebeten worden; letztere haben jedoch abgelehnt, zu erscheinen, weil sie am selben Tage eine Konferenz mit der Nchtzchncr- Koni- Mission der Maurer hätten. Jedenfalls haben die Herren, so wurde weiter bemerkt, sich nicht weiter binden lassen wollen, den Zimmerern ähnliche Zugeständnisse zu machen wie den Maurern. Die Zimmerer würden jedoch, um ein stabiles Lohnverhältnis zu erzielen, gc- zwungcn fein, das Gcwerbcaericht anzurufen. Der Schiedsspruch des Einigungsamtes soll indessen nicht maßgebend sein, indem die öffentliche Versammlung ihr Votum darüber cndgiltig abzugeben hat. Zwei fast gleichlautende Anträge, bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern vor allen Dingen den Minimallohn von 60 Pf. pro Stunde, solvie„Anerkennung der Kommission" hoch zu halten, wurden angenommen. Freie Vereinigung selbständiger Barbiere, Friseure und Perrückenmachcr.' In der Generalversammlung, die am 17. Juli tagte, gab Kuschle zunächst die Abrechnung bekannt. Danach wurden im letzten Quartal 321,87 M. vercinuahmt und 318,62 M. verausgabt, verblieb ein Bestand von 3,25 M.' In der darauf- olgcudcn Vorstandswahl wurden gewählt Klarbaum als erster, H c l b i g als zweiter Vorsitzender, W e i ß f l u ck erster, S ch r o l l e zweiter Kassierer, zu Schriftführern A u g u st i n und K I e in ck, als Beisitzer Zwirne r. Zu Revisoren wurde» bestimmt H a u ß- mann, Deichsel und L ü tz'e s die'Wahl cints Kassierers für die Kranken- und Sterhekaffe fiel apf Kappe. Die Lehrlings-Prüfungs- kommission besteht aus den Kollegen Kube, Heibig und K I e in ck, zum Schiedsgericht gehören H a a s e, H c i d m a n n, Schwarzer, Kusch ke uiid Scholz. Ausgeschlossen wegen rcsticrender Beiträge wurden 9, uenaufgcnommcn 4 Personen. In der öffentlichen Versammlung der Stock- und Schirm- arbcitcr, welche am Dienstagabend bei Stcchcrt, AndrcaSjtraße, tagte, beschloß man zunächst infolge des schlechten Besuchs vom Vortrag Abstand zu nehmen. Sodann gab der Vertrauensmann Lanibcck seinen Rechenschaftsbericht. wofür ihm Dccharge erteilt wurde. In der darauffolgenden Wahl wurde F l n ck e als Vcr- traucnsmann gewählt. Unter Werkstatt- Angelegenheiten wurden heftige Klagen geführt über das Betragen einiger Kollegen bei der Firma Ludwig. Dieselben bekommen cS fertig, trotz der jetzigen Arbeitslosigkeit in der Branche und trotzdem der Verdienst in der Werkstatt kein geringer zu nennen ist, doch noch Arbeit mit nach Hanse zu nehmen, um die- lelbc dann bis in die sinkende Nacht fertigzustellen. Folgende Re- solution fand einstimmige Annahme:„Die heutige öffentliche Vcr- sammlung spricht ihre Mißbilligung ans über die Nachfeierabend- nrbeit und erwartet, daß diese künftig unterbleibt." Unter Vcr- schicdcucm sprach Graul über die Organisationsfrage mit besonderer Berücksichtigung des iienen AbstimmnngsmoduS innerhalb der Gclverk- schaftskommission. Friedrichshage». Der hiesige Arbeiter-BildungS- verein hielt am 15. Juli feine Generalversammlung ab, in welcher der Vorsitzende den Jahresbericht gab. Danach haben 9 Versamm- lungcn stattgefunden. Die Zahl der Mitglieder beträgt 148. Der Kassierer verlas die Abrechnung, welche eine Einnahme von 323,46 M. und eine Ausgabe von 246,20 M. ergab. Bestand 79,26 M. Die Bibliothek besteht aus 63 Bänden, 68 Broschüren, 3 Gesetzbüchern; gelesen wurden 48 Bücher. Die Abrechnung und Bibliothek wurden für richtig befunden und der Kassierer entlastet. Die Neuwahlen gaben fvigcndes Resultat. Vorsitzender Herzfelder, Kassierer R ose, Schriftführer H e u s ch k e l, Beisitzer Giebel, Hoff- m a n n und L a n k n c r. Verein dcS technischen Personals der deutschen Bühne». Sonnabend, den 22. Juli, abends 11 Uhr, Neue Noßstr. 3, im„Englischen Hos", Versammlung. Gentral-Kranken- und Sterbckasse der deutschen Wagenbauer (Filiale Moabit). Sonntag, den 23. Juli, vormittags 10 Uhr, in der „Kronenbrauerei", Altmoabit 47/4S: Versammlung. VevmiMkes. Ei» uilgcdrncktcs„Läusche»" Fritz Rcutcrs veröffentlicht der„VolkScrzieher"(Berlin) wie folgt:„Gnu Morgen, mien lciw Herr Pastur; ick kam tau Sei, seihn ick bin im ok all in dei Joahren, dat ick mi gicrn verfricgen inücht. LLat meinen Sei woll doalau?"—„Jh, Fieken, denn fricg!"—„Je, dat is woll so; äwersten Hei is man jünge as ick."—„Je, denn fricg lciwcrst nich."—„Je, ick dacht nu äwerst so: ick kam denn doch in bctern Umstäun, wenn ick friegen dehr."—„Je, denn fricg."— Je, Herr Pastur. dat is ok man so. Dägen dciht Hei nich; wenn Hei mi man nich schlecht."—„Denn fricg nich."—„Je, äwerst so allein in dei Welt— doa ward so mit Einen riimmc- fchtt."—„Denn fricg."—„Je, dat dehr ick denn im ok woll; ivenn ick man wüßt, dat Hei mi trun blccw und dat Hei't nich mit oll Krämerscheu ehr oll ßackermentsche Diern höll."—„Den» fricg jo nich."—„Je, äwerst ick mügt doch goa tau gicrn friegen."— „Na, denn fricg." Eine Milzbrand-Epidemie herrscht seit einigen Tagen in der Provinz West-Gotland. Die Seuche nimmt jetzt gefährliche und eigentümliche Formen an. Sie ergreift nicht nur das Vieh, das massenhaft stirbt, sondern auch Menschen, tvelche durch die Be- rühruug der kranken Tiere angesteckt werden. In Falköping liegen sieben Milzbrand-Erkrankte danieder. Für Occanfahrcr. Kapitän Andrews, der am_16. Juni den Versuch unternahm, mit einem 12 Fuß langen Segelboot den Atlantischen Lccan zu durchqueren— er wollte von seiner amcrika- uischcn Hcimatsstadt Glouccstcr aus das englische Gloucester er- reichen— wurde im Atlantischen Ocean, ungefähr 700 Meilen vom Festland, in völlig erschöpftem Zustande vom Dampfer„Holbein" aufgegriffen. Der Dampfer lief Sonnabend in Mersch ein, Kapitän Andrews, schon ein älterer Mann, hatte 16 Tage auf dem Ocean ver- bracht. Er begab sich mit der„Holbein" nach Manchester. Sein Boot treibt im Meere herum. Ans Budapest wird berichtet: Die Ortschaft Hoßznret im Liptoer Komitnt ist fast gänzlich niedergebrannt. Drei Kinder, die von ihren auf dem Felde befindlichen Eltern in der Wohnung ein- geschlossen waren, fielen den Flammen zum Opfer. Furchtbarer Gattenmord. Dieser Tage erschienen in der Wohnung der Arbeiterfrau Zittlau in Schömvalde bei Mocker der taubstumme Arbeiter Karl Zdrojcwski mit seiner Ehefrau zu Besuch. Frau Zdrojcwski. die etwas angetrunken war, schlief bald ein. Als nun im Verlauf einer halben Stunde der Ehemann Zdrojcwski seine Frau zur Rückkehr aufforderte, weigerte diese sich mitzugehen. Hierüber wurde Z. wütend, schlug der Frau mit der Fault ins Gesicht, sodaß sie zur Erde fiel, schlug sodann der am Boden Liegenden mit den Absätzen auf die Brust und den Unterleib und riß sie an den Haaren in der Stube umher. Als die Frau sich nur noch matt widersetzte, ergriff der Unhold den Kopf der Frau und schlug diesen so lange gegen den Erdboden und Ofen, bis die Frau starb. Auch jetzt ließ der Wüterich sein Opfer nicht fahren, sondern mißhandelte die Leiche auf schreckliche Weise. Mittlerweile erschien, durch Nachbarn herbeigerufen, die Ortspolizci, die den Mörder ver- hastete und ins AmtsgcsängniS.einlieferte. Z» einem blutigen Zilsammcustost, der den Tod eines der Beteiligten herbeigeführt, kam es am Sonntagabend in dem Dorfe Berge bei einer Tanzfcstlichkeit. Der„Voss. Ztg." wird darüber aus' Nauen mitgeteilt: Mehrere junge Leute.waren in eine Schlägerei geraten. Ilm llluhe zu stiften, trat der Nachtwächter da- zwischen, er wurde aber von den Tanzgästcn zu Boden geworfen und mißhandelt. Darauf wurde der im Dorf stationierte Gendarm Fitzner gerufen, gegen den die wütenden Menschen ebenfalls gcwalt- thätig vorgingen. Sie entrissen dem Beamten den Säbel und zcr- brachen die Waffe; sodann stürzten mehrere junge Burschen mit Messern auf ihn loS. Der Gendarm zog nun erst den Revolver und streckte durch einen Schuß in die Brust einen der Angreifer zu Boden. Der Getroffene, ein Maurer aus Nauen, ist infolge der Verletzung gestorben. Wieder ein Lustmord wird aus Werden berichtet: Als eine zehnjährige Schülerin aus Hamm mit ihrem Bruder auf dem Wege zur Schule sich befand, näherte sich ihnen im Hammer Walde in drohender Stellung ein Mann, worauf beide die Flucht ergriffen. Als der Bruder in der Schule vom Lehrer nach dem Verbleib seiner Schwester, welche noch fehlte, befragt wurde, erzählte er das Vor- gefallene und man begann mm sofort den Hammer Wald abzusuchen imd man fand endlich der„Essener Volkszeitung" zufolge auch das unglückliche Mädchen an einem Baume erhängt' vor. Zivcifcllos liegt Lustmord vor. Der mutmaßliche Thäter wurde in der Person eines wegen Sittlichkcitsvcrbrcchc» schon uoraestraften Schuhmachers vcr- haftet, welcher erst kürzlich aus dem Gefängnis in Düsseldorf ent- lassen worden ist. Marktpreise bo» Berlin am IS. A»li I8SS nach Ermillelnngen des fist. Polizeipräsidiums. *) Ermitlclt pro Tonne von der Ceiilralslellc der Prenh. Landwirt- schastslaimner— NollcrniigSstelle— Und»mgercchnet vom Polizeipräsidium für den Döppel-Cenlncr. st) Kleinhandelspreise. P r o d ii I t e n in a r k t vom 20. Juki. Am Getrcidemarkt fehlte jegliche Kaiifinft, sodah die reichlich angeboicne Ware leine Abnehmer fand und die Preise sgr Broigetrcidc eine rückgängige Bewegung einschlugen, welche durch das dauernde Prachtweiter, steigendes Varouielcr und flaue Notierungen in New Jork und Chikago noch verschärft wurde. Der ungüiistige Saatenstand ans Oestreicki blieb demgegenüber ohne Einflnb, zumal da derselbe in Wien und Budapest leine Beachtung scitcus der Spekulation fand. Weizen gab am hiesigen Friihinarkt 2 M. nach, Roggen war bis 3 M. billiger zu haben. Auch Hafer war infolge vermehrten Angebots bei geringem Koliisumvegehr stark gedrückt. In diesem Artikel sollen noch bedeutende Bestände aus dem Vorjahre vorhanden sein. Nüböl blieb unverändert. Am SpirituSinarkt wurden 20 000 Liter loco 70er mit 41,60(imveräudert) gehandelt. Die Tcrminpreise zogen 0,10 an. Karroffclsabrikate. Feuchte Kartosselstärke per 100 Kg. Brutto cinschkiehlich Sack— M. Prima trockene Kartosselstärke per 100 Kg. Brutto einschl. Sack 19,60 M. Supra trockene Kartoffelstärke— M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto einschl. Sack 19,60 M. Snpra Kartoffelmehl— M. Sekunda Kartoffelmehl— M. Berlins 64 c t r c i d e- und M e h l z u f n h r e n zu Wasser vom 19. Juli mittags bis 20. Juli mittags betrugen 101 Toimen Roggen, 299 Tonnen Hafer, 35 Tonnen Gerste, 13 Tonnen Erbsen, 3025 dz Weizenmehl, 600 dz Roggenmehl. Briefkasten der Redaktion. Tt« iurlstlsche S�rrchsiiuidc wi»» DiciistngS. T»«»rrStng»»»d yrettanS nbrndS»>>>». Zur Zahlung der vereinbarten 2o Mark und Sie vervilichtet. -- ivt. H. Ja.— W. W. 76. Ob der Wirt die Unterschrift giebt oder nicht, ist gleichgültig. Soviel anö Ihrer Darlegung ersichtlich, kann er gegen die Beherbergung der Äinder keine Einwendungen erheben. Der Vertrag bleibt gültig.— St Z.. Nieder-Schönerveide. Ist nicht nötig. -- Paul ft. 10. 1. RamenSänderliNgen sind nur mit Genehmigung deo Regierungspräsidenten(in Berlin de» Polizeipräsidenten) gestattet. 2. 100. — 8. M 100. Ihren Bekannten kann ihre Braut verklagen, die an- geblichen Gewährsleute nicht. Wer wird denn aber wegen solchen Ge- redeS sich vor Gericht hernnistreiten.— Zlnklamer. Gegen daS Schieds- gerichtSnrteil kann Ihr Vater Rekurs einlegen. Sprechen Sie mir dem Urteil in der juristischen Sprechstunde vor.— P. Tch. 17. Ihre Schwester soll unter Darlegung des Sachverhalts Bestrafung des VanipprS wegen Erpreffuug beantragen. Ein Jnkassofrihe,'der in dieser Art eine Ehefrau zu Verpflichtmigen zu pressen sucht, ist ein gemeingesährlicheS Subjekt. — N. llt. 100. Ihre Iran soll baldigst, spätestens aber am 9. Oktober, ihre Jnvaliditätskarlen bei dem Magistrat, Abteilung für Jnvaliditätssachen, Älosterstrahe 41, mit dem Antrag einreichen, ihr die Hälfte der Klebemarken zurückzuerstatten, weil sie ausweislich der gleichfalls zu überreichenden Heiratsurkunde die CfhesiandSfefseln trägt. Diesem Antrag wird stattgegeben, wenn Ihre Frau mindestens 235 Klebemarlen aufzuweisen vermag.— Aieilner. Ihre Behauptungen widersprechen der Wahrheit. Glaubet» Sie Anlast zu einer Beschwerde zu haben, so steht Ihnen, wie jedem Abonnenten, der Weg zur Preßkonimission frei.— BS. 2S. 1. und 2. Nein. 3. Ja. — Krank. 1. Die Arbeitsordnung mnst»ach§ 184b der Gewerbe-Ordnung über die EinzieSung der Geldstrafen und über den Zweck, für welchen sie ver- wendet werden sollen, Bestimnningen enthalten. Alle Strafgelder, sagt ferner da! Gesetz, müssen zum Besten der Arbeiter der Fabrik verwendet werden. Letzteres geschieht in dem von ihnen dargelegten Falle. Sollte elwa die erste Bestimmung verletzt sein, so würde der Strafgelder-Abzug ein»»- berechtigter gewesen und die Nachzahlung deS zu Unrecht gekürzten Lohnes zu verlangen sei». 2. Nein.— H. S. Sie müßten innerhalb>> Monaten nach der Schenkung die e be wioerrnsen und Ihre» Widerruf durch einen Gerichtsvollzieher znsielleu lassen.—(je. B. 100. Der Wirt ist im Ziecht. — 8. Zt. P.'13, Leider[minien Sie heute in Ihrem Fall nichts mekir erreichen, weil die Frist versäumt ist.— 0?. S. 4 lt. Derartige Scherereien sind nichis Seltenes. Beschweren Sie sich beim Oberpräsideuie». Die Polizei hat die Pflicht, von AmtSwegen zu recherchiere», wenn sie Zweifel hat. Dadurch daß Sie dargelegt habe», daß Ihr Baier zur Zeit Ihrer Geburt ein Bürger war, haben Sie Genüge geleistet.— D. H. 200. Wenn die Entsagung dem Gericht rechtzeitig-- innerhalb sechö Wochen»ach dem Tode— eingereicht war, ist sie gültig,— S. 8. 3. Nein. — 3t. 31. Sie haben als AnSläiider kein Recht, in Deutschland zn bleibe» und können daher ausgewiesen werden.— Impfe». Verlangen Sie von der Polizeibehörde die Jrnpinng auf öffentliche Kosten.~ S. 0k. 12. Es kann bei Ihnen gepfändet werden. Sie müssen dann Jnterventionsllage erheben und EilisleilinigSbeschlnst beaniraaen.— stlckerstr. 1000. Nach der Polizeiverai-diinng vom 24. November 1853 müssen in Berlin die nach der Straße sübrenden Thürcn der Gasthäuser während der Hmiptlirchenstimbrn eingesiinkt sei». Die Pokizeiverordming vom 27. März 1898 verlangt dasselbe, sowie daS Ansräiimen oder Bcrnävgen der Tckiansrnster. Tieselbe Verordnung verbietet während der Zeit des HanptgotlesdiensteS geräm'ch- volle und anssällige Spiele und andere Vergiiügniigen und Lustbarkeiten. — E. P. 400. Nein.— Earl 8. Wegen Lieferung uncutgelilicher Schul- mittel lvendet man sich in Berlin zunächst an den Zieltor. Die Schiilinitlel sollen für den Fall der Bedürftigkeit geliefert werde». Durch Gewährung von Sckuiimittel» geht kein volitilcheS Siecht verlöre».—(?.(1. 32. 1. Ter Tod des Mieters hebt den Mietsvertrag nicht ohne weiteres ous. Viel- mehr steht nur beiden Teilen, dem Ziermieter nnd den Erben daS gleiche Recht zu, vom Vertrage nach einem halbe» Jahre, vom Ablans des Sterbe- quarlais gerechnet, den Vertrag auszuheben, muß aber späleste»! in den drei Tagen deS letzten Quartals gekündigt werde». 2. Nur die Be- sttuimungeu des Testameuts sind gültig.— Ok. 31., Schnlsir. 17. Nein. Berliner Tchensivürdigkciten. Aquarium. Nut. d. Liudeu KS». Täglichst—?. Eintritt 1 M., Sonntags äv Pf.— Ausstellung des Vereins Berliner Künstler. Wilhelmstr. 9293(im„Archilrkten- banse"). Täglich 10—4, Sonntags 11—2. Eintrittspreis-30 Pf.— 41 ii s- stell n II a moderner K II II st>v e r k e von Eduard Schulte, Kunst- Handlung. Unter den Linden 1, Ecke Pariser Platz. Täglich 10—7, Sonn- tags 10— 3.— Bibliothek, Königl. Am Overnplatz. Besichtigung Montag und Freitag 1-2.- Botanischer Garten. Potsdamer- straße 75. Täglich v. 8—7 und jeden zweiten Sonntag im Monat v. 2—7. Unentgeltlich.- B o t a n i s ch e» M» s e» in. Griinewaidstr.«',-7. Montag nnd Donnerstag 3—0.- Z e n t r a l- B i e h b o t. Eldeiiaerstraße.� lMitt- woch Vormittag Hanpiverkehr.) Besichtigung des Viehhofs frei, der Schlacht- Höfe gegen Karten, die man im VerwaltnngSbiireaii erhält.— Hygiene- M ii f c ii in, Klosterstr. 3Z/SZ. Sonntag 12— s, Dienftag n. Freitag 10— 2.— Institut f. G l a s m a l c r e t, K ö ii i g l. Ehnrlvtienbnrg. Berlinerstr. 9. Mache» äglich b— 11 II. 1—4.— K II II st g e w e r b e! M II s e II IN. Prinz Albrechtstraße. Täglich, außer Montag nnd die ersten Feiertage sowie Ehar- srritag, Hiiiiinelfabrt und Bußtag, 9—3, Sonntag 12—0.— Märkisches Prdvinzial-Mnsen m. Breiteste. 20a. Sonntag von U— l1 ,, Montag nnd Donnerstag 11—2'',.— M n s e n m(alt und neu). Am Lüstgarteii. Besnchsoidnnng siebe Knnstgelverbc-Mnieinii.— Museum der Land- wirr b s ch a s l l i ch e ii Ho ch i ch u l e. Jiwalidenstr. 44. Werktäglich, außer Soiinabeiid, 12—2, Sonntag 12—0.— Mnsenm für Naturkunde. Jnvaiidenstr. 43. Montag' und Sonnabend 11—3, Sonntag 12—0.— Ä! n s e u in für Völkerkunde. Königgrätzerstr. 120. BcsnchSordnung f. Kinistgewerbe-Mnseittn.— Mnsenm Deutscher B o l k s t r a ch t e n. Klosterstr. 30. Tägl. außer Mittwoch 11—2. Eiiiirilk 50 Pf.— National- (Nallerie. Mnseilmstraße. Sonntag 12—0, Dienftag b. Soiinabeiid 10—3.— Panoptikum(Castan, Friedrich- und Behrenstr.-Ecke). Tägl. 9—10.— Passage- P a n o p t i k n in. Unter den Linde» 22.— P a ii o r a m c ii. l. Hrrwarihstr. 4, 2. Bahnhos Alcrnnderplnv, 3. An der Molt.'ebrstcke, 4. Bachslr. Tägl. 0—8,— P o r z e l l a n- M a n u s a k t u r, Königl. Wegelhstr.(Thiergarten). Dienstag bis Freilag 9—12 Uhr.— Rath- Hans. Tägl. außer Donnerstag nnd Freilag 11—3.(Thurm tägl. 20 Pf.) — R auch- 3N ii f c n in. Klosterstr. 70. Außer SonittagS 10—4.— Reichs- P o st in n i e ii m. Leivzigerstr. 15. Tägl. II— 2. außer Mittwoch und Sonn- abend, Sonntag 12—2.— Reichstag. Benchtigiing Wochentags 8'/. bis 9>/z, Sonntagö 2—4. 50 Pf.— R n h»l e S h a Ut(Zeughaus). Tägl. niiBcr Spunab. 10—3, Sonnt, 12—3.— Schul»i u i e n in. Stallschreiber- straße»4. Sonntags 11—1, Mittwochs 3—4, Sonnabends 3—0.— Tech- Nische Hochschule, Königl. Charlotteiibnrg, Berlinerstr. 151. Gips-- innfeiim Sonnabend 10—12. Beiith-Schiiilelinusenin Dienstag u. Donners- tag 10—l2, Mittwoch 12—3. Archltetteniiiuseuni Montag und Freitag 10—3, Dienstag und Donnerstag 12— 3. Mittwoch 10— 12.— llranio Tanbciistraßc und Jilvalibenstraßc.— Zoologischer Garten. aviIteiiiiigSüherstcht vom L0. Juli Ibilli». morgens H llhr. Stationen > 2- 2 �! S ~ ii Weiler KZ|| "!«! i i 7 l I Swiiiemde.| 764WSWz 2ivolltiil 21 Hamburg 70,3 Still Zieriin 705SliIl Wiesbaden 704NO München 700 O Wie» 704 N — ivoltenll 21 — heiter I 19 3.ivolkeiil 21 Si'julfeiill 17 1 woilcnl 10 Stationen |Ä| £? Sl ,.5 5 S'ffl.Nter s K S 1.2 ">K>__ »~ U c es «o I Haparanda 759 NO Petersburg>—>—' Eori 701 ONO Aberdeen 707 ZW Paris 761 O i Phlb.deb 3 bedeckt 3hlb.bed. Iwolleul 22 18 1 1 21 BZetler-Prognosc für Freitag, de» LI. Juli 1666. EiwaS kühler, vielfach heiter, zeitweise wolkig bei mäßigen Nordwest- ltchcn Winden; leine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a Ii. Deutscher Heute Freitagabend, bei voll». Benthstr. 20-31: Sitzung der Orts- Verwaltung. Laut Bcschlnst der letzten TterwaltiingssiUung wird die Siviing Punkt«'/» llhr eröffnet. 107/15 Bürsten- ititb Pinselmacher! Dir Wahl des GcscllennusschusscS von 4 Mitgliedern und 4 Ersatz- Männern zur.Freien Innung der Bürsten- und Piuselmacher" ssndet am Sonntag, den 23. Juli, vormittags 16 Uhr. im Lolal de! Herrn R. Miindner, B e r g st r. 12, statt. Ein jeder wahlberechtigte Kollege, welcher beim Jnmingömeister arbeitet, hat die Pflicht pünktlich zu erscheinen. Dir«raiichcnvertreter der Bürsten- und Pinseluiaclier. UV" Alle Branchen-, Wcrkstltttangclegenheiteii und Differenzen sind an P. Flegel, Ackerstr. 10, Oiicrgcbaiidc parterre, zu richten. eestralverdallä cker Zimmerer. Tonntag. de» S3. Jnli vormittags 10 Uhr, in den „Armiuhallcn", lloiiiiiinndaiiteiiftr. 2(1: (■ s n s s ß- s s n n, m ß tm g der Mitglieder der Zahlstellen de! Verbandes Berlin. Charlottcnbnrg, Nixdorf. �friedrichSberg. Weiftenfee» Pankow nnd Groft-Lichtcrfclde. TageS-Ordnuiig: 1. Abrechnung vom 2. Quartal nnd Neuwahl de! Kassierers. 2. Der Stand unserer Bewegung cvcittucll Berichterstattung über die Lerhand lungen mit den Unteriiehiiiern. 3. BcrichicdcneS._ SV Die Bersaininluiig wird pünktlich eröffnet. 1® 262/2 Der Vorstand. Fachverein der Musikinstrumenten-Arheiter und Berufsgenosten Berlins und Umgegend. Am Sonnabend, den SÄ. Juli, abcndS 8'/e Uhr. im Lokal deS Herrn Rautenberg, Oranienstrafje 180: Genevnl Dovfnznlnlnng. TagcS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1899. 2. ErgänzimgSwahl des Vorstandes. 3. Bericht der Koiniiiissioiirii. 4. Antrag der Delegierten-Ver- sammlung. 5. Bereiiisaiigclegrnhrtteii. 142/S iwr Achtnna:-WE Die Sollegen von Ripdorf werden daraus aufmerksam gemacht, daß der Borstand eine Zahlstelle in Ripdorf errichtet hat und zwar Bcrliiierstraße 55 im Lokal deS Herrn Grieß(vorm. Brokinaiiii). Kassierer ist der Kollege R e s e. Dort können jeden Sonnabendabend von 8 Uhr an Beiträge bezahlt werden, auch neue Mitglieder werden daselbst aiifgcnommm. Her Vorstand. antmuii TMllarlmtkr. Mm; Filiale I Berlin. Sonnabend.* den 22. Juli, abends 8'/, llhr, bei Herrn IVlUtc, Sludrcassir. 26: Uersammlung. TageS- Ordnung: 1. Bortrag deS Herrn Dr. Fränkl über: Ter foetale Charakter deS Heilen bürgerlichen Gesetzbuches. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Ver- fchicdeneS. 272/3 Um zahlreiches Erscheinen ersucht vor Vorstand. NB. BilletS zur Treptower Stcniwaric a 75 Pf. sind zu haben bei Karl Voigt, Gr. Fninkfurterstr. 124, 2. Qucrg. 3 Tr._ Sehöuelbergf. Am Montag, dc» Ä-l. Juli 1�00. abends 8'(e Uhr, tm Ulubhansc, Hauptstrasse S/0: Uolks-Uevsammlnng für Männrv nnd Fvanen. TageS-Ordnuna: 1. Die Socialdcmakratic im Deittschen Reichstage. Referent ReichStagS- Adgcordneter Vrlts Z�nkell. 2. Diskussion. 203/13 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der BcrtraiiciiSiiiaiin. Freitag» den S1. Juli, abends G'/e Uhr, in der Brauerei „GambrinnS", Wallstrafse 04: Oeffentliche Mmirdt-VnsWMlimg. 176/5 Die Lag« deS Tagcd-Ordiiuiig: Streiks. Referent Kollege ln«. Der(Sinbcrufer. Allitiiug! Lackierer Alwng! nnd die im Ilcrnf bcscliilfiljptcn Personen. Große össeiitliche Versammlung Montag, den 24. Juli, abends 843 llhr. bei Feuerstein. ■1(1 fc Jakobsir. 75. 104/3 Tages-Ordniing: 1. Vortrag deS Genossen Dr.\V. Toiiiiahcnd, den 26. Juli 18!»», in Mnx Klicms Soinmer-Dhrater. Hascnheide 14— 15: 7, S tlf In u$» sfest"�gPf bestehend in Konzert, Thealcrvorstelliing und viele» Ueberraschungen. wie Boiibonregcn und Kinderfnckelziig. Vesangsvorträg« auSgesührt vom Mäniier-GesaiigvereiN BonväriS I, Südost (M. d. A.-S.-B.) Die Musik wird von Mitgliedern der Freien Bereiiiigimg der Civil-BerufSMiistker anSgeführt. 32/20 Anfang des Konzerts 4 Uhr. Der Vorstellung 7 Uhr. kjJV Von 7 Uhr ab in beiden Sälen: Grosser Kall."PSQ Die Kaffeeküche sieht de» geehrten Tameii von 2 Uhr ab zur Berfügnng. BilletS a 25 Pf. sind bei sänitttchen Mitgliedern der Ortsverwaituiig zu haben. Hierzu ladet sreiiiidlichst alle Kollegen sowie die Kollegen der nahe- gelegenen Zahlstellen ein Hie O v tsvcrwal tn n g. Criistav l�iiideuliayn, Orünau, «Stthelmstr. 0 und Fricdrichstr. 1-2.[1937S* Empfehle meinen neu renovierten Saal, ebenso schönen großen Garten nebst zwei verdeckten Kegelbahnen den geehrten Vereinen und Gesellschaften zur Abhaiiuiig von Vergiiügeii; nur jeden ersten Sonntag nach dem l. jeden Monats ösfentlicher Tanz. Kaffeekochen. Liter 70 Pj. Weißbier 20 Pj. «/,« Bötzow Versand 15 Ps. 4*. l.lndcnka.vn. Gastwirt. Tel. Nr. 17. Neue NKüh&e bei Könlgswusterhausen. Zn Dampfer- nnd Landpartien Arorziigllch xeeixnvt. Otto Weyers Reslaurant„Zur Schleuse" 1000 Personen fassend. Kegelbahnen. Äaffceküchc. VolkSbclllslignngen. ____ Für Vereine unb Fabriken conlantcstc Bedmguilgcn. f210SL* Flnzlxo Kampfer• Anlcgcstcllo In Xono lllihle. Butter täglich frisch n n I o nt m c n 6, offeriere meinet werten Kniidschalt in nachstcliendcii Filialen: Soeialduiiioliralisciier fVaiiivereiii f. den 3. Berliner Rciclistags- Wahlkreis. Todes" Anzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Gastwirt[240/14 Wilhelm Gelser Dienstag, den 18. Juli, verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 21. Juli, nachmittags 0 llhr, von der Leichenhalle des Nene» Jakobi- lirchhoies in sttipdorf statt. Um zahl- reiche Beteiligung ersucht Kor Vorstund. Danksagung. Alien Freunden u, Bekanitten für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Tochter u. Schwester Frau Martha Zern icke geb. Brückner hiermit aufrichtigsten Dank. Die trauernden Eltern u. Geschwister. Gharlottenbnrg. TVeltknns WilnicrSdorfcrstr. 6-1 Ecke der Kantstraßt. Trotz der anerkannt billigen Preise bei unS in Herren-, Kiiaben- und Arbciter-Gardcrobe» verkausen wir wegen vorgerückter Saison sämtliche Artikel in Sommer- Garderoben, als Paletot?, kompl. Anzüge, Swffyose», Knaben- Anzüge ustv. zu bedeutend hcrllbgcsttzten Prtist». Große Abteilinia tu 0tadsahrer> llnzünen. ütadfahrer-Hosrn schon zu 3 M.'Mass< Ilbtcilnng uiitcr Leitung bewährter Kräfte. Sämtltche Maßsachen mit kleiner Preiserhöhung. (Eigene Werkstatt im Hanse.) f2223L* AVoltlions Loshsn dsFinnt mir siuom USUSN Kornaii em ueues Abcuuemsul »uk Koppen-, Ecke Gr. Franlsurterstraße. 'or»dorfcri»ras>c 1. raurstrastc 48. Langestrasic 27. Oranienstrassc 126. Buctoivcritrasie 14 Meiuelcrstratzc 32. Rigacrftrassc 1. Atarkusstraiir 47. Zindrcas-Markthalle Std. 115-118. „ Reihe E 15-18. Frankfurter Allee 181. Gras-Bulter...;;....... 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Die antzerordentlich gut besuchte Versammlung folgte mit Interesse dem Vortrage des Rechts- anwalts Viktor Fränkl über den socialen Charakter des neuen bürgerlichen Gesetzbuches.!ln zahlreichen Beispielen bewies er, dag die socialen Bedürfnisse der Arbeiterklasse in dem Gesetz nicht ge- nügend berücksichtigt sind. Wo Besitzende miteinander zu thnn haben, sei jeder Fall genau gesetzlich geregelt; dagegen sei im Verhältnis zwischen Besitzlosen und Besitzenden das„freie Vertragsrecht" gewahrt, das natürlich den Besitzlosen, als wirtschaftlich Schwachen, benachteilige. Das alte Pfandleihrecht sei beibehalten, ebenso das Gcsindcrccht. Da� sei das Allgcmcinc Landrecht bei seiner Einführung ein weit größerer Fortschritt gewesen, da es über die damaligen socialen Verhältnisse hinausgegangen sei, während das neue Bürgerliche Gesetzbuch nicht einmal die jetzt vorliegenden Zustände genügend be- rücksichtige._ Unter solchen Umständen sei es zu verstehen, wenn ichließlich die Socialdcmokratcn zum Schluß gegen das Gesetz ge- stimmt haben. Der Redner ermahnte die Versammelten, für die Stärkung der Macht der Socialdcmokratic zu sorgen, damit sie die Rechtsverhältnisse zum Wohle des Volkes Hestern könne. Ein- stimmiger Beifall bezeugte die Zustimmung der Anwesenden zu den Ausführungen des Vortragenden. Dann lvurde die folgende Berufs- statistik der Vercinsmitglicdcr verlesen: Der Verein hat 2915 Mit- glieder, darunter eine große Anzahl, die lange Zeit mit den Bei- trägen im Rückstand sind. Unter den Mitgliedern befinden sich zur Zeit: 474 Tischler, einschließlich 2 Tischlermeister; 5 Klavierarbeiter; je 1 Jnstrumcnteinnnchcr, Orgelbauer, Mechanikarbeitcr, Holzarbeiter, Brcttschncider und Bretterträger; 3 Werkzeugmacher; 56 Zimmerer; 7 Kistcnmacher; 13 Stellmacher; 62 Drechsler; 20 Böttcher, ein- schlrcßlicßlich 1 Böttchcrnicistcr; 47 Bildhauer; 1 Formenstecher; 13 Bürstenmacher; 11 Korbmacher; 40 Metallarbeiter; 145 Schlosser; Schmiede; 10 Kupferschmiede; 38 Dreher; 21 Schraubendreher; 62 Gürtler; 17 Graveure; 20 Mctalldrücker; je 4 Ciseleure, Präger und Metallgießer: 6 Gelbgicßer; 8 Schriftgicßer; 35 Former; 5 Vestoßer; je 2 Kernmacher. Zinkgietzcr, Radier, Heizer, Maschinen- melster und Feilerhauer; 69 Klempner; 5 Schnirrarbeitcr; 7 Uhr- macher;� 31 Mechaniker; 8 Silberarbeiter; 16 Rohrleger; 9 Maschinenarbeitcr; je 3 Maschinenbauer, Monteure, Galvaniseure, Fraiser, Baudsägcnschneidcr und Maschinisten; je 1 Silberschlcifer, Silberpolicr.� Optiker, Drahtwebcr und Metnllschlägcr; 212 Maurer; 2 Maurerpoliere; 2 Putzer; 6 Steinmctzc; 13 Töpfer; 6 Dachdecker; 9 Bauarbeiter; 8 Glaser; 4 Glasschleifer; 44 Maler; 1 Stein- arbeiter; 1 Steinschleifer; 2 Steinsetzer; 1 Fliesenleger: 1 Brunnen- macher; 1 Ofensetzer; 1 Glasbläser; 1 Emaillcnr; 1 Glasgraveur; 1 Aetzer; 2 Anstreicher; 1 Schriftmaler; 2 Porzellanmalcr;'38 Vcr- Sil vS'l'.1? Lackierer; 41 Möbclpoliere I 2 Beizer: 1 Schriftsteller; 29 Schriftsetzer; 29 Buchdrucker; 2 Stcrcotypcure; 3 Lithographen; 1� Steindrucker; 1 Silbcrdrncker; 1 Redacteur; 2 Expedienten; 2 Korrektoren; 5 Zcitnngsspcditeure; 40 Buchbinder; 2 Album arbeiter; 1 Goldschnittmacher; 1 Preßvcrgoldcr; 1 Etuiarbciter � �8 L�erarbeiter; 30 Sattler; 19 Tapezierer; 4 Posamentierer; 6 Kürschner; 1 Knopfarbciter; 51 Schuhmacher, einschließlich 1 Schuh- machcrineister; 1 Lederzurichter; 1 Lohgerber; 1 Wcißgcrbcr; 1 Gerber; 47 Schneider, einschließlich 6 Schncidcrincistcr; 1 Damen- schneider; 1 Stepper; 6 Weber; 1 Tcppichtvcbcr; 3 Täschner; 8 Färber; 0 Cizarrenfabrikanten; 30 Cigarrenarbeiter; 8 Cigarren- händlcr; 6 Musiker; 1 Musiklehrcr; 2 Tanzlehrer; 1 Gesangs- dirigent; 1 Brauer; 1 Brauercihilfsarbeitcr; 1 Brenner; 136 Gast- und Schankwirte: 2 Destillateure; 17 Kellner; 1 GastwirtSgchilfe; 1 Oekonom; 10 Kaufleute; 1 Vertreter; 1 Lagerist; 1 Buchhalter; 1 Comptoirist; 1 Burcaugehilfe; 1 Reisender; 29 Hausdiener; 4 Packer; 1 Arzt; 2 Heilgehilfe»; 3 Friseure; 24 Barbiere; 1 Fischer; 6 Schlächter, einschließlich 2 Schlächtermeister; 5 Bäcker, einschließlich 3 Bäckermeister; 1 Konditor; 1 Kartonarbeiter; 1 Gummiarbeiter; 1 Fabrikarbeiter; 1 Hilfsarbeiter; 565 Arbeiter; 6 Gärtner; 1 Kranzbinder; 1 Blumenhändler; 2 Grünkramhändler; 8 Milchhändler; 1 Buttcrhändler; 5 Kohlenhändler; 4 Händler; 11 Kutscher; 8 Droschkenkutscher; 1 Wagenführer; 1 Werkmeister; 1 Fensterputzer: 1 Portier; 2 Verwalter; 1 Kassierer; 1 Privatier; 1 Droguist; 1 Bürstenmacher; 1 Vcrsichcrungs- beamter; von 25 Mitgliedern ist der Beruf unbekannt. Eine Allersstatistik soll, nach der Zusicherung des Vorstandes, ebenfalls veröffentlicht werden. Der Vorstand'machte bekannt, daß das Mitglied B e r b e sich nicht ganz korrekt gegen seine Kollegen benommen habe; da jedoch bei Ausbruch des fraglichen Streiks sich ganz merkwürdige Verhältnisse in der betreffenden' Werk- statt vorfanden, so sei die Angelegenheit als erledigt betrachtet. Ferner wurde ein Gesuch der Gastwirtsgchilfen um Rücksichtnahme auf Lokale verlesen, in denen Vcrbandsmilglicdcr beschäftigt sind. Ein Mitglied rügte die mit der Versammlung zusammenfallende Flugblattverteilung, worauf erwidert wurde, daß die Agitation ein- hcitlich vorgenommen werden müsse, da die Stadtvero'rdnetenwahl ebenfalls einheitlich und gleichzeitig in ganz Berlin stattfinde. Der Genosse Wallmann, der gegen die Principien der Partei ver- stoßen hat, ist vorläufig ausgeschlossen worden, da er sich auch beim Schiedsgericht ungebührlich betragen hat. Nachdem um die strenge Berücksichtigung der Lokalliste ersucht worden>var, gingen die Ver- sammelten mit einem dreifachen Hoch auf die Socialdcinokratie aus- einander. Die städtischen Arbeiter hielten am Mittwoch eine gut besuchte öffentliche Versammlung in Stccherts Saal ab. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf eine schon mehrfach in Versammlungen bc- handelte Angelegenheit, nämlich die als Maßregelung angesehene Entlassung von zwei Arbeitern des Wasserwerkes in Friedrtchshagen. Der Magistrat hatte es seiner Zeit abgelehnt, wegen dieser Sache vor dem Einigungsamt zu erscheinen, er hat ober eine Untersuchung in der Angelegenheit veranstaltet, ohne aber einen Arbeiter zu vernehmen. Auf Ersuchen einer Versanmtluug ist dann eine erneute Vernehmung vorgenommen worden, zu der auch die beteiligten Arbeiter hinzugezogen worden sind. Wie der Referent P ö r s ch mitteilte, ist jetzt die Antwort des Magistrats ein- gegangen, welche dahin lautet, daß nach dem Ergebnis der Unter- suchung nicht angenommen werden könne, der Betriebsleiter A n k l a m habe das Koalitions- und Pctitionsrecht der Arbeiter beschränken wollen. Weiter heißt es in dem � Schreiben des Magistrats, die beiden entlassenen Arbeiter G. und Sch. seien vernommen worden. G. habe selber zugegeben, daß er sich mehrfacher Verstöße gegen die Arbeitsordnung schuldig gemacht habe und die Angaben des Sch. seien so unklar gewesen, daß nichts daraus zu entnehmen war. Es müsse demnach bei dem früheren Bescheid des Magistrats bleiben.— Der Redner führte nun aus, man sei in Arbeiterkrciscn nach wie vor der Ansicht, daß die Entlassung der beiden Arbeiter, welche Vorstandsmitglieder der Verbandsfiliale in Friedrichshagen waren, eine Maßregelung gewesen sei. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, dann hätten doch die Gründe der Entlassung angegeben werden können. Das sei aber bis heut, auch in dem letzten Schreiben des Magistrats, nicht geschehen. Die Weigerung des Magistrats, vor dem Einigungsamt zu erscheinen, lasse darauf schließen, daß der Magistrat einer unparteiischen Untersuchung der Angelegenheit ausweichen wolle. Der Redner vertrat die Ansicht, oaß die von einem beim Stadtausschuß thätigcn Assessor betriebene Untersuchung nicht so gchandhabt worden sei, dav der Sachverhalt hätte flar gestellt werden können.— So lange Herr Anklam seine Stellung auf dem Friedrichshagener Werk bekleide, werde wohl keine Zufriedenheit unter den dortigen Arbeitern eintreten, denn Herr ilnklanr habe schon wieder neue Maßregelungen vorgenommen. In- !ölge ihrer vorjährigen Petition seien den Arbeitern Lohnzulaoen nach Maßgabe des Dienstalters zugesichert worden. Herr Anklam habe nun diese Zulagen ganz willkürlich und ohne Rücklicht auf das Dienstalter bewilligt. Infolgedessen sei Herrn Anklam eine von fast allen Arbeitern des Werkes unterzeichnete Eingabe eingereicht worden, worin diese bitten, daß ihnen— wie es auf anderen städtischen Werken geschehen ist— mitgeteilt werde, nach welchen Grundsätzen die Zulagen bewilligt werden, damit jeder Arbeiter wisse, auf einen wie hohen Lohn er eigentlich Anspruch habe. Diese Eingabe sei dem Herrn Anklam an einem Sonnabend von drei Arbeitern über- reicht worden. Einer derselben, der auch Kassierer der Verbands-Filiale ist, sei am darauffolgenden Montag cnt- lassen worden. Als Grund der Entlassung sei zwar ein unentschuldigtes Ausbleiben des Arbeiters am vorher- gehenden Montag angegeben worden. Da aber die ganze Woche und auch die Lohnzahlung am Sonnabend vorüberging, ohne daß das Ausbleibe» des Betreffenden gerügt wurde, die Entlassung vielmehr erst nach Ueberreichung der Eingabe erfolgte, so nahmen Arbeiter und llntcrbcamte an, daß die Ueberreichung der Eingabe der wahre Entlassungsgrund ist. Herr Anklam stelle jetzt ein pein- liches Verhör mit den Arbeitern an, um die Urheber der Eingabe ausfindig zu machen. Diese Vorgänge bestärken die Arbeiter in der Ansicht, daß Herr Anklam, trotz der entgegengesetzte» Behauptung des Magistrats, das Koalitions- und Petitionsrecht der Arbeiter beschränke.— Zu diesem Punkt wurde folgende Resolution angenommen: Da der Magistrat es seiner Zeit abgelehnt hat, in der Friedrichs- Hagener Angelegenheit vor dem Einigungsamt zu erscheinen; da bei der ersten vom Magistrat vorgenonnnenen Untersuchung kein Arbeiter vernommen wurde und auch in dem zweiten Schreiben des Magistrats die Gründe der Entlassung der beiden Arbeiter nicht angegeben sind, so ist die Versammlung zu der Ansicht gekommen, daß der Magistrat eine Feststellung des Ivnhren Sachverhalts grundsätzlich vermeidet. Die Versammlung beschließt daher, die Angelegenheit dem Stadtvcrordnctcn-Kollcginm zu unterbreiten mit der Bitte, eine Untersuchung der Angelegenheit und die Wiedereiustellung der Ent- lasscncn zu veranlassen. Ferner wurde eine Protestresolution gegen das Verhalten des Herrn Anklam angenommen. Im zweiten Punkt der Tagesordnung wurde die Lohn- bewegung der Arbeiter des Schlacht- und Viehhofes behandelt. Die- selben habe», wie aus den Darlegungen mehrerer Redner hervorging, im vorigen Jahre eine Petition um Lohnaufbesserimg zunächst beim Stadtrat Hübncr, und dann, als keine Antwort erfolgte, beim Di- rcktor Hausburg eingereicht. Die Angelegenheit hat sich bis jetzt hingezogen, ohne daß die Arbeiter einen endgültigen Bescheid er- hielten. Neuerdings hat sich der Stadtverordnete W i l k e der Sache angenommen und dieselbe im Kuratorium des Schlacht- und Viehhofes vertreten. Infolgedessen soll den Arbeitern auch eine Lohnzulage bewilligt worden sein. Bestimmtes ist hierüber jedoch noch nicht bekannt. Es wurde eine Resolution angenommen, ivclche sagt: Die Versammelten hoffen, daß die Vcr- waltung des Schlacht- und Viehhofes den Arbeitern Bescheid zu- kommen läßt, ob sie eine Lohuzulage erhalten oder nicht. Hierauf begründete P ö r s ch und andere Redner die Forderung der städtischen Arbeiter ans Gewährung von Sommerferien. Dazu lvurde folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß den städtischen Beamten ein Sommcrürlaub gewährt wird, die Arbeiter aber einen folcklen zur Erholung und Stärkung ihrer Gesundheit ebenso notwendig brauchen ivie die Beamten, richtet die Versammlung an den Magistrat die Bitte, vom nächsten Jahre an allen städtischen Arbeitern, die länger als 5 Jahre im Dienst sind, im Sommer eine Woche Urlaub unter Weiterzahlung des Lohnes zu gewähren. Holzbearbeitungöbrauche. Am Dienstag fand im„Englischen Garten" eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung der Arbeiter der H o lz b e a r b e i tu n g S b r a n ch e statt, um zu dem bei der Firma Lange u. Wagner auSgcbrochcnen Streik Stellung zu nehmen. Auch eine Anzahl Fräscreibesitzer und Meister hatte sich eingefunden. Der Verttauensmann I ä ck berichtete in längeren Ausführungen über die init der Firma gepflogenen Unterhandlungen, die resnltntlos verlausen seien. Herr Lange, der die beiden Kommissionsmitglieder Hofmann und Jäck in der HanSthür in Gegenwart eines Kriminal- bcamtcn empfing und mir ihnen unterhandelte, habe Redensarten gebraucht, die man sonst kaum von einem gebildeten Manne höre. Die Bemerkungen bezüglich der Nichtverbändlcr in den Inseraten der bürgerlichen Zeitungen erklärte Herr Lange als auf einem Versehen beruhend, obwohl er früher äußerte, daß er vom Verband un- abhängig sein wolle. Eine klare, unzweideutige Antwort auf die Forderungen der Kommission sei von Herrn Lange nicht zu erhalten gewesen. In der Diskussion gingen die beiden nächsten Redner, Krause und Sauerzapf, aus die Zustände in der Fabrik der genannten Firma des näheren ein, führten unter lebhafter Zustimmung eine Reihe drastischer Beispiele an, in tuelchcr Weise Herr Lange seine Leute zu behandeln pflege, beleuchtete die Konkurrenz der Firma, die allerdings infolge ihrer Prcisdrückcrei nicht genügend verdiene und sich daher an den Arbeitern schadlos zu halten suche, Auch die unzureichenden Sicherheitsvorrichtungen in dem gcfähr lichcn Betriebe wurde einer scharfen Kritik unterzogen. Herr Lange, der in der Versammlung erschienen war und, seinem Verhalten nach zu schließen, mit den parlamentarischen Gepflogenheiten noch recht wenig bekannt ist, erwiderte, daß er die Brauchbarkeit der betreffenden Arbeiter nicht leugne, daß er in seinem Benehmen allerdings etwas„kurz" sei und weist den Vorwurf der Preisdrückerci zurück. Unter stürmischer Heiterkeit bezweifelte Herr Lange schließlich eine eigene Absicht, die organisierten Arbeiter ans seiner Fabrik entfernen zu wollen. Fräsereibesitzer Melle spricht sich in entschiedenster Weise gegen die Finna Lange u. Wagner ans und bemerkt, daß er für dieselbe keine Arbeit übernehmen werde. Er giebt der Hoffnung Ausdruck, daß die streikenden Arbeiter bald anderwärts untergebracht werden könnten. Bezüglich der Schutzvorrichtungen werde er bei der B e r u f s g e n o s s e n s ch a st. bei der er delegiert sei, Bericht erstatten. In ähnlichem Sinne spricht ein anderer Unternehmer sich aus. Nachdem noch weitere Diskussions- redner gesprochen, wurde Herr Lange vom Vorsitzenden befragt, ob er nun auf die Fordcruugcn der Arbeiter: Anerkennung der Organisation, des Arbeitsnachweises und Einstellung aller Streikenden endgültig und definitiv eingehen wolle. Nach verschiedenen Winkelzügcn gab Herr Lange endlich die Er- klärung ab, daß er die Forderungen der Arbeiter voll anerkenne, worauf der Streik für beendet und die Ausständigen sich zur Auf- nähme der Arbeit bereit erklärten. Die Steinsetzer hielten am 18. Juli in Rümannschen Lokale eine gut besuchte öffentliche Versannnlung ab, in welcher Genosse Faber einen instruktiven Vortrag über die Rechte und Pflichten der Arbeiter in der Zwangsinnung hielt. Die Ausführungen des Referenten wurden in einzelnen Punkten durch K n o l l ergänzt. Als Kandidaten für den Gesellenansschuß wurden nominiert: Kopres, Peter, Dierberg, Kiinpe. Kunze, Langen und als Ersatzmann Lutter. Als Revisoren für die Streik- abrechnnng wurden gewählt: K n u p e, W. Damm, Langen, G. Kreckow, W o i t s ch ä tz k i und P r i e b st. Es lvurde sodann bekannt gegeben, daß demnächst neue Streikfonds-Kartcn zur Aus- gäbe gelangen und daß die alten Karten behufs Kontrolle am Sonn- abend, den' 22. Juli, eingezogen werden. Hierbei lvurde auch darauf hingewiesen, daß ein Teil der Kollegen im Zahlen seiner Streiffonds-Beiträge lässig zu werden beginne, und daß auf die Lässigen eine aufmerksamere Kontrolle verwendet werden müßte. Weiter wurde beschlossen, am Quartalstag(12. August), der seit Bestehen des Verbandes als Stiftungsfest gefeiert wird, nicht zu arbeiten. Knoll empfahl, daß man dann aber auch den 1. Mai durch ArbcitSruhe feiern solle. Die Strcikfondsbeiträge für diese Woche sollen dann schon am Freitag, den 11. August, von abends 7 Uhr ab bei Nümann abgeliefert werden. Ferner wird mitgeteilt, daß die Jnnungsmeister Hirsch sen. und Heuer nur den Minimallohn von 60 Pf.' pro Stunde zahlen, während doch vor dem Streik auch all- gemein 60 Pf. gezahlt worden sind. Es konnte aber auch mit« geteilt werden, daß mehrere Firmen schon über den Maximallohn von 65 Pf. hinausgegangen sind und 70 Pf. Stundenlohn bezahlen. Knoll crmahnt die Versammlung, sich durch diese letztere Thntsache nicht in Sicherheit wiegen zu lassen, sondern stets eingedenk zu sein, daß die Unternehmer nur gezwungen die Zugeständnisse gemacht haben und infolgedessen bei dem ersten Umschlagen der Konjunktur versuchen werden, die Zustände herbeizuführen, die vor dem Streik bestanden haben. Die einzige Möglichkeit, diesem wirksam entgegen treten zu können, sei die Festigung der Organisation. Diesem Ziveck diene ein in der Versammlung zur Ausgabe gelangtes Flugblatt, dessen weiteste Verbreitung sich jeder Steinsetzer angelegen fein lassen solle. In einer Versammlung der Schuhmacher am Mittwoch wurde über den Ausstand in der Filzschnhfabrik von Emil P i n n e r Nachfolger(Jnh. Manaffe) verhandelt. Wie H e r r m a n n als Mitglied der Lohukommission berichtete, ist der Ausstand in dieser Fabrik, Ivo bei dem früheren Inhaber bessere Arbeits- und Lohn- Verhältnisse waren, dadurch entstanden, daß durch den Wechsel des Inhabers sowie deS Werkführers die Verhältnisse immer unerträglicher wurden. Zunächst sollte aus der Arbeitsordnung der Passus aus- geschieden werden, daß Arbeiter wegen Streiks nicht entlassen werden sollen, wogegen die Arbeiter natürlich sich sträubten. Jede gütliche Vorstellung bei'dem etwas nervösen Inhaber scheiterte, indem er auf den Werkführer Krahmcr verwies. Dieser Herr ist durch seine früheren Stellungen als Werkführer, namentlich von der Schuhfabrik in Erfurt, durch fein schroffes Auftreten allen Ar- bcitern gegenüber, bei diesen überall gründlich verhaßt. Denn swo früher"friedliche Zustände herrschten, änderte steh das Ver- hnltnis sofort, Ivo und wenn Herr K. Werkführer wurde. So auch in dieser Fabrik, wo er nicht nur durch sein hochmütiges Auftreten die Arbeiter aufs äußerste empörte, sondern auch bei jeder Lohnzahlung ohne vorherige Ankündigung, d. h. immer wenn die Arbeit fertig gestellt. Lohnabzüge bis zu 20 und 25 Proz. eigenmächtig!vor- nahm. Jede Beschwerde bei dem Inhaber Manaffe lvurde schroff zurückgewiesen, mit dem Bemerken, daß der Wcrksührer das wohl am besten beurteilen könne. Als sich sämtliche Ar- bcitcr weigerten, die neuen Bedingungen zu unterschreiben, folgte deren Entlassung in schroffster Weise. Nunmehr sah sich die Lohnkommission veranlaßt, mit Inhaber und Werkführcr zu vcr- handeln, weil gerade die besten und ältesten Arbeiter der Firma von der Entlassung betroffen waren. Herr Manaffe verwies darauf, daß der Fabrikaiiteuverband darüber zu entscheiden habe. Er könne die Entlassenen nicht mehr aufnehmen, da er be- rcits neue Arbeiter eingestellt habe. Es erfolgte nun- mehr eine Besprechung, an tvclchcr Herr Manasse, der Vorstand des Fabrikantenvereins und Herrmann als Mit- glicd der Lohnkommission teilnahmen. Aber auch hier war selbst der VermittelungSvorschlag des Vorsitzenden der Unternehnier zu Gunsten der Arbeiter fruchtlos, namentlich deshalb, weil_ es Herrn Manasse ärgerte, daß die bösen Arbeiter„sogar Streik- p o st e n stellten" l'l Selbst die einsichtsvolle Entgegnung des Vor- sitzenden:„Das ist doch sehr erklärlich, wer will das den Arbeitern verdenken, wir Fabrikanten machen es doch nicht besser, wir steUcn auch Posten anö," führte zu keiner Einigung. Mithin hat man das Urteil der Ocffcutlickikeit angerufen, ob sich die Kollegen mit den AnS- gesperrten solidarisch erklären, da am Donnerstag, 21. Juli, eine abermalige Verhandlung stattfinden soll. Zunder und einige andere der Ausgesperrten erklärten, daß sämtliche Ar- bcitcr einmütig bei ihrer Forderung beharren und Mgnasse jedenfalls nachgeben werde, entweder den Werkstihrer zu entlassen und die Entlassenen wieder einzustellen oder daß der Ausstand mit Nachdruck fortgesetzt werde. Herr Schulz als Vertreter der Fabrikanten erklärte, daß man bei einer abermaligen VerhandlnngZ jedenfalls zu Gunsten der Arbeiter zu einer Einigung kommen werde. Nachdem Hermann noch er- suchte, die Beiträge für den Unterstützungsfonds pünktlich zu leisten und für die Organisation der Schuhmacher rege zu agitieren, ge- langte eine Resolution zur e i n st i m m i g e nf A n n a h m e deS Inhalts, daß die Schuhmacher Berlins sich mit den Ausgesperrten solidarisch erklären und sich verpflichten, dieselben bis zur endgültigen Entscheidung moralisch und materiell zu unterstützen. Hierauf er- folgte Schluß der Versammlung. Die Maurer der centralen Riehtnng hörten am Mittwoch einen Vortrag des Genossen G. Wagner über: Volksbildung und Klassenbewußtsein. Der Vortrag fand reichen Beifall. Dann wurde über zwei Anträge verhandelt, die die Erhöhung des Beitrags zum Streikfonds von 25 Pf. auf 50 Pf. verlangten. In der erregten Diskussion wurde beantragt, die Angelegenheit für die nächste Versammlung auf die Tagesordnung zu setzen. Die an- wcscndcn 400 bis 500 Maurer konnten nicht über 5000 Kollegen bestimmen. Warum das nicht schon früher bekannt gegeben sei? Darauf wurde erwidert, daß der Streik viel gekostet habe und es Pflicht sei, das rasch wieder einzuholen. Hinausgeschoben dürfe die Sache nicht werden, da in der Provinz jetzt überall Lohn- kämpfe ausgebrochen feien. Als der Antrag auf Erhöhung der Bei- träge in der folgenden Abstimmung angenommen wurde, verließen die' Gegner des Antrages demonstrativ den Saal. Die Abrechnung soll diesmal mehrere Tage vor der Generalversammlung in einem Flugblatt veröffentlicht werden. Zum Schluß wurde die Verbands- leitung angeregt, die dänischen Ausgesperrten zu unterstützen. Britz. Am 14. Juli hielt der Volks-Bildungsvereiu eine General- Versammlung ab. Nach dem Jahresbericht deS Vorstandes fanden 4 Generalversammlungen und 16 Mitgliederversammlungen statt; in den Versammlungen wurden 15 Vorträge und 5 Vorlesungen ge« halten. Die Mitgliederzahl beträgt 59 gegen 47 im vorigen Jahre. Die Einnahme betrug 198,88 M., der eine Ausgabe von 149,55 M. gegenübersteht, mithin verblieb ein Bestand von 49,33 M. Für die Bibliothek wurden 14 Bände gekauft; dieselbe weist jetzt 60 Bände auf. Die Vorstandswahl ergab Händel, Vorsitzender, Schön- b e r g, Schriftführer und D i e tz e, Kassierer. Eingegangene Drnikschriften. Don der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Bcrlag) ist soeben daS 43. Heft des 17. Jalirganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir her- vor: Wille gegen Wille.— Die Konzentration der Betriebe in Oestreich. Von Emst Berner.— Tugan-BaronowskijS Forschungen zur Geschichte des Kapitalismus in Rusjland. Von I. Karsli.— Die Kravalle von Herne. Von Otto Huö-Esien.— Litterarische Rundschau.— Feuilleton: An der Schwelle deS neuen Jahrhunderts. Eine naturwissenschaftliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer.(Schlich.)> Don der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 15 des 9. Jahrgangs zu- gegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Dirne alS SchiltzgLttin der Ehe und Staatsretterin.— Der intemationale Fraueiikongach in London. Don Lily Braun-Berlin.— Ein Erwcrbszweig der Frauen im Grobherzogtum Hessen. Don 8t.— Feuilleton: Jack. Geschichte eines wahren Romans. Von Alphonse Daudet.— Deutsch von Wilhelm Thal.(Schluß.)- Notizenieil von Lily Braun und Klara Zetkin: Frauenarbeit ans dem Gebiete der Industrie, des Handels und Verkehrs, Wesens.— Gewerkschaftliche Arbciterinneiiorganisation.— Frauen- timmrecht.— Frauenbewegung. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost-Zeitmigsliste für 1899 unter Nr. 1033) beträgt der AboniiententSpreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 65 Pf,; unter Kreuzband 85 Pf. ffiie de» Iulialt der Jiiscrnle iil>er»i»i«it die Nedakti»» dein P«blikuitt negeiiüber rclnerlci Vcr»iil>l>or>»iig. �hrnkev. Freitag, den 21. Juli, Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur, Borcher: Zum Einsiedler, Ansang W, Uhr, Westen. Die verstmlene Glocke, Anfang 7 Uhr, Neues. Die Wahrsagerin, Vorher i Die Frage an das Schicksal, Anfang 7l/z Uhr, Schiller. Martha, oder: Der Markt zu Richmmid, Anfang?»/, Uhr, Central. Lumpeupack, Anfang«Uhr Friedrich- LAllhelnistiidtischeS. Der Trompeter von Säklingen, Anfang 8 Uhr, Alexanderplatz. Nana. Anfang 8 Uhr, Ostend. Die Ahnfrau, Ailf. 8 Uhr, Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Bclle-Zllliance. SpecialttZten-Dor- Kellung. Anfang 8 Uhr, Apollo. Frau Lima. Spccialitiiten- Borstcllling. Anfang 8 Uhr, Reichshallen. Stcttiner Sänger, Ansang 8 Uhr, Passage- Panopllkni». Spectali- tnien-Bvrsiellnng. Urania. Juvalidenslr. kl?/«;«. ?'glich adendö von ö—ll) Uhr: t-U'VlllUllVtC. SlhisitlÄjtlittt sWallner-TheateN. M o r rv i t as- O p e r. Freitag, abcn ds 7V, U h r: Gastspiel Itiitvl: Httuvthiv, oder: Der Markt zu Hichmond. Sonnabend, abends 7r/zUh r: Volketllmllods 0pem-Vor-tollung bei halben Preisen: XH« ZanbcrflUie Sonntag, n bends 7V, Uhr: Vorletztes Gastspiel XZiUcI: Der Troubadonr. Montag, abendö?>/- Uhr: Zum erstenmal-(Neu): Vlnupoh. Oper von M, Lion, Hierauf: IZio lieglmsntstvoktsr. Crntvnl Trxenkvv Direktion: 0oss llerencr� Gesaint-Gastfpiel des Hamburger Ems! Ömeker-Tlieaters Anfang 8 Uhr, Uumprnpnck. Gr, Hamburger Bollostück mit Gesang iu sechs Bildern, Morgen und folgende Tage: Dninpcnpack. Hamb, VolkSstllck, Ab 1. August: Gastspiel des Berlmer Lustspiel-Ensembles:„Tor Heiratsmarkt". Schwank in Z Akten, Nßtiid° sslirl Mcisj- Thtütcr. Gr. Franlfiirlcrfiraste lllL. Kleine P>cise. Parkett 1,10. Cyklus volks IQmllcher Schauspiele. Die Äljttfrau. Trauerspiel in 5 Ak:c»von Grillparzcr, Anfang 8 Uhr Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung, Heute im Garten: Specialitäten- «nid Theater-Varstelliing, fassalje-panoiillcum S Uhr früh StS 10 Uhr abends. Von Li/z Uhr ab: Specialitäten. Letzte Woche! Die Ritsen- briidtr. Heroiii und lleon» in ihrer Burlesk- Szene: vis RIeeenbraut. CASTANS iPANOPTICÜMl Die sensationellen lebenden-�Gi |Photogpaphien Sf mit Figuren in Lebensgrösse. Die russische Damsnkapelle in mcskowitischen KostUmen. Neichshalleit. Garten resp. Saal täglich: Stettiner Sänger (Metzfel. Pietro. Vritton. Sleidl, Krone, K i r ch in a y e r, Schneider lind Schräder). Hente Frcitaj;; Neues Programm! Anfang 8 Uhr. Vorher: 3%r Konzert."�2 Sonnabend: ein mgnngttt Mhltng. Tageskasse 11—1 Uhr. U IjliiidlZ sliutei'. Brnmieilstrabe 18, Täglich: Theater-», Specialitäten- Borstcllnug. iVen! Xcn! Durch Mmu uilii Wellen. Lebensbild mit Gesang in 1 Akt von O. Nichter, t Grosser Beifall! Die Schmetterlinge oder: Goldene Tage. AuSstattuugs- Burleske mit Gesang und Tanz von W. Gericke, Musik von Wappaus, Im Saale: TaiiiukrUnzielien. Sommer- Theater ..Alker DiMkr" Artillcriestr. 32. Inhaber: A. f.adcivig. Schattigster Garten Berlins, Täglich: Theater«ud Spccialitäten-Borstcllillig. Neiropol-'l'köater. Bohrenstr. bZ.54, Direktion: Bichard Schölts. Grüsstcr Salson-Ei'foljs!!! 91/2 TIhr: Sf, Uhr: Berlin lacht! Frank- Itonhair- Truppe. Werner Amoros Pantomime. 8 Champions, sowie die übrigen Kunstattraetlonen. Anfang 8 Chr._ Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Frau Lima mit dem I.nftbnllctt „Cri'lgolatis". Forner: K Otto Beutter$ und 9 neue Specialitäten. Anf. des Garten-Konzerts T Uhr. „ der Vorstellung' 8 Uhr. Blliet-Vorverkanf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Prater Theater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: DoriisBcNi. BottSstück mit Gesang n, Tanz v, Hugo Schulz, Musik von A. Kersteu. Kostüms on breite Fränl, llucie Sarow. Eevr, ANiardo, Grot, Duett, Tauma-Yuartett, Gesang und Tanz, Die 3 Soliiinbruims, humoristisches Bilderbuch, ThesFlashes, Excentries. Vendaro-Trlo, Erereitien am Hand- Trapez. Daniel- Truppe, Pantomime. Ballettgesellschaft Ddrlng. ZM" Konzert und Ball."WA Eintritt wochentags und Sonntags 30 Pf,,»um. Platz ÖV Pf, Kalbo. Ostbalin-Park Beim ahn Imbs 71 RiidrrSdorfcr Strasse 71, n 11t K ii st r i 11 e r Platz, Täglich: lio ti zert, Tkieater- «»d Speeialitäten-Borstellung. Nur erstklassige Nummern. Anfang: Sonntags sUhr, Entree 20 Pf, Kinder 10 Pf, Sperrsitz Nachzahl, 20 Pf, Anfang: Wochent. 5 Uhr, En n ee 10 Pf, Kinder 10 Pf, Sperrsitz Nachzahl, 10 Pf. Jeden Dienstag: Korddciitsche Shiiger. _ Sei- 111 au 11 Imbs, Direktor, iiilO'ln Badstraste 35/36. Negie: Willy Reusche. Direktion: Max Mckelburg. Heute sowie täglich: Bongert-, Theater- nnd Specialitäten-Vorstellung. Berlin ivie's»äht und trennt. Rosen ans dein Süden. Nach der Lorstellnng:«all. R. Baiischmieders „Kastanienwäldclien" Aonzertgarten n. PrnWle Badstr.lS, Oesundbrunnen, IZadstr, 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Strcich-Konzcrt. Sonntags: Großer Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeitcn, R. Ballschnilsder. Pnblmanns Vaiidevüle- Theater Inhaber F. Lehmann, Schänh, Allee 148. Kastan.-Allee 97/99, Täglich: Koiim't, Tüeater n. Speciaiitiiten- Vorstellung. 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Für den Inseratenteil»erannoortlich: Tb.«locke tu Berlin. Druck und Verlag vou Mar Badiiig in Berlin