Ur. 169. Kbomtments-Kcdwgungen: Etonncment«-Prei» pränumerando: «Zierleljährl. 3�0 Mk., monall. 1,10 MI.. wocheulltch 23 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 3 Plg. Sonntag»« Nummer mU illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post« Abonnement: SL0 Mark pro Quartal. Eingetragen In der Post- Zeitung»- Preisliste für ISVS unter Air. 7880. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige llu»land 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich«uyer Montag«. Derlinev VolksblAkk. 16. Jahrg. Die Ansertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zetle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerls chastltche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jede» Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in derExpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen di» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet, Fernsprecher: Amt I, Dr. 1308. Telegramm< Adresse: „Sorialdemokrat verlin" Csntrawrgan der socialdemokratiMen Partei Deutschlands. Redaklion: SW. 19, Veuth-Skratze 2. Sonnabend, den Ä55. Juli I.8tl9. Expedition: 19, Bcnkh-Skratze 3. Das Urteil über die sächsischen Urteile. In Nr. 31 des„Vorwärts" war die politische Atmosphäre in Sachsen geschildert worden, aus der das Urteil gegen die Teilnehmer am bekannten Löbtauer Baukrawall entsprungen war. In dieser Schilderung fand sich der Satz: ..... Und wohlbekannt ist die Spruchpraxis des höchsten sächsischen Gerichtshofes, der oft ohne Umschweife die An- oehörigen der Arbeiterpartei als minderen Rechtes erklärt hat denn andere Staatsbürger. Inmitten aller dieser UnterdrückungSbestrebungen aber schritt die Arbeiterklasse voran..." Diese Sätze empfanden die Nichter des sächsischen Ober- Landesgerichts als Ehrenkränkung und der sächsische Justiz- minister stellte Strafantrag gegen unseren verantwortlichen Redacteur. Dieser wurde am 17. Juni d. I. von der vierten Strafkammer des Berliner Landgericht I freigesprochen. Der Freispruch erregte erhebliches Aufsehen und wurde besonders von der sächsischen„Ordnungs"-Presse mit heftigsten Vcr unglimpfungen der Berliner Richter ausgezeichnet. Auch bei den Zuchthausgcsetz-Debatten im Reichstag spielte dieser Frei spruch bereits eine Rolle. Als der Abgeordnete R ö s i ck e auf denselben hingewiesen hatte, erwiderte der sächsische Bundesratsbevollmächtigte Ministerialdirektor Fischer: „Eigentümlicherweise ist nun— wahrscheinlich je nach dem politischen Standpunkt des betreffenden Berichterstatters— der Vorfall in der einen Zeitung ganz anders dargestellt als in der anderen; ich glaube deshalb, mein Urteil über dieses Urteil des Land- gcrichts so lange zurückhalten zu sollen, bis die schriftliche Aus- fertigung, der Wortlaut dieses Urteils vorliegen wird. Solange aber dies nicht der Fall ist, solange ich mich nicht aus diesem Urlcil eines besseren— oder soll ich sagen: eines schlechteren?— belehren lassen mutz, erkläre ich hiermit nachdrücklichst, dah ich es für ausgeschlossen erachte, dah die dem Berliner Landgericht vorgelegten Urteile des sächsischen Obcr-Landesgerichts auch nur den Schein hätten erwecken können, als ob das ObeQ-Landesgericht jemals das Recht gebeugt und parteiisch gegen- über den Socialdemokraten entschieden hätte. Ich halte zweitens für ausgeschlossen, datz eine solche thatsächliche Feststellung seitens eines preutzischen Gerichts erfolgt sein könnte. Ich bitte auch Sie, meine Herren, nach Lage der Sache mit Ihrem Urteil hierüber einstweilen zurückhalten zu wollen." Jetzt ist die schriftliche Ausfertigung des Urteils erschienen Ob seiner Bedeutung für die Stellung der Justiz zur Politik und auf daß die Wißbegierde des sächsischen Bundes- rats-Bevollmächtigten— der, wie er mitteilte, zu unseren eifrigen Lesern zählt— möglichst fchncll befriedigt werde, geben wir, unter Auslassung unwichtigerer oder genügend be kannter Abschnitte, das Urteil hier wieder.— Nachdem das Urteil festgestellt hat, daß in dem Artikel des„Vorwärts unter„Arbeiterpartei" Socialdcmokratie verstanden sei, fährt es fort: Sonach hat der Verfasser die Thatsache behauptet: das könig- liche Ober-Landesgericht zu Dresden habe wiederholt Urteile erlassen, durch welche es offen die Angehörigen der socialdemokratischen Partei für minderen Rechtes erklärt hätte als andere Staatsbürger und diese Urteile stellten aus Unterdrückung der Socialdcmokratie gerichtete Bestrebungen vor. Datz solche Urteile seitens der Richter des Ober- Landesgerichts zu Dresden etwa wider besseres Wissen gefällt worden seien, datz sonach die genannten Richter sich einer be mutzten Rechtsbeugung schuldig gemacht hätten, dieser Vorwurf ist nach Auffassung der erkennenden Strafkammer in jener Behauptung objektiv keineswegs enthalten. Es liegt auch kein Grund zu der Annahme vor, datz der Verfasser oder Verbreiter des Artikels einen solchen Borwurf gegen die Richter des Dresdener Ober-Landesgerichts hätte erheben wollen. Die nächstliegende und durch den Wortlaut an die Hand gegebene Auslegung ist vielmehr die. datz der Passus besagt, die genannten Richter hätten zwar nach bester Ueberzengung, aber doch unwillkürlich von ihren politt- scheu Anschaunnge» bccinflntzt, Urteile des behaupteten Inhalts erlassen. Der Wortlaut spricht insofern für diese Auslegung, als davon die Rede ist, datz die Richter die Urteile„ohne Umschweifegefällt hätten, datz sie also ihren Standpunkt offen und klar zum Ausdruck gebracht hätten, was mit dem Vorwurfe, sie hätten sich des schweren Verbrechens einer bewutzten Rechtsbeugung schuldig gemacht, kaum in Einklang zu bringen wäre, vielmehr deutlich dafür spricht, dah den Richten! der gute Glaube an die Berechtigung ihrer Entscheidungen ausdrücklich zuge st anden werden sollte. Ob bei dieser Auslegung der inkriminierte Passus überhaupt noch eine Beleidigung enthält, erschien zweifelhaft und wird unten noch des näheren zu eröttern sein.... Wesentlich erschien dagegen der Wahrheitsbeweis, den der Angeklagte durch Berufung auf eine Reihe von Urteilen des köniF liche n sächsischen Ober-Landesgerichts zu Dresden erboten hat. Der Vertreter der'königlichen Staatsanwalt- schaft erachtete allerdings diese Beweiserhebung für über- flüssig, weil er in dem inkriminierten Artikel den Vorwurf einer bewußten Rechtsbeugung erblickte, über dessen Nichtigkeit sich nur durch persönliche Vernehmung der beleidigten Richter Beweis erheben liehe. Die Strafkammer teilte aber diese Auslegung des Artikels nicht und konnte sich deshalb der Erhebung des erbotcnen Beweises nicht entziehen. Als Ergebnis dieser Beweisaufnahme, die durch Verlesung der angerufenen ans den herbeigeschafften Originalakten erfolgte, ist folgendes hervorzuheben: I. In der Strafsache gegen den Kcttenarbeitcr Naumann(Akten des Amtsgerichts Burgstcdt 94. 91) ist in dem Urteil des könig- liche» Ober-Landesgerichts zu Dresden vom 28. Januar 1892 folgendes ausgesprochen; Ein Erlatz der der AmtShauptmamischaft zu Nochlitz, durch welchen die Veranstaltung öffentlicher Geldia mm- I u n g e ii unter Strafandrohung von einer vorherigen polizeilichen Genehmigung abhängig gemacht worden war, sei rechtsgültig, weil sie eine zur Ausrechterhalttmg der öffentlichen Ordnung getroffenen Matzrcgcl vorstelle; die öffentliche Ordnung könne durch öffentliche Geldsammlungcn in mehrfacher Hinsicht gefährdet werden, unter anderem auch insofern, als solche Sammlungen„zur Verfolgung unerlaubter mit der öffentlichen Wohlfahrt nicht vereinbarer Zwecke dienen können." Wörtlich heitzt es dann in dem Urteile weiter:„Die Polizeigewalt umfatzt sowohl die Wohlfahrts- als die Sicherheitspolizei. Ihre Aufgabe besteht nach beiden Richtungen hauptsächlich in einer vorbeugenden Thätig keit, welche darauf ausgeht, unerlaubte und ungesetzliche Handlungen zu verhüten. Der Begriff der öffentlichen Ordnung kann daher nicht auf die Abwehr äutzcrer Unaebührnisfe beschränkt werden. Jeden- falls umfatzt derselbe den Bestand der in Z3 der Verfassungsurkunde für das Königreich Sachsen gewährleisteten monarchischen Regierungs form, auf deren Untergrabung, wie notorisch die Bestrebungen der Socialdcmokratie gerichtet sind. Auch im vor- liegenden Falle handelt es sich um eine Geldsammlung, welche zur Verfolgung von socialdemokratischen Partcizlv ecken veranstaltet wurde. Es ist daher auf den unbefugten Veranstalter derselben die Eingangs erwähnte Polizei liche Verordnung mit Recht angewendet worden." II. In der Strafsache gegen den Schuhmacher Messing und Genossen(Akten des Amtsgerichtes Dresden.A. a. III 46 91) hat das Obcrlandcsgericht zu Dresden in dem Urteile vom 15. Okt. 1891 eine gemeinschaftliche Bekanntmachung der Polizcidirektion und des Rates zu Dresden vom 8. Dezember 189(1 für rechtsgültig erklärt, indem teilweise wörtlich übereinstimmend mit dem Urteile zu I— ausgeführt wird, datz zwar ein allgemeines gesetzliches Verbot der Veranstaltung öffentlicher Sammlungen ohne polizeiliche Genchmi gung, nicht bestände, datz aber die einzelnen Verwaltungsbehörden befugt seien, krast ihres polizeilichen Verordnungsrcchtes solche Ver- böte zu erlassen. Das Urteil fährt dann fort: „Es kann auch nicht behauptet werden, datz nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bc strebungen der Socialdemokratie vom 31. Oktober 1878, dessen § 16 die Bestimmungen enthält, datz das Einsammeln von Bei trägen zur Förderung von socialdemokratischen, socialistischen oder kommunistischen, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gescllschafts-Ordnung gerichteten Bestrebungen, sowie die öffentliche Aufforderung zur Leistung solcher Beiträge polizeilich zu verbieten sind, sogenannte Tellersammlungen oder in anderer Form veranstaltete öffentliche Geldsammluugen zu Gunsten der social demokratischen Partei nunmehr erlaubt seien: denn der angezogciu 8 16 spricht nicht ein selbständiges Verbot solcher Sammlungen und Aufforderungen aus, sondern erteilt nur den Polizeibehörden zum Erlatz eines solchen Verbots eine bindende Anweisung. Hier- durcki wird aber anerkannt, datz der Erlatz derartiger Verbote schon in den allgemeinen Befugnissen der Sichcrhcits- Polizeibehörde liege. Durch den Ablauf des Socialisten- aesetzes ist nur jene bindende Anweisung weggefallen. Dagegen ist die Polizetbehörde auch jetzt noch berechtigt, aus eigener Entschlietzung Gcldsammlunqen zu socialdemokratischen Zwecken zu verhindern, zu dem Ende aber das Erfordernis polizeilicher Genehmigung zur Veranstaltung öffentlicher Geld sammlungen aufzustellen und unter U m st ä n d e n, welche darauf hinweisen, datz die Sammlung nur zur Förderung socialdcmokratischer Zweite dienen solle, die Genehmigung zur Vornahme der Sammlnug zu versagen. Deshalb kann auch ein durch die Tagespreise verbreiteter öffentlicher, wenn auch nur an die Genossen gerichteter Aufruf, für socialdcmokratischc Zwecke Geld beizusteuern, nicht als ciuc harmlose Handlung angesehen werden, welche den Bestand der öffentlichen Ordnung nicht gefährde. Denn obschon solchenfalls durch die Art und Weise der Ausführung der Sammlung die öffentliche Ordnung nicht gestört wird, so fällt doch bei der Beurteilung ihrer Statt- haftigkeit aus dem Gesichtspunkte dcS öffentlichen Interesses der gemeingefährliche Zweck der Samulluug in die Wagschale. Nach alledem ist die RcchtSbcständigkeit der eingangs gedachten Bekanntmachung nach dem bestehenden öffentlichen Recht an- znerkennen." Diese beiden Urteile gipfeln sonach in dem Gedanken, datz öffcnt- liche Geldsammluugen zu socialdemokratischen Partei- zwecken, abgesehen von der Art und Weise ihrer Ausführung, und jelbst wenn sich die Ausführung ohne äutzerliche Ungebührnisse voll- zieht, dennoch gegen die öffentliche Ordnung verstictzen und daher mit den zu Gebote stehenden staatlichen Mitteln zu verhindern seien, anS demGrunde, weildiesocialdemokratischePartei verwerfliche, auf Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung und Untergrabung der monarchischen Regierungsform gerichtete Ziele verfolge. Infolge- dessen wird ausdrücklich ein Recht der Verwaltungsbehörden an- erkannt, für öffentliche Sammlungen unter Sttafandrohung das Erfordernis polizeilicher Genehmigung aufzustellen lediglich zudem Zweck, die Genehmigung versagen und somit die Sammlung vcr- indern zu können, wen» die Sammlung zu socialdemokratischen Partcizwcckcn erfolge» solle. III. In der Strafsache gegen den Strumpfwirker Floth(Akten des Amtsgerichts Limbach Au 43/93) hat das Ober-Landcsgericht zu Dresden in dem Urteile vomZ 13. Dezember 1393 folgendes aus- geführt: „Am 28. Mai 1393, einem Sonntage, haben die Angeklagten, welche der socialdemokratischen Partei angehören, gleichzeitig mit drei anderen Gesinnungsgenossen vor, während und nach Beendigung des Vormittags-GottesdiensteS in dem Dorfe Oberfrohna, jeder in einem anderen Ottsteile, socialdemokratische, zur Agitatton für die Rcichstagswahl, sowie zur Verbreitung focialdemo- kratischer Lehren bestimmte Flugblätter aus- getragen. Sie haben die Flugblätter, deren Inhalt genauer nicht festgestellt werden kann, in großer Anzahl frei und sichtbar auf dem Arme getragen, sind damit von Haus zu Haus gegangen und haben den einzelnen Hausbewohnern ohne Unterschied, ob dieselben der socialdemokratischen Partei angehörten oder nicht, ob ihnen an dem Empfange der Flugblätter gelegen war oder nicht, je ein Exemplar von letzteren in die Wohnung eingelegt. Wenn dieses Gcbahren in voriger Instanz als grober Unfug beuricilt worden ist, so vermag man hierin eine unrichtige Gesetzanwendung nichtzu erblicken. Nach§ 43 Abs. 3 und 4 der Gewerbe-Ordnung ist zwar zur gcwcrbsmätzigen wie nicht gewerbsmätzigen Vettcilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Bc- cudigung dcS Wahlaktes eine polizeiliche Erlaubnis nicht erforderlich, woräus geschlossen werden mutz, daß sie an sich erlaubt sei. Gleichwohl kann aber eine solche Verteilung einen strafbaren Eha- rakter durch die Art ihrer Ausführung sowie durch die Umstände, unter welchen sie geschieht, annehmen. Im vorliegenden Falle würde schon durch die Art und Weise der Verteilung jeuer Flugblätter der äutzcrc Bestand der öffentlichen Ordnung verletzt. Indem die Ange- klagten, eine grötzere Anzahl von Flugblättern frei und sichtbar auf dem Arme tragend, so datz die Thätigkeit des Verbreitens auch auf öffentlicher Straße wahrnehmbar wurde, zum Zwecke der Verteilung unberufen in die Häuser und die Wohnungen der Bewohner Ober- frohnas ohne Rücksicht auf die politische GesinnungSart des einzelnen eindrangen und die Flugblätter uubekümmett, ob der einzelne dar- nach Verlangen trug oder nicht, in die Wohnungen einlegten, störten sie den öffentlichen und häuslichen Frieden und belästigten die Be- wohuer einer ganzen Ortschaft durch aufdringliche Darlegung dcS Partcistandpnnktcs der Socialdcmokratie und ihrer politischen auf Umsturz der bestehenden GcscllschaftS-Ordnnug gerichteten Ziele und gefährdeten zugleich die Freiheit der politischen Ueberzengung anders Denkender. Dadurch, datz sie ihre Flugblätter ohne Auswahl und Auschen der Person verteilten, stellten sie sich der Allgemeinheit des Publikums gegenüber. Die uuterschiedslose und unaufgeforderte Verteilung der Flugblätter ist daher schon an sich eine Ungebühr, welche geeignet war, den davon getroffenen Teil des Publikums, die nicht Parteigenossen, durch Störung ihres unter dem Schutze der Staatsgewalt stehenden häuslichen Friedens zu belästigen und mit Unwillen gegen die Zudringlichkeit einer rücksichtslosen politischen Partei zu erfüllen. Die Verteilung der Flugblätter an einem Sonntag während des Vor- mittagsgottesdienstes ist ein Umstand, welcher die Uugebührlichkeit der Handlung noch erhöht." Hier wird also ausgesprochen, datz trotz der Vorschrift des§ 43 der Gewerbe-Ordnung, wonach die Verteilung von Druckschriften zu Wahlzweckcn während der Mahlzeit an sich erlaubt sei, die Ver- teilung dennoch durch die Att ihrer Ausführung sowie durch die Umstände, unter denen sie geschieht, den Charakter einer strafbaren Handlung, nämlich den des groben Unfugs annehmen könne. Eine besondere unerlaubte Verteilungsatt wird aber dann hauptsächlich darin gefunden, datz die Bewohner einer Ortschaft durch aufdring- liche Darlegung des Partei st andpunktes der Social- demokra'lie und ihrer politischen Ziele belästigt worden seien. Als Einzelmomente, welche die ungebührliche Vcr- tcilungsnrt datthun sollen, sind allerdings noch angeführt das ficht- bare Tragen der Flugblätter auf dem Arm, das Verteilen auf öffent- licher Stratze, das unberufene Eindringen in die Häuser und daS unterschiedslose Aufdrängen der Blätter ohne Rücksicht auf die politische Gesinnung des Empfängers. Der wiederholte nach- drückliche Hinweis auf den socialdemokratischen Inhalt der Blätter lätzt aber deutlich erkennen, datz alle diese übrigen Momente—(die wohl auch, das bei der Ver- tciluug von Wahlflugblättern allgemein'übliche und kaum vcrmcidbare Verfahren vorstellen)— für sich allein nicht als ausschlaggebend angesehen worden wären, um das Vor- liegen eines grobe» Unfuges anzunehmen, datz vielmehr alS daS entscheidende Moment, gruud dessen die Verteilung der Flug- blätter für strafbar erachtet wurde, eben jener politische zur Förderung der socialdemokratischen Partei- zwecke bestimmte Inhalt der Blätter gewesen ist. Das Urteil kommt also in seinem Resultat darauf hinaus, datz gesagt wird, die an sich erlaubte Verteilung von Wahlflngblattern wird strafbar, sobald die Flugblätter von der socialdcmokra- tischen Partei ausgehen und socialdemokratischen Inhalts sind. I?. In der Strafsache gegen Kittel und Genossen(Akten dcS Amtsgerichts Stolpe» Aa 25, 92) lautet das Urteil des Ober- Laudcsgettchts zu Dresden vom 15. Mai 1893 folgcudcrmatzen: „Wie die vorigen Instanzen feststellen, hat der Angeklagte Ernst Emil Golbs in Gemeinschaft mit den Mitangeklagten Kittel und Jrmer am 23. September 1892 in Stolpe» ein socialdcmokratisches Flugblatt teils in die Häuser ausgetragen, teils nach Beendigung des Vormittags-Gottesdicnstcs an verschiedene auf der Stratze ihnen begegnende Personen, unter welchen sich auch heimkehrende Kirch- gänger befanden, verteilt. Wollte man auch Bedenken tragen, in der Verbreitung jenes socialdemokratischen Flugblattes für sich allein mit Rücksicht auf seinen Inhalt einen groben Unfug zu erblicken, so wird doch im vorliegenden Falle diese Ucbertretnng im Sinne des§ 369 Ziffer II Str-G.-B. zugleich durch die beschriebene Art der Verbreitung begründet, datz die Angeklagten, um ihr Flugblatt an den Mann zu bringen, mit Keunttiis von dessen Inhalt und Zweck, welcher in der Verbreitung der socialdemokrati- scheu Lehren und Anschauungen bestand, unberufen in die Häuser eindrangen, und noch mehr, datz sie ihre Thätigkeit auf die offene Stratze verlegten und als den geeigneten Zeitpunkt hierzu gerade die Beendigung des Vonnittags-Gottesdienstes anS- wählten, wo ein lebhafterer«tratzenverkchr als zu anderer Zeit stattfand, datz sie den ihnen Begegnenden ohne Auswahl der Person und ohne Unterscheidung, ob die Empfänger des Flugblattes An- Hänger der Socialdemokratie waren oder nicht, das Flugblatt un- aufgefordert einhändigten— alle diese Ilmstände lasse» das Gc- bahren der Angeklagten als eine den äußeren Bestand der öffent- lichen Ordnung unmittelbar verletzende Uugebührlichkeit erscheinen, durch welche das Publikum im allgemeinen, nicht blotz individuell begrenzte Personenkreise, belästtgt und solchergestalt der öffentliche Ftteden gestört wurde. Hierdurch wird aber der Rechtsbcgriff des groben Unfugs erfüllt." Bezüglich dessen, was hier von der besonderen ungebührlichen Art der Verteilung neben dem socialdemokratischen Inhalt der Flugblätter ausgeführt wird, gilt dasselbe, was im im vorher- gehenden Fall gesagt war. Es kommt hinzu, daß das Urteil hier die Wendung gebraucht,„ivollte man auch Bedenken tragen", den groben Unfug schon allein aus dem Inhalt der Flugblätter zu cutnehmen—(eine Weuduug. die zu erkennen giebt, datz man sich nncb der Auffassung des Strafsenats selbst über dieses Bedenken sehr wohl auch hinwegsetzen könnte)— und datz ausgesprochen wird, die Strafbarkeit liege„zugleich" in der Art der Verbreitung, so datz offeusichttich der' koeial- demokratische Inhalt der Flugblätter für die Nmiahme des groben Unfuges jedenfalls als mitbcaründender Faktor angesehen, datz aber auch daS cutschcidcnde Gewicht darauf gelegt worden ist. Sonach ist der Kernpunkt auch dieser Gntscheidiing der, daß die au sich erlaubte Verteilung von Flugblättern strafbar würde, wenn t'.z Flirgblüttcr socialdcmokvatischcn Inhalts wiire». V. In der Strafsache acgcn den Gutsbesitzer Richter(Ak'ten des AintSgcrichts Zittau Aa, 65, 95) hat daS OberlaudeSIcricht zu Dresden in dem Urteile vom 26, Wlcirz 96,— unter der ausdrücklichen Letouung, daß eS sich uicht bewogen fühlte, von den Ansichten abzugehen, die es in den llrlcilcn qegen Flath und. geqen Kittel dargelegt habe—, ebenfalls einen Äugeklagten, der Wahlflugblätter socialdemolratischen Inhalts verteilt hatte, des grobe» Unsiigs für schnldig befnnden. Die Verurteilung gründet sich auch hier wieder sowohl auf die Form der Verteilung(Aushändigung auf der Straße und in den Häufer» ohne Rücksicht auf die politische Gesinnung der Empfänger), als auch auf den Inhalt der Blätter. Allerdings wird hier nicht schlechthin darauf verwiesen, daß dieser Inhalt socialdemokratischer Tendenz gewesen sei, sondern es wird betont, daß die Blätter geeignet gewesen seien, die Em- pfindnngen Andersdenkender zu verletzen und zu belästigen, weil in den Blättern S ch i m p f w o r t e gegen Anhänger anderer Parteien gebraucht worden wären. Allein die Verletzung anders� Gesinnter wird außerdem auch schon darin gefunden, daß die Flug- blättcr mit einem Hoch auf die Soeialdemokratie geschlossen hätten, und gerade diese Tbatsache, daß schon ,n dem Ausbringen eines Hochs ans die Partei, deren Stand- punlt die Flugblätter vertraten, eine II n g e b ü h r erblickt wurde, in Verbindung mit der ausdrücklichen Bezugnahme ans die oben citierten älteren Urteile, in Verbindung auch mit dem Umstände, daß der Socialdemokratie in dem Urteile ztveimal die übrigen Parteien als die Ordnnngsparteien gegenübergestellt »Verden, läßt erkennen, daß auch hier bei der Annahme des groben Unfuges auf den Zweck der Flugblätter, auf ihre Bestimmung, socialdemokratischen Interessen zu diene», das Hauptgewicht gelegt worden ist. VI. In der Strafsache gegen Bauingartcn und Genossen(Akten des Amtsgerichts Dresden Aa 1 91. 80) hat da? Ober-Landesgericht Dresden in seinem Urteile vom 21. April 1890 eine Verurteilung wegen groben Unfugs bestätigt ans Grund des Thatbcstnndcs. daß der Veschwcrdefiihrer sich an einer Verbreitung eines Flugblattes beteiligt hatte, Ivelches in Form eines Aufrufes an die Einwohner- schaft von Cotta und Umgegend zur Teilnahme an einer V e rr u f s- e r k l ä r u n g anfforderte, die wegen verweigerter Ucberlasinng eines Saales zur Abhaltung socialdemokratischer Arbeiterversanimlnngen seitens der Socialdemokratie gegen den betreffenden Gastwirt vc- schlössen»vorden»vor. Das Urteil fährt ans: »So gewiß der in neuerer Zeit von den Socialdcmokratcn grüble Terrorisnrus, niittels dessen sie versuchc»», solchen Gewerbetreibende»», welche ihnen nicht zu Wille»» sind, ihre ehrliche Nahrung zu entziehen, den Charakter der Stechtsividriakeit an der Stirn trägt, so giebt doch die bestchc>»de Gcsctzgcbui»g dem Richter kein Mittel an die Hand, Vcrrnfserklänmgcn der beschriebenen Art schon an sich zur Bestrafung zu ziehen.' Es»vird dann gesagt, daß§ 153 der Gcivcrbe- Ordnung keine Handhabe zur Bestrafung biete, und daß auch die Anivendimg des § 240 Str.-G.-B. versage„auf Ivelchcn umnentlich in den Fällen der Blick zunächst gelenkt»vird,>vo Gast- und Schankwirt durch Verrufs» crklärnng zur Vermietung von Lokalen behufs Abhaltung socialdemokratischer Versammlungen genötigt»verde» sollen." Dagegen könnten Vcrrufserllärnngen aus den» Gesichtspunkt der öffentlichen Ordnung»vegcn Gefährdung oder ungebührlicher Belästigung des Publik», ms namentlich durch die Art ihrer Ausführung als grober Unfug strafbar werde»». Zu»»» Schluß ist gesagt, der Bcschlverdcführer hat sich an der Verteilung de? Flugblattes dadurch beteiligt„daß er an» 8. No- vember 1889, einem Sonirtaae, nachmittags auf einer öffentlichen Straße in Cotta eine Anzahl Exeniplare jenes Flugblattes niit Kenntnis von dessen Inhalt uiid Zivcck an zufällig vorübergehende Passanten verteilt hat. Das beschriebene Gebahre» eirthält aber zivcifcllos eine Störung der öffentlichen Ordnung durch ungobühr- liche Belästigung des Publikums insofern, als jenes Flugblatt de- liebigen Passanten ohne Auslvahl der Person und ohiie Unterscheidung, ob dieselben socialdemokratisch gesinnte Arbeiter Ivaren oder»»icht, mithin ohne Beschränkung auf eii'icn individuell begrenzten Pcrsoncukreis dargeboten und solchergestalt die Empfänger als ein Teil des Publikums aufgefordert»vurden, die Freiheit ihres Thuns und Lassens zu giinsteu der Strcbcziole einer auf den Uinstnrz der bestehende» Staats- und Gesellschaftsordnung ausgehen- den Partei zu beschränken. In der Anivendimg des§ 360 Ziffer 11 des Str.- G.- B. auf die festgestellte Handlungslveise des Angeklagten kai»n demnach eine Gesetzcsverletznng nicht erblickt werden." Durch diese Entscheidung»vird also eine an sich erlaubte Auf- fordcrnng zur Teilnahme an einer Verrufserklärnng schlechthin dann für strafbar erklärt, wenn sie den Versiich enthält, Ll n d e r s g e s i n n t e zu Gunsten socialdemokratischer Bestrebungen zu beeinflussen, das heißt mit anderen Worten,»venu die VcrrnfScrklärnng von socialdcinokratischcr Seite ausgeht. Die außcrde,» noch in der Hauptberhandlnng verlesenen Urteile konnten außer Betracht bleiben, da sie zwar an dem bisherigen Bciueisergebnis nichts änderte»», diesen» Ergebnis aber auch nichts Wesentliches»nehr hinzufügten. Als dieses Ergebnis der Beweis- aufnähme säht sich folgendes feststellen: Das königliche ObcrlandcSgcricht zu Dresden hat in einer Reihe von Entscheidungen den Gruudsaft ausgesprochen, das) gegen Handlungen, welche von Socialdemokraten im Partet-Jnter- esse vorgenomme»»verde«, anch»venu die Handlungen an sich nichts Unerlaubtes enthalten, doch im Wege polizeilichen Verbots oder direkter strafrechtlicher Zlhndiing vorgegangen »»wrden könne,»vcil solche Handlungen innucr da»»» diemen, die Ziele einer staatsgefährlichen politischen Partei zu fördern, welche die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung mit verbrecherischen Mitteln»»»stürzen»nid»vclche insbesondere die»lonarchische Regicrinigsform mit solchen verbrecherischen Mitteln bc- festigen»volle. Daß das Obcrlaiidcsgcricht diesen Gnmdsatz »vider besseres Wissen anfgcjlellt und somit b e- wüßt das Recht gebeugt hätte, daran ist selbstvcrstäi»dlich nicht im entferntesten zu denken, und»vie oben ausgeführt, sollte auch in dem inkrtminierten Artikel ein dahingehender Borivurf gar nicht erhoben werden. Die genaniiten Richter haben es offenbar nicht nur für ihr gutes Recht, sondern anch für ihre Pflicht ge- halten, als z»ir Aufrcchterhaltnng der Gesetze und der bestehenden Staatsordmmg mitbmifeiie Organe durch das ihiien zu Gebote stehende Mittel der Rechlsprechnng an ihrem Teil noch Kräften dazu beizutragen, um die Lcbcusänßcriingen einer politischen Partei, die sie für staatS-iliid gemeingefährlich erachteten, soweit als möglich z» beschränlcn. Jnfolgedesjei» konnte es zweifelhaft erscheinen, ob in der Behauptung, daß die genannten Richter diesen, ihrer ehrlichsten Ileberzcngnng entsprechenden Staiidpunkt äußerlich b e t h ä t i g t hätten, Überhaupt eine Boleidigmig noch zu finden war. Allein nach der Aufhebung des Gesetzes gegen die geineingefährlichcn Bc- streblnigcn der Socialdcmolratie vom 21. Oktober 1873(mag damit auch keine ausdrückliche staatliche Anerkennung der Socialdemokratie ausgesprochen»vorden sein, so Ivenig»vie eine solche auch bezüglich der übrigen politischen Parteien besteht) sind doch ausdrückliche Gesctzcöbcsstn»minigcn.»vclche die L eben säußerun gen der socialdemokratischen Partei im Gegensatz zu anderen politischen Parteien zu e t»v a s U n« erlaubten» stempelten, nicht mehr vorhanden, »nid die gegenwärtig herrschende öffentliche Meinung erhebt deshalb den Anspruch, daß der allgemeine Grnndfah der Gleichheit aller Staatsbürger vor den» Gesetz»immchr»»»eingeschränkt auch den Slnhängern der socialdemokratischen Partei zu gute kommen müsse. Der Borivurf. von diesen» Grundsatz zum Nach- teile der socialdemokralischen Partei a b g e>v i cki e n zu sein, enthält somit die Behauptung, das» die Richter bei ihren Nechtsprüchen nicht vermocht hätten, sich über ihren politischen Standpunkt z» erheben,»mo das» sie,»ubewnsjt, ans Kosten höchster richterlicher Objektivität»«nd Nnbcfangenhelt, von ihren politischen Ueberzrngnngc» sich bei ihren Rechtssprüchen hätten beeinflussen lasse». Dies aber ist die Bchauptuilg eine» Thatsache, welche geeignet ist, die genaniiten Richter— wenn auch gclviß �nicht verächtlich zu machen. so doch immerhin in der öffentlichen M e i>»»» n g bis zu eine in gewissen Grade herab- z il w ü r d i a e i». Nun beingcn aber, wie oben ailSjjeführt, die wiedcrgegebencii Entscheidungen in der That, daß die Angehörigen der social« demokratischen Partei die Gefahr strafrechtlicher Ahndung einer Reihe von Handlungen nicht begehen dürfen, die den Angehörigen anderer Parteien erlaubt seien. Der Erfolg dieser Entscheidungen ist, daß allerdings sür die Soeialdcmokrate» eine rechtlich weniger günstige Lage geschaffen worden ist, als für andere Staatsbürger. Zu untersuchen, ob jene Auffassung des Ober-Landcsgcrichts zu Dresden von dem Wesen und de» Zielen der Socialdeinökratie zutrifft und demgemäß z» prüfen, ob die darauf gestützte Recht- sprcchimg thatsächlich»»»d juristisch haltbar ist, kam» selbstverständlich nicht Aufgabe des jetzt erkennenden Gerichtshofs sein. Hier interessierte einzig und allein die Frage:»vaö bat thatsächlich das Ober-La>»des- gcricht zu Dresden ans den» fraglichen Gebiet in seinen Entscheidungen ausgesprochen, und welche Wirknugen üben diese Entscheidungen ans die Rechtslage der socialdemokratischen Partei ans? Sind aber die Anhänger dieser Partei durch die erörtert« Sprnchpraxis, in der Bedeutung,»vclche die erkennende Kammer ihr beimißt, in der That r e ch t l i ch u n g ü n st i g e r g e st e l l t iv o r d e n als die Anhänger anderer Parteien,»md kann es nach den obigen Dar« stcllimgcn keinen, Ziveifel begegnen, daß das Obcr-Landesgericht zu Dresden, in bester llcbcrzengnng seines guten Rechts, den Eintritt dieses Erfolges auch beabsichtigt hat, so ist damit der Bcivcis er- bracht: daß da? Obcr-LandeSgcricht zu Dresden,»vie der in- kriminierte Artikel es ausdrückt: die Anhänger der Arbeiterpartei für minderen Rechtes erklärt hat denn andere Staats- liürger»nid daß das Ober- Landesgericht zu Dresden an den ans Iliil'crdrückimg dieser Partei gerichteten Bestrebungen tcilgc- nommcn hat. Hicnmch blieb nur noch zu prüfen übrig, ob nicht etiva, trotz des erbrachten Wahrheitsbeweises, eine Beleidigung im Sinne des 8 185 Strafgesetzbuchs vorliegt, deren Vorhandensein sich aus der Form der fraglichen Aenherung oder den Ilmständen, unter denen sie geschah, ergäbe. Allein die AnsdrnckSweise des in Betracht konimcndci» Pasins ist sachlich und maßvoll, so daß die Form etwas selbständig bc- leidigcndcs, neben dem Inhalt, nicht enthält, und besondere Ilm- stände, nnS denen das Vorhandcn»cin einer Bclcidigiing hervor- ginge, sind nach Ansicht des Gerichtshofes nicht vorhanden! Somit gebot sich die Freisprechung des Angeklagten. Niemand wird gegen dieses Erkenntnis des Berliner Landgerichts Einwendungen erheben, der nicht den obersten Rechtsgrundsatz preisgiebt, daß nach der Sache, nicht nach der Person gcurteilt werde. Das Berliner Land- gcricht hat— allerdings nicht in Uebercinstimmung mit dem Herrn Iustizministcr Schönstedt— nichts mehr gesagt als: Ä äuo laciunt idem, idem— Wenn zwei dasselbe thun, s o ist es daSselbel_ NoUkifcho verlin, den 21. Juli. Die Korrektur. Während die offiziösen Federn über alle Dinge der Welt ihren Geist ausgießen, versagen sie völlig, wo es darauf an- kommt, ihre Schützlinge gegen die schweren Vorwürfe»nid Anklagen zu verteidigen, die letzthin erhoben wurden. Ob- wohl sich seit Wochen die Ocffentlichkcit mit der gcheimnis- vollen Korrektur des N ei chstags-Stenogram ms beschäftigt, haben diejenigen, die es angeht, bisher die Köpfe unter die Decke gesteckt. Man rechnet offenbar »nit den Wohlthateit, die die Zeit und mit ihr die Vergeßlichkeit gewährt. Auch die Staatsanwaltschaft scheint sich bisher nicht mit der Angelegenheit beschäftigt zu haben, obivohl nicht nur eine disciplinansch sondern auch eine straf- rechtlich zu lvürdigcnde Handlungsweise in Frage kommt. Damit aber die Sache nUcht ganz in Vergessenheit gerät. möchten mir doch feststellen: es ist längst ein öffentliches Geheiinnis» daß der»mmittelbare Urheber der Korrektur der Direktor des Reichstags-Buroaus Gcheiinrat Knack ist. Wer Herrn Knack veranlaßt hat, die Meinungen des Präsidenten in sein Gegenteil zu verkehren, darüber ist nichts bekannt. Ist er bereit, die Schuld auf sich zu nehmen und schiveigend zu dulden, obwohl niemand glaubt, daß er aus eigener Initiative ohne höhere Weisung gehandelt hat? Das ist schließlich seine Sache. Aber nun» wird zunächst dafür zu sorgen haben, daß Herrn Knack die notwendigen Äonsequenzen seiner Unternehmung klar ge, nacht werden; Reichstag»vie die gesamte Oeffentlichkeit haben ein Recht darauf!— Ter alsgcn»eine Kongreff der französischen Soeialisten ist in der That gesichert. Die drei Gruppen, welche das in unserer Nummer voin 15. d. veröffentlichte Manifest an die socialistischen Arbeiter Frankreichs richteten, haben jetzt ein neues Manifest veröffentlicht, das sich an das„Nationale Komitee des„Bundes der socialistischen Arbeiter Frankreichs" »vendet und also lautot: Bürger! Der Nationalrat der französischen Arbeiterpartei, das Vcr- waltnngs-Komitee der rovolntioiiärei» socialistischon Partei und das Sekretariat der komimmistischei» revolutionären Bereinigung haben von Ihren» Anfnif„an die Mitglieder der verschiedenen Organi- sationen", betreffend die gcgenivartige Krise, Kenntnis genommen, und sie beauftragen nnö, Ihre Besorgnisse zu zerstreuen. Der„brndcrmördcrische Streit", gegen den Sie protestieren, wird nicht stattfinden, und zlvor ans dem ausreichenden Grunde. weil zu einem Streit Zweie gehöre» und weil ivir imsercrscits, nachdem einmal der revolutionäre Socialisnnis gegen Kompromiffe und ministerielle Täuschungen sicker gestellt ist, entfchlossen sind, auf daS Feuer, dos a»is zwei Tagcsblätlcrn gegen uns gerichtet wird, nicht zu ai?t>vorten. Andererseits sind wir zn fest davon überzeugt, baß keine Fraktion unseres Proletariats darein»villigen»vird, den Klassenkampf durch die Jagd nach Ministerportefenillen zn ersetzen, als daß wir nicht bereit»vären, vcrftanensvoll die Frage vor das Socialiftischc S i n» g u n g s t o m i t e e zu bringen. Aber da Sie einen Außerordentlichen Kongreß der Socialistcn Frankreichs vorschlagen, haben wir gegen dieses höchste Schiedsgericht nichts ein zu>v enden. das»vir unter denselben Bedingmigen. die Janrös im vorigen Jahr, vor jedem Konftikt, vorgeschlagen hat, organisieren zn helfen bc- reit sind. Wir haben also, in Beantwortung Ihres brüderlichen Appells, allen unseren Organisationen folgenden Vorschlag unterbreitet: Artikel I. Ein allgen» einer Kongreß des fran- zösischen Socialismus»vird durch die dem Einignngs- Komitee zugchörinen Organisationen für den kommenden Monat September nach Paris zusammenberufen, zu den» Zlveck. zu entscheiden, ob der Klassenkampf, ivelchcr die Grundlage des Socialisinns bildet, den Eintritt eines Socialisten in eine Bourgeois- Regierung gestattet. Artikel IT. Damit dieser Kongreß der wirkliche Ausdruck der organisierten Kräfte des sranzösischen Socialismus wird, tuird er auf folgenden Grundlagen konstituiert: Zwei Delegierte für jeden der Wahlkreise, in denen die socialistischo Partei bei den letzte»» Kaiumcrivahlcn den Wahlkauipf aufgenommen hat. Außerdem ein Delegierter mehr für jedes Tmisend socialistischer Stimmen über 3000 beim ersten Wahlgang. Die Zahl der Delegierten für 1 Wahlkreis darf jedoch die Zahl 5 uicht übersteigen(für jede einzelne Fraktion.) Ei»tpfangen Sie, Bürger, unseren herzlichen Gruß tiiid die Bcr- sichenmg unserer revolutionären und socialistischen Gesinnung. Dieses Manifest, das von den offiziellen Vertretern der drei Gruppen unterzeichnet ist, wird von Jaurss m' der „Petits Republique" aufs Wärmste begrüßt. Ohne sich durch verschiedene Spitzen verletzen zu lassen, bezeichnet er den kommenden Kongreß, an dem sich alle übrigen, i>n Einigungs- k o m i t e e vertretenen Gruppen unzweifelhaft beteiligen werden, als die General stände des sranzösischen Socialismus. Die bürgerlichen„Generalstände" von 1789 waren bekanntlich der Anfang der Herrschaft des Bürgertunis. Wie eine Depesche meldet, hat Millerand erklärt, sich dem Spruch des Koitgrcsscs unterzuordnen und das Ministerium zu verlassen,»venu die Partei in ihrer Mehrheit auf dem Kongreß eS verlangt.—_ Die Transbaalsrage wird durch Ehainberlaitt noch künstlich zwar nicht brennend aber doch glimmend gehalten. ES erhellt dies rocht deutlich aus der gestrigen Rede des Herrn im linterhause, die in der heutigen Nummer bereits telegraphisch erwähnt ist. Gegen die Vorschläge der Bocrcn läßt sich beim besten Willen nichts Wesentliches sagen, »nid so»verde»» denn allerhand Ritze und Häkchen gesucht, in und an denen sich diese und jene Ausstellungen anbringen lasten. Durch deraickige Rabulistcreien»vird aber die Stellung Chambcrlains nicht befestig» und anch der Friede nicht mehr gefährdet. Die Tage, Ivo dieser gewissenlose Spekulant England in einen Krieg stürzen konnte, sind vorüber.— •• Deutsches Zlerch. Tie abgesagte Kaiscrreisc bcsihäftigt noch immer die Gemüter. Jetzt verlaiitet. der Kaiser werde an» 6. August in Wiesbaden mit dem Zaren zusammentreffen. Umso»vcniger ist verständlich,»varnm er den für die erste» Augnsttage geplanten Besuch im Industrie- bezirk nicht ausführt. Die„Frkf. Ztg." schreibt über die Angelegenheit: „Wir erinnern uns. daß schon vor Monaten,»venu man über die parlamentarischen Dispositionen und über die Aussichten der Kanalvorlage in gcivissen politischen Kreisen sprach, gesagt»vurde. sie müsse vis spätestens anfangs August fertig sein, denn bei der Eröffnung deS Dortmund-Ems-Kanals veabsichtige der Kaiser eine größere Kundgebung über seine Kanalpolitik. Wenn man sich das setzt ins Gedächtnis ruft, so mutz man es allerdings für sehr wahr- scheinlich halten, daß die Verschleppung und der niisichcre Zustand der Kanalvorlage den Kaiser von der Eröffnungsfeier des Dort- ,nuvd-Ems-Kanals und den dazu geplanten und bereits vor- bereiteten Festen abhalten. Tie rednerische Aufgabe des Kaisers wäre unter den jetzigen Verhältnissen allerdings sehr schivcr." Die„ K ö l»». Ztg." meint, es fehle bisher immer noch an bestimmten Angaben der Gründe. Mit einiger Wahrscheinlichkeit könne man daraus schließen, daß politische Gründe nicht vorlagen, sondern daß die Anordinnia lediglich aus den Wunsch des Kaisers zurückzuführen sei, sciile Nordlandreise zu verlängern. Von der Nordlandfahrt. Der Kaiser hat in Moide den amerikanischen Millionär oder Milliardär Gould an Bord seiner Jacht besticht. Der Besuch hatte über eine Stunde gedauert. Kurz nach der Abreise der„Hohcnzollern" lichtete anch Goülds Jacht die Anker. Bei der Vorbeifahrt der„Hohen- »ollern" an der Jacht grüßte der Kaiser, und am Vordermast wurde die amerikanische Flagge gehißt.— Die Verrohung der Jilgcnd. Zu dc,n bevorstehenden Eni- wnrs betreffend den Schutz a r b e i t s>v i l l» g e r Studenten gegenüber den Ausschreitungen der akademischen Terroristen em- nehmen»vir unserer Denkschristmaterial-Sanimlung folgende zwei Nummern. I. In Kobnrg feierten die studentischen Vcrliindnngen„Franconia Jena",„Bremensia Göttingen" und„Franconia München" die Feier ihres„Kartells", Wie eS dabei zugegangen, erzählt unser Gothaer Parteiblatt: „lieber den Besuch sind die Bürger Kobnrgs nicht gerade sehr erbaut, denn»vas in der Nacht vom Sonntag zum Montag geleistet worden ist, lvürde unsere sonst recht gewissenhaft jode Störung der Nachtruhe und der Ordnung hindernde Polizei bis ans den' letzten Mann iit Bewegung gesetzt haben, wenn— es sich um Arbeiter gehandelt hätte. Ilobcr die schneidige Rede des bier- und iveinseligcn Münchener Studenten, welche derselbe am Soimtagmiltag ans den» Hotel Lculhänser auf die Straße hielt und in»velcher er der Landragsivahl und der Socialdemokratie gedachte,»vollen»vir kein Wort verlieren. denn in Kobnrg existiert ja Redefreiheit, aber das Gcgröhle mitten in der Nacht war nicht gerade schön. Wir sind die letzten,»velche bei jeder Gelegenheit nach dem Büttel schreien. wenn aber den Wirten, Ivo Arbeiter verkehren, mit strengen Strafen jedes laute Singen und Musizieren nach 11 Uhr untersagt »vird, so können»vir»vohl auch verlangen, daß dem Herrn Zoll und scincii Gästen keine Exiraimirst gebraten»vird. Es muß besremden, daß nachts nach 12 Uhr in der verkchrrcichsten Straße, der Spitalgasse, hundert Schritte von der Polizeiivacke i v! ck e M e n»'ch e n a n f l linf e entstehen können, weil elner der Herren Studenten mit dem Schläger ans dem Fenster zwischen das Publik«« gestochen hatte, ohne daß der Nachbarschaft Schutz vor solchen Störungen der Nachtruhe verschafft Ivcrden kann. Diesen ganzen lärmenden Scenen wurde aber nachts 3 Uhr die Krone aufgesetzt. Unter Vorantritl von ein paar eine Fiedel kratzenden Koinilitonen zogen die Herren durch die Steingasse auf den Kirchhost wo am Gymnaftuin Reden gehalten und Lieder gesungen»vurden. Die Bierkriige in der einen, den Schläger, mit welchem auf dem Straßenpflafter Feuer geschlagen und an den Nollläden der Geschäftshäuser herunter- gefahren»vurde, in der anderen Hand,»vurde in den Straßen herumgezogen. Ans dem Kirchhof, ans welchem der Polizei- Inspektor, ein Gcndarmcrieivachtmcister und ein Polizei- sergeant»vohiicn,>vv die ganze Geistlichkeit und der Herr Schul- dir'ektor Brodführer wohnen, wo am Tage die Kinder bei», Spiel mit Argusaugen boiuacht werden, daß sie ja in ihrem Treiben nicht die scharf gezogenen Grenzen des Erlaubten über- schreiten, müssen sich die stcuerzahlenden Bürger in solch schänd- lichcr Weise die Nachtruhe stören lassen." II. Die.Mannheimer Volks st iwme" stellt ans Grund des H est d e l b e r g e r Polizciberichts folgende Liste studentischer Excesse vom 16. Juni bis 16. Juli zusammen: 16. Juni: 1 Student angezeigt»vegcn Autdrehoi»? von Gas- laterncn. 17. Jinu: desgl. 19. Juni! 4 Studenten angezeigt y wegen Abbrennen von Fenorlvert, 3 wegen Unfugs). 21. Jtini: 14 Studenten angezeigt Wege» Rnheftörnng und Unfugs. 22. Juni: 19 Sstidenteii(1 wegen Anslöschms von Gaslaternen, 18 wegen Ruhestörung und Unfug). 23. Jmii: 1 Student wegen Anslöschcns vcn Gaslaternen. 24. Juni: 5 Süidenten»vegcn Rnheftörnng und Unfug. 26. Juni: 3 Studenten(2 Anslöschens von GaLlatcrncn, 1 Wege». Unfug). 27. Juni: 5 Studenten(4 Irenen Ruhestörung, einer, weil er in der Hauptstrasze Verschiedeue Schachtdeckel aufdeckte). 2?. Juni: 2 Studenten lvegeu Ruhestörung und groben Unfugs. 29. Jnui: 4 Studenten(1 wegen Auslöschen von Gaslateruen, 8 wegen Ruhestörung und Unfug). 39. Juni: 1 Student wegen Ausdrehens von Gaslaternen. 1. Juli: 8 Studenten wegen Ruhestörung. 4. Juli: 3 Studenten kommen von Sieckargemünd auf dem Hauptbahnhofe in solch betrunkenem Zustande an, das; sie mittels Handkarrens in den Arrest verbracht werden müssen. 9. Juli: 1 Student wegen Ruhestörung und Unfug. 8. Juli: 11 Studenten wegen Ruhestörung und Unfug. 19. Juli: 5 Studenten verhaftet, darunter einer wegen Widerstands, Unfugs, Ruhestörung ze. Außerdem angezeigt 12 Studenten wegen Ruhestörung. Im ganzen 17. 11. Juli: 5 Studenten wegen Ruhestörung und Unfug. 12. Juli: 8 Studenten wegen groben Unfugs. 17. Juli: 5 Studenten(1 wegen Auslöschens von Gaslaternen, 4 wegen Ruhestörung und Unfug). Das sind 192 Studenten in vier Wochen, die von der Polizei aufgeschrieben worden sind, und wenn der Adel doppelt zählt, so steigt die Zahl noch erheblich; denn Heidelberg hat nur vornehme Studenten.... Man begreift, daß angesichts solcher Vorkommnisse der Gedanke ertvogen wird, über sämtliche deutschen Universitäten den B e- ln g e ru n g s zusta n d zu verhängen.— Behördlicher Schutz der Soetaldcinokratrn in Sachsen. l me klassische Definition des„groben Unfug" in Bezug auf den Ausdruck„Schandgesetz"� hat jetzt das Schöffengericht in Dresden fertig gebracht. Genosse Redaeteur Eichhorn bekam vor einiger Zeit ein auf sieben Tage Haft lautendes Polizei- hches Strafmandat, weil er in einer Protestversammlung gegen die ZuchthauSvorlage gelegentlich das verflossenen Soeialisteu- fiefetz„jenes Schandgesetz" genannt hatte. E. erhob dagegen Ein- spruch und begründete diesen nun vor Gericht damit/ daß alle Voraussetzungen für das Kriterium des groben Unfug, der durch den Ausdruck begangen sein solle, fehle. Von den etwa 1599 Teilnehmern der Versammlung habe sich nicht ein einziger beunruhigt oder belästigt gefühlt. Eine sehr scharfe im Sinne des Referats gehaltene Protestresolutwn sei einstimmig migeuommen worden. E. wies auch sonst noch auf die Konsequenzen 1 n. welche eine derartige Bestrafung notwendig haben müßte. I.iitzte niniis— das Gericht bestätigte die Strafe. Es ist ja nicht das erste Mal, daß ein sächsisches Gericht wegen des fraglichen Ausdrucks straft. � Einzig dürfte aber die Stelle des Urteils bis jetzt dastehen, in welcher trotz alledem der„grobe Unfug" zurecht definiert werden soll. Es heißt da dem Sinne nach: der Ausdruck kann sich nicht gegen die Wirkungen des Soeialisteu- gesetzes, sondern nur gegen die geistigen Urheber desselben richten. Von letzteren befinden sich noch welche unter den Lebenden und diese sind beleidigt. Trotzdem nun die Soeial- demokraten im allgemeinen ausgesprochene Gegner jenes Gesetzes sind, so tst doch anzunehmen,' daß nicht alle durchweg solche scharfe Beleidigungen der geistigen Thätigkeit der Schaffer jenes Gesetzes billigen. Es wird auch unter den Socialdemokratc» Personen geben, die sich dadurch beunruhigt fühlen— ergo: grober Unfug. .Die zärtliche Rücksicht auf die Seelenruhe der Soeialdemokraten ist eine Tugend, die in Sachsen sonst nicht sonderlich geübt wird. Aber es fragt sich doch, ob die Justiz gewinnt, wenn sie derlei Auwandlungen zeigt. lieber die Aussichten des Fürsten Herbert Bismarck auf ein Staatsamt wird der„Köln. BolkSztg." aus guter Quelle berichtet:„Sicher ist wohl, daß der Fürst weder Reichskanzler noch Staatssekretär des Aeußeren. noch preußischer Minister werden wird. Er kann nur für einen Bo tschaft erposten in Frage kommen. Das Ueble ist aber, daß er in Wien, Paris und besonders in St. Petersburg nicht genehm ist, für Rom und Konstantinopel könnte er auch kaum in Betracht kommen, Es liegt also wohl nur die Möglich- keit vor, daß Fürst Bismarck wieder in den aktiven Staatsdienst eintritt, was der Wunsch seiner Gemahlin sein soll, wenn der Lon- d o n e r Dotschafterposten vakant wird."— LluS Elsast-Lothringen, 29. Juli. sEig. Ber.) Während man m den fortschrittlichen Kreisen des Volkes allenthalben darauf be- dacht ist, durch Abschaffung deö Schulgeldes an den Elementarichulen und durch Verbilligmig des Besuches der mittleren Lehranstalten auch den begabten Kindern der minder- und unbemittelten Be- völkerungSschichten die Wege zu erweiterter Schulbildung zu ebnen, hat es die reichsländische Regierung für nötig erachtet, auf dem Wege einer landesherrlichen Verordnung die S ch u l g e l d s ä tz e an den Gymnasien und R e a l s ch.u I e n des Landes um em erhebliches, durchschnittlich um etwa einfünftel, zu erhöhen. Dieselbe» sollen künftighin für die Schüler der Gymnasial- und der Ober-Realklnssen sowie für die am fakultativen Lateimmterricht teilnehmenden Schüler der Realklasseu mindestens 199 M. und höchstens 129 M. jährlich, für die übrigen Sckiüler der Realklassen mindestens 89 M. und höchstens 199 M. jährlich be- tragen. Dadurch will man die Echulgelheinnahmen aus diesen An- stalten um etwa 197 999 M. jährlich, von 532 999 M. auf 839 000 M. steigern, um für die aus der Erhöhung der Mittel- fchullehrer- Gehälter entstehenden Mehrausgaben von etwa 299 999 M. eine teilweise Deckung zu schaffen. In Wahrheit be- deutet diese Maßnahme der Regierung aber eine weitere Verstärkung der Vorrechte der Besitzenden auf die Benutzung der staatlichen Unterrichtsanstalten, die weder aus allgemein politischen noch aus finanzpolitischen Erwägungen heraus vernünftig begründet werden kann. Erst vor wenigen Tagen verkündigte die amtliche Korrespondenz triumphierend den glänzenden Stand der rrnUöiändischen Finanzen, die sür das letzte Etatsjahr einen Ileberschnß von nahezu 1,6 Millionen aufweisen, und die Regierung der Notwendigkeit überhoben, zur Aufnahme der für die Balaneierung des Etats vorgesehenen Anleihen zu schreiten. Tie Deckung jener 299 999 Mark Mehrausgaben für Lehrer- gehälter aus den allgemeinen laufenden Einnahmen wäre deshalb unschwer zu bewerkstelligen gewesen, umsomehr, als die in Vorbereitung befindlichen Einkommens- uudKapitalrentensteueru durch stärkere Heranziehung der bisher von der staatlichen Steuerschraube nur äußerst gelinde rangierten mobilen Kapitalien für die Zukunft die Finanzlage des Landes zweifellos noch günstiger zu gestalten versprechen. Zu alledem war es der Regierung bekannt, daß die mittelschiilseiudlichen Beschlüsse der reaktionäreu Mehrheit deS Laudesausschusses allenthalben in der Bevölkerung auf entschiedenen Widerstand stießen und nur in einem Teil der klerikalen Presse befürwortet wurden. Es muß deshalb doppelt überraschen, wenn den bilduugsfeiudlichen Vorstößen uuseres rückständigen Rentner- und Bürqermeislerparlamentes nun so rasch die Sanktionierung durch die Regierung gefolgt ist. und mau geht wohl nicht fehl mit der Vermutung, daß' mm auch der zweite Slreieh, den unsere Reaktionäre in derselben Ltichtung Plauen, die Beseitigung bezw. Verstümmelung einer ganzen Anzahl von höheren Mittelschulen des Landes. mit llnterstiitzung des Ministeriums in Bälde geführt und damit dem Volke der geistige Brotkorb noch höher gehängt werden wird, als es bisher leider schon ohnedies der Fall war.— Ausland. Zu Estcrßnzyö neueste« Euthiillungeu. Offenbar officiös schreibt die«Köln. Ztg.": In den neuen Veröffentlichungen Esterhazys ist abermals die Rede davon, daß der Beweis der Schuld Drehfns' in gewisse» Schriftstücken zu suchen sei, die auf Angaben von Berliner Agenten beruhen»»d die anzuführen ab- solut unmöglich geschienen habe. Aus diesen Angaben würde sich die Schuld Drehfus' ohne weiteres in klarster Weise ergeben. Mau könne aber zu diesen Mitteln nicht greifen, weil es Dinge gebe, deren Veröffentlichung das militärische Deutsch- land nie ni als dulden würde. Nun ist zweifellos wohl niemand mehr gezwungen, den Angaben Esterhazys besondere Wichtigkeit beizumessen oder gar Esierhazy für einen klassischen Zeugen zu halte». Immerhin hat er bisher die Gewohnheit gehabt, in zeinen verschiedene» Enthüllungen Wahres mit Falschem zu mischen, und so könnte es denn sehr wohl der Fall sein, daß sich wirklich in den„allergeheimsten" Akten angebliche deutsche Schrift- stücke befinden, die die Schuld des Dreyfns zu beweisen scheinen. AnS den Verhandlungen des Kassationshofes ist derartiges nicht ersichtlich, wohl aber hat der Kassationshof erklärt, daß er eine ganze Reihe von Aktenstücken als von vornherein un- glaubwürdig ans der Zahl der in Betracht zu ziehenden Dokumente ausgeschlossen habe. Ob sich darunter die Berliner Schriftstücke, von welchen Esterhazy spricht, befinden, wissen wir nicht. Wir möchten uns aber mit allem Nachdruck gegen die Auffassung wenden, a I s ob irgend welche Veröffentlichung en in dieser Angelegenheit Deutschland«n angenehm sein oder gar Anlaß geben könnten, wie die Nationalisten glauben machen wollen, Frankreich mit Krieg zu überziehen. Soweit Deutschland in Frage kommt, kann die französische Regierung unbedenk- lich alle Schriftstücke der Ocffentlichkeit übergeben, über die sie etwa verfügt. Die frühere Nachricht von einem Vorhandensein eines' Kaiserbriefes hat hier gar keine Er- rcgnng hervorgerufen, und genau dasselbe ist der Fall, wenn jetzt von einem Briefe des Prinzen Heinrich gesprochen wird, mittels dessen der Schuldbeweis geführt werden soll. Auch wenn sich viel- leicht heransstellen sollte, daß in der allergeheimsten Sammlung der Falsifikate sich ein Dreyfns dennneierender Brief eines preußischen Obersten befinden sollte, der vielleicht einem Husaren- regiment angehört haben könnte, so würde das uns Deutsche nicht im geringsten berühren, und auch dem betreffende» Offizier könnte es nur sehr erwünscht sein, wenn ihm durch die Veröffentlichung Ge- legenheit geboten würde, derartige Verleumdungen zurückzuweisen, die allerdings nur in den Kreisen der Henry und Esterhazy Glauben gefunden haben könnten. Uns ist es vollständig gleichgültig, ob man mit solchen Veröffentlichungen hervortritt' oder nicht. Wir möchten aber nur den Eindruck zerstören, als ob sie in irgend- welchem Grade die Befürchtung einer deutschen Einmischung recht- fertigen könnten.— Schweiz. Colothnrn, 29. Juli. sEig. Ber.) In der sonntägigen Volks- abstimmung wurden die von uns besprochenen Gesetzes- vorlagen mit ansehnlichen Mehrheiten angenommen, nämlich das Gesetz betreffend die Abstimmungen imd Wahlen mit 8249 gegen 1801 und das Gesetz betreffend das Hausierwesen mit 3914 gegen 798 Stimmen.— Frankreich. Paris, 21. Juli. Wie die Blätter melden, hat General Gallifet an die Kommandanten ein Rundschreiben gerichtet, in welchem ihnen verboten wird, den Offizieren während der Dauer des Prozesses Dreyfns in Renn es Urlaub zu erteilen.— Dem„Sifeclc" zufolge ist die gegen General Pellicnx ein- geleitete nachträgliche Untersuchung nahezu beendet: dieselbe sei vom Generalgonvcrncnr von Paris. General Brngerc, selbst vorgenommen worden. Im Laufe der Untersuchung seien Pellieux gewifie Papiere vorgelegt worden, deren Echtheit er nicht bestreiten konnte und welche geeignet seien, die günstigen Schlußfolgerungen der ersten, durch General Dnchesne geführten Untersuchung erheblich zu modi« fizieren. General Gonse richtete an den„Matin" einen Brief, in welchem er gegen die angebliche» Enthüllungen Esterhazys. soweit sie gegen General BoiSdeffre und ihn gerichtet, energisch Einspruch erhebt. Ein Freund GonseS erklärte einem Mitarbeiter deS..Masin" gegenüber, daß die unlauteren Machenschaften, von denen Esterhnzy Ipreche, ausschließlich von Henry und du Paty de Clam ohne Wissen BoiSdeffreS und Ganses angezettelt wären.— Spanien. Madrid, 21. Juli. Die Opposition hat einen glänzenden Sieg errungen. Die Regierung hat nicht nur dir Revision deö Prozesses von Montjntch, sondern auch die Reorganisation der öffentlichen Verwaltung zugestanden. Nächsten Mittwoch findet die Vertagung der CorteS statt.— Nnstland. lieber die Unruhe» in Riga veröffentlicht jetzt die russische Presse einen offiziellen, ausführlichen Bericht deS lifländischen Gouverneurs an den Minister des Innern. Er sucht die Schuld an dem rücksichtslosen Borgehen der Polizei während des Streiks ausschließlich ans die Rigacr Fabrikbesitzer zu schieben, die die städtischen Verwnltiingsbehvrden durch teils falsche, teils übertriebene Schilderungen der Ursachen und Vorgänge irregeführt und zu Gewalt- maßnahmen gedrängt hätten. Eine für die russischen Verwaltungs- Verhältnisse charakteristische Erklärung! Ist doch jederniann bekannt, daß der russische Beamte oder Polizist— für Geld natürlich— zu jeden: Dienste bereit ist. Den offiziellen Angaben zufolge sind während des Streiks 33 Menschen, darunter 23 Arbeiter, getötet worden; 19 wurden erschossen, die übrigen teils nkdergesäbelt, teils durch das Bajonnett gefällt. Die Fabrikbesitzer haben' den ihnen von den Arbeitern zugefügten materiellen Schaden auf viele Hunderttausende eingeschätzt; indeß wird offiziell festgestellt, daß dreier sich nur auf insgesamt 2489 Rubel(ca. 5000 Mark) beziffert, verhaftet wurden im ganzen 212 Personen, von denen bis jetzt nur ein Teil die Frei- hcit wiedererlangt hat.— Ein Staat im Staate. Der Handclöianrmerbcricht in Essen, der eben erschienen ist, giebt von dem Kruppschen Riesenbetrieb in dürren Zahle» ein anschauliches Bild. Zu den Werken der Firma Fried. Krupp gehören z. Z.: Die Gußsiahlfabrik in Essen; dns Kruppsche Stahlwerk vorn:. F. Asthöwer u. Cie. in Annen i. W.; das Grusonwerk in Buckau bei Magdeburg; 4 Hochofenanlagen bei Duisburg. Neuwied, Engers und Rheinhausen sdie Hochofenanlage in Nheinhausen umfaßt 8 Hochöfen, deren Pro- duktien in 24 Stunden pro Ofen 289 1 beträgt); eine Hütte bei Sayn mit Maschinenbaubetrieb; 4 Kohlengruben, nämlich: Zeche Hannover Schacht I und II, Zeche Hannover III und IV. Zeche Sälzor u. Neuack und neuerdings Zeche Hannibal, außerdem Beteiligung an anderen Zechen; über Eisrnstcftigrnbcn in Dcntschlnnd, darunter 11 Tiefbau-Anlagen mit vollständiger maschineller Einrichtung; ver- schiedene Eisenstemgrnben bei Bilbao in Nordspamen; ein Schiestplatz bei Meppen von 16,8 Kilometer Länge und mit der Möglichkeit, bis ans 24 Kilometer Entfernung zu zchießen; drei Seedampfer; verschiedene Steinbrüche. Thon- und Sandgruben ee.;c.; außerdem ist der Firma Friedr. Krupp vertragsmäßig der Betrieb der Schiffs- und Maschinenbau-Aktim-Gesellschaft„Germania" in Berlin und Kiel überlassen. Die hauptsächlichsten FabrikasionSgegenstände der Gußstablfabrik in Effen sind Geschütze(bis Ende 1898 über 87 000 Stück geliefert), Geschosse, Zünder, fertige Munition ze., Gewehrläufe, Panzerplatten und Panzerbleche für alle geschützton Teile der Kriegs- schiffe, Eiscnbahnmaterial. Schiffsbaumaterial, Maschinenteile jeder Art. Stahl- und Eisenbleche. Walzen. Wcrkzeugstahl und anderes. Zur Guhstahlfabrik in Effen gehören folgende Betriebe: 2 Beffe- merwerke mit znsnmmen 16 Konverten, 4 Martinwerke. 2 Stahl- formgießercien. Puddeliverke. Schweißwerke, Schmclzbau für Tiegel- stahl, Eisengießerei. Geschohgietzerei, Messinggießerei. Glühhäuicr. Härtekammer, Tiegelkammcr, Blockwalzwerk, Schienenwalzwerk, Blechwalzwerk, Laschen- und Federstahlivalzwerk, Federwerkstatt, Preßbau und Pnnzcrplattenwalzwerk, Hammerwerke. Räderschmiede, Herdschmiede, Hufschmiede, Bandagenwalzwerk, Satzachsendreherei, Keffelschnsiede, Feldbahnbau. Mechanische Werlstatt. 1 Feilenfabrik. 4 Reparaturwerkstätten, Eisenbahn-Reparatnrwerkstatt, Geschütz- und Munitionswerkstätten, Probieranstalt, 2 chemische Laboratorien, 1 chemisch- physikalische Versuchsanstalt, Werkstätten der Bau- Handiverker, Sattlerei, Schneiderei, Dampfkesselanlagen, Elekirieitäts- werk, Gaswerk mit 1 einfachen und 2 tcleskopierten Gasbehältern von je 6799, 17399 und 37999, zusammen 69999 Kubikmeter Inhalt. Wasserwerk mit 3 verschiedenen Wassergewinnnngsanlage::. Fabrik für feuerfeste Steine und BriqnettS, Coakerei, Steinbriicbe. Ringofenziegelei, Feldofenziegelei, Lithographische und Photographische Anstalt nebst Buchbinderei, Güterexpedition, Fuhrwesen, Telegraphie, Telephon- betrieb, Feuerwehr- und Sicherheitsdienst, Konsum-Anstalten ze. Auf der Gußstahlfabrik waren im Jahre 1896 in Thäsigkeit: ca. 1899 diverse Oese», Schiniedefeuer ze., über 8999 diverse Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, darunter über 1199 Drehbänke uud ca. 490 Bohrmaschinen, 22 Walzenstraßen, 113 Dampfhämmer von 100—50000 Kilogramm Fallgewicht mit zusammen 243 523� Kilogramm Fallgewicht. 31 hydraulische Pressen, darunter zwei von je 6999 Tonnen, eine von 2999 und eine von 1299 Tonnen Druck- kraft, 808 stehende Dampfkessel, 458 Dampfmaschinen von 2_ bis 8300 Pferdekräften mit zusammen 36 531 Pferdekrästen, 467 Krahne von 499 bis 169 999 Kilogramm Tragfähigkeit mit zusammen 4 912 659 Kilogramm Tragfähigkeit. Die Gesamtlänge der Trans- inisstonen betrug 11 Kilometer, die Gesamtlänge der Transmissions- rieinen 69 Kiloineter. Auf den Hüttenwerken wurden im Jahre 1897/93 im Durch- schnitt täglich zusammen ea. 2499 Tonnen Ersen erz ans eigenen Gruben verhüttet. Die Kohlenförderung aus den eigenen Zechen (ohne Hannibal) betrug im Durchschnitt pro Arbeitstag ca. 3669 Tonnen. Im Jahre 1897/98 wurden verbraucht an Kohlen und Koks: in der Gußstahlfabrik Essen 786415 Tonnen(im Durchschnitt pro Ar- beitstag ea. 2629 Tonnen, oder: 7 Eisenbahnzüge a 38 Wagen von 19 Tonnen), auf den übrigen Werken uud eigenen Dampfern ze. 413195 Tonnen, also im' ganzen in allen Betrieben der Firma 1 199 619 Tonnen oder rund 4999 Tonnen pro Tag. Der Verbrauch an Wasser auf der Gußstahlfabrik in Effen war im Jahre 1897/98 13 037 800 Kubikmeter, was ungefähr dem Wasserverbrauch der Stadt Frankfurt a. M. entspricht. Die Länge der Leitungen zur Verteilung des Wassers betrug 179,96 Kilometer Erdleitungen, 99,22 Kilometer Leitungen innerhalb der Gebäude mit 1345 Wasserschiebern innerhalb der Leitung, 447 Hy- dräuten, 693 Feuerhähnen. Der Werbrauch an Leuchtgas ans der Gußstahlfabrik in Essen betrug im Jahre 1897/98 17 207 480 Kubikmeter (Verbrauch der Stadt Breslau in der gleichen Periode 10 000»00 Kubikmeter, der Stadt Düsseldorf 14 371 299 Knbik- meter) für 2527 Straßenflammen, 39 345 Flammen in den Werk- stättcn, 659 Flammen in den Wohnungen. Die Gesamtlänge der Erdleitung betrug 89,95 Kilometer, die Gesamtlänge der inneren Leitungen 239,87 Kilometer. Das Gaswerk der Gußstahl- Fabrik nimmt die sechste Stelle unter den Gaswerken des Deutschen Reiches ein. Das Elektricitätsw erk der Gußstahl-Fabrik in Essen hat 3 Maschlnenhäuscr mit 4 Vcrteilungsstattonen, 21,26 Kilometer unterirdisch verlegte Kabel und 96 Kilometer oberirdisch verlegte Lichtkabel und speist 729 Bogenlampen und 5771 Glühlampen. Zur V e r m i t t e l u n g des Verkehrs ans der Gußstahl- Fabrik in Essen dienen u. a. ein normalspuriges Eisenbahnnetz mit direktem Geleisanschluß an die Stationen der Staatsbahn Essen Hanptbahnhof, Essen Nord und Bergcborbeck(der Verkehr mit diesen drei Stationen geschieht zur Zeit durch täglich 59 Züge) mit circa 57 Kilometer Geleisen, 16 Tender-Lokomotiven und 621 Wagen; ferner ein schmalspuriges Eisenbahnnetz mit 43 Kilometer Geleisen, 22 Lokomotiven und 1925 Wagen. Das Telegraphen netz der Gußstahlfabrik in Effen enthält 31 Stationen mit 57 Morse-Apparaten und 89 Kilometer Leitung. Dasselbe ist in Verbindung mit dem Kaiserlichen Telcgraphcnamt in Essen. Der tclegraphische Verkehr zwischen der Fabrik und dem Telegraphenamt belief sich im Jahre 1898/99 auf 19 398 abgegebene nnd angekommene Depeschen. Das Fernsprechnetz enthält 295 Stationen mit 298 Fern- sprechern nnd 297 Kilometer Leitung. Täglich finden im Durch- schnitt 925 Gespräche per Telephon statt. In der Probieranstalt der Gußstahlfabrik in Eisen sowie in den Versuchsanstalten des Blechwalzwerks nnd wchienemvalzwerks wurden im Jahre 1898 im ganzen 143 999 Festigkeiteversuche ausgeführt, darunter 101 976 Zerreißproben nnd 39 142 Biegeproben. Die Arbriterkolonicn der Gußstahlfabrik in Essen umfassen die Kolonien Bnumhof, Nordhof, Westend, Cronenberg. Schederhos, Nlfredshof, Alienbof(für invalide und pensionierte Arbeiter). Mit 89 in Bau befindlichen sind in Essen und Umgegend 4209 Fami- liciiwohnnilgen für Arbeiter vorhanden. Zu den weiteren Einrichtungen der Gußstahlfabrik in Essen ge- hören n. a.: 1 Krankenhaus(der Bau eines zweiten ist begonnen), 2 Barackenlazarette für Epidemien, 1 Erholungshaus, 1 Arbeiter- kaserne, 1 illrbeiter- Speiseanstalt, 2 Logierhäuser für je 39 un« verheiratete Facharbeiter, 1 Benntten-Kasino. 1 Werknieistcr-Kasino, 1 HaushaltnngSschulc, 1 Industrieschule für Erwachsene, 3 Industrie- schulen für schulpflichtige Kinder, 1 Bücherhalle und anderes. Nack: der Aufnahme vom 1. Januar 1899 betrug die Gesamt- zahl der auf den Kruppsche» Werke» beschäftigten Personen einschließlich 3219 Beamten: 41 7J0. Bon diesen entfallen ans die Gußstahlfabrik Essen 25133, daS Grusonwerk in Buckau 3518, die Gerinauialverft in Kiel 2726, die Hüttenwerke, Schießplatz Meppen ze. 19 343. DaS ist ein Staat im Staate vom gewaltigsten Einfluß. Es sind nicht nur die 41 759 Angestellten, die der Dynastie Krupp unter- thämg sind, die Machtsphäre reicht viel weiter. Von Essen aus spinnen sich die Fäden, an denen die allgemeine Politik läuft. Militarismus nnd Marinismus sind die Vorbedingungen des Gedeihens dieses Polypen. Eine servile Presse ivirkt„im Namen vaterländischer Interessen" dafür, daß aus allgemeinen Steuermitteln Flotte und Heer und damit die Erwerbsquellen Krupps ins Ungemessene ver- mehrt werden. Dazu die riesigen Einflüsse, die in soeialpolitischer Hinsicht von hier ausgehen. Essen und Saarbrücken sind social- politisch die Residenzen deS Reichs. Wenn Graf PosadowSkh, der mit seiner Staat-im-Staat- Grnsclmachcrei die ZuchthauSvorlage zu retten suchte, wirklich so ein Unding sehen will, so soll er die Kruppschen Werke besuchen, die ein Musterbeispiel sür die Wahrheft der soeialistischen Lehren find, die nach Vergesellschaftung förmlich schreien. Die Massettattsspeernng w Ditnemark. Kopenhagen, den 29. Juli 1899. Der Arbeitgcbervcrcin hielt gestern hier in Kopenhagen eine Delegiertcnversammlung ab. zu lvelchcr circa 800 Arbeitgeber aus dem ganzen Lande erschienen waren. Die von den lapitalisti- schen Leitern des Vereins gebrauchten Aeuherungen den Arbeitern gegenüber waren im höchsten Grade fanatisch. Zum Beispiel wurde damit gedroht, daß die Anösperrnng einer der nächsten Tage mit einer Reihe von Branchen, welche bisher außerhalb der Ansspeming gestanden haben, erweitert werden solle. Die Branchen, von welchen hier die Rebe ist. sind die Ziegeleien, Cement- sabriken. Textilfabriken, die Schneider und andere. Diese Aus- dehnung der Aussperrung wird die Zahl der Ausgeschlossenen um IS— LOOOO Arbeiter erhöhen, so daß dann öS— 00 000 Man» auf die Straße geworfen find. Als bezeichnend für die in der Versammlung der Arbeitgeber herrschende Stimmung kann folgende Aeußerung angeführt werden: „Wenn die Anösperrnng geschlossen ist, werde» wir die Arbeiter in stramme» Zügeln z» führe» wissen." Die Arbeit- geber genieren sich also nicht, offen einzugestehen, daß es ihr Ziel ist. die Arbeiter zu Sklaven und willenlosen Ge- schöpfen zu machen. Die Arbeiter ihrerseits hielten gestern ebenfalls eine Versammlung ab. nämlich die Vorstände sämmtlicher GeWerk- schaftsverbändc; es wurde dort mit Begeisterung beschlossen, den Kampf gegen die Unterdrückungsgelüste der Unter- nehmer bis zum äuhcrsten weiterzuführen. Trotz dem nun 8 Wochen laug geführten Kampf ist unser Mut noch fort während ungeschwächt und wir sind fest entschlossen, uns nicht unter das Sklaveujoch der Kapitalisten beugen zu wollen. Die Absicht der Kapitalisten mit der Erweiterung der Aussperrung ist selbstverständlich die, in einem noch viel höheren Grade als bisher die Hunger peitsche über Ans zu schwingen. Unsere Tyrannen wissen, daß wenn sie weitere 15 bis 20 000 Mann auf die Straße werfen, be kommen wir nicht allein so viel mehr Ausgesperrte zu unterstützen, sondern daß wir damit gleichzeitig der Unterstützung verlustig gehen, welche diese Arbeiter bisher den schon früher Aus- geschlossenen geleistet haben. Die Wirkung dieses Schlages ist also eine doppelte. Man verringert unsere Thätigkeit zur Leistung von Unterstützungen und erhöht die Anzahl derjenigen, welche unterstützt werden müssen, wenn sie der Hunger nicht zur Unterwerfung treiben soll. Wir sehen uns deshalb genötigt, unseren Brüdern im Ausland mit erhöhter Stimme zuzurufen: Kommt uns in einem höheren Grade als biöher zu Hilfe, daß die Peitsche der Kapitalisten uns nicht vollständig vernichtet. Brüder im Äuslandel Wir hoffen und glauben, daß wir Euren Beistand nicht vergebens anrufen werden. Dänemark ist ein so kleines Stück von Europa, daß es Euch leicht werden dürfte, uns die genügenden Mittel zum Unterhalt der Ausgesperrten zu liefern. Bedenkt, daß ein jeder, welcher als ein gleichgültiger Zu- schauer dem kulturfeindlichen Mordversuch, welchen die Kapitalisten gegen unsere Menschenrechte in Sccne gesetzt haben, zusieht, den Kapitalisten dabei hilft, diesen Mord zu vollenden. Im Namen der internationalen Solidarität rufen wir Euch deshalb zu: Kommt uns zu Hilfel Kommt schleunigst und sendet uns so große Summen, daß wir den Hunger vcrhindernkönnen, uns zur Unterwerfung zu zwingen. Sendet Eure Beiträge an unseren Kassierer E. Svcndsen, Römcrsgade 22, Kopenhagen X. Mit brüderlichem Gruß Namens der centralisierten Gewerkschafts-Verbände in Dänemark P. K n u d s e n. iPArkei-'MLrztzvilszken» Der Diiffcldorfcr socialdemokratifche Volksvcrcin hat an die Stadtverwaltung folgende Resolution abgesandt: „Durch die Verhandlungen des Tubcrkulosc-Kongresses in Berlin und durch statistische Erhebungen dcs� kaiserlichen Gesundheitsamtes ist festgestellt worden, daß die Lungenschwindsucht vorwiegend in den Reihen der Jndustrie-Arbciter ihre Opfer sucht. Während sie im Durch- schnitt in Deutschland ein Drittel der erwerbsfähigen Bevölkerung hinwegrafft, genauer auf 1000 Todesfälle 337, ist die Anzahl der Schlviudsuchtsfälle in der Rhciuprovinz 391%o, in Düsseldorf 886 0/oo. Derartige Zustände verlangen energische und umfassende Bckämpstmgsmaßregeln. Von der Medizin ist ein längerer Aufent- halt in zu diesem Zwecke zu erbauenden Heilanstalten als ein Mittel namhaft gemacht worden, die Schwindsucht des Einzelnen wirksam zu bekämpfen. Der socialdcmokratische VolkSverein richtet darnm an die Stadt Verwaltung Düsseldorf das Ersuchen, die Initiative zu ergreifen in diesen Bestrebungen entweder durch den Bau einer eigenen Lungen- Heilanstalt oder dadurch, daß zu diesem Zwecke eine Verbindung an- gebahnt ivird, mit der Alters- und Jnvaliditätsvcrsichcrungs-Anstalt der Rheinprovinz. Jedenfalls erlaubt sich der soeialdemokratischc Volksvercin darauf hinzuweisen, daß in der Bekämpfung der Lungen- schwindsucht auch in Düsseldorf mehr als bisher in umfassendem Maße und schnell gehandelt werden muß."— Polizeiliches, Gerichkliches usw. Worüber sich die Gendarmen ärgern. Gelegentlich der Maifeier in Loppow bei Landsberg a. W. hatten drei junge Leute ein Lied angestimmt, später beteiligte sich auch der Genosse K a Y s e r- Landsberg daran. Zwei Wächter der Ordnung erstatteten Anzeige. Der Gerichtshof zweifelte nicht daran, daß die Angeklagten absichtlich gerade dieses Lied gewählt hätten, um die Beamten zu verhöhnen und zu ärgern. Die drei Jugendlichen kamen mit Rück ficht auf ihre bisherige Uubescholtenheit und Jugend mit je 50 M. Geldstrafe beziv. je 10 Tagen Gefängnis davon: Knyser wurde dagegen zu 100 M. Geldstrafe bczw. 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Wegen Verteilen von Boykott- Flngblätter» wurden vier Arbeiter in Dresden, zwei zu je einem Tag, einer zu zwei Tagen, und einer zu sieben Tagen Haft verurteilt. Der Vorsitzende des Gerichts meinte, es sei unlviirdig und widerspreche dem Gefühle an- ständiger Menschen, andere auf solche Weise in ihrem Erwerb zu stören. Ob der Herr das Wort auch auf den von Militär- und anderen Behörden ausgeübten Boykotts angewendet ivisscn will? — Der ominöse Name. In München haben noch eine ganze Reihe Genossen Anklage erhalten, weil sie dem Gesetzentwurf zum Schutze der„Arbeitswilligen" den Namen gegeben, den er in, Volksmunde erhalten hat und der ihm auch für immer anhaften wird— Zuchthausgesetz. wir hören, deS Streitfalles wegen hier ein, und ist es immerhin| | nicht ausgeschlossen, daß die Differenzen beigelegt werden. Deutsches Reich. Tie Harburger Gewerkschaften erfreuen sich seit längerer Zeit ganz besonderer behördlicher Aufmerksamkeit. Eine Reihe von Verbänden, darunter der Fabrikarbeiter-, der Hafen- arbeiter- und der Mctallarbeiter-Verband sind in Harburg für politische Vereine erklärt worden. Im Oktober v. I. mußte sich das Harburger Gclverkschaftskartell auflösen, weil Polizei und Gerichte es für einen politischen Verein erklärten, und als sich im März 1899 die Gewerkschaften zu einem neuen Gcwerkschafts kartell einigten, erhielt der Vorsitzende Schmidtchen prompt nach Ablauf von 3 Tagen eine auf20M. lautendcStrafverfügung.weil eruicht innerhalb dreier Tage nach Gründung des„politischen Vereins Har burger Gewcrkschaftskartell" die Mitgliederliste desselben bei dcrBehorde eingereicht und damit gegen das preußische Vercinsgesetz verstoßen habe. Schn, idtchen erhob Einspruch, wurde damit aber von dem Harburger Schöffengericht abgewiesen und zwar mit der Begründung. daß das Harburger Gewerkschaftskartell unzweifelhaft ein Verein und zwar ein solcher Verein, der auf öffentliche Angelegenheiten durch Agitation für Verbreitung und Kräftigung der Gewerkschafts organisationen usw. einzuwirken suche. Gegen dieses Urteil ließ Schmidtchen durch den Rechtsanwalt Frciherrn v. Olders- Hausen aus Hamburg Berufung beim Landgericht Stade einlegen Der Verteidiger machte geltend, daß ein Verein mir eine Vereinigung von physischen, natürlichen Personen sei. Da aber das'Harburger Gewcrkschaftskartell sowohl nach dem§ 1 seines Regulativs,>vie auch thatsächlich eine Vereinigung aller Harburger Geivcrkschafteorganisa- tiouen, also eine Vereinigung von Vereinen sei, könne man es nicht als einen Verein im Sinne des Vereinsgesctzcs ansehen. Diesen juristischen Ausführungen des Verteidigers schloß sich das Landgericht Stade vollinhaltlich an und erkannte auf kostensose Freisprechung des Schmidtchens. Die Schmiedegescllen Magdeburg? haben den Streik aust gehoben, in den meisten Werkstätten sind ihre Forderungen beivilligt worden; über eine Anzahl Werkstellen bleibt die Sperre auftechr erhalten. Der Ausstand der Lcdcrfärber in Osterwicek(Harz) dauert fort. Trotz mehrmaliger Verhandlung der Lohnkommission mit dem Fabrikanten Dr. Behrens als Führer der Arbeitgeber ist es noch zu keiner, für die Arbeiter annehmbaren Einigung gekommen. Die Arbeitgeber wollen am Arcord festhalten, wohingegen die Arbeiter einen einheitlichen Wochenlohn von 18 M. fordern, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende bescheidene Forderung. Da nun die Verhandlungen seitens der Arbeitgeber abgebrochen waren, so war Brinkmann vom Zcntralvorstand des Verbandes hierher beordert, um einen gütlichen Ausgleich herbeizuführen. Jedoch führte die Verhandlung zu keinem, für die Arbeiter annehmbaren Resultate. Bis jetzt haben die Streikenden noch keinen einzigen von den in Ausstand getretenen Abtrünnigen zu verzcichcn. Wenn wir der moralischen, sowie materiellen Unterstützung der Arbeiter gewiß sein können, so muß der entgültige Sieg bald unser sein. Die S t r e i k k o m m i s s i o n. Der Streik in der H c m e l i n g e r I u t e s p i n n e r e i ist beendet mit teilweisem Erfolg fiir die Arbeiter. Mit der Zuchthaus-Tenkschrift", soweit sie sich auf den letzten Diamantarbeiter streik in Hanau bezieht, beschäftig- ten sich dieser Tage die H a n a u e r D i a m a n t ar b e i t e r. Es wurde allseitig festgestellt, daß die darin erhobenen Anschuldigungen gegen die streikenden Diamantarbeiter. sowie gegen die„gewcrbs mäßigen Hetzer" durchaus unbegründet seien. Schließlich wurden mehrere Personen beauftragt, eine angemessene Richtigstellung auszuarbeiten, die dem Regierungspräsidenten in Kassel, dem Reichskanzler und den verschiedenen Parteien im Reichstage zugestellt werden soll. Auch einige andere Gewerkschaften haben unseres Wissens bereits damit begonnen, den Inhalt der Denkschrift nachzuprüfen. Es wäre wünschenswert, daß alle Gewerkschaften diesem Beispiel folgen Und das Material Ovomöglich die gerichtlichen Erkenntnisse) dem Reichs- tage zugänglich machen. I» Herne sind vor einigen Tagen die ersten Streik- vergehen vor das Schöffengericht gelangt. Zwei Schlepper hatten auf Aufforderung deS Betriebsführers Latsch den Zccheuplatz der Zeche„Shamrock" nicht verlassen. Sie wurden deshalb wegen Hausfriebensbruchs mit der empfindlichen Strafe von drei "ochen Gefängnis belegt. Ter Streik der Baudwirkcr bei der Firma H. u. B. Sch r ö d e r in Barmen hat nach 8 tägiger Dauer mit einem v o l l st ä n d i g e n Siege der Arbeiter geendet. Neben der Zurücknahme der Lohnkiirzung mußte die Firma noch in eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um V4 Stunde einwilligen, so daß jetzt in dem Betrieb der Zchnstundentag eingeführt ist. Die Beilegung des Streiks ist durch die Vcrmittelung des Geiverbc-Jnspcktors zu stände gc- kommen. werden, der mit dem 1. Januar 1900 in Kraft tritt. In der Zwischen- zeit darf mindestens nicht weniger, als nach dem bestehenden Tarif bezahlt werden. Vom Ausstand der Brooklyner Strastcnbahn-Angestcllirn wird aus New Jork vom 21. Juli berichtet: In New Dort sowohl wie in Brooklyn war heute alles ruhig. Alle Linien der Mctropoliran Tramway, mit Ausnahme derjcnigcu der zweiten und der sechsten Avenue, haben den Betrieb wieder aufgenommen. Das außcrordent- liche Polizei-Aufgebot wurde zu einein großen Teile zurückgezogen. Doch geben sich die Ausständigen noch immer der Hoffnung bin. den Streik zu gewinnen. Zu den Differenzen in der Tabakarbeitcr-Genossenschast. Da Herr Würfel in seinem Eingesandt in Nr. 164 dieses Blattes keine der von mir angeführten Thatsachen bestreitet, weise ich nur noch den beleidigenden Vorwurf zurück, daß ich als social- demokratischer Reichstags-Abgeordneter es für nötig gehalten hätte. an die Leser des„General- Anzeiger" zu appellieren. Die ganze Revers- Angelegenheit wurde zuerst in dem bürgerlicher 1856 er V(stein verhandelt. dessen Versamm- lmigen im„General-Anzeiger" annonciert werden. Das ist der Grund, weshalb auch die vom Vorsitzenden des Haniburger Gewerk- schafts-Kartclls in dieser Angelegenheit einberufenen Versammlungen außer im Parteiorgan auch im„General-Anzeiger bekannt gemacht wurden. A. v o n E l in. Damit erachten wir die Angelegenheit für uns als erledigt und schließen die Debatte. Red. des„Vorwärts" Der Düsseldorfer Manrerstreik steht für die Arbeiter sehr günstig, lieber 400 Streikende sind bereits abgereist. Die llnter- nehmest haben Posten an den hiesigen Bahnhöfen und die abfahrenden Streikenden sagen ihnen fteuudschaftlichst Lebewohl. Streikbrecher sind hier nahezu gar keine angekommen. Die Streikenden haben be� schloffen, den Beigeordneten Dr. Mülffing zur Vcnnittelung mit den Unternehmern anzugehen. Auch wollen die Streikenden das Gewerbe- gericht als Einigungsamt anrufen. Die Augsbnrgcr Krawalle. Ucber die Situation am Donnerstag berichtet der Telegraph am 21. Juli: Auch gestern abend nach Einbruch der Dunkelheit fanden in der Wertachvorstadt größere Ansammlungen statt, gegen welche die Polizei sofort vorging. Den Platz selbst und die an- liegenden Straßen säuberten eine Eskadron Chevauxlcgers, die in scharfem Trabe in den Straßen auf- und abritt, wodurch die An- sammlungcn zerstreut wurden. Infanterie war gestern abend nicht ausgerückt, doch stand dieselbe in Reserve. Achtzehn Verhaftungen erfolgten und wurden aufrecht erhalten. Aus einem Bericht, der uns heute von anderer Seite aus Augsburg zugeht, werden die Angaben unserer gestrigen Kor- respondcnz im wesentlichen bestätigt. Die Polizei ist in einer Weise vorgegangen, wodurch die Erbitterung der Volksmassen uur gestiegen.' Nachdem durch die Anwendung der B r o n s a r t- schen'Feuerspritzen die Erregung auf den Gipfelpunkt getrieben, griff die Polizei nnt blanker Waffe ein, teilte nach recht? und links Hiebe aus, nahm Verhaftungen vor von Leuten, die vielfach weiter nichts verbrochen hatten, als daß sie nicht schnell genug vorwärts kamen. Die„Münch. P o st" kennzeichnet die Lage, wie folgt: Augsburg ist die Musterstadt der„Arbeitswilligen", das Augsburger llnternehmertum rühmt sich, jede moderne Organisation der Arbeiter- schaft verhindert zu haben. Nun hat anläßlich des Maurerstreiks die Polizei gemeinsame Sache mit dem Unternehmertum gc- macht und das Verhalten dieser feinen Koalition hat die uu- disciplinierten Massen gereizt. So rächt sich das Vorgehen des Unter- nchmertums und der ihnen dienstlvilligen Polizei an der„Ordnung". Nur eine straffe Arbeiterorganisation gewährleistet eine fticdliche Entwickelung. Die ordnungsliebende Stadt Augsburg aber, in der, wie ihre Beherrscher jubelnd verkünden, die Socialdcmokratie keinen Boden findet, bietet eben deswegen den Kcimboden zu Vorgängen, wie sie jetzt vom Uiitcrnchmertum heraufbeschworen wurden." Den Scharfmachern, die schon wieder dabei sind, das Vorkommnis in ihrer Weise auszuschlachten, wird ein Strich durch die Rechnung gemacht, indem die Tumulte nur ganz äußerlich mit dem Maurer- streik zusammenhängen. Die„Frankfurter Zeitung" läßt sich über die Angelegenheit aus Augsburg berichten: Die Tumulte knüpfen äußerlich an den Maurcrstteik an und an das Herbeiziehen von Italienern als Ersatz für die Strei- kenden, aber die streikenden Maurer hatten die Tumulte weder veranlaßt noch sich an denselben beteiligt. Die Tumnltuanten waren junge Burschen, böses Vorstadtsgesindel. Weiber und Kinder. die durch Neugierige noch vermehrt wurden; die eigent- liche Arbeiterbevölkerung beteiligte sich aber nicht. Es wird die Vermutung auSgesprocken, daß die Tumulte vorbereitet gewesen sind. 40 Civilpersonen wurden bei denselben verwundet. Gestern abend gegen 10 Uhr herrschte auf dem Platze, wo die Tumulte stattfanden, großer Menschenvcrkchr; auch in der Hettcnstadt- Vorstadt fanden große Meiischcnansamnilungen statt. Infanterie und Kavallerie rückte aus; die Polizei ließ niemand passieren; man hörte unausgesetzt Geschrei. Vis 11 Uhr waren keine Zusammenstöße, aber ver. schiedene Verhaftungen erfolgt. Ein späteres Telegramm meldet: Das Militär zerstreute die Menge, die sich aber in der Vorstadt wieder ansammelte."_ Nehko Nschvichten und Depeschen. Wien, 21. Juli.(Privatdepesche.) Genosse Adler wurde heute wegen des„Verbrechens zu einem Monat strengen ES ist die höchste gesetzliche und Nichtigkeitsbeschwerde Reichstags- Im ganzen Gemevkschnftliches. Berlin und Umgegend. Ein MaurerauSstand ist beim Neubau des Präsidialgebäudes ant Reichstagsufer ausgebrochen. haben 24 Maurergesellen die Arbeit niedergelegt. Einige Maurer arbeiten weiter. Die Veranlassung zum Ausstand war, nach der Meldung bürgerlicher Blätter, folgender: Einer der Maurer weigerte sich, Beiträge zur A u s st a n d s k a s s e zu leisten, weil er angeblich bei der großen Aussperrung nicht das ihm gebührende Reisegeld erhalten hatte. Die beim Bau beschäftigten Maurer verlangten nun von dem Bau- Unternehmer, daß er ihren Arbeitsgenossen zur Bezahlung der Bei- träge anhalte. Das that der Unternehmer nicht, und die Maurer legten die Arbeit nieder. Die Darstellung der bürgerlichen Presse ist nicht korrekt. Der betteffende Maurer ist aufgefordert worden, vor allem seine Papiere mitzubringen, damit seine Mitarbeiter wüßten, mit wem sie es zu thun haben. Alle übrigen sind nämlich organisiert und ihr gutes— selbst in der Zuchthaus-Vorlage ausdrücklich aner- k a n n t e S Recht ist es ja, die Weiterarbeit mit dem einen oder dem andern abzulehnen. Da der kaum 20 jährige Jüngling die gütlichen Fragen nach seinen Papieren während dreier Wochen nur mit höhnischen Bemerkungen beantwortete, auch sonst glaubte, seine an Jahren weit älteren Mit- arbeiter anulken zu dürfen, hielten es die anderen Arbeiter, die alle organisiert sind, für geraten, lieber zu gehen, da der gegenwärtige Bauleiter es ablehnte, den Störenfried an einen anderen Vau zu versetzen. Der königliche Hof-Maurermeister Herr Clemens ist nicht im Nnternehmcrvcrbande,� sonst wären natürlich zunächst Unterhandlungen zwischen den beiden Organisationen gepflogen worden. Herr Clemens, der sich auf Reisen befindet, trifft, wie „Wer fei» Wort giebt und hält es nicht, ist ein Lump' So sollte in W i e s b a d e n ein Schneider in einer Versammlung gesagt haben, in der über eine Arbeitsniederlegung diskutiert worden war. Der Angeklagte bestreitet nicht die Worte, wenn auch in etwas anderer Form gesagt zu haben. Er habe vor der Arbeitsniedcr- legung gewarnt, sodann allerdings die Redewendung gebraucht: Wenn Sie trotzdem zur Arbeitsniederlegung schreiten, so halte auch ein jeder Wort, denn wer dasselbe giebt und dennoch nicht hält, wird im gewöhnlichen Leben als ein Lump angesehen. Der Belastungs- zeuge, ein Schutzmann, mußte denn auch den Sinn zugeben, worauf der Vertreter der Staatsanwaltschaft es, ohne einen Autrag zu stellen, dem Gericht aiihcinigab, sein Urteil zu fällen, auf Frei- sprechung erkannte. Die Kosten einschließlich der Verteidigung übernimmt die Staatskaffe. Königlich Sächsisches auS Sachsen-Weimar. In Weida bei N e u st a d t sollte eine Maurcrversammlung mit E ck st e i n aus Zwickau als Referenten stattfinden. Diese wurde verboten mit der Begründung, daß„die Bearbeitung der Gewerkschaften durch gewerbsmäßige socialdemokratifche Agitatoren im Neustädter Kreise neuerlich einen Umfang und eine Stärke erreicht hat, daß in der- selben eine dringende Gefahr für die öffentliche Ordnung erblickt werden muß."— Das kann sich neben dem in Sachsen Ucblichen dreist sehen lassen.— Die gefällige Polizei In Dresden hatte ein Tischler den in einer anderen Werkstatt beschäftigten Kollegen beleidigt, weil dieser ganz allein am 1. Mai arbeitete, während die übrigen Gesellen der betreffenden Wertstelle alle feierten.„Schämst Du Dich nicht vor Deinen Kollegen, Du geldhungriges Luder," hatte der Betreffende dem andern durch die Thür zugerufen. Der io Gekränkte lief auf die Polizei, um sich Rat zu holen, wie er sich Genugthuung ver- schaffen könne. Statt den Mann zum Friedensrichter zu schicken, kam ihm die Polizei selbst dienstbeflissen entgegen, indem sofort ein Protokoll über den wichttgen Fall aufgenomnien wurde. Das übrige besorgte die Anklagcbehörde; im„öffentlichen Interesse" wurde Anklage gegen den Beleidiger erhoben, und letzterer nun vom Schöffengericht zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Ausland. Der Stcinhanerstreik in Zürich ist durch Vergleich beendet. Es wird von einer Kommission ein neuer Lohntarif ausgearbeitet des„Verbrechens des Auflaufs Arrest mit zwei Fasttagen verurteilt. Strafe. Gegen das Urteil ist Berufung angemeldet. BSue, 21. Juli.(ffi. T. B.) Eine FeuerSbrnnst zerstörte zwischen Oued el Ancb und Edough 200 Hektar Korkeichenwald. Der Brand hat noch nicht gelöscht werden können.. Haag, 21. Juli. lMeldung des Rcuterschen Bureaus.) Die riedenskonferenz hielt heute eine Plenarsitzung ab. er erste Punkt des Berichts der ersten Kommission betreffend das Verbot, Explosivkörper auS Luftballons zu schlendern, wurde einstimmig angenommen. Der zweite Punkt. Verbot der Ver- Wendung' von Bomben, welche Stickgase verbreiten, wurde gegen die Stimmen der Vcrtteter der Vereinigten Staaten und Englands angenommen. Zum dritten Punkt, Verbot der Verwendung von Expansivgeschossen, brachte Crozier einen vom Botschafter Paunccfote unterstützten Abänderungsantrag ein, nach welchem die Verwendung von Geschossen verboten lein solle, durch ivclche unnötig grausame Verletzungen verursacht werden, wie Explosiv- Geschosse und überhaupt jede Art Geschosse, welche die notivendige Grenze, einen Menschen sofort außer Gefecht zu setzen, überschreiten. Nach lebhafter Debatte bcanttagte Botschafter White Znrnck- stcllung dieses Punktes. Dieser Antrag wurde mit 20 gegen 5 Stintmen abgelehnt. Mit 17 gegen 8 Stimmen beschloß die Konferenz sodann, daß der Antrag Croztcr nicht Priorität� haben solle, und schließlich wurde gegen 2 Stimmeil bei einer«tlimn- cnthaltung der ursprüngliche Text des Berichtes angenommen. Der Rest des Berichtes wurde ebenfalls genehmigt. Pctcröbnrq, 21. Juli.(B. H.) Die russische Regierung fichette dem General Grnics für den Fall, daß er nach Belgrad zurückkehrt, freies Geleit zu und will ihn auch vor Verhaftung schützen. Ports», outh, 21. Juli.(23. T. B.) Im Sow't ffand heute Nachmittag auf dein Torpedoboots- Zerstörer„Bullfinch eine Explosion statt, bei welcher si e b r n M a n n gelotet, elf ver- letzt lvurdcn., ' New York, 21. Juli.(W. T. B.) In New York fahren die Tramwayivagen wieder auf allen durch den All.staiu betrossen gewesenen Linien, in Brooklyn fahren etwa 90 Prozent. Cleveland(Ohio), 21. Juli.(W. T. B.) H-ui- fri.h wurde auf das Dach des Schuppens der groszcn Sttavenbahn deren A.� gestellte sich im Ausstände befinden, eine Bombe geworfe.u Durch das Platze» derselben ivurdc Materialschaden angerichtet, jedoch«»• iiiand verletzt.__ Verantivottlicher Redacteur, August Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke i» Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzu i Seil,»: Ur. 169. 16. Jahrgang. 1. KjlM i« Joriüiirls" Strliiitt WlksblM Sonnabend, 22. Inli 1899. TokAles. Die allgemeine Lage von Handel und Gewerbe im Jahre 1838 wird in dem soeben erschienenen Jahresberichte des Ver- eins Berliner Kaufleute und Industrieller wie folgt geschildert: Das Wirtschaftsjahr 1338 hat auf fast allen Gebieten die gleiche aufsteigende Linie inncgebaltcn, die sich auch dem, den wirtschaftlichen Tiefftand bezeichnenden Jahre 1334 in der ökonomischen Entwicklung der Jahre 183S, 1836 und 1887 gezeigt hat. Die pessimistischen Bc- fürchrungen, nach denen schon 1837' der Höhepunkt der Wellen- bewegung erreicht sein und der Abstieg begonnen haben sollte, habe» sich, soweit das Jahr 1838 in Betracht kommt, glücklicherweise nicht bewahrheitet. Mit sehr geringen Ausnahmen war die Thätigkeit auf allen Gebieten von Handel und Industrie während des Jahres 1838 eine lebhafte und die Beteiligten befriedigende. Auch die Landwirtschaft blickt auf ein günstiges Entwickelungsjahr zurück, indem sie für ihre Erzeugnisse zu lohnenden Preisen um so mehr Absatz finden konnte, als sich die Aufnahmefähigkeit des heimischen Marktes gesteigert hatte, während die für die deutsche Nahrungsmittelversorgung in Betracht kommenden Länder in ihren Erwerbsergcbnissen' zurück- geblieben waren. Mit Einschluß des Edelmetallverkehrs stieg die Menge der Ein- fuhr von 461,62 Millionen Doppelcentncr des Jahres 1837 auf 427,80 Millionen Doppelcentner des Jahres 1838, die Menge der Ausfuhr während des gleichen Zeitraums von 286,26 Millionen auf 366,34 Millionen Doppclccntner. Der Wert der Einfuhr betrug im Jahre 1838: 6433,7 Millionen Mark gegen 4864,6 Millionen Mark im Jahre 1837. Der Wert der Ausfuhr stieg im gleichen Jahre von 3786,2 Millionen Mark auf 4616,6 Millionen Mark. Seit dem Jahre 1833, in dem mit der Einführung der Handels- Verträge die Wendung zum bessern angebahnt ist, und die für Handel und Industrie notwendigen stabilen Verhältnisse geschaffen wurden, ist der Wert der Einsuhr um rund 1360 Millionen Mark, der der Ausftihr um mehr als 766 Millionen Mark gestiegen. Die Glühstrumpffabrikatio». Seitdem das Auersche Patent für Glühstriimpfe erloschen ist, beschäftigt sich vielfach die Klein- industrie mit der Herstellung dieser Striimpfe. Der Uebclstand, daß die Kleiuindustrie in Berlin meist in sehr beschränkten Räuinlichkeiten ausgeübt wird, macht sich bei dieser Fabrikasion doppelt fühlbar. Denn die Fabrikation der Glühstriimpfe ist mit Gefahren für die Gesund« heit der Arbeiter verbunden und oft auch mit Belästigung für die Nach- barschaft. Beim Abbrennen der imprägnierten Striimpfe entwickelt sich ein sehr übelriechender Qualm, der durch kräftige Ventilation aus dem Arbeitsraum entfernt. ivcrdcn muß, wenn er nicht nachteilig auf die Gc- sundhcit der Arbeiter einwirken soll. Dann schädigt das Abbrennen auch sehr die Augen der Arbeiter, weil es mit starker Licht- entWickelung verbunden ist. Die imprägnierten, abgebrannten Glüh- körpcr überzieht man, um sie haltbarer zu machen, mit einer dünnen Kollodiumschicht. Beim Trocknen dcrielbcir verdampft der darin enthaltene Acther, und dieser Dampf erfüllt, wenn er nicht abgc- saugt und ins Freie geführt wird, bald den ganzen Trockcnraum. Bei kleineren Betrieben in der enggebautcn Stadt kann es mehrfach bemerkt werden, daß diese schlechr abgeleiteten Aethcrdämpfe nicht nur die Fabrikräume erfüllen, sondern auch zu den nebenan und darüber wohnenden Nachbarn in die Wohnungen dringen. Dabei sind diese Actherdämpfe nicht nur lässig, sondern auch im höchsten Grade feuergefährlich. Die Deutsche Gasglühlicht-Akticn-Gejellschast hat zur besseren Bekämpfung dieser Gefahren die Einrichtung getroffen, daß sowohl die Vcrbrennuugsgase, wie die Aethcrdämpfe durch kräpftige Exhaustoren aus dem Arbcitsraume entfernt werden. Aber beim Passieren des Grünen Weges, der Schornsteinfegcrgasse oder der Obcrwasscrstraße, zwischen der Kleinen Kurstraße und der Kreuz- straße, wird man zuweilen recht unangenehm von den übelriechenden Dämpfen überrascht, die aus den dort gelegenen Glühstrumpffabriken kommen. Diese Betriebe sollten durchaus mehr in die freieren Gegenden der Peripherie von Berlin verlegt werden. Ans der Stätte dcS Elends. Im städtischen Obdach für obdachlose Familien wurden im Verwaltungsjahrc 1836— 87: 1167 Familien mit 3643 Personen(1387 mänul., 2262 wcibl.) und 2260 Einzelpersonen(1616 männl., 686 weibl.), zusammen 6843 Personen aufgeuommen. Hierunter befanden sich 506 Kinder im ersten Lebens- jähre und 1716 im Alter von 1— 15 Jahren. Von 761 aufgenommenen Familien mit Männern als Familienoberhaupt und den 1616 aufgenommenen einzelnen Männern ivaren dem Berufe nach: 327 bezlv. 536 Arbeiter, 367 bezw. 864 Handwerker, 46 bezw. 127 Kaufleute ec., 6 bczw.� 40 Beamte zc., 26 bezw. 114 dienende Per- sonen. Unter der Gesamtzahl aller Aufgenommenen befanden sich 2664 geborene Berliner. Bei 67 460 Verpflegungstagen(durchschnittlich täglich 154) für die 6843 Obdachlosen, bezifferten sich die Kosten auf 24 860 M. ausschließlich Verwaltungskosten.— Von den zur Entlassung gc- kommciien 1146 Familien und 2179 einzelnen Personen' mit 5770 Köpfen wurden an 2487 Familien bez. einzelne 22 266 M. Mietsunterstützung gewährt: das sind 8,33 M. durchschnittlich für jeden Unterstützten. 1302 Obdachlose erhielten bei ihrer Entlassung Kleider. Wäsche-c. Die im Familicnobdach befindliche, unter der Leisinig eines städtischen Lehrers stehende Schule wurde von 832 Kindern (436 Knaben. 466 Mädchen) besucht; die durchschnittliche tägliche BesuchSzahl der Schule betrug 18. Von den im Familienobdach Aufgenommenen wurden bei der Aufnahme 1144 Personen krank befunden. Gestorben sind 16; im Hause selbst wurden 836 behandelt; von den übrigen Kranken wurden 175 städtischen Heilanstalten und 166 der Charits über- wiesen. Im städtischen Asyl für nächtlich Obdachlose wurden im Berichts- jähre 366 847 Personen(236 833 männliche. 16 668 weibliche) aus- genommen; davon nächtigten 6713 männliche und 136 weibliche Personen zum erstenmal im Asyl. 1668 männliche und 162 Weib- liche wurden Krankenhäusern überwiesen; 3743 männliche, 116 weib- liche dem Amtsanwalt zur Bestraftmg vorgeführt; durch die Polizei 32 männliche, eine weibliche verhaftet, 221 männliche, 6 weibliche sistiert, 31 männliche, 2 weibliche ermittelt und 34 männliche, 2 Iveibliche ausgewiesen. Krank befunden wurden 2826 oder 6,34 Proz. aller aufgenommenen nächtlich Obdachlosen. Während an 233 Tagen des Jahres die Zahl der Obdachwünschenden noch nicht 1660— an 148 Tagen nicht 666 betrug— stieg der Zuspruch an den kälteren Tagen so. daß er an 76 Tagen 1661 bis 1666, an 41 Tagen 1561 bis 2666, an 16 Tagen 2601 bis 2262 ergab. Die Beköstigung der nächtlich Obdachlosen bestand in je 6,3 Liier Roggen-Mehlsüppe und 260 Gramm Brot zum Abendessen und Frühstück. Es wurden 246 116 Abend- und 366 847 Morgenportioncn verabreicht. Die Verpflegungskosten stellten sich auf 26 276 M. exklusive Vcrwaltungs- kosten. Schon wieder ist ein schwerer Unglücksfall passiert, der auf das Konto der Accordarbeit im Maurcrgewerbe zu setzen ist. Auf dem bis zur dritten Etage aufgeführten Neubau des Herrn Blümke in der Eisenacherstraße waren die Maurer am Donnerstag- vormittag damit beschäfsigt, die sogenannten Ausleger zum Balkon anzubringen. In dem Eckpfeiler, welcher schon ho'chgcmauert war, war ein mehrere Schichten hohes Loch gelassen, in welches nur ein Ausleger lose gesteckt wurde. Auf diesen legte man, wie es scheint, von der Mauer aus ein Brett, um die äußere Verbindung an- schrauben zu können. Bei dieser Arbeit nun stürzte der Maurer mit den eisernen Trägern in die Tiefe, wobei derselbe noch auf jeden der jn den unteren Etagen angebrachten Ausleger auffiel und sich io schwere Verletzungen zuzog, daß er am gestrigen Morgen schon eine Leiche war. Ein anderer Maurer, welcher bei dieser Arbeit geholfen hatte, konnte sich noch an einem Anker festhalten, sonst wäre aucb er un- weigerlich in die Tiefe gestürzt. Der Fall selbst ist wieder auf Konto der Accordarbeit i in M a u r e r g e w e r b e zu setzen. Unbekümmert darum, ob die notwendige Rüstung zur eigenen Sicher- heit, oder die notwendigen Schutzdächer nach unten vorhanden sind, ja, unbekümmert um die Herstellung guter und solider Arbeit, ist der Maurer im Accord nur bestrebt, möglichst viel Steine zu ver- arbeiten. Auf regulären Lohnbauten ist es üblich, daß man beim Anbringen von BalkonauSlegern von Grund auf zwei Staugen aufstellt, welche in der Höhe der Balkonträger durch ein Brett verbunden iverdcn, auf welchem die Ausleger bis zur vollständigen Befestigung und Vermaurung ruhen; zum mindesten aber findet man, daß mehrere starke Riegel aus der letzten Etage gesteckt werden, welche draußen abgcbrette'rt werden und welche Rüstung es dann ermöglicht, ohne große Gefahr für Leben und Gesundheit die immerhin schwierige Arbeit zu vollbringen. Bemerkt werden muß noch, daß kurz vor der Katastrophe mehrere Zimmerlente unter dem Balkon beschäftigt waren und es nur einem Glücksumstande zu verdanken ist, daß letztere nicht von dem herabfallenden Eisen erschlagen wurden. In- folge des schweren Unfalls war nun zwar gestern Morgen ein Stück Rüstung unter den von neuem angebrachten Auslegern bemerkbar, sogar sämtliche Balkonausgänge auf einmal versperrt, aber von einem Schutzdach. Ivelches auch die unten Arbeitenden oder den Gang am Gebäude passierende Personen gegen herabfallende Gegenstände zu schützen vermöchte, war noch nichts zu sehen. Durch die Verhaftung eines nichtsnutzigen Burschen haben viele Beschwerden aus der Frauenwelt ihre Erledigung gefunden. Auf der Vorortstrecke Berlin— Zossen gesellte sich zu einzeln fahrenden� jungen Mädchen in der dritten Fahrklasse ein Mensch, der sie nicht bloß durck Zudringlichkeiten be- lästigte, sondern ihnen auch mit der größten Dreistigkeit entehrende Anträge stellte. Obgleich sich die Anzeigen über solche Fälle in der letzten Zei: häuften, so war doch der wüste Mensch nicht zu fassen, so sehr sich auch die Polizei darum bemühte. End- sich am Mittwochabend sollte ihn sein Geschick ereilen. Er hatte in dem letzten Vorortzuge, der um 11 Uhr auf dem hiesigen Anhalter Bahnhof einläuft, eine Frau durch schamlose Zumutungen belästigt und sich nicht durch die Erklärung der Frau, daß sie verheiratet sei, abweise» lassen. Die belästigte Frau ließ ihn hier gleich von den: diensthabenden Beamten festnehmen. Jäh uutcrbrochen wurde die Urlaubsreise, die der 32jährige Buchhalter G. am 15. d. M. angetreten hatte. G. Ivar in einem hiesigen Tuchgeschäft seit etwa 3 Jahren angestellt und erfreute sich des Vertrauens seines Chefs in vollem Maße. Der Buchhalter hatte auch die Verwaltung der Jncaffos und benutzte das ihm geschenkte Zutrauen, um Unterschlagungen zu verüben. Die Veruntreuungen verdeckte G. dadurch, daß er' einlaufende Zahlungen auf rückständige Posten buchte und konnte dies um so leichter, als die Korrespondenzen durch seine Hand gingen. Am vergangenen Montag trat G. seine Urlaubsreife an. Am folgenden Tage besuchte ein auswärtiger Kunde den hiesigen Chef, um einen bei der letzten Rechuungsbcglcichung gemachten Irrtum aufzuklären. Bei dieser Gelegenheit wurden die von G. verübten Unterschlagungen entdeckt und gestern erfolgte die Verhaftung des sich in Dresden aufhaltenden G. Der junge Mann hatte den größten Teil der unterschlagenen Gelder im Verkehr mit Damen verbraucht. Viel Unheil wurde am letzten Donnerstagabend um 7 Uhr von einem durchgehenden Gespann angerichtet. Zum Abladen von Möbeln war das Fuhrwerk des Tischlers K. aus der Fruchtstraße in der Linienstratze angefahren. Während Kutscher und Arbeiter die Sachen abtrugen, wurden die Pferde durch einen Dreirad-Motor scheu gemacht und stünnten in östlicher Richtung die Linienstraßc entlang. Unterwegs rannten sie einen Knaben an, der mit einem Handwagen daherkam; der Junge wurde auf den Bürgersteig gc- schleudert, wo er aus einer Kopfwunde blutend eine Zeitlang liegen blieb. Das Gespann setzte den Lauf fort, die Möbelstücke fielen auf die Straße und zerschellten teilweise, bis sich in der Roscnthalerstraße in einem Pferdebahnwagcn ein Hindernis bot. Gegen dieses anprallend, kamen die Durchgänger zu Fall und konnten nun von beherzten Männern gebändigt werden. Die hintere Plattform der Pferdebahn wurde teils abgerissen, teils beschädigt. Doppelt vcrnnglückt ist am Donnerstagmittag der Maurer Ncumann aus Lürcnberg i. M., der nach einem Berliner Kranken- haus befördert werden mußte. Er war bei der Ausbesserung eines Schuppens thätig und den glühenden Strahlen der Sonne un- unterbrochen ausgesetzt. Ncumann wurde infolgedessen von einem Hitzschlag befallen und stürzte in der Bewußtlosigkeit von seinenr Gerüst ab. Just an dieser Stelle stand eine Sense, in die Ncumann hineingeriet, so daß ihm im Fallen daS rechte Bein von unten bis oben aufgeschlitzt wurde. Er erhielt einen Notverband und wurde mit dem nächsten Zuge nach Berlin gebracht. Im Eisenbahnbetrieb schwer verunglückt ist am Freitag- vormittag der 21 Jahre alte Streckenarbeiter Ferdinand Schmidt ans Großbecren. Er wurde zwischen diesem Ort und Groß- Lichtcrfclde von einem Schnellzug erfaßt und fortgeschleudert, so daß er bc- ivußtlos siegen blieb. Mitarbeiter brachten ihn in den nächsten Zug, der nach Berlin fuhr, wo er in der Universitätsklinik Aufnahme fand. Er hat außer Rippenbrüchen Brüche an beiden. Armen erlitten. Von dem Bräutigam angeschossen wurde am Freitag- nachmittag um 2Vs Uhr das 26 jährige Fräulein Walli Schöbel aus der Schwartzkopffstraßc. In einem'Droguengcschäft in der Acker- straße war seit längerer Zeit der 24 Jahre alle Droguist Wilhelm Pfaff beschäftigt, der auch in dem Hause wohnte. Vor etwa Monats- frist knüpfte er mit Fräulein Sch. ein Liebesverhältnis an. Pfaff war ein sehr eifersüchtiger Liebhaber, sodaß sich die Braut dar- über beklagte. Am Frcitagnachmittag hatte Walli Sch. ihren Bräutigam Eierkuchen mit Blaubeeren durch einen Knaben in das Geschäft geschickt, um nicht etwa mit dem Prinzipal zusammen- zutreffen. Später erschien sie selbst, um den Korb mit dein Geschirr wieder abzuholen und traf außer dem Bräutigam noch einen seiner Freunde an. Während nun das junge Braut- paar hinter dem Ladentisch schäkerte, hörte Z der Bekannte, lvie Pfaff äußerte, daß er seine Braut erschießen werde, wenn sie nicht zu ihm halte. Dabei spielte er mit einem Revolver. Plötzlich entlud sich die Waffe und das junge Mädchen brach, in der Herz- gegend getroffen, zusammen. Pf. rannte nach einem Arzt, der Freund nach der Polizei. Die schwerverwundete Braut wurde in einem Koppschcn Wagen nach der königl. Klinik gebracht, der Bräuti- gam festgenommen. Ob er absichtlich aus Eifersucht geschossen oder Unglück gehabt hat, steht dahin. Ans den Nachbarorten. Trcptow-Bauinschnlcnwcg. Die Genossen� werden ersucht, sich zu einer Flugblartverbreitung am Sonntag früh VeS Uhr an der Bahn einzufinden. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vertrauensmann. Die Freie Tnrncrschaft in Johannisthal, Mitglied des Arbeitcr-Turner-Bundes, hält ihr zweites Stiftungsfest am 22. Juli in Senftlebens Volksgarten ab. Gleichzeitig sei bemerkt, daß die für denselben Abend angesagte Versammlung des socialdcmokratischen Vereins ausfällt. Köpenick. Am Montag, den 24. d. M., abends 3 Uhr. findet bei Scheer(Wilhelmsgartcn) eine öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Georg Wagner über«das elendste aller Wahl- systcme" sprechen wird. Die Parteigenossen werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Auch Frauen dürfen an der Versammlung teilnehmen. Gleichzeitig werden hier- durch die Parteigenossen nochmals dringend ersucht, die jetzt aus- liegenden Wählerlisten einzusehen und bei eventuellen Unrichtigkeiten bezüglich der Angaben über Namen, Stand und Wohnung bei dem Beamten eine Nichtigstelluiig der Liste zu verlangen. Aus Nixdorf. Die Weberei gehörte früher zu den hervor- raqendsten Industriezweigen unseres Ortes, der Taufende nährte. Heute dagegen ist dies einst blühende Gewerbe so gut wie aus- gerottet.' Zwar haben wir auch noch renommierte Firmen, welche Wcberei-Artikcl, besonders aus der Phantasicwaren-Branche, nach allen Weltteilen liefern, aber die Waren werden nicht mehr hier, sondern zumeist in Schlesien oder Sachsen hergestellt, Iveil dort die Arbeitslöhne erheblich niedriger, als vor den Thoren Berlins sind. Die Arbeiten, welche gegenwärtig noch in Rixdorf angefertigt werden, sind meistens Spccialartikcl. Aber auch hier haben die Fabrikanten die Preise allmählich derart gedrückt, daß die Klein- meistcr selbst bei übermäßig langer Arbeitszeit kaum ihr Leben fristen können. Infolgedessen hat jetzt die Weber- und Wirker- Innung beschlossen, bei der beginnenden Herbstkampagne von den Fabrikanten eine Preiserhöhung zu Verlangen, andernfalls man neue Lieferungen nicht übernehmen will. Bei geschlossenem Vorgehen sämtlicher Kleinmeister wäre es ivohl möglich, eine Preiserhöhung zu erzielen, da aber auch hier eine große Uneinigkeit existiert, ist wenig Aussicht auf eine Besserung vorhanden. An der Wil'dcnbruchstraße brannte am Donnerstagabend eine dem Arbeiter Brussow gehörige Laube nieder. Es wird Brand« stiftung vermutet. Vor einigen Jahren wurde am Maybach- Ufer ein Arbeiter Schulze erstochen. Der mutmaßliche Thäter, ein Kollege des Ge- töteten, erhängte sich kurz nach seiner Einlieferung in das Unter- suchungsgcfängnis. was allgemein als ein Schuldbekenntnis an- gesehen wurde. Jetzt ist nun plötzlich ein Drechsler beschuldigt worden, den Sch. seiner Zeit getötet zu haben und die gegen den Beschuldigten eingeleitete Untersuchung soll ein derartiges Be- lastungsmaterial ergeben haben, daß zu seiner Verhaftung geschritten wurde. Der Beschuldigte soll die That bereits zugegeben haben; er behauptet aber, er habe in Notwehr gehandelt. Ein großer Diebstahl ist in S ch ö n c b e r g in der Nacht vom 17. zum 13. d. M. in dem Hause Gothenstr. 31 verübt worden. Dort wurden aus der Wohnung der verwitweten Frau Dr. H e r m i n e Arendt zwei goldene Uhren, zwei Vrillantringe, ein goldener Trauring(gez. Otto Arendt, 13. 1. 31) und 36 M. in bar gestohlen. Die Diebe, von denen bis jetzt jede Spur fehlt, müssen mit den örtlichen Verhältnissen sehr vertraut'geivescn sein. Sie haben eine Beute im Gesamtwerte von 766 M. gemacht. Da die Spitzbuben eine auf den Namen Frau Hermine Arendt lautende Stcuerquittung haben mitgehen heißen, so wird von der Kriminalpolizei angenommen, daß die gestohlenen Gegenstände auf den Namen Arendt versetzt sind. Ferner hat die Kriminalpolizei in letzter Zeit wiederholt falsche 2- und 1-Markstückc angehalten, die anscheinend von einer Falschmünzerbande herrühren, welche die Falsifikate in den Vororten unterzubringen versucht. Jntcrcssantc Schlaglichter aus die Grnndbcsitzvcrhältnisse im Kreise Teltow wirft das Verzeichnis der zum Wahlverbande der größeren Grundbesitzer und Gewerbetreibenden gehörenden Steuerzahler des Kreises, welches der Kreisausschuß für die bevor- stehenden Neuwahlen zum Kreistag jetzt publiziert hat. Nach diesem Ver- zcichnis umfaßt der Wahlverband gegenwärtig 664 größere Grund- bcsitzer und 73 Gewerbetreibende als diejenigen Steuerzahler des Kreises, welche an Grund- und Gebäudestcucr bezw. Gewerbesteuer mehr als 225 M. zahlen müssen. Unter diesen 664 höchst be- steuerten Grundbesitzern des Kreises sind nun nicht weniger als 284, also über zwei Fünftel der Gesamtzahl, nicht Be- wohner des Kreises Teltow. sondern haben ihren Wohnsitz in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf. Und zwar entfallen von den 284 Besitzern 216 allein auf Berlin, ferner 33 auf Charlottenburg, 24 auf Schöneberg und nur 7 auf Rixdorf. Von den 73 größeren Gewerbetreibenden haben dagegen nur 2 ihr Domizil nicht im Kreise, während die übrigen 77 ihren Sitz fast ausnahmslos in den großen Vororten des Kreises haben, von denen im übrigen auch an größeren Grundbesitzern Wilmersdorf 77, Steglitz und Friedenau je 52 und Tempelhof 13 aufweisen. In der Reihe der H L ch st b e st e u e r t e n dieser Grundbesitzer steht der königliche FiskuS, welcher in 64 Gemarkungen des Kreises Teltow Eigentum besitzt, mit einer Grund- und Gebäudesteuer von 14'366 M. obenan. Sodann folgt mit 8266 Mark Steuern ein Kauf- mann Wilhelm Wolff aus Berlin, und an dritter Stelle die Stadt Berlin mit einer Steuersumme von 7183 Mark, welche sie sür 26 Grundstücke zahlt. Ferner sind das königliche Hausfidcikommiß für 24 Gemarkungen mit 6667 M., der Amtsrat Wrcde-Britz als fünfter mit 2133 M. und als zehnter Prinz Friedrich Leopold mit 1883 M. für 6 Gemarkungen besteuert. Außerdem zahlt die Stadt Berlin dann noch als„größere Gewerbetreibende" 6266 M. Steuern an den Kreis, und an dritter Stelle unter diesen Höchststeuerzahlern figuriert die Große Berliner Straßenbahn mit 6631 M., während die erste Stelle mit 3386 M. die Kurfürstendamm-Gescllschaft einnimmt. In den Kicügraben gefallen ist vorgestern das dreijährige Söhnchen des Zciiungsspeditcurs Sch. in Köpenick. Bei der starken Strömung wurde es schnell fortgctricben und wäre zweifellos er- trunken, ivenn nicht ein noch im letzten Augenblick hinzukommender Tischlerlehrling ihm»achgesprungen wäre. Unter eigener Lebens- gcfahr brachte der mutige Bursche das bereits bcivußtlofe Kind wieder ans Land. Friedenau. Fortwährend wird von den Hausfrauen unseres Ortes wie auch von denen des Schönebcrger Ortsteils darüber Klage geführt, daß sich auf den Wochenmärktcn die Fleischwarcn in einem schlechten, fast ungenießbaren Zustande befinden. Es handelt sich hierbei um Ware, die ausschließlich von auswärts wohnenden Schlächtern eingeführt wird, meist um sogenannten Kram(Köpfe, Lungen, Lebern, Herzen usw.), Fleischtcile, ivelche die Händler trotz der ihnen bekannten Revision des Friedcnaucr Tierarztes Dr. Schäfer immer wieder einzuschmuggeln versuchen. Am letzten Markttage wurde wieder ein bereits Spuren von Verwesung zeigendes Hammel- herz, wie eine Rinderlunge beschlagnahmt. Jni Interesse der Konsumenten dieser Fleischw'aren, ivelche sich zum größten Teil aus Arbeitern zusammensetzen, wäre eine ausgedehntere Kontrolle der Marktartikel und eine strengere Bestrafung des Feilhaltcns von ver- dorbenen Nahrungsmitteln unbedingt am Platze. In der Wohnung seiner Mntter vergiftet hat sich der 28jährige Kaufmann Ennl K. aus Kictz-Rummelsburg, woselbst er einen Kolonialwarcnhandel trieb. Das Geschäft des K. ging ziem- sich schlecht und in letzter Zeit>var der junge Kaufmann nicht mehr in der Lage, seinen Verpflichtungen gerecht zu werden. Er begab sich zu seiner in der Wendenstr. 6 wohnenden Mutter in der Hoffnung, hier die zur Fortsetzung des Geschäfts notwendige Geldsumme zu erhalten, Fran K. Ivar jedoch nicht in der Lage, den nötigen Betrag aufzutreiben. In seiner Verzweiflung nahm der Geschäftsmann, als er sich für kurze Zeit im Wohnzimmer allein befand, Chankali und starb an den Folgen der Vergiftung, bevor ärztliche Hilfe zur Stelle war. Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten. Der erst 14 Jahre alte Laufbursche Otto Wcigt in Schöneberg, welcher von dem Droguenhändlcr Chronig in der Belzigerstraßs während einiger Stunden des Tages beschäftigt wurde, hat seinen Brotherrn in wiederholten Fällen um ganz erhebliche Posten Waren bestohlen, die einen Wert von 4 bis 666 M. repräsentieren. Der jugendliche Dieb, der schliehlich abgefaßt wurde, war gcstSudia. und räumte ein, Herrn C. etwa 2S mal Waren entwendet und die ge» swhlenen Gegenstände fortgeschafft zu haben. Außerdem legte er auch ein Geständnis dahin ab, daß er wiederholt Rosen von dem alten Kirchhof an der Hauptstraße in Schönebcrg, sowie Eßwaren von den Märkten, Servietten, Messer, Gabeln und Ansichtspostkarten ans niehreren Lokalen gestohlen habe. W. hatte alle Gegenstünde nach einem Keller gebrächt, wo die Polizei ein förmliches Warenlager vorfand, das beschlagnahmt wurde. Der Bursche ist der Stantsauivaltschast übergeben worden, ein Schicksal, das auch seine IS Jahre alte Schwester Martha traf, die sich der Hehlerei schuldig gemacht und das Treiben ihres jüngeren Bruders begünstigt hat. Die beiden noch im KindcSaltcr stehenden Geschwister haben jedoch an ihren Eltern kein gutes Beispiels gehabt, denn die Mutter verbüßt gegenwärtig wegen Kuppelei eine GcfängniSstraf» von drei Monaten und der Vater, welcher kein Freund von Arb«t zu sein scheint, hat die Familie vor einiger Zeit verlassen, so daß es kein Wunder ist, daß die Kinder den Weg des Verbrechens beschritten haben. Tie Südliche Berliner Vorortbahn hat jetzt den zuständigen Behörden den Entwurf zur Abfahrtstelle in der Eichhornstraße für die Linie Link-, Flottwell-, Denncwitzstraßc—Schöncberg— Tempelhof- Siidendc— Lankwitz— Groß-Lichtcrfelde zur Zustimmungserklärung vorgelegt. Der Ätrbeitgebevbttnd des Baugewerbes uahm in seiner am Freitag abgehaltenen Gcuemooriamiuiw„ Stellung zu den Forderungen derZmimerer, Putzer und Bauarbeiter. Die Versammlung war von etwa ölH-liO Personen, darunter Vertreter der größeren bekannten Baufirmen, besucht. Der 2. Vorsitzende des Bundes, Baumeister W e st p h a l bemerkte vor Eintritt in die Tagesordnung: Trotz der mit den Maurern vor dem Einigungsamt gc- lroffcnen Abmachungen, wonach ein Stundenlohn von tK) Pf. Au zahlen ist, zahlen gegenwärtig verschiedene Vundes- mttglleder einen höheren Lohn. Wenn auch gegenwärtig die Arbeit drängt und die Maurer in Berlin knapp sind, so dürften die Mitglieder nicht durch solche verwerflichen Mittel, wie die Zahlung höherer Löhne, ihren Kollegen die Arbeiter entziehen. Es werde uotweudig sein, von Bundcs wegen Zwangsninßrcgcln festzusetzen gegen solche Mitglieder, die gegen die Einigungsbedinguugcn vcr- stoßen. Der Vcrirctcr der Finna Lachmannn u. Zauber beantragte eine Konventionalstrafe von 10 M. pro Tag und Geselle gegen die- jenigen, welche mehr als 60 Pf. Lohn zahlen. Der Antrag wurde . nach längerer Debatte von der Tagesordnung abgesetzt, der Vorstand aber beauftragt, eine strenge Kontrolle über die Höhe der von den Mitgliedern gezahlten Löhne auszuüben und auf Grund des Statuts gegen dieicni�cn vorzugehen, die mehr als 60 Pf. zahlen.— Nunmehr begann die Verhandlung über die Forderunqen der Zimmerer, Putzer und Bauarbeiter. Baun,cistcr W e st p h a h l führte aus, der Vorstand habe das Erscheinen in dieser An- gelegenhcit vor dem Einigungsamt deshalb abgelehnt, weil allein der Bund die kompetente Stelle für Abmachungen mit den Arbeitern sei. Dann empfahl der Redner, den Zimmerern dasselbe zu bewilligen, was den Maurern zugestanden worden ist. lr)ie Versammlung stimmte dem zu. Ucbcr die Forderungen der Putzer ent- stcmdg eine längere Debatte. Beschlossen wurde: Die Putzarbcitcn sind nach wie vor im allgemeinen in Accord zu vergeben, die Preise find so festzusetzen, daß die Putzer bei neunstündiger Arbeitszeit 7 M. pro Tag verdienen. lOv/o des Accordlohncs werden bis zur Fertig- stellung des Accordcs ciubchaltcn. Putzarbcitcn in Tagclohn werden 6CM)Jf5 � �l0 bezahlt. Putzcrträger erhalten pro Stunde .�Htnfichtlich der Forderungen der Bauarbeiter wurde bcschlopcn: Bauarbeiter, die nicht während des ganzen Tages für die Maurer Material in die Höhe tragen, erhalten einen Stunden- lohn von 35—40 Pf. Für Tragen von Steinen und Kalk im Keller 45— 50 Pf.§§ 4 und 5 der Forderungen werden gestrichelt, da_ eine einheitliche Festlegung in diesen Fällen nicht möglich ist.— Ein allgemein gültiger Accord- Tarifsatz kann wegen der verschiedenen Verhältnisse auf den einzelnen Bauten nicht festgesetzt werden, er ist vielmehr von Fall zu Fall zu vereinbaren. Bei jedem Accord werden bis zur Fertigstellung des- selben 25 Pf. per 1000 Steine eiiibchaltcn. Für Ueberstundeu wird ein Lohnzuschlag von 25 Proz. gewährt.— Die weiteren Nntcr- handlungen mir den Arbeitern wurden der Neuner-Komn.ission über- tragen. Wegen Misthandlnng ihres Tieustmädchens war die Kauf- rnamis-Ehefrau Luise L. im vorigen Jahre zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt worden. Die Dame scheint höchst reiz- barer Natur zu sein, denn gestern stand sie wiederum wegen des- selben Vergehens vor der dritten Ferien-Strafkammcr des Land- gerichts I. Die Angeklagte sollte ihr 15 jähriges Dienstmädchen Alma Hahn in der härtensten Weise behandelt iiud es wiederholt mit einem Ausklopfer über Kops und Gesicht geschlagen bflben. Die Hahn hatte infolgg dieser Mißhandlungen häufig Beulen und blutuntorlanfene Stellen aufzuweisen. Eine Nätherm, welche zeitweise bei der Angeklagten beschäftigt war, hielt derselben bor, daß sie das noch nicht völlig entwickelte blutarme Mädchen zu sehr mit Arbeit überbürde und zu hart behandle. Auch der Polizei- leutnant des Reviers erteilte der Angeklagten ernste Ermahnungen und riet ihr, das Mädchen zu cntlaffen. Die Angeklagte folgte diesem Rat nicht, sondern setzte ihre brutale Bchandluug fort, bis Anzeige gegen sie erstattet wurde. Im Termin behauplcte die Angeklagte, daß die Beulen uudGeschwüre deS Mädchens durchUnrcinlichkeit entstanden seien, auch wollte sie das ihrzustehendeZüchtigmigsrechtnicht überschritten haben. Staatsanwalt Kqnzow hielt die Angeklagte im vollen Umfange für überführt. Es müsse ihr nachdrücklich zn Gemüte geführt worden, daß ihr kein Recht zustehe, ihre Dienstboten so zu behandeln, wie sie es gethan. Da die erste Bsstrastmg einen bessernden Ein- fluß nicht gehabt habe, so beantrage er jetzt drei Monate Gefängnis. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Schwindt. plädierte für ein niedrigeres Strafmaß. Der Gerichtshof billigte der Angeklagten noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte auf eine Geld- strafe von 300 R. Eine Diebin von besonderer Gemetngefiihrlichikekt machte im April und Mai den Norden Berlins unsicher. Kinder im Alter von 5—6 Jahren, die von ihren Eltern zum Einholen fortgeschickt worden waren, kamen weinend ohne Korb, Ware und Portemonnaie nach Hause und erzählten, daß ein großes Mädchen ihnen die Gegen- stände abgenommen habe. Sie sei srhr freundlich zu ihnen gewesen und habe sie gebeten, in ein Haus mit ihr zu gehen. Hier habe das Mädchen auf dem Flur warten und so lange den Korb halten wollen, während das Kind sich eine Treppe höher nach einer Frau Schulz erkundigen sollte. Wenn das Kind zurück- kam, war das Mädchen mit dem Korb verschwunden. EZ gelang endlich, die 19jährige Arbeiterin Marie Helene Pähl bei einer solchen That zn ertappen. Dieselbe gab gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I sechs Diebstähle zu, in einem siebenten Falle hatte sie nur eine Wurst erbeutet und wurde dies als Mundraub aufgefaßt. Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagte nach dem Antrage des Staatsanwalts zn einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis und 1 Woche Haft. Eiu Straustenranb m,f dem Dcmpclhofcr Felde führte gestern den 15 jährigen„Arbeitsburschen" Paul Wittke aus Rix- horf vor die erste Ferieiistraftammer des Landgerichts II. Der junge Bursche ist schon mehrfach wegen Diebstahls borbostraft. Am 24.'Mai d. I. bummelte er auf dem Tcmpclhofer Felde in der Nähe des ThoniaSkirchhofcS umher und sammelte dort alsbald einige andere Jungen um sich. Mit diesen fiel er zwei 12- bis ISjährlge Knaben an. die ihrem Aentzeren nach von wohlhabenden Eltern stammten. Er nahm dem einen eine silberne Taschenuhr, dem anderen einen Trinkbecher, in welchem sich ein Zehnpfennigstück befand. Die Opfer ließen sich das ruhig gefallen, weil sie es nicht wagten, dem größeren und stärkeren Angeklagten und seinen Complicen Widerstand entgegen- zusetzen. Die Complicen konnten noch nicht unter Anklage gestellt werden, weil sie noch ftrafnnmündig waren. Der Angeklagte war geständig, für den Gerichtshof ergab sich aber die Lösung der Frage, ob ein Raub vorliege, wo es der Anwendung von Gewalt nicht bc- durfte, da sich die Opfer freiwillig bcstehlcn ließen. Ter Gerichtshof entschied aber, daß in dem Zusanmienwirken mit andern, die auf die Knaben losgingen, die Drohung lag, daß, wenn die Beraubten sich die That nicht ruhig gefallen liehen, sie Prügel bekommen würden. Das Urteil lautete daher auf neun Monate G e- f ä n g n i S, VerfammlttNücn. Ter Wahlvmiu für den siinftc» Wahlkreis hielt am Don- ncrStag seine gut besuchte Generalversammlung ab. Genosse M c tz n e x referierte über„Die bevorstehenden Stadtverordneten- Ivahlen". Wie schon im„Vorwärts" darauf hingewiesen, werden die Berliner Parteigenossen bei den diesjährigen Stadtverordneten- Ivahlen mit voller Kraft in den Wahlkampf eintreten müssen, wenn es gelingen soll, der Arbeiterschaft eine starke Vertretung zn sichern, Habe die Stadtverordneten- Versammlung ohnehin nur lOine verwaltende und keine gesetzgeberische Thätigkcit, so sei diese unter der Herrschaft des sich stets nach oben beugenden Liberalismus, für unsere Partei nur sehr beschränkt gewesen. Schon das Wahlgesetz mit öffentlicher Skimmenabgabe verleide einer großen Zahl von Wählen» die Wahlbeteiligung. Wolle man aber verhindern, daß immer nur der Gcldsack über das Schicksal der Bürger be- stimme, daß zum Beispiel wie in Köpenick zwei Wähler der I. Abteilung achtzehn Stadtverordnete wählen, dann sei es erforderlich, die Scheu vor der offenen Stimmen- abgäbe zu beseitigen, um die Vertretung der Arbeiterschaft z» sichern, denn die Thätigkcit eines Stadtverordneten sei eine zweifache: djo öffentliche im roten Hause und die stille kommunale. Gerade die letztere erfordere, von der großen Oeffentlichkeit wenig beachtet, eine umsichtige Geschicklichkeit und aufreibende Thätigkcit,' so namentlich beim A rm en w esen. worüber der jüngste Prozeß einige Ans- klärnng gebracht hat. Redner bespricht im Verlauf« seiner weitere» Ausführungen die Mißstände im Schulwesen, die öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungcn, das Submissionsmescn, die Wohnnngs- Verhältnisse und schlechte Bezahlung der städtischen Arbeiter von 1,70 M. pro Tag aufwärt? für Verheiratete I Das Submifsions- wcsen sei trotz der jahrelangen Bekämpfung desselben heute noch in schönster Blüte, weil, wie Baurat H o b r e ch t einmal stolz erklärte, man nicht abgehen werde von dicscm Prinzip, wodurch Berlin groß und reich geworden! In Anbetracht all diqcr Nebelstände sei es er- forderlich, schon jetzt eine rege Agitation für die kommenden Wahlen ZN entfalten, um die Wähler der dritten Abteilung zur Stimmen- abgäbe heranzuziehen, damit der großen Masse der Bürger und Arbeiter nicht nur eine würdige Vertretung, sondern auch ein bedeutender Einfluß in der Verwaltung gesichert werde!(Lebhafter Beifall.) In der hierauf folgenden Besprechung machte Wels zunächst darauf aufmerksam, daß für den fünften Wahlkreis zwei Bezirke bei den Stadtverordncten-Wahlen in Betracht kommen und fordert auf, die nur his 31. Juli aus liegenden Wählerlisten einzusehen, aber wenn irgend möglich an Wochen- tagen, da der Andrang an Sonntagen jedenfalls zn stark ist. Andernfalls wolle man die Einsicht in die Listen den im„Vorwärts" bezeichneten Personen für die einzelnen Bezirke übertragen. Im übrigen sei es Pflicht der zielbewußten Genossen, namentlich der Mitglieder des Wahl- Vereins, sich rege an der Agitation zu den Wahlen zu beteiligen. um ohne die Hilfe der Genossen aus anderen Wahlkreisen diese zwei Bezirke aus eigener Macht zu«robern I(Beifall.) Der Vorsitzende des Wahlvcreins, Z i e tz e w i tz. erstattete nunmehr den Bericht des Vorstandes. Danach haben im letzten Quartal 3 Vereins- und 13 Gruppenversammlungen stattgefunden. Eine besondere Thätigkcit, die sich namentlich die erste Gruppe zur Aufgabe gemacht habe: die Leser des„Vonvärts" zu ermitteln, um sie den» Wahl- verein als Mitglieder zuzuführen, fei bis jetzt von gutem Erfolg begleitet gewesen und werde auch in Zukunft befolgt werden. Le- dauerlicherwcise seien wohl etiva 100 saumige Zahler zu verzeichnen. was wohl vielfach dem Wohnungswechsel zuzuschreiben ist. Das gleiche ist der Fall mit der Entnahme der vom Wqhlv.eroin zur G ratis v c rteilu n g an die Mitglieder erstandenen Schriften, als welche zum Beispiel oas Protokoll des vorjährigen Parteitages und die Verhandlungen über die Z u ch t h g u s u p r l a g e zn entnehmen sind, worauf die Mit- glicder ganz besonders bciZahlung vp« Beiträgen verwiesen werden. Ferner seien noch eine Anzahl Eintrittskarten zur Stern- warte in Treptow, güllig bis zum 31. Dezember d, I., in den bekannten Zahlstellen zu entnehmen. Der Bericht des Kassierers Kohnke ergiebt mit dem Bestand von 151,30 M. vom vorigen Quartal eine Gesamt-Einnahme von 544,93 M., bei einer Ausgabe von 277, Sö M., sodaß ein Bestand von 267,33 M. verbleibt. Hierauf wird dem Kasfierer die von den Revisoren beantragte Entlastung erteilt. Der Vorsitzende giobt noch bekannt, daß man in nächster Zeit eine S t a t i st i k über die Berufsverhältnisse der Mitglieder veranlassen werde. Wels ersucht zum Schluß, bei Einsicht in die W ä h l e r l i st e n eine genügende Legitimation, wie Steucrzettel, MictSkontrakt»c. mitzunehmen; insbesondere dafür zu sorgen, daß der 30. Bezirk tüchtig bearbeitet werden kann, Berliner Gcwcrrschaftskommiffioi». Die am Donnerstag abgehaltene Delegiertonversammlnng nahm von den Vertretern der Bauarbeiter, Zimmerer und Putzer kurze Berichte über die Lohn- bewegung ihrer Gewerkschaften entgegen. Anträge wurden zu diesem Punkt nicht gestellt. Hierauf gab Kärsten eine kurze Darstellung der Aussperrung in Dänemark. Er bemerkte, verschiedene große Berliner Gewerkschaften hätten die dänischen Arbeiter bereits' mit Gold unterstützt und würden es auch ferner thnn, angesichts des gewaltigen Kampfes in Dänemark müsse aber noch mehr für die Unterstützung der dortigen Genossen geschehen. Er ersuche deshalb diejenigen Gewerkschaften, welche noch keine Sammellisten von der Kommission entnommen haben, dies nachzuholen und unter ihren Kollegen zu sammeln.— D ö b l» n bemerkt, die Buchdrucker hätten bereits größere Summen nach Dänemark gesandt, weitere Geldsendungen würden noch folgen, Sammellisten brauche seine Gewerkschaft nicht in Umlauf zu setzen, da die Mittel der Kasse entnommen werden.— Ohne Debatte wurde folgende Resosntion einstimmig angenommen: „Angesichts der Thatsache, daß der dänische Arbeitgeberbnnd seine Absicht, die ausgesperrten etiva 40 000 Arbeiter durch die Zer- störung ihrer Gewcrkfchaftsorgnnlsationcn machtlos und der Unter- nchmcrwillkür gefügig zn machen, nicht aufgegeben hat, sondern trotz der Einigungsvcrsuchc der Ausgesperrten vor der EinigungS- kammer. sie" weiter ins Joch zu zwingen sucht, empfiehlt die Delegierten- Versammlung der Berliner Gewerkschaften noch- mals ungesäumt. materielle Hilfe so weit als irgend möglich den ausgesperrten dänischen Arbeitern zu leisten." Als dritter Punkt stand auf der Tagesordnung ein von 27 centralorganisierte» Gewerkschaften gestellter Antrag: Den Beschluß der Delegierten- Versammlung vom 6. Juli, de n Ab st im mu n gs modus betreffend, auf- z u h e b e n. Fischer(lolgsorg. Zimmerer) beantragt Ucbergang zur Tagesordnung; M a s s i ii i spricht dagegen; darauf wird der Antrag Fischer in namentlicher Abstimmung mit 44 gegen 29 Stimmen abgelehnt, und in die Debatte über den Antrag der 2? Gewerkschaften ein- getreten. Schulz(Droschkenlutscher) führt aus, er hätte erwartet, daß die Urheber des Antrages sich dem einmal gefaßten Asschlusse gefügt hätten. Das sei aber nicht geschehen, vielmehr hätten die Delegierten der centralen Gewerkschaften am 12. d. Mts. eine Konferenz ab- gehalten, in der sie den vorliegenden Antrag beschloffen haben. Die Vertreter der größeren Gewerkschafteii hätten sich ans den Standpnnkt gestellt, daß sie, wenn ihrem Verlangen nicht Nechnimg getragen werde, ihren eigenen Weg gehen und die kleinen Geiverkschaflen sich selbst überlassen würde». Redner meint, für jeden Delegierten müsse die Sache mit dein Beschluß vom 6. Juli erledigt sein. DaS demokratische Princip verlange, daß man sich den gefaßten Beschlüssen füge, Sollte jetzt eine Spaltung unter ocn Berliner Gewerkschaften eintreten, dann hätten allein die Vcr- tretcr der großen Gewerkschaften die Verantwortung dafür zu tragen. H e t s ch o l d(centralorg. Bäcker): Ein Teil der centralen GeWerk- schaften habe der von Näther ergangenen Einladung zu der Konferenz am 12. d. M. nicht Folge geleistet, tveil sie meinen, daß gefaßte Be- schlüsse nicht wieder umgestoßen tvcrden sollen. Redner habe in jener Sitzung gegen die Alifhebiing des Beschlusses vom 6. d. M. opponiert. l?r sei deshalb sehr heftig angegriffen worden, namentlich von Näther, der sich als Diktator gezeigt habe. Die heftigen Angriffe hätten dem Redner bewiesen, daß es nichts Gutes sei, ivas die Vertreter der großen Gewerkschaften beabsichtigen. Man habe versucht, den Vertreter» der kleinen centralen Gewerkschaften Sand in die Augen zu streuen, indem man ihnen begreiflich zu machen suchte, es handle sich hier um einen Kampf zwischen lokaler und centraler Richtung. Das sei aber nicht zutreffend, sondern in diesem Kampfe stehen auf der einen Seite die großen centralen, auf der andern Seite die kleinen Gewerkschaften, und die letzteren sollten von den ersteren beiseite geschoben werden. Es sei gesagt worden, die kleinen Gewerkschafteii. die nicht einmal aus eigenen Mitteln einen Lohnkainpf führen können, hätten keine Existeiizberechtigung. Trotzdem nehmen auch große Ge« iverffchaften unter Umständen die Hilfe der kleinen sehr gern an. so hätten beispielsweise die Buchdrucker den Kampf gegen oen„Lokal- Anzeiger" auch nicht ans eigener Kraft führen können, sondern die Histe der gesamte» Berliner Arbeiterschaft erhalten. Was die Geldauf- Wendungen anbetreffe, so opfern die kleinen Gewerkschaften im Verhältnis zur Zahl ihrer Mitglieder weit mehr, wie die großen. Wenn die großen Geiverkschaflen das Uebergcwicht bekommen, dann kämen die kleinen nie aus dein Sumpf heraus.— Ans Antrag Reins erhält mmmchr M a s s i n i das Wort, um den Antrag der 87 Gewerkschaften zn begründen. Er führt aus: Auch ex sei dafür, daß ei»- mal gefaßte Bcschlüffe respektiert weiden. Tie Vertreter des vor- liegenden Antrages seien qber der Ueberzeugnng. daß der von den lokalen Gewerkschaften durchgesetzte Beschluß vom 6. Juli der Gewerkschaftsbewegung nicht zum Segen gereiche. und deshalb halten sie es für ihre Pflicht, für die Arnhebung desselben einzutreten, umsomehr, als er in Widerspruch stehe zn den Beschlüssen des Frankfurter Gewerkschaftskongrestes. Es brauche wohl nicht erst besonders hervorgehoben werden, daß die großen Gewerkschaften keineswegs die Absicht haben, die kleinen an dje Wand zu drücken, daß sie vielmehr bestrebt seien, die kleinen nach Kräften zu fördern und zu unterstützen. Obwohl die großen Gewerkschaften keinen Nutzen von der Anstellung des zweiten Gcwerlschastssekretärs haben, so hätten sie sich doch ohne weiteres bereit erklärt, ihren Anteil an de» Kosten zu tragen. Nun sei es aber einfach eine Forderung der Gcrechtigleit, daß ein anderer Ab- stimmnngsmodus, als der bisherige, eingeführt werde. Gerecht sei es nicht, wenn ganz kleine Gewerkschaften einen Delegierten, ja die 600 Mitglieder zählenden Lederarbeiter neuerdings sogar drei Delegierte bcanspruchen, während Gewerlschaften mit 14 000 Mitgliedern auch nur drei Delegierte entsenden dürfen. Was' man auf der anderen Seite von der Gerechtigkeit denke, das habe sich neulich in einer Versammlung der Lederarbeiter gezeigt, wo der Vorsitzende des Verbandes so gerecht war. mit Rück- ficht auf die Mitglied erzähl von nur 600 für Zurückziehung des zweiten Delegierten einzutreten, während ein anderer Redner sagte, man werde doch nicht so dumm sein, aus bloßen Gerechtigkcitsgründen auf eine mehrfache Vcr- trotimg zn verzichten, wenn man sie haben könne. weil mehrere Branchen in der Organisation vorhanden sind. Massini schließt mit der Bemerkung: Wir verlangen, daß jedem in der Gcwcrksckmfts- Kommission das gleiche Recht zukommt. Entweder man stimmt nach der Kopfzahl ab oder man gicbt den großen Gewerlschaften eine ihrer Stärke entsprechende Stinnnenzahl. Der in voriger Sitzung gestellte Antrag der Sattler würde uns genügen. Maaß(Kmistiinnii) meint, eS liege kein Grund vor, den bis- herigen Abftiimnmigsniodns zu änderm Die kleinen Gewerkschaften hätten stets ihre Schuldigkeit gethan, sie hätten sich auch, wenn es sich um die Bewilligimg von Streiks handelte, einsichtig gezeigt, von einer Majorisierung der großen durch die kleinen, könne keine Rede sein, er bitte, dem vorliegenden Antrag nicht zuzustimmen. Weiter meint Redner, derjenige, dessen Auftreten in der Lederarbeiter- Versammlung von Mässini angezogen wurde, habe kein Ver- ständins voii der gcwcrlschaftlichcn Bewegung.(Heiterkeit. Ruf: Der gehört ja dein Ausschuß an.) Fischer(lok. Zimmerer): Wenn der am 6. Juli angenomniene Antrag nicht von den lokalen Gewerkschaften ausgegangen wäre, hätte man wohl nichts dagegen untcrnonunen. Der angedrohte Austritt der großen Gewerkschaft«! sei wohl nicht ernst zu nehmen. Es feien bisher keinerlei Gründe vorgebracht, welche beweisen können, daß der seitherige Absiimmmigsmodns der Gewerkschaftsbewegung geschadet habe. Die Gewerkschaftskommission müsse bleiben, was sie ist. Die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses brauchen uns nicht zu kümmern.(Oho!) Ein Vertreter der Buchdruckerei-Htlfs- arbeiter bemerkt, er werde heute anders stimmen, wie in der vorigen Versammlung, denn er sei inzwischen zu der Ansicht gekommen, daß die großen Gewerffchaften mit ihrem Antrage bezivecken, die Ab- splitienmgon von ihren Organisationen, wie sie in letzter Zeit vorgekommen sind, zu verhindern, waS durchaus verechtigt' sei. Trinks(Wäschebranche) spricht gegen den Antrag. H a r t m a n n(Glasarbeiter) konstatiert, daß auch er seit der vorigen Versammlung anderer Meinung geworden fei. Börner(Tabakarbeiier) führt aus: Obgleich er eine centrale Gewerkschaft vertrete, sei er, im Einverständnis mit der« selben gegen den vorliegenden Antrag. Er begreife es zwar, billige es aber nicht, daß die großen Gewerkschaften verlangen, die Gewerkschafls- kommission solle ihnen Heercssolge leisten im Kampf gegen die lokale Richtung. In dem Streit zwischen lokal und central fei die Gewerltchaftslonmiiision bisher streng neutraul gewesen, und zwar zum Heil der Berliner Gewerkschaftsbewegung. So müsse es auch ferner bleiben. Der vorliegende Antrag und das Berlangen der großen Gewerlschaften bedeute die Diltatur der letzteren. Trotzdem, daß in der Konferenz vom 12. Juli von mehreren Seiten gesagt wurde, diejenigen, welche nicht in das große Horn stoßen, ermangeln der Einsicht und der gcistigcu Fähigkeit, stehe Redner auf demselben Stand- pnnkt wie früher und sei gegen den Antrag. H i n tz e(Kaufmann) spricht ebenfalls gegen den Antrag. Es sei deutlich genug gesagt worden, daß die kleinen lokalen Gewerkschaften von bei» großen centralen aufgefressen werden sollen.(Widerspruch.) Die großen GeWerl- schaften glaub«« auf ihren Geidsack pochen zu können. Für den Augenblick brauchen sie ja die kleinen nicht. Es hat aber Zeiten ge- geben, wo die großen die Nnterstützung dcz kleinen bedurften und erhielten. Schlegel(Metallarbeiter): Der Beschluß vom 6. Juli entspricht thatsächlich nicht den Interessen der Berliner Gewerkschaften,(Riffe: Beweisen! Sie haben ja noch gar keine Erfahrnna!) Man sagt, durch unseren Autrag werde die Diftastir eingeführt, Im Gegenteil. Jetzt haben wir die Diktaktur und zluqr die der kleinen Gewerkschaften.(Lebhafter Widerspruch.) Ich werde das sogleich beweisen, Hinter hcm am 6. Ii, Ii gngo- nonnuenen Antrag stehen etwa 12 000, hinter den Gegnern des- selben dagegen etwa 50 000 organisierte Arbeiter. Das ist doch die Diktatur, die wir sonst so energisch bekämpfen. Es ist gesagt worden, die Metallarbeiter seien trotz ihrer starken Orgaui-- stttion nicht in der Lage, eine Lohnbewegung durchzuführen. Ich gebe das zu. Das liegt aber nicht nur daran, daß wir mit einer mächtigen Unternehmerorgmiisntion zu rechnen haben, sondern auch nicht zum wenigsten an dem tünstande, daß die Berliner Gewerkschaftsbewegung noch sehr darniederlicgt, und das ist wieder darauf zurückzuführen, daß man hier alles gehen läßt, wie es gehen will. Wir müssen eine Einigung der Kräfte anstreben. lLin'f: Aber nicht durch Euren Antrag!) Noch kein Veriretcr einer großen Gewerkschaft hat ei» Wort vom Ausscheiden fallen lassen. sWiderspnich.) Die Eventualität des Austritts darf bei diesen Erörterungen gar nicht in Betracht kommen.— Nein(Ick. Handclshilfsarbeitcr): Der vorliegende Autrag bedeute eine Macht- frage. Es handle sich lediglich darum, daß den finaiiziell leiMNgSfähigen Gewerkschaften das Ucbcrgewicht zufallen solle. Man könne hier ein bekanntes Wort in anderer Fassung auwenden: „Wenn Du keine Gelder hast, oh, so laß Dich nur begraben, denn ein Siecht zum Stimmen, Lump, haben nur die, die was haben." (Heiterkeit)— Einzelne Vertreter kleiner centraler Gewerkschaften bemerken, daß sie zu der Konferenz am 12. Juli nicht eingeladen worden seien, was darauf schließen lasse, daß' mau unter den centralen Gewerkschaften, wahrscheinlich mit Nück- ficht ans die Größe derselben, eine Auswahl getroffen habe. Schlegel bemerkt, eingeladen seien alle centralen Gcwcrk- scharten, einsäe Einladungsschreiben waren aber als unbestellbar zunickgekommen. Die Debatte wird geschlossen. Iii einer persönlichen Bcmcrkmig wendet sich Beiswange r gegen die Ausführungen von Maaß. betreffend den Redner in der Lcderarbcitcr-Versaininlnng. Maaß entgegnet, er habe nicht Beis- Wang er gemeint, sondern jenen Redner, der die Branchenvertrotuiig befürwortete. In namentlicher Abstimmung wird hierauf der Antrag: Den Beschluß vom 6. Juli aufzuheben, mit 3g gegen 33 Stiinmen an- genommen.— Ein neuer Autrag über den Äbstimmungsmodus soll m einer über drei Wochen stattsindenden Versammlung beraten werden. Es fehlten die Vertreter der Vrauerei-HilfSarbeitcr, Böttcher, Dachdecker. Glaser, Händler, Kassenbcanlte. Maschinisten. Musiker, Steinindustrie-Arbeiter, Fabrik- und Hilfsarbeiter(Zentral). Der Nrbettcr-BilduiigSvcrcin für NdlcrShof und Um- gcgend hielt am Donnerstag eme VereinSbersammlung bei Schmauscr ab, in der Dr. Wollheim über„Naiurerkeimlnis und Welt fortschritt" referierte. Eine Diskussioii über den sehr interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgeupinmeneu Vortrag wurde nicht beliebt. Auf Antrag des Vorstandes beschloß dje Pcrsautnilnug, das Siiftliugs- fest des Vereins am IS. August bei Schmauser, bsstehond in Konzert, GcsangSvortrügcn und Tanz zu feiern. Ter Preis der Billctß wurde auf 30 Pst festgesetzt. Mit den weiteren Arrangements wurden die Genossen I e s ch e. Wolf und Müller gemeinsam mit dem Vorstande betraut. Nach Erledigung einiger iveiterer Vereins- anaelcgenhciten� beschlossen die Vcrsainmelten, den ausgesperrten Arbeitern in Dänemark 30 M. auS der Vcroinskasse zu überweisen Hospital befindliche Tclegraphcnleitung und drang von hier, ohne das Gebäude selbst zu beschädigen, in die Erde. Einige Beivohner dem Garten unweit der m die Erde tzlich der Blitz hcrniederfnhr und Auf dem Vorwerk Maskow bei Blitzschlag das Stallgebände des Der gleiche Blitzschlag tötete ein im VevmisÄzkes. Ucber Blitzschläge der Gewitter, die dieser Tage über den Osten niedergingen, berichtet der Graudcuzcr„Gesellige": In Neu- stadt ichlug ein Blitz in der Nähe des Bahnhofs ein, so dah die im Freien out einem Tische stehenden Gläser weit fortgeschleudert Wurden. Der gerade mit der Abstellung des Apparats beschäftigte Tclegraphenbcnmte erhielt einen derartigen Schlag, daß er zur Seite taumelte.— In Willcnberg(Ostpr.) schlug der Blitz in den mit Heu gefüllten Stall des Kaufuianus Rudolf Stibowski und zündete. Der Stall brannte vollständig und der daran stoßende Speicher zum Teil ab.— In Darkehmen entzündete ein Blitz das Gehöft des Besitzers Weischat. Die Holzgebände waren bald ein Raub der Flammen. Der gute Rindviehstand des W. ist auch nntverbramit, gerettet sind nur die Pferde und Schafe. Bei dem Feuer solle» zwei Menschen, ein Knecht und ein Hirt, ihren Tod gefunden haben. In Praslaukcn bei Gumbinnen legte ein Blitz sämtliche Gebäude d«S Besitzers Lehman» in Asche. Es verbrannten viele Wirtschafts- geräte, 1ö Stück Vieh, sieben Pferde und zehn Schweine. In Schulitz fuhr ein Blitz in die Remise ans dein Holzplatze der Lindauschen JohanncSmllhle; die Remise, ein nebenstehender Pferdestall und ein Wohnhaus brannten nieder.— In Smolarh bei Samotschin wurde die Bockwindmühle des Daniel Zitzlnfs von einem kalten Blitzschlage zum Teil zerschmettert.— Aus dem Dominium Btrschkau bei Wollstein wurden eine Frau und fünf Kühe vom Blitz erschlagen. Die Frau Ivollte gerade das Fenster ihrer Wohnung schließen, als sie, vom Blitz getroffen, tot nmsguk. Die in derselben Stube befindlichen Kinder blieben un- verletzt.— In Lauenburg i. P. schlug der Blitz in die auf dem des Hospitals saßen m führenden Leitung, als zwei Kranen beiäubte. Köslin wurde durch einen Besitzers Klalumde eingeäschert. WWWDDDDWW Stall stehendes Pferd. Bei Schwessin wurde auf dem Felde der 14 Jahre alte Knhhirte Friedrich Braun vom Blitz erschlagen. Ein Kampf mit Bären hat dieser Tage im bekannten Volks- inusenm„Skansen" in Stockholm stattgefunden. Schon vor einiger Zeit machten die Bären den Versuch, ihren Wächter überfallen, doch gelang es ihm, sich rechtzeitig zu retten. Seit dem Tage gingen die Wächter mir zu Zweien und mit Stöcken bewaffnet in den Bärenzwinger hinein. Wie notwendig diese Vorsichtsmaßregeln waren, sollte sich bald zeigen, Als die Wächter kürzlich am Morgen den Käfig betraten, um die Bären zu siittcrn, stürzte einer der Bären sich plötzlich ans den einen Wächter und warf ihn zu Boden, Dann griffen beide Baren den anderen Wächter an, der, während der andere Mann sich schleunigst flüchtete, mn sich zu retten, ins Wasser sprang. Die Bären folgten jedoch nach, und im Wasser entstand ein wütender Kampf, während dessen Mann und Tiere im Wasser verschwanden. Einigen in der Nähe arbeitenden Leuten, die den Lärm gebort und zur Hilfe eilten, gelang es mit großer Mühe, den Unglücklichen ans den Klanen der Bären zu befreien. Er war jedoch sehr schwer verletzt und hatte über 30 Wunden erhalten. In ichr lcidciidc»! Zlistande wurde er ins Hospital gebracht. Es ist jetzt den Wächtern verboten worden, sich in den Värcnkäfig zu be- geben. Das Futter soll hilieiiigeworfen, und wenn der Käfig ge- reinigt wird, sollen die Büren hinter einem starken Eisengitter ein- geschlossen werde». Sturz vom Turmseil. Bei der Abschiedsvorstellung, die eine Akrobatcngesellschaft auf dem Marktplätze in Tcterow(Mecklenburg) gab, sollte ein Schncidcrgcfelle über das hohe Turmseil hinweg» getragen werden. Der Akrobat hatte den Schneider auf den Rücken genommen, aber kaum war er einige Meter weit gegangen, da ivurde der Schneidergeselle unruhig und stieß seinen Träger nnt den Füßen in das Kniegelenk. Der Akrobat verlor hierbei das Gleich- gcivicht. ließ die Bälancirstange fallen und hielt sich an dem Seil fest, während der Schneidergeselle aus beträchtlicher Höhe auf den harten Erdboden stürzte, wo er mit zerschmetterten Gliedmaßen be- luußtlos liegen blieb. Ein Mord- und Selbstmordversuch ereignete sich Montag- abend in Breslau. Der 26 jährige verheiratete Arbeiter Heinrich Zimmer hatte Kurzegasse 33 eine aus zwei Stuben bestehende Wohnung inne. Eine dieser Stuben war an den Bruder seiner Frau, den Ziiiuneriiiann Gustav Baum, vermietet. Bauin hatte sich Geld gespart, das er im Bett verborgen hatte. Als dieser am Sonntagnachmittag mit seiner Schwester spazieren gegangen war. entwendete ihm der Schwager seine Ersparnisse und ver- schwand damit. Erst Montagabend kam der Dieb heim, betrat aber nicht seine Wohnung, sondern ließ seine Frau herunterrnfen. Diese schöpfte jedoch Verdacht und nahm ihren Bruder mit. Als der Bcstohlcne seinen Schwager nach dem Verbleib des Geldes fragte, riß Zimmer als einzige Antlvort darauf einen Revolver hervor und schoß seinem Schivager eine Kugel durch das rechte Auge in den Kopf, so daß derselbe sofort zusammenbrach: darauf kehrte er die Mordwaffe auch gegen seine Frau, ohne sie aber zu treffen. Ehe diese sich noch von ihrer Bestürzung erholen konnte, jagte er sich selbst eine Kugel in die Brust und sank schwer- verletzt neben seinem Schwager nieder. Auf dem Transport nach dem Hospitql verstarb Baum. Sein Mörder Zimmer wurde im Hospital untergebracht. Ein Millionär im Gefängnis erhängt! Dieser Tage wurde in Tiflis der bekannte Millionär und Naphtaqucllenbesitzcr Rhlssj in seiner Zelle erhängt vorgefunden. Er war des Naphtadicbstahls angeklagt, der im Kaukasus zu den häufige» Erscheinungen zählt, da leine Ansführung liicist leicht und höchst gelviiulbringeiid ist. R- hatte durch ein unterirdisch angelegtes Rohr ans dem Behälter seines Nach- bars, in den er ein Loch eingemeißelt, das Naphta einfach abgelcilet. Während des Tages Ivurde das Loch verstopft.— Rtzlski ist iofachcr Millionär: er hatte 1863 an der polnischen Erhebung teilgenonlinen u»d mußte hierfür durch zehnjährige Zwangsarbeit in einem sibi- rischcn Bergwerke büßen; später gelang es ihi», Vermögen zu machen. Den Diebstahl soll er ans Schadensucht ausgeführt haben. Neber die Erderschlltterungen i» Rom wird berichtet: Nach jetzt hier aus der Umgebung der Stadt eingehenden Mitteilnngcii sind die ersten Nachrichten über die Schäden, lvelche das Erdbeben angerichtet haben sollte, sehr übertrieben Warden- Menschen sind demselben nicht zum Opfer gefallen, Häuser nicht eingestürzt, An einigen Orten sind indessen beträchtliche Schäden entstanden, durch welche großer Schrecken erregt wurde. Eisenbahil-Ullfall. Gestern nachmittag gegen L Uhr entstand am Süd-Bahnhofe in Brüssel eine heftige Panik. Der Blitzzug Anlsterdam-Brüssel lief in den Perron hinein, ohne daß die Bremsen funktionierten. Der Zug zertrümmerte de» Prellbock. Glücklicher- lvcise verhinderte» die hinter dein Prellbock angebrachten Steine die Räder der Lakomative lociterzulmifen, so daß ein ernsteres Unglück verhütet wurde. Die Passagiere kamen mit leichten Verletzungen und dem Schreck davon. Der britische Kreuzer„Bonaventure" ist wie aus Weihaiwei berichtet wird, bei Cornilov(?) gestrandet; die Hoffnung auf seine Flottinachung soll gering sein. Renz unter dem Hammer— das ist die letzte Etappe in der so reichbewcgten SchuksalSgeschichte des einst so stolzen Cirkus Renz. Am Donnerstag fa»d in Brüssel die öffentliche Versteigerung des gesamten lebenden Inventars und der Requisiten des Renzsche» In- stitutS statt. Hundert m der hohen Schule und in Freiheit dressierte, zllmeist edle und wertvolle Pferde, reiche Kostüme und Livreen aller Art sowie ganze Berge von Material zu den großen AusstathmgL- stücken, die man bei Renz in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat, befanden sich darunter. Das luxuriöse Material wurde zu niedrigen Preisen angekauft. Entsprungen. Der Steinträger Herrmann ans Berlin, der in Kiel ivegen Heiratsschwindelei in Untersuchung sitzt und eine schtvere Strafe zu erwarten hat, ist seinem Transporteur, der ihn vor Ge- richt führen sollte, entwichen. Marktpreise von Berlin am S0. Juli 1890 nach vrmittnnnze» dxS tgl. Polizeiornsitmims. �Welzen D.-Etr. 16, aa HRoggen, 15,10 gutler-Äerste„ 13,40 Haser gut„ 15,60 „ mittel„ 14,00 „ gnillfl, 1+.30 Rlchtstrvh. 4.10 Heil„ 0,30 t)Cl'6fcil« 40,— |)?pcijctuchiicu„ 50,— tifiiufeu„ TO,— iiartoiieiii, neue„ 12,— Rindslei ch, Keule 1 Iig 1,00 da. Bauch, 1,20 ) Ermittelt pro Tonne 14,80 Schlveineflcisch lüg 1,60 1,- 14,- Kalbfleisch, 1,60 1,- 13,— Hammelfleisch, 1,60 1,— 15,- Butter. 2,40 2,- 14,50 Eier Cn?ck,ck 4,- 2,40 13,80 Karpfen i 2,00 1,80 3,50 Aale„ 2,80 1,20 4,— Zander. 2,00 1,20 25,- Hechte, 2,40 1,20 25,— Barsch«. 1,80 0,80 30,-r Schleie„ 2,50 1,- 6,- Bleie„ 1,40 0,80 1,20 Krebse per Schock 12,— 3,— ft— von der Centralflelle der Prenß. Landwirt- und umgerechnet vom Polizeipräsidium schaslskamincr— NotiemngSstclle für den Dopocl-Ccutiier. ß) Kleinhandelspreise. Produkten in arkt vorn 21. Juli. Der Getretdemarlt erfuhr heute nach mehrtägigem Rückgangs wieder eine leichte Befestigung, welche oller- dings nur vorübergehender Natur war und besonders dem Roggenverkehr zu gute kam. In diesem Artikel wurden von eine»! hiesigen Jniporthause, welches mit russischnt Firmen liiert ist, Deckungskäufe ausgeführt, die den Pxeis um 0,75 M. hoben. Da jedoch sonstige Käufer infolge des pracht- vollen Wetters und glänzender Erntcaussichtcn fehlten, so gab her Preis späterhin wiedee nach. Weizen blieb trotz gebesserter Meldungen aus New Uork und Chikago im Preise unverändert. Hafer lag schwach unter dem Druck dauernden Angebots. Ntibök war still, preiShaltcnd. Der SpiriMS- markt verkehrte in fester Haltuiig. Der Locopreis stellte sich 0,30 M. über gestern. Gehandelt tvurden 10 000 Liier TOcc mit 42,40. Am Terminmarkt zogen vordere Sichten 0,00—0,40, spätere 0,70—0,80 M. a». Berlins Getreide- und Mohlzufuhren zu Wasser vom 20. Juli mittags bis 21. Juli mittags betrugen 300 Tomten Weizen, 463 Tonnen Roggen, 1830 da Weizenmehl. BsittcriiugSübersicht vom Äl.Juli 18!)». margeuS S Uhr. sstfeu! MrrtrioÄ n-unrtilzr Zuahnrmynikn I mit»««che 11 brillanten?rom. Pete». ttlaviatur.Vrrdeckniit 10 Ringen undSktet neu. 10 Saften, 40 etimmen,!i Bässen, t» Die, 1 Bistern, Clavtatnr-ijtriff mit gn- rÄBÄmi« w DoPPelbalacii mit Beschlag und I Zuhältern, Bachsaueiiecken mit! Metaileckcnschtuietn. Mnsik doppelst! inmig 6» riiiitig) Cmclt ton,('I röste ii.» ein. Preis billig durch den grosten Umsatz auch nur S Mark per Stück. 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Schuliuesen, Steuergesetzgebung, Vereinstpeien, I ust iz p sl c g e, Eisenbahn- und Verkehrswesen, Liebesgabcnpolitik). welche der Landesgesetzgebung und dem Dreiklaffen-Landtag vorbehalten sind, deren Berhandluiigen aber lischt in deni Mähe für die Agitation gusgonützt werden könne», wie sie es, in Anbetracht des wirksamen und„ausreszenden" Materials, eigentlich verdienen. Dies hiermit möglichst nachzuhvlc», ist der Zweck dieser Broschüre. P Neu eriffsupt I „Ifetl Wedcllng-Kaslno Tchutftrnsie Sy Franz Gletnevt Zchnlstraste SV. Empfehle nietnen Saal zu Bersamnilungen und aste» Festsichkeiten imentgeltkich. S grosse Beresuözimmer mit Pia»?, passend fssr Gesangvereine. Schattiger Nor- und Hftitergarteu. S verdettte Kegelbabnen und Kasfeektiche, 2162L* UV" Jede» Sonntag: Ball,"Wg Um regen Zuspruch ersucht Fr»»» Ctlofnors. Grustav Biliideiilsayn,€*rüim«, Wilhelmftr. v und Friedrichstr. I— S.(10278' Srnpfehle meinen neu renovierten Sgal, ebenso schönen groben Garten nebst zwei verdeckten Kegelbahnen den geehrte» Pereinen und Gesellschaften zur Abhaltung von Vergnügen; nur jede» ersten Sonntag nach dein 1. jeden Monats öffentlicher Danz. Kaffcckachen, Liter 70 Pf, Weißbior 20 Ps. Vto Bötzow Versand 15 Pf. fj. iLindenhayn, Gastwirt. Tel. Nx. 17. S, Gunzel, Lolhrlngerätf. 58. Lassalle, Marx ze» in C iaarrettspisett, P seifen, Sfädelu, B ro ch en, Kit üp fett, Bit sten Bildern u. dgl., sowie jede Drechslerwaa» e u. Repar.(Man verl» Preistttrant. Für den Inhalt der Inserate itderniinint die Redaktion den, Piiblikni» gegenüber keinerlei Bcrantwortniig. Tlzeslkov. Sonnabend, den 22. Juli. Neues Opern- Theater Die Fledermaus, Ansang 7Vz Uhr, Residenz. Der Schlaswage»- Eon- troleur. Vorher: Zum Einsiedler, Anfang'U/z Uhr, Westen. Die Zauberflöte. Anfang 7 Uhr, Neues. Die Wahrsagerin, Vorher: Die Frage an das Schicksal, Anfang 7VzUhr. Schiller. Die Zaubcrflöte, Anfang 7-/- Uhr. Central. Lumpenpack, Anfang f! Uhr Friedrich- Wtlhelmstitdtisches. Charleys Tante, Anfang L Uhr, Alexanderplah. Nana. Anfang 8 Uhr, Ostend. Die Ahnfrau, Ans, 8 Uhr, Metropol. Berlin lacht I Anfang 8 Uhr Bellc-Alliancc. Spccialitäten-Vor- stellung, Anfang 8 Uhr, Apollo. Frau Luna. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr, Reichshalle». Stettiner Sänger, Anfang 8 Uhr, Passage< Panoptiknil«. Speciali- täten-VorsteNung. Urania. Jnpaiidenstr. 57/62. Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. SWerÄMer (Wallner-Thcaterl. Sonnabend, abends? i/z Uhr: VolKstllmIIobs llpsn,-Vorstellung bei halben Preisen: Vi« ZaiibcrfliHo. Sonntag, abends U/, Uhr: Gastspiel lilvlilr'iel, ZZiitvI: Ver l'i'ori Iiullvrii'. Montag, abends 7-/z Uhr: Zum erstenmale(Neu): Vinapob. Oper von M, Lion, Hierauf: Iiis lioglmontitocktor. CrnZrnlT Zenker Gastspiel der ttamburgor. Anfang 8 Uhr. Uumprnpack. Gr, Hamburger Volksstück mit Gesang in sechs Bildern, Morgen und folgende Tage: I-rnnpcnpacb. S/tP" Ab 1. August: Gastspiel des Berliner Lustspiel-Enscmblcs:„Ter Heiratsmarkt". SchwankinZ Akten, Wttö-Kflrl Weiß-AMr. vir. Frankfnrterstraste iliS. Kleine Preise. Parkett 1,10. Oxklu» vollistllmllckor Sckausplolo. Die Ahnfrau. Trauerspiel in 5 Akten von Grillparzer, MF" Anfang 8 Uhr, IftQ Dorzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung, Heute im Garten: Sommernachts- fest. Gr, Specialitäten- und Theater- Vorstellung, Anfang ö'/z Uhr, Metropol-Theater. Behrenstr. 53/54. Direktion: Richard Schnitz. Griisstcr Saison-Erfolg!!! 9V- Uhr: A/j Uhr: Berlin lacht! Frank- Bonhair- Trnppc. Werner Amoros Pantomime. S Champions, sowie die übrigen Kunstattractlonen. Anfang 8 Chr. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Frauljuna mit dem Ijuftballett „Crrlgolatis". Ferner: & Otto Rentier« und 9 nene Specialitäten. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Pratei'-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorn» Real. VoUsstück mit Gesang u, Tanz v, Hugo Schulz, Musik von A, Kerstcn, Kostüms oubrette Fräul, l-uole Sarow. Gebr. Mllardo, Grot, Duett, Tauma-Quartett, Gesang und Tanz, vis 3 Schönbrunns, hu- moristisches Bilderbuch, The4Blashes, Exeentrics. Vendaro-Trlo, Exereitien am Hand- Trapez, Daniel- Truppe, Pantomime, Ballettgesellschaft Döring. Konzert und Ball. Eintritt wochentags und Sonnmgs 36 Pf,, num, Platz 56 Pf. Kalbo. Sommer- Theater ..Alter Mauer" Artilleriestr. 32. Inhaber: A. Cadewlg. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Speetalitäten-Borstellung. ?«88S!je'Psli0fllieu»i 9 Uhr früh bis 1V Uhr abends. Von Bi/z Uhr ab: Specialitäten. Letzte Woche! 'Die Riesen- lm'iüer. Herold und Leons in ihrer Burlesk- Szene: Die Biesenbraut. � CASTANS PANOPTICÜM Die sensationellen SV* lebenden Photographien! mit Figuren In Lebensgrösse. Die russische Iffinnnn" Damenkapelle s�nliyilüll In moskowitlschen Kostümen. W. Noacks Theater, Brunnenstraste 16. Heute Sonnabend, den 22, Juli: «rosse Extra- Theater Vorstclinng. Neu! Neu! Der Frauen-Kongress. Posse mit Gesang in 1 Akt v, Groggert. Groster Beifall! Die Schmetterlinge. Ausstattungs- Burleske mit Gesang und Tanz von W, Gericke. Musik von Wappaus, Im Saale: Soiumernachts-Ball. Neichsh allen. Carten resp. Saal täglich: Stettiuer Sänger (Atchscl. Pictro, Britto», Stcidl, Kronc, K i r ch in» y e r, Schneider und Schräder). Zum Schluß: Ein vergnügter Wohltiig. Burleske von Mcyscl. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Vorher: Konzert des Reichs- Hallen-Orchesters. Entree 56 Pf. (Vorverkauf für die Woche 46 Pf.) Estrade 1 M,:c, zc. .Jeden Freitag: Neues Programm. R. Ballschmieders „Kastanienwaldchen" Konzertgllrten n. ProAsale Badstr. lk. Kesuudbrunnen. Badstr, 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grosxer Ball im neuerbauteil Saal. Empfehle meine Säle zn allen Fest- lichkeiten, ll. Baiischmieder. Ostbalm-Park Hermann Imbs 71 Riidersdorfer Straße 71, a m Küstriner Platz, Täglich: Hon�ert. Theater und Speciali taten-Vorstell, mg. Nur erstklassige Nummern. Anfang; Sonntags 4 Uhr, Entree 26 Pf, Kinder 16 Pf Sperrsitz Nachzahl, 26 Pf, Ansang: Wochcnt, ä Uhr, Entree 16 Pf Kinder 16 Pf, Sperrsitz Nachzahl, 16 Pf, Jeden Dienstag: Aorillleiitsche Siingcr. Heriiiaiiii Imbs, Direktor, Viotoria-Lrauerei Liitzowstraste 111/112. Im Aatnrg arten oder Saal: Täglicli Humoristische Soiree der klorlll!eul8e!len 8ünger lFührrnann, Horst, Waide), ff Ans. Sonntags präc, 7, wachen- tags 8 Uhr, Entrec 56 Pf, Vorverk, 46 Pf, Familienbillets 3= 1 M, Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung: TamehrtiniEChen Pahlmanns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh, Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: XoMert, Theater n. Specialitäteu-Vorstellnng. Prima harte Vki Schlackwurst itttb Salami, a Pfund 1,16 Mark. Siicrf wten.. aPfd LaMiilkell,�.- J. Striepling vorm. E. Klälm, Khpnickerstr. 163. 55 Pf. 65 96 Wedding-Park _ Miillerstr. 178.[22338» Im September und Oktober sind noch Sonnabende zu Vcreins-Festlich leiten zu vergeben, W. Trapp. Badstrasie 35/36. Regie: XVlliv Beusche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Konzert-. Theater- und Specialitäten-Vorstellung. Berlin wie s näht und trennt. Rose» ans dem Süden. Nach der Vorstellung: Hall. Empfehle Freunden und Genossen mein Weist- und Bayrisch- Bier- Lokal. 22368'*) Robert Diesel:?, Ä™«; N i x d o r f.[14356 GeschäftS-Erösfnuiig! Allen Freundeil und Bekannten zur Nachricht, dast ich vom heutigen Tage das Restaurant Pils, Steinmetz-, Ecke Falkstr,, übernommen habe. ES wird mein Bestreben sein, stets gute Speisen und Getränke meinen werten Gästen zur Verfügung zu stellen, Wilhelm Krüger früher Prinz Handjerystr. 58 Fahrräder, hochelegant, stabil, Garantie 1 Jahr, 125 Mark, in der Fabril Oranien- straste 33, II,_[21358* Max Kliems Sommer-Theater Hascnhelde 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: CroKeS Garten-Kvilzert. Anftrt.en des gesamten Schauspiel- n. Specialitäten-Personals. M?- Nur erstklassige Kräfte."99 Georg Fischer(Liedersänger), Julius Werner(Charakter-Komiker), Ema Banola(Kostüm- Soubrette), The Charley Troupe[4 Personen), Llng-Fuing (Chinesische Akrobaten), The Cowas(Origirial-Excentrics),_ AM- Acnes gediegenes Faiulllen• Programm. TOS Cntree: Wochentags 20 Pf. I Kntree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf I Numerierter Platz 50 Pf, Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsälen: AM- Groster Ball. Die Kaffceküche ist geöffnet,_ Maat Kllem. Schweizer-Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshaiu. Täglich: Theater- und Specialttaten-Vorstellung. Jeden Mittwoch: � � GroHes und Vinverfefl. Auftreten des neuen Künstler-Ensembles. Jeden Abend von 16—11 Uhr: Novität.»er Novität k Ober-Bonse von Kiantsclion. Ausstattungs-Burlcske mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisncr,— Musik von Max Schinidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: BScIBbd Hohlwein's Keglerschlösschen, Ätm«., DM— Krosscr schattiger Garten,"Wi Saal, KalTccküchc. Kegelbahnen. Vereinen und Herrenpartien bestens empfohlen. Bayrisoh-Bier Glas lO Vf. Kaffeeküche täglich von 3 Uhr ab geöffnet,[1756L* Treptow. Wo? ist der schönste Ort für Äcrrenpartie» slüge? Auf der Insel Pichclswerder und AuS- 16718* beim alten Freund. Neue massive Dampfcr-Anlcgestelle. Allgemeine Krililkell- ilild CterbeW kt deiltscheil Kechsler und deren Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). lVl>lL[IiP«IPP»V«PSRIRRAisZIZs«I» finden statt: Re-lrh A am Montag, den S4. Juli, abends BVz Uhr. bei Aonalr. Manteuffelftrafte». Re-irk R am Montag, den S4. Juli, abends 8Vz Uhr. bei Prietseh, vskal,tzer,trnstc 36-31. Rezirk C am Sonntag, den 33. Juli, vormittags 16 Uhr. bei Unheil. Lliidenitraste 166. Bezirk» am Montag, den 34. Juli, abends 8'/- Uhr. bei Schiller, RosentHalerstraste 57. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. S. Vierteljährlicher Kassenbericht pro 2. Quartal. 3. Bericht der Delegierten von der Generalversammluna. 4. Verschiedenes. Die Zahlstellen, in denen an jedem Sonnabendabend von 8—16 Uhr neue Mitglieder(bis 45 Jahre) aufgenommen werden, besinden sich: Naunyiistr. 78 bei Grnndmann; Kl. Audreasstr. 15 bei Xen- mann; Reichenbergerstr. SS bei Schmidt; Skalitzerstr. 65 bei Krause; Alte Jakobstr. 66 bei Lenz; Gneiseiianstr. 10 bei Wesse; Eliasserstr. 11 bei Raddatz; Georgenkirchstr. 25 im Lokal. »je»rtsversvaltiing._ Ortskrnnkeiikasse für die in den Geschäftsbetrieben der Anwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, der Krankenkaffeii, Berufsge- noffeufchaften und Berficherungs- anstalten beschäftigten Personen zu Berlin. Zu der am Montag, den 31. Juli 1866, Abends 8 Uhr, im Louisenstädtischen Konzert- Haus, Alte Jakobstraste 37, Part. stattfindenden ansterordentlichen veiiers!- Ver8smmluiig werden hiermit die für das Jahr 1899 gewählten Herren Vertreter ergedenst eingeladen. Tagesordnung: 1, Bericht in Sachen Quolke. 2, Beschlüsse der Kommission zur Regelung persönlicher Verwal- tungsangelegenheiten, 3, Geschäftsbericht pro 1898. 4. Anträge Bauer und Genossen: a) Berichterstattung vom Tu- berkulofekongreh. b) Beschwerde über die Geschäftsführung des Borstan- de? in Bezug ans die Aus- führung der Beschlüsse der Generalversammlung und Behandlung kranker Kassen- Mitglieder, Beschwerden über die Geschäfts- oder Kassenführnng, zu deren Erledi- gung die Einsicht der Kassenregister erforderlich ist, können nur beantwortet werden, wenn dieselben bis zum 26, Juli d, I, im Kassenlokal schriftlich angemeldet worden sind, Als Legitimation gilt die Wahlbe- nachrichtignng, Berlin, den 15, Juli 1899. 1439b»er Vorstand. I, A,: Tochow, Vorsitzender, Ceiltral-Kroilktn- u. Tterbe- Ülijtii.DliOelkttDeuti'chlaM „Einigkeit." Versammlung am Sonntag, den 23, d, M,. vorm, 16 Uhr bei Feind, Weinstraste 11. 55/11 Tages-Ordnung: 1, Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Verschiedenes. »er Vorstand. m ILLUSTRIRTEROM/IN BIBLlOTHEK-3-JAHRO HEFT* 10•PFENNIG* UNTERDEN DOLOMITEN Zu beziehen durch alle Buch- handliingcn. Colportcnre und Spediteure, sowie durch die Post(Zeitungs- Katalog No. 3700) und den Verlag Buchbanülimg Vorwärts Berlin SW., Beuth-Strasse 2. WMSlllMtzel! a Pfund 1 M.[946b*\ C. Schubert, Prinzenstr �teiuarlielter. Sonntag, den 23. Juli, mittags 1 Uhr. im Englischen Garte», Alexanderstr. L7o: Gefsenkl. VevsKtNttklnttg. Tages-Ordnung: Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern des Bunzlouer Streikgebiets. 172/19 Ersuche um zahlreichen Besuch Der BertranenSmann: P. Fischer. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewareu-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiteriluien Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am Dienstag, den 25. Juli, abends S'/a Uhr, in Feuersteins oberem Saal, Alte Jakobstraste Nr. 75: Ordentl. GeneralverfantmUmg Tages-Ordnung: 1, Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung und zum Gauvorstand, 3, Abrechnung vom Stiftungsfest und vom Pfingst- Ausflug, 4, Vcrbandsangclezenheiten und Versdiicdenes, Wir ersuchen alle Mitglieder, pünktlich und vollzählig in dieser Ver- sainiulung zu erscheinen. Die Lederarbeiter sind ganz besonders ein- geladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Versammlung wird Punkt Vz6 Uhr eröffnet. Die Ortsvcrnaltnng. Billets a 35 Pf, zur Kunstausstellung„Secession" sind in unserm Bureau zn haben, 24/19 IJSS»- Sonntag, den 30. Juli, vormittags 10 Uhr: Besichtigung der Patzenhofer Brauerei, Landsberger Allee 24/27. Treffpunkt VzIO Uhr im Garten der Brauerei,__ Verband der Möbelpolicrer. Montag, den 21. Juli, abends 8'/- Uhr, Admiralstr. 18e- DM* Versammlung:"WZ Tages-Ordnung: 1. Diskussion über die Vertrauensmäniier-Centralisation und wie ge- denken wir unsere Organisation in Zukunft auszubauen? 2, Verschiedenes, 146/19 AM- Hierzu sind die Kollegen der Werkstatt von Haak, Ritter- straste 114, eingeladen,_ Per Vorstand. Sonnabend, de» 22. Jnli 1899, im„Schweizer Garten": Krosse« Sommer-Fest, veranstaltet von den Drauent. Böttchern u. Dilfsarbettern Berlins. AM- Specialitäten-Vorstellung und Tanz. Bllletsftnd in den bekannten Zahlstellen zu haben. Preis der BilletS 25 Pf,, Tanz 56 Pf,, Kinder unter 14 Jahren frel. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein I4Zgb»n« Komitee. Produktiv- und Einkaufs-Genossenschaft 'mr füv Lladfahrer."VA Sonntag, den 13. Zlngust 1866: Fmilien-Aitsflug nch Birkeimerbtr iParadies-Cartell) per Kremser und per Rad. Abfahrtsstellen: Hermannnplay(Ripdorf) V,?, Oranienplatz 3/tl, Alexanderplatz(Berolina) l1/� Roscnthalerthor l1/* Bahnhos Gesundbrunnen 7-/« Uhr, Sckilust der Billetansgabe 6, August. Billets in der Geschäftsstelle a 1,25 M, 2 Kinder auf einen Platz. 22248 Allen meinen Freunden und Bekannten die Mitteilung, dast ich Kursörsteiliillmill Uß iHalensee)-w Gartenlokal übemommen habe. Für Kremser, Fustpartien, die erste Haltestation am Bahnhos Halensee, Zahlreichen Besuch entgegensehend 22258 Hochaditungsvoll Paul Hilpert. Neuer Ztbendkursus der„Elektro LNitkivockz. den 2. August, abends 8 Uhr, für Elektromontagc, Jnstcllatio», Maschinentechnik. Theoretische und praktische Ausbildung in 6 Monaten. Diplom zum Glektomonteur. Stclluugsnachweis. Keine Vorkenntnisse. Unter Garantie des Erfolges. Eigene Kraftstation, 466 Demonstrationsapparate, 766 Schüler besuchen seit November die Anstalt. Anmeldungen schleunigst im Bureau Prinzenstr, 55, auch Sonntags, Prospekte gratis, Telephon: Amt IVa 6006. Hüte, Schirme. Gewähre den Genossen»ei Vorzeigung dieser Annonce 5 pCt. 16728* CHta Gerholdiy L Dresdcncrstr. 2. Ecke Skalitzerstraste Kinder-, Puppen-, Sport-, Kasten-, Isltor- u. Ziegenbock- wagen, Kindertische, Kinderklappstuhle, Krankenwagen, auch leihweise für Erwachsene u. Kind., Triumphstuhle. Beiee- u. Papierkörbe, Blumentisch», Korbwaron jeder Art. Kinderbettstellen. LA Grösstes Lager Berlins. IM Auf Kinderwagen gest. Teilzahlung, A. W. Schulz, 95 Brunnenctr. 95, vls-ä-vls Humboldthain, 3 Min. v. Bahnh. Gosundbr. Fernspr. Amt III. 1767. Musterb. grat. u. fr. Bitte auf Nr. 95 z. achten. Arbeiter-Bernfsartikei u.Väsche cusschlicstlich eigenes Fabrikat.— SpecialitSt: Arbeiter- Berufs- kleidiing: Blau KSpcr-Jackeii M, 1,65, steigend je nach Gröste um 16 Pf., blau Köper-Hoien, in allen Längen, M, 1,65, Arbciierhcmbc», Blusen, Maler- kittel u, Monteurhemde».». Wurzel& Co., Wrangelstr. 17. Verantwortlicher Redactenr: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. öt. 169. 16. IchrMg. 2.|ril«p i>ks, Amiirls" Knlim UcksM Sonnabend, 33. Inli 1899. Versammlungen. Mit den bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen be- schaftigte sich eine am Donnerstagabend für den sechsten Wahlkreis nach dem Kösliner Hof einberufene Volksversammlung, tvelchc sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte, lieber das in Rede stehende Thema hielt Dr. Freudenberg einen init großem Interesse und lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag. Wenn auch gegenwärtig in der offiziellen Politik und für unsere offiziellen Staatsmänner Ferien sind, so kenne das arbeitende Volk in seiner Politik solche Ferien nicht. Deshalb treten ivir als erste der Parteien in den Wahlkampf. Es komme auch hinzu, daß für uns gerade in Berlin manches nachzuholen sei. Endlich aber sei auch das Kampfobjekt an sich ein so hohes und wichtiges, daß sich auch hieraus für die Socialdemokratie die Notwendigkeit ergebe, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zum Wahlkampfe zu rüsten. In fesselnder Weise entrollt Redner so- dann unser Programm für die Thätigkeit in den kommunalen Paria- nienten, an der Hand desselben zeigend, welch' reiches Arbeitsmaterial da noch der Vertreter des wcrklhätigen Volkes harrt. Eine Dis- kussion knüpfte sich an den Vortrag nicht. Auf Antrag Kiesel tvird beschlossen, daß die vier Vertrauensleute des Kreises als Central- Wahlkomitce für den sechsten Wahlkreis zu fungieren haben. An Stelle eines ausgeschiedenen Genossen wird R i ß m a n n in die Lokalkommission(für die Schönhauser Vorstadt) gewählt. Nach einem kräftigen Schlußwort des Genossen Ernst wird die Versammlung mit einem Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen. Schöncbcrg. Arn Montag, den 17. Juli, tagte hier eine Ver- sammlung des A r b e i t e r- B i l d u n g s v c r e i n s, in welcher die Broschrüe über die Wahlstatistik des Kreises Teltow-Becskow-Storkow- Charlottenburg besprochen wurde. In der Diskussion wurde noch der Kompromiß der bayrischen Genossen bei den Landtags-Wahlcn von einzelnen Rednern mit scharfen Worten verurteilt.— Die nächste Versammlung findet am 7. August statt. Elektrotechnischer Geivcrkvcreiu Berlins nud der Umgegend. Heute, abends Lftz Uhr. bei Jmmendori, Sophienstr. ö: Sitzung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, E. H. 29, Hamburg.(Filiale Berlin b.) Mitgliederversammlung heute, abends 9 Uhr, bei Koplin, Lothringerstr. 68. F i l i a l e B e r l i n 6. Heute, abends 9 Uhr, bei Diele, Ackerstr. 123, Mitgliederversammlung. Filiale Rixdorf. Versammlung heute, abends 8»/, Uhr, Kirchhosstr. 41 bei Filicke. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 23. Juli, vorm. 8>/z Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexandcrstrahe 27e, Versammlung: Freireligiöse Vorlesung.— Um lO1/. Uhr vormittags ebendaselbst Vortrag des Herrn Professor Dr. Albert Gehrke:„Freidenker auf dem Thron". Gäste lvillkommen.. tsa Briefkasten der Redaktion. Tie inrislische Tprechslunde loird Ticnstags, Donnerstags und Freitags abends von 6 bis 8 Ilhr abgehalten. Frankel. Besten Dank für ihren Hinweis. Der Irrtum ist leider auch von den Genossen in die Flugblätter aufgenommen. Die Listen liegen, wie wir auch früher mitteilten, bis zum 30. Juli aus; die Angabc im Ausruf der VcrtrauenSlcnte wird richtig gestellt werden. Sie müssen schriftlich Ihre Eintragung in die Wählerliste beantragen. W. L. Nein.— Korsten. Briefliche Antwort erteilen wir nicht. Vicrblatt ist ein verbotenes Glücksspiel.— K. T. Sil. Solche Abschrift wird vom Gericht nicht erteilt. Sie können auf die Gerichtöakten Bezug nehmen.— Witwe. Ja.— 1001. 1. Sie haben gesetzlich keinerlei Verpflichtungen. 2.-4. Die Frau soll beim Krcisausschuß beantragen, die Gemeinde zu verurteilen, ibr in einer Anstalt Aufnahme zu gewähren. Albert und andere BolkS-Kraukcukasscn-SchmcrzcnSkinder. Die im Auftrage der verkrachten Volks-Krankenkassc ergehenden Zahlungs- auffordcrungcn sind am besten mit der Erklärung zu beantworten:„Ich wiederhole meinen Austritt aus der Volks-Krankenkasse und frage an, wo die Adresse der Volks-Krankenkasse sich jetzt befindet." Eine Zahlungs- Verpflichtung liegt nicht vor, weil beschlossen war, dag, wer einen Monat «stiert hat, ohne weiteres ausscheidet und weil die Kasse Krankengelder nicht gezahlt hat. Indes besteht hierüber sowie über die Legitimation der ver> meintlichen Liquidatoren Streit. Zu raten ist: nicht zu zahlen. Eine Reihe gleichniäjjig als Kassenmitglieder Beglückter hat Herrn Rechtsanwalt Herzfeld mit ihrer Vertretung betraut. Wenden Sie sich an diesen, wenn Sie er- fahren wollen, ob und wie einer der angestrengten Prozesse entschieden ist. — C. H. 10. Totenschein ist auch dort, soviel uns bekannt, durchweg er forderlich.— Ed. Wach. Das Sofa haftet für die Miete, auch wenn die Ehefrau den Vertrag nicht mit abgeschlossen hat, ausser wenn der Ehemann auf sein ehemännliches Verwaltungsrecht durch gerichtlichen Vertrag vor oder während der Ehe(aber vor Einbringung des Sofas in die Miets- wohnnng) verzichtet hatte.— C. W. 11. Sie müssten spätestens am 15. zum 1. kündigen.— M. W. 1000. Es kann die Scheidungs- klage wegen Ehebruchs eingeleitet werden. Der Klage muss ein Sühne- terunn(beim Amtsgericht) vorangehen. Die Klage ist nach sruchtlosem Sühne- versuch durch einen Anwalt anzustellen. Bestrafung beider Ehebrecher findet statt, wenn die Ehe wegen des Ehebruchs geschieden wird und der beleidigte Gatte innerhalb dreier Monate nach rechtskräftiger Scheidung aus Bestrafung auch nur eines der Beiden anträgt.— Zlnwart. Präsentation soll innerhalb dreier Tage nach Fälligkeit stattfinden, ist aber für den Fall einer Klage gegen einen Acceptantcu nicht erforderlich.— K. 8. Die 12 Mark können Sic zur Abwendung der Haft noch jetzt zahlen. Eventuell müßte die Frist innegehalten werden.— Alex Emil. Sie niüssen auf Ihre Kosten nach Spandau zurück.— F. K. 1001. Ja.- E. tt. Ackerstr. Nein.— A. G. 80. 1. Nein die«tadt könnte aber ihre verauslagten Kosten gegen die Kinder des Unterstützten einklagen. 2. Sic mußten sich nicht an das Standesamt, sondern an das Amtsgericht wenden, in dessen Bezirk die zweite Ehe ge- schloffen ist. Sie beantragen unter Angab- des Datums, Ihnen Abschrift der Auseinandersctzungsvcrhandlnng zu erteilen.— O. Nein: Erbin ist die Tochter geworden.— F. W. Geringes Herzleiden.— Brist. Ja, für jedes Familienmitglied unter 14 Jahren wird 59 M. in Abzug gebracht, wenn das Einkommen nicht mehr als 3000 M. beträgt.— I. L. 10. Ja. Sonnabend, nachmittags 4 Ühr, beginnt der 1 Total- Ansverkanf zweiten Geschäft der Robert Westp!i8!sc!i8ii EConicurs- Masse und Gerichtsstr. No. 86, Grenzstrassen-Ecke, zu eigenen Taxpreisen. der Waren aus dem anderer Partiewaren in der, Es kommen zum schleunigen Verkauf: Damen-Kleiderstoffe, Leinenwaren, Baumwollwaren, Teppiche, Gardinen, Wäsche, Krawatten, Kurzwaren, Herren- und Damen-Stiefel, Hüte, Mützen, Bänder, Blumen, Federn, Seife, Parfüm, Lederwaren, Porzellan, Glaswaren, Emailwaren, Küchengeräte, Tische und Stühle etc. -•- Der Verkauf der grossen Waren-Vorräte aus dem ersten Geschäft der Robert WestphalschenKonkursmasse�Petersbnrger-Strasse 81, nimmt seinen Fortgfang: und findet in dieser Woche grrosser Verkauf von Kleiderstoffen, Wäsche, Porzellan nud Konfektion zu ausserordentlicb niedrigen Taxpreisen statt. Strohhüte, Mützen, Stiefel, Sonnenschirme, Blusen nud Blusenhemden etc. kommen bedeutend unter der gerichtli chen Taxe zum Verkauf. Vmin�dJVarfn Robert Westphalschen Konkurs-Rfiasse. t. Geschält: Petersburgerstrasse 81,-m Gaitevpiek. K».Geschält: Gerichtsstrasse 86, Gehe Grevsstr-sse r W Wo, w Pfennig. Jedes Wort: NaT dail er8il Wort fett. Worte mit mehr als J6 Buchstaben zählen doppelt. fCIeine /Lnzeigen. Anzeigen in den A7inahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der ffauptexpedition Beuthstr,3 bis 4- Uhr angenommen._ rden lin M Verkäufe. Kindertvagcn(Dreirad, mit Verdeck, 5 Mark) verkauft Röhl, Schlesifche- straffe 14.__ 11616 Uhrcuausverkauf spottbillig, Ska- litzerstraffe 126 parterre. 12* Goldwaren-Ausverkauf, spottbillig, Skalitzerstrasse 126 parterre._ 13* Möbel, baar und Teilzahlung, billigst. Frankfurter Allee 11V, I, Ecke Äönigsbcrgerstraffe. 14K* Fahrräder, erstklassige Marken, 2 Jahre Garantie. Gefahrene Räder, noch gut erhalten, billig. Tcilzab- lungen gestattet. Tandems und Ein- sitzer werden verliehen. Karl Fischer, Beussclstraffe S. ölK* Fahrräder. Teilzahlung, mäßige Anzahlung, Verlauf direkt in Fabrik, auch Sonntags, einjährige Garantie. Renner, Damenräder, Tandems, Tourenräder, Kinderräder. Imperial- Fahrradwerke Dicffcnbachstraffe 33. 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Frau Auguste Tischler.'(41 L Vermietungen. Zimmer. Freundliches einfenstriges Zimmer ist möbliert zu vermieten. Wcndenstraffe 2, vorn III. bei Frau Schmidt. 1444b Sclhlsfstsllvn. Freundliche Schlafstelle für zwei Herren vermietet Oranienstrasse 44, vorn IV. 95/5 Frenndliche Schlafstelle Elisabeth- User 44, Quergebäudc IV. Meissner. �rdeitsmarht. Stellengesuche. Junges kinderloses Ehepaar wünscht bessere Hausreinigung zum 1. Oktober. Gute Zeugnisse. Eckstein, Mariannenstrahe 22, 1442b Stellensngehete. Hanssegen-Neuheit. Tüchtige fleißige Provisionsrciscnde für dauernde, gut lohnende Stellung hier und aus- ivärts gesucht unter Vorlage der Zeug- nisse ec. Drucker u. Cie., Berlin N., Oranienburgerstrasse 2. 75/1* Gürtler- Lehrlinge für bessere Bronzewarcn- Fabrik verlangt H. Gojert u. Co., Stallschreiberstrasse 55. 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