Ur. 171. AbsMem«lt<-Kedingungen: «bonnement»- Preis pränumerando: Bierleljährl. 3L0 Ml., monatl. l.loMk., wöchentlich LS Pfg. frei in! Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags, Nummer mit illustrierter EonntagS, Beilag«„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SM Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- ZettungS- Preisliste für lSSS unter Dr. 7SStX Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheini täglich außer Monkag». Vevlinev Volksölakk. 16. Jahrg. Dt« Insierttons- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum so Pfg.. für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlung»- Anzeigen 20 Pfg. «Kleine An, eigen" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» s Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher! vmk l, Dr. 1S00, Telegramm-Adresse: «Sorialdemoltrak Verlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 3�.19, Beukh-Skraße 2. Expedition: 3W. 19, Benkh-Strafze 3. Revision des Gewerbegerichts-Gesetzes. Unter den ihrer Erledigung durch das Plenum des Reichs sturzes der bestehenden Staats« und Gesellschaftsordnung nachzw weisen, bedarf es wohl kaum eines Zurllckgreifens auf die Wydener Beschlüsse. Dieser Umsturz ist für die Socialdemokratie lediglich eine Frage der Opportunität." Der.'.R e i ch s b o t e" schließt: „Das Facit ist, daß die philosophische Fakultät der Berliner Universität ausgesprochene und agitierende Socialdemokraten als Lehrer der Jugend in ihrer Mitte haben zu können glaubr, ohne nach ihrer Meinung in ihrer akademischen, staatlichen und kulturellen Stellung Einbuße zu erleiden. Die zweite Instanz dürfte wesentlich anders denken." Das gleiche erhofft die„Deutsche Tageszeitung": „Die irregeleitete Fakultät, die AronS fteisprach, wird von der zweiten Jiistanz eines Besseren belehtt werden müssen." Derart souffliert man anmutig Herrn Bosse �das von ihm zu fällende Urteil! » Am Schlüsse des Leitartikels in der Sonntagsnummer muß es heißen: „Danach sind die moralischen Niederlagen der Regiemng Vorbedingungen ihrer thatsächlichcn„Erfolge" I" Die verurteilte Rechtsprechung. DaS ungeheure Entsetzen der Schleifsteinblätter, daß gegenüber der Socialdemokratte ein gerechtes und principiell !>as gleiche Rech für alle wahrendes Urteil gefällt worden ist, löst sich nunmehr in wütenden Angriffen auf die Justiz aus, die auch nur zu krittsteren sonst von denselben Leuten als 'chweres Unrecht gescholten wird. Die„Kreuz-Zeitung" zwar hat die Sprache noch nicht recht gefunden, sie erklärt vor- läufig nur den„allgemeinen Standpunkt, die Socialdemokratte als eine innerhalb unseres Staatslebens berechtigte Partei zu behandeln, für unhaltbar". Weiter und kräftiger holt das edle Paar der Krupp- und Stumm-Blätter aus. Die berliner Neuest. Nachrichten" bekunden ihren Groll also: „Die Berliner Richter bekennen somit rund und nett,„daß die Dresdener Richter bei ihren Rechtsprttchen nicht vermocht hätten, sich über ihren politischen Standpunkt zu erheben, und daß sie, unbewußt, aus Kosten höchster richterlicher Objektivität und Unbefangenheit, von ihren politischen Ueberzeugungen sich bei ihren Rechtsprüchen hätten beeinflussen lassen." Es ist dies ein Vorivurf, der auch während der Kölner Versammlung des Vereins für Socialpolitik im Jahre 1837, irren wir nicht, von dem Privatdocenten Dr. Jastrow gegen den deutschen Richterstand erhoben, dort aber mit Entrüstung zurückgewiesen wurde. Heute sind wir in der Socialpolitik, das heißt im Socialdemokratenschutz, schon so weit vorgeschritten, daß ein dentsches Gericht diese Beschuldigung gegen ein anderes erhebt. Das Urteil verkeimt vollkommen die Bedeutung des alten Satzes: ,8l äuc» faciunt iäew, non est idern."_(Wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe.) Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit und der Staatserhaltung, daß eine Handlung anders vom strafrechtlichen Gesichtspunkte zu beurteilen ist, je nachdem sie von einer siaatserhaltcndcn Partei oder von einer Partei vorgenommen wird, die sich offen zum Um- stürz unserer Gesellschaftsordnung bekennt. Aus diesem Grunde sind Flugblätter und Geldsammlungen der Socialdemokratie durchaus nicht unter demselben rechtlichen Gesichtspunkt zu be- trachten wie die gleichen Handlungen anderer Parteien. Wenn die Aufhebung deS Socialistengesetzes die Folge hatte, daß die Socialdemokratie, die übrigens nicht entfernt, wie das Berliner Gericht anzunehmen scheint, den Anspruch für sich erheben kann,»die Arbeiterpartei" zu sein, straflos für ihre revolutionären Ziele alle Handlungen vornehmen darf, die zu st a a t s e r h a I l e n d e n Zwecken erlaubt sind, dann wäre die Noiwendigkeit der denkbar schnellsten Wiederherstellung des Sociastengesetzes die erste Folgerung, die man aus dem Berliner Urteil zu ziehen hätte." Und die„Post" tobt nicht minder i „Das Unglaubliche, fü�r undenkbar Gehaltene ist nun erfolgt. Triumphierend hat der„Vorwärts" in fünf Spalten die schriftliche Ausfertigung des Urteils zum Abdruck ge- bracht.... Eine solche schonungslose Kritik eines Gerichtshofes durch einen anderen war bisher in Deutschland ohne Vorgang, und ist auch thatsächlich bis zum Vorliegen der schriftlichen Ausfertigung nicht für denkbar gehalten. Wir haben es wahrlich herrlich weit ge- bracht in der vielgerühmten„Objektivität", die sich darin äußert, die Socialdemokraten recht behutsam mit Glace- Handschuhen anzufassen. Zu diesem hohen Zwecke scheut ein preußischer Gerichtshof sich nicht, den Richtern de« höchsten sächsischen Gerichtes klipp und klar vorzuwerfen, sie hätten nicht vermocht, bei ihren Rechtsprüchen aus dem Banne politischer Vorurteile sich zu erheben, unbeivußt hätten sie auf Kosten höchster richterlicher Objektivität und Unbefangenheit sich in ihren Rechtsprüchen von ihrer politischen Ueberzeugung beein- flussen lassen. Ein so schwerwiegender Vorwurf würde nur durch die zwingendste Veranlaff'uug sich rechtfertigen lassen, aber nicht bei einer so streitigen Sachlage. Daß die Handlungen der Socialdemokratie, die sich selbst auf einen Standpunkt stellt. der außerhalb der bürgerlichen Gemeinschaft liegt, anders zu beurteilen sind, wie die der bürgerlichen Parteien, ist schon eine einfache Konsequenz des alten Rechtssatzcs: Li äuo faciunt idein, non est ideni. Daß die Berliner Richter mehr den Social- demokraten in ihrem Urteile gerecht zu werden suchen, als ihren Kollegen, zeigt nicht nur die äußerst milde Auslegung der groben Jnvcktive des„Vorwärts" gegen den sächsischen Gerichtshof, sondern auch die völlige Freisprechung trotz des Zugebens, daß der Artikel die sächsischen Richter„in der öffentlichen Meinung bis zu einem gewissen Grade herabzuwürdigen" geeignet sei. Jedenfalls steht so viel fest: nichts beweist schlagender die dringende Not« wendigieit eines neuen Ausnahmegesetzes gegen die staaiszerstörende Socialdemokratie als dieser bedauerliche »nd für das Ansehen der Rechtspflege beklagenswerte Vorfall." Das Entsetzen darüber, daß der verhaßten Socialdemo- kratie Gerechtigkeit widerfahren ist, hat beiden Blättern gleicherweise das Recht logischer Kraft benommen. In ihrem Wüten übersehen sie, daß sie das zugeben, wogegen sie sich empören. Sie erheben bewegliche Klage, daß unsere Be- hauptung, die Socialdemokratte sei durch die„Spruch- Praxis" des sächsischen Ober-Landesgerichts als minderen Rechts erklärt worden, vom Berliner Gericht sttaffrei gelassen werde. Und im gleichen Atemzuge behaupten sie, es sei Recht, die„Umsturzpartei" mit anderem Maße zu messen als die „staatserhaltenden Parteien". Ist dies Recht, so hätten wir dem sächsischen Oberlandesgericht nichts Unrechtes vorgeworfen und nichts Beleidigendes gesagt; das Oberlandesgericht hätte uns verklagt, weil wir ihm ein Lob gespendet hatten. Oder verlangt das Scharfmacherpaar, daß die Gerichte mit verschiedenem Maße je nach der Parteistellung des Angeklagten messen sollen, daß aber die Thatsache, die Gerichte verfahren nach diesem Verlangen, nicht behauptet werden darf? Ver- langen„Neuest. Nachr." und„Post", daß als Beleidigung bestraft werden solle die Behauptung, die sächsischen Ober- landesrichter sprächen so Recht, wie Recht zu sprechen diese Blätter als höchste Gerechttgkeit ansehen? Schließlich kommen allerdings beide Blätter zur Er- kenntnis des Widerspruchs, in den BöSarttgkeit und Haß ihr« Logik verstrickt hat. Sie kommen in wundervoller Seelen- Verwandtschaft zu dem Schluß: Da Hilst nur ein So- ciali st engesetz, wir müssen ein Ausnahmegesetz schaffen I Ganz richttg, wenn Handlungen der Social» demokraten strafbar sein sollen, während dieselben Handlungen, von Anhängern anderer Parteien begangen, erlaubt bleiben, — so muß ein neues Gesetz gemacht werden. Das heißt: jetzt kann nicht so verfahren werden, denn jetzt haben wir eben— leider I sagen die Dioskuren der Scharfmacherei— kein Ausnahmegesetz. Die Forde» rung des Ausnahmegesetzes beweist die Gerechtigkeit des Urteils de» Berliner Strafkammer. Denn bisher gilt auch in Sachsen noch das gleich« Recht für alle als oberster Rechtsgrundsatz. Die sächsische Verfassung vom 4. September 1831 sagt im§ 26: „Die Rechte der Landeseinwohner stehen für«ll« in gleichem Maße unter dem Schutze der Verfaffung." Wenn das Krupp- Blatt und das Stumm- Blatt die sächsischen Richter auffordern, gegen diese VerfassungShatz Unrecht statt Recht zu sprechen, so fordern sie die Beamten auf, ihren Amtseid bewußt zu brechen.— Die Transvaalkrise wird jetzt auf der Börse abgewickelt. Von Anfang an Gegenstand schmählicher Geld- und Börsenspekulatton hat die TranSvaalftage, seit sie von RhodeS und Chamberlain aufgeworfen ward, Haupt- sächlich an der Börse gespielt und sich stet» unter dem Einfluß der Börse befunden. Zum Börsenspiel aber gehört die Kurs- t r e i b e r e i, daS heißt daß die Wertpapiere, in denen und auf die man spekuliert, abwechselnd in die Höhe und in die Tiefe gettieben werden— wobei das dumme Publikum die Differenz zu zahlen hat und die Urheber der Kurstreiberei den Gewinn einstreichen. Wir müssen unter solchen Umständen noch eine Zeit lang auf auflegende Nachrichten über die Transvaalftage gefaßt sein. Thai- sächlich ist sie erledigt. Und der Hauptzorn der Chamberlain und Konsotten richtet sich nun bezeichnenderwecse nicht mehr gegen den „Ohm Krüger", sondern gegen die Afrikander der Kap- k o l o n i e, namentlich den Regierungschef Schreiner, der, weil er den Boeren in dieser Kttse zur Seite stand, von den Organen de» Herrn Ehaniberlain als eine Art von Hoch- und Landesverräter denunziert wird. Da zwei Drittel der ganzen Bevölkerung der Kapkolome Aftikander sind und die Haltung Schreiners billigen, so kann dieser jene ohmnächtigen Wuthausbrüche verlachen. Mäuschenstill verhält sich Herr RhodeS. Ob es die Klugheit der Ratte ist, die das sinkende Schiff verläßt? Gegen Herrn Chamberlain ist nämlich eine neue, höchst unsaubere Geschichte herausgekommen. Wie männigltch bekannt, verkaufen die Engländer Kriegsmaterial an Freund und Feind; und während der jüngsten Monate wurde Johannisburg, Pretoria, die Kapstadt und andere Handels- centren Südafrikas mit, wie der„Star" von JohanniSburg schreibt, „ungeheuren Massen häßlich aussehender Kisten überschivemmt, welche den ominösen Namen: KynochS, Birmingham führen". Wohlan, die Finna KynochS in Binningham ist daS größte englische Geschäft für KriegSmunition— Mordiverkzeuge und Mord- stoffe. Und ein großer Teil der Aktien dieser Firma gchött, wie der Londoner„Star" entdeckt und soeben veröffentlicht hat, keinem anderen als Herrn— Chamberlain. Ein Minister, der mit Aktien spekuliert, und einen Krieg vom Zaun bricht, um seine Aktien in die Höhe zu treiben— das ist schon dageivesen. Aber ein Minister, der dies thut und außerdem noch selb st mit KriegSmunition für seinen Krieg handelt und spekuliert— daS ist noch nicht dagewesen.-- Deutsches Zteich. Herr Ki-ack und seine Hintcrniiinner. Dunst nm die Hintennäniicr. die Heißgeliebten strömt schon jetzt die»StaatSbürger-�eitung" geschäftig aus. Herrn Ännck— der sich bisher noch immer nicht zum Worte gemeldet hat— giebt sie preis, um die Hintermänner zu schützen. DaS Blätllein schreibt: „Od die thatsächliche Mitteilung zutrifft, darüber müssen wir dem „Vorwärts" die Verantwortung überlassen. Auch uns sind in den letzten Tagen anonyme Zuschriften zugegangen, in denen Herr Knack als Urheber der unbefugten Korrektur bezeichnet wurde. Wir haben davon keinen Gebrauch gemacht, eben weil sie anonym waren. Daß aber der„Vorwärts" Herrn Knack als„stillen Dulder" hinstellt, der im höhern Auftrage die Korrektur vorgenommen habe, seine„Hintermänner" aber nicht nennen werde, ist einfach lächerlich. Wenn Herr Knack die Korrektur veranlaßt hat, so hol er dies aus eigener Initiative gethan und in dein auf altem Brauch beruheiiden Bewußtsein, dazu befugt zu sein. Es wird ihm dann auch nicht hinfallen, sich k la Lcckert hinter große unbekannte Hintermömter zu versiccken. Die Sucht nach den großen tintermäNncrn scheint den„VorwärlSleuten" bereits die öpse verdreht zu haben.... Man muß über die Dreistigkeit staunen, mit der die„Borwärtsmänner" ihren politischen Kehricht tagaus, tagcin an de» Markt bringen. Es ist, als ob wir uns inmitten der Marschallschen Aera befinde». Es fehlt nur noch die Flucht in die Oeffentlichkeit." Die. S ta a t s b ür g er-Z eitun g" leidet an dem krank- haften Ehrgeiz, alles besser und früher zu wissen, als der„Vorwärts". Als wir die Zuchthausvorlage ankündigten, dementierte das groß- artige Organ unsere Nackirricht noch dann, als der Entwurf schon vorlag. So hat die Staatsbürgerin auch die Urheber schaft der Korrektur schon längst durch anonyme Briefe erfahren. Ulis hat nian� mit solchen Kundgebungen nicht belästigt. Wir haben unsere Meldung weder anonym noch brieflich erfahren. Aus ihren anonymen Briefen hat die„Staatsbürgerin" ber- mutlich ihre Wissenschaft, daß Herr Knack auf eigene Verantwortung und Gefahr, aus einer Art Gewohnheitsrecht, ohne höhere Weisung das Stenogramm unbefugt„korrigiert" hat. Denn auf Seelcnlektüre versteht sich das Blatt trotz seines Geisteszustandes, vorläufig hoffentlich noch nicht. Am Ende haben die anonymen Briefe schon die Nanicn der Hintermänner genannt, und daher die ängstliche Bemühung, die Spuren zu verwischen. Die Flucht in die Oeffentlichkeit, die Ahlwardts einstiger Reichsanzeiger grausend ahnt, wird schon kommen. Aber diesmal ist nicht Herr v. Marschall, sondern der Reichstag Ankläger— kein Trost für die Hintermänner I Inzwischen nimmt Herr Knack die Beschuldigung mit stummer Demut auf sich. Oder hat er diesmal seinen Sommenirlaub»ach den Karolinen verlegt, allwo ihn keine Runde aus der schlimmen Welt der europäischen öffentlichen Meinung zu erreichen verniag?— Die abgesagte Kaiserreise. Der Berliner Offiziöse der „M ü n ch n e r A l l g e m e i n e n Z e i t u n g" beschwert sich darüber, daß nicht amtlich die Gründe angegeben werden, aus denen der Kaiser die Reise nach Dortmund abgesagt habe. Dann schreibt er weiter: »DaS erste Gesetz, welches mit dem unseligen bureaukratischen Zopf bricht, die neue Jnvalidenversich e ru ng s-N o v e l l e, hat jetzt die Allerhöchste Sanktion erhalten. Sie fängt an, die Ringmauer zu durchbrechen, welche den einzelnen Arbeiter bisher verhinderte, fein Anliegen persönlich an der zuständigen Stell« zu vertreten. Wir werden auch im Gerichtsverfahren dahin kommen, daß die Schlagbäume fallen, welche zu Gunsten der Advokaten errichtet wurden. Und vor allem wird in nicht Ju serner Zeit der übertriebenen FiSkalität, die sich etzt noch bei jeder Gelegenheit Geltung zu ver- ch a f f e n s u ch t, der Tod biS aufs Messer erklärt werden. Tausend und Abertausend von socialdemokratischcn Wählerstimmen kostet das Regiment deS Fiskus der Nation in jedem Jahre. Der Kaiser äusserte jüngst, wie ich Ihnen aus unanfechtbarer Quelle mitteilen darf, er hasse den FiSkus wegen der Uebertreibnng der FiSkalität. Die gesegnete Zeit der Ober-RcchnungSkammer und anderer Instanzen in dem einen und anderen Staatsdeparte- ment soll in keiner Weise verkleinert werden, in unser Zeitalter paßt es aber nicht, daß der FiskuS Tausende und Abertausende von„Beamten", die sich als Herrscher fühlen, damit beschäftigt, nachzuspüren, ob irgend eine Mark oder noch weniger von einem Steuerzahler zu wenig entrichtet worden sein möchte. A aber der Kaiser ein abgesagter Feind aller FiSkalität am unrechten Ort ist, so widerstrebt er auch aller GeheimniSthuerei, namentlich wenn es sich um seine Entschließungen handelt. Sofern ein Staatsinteresse dagegen spricht, daß die Oeffentlichkeit rechtzeitig informiert wird, läßt es sich erklären, wenn dre betreffenden Stellen ihre Weisheit unter Verschluß behalten. Sofern aber ein solches Interesse nicht in Frage komnit, möge immerhin prompt mit der Thatsache gerechnet werden, daß unsere Zeit im Zeichen deS Verkehr» steht." So lange man nicht weiß, in welchem Zusammenhang der Kaiser die Pfennigfuchserei des FiSkuS beklagt hat, so lange wird man jene angebliche Aeußerung recht verschieden deuten und würdigen können. Wenigstens scheiM. Das Beispiel des OfficiosuS ist zudem recht unglücklich gewählt. ES ist durchaus eine Tugend des Fiskus, daß er in Geldsachen nicht kavalierement verfährt, sondern auf Ge- nauigkeit sieht. Ebenso unglücklich ist daS Beispiel für daS Nach- laffen des BureaukratiSmuS, da» neue Slebegesetz; denn in diesem jetzt sanktionierten Gesetz ist die anfangs ge> planle Durchbrechung der Ringmauer schließlich wieder aufi gegeben worden. Die Einrichtung der Rentenstellen, die den persönlichen Verkehr mit den Arbeitern vermitteln sollten, ist ja in so abgeschwächter Form Gesetz geworden, daß ste so gut wie beseitigt erscheinen. Und die Regierung hat gegen diese Stärkung deS BureaukratiSmuS nichts einzuwenden gehabt. Berechtigt dagegen sind die Beschwerden über die Geheimnisl thuerei. Wie man nicht erfahren hat. warum der Kaiser jene Reise abgesagt hat, so wird jetzt verschwiegen, warum er sie nun doch ausführen will. Der Kaiser hat sich, wie man sagt, besonders infolge der drängenden Vorstellungen Krupp» entschlossen, der Einweihung des Dorimund-EnrS-Kanals beizuwohnen. Dem Magistrat von Dortmund wurde telcgraphisch mitgeteilt, daß der Kaiser sich„mit der erbetenen Verschiebung der Feierlichkeiten zur Einweihung de« Dort> munder Hafen» einverstanden zu erklären geruht und Ihre Anwesenheit zugesagt. Ein bestimmter Zeitpunkt kann noch nicht angegeben werden." Man geht wohl nicht fehl, daß dieselben politischen Erwägungen, die die Absage der Reise bewirkt haben, nun auch zur Rücknahme de» Entschlusses beigetragen haben. Die Preßerörtenmgen über die politischen Motive der Absage haben vielleicht es rätlich erscheinen lassen, allen Kombinationen durch die Wiederaufnahme deS Reise- planS die Spitze abzubrechen.— Saud im Gehirn hat offenbar die Münchener„Allgemeine Zeitung". Ueber unseren Artikel„Sand in die Lugen", in der die Lächerlichkeit nachgewiesen lvurde, unproduktive Ausgaben dadurch zu produktiven zu fälschen, daß man auf die durch sie gewährte Arbeits- gelegenheit hinweist, läßt sich daS Blattjj nach tagelanger reiflicher Ueberlegenheit wie folgt aus: „In einem Artikel der„Allgemeinen Zeitung" vom 28. Juni wurde, wie unsere Leser sich erinnern, nachgewiesen, welche Zahl von Arbeitern beim Knegsschiffbau beschäftigt ist, welche Summe an Arbeitslöhnen hierbei verdient wird, und wie diese Millionen von Mark ihren Weg in daS ganze Land für Nahrungsmittel, Wohnung, Bekleidung und Bildungsbedürfnisse finden. Den„Vorwärts" verdrießt eS höchlichst, daß hieraus in ehr einleuchtender Weise der ganz unmittelbare Nutzen de» KriegSschiffSbaue» für Tausende von gewerbthätigen Händen er- wiesen wird, und er wählt, um den hierin nach seiner Meinung liegenden Trugschluß zu beweisen, ein sehr häßliches Beispiel» dafür, daß auch durch andere Erwerbszweige Gold in Umlauf I gebracht werde. Es giebt in Deutschlmrd, so rechnet er, etwa SOOlXX) Prostituierte; wenn jede von diesen für den Tag 0 M verdient, so ergiebt sich eine Eesamteiunahme von 540 Mill. Mark im Jahr; auch diese Summen kämen dem Schuster und Schneider wieder zugut, wenn also das Beispiel des„Nautiuks" für den Nutzen der Kriegsmarine geltend gemacht werde, so könne man mit gleichem Recht die Prostitution als eine wirtschaftlich nötige Institution anpreisen. Es ist keine erfreuliche Arbeit,«ns mit diesen schlüpfrigen Aus lassungen des„Vorwärts" zu beschäftigen. Pflicht der Presse ist es, dieselben festzunageln. Kann es einen frevelhafteren Uebermut geben, als die Arbeit von vielen Tausenden von ehrlichen, bravenSchiffszimnrer- leuten mit dem Stundenlohn der Prostituierten in einem Atem zu nennen! Gewiß, auch dieser Lohn wird bei Schuster und Schneider, im Wäschegeschäft und wo sonst verthan, und Tausende von unehrlichen Kupplern und Kneipwirten mögen noch außerdem ihren Erwerb dabei finden. Wenn man aber überhaupt den Erwerb der Prostituierten und den Gewcrbfleiß unserer Industriearbeiter vergleichen will, so dar doch das eine nicht vergessen werden, dag es nichts so Völker verderbendes, nichts so vergiftendes oder, wie Roscher sich aus drückt, keine sichere Vorbeugung gegen die Uebervölkerung giebt, als die Prostitution, während jedes Arbeiters vornehmstes Ziel trotz oder vielleicht gerade auf Grund seines Klassenbewußtseins ist, auch seine Kinder wieder zu braven, ehrlichen Menschen zu er- ziehen, und so dem gesunden Stamm unseres Volkes neue Säfte und Kräfte zuzuführen." Die„Münchner Allgemeine Zeitung" hat's also entdeckt. Für den„Vorwärts" sind die Arbeiter den Prostituierten vergleichbar, und die Arbeit der Prostitution. Wir meinen, daß man selbst, wenn nran Sand im Gehirn hat, noch zu begreifen iur stände sein sollte, wo der Vergleichspunkt unseres Beispiels zu suchen ist. Es zeigte, daß Ausgaben für unproduktive Zwecke nicht dadurch zu produktive werden, daß man zeigt, wie diese Ausgaben anregend auf die produktive Arbeit wirken. Nach der Nautikus-Logik ist einfach j e d Ausgabe produktiv, gleichgiltig ob sie für Kriegsschiffe, Schulen. Häuser, Kanalbauten, Schießplätze, Verkehrseinrichtungen, Uinversi- täten, Päderastie, Prostitution oder Trunkenheit ausgegeben werden. Auf dem Wege zum unproduktiven Zweck liegt überall produktive Arbeit. Der Arbeiter, der für Panzer schiffe schafft, leistet genau so produktive Arbeit wie der Schneider, der einer Prostituierten Kleider näht, oder der Landarbeiter, der sich abrackert, damit aus den Kartoffeln schließlich Schnaps für die Süffel zu stände konimt. Der Vergleichspunkt liegt für alle Beispiele darin, daß unproduktive Zwecke— Kriegsschiffe, Prostitution, Völlerei— die Quellen ehrlicher, produktiver Arbeit werden, damit aber keineswegs der Zweck selbst z» einem produktiven erhoben wird. Die„Münchner Allgemeine Zeitung" kann sich beruhigen. Nur ihr kann es passieren, erst die Nautikus-Trugschlüsle nicht zu durch schauen, und dann unser» Nachweis des Widersinns für eine infame Beleidigung der Arbeiter zu halten. Wir rechnen mit denkenden Lesern, die bei Vergleichen den Vergleichspunkt zu erkennen ver- mögen. Obendrein: wenn die„Münchner Allgemeine Zeittmg" die Ehre der Arbeiter gegen den„Vorwärts" in Schutz nimmt, sogar ohne einen Unterschied zwischen Arbeitswilligen und Streik brüdern zu machen, dann ist der Arbeiter von vornherein überzeugt, daß es irgend eine unangenehme Wahrheit zu verwirren gilt. Diesen Versuch kindischer Demagogie hätte das Münchener Blatt ruhig den Flugblättern aus der Hülle-Fabrik überlassen sollen. Ihr Münchener Lujo Brentano ist immerhin noch ein befferer Nationalökonom und vorteilhafterer Mitarbeiter als unser Berliner Wenckstern, von dem die„Allgemeine" ja wohl ihre„Widerlegung" unsere».Sand-tn»die«Augin"-ArtikelS bezogen hat. Dumm genug ist sie.-_ Der Kaiser und der Radsport. Man kennt in Deutschland das außerordentlich große Interesse, daS der Kaiser allen sportlichen Veranstaltungen entgegenbringt. Von den Schülerregatten Berliner Gymnasiasten bis zu den inter- nationalen Wettkämpfen in Cowes oder Kiel, von den Matches der Lawntennisspiele in Homburg bis zu den Anstrengungen der Champions der Radrennbahnen— alles verfolgt er mit der größten Aufmerksamkeit. Daß ihm dabei mich die Einzelheiten nicht ent gehen, ersieht man aus seinem gelegentlichen Eingreifen. Besonders intensiv und ins Detail gehend war die Einwirkung des Kaisers auf die Veranstaltungen der Allgemeinen Nadfahrer-Union gelegentlich eines Wettfahrens in Mainz. In der Wochenschrift dieser Ver- einigung:„Der deutsche Radfahrer"(Nr. 2S. Seite 634) heißt es darüber: „DaS Hauptrennen aber, dem das größte Jntereffe entgegen� gebracht wurde, und das die Haupttraktion für den enormen Besuch des Sportplatzes bildete, das Herausfahren des vom Kaiser ge- stifteten Wanderpreises für Hochrad�— fand nicht statt. Dem Nennprogramm gemäß, sollte der Sieger in diesem Rennen den Preis erhalten. Da, in letzter Minute.(die Fahrer des ersten Vorlaufs standen mit ihren Rädern schon an« Statt), traf ei» Telegramm vom Geh. Rcgierungsrat von Valentin an« Berlin ein, worin im Auftrage des Kaisers mitgeteilt wurde, daß der Preis nur an einen der drei bisherigen Sieger verabfolgt werden dürfe. Sollte ein anderer Teilnehmer am Rennen Erster werden, so könne dieser nur ein Diplom und die ausgesetzte große goldene Medaille erhalten. Diese Ver süguug des Kaisers führte zu recht unliebsamen Scenen. Das Publikum verlangte demon st ratio das Ausfahren des Preises, das Schiedsgericht, gebildet aus Präsidialmitgliedern der„Union", wollte es aber nur gestatten, wenn dem Willen des Kaisers entsprocheu würde. Obschon die beiden Vorläufe gefahren wurden, mußte der Eutscheidungs lauf ausgesetzt werden. Herr Drescher verwahrte sich energisch gegen die in letzter Minute ein- getroffene Verfügung, es half ihm aber so wenig wie dem protestierenden Fahrer, die Schiedsrichter blieben dabei: d e m r n dem Telegramme auSgedrülktru Wille» des Kaisers mttffe entsprochen werden. Der Vorstand der„Union" beschloß, daß eS sogar erst im nächsten Jahre geschehen solle, aber wie wir in später Stunde gestern noch hötten, soll es doch vielleicht heute noch geschehen, aber nur unter den anwesenden bisherigen Siegern de« Preises. Die fremden Fahrer, die eigens wegen der Konkurrenz hierher kamen, fordern Ersatz aller ihrer Unkosten." Es muß einigermaßen auffallen, daß die Bedingungen, unter denen der Kaiserpreis zu verleihen ist, nicht genauer festgelegt worden sind. Daß andererseits die Vorstandsmitglieder gegen den so beut- lich ausgesprochenen unbeugsamen Willen de« Kaisers auf ihrer Ansicht behartt hätten, wird niemand erwartet haben, der den ManneSmut deutscher Normal- Konntee- Mitglieder vor Königs- thronen einmal zu bewundern Gelegenheit hatte. Erstaunlich ist aber jedenfalls, daß der Kaiser neben seinen anderen Ver- pflichttmgen und neben seinen bekannten Beschäftigungen auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft auch noch dem Sport eine so intensive Beachtung widmet._ Miffglückte Socialisteiijaad. Aus Jena wird der„Franks. Leitung" von einem recht interessanten Streit zwischen dem dortlgen Oberbürgermeister Singer und den« Letter der Zeiß- Stiftung. Professor Abbe berichtet, in dein eS sich wieder einmal um die allenthalben anstößige Socialdemokratie handelt. AnS der Zeiß- Stiftung wird eine sehr bedeutende Lesehalle erhalten, in der Blätter aller Parteirichtungen anslieoen. Diese ätznngSmäßige Unparteilichkeit hat den Zorn des Oberbürgermeisters erregt. Er erklärte auf dem Städtetage zu Greiz: „Da ich ein Bedürfnis, unserem Volke noch mehr Gelegenheit zum Lesen zu bieten, al» eS jetzt schon hat, nicht so obne weiteres ane r kennen kann....... Lei du nicht unbedenklichen akademischen Lesefreiheit, die sehr oft zur Halbbildung ftihtt, ist«s notwendig, daß von dem Leiter der Anstatt die Zuteilung der Bücher an die einzelnen Berus»- und Altersklassen streng überwacht Wied. Völlig ausgeschlossen müssen socialdemokratische Bücher un'd Schriften sein. Leider ist in unserem Jena eine größere jährliche Zuwendung aus einer unter staatlicher Aufsicht stehenden Stiftung davon abhängig gemacht worden, daß auch focialdemo- kratische Werke und Zeitungen in der Lesehalle aufliegen," Schließlich wies Oberbürgermeister Singer auch noch darauf hin, daß die Militärbehörde den Soldaten den B e s u,ch der Lesehalle deshalb verboten habe, weil auch „socialdemokratische Schriftstücke" daselbst ausliegen, und bemerkte: „Aus diesen» Grunde müssen die Genvindebehörden der Lesehalle auch kühl gegenübersteheii." Professor Abbe, der Leiter der Zeiß-Stiftung, hatte es leicht, demgegenüber im„Jenaer Volksblatt" darauf hinzuweisen, daß der Z 104 der Zeiß-Stiftung ausdrücklich bezüglich aller Bethätigungen der Stiftung vorschreibt„strenge Neutralität gegenüber allen politischen und religiösen Patteien". Dies bringe bei Zuweisungen an eine Lese- Halle nanirgeinäß mit sich, daß ebenso die socialdemdkratische Literatur daselbst aufgelegt werden müsse, wie die Literatur der Agrarier, der Anlisemiten' und aller anderen politischen Parteien. In amüsanter Weise führt Professor Abbe dann weiter auS, daß die Zeiß-Stiftung allerdings wie jede juristische Person unter staatlicher Aufsicht stehe, daß sich aber diese Aufsicht lediglich darauf erstrecke, daß die Verwaltung sich auch in Uebereinstinimung mit der landesherrlich genehmigten Stiftungsurkuiide befinde. Und so anstößig dem Herrn Oberbürgermeister auch die geübte Neutralität allen politischen Richtungen gegenüber erscheine— keine staatliche Instanz habe die Macht, daran das gettngste zu änden. In Jena wird erst dann die wahre Geistcsfreiheit triumphieren. wenn dem Oberbürgermeister militärische Kommando- g e>v a I t gegeben sein wird und seinen Bürger-Soldaten die Lektüre kraft unbedingten Gehorsams vorgeschrieben werden wird.— Chinesisches aus der„Post". Die Scharfmacherpresfe, allen voran die„Post", hatte sich wieder ehrlich abgemüht, die Augs- b u r g e r Krawalle im Sinne der Zuchihausvorlage ansznschlachten. Durch die Thatsache, daß gar kein Maurer an den Krawallen be- teiligt ist, in die Enge getneben, stamn>elt das Organ StummS:„Ob» u n die M a n r e r f c I b st g e w a l t s a ni die Italiener an der Arbeit verhindern wollten oder ob es anderefür siethaten, dasbleibtsich ziemlich gleich", Buin I Geköpft müssen ste werden— genau, wie im Reich der Mitte der Anverwandte eines Verbrechers um einen Kopf kürzer gemacht wird, weim man diesen selbst nicht erwischt. Gegen die socialdemokratische Vergnügungssucht eifert wieder einmal die„Deutsche Tageszeitung", das Organ für Prügelstrafe und andere Junkettdeale. Sie rechnet uns all die sommerlichen Volksfeste vor und sie ahnt sogar das Entsetzliche, daß bei solchen Vergnügungen auch für die Parteikasse etwas ab« falle. Wir fürchten, wir werden erst dann die Unzufriedenheit der „Deutschen Tageszeitnng" besänftigen, wenn wir uns zu Krieger- Vereins- und Sedanfesten bekehren. Aber einstweilen fehlt uns zu solchem vaterländisch-patentterten und geweihten Vergnügtsein so- wohl der nöttge Patriotismus als auch daS gebührende Maß von — Moral und Tnnkfestigkeit.— Aus Sachse»- Weimar. Vor dem Versammlungsrecht der Arbeiter haben auch hier gewisse Beamte wenig Respekt. Der Direktor deS Berwalwngsbezirks Neustadt scheint daS Versammlungsrecht unserer Partei vollständig illusorisch machen zu wollen. Nur wenn eine dringende Gefahr für die öffentliche Ordnung zu befürchten ist, darf eine Versammlung verboren werden. Auf mehr« fache Beschwerden unseres Genossen Baudett im Landtage, erklärte die Negierung,„daß es die Verpflichtung der beteiligten Behörden sei, bei der Feststellung dieser thatsächliche» Voraussetzungen mit der größten Gründlichkeit und Gelvissenhaftigkeit zu Werke zu gehen, und das Verbot nur beim Vorhandensein einer wirklich dringenden Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit auszusprechen". Demzufolge muß es höchst sonderbar berühren i daß gerade in d i e s e m Verwaltungsbezirke der Herr Direktor Stichling trotz„gründlicher und gewissenhafter Prüfung der thatsächlichen Voraussetzungen" eine dringende Gefahr erblickt, während dieselben Redner in anderen Teilen des Großherzogtums ungehindert sprechen konnten, ohne daß eine Störung der Ordnung verspürt worden wäre.— Sind daS die alten liberalen Tradittonen des GoetheländchenS? Lu?rand. Juli. iurs' eine Ettie klerikale Parade. -st- Wien, 23. Vorige Woche tagte hier der„chrtstlich-sociale Veranstaltung zur Propaganda klerikaler Socialpolitik. Seitdem die Wiener Christlich- Socialen offen WS klerikale Lager eingeschwenlt sind, hat der östreichische Klerikalismus, der sonst so rückständig und veraltet ist, einen sehr modernen Anstrich bekommen. Wenn man die Vorträge, die in diesem„Kurse" gehalten wurden, überblickt, so würde man rein meinen müssen, die öftreichischen Klerikalen hätten keine größere Frage als die, die Lage der arbeitenden Klasse zu bessern. In Wahrheit geht aber Sinn und Absicht der Klerikalen ausschließlich dahin, daS Volk in der Botmäßigkeit der geisllichen und weltlichen Gewalten zu erhalten, und die Arbeiter haben in Wirklichkeit keine grimmigeren Feinde als jene, die scheinbar um ihre Wohlfahtt so besorgt sind. Die klerikale Socialpolitik beruht in Oestreich auf der Thatsache, daß die Industrie in der Hand der liberalen Bourgeoisie ist; bei den landwirtschaftlichen, ja schon bei den kleingewerblichen Arbeitern hört sie sofort auf. Es ist keineswegs Liebe zu den Arbeitern, sondern Haß gegen das industrielle Bürger- tum, das sie erzeugt hat. Nur so ist die absonderliche Thatsache zu erkläre», daß diejenigen, die jede selbständige Regung der land« wirtschaftlichen Arveiter womöglich mit Feuer und Schwert vertilgen möchten, für die Jndusitte- Arbeiter so ungeheuer forderungslustig i»d. Besonders erust darf man freilich a»cki diesen Radikalismus nicht nehmen, denn hier in Oestreich haben die Patteien die Trennung von Wort und That bis ins letzte Detail vollzogen. Man spricht hier nicht so, wie man handeln will und handelt beileibe nicht, wie man gesprochen; sondern man ist deshalb so radikal in den Worten, um der That ganz entweichcil zu können. Man„tritt", wie der östreichische Ausdruck lautet, für etwas ein, um es nicht thun zu müsse ir Als die antisenntische Wiener Gemeindeverwaltung daran ging, die Gaswerke zu bauen. verlangten die Wiener Arbeiter von ihr, daß ste bßi Vergebung der Arbeiten für die Arbeiter Minimalbediiignngcn aufstellen möge. Der Vice- Bürgermeister fertigte eine Deputation der Metallarbeiter, die ihm die Forderungen der Gewerkschaft über- brachte, mit dem dummfrechen Worte ab, die Arbeiter 'ollen, wenn sie mehr verdienen wollen, länger arbeite». Das hindert natürlich nicht, daß dieselben heute bei jeder Gelegenheit, und auch auf dem chttstlich- socialen Kurse, für kommunalen Arbeiterschutz„kräftigst eintreten". Der Kurs selbst bestand aus einer Reihe von Vorträgen, die überwiegenderweise von Ausländern gehalten wurden. Darunter war auch Herr Professor Beck aus Freiburg, und er fühlte sich, wie er ausdrücklich erklärte, unter den Wiener Christlich- Sottale», dieser gehässigen, verleumderischen und im Wesen durchaus arbeiterfeindlichen Pattei,„äußerst wohl". Hoffentlich werden die Schweizer Socialdemokraten den Ausflug des Herrn Beck voll zu würdigen wissen; für die Wiener Socialdemokraten bietet e« geradezu ein schmerzliches Erstaunen, daß die Schweizer Socialdemokratie mit den Freunden und Gesinnungsgenossen de» Herm Lueger sachliche Verbindungen unterhalten kann. Oestreich-Ungar». Wir», 23. Juli. Die deuts che Fortschrittspartei hat heute einen Protest gegen dcn Rnsglcich erlassen, in welchem gesagt wird, daß die Regierung, ohne daß ihr vom Reichsrate das geringste bewilligt wurde, Steuern erhebt, Anleihen aufnimmt und die Rekrutierung durchführt. Die Verfassung sei durch den Miß- brauch des Z 14 thatsächlich aufgehoben. Der Ausgleich sei null und nichtig. Auch die freie deutsche Vereinigung hat eine Kund- gcbnng beschlossen, in der sie ihre lleberzeugnng ausspricht, daß die mit Berufung auf den K 14 erlassene Verordnung nicht nur dem Geiste, sondern auch dem klaren Wortlaute der Verfassung wider spreche und das wichtigste Recht der Volksvertretung, daß der Steuer bcwilligung, illusorisch mache. Diese Maßregel sei geeignet, das NcchtSbcwlißtsein des Volkes zu erschüttern und dadurch Verhängnis volle Folgen herbeizuführen.— Frankreich. Paris, 23. Juli. Der„Gaulois" glaubt zu wissen, daß General Pcllicux ein Kommando außerhalb Paris erhalten und Kapitän Guyot-Villeneuve in Nichtaktivität versetzt werden solle.— Rennes, 24. Juli. Wie nunmehr amtlich bekannt gegeben wird. werden die Verhandlungen iin Dreyfus-Prozeß am 7. Angnst beginnen.— Nnftlaud. Petersburg, 23. Juli. Der Minister für Volksaufklärung bringt im Auftrage des Kaisers zur Kenntnis, daß allen Studenten welche an den I e tz t e n U» r u h e n teilgenommen haben, mit Ausnahme derjenigen, welche von allen höheren Lehranstalten über Haupt ausgeschlossen wurden, Verzeihung zu Teil werden soll. Bei der Wiederaufnahme wird den Studenten bekannt gemacht werden. daß sie bei abermaliger Beteiligung an Unruhen ohne Berechtigung zum Wiedereintritt iu irgend eine höhere Lehranstalt ausgeschlossen werden. Der Minister des Innern lehnte das Gesuch ab, hier oder in Moskau einen Sch riftstellerko ngrcß abhalten zu dürfe» In Finnland sollen die Garnisonen demnächst durch russische Truppen verstärkt werde», nachdem bekanntlich bereits gleich nach Erlaß des Knechtnngsediktcs des Zaren gegen Finnland niehrere russische Regimenter den benachbarten Boden betreten und auf ihm ihr Lager aufgeschlagen hatten. Auf Anordnung des russischen Kriegs Ministers sind in Helsingfors bereits zwei Eskadronen berittener Gendarmen eingerückt. So wird die Geduld des finnischen Volkes durch die fortgesetzten Maßregelungen, die ihre Kultur, ihre Pwbilcgien und ihre Sittel» bedrohen, auf die änßerste Probe giu Serbien. Ucbcr das Attentat und die Verfolgungen iu Serbien wird aus Bukarest berietet: In Tnrnscvern», Erajolva und auch in Bukarest find bereits größere Gruppen serbischer Flüchtlinge eingetroffen, »velche erzählen, daß der bloße Verdacht, init der radikalen Partei zu sympathisieren, geinige, um die betreffenden den erbitterten Ver folgungen preiszugeben. In den Provinzstädten werde jeder Geschäfts treibende radikaler Gesinnung behördlich geächtet, Gendarmen lvürden vor die Läden und Häuser Mißliebiger gestellt, um jeden Besuch fern zuhalten, unter allen Beamten und Angestellten bis zum Eisenbahn arbeiter herab, werde die peinlichste Musterung gehalten, und jeder aus seiner Stellung und seinem Brote getrieben, gegen den die geringste Denunziation vorliege.— Die rumänischen Zeitungen bringen hierzu noch lange Schilderungen, die offenbar von de» Flüchtlingen herstamincn Hiernach sei die überwiegende Mehrheit der serbische» Bevölkerung voll- ständig davon überzeugt, daß das Attentat lein enister Mordanfall gewesen sei, sondern daß Knetscheivitsch ohne Kugeln geschossen habe. Die großen LoyalitätS-Abordnungen, die täglich aus der Provinz in Belgrad einträfen, seien von Milan bestellt. Jeder Teilnehmer er- halte freie Beförderung zur Bahn und zu Wagen, außerdem freie Verpflegung für mehrere Tage. Iii Rumänien gewinnt daher die Auffassung immer weitere Verbreitung, daß der Ausbruch einer all gemeinen Revolution in Serbien nahe bevorstehe.— Asien. AuS Peking melden die„Times" vom 21. d. M.: Der Ein flust Japans wächst stetig; Japan und China nähern sich immer mehr. Zwei chinesische Kommissare sind am 8. Juli von Shanghai nach Tokio abgereist, angeblich lediglich in einer Handelsmission, sie haben jedoch wertvolle Geschenke mit genoinmen und wurden ermächtigt, dieFrage einesBündnis- Vertrages zwischen China und Japan zu erörtern. Die Mission, deren Entsendung Dnng-Li und Li-Hung-Tschang ernsten Widerstand entgegengesetzt hatten, ivird von der russischen Gesandtschaft mit großem Jntereffe beobachtet. Hinsichtlich des Erfolges der Mission find gute Nachrichten hier eingetroffen, jedocki schenkt man dem gestern in Umlauf gesetzten Gerücht, daß ein Bündnis abgeschlossen sei oder abgeschlossen werden wird, keinen Glauben. Davkei-Msitzvicszken. Parteipreffc. Die bisher in Burgstädt erschienene„Volks- stimme" ist am Sonnabend nach ihrem neuen Erscheiiunigsort Chemnitz übergesiedelt. In einen, Abschiedsivort an die Burg- st ä d t e r Leser in der letzten in B u r g st ä d t hcransgegebeuen Numnier heißt es: „Als ein zartes Geschöpf, daS besonderer Pflege bedurfte, er- blickte vor beinahe neun Jahren die„Volksstimine" in Burgstädt das Licht der Welt. Aber sie entivickelte sich prächtig, und stolz auf ihre bisherigen Erfolge zulückblickend, verlätzt sie ihre Vaterstadt, um in ihrer neuen Heimat Chemnitz, der Jndustriemetropole Sachsens, weiter zu känipfcn im Dienste der Arbeiterklasse, den Armen zu Nutz, den Gegnern zum Trutz. Aber auch viele trübe Tage hat die„Volksstimnie" in ihrer Vaterstadt erleben müssen. Mit schweren Strafen wurden ihre Re dacteure oft bedacht. 67>/2 Monate Gefängnis, neben einigen hundert Mark Geldbußen, hat sie in ihrem Strafkonto ver- zeichnen müssen. Diese Strafsumme verteilt sich auf ehemalige und derzeitige Redacteure wie folgt: Albert Schmidt 15 Monate, Oskar Fröhlich 25>/» Monate, Oskar Heinig 2 Monate, Albert Krahl 7 Monate, Paul Starke 1 Monat, August Diehl IS Monate, Georg Schöpflin 1 Monat." Die.Voltsstimme" thut bei ihrer Uebersiedelung einen kräftigen Schritt nach vorwärts, denn, wie unseren Lesern bekannt sein dürfte, handelt es sich nicht um eine bloße Verlegung, sondern das genannte Blatt und der ehemalige, auch nur dreiinal wöchentlich erscheinende Chemnitzer„Beobachter" sind schon seit einigen Monaten zu einem Tageblatte vereinigt. Ungünstige Umstände brachten es niit sich, daß das Blatt bisher in Burgstädt weiter hergestellt werden mußte. Jetzt aber ist das neue Heim, ein eigenes Gebäude der dortigen Parteigenossen, fertig, und die Redaktion, bestehend aus den in Berlin wohlbekannten Genossen E n d e r s, S ch ö p f i n und Lessen, ist nun, wie überhaupt das ganze Burg- städter Geschäft, nach Chemnitz übergesiedelt. Die erste dort er- schicnene Nummer ivar eine besondere Agitationsnummer und um- faßte 5 Bogen und Unterhaltungsblatt. Wir wünschen unserm Parteiblatt in seinem neuen Wirkungs- kreise den besten Erfolg. Die Neuwahlen für de» Landtag deö GrosthcrzogtnmS Oldenburg sind durch Verfügung des Staatsministeriums für den Bereich des Herzogtums Oldenburg auf den 17. Oktober an- beraumt ivorden. Eine in Oldenburg abgehaltene socialdcmokratische Parteiverspmmlung, in der Genosse Paul Hug-Bant über die bevor- stehende Landtagswahl sprach, nahm einstimmig eine Resolution an des Inhalts, daß die S o c i a l d e m o k r a t i e sich an der L a n d- tagswahl zunächst selbständig mit aller Energie be- t e i l i g e n wird, unter allen Umständen aber dahin wirken wird, die reaktionären und agrarischen Bestrebungen, die im Landtag zu Tage getreten sind, zurückzuivcisen. Damit ivird sich die Social- demokratie in Oldenburg, die bisher keinen Vertreter im Laild- tag hat, zum erstenmal selbständig an der Landtagswahl beteiligen. Ans Melbourne(Anstralien) wird uns geschrieben: Am 5. Juni verstarb hier an der Lungenschwindsucht im Alter von 33 Jahren, der vor acht Jahren nach Australien ausgewanderte und den Berliner Genossen in der gewerkschaftlichen wie politischen Bewegung wohlbekannte Parteigenosse Alfred Häuschen. H. war ein geborener Berliner, unverheiratet und von Beruf Sattler. Obwohl die letzten Jahre immer kränklich und er nur schwer sein Gewerbe ausüben konnte, verfolgte er mit nngeschwächtcm Interesse die socialistische Bewegung aller Länder bis zu seiner letzten Sttinde. Ehre seinem Andenken! GemeekstsZÄMiitzes. Berlin und ttnigcgcnd. Achtnlig, Klempner! Mittwoch, den 26. Juli, abends S�/s Uhr, findet im Lokal des Herrn Mörschel, Jüdenstr. 35, eine Konferenz der Vertrauensleute der Klempner statt. Da es sich darum handelt, die in der Versammlung vom 9. Juli gefaßten Beschlüsse ihrer Durchführung näher zu bringen, so erivarten wir, daß jede Werk- statt in dieser Konferenz durch einen Delegierten vertreten ist.(Siehe Inserat.) Die Ortsverwaltung. Deutsches Reich. An die gesamten Arbeiter der Stcinindnstrie Deutschlands! Die Steinarbeiter des Jndustricbezirks Schlesiens find teils am 8., teils am 13. Juli durch die Hochmütigkeit einiger Unter- nehmer, welche die Sandsteinbrüche Schlesiens beherrschen, in den Ausstand getrieben. Es gewinnt den Anschein, indem alle von den Steinarbeitern geplanten Einiglingsversnche bis jetzt an dem Eigen- sinn der Unternehmer scheiterten, daß selbige den Kanipf zu einer Machtprobe gestalten wollen. Sie wollen den Beweis liefern, daß die organisierten Steinarbcitcr Deiitschlaiids nicht stark genug sind, den Tarif, welcher von beiden Teilen in den Jndnstriebezirkcn Schlesiens vereinbart ist, hochzuhalten. In der Hauptsache handelt es sich um die Bezahlung der fertiggestellten Arbeiten nach Tarif, welcher noch bis zum 1. März 1900 gültig ist. Es kommen über 500 Steinmetzen und Brecher in Frage, welche geschlossen und einig zusammenstehen, und ganz entschieden auf ihren mit den Unternehmern vereinbarten Forderungen beharren. Gelingt es unS, den Kampf mit aller Energie weiterführen zu können, dann ivird der Sieg unser werden. Das Solidaritätsgefühl, weil die Betriebe im Bezirk Schlesien mit den Berliner Betrieben zusanmicngchören(die hiesigen Unter- iichmer sind Besitzer der Brüche in Schlesien), zwang die Berliner Steinmetzen, um die Forderungen der schlcsischcn Steinarbcitcr wirksam zu machen, den Unternehmern die Forderung zu stellen, bis zum 22. Juli die Sache in Bunzlai» zu regeln. Da bis zur aiigcgebencu Zeit keine bindende Antwort der Unternehmer erfolgte. beschlossen die Steinarbeiter Berlins am 23. d. M. die Arbeit zu Gun st ender schlesischen Stein arbeiter niederzu legen und zugleich die zurückgestellte Forderung vom vorigen Jahr wieder zu erheben: Sstündige Arbeitszeit, 70 Pfennig Minimallohn Es kommen hier ca. 500 Stcinarbeiter in Betracht. Die Zahl der Ausständigen bettägt demnach 1000— 1100 Mann. Tie Geschäftslcitung der Steinarbeitcr Deutschlands fühlt sich deshalb veranlaßt, von dem letzten Kongrcßbeschluß zu Würzburg Gebrauch zu machen und eine Extrasteuer zu erheben, welche auf Listen gesammelt wird. Die Listen erhalten sämtliche Vertrauens- leute zugesandt und wir erwarten, daß alle Kollegen, Arbeiter und Genossen ihre Pflicht erfüllen werden und reichlich für Unterstützung orgen, damit»vir in der Lage sind, unsere im Kampfe befindlichen Kollegen genügend unterstützen zu können. Insbesondere ist es notwendig, daß der Zuzug von Stein- arbcitern nach Schlesien streng ferngehalten wird. Des weiteren muß streng darauf acht gegeben werden, daß für die Bettiebe in Bunzlau, Rackwitz, Warthau, Sirgivitz, Lvwcnberg und Hockcnau keine Arbeiten gemacht werden. Die Unternehmer suchen sich in ihrer Verlegenheit damit zu helfen, auswärts die dringendsten Ar beiten anfertigen zu lassen. Kollegen, dies muß verhindert werden! Ucbt strenge Konttolle. damit nicht wider Willen unsere Bewegung und unsere im Kampf befindlichen Kollegen geschädigt werden. Die Geschäftsleitung der Stein arbeiter Deutschlands. I. A.: P. M i t s ch k e, Rixdorf-Berlin, Steinmetzstraße 14, I. KB. An die Gewerkschafts- und Parteipresse richten wir die Bitte, diesen Aufruf abzudrucken. Lohnbewegnng der Hamburger Zimmerleute. Aus Ham- bürg wird uns vom 24. Juli depeschiert: Die hiesigen Zimmerer orderten heute eine Erhöhung des Stnndcnlohnes von 60 auf 70 Pfennig und die nennstündige Arbeitszeit. Sie erbitten von den Unternehmern Antwort bis zum 1. August. In dem Mansfelder Braunkohleugebict bereitet sich eine Lohnbewegung der Bergleute vor. Dieselben haben den Unternchmcrn bereits Forderinigcn unterbreitet, die von diesen — natürlich unbeantwortet blieben. Die dazu gewählte Kommission ivird eiuen zweiten Versuch machen. Sollten die Werksbesitzer auch diese Forderungen unbeantwortet lassen, dann soll zu geeigneter Zeit zu dem letzten Mittel, dem Streit, gegriffen werden. Der Kampf wird um so bedeutender werden, als die ämtlichen östreichischen Brannkohlenrcvicrc beschlossen, die deiitschen iiameraden ihrerseits durch Eintteten in den Lohnkampf zu unter- 'lützcn. Die Ersatzwahlen zum Vorstand der Bochumcr Knapp- chaftskassc haben am vergangenen Sonntag stattgefimden. Die Opposition siegte mit 157 von 255 abgegebenen Stimmen. Der Kompromiß zwischen den beiden Bergarbeiter- Organisationen hat 'ich also bewährt: ohne Abschluß desselben hätten— gewiß nicht zum Vorteil der Kasse— die sogenannten„Gcniäßigten" gesiegt, welche mit den Arbeitgebern durch dick und dünn gehen und notwendige Reformen gern auf die lange Bank schieben. Vereinzelte �cituugsstinime» glaubten die Sittenrichter wegen der Vereinbarung pielcn zu kömien. Während Redacteur Fußangel in der„West- deutschen Bolkszeitung" den christlichen Gewerkvercin beziehungsweise eine Führer als Düpierte hinziistellen sich bemühte, machte es ein Parteiorgan umgekehrt und schiebt den Leitern des alten Verbandes diese undankbare Rolle zu. Wir sind aber der Meinung, daß es ein durchaus ehrenhaftes Abkommen war, welches von beiden Seiten aufrichtig gemeint, schon ganz annehmbare Früchte gezeitigt hat, und von Düpierten überhaupt keine Rede sein kann. Die Verhandlungen gegen die an den Herner Krawalle» beteiligten Bergleute sind schon flott im Gange. Das Herner Schöffengericht hat zuerst einige Angeklagte wegen Belästigung Arbeitswilliger zu je 3 Wochen Gefängnis verntteilt. Das B o ch u m e r Landgericht ging schon höher hinauf. Ein Pole aus Hör st hausen erschien am 27. Juni abends mit einem starken Knüppel bewaffnet auf der Polizeiwache in Herne, um sich nach einigen wegen der Krawalle Verhafteten zu erkundigen resp. mit ihnen zu sprechen. Der anwesende Kommissar verwies ihm das Lokal, und da hat sich dann der Angeklagte so aufsässig gezeigt, daß er infolgedessen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Bedrohung, Beleidigung, groben Unfugs und Ruhestörung zu neun Monaten Gefäng- n i s und drei Wochen Haft verurteilt wurde. Man sieht an diesem Beispiel, daß unsere jetzigen Gesetze schon ausreichen, derattige Ver- gehen schärf zu treffen. I» M.-Gladbach befinden sich die S tuccatenre in Streik. Zuzug ist streng fernzuhalten. Arbeitcrfrenndliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Zum Leipziger Formerstreik nahmen die Nürnberger Former Stellung; sie beschlossen, daß, ivenn Modelle aus Leipzig konimen, jeder sich weigere, die Arbeit zu machen. In einer Resolution erklärten sich die Versammelten niit den Leipziger Formern solidarisch und versprachen ihnen finanzielle und moralische Unterstützung. An die Eisengießerei und Maschinenfabrik H u st e r u. Fischer in Borna hatten Leipziger Firmen Forme» resp. Modelle zum Gießen gesandt, die aber von der genannten Finna, nachdem ihre Former die Arbeit verweigert' hatten, wieder zurückgeschickt ivurden. In Leipzig stand dieser Tage der Fonncr R. Ivcgen Streikpostenstehen vor Gericht' Er mußte freigesprochen iverden. Der Vorsitzende gab dein Gendarm, der die Anzeige er- stattet hatte, den Rat, mit seinen Anzeigen in Zukunft vorsichtiger zu sein. Gegen 16 Streikpostensteher hat die Z w i ck a u e r Polizei Strafbefehle von je 15 M. oder fünf Tage Haft erlassen. Alle Beteiligten haben Widerspruch erhoben. Verband deutscher Bäcker. Der Gau Bayern und Württcm- bcrg hielt in N ü r n b e r g seine 1. Konferenz ab. Hervorzuheben ist das Referat:„Gesellenausschüsse in fteien und Zwangsinnnngen", bei dem besonders scharf kritisiert wurde, die Bestimnmng des neuen Handwerkergesetzcs, wonach die in die Gesellenaiisschüsse zu wählen- den Gesellen das 30. Lebensjahr überschritten haben müsien, und als verwerflich und schädlich wirkend bezeichnet, da es im Bäckerberufe selten Gesellen gebe, die älter als 25 Jahre sind. Eine Resolntion gegen diese Bestimmnng wurde cinstiimnig angenommen. Ferner wurde darüber geklagt, daß die Behörden ganz ruhig zusehen, wie die Bestimmnngen des Bundesrates von den Bäcker- meisten» unigangen werden, anstatt daß sie auf deren strikte Durch- sühning dringen. Zliiöland. Die Vergolder Wiens sind in eine Bewegung zu Gunsten des R e u n st u n d e n t a g e s eingetreten. Sie hatten den Nenn- stundentag schon im Vorjähre durchgesetzt, in einein Drittel der Be- triebe aber wurde bei Eintritt der schlechteren Konjunktur der Zehn- stundentag wieder eingeführt. Der in Kopenhagen kürzlich beendigte Schuhmacherstreik scheint für die Kleinmcister sehr verderblich gewesen zu sein, da der Schuhmachenncistcr-Verband eine„Verbands- Wcrkstätte" errichtet hat, in der nur„Meister" arbeiten dürfen, die nicht Mit- g l i e d e r eines s o c i a l i st i s ch e n Gewerkschaftsverbandes sind. Es werden nur Flickarbeiten für die Vcrbandsmitglieder, nicht für das Publikum ausgeführt werden. Diese Einrichtnug beiveist, daß eine große Zahl der Kleinmeister so heruntergekommen ist durch den Streik, daß sie sich nicht mehr auf eigene Hand erhalten können. Der Verband, der sie zu dem Kampf gezwungen hat, sieht sich ge- nötigt, sie durch Errichtung einer Werkstätte zu unterstützen. Aus der Fraurubemegung. Zum Kapitel des Francnstudiums. Der Vorstand des Ver« eins elsaß- lothringischer Lehrerinnen richtete an die 1l n i- versität Straßburg die Bitte, Lehrerinnen, welche die Prüfung für höhere Mädchenschulen abgelegt haben, als Hospitantinnen zu dcnVorlesnngen und Uebungender Universität zulassen zu wollen. Der Senat der genannten Hochschule hat nun den Beschluß gefaßt, Frauen, welche den entsprechenden Grad von ernster Borbildung be- sitzen, also nicht bloß angehende Lehrerinnen, zu den Vorlesungen und Uebungcn der Universität zuzulassen. Straßburg war. wie die„Stratzburger Post" feststellt, die einzige dcui'.he Universität, an der bisher Frauen zum Studium nicht zugelassen wurden. Solcittkes. Zur Fleischuot. Der Jahresbericht des städtischen Schlacht» Hauses in F o r st i. L. für das Jahr 1898/99 stellt fest, daß von den Gütern aus der näheren Umgebung nur wenig tuberkelfreies Lieh eingefühtt worden ist. So wird m a. bemerkt, daß von 23 von einem größerem Gute in kurzer Zeit gelieferten Rindern nur eins frei von Tuberkeln war. Eine drastische Widerlegung der Behauptung der Agrarier, daß die Seuchen nur durch ausländisches Vieh ein- geschleppt werden. Schutz der Gastwirtsaligrstellten in der Schweiz. Ter rau bündner Kantons rat hat ein neues Wirtschaftsgesetz gemacht und in dasselbe auch einige, allerdings recht bescheidene Bestinlniiingen zum Schutze des Wirt schaftsperson als aufgenommen. Danach dürfen Mädchen unter 13 Jahren, die nicht zur Familie des Wirtes gehören, nicht als Kellnerinnen verwendet iverden. Jede übennätzige Anstrengung des Dienstpersonals in Wirt- schaften ist untersagt. Der Betrieb derselben ist so einzurichten, daß jeder im Dienste des Wirtes stehenden Person täglich 7 Stunden Schlafenszeit im Miniinnm und ebenso mindestens 4 Stunden wöchentliche Freizeit zu gewähren sind. Um 12 Uhr nachts sollen die Wirtschaften geschlossen werden. Die Gemeinden erhalten jedoch das Recht, auch einen früheren Schluß festzusetzen. Zfctzke NÄthvirfxkett und Deppfchen. Dresden, 24. Juli. sW. T. B.) In Löbtau sind amtlich heute 126 TyPhnserkrankiUigeu festgestellt. 12 Personen sind gestorben. Eine behördliche Untersuchung hat ergeben, daß die Wölfnitzer Wasserleitung, die Löbtau zum Teil mit Wasser versorgt, verseucht war. Sie wurde sofort geschlossen. Auch iu Dresden sind, von Arbeitern eingeschleppt, einige Typhus- erkrankungen vorgekomnie», doch wurde die Gefahr einer Weiter- Verbreitung der Seuche durch umfassende Maßregeln beseitigt. Bern, 24. Juli.(B. H.) Der Bundesrat hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, daß die Schweiz der H a a g e r Konvention betreffend das Kriegsrecht nicht beitrete, da der Volks- krieg nicht anerkannt werde; England wird der Koiivention ebenfalls nicht zustimme». Paris, 24. Juli.(B. H.) Der hiesige„New Dork Herald' veröffentlicht den Wortlaut des SchiedsgcrichtSvorschlagcS, welche der Friedenskonferenz in dieser Woche zur Annahme vor- liegt. Danach soll der Sitz dcS Schiedsgerichtshoses Haag sein, die Richter sollen nur auf sechs Jahre gewählt werden dürfen und nicht wieder wühlbar sein und die Debatten bei den Verhandlungen sollen in derjenigen Sprache geführt werden, die der«chicdSgerichtshof be- limnien wird und zwar, außer bei der Urteilsverkündigung, hinter verschlossenen Thüren. Paris, 24. Juli.(B. H.) Der französische Botschafter in Washington, Cambou, wird demnächst einen der europäischen Bo:« 'chaftcrposten erhalten. Hieran dürfte sich ein größerer Wechsel im diplomatischen Korps Frankreichs anschließen. London, 24. Juli.(W. T. B.) Das Unterhans hat die dritte Lesung der Bill angenommen, durch welche eine irische Abteilung für landwirtschaftlichen und technischen Unterricht geschaffen wird. Rom, 24. Juli.(B. H.) Hier erhält sich, obgleich es von offiziöser Seite dementtett wird, das Gerücht, daß alle italienisihen Vorschläge wegen der Sammmbai von der chinesischen Regierung 'chroff abgelehnt seien. Die hiesige Regierung habe deshalb dem Gesandten' Salvator Raggi den strengen Befehl gegeben, energisch aufzutreten, unter Androhung der sofortigen militärischen Besetzung der Samnunbai. Zu diesem Zwecke wird das italienische Geschwader durch das Panzerschiff„Carlo Alberto" Ver- stärkung erhalten. Verantwottlicher Redacteur: Auault Jacobe» in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage und lliiwrbaltungsblatt. St. 171 16. IchtMg.!)($„ Dieiistsg, 25. Iiili 1899. Das Verhalten unserer bayrischen Genossen bei der Landtagswahl. Ein Berliner Parteigenosse schreibt uns: � Die Taktik unserer bayrischen Genossen bei der Landtagslvahl bat durchaus nicht überall in den Kreisen der Genossen Anklang ge- fiinden. Vielfach ist dieselbe einfach als ein schmählicher Kuhhandel oczcichnet worden und eS sei gestattet, diese Meinung auch an dieser Stelle, achlich zu vertreten. So lange nichts weiter bekannt war als das Resultat der Ur- Wahlen, konnte man sich immerhin noch der Freude hingeben, dasj ivoy der ichwierigen Verhältnisse es gelungen war, einen bedeutenden Stimmenzuwachs zu erhalten. Daß es trotzdem möglich sein iverdc. mehr zu erringen, als einigesocialdemokratischcHcchte in den Karpfenteich 21' dringen, hat niemand erwartet und ein Stehenbleiben auf der alten Zahl von 5 Mandaten hätte keinen Parteigenossen enttäuscht. ± a es ein absolutes Ding der Unmöglichkeit ist, in den bayrischen �andtag mit einer nur cinigerniaßcn imposanten Fraktion einzuziehen, eie auch bei den Abslinimungcn mitsprechen könnte, genügt für uincre Partei völlig die Wahl nur weniger aber schlagfertiger Ge- noncn, die in den Debatten scharf unseren Standplinkt fixieren und die Ncdefreit dazu benutzen, das Volk über ich Charakter der eingegangenen und diskutierten Anträge aiiszliklarcn und � den Gegnern die Maske vom Gesicht zu reißen •iag es möglich sei, auf den Krücken anderer Parteien nach voraus p, C g tlllC] CIICITI �ilhhctnbcl noefo den einen nhor Iitihnrim m o f»> Vommunales. egangcncm Kuhhandel noch den einen oder anderen Genossen m e h in den Landtag humpeln zu lassen. als dies aus eigener Kraft ge schchen konnte, hat schließlich ja Niemand beztveifclr und um d a- zu beweisen, brauchten unsere bayrischen Genossen nicht in der von ihnen beliebten Manier gegen jedes proletarische Gefühl und den gesunden Menschenverstand zu freveln. Denn gefrevelt haben sie, und wer daran etwa noch gcz'.veifelt haben sollte, der braucht nur in der Mittwochnnmnicr des„Vorwärts" den ellenlangen Artikel zu lesen, verfaßt von einem Parteigenoiicn,„der lange Jahre in Bayern gewirkt hat und die dortigen Verhältnisse gut kennt". Der ganze _. �---------WL Itlllll. XJtL ljlti Uvlifcl ist nichts weiter als ein Stammeln um„mildernde Umstand Da wird ins Feld geführt der»gewisse demokratische Zug"! bayerischen Centrums, das für Scharfmacherprattike» „nicht so ohne weiteres" zu haben sei. Die katholischen Arbeiter- organisationen sollen dem Centnim„als Pfahl im Fleische" sitzen(!) — die Organisationen, die vom Centrum als Pfahl ini Fleische der Arbeiterbewegung gegründet wurden! Schließlich beruft sich der Artikelschrciber darauf, daß ohne den socialdeinokratischcn Kuhhandel das Centrum entweder glatt gesiegt hätte oder den Handel mit den Liberalen abgeschlossen hätte.— Man sieht: lauter„mildernde Um stände". Um womöglich aber einen vollen Freispruch zu erzielen, geht der Arttkelschreiber sogar soweit, daß er die Behauptung aufstellt, die durch den Kuhhandel unserer bayrischen Genossen ergatterten Mandate seien gleichwertig denjenigen, die bei den R e i ch st a g s stichivahlcn von uns mit Hilfe der Freisinnigen oder des Centrums erobert würden. Der Genosse muß wirtlich glauben, der„Vorwärts" werde nur von Leuten gelesen, denen jedes Hirnschmalz fehle. Wenn uns ungebeten bei einer Stichwahl Stinimen von einem Gegner zufallen. den wir bei der Hauplwahl vielleicht auf das heftigste bekämpft haben. so soll daß dasselbe sein, als wenn die bayrischen Genossen mit dem Centrum die genaue Vereinbarung treffen:«Ihr wählt im Kreise» unseren Genoffen und wir wählen dafür im Kreise d Euren Kandidaten." Nach diesem Schema haben doch die bayrischen Genossen gearbeitet! Und angesichts dieser Thatsache wagt der Genosse im«Vorwärts" zu schreiben: «Bei den diesjährigen bayrischen Landtagswahlen... liegt das Kennzeichen des Erfolges eben darin, daß sie erstritten wurden ohne Preisgabe eines Grundsatzes, ohne Kom- promiß mit den bürgerlichen Parteie n." Wie ist uns denn? Ohne Preisgabe eines Grundsatzes? War es denn nicht bisher Grundsatz der Partei, mit keiner bürgerlichen Partei zu paktieren? Heißt es nicht ausdrücklich: Die Befreiung des Proletariats soll das Werk der Arbeiterklasse selbst sein!? Gilt dieser Grundsatz für den parlamentarischen Kampf nicht auch? Nicht die Phrase: Alles oder nichts, ist es, die unser Handeln in diesem Falle bestimmt, sondern das berechtigte Verlangen: Alles, aber aus eigener Kraft! Aus eigener Kraft deswegen, weil auf keinen Gegner(auch auf das«demokratische" Centnim nicht) Verlaß ist und weil, wenn wir von einem solchen„Bundes genossen" einmal im Stich gelassen werden, ein Rückschlag auf unsere eigene Bewegung unausbleiblich ist, wenn wir— statt Aufklärung ni die Massen zu tragen— Augenblickserfolgen nachjagten. Aus eigener Kraft auch deswegen, weil wir durch jedes Zusammengehen mit bürgcr- lichen Parteien in dem minder vorgeschrittenen Teile des Proletariats den Gedanken aufkommen lassen, daß auch noch andere Parteien als die Socialdemokratie bedingungsweise geneigt sind, die Interessen des Proletariats wahrzunehmen. Wenn die eigenen Führer, statt eindringlich vor diesen Parteien zu warnen, Kompromisse mit den- selben eingehen, dann kann es nach Meinung der Masse mit der Volksfeindlichkeit dieser Parteien so weit nicht her sein. ES ist also auch t a l t i t ch falsch, in der von den bayrischen Genossen beliebten Manier zu handeln. Und das ist noch kein Kompromiß, ivenn überzeugte Socialdemokraten hingehen und bewußterweisc einem Menschen ihre Stimme geben, der auf einem völlig anderen Parteistandpunkt steht? Wahrlich, wenn ein Genosse ohne ausdrllcklichen Parteibeschluß� so handeln sollte, er hätte auch nach Meinung der bayrischen Genossen sich so arg kompromittier, daß er ohne Gnade aus der Partei hinausflöge I Und nun schließlich: Was haben die„praktischen" bayrischen Genossen denn nun in Wirklichkeit erreicht? Sie haben dem Ccutrum die absolute Majorität verschafft, die dieses ausnutzen kann, wie es Lust hat. Wären sie wirklich so schlau gewesen, wie sie zu sein vorgeben, so hätten sie darauf achten müssen, daß das Stinunenverhältnis von Centrum und Liberalen ein derartiges werde, daß in wichtigen Abstinunungen die Social- demokratie im Landtage den Ausschlag gaben. Von diesem Gesichtspunkte auS hätten sie allerdings den Liberalen ihre Stimmen geben müssen. Die einfache Betrachtung der Zahlen zeigt dies. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Landtages hat das Centnim 83 Stimmen, alle übrigen Parteien Hätten unsere Genossen dem Centnim in sechs Fällen nicht zu einem Mandat verholfcn, sondern ihre Stimmen den Liberalen gegeben, so wäre das Verhältnis gewesen: 77 Ceütrnm, 11 Socialdemokraten, 71 sonstige Parteien. Man sieht, bei einem solchen Zahlenverhältnis wären unsere Genossen die H e r r e n im Landtage gewesen und hätten bei den meisten Anträgen mit ihren Stimmen den Ausschlag gegeben. Und daß auch die„Liberalen" zu demselben Kuhhandel bereit waren, wie das Centrnm, das haben sie ja bewiesen. Jedenfalls zeigt sich, daß auch vom Standpunkte der sogenannten.praktischen" Politik die bayrischen Genossen gerade das Verkehrte gcthan haben. Doch darüber mögen sie sich untereinander einig werden. Was aber die Gesamtpartei betrifft, so hat dieselbe alle Ursache, gegen den unwürdigen Kuhhandel zu protestieren, den die bayrischen Genossen eingegangen sind. Für die bayrische Partei besteht keines- IvegS das Reservättecht eine Schacherpolitik zu treiben, die die Genossen im gesamten übrigen Deutschland mit Entrüstung zurück- gewiesen Hütten! Bei der städtischen Haupt-Ttistungskasse sind im Monat Juni d. I. eingegangen: An Vermächtnissen und Geschenken 25133,76 M.: Kollektengelder 434,30 M.; aus schiedsmännischen Vev gleichen ec. 392,32 M.; in Summa 25 960,38 M. In Waisenpflege befanden sich' am 1. Juli d. I. 5123 Kinder und zwar 2675 Knaben, 2443 Mädchen. Aufgenommen wurden im Vierteljahr April/Juni 675 Kinder, dagegen schieden 837 Kinder aus. sodaß sich die Kinderzahl um 162 vennindert hat. In ZwaugSerziehnng waren am 1. Juli d. I. 514 Kinder (446 Knaben. 68 Mädchen.) In der Zeit vom 1. April bis 30. Juni wurden 19 Kinder aufgenommen und 15 entlassen; mithin hat sich die Zahl der in Zwangserziehung befindlichen Kinder im genannten Vierteljahr um 4 vermehrt. T'olrnles. Eine entsetzliche Katastrophe hat ein Gewitter, das sich Sonntagnachmittag über Berlin und Charlottenbnrg entlud, herbeigeführt. Durch einen Blitzstrahl, der in eine zu einer fröhlichen Feier versammelte Turnergemeinde her nicderznckte, wurden zwei Menschen getötet und etwa 40 Personen mehr oder weniger stark verletzt. lieber den erschütternden Vorgang wird folgendes berichtet: Auf einer an der Cauerstraße in Charlottenburg belegenen Rad fahrbahn wurde das Gauturnfcst der polnischen Turnverein aus der Provinz Brandenburg gefeiert. Der große rechteckige, vom Wirt Brachlow gemietete Platz war in der Mittellinie der Länge nach durch acht mit Guirlanden mntvundene Flaggenmasten geschmückt, während ein fingerstarker, teilweise umsponnener Draht als Zaun das Gehege einschloß. Innerhalb der Einzännung hatten sich bei Beginn des Festes um 4 Uhr etwa 1000 Personen vev sammelt, während noch Hunderte außerhalb Aufstellung genommen hatten. Nicht lange, so drohte von fern ein Gewitter und leichte Regenschauer stellten sich ein. Trotzdem nahm das Fest seinen Fort gang, bis— es war um halb sechs Uhr nachmittags— ein Blitzstrahl mit gleichzeitigem Donnerschlag dem fröh lichen Treiben ein plötzliches Ende bereitete. Der größte Teil der Festteilnchmcr war atif einen Moment wie ge lähmt. Die soeben noch erklungcnen lustigen Weisen der Musik erstarben im Augenblick in einer schrillen Dissonanz, klirrend flogen die Instrumente zu Boden, während die Musiker von ihren Stühlen sanken und teilweise in konvulsivischen Zuckungen auf der Erde lagen. Gleichzeitig durchzitterte ein viclhundertstimmiger Angsiru die Luft. Nachdem die erste Lähmung abgeschüttelt war, drängte das Gros der Festgesellschaft nach der Seite, auf der die Musik placiert war. denn hier hatte, wie sich sofort herausstellte, der Blitz eingeschlagen. Ein wildes Durcheinander entstand und ein Jammern und Stöhnen erfüllte die Lust. Die wenigen anwesenden Polizisten waren teil- weise selbst betäubt und daher auch anfangs nicht in der Lage. helfend einzugreifen. Nachdem die erste Aufregung einer ruhigen Beurteilung ge wichen war, ertönte von allen Seiten der Ruf nach Aerzten. Uu mittelbar neben dem ersten Flaggenbaum lagen ein Her r und eine Dame, der Schneider Richard Lange und die unverehelichte Maria Cznierzhalska, die kein Lebenszeichen mehr von sich gaben, während einige Schritte davon eine zweite Frau au" der Erde lag, die an' den Beinen und dem Unterleib stark ver brannt war. Auf ergangene Meldung sandte die in der benachbarten Marchs sttaße stationierte Unfallstation 11 sofort zwei Aerzte zur Unfallstelle und beorderte gleichzeitig alle in Charlottenburg verfügbaren Kranken wagen dorthin. Die Verletzten wurden nun, so' weit sie nicht gehen konnten, nach der Unfallstation gefahren, während die leicht Verletzten den Weg zu Fuß dorthin zurücklegten. Der wachthabende Arzt Dr. B o r ch a r d t sah sofort ein, daß hier weitgehende ärztliche Hilfe erforderlich sei, leider war es nicht möglich, sofort von den anderen Unfallstationen Hilfe herbeizurufen, da wegen des Gewitters das Telephon nicht zu benutzen war. Inzwischen ivar der Andrang von Verletzten beängstigend. Sämtliche verfügbaren Räume waren gefüllt und noch immer 'trömtcn neue Patienten herzu. Soweit'sich übersehen ließ, v e r- angten etwa 40 Personen ärztlichen Beistand Ein Teil der leicht Verletzten wartete die ärztliche Behandlung wegen der unvermeidlichen Verzögerung nicht ab, sondern begab sich nach Hause. Der Blitz bot im Moment des Einschlagens das Bild einer in der Explosion befindlichen Granate, die in ungezählten Strahlen ihre Feuerarme ausstreckt. Er fuhr zunüchst in den ersten an der Nord scite aufgestellten Mast, zersplitterte denselben am oberen Ende und sprang dann auf einen lose am Mäste herabhängenden, bis zur Erde führenden Draht über, der früher zur Befestigung der Stange gedient hotte. Nun teilte sich der Sttahl. Während ein Teil der elektrischen Ladung auf zwei in unmittelbarer Nähe tehende Personen übersprang und diese tötete, flog ein anderer Teil nach der einige Meter entfernten Musikkapelle über, deren Mit gliedcr er hart mitnahm, um dann nach einem abermaligen seitlichen Sprunge in eine Sitzreihe von Gästen einzufahren und hier arge Verheerungen anzurichten. Es wurden im ganzen 22 Personen auf der Unfallstation verbunden, die übrigen verließen die Station, ohne die ärztliche Behandlung abgewartet zu haben. Von den auf der Station Verbundenen sind bei 16 Personen die Verletzungen bedenk� licher Natur. Vier Personen, u. a. der 15jährige Schriftsetzer Sigismund Pawlitzky, dessen Bruder, der 18jährige Schreiber Thaddäus Pawlitzky, der 15 jährige Lehrling Ladislaus Marcinkowsky und der 19 jährige Hausdiener Feivel Erdmann mußten nach dem Krankenhause Am Urban übergeführt werden. Die amtliche Liste der übrigen, größten- teils nur leicht Verletzten umfaßt folgende Personen: Marie Karbuczienski, Berlin, Königstr. 55/56, Stanislaus Napielski, Charlottenburg, Wilmersdorferstr. 56, Wladislaus Rlosowski. Berlin, Sebastianstr. 46, Lehrling Karl Leßmann, Charlottenburg, Rosinen strotze 12», Schlächter Wladislaus Oschinski, Krummestr. 14, Arnold Grrzonka, Lokomotivführer aus Posen, z. Z. bei Wilda, Blüchev straße 12, Fleischer Otto Hoheusee, Berlin, Wrangelstr. 7, v. Bulinski, Berlin. Schönhauser Allee 132, Franz Meph, Dreher, Berlin. Naunynstr. 10b. Invalide Caspar Goyziel, Mühlenstr. 69b, Schrift- 'etzer Franz Miadowicz, Uortstr. 72, Schlosser Valentin Lehnert, Charlottenburg, Goethestr. 59, Schneider Beruh. Roblikowski, Fürstenbergerstraße 10, Franz Szymadow, Schneider. Jerusa- leinerstratze 43, Hugo Michler, Schneider, Friedrichstraße 214, Peter Gogolcwski, Schneider, Pallisadenstraße 58, Stanislaus Owczinsli, Tischler, Klopstockstraße 37, Heinrich Schulze, Arbeiter, Keithstratze 18 und Franz Radziniewski, Schneider, Wallstr. 13. Die übrigen Personen konnten sich, da ihre Verletzungen keine sofortige ärztliche Hilfe erheischten und sie auch nicht länger auf der Unfallstatton warten wollten, nach ihren Wohnungen begeben. Die Aerzte der Unfallstation, die sich der Verletzten in opferwilliger Weise annahmen, waren die Herren Dr. Borchard, Dr. Weiß- l u m und Dr. W o l f f. Nach ärztlicher Auskunft ivurden namentlich diejenigen Personen, die sich an den den Festplatz ab- 'chließcnden Draht angelehnt hatten, von dem Blitzstrahl am heftigsten gettoffen._ Angesichts der jetzt herrschende» großen Hitze und der infolgedessen so zahlreich vorkommenden Falle von Hitzschlag brmgt die Polizeidircktion von Charlottenburg zur öffentlichen Kenntnis, auf welche Weise man sich gegen den Hitzschlag schützen kann, und wie den davon Betroffenen Hilfe gebracht werden soll. Es ist danach jeder der Gefahr des Hitzschlages' ausgesetzt, der sich der Einwirkung hochgradiger Sommerivärme im Verein mit Ueberanstrengung bei ungenügender Luftzufuhr und behindertem Schwitzen aussetzt. Man sorge daher bei unvermeidlicher Anstrengung in großer Sonnenhitze dauernd für Verdunstung des Schweißes durch ausgiebige Lockerung der Kleidung bezlv. Entblößung stark schwitzender Hantflächen und berück- sichtige, daß schweißdurchtränkte, der Haut fest anliegende Unter- kleidung die Schweißverdunstung fast gänzlich hemmt. ReichlicherGenuß von reinem Wasser soll nicht unterlassen werden. Alkoholartige Getränke sind ganz zu meiden; kohlensäurehaltige, sogenannte Mineralwässer sind weniger zu empfehlen als frisches reines Wasser. Der geringere Grad des Hitzschlages, den man mit«Sonnenstich" zu bezeichnen pflegt, äußert sich in Beeinträchtigung der Gehirnfunktionen. Nach an- fänglichem Kopfschmerz treten Schläfriakeit, Benommenheit, mehr oder minder starke Beeinträchtigung des Bewußtseins, taumelnder Gang, selbst epilepsicähnliche Krämpfe ein. Man bringt den Ver- unglückten in den Schatten, löst ihm alle beengende Kleidungs- stücke, so daß er möglichst entblößt wird, giebt ihm eine halbsitzende Stellung, besprengt ihm kräftig Kopf, Hals und Brust mit frischem Wasser. um tiefere Atemzüge anzuregen und flößt ihm Wasser eventuell mit Wein, Cognac ec. oder Hoffmannstropfen vermischt ein. Der Hitzschlag in schwerer Form kennzeichnet sich durch die gleichzeitige Unterbrechung der Gehirnthätigkcit und der Atinung. Das Gesicht nimmt schnell eine bleiche, die Lippen eine bläuliche Färbung an, die Augen sind matt, fast gebrochen, nur von Zeit zu Zeit hebt ein schwerer und doch nur oberflächlicher Atemzug die Brust; der Puls deutet das drohende Aufhören der Herzthätigkeit an— ein Znstand, der schnell in Herzlähmnng übergeht, wenn nicht schleunigst Hilfe geschafft ivird. Hier ist. nachdem man die soeben angegebenen, beim Sonnenstich � anzuwendenden Maßnahmen recht schnell ausgeführt hat, Ivenn dieselben erfolglos sind, sofort die künstliche Atmung vorzunehmen. Die Bclcbnngs- und ErquickungSmittel erweisen sich erst dann als nutzbringend, wenn die Atmung wieder hergestellt worden ist. Läßt der Verunglückte Zeichen wiederkehrenden Bewußtseins wahrnehmen, so kann Bürsten bezw. Reiben der Brust und der Fußsohlen, Massieren der Gliedmaßen, kalter Umschlag auf den Kopf, besonders auch ein mit vor- sichtiger Ueberwaschung angewandtes lauwarmes Bad die voll- ständige Wiederbelebung sehr beschleunigen. Die künstliche Atmung wird selbstverständlich am besten von einem Arzte oder einem amt- lich geprüften Heilgehilfen vorgenommen. Wege» Beleidigung eines Rektors«ud einer Lehrerin und wegen Hausfriedensbruchs ist, wie daS„Gemeinde- blatt" bekannt giebt, ein hiesiger Einwohner zu e i n e r Wo che Gefängnis verurteilt worden. In der letzten Zeit sind die Bestrafnngcn wegen Beleidigung von Lehrpersonen— wenigstens die Bestrafungen auf Antrag der den Lehrpersonen vorgesetzten Behörde — erfreulicherweise sehr selten geworden. Seit langer Zeit, seit mehr als 21;s Jahren, begegnet man jetzt zum erstenmal wieder einer solchen Bekanntmachung im„Gemeindeblatt", während das früher häufiger der Fall war,— fast so häufig, wie noch jetzt bei den Bestrafungen wegen Beleidigung von Vorstehern oder Mit- gliedern der Ärmcnkonunissionen oder von Steuererhebern. Hat sich das Verhältnis zwischen Lehrem und Eltern gebessert, oder ist das Lehrpersonal bezw. die vorgesetzte Behörde jetzt weniger empfindlich? Die Abstimmung über die Umwandlung der alten Tischler- innnng in eine Zwangsinnung ist am Sonnabend geschlossen worden. 1395 Tischlermeister erklärten sich für die Umwandlung der Innung in eine Zwangsinnnng und 861 stimmten dagegen. Mit einer Mehrheit von 534 Stimmen ist danach die Konstituierung einer Tischler-ZlvangSinnnng in die Wege geleitet. Beim Bau der elektrischen Hochbahn wird jetzt endlich auch der große freie Platz, welcher am Kreuzungspunkte der Mantenffel- und Oranienstraße liegt, überbrückt. Wegen der überaus weiten Bogenspannung, die hier auszuführen ist. sind die runden eisernen Brückenpfeiler, mit deren Aufstellung man schon begonnen hat, von ganz besonderer Stärke. Der untere Teil dieser Pfeiler, welche in die Erde gesenkt und von Mauerwerk umgeben wird, hat eine Länge von 3Vs Meter. Weiter nach Osten zu ist die durch den Hochbahn- bau notwendig gewordene Umgestaltung der Oberbaumstraße jetzt vollendet. Die früher so unansehnliche Straße hat sich sehr zu ihrem Vorteil verändert, da sie mit einer Mittclpromenade versehen worden ist, an deren beiden Seiten sich je ein mit sehr gutem Pflaster be- dcckter Fahrdamm hinzieht. Im W e st c n schreitet der Viaduktbau am Halleschen Ufer stetig vorwärts, ebenso aber auch die Abholzung der schönen ANeebänme, welche an dem Promenadenwege stehen und nun den Viadukten zum Opfer fallen müssen. Bei einer Sstiritiisexplosiott verunglückte am Montag früh 7 Uhr durch eigene Schuld der 22 jährige Kanfinann Franz Böttcher, der m dem Königsbergerstraße 29 betriebenen Butter- geschüft von W. R. Rücker als Geschäftsführer fungiert. Der junge Mann wollte im Laden Kaffee auf einer Spiritusmaschine kochen und war dabei so unvorsichtig, Spiritus nachzugießen, noch bevor die Flamme vollständig verlöscht war. Im Nu explodierte die Flasche und ergoß den brennenden Inhalt über die Kleider des B.. die sofort in Flammenstanden. Hilfe rufend stürzte er aus dem Laden nach dem Hose, wo ihm von Nachbarsleuten die brennenden Kleider vom Leibe gerissen wurden. Man brachte dann den ohnmächtig ge- wordenen Verletzten in die nächst» Wohnung, wo er von den Sama- ritern der inzwischen alarmierten Feuerwehr verbunden und sodann nach dem Krankeuhause am Friedrichshain geschafft wurde. Er hat schwere Brandwunden an Händen, Beinen und am Unterleibe davon- getragen. Einbrecher a»f Fahrrädern. In der Nacht zum Sonntag um ll8/'4 Uhr bemerkten Bewohner des Hauses Junkcrstr. 15 bei der Heimkehr, daß zwei junge Leute mit Fahrrädern das NebenhauS Nr. 14 verließen. Da sich hier ein Fahrradgeschäft von Leppmann befindet, schöpften sie Verdacht und wollten sich die Fahrer näher ansehen. Diese aber schwangen sich auf die Maschinen und entkamen durch die Lindenstraße nach dem Halleschen Thor zu. Gleichzeitig war ein dritter junger, blonder Mensch, der vor der Thür ge- standen und den Aufpasser gemacht hatte, eilig davongelaufen. Trotz des Versuchs, wenigstens diesen zu erwischen, war er bald ver- schwunden. Nun ergab sich, daß ein drittes Rad für den Aufpasser auf dem Hausflur stand. Die Hausthür und die von dem Flur in den Keller führende Thür waren mit Dietrichen geöffnet worden. Vom Keller gelangten die Einbrecher auf eine Treppe in den Laden und von hier mit der Beute auf dem nämlichen Wege auf die Sttaße. Im Laden ist nur ein Stückchen Licht als Zeichen der An- Wesenheit der Diebe zurückgeblieben. Die entwendeten Räder haben einen Wert von zusammen 600 M. Reiche Beute haben Einbrecher gemacht, die in der Nacht zum Sonntag auf dem Grundstück Münzstr. 16 in den Laden des Kauf- Hauses Columbia eindrangen. Sie haben sich dadurch Eingang ver- schafft, daß sie die untere Füllung der Hinterthür ausschnitten. Durch Erbrechen von Schränken und Kästen sind sie in den Besitz von 50 zum großen Teil goldenen Herren- und Damenuhre», etwa ebenso vielen goldenen und silbernen Uhrketten, vieler Ringe mit verschiedenen Steinen und Perlen, mehrerer Paare goldener Ohr- gehänge und mehrerer goldener Halsketten gelangt. Die Spitzbuben scheinen Sachkenner gewesen zu sein, denn sie haben wohl verstanden, daß vorhandene Edelmetall von Talmi zu unterscheiden. Der Ver- Walter des Hauses, dessen Wohnungsthür dicht neben dem von den Dieben benutzten Eingang liegt, hat von der nächtlichen Arbeit nichts wahrgenommen. Der Bestoh'lene schätzt seinen Verlust auf 2000 M. Ei» zweiter Unfall durch Blitzschlag ereignete sich gestern Vormittag auf dem Fernsprech-Amt in der Französischenstroße. Eine von den jungen Damen hatte hier eine Verbindung mit Hamburg hergestellt und war eben im Begriff, den Anschluß mit dem betreffen- den Berliner Teilnehmer zu vollziehen, als eine dumpfe Detonation ertönte und die Telephonistin mit einem markerschütternden Schrei zu Boden sank. Im ersten Augenblick herrschte auf dem Amt eine große Verwirrung und mußte der hinzugerufene Arzt leider sehr schwere Nervenlähmung feststellen. Mittels Krankenwagens wurde das bedauernswerte Mädchen einem Krankenhause zugeführt. Auf der Strecke Hamburg-Berlin muß ein Gewitter getobt haben, das einen Blitzstrahl in die Leitung entsandt hatte. Der Wirkung dcS Giftes erlag die Buchdruckerfrau Anna Jaab aus der Brunnciistraße 33, die nach einem ehelichen Streit Phosphor nahm.— Der Selbstmord stellt sich als ein Akt der Ver- zweiflung heraus. Nach den Angaben von Verwandten und Haus- bewohnen, waren dem letzten Ehezwist bereits Auftritte voraus- gegangen, bei denen der Mann versuchte, die Frau aufzuhängen und aus dem Fenster zu werfen. Es wurde stets von dritten Personen daran gehindert. Zusammenstoß fand am Montagmorgen gegen 9 Uhr in der Rosenthalerstratze an der Weinmeisterstraße zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie Spittelmarkr— Gesundbrunnen und einem einspännigen Bierwagen statt. Der letztere bog hinter einer Pferdebahn nach der linken Straßenseite über und befand sich auer dem Schienengeleise, als der elektrische Wagen, der dem Roien- thaler Thor zufuhr, ihn voll in die rechte Flanke traf und den plagen wie ein Kartenhaus zusammendrückte. Der Kutscher flog auf die Straße, und die Bierfässer rollten ihm nach. Zu alt! Ein eigenartiger Liebesroman verbirgt sich hinter der Notiz des Polizeiberichts:„Heute Nacht versuchte die 45 Jahre alte Näherin Lina Ä. in ihrer Wohnung in der Artilleriestraße nach einem Streite mit ihrem bei ihr wohnenden Bräutigam sich mit Chloroform zu tödteu." Lina A. war Komptoristin m dem Lotteriegeschäst von Heintze. Hier lernte sie vor fünf Jahren den um 18 Jahre jüngeren Kaufmann Willi P. kennen, und ihr alterndes Herz ent- brannte m jugendlicher Liebe zu dem Jüngling. Dieser besaß tvemg Mittel und hieß den Vorschlag der A. zu ihr zu ziehen, will- kommen. Seitdem lebte das Paar zusammen und wohnte zuletzt auf dem Hofe des Hauses Artilleriestr. 6. Eine zeitlang ging die Sache trotz des großen Altersunterschieds ganz friedlich, bis P. eine andere, seinen Jahren angemessene Bekanntschaft machte. Darüber ent- standen fortgesetzt Zwistigkeiten, die bei der A. die Neigung zum Selbstmord erweckte. Am Montag früh nahm die A. Chloroform zu sich und eS ist fraglich, ob die schnell angewendeten Gegenmittel ihr noch das Leben retten werden. oo Licbesgram waren die Veranlassung, weswegen den �ahre alte Konditor Adolf Miserditzky am Sonnabcndnachmittag �h1 krei Revolverschüsse auf sich abgab. M., der im Seiten flugel des Hauses Naunynstr. 88 Stube und Küche bewohnte, war namentlich m Wirtschaften mit weiblicher Bedienung, wo er Zucker- werk feilbot, unter dem Namen„Süßer Adolf" bekannt. Zwei von den Schüssen waren in den Fußboden, einer in die linke Brustseite des Selbstmorders gedrungen. Zwei Aerzte legten ihm einen Nob verband an und ein Künzelscher Rettungswagen brachte ihn nach dem Kraukenhaus am Urban, dort war er am Sonntag noch bei voller Besinnung. Der Zeuge, der vor einiger Zeit auf unserer Redaktion über den Vorgang, der sich zwischen einem Offizier und den, Heizer Tuttas abspielte, nähere Mitteilungen machte, wird dringend ersucht, seine Adresse nochmals an uns einzusenden. auf Grund von Beschlüssen auch Beiträge zu Kranzspenden gelegentlich des Todesfalles eines Mitgliedes und Strafgelder für die Bcschmiltzung von Krankenscheinen erhoben zu haben. Das Schöffengericht zu Magdeburg erachtete nur Berbig des Vergehens gegen das ReichSgesctz vom 7. April 1873 und 1. Juni 1384, betr. die eingeschriebenen Hilfskassen, für schuldig und belegte ihn am 17. Ok- tober 1898 mit 5 M. Geldstrafe, während die übrigen Angeklagten freigesprochen wurden. Ans die Berufung der Staatsanwaltschaft erkannte die Magdeburger Strafkammer Iii am 5. April d. I.. daß die.sämtlichen Angeklagten freizusprechen seien. Das Revisions- gericht hob dies Urteil auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück. Auf Grund der am Freitag wiederholten Beweisaufnahme wurden Krätsch und Köhler frei- gesprochen, die übrigen Angeklagten aber zu je 3 M. Geldstrafe ver- urteilt. Außerdem blieb die gegen Berbig früher erkannte Geldstrafe von 5 M. bestehen. Marie Helene Pähl, wohnhaft Hochmeisterstr. 21, bittet uns zu berichten, daß sie mit der in unserem Gerichtsbericht in der Sonnabcndnummer genannten Angeklagten und wegen Diebstahl ver- urteilten Person gleichen Namens' nicht identisch ist. Veefammlun gen. in A>«s den Nachbarorten. Treptow- Bamllschuleuwcg. Am Mittwoch findet im Lokale von Landsberg, Köpnicker Landstraße, eine Versaminlung statt, der Genosse Zubeil über unsere politische Lage referieren wird. » Der Vertrauensmann. Rieder- Tchönhausen. Der Lese- Abend des hiesigen Social demokratischen Arbeitervereins findet heute abend 9 Uhr bei©ette- kern, Lindenstr. 1, statt. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht. Der Vorstand Einem Hitzschlag ist am Sonnabendnachmittag um 4 Uhr der 43 Jahre alte Maurer Karl Hintze aus der Fürstenbergerstr. 4 er- legen. Er arbeitete in Tempelhof und wurde daselbst auf der Straße bewußtlos aufgefunden. Auf dem Wege nach dem Britzer Kranken haus, wohin er gebracht werden sollte,' starb er. Auf ew LiebcSdrama läßt ein Leichenfund schließen, der am Sonntagmorgen um ö Uhr in Treptow gemacht wurde. In der Spree, nahe am Ufer, lag die Leiche eines etwa 24 Jahre alten Mädchens, das ein dunkelblaues Kleid, einen blauen Umhang, einen weißen Strohhut mit schwarz und weißen Federn trug und in der Wäsche die Buchstaben A. H. eingestickt hat. Nahe der Fundstelle lag ein weißer Herren-Strohhut mit schwarzem Band. Ein scheußliches Berbrechen, anscheinend ein Lustmord, wurde am Sonntagmorgen an einem jungen Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren verübt. Man fand dieselbe mit durchschnittenem Halse in der Haide dicht am Wege, der vom Vorwerk Liesenau nach Blumbera führt. Die Ermordete soll eine Tochter des auf dem Borwerk beschäftigten Tagelöhners FredenchS fein. Von dem Mörder scheint jede Spur zu fehlen. Für die Beschaffung von Rieselfeldern zu der gemeinschafl lichen Kanalisalionsanlage der drei Vororte Schöneberg, Wilmers� dorf und Friedenau wird jetzt der von den drei Gemeinden zur Vorbereitung des neuen Entwässernngsprojekts eingesetzte gemeinsame Ausschuß eine Ausschreibung erfolgen lassen. Von einer Unter- kommission des Ausschusses sind die zu Berieselungszwecken den drei Gemeinden angebotenen Gelände, nämlich das zwischen der Anhalter und Dresdener Bahn bei Groh-Beeren liegende Gut D i e d e r s- dorf und die zwischen der Dresdener und Görlitzer Bahn bei Königs» Wusterhausen belegenen drei Güter Brusendorf, Ragow und Selchow bereits besichtigt ivorden. Da jedoch für die drei Gemeinden zwei Radialsystemc geschaffen iverden sollen, und zlvar ein größeres für Schöncberg und Friedenau zusammen und ein zweites, kleineres, für Wilmers- dorf, von denen zunächst das erstcre ausgebaut werden und das Wilmersdorfer erst später uachfolgen soll, so niüssen natür- lich für die zu wählenden Berieselungsgelände noch besondere An- sorderungen namentlich in Betreff ihrer Lage und Ausdehnung gestellt werden. Und so hat nun der gemeinsame Ausschuß, um eine ge- »lügende Auswahl von Geländen zn haben, in seiner am Sonnabend abgehalteneu letzten Sitzung beschlossen, die Anbietung von geeigneten Terrains für das Radialsystem Schöneberg-Friedcnau öffentlich auszuschreiben. Ein Einbruch mit merkwürdige» Nebenumständen wurde in der Nacht zum Sonntag in dem Garderobengeschäft von Herzberg u Co. zu Charlottenburg, Scharrnftraße 2, ausgeführt. Dort waren nicht blos 39 Herrenanzüge verschwunden, sondern auch verschiedene Stoffballen durch Kreuz- und Querschnitte vernichtet ivorden. Ans dem Fußboden des Ladens wurde ein Brett herausgebrochen, und von der nach dem Flur führenden Thür das Schlüsselblech abgerissen. Ob durch die Oeffnung im Fußboden jemand hindurchgestiegen ist aus dem Keller oder überhaupt hindurchsteiaen konnte oder aber ob dadurch nur eine falsche Spur entstehen sollte, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist dem Geschäft ein bedeutender Schaden er- wachsen._ Gevichcks �Jeitung. Die Kranzspe>,de. Die Vorstandsmitglieder der Central- Kranken- und Sterbekafse der deutschen Wagenbauer(Sitz Gotha): der Dreher Julius Pahnke, der Stellmacher Ottomar Berbig, der Schlosser Gustav Leidenroth, der Eisendreher Emil Krätsch, der Stellmacher Otto Köhler. der Feilenhauermeistrr Carl Schneider zu Sudenburg, waren beschuldigt, neben den notwendigen Beiträgen Die Einscizer beschäftigten sich in der Versammlung, die am 20. Juli bei Cohn in der Beuthsttatze tagte, hauptsächlich mit ihrer Lohnfrage. Der Referent Rosenbaum und die Diskussions- redner kritisierten auch, daß die Einsetzer sich Nägel und anderes Werkzeug selbst besorgen müssen bei ihren schlechten Accordpreisen. Bei den früheren höheren Löhnen seien die Ansprüche der Unter- nehmer nicht so weitgehende gewesen wie jetzt. Lokal« und Centralorganisierte erklärten, gemeinsam gegen dieseZustände vorgehen zu wollen und bis zum 24. Juli bei den Meistern vorstellig zu werden. Sollten diese die Forderungen der Einsetzer nicht be- willigen, so wollen die Einsetzer die Konsequenzen ziehen und es auf einen Lohnkampf ankommen lassen. Eine Kommission von neun Personen soll die Verhandlungen führen und dann sofort in öffent- licher Versammlung Bericht erstatten. Den Bautischlern sollen die Verhandlungen bekannt gegeben werden, damit ihnen die Möglich- keit gegeben ist, solidarisch zu handeln. Pankow. In einer öffentlichen Bauarbeiter- Ver- s a m m l u n g wurde nach einem Referat W e i l a n d s, an das sich eine längere Diskussion knüpste, beschlossen, eine Agitattons- kommission zu wählen, bestehend aus je zwei Zimmerern, Maurern und Bauarbeitern. Da Zimmerer centraler Richtung nicht anwesend waren, wurden vorläufig Raschle und Zuromski(Maurer), E» g I i n g und Weiland(Bauarbeiter) in die Kommission ge- wählt. Nachdem noch einige andere Angelegenheiten verhandelt wurden, erfolgte Schluß der gut besuchten Versammlung. Arbeiter-Sängerbund Berlins und der Umzegend. Vorsitzender: Adols Neumann, Bruimenflr. 159. Alle Aendenxngen im Vercinskalender find zu richten an Friedr. Kortum, Lausitzerstr. 33. Dienstag, abends 9—11: Uebungsstuude und Aufnahme»euer Mitglieder.—„Gerechtigkeit"(Westen), Werner, Bülowstr. b9.—„Olympia�, Zimmermann, Grüner Weg 29.— „Hand in Hand I", Richter, Mariannenstr. 41.—„Kreuzberg", Eckhardt, Mariendorferstr. b.—„Edelweiß", Stehmann, Melchior- straße 15.—„Echo l", Mündner, Linienstr. 19.—„Wiederhall", Schnieder, Admiralstr. 21.—„Freiheit II", Schmauser, Adlershof, Bismarck- strajje 16.—„Myrthenbliitter", Spät, Georgenkirchstr. 65.—„Unoerzaat H", Moabiter Klubhaus, Beusselstr. 9.—„Freies Lied", Friedrichsberg, Schuh- mann, Frankfurter Allee 181.—„Rothe Nelke I", Obst. Schöiieberg, Grüne- waldstr. 119.—„Rothe Nelke II", Nosin, Ruppinerstr. 42.—„Vorwärts IV", Schulze, Rathenow, Jägerstr. 25.—„Alpenglocke", Gold, Große Frank- furterstr. 133.—„Eichenkranz I", Jean Voillon, Vrenzlau, Schnellest r 67, —„Weddinger Harmonie", Milbrodt, Müllerstr. 7.—„Vorwärts VIII", Schurbaum, Marwitz in der Mark.——„Frohsinn", Brewes, Rummels- bürg, Goethe- und Kantstraßen- Ecke.—„Akazie"(gemischter Ehor), Scholz, Naunynstr. 6.—„Sangeslust H", Kalähne, Triststraße 41 —„Weiße Rose", Malchin, Reinickendorf, Restdenzstraße 19la.. „Arbeiter-Maibund, Htemke, Nowawes, Wallstraße.—„Glasarbeiter", Z eidler, Küpenick, Müggelheimerstr. 29.—„Esmeralda", Baatz, Cotheuiusstr. 3.— „Kreuzberger Harmonie", Möhring, Admiralstr. 18 c.—„Nord-Ost", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Alpenglühen", Krause, Wienerstr. 37.—„Freie eldblume", Vattcrroth, Skalttzerstr. 51/52.—„Freiheitsklänge", Sommer, lrünstr. 29.—„Einig, Scheere, Blumenstr. 38.—„Morgenroth"(gem. Chor), Rummelsburg, Thiele, Türrschmidt- und Mozartstragen- Ecke.—„Eäcilia"(gem. Chor), Brandenburg a./H., Vetterniann, Wilhelms- dorferstr. III.—„Ruf", Kieburg, Dreödenerstr. b8.—„Schneeglöckchen II", Potsdam, Hahn, Spandauerstr. 33.—„Textilia", Restaurant Waldemar- ftraße 27.—„Froh-Hoffnimg", Faller, Pallasstr. 16.—„Lura II", Ehar- lottenburg, Bartsch, Seefenheimerstr. 11.—„Einigkeit U", Nielecke, Müller- straße 66.—„Verband Deutscher Gastwirthsgehilsen", Mörschel, Jüdenstr. 35 —„Vereinigte Sänger", Deutsch- Wilmersdorf, Witte, Berlinerstr. 49.— „SaugeLlust I", Vergemann, Pasewalkerstr. 3.—„Zündholz", Abendroth, Badstr. 42/43. Arbeiter-Nancherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Vercinskalender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahtower- straße 1, IV. Dienstag: Rauchkl.„Eldorado", Grüner Weg 129, Ebeling.—„Grüne Eiche", Urbanstr. 87, Grieger.—„Ambaleuia", Forster- straße 19, Uckel.— Neuer Berliner Nauchilub", R-ichenbcrgerstr. 146, Drogge.—„Phönix", Schöneberg, Hauptstraße 97, Donath.— „Domingo", Waldemarstr. 16, Tauchett.—„Rote Rose", Boeckhstr. 21, Krebs.—„Kollegia", Reichendergerstr. 157, Bergncr.—„Einigkeit I", Rixdorf, Münchenerstr. 49.—„Ranchan", Simeoiistr. 13, Nitsche.— ..Kamerun", Weidenwcg 22, Fialkowsky.—„Palmerio", Lamprecht, Kastanien- Allee 95.—„Korea" Weidenweg 99, Junge.-„Waldmeister", Marienburger- straße 16, Götz.—„Neuer Hain", Langenbeckstr. 4, Techtmeicr.—.Bruder- liund", Grünauerstr. 5, GallowSkn.—„Blütendust", Cotheuiusstr. 1, Fedtke. -„Ruhiga", Bntz erster., Herzog.—„Lange Pfeife", Friedrichsberg, Rummelsburgerstr. 23, Neitzet.—„Pfeifenkopf", Capriviftr. 4, Wolf.— „Stauibyl", Neu-Weißensee, Streustr. 3, Stegemann.—„Gemiitlichleit I", Wienerstr. 7. Glä'er.—„Diana", Schötz, Bremerstr. 71.—„Immergrün", Mancgold, Liegnitzerstr. 18.—„Kairo", Butnuannstr. 9, Engler.—„Blaue Wolle IV", Putbuserstr. 39, Reimann.—„Blaue Wolke II", Rigaerstr. 126, Vogt.—„Morgenrot", Landsberger Allee 44, Rolland.—„Gemütlich- teil II", Wrangelstr. 86, Ludwig.—„Nordpol", Hennigsdorferstr. 25, gricke.—„Veilchenblau", Winsftr. 56, Dimke. Gesang-, Turn- und gesellige Bcreiue. Tieuötag: Gesangverein Fester Wille", Alexaudrinenstr. 32, Dietrich.— Arbeiter-Zitherv.„Einigkeit", Naunynstraße 86.— Musttverein„Osiris". Wrangclstraße 11, Blum.— Flugtaubenverein„Vorwärts-Nord", Ackerftr. 17, Reuter.— Vergullgungsv. „Forwna", Blumenstr. 36, Weiß.— Musilv.„Norddeutsche Klänge", Swine- münderstraße 51, Renter.— Musika.„Tusch", Nebelüi, Langestr. 198.— Musiw. Einigkeit", Grünthalerstr. 3, Heunnerling.— Quartelto.„Wedding", Chaunee- straße 72, Meißner.— Theaters.„Coucordia" Elisabethstr. 39, Scholz. � „Wünsch scher gem. Chor", Rosenthalerstr. 57, Schiller.— Geselliger Kstib„Don Juan", Lindenstr. 196, Zubeil.— Bergnügungsv.„Feldblume", Manteuffelstr. 9, Nowack.— Gesangv.,. Schildhorn", Uscdomstr. 33, Olböter.— Tunw.„Osten", Lehrl.-Abt. abds. 8'/, Uhr, Blnineustr. 63a.- Tbeaterv.„Aichenbrüdel II, Ackersir. 144, Vorst. Kasino.— MmUv.„Thalia", Staiitzerstr. 95, Jcchow.— Mustkv.„Preziosa", Schädler, Putbuserstr. o2.— Skatttub„Schlechte Karte", Katrner, Oberbaumstr. 5.— Gesang».„Endlich Vereint"(gem. Chor), Schwarz, Elsasserstr. 16.— Gesang».„Maiglöckchen Nord", Kranz, Dunkepstr. 8.— Arbeiter-Thcaterverein„Charlottenburger Bühnenklub". Bayer, Charlotten- bürg, Wallstr. 96.— Jhn'scher Gesangucreln„Hiiinor", Mann, Sttansbergcr- strave 3.— Zttherklub„Frohsinn", Zmimermann, Grüner Weg 29.— „Arbeiter-Tunw. Weißensee", Uebuugsstunde abends 8—19 Uhr Albrechts- Hof, Parh'traße.- Orchesterverein„Sinfonie", Rautenberg, Oranienstr. 189. — Gesangverein„Hoffnung", Sander, Köpeinckerstr. 158. Arbciter-Schwimmeround. Anfragen an E. Bratke, Schulst». 24. Dienstag: Schwimmklub„Vorwärts". Uebungsstuude abends 71/, Uhr, Ratibvrstr. 14b(Altes Studentenbad).— Schwimmklub„Neptun"(Weißen- see, abends 7»/, Uhr, tni Seebad Weißensee. Arbeiter-Turuerbuud. Dienstag: Turnv.„Fichte", Berlin, abds. 8—19 Uhr: 2. Männerabt.: Staiitzerstr. 55/56; 4. Mämierabt.: Stephan- straße 3; 5. Männerabt.: Ackerftr. 67; 6. Männerabt.: Stallschreiber- straße 54; 1. Lehrlingsabt.: Kriedenstr. 37; 3. Lehrlingsabt.: Boeckh- straße 17/29; 6. LchrlingSabt.: Rsichenbergerstr. 67/79; 1. Damen- abteilung: Marianuenufer 1a.— Turnv.„Eiche", Köpenick, Männer- u. Jugend- abteilung: Klein's Hotel(Wtlhelmsplatz), abds. 7>/,—B/, Uhr: Ucbimgsst. Freie Turnerschaft Rixdorf- Britz", Wirsing, Knesebeckstr. 113, b'/z bis Sl/m Uhr: 1. Schtilerabteilung, S'/j— Iß'/j Uhr: 1. Männer- und Lehrlings- abteilung.—„Turnerschast d. B. Nereus"(gegründet 1882), Männerabt., Reichendergerstr. 131/132, abds. 8—19 llhr., Damenabt. Manteuffelstr. 7, abds. 8—19 Uhr.— Turnv.„Froh und Frei", Groß- Lichterfelde, Pagel, Chauffecstr. 194, abends 8»/, bis 19>/, Uhr.—„Freie Turnerschast" in Friedrichsfelde, abends 8,/,— IG/, Uhr, bei Bube. Priuzeu-Allee 39. Lese- und DiStutierNudS. Dienstag:„Süden", Ewald, Schdnlein- straße 6. Arbciter-Stenographenvcreiiie.„Stolze"(Einigmigssystem), Louisen- städtisches Klubhaus, Annenstr. 16, abends S'/z Uhr. Täschner, Kosferarbeitcr. Heute, abends h'/e Uhr: Große öffent« liche Versammlung im Lokale des Herrn Spicgelderg, Sebastianstr. 39. ..Centralverei« der Bildhauer Deuischlands"(Verwaltungsstelle Berlin). Heute, abends 8>/z Uhr: Versammlung. Köpnickerstr. 62. Fortsetzung der Dislusfton über„Stunden- oder Wochenlohn". VevmilÄztes, Kesselexplosio» auf einem Schiff. Im Kanäle d i C u r z o l a fand bei der Insel Torcola ans dem Torpedoboot„Adler" gestern eine Kesselcxplosion statt, bei welcher ein Linienschisf-Fähnrich und vier Mann der Besatzung getötet, zwei Mann verwundet wurden. Vernmtlich ist die Explosion durch Reißen der Kesselhülle verursacht worden. Der Kessel wurde über Bord geschleudert, der Schiffskörper schwer beschädigt. Eisenbahnunfall. Zwischen Giengen und Hermaringen über- fuhr am Sonntag ein Eisenbahnzug einen mit Personen besetzten Wagen. Fünf der Insassen wurden getötet, sechs verletzt. Wie ver- lautet, soll das Unglück dadurch entstanden sein, daß die Barriere nicht geschlossen war. Zwei Menschen ertrunken. In Sternberg spielte sich ein tieftrauriger Unglücksfall ab. bei dem zwei Personen ihren Tod fanden. Die Igjährige Tochter Anna des Schlossermeisters Leschke von dort und eine gleichalterige Freundin Frieda Kranich aus Berlin, die auf Sommerfrische weilte, badeten im Eilangsee. Sie mußten sich wohl zu weit hineingewagt haben und gingen plötzlich unter. Die Mutter der Anna Leschke,' die sich am Ufer befand, sprang nach, um die Kinder zu retten, ertrank aber selbst, und ebenso die Frieda Kranich, während Anna Leschke durch die Schüler Adolf Lopatka und Fritz Heydemann mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet wurde. Eine MnitergotteS-Erscheinung. Das Töchterchen des Ein- wohners Schreiner aus dem Dorfe Unterbimbach bei Fulda kam eines Tages aus dem Dorfe und berichtete, daß ihm in dem ge- nannten Walddistrikte die hl. Maria erschienen sei. Sogleich machten sich die„gläubigsten" Seelen daran, den Wunderplatz mit Blumen, Kränzen ze. zu schmücken. Tagtäglich ziehen nun Hunderte und Tausende von Menschen, groß und klein, jung und alt, Männlein und Weiblein,„Gläubige" und„Ungläubige" zu dem angeblichen Gnadenorte, um sich persönlich von der Erscheinung der Himmels- königin zu überzeugen. Doch mußten alle Neugierigen unbefriedigt abziehen, trotzdem sie oft bis über 12 Uhr nachts warteten; denn die Erscheinung blieb anS. Pest in Indien. Die Erkrankungen an der Pest mehren sich. In Puna wurden gestern 119 Erkrankungen und 32 Todesfälle ge« zählt. Täglich verlassen zahlreiche Bewohner die Stadt. Briefkasten der Redaktion. Di« iuristUchc Tprrchftiinde wirb Dienstag», Donnerstag» nutz Freitags abends von k bis 8 llhr abgehalten. G. M. 7 und ander-«olkS KraukenkaN»» und Schmerzenskinder. Ihre Anfrage ist wiederholt, so im Briefkasten vom 11. und vom 22. Juli ausführlich beantwortet.— H. F. i»3. Sie können aus Herausgabe der Sachen und eventuellen Schadensersatz klagen. Wenn Sie freilich Ihrer verflossenen Ehefrau Schiedungen und Chikanen zutrauen, so unterlassen Sie lieber die Klage. Sonst könnte der Aerger über den PfänduilgSkosten- schwänz größer als die Freude über den Nrtelssieg werden.— M. 3. Ja. - E. G. 2«. 1. Ja. 2. Zur Exmission ist der Witt anS den in, Ver- trage Vereinbatten Gründen berechtigt. Sind solche Gründe nicht vettragltch unreinbart, so berechtigt ihm Mißbrauch der Wohnung und Mietsrückstand Tut mehrere Termine zur vorzeiligen Kündigung, eventuell zur Klag« aus sofortige Exmission.— Witwe K. Das muß ja«in ganz sonderlicher Fabrilpascha sein. Wegen des Lohnes kann Ihre Tochter beim Gewerbe- gericht, wegen der Beleidigung beim Schiedsmann, dann beim Amtsgericht klagen GeHütt Ihre Tochter einer Gewerkschaft an, so soll sie den Borfall wahrheitsgemäß derselben vortragen. Gehört ste noch keiner Bemerk- schaft an, so soll sie solcher beitreten.— Z. Z., Admiralstraffe. Nein. — C. E. 77. Sie haben kein Anrecht aus den Gewinn.— A. K. tvv. Die Pension ist nickt angreifbar. Sie können nur Ihre Forderung ein- tlagen und dann Pfändung in das sonstige Eigentum versuchen. Das Lied können Sie in unserer Buchhandlung kaufen.— Nett« Zustände. Wenden Sie sich an Ihre Gewerkschaft und an den Gewerbeinspektor. Selbstver- stäudlich müssen hinretchende Abtttttslokalitäten vorhanden sein.— Arzt 4. 1. Die Forderung— es ist nur«ine— haben Ste zu zahlen. 2. Arzt- Honorar veriöhrt rn 4 Jahren vom 31. Dezember des Jahres ab gerechnet, in dem eS entstanden ist.— 3. M. 1. und 2. Ja. 3. und 4. Der Aus- gang der Klage hängt von dem Gutachten deS vor Gericht zu vernehmenden Sachverständigen darüber ab, ob das Zahngebiß paffend ist.— B.? Ja.- Marktpreise von Berlin ain SS. Juli 1809 nach Ermittelungen des lgl. Polizeipräsidiums. »)Wciz-n D.-Ctt. 16,- ')Roggeii. 15,— tutrer-Gerst«, 13,59 afer gut„ 15,69 „, Nittel„ 14,99 „ gering„ 14,30 Richtstroh„ 4, Heu. 6,10 -�Erbsen» 40,— -i-)Sp«isebohN«U„ 50,— s/Linse». 70,— Kartoffeln, neue„ 12,— Rindfleisch, Keule 1kg 1,60 bo. Bauch„ 1,20 ») Ennittelt pro Tonne 14,79 13,89 13- 15,- 14,40 13,80 3,50 3,80 T- 1,20 1,- Schweinefleisch Kalbfletsch Hammelslelsch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hecht« Barsch« Schleie Bleie Krebse 11* 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,80 2,40 2,00 8,80 8,60 8,40 1,80 2,60 1.49 l- i 1,80 1,20 1,30 1,20 0,80 1,20 0,80 8,— M von der Centralstelle der Prenß. Landwirt- schaftskaininer— Notterungsstelle- und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centner. -s) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 24. Juli. Die in den letzte» Tage» mehr wechselhafte Witterung übte etnrn stimulierenden Einftup aus die Tendenz des Getreide,»arktes aus. Außerdem konnten die Preise aus be» deutende Deckuugskäuse wesentlich anziehe». Brotgetreide war allerdings aus dem Jnlaude reichlich angeboten, fand jedoch sur nahe Lieserungöfristen mir geringe Kauflust; ledtglich das Lieserungsgeschäst für spätere Sichten gestaltete sich etwas lebhafter hei fester Stimmung der Spctulation. Für Herbstliefermigen wurde Weizen 1,59 M., Roggen 1,60 M. besser bezahlt. Hafer lag still und schwach, Rüböl wenig verändett. Der SpirttuSmartt eröffnete still und unverändert. Späterhin zogen die Loco- und Tcruniu preise 0,10 M an. Loco 70er 43 M. Am Markte waren 35 909 Liter. Kartoffelfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 199 Kg. Brutto einschließlich Sack— ,— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 199 Kg. Brutto einschl. Sack und Mehl 19,49—19,69 M. Supra trockene Kartoffetstärc« — M. Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto— M. Supra Kartoffelmehl 19,49—19,69 M. per 199 Kilogramm. Eierbericht vom 24. Juli. Normale Eier je«ach Qualität von 2,42:/,— 2,95 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2.15—249 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von M. per Schock. Tendenz: still. Berlins Getreide- und Mehlzusuhren zu Wasser vom 22. Juli mittags bis 24. Juli mittags betrugen 544 Tonnen Weizen, 105 Tonnen Roggen, 10 Tonnen Hafer, 48 Tonnen Gerste, 377 Tonnen MaiS, 2600 dz Weizenmehl, 1650 dz Roggenmehl. WiiteruugSübersicht vom»4. Juli 139». morgen» 8 Uhr. Stationen Swiiiemde. erlin Wiesbaden Mlinchen Wien Ii ls P sl ui Mfe 755; WSW 75«!ZW 755WSt W 758,3 762;® 768!© 2 bedeckt 2!b-deckt Ibedeckt 3 hlb.bed. l., bedeckt �bedeckt Stationen pavarauda Petersburg Cork Aberdee» Paris 75? 766 761 4 S WSW NNW NW Wetter Ibedeckt 3 heiter " wollig ES d« I* 15 17 17 Wetter- Prognose für Dienettag. de» KS. Juli 199». Etwas kühler, ziemlich trübe mit Regeusälle» und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterlureau. Für bru Inhalt der Inserate iiberiiininit die Nebakiion dein Publik»»« gegenüber keinerlei Berantlvortnng. TlzrNtev. Dienstag, den Lb. Juli. Neues Ober»- Theater Die Fledermaus. Anfang 71/2 Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troieur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7«/, Uhr. Weste». Fra Diavolo. Anfang 7 Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Vorher: Die Frage an das Schicksal. Anfang«Uhr. Schiller. Der Postillon von Lon- jumeau. Anfang?>/, Uhr. Central. Lumpenpack. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmftädtisches. Charleys Tante. Anfang 8 Uhr. Nlcxaiidcrplay. Nana. Ansang 8 Uhr. Ostend. Die Ahnfrau. Auf. V28 Uhr. Metrovol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alliance.>specialitälen-Vor- stcllung. Anfang>/-8 Uhr. Apollo. Krau Luna. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Re>chshallc». Slettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoplitni». Speciali täten-Vvrslellnna. Urania. Invalidenstr. S7/KS. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. Tchilltr-Tspter «Wallncr- Theaters. lUorwitz-Oper. Dienstag, abends 7-/- Uhr: lLastipiel Ilvkui-IvI» Littel: vor vostillou von Lonjamean. Mittwoch, abends?>/- Uhr Volketllmllcb» Opern-Voretollung bei halben Preisen: D ev Freischütz. Donnerstag, abends 7V, Uhr: Vinapai». Hierauf: VI« locktsr 125 Mark, in der Fabrik Oranien- strafte 33, II. s2136L« auf Teilzahlung. J. Kellermann, Prinzcnstr.97, parterre, Eingang vom Flur, s» Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß nach langen schweren Leiden unsere Mutter, Großmutter, Schwiegermutter Prlcderlhe Dollase am 23. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. o'/z Uhr, von der Leichenhalle in Wilhelmsberg aus statt. slMOh Die trauernden Hinterbliebenen. Karl Gauer, Schankwirt, _ Fruchtstr. 52. Kranzbinderei n. Blnmen- handlnng von IgOLL" Roliert Meyer, To.«. Mariannenstr. To. 2. Widmungs-Kräiize, Guirlanden, Ball- stränbchen, Bonqnets«. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert 51! W. Brot SVW. i 2 H. Albrecht's BUckerei* Wrangelstr». Krautstr.l». Falckensteinstr. 28. Lausiiierstr. 2. B. Giinzei, Lothringerstr. 52. Specialität: Porträts I----------"-------- socialistischcr Führer,» Lassalle, Mnrx rc. in Cigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten Bildern u. dgl., sowie jede Drechslerwaare u. Repar.(Man Verl. Preisknrant. 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In dem nassks.1 tan Klima Cents chl an ds billiger nnd bekömmlicher als Bierl Oswafr» Nier's Ungegypsfe! Kelnk. Gemisch, kein Malz, keine ang. iciiwvr. Weine etc., sondern acit 1876 laut Fürst v. Plsmarok'a Wollen:„Xaflenalgetränk" Angenehme, leicht trinkbare und dabei«o sehr stärkend« Natur weine aus Weintrauben ▼. 10 Pf. pro'/» 1» an,«ow. in m. plomb. Orlg.-Flaschen v.', n.>/, 1» i.Lesilichköit., Vereine, Kranhsnhllugei'dew.holi.Dabstt! v? Oentraigeach.(41 In verilnl und Uber IOOO Filialen in DeutscCilandl Jäns 5, Preis oonrant nebst Brasehüre gratis nnd kraue», BERLIN N., Liniems tr. 1.0. r '0 17 OSWALD NIER Möbel und Polslerwaren. Arbeit, äußerst billige M Preise, empfiehlt Reichenbergerstr. S. Auch Theilzahlung!(• Soeben beginnt mit einem neuen Roman ein neues Abonnement auf Zu beziehen durch alle Rae. handliingen, Colportcaro und Spcditcnre, sowie durch die Post(Zeitungs- Katalog No. 3700) und den Verlag Buchhandlung Vorwärts Berlin SW., Beuth-Strasse 2. 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Sy- länder, Graunstraße 16 IH. chtb« Mamsell» aus Jacketts im und außerul Hause verlangt Kraay, Swiiieuiünderstraße 50.>-46 Iaquett»- Arbeiterinnen finden aus glatte Sachen dauenide Beschäfti- gung Davidson, Grüner Weg 27. flö» 30 Mamsells auf bessere Knaben- fachen iverden dauernd in unserer ArbeitSstube beschäftigt. S. Adam, Friedrichstraße. Zu erfragen Brunnen- straße 84, II._(+7* Jacketts> Arbeiterin auf gesteppte und leicht vcrsdmürte Sachen, 3 M. bis 7 M. Arbeitsloh», verlangt Blach, Grünerwcg 12._ 1482h'■ Auftvärterin verlangt tagsüber Kurzer, Blnmenstraßc 21a.[1503b Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Aiizetge» kosten 40 Pf. pro Zeile. Ma Holzarheiter! In der Möbelsabril von[107/14 Adolf Trebs» Fruchtstr. S7, befinden flch die Tischler im Streik. In der Bautischlerei von Lubach S? Co., Ratiborstr. 10, haben sämtliche Tischler wegen Diffe- renzen die Arbeit niedergelegt, des- gleichen in der Drechslerei von M. Hnlsenrath Pallisadenstr. SS, sämtliche Drechsler. Ztazng ist fernznbalten. Mitling, Mnmihtr! In der Kifteiifabrik von Badorf, Grüuer Weg 117, ist wegen Maß- regelung eines Kollegen«in Streik ausgebrochen. Zuzug ist fem zu halten."Mhj 35/3 Die Lohukomutisfio». Annahme- Stellen für„Kleine Anzeigen". Osten: Robert Wcngels, Fruchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe.. Kovvenstr 83. Ehr. Schnlft, Blumenstr. 14. Tordosten: I. Reul. Barnimstr. 42. Tocdcn: W. Gahmanii. Grünthalerstr. 65. Karl Mars, Kastanie» Allee 95/00 Emil Stolzenbnrg. W.esenstr. l4 L. Dechand, Ruheplatzftr.-4. H. Bogel, Demminerstr. 32. A. Tie», Jnvalideiistr. 124. Toi'dwcstc»: Karl Ander». Salzwedelerstr. 8. k-itidwesten: F. Ohnesorge, Berginannilr. 23, H. IE H. Schröder, Krenzbergstr. 15. «Udcn: HanS Baake, Drebdenerstr. 52/53. F. Gutschulidt, Kottbuser Damm S. Südosten: Frift Thiel,«lalitzerstr. 35. W. Gesche, Wrangelstr. 58. Martin Mescha, Adalbertstr. Ocntcnia: P. Horsch, GipSstr. 27. Ohai-Iottcnbiicg: Gust. Scharuberg, Tchillerstr A. Tie». Kaller Friedrichstr. 37 b. Friedenau: H. Berusee, Kirchstr. 15. Pclcdi-icbsbccg: Auton Kopp, Friedrich Karlstr. 4 Pankow: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Klxdocf: (f. Ostermaun, Erckstr. 6. ®. Refteran, Hermannstr. 50. ScIiUiieberg: Wilh.Bäunilcr,AposteiPauluSstr.l3 WelssenNce: Heinrich Bachmann. Lchderstr. 1. Julius Schillert, Köniachanssee 30a. Slob. Lirbschivager. Gustav-Adols- straße 16. 24. Oll. Verantwortlicher Stedacteur- August Jaeobey w Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin,