Ur. 17S. Kdonnemtnt»-Kedingungea: «bonnement»-Pret» Pränumerando: vierteljährig SL0 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 2S Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pf». Sonntag»- Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage„Die Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,80 Marl pro Quartal. Tingetragen in der Post- Leitung»- Preisliste für 1gS9 unter Er. 7890- Unter tireuzband für Deutschland und Lesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige Nuiland 3 Mark pro Monat. Erscheint täglich»uljer Montag». Vevlinev Volksblatt. 16. Jahrg. Die Knftrtwns-Gcbühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anleigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in derTxpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» SUHr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdrmokrak Berlin" Centvawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. LrdaKiivn: 3�.19. Bentll-Strastr 2. Mittwoch, den Ä6. Jnli 186». Expedition: SW. 19. Beukh-Strafze 3. Die Friedenskouferettz konute nicht leben, und jetzt kann sie nicht sterben. Wie wandernde Theatergesellschaften, die sog. Schmieren, wenn die »letzte Vorstellung" mißglückt ist, immer noch eine„allerletzte" und„allerallerletzte Vorltellung" abhalten— so die unglückliche Schauspielergesellschast im Haag. Zunächst haben sie jetzt ein „Schlußprotokoll" veröffentlicht, dem einige„Schlußsitzungen" folgen sollen. Das Ncutcrsche Tcpeschenbureau, welches durch Herrn S t e a d. den englischen Friedelisagentcli des Zaren, bedient wird, sagt über den Inhalt: Do-I Schlutzprotokoll hebt hervor, daß die Delegierten be- stäiidig von dem Wunsche geleitet ivaren, in möglichst erschöpfender Weise die hochherzigen Ideen des erhabenen Urhebers dcrKonfercnz zu verwirklichen. Die Konferenz hat beschlossen, folgende Punkte den Bevollmächtigten zur Unterzeichnung und den Äegierimgcn zur Benchinigung zu unterbreiten: 1. Eine Konvention für friedliche Schlichtung internationaler Streitigkeiten; 2. Eine Konvention betreffend Bestiinnmngen und Gebräuche für den Landkrieg; 3. Eine Konvention betreffend Anwendnilg der Grundiätze der Genfer Konvention von 1864 auf den Seekrieg; 4 Drei De- klarationcn, ivonach es verboten sein soll, Geschosse und Explosiv- stoffc aus Lnftballons herabzuschleudeni oder in analoger Weise anznivcilden. ivonach eS ferner verboten sein soll, sich solcher Gc- schösse zu bedienen, deren einziger Zweck ist, Stickgase oder giftige Gase zu verbreiten oder solche Kugeln zu gebrauchen, welche im menschlichen Körper explodieren. Das Protokoll enthält sodann fünf Wünsche: 1. Die Konferenz ist der Ansicht, daß eine Beschränkung der militärischen Lasten, welche gegenwärtig die Welt bedrücken, in hervorragender Weise wünschenswert ist für die Förderung des materiellen und moralischen Wohlbcsindens der Menschheit. 2. Die Konferenz spricht den Wunsch aus, daß die Frage der Rechte und Pflichten der Neutralen auf das Programm der nächsten Konferenz gesetzt werde. 3. Die Sionferenz spricht den Wunsch aus, daß die ai f die Art und das Kaliber der Gewehre und der Marinegeschütze bezüglichen Fragen, soweit sie durch die Konferenz bereits geprüft sind, Gegenstand des Studiuins der Regierungen bilden mögen, mit dem Ziele, eventuell zu einer einheitliche» Lösung mittels ciiierspätercn Konferenz zri gelangen. 4. Indem die Konferenz in Erwägung zieht, daß seitens der Bundesregierung der Schweiz b..>:rs vorbereitende Schritte zur Revision der Geiifer Konvention gcthan sind, spricht sie den Wunsch aus, daß in einem kurzen Zeitraum zur Zusammcnbernfung einer Spccialkonferenz geschritten werde, welche zum Zweck die Revision dieser Konvention hat. b. Außerdem hat die Konferenz, abgesehen von einigen Delegierten, welche sich der Stimmabgabe enthielten. einstimmig den Wunsch ausgedrückt, den Vorschlag, welcher be- zweckt, das Privateigentum im Seekriege für unverletzlich zu erklären, und ferner den Vorschlag, die Frage des Bombardements von Hafenplätzen, Städten und Dörfern durch feindliche Flotten zu regeln, einer Prüfung durch weitere Kon ferenzcn zu überweisen. Das Schlußprotokoll wird durch die sämtlichen bevollmächtigten Delegierten unterzeichnet werden, die Konventionen dagegen nicht, da mehrere Länder sick ihren Beitritt für später vorbehalten. England wird bei der Unterzeichnung des Schlußprotokolls gewisse Vorbehalte machen, indem es erklärt, daß es die zweite und dritte Erklärung und von den geäußerten Wünschen den dritten und fünften nicht annehmen könne. Nicht nur die drei Konventionen, sondern auch die drei Deklarationen werden gesondett unterzeichnet werden. Das Schlußprotokoll ist zwar Makulatur, aber es giebt auch geschichtliche Makulatur. Wahrscheinlich wird die Konferenz am Donnerstag ausgelitten haben. Von einem verkrachten Gründer erzählt man sich, er habe sich seine Stuben mit wertlosen Aktien im nominellen Betrag von vielen Millionen tapezieren lassen. Eine ähnliche Tapezierarbeit können die Mitglieder der Konferenz nach ihrer Heimkehr vornehmen mit dem Papier, auf dem ihre„unschätzbaren" und„unsterb- lichen" Erklärungen samt Väterchens„Manifest" verzeichnet sind. Papier und nichts als Papier. Alle„Punkte" Papier, alle„Wünsche" Papier— und nicht einmal sauberes Papier. Von Ernsthaftem zu reden, war auf der Konferenz verboten. Nur Komödie und Narrensposscn— mit ernst- haftem Gesicht. Die schwerste Arbeit war für die Auguren, das Lachen über die eigene Hanswursterei zu verbeißen. Trotzdem kam es ein paarmal zu Scenen. Zur schönsten zwar nicht, jedoch zur interessantesten, als der schweizerische Bevollmächtigte, der in seiner republikanischen Einfalt vergessen hatte, daß er unter Auguren war. den Vorschlag machte, auch der Volkskrieg solle völkerrechtlich anerkannt, das Niedermetzeln, Erschießen, Aufhängen von Rebellen, Franktireurs, Freischärlern verboten werden. Das war für die Herrn Auguren zu viel! Das innerliche Lachen verging ihnen, die Haare sträubten sich zu Berg. Der schweizerische Oberst Künzli war ihnen der steinerne Gast, der plötzlich in eine frivole Orgie hineingeplatzt. Das Recht des Volkskriegs anerkennen— das heißt ja das Recht der Revolution anerkennen. Unmöglich I Das Recht des Massenmords gehört einzig und allein solchen Regierungen von Gottes Gnaden, die zwar auf dem Papier für Frieden und Humanität schwören, sich aber das Monopol des Kriegs vorbehalten müssen. Das wurde dem erstaunten schweizerischen Oberst in mehr oder weniger arttkulierten Lauten zum Verständnis gebracht— zu klarem Verständnis, daß der republikanische Friedensstörer der Friedenskonferenz eiligst den Staub„des Hauses im Busch" von seinen Sttefeln schüttelte und spornstreichs nach Bern zurückkehrte. Was er dort dem Bundesrat offiziell gesagt, wissen wir nicht. Allein wir wissen, daß er in Privat- gesellschaft kein Hehl daraus gemacht hat. daß es seines Er- achtens nie eine so einfälttge(weil auf zu große Dummheit berechneten) Komödie gegeben hat, als die Haager Friedens konferenz. Und in diesem Urteil wird so ziemlich die ganze Welt mit dem schweizerischen Oberst übereinstimmen.— Berlin, den 25. Juli. Nationale Gesinnung. „Die philosophische Fakultät der Universität Verlin hat der Geschichte dieser Hochschule, welche einstmals als hehre Pflanzstätte nationaler Gesinnung gegründet worden, kaum ein neues Ruhmesblatt angefiigt, als sie am Sonnabend den Antrag des Kultusministeriums ablehnte, dem socialdcmokratischen Privatdocenten Dr. Leo Arous die„Ver günstiguug", die venia, zu entziehen"— so beginnen die„Verl. Neuesten Nachr." einen weiteren Schmähartikel über die Frei sprcchuiigdesGeuosscuArons. Es ist sehr unvorsichtig von demBlatt, daß cS an die Zeit gemahnt, da die Berliner Universität „als Pflanzstätte nationaler Gesinnung" begründet wurde, daß es also den Geist F i ch t e s heraufbeschwört. Denn da mals hat man den rechten, edlen Begriff von nationaler Gesinnung, die heute nur ein schmutziges Aushängeschild für niedrige Profitsucht, wüste Streberei und gemeine Ideen losigkeit ist. In seinen Vorlesungen über die Bestimmung und das Wesen des Gelehrten hat Fichte, der ja wirtschaftlich zu den Vorgängern des SvcialismuL gehört, mit begeisterten Worten seine Meinung über akademische Würde und Freiheit aus gesprochen— ein Bekenntnis wahrhafter nationaler Ge sinnung, das freilich nichts zu thun hat mit der edlen Leib und Geisteigenschaft, die man heute als nationale Pflicht fordert. In den erwähnten Vorlesungen begeistert Fichte, der kühne Weckrufer gegen die Fremdherrschast zu einer Zeit, da Fürsten, Adel und Bürgertum, die damalige für Religion, Ordnung und Sitte kämpfende Gesellschaft vor dem mächtigen Imperator auf dem Bauche lag— damals begeisterte Fichte seine Hörer für den erhabenen Begriff des freien Gelehrten: Ich bin dazu berufen, der Wahrheit Zeugnis zu geben; an meinem Leben und an meinen Schicksalen liegt nichts; an den Wirkungen meines Lebens liegt unendlich viel. Ich bin ein Priester der Wahrheit; ich bin in ihrem Solde; ich habe mich ver- bindlich gemacht, alles für sie zu t h n n und zu wagen und zu leiden. Wenn ich um ihrer willen verfolgt und gehaßt werde, wenn ich in ihrem Dienste gar sterben sollte— was thät ich dann sonderliches, was thä't ich dann weiter, als das. was ich schlechthin thun müßte? Ich weiß es ebenso gur, daß ein entmanntes und nervenloses Zeitalter diese Empfindimg und diesen Ausdruck derselben nicht erträgt... aber ich weiß auch, wo ich rede.... Ich gestehe es freimütig, daß ich... etiuas beitragen mochte, um ciiie männlichere DeiikungSart, ein stärkeres Gefühl für Erhabenheit und Würde, einen feurigeren Eifer, seine Bestimmung auf jede Gefahr zu erfüllen, nach allen Richtungen hin, soweit die deutsche Sprache reicht, und weiter, wenn ich tonnte, zu verbreiten; damit ich einst, wenn Sie diese Gegenden werden verlassen und sich nach allen Enden werden verstreuet haben, in Ihnen an allen Enden, wo Sie leben werden. Männer wüßte, deren ans- erwählte Freundin die Wahrheit ist; die an ihr hangen im Leben und im Tode; die sie aufnehmen, wenn sie von aller Welt ausgestoßen ist; die sie öffentlich in Schut? nehmen, wenn sie verleumdet und verlästert wird die für sie den schlau versteckten Haß der Großen, das sadc Lächeln des Aberwitzes, und das bemitleidende Achselzucken des Klein- siunes freudig ertragen." Im Reiche Bosse-Elster würde dieser begeisterte Prediger nationaler Gesinnung, dem die Berliner Universität in ihren Anfängen den Weltruf verdankt, schleunigst gemaßregelt werden, denn Fichte hielt es für unedel, sich fremden Anschauungen zu unterwerfen: „Es ist ohne Zweifel daS allcnnicdelste. wenn der Mensch aus zu großer Gefälligkeit, welche im Grunde Feigheit und Mutlosig- keit ist, oder aus Trägheit, sich selber zu raten, und bei sich selber die Maximen seines Verhaltens einzuholen, sie sich von anderen geben läßt, und diesen mehr glaubt, denn sich selber. Ein solcher hat gar kein Selbst in sich, und glaubt an kein Selbst in ihm selber, sondern er geht flehend bei anderen herum, und bittet sie, einem nach dem anderen, ihn» das ihrige zu leihen. Wie könnte ein solcher sich für chrivürdig und heilig halten, da er sich nicht einmal kennt, noch anerkennt?" Akademische Freiheit erttägt keine Bevormundung, nicht einmal die des Gesetzes: «Aber es giebt Verhältnisse des Gelehrten, über welche keine Gesetzgebung etwas bestimmen, noch über die Vollziehung des Rechten wachen kann; wo denn der Gelehrte sich notwendig selber das Gesetz geben, und sich selber zu dessen Erfüllung anhalten mutz. Er trägt in der göttlichen Idee die G e st a l t der künftigen Zeitalter, die da erst werden sollen, in sich, und er soll ein Beispiel aufstellen, und ein Gesetz geben den künftigen Geschlechtern, welches er in der Gegenwart, oder in der Vergangenheit vergeben? suchen würde. Jene Idee tritt in jedem Zeitalter heraus in einer neuen Gestalt, und be« gehrt die umgebende Welt na-b sich zu gestalten; es treten drum immer neue Verhältnisse der Welt zur Idee, und immer eine neue Art des Widerstreites der ersteren gegen die letztere heraus... In ihm verborgen bleiben soll seine Idee nicht, sondern sie soll heraustreten und die Welt ergreifen; und zu dieser! Wirlsanikeit ist er durch das Tiefste seines Wesens getrieben."' Heute darf der Gelehrte nicht einmal außerhalb seines akademischen Berufs seine Gesinnung bethättgen, seine Idee die Welt ergreifen lassen. Heute erklärt Man es für einen logischen Bocksprung, daß es das Wesen der Gesinnung sei, sie zu bekennen, d. h. sie zu bethättgen. Heute schnürt man den Gelehrten in Paragraphen ein, und wenn er doch eine Möglichkeit findet, als freier Mann zu denken und zu handeln, so häuft man weitere Berge von Strafbestimmungen. Anders dachte sich Fichte die Freiheit des Gelehrten: „Er soll sich einen eigenen Takt für das Schickliche und Zweck- mäßige verschaffen? Wie kann er dies, wenn das Gesetz ihn überall begleitet, und überall ihm sagt, was er zu thun oder zu lassen hat?" Diese Freiheit verlangt Fichte schon für den Studierenden, für seine nationale Jugend. Die Berliner philosophische Fakultät besitzt auch am Ende des Jahrhunderts noch ein wenig von der nattonalen Ge« sinnung, deren Pflanzstätte die Berliner Universität am Beginn des Jahrhunderts war. Aber die Fremdherrschaft der ver- juilkerten Bourgeoisie, eines bornierten Bureaukratismus lastet schwer auf unserem Geistesleben, und die nattonale Gesinnung verendet in der nationalen Schneidigkeit. Das Urteil im Falle Arons ist eine erste schüchterne Auf- lehnung gegen die Fremdherrschaft. Wir werden sehen, ob die Gelehrtenrepublik auch im weiteren Verlauf der Angelegen- heit sich zu der nattonalen Gesinnung Fichteschen Geistes be- kennen wird, ob sie sich klar darüber geworden ist, daß ihr jetziges Urteil ihr Pflichten für ihr weiteres Handeln auferlegt— im Falle, was sicher ist, die Fremdherrschaft über die nationale Gesinnung triumphiert: in der zweiten Instanz.—_ Eine Dummheit? Sehr gnie Freunde hat Herr Knack, der Urheber der Steno« gram»!-Korrektur, in einem Teil der Presse. Die Herren wissen, was sie ihm schnldig sind, und entschuldigen ihn darum. Der Berliner Diplomat der„Frankfurter Zeitung" bemüht sich zu dem Ende sogar, den Naiven zu spielen und die Angelegenheit als barm- los hinzustellen. Daß Herr Knack die Korrektur besorgt hat. deutet auch die„Frankfurter Zeitung" an. nur ist das eben nicht so schlimm, ja es ist eigentlich schon so seit alters her der Brauch: „Von dem Augenblick an. wo unzweifelhaft von berufener Seite nachgewiesen wird, daß es sich nicht um eine politische Jntrigue, ein Komplott, sondern einfach um eine— Dumm- heit— Neimen wir's deutlich und beim richtigen Nanien— handelt, erlischt natürlich das Interesse an der ganzen Angelegenheit, und dann wird wohl auch niemand niehr auf ver öffentlichen Preisgebung des Namens eines Beamten bestehen, der ein verdiciistvollcr, pflichttreuer Mann ist, und dem vor allen Dingen nach seiner ganzen Vergangenheit und nach seiner Ge- siiinung. für die thatsächliche Beweise vorhanden sind, nichts ferner liegt, als die Rechte der Volksvertretung in irgend einem Punkte preiszugeben, der vielmehr auf deren strenge Wahrung innerhalb seines amtlichen Wirkmigskreifes immer bedacht>var. Einen politischen Jntrignanten oder gar einen Fälscher, noch dazu m amtlicher Stellung, verfolgt man rücksichtslos, eine unüberlegte Handlung, oder sagen wir auch, eine naive Anmaßung, der keine böse Absicht zu Grunde lag, wird nur der nicht leicht verzeihen, der nie eine Dummheit gemacht hat. So erklärt sich auch, daß nicht nur der Präsident Graf Ballestrem, der ein strenger und sehr schneidiger Herr ist. sondern auch viele andere Personen über die Sache nicht niehr gesprochen haben, die natürlich nicht nur allen Beamten des Reichstages. sondern auch darüber hinaus, allen Kennen» der Personen und Verhältnisse längst kein Geheimnis ivar. Sie hielten nach Lage der Dinge die Sache mit der öffentlichen Erklärung des Grafen Ballestrem für nbgcthan und warteten weiteres beim Zusammen- tritt des Reichstages ab." Beachtenswert sind dann die folgenden Andeutungen, die nur das eine Bedenken erregen, warum der Mann nicht deutlich sagt, wenn er etwas weiß: Wir sind die letzten, die etwa an die Möglichkeit politischer Jntriguen in Prentze»- Deutschland nicht glaubten! Im Gegen« teill Was in den Prozessen Leckert-Lützow und v. Tausch an verwegenem Jntriguanteutum enthüllt worden ist, noch viel mehr aber das, waS in dem Prozeß Tausch durch Einflüsse, über die später auch noch einmal Licht verbreitet werden mutz, der Enthüllung entzöge» worden ist— das hat allen denen, die es nicht schon wußten, gezeigt, daß auch in einem geord« neten modernen Staatswesen, unter der offiziellen Oberfläche geradezu romanhafte politische Jntriguen und ein Jntriguanteutum möglich ist, das seine Fäden und Wirkungen bis in die höchsten Kreise erstreckt. Wir haben gar keinen Grund, allzu pharisäisch über französische Zustände zu urteilen. Auch bei uns hat es gefälschte Briefe, gefälschte Quittungen, sogar mit Wisse» eines Ministeriums, gegeben; es ist mit Verkleidungen und falsche» Bärten operiert worden, und der Tod eines Mannes, der als Zeuge in der Sache der berühmten Briefe an die Hof- gesellschaft eine Rolle spielen sollte, gilt sehr ernsten amtlichen Personen für unaufgeklärt. Die Macht des Niederträchtigen in der Politik ist groß; es läuft manche Persönlichkeit herum, die diesen Satz ebenso fröhlich wie glänzend illustriert. So erklärt es sich auch, daß diese Fälschung eines Reichstags-Berichtcs bei Personen. die nur auf ihre Kombinationsgabe angewiesen waren, zu sehr phantastischen Folgerungen geführt hat. Sie sind aber alle hin- fäüifl. Aber, so fährt der Diplomat fort: Im Falle Knack liegt keine solche Jnttigue vor, sondern eben nur eine unüberlegte Handlung. Der Herr, der uiibefugterlveise den Zusatz gemacht hat. und der vielleicht gewohnt war, daß frühere Präsidenten sich durch den ließen, hat sicher geglaubt, im Sinne des Grafen Ballestrem zu bandeln, weil dieser früher einmal davon gesprochen hatte, daß Kundgebungen des Kaisers nur erörtert werden dürften, wenn sie offiziell veröffentlicht wären. Er hat vielleicht auch geglaubt, daß es dem Grafen Ballestrem angenehm wäre, vielleicht mit Rücksicht ans seine Beziehungen zu höhen Stellen, wenn er diesen Zusatz gemacht hätte. Er hat sich geirrt und ist an den llnrcchtrn gekommen. Er hat sich, wenn man>v!ll, naiv überhoben und einen argen Mißgriff begangen. So ist eS, und nur so. Man mag das streng beurteilen; aber man soll auch nicht mehr daraus machen, als es ist. Selbst zugegeben, daß Herr Knack nach Höflingsart den Wünschen zuvor gekommen ist, die er kannte, ohne ihre Aussprache erst abzuwarten, so wird damit die Schuld des Bureaudirektors größer, nicht geringer. Es ist aber keine bloße Dummheit, obwohl das Berfahren selbst sehr einseitig ist, sondern der plumpe Versuch eines Subalternen, die Redefreiheit des Reichstags einzuschränken. Man sollte Herrn Knack nicht entschuldigen,' wenn er sich auch durch seine Vergangenheit das Wohlivollen des Journalisten er- warben hat.— gelchaftserfahrenen Beamten zuweilen beraten und auch korrigieren I Logisch ist daS Urteil des Berliner Landgerichts, so erkennt der p-.-t?..'..i%■*........ � � ra.rr.a—...„Vcichsbote", aber richtiges Denken kann der Welt der Staats- Erhaltung ebensowenig frommen als Gerechtigkeit. Der„Reichsbote ahnt nicht, welch wahres Wort er versehentlich gefunden: Logik und Gerechtigkeit setzen die Welt in Verwirrung und bereiten ihren Unter- gang!— nämlich die heutige Welt der frommen Herrschsucht, die Welt des Unrechts und der Unterdrückung. Znr Studenten-ZuchthanSdorlage. Allen denen, die mit Vorliebe über die Verrohung der Jugend und besonders deS jugendlichen Proletariats nicht genng zu zetern wissen, wird es interessant sein, was der letztjährige akademische Bericht der Univer sität Göttingen über die Zahl der."Bestrafungen der dort Studierenden zu sagen weiß. Außer de» üblichen Verweisungen von der Ilnibersität«flv. wurde»! nicht weiiiger als 254 Bestrafungen registriert, welche durch die Polizei verfügt oder hon Amts- und Landgerichten ausgesprochen. wurden. Wir hätten Posadowskh im Reichstage bei Verteidigung der Zuchthausborlage hören mögen, wenn er zu berichten in der Lage gewesen wäre, daß jede? Jahr der vierte Teil der gesamten deutschen werkthärigcn Bevölkerung Polizei und Gerichte in der in vorstehendem Berichte erwähnten Weise bc* schäfiigtl Die Censur im Krankelchanse. Im Lesezimmer der Dr. W e i ck e r t scbcn Lnngenheilanstalt in Görbersdorf, wohin die Jnvalidilüts-Vcrsichcrung Berlin einen Teil ihrer Lnngenkranken schickt, lag neben bürgerliche» Blättern aller Richtungen bisher auch der..Vorwärts" in zwei Exemplaren aus, die von unserer Expedition der Aiistalt gratis überwiesen worden. Vor kurzem nun hat Herr Dr. Weickcrt bekauut gemacht, daß der„Vorw." nicht mehr auslicgen dürfe, da sich einige Patienten bei ihm beschwert hälrcn, daß hierdurch politische Agitation getrieben würde. Er selbst habe gegen das Lese y dieser Zeitung nichts, nur solle sie eben nicht mehr im Lese- zimmer liegen. Durch diese Maßnahme ist ein erheblicher Teil der Kranken jetzt' zu großer Unbequemlichkeit gezwungen, da die Blätter nun cirkulicren müssen; es ist dies um so uuaiigeuehnier. als die Kranken in verstreut liegenden Baracken untergebracht sind.! NUN die angebliche Beschwerde einiger Patienten anlangt, so haben unsere.Gewährsmänner einige Zweifel daran; sie glauben vielmehr, daß das Verbot mit dem kürzlich stattgehabten Besuch der Anstalt seitens mehrerer höherer Beaniter der'sächsischen Versicherung zu- sanmieiihängt. Günstiges Angebot für arnio Tiiuder. Einen Hirtenbrief hat der Paderborner Bischof anläßlich der SOO jährigen Gedenkfeier der Anwesenheit des Papstes Leo III. in Paderborn erlassen. Dieser Papst mußteswegcn skandalöser Vorgänge in Rom, an denen er die Schuld nnt trug, in das Lager Karls des Großen flüchten. Der Hirtenbrief enthält auch die folgende Stelle, nach welcher Leo XIII. allen Gläubigen, welche nach tvnrdigem Einpfange der heilgen Sakramente der Buße und des Altars einen bestimmten Altar in Paderborn vom Nach- mittage des 29. bis zum Sonnenuntergänge des 30. Juli besuchen und dort die Üblichen Ablatzgebete verrichten, einen voll- komnienen Ablaß, und denjenigen, welche wenigstens m i t reumütigem H e rz e n in der genannten Zeit diese Gebete vor gedachtem Altar verrichten, einen Ablaß von sieben Jahren und fieben mal vierzig Tagen verleiht,„und zwar mit der Maß' gäbe, daß diese Ablässe auch den armen Seelen im Fegefeuer fürbitt weise können zugewandt werden." Wird das eine Wallfahrt nach Paderborn geben. Die armen Sünder aber, welche den wunder- thätigen Altar bei dem voranssicbtlich starken Andrang nicht erreichen können, finden hoffentlich anderswo ein Unterkommen. Elberfeld, 25. Juli. Die Stadtverordneten- Versammlung lehnte, wie die„Elberfelder Zeitung" meldet, den Antrag auf Ver- eimgung der Städte Elberfeld und Barmen einstimmig ab, erklärte es dagegen für ersprießlich, wenn alle gemeiusameu und gleichartigen Interessen in einer festen Kommission unter abwechselndem Vorsitze der beiden Lberdürgcnneister gemeinschaftlich beraten würden. Ans Ostpreußen. Gegen die Hinterziehmig der Beiträge zu der Jnvaliditärs- und Altersversicherung setlenS der Gutsbesitzer geht jetzt der Landeshauptmann durch eine Verfügung bor. Nicht zum geringsten Teil ist das Defizit der ostpreußische» Versicherungsanstalt darauf zurückzuführen, daß für die Arbeiterinnen selten oder gar keine Beiträge bezahlt wurden. In der Verfügung des Landeshauptnmnns wird jetzt den Hinterziehern der Bei- träge klar gemacht, daß sämtliche weibliche Personen, welche Lohnarbeit verrichten, unter allen Umständen versicherungspflichtig sind, wenn die Arbeit zwecks Beschaffung eines Beitrages zum Lebensunterhalt für sich oder Angehörige iii mindestens 12 Wochen im Jahre geleistet wird. Wenn nicht eine ganz scharfe Kontrolle durchgeführt wird, ist mit Gewißheit darauf ,zu rechnen, daß die Verfügung nicht viel nützen wird.— Ein höchst seltsames Urteil über Vorgänge bei der letzten Reichs- tagswahl wurde am Sonnabend, den 22, d. M., von der 1. Strafkammer des Landgerichts zu Königsberg t. Pr. gefällt. Es wird uns darüber geschrieben: Der Jnstmaim Becker aus Legitten, Kreis Labiau, hatte am 17. Juni v. I. zu mehreren Personen geäußert, der Wahlvorstand Deutsches Fteich. Der Schreck vor der Gerechtigkeit läßt die staatserhaltenden Blätter�erst allmählich Worte über die Verurteilmig der sächsischen Justiz finden. Bei den„Dresdener Nach richte ir", deren Eharatteristit ja durch das Lob des sächsisch-iouservativen Vice« Präsidenten v. Frege erschöpfend gegeben worden ist, hat die Verurteilung des obersten sächsischen Gerichtshofes dieselbe Geistes- verivirnmg hervorgerufen, in der, wie»vir gestern zeigten, die Wer- liner Scharfmachet-Organe schäumende Wutartitel produzierten. Die »Dresd. Nachr." greifen das Berliner Urteil also an: „Run ist es aber zum mindesten zweifelhaft, ob in der That die herrschende öffentliche Meinung dahin geht, daß alle politischen Parteien als vollkommen gleich- berechtigt anzusehen und zu behandeln sind. Diese Ansicht mochte eine gewiffe Berechtigung haben in der Zeit des Eaprivisimis, wo die früher durch die Bisniarcksche Politik scharf gezogene» Scheidelinien zwischen der Partei des Umsturzes und den übrigen Parteien allmählich derartig verwischt wurden, daß man »licht mehr entscheiden konnte, ob die Berliner Regierung die Social- deinokratie auch fernerhin als eine nicht vollkommen gleich- berechtigte Partei angesehen und demgemäß behandelt haben wolle. Heute aber ist jeder Zweifel ausgeschlossen, in Ivelchem Sinne die regierenden herrschenden Kreise in und anßerhalb Berlins diese Frage beantworten. Durch zahlreiche Regierungserklärungen im Reichstage und im preußischen Land- tage sowie durch mehrfache ministerielle Kmidgebungen ist unzwei- beultg festgestellt, daß es der Mille der gegenwärtig regierenden Maimcr»st. wieder die Bismarcksche, in dem ehemaligen S o c» a listeng es etz festgelegte Ueberzeugung zu be thangen, daß die Socialdcmokratc»» nicht nach demselben Maßstabe behandelt werden dürfe«, wie die übrigen Parteien." Unborstchtigkeit auS geistiger Bestürzung mag es sein, wenn das Dresdener Blatt hier der unabhängigen Justiz anmutet, sie sollte so Recht sprechen, wie die Herrschenden es verlangen. Das sachsische Oberlandesgericht und der sächsische Justizminister werden dem Blatte— so hoffen wir— hierin ebensowenig beistimmen, wie in seiner anderen Auslassung, daß es Pflicht der Ge- richte sei,„die Socialdemokratie nicht nach demselben Maße zu be- handeln, wie die übrigen Parteien". Denn gerade weil wir diese Handlungsweise dem OberlandeLgericht nachgesagt hatten, fühlte es sich beleidigt und der Justizminister erhob die Klage. Warum haben v �achr." nicht sofort die Zurückziehung der Klage gegen den„Vorwärts" verlangt, wenn dieser nur das vom Oberlandes gerlcht behauptet hat, was das Blatt für gut und recht hält? Allerdings ein Unterschied besteht zwischen uniercr Behauptung und der Zumutung der„Dresd. Nachr."; wir haben, wie das Berliner Gericht auch anerkannte, nicht von bewußter Rechtsbeugung geiprochen. aber das Dresduier Organ fordert unverblümt' die Richter zu diesem Bruch ihres Amtseides ans. Noch seltsamer offenbart sich der frumbe„N e i ch s b o t e", dem alles bunt vor den Augen durcheinanderftiebt: «Logisch i m j u r i st i s ch c n Sinne mag scheinbar das Urteil gefaßt sein, den wirklichen Thatsachcn des staatlichen Lebens gegenüber ist es ein Zwirnsfaden, der sich geradezu zu einem verhängnisvollen Knäuel verwirren muß.... Man sieht hieraus, wie weit die Verwirrung allerseits gediehen ist, und wie notivendig es ist, aus diese»» ga n z e n Wirrwarr endlich einmal die staatserhaltenden Grundlagen der Monarchie in eiiiem größeren Stile zu stabilisieren. ■OiN diesem Malstiom liberaler Unklarheiten, wo nur der Umsturz noch weiß, was er will, geht schließlich alles unter. Volksvertretung, Gesellschaft, Justiz. Wissenschaft versagen sich dem Monarcheil bei seinem obrigkeitlichen Ääiiipfe für Re- ligion, Ordnung, Sitte, und er steht schließlich als kämpfender Roland im Thal von Roncevalles allein.(Zuousgus?' Zwei Jahre Staatsstreich in Serbien. Unter diesem Titel schildert in der Wiener Wochenschrift„Die Zeit" Professor M. G. Milowanowitsch, früherer serbischer Miniftcr, die Zustände Serbiens während der letzten Jahre. Seine Schilderung trägt zum Verständnis der jetzigen Milanscheu SchrcckenSdiktatur bei. Sie beginnt mit der Entlassung des Ministeriums Simitsch und der Gewaltherrschaft, die das neue Kabinett Georgiewitfch feit Oktober 1897 errichtete:, ... Ohne an den nächsten Tag zu denke, i, setzte man alles aufs Spiel, opferte man alles hm, um sich eine gefügige Sknptschina zu sichern. Nach der Berfassimg von 1889 und der Mahlordnung von 1870 ist die Stuptschina aus zwei Arten von Abgeordneten zusammen- gesetzt: solchen, welche vom Volke gewählt werden, und solchen, welche direkt durch die Krone ernannt werden. Die ersteren sind in der Ueberzahl, sie bilden drei Viertel der Mitglieder der Skuptschina. Dafür sind aber, insbesondere durch die Einschränkung des passiven Wahlrechts, Vorkehrungen getroffen, um diese zahlenmäßige lieber- macht qualitativ zu verringern. Während die Krone ohne Ein- schränkung jeden serbischen Bürger, der 30 Jahre alt ist»nid jährlich 80 Franks direkte Steuern bezahlt, und nicht durch strafgerichtliche Verurteilung seine politischen Rechte verloren hat. zum Ab- geordneten ernennen kann, darf das Volk selbst keinen öffentlichen Beamten(das Wort im weitesten Sinne genommen, so daß darin auch die Unibersitätsprofessoren, die Minister und die Geist- lichcn einbegriffen sind) und keinen Advokaten in die Skuptschina wählen. In einem jungen Lande wie Serbien, in welchem die freien Berufe noch wenig entwickelt sind, und bis auf geringe Aus- nahmen die ganze gebiidete Klasse aus öffentlichen Beamten oder solchen, die es werden wollen, besteht, hat die gedachte Einschränkmig eine wesentliche Bedeutung. Die Deputierten des Volkes werden in den 16 Hauptstädten des Departements, die als besondere Wahlbezirke angesehen werden, direkt, in allen übrigen Teilen des Landes indirekt gewählt. Die Zahl der direkt gewählten Abgeordneten beträgt 16(nur Belgrad wählt 2), die der indirekt gewählten 160. Die' letzteren bilden also die Masse der Volksvertreter im engeren Sinne. Wenn nun in der Verfassung und in der Wahl-Ordnung noch immerhin eine gewisse Garantie für die Reinheit der Deputiertenwahlen selbst gegeben ist, so ist die Wahl der Wahlmänuer vollständig dem Einfluß der Be- Hörden überantwortet. So hängt die Wahl der großen Masse der sogenannten Volksvertreter ganz von dem guten Willen, der Ehrlichkeit»md der Geivisienhoftigkeit der jeweiligen Regierung ab. So zum Beispiel bestimint da? Gesetz für die Wahlmännerwahlen bloß, daß diese Wahlen in den einzelnen Gemeinden nach Ablauf einer gewissen Anzahl von Tagen nach erfolgter Ausschreibung der Wahlen stattfinden sollen. Aber dieser Tag ist nicht der gleiche Tu: die verschiedenen Gemeinden eines Wahlbezirks, und es ist im Gesetz nichts darüber gesagt, in welcher Reihenfolge diese Wahl- Handlungen vorgenommen, und in welcher Weise die Wahl- bercchtiglen vom Tag der Wahl verständigt werden sollen. Wenn man also die Wahlen fälschen will, führt man sie in jedem Bezirk Gemeinde nach Gemeinde durch, so daß an jedem Wahltage der ganze behördliche Apparat auf eine einzige Gemeinde geworfen lverden kann. So ist es oft vorgekommen, daß der Suo-Präfekt (BezirkShauptmaun). um sich den Erfolg zu sichern, ohne vorher eine Absicht öffentlich angekündigt zu haben, plötzlich in einem Dorf erscheint und dort mit einigen vorher vertraulich benachrich- tigtcn Freunden die Wahl in aller Stille vornimmt. Solcbc Manöver gelten nach der regierungsseitigen Wahlmoral als zulässig»md werden unter die berechtigten Kriegslisten eingereiht, lim sie zu verhindern, begannen die in der Organisation der radikalen Partei stehenden Bauern in der kritischen Zeit förmliche Wachposten anfzu- stellen, um die Bewegungen des Feindes, das ist der Beamten und Anhänger der Verwaltung, zu beobachten. Aber alle diese durch die Bastard- Verfassung von 1889 mehr oder weniger autorisierten Vorkehrungen reichten nicht au» und konnten nicht ausreichen für die politischen Zivecke, welche das Ministerium Gcorgielvitsch verfolgt. Dieses Mimsterium, welches keine Anhänger im Lande besitzt, ist zusammengesetzt zum Teil aus politisch unbekannten, zum Teil aus politisch verdächtigen und politisch abgewirtschafteten Leuten, und hatte sich damit ins Amt eingeführt, dak es allen patriotischen Empfindungen, den koiiftitutioiiellen Ideen und den demokratischen Bestrebungen, welche so tief in der serbischen Nation wurzeln, den Krieg erklärte— dieses Ministerium mußte, um den Widerstand, auf den es stieß, zu besiegen, von allem Anfang zur Gewalt und zur Ungesetzlichkeit seine Zuflucht nehmen und sich mit allen Begriffen von politischer Moral und öffentlicher Ordnung in Widerspruch setzen. Die Regierung begann damit, daß sie einen Stab von Be« amten nach ihrem Ebenbild um sich versammelte und sich der absoluten Gefügigkeit der Gerichte versicherte. Nachdem zunächst die Jnamovibilität der Richter aufgehoben worden war, wurden in den ersten zwei oder drei Monaten des neuen Regimes zahlreiche Richter von ihren Posten abberufen, zum Rücktritt veranlaßt und verietzt, und an deren Stelle Beamte und Hilfsbeamte zu Richtern ernannt, die nur die«ine Eigenschaft zu besitzen brauchten: scrupel- losen Gehorsam. Nachdem auf diese Art die politische Verwaltung und die Justiz reformiert waren, wendete man sich den Organen der städtischen Selbstverwaltung zu, welche vom Gesetze mtt gewissen wichtigen Funktionen bei den Wahlen, z. B. Anlegung der Wahlerlisten, betraut sind. Unter allerlei Lorwänden, oft aber auch obtte sich die Müde-u vorn 3. Bezirk des Wahlkreises Labiau-Wehlau habe die Zettel vertauscht. Für den soeialdemokratischen Kandidaten Recht», antvalt H a a s e seien nach seiner Schätzung mindestens ca. 40 Stimmen abgegeben, während bei der Auszählung nur 24 Stimmen für Hanse zmn Vorschein gekommen wären. Der Wahlborstehcr, der von dieser Aeußerung gehört hatte, stellte Strafautrag. und Becker wurde vom Schöffengericht in Labia» zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legte Becker Berufung ein, so daß die Sache vor das Forum des Landgerichts in Königsberg kain. Vor der Strafkammer erschien eine große Anzahl Zeugen. 28 Zeugen bekundeten unter ihrem Eid, daß sie ihre Stimmen fürHaase ab- gegeben hätten. Bei der Auszählung sind aber nur 24 Stimmen für Häase gezählt. Der Wahlborstehcr erklärte die Wohl gesetzmäßig geleitet zu haben. Trotz dieser eidlichen Zeugenaussagen hielt der'Staatsanwalt die Anklage aufrecht. Nach feiner Meinung sei eine Verwechselung seitens der Wähler nicht aus- geschlossen, zumal sie am Wahltage mehr oder weniger betrunken gewesen seien. Der Verteidiger hielt demgegenüber den Beweis der Wahrheit für erbracht und beantragte Frei- sprechung. Lauge beriet der Gerichtshof, um dmin schließlich folgendes merkwürdige Urteil zu fällen. Der Beweis der Wahrheit sei nicht als erbracht anzusehen. Nach den Aussagen deö Wohlvorstandes fei die Wahl ordnungsmäßig vor sich gegangen. Also sei die Differenz der Stimmen nur aus den vom Staatsanwalt augcgebeuen Gründen zu erklären. Jedoch war der Gerichtshof der Meinung, daß es sich nicht um eine öffentliche Be- leidignng handele und setzte deshalb die Strafe auf 2 Wochen herab. Ein recht merkwürdiges Urteil. Weil bei der Auszählung der Stimmen weiiiger socialdemolratische zum Lorschcin kommen, als abgegeben sind, muß eine Verwechselung seitens der Wähler vorliegen, die eventl. aus ihrer leiliveiseu Betrunkenheit zu erklären ist. Jeder aber, der die Vorgänge bei der Wahl auf dem Lande kennt, weiß, daß die Leute am Wahltage immer etwas trinken, aber das geschieht immer,' nachdem sie ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Sie kommen vom Gut, wählen und dann geht es in den Krug. Wer die ländlichen Verhältnisse Ostpreußens keimt, wird unssen, daß bei derartigen Prozeffeu nicht alle diejenigen, die social- demokratisch gewählt haben, auch auftreten und dieses öffentlich be- künden. Die Abstimmung ist eine geheime und es giebt eine große Anzahl Wähler, insbesondere ans dem Lande, denen aus den verschiedensten Gründen sehr daran gelegen ist, das Geheimnis ihrer Abstimmung zu wahren. Wenn es den» veklagteit trotzdem gelang, 28 Zeugen zu stellen, die erklärten, daß sie socialdemokratisch ge- ssinimt haben, dann ist für diejenigen, die die Wahl- verhältniffe in Ostpreußen genauer kennen, ganz klar, daß der Beklagte den Beweis der Wahrheit für seine Behauptung erbracht hat, soweit es nach Lage der Sache überhaupt möglich ist, denselben zu erbringen. Der Gerichtshof lvar anderer Meinung, er glaubte dem Wahlborstand, daß alles ordnungsmäßig besorgt sei und verurteilte den Jnstmann. Daß die Wahl ordnungs- und gesetzmäßig vor sich gegangen ist, erklären aber alle Wahlvorsteher in Ostpreußen für ihre Bezirke, trotzdem durch die Erhebungen der Wahlprüfungskommission des Reichstages in vielen Fällen ein recht wenig ordmuigö- und gesetzmäßiges Berfahren bei der Wahlhandlung nachgelviesen wurde.— Die Fürsorge der Neziernng für die Agrarier ist un- erschöpflich. Nach dem bei dem westpreußischen Städtchen Hammer- stein gelegenen Schießplatz wanderten bisher während der Schieß- Übungen der Artillerie täglich ganze Scharen von Kindern und Er« wachsenen hinaus, um nach Beendigung des täglichen Scharfschießens die Sprengstücke der Geschosse zu sammeln. Diese werden im Sammeldepot abgeliefert und nach Gewicht bezahlt. Für die ärmere Bevölkerung des Städtchen? und der Umgegend war diese Einrichtung von großem Nutzen: manche Familie verdiente soviel, daß sie den Unterhalt während deS Sommer? davon bestreiten konnte. In der Hauptsache gingen die größeren Kinder diesem Er- werb nach. Das hat den größeren Grundbesitzern der Gegend nicht gefallen, die die Kinder lieber auf ihren Feldern bei der Arbeit ehcn. Sie ivandten sich an den Kriegsminifter, der denn auch mit Rücksicht ans die Lentenot angeordnet hat, daß fortan von Civilpersonen keine Spreng stücke gesammelt und zum Berkauf angeboten werden dürfen.— DaS Programm des 40. allgemeinen Genossenschafts- tagcs, der nächste Woche in Berlin tagt, ist wie folgt festgestellt: Am nächsten Sonnabend, Sonntag und Montag finden Sitzungen des engeren Ausschusses, des GcsamtauSschuiieS, der Verbands- revisore» statt, sowie der Vorstände der Hilfskassen und Ruhe- zehaltskaffen deS Verbandes. Am Montag abend 9 Uhr findet m der Philharmonie, Beniburgerstratze 22»— 23, wo auch die übrigen Versammlungen abgehalten werden, die Versammlung des allgemeinen Gcnoffcuschaststagcs statt. Am Dienstag 9 Uhr vormittags beginnt die erste Hauptversammlung. Mittwoch, 9 Uhr vormittags, gerrennte Verhandlungen der einzelnen Gattungen der Geuoffenschaften. Donnerstag, 9 Uhr vormittags: Zweite Haupt- Versammlung. Freitag, vormittags 10 Uhr: Enthüllung deS Schulze- Delitzsch-DeükmalS auf dem Jnselplatz(Köpenickerstraße). Im An- 'chluß hieran Begrüßung der Genossenschafter durch die städtischen Behörden in den Festsälen des Rathauses. geben, einen Vorwand zu finden, wurden überall dort, wo Radikale diese Stellen inne hatten, das ist in fünf Sechsteln aller Gemeinden Serbiens, die ordnungsmäßig gewählten Bürgermeister und Gc- meinderäte abgesetzt. Dort, wo man mtter Aufwendung aller gonvemementalen Pressionsmittcl die der Regierung genehmen Kandidaten bei der Wählerschaft durchsetzen konnte, wurden Neuwahlen vorgenommen. In der großen Mehrhett der Gemeinden aber ging man. nach einigen vergeblichen BeeinflussungSversuchen ohne iveitere« zur Ernennung von Bürgermeistern und Gemeinde- raten vor. zu welchem Zweck die Regierung eine gesetzliche Be- timnmng. welche die Regierung zur provisotischen Ernennung von Bürgermeistern ausnahmsweise dort ermächtigt, wo eine Wahl aus den tm Gesetze angegebenen besonderen Gründen unmöglich»st. in ganz willkürlicher Weise zu ihren Zivecken interpretierte. Nachdem diese Borbereirungen beendet waren,»vurdeir b i c Skuptschina aufgelöst und die Remvahlen ausgeschrieben. Während der Wahlcanipagne waren alle konstitutionellen Garantien aufgedobe»,. Nichtsdestoweniger beschloß die radikale Partei, in der Gesetzlichkeit bis ans Ende zu gehen, alle gesetz- lichen Mittel, welche ihr die Bastard-Verfassung von 1889 an die Hand gab, zu erschöpfen, und zeigte durchaus keine Lust, die Partie ans- zugeben. Darüber verlor die Regierung vollständig de» Kopf. Da fie keine Wahl mehr hatte, that sie, ivas man bisher selbst in Serbien noch nie getha» hat, sie kompromittierte die Armee, indem sie durch die miliiärischen Behörden alle jene Leute, die auf da» Volk Einfluß hatten oder auch nur Miene machten, gegen alle die Gewalttharcn zu protestieren, zu ebenso schwierigen als überflüssigen Waffen- übmigen eiubermen ließ. Als am Tag nach den Wahlen, am 5. Juni 1893(n. St), die Thore der Ilasernen sich wieder öffneten, zählte man in der Garnison Belgrad allein mehr als 600 solche Gefangene auS allen Lebensaltern und Gesellschaftsschichtcn. Das serbische Volk wird noch lange jene bis dahin noch nicht geahnte Schreckenszeit der Monate April und Mai 1898 in Erimierung haben. Nachdem nun ein gesetzlicher Kampf zur Unmöglichkeit geworden, die radikale Partei aber sich zu nnaesetzlichcn Schritten absolut nicht hinreißen lasien wollte, beschloß sie, die Regierung zu zwingen, daß fie ihre Gewaltthätigkeit und Gesetzwidrigkeit ganz offen am lichten Tage in ihrer vollen Nacktheit zeige, um so die Urheber der Wahlkomödie zu verhindern, daß sie noch im letzten Augenblicke, nachdem sie sich den Erfolg schon gesichert, das Mäntel- che» der Gesetzlichkeit umhängen. So kau» eS denn,— daß— man kann es ohne llebertreibung so nennen die Wahlen gar nicht stattfanden. Nach'- dem nun einige Versuche, bei Wahlmännerwahlcn den schönen Schein einer Abstimmuua zu retten, gescheitert waren, gab man sich Wetter keine Muhe, fertigte in den Präfckttlr- und Siibpräfektur- Bureau« die Lsiten der Wodlmänuer an. schickt» diese den Ausland. JaurSs Taktik und die deutsche Socialdemokratie Wie wir der„Petite Republique" entnehnien, schreibt Karl Kautsky in einem Briese an Jaurös: „Ich benutze die Gelegenheit, um Ihnen meinen tiefe Be- wunderung für die unvergleichliche Art auszusprechen, in der Sie die Ehre des französischen Socialisnuts in der Dreyfus-Angelegen heit gerettet habe». Ich kann nur keine verhängnisvollere Haltung für eine kämpfende Klasse denken, als in einer Krisis neutral zu der- harren, die eine ganze Nation aufwühlt; ich kann mir keine der- nichtendere Haltung für eine Partei socialer Wiedergeburt denken, als gleichgültig in einer Rechtsfrage zu bleiben, keinen Fehler, der unverzeihlicher bei Demokraten wäre, als Unschlüsstgkeit gegew über der Soldateska. Ich wünsche Ihrem edlen Werk den vollen Erfolg und drücke Ihnen freundschaftlich die Hand. _ KarlKautsky. bestreich«Ungarn. Wien, 24. Juli. Eine von der socialdemokratischen Partei leitung zum Zwecke Protestes gegen die Erhöhnng der Zucker steuer einberufene Versammlung, die von 6000 Arbeitern besucht war, wurde vom Regierungsvertreter wegen der Angriffe de? Abg. Verkauf auf die Regierung unter stürmischem Widerspruche der Anwesenden aufgelöst. Der Saal wurde von der Polizei geräumt; Versuche der Menge, zum Rathause zu ziehen, wurden durch Wach- Mannschaften verhindert, wobei mehrere Verhaftungen vor« genonimen wurden. Graz, 24 Juli. Nach Schluß einer heute hier stattgehabten soeialdcmokratischen Francnversammlnng zum Zwecke der Stellung- »ahme gegen die erhöhte Zucker st euer kam es zu K u udgebungen im Innern der Stadt. Die Polizei zerstreute die Ruhestörer und nahm einige Verhaftungen vor. Frankreich. Es wird aufgeräumt. General Dalsuein, Kommandeur einer der dem Militärgouvernement von Paris zugeteilten Geniebrigaden ist au Stelle des Generals Pellieux zum Platzlommandanten von Paris ernannt worden. General Pellieux wurde zum Kommandanten der 44. Brigade in Quimper ernannt.— Der Kriegsminister Gallifet verhängte über den Hauptmann Guyot de Lilleneuve,- wegen einer disciplinwidriaen Kundgebung gegen die Revision, öO Tage strengen Arrest.— Esterhazv, der als Zeuge nach Rennes geladen ist, wird für die Dauer des Prozesses sicheres Geleit erhalten.— PariS, 25. Juli. Aus Rennes wird gemeldet, der Re« gierunskommisiar werde alle von Anfang an in die Dreysils» Sache verivickelten Personen vorladen, darunter neben den fünf ehemaligen Kriegsministern die Witwe Henrys. ,. Lni„Echo de Paris" berichtet Beaurepaire über das Ergebnis seiner Reise nach Rennes. Der Vorsitzende des Kriegsgerichts, welcher ihn am Sonnabend empfing, wies jedes Verlangen, seine Unter« suckungsakten zu prüfen, cntlchieden mit dem Bcmerien zurück, das Urteil des Kassationshofes habe die Grenzen des Prozesses enger gezogen. Er könne nur zum Gegenstand der Anklage aussagen. Wenn er hierzu einen Beweis habe, möge er ihn liefern. Oberst Jouaust empfahl Beaurepaire, sich an den Kriegsminister zu wenden Beaurepaire erklärt, er werde numnehr seine Untersuchungen ver- öffentlichen.— Rußland. An Petersburg find in den letzten Tagen neun Personen aus politischen Gründen verhaftet worden, darunter fünf Studenten der Forstalademie. Bor kurzer Zeit veranstalteten die Studenten, welche sich noch wegen Beteiligung an der letzten Studentenbeweaung in Petersburg rn Hast befanden, eine„Hungerrevolte", das heißt, sie weigerten sich, Nahrung zu sich zu nehmen, bis sie endlich erfahren, was für ein Schicksal sie erwartet. Nach einer viertägigen Dauer dieser„Revolte wurden sie alle, mit Ausnahme eines Studenten, aus der Haft entlassen.— Serbien. Belgrad, 25. Juli. Die Meldung einer Einmischung fremder Mächte wegen des gegen Mlan verübten Attentats offiziell für unbegründet erklärt. Der mit der Untersuchung der Attentatsangelegenheit beaufttagte Untersuchungsrichter setzte mehrere Personen in Freiheit, von denen sich herausgestellt hatte, daß sie mit der Angelegenheit nicht tn Zusammenhang ständen, darunter den Radikalen Sima Djako- Mtsch und den Schwager Tauschanovitschs, Dr. Vlada Gjeorgjeivitfch. Der frühere serbische Gesandte in Petersburg. General Gruic, auswärtiger Blätter von in das Gerichtsverfahren wird serbischerseits einzelnen Gemeinden zu, wo sie von den gefügigen Bürgermeisteni unterschrieben und mit dem Gemeindesiegel versehen wurden, und die auf diese Art„gewählten" Wahlmänner gingen dann am Wahl- tag unter dem Schutz der Gendarmerie, erforderlichenfalls des Militärs, zur Wahlunie, um dort ihr„freies" Botnm abzugeben. Die vollständige Liste der„Erwählten des Volkes" war mit größter Genauigkeit im voraus im Ministerium des Innern ange- fertigt worden.... Was nun die so zusammengebrachte Skuptschina geleistet hat, übersteigt in der Reaktion alles bisher Dagewesene. Die Preß- freiheit ist durch die gleichzeitige Anwendung aller Präventiv« und Repressiv-Maßregcln, d,e bis jetzt von der Reaktion erfunden worden sind, buchstäblich erstickt worden. Das Vereins« und Versammlungs« recht ist ganz der Willkür der Polizei überantwortet worden. Das Briefgeheimnis existiert nicht mehr. Nicht nur, daß das schwarze Kabinett ohne Scheu arbeitet, sind in gewissen Fälle» sogar auch die Absender von Bliefei, wegen Verbreitung konfiscierter Zeitniigen in geschlossenen und versiegelten EouvertS verfolgt worden. Schließlich hat man auch täppisch die Hand auf die Gemeinde« Autonomie ge- legt, diese teuerste und heiligste Zufluchtsstätte der nationalen Frei- heit, an welcher selvst die Türken nicht gerührt haben, und von Ivelcher unsere nationale Wiedergeburt ausgegangen ist. Serbien, das Land, welche? wie Flandern auf seine traditionelle Geineinde Autonomie stolz sein konnte, mußte sich durch ein in Nisch be- schlosseneS Gesetz eine neue Gemei»be«Ordnung aufhalsen lassen, welche selbst hinter der Gemeinde-Autonomie der absolutistischen und centralistischcften Länder zurückbleibt. Keine Stadt, kein Dorf in Serbien hat mehr daS Recht, seinen Bürgermeister selbst zu wählen oder ihn auch nur zur Bestätigung der Centralregierung vorzuschlagen. Alle Bürgermeister Serbiens werden ganz so wie die Staatsbeamten entweder durch königliche Dekrete ober durch Verordnungen des Ministers des Innern ernannt.... Der Verfasser schildert sodann die Mißwirtschaft in den Staats« finanzcn und faßt seine Darstellung also zusammen t Der flllchttge Ucberblick über die Entwickelung der letzten zwei Jahre in Serbien dürfte, wie unvollkommen er auch ist, ausreichen, um zu erkennen, wie gespannt und zugleich wie unhaltbar der gegenwärtige Znstand Serbiens ist. Mit Ausnahme einiger Hundert niteressierter Menschen, die ihren Teil von der Beute bekommen haben, ist alle Welt in Serbien von der Ueberzeugung durch- drungen, daß diese Berhältnifle unter ihrem eigenen Schwer- gewicht zusammenbrechen müssen. Die radikale Partei ist der An- schauung, daß unter solchen Umständen ihre eigenen Interessen wie ihre Pflichten gegenüber dem Lande ihr die Politik der Abstinenz gebieten. Sie läßt die Regierung ihren Weg bis zur Katastrophe weiter verfolgen, hält sich, seitdent eine Opposition mit legalen Mitteln zur baren Unmöglichkeit geworden ist, von unklugen Bor- flößen zurück und schont ihre Kräfte für dir WiederherstellnngS' Arbeit, deren Stunde in kurzem schlagen muß. der beschuldigt wird, an der Verschwörung beteiligt zu sein, ist hier j gefühl kommt in die Arbeiterschaft � hinein, wie noch angekommen und bis jetzt von der Polizei nicht behelligt worden. Afrika. Die englischen Börsenpolitiker, die auf einen Krieg mit Transvaal spekuliert hatten, können sich nicht darin finden, daß ihre Spekulation mißglückt ist. Und sie thun noch immer, als sei das Spiel nicht verloren. Doch das Geschimpfe und Gehetze der Cham- berlainschcn Reptilblätter ist nur R ü ck z u g s k a n o n a d e. Der Regierungs-Chef der Kapkolonie, Mr. Schreiner, hat seinen Anklägern'sehr entschlossen die Stirne gewiesen und offen crllärt, daß es eine patriotische Pflicht war, emen Krieg zu ver- hindenl. der England keinen Ruhm bringen konnte, gewiß aber un- sägliches Elend herbeigeführt und die Zukunft von ganz Südafrika gefährdet hätte. Letzteres ist keine leere Redensart. Die Thatsache besteht, und es ist nicht um sie herum- zukommen, daß in Südafrika das holländische Element(Boeren und Afrikander) in der Majorität ist, und daß ei» Krieg der Engländer zur Unterwerfung des Transvaal einen Bürgerkrieg in den englischen Kolonien Südafrikas nach sich gezogen hätte. Die Folgen und das Ende eines solchen Krieges wären aber nicht abzusehen gewesen.— Von den Chamberlainschen Preßknechten wird die Nachricht ver- breitet, Präsident Krüger wolle abdanken— oder habe gar schon abgedankt. Wohl weil er das Schiff so sicher zwischen den Klippen hindurchgestcuert hat? Je hartnäckiger die Nachricht uns aufgedrängt worden, desto weniger glaubwürdig erscheint sie. Ueber die Ursachen der angeblichen Abdankung berichtet das„Reuter- Bureau", dessen Meldungen natürlich nur mit allem Vorbehalt auf- genommen werden dürfen, aus Pretoria: Präsident Krüger hatte seit Freitaguachmittag das Regierungsgebäude mcht mehr betteten:" dadurch waren Gerüchte aufgekommen, daß durch Meiinmgsverschiedenheiten zwischen dem Präsidenten, dem ausführenden Rat und dem Volksraad über das Fort Johannesburg und die Dynainit- frage Schwierigkeiten entstanden seien, die dem Präsidenten das Gefühl gaben, daß er das Vertrauen des Volksraads nicht mehr besitze und besser thue, zmiickzjjtreten. Diese Absicht hatte er in- dessen heilte früh noch nicht ausgeführt. Im Laufe des Tages begaben sich die Mitglieder des ausführeiiden RateS Joubert, Bürger und Kock, sowie der Präsident des VolkSraads zum Prä- , sidentcn Krüger. Das Ergebnis dieses Besuches war, daß Präsident Krüger am Nachmittag einer geheimen Sitzung des Volksraads beiivohnte, die über drei Stimden dauerte. Während j dessen umdrängte eine aufgeregte Menge das Berattmgs- aebäude. Später verlautete, der Volksraad habe zum Schlnssc dem Präfidenten 5iriiger die Versicherung gegeben, er habe das äußerste Vertrauen zu ihm; auch hieß es, daß die Mehrheit der Mitglieder des VolkSraads für den Beschluß betreffend die Auf- hebiiiig der Dynamitkoiizession sei.> Gegenüber dieser Meldung des„Reuterschen Bureaus" erklärt die Pariser„ A g e n c e H n v a s" in einem Telegramm aus Pretoria, Präsident Krilger habe in aller Forni einem Jouriialisteil gegenüber erklärt,„daß er nie>n als daran gedacht habe, sein Amt niederzulegen." Die Protestbewegung gegen die Znchthausvorlagc nimmt noch immer ihren Forlgang. In de» letzten Wochen haben im ganzen Reiche ivicder Hunderte von Versaniinlungen stattgcftinden; über etwa 200 solcher Bersauunhmgeu berichtet die letzte Nummer des.Korrcspondcnzblattes", wobei zu bedenken ist, daß sicherlich noch manche unerwähnt bleibt, weil der Bericht darüber versäumt wird. Die Arbeiterschaft gönnt sich keine Ferien, wie daS die Scharf« macher thun, sie weiß, was für sie auf dem Spjele steht. Jnter- essant ist. was dem„Korrespondenzblatt" aus Württemberg über die dort herrschende Stimmung geschrieben wird: „Wahrhast rührend war es, wie oft Großvater und Enkel die Hand erhoben, um dadurch die'Zähl derer zu vernichrcit, die gegen dieses Attentat protestieren. Keine künstliche Verhetzung, wie man sonst geni seitens der Scharfmacher anfuhrt, hat diese Erregung hervorgerufen, sondern direkt aus dem Volke ist diese Beivegung ge boren worden. Roch Dutzende von Versammlungeu werde» ge wünscht, selten hat sich das gesunde Rcchtsgcsühl umerer Bevvllcrung so empört, als wie hier über dieses Machwerk, lind das darf uns nicht ivundcrnehmen, wen» man bedenkt, daß hier der nackte Unter schied zwischen Unternehmern und Arbeireru noch nicht in dem Maße vorhanden ist wie sonst, daß stets»och eine lose Verbindung der einzelnen Klassen in irgend welcher_ Form besteht. Dazu konunt noch eine Art R e i ch s v c r d r o s s e» h e i t, die sich jedes- mal verschärfter zeigt, wenn ein derartiger Anschlag auf die Rechte und Freiheiten der Arbeiter und Bürger gcmnchr wird. „Uns wäre." uiid das ist hauptsächlich bei der Land- bevölkcrung zu höre»,„französischer Wein mit schiveizenschcm Käse schon lieber, als eine mit reaktionärem Schnaps gefüllte preußische Pickelhaube." Für die geiverkschaftliche Beivegung hat ims aber die Sache genützt. Unsere Zahlstellen inchrcn sich, die Filialen irchnien an Stärke zu, und ein Emst, ein freudiges Schaffen, ein Zusammengehorigkeits Der vorstehende Artikel war schon geschrieben und zuin Druck befördert, als die Rachrichten von dem Attentat auf den König Milan und den daraufhin getroffenen Maßiiahmen einiangrei». Man hat sich in Belgrad bemüht, diesem Attentat den Charakter eines auf der höchsten'Stufenleiter vorbereiteten antidynastischen politischen Komplotts zu geben. In den ersten 24 Srundeii nach dem Attentat wurde eine große Zahl von hervorragender Person- lichkeiten, meist ans der radikalen Partei, verhaftet und in Ketten gelegt. Wenige Tage darauf wurde über Belgrad und das ganze zugehörige Departement Donau der Belagerinigszustand verhängt, »»d die im Belagerinigszustand gültigen Ausnahm Sg«sstze wurden mit rückivirkender Kraft versehen, so daß sie auch schon auf die gerichtliche Untersuchung und die Verhandlung über das Attentat an- zewcndet werden, d. h. summarische« Verfahren, ack hoc ernannte (lichter, verschärfte Strafen(für alle Mitschuldigen Todesstrafe), kein Rekurs, außer auf dem Gnadenweg. Alle diese drakonischen Maßregeln sind auf die Denunziationen hin getroffen worden, die der Attentäter bei seiner ersten Ver- nehmung gemacht hat. Da« hat genügt, um de» Bestand eines Komplotts zu verkünden, die öffentliche Ordnung für gefährdet zu erklären, um eine große Zahl von Mäiinern, welche hervorragende Posten im Lande bekleiden oder bekleidet haben und in der ganzen Nation die höchste Verehrung genießen, in den Kerker zu werfen. Zuerst hat man die Verhaftungen vorgenommen und dann erst mit den Erhebungen begonnen, ivelche zeigen sollen, ob die Verhaftungen gerechtfertigt waren oder nicht. Wir warten die Ergebnisse dieser Untersuchung mit der größten Spannung ab. Inzwischen möchten wir noch glauben und hoffen. daß die Untersuchung ernst und ehrlich geführt werden wird, daß sie die Auffindung der Wahrheit zum Ziel haben wird und nicht die mehr oder weniger geistreiche Begründung von Vermutungen und vorgefaßten Meinungen, die den am Tag nach dem Attentat ge- troffenen Maßregeln zu Grunde liefen. Es handelt sich hier auf der einen Seite um zahlreiche Menschenleben, auf der anderen Seite um die Ehre und den Ruf Serbiens. Aber inzwischen möchten wir noch einige thatsächliche Feststellungen folgen lasien. Vor allem ist das Attentat kein Werk der radikalen Partei und kann eS auch nicht sein. Nicht nur, daß die radikale Partei in dem Attentat keine Fördennig ihrer JMeressen erblicken kann, muß sie es im Gegenteil als eine ihren Interessen strikt zuwider- laufende Unternehmung oder als ein solches Ereignis ansehen. Das gegenwärtige Regime, schon zu drei Vierteln verbraucht, mußte über kurz oder lanjz zu Grunde gehen. Es lag nicht im Interesse der radikalen Partei, den Sturz dieser Regierung zu beschleunigen, im Gegenteil, sie mußte warten, sie mußte daS antikonstitutionelle Experiment zu Ende führen lasfen, und seine Urheber zwingen, auf dem Platz zu bleiben, um seinen endlichen Ausgang zu er- I fahren. ______,,,.,, selten. Und dieser Umstand ist ja auch schließlich die Hauptsache. Mancher, der seither umherirrte, ist zum klassenbewußten Kämpfer ge- worden, so muß auch wieder dieses Attentat, das die Organisationen vernichten sollte, dazu herhalten, diese zu fördern und zu stärken." Aehnlich klingen aiidere Berichte und wird dadurch der Beweis geliefert, daß die heutige Reichsregierung im s ch r o f f st e n Gegen- satz zu dem vom Volke empfundenen Rechts- gefühl steht. Wird die Regierung die Stimme des Volkes hören? Oder hat sie nur Ohren für die Wünsche der Scharfmacher? Zu den bayrischen Landtagstvahlen nimmt in der„Reuen Zeit" der Genosse Franz Mehring Stellung. Nachdem er daS Bestreben einiger bayrischer Parteigenossen, das dahin geht, die besonderenLandesverhältnisfe(Wahlrecht, Gruppierung der Parteien?c.> zu verallgemeineren, das Borgehen der bayrischen Genossen gewissermaßen aHh den übrigen Parteigenossen des deutschen Auslandes zur Nachahmung zu empfehlen, entgegen getteten ist, schließt er semen Artikel, wie folgt: „Machten es die besonderen Verhältnisse in Bayern notwendig, daß sich die Partei für die nächsten fechs Jahre im Landtag an der bescheideneren dieser beiden Rollen genügen lassen muß, gut. Aber man verdunkle diese Sachlage nicht und bringe nicht die Be- griffe in der ganzen Partei durcheinander, indem man es als einen großen Erfolg anspricht, daß sich die Zahl der socialdemokratischen Mandate von 5 auf 11 erhöht hat, eben um den Preis, daß dem Ultramoiitanismus die absolute Mehrheit zugefallen ist. Es heißt die Sachlage verschieben, wenn mit einiger Entrüstling gefragt wird: Sind die 6 neuen Mandate deshalb schlechter als die 5 alten, weil sie einem Kompromiß ihren Ursprung verdanken? Nicht ihr Kom- promißursprnng kompromittiert sie, aber die Thatsache, daß fle gegen die absolute Mehrheit des Ultramoiitanismus eingetauscht ivorden find, entwertet sie, rind die 5 alten Mandate dazu. Das Eminaleins gilt ja doch innerhalb der blauweißen Grenzpfähle wie außerhalb, und nach Adam Riese bedeuten 5 soeialdemokratische Mandate, wenn keine der „großen Parteien" die absolute Mehrheit besitzt, eine ungleich stärkere Machtstellung, als 11 oder selbst 50 soeialdemokratische Mandate, wenn die eine der„großen Parteien" sich im Besitz der absoluten Mehrheit befindet. Dieses einfache Rechenexempel sollte man wirklich nicht mit allgemeinen Redewendungen zu verdunkeln suchen, die, wenn sie eriisthaft genomnien sein wollen, direkt in den parla- mcntarischen Kretiiiisinns führen, vor dem sich die Partei bisher doch stets mit gutcin Fug gehütet hat. lim es zum Schluß noch einmal zu wiederholen, so soll n>it diesen Bemerkungen keineswegs über die bayrische Wahltaktik als solche geurteilt werden. Es ist Sache der bayrischen Genossen, den Beweis zu führen, daß die bayrischen Verhältnisse ihnen diese Taktik auf- gezwungen, haben. Hier sollte nur den. Versuch widersprochen werden, aus den besonderen bayrischen Verhältnissen allgemeine Gesichts- punkte zu destillieren, die den Grundsätzen. Interessen und lieber« lieferungen der Partei im ganzen Deutschland widersprechen. Mit der Zurückweisung dieses Versuchs wird schließlich auch den bayrischen Genossen gedient' sein, denn je mehr solche falsche Verallgemeinerung uni sich greift, um so mehr wächst auch der— gewiß falsche— Verdacht, als sei es mit der Berufung auf die besonderen bayrischen Verhältnisse, die den Pakt mit dem Centrum erzwungen haben, doch eben nicht weit her." Volizeiliches, Gerichtliches usw. — Unerlaubte Kollette. Weil die„Sächs. Arbeiter-Zeitung" zur Unterstützung der dänischen Arbeiter aufgefordert hätte, soll der tztedacteur des Blattes, Genosse B l o ck 30 M. Strafe bezahlen. Die Ätngsburger Krawalle werben, wie die von Herne, ihr gerichtliches Nachspiel haben. Wie der„Müiichcncr Post" gemeldet wird, sind im UntersuchungS- gcfängms nun 00 Personen untergebracht, gegen welche das Verfahren nach 115(Aufruhr), 110(Auflauf) und 125(Land- friedensbruch) des Reichs-Strafgesetzbuches eingeleitet ist. Außerdem finden noch Recherchen gegen anderweitige Personen statt, welche dringend verdächtig sind, den Exccdenten Vorschub geleistet, ja sogar hierzu aufgereizt zu haben. Am Soniiabendmittag wurde der dem Streikkomitee angehörige Maurer Mehringer in seiner Wohn n n g verhaftet. Welche Verdachtsgründe zu der Verhaftung den Anlaß gegeben haben, ist bis jetzt nicht bekannt. Das genannte.Blatt berichtet ferner: Was die Kraivalle selbst betrifft, so liegen niis mehrere Zuschriften vor, in denen über verübte Gewalt- tbätigleiten seitens einzelner Polizciorgane oder Soldaten bitter Klage geführt wird. Der Magistrat forderte in Anschlägen die' Bewohner auf, sich aller Ausschreitungen zu ent- halten. Ja. wenn man gesehen hat. in welch' brutaler Weise ruhige Passanten behandelt ivurden. wird man es begreiflich finde», daß selbst der Ruhigste zu Widerstand aufgereizt wurde. Daß am Freitagabend Ruhe herrschte, ist wohl am ersten mit dem Umstände zuzuschreiben, daß die Straßen von Polizisten und Sol- dqten frei und die Passanten keiner solchen Behandlung ausgesetzt waren. Der Stand des Maurerstreiks ist der gleiche wie vor den Unruhen. Die Leute sind gewillt, bis aufs äußerste auszuhalten. Die radikale Partei steht auf monarchischem und dynastischem Boden. Schon zu wiederholtemnalen hat sie die Macht in Händen gehabt und hat sie jedesmal in dem Momente aufgegeben, wo sie be- merkt hat. daß sie nicht mcbr das volle, lincingeichrnntte VerKauen der Krone genießt, obzwar sie sich jederzeit im Besitz des Vertrauens der Nation besimden hat. Auch in ihren» nationalen, wie in ihrem politischen Programm hat die dynastische Frage keinen Platz. Die Mehrzahl der Verhafteten, die mir persönlich bekannt sind (einige von chnen zählen zu nieinen intimen Freunden), sind sowohl durch ihre Anschanungen, wie durch ihr Temperament Gegner eines jeden Attentats, iveil sie mit Recht überzeugt sind, daß ein Attentat, ganz imabhängig von seinem Erfolg, niemals eine gute Lösung für polirische Probleme abgeben kann, und weil sie es unter alle» Um- stände» für verwerflich halten, Gewaltthat und Verbrechen in den Dienst politischer Bestrebungen zu stellen. Die radikale Partei hat gegemvärtig übrigens ihre Homogenität verloren. Verschiedene Eifersnchteleieii haben Eingang in ihren Reihen gesunde», und in der Voraussicht einer kommenden Spaltung sind die politischen»nd selbst die persönlichen Beziehungen zwischen gewissen Persönlichkeiten der Partei sehr gespannte geworden. So zum Beispiel die zwischen Herrn Paschitsch und Herrn Tauschano- witsch. Wie soll man nun ailnehmen, daß Männer, die nicht« mehr gemeinsam unternehmen, die man nicht einmal mehr dazu bringen tonnte, an irgend einem intelligenten und erlaubten Unternehmen mit einander znsamnienzuarbeitcn, sich die Hand gereicht hätten zur Ausführung eines ebenso verwerflichen wie blöden Verbrechens I Schließlich»miß die Aussage eines Verbrechers solcher Art, der. in der Macht der Behörden, befindlich, auf die erste Frage hin eine ganze Menge von angeblich Mitschuldigen preisgiebt, ein umsassendes Komplott enthüllt, dessen bezahltes Werkzeug er geivesen sein»vill, eine solche Aussage muß den Umständen entsprechend mit so großer Vorsicht aufgenommen werden, daß sie kaum ausreichen könnte, mn daraufhin allein eine ernste Untersuchung einzuleiten. In der öffentlichen Meinung wird der Zweifel nur immer noch wachsen. und es wird ganz klarer Beweise bedürfen,»im diesen Zweifel zu verscheuchen, welcher— um schon nichts Schlechteres anzunehmen— auf der Erfahrung beruht, daß ein Verbrecher in solcher Lage nur das zu sagen Pflegt, was, wie er glaubt, denen gefallen wird, iu deren Händen sein Schicksal liegt. Möge» die serbischen Richter und die serbische Regierung nicht vergessen, daß in solchen Angelegenheiten auch die öffentliche Meinung der ganzen civilisierten Welt ihr Urteil spricht I Und dieses Urteil erstteckt sich ebenso auf jene einzelnen, die an der Leitung und Entscheidung selbst Anteil nehmen, wie auf das ganze Land. BuS der Führung und Lösung dieser Angelegenheit wird sich die eivilisierte Welt ein Urteil darüber bilden, ob eS noch Richter und ein« Rechtspflege in Serbien giebt. GetvevkstlzÄfllichcs. Berlin und Umgegend. Ucber den Strinmeqstreik in Berlin wird berichtet DienStagmittag hatten 36S streikende Treinmetzen die Kontrollkarte abgeholt, davon 188 verheiratete mit 210 Kindern, während ein Teil bereits zu den bewilligten Fordeningen dieWrbeit ausgenommen hat, In den schlesischcn Bezirken sind die Verhandlungen bis auf weiteres unterbrochen, und so haben sich die Bersetzer, welche die Fassaden Treppen usw. verlege», einmütig dem Ausstand angeschlossen worüber die Unternehmer geradezu verblüfft sind, einzelne an den Bauten noch Arbeitende werden bald gezwungen sein ebenfalls aufzuhören, da die Maurer, sowie auch Steinsetzer vielfach erklärt haben, mit de» arbeitswilligen Steinmetzen nicht zusammen zu arbeiten. Der Aerger der Unternehmer ist grost. Das beweist das Gebühren eines Geschäftsführers aus der Mühlenstraste. Als die Steinmetzen Montag früh nach der Arbeitsstelle gingen um ihre Arbeitskleidung und Werkzeuge in Ordnung zu bringen, wurden sie von dem ivritschnaubenden Herrn aufgefordert, innerhalb 10 Minuten die Arbeitsstelle zu Verlanen, andernfalls er dieselben wegen Hausfriedensbruch energisch verfolgen wolle! durch sein barsches Benehmen hat er noch viele Schivantende von der Not wendigkeit der Arbeitsniederlegung überzeugt, andererseits sind die derartig Behandelten ihrer Verpflichtung gegenüber der vom Meister gelieferten Werkzeuge ledig, da ihnen keine Zeit zum Weg packen gelassen wurde. Am Mittwoch, den 16. d. Mts., nachmittag? 1 Uhr. findet in „Englischen Garten", Aleranderstratze 21c, eine Versammlung samt inarbciter Berlin* s;«— a-»«.;»------ über den nuterbrochencii werden soll. licher Steinarbcitcr Berlins statt, wo über die weitere Taktik'gezein BcrhandlunZen in Schlesien beraten Kistenmacher. Herr Rudorf, Kistcnfabrikant, Grüner Weg l>7. teilt uns zu unserer Notiz vom Sonntag mit. dah von einer Mast regelnng des Arbeiters Sch. keine Rede sein könne. Er habe von der Zugehörigkeit Sch/s zur Organisation nichts gewußt, sich darum auch nicht gekümmert. Achtung, Zimmerer! Die Differenzen in dem Baugeschäft A. Müller Söhne in Tegel sind vorläufig beigelegt. Herr Müller hat durch Anschlag bekannt gegeben, daß der geforderte Stunden- lohn von 50 Pf. gezahlt wird. Die Vertrauens männn er- Centralisation. Wegen Lohiidisfcrenzen haben die Zimmerer auf dem Bau Gcßlerstr. 15 und 16 in Schöncbcrg die Arbeit eingestellt. Die Arbeiten� werden vom Zimmermcister I. Schmidt» Rixdorf, Pannierstr. 53, ausgeführt. Herr Schmidt will sich zu keinerlei Verhandlungen herbeilassen, will überhaupt keine organisierten Zimmerer beschästigen. Wir ersuchen nun sämtliche Kameraden, diese Arheitsstelle zu meiden. Die Berbandsleitung. Deutsches Reich. Zur Lohnbewegung der Maurer i» der Provinz Brandenburg. Der Streik der Zeh denicker Maurer ist nach 13wöchentlicher Dauer mit einem vollständigen Siege der Arbeiter beendet. Zehn- stündige Arbeitszeit an Stelle der elfstündigen, Lohnerhöhung von 28 auf 35 Pf. pro Stunde, Ausschluß der Maßregelungen und An- erkennung der Organisation, sowie andere Verbesserungen wurden unter Beisein des Biirgermeifters vertragsmäßig bis 1. April 1801 vereinbart. Bemerkenswert ist, daß sich von den Maurern, die vor dem Streik dort beschäftigt waren, nur zwei Streikbrecher gesunden hatte». Den Let schiner Maurern ist es noch nicht gelungen, ihre Forderungen zur Anerkennung zu bringen. Es ist dies besonders den Arbeitswilligen, welche sich in verhältnismäßig großer Zahl gefunden haben, zu danken. Auch machen die Gutsbesitzer und die sonstige Honoration der Gegend den ganzen Einfluß zu Ungunsten der Maiirer geltend, sie befürchten, ivenn es de» Maurern gelingt, den Zehnstundentag zu erreichen, dann könnten die Landarbeiter und andere, noch in vollständiger Univisscnhcit Dahinlebende, auch das Bedürfnis nach Verbesserung ihrer Lage'empfinden. Die Maurer werden nicht eher ruhen, bis das gesteckte Ziel erreicht ist. In K y r i tz gelang es den Maurern nach kurzem Streik eine ö proz. Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden zu erreichen. In Alt- und Neu-Strelitz gelang es nach zweitägigem Streik die 10 stündige Arbeitszeit und den Lohn von 27 auf 31 Pfennige durchzusetzen. Außerdem bessere Baubuden und Aborte, Vergütigmig der Land- und U eberstunden- Arbeit. Die Arbeitgeber haben die Pflicht, bei Arbeiten, wo die Maiirer übernachten müssen, für wetterdichte, zugfreie, im Winter heizbare Uebernachtungsräume zu sorgen, Ausschluß von Maß- regclung und Anerkennung der Organisation. Trotzdem die Or- ganisation erst kurze Zeit bestand, war die Arbeitsniederlegung eine einmütige. Seit 17. Juli befinde» sich die I ü t c r b o g e r Maurer im Streit. Verkürzung der Arbeitszeit an den Sonnabenden und an den Tagen vor den hohen Festen, Lohnerhöhimg von 28—29 Pf. ans 35 Pf. die Stunde, gesundheitentsprechende Baubuden und Ab- orte und Einsetzung einer Konnnission zur Schlichtung von Streitigkeiten, Abschaffung der Accord- und Ilcbersttiiiden-Arbeit sind ihre Forderungen. Die beiden ersten Punkte sind bereits von allen Arbeit- gebern anerkannt worden. Am 13. Juli traten die Maurer von N e u z e l l e und F ü r st e n- b e r g in Streit, um sich die zehnstündige Arbeitszeit und eine Er- höhnug des Stundenlohnes von 25 auf 30 Pf. zu erkämpfen. Samt- liche Kollegen legten die Arbeit nieder bis auf zwei. Em Arbeit- geber hat bereits bewilligt. I» Kremmen wurde den Maurern ohne Streik der Zehn- stundentag und eine Lohnerhöhung i» der Weise zugestanden, daß sie bei zehnstündiger Arbeitszeit soviel wie bisher bei 11 Stunden -rhalten. Am 24. d. Mts. legten die Köpnicker Maurer bis auf einen sie Arbeit nieder; sie fordern nennstündige(bisher zehnstündiges Arbeitszeit und einen Strindenlohn von 55 Pf.(bisher 60 Pf.), Ver- bcsserunaen der Baubuden und Aborte. Die Arbeitgeber sind Mit- zlieder des Berliner Bundes. Verhandlungen sind eingeleitet. In F n r st c n Iv a l d e bestand ein im Jahre 1887 geschlossener Vertrag, den aber die Arbeitgeber fortgesetzt ignorierten. Im April wurden die Arbeitgeber nusgesordcrt. denselben zu erfüllen; da keine Antwort erfolgte, so teilte die Lohntommission im Mai den Arbeit- gebern mit, daß anch sie sich nun nicht inchr für gebunden am Ver- trage erachten und zur geeigneten Zeit sich das ihnen jetzt Genommene erringe» würden. Am 16. Juli forderten sie mm eine Lohnerhöhung von 35 auf 40 Pf. pro Stunde und die Forderungen von 1887, Ivelche die Arbeitgeber schon damals anerkannt aber nicht erfüllt hatten. In letzter Stunde, am 24., fand eine Verhandlung statt, eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Am 25. Juli traten somit sämtliche Maurer in den Streik. In K o t t b u s ist den Maurer» jede Erhöhung deS Lohnes von der Ban-Jnnnng abgelehnt worden. Eine am 21. d. M. abgehaltene Versammlung beschloß, den Meistern folgende Forderungen zu unter- breiten und bis 23. Juli um Antwort oder stattfinden einer gemeinsamen Sitzung der Gesellen« und Meister- tomniission zivccks Verhandlung zu ersuchen: 1. Zehnstündige Arbeitszeit. 2. 40 Pfennige Stundenlohn. 8. Abschottung von Stknnnzcng und Spaten. 4. 5 Pf. resp. 10 Pf. Lohnanffchlag dei Ileberstunden, Nacht-, Sonntags- und ftcsselarbcit. 5. Baubuden und Aborte der Gesundheit und Hygiene entsprechend und größere Sicherheit bei Rüstungsdau. In Sora» befinden sich die Maurer in Lohndrsterenzen. Wir ersuchen nun sämtliche Maurer von den Strcikorten und die, wo sich die Kollegen kurz vor einem Streik oder in Disferenzen befinden, den Zuzug fernzuhalten. I. A. derAgitations-KommissionH. Srlberschmrdt, Lindenstr. 106. Zur Lohnbewegung der Hamburger Zimmerer wird uns nöch berichtet: Der Beschluß, eine Erhöhung des Snmdenlohnes von 60 auf 70 Pf. und die Verkürzung der Arbeitszeit ans 9 Stunden pro Tag zu fordern, wurde in einer Versammlung gefaßt, die von e!wa 1�00 Zimmerlcuten besucht war. Etwa 1600 Zimmerer be finden sich überhaupt in Hamburg, von denen ettva 1400 organisiert sind. In einer besonderen Versammlung beauftragten die bei JnnnngSmeistcrn beschäftigten Zimmerer ihren Gesellenausschuß, ebenfalls bei der Innung für Bewilligung der von der Versammlung aufgestellten Forderung einzutreten.— Von den übrigen Bau- Handwerkern in Hamburg sind in diesen Tagen noch die Bau- Hilfsarbeiter und die Töpfer mit der Fordmiiig nach einer Verbesserung ihres Lohntarifs an die Arbeitgeber herangetreten. In allen Fällen ist um Entscheidung über die Forderung bis znm 1. August gebeten. Die Lohnkommission der Hallenser Maurer hat die Voll macht erhalten, mit einzelnen Meistern zu unterhandeln, da die Kollcktivvcrhandlungcn zu keinem Resultat geführt haben. Die Meister, welche sich verpflichten, vis zum 31. März 1901 den 50 Pfeunig-Stundenlohil zu zahlen, erhalten Arbeiter zugewiesen. Auch sonst ist eine günstige Wendung zu verzeichne». Die Jnmings meister haben sich durch ihre kurzsichtige Trotzköpfigkeit eine böse Suppe eingebrockt. Diejenigen nämlich, die am Bau der Kaserne be- teiligt sind, hatten von der die Oberleitung führenden Firma Rrwch und Nnllmeher die Weisung erhalten, bis Dicnstagmittag genügende Arbeitskräfte am jkasernenbau einzustellen,' andernfalls die Arbeit ihnen genommen und an die Konkurrenz vergeben wird. Die am Kasernenbau beteiligten JminttgSnieister haben darauf mit der Kommission verhandelt, und hierauf sich bereit erklärt, auf allen von ihnen arisgeführten Bauten bis zu in 31. März 1901 den oO Pfennig-Stundenlohn allen Maurern zu zahlen. Sollten bis dahin anderweite Ver- einbarungen mit der Innung als solcher getroffen werden, so sollen die neuen Vereinbarungen anch für die Kascrnen-Baumeisier Geltung haben. Maßregeliiiigen dürfen nicht stattfinden. Der Streik dauert unverändert bei den Meistern fort, die sich den Vereinbarungen nicht a n z e j ch l o ss e n haben. In Taalseld Auerbach u. S Arbeitszeit von 11 leitung sich auf nichts Kündigung eingereicht. i. Dh. ist in der Maschinenfabrik Rudolf Heide eine Beivegnng behufs Verkürzung der auf 10 Stunden im Gange. Da die Geschäfts« einlassen ivollte, haben 1 6,8 Mann die Die Arbeiter stehen fest, und ist deshalb nach Lage der Sache(da inzwischen eine Konkurrenzfirma am Orte die lOstündige Arbeitszeit bewilligte) nicht ausgefchlosieu, daß die Forderung vor Ablauf der Kündigung noch bewilligt wird. Ueber de» Streik der Ledersiirber in Osterwicck(Harz) wird uns von dort berichtet: Eine Ausdehnung des Ausstaudes ist in der nächsten Zeit zu erwarten. Da nämlich die Handschuh- macher jetzt nur die paar Felle, die von den Arbeits- willigen hergestellt werden, zu verschneiden bekommen, so haben sie nur, wie wir hören, 7—10 Mark verdient. Unbe- dingt sind doch die Handschuhmacher als eine so starke Organi- 'ation verpflichtet, hierzu Stellung zu nehmen, denn sie verarbeiten doch thatsächlich die von Arbeitswilligen hergestellte Arbeit. Arbeits- willige aus den Reihen der Ausständigen haben sich noch nicht gefunden. Die Arbeitgeber versuchen, ihre Felle außerhalb färben zu lassen; bis jetzt ist es ihnen nicht gelungen. Das Resultat der letzten Verhandlung ist folgendes: Ein Fabrikant bietet 16 M., die übrigen 16,50 M. Diese wollen sich aber— um Herr in ihrem Hause zu sein— vorbehalten, wie viel Felle sie dafür verlangen. Unsere Fordening ist 18 M. Man sieht hieraus, daß, wenn wir dies an- nehmen, wir in noch größere Zwistigleiten kämen als zuvor. Die geheime Abstimmung hierüber ergab, daß 144 sich gegen diese An crbietuiigen ausdrückten, 3 dafür. An der Einigkeit ist also nicht zu zweifelnd Der Düsseldorfer Maurerstreik schien am Sonntagmorgen seinem Ende nahe, doch hat er durch den Starrsinn der Unternehmer nunmehr die Arbeiter zu enieutem Ausharren angefeuert. Wie schon gemeldet, hatte der Vertrauensmaun der Maurer sich an den Beigeordneten Dr. Wülffing gewandt mir der Bitte, eine Einigung der Streikenden mit den Unternehmern herbeizuführen. Die Herren Dr. Wülffing wie Polizei- Inspektor Setzern, ann haben nun in anerkennenslverter Weise die Vermittlerrolle zwischen Strei kenden und Bauherren geführt und es so weit ge bracht, daß beiden Teilen eine Resolution zur Annahme unterbreitet lvurde. Ja, die Unternehmer hatten sich dem Willen der Streikenden, die mit dem derzeitigen Vorstände der Maurer« innung nicht unterhandeln wollten, sogar so weit gebeugt, daß dieser Vorstand die Bereitwilligkeit öffentlich kundgab,„einftiveilen zurück- zutreten, um der Aufsichtsbehörde zu ermöglichen, verhandelnd ein- zutreten." Nun kamen aber am Sonntagmorgen die beiden Ver- saminlungen der Parteien, da weigern sich die Unter- nehm er, den von den Streikenden von 48 Pf. pro Stunde geforderten Minimallohn anzuerkennen. Die Unternehmer billigten nur 3 Pf. dem bisher den Arbeitern gezahlten Stundenlohn zu, und somit waren die Strei- kenden gezwungen, die zun, Frieden dargereichte Hand zurückzuziehen. Der Einigungsversuch ist demnach als gescheitert anzusehen und der Streik dfauert noch immer fort! Die Herren Unternehmer wollen den Frieden nicht und so können sie die Folgen dieses ihres Starrsinns »nn auch tragen I Diese Folgen werden aber, wenn das„och einige Zeit so andauert, für das ganze hiesige Baugewerbe tief eiuschneideude werden. Schon rüsten sich die Stuccatenre und Zimmerer zur Stellungnahme ihrerseits zu diesem Streik, und es ist gal nicht ausgeschlossen, daß diese wie auch noch andere Berufe auf die Dauer gezwungen sind, den um Brot und Arbeit ringenden Mauren, durch den Generalstreik sämtlicher im hiesigen Baugewerbe organisierten Arbeiter brüderlich zur Seite zu stehen. Hoffentlich aber kommt es nicht so weit. Noch heute rät die„Voltstribüne", eine erneute Ver- mittelling anzubahnen und erfreulicherweise unternimmt es die Streikleitung. noch einmal mit Herrn Dr. Wülffing zu unterhandeln. An dem Starrsinn der Unternehmer aber liegt'S, ob diese erneute Vermittlung von gutem Erfolge gekrönt ivird. Auf alle Fälle ist»ach Lage der Sache Zuzug nach Düssel- dorf streng fernzuhalten! Alle arbcitersreundlicheu Blätter werden um Abdruck dieser Zeile» gebeten. Vom Nnteruehmer-Terrorismus. Die Marmorarbeiter in Köln hatten de», dortigen lliitcrnehu, erverband eine» Lohntarif unterbreitet: die Verhandlungen über diesen wurden jedoch abgelehnt. Darauf versuchten die Arbeiter mit de» cinzclncii Firmen zu ver- handeln. Die Finna W i n g s u. I l t g e n war bereit, einen drei- monatigen Versuch mit dem Tarif zu»lachen. Die Herren Wings u. Jltgen. die Mitglied der Konvention sind, hatten die Rechnung ohne die Konventton gemacht. Diese erklärte ihnen, falls die den Arbeitern gemachte Zusage nicht sofort zurückgezogen würde, sei der von ihnen bei Eintritt in die Konvention hinterlegte trockene Wechsel in, Betrage von 700 M. verfallen, außerdem werde ihnen aber auch der Bezug der Rohmaterialien, lvcnn nicht ganz abgeschnitten, so doch äußerst erschwert werden. Gleichzeitig wurde von der Konventton ein Lohntarif, der in einzelnen Teilen eine Redukrion der bisher gezahlten Löhne enthielt, ausgestellt. Die Firma Wings n. Jltgen gab diesem Druck der Uiitcrnehmerloiivention nach und erklärte unter dem Ausdruck des Be- dauerns ihren Arbeitern, die fast sämtlich seit längeren Jahren thätig bei ihr sind und zu ihren Prinzipalen hurchgängig in gutem Verhältnis standen, daß sie die gemachten VewiNigungen zurückziehen müsse. Darauf reichten denn die Arbeiter ihre Kündigung ein und traten nach deren Ablauf in den Ausstand. Durcki den Terrorismus der Untcrnehmerkonvention gegen die Firma Wings u. Jltgen wurde das dort bisher dort bestehende gute Verhälniis zwischen Arbeit- geber und Arbeiten, zerstört und der jetzige Streik veranlaßt. Wir zweifeln zudem auch keinen Augenblick, daß, wenn von Arbeitern in der Weise vorgegangen worden wäre wie eS hier von der Unter- nehmerkoalition gelchehen ist, der Staatsanwalt ganz gewiß einen Paragraphen entdecken würde, durch den er die Arbeiter zur Be- strafung ziehen könnte. Das Zusammengehen der beide» Bergarbeiter-Orgaui- sationcn bei den Ersatzwahlen zum Knappschaftskasseu-Vorstand ist, wie man uns aus Bochum schreibt, in den Kreisen der Bergarbeiter sehr güiislig aufgeuomnien worden. Auch der Vorsitzende des 7000 Mitglieder zählenden siegerläudischen christlichen Berg- und Hüttenarbeiter-Verbaudes, Breidenbach, hat an die Redaktion der „Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter- Zeitung" ein Glückivunsch- schreibe» geschickt und spricht am Schlüsse desselben die Hoffnung aus. daß auch in Zukunft die Bergarbeitcr-Lrganisationen zur Er- ringung von Siegen gemeinschaftlich vorgehen möchte». Achtung, �Former? Aus Güstrow wird uns geschrieben: In der nengcgründcten Fabrik„Güstrower Hütte" zu Güstrow, früher„Mecklenburgische Waggonsabrik", wird Streikarbeit und zwar Drchbankstücke und Ma'chineiilcile für die Firma Kirchner in Leipzig geliefert. Bis jetzt arbeiten vier Mann; da die Zahl aber bis auf 60 erhöh! werden soll, so kann den Formern nur Vorsicht betreffend der„Güstrow-Hütle" angeraten werden. Die Lohnbewegung der Leipziger Töpfer nimmt, nachde», die Gehilfen in voriger Woche die Arbeit ruhen ließen, obwohl eine ofsicielle Streikerklärnng nicht vorlag, nunmehr ihren glatten Fortgang. Der Berschleppiuigstaktik der Unten, ehn, er ist durch die Arbeitsruhe ein schnelles Ende bereitet worden. In der letzten öffentlichen Tüpferversammlung, die am Sominbend stattfand, be- richtete die BerhandlungSkommission über eine mit den Meistern gehaltene Sitzung. Die Zugeständnisse der Meister wurden als nicht weitgehend genug bclnmpft, was einige der anwesenden Meister zu der Erklärung vcranlaßte, bei den hauptsächlich in Betracht kommenden Positionen w e i t e r e Zugeständnisse ninchci, zu wollen. Bei der endgültigen Abstimmung wurden 122 Stimmen für, und 57 Stimmen gegen die Wiederaufnahme der Arbeit gezählt. Durch die lctztwöchentliche Arbeitsruhe sind erreicht: 5- bis 10 prozentige Erhöhung des Tarifs und 8'� ständige Arbeitszeit. Tie Verhandlungen der beiderseitigen Kommissionen werden nca, weiter geführt unb müssen am 1. August abgcichlosscn sein. Ter neue Tarif tritt am 1. Oktober in Kraft. Die Arbeitswilligen, die während des Streits angefangen haben, werden wieder rnttasicn. Der gemeinsame Arbeitsnachweis wird am Tage der Wiederausnahuie der Arbeit eröffnet. Ausländ. Aus Clevelaud(Ohio) wird vom 24. Juli gemeldet: Alle verfügbaren Sicherheitsmannschaften, etwa 800 Mann, find zusammen- berufen worden, um die streikenden SIraßenbahn-AngestcNtcn im Zaum zu halten. Ein Wagen der Vorottliuie, der mit Frauen desetzt war, wurde gestern abend in die Luft gesprengt; zwei Frauen erlitten Verletzungen. In der vergangenen Nacht haben die ausständigen Bahn- angestellten wiederum Ruhestörungen begangen. Im Laufe des Heu- tigc» Nachmittags(25. Juli) werden noch weitere Truppenseiiduiigen in Stärke von 1000 Mann hier eintreffen. Aus dcv �raurubeuiegung. Die Sv. Gcneralpersammlung des Allgemeinen deutschen Fraueuvereins findet vom 1. bis 4. Oktober d. Js. in Königs- b e r g in Preußen statt und mit dieser wird wieder ei» öffentlicher Frauentag verbunden sein. Der Nationale Reformkongrest in Buffalo hat einstimmig eine Resolution angenommen, die sich für das Frauen st imm- recht ausspricht. Es ist dies umso beachtenswerter, weil der Kongreß aus Reformern der verschiedensten Richtung zusammen- gesetzt war:_ Uetzke Nschvichken und Vepefchen. Köln, 25. Juli.(B. H.) Ter Belgrader Korrespondent der «Köln. Ztg." meldet über dieBehandlung der verhafteten radikalen Führer, dieselben seien während ganzer 50 Stunden ohne Speis« und Trank gehalten worden: die drei früheren Minister mußten 4 Tage hindurch aus ungedieltem Fußboden zubringen. Ganz besonders wurde Oberst Nikolic gequält. Erst seitdem die aus- wältigen Mahnungen erfolgten, werden die Verhafteten menschlicher behandelt. Meran, 25. Juli.vortlilyer Redacteur:«ugust Iaeobey in Berlin. Für den Inseratenteil veraniwottlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzu I Beilage und llntcrhalttiugoblatt. Hr. 172. i6. mm. KtiltM des JoraiWs" Kellmer AlksbIM. mm. 26. 1«li WS. Invalidenversicherung und Centrnm. Unsere neulichen Erinnerungen an die Thatsachen. aus denen erhellt, daß infolge der Haltung des Centrums das Invaliden- versicherungs-Gesctz nicht mehr Besserungen aufzuweisen hat, sind der Centrumspresse nicht angenehm. Ungerecht ist es von der Centrumspresse, deshalb uns zu grollen. Nicht uns, sondern dem Centrum verdanken die Thatsachen ihr Dasein. Da die Ccntrumspresse auch nicht einen der von uns er- wähnten Thatsachen in Abrede zu stellen vermag, so versucht sie auf eine andere Weise die ihr unangenehme Wahrheit wegzudisputieren, daß daS CeMrum schuld an der Nichtannahme einer Reihe social- demokratischerseits gestellter Verbcsscrungsanträge ist. So läßt z. B. die„Märkische Volkszeitung" durch ihren Mitarbeiter, der unter deni Zeichen des abnehmenden Mondes schreibt, jetzt ihren Lesern folgendes darlegen. Znm ersten setzt dieser gelehrte Herr seine Leser darüber in Kenntnis: daß nicht des Reichstags Zustimmung allein, sondenr auch die des Bundesrats notwendig ist, um ein Gesetz zu stände zu bringen. Die Verkündung dieser verfassuiigsrechtlichen Binsciiivahrheit mag eine bedeutende Leistung sein. Aber sie beweist nichts für die Notwendigkeit des Zurückweichcns des Centrums. Selten war die Gelegenheit so günstig, wie bei der Jnvalidcnversichcrimgs- Novelle, um den Bundesrat zu zwingen, dem im socialen Interesse Notwendigen auf diesem Gebiete zuzustinimen, denn die Regierungen befinden sich durch die Unterbilanz ostclbischer Anstalten— diese allein war ja die Veranlassung zur Vorlegung des Gesetzes— in einer Zwangslage. Das Centrum fiel' aber getreu der Devise„der Starke weicht mutig einen Schritt zurück" vor fast jeder der stereotypen Drohungen irgend eines Regiemugsvertreters: „die Annahme dieses Antrages gefährdet das Zustandekommen des Gesetzes" um. Ter Mann mit dem Zeichen des abnehmenden Mondes hat durch seine verfassungsrechtliche Offenbarung also lcdig- lich gezeigt, daß w i r Recht haben. Ferner behauptet der Artikel lchrcibcr: der Antrag auf Abschaffung der Klebemarkcn und Schaffung einer Reichsstcuer auf hohe Einkommen— liege„noch lange nicht im Interesse der arbeitenden lUaffen". Und weshalb nicht? Weil ja dann, meint der Artikel, auch schlecht situierte„Agrarier" von Bei- trägen verschont bleiben würden. I, der Tausend— wenn wirk- lich notleidende Kleinbauern entlastet werden. so liegt das nicht im Interesse der arbeitenden Bevölkerung? Der Kleinbauer gehört gerade so gut wie jeder andere Arbeiter zur arbeitenden Bevölkerung. Die Socialdemokratie wird es sich nicht nehmen lassen, zu Gunsten auch dieser schwer gedrückten Klasse stets einzutreten. Daß dies die Centrunlspresse nicht thut, zeigt die Darlegung des Mannes mit dem Mond- zeichen und ihre agrarische Gefolgschaft bei dem Bestreben. die Getreidepreise zu Gunsten des Großgrundbesitzes künstlich in die Hohe zu schrauben. Die„Märkische Volkszeitnng" selbst scheint der Ansicht zu sein, daß ihre Ausführungen nichts weniger als geeignet sind, den an der Hand zahlreicher Thatsachen dem Centmni gc- »nachten Vorwurf zu widerlegen. Sonst wäre es nicht recht erklär- lich, weshalb sie in dem Artikel mit so liebenswürdigen Wendungen, wie„Salbaderei",„politische Heuchelei" u. dgl. uns überschüttet und die ihr unangenehine Wahrheit zu vertuschen sucht. Mag das Centmm bei seinen Abstiinmungen seine Versprechungen beachten und sich so halten, daß die Arbeiterschaft nicht berechtigt ist, vollauf bc- gründete Vorwürfe gegen seine arbeiterfeindliche Haltung zu erheben. Dann wird es uns nicht möglich sein, der Katze die Schellen airzn- hängen. Freilich zwischen den arbeiterfreundlichen Worten und den� T h a t e n des CentrumS wird wohl auch in Zukunft eine recht große Verschiedenheit sich zeigen. Vontmunales. Nachdem die Strombehörden fast alle außerhalb der Jannowitz- und Waisenbrücke liegenden Anlegeftellen aufgehoben haben, halten diejenigen Dampfergesellschaften, welche keine festen Anlegestellen besitzen, ihren Betrieb ernstlich gefährdet. Sie sind deshalb bei den städtrschen Behörden vorstellig geworden, d i e neue linksseitige Spreeufer st ratze zwischen Jannowitz und Waisenbrücke ausschließlich für die Personen-Dampf« schiffe freizuhalten. Di« Aktiengesellschaft Siemens und Halske beabsichtigt. ihre Rechte und Pflichten an die Straßenbahnlinien Gesundbrunnen' Pankow, Behrenstraße— Treptow und Gesundbninnen— Mittelstraße auf die neudegründete Aktiengesellschaft„Berliner Elektrische Straßen- bahn" zu übertragen, bis znm 31. Dezember ISOt aber den Betrieb dieser Bahnen noch weiter zu führen. Der Haus- nnd Grundcigentümervercin„Gesundbrunnen" ist beim Magistrat vorstellig gcivorden, bei Gelegenheit der Ab- ändening der Bebauungspläne der Abteilungen X. und XI. beider dort noch vorhandenen übergroßen Bauquarticre zu verkleinern. Nainentlich ist der zwischen der Hoch-, Bad-, Pank- und Wiesenstraße gelegene Block, welcher allerdings 1 Kilometer lang und Ve Kilometer breit ist, der Entwicklung der dortigen Gegend sehr hinderlich. Diesem Ucbelstande soll durch Anlegung zweier sich kreuzenden Straßen, welche die Stcttiner- mit der Colberger- und Thnrncyßer- mit der Hochstraße verbinden, abgeholfen werden. Ter Wahlverein für den 3. RcichstagS-WahlkreiS unternimmt an» nächsten Som»tag(30. Julij einen Familienausflng nach dem Restaurant„ R a v e n st e i n.e r Mühle". Abfahrt früh 8 Uhr vom Schlesischen Bahnhof bis Friedrichshagen. Rege Beteilig»mg erwartet Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht.fdaß am Sonntag der Former August Findeisen verstorben ist. Die Beerdigung findet statt heute. Mittwoch, nachmittags ö Uhr, voin Krankcnhause Friedrichshain. Um rege Beteiligung bittet _ Der Vorstand. In üblen Gernch kommt die Nachbarschaft des Central- Vieh- und Schlachthofes zeitweise, wenn der Wind von dort zu ihr hinüber »veht. Kürzlich ging uns ein von L3 Bewohnern der Landsberger Allee unterzeichnetes Schreiben zu, in ivelchem Klage darüber geführt lvird. daß in jener Gegend schon seit längerer Zeit ein Pestilenz- artiger Gestank herrsche, der die Bewohner zwinge, die Fenster ihrer Wohnräume dicht geschlossen zu halten und bei der gegcnivärtigcn Kitze, Ivo jeder nach frischer Luft geradezu lechzt, in l nmpfer, stickiger Stubenluft zu verweilen. Nach Ansicht der Brief- schrciber rühr: der Gestank von einer aus dein Viehhof befindlichen Allmminfabrik her/ welche Blut zu gewerblichen Zwecken verarbeitet. Ans Anlaß dieses Schreibens haben wir an Ott und Stelle Nach« forschilngen über den Ursprung der üblen Gerüche anstellen laffen. Uever das Ergebnis derselben schreibt uils unser Beauftragter: Ans dem Viehhof angekommen, wandte ich mich z»mächst den Vichställen und Schlachthänsen» zu. Hier herrscht überall eine»veit- gehende Sauberkeit. Abgesehen von den nicht gerade angenehmen Ausdünstliiigen, die durch das Hantieren mit den Singeweiden der geschlachteten Tiere entstehen, kann man von üblen Gerüchen oder gar von Gestank hier nichts merken. An einein HammcsiSchlacht- banse bemerkte ich allerdings einen großen Kastenwagen, beladen mit Knocken und ähnlichen Absällen, von dem ein anffallender Vcrwcsungs- geruch ausging, der selbst aus die sicher nicht verwöhnten Nasen einiger Schlächtergesellen einensolchenEindi-uckmachte.daßderFührerdeSWagens unwillige Bemerkungen zu hören bekam. Nun wandte ich mich jenem Teil des Viehhofes zu, wo außer der erwähnten Albuminfabrik noch andere industrielle Anlagen errichtet sind. In der Nähe der Albumin- fabrik, deren Fenster zum Teil geöffnet waren, konnte ich nichts von anffallendem Gestank bemerken. Dagegen versicherte mir mein orts- knndiger Begleiter, daß zu manchen Zeiten von dieser Fabrik ein fürchterlicher Gestank ausgehe, und zwar soll dies der Fall sein, wenn die Maschinen von den Fabrikationsrückständen ge- reinigt werden. Nicht weit von der Albuminfabrik befindet sich eine Haarzurichterei. Hier werden Schweinsborsten zu Polsterinaterial hergerichtet. Neben dieser Fabrik lag gerade ein großer Haufen Borsten, untermischt mit Hautfetzen und Blutteilen. Nach dem Geruch zu urteilen, war der Borstenhaufen desinfiziert. aber die Desinfektion scheint keine gründliche gewesen zu sein, denn neben dem Geruch des Desinfektionsinittels machte sich auch ein starker Verwesungshauch bemerkbar. Diese Borsten werden zuin Zweck der Reinigung zunächst in eine Kalkgrube geworfen und nach Verlauf einiger Tage behufs weiterer Verarbeitung wieder hervorgeholt. Bei dieser Gelegenheit soll sich dann ein Gestank ent wickeln, der die ganze Umgebung des Platzes weithin geradezu verpestet. Mir wurde gesagt, daß die Haarzurichterei die übelriechendste Anlage des ganzen Viehhofes sei. Neben dem Gebäude der Haarzurichterei entdeckte ich noch eine andere luftverpestendc Ursache. Auf einem eingefriedigten offenen Platze standen eine Anzahl teils leerer, teils gefüllter, nnver- schlossener Tonnen. Der Inhalt der letzteren erwies sich als eine schmutzig graue, gährende Schleimmasse, in der ein zahlreiches Volk ungewöhnlich großer Maden sich lustig hernmtuinmelte. Die von diesen Tonnen aufsteigenden Düfte riefen bei mir eine so starke Uebelkeit hervor, daß ich mich schleimigst von diesem pesthauch verbreitenden Orte entfernen mutzte. Der Inhalt dieser Tonnen ist Dannschleim, der der Verarbeitung als Material zur Seifen fabrikation harrt. Der spekulative Kapitalismus versteht es, auch aus den ekelhaftesten Abfallstoffen mit Hilfe von Arbeitern Profit zu ziehen. In der Dannschleimerei, aus der die eben beschriebenen Abfallstoffe herrühren, und in deren Räumen stets eine Anzahl solcher Tonnen zu finden sind, herrscht natürlich ein ähnlicher Gestank. Bei der gegenwärtig herrschenden tropischen Hitze, wo tierische Abfallstoffe schnell in Verwesung übergehen, machen sich die üblen Ausdünstungen begreiflicherweise besonders auffallend benierkbar und nian kann sich leicht vorstellen, in wie hohem Grade die Anwohner des Viehhofes dadurch belästigt werden. In erster Linie hat die Verwaltung des städtischen Viehhofes die Pflicht, dafür zu sorgen daß die Unternehmer, welche auf städtischcin Terrain die Abfälle der Schlachthäuser verarbeiten, solche Einrichtungen in ihren Bc trieben treffen, die geeignet sind, ekelhafte und gesundheitsschädliche Ausdünstungen zu verhindern. Die Unternehmer, welche� aus der Verarbeitung ekelhaften Materials Gewinn ziehen, müsse» dafür sorgen, daß andere Menschen nicht dadurch belästigt oder geschädigt werden. Wir einpfehlen daher dem Magistrat diese Angelegenheit zur Berücksichtigung. Politik in der Knust. Zur Medaillen-Verleihung anläßlich der Großen Berliner Kunstaus stellung haben die zur S e c e s s i o n gehörigen Professoren Frenze!, Friese»nid Liebermann eine Eingabe an Minister Bosse gerichtet. Die PrciSjnry, welche den» Kaiser Vorschlüge für die Verleihung der goldenen Medaillen zu machen hat, besteht aus den Inhabern der großen goldenen Medaille, soweit sie Preußen sind oder in Preußen leben, sowie ans den Inhabern des Ordens paar ls mörito für Kunst. Die Herren Frcnzcl, Friese und Liebermann besitzen die große goldene Medaille, waren aber dennoch zu den Sitzungen der PreiSjnrh nicht eingeladen worden. Sie wandten sich daher an denMinister, um über diese Unterlassung Auskunft zu erhalten und zugleich um die rechtliche Seite der Angelegenheit zur Erörterung zu stellen. Wie die„Korr. für 5k»lnst und Wissenschaft" erführt, hat der M i n i st e r in seinem Bescheide es durchaus gebilligt, daß jene drei Künstler zu den Beratungen der Jury nicht zugezogen worden sind, da sie„durch ihre gegensätzliche Srellung zur Großen Berliner Kunstansstellung sich selbst von den offiziellen Funktionen an der selben ausgeschlossen" hätten.— Das Ministerium für Geistesfreiheit dürfte danach wohl ein Disciplinargcsetz für Jnrymitglicder ans' arbeiten, das jeden, der nicht zu Anton von Werner schwört, relegiert Niedliche kleine Tächelche». Ter Universitätsrichtcr Daude, dessen litterarischen Geschmack wir bei der Beurteilung des Musenalmanach kennen lernten, hat sich auch über die Tendenz der dichterischen Leistungen für den Musenalmanach in freimütiger Weise ausgelassen. Er äußerte: er habe erwartet, die Studenten würde» kleine niedliche Sächclchen einsenden, aber nicht Kon- fektioneusen und ähnliches Gesindel andichten. Für einen Universitätsrichter ganz nett l Warnung. Wiederholt haben wir davor gewarnt, sich wertlose Bücher usw. aufschwatzen zu lassen und einen Bestellzettel zu unter- schreiben, der zur Abnahme solcher Sachen verpflichtet. Die meisten derartigen Bücher— Meyers Lexikon, Brockhans' Lexikon, Neues deutsches Rechtsbnch und dcrgl.— sind für den Arbeiter völlig wertlos oder haben für ihn kauin den zehnten Teil des Wertes. den in Raten zu zahlen er sich ver- pflichtet. Fast täglich treten dann Klagen Solcher an uns heran, die von dem Vettrage wieder zurücktreten wollen, weil ihnen der Agent mündlich ungehaltene Versprechungen gcniacht hat oder weil sie eingesehen haben, daß die Bücher für sie'wettlos sind. Leider läßt sich in allen solchen Füllen nachher kein anderer Rat geben, als zu zahlen. Denn der schriftliche Vettrag ist gültig, die mündliche Abrede gleich gültig oder wenigstens sehr selten zu beweisen. Wir wieder- holen ausdrücklich die Warnung: irgend etwas zu unterschreiben, dessen Trag lveite einem nicht vollkommen klar ist und keinerlei Wert auf nur mündliche Versprechungen zu legen. Ueber 1000 Centner besten KlerheueS sind dieser Tage im Treptower Park gcenitet worden. Die weit ausgedehnten Rasen- flächen, welche sich im Parke hinziehen, und ans denen sich vor drei Jahren die stattlichen Gebäude der Gewerbe-AuSstellung erhoben, sind in diesein Jahre mit einem so üppigen Graswuchö bedeckt, wie kaum je zuvor. Die heißen Tage des J»lli haben besonders die S t e r b- lichkeit an Brechdurchsall sehr rasch g e st e i g e r t. Nach den Veröffentlichungen des Berliner Statistischen Amts starben in Berlin an dieser Krankheit in den Wochen 25. Juni bis 1. Juli er. 14 Personen. 2.-8. Juli er. 26 Personen, S.— 15. Juli er.(nach den bisher eingegangenen ärztlichen Meldungen) 51 Personen. Durch ei» Schildbiirgerstilckchen wurden gestern die Besucher der Bade-Anstalt an der Ebcrtsbrücke in große Aufregung versetzt. In der Anstalt ist zilr Venneidung von Unglücksfällen die Einrichtung getroffe»», daß die das Schwimmbassin betretenden Personen gezählt imd die Zahl mit den in den Zellen befindlichen Kleidungs- stücken verglichen wird. So auch gestern. Dabei stellte sich heraus,' daß sich im Bassin nur 83 Personen befanden, während in den Zellen die Kleidungsstücke von 84 Per- sonen hingen. Sämtliche Badende mußten sofott de» Raum verlassen, und nun wurde das Bassin sorgfältig abgesucht. Ueber zehn Minuten wurde mit Stangen daS Wasier durchforscht, uin den »nntmaßlich Verunglückten zu retten, aber vergeblich. Da entsann sich plötzlich der Beschließer, daß er selbst entkleidet sich in» Bade- lostüm befinde aber seine eigene Person nicht mitgezählt habe. DaS vorjährige vieruudzwanzig Stundcn-Nennc» hat gestern auf der Pfandkamnicr in der Neuen Schönhauserstratze 17 durch einen Gerichtsvollzieher den endgültigen Abschluß gefunden. Wie wir seiner Zeit meldeten, hatte ein französischer Rennfahrer seine Beteiligung bei dem Dauerrcnncn zugesagt und erhielt auch daraufhin die vorgesehene Entschädigung von 1000 M. Der Franzose erschien mit einem Automobil zum Start, konnte jedoch, da er sich weigerte, ein anderes Rad zu benutzen, nicht zugelassen werden. Da der Fahrer die vorausbezahlte Entschädigung nicht zurückgab, so brachte die Renn- bahn-Verwaltung einen schleunigen Arrestbefehl aus, und in dem- selben Augenblick, als der Franzose auf dem Bahnhof Friedrichstraße den nach Köln fahrenden Zug besteigen wollte, erschien der Gerichts- Vollzieher. Dem Fliehenden wurden die goldene Uhr nnd Kette im Werte von 800 M. abgenominen und drei bereits verladene Renn- räder gepfändet. Bei der gestrigen Versteigerung brachten die Räder 150, 175 und 190 M., die Uhr und Kette 303 M. Die Gegenstände wurden von hiesigen Händlern erworben. Ein Mitglied der schwarzen Bande ist der Polizei in die Hände gefallen. Es ist der 32 Jahre alte Schlächter Johannes Hoff- mann, der erst vor kurzem eine längere Strafe verbüßt hat. Er gehörte einer Gesellschaft an, die auswärtige Firmen prellte. Der Polizei war er dadurch aufgefallen, daß er seine Wirtin in der Amalienstratze, bei der er zuletzt 4 Tage wohnte, bestahl und dann, ohne die Rechnung zu begleichen, verschwand. H. hatte aus Schlesien (Hirschberg) Fleischlicferungcn bezogen und sich auf einen Groß- schlächtermeister Weil berufen, bei dem er früher arbeitete. Ebenso war er mit Kolonialwaren- Geschäften und mit Tuchlieferanten in Verbindung getreten. Die Sendungen, die gleich nach dem Eintreffen zu Geld gemacht wurden, ließ er, da er guten Grund hatte, keine Wohnung zu besitzen, an den Gastwirt W. und Kaufinann H. im Centrum der Stadt richten. AIS später keine Zahlung einging, hielten die Geprellten bei dem Großschlächtermcister Nachfrage und schritten zur Anzeige. Aber Hossinaun wußte sich unsichtbar zu machen, bis er ain Montag- nachmittag wieder in» Schcunenvicrtel auftauchte, von einem Schutz« mann im Wirtshaus erkannt und dingfest gemacht wurde. Seine Compliccn und Hehler sind noch nicht bekannt, ebensowenig wohl alle betrogenen Geschäfte. In, Eiseubahnzuge von, Tode ereilt wurde die 59 Jahre alte Ehefrau des Kaufmanns Riemann aus der Alten Jakobstr. 6. Frau R. befand sich in Begleitung einer Krankenschwester in dem Zuge, der abends um 8 llhr 40 Min. aus Wernigerode auf dem hiesigen Potsdamer Bahnhof einläuft. Aus der Strecke zwischen Potsdam und Berlin wurde sie von Unwohlsein befallen und war schon tot, bevor der Zug in Berlin ankain. Zu erdrosseln versuchte sich im Polizeigewahrsam die 31 Jahre alte unverehelichte Emma Strutz, die am Montag von Beamten auf- gegriffen und als obdach- und mittellose Person eingeliefett wurde. Dienstag früh um 4 Uhr legte sie sich eine Schnur um den Hals und zog diese fest zu,»in sich zu töten. Alsbald fiel sie um und verlor die Besinnung. Ein Arzt wurde gleich zu Hilfe gerufen, der die Strub nach einem Krankenhause bringen ließ. Wahrscheinlich hat sie die That aus Furcht vor dem Arbeitshaus begangen. Anfschen entstand Dienstagmorgen um 7�s Uhr in der Bülowstraße, als aus einem Fenster des vierten Stockwerkes vom Hanse Nr. 98 eine nur nut Nachtjacke und Hemd bekleidete Frau auf die Straße flog und völlig zermalmt liegen blieb. Die Unglückliche litt an überreizten Nerven und hatte noch am Montag einer Nach- barin gegenüber gcäußett, sie möchte sich am liebste» a»ls dem Fenster stürzen. Verhaftet wegen Fälschung nnd Unterschlagung wurde, nach dem„Grundeigentum", der Buchhalter des hiesigen allgeincinen Konsumvereins, dem ein großer Teil der Einwohner als Mitglieder angehört. Der Verhaftete heißt Wernccke und ist ein erst 21 Jahre aller Mensch, dem unbegreiflicher Weise fast die gesamte Buch- und Kassenführnng übertragen war. Die Büchcrfälschuiigen datieren ans zwei Jahre zurück, die Unterschlagungen sind bisher nicht genau fest- gestellt, sie sollen aber sehr beträchtlich sein.— Der Kriminalpolizei gelang es ferner, des lange gesuchten Hausdieners nnd Krankenträgers Hermann Kuhn habhaft zu werden. Wie wir s. Z. meldeten, unterschlug vor einigen Monaten der Kaufmannslehrling Haase seinen Chefs eine Summe von 8000 M., die er bei dem Bankhanse F. Krause in der Lcipzigcrstraße ans einen Chek erhoben hatte. Haase, der später ergriffen nnd zu nenn Monaten Gc'ängnis verurteilt wurde, hatte gestanden, von Kuhn überredet zu sein, eine größere Summe Geldes zu unterschlagen und mit ihm zu entfliehen, um in die Fremden- lcgion, in der K. schon Dienste gethan, einzutreten. Nachdem Haase das Geld unterschlagen, ergriff er gemeinsam mit K. die Flucht, der nun versuchte, dem Hanse die ganze Summe Geldes zu entwenden. AIS ihm dieses nicht glückte, trennte sich Kuhn von H., nachdem er von letzterem 1300 M. erhalten. Kuhn hat das ganze Geld ver- jubelt. Da er obdachlos war. wurde er von der Polizei aufgegriffen und, trotzdem er sich einen falschen Namen beigelegt hatte, erkannt und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ein aufregender Vorfall ereignete sich Dienstagabend auf der SchillingSbrückc. Dort hatte ein kleiner Junge sein dreijähriges Schwesterchen auf das Brückengclünder gehoben, um ihm die in der Felseuterrasse" spielende Kapelle zu zeigen. Vor einem ihn an- kläffenden Hunde erschrak der Itnabo und ließ das Kind los, das nun in die Spree stürzte. Der Junge war ganz verzweifelt. Zwei Passanten machten schleunigst den RettungSkahn flott und versuchten die Kleine zu bergen. Dies gelang jedoch erst, als einer der beiden Retter in das Wasser sprang und nach mehrmaligem Untertauchen daS ertrinkende Kind erfaßte. Als ein Mordanschlag stellt sich das Attentat heraus, das am Dienstag früh aus Helene Kuberz, g in der Wilhelmstratze 112 verübt wurde. Sie hatte mit dem Steindrucker Fritz Brandecke, einem 37 jährigen Mann, seit 7 Jahren ein Verhältnis, und B. be- aß einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Nun hatte die K. seit anderthalb Jahren ein Verhältnis mit einem vermögenden Herrn, von dem sie fortlaufend unterstützt wurde. Deswegen wurde Brandecke verabschiedet. Aus Rache dafür hatte B. vor 14 Tagen den Versuch geniacht, die K. in ihrer Wohnung zu erwürgen, wurde daran aber durch das Dienstmädchen verhindert. Die&. erstattete aus Furcht keine Anzeige, und B. sann weiter auf Rache. Dienstag- morgen um 6>/, Uhr kam die K. nach Hause und hatte kaum Hut und Mantel abgelegt, als die Glocke an der Eingangsthür gezogen wurde. Als die K., um nachzusehen, den dunklen Flur betrat, wurde ie sofort von B. gepackt. Nachdem er ihr den Hals zugedruckt hatte, versetzte er ihr einen fingerlangen, tiefen Messerstich in den Kopf ober- halb der Stirn, warf sie zu Boden und würgte sie wiederum. Die K. schrie fürchterlich um Hilfe und rief:„Mörder I Mörder I" Dadurch wurden der Hauswitt, Schloffermeister Mackels und jung« Leute aufmerksam. Als die Hilfe kam. verschwand B. durch den Ausgang über die Hintertreppe. Die herbeigerufene Polizei brachte die K. nach der Unfallstatton, konnte aber den Thäter nicht finden. Später wurden auf die Angaben der Verletzten Nachforschungen nach dem Entkommenen angestellt, der schließlich in einem Wirtshaus der Zimmerstraße verhastet werden konnte. Er bestreitet den Gebrauch eines Messers, und es wurde auch bei ihm kein solches gefunden. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 15. d. M. ist einem Burschen eine silberne Chlinder-Remontoiruhr mit Sekundenzeiger, gepreßtem Goldrand und der Nummer 2789 abgenommen. Der Zahlenkreis der Uhr ist blau eniaillicrt. Der Bursche will die Uhr in der Nähe von Stralau gefunden haben. Der Eigentümer der Uhr wolle sich werktäglich vormittags von 9— 12 Uhr im Polizeipräsidium Erdgeschoß Zimmer 97 melden. Ter Musikdirektor Otto Tienel spielt in der Marienkirch« am Mittwoch, den 20. Juli, mittags 12 Uhr, unter anderen» ein Orgel» konzert von Händel. Fräulein Gertrud Maucksch, Fräulein Lotte Diencl, Herr Mex. Curth, der Violinist Herr Herm. Spöndlh und Herr Robert Schwießelinanu werden den Orgelvortrag unterstützen und Kompositionen von Bach, Händel, Schumann, Curschmann und Dienel, darmner zwei Terzette und zwei Duette ausführen. Der Eintritt ist frei. Fcuclbcricht. In der Nacht zum Dienstag wurde die Feuer- wehr sechsmal in Anspruch genommen. Kurz nach 2 Uhr war K a st a n i e n- A l l e e 10 in einer Tischlerei ein Brand aus- gebrochen, der erst nach längerer Arbeit abgelöscht werden konnte imd einen nicht unerheblichen Schaden vernrsachte. Durch Selbstentzündung waren Bern au erste, dl ,'04 und Skalitzer- straße 43o Prckkohlenstabel auf Kohlenplätzen in Brand geraten und erforderte deren Umschichtung viel Arbeit. Ein größerer Dachstuhlbrand verursachte einen Alarm nach Belforterstr. 16. Anscheinend hatte auch hier auf dem mit Brennmaterial und allerlei Hansgerät angefüllten Dachboden dcS Quergebäudes eine Selbstentzündung von Preßkohlen das Feuer verursacht Dieses konnte nur unter Verwendung einer mechanischen Leiter wirksam angcgrissen werden und war erst nach fast zweistündiger Arbeit abgelöscht. Der größte Teil des DachstuhlcL wurde eingeäschert und erleiden mehrere nicht versicherte Mieter empfindliche Verluste. Die letzte Alannierung erfolgte nach Landsberger Allee 123, wo ein kleiner Laden- brand abzulöschen war. Wilmersdorf. demokratische Verein lung ab. AiiS bei» Nachbarorte». Am Donnerstag hält der in Lehmanns„Seeschlößchm" hiesige social» seine Wersamm- Ueber den Mord in Eliesenau wird noch berichtet: Die Ennordete ist die 13jährige Tochter Auguste des auf dem Vorwerke Eliesenau, das zwischen Bernau und Blumberg liegt, beschäftigten und wohnhasten Tagelöhners Heinrich Fredrich. Der Zhatort liegt an der Thaussee, welche von Eliesenau an der B l n m b e r g e r Heide vorüber nach dem dem Grafen Arnim-MnSkau gehörigen HerrschaftSgute Blumberg führt. Auguste Fredrich, die älteste von drei Töchtern des obengenannten Tagelöhners, hatte sich am Sonntag- vormittag wenige Minuten nach 10 Uhr nur einem Handlvägelchen auf den Weg nach Blumberg begeben, mn von der dortigen Gutsherrschaft die Milch für die auf?m Vorwerke Eliesenau »vohnhaften Tagelöhner zu holen. Kaum eine halbe Stunde später Ivurde ihr entsetzlich zugerichteter Leichnam iocnige Schritte von der Landstraße entfernt in einer Kiefern- Schonung von Leuten ans Eliesenau geftmden. Ter Kopf ivar fast vollständig vom Halse getrennt und lag schief zur Seite, so daß rs schien, als habe eine völlige Köpfung stattgefunden. Bei näherer Besichtigung zeigte sich auch noch hinter dem rechten Ohre eine breite, tlasfende Wunde, welche an sich allein schon tödlich gewesen ist; auch die Pulsadern der rechten Hand waren durchschnitte». Als sicher ist anzunehmen, daß weder ein Lust-, noch ein Raubmord vorliegt; alle Momente sprechen vielmehr dafür, daß dem Mord ein Rache- motiv zu Grunde liegt. Der Vater der Ermordeten war um die Weihnachtszeit des vorigen Jahres mit mehreren Personen in einen Streit geraten, welcher zu Thätlichkeiten ausartete. Zwei Pcrsoiicn, welche sich sowohl an Fredrich als auch an seiner Tochter vergriffen hatten, wurden später gerichtlich bestraft. Damals schon war dem Tagelöhner Fredrich und seiner Tochter gedroht worden, daß man ihnen bei Gelegenheit fürchterlich heim- zahlen werde. Es muß freilich abgewartet werden, ob dieser Vor- gang mit der Ermordung der Augnste Frcderich in irgend welchen Zusammenhang steht. Unmittelbar imch Auffindung der Leiche wurden deren Angehönge, die Sicherheitsbehörde in Bernau und die Guts- Herrschaft in Blumberg von dem schreckenerregcnden Vorfalle ver- ständigt. Der aus Bernau erschienene Kreisarzt Dr. Wetzstein konnte nur»och den an Verblutung eingetretenen Tod konstatieren. Die Leiche der Ermordeten wurde mittels Wagens nach Eliesenau zurück- befördert und dort in einer Scheune der Maierei niedergelegt, wo eine Gerichts-Kommission aus Alt-Landsberg den Augenschein vor- nehmen wird. Der Handwagen sowie die von demselben ab- gebrochenen Teile wurden als Beweisstücke in gerichtliche Ver- Wahrung genommen, weil, insbesondere an der Lenkstange, blutige Fingerabdrücke bemerkbar sind, welche zweifellos von der Hand des Mörders herrühren.... Weißeusee. Veranlaßt durch die Erfolge dcS katholischen Pfarrers Stephau auf dem Gebiete der Seclenretterei, sind auch die hiesigen evangelischen, für Beseitigung dcr Kirchcnnot schwärmenden Kreise m eine lebhafte Agitation eingetreten. In Versammlungen und Zeitungsartikeln wird ans den unwürdigen Zustand hingewiesen, daß ein Olt von 20 000 Einwohnern keine evangelische Kirche auf- weisen könne. Der Verein.für Beschaffung der Mittel zum Kirchen- bau in Neu- Weißensee", in den: verschiedene Personen, eine Rolle spielen, welchen als Lohn für ihre Aufopferruig ein buntes Bändchcn willkommen sein würde, entfaltet eine Thätigkcit, als gelte es, Sodom und Gomorrha für den Himmel zu gewinnen. Inner- halb einiger Woche» sind diesem Verein über 400 Mitglieder bei- getreten. So weit, so gut. Daß man aber hieraus schließe» kann, daß die große Masse der Einlvohnerschaft sich begeistere für solches Beginnen, wäre verfehlt. Die Tausende der Steuerzahler des Ortes, denen gegenüber die Mitgliederzahl des Vereins nur ein winziges Häuflein darstellen, stehen einem solchen Unternehmen kühl bis ans Herz gegenüber. Wohl aber kann die (irotze Masse der Einwohnerschaft verlangen, daß diese hier so reg' amen Leme, die sich geberden, als hänge das Wohl und Wehe der Gemeinde ab vom Bau einer Kirche— sich bei anderer Gelegenheit als Förderer wahrer Kulturaufgaben erweisen, z. B. bei Erbauung neuer Schnlhäuser, Abstellnng von Mißständen in den vorhandenen Unterrichtsräumen usw., daß dies bis jetzt nicht der Fall gewesen ist, dürste sehr bekannt sein, und es wird sich jedenfalls erweisen, daß das Wort vom.Wohle der auch fürderhin Gemeinde� verschiedene Auslegung erfährt, je nach seiner— Rentabilität. A«S Rtxdorf. Verhastet wurde hier ein in der Prinz Handjerystraße wohnhaftes Ehepaar Voigt, welches von Pritzwalk aus wegen Betruges verfolgt wird.— In der Hascnheide belästigte ein angeheiterter Mann verschiedene Frauen in gröblichster Weise. Ein Polizeibeamter»ahm den Burschen fest, der sich im hiesigen Polizeigefängnis als ein gewisser August Schlvandt aus der Admiral- straße tu Berlin entpuppte. Eine tolle Fahrt»lachte in der gestrigen Nacht der Fuhrherr Kobbel aus Blumberg, der mit einem Cinspännerbreak nach Wriezen fahre» wollte. Das Gefährt ivar kaum aus dein Heimalsdorfe heraus, als das Pferd plötzlich scheute, sich kurz umdrehte und in der Richtung nach Berlin davonjagte. Vergeblich bemühte sich Herr K.. das Tier zum Stehen zu bringen. Das Roß hatte sich an der Trense festgebissen und war nicht mehr zu halten. In tollem Lauf raste das wilde Tier durch Blumberg hindurch und weiter die Chaussee entlang durch Ahrensfelde, Falkenberg, das städtische Nieselgut Wartenberg und Weißensee nach Berlin. Der Wagen wurde bei dieser furchtbaren Fahrt fortwährend hin und her geschleudert und drohte jeden Augenblick an einem Chausseestein oder Baume zu zer- trimm, em. Der Fnhrherr hatte die Zügel schon längst fallen lassen und hielt sich, fortlvährend laute Hilferufe ausstoßend, an, Wagen fest, um nicht hinabgeschleudert zu werden. In der Greifswalder- straße brach das Pferd vollständig ermattet zusammen und nun kam das Fuhrwerk zum Stehen. Das Tier hatte die ca. 2L Kilometer lange Strecke in etwa einer Stunde zurückgelegt. Di« neue»» Schönebcrger Wählerliste» für die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen zeigen eine sich stetig steigernde Wohlhabenheit. Die 3. Wählerabteilung be- ginnt mit einem Stenerbetrage von nicht weniger als 222 SN. und enthält 11 836 Wähler, während die 2. Abteilung bei 963 Wählern mit einem Steuersatze von 939 M. anfängt. Von den 202 Wählern der 1. Abteilung aber zahlt der Höchstbcsteuerte einen Betrag von 3S244 M. und der Niedrigstbesteuerte noch einen Betrag von 939 M. Vor zwei Jahren brauchte man in Schöneberg nur 790 M. Steuern zu zahle», um zur 1. Abteilung zu gehören, in welcher damals der höchste Steuersatz 3V9S2 M. betrug, aber 225 Wühler eingeschrieben waren. Die II. Abteilimg mit 770 Wählern endigte im Jahre 1897 mit 246 M. Stenern, und die Ul. Abteilung mit 11 144 Wählen, begann mit einem Steuersatz in der gleichen Höhe. In den beiden' letzten Jahren ist die Zahl sämtlicher stimmfähigen Bürger von 12141 ans IL 007 angewachien, was einer Vermehning von ra. 71'« Proz. entspricht. Und wahrend in der I. Abteilung eine Abnahme von ca. 11 Proz. an Wählern zu konstatieren ist, hat die III. Abteilung um 6.5 Proz. und die II. Abteilung sogar um ca. 26 Proz. zu- genommen. Die Gesamtsumme aller für die Abtcilungsbildung zusammengetragenen Steuern beträgt nach der anitlichen Feststellung ,n diesem Jahre 1 341 340 M. und hat sich gegen 1297 UM rund 41000 M., also etwa 3Va Proz. gesteigert. Gevichks--Deitung. Der Kampf eines Referendars mit einer Laterne» miziiuderin hat dieser Tage das Reichsgericht als Rcvisions instanz beschäftigt. Wegen gefährlicher Körperverletzung ist am 18. Januar vom Landgericht Halberstadt der Referendgr Karl Zenon Schlicphacke in Wernigerode zu 400 Mark Geld strafe verurteilt, die Mitangeklagte, Laternenanzünderin Brand. dagegen zwar der öffentlichen Beleidigung schuldig, aber für straffrei erklärt worden. Am Abend des 18. September 1893 war die Brand damit beschäftigt, die Straßenlaternen in Wernigerode anzuzünden. Dabei erlosch ihre Anzündclampe, und sie ging, u», sie wieder anzuzünden, quer über die Straße. Hierbei begegnete sie Herrn Schlicphacke, der versehentlich an die von ihr ge tragene Leiter stieß. Herrr Schl. rief: Gehen Sie zurück; erst komme ich, dann Sie I Durch eine Antwort, die nicht fest gestellt werde» konnte, reizte die Br. Darauf erhob der Referendar seinen Stock und führte ein paar Schläge auf die Kleider und den Oberschenkel der Frau, welche ein Schmerzgefühl nicht hervorriefen. Nachdem sie wieder eine nicht festgestellte Aetißmmg gcthan, trat er an sie heran und gab ihr eine Ohrfeige Entrüstet rief nun die Frau aus de», Volke:«Der unverschämte Mensch muß doch verrückt sein, der Bengell* Nunmehr wandte sich der Referendar nochmals um und versetzte der Frau einen krästige» Stockhieb über den Ann, der an der getroffenen Stelle mit Blut unterlief und schmerzte. Eine» zweiten Hieb sing der Bruder des Referendars mit feinem Anne auf. Der Angeklagte war zur Begründung der Revision persönlich vor dem Reichsgerichte er- schienen. Warum«soll man, so führte er aus, als Beamter kein Selbstgefühl haben? Ich habe im Gefühl meines Rechtes ge handelt. Bei dem ersten Falle, der leichten Körper- Verletzung, ist ein Schmerzgefühl nicht festgestellt: es liegt also keine Lkörperverletzung vor. Der Begriff der Not wehr tst vom Landgericht verkannt worden, denn ich befand mich in Putativ-Notwchr. Ich hätte ja auch die Sache durch Geld abmachen können. Daß ich es nicht gethan habe, beweist, daß ich mich im Rechte fühlte. Ich wollte der Frau nur eine leichte Warnung für ihr unverschämtes und dreistes Wesen erteilen. Er beschwerte sich sodann noch darüber, daß eine einheitliche Handlung statt dreier selbständiger Handlungen angenommen worden sind und bestritt, daß der Stock, den er benutzt habe, ein gefährliches Werk zeug sei. Das Reichsgericht erachtete sämtliche Rügen sür unbegründet und verwarf die Revision. Der Mann hat so vorzügliche Charaktereigeiischasten für seinen Beruf, daß ihm unter den Heuligen politische» Zustünden mit Sicherheit eine glänzende politische Karriere vorausgesetzt werden kann. Leute mit solchem HochmutLdünkel, die Angehörige der nnteren Volksschichten au cauaille behandeln, können sich vortrefflich über die Unbildung und Roheit der Arbeiterklasse entrüsten„nd das ist heute eine hochgeschätzte Eigenschaft sür daS Aiissicigcn zur höheren Ehre. Nach dein schönen Licde: Wer feste um sich haut. würde die„Staatshürger-Zeilung" sagen;«Wozu hat der Herr Referendar seinen Stock?" Vevstttttmlungen. Ter socialdcmokratischc Wahlvcrein für den erstell Wahl kreiö hielt am Montag eine Versammlung bei Micgcl, Stralauer- straße, ab, in der Dr. Eurt Frendenberg über die Bedeutung der Stadtvcrordiieicn-Wahlcn referierte. In dein vorzüglichen Vor- trage, der mit lebhaftem Beifall aufgenoinmen wurde, erläuterte der Redner die Forderungen der Socialdemokratie auf kommunalen, Ge- biete, er kennzeichnete das bisherige Verhalten des Freisinns im «Roten Hause", um recht treffend nachzuweisen, daß die Arbeiter- bcvöllcruiig alle Ursache hat bei der im Herbst stattfindende,, Wahl mit Energie für die socialdemokratischen Kandidaten einzurreten. An der hierauf folgenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Diester und T ä t o r o w im Sinne des Referats, die außerdem gleichfalls zur regen Agitation für die Wahl der socialdemokratischen Vertreter aufforderten. Der Borsitzende Felgcntreff ersuchte sobam,»och für die Eintragung aller Wahlberechtigten in die Wählerlisten Sorge zu tragen. Die Wahlen der Bezirksleiter wurden bis zur«ächsten Versammlung vertagt. Nachdem Diester ausgefordert hatte, für die strenge Beachtung der Loralliste zu wirken, wurde beschloffen, in der nächsten Zeit für die Mitglieder und deren Angehörige einen gemeinsamen Ausflug zu veranstalten und mit den Arranaeinents der Vorstand betraut. Zum Schluß gab Fclgentreff bekannt, daß in der nächsten Versau nrlung Dr. C. Liebknecht referieren wird, und wird reger..4 der Versammlung erwartet. Die Bauarbeiter nahmen am Montag in einer nur mäßig besuchten Versammlung, die in Kellers Saal tagte, Stellung zu dem Bescheid des Unternchmerbundes auf die Forderungen der Bau- arbeitcr. Während sonst immer der Lohiikommission die Leitmig der Versammlung überlassen wurde, verlangte man diesmal die Wahl eines besonderen Bureaus, die auch durchgesetzt wurde. Noack be- zeichnete dieses Vorgehen der Bersammlung als ein Mißtrauensvotum gegen die Lohiikommstsion. Wenn man mit deren Wirksamkeit nicht zufrieden fei, dann solle man auch so konsequent sein und eine neue Koimmssion wählen, von der man erwarte, daß sie es besser niache, wie die bisherige Kommission. Es scheine, als ob viele Kollegen glauben, sie löiinteu die sociale Frage mit der Faust lösen. Einer solchen Täuschung solle sich niemand hingeben. Der Redner teilte hierauf mit, was' der Unternehmerbund am Freitag beschlossen hat und meinte, die Bewilligung sei ja nur sehr gering, für die Accordarbeiter sei überhaupt nichts herausgckonnnen. Die Kommission habe dem Unternehmerbunde keine bindende Ant- wort gegeben, sie. überlasse es der Versammlung, weitere Beschlüsse zu fasten. Ter Redner verwahrte die Lohwdmmission gegen den Vorwurf, daß sie es verschuldet, wenn die Unternehmer nicht mehr bewilligt haben. Dagegen müsse den Kollegen der Vor- wurf gemacht werden, daß sie. obgleich schon längst beschlossen worden sei, nicht unter 40 Pf. zu arbeiten, häufig mit geringeren Löhnen zufrieden seien. Es gebe noch 80—30 Firmen, wo die Bauarbeiter für einen Stundenlohn von 30 Pf. arbeiten.— Schönrock meinte, die Lohnkommission habe die Beschlüsse der Bauarbeiter illusorisch gemacht, indem sie den geeigneten Zeitpunkt zum Vorgehen in der Lohnbewegung versäumt habe. Jetzt seien die Arbeiter von den Unternehmern so lange hingehalten worden, daß bei der ganzen Bc- wegung nichts herausgelommeu sei. Fritz Krüger erklärte sich mit dem, was die Unternehnier bewilligt haben, nicht zufrieden. Die Hauptsache sei gänzliche Abschaffung der Accordarbeit, ein Stunden- lohn von 60 Pf. für Träger und 37>/s bis 40 Pf. für gewöhnliche Arbeiten. Wo dieser Mindestlohn nicht gezahlt wird, möge man die Arbeit niederlegen. Karl Heide mann riet entschieden von weiteren Unterhandlungen mit den Unternehmern ab, da dieselben nutzlos seien. Sebifow führte ans, der schwache Besuch und die Haltung der Versammlung beweise, daß man mit diesen Truppen nicht siegen könne. Das Nörgeln auf den Batiken sei ja leicht, aber nur wenige Kollegen seien bereit, das zur Besserung ihrer Lage nötige zu thun. Weiter vertrat der Redner die Ansicht, daß die Bewegung erfolgreicher gewesen wäre, wenn sich die Maurer und Putzer rechtzetig mit den Bauarbeitern verständigt hätten.— Ts gaben noch mehrere Redner ihren Unwillen über da» geringe Entgegenlomiucn der Unternehmer Ausdruck, und Noack verteidigte die Lohnkommission gegen die ihr ge- mackiten Vorwürfe.— Ein Beschluß über Annahme oder Ablehnung der Vorschläge dcS Unternchmerbundes wurde nicht gefaßt.— Der Unternehnlerbund halte ersucht, eine KommMon von 9 Mitaliederi, zu bestimmen, welche in Gemeinschaft mit der bestehenden Neuner- kommission des Bundes die sonstigen Angelegenheiten zu regeln habe. Die Versammlung betraute die Lohnkommission mit dieser Mission. Angenommen wurde ein von K 0 s ch e n z gestellter Antrag, welcher die Lohnkommission ermächtigt, gegen diejenigen Unternehmer, welche die niedrigsten Löhne zahlen, mit partiellen Streiks vor- zugehen. � Charlotteubnrg. Am Donnerstag hielt der hiesige Wahlverein im Saale der Gambriims-Brancrei seine Generalversammlung ab. Ehe in die Tagesordnung eingetreten wurde, erhielt auf feinen Wunsch ein Vertreter der Treptower Sternwarte das Wort, um zur Besichtigung dieses Instituts anzuregen. Er erklärte in kurzen Zügen das bekannte Riesen-Fernrohr und die sonstigen Sehenswürdigteite» der Sternwarte. Es wurde hierauf beschlossen, diese Angelegenheit dem Vorstande zu überweisen. Nun», ehr erhielt Gcnoffe Hirsch das Wort zu seinem Vottrage über:.Arbeiterschutz und Arbeitertrutz". Der Referent entledigte sich seiner Aufgabe zur vollen Zufriedenheit der Versammlung. Zun, 2. Punkt der Tagesordnung erstattete der Kassierer seinen Bericht. Danach betragen die Einnahmen 938,55 M., die Ausgaben 359,70 M., so daß ein Bestand verbleibt von 573,85 M. Unter Vereinsangelcgenheiten wurde die Wahl T h i e m e s zum Abteilungsführer des Illa-Bezirk bestätigt.— Siegerist brachte hierauf die Angelegenheit der Brauerei Pichels- darf zur Sprache. An der sich nunmehr entspinnenden lebhaften Debatte, in welcher sich alle Redner in schärffter Weise gegen die Brauerei aussprachen, schloß sich die Annahme der folgenden Reso- lntion:«Die heutige G suern lv ersaminlung des Socinldemokratistven Wahlvereiiis sür Teltow-Bceskow-Storkow-Charlottenburg erwartet von sämtlichen Arbeiten,, daß sie überall dahin wirken, daß die Brauerei Pichelsdorf und ihr Gebräu in jeder Weise gemieden wird." Schöucbet'if. A», Montagabend fand im Klubhanse, Haupt- straße 5, eine öffentliche Persanfnilung statt, in welcher Reichstags- Abgeordneter Fritz Z u beil über die. Thätigkcit der socialdemokra- tischen Partei i», Reichstage" referierte. In scharfen Worten geißelte er daS Bestreben der NeichSregierung sowohl als das der rcaftionären Parteien, weitere KnebeluiigSgesetze flir die Arbeiterklasse zu schaffen. Unter dem Beifall der Beriammeltei, erklärte er, daß das Ministerium Hohenlohe für alle diese Maßnahmen die alleinige Verantwortung trage und daß in anderen Länder» ein solches Ministerium schon längst unmöglich geworden wäre.— Unter.Verschiedenes" gab Genosse B ä n m l e r die Abrechnung von der Paneispcdition. Nachdem noch auf die Wichtigkeit der im Herbst bevorstehenden Stadt- verordneten-Ersatzwahlen hingewiesen, und die Notwendigkeit eines jeden, sich zu überzeugen, ob er in der Wählerliste eingetragen sei, betont wurde, schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. Lese- und Tiekutiertlubs. Mittwoch..Gleichheit", abends St/, Uhr, Stramin, Ritterstr 123.—„Heine", Ritdorf, abends SV, Uhr, Prinz Hand- jcrniir. 60.—«Einigkeit", nbendS 8V, Uhr Zeige, Triftfir. 1.—„Morgen- rat", abends S Uhr, Dicke, Lothrwgerftr. 07,—„Socialdemokr. Agitattons- klnb Osten", abends SV, Uht, Jauer, Fmchtstr 62,—„Freigeist Arkona", abends 8 Uhr, Wesener, ArkonaplatzS.—„Friedrich Engels Norden", S Uhr abends, Aetßen, Voltastr. 34. Ardeiter- Sängerbund Berlin» und der ttuigegeud. Borsitzender Adolf Neunmiin, Brunnenstr. 150. Alle Wenden, 1, gen im Vereinstalender sind zu richten an Friedr. Äortum, Lansitzerstr. 33. Mittwoch. Uebungs- stuude abends 9 Uhr, Ausnahme von Mitgliedem.—„Liedesfreiheit I", Nebeli», Langcstr. 108.—„Norddeutsche Schleife", Lübbke, Melchiorstr. 16. —„Frcna I"(Gemischter Chor), Schiller, Roscnthalerstr. 67.—.Lorbeer- kränz", Späth. Weinstr. 28.-„Liederlust I(1866)", Roll,«dalberistr. 21.- , Spandau", in Spandau, Radtle, Neumeistetflr. 6.—„Deutsche Eiche I", Zimmermann, Grüner Weg 29.—„Allegro", Engelke, Wienerstr. 64.— „Freier Männerchor„Nord-West", Lautsck. Stephanftr. 31.—„Kupferschmiede", Feind, Weinstr. II.—„Gleichheit", Ewald, Bernauerstr.gö.—„Schneeglöckchen I", Rixdorf.Köpkc, Hermann- u. Karlsgattenstrasten-Ecke.—„Hoffnung!", Branden- bürg a. H., Wtithenow, Wredowstr. 17.— Arbeiter- Gesangverein„Britz" tn Britz, Dorn, Biirgcrstr. 4.—„Maiengruh", Charlottenburg, Bartsch, Seesen- hcimersir. 11.—„Heimatllnnge", Köpenick, Meyer, Rosensir. 101.— „Wacht aus", Dambeck, Danzigcrstr. 71.—„Vorwärts X", Nauen, Hobusch, Warktstr. 16.—„Treu und Fest!", Grunow, Grüner Weg 110.— „Bruderbund", Fickinger, Usedouistr. 22.—„Ost- u. Westpreuven", Zimmer- man», Alexandersir. 30.—„Keramik", Charlottenburg. Prestel, OSvabrücker- strahe l.—«Zaget nicht", Steglitz, Kaiserhallen, Albrechtstr. 130.—„Liedeslust II", Potsdam, Voigt s Blumengarten, Spandauerstr. 33.—„Weltenrnf", Schiller, Rosenthalerstr. 67.—„Enterbten", Tollkühn, Putbuser- strahe 22.—„Frohe Stunde", Schulz, Manteuffelftr. 72.—„Treu und Fest II", Schöneberg, littahayn, Gmuewaldftr. 116.— Zukmift III", Nieder-Schünhausen, Settekorn, Liiidenslr. 1.—„Vorwärts X", Roll, Adalbert- strabe2I.—.Linde", Schcbera, Schönhaus. AllceOö.—«Eichenttanz II", Knoblich, Soldinersir. 36.—«Fricdrichöhaaeuer Sängerchor", Friedrichöhagen, Conrad, Friedrichs». 188,—„Krisch aus II", Bornim b. Potsdam, Fähnrich, Mittel- siraste 12.—„Treherscher Gesang».", Schulz, gorndorserftr. 8.—„Diana", Moabit, Lausch, Rostockersir. ö3.—„greundschast", Restaurant Ecke Jnfter- burgersirahe u. Weidenwcg.—.Zimmerer", FrtedricbSberg, Gorzas, Watten- bergstr. 68.—„Melodia II", Hinze, Danzigerftt. 29.—„Freiheit-Nord", Franke, Schulstr. 21.—„Süd- West", Ladewig(Slosterglockc), Kommandanten- iira&e 66.—.Fortschritt", Fürst enhof, Köpiiickerstr. 137/133.—«Rildorfer Männerchor", Nixdarf, Klemke, Bergsir. 136/137. Gesnug-, Turn- und gesellige Bereine. Mittwoch: Skatklut Revolution", Golz, Grünauerstr. 3.— Gesell. Verein„Hoffnung", Dieseler, Lebuscrstr. 14.— Artisten»„Vereinte Kraft", Zepte, Plan-Ufer 92a, Mittwoch abends und Sonntag vormittags.— Athletenv.„Atlas" Dase, Brunnenstr. 152.— Gesell. Verein„Türtische Pfeife", Hansen, Danzigerftt. 93.— Tambourv.„Froh-grei", Bolz, Wiesensir. 27, Mittwochs u Sonnabends.— Mnsitv.„Knaatsch", MatheS, Hussitenstr. 40.— Pfropfeuv.„Nord-Ost", Jonas, Elbiugerstr. 9.— Nauchkl.„Schmoke's Werke", Hcgener, Krautstr. 39.— Gesangv.„SangeStteue", Spreeterrosie an der Jannowitzbrücke.— Gesangs. „Lerche", G. Gerber, Schönbauser-Allee.—„Bereinigung der Tnrnfteunde", Demininerstr. 66/67, 8Vz— 10V- Uhr abds.— Turnv.„Osten", Männerabt., Blumenstt. 63a, 8'/-— 10 Uhr abds.— Musilv.„Vorwärts", Nebelin, Langestt. 108. — ZilherN.„Alvcnglöckchen-Edclweib", Gipsstt. 1 1.— Theaierv.„Proletariat", Dresdener Garicn, Dresdenerpr. 46.— Slarkl.»Plaue Bube", Jost, Adalbert- straße 99.— Artistenkl.„Freiheit", Schulz, Duiiaerstr. 90, Mittwochs und Sonn- abends.— SkatN.„Natmflvck", Wittmer, Mat lusstt 31, Mittwochs»md Sonn- abends.— Stattl.„Namenlos", Gumlich, Reichenbergerstr. 149.— Theater». «Freier Wille", Märkischer Hos, Admiralstt- ISc,— Anglerverein.Freundschaft", jeden Mittwoch nach dem 1. und 16. im Monat. Vereinsloial Wilhelm- straße 27.— Skattlub„Oller ehrlicher Seemann", Dicke, Ackcrstr. 123.— Theatervcrein„Bioletta 1886", Linder, Danzigcrstr. 23.— Gesangverein Stern", Ramlow, Schönhauser Allee 136.— Bläfcrtorps„Hanhonie", Lokal„Zur Hütte", Skalitzcrstr. 31.— Mundkaruwnikavercm.Somphome", Hennerschmidt, Max- und Hochstädterstraßcn-Ecke.— Theaterverein„Felsen- fest", Kühne, Bmnerstr. 48. ülrbeiter-Tnrncrbund. Mittwoch: Turnv.„Fichte", Berlin, abds. von 8—10 Uhr: 1. Mämler-Abt. Fttcdeiistr. 37. 3. Männer-Abt. Böckh- straße 17/20.«. Männer-Abt. Höchfiestr. 36/37. 2. Lehrlings-Abt. Skalitzer- straße 66/66. 4. Lehrlings- Abt. Stcphanstraße 3.—„Freie Turner- schast Rixdorf- Britz", 2. Schüler-Abt. von 6V2— 8V2, 2. Männer- imd Lehrlings- Abt. von 8»/,— 10'/, Uhr abends, Bethge in Britz, Chauffeeftraße 39. Schülerinnen- Abt. vou«Vi— 8Vj, Frauen- Abt. von 8V2— lO'/i Uhr abds., Wiersing, Knesebeckstr. 113.—„Freie Tunicrschaft innisthal", abds. 8— lOUHr, Senstlebe».—„Arbeiter-Turiw. Adlcrshos", Ucbungsstunde von SV,— lO'/j Uhr abends, Schuiauser, Bismarckstr. 16.— „Turnerschaft d. B. Nereus"(Gegründet 1882), Lehrlings-Abteilung von 8—10 Uhr Reichenbergerstr 131/132. Arbeiter-Raiichcrbund Berlins und ttmgegend.«endeningen im Bereinskalendcr sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlowerstr. 1, IV. Wlttttvoch:„Altona", Armer Konrad, Reichenbergerstt. 16.—„Sumatta Süd-Ost", Manegold. L'.egnitzerstr. IS.—„Waldesgrün", Kunze, Förster- straße 36.—„Virginia", Schmeber, Admiralftr 21.—„Frei Weg", Schöne- berg, Klein, Mersedurgerflr. 7.—„Fidele Raucher", Rixdorf, Nausensky, Panierstr. 3.—„Jntelligeliz" Liebisch, Manieilffelsir. 66.—„Granate" Engel, Forstcrstr. 68.—„Fidele Brüder", Fricdrichsfelde, Lohse, Luisen- straße 20.—„Frohsinns-Heimat", Schebora, Emdenerstr. 12.—„Deutscher Michel", Pankow, Griffel, Kaiser Friedrichstt. 16.—„Ohlauer", Rixdorf, Elias, B erlin erstr. 14.—„Abguß I", Gorn, Martusstr. 23.—„Die Dampsenden", Jeratfch, Reichenbergerstr. 160.—„Weiße Nelke", Felske, Lausitzerstr. 26.— „Zufriedenheit", Rixdorf, Karras, Kops- und Lesstngftr.-Scke.—.Apfelblüte" Schmidt, Pankstr. 3d.—.Fliederimst", Kutsch, Fruchtsir. 61.—„Weichsel- dust", Görlitz, Stargarderstr. 17.—„Kein Ton", Neckel, Ryke» straße 13.—„Rote Fahne", Sievert, Görlttzerstr. 60.—„Korn- blimie I", Menzel, Gneisenaustr. 71.—„Einigkeit II", Peukert, Köpnicker- straße 38.-„Guter Zug", Prell, Oderdergerstraß« 34.-„Krästtaer Zug", Fürstenau, Reichenbergerstr. 39 d.—.Alt«- Stamm", Rupvcl, Böckh,». 49.- „SBoübampf, Werder a. Martin, Kugelweg 68.-„Leiensbllite", Hoff- niaim, Kleine MarkuSftr. 8.—„Fidelibus", ZmimermaW, Petersdurger- str. 66.—„Rote Nelke", Neu-Weiheusce, Matzewsli, Sedanstr.t.—„Ohne Aurcht", Schuiidt, Wienerstr. 44.—„Einfach", Kliemke, Cnvryftr. 27.—„Frisch gewagt", Häusler, Memelcrstr. 61.—»Flotte Raucher", Rixdorf, Engelhardt, Jägerstr. 64.—„Kolumbus S.-O.", Löwert, Oppelnerstr. IS.—„Veilchen- dust", Eandt, Hussitenftr. 24.—„Verzaget nie", Schöneberg, Kreyer, Scdan- Krage 48.—„Pfeifendcckel", Tichter, Fruchtstr. 69.—„Vorwärts", Görlitzer- straße 65.—„Bulgarien", Weidenweg 12.—„Eintracht", Franke, Zorn- dorfersiraße 9.—„Granium", Lenz, Frankfurter Allee 164. Arbeiter-Tchwinimerbund. Anfragen sind zu richten an E. Bratk«, Schulstr. 24. Mittwoch: Schwimmverein„Nord". Nebungöstunde abends 7»/, Uhr im„Seebad- Reinickendorf". Damen-Abt. abends 7 Uhr im „Seebad-Reinickendorf". „Jezek-Bereiu" für bwlogische Reform. Sitzung jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat, abends 8V2 Uhr, im vegetarischen Speisehaus, vlsasserstr. 44: Vortrag des Herrn Dr. Krüger. Gaste willkommen. Vevmifchikes- Ueber die Gewitter, die am Sonnabend und Sonntag in West- und Mitteldeutschland niedergegangen find, liefen folgende Blättenneldnngen vor: Am Sonnragabend hat ein im Ahtthale und in der Eifcl herniedergegangenes Unwetter großen Schaden in weiten Gemarkungen und in den Weinbergen angerichtet. Hagel- schloßen im Gewichte von 300 Gramm bedeckten weite Flächen, ein späterer Wolkenbruch setzte zahlreiche Gehöfte sowie Kleinbahnen fußhoch unter Wasser. Mehrfach hat der Blitz eingeschlagen. Eine auf einer Ahrtour befindliche Gesellschaft suchte unter Bäumen Schutz, als ein Blitzstrahl herniederfuhr und fünf Personen zu Boden schmetterte. Zwei Männer erholten sich alsbald, drei Frauen waren indessen gelähmt und wurden ärztlicher Pflege überwiesen. Bei Münstereifel wurden zwei Radfahrer von, Blitz getroffen; einer war tot, der andere verletzt. In Thale a. H. entluden sich in der Nacht zum Sonntag so schwere Gewitter, wie sie selbst in Gebirgsgegenden zu den größten Selten- Heiten gehören. Ein Berliner Sommerfrischler berichtet darüber: Um Vsi2 Uhr nachts begann für meine Fannlie und mich sowie für sämtliche Hansbewohner eine wahre Schreckensnacht. Nachdem sich drei Gewitter, aus verschiedenen Richtungen kommend, direkt über uns zusammengezogen hatten, erreichten diese gegen zwei Uhr ihren Höhcpuntt. Blitz und Donner folgten ununterbrochen Stunden lang. Der Himmel war ein Flammenmeer. Kurz nach zwei Uhr gab es im Abstand von höchstens einer Minute zwei so furchtbare Donnerschläge, daß wir fast aus den Betten geworfen wurden. Zu gleicher Zeit hörten wir schon das Gewimmer der vielen Kinder im Hause und das Rufen:„Es brennt I" Ausstehen und ankleiden war das Werk weniger Minuten. Nun ans Rettung»- werk I Der erste Blitzstrahl hatte in den im Hofe stehenden Witt- schaftsraum in die Mauer geschlagen, dott Mauerwerk heraus- gebrochen, eine kleine Röhre gebildet, war durch diese auf den Boden gelangt und hatte daS dott befindliche Heu entzündet. Glücklicher- weise war der Brand nicht bedeutend und konnte von uns Haus- bewohnern schnell gelöscht werden. Der zweite Blitzstrahl erlchlug ein im Stall befindliches Stück Vieh. Beide Stellen, an denen es eingeschlagen hotte, waren vom Vorderhaus, in dem wir logietten, keine vier Schritte entfernt. Ei» schlimmer polizeilicher Mißgriff erregt in Kob l enz großes Ansiehen. Ein Geschäftsreisender, der schon mehrfach dott weilte und im„Hotel Monopol" gut bekannt war, kaufte sich auf dem Wege zur Bahn einige Eigarren in einem Geschäft am Enten- Pfuhl. In der Löhnstraße wurde plötzlich der Reisende mit den Worten:„Sie haben mein Portemonnaie gestohlen!" von den, Eigarrenhändler angehalten; großer Menschenauflauf und Mitgehen zur Polizeiwache waren das nächste. Obwohl dort der Reffende dem Polizeikommissar Knoop seine Unschuld beweisen konnte und Kaution in jeder Höhe anbot, ferner der Eigarrenhändler erklärte, er könne daS Portemonnaie verloren haben, wurde er nach dem Gefängnis abgeführt. Wie es dem„Diebe" dott erging, erzählt er in der„Kobl. Volksztg." also: Trotzdem ich de» betreffenden Aufseher Wunz ausdrücklich darauf aufmerksam machte, daß ich Unter- suchungsgefangener sei, und ihn dringend bat. mir für mein Geld Speisen zu beschaffen, da ich seit vormittag 10 Uhr nichts gegessen hätte, wurde ich mit den Worten:„Heute giebts nichts niehr!" barsch abgewiesen. Später bekam ich einen Krug Wasser und ein Stück Schwarzbrot. Am nächsten Morgen wurde ich ans der Zelle geholt und in einen Waschraum geführt, dott mußte ich mich in Gegenwatt anderer ganz jugendlicher Gefangener gänzlich ent- kleiden und bekam, trotzdem ich am ganzen Körper peinlichst sauber war, eine kalte Douche. Inzwischen durchivühlte der Aufseher Wunz nochmals meine Kleider, nahm die noch dann befindlichen Privatbnefe an sich und las diese. Erst auf meinen Einwand, daß dies Privatbriefe seien, gab er mir meine Bttcfe zurück. Eine Katte mit Ansicht, für die er ein besonderes Interesse zeigte, behielt er zurück. Meine Kleider ließ er schonungslos mit einem Stttck in ein Bündel zusammenscknürcn und übergab mir dann eine in schlechtem Zustande befindliche Gefängniskleidung, nicht mal mein Taschentuch, Hemd oder Strümpfe durfte ich behalten. An der mir übergebenen Kleidung fehlten Knöpfe, die ich mir selbst annähen mußte, für den Geruch der Kleidung finde ich keine Worte. Auch bekam ich ein paar alte Schuhe und später brachte mir der Wätter WichSzeng in die Zelle mit den Worten:„So, nun putz mal Deine Schuhe, mach aber, daß Du fettig wirst, vorwätts, vorwätts" ze. Der Aufseher sagte unter vier Augen nur Du zu mir. Später wurde ich dem Herrn Gefängnisdirektor vorgefühtt und bekam auf Wunsch meine eigenen Kleider zurück. Kurz vor 12 Uhr wurde ich dem Herrn Untersuchungsrichter vorgeführt und durch diesem, nachdem ich als unbescholtener junger Mann aus bester Familie 17 Stunden ohne jeden Grund meiner Freiheit beraubt und hinter Kerkermauem die oben geschilderte Behandlung des Aufsehers Wunz ertragen mußte, entlassen." Wenige Minuten später meldete der Eigarrenhändler Z., daß er sein Pottemoimaie in eine Cigarrenkiste verlegt und jetzt ge- funden habe. Wie sich der Bahnborsteher einer Sekuudärbahn zu helfen weiß. Auf einer ostprenßischen Sekundärbahn hatten sich anfangs dieser Woche eine größere Anzahl von Ausflüglern nach einem be- kannten Scebade begeben. Nach einem Tage voll Vergnügen wollten sie den letzten Zug am Abend zur Rückfahtt benutzen. Das war ein löbliches Vorhaben, dem leider der Herr Bahnvorsteher des Ottcs eine» dicken Strich durch die Rechnung machte. Der an» einer geringen Zahl von Wagen bestehend, reichte für die ückfahrt sämtlicher Ausflügler nicht ans. Was thun. Mehr Wagen waren nicht zu beschaffen. Wenn die Verlegenheit auch noch so groß ist— man muß sich zu helfen wissen, dachte der Bahnhofs-Vorsteher. Um den langwierigen Auseinandersetzungen mit nicht mitbeförderten Passagieren zu entgehen, ließ der Herr Bahnhofs-Vorsteher schnell vorher die Bahnhofsnhr 10 Minuten vor- stellen— das Zeichen zur Abfahtt geben und den Zug abdampfen. Die Späterkommenden hatten das Nachsehen. Sie hatten sich ein- fach— nach der BahnhofSuhr— verspätet. Murren half nicht— warum waren sie so säumig gewesen? Es blieb nichts anderes übrig, als die Nacht über ebenfalls dem Bade-Ott zu widmen. Am andern Morgen aber waren die Säumigen viel zu früh zur Stelle. Ihre Uhren zeigten 10 Mnuten mehr, als die wieder richtiggestellte Bahn- Hofsuhr. Ii« dem Expreßznge zwischen Paris und Lille wurde ein Getreidehändler, Namens Schottemann, ermordet aufgefunden; die Untersuchung ist eingeleitet. Es konifte bisher jedoch noch nicht fest- gestellt werden, ob der Ermordete deutscher oder englischer Nationalität ist. In ganz Oberitalien herrscht seit mehreren Tagen eine ab- norme Hitze. Täglich kommen mehrere Hitzschläge vor, ivelche meistens einen tätlichen Ausgang nehmen. der Freitagsimmmer.— A. I. 18. Die Krankheitswochen rechnen mit. — K. 11. Unschuldig Verurteilte werden nur in ganz geringem Umfang in Deutschland entschädigt. Es haben nach dem im Jahre 1898 verabschiedeten Gesetz unschuldig Verurteilt? nur dann Entschädigung zu beanspruchen, wenn im Wiederaufnahme-Verfahren die Unschuld des Unglücklichen bewiesen oder doch dargethan wird, daß ein begründeter Verdacht gegen den Angeklagten nicht mehr vorliegt. Ausgeschlossen ist also die Entschädigung, wenn das Gericht nur die Schuld nicht für erwiesen erachtet. Ausgeschlossen ist serner die Entschädigung, wenn die frühere Verurteitnng vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt ist. Darüber, ob eine Ensichädigung zuzubilligen ist, entscheidet das Wiederaufnahuie-Gericht durch unanfechtbaren Beschluß. Binnen drei Monaten nach Zustellung dieses Beschlusses hat der zu Entschädigende seinen Anspruch bei der Staatsanwalt- schaft geltend zu machen. Es entscheidet dann die oberste Justizbehörde über die Höhe des Anspruchs. Gegen die Entscheidung der Landeö-Iustizverwalwng kann dann innerhalb drei Monaten beim Landgericht. Klage erhoben werden. Marktpreise von Verlin an« TA. Juli 1809 nach Eruiittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. Metze» *)Ruggen„ ' utter-Gerste„ afer gut « mittel„ » gering. Richtstroh Seu. fOErbsen -jhSpeisebohnen tWinscu llartoffeln, neue Rindfleisch, Keule 1kg do. Bauch„ *) Ermittelt pro schastskammer— No 16,20 16,20 13,60 15,60 14,90 14,20 4, 6,10 40,- 60,— 70,— 12,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Sammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 2,00 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12.- L- 1,- L- 2.- 2,40 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 Eingegangene Druckschriften. Bon der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 44. Heft des 17. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt hebe»»vir her- vor: Keine» Sand in die Augen.— Arbeitswert oder Nutzwert? Antwort an Karl Kautökl? von Eduard Bernstein.— Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter im Jahre 1898. Bon Richard Calwer.— Wiener WahlrechtS- kämpfe. Von Fritz Winter.— Litterarische Rundschau.—'Notizen: Kurze Waren, lange Waren. Uebt das elektrische Licht beim Schweißprozeß gesundheitsschädliche Einlvirkungen ans die Augen aus? Bon P. M Grempe. Feuilleton: Ein Blatt aus den« Leben der Enterbten. Bon Rob. Schweichel. 1. Briefkasten der Redaktion. Dl« inristi'chr Sprechstunde wird TicnStags, Donnerstags und Freitags abends von S bis 8 Nhr abgehalten. Henning 4ä. E. Bralke, Schulstr. 24, Berlin N. I. Pr., Neu Weiffensee. Wenn es das ärztliche Interesse erheischt, ist die Direktion dazu besagt. Meier. Die Berichtigung ist uns sehr angenehm, wir haben Sie unserm Berichterstatter übergeben. Darauf zurückzukommen, würde flch jetzt nicht empfehlen.— M. S. B. 48. Wenden Sie sich, bitte, an die Lokal- konmussion: Scholz, Wrangelstr. 110.— Braun. Rixdorf ist Stadt und zählt 86 000 Einwohner. Hedwig litt. C. Hcckel, Berlin 80., Oranienstr. 180, III.— G. K- Adresse des Berttauensmannes: Fritz, Oranienstr. 157, v. IV.— 31. I. 100, Nein.— W. S.»47. Ist das Kind nicht in Preußen geboren, so hat der Mann zu zahlen.— Zivci Wettende. Sie find wähl- berechttgt. Schicken Sie bis zum 30. Juli die Kosten ein und beantragen Sie eventuell die Rachttagmig. Das iveilere an anderer Stelle. — Zoch. Es läßt flch nur dann gegen den die Gernchsorgane beleidigen- den Zustand einschreiten, wenn derselbe gesundheitsgefährdeild ist. In solchem Falle thun Sie am besten, sich schriftlich an das Polizeipräsidium zu wenden.— Broose. Klage auf Zahlung ist noch möglich, Lohnbeschlag- nähme aber unzulässig.— R. K, 100. Der Betreuende köuule nur auf einen Tag Lohn mit Aussicht aus Erfolg klagen.— M. W. Ja. — kühl.« 187, II, 1 A.-L.>R. handelt nicht wie irrtümlich gesagt wurde von der Scheidung, sondern bestimmt:„Zum Unterhalt der Frau gehören auch die sie bettenenden Kur- und Prozeßkosteu". Ueber die Auslegung herrscht Streit. Nach richtiger Ansicht hat deimiach nur die grau, nicht aber ein dritter,5V M., neue lange Kar- tosselu 3,25—4 M., do. blaue Kartoffeln 4 M., do. runde Kartoffeln 3—4 M., Rosen-Kartoffeln, neue. 1,75 M., Knoblauch 20—25 M. per 50 Kg. Peter- silienwurzel 2,50—3 M., Mohrrüben, junge 2—2,50 M., Radieschen 75 Pf. bis 1 M. per Schock-Bunde. Rettiche, bauerische 5—8 M. per 100 Stück. Rettiche, hiesige 75 Pf. bis 1,50 M., Kohlrabi 75 Pf. bis 1 M., Zervster Gurken 2,75—3 M., Landsalat 50—75 Pf. Wirsingkohl, hieflger 3—4 M., Zwiebeln, junge 50 Pf. Porree 60-75 Pf., Meerrettich 6-12 M., per Schock. Mistbeet-Aurke» 3-4 M., Rotkohl 1,50-3 M.. Weißkohl 1-2 M. per Mandel. Karotten 2— 3 M. per 100 Bunde.— Detatlpreise: Schalen pr. 2 Pfd. 15 Pf., Pfefferljnge 20—25 Pf., Spinat 10— 15 Pf, frische Morcheln 1,50-1,80 M., junge Champignons 1,50 bis 2 M., grüne Bohnen 10—15 Pf., Schneidebohnen 15 Pf., Puffbohnen 10 Ps., Steinpilze 30 Pf., Zwiebeln, alte, 10 Pf. per 1I1 Kilogramm, Salat per 4—5 Kopfe 10 Pf., Radieschen 4-6 Bund 10 Pf., Mohrrüben 5-10 Pf., Karotten 10 Pf.. Schnittlauch 5 Pf., Pcterfllie 5 Pf., Dill 10 Pf. pro Bund, Wirsing- kohl 15-�20 Pf., Rotkohl 15-25 Pf., Weißkohl 15-20 Pf. pro Kopf, Blumenkohl 20-40 Pf. pr. Stande, Gurken 10-25 Pf., Rettiche, bayr., 10 Ps. per Stück, Kohlrabi 20— 25 Pf. pr. Mandel, Kohlrüben 10—15 Pf. pr.«ttick, Kartoffeln,»cue 20—35 Ps. pr. 5 Pfd. Früchte. Die Zufuhren in allen Sorten waren reichlich und der Markt lebhast.— Kirschen, süße 25—40 Pf., do. saure 40-50 Pf., Aepfel 20-30 Pf., Blaubeeren 15-20 Pf., Wein- traubcn 70—80 Ps., Johannisbeeren 25— 20Ps., Wald-Erdbeeren 50— 60 Py, Gartcu-Erdbcercn 40—60 Pf., Stachelbeeren 25—30 Pf,, Aprikosen 40 bis 60 Pf., französische grüne Haselnüsse 80—90 Pf., Hiinbeeren 60 Ps., Pflanmcn 35—50 Pf., Birnen 30—60 Ps. per Vz Kilogramm. Pfirsiche 10 bis 1h Ps., Bananen 10 Ps., Citronen 6-10 Pf. per Stück. _ t. WttteriiiigSübersicht vom LZ. Juli 1899, morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien Lll BS e 5 i s 759 NNW 782 5S 759NWS 768 NW 765 W 761W Wetter 3l,lb.bed. llbedcckt gedeckt llbedeckt gedeckt gedeckt es SC s 0. Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris se s 6 Ii Bs SU" 755 768 759 767 *? ~ S s«■ »-C Still NW Wetter SR s"-. Q. ll «f wolkig 2 wolkig 2 wolkig 1 bedeckt 17 17 17 16 Wetter-Prognose für Mittwoch, de» L«. Juli 1899. Warm, teils heiter, teils wolkig bei schwachen südwestlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. Achtung! MAURER. Achtung! Dmerstag, deu 27, z«li, llbeilds 8 Uhr, im Lokal lies Hem ZuMl, Liudenstr. 100: Kaudepntwrten-Nerjammwng fitv Verlin und Utttgegenv. MT* Die Notwendigkeit des weiteren Ausbaues unserer Organisation bedingt es, daß jeder Bau durch einen Delegierten vertreten sein muß. 183/19 Die Tei'band.leltong, I. 3t.: Carl Pan.er._ MVillnevsdovf. Donnerstag, den 27. Juli 1899, in„Lehmanns Sceschlößchen" Außerordentliche Versammlung des Socialdemokratischeu Vereins. Tages-Ordnung: Bortrag. Der Referent ivird in der Versammlung bekannt gemacht. Die Mitglieder werden auf dm K 7 des Statuts aufmerlsam gemacht. Zahlreicher Besuch wird erwattet. Gäste willkommen. 13/2 De» Toratand. Steinarbeiter. nachmittags 4 Uhr, im Lokal Akexandcrstr. 27c: Am Mittwoch, den»«. Juli, „Englischer Garten'-, miexanverstr.: Oeffentl. Vevkmntttlttitit. Tages-Ordnung: Bericht über die Berhandlungen in Schlesien. 172/20__ Die H-ohnkomminwlon.■ Großes historisches Volksfest vom 12. bis 27. August in V u ,n nr v l s b u v g bti Verlin. Besitzer von Schau- und Würfelbuden aller Art, Dampfkarouffels, 3, Schaukeln und Konzetthallen können sich meldm bei 0. mmelsbur, bei Berlin, Prinz Albertstr. 6». Wedding-Park nuiIer-Strasee 178. Norddeutscne sanerer. Biogier, Wolf, Hohenberg etc. Entte« 20 Pf., Borzugsbillets 15 Ps Or. meil. Schapsr JSSSÄ Mf i<%/> /./ (juuit Fi-aaen-Krankholten. »chöneberger Ufer 25. Spr. 9-1. 4-7, Homöopath. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, JLb. 7—8; Friedrlehitruee N», I. Elektrotechnik. Neuer Abendkursus der„Elektra". Mittwoch, de» L. August. 8 Uhr abends. Für Elelttoinoiitaze, Installation und Maschiuensach. Borzügliche Lehrmethode, glänzende giesnltate<700 Schüler). Praktische Ausbildung. Diplomzeugnis. Dtellungsnachweis. Anmeldungen persönlich, auch Sonntags biö 1 Nhr. 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Die Beerdigung findet am Donners- tag, 27. Juli, vom Trauerhause ans nach dem neuen Zions-Kirchhof in Nieder-Schönhaufen statt. Ilm stilles Beileid bittet 1526b Die ttauernde Witwe Erneef. Hinze. Dankjaguns. Hiermit sagen wir allen Verwandten, Freunden und Belaunten flir die reg« Beteiligung und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer unvergeßlichen Tochter und Schivester Anna unser» besten Dank. 1627b Familie Kahl. Danksaeanff. Meinen tiesempfundenen Dank allen denen, welche bei der Beerdigung meines lieben Mannes so herzliche �"«igten. 2242L itwe Agnes Runge, Wißmannstt. 1. Teilzahlung; monatlich 10 M. liefert elegante Herrengarderobe n. Maß, Tomphrowikl, Schncidermstr., Neanderstt. 18, II, an der Annenstt (Auch baar«äffe billigst« Presse.) Für brn Inhalt der Inserate tibrrnimittt die Redattio» dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Zleraniwortnng. Mheakev« M ittwoch, den 2K. Juli> NeueS Opern- Thcaler Die FlederuiauS. Anfang?>/- vhr. Restbenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. 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Sonnabend, abends 7i/z u h r: Volkstümliche Opernvorstellung bei Halben Preisen: Der Waflenschmidt. Wild-Karl Weiß- Theater. Kr. Franks, irtrrstraste Kt«. Kleine P.eise. Parkett 1.10. Cyklu« volkstümlicher Schauspiele# Die Ahnfran. Tranerspiel in 5 Akte» von Grillparzer. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen, Donnerstag; Gastspiel bei' kaiserl. russischen Hosschanspielerin Elisabeth Corewa. Maria Stuart. Anfang 7V2 Uhr. I&Q Heute im Garten: Grobes Kinder- freudenfest. Zuui gemüthlichen Storch. �inderpantomime. Specialitäten- und Theater- Vorstellung. 27 Nummern. Jedes Kuid erhält ein Geschenk. Anfang ö Uhr. Saisonkarten haben Gültigkeit. Sonnabend: Sommerfest der Taub- stummen. I Pnhlmanns Vaudevilie- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee g7/gg. Täglich: Xoll�ert, ödester Q. Specialitäten- Vorstellnng. Cvntvttl TszvÄker Gastspiel der Hamburger. Anfang 8 Uhr. Zuur letzten Male:"MG Zlumpenpnck. Donnerstag: Vadders Ebenbild. Die Wette. Hamburger Dienstmädchen. mf Ab 1. Anglist: Lustspiel. Eniemble(Frl. Iil!ll> Krause, Herr Otto Rahlau, Herr Rieh. Ewald a. G). »Der HeiraiSmarkt". Schwank in 3 Akten. Metropol- Theater. Behrenstr. 53/54. Direktion: lllchnrd Schultz. Grtisstcr Saison-Errolg!!! 91/2 Uhr: 91/2 Uhr: Berlin lacht! Frank- Bonhair- Truppe. Werner Amoros Pantomime. 8 Champions, sowie die übrigen Kunstattraetlonen. _ Anrnnjf 8 dir. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Fi'tsnil�iina mit dem Linftballctt „€ri*igolatis". Ferner: » Otto Rentier» und 9 nene Specialitäten. Garten-Konzert T'/s Uhr. Anfang: der Vorstellung 8 Uhr. Elllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Prater-Theatei* Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Borns Besi. Volksstäck mit Gesaug u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. ikostiinlsoubrette Fräul. Eude Sarow. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 Lchünbrunns, humoristisches Bilderbuch. The4Flashes, Epeentries. 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Liebschwager, Gustav-Adolf- straße 16. Verantwortlicher Redaeteur: August Jaeobev w Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck mid Verlag von Max Badiug in Berlin.