-.Nr 16. Inlirg. ÄrÄSS.- �Wllll �M> W- ,.s--..«..»Mr mt■■ 4m(■ T/ I H I H Hl ��bff/ btttägt für die sechSgespalttne Kolanei. �-1!.?.�>ch 28 Psg. frei WS Hau». I�Mi» H» IM DM HK MW DM>M» �M I // polittsche und gewerkschaftliche Vereins- Sinzelne Nummer 5 Psg. Sonnlag»- MD �M DM �M DM WD �M �M �D I und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. Nummer mit«llustrlerter Sonnlag»- WIMM WW> W> DM DM DM- MD MD �D �D �D„Kleine Knieigen" jede» Wort b Pig. Beilage»Tie Neue Welt- 10 Psg. Post. Irflj �M H B MMV B(nur das erste Wort f-tl). Inserate für «bonnement: SL0 Mark pro Quanal. Bt Dg B�I�BV �lK»> B i // B die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr Eingetragen in der Post- Zeitung,- M Hl //■ nachmittags in derffitpebitlon abgegeben i., mLim» �—<.<. � vr/m� c.v,"utcsrrÄ »„«ÄSJ-STXS M®.<5\ übrige Ausland S Mark pro Monat.. � �— Fernsprrcher: Bmf I, Nr. X508. «rsch'wk«alich aager»onkng«. � � � � � � � � J„Sorialdemokrak Berlin" Centrawrgan der soeialdemokratrschen Partei Deutschlands. Kedaktion: L�V. 19. Beulh-Strasze 2. Gewerbe-Inspektoren und Zuchthaus- Vorlage. Wer von uns mündlich oder schriftlich gegen die Zuchthausvorlage agitiert hat. der weiß, daß es nichts Tank- bareres für Hörer, Leser und Agitator giebt, als auf die tolle Denkschrift zurückzugreifen, die dem Entwurf beigegeben ist. Der unfteiwillige Humor, den man aus derselben vortragen kann, ist beinahe geeignet, jede Auseinandersetzung über das Ausnahmegesetz mit einer Art versöhnlicher Heiterkeit zu vergolden. Das überhebt uns aber natürlich nicht der Forschung nach den eigentümlichen Unterlagen und Lieferanten für die Denkschrift, nach denen ja auch schon im Reichstag zur höchsten Pein des Bundesratstisches sehr eingehend gefragt worden ist. Und da mag es auch angebracht sein, speciell einmal zu fragen: in welcher Verbindung stehen denn eigentlich die deutschen Gewerbe> Inspektoren, die einzigen speciellen Arbeiterschutz> Beamten unserer 26 deutschen Bundesstaaten, mit der Denkschnft? Es scheint uns. als wenn die darüber im Reichstag bereits begonnenen Erörterungen mit ziein lichem Nutzen noch ein Stück weiter geführt werden könnten. Nach der amtlichen Auskunst im Reichstage ist es den Bundesregierungen von Reichswegen überlassen worden, ihre Inspektoren zu fragen oder nicht zu ftagen. Mehr war unseres Wissens dort nicht zu erfahren. Bis zum Herbst sollen die Arbeiterschutz-Beamten, die ja jahraits, jahrein in ihren Berichten eine eigene Rubrik für Ausstandsbcwegungcn haben, vielleicht ausdrücklich über die Vorkonimnisse bei Streikbewegungen befragt werden. Das ist alles I Wir dächten aber, Graf Posa- dowsky müßte doch noch etwas mehr wissen. Er müßte wissen, daß man in den Bundes st aaten that- sächlich einen großen Teil der Gewerbe- Inspektoren befragt hat und zwar schon während des Jahres 1893. Wenn er es verschwiegen hat, so können wir es ihm jetzt nachweisen. � Erstens durch Indizien aus den letzten Jahres- berichten der sächsischen Gewerbe-Jnspektoren. Diese Indizien sind beinahe schlagend. Wir kennen die Jahresberichte der sächsischen Aufsichtsbeamten seit 20 Jahren. Aber noch nie- malS in einem Vorjahre hat jeder der Inspektoren so reglementmäßig sein Sprüchlein zur Streikbewegung hergesagt, wie im Jahresbericht für 1893. Auch die Bezugnahme auf so etwas, wie Streikgesetzgebung ist wiederholt durchzumcrken. Man beachte z. B. nur die beinahe schadenfrohe Art, in welcher der Leipziger Inspektor S. 112 ff des sächsischen Berichtsbandes über verloren gegangene Streiks berichtet, auch die kleinsten, an denen kaum 12 Leute beteiligt waren, oder wie er aus einer Dampfbuchbinderei mitteilt:„Mehrere der ausständigen Arbeiterinnen waren bereit, die Arbeit schon früher wieder aufzunehmen, sie wurden jedoch von den im Ausstände bleibenden Arbeitern daran verhindert." Derselbe Berichterstatter kann auch glücklich einen Schlosser ausweisen, welcher„wegen Bedrohung der Mitarbeiter im Sinne von -5 153 der Gewerbe-Ordnung" schöffengerichtlich zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Aehnlich der seit langem als besonders reaktionär veranlagt bekannte Meißener Gewerbe- Inspektor, der durch Angriffe gegen den Metallarbeiter-Verband und Holzarbeiter-Verband seinem Herzen Luft macht. Diese hätten„systematisch Unzufriedenheit erregt", als„Endziel den Generalstreik" im Auge und„übten Druck auf die Unternehmer aus". Und so fort in einigen anderen sächsischen Berichten. Ist das nicht die für die Zuchthausvorlage von oben gewünschte Berichterstattung? Wir meinen: bis aufs Haar! Und der Schluß ist wohl erlaubt, daß diese Brocken aus Gutachten stammen, die allgemein zu erstatten waren von den sächsischen Gewerbe-Jnspektoren. Zweitens haben wir aber auch die direkte Angabe eines deutschen Gewerbe-Jnspektors, daß er zur Zuchthaus- Vorlage bezw. zur Denkschrift Bericht erstatten mußte. Da sie die einzige in allen uns bisher aus 1898 zu Gesicht ge- kommenen Jnspektionsberichten ist, so darf es nicht Wunder- nehmen, daß sie bisher wenig beachtet wurde. Der reichs- ländische Gewerbe- Inspektor Eröpin für den Oberelsaß verrät Seite 30 der„Verwaltungsberichte der Gewerbe- Aufsichtsbeamten in Elsaß- Lothringen für das Jahr 1898"(Straßburg, Straßburger Druckerei und Verlags- anstatt), daß er„infolge besonderer Aufträge" Berichte zu erstatten hatte, betreffend 1. Mißbrauch des Koali- tionsrechts... Unter diesem vielversprechenden Titel hat man also die Inspektoren gefragt I Und da die reichs- ländische Regierung doch sicher nicht gerade bloß Herrn Crepin, den Beamten für den Oberelsaß, sondern sicher ebenso diejenigen für den Unterelsaß und fürLothringen geftagt hat, diese aber die Befragung in ihren Berichten sorgfältig mit Schweigen übergehen, so liegt wiederum der Schluß sehr nahe, daß die Befragung auch noch von Inspektoren anderer Staaten ver- schwiegen worden ist, so verschwiegen, daß Graf Posadowsky im Reichstage„nichts wußte". Damit sind wir aber am interessantesten Punkte an- gelangt. Es giebt nur eine plausible Erklärung dafür, daß man offiziell, seitens der amtlichen Verteidiger der famosen Denkschrift, sich der Beftagung der Gewerbe-Jnspektoren so schlecht erinnern konnte: Die Erklärung nämlich, daß die Berichte der Aufsichtsbeamten über den„Mißbrauch des Koalitionsrcchts". um mit der reichsländischen Regierung zu reden, für die hübschen Zwecke der Denkschrift- Freitag, den Ä8. Juli Verfasser nicht zu gebrauchen waren. Thatsächlich hat ja der bekannte badische Fabrikinspektor in seinen beiden letzten Jahresberichten dem Socialpolitiker Posadowsky geradezu Keulenschläge versetzt, so scharf und klar sind dort die segensreichen Wirkungen der fortschreitenden Arbeiter- organisation nach dem wirklichen Leben geschildert. Thaffächlich enthalten auch die oben erwähnten Berichtsstellen der sächsischen Inspektoren neben jenem kleinen Teil von Aniniositäten, den wir bei einzelnen Beamten rügten, im ganzen zahlreiche Belege für die Unentbehrlichkeit wirksamer Arbeiterorganisation und strammen Zusammenhaltens beim Ausstand. Wir führen nur an, daß auch dort bestätigt wird, wie zahlreiche Lohn- drückereien nur durch Streiks verhütet und kleine Verbesserungen nur durch Ausstände herbeigeführt werden konnten. Ja. selbst die sächsischen Aufsichtsbcamten konnten die Mitteilung der Thatsachen nicht umgehen, nach denen viel eher von einen: horrenden Unter- nehmerterrorismus dieRede sein muß, alsvon Streikterrorismus. Man vergleiche die Stelle in: Chemnitzer Bericht(Berichtsband für 1898, S. 77), nach der u. a.„die Nichtbehinderung der Arbeiter am Beitritt zu Arbeitervereinen" erst durch einen Brauerausstand zu erreichen war, oder die Stelle im Zwickauer Bericht(S, 110), nach welcher ein Ausstand „auf Benachteiligung der Weber für angeblich(I) schlechte Arbeit sowie auf Lohnabzügen ohne Angabe eines Grundes beruhte", sowie vieles ähnliche bei den anderen Beamten. Man pehnic endlich dazu, daß die hessischen, die württembergischcn, einige mitteldeutsche und selbst preußische Gewerbe-Jnspektoren schon wiederholt amtlich die Unumgäng- lichkcit der Lohnkämpfe und ihrer Organisation zugegeben haben, und man wird uns zugegeben, daß für die u n- vergleichliche Denkschrift bei den Gewerbe- Inspektoren nicht viel zu holen war. Daher rührte zweifellos das Abhandenscin jedes offiziellen Wissens von Berichten der Gewerbe-Jnspektoren Her. Diese Berichte sind nicht so ausgefallen, wie es für ein Zuchthaus gesctz nötig war, weil die Inspektoren die Lohnkämpfe zu sehr aus der praktischen Nahe kennen, und deshalb sind sie ungedruckt in den Akten der Bundes- regier ungcn geblieben, obgleich sie in zieni- l i ch c r Z a h l erstattet wurden. Das sieht auch den Urhebern der Denkschrift sprechend ähnlich. Wie wäre es mit einem Antrag im Reichstag, der die vorhandenen und noch zu erstattenden Berichte der Anfsichtsbcamten über den „Mißbrauch des Koalitionsrechts" an die Oeffcntlichkeit zu ziehen suchen würde? Oder wenn dies nicht geht: in der von der Generalkommissiou geplanten Widerlegung der Denkschrift sollen ja die Gewerbe-Jnspcktiousbenchte der letzten Jahre gut benutzt werden! Sie bieten reiches Material— für die Gegner der Zuchthausvorlage.' Und so reiht sich denn die Affaire mit den deutschen Gewerbe-Inspektoren und dem Zuchthausgesetz als neue Blamage an die vielen übrigen, die die Verteidiger des Knebelgesetzes auf diesem für sie so ruhmlosen Blachfeld erlitten haben!_ politische Mebeestcht» Berlin, den 27. Juli. Reaktion und Soeialismus in Deutschland. Diesen Titel fuhrt der Leitartikel des vornehmsten Organs der französischen Bourgeoisie, der„Tcmps", der obendrein Kunst übt, mit allen Regierungen seines Landes Fühlung zu unterhalten. Der Artikel verdient, so ausführlich wie möglich mitgeteilt zu werden. Es heißt da: Ein Hauch der Reaktion geht jetzt durch Europa. In Belgien ist die Frage schon in bekannter Weise gelöst. In Italien hat General Pelloux sich soeben mehr eine Verlegenheit als Vorteile geschaffen durch außer- verfassungsmäßige Maßregeln: durch ein Knebel» gcsetz, dessen'Wirkungen mehr als zweifelhaft sind. In Serbien fruktifiziert man ein abscheuliches und dummes Attentat, um die liberale Partei einzusperren, mundtot zu machen und niederzudrücken. Die Opfer versäumen natürlich nicht, zu erklären, das Attentat sei nur ein Vorwand, wo nicht das Werk der Regierung selbst, was ihnen die verlorenen Sympathien des Volkes wieder zuwendet. Aber Deutschland ist das Land, wo die Fruchtlosigkeit der Reaktionspolitik sich am deutlich st en offenbart. Im Juni 1898 ließ der Minister des öffentlichen Unter- richts in Preußen von der Kammer ein Gesetz annehmen, welches die Privatdocenten- der preußischen Universitäten den öffentlichen Beamten beiordnete. Dieses Gesetz wurde sofort das Gesetz Arons genannt, denn nach dem Ge- ständnis des Ministers selbst sollte das Gesetz es der Re- gierung ermöglichen, einen Universitätslehrer, Dr. Arons, seines Amtes zu entheben, weil er des Verbrechens schuldig ist, sich als Socialist zu bekennen. Die Sache des Herrn Arons kam vor die aus 45 Professoren bestehenden Fakultät der Universität Berlin. Der Minister verlangte, daß der Angeklagte seines Amtes enthoben werde. Die Fakultät der Universität weigerte sich, dies zu thun und erklärte, daß die T h a t s a ch e, S o c i a l i st zu sein, keinen Grund bilde, einen Professor für ungeeignet zum Amt zumachen, und daß außerdem die Propaganda des Herrn AronS die vernünftig erscheinenden Grenzen nicht überschritten habe. Expedition: SW. 19. Beukh-Skrufze 3. Diese Entscheidung hat eine um so lebhaftere Bewegung hervorgerufen, als der Prozeß Arons seit langem angekündigt und kommenttert war, und als in der That das Gesctz vom Juni 1898 ausdrücklich beschlossen worden war, um diesen Prozeß möglich zu machen. Ucbrigens ist für Herrn Arons noch nicht alles beendigt. Das Ministerium hat gegen den Eutscheid der Fakultät Be- rufung eingelegt. Und es ist ein Gerichtshof von Beamten des Unterrichtsministeriums, der in zweiter Instanz zu urteilen hat. Aber der Beschluß der Fakultät, dessen sehr bemerkens- werte Einzelheiten der„Vorwärts" zu veröffentlichen in der Lage war, hat eine moralische Wirkung hervorgebracht, die durch keine Maßregel verwischt>v erden kann. Aehuliches ließe sich von einem Erkenntnis sagen, das ein Berliner Gerichtshof in Sachen des nämlichen„Vorwärts" gefällt hat. Der„Vorwärts" hatte den höchsten sächsischen Ge- r i ch t s h o f kritisiert, indem er sagte:„Dieses Gericht hat durch seiue Spruchpraxis oft und offen erklärt, daß die Mit- glieder der Arbeiterpartei vor dem Gesetz nicht die gleichen Rechte haben, tvie die anderen Staatsbürger." Das oberste Gericht Sachsens erhob eine Anklage gegen den „Vorwärts". Der Prozeß kam vor einem Gerichts- Hofe von Berlin zur Verhandlung. Der„Vortrni'rts" plädierte nicht etwa„mildernde Umstände", nicht die Straflosigkeit des Delikts, sondern er trat den Beweis der Wahrheit a n. Und der Gerichtshof erkannte, nach einer Prüfung ge- wisser, von der Verteidigung des„Vorwärts" citierten Urteils- spriiche des betreffenden sächsischen Gerichtshofes, daß i n d e r That dieser Gerichtshof implicite(zlpar nicht wärt- lich, aber dem Sinne nach) erklärt hat, die Mitglieder der Arbeiterpartei hätten vor dem Gesetz nicht dieselben Rechte wie l:: übrigen Staatsbürger. Folglich könne nicht auf Beleidigung und Verleumdung erkannt und bestraft werden. Wirklich es giebt noch Richter in Berlin. Was bedeuten diese Thatlachcn, die der Verwerfung des Zuchthansgesetzcs durch den Reichstag auf dem Fuße gefolgt sind? Einfach dies:„das deutsche Bürger- t u m i st d e r U e b c r z e u g n n g, d a ß es in diesem Asiig en blick schlimmere Staatsfcinde giebt als die Social i'sten, nämlich die Reaktionäre (qu'il y a en ce moment de pires ennenus de l'Etat, que les Socialistes, savoir les reactionnaires). Das deutsche Bürgertum ist erbittert über die Gunst, die den Junker n., den Agrariern, den P r i v i- legierten j e d e r A r t bezeigt wird. Es sagt sich mit einem Wort: daß es, w e n n gewählt werden muß, kein Recht hat zu zaudern. Und wie wir sehen, sind es nicht dic Socialisten, die Gefahr laufen, bei diesen! Dilemma zu verlieren. Wahre Ferienkolonien sind nach den Schilderungen der„Deutschen Tageszeitung" die Gefängnisse. Man hat gutes Obdach, riesigen Arbeits- Verdienst, ausgezeichnete Behandlung, und eine Kost, die besser ist als in unseren Kasernen. Vergleicht man diesen Zustand etwa mit dem Elend unserer Agrarier, die hungernd mid frierend ihre Strohdächer nnt Hypotheken flicken, so begreift mau, daß die Hinter- männer der„Deutschen Tageszeitung" mit dem Gedanken umgehen, ihre unrentablen Güter zu verkaufen und sich für den Rest ihrer Tage in Gefängnissen und Zuchthäusern an- zusiedcln. Sie sind um so begeisterter für den Plan, als sie hoffen, daß mit der Wiedereinführung der Prügelstrafe das Schlaraffenleben hinter eisernen Gardinen den Gipfel er- reichen wird. Ein Gerichtsassessor Krause, der eine„kriminalpolitische Studie" über„Die Prügelstrafe" jüngst veröffeurlichte, hat in seinen Vorschlägen bereits mit diesem Einzug der Agrarier in die Ferienkolonien gerechnet: denn er fordert die Oertelkur seiner Prügelsuppen für— Bettler, unter denen unsere Notleidenden ja die Grossisten darstellen. Daß angesichts der zunehmenden Verrohung der akademischen Jugend zunächst die Prügelstrafe obligatorisch auf den Universitäten eingeführt werden soll. ist ein Vorschlag, den wir der„Deutschen Tageszeitung" und dem gerichtsasscssorlichen Kriminalpolitiker nachenipfinden können, wenn wir ihn auch nicht ganz billigen.—' Die Amtsenthebung des Generals de Negrirr. ES wird uns aus Paris geschrieben: Die Amtsenthebung des Generals de Regner ist die einschneidendste der bisher vom Kabinet gegen die prätorianischen Elemente getroffenen Maßregeln. Sie ist am besten geeignet, das in die Negierung gesetzte Vertrauen aller republikanischen Parteien zu rechtfertigen, De. NSgrier hat zum erstenmal sein hohes Amt zu präto- rianischen Unitrieben mißbraucht, zum erstenmal in Aus ü b u n g des Amtes(als Anuee- Inspektor über vier Armeekorps) die untergebenen Generäle und Offiziere gegen die Civilgewalr gehetzt. Aber sonst ist er kein Anfänger auf diesem Gebiet. Schon im September 18S8 wagte er es, in einer feierlichen Ausbräche an Felix Favre umer Anspielung auf die bedrohten Militärverbrcchcr von der innigen Solidarität sämtlicher Arnieechefs untereinander zu sprechen. Man ließ ihn unbehelligt. ES war unter dem schwärt!- lichen Ministerium Brisson, das sich von drei Kriegsmiiiistern nach- einander ins prätorianische Garn fangen ließ. Dann er- ging sich Negrier in den klerikal- rohalistischen Salons in t',aio«!anischcn Ansfüllcn gegen die Republik. Namentlich ist es l.etm.ut geworden, daß er anläßlich des Deroulbde'schen Pntsches die Aeußenmg that:„General Noget(der feige Mitschtlldige Teroulädes) hat nur den Fehler begangen, Dercmlede nickt gefolgt zu sein!" Cr blieb aber unangetastet: es war unter dem doppelzüngigen Ministertum Dupuy... Ohne Zweifel käme de Negrier unter einem Dupnh oder Meline auch wegen seiner amtlichen Prätorianerhatz sehr glimpflich dabon, wenn die heikle Angelegenheit überhaupt nicht vertuscht worden wäre. Die Zeiten haben'sich' aber gründlich geändert. Die gegenwärtige Regierung hält ihre republikanischen Versprechungen. Sie hat mit fester Hand den nächst dem Vlcepräsidcnten des oberen Kriegs- rates, dem General Jamont, angesehensten und höchstangcstell'ten „großen Chef", den Befehlshaber der französicken Borhut im Kriegs- falle, einen Liebling der chauvinistischen Masse, imnachstchtlich be- straft. Daß die bloße Amtsenthebung keine genügende Vergeltung des schweren Amtsfrevcls ist, versteht sich von selbst. Aber die Exekutivgewalt koimte von sich aus gesetzmäßig keine schwerere Strafe über den General verhängen. Im übrigen erscheint es nicht ausgeschlossen, sondern sehr wahr- scheinlich, daß die Regierung gegen Negrier und die anderen Prä- torianer nach Erledigung des Treyfus-Prozesscs eine gerichtliche Aktion einleiten wird. In diesem Sinne wud namentlich d,e gestrige außergewöhnliche Beratung der Ministerpräsidenten und des Justiz- Ministers mit dem Gencral-StaatSanwalt und dem Poltzeipräfekten gedeutet. Der Fall Nsgrier zeigt am deutlichsten, wie ernst eS mit der Militärgefahr ist. ES wäre um die Republik geschehen, wenn nicht das gegenwärtige Kabinett zu stände gekommen wäre, wenn in der letzten Ministerkrise die Melineschen Auch-Republikaner gesiegt hätten. Freilich hätten dann Nögrier und Konsorten keine amtliche Prätorianer- Hätz zu betreiben brauchen. Die Civilgewalt wäre ihr dienstwilliger Hausknecht, wie daS zwei Jahre lang der Fall war. Zugleich mit Nsgrier ist General d e Pellieux, daS der- dienstvolle Mitglied der verflossenen Fälscherbande, seines Pariser Kommandos enthoben worden, um in ein untergeordnetes Provinz- kommando versetzt zu werden. Seine gerichtliche Verfolgung wegen AmtSfrevelS in der Untersuchungsposse Esterhazy bleibt vorbehalten. De Pellieux teilt nun daS Schicksal seines würdigen Ehefs, deS Generais Zurlind en, des abgesetzten Militärgouverneurs von Paris. Damit ist die obere Befehlshaberschaft der Pariser Truppen von den prätorianischen Elementen gesäubert. De Pellieux ist, wie Zurlindeu, durch einen zuverlässigen republikanischen General ersetzt worden. «» » Deutsches Fleich. Roch ein paar Fichte-Eitate. Um der„Post' und den«Berliner Neuesten Nachrichten' noch weiterhin Gelegenheit zu geben, sich über unseren Fichte zu ent- rüsten— mit dem sie so gern ihre guten Stuben dekorieren— bringen wir noch ein paar Citate, die der heutigen Bourgeoisie un- angenehm genug in» Ohr schrillen mögen: „Da« Leben im Staate gehört nicht unter die absoluten Zwecke deS Menschen, was auch ein sehr großer Mann darüber sage-, sondern es ist ein nur unter gewissen Bedingungen statt- findendes Mittel zur Gründung einer vollkommenen Gesellschaft. Der Staat geht, ebenso wie alle menschlichen Institute, die bloße Mittel sind, auf seine eigene Vernichtung aus: e s ist der Zweck aller Regierung, die Regierung über- fliissrg zu machen.' »DaS Licht siegt endlich gewiß— die Zeit kann man freilich n:cht bestimmen, aber eS ist schon ein Unterpfand des Sieges, und de« nahen SiegeS, wenn die F i n st e r n i S g e n ö t i g t' ist, sich in einen öffentlichen Kampf einzulassen. Sic liebt da« Dunkel; sie hat schon verloren, wenn sie gezwungen ist, an das Licht zu treten.''»-» m » Der Trieb geht darauf aus, freie dcruiinftlge Wesen außer un« zu finden, und mit ihnen in Gemeinschaft zu treten; er geht nicht auf Subordination, wie in der Körperwelt, sondern er geht auf Koordination aus. Will man die gc- suchten vernünftigen Wesen außer sich nicht frei sein lasse», so rechnet man etwa bloß auf chre th eoretische Geschicklichkeit. nicht auf ihre, fteie praktische Vernünftigkeit: man will nicht in Gesellschaft mit ihnen treten, sondern man will sie, als ge- schicktere Tiere, beherrschen, und dann versetzt man seinen ge- sellichaftlichen Trieb mit sich selbst in Widerspruch.— Doch was sage ich: man versetzt ihn mit sich selbst in Widerspruch? man hat chn vielmehr noch gar nicht— jenen höheren Trieb: die Mensch- heit hat sich dann m uns noch gar nicht so weit ausgebildet; wir stehen selbst noch auf der niederen Stufe der halben Menschheit oder der Sklaverei. Wir sind selbst noch nicht zum Gefühl unserer Freiheit und Selbstthätigkeit gereift; denn sonst müßten wir notwendig um unS herum uns ähnliche, fr6'* Wesen sehen wollen. Wir sind Sklaven, und wollen Sklaven halten. Rousseau sagt: Mancher hält sich für einen Herrn anderer, der doch mehr Sklave ist, als sie; er hätte noch weit richtiger sagen können: Jeder, der sich für einen Herr« anderer hält, ist selbst ein Sklave. Ist er es auch nicht immer wirklich, so hat er doch sicher eine Sklavenseele, und vor dem ersten Stärkeren, der ihn unterjocht, wird er niederträchtig kriechen. — Nur derjenige ist frei, der alles um sich herum frei machen will, und durch«inen ge« wissen Einfluß, dessen Ursache man nicht immer bemerkt hat, wirklich frei macht. Unter seinem Auge atmen wir fteier; wir fühlen uns durch nichts gepreßt und zurück- gehalten und eingeengt; wir fühlen eme ungewohnte Lust, alles zu fein und zu thun, was nicht die Achtung für uns selbst uns verbietet. Der Mensch darf vernunstlose Dinge al« Mittel für seine Zwecke gebrauchen, nicht aber vernünftige Wesen: er darf dieselben nicht einmal als Mittel für ihre eigenen Zwecke brauchen; er darf nicht auf sie wirken, wie auf tote Materie oder auf daS Tier, so daß er bloß seinen Zweck mit ihnen durchsetze, ohne auf ihre Freiheit gerechnet zu haben.— Er darf kein ver- niinftigeS Wesen wider seinen Willen tugendhaft oder weise oder glücklich machen.' «Ich kenne wenig erhabenere Ideen als die Idee dieses allgemeinen Einwirken« des ganzen Menschengeschlechtes auf sich selbst, dieses unaufhörlichen Lebens und Strebens, dieses eifrigen Wettstreites zu aeben und zu nehmen, das edelste, was dem Menschen zu teil werden kann, dieses allgemeinen Eingreifens zahlloser Räder ineinander, deren gemeinsame Triebfeder die Freiheit ist, und der sckönen Harmonie, die daraus entsteht. Wer Du auch seist, so kann jeder sagen, Du, der Du nur Menschenantlitz trägst, Du bist doch ein Mitglied dieser großen Gemeine; durch welche unzählige Mittelglieder die Wirkung auch fortgepflanzt werde— ich wirke darum doch auch auf Dich, und Du wirkst darum doch auch auf mich; keiner, der nur das Gepräge der Vernunft, sei es auch noch so roh ausgedrückt, auf seinem Gesichte trägt, ist vergebens für mich da.' Setzt man voraus, daß mehrere vernünftige Wesen vorhanden sind, so ist in der Forderung, daß i n j e d e m alle seine Anlagen gleichförmig ausgebildet werden sollen, zugleich die Forderung enthalten, daß alle die verschiedenen vernünftigen Wesen auch unter sich gleichförmig gebildet werden sollen.— Sind die Anlagen aller an sich gleich, wie sie et sind, da sie sich bloß auf die reine Vernunft gründen, sollen sie in allen auf die gleiche Art ausgebildet werden, welche» der Inhalt jener Forderung rst. so muß da» Resultat einer gleichen Ausbildung gleicher Anlagen allenthalben sich selbst gleich sem; und wir kommen hier auf einem anderen Wege wieder zu dem letzten Zweck aller Gesellschaft: der völligen Gleichheit aller ihrer. Mitglieder." „Sie(die Gesellschaft) wird sorgen, daß jedes Individuum mittelbar aus den Händen der Gesellschaft die ganze vollständige Bildung erhalte, die es unmittelbar der Natur nicht abgewinnen tonnte. Die Gesellschaft wird die Vorteile aller eiitzelnen, als ein Gemeingut, zum freien Ge- brauche aller aufhäufen und sie dadurch um die Zahl der Individuen vervielfältigen; sie wird den Mangel der einzelnen gemeinschaftlich tragen und thn dadurch auf eine unendlich kleine Summe zurückbringen.' „Die Wahl eine? Standes ist eine Wahl durch Freiheit; mit- hin darf kein Mensch irgend z u einem Stande ge- z w u n g e n, oder von irgend einem Stande ausge- schlösse» werden. Jede einzelne Handlung, so wie jede all- gemeine Veraustaltting, die auf einen solchen Zwang ausgeht, ist unrechtmäßig... sein solcher Zwang) setzt unsere Handlung in Widerspruch' mit unserem praktischen Begriffe von ihr. Wir wollten ein Glied der Gesellschaft, und wir machen ein Werkzeug derselben; wir wollten einen freien Mit- arbeit er an unserem großen Plan, und wir machen ein aezwnngenrS, leidendes Instrument desselben; wir töten dnrch nnsere Einrichtung den Menschen in ihm. so viel es an uns liegt, und vergehen uns an ihm und an der Gesellschaft.' » „ES ist nicht ein bloßer frommer Wunsch für die Menschheit, sondern e» ist die unerläßliche Forderung ihres Rechts und ihrer Bestimnmug, daß sie so leicht, so frei, so gebietend über die Natur. so echt m e n s ch l i ch ans der Erde lebe, als eß die Natur nur irgend verftattet. Ter Mensch soll arbeiten; aber nicht w i e e i n L a st t i e r, daS unter seiner Bürde in den Schlaf sinkt, und nach der notdürftigsten Erholung der erschöpften Kraft zum Tragen der- selben Bürde wieder ausgestölt wird. Er soll angstlos, mit Lust und mit Freudigkeit arbeilen, und Zeit übrig behalten, seinen Geist und sein Auge zum Himmel zu erheben, zu dessen Anblick er ge- bildet ist. Cr soll nicht gerade niit seinem Lasttier essen; sondern seine Speise soll von desselben Futter, seine Wohnung von desselben Stalle sich eben so unterscheiden, wie sein Körperbau von jenes Körperbaue unterschieden ist. Dies ist sein Recht, darum weil er nur einmal ein Mensch ist. Man hat viel und häufig von Nationalreichtnm, National- Wohlstand u. dergl. geredet... Dies soll nun sein ein Wohlstand der Nation; nicht einiger Individuen, deren höchster Wohlstand oft das auffallendste Zeichen und der wahre Grund ist von dem höchsten Ucbelbefindcn der Nation; er soll so ziemlich über alle in demselben Grade sich verbreiten.' « „Die Hanptresultate der aufgestellten Theorie sind diese: daß in einem dem Rechtsgesetze geniäßen Staate die drei Hanplstände der Nation gegen einander berechnet, und jeder ans eine bestimmte Anzahl von'Mitgliedcrn eingeschränkt; daß jedem Bürger sein ver- hällnismäßiger Anteil an allen Produkten und Fabrikaten des Landes gtgen seine ihm anzumutende Arbeit, ebenso wie den öffentlichen Beamten ohne sichtvares Aequivalent, zugesichert; daß zu diesem BeHufe der Wert aller Tinge gegen einander, und ihr Preis gegen Geld festgesetzt und darüber gehalten; daß endlich, damit dieses alles möglich sei, aller uninitrelbckre Handel der Bürger mit dem Auslande unmöglich gemacht werden müsse.' Solche Irrlehren propagierlc ein Mann, mit dessen Berufung die Berliner Universität ihre Wirksamkeit begann. ZnrZnchthanSdebatte. Tie„Post' widmet ihrem Lieblings- gesctz zur endgültigen Beseitigung deS KoalitionsrechtS alltäglich reichliche Arttkelmcngen. Unser gestriger Leiter verführt sie zum Jubel, daß die Aussichten der Vorlage doch nicht schlecht sein können, da wir besorgt und mutlos sind. Wir blicken allerdings den Thatsachen ruhig ins Auge und mißtrauen der Festigkeit der bürgerlichen Parteien gegenüber dem Drängen der Regierung und den' Beeinflussungen ihrer kapitalistischen Hintennämier. Wir haben aber u m s o m e h r Vertrauen zu der K a m p f e s z ä h i g- keit und Energie der deutschen Arbeiterklasse, an der die Hoffnungen der Stümmlinge sicher zu Schanden iverdcn. Wenn es der„Post" beliebt, unsern Appell an die Wachsamkeit der Arbeiterklasse zu Gunsten ihrer Zuchtbauswünsche auszulegen, so lassen wir ihr gern diese Freude, denn sie und ihr Protektor haben in letzter Zeit gar zu viel politisches Aergernis schlucken niögen. Wir hoffen, daß die Freude der„Post" auch nicht gestört werde, wenn wir aus einem guten Artikel des Privntdoccnten Dr. Jastrow in den gut bourgeoisen Konradschen„Jahrbüchern für Nationalökonomie und Swlistik' über die Art der Fertigstellung und über den Wert der Zuchthausvorlage ein äußerst avsprechendes Urleil mitteilen. Dr. Jastrow behandelt die Zuchthansvorlage von einem bisher nicht beachteten Gesichtspunkte, nämlich insofern als dieselbe eine Bedrohung der Gewerbegerichte bedeutet. Die Denkschrift-Quellen, aus denen die Vorlage destilliert wurde, kritisiert Dr. Jasttow sehr treffend: „Wenn ein Staat meint, daß bei den Koalitionen der Arbeiter Ausschreitungen oorkomnie» und wenn derselbe Staat Behörden besitzt, die mit diesen Koalitionen in beständiger Fühlung sind, so sollte man meinen, daß diese Behörden die geborenen Gutachter sein müßten. Dazu kommt, daß das GewerbegeriÄts- Gesetz in der That derartige Fälle vorgesehen und die Gewerbe- gerichte verpflichtet hat, auf Ansuchen von Behörden„Gutachten" abzugeben. Es sind auch für die Erteilung von Gutachten an größeren Gewerbegerichten, dem Gesetz entsprechend, eigene Aus- schüsse eingesetzt worden. Statt sich an die Gewerbegerichte zu wenden, hat man sich aber an die Staats« a n w ä l t e gewendet. Die Denkschrift ist im wesentlichen zu- sammengesetzt aus Berichten der Staatsanwälte(ergänzt durch andere Verwaltungsbehörden). Nun leuchtet auf den ersten Blick die Verschiedenheit der Gesichtspunkte ein, unter denen die Koalitionen vom Gewerbe- . gericht oder vom Staatsanwalt betrachtet werden. Wer mit den i Koalitionen und ihren Vertretern in beständiger Fühlung � ist, wer die tägliche Arbeit kennt, die in diesen Vereinen und Ver- sammlungen geleistet wird, der wird zwar über Ausschreitungen auch nicht hinwegsehen, er wird in ihnen aber das erblicken, was sie sind: die bedauerlichen, vielleicht zu häufigen Ausnahmen, aber immerhin doch Ausnahmen. Wer hingegen mit den Koalittonen von Berusswegcn nur zusammenstößt, sobald sie sich Ans- schreitungen zu Schulden kommen lassen, der wird von ihnen die Vorstellung haben, daß sie, wo er ihnen auch begegnen mag, immer etwas Böses im Schilde führen. Daher ist in diesen staatsanwaltlichen Berichten unaufhörlich von Verfehlungen die Rede, die thatsächlich oder vermeintlich auf Leiter von Koalitionen zurückzuführen find, ohne daß an irgend einer Stelle der Versuch gemacht würde, zu einem Urteil darüber zu ge- langen, der wievielte Teil der Koalitionsthätigkeit auf Aus- schreitungen entfalle; ja, es wird sogar ganz ausdrücklich so ge- sprochen. als ob Ausschreitungen und Koalitionsthätigkeit im großen und ganzen einander decken." Dr. Jasttow schließt mit der Betonung der Notwendigkeit einer Erweiterung des Koalitionsrechts: »Unsere Gesetzgebung hat schon an zu vielen Punkten damit begonnen, öffentliche Einrichtungen auf das Vorhandensein von Koalitionen zu begründen, als daß sie daraus ausgehen könnte, diese Koalitionen noch hinwegzuwünschen. Ist dies aber nicht mehr möglich, so muß man sich klar machen, daß der Wunsch, die Koalittonen klein zu erhalten, schlechterdings nichts für sich anführen kann. Im Gegenteil, giebt es einmal Koalittonen, so muß im allgemeinen Interesse ihte möglichste Vergrößerung gewünscht werden, damit nicht eine kleine Minderheit von Koalierten daS Scepter führt. In diesem VergrötzerungSprozeß befinden sich gegenwärttg die deutschen Koalittonen, und dieser Prozeß wird noch eine lange Dauer Häven, da bi» jetzt nicht mehr als 7—8 Proz. der deutschen gewerblichen Arbeiter koaliert sind. Daß in diesem Ausbreitungsprozeß in dem berechtigten Streben nach Vergrößerung der Koalitionen Aus- schreitungen vorkommen, ist richtig und von allen Seiten(die Socialdemokratie nicht ausgenommen) anerkannt. Allein daß die Verschärfung der.Sttasacsetze ein Mittel sei, diese Ausschreitungen zu verringern, ist eine Behaiiptung, die, so oft sie auch aufgestellt worden ist, jed eS Beweises ermangelt, und noch viel weniger ist bewiesen, daß dies der einzige Weg sei. Die ansschlag- gebende Partei des Reichstages, das Centrum. hat für die Weiter- beratung der Vorlage Anträge auf Sicherung des KoalitionSrechtcs und auf rechtliche Anerkennung der Arbeiter-Berufsvereine an- gekündigt. Diese Anträge scheinen zwar zunächst als eine Art Kompensation für neue Sttafbestimmnngen gemeint zu sein. Sie sind aber mehr als das: sie sind ein Ersatz dafür. Förderung der Koalitionen, größere Ausbreitung, gesetzliche Anerkennung(alles Forderungen, deiien auch Anhänger der Vorlage im Princip zu- stimmen), das sind die Mittel, mit denen man nach allen historischen Erfahrungen eine Verminderung der Gewaltthätigkeiten ebenso sicher erreicht, wie man sie von einer Verschärfung der Straf- bestimmungen vergebens erwartet.'— Ter KriegSmiuister v. G o tz l e r, so verlautet wieder, werde demnächst aus dem Ministerium ausscheiden und daS Kommando des l. Armeekorps erhalten. An seine Stelle soll Generalleutnant Frei- Herr v. Gemmingen tteten, jetzt Divistonskommandeur in Erfurt, längere Zeit Direktor deS Militär-Oekonomiedepartements im Kriegs« Ministerium. Herr v. Goßler soll gehen, weil sein Auftteten bei der Beratung der letzten Militärvorlage noch nicht herrisch genug gewesen sei. Vielleicht nimmt er einige seiner Mimsterkollegen mit sich, die es bei der ZnchthauSvorlage an Widerstand mangeln ließen. Frage und Autwort. Im„Reichsboten" lesen wir: Es sei festgestellt, daß die liberale und socialistische Presse ans die Frage, ob die Socialdemokratie revolutionär sei. und auf unsere dazu gegebene Begründung noch inimer keine Antwort gefunden hat,; andern sich weiter in ein beredtes Still- schweigen hüllt. Wir haben dazu zu bemerken, daß wir die Heugabeln, Tot- schläger niid Spieße bereits wohlgeordnet auf Lager haben, womit wir' versuchen werden, Bresche in die Beste der Dummheit zu schießen, die sich.Reichsbote' nennt. Wir bitten also, zu zittern.— Tie„Germania" ist so freundlich, uns zu gestatten, die Religion zu kritisieren. Nur eine Verspottung und Verhöhnung der Religion will sie sich von niemandem gefallen lassen, am aller- wenigsten von den roten Vollsbeglückern. Die Religion zu verhöhnen, könnte nur einem Flachkopf bei« kommen. Dagegen scheint es uns allerdings sehr angebracht, krasse Mißbräuche des religiösen Lebens lachend zu geiseln, für die eine ernst- hafle Krittk Verschwendung wäre. Oder sollten wir gegen dieWallfahrts- SchnapSflasche, die wir gestern schilderten, eine würdevolle Krittk loslasse»? Wir haben beinahe den Eindruck, als ob die„Gennania' weit weniger erbost wäre selbst über eine Verhöhnung der Religion, die wir für geschmacklos halten, als sie ergrimmt fein würde über eine ernste Kritik von kirchlichen Miß- brauchen, an denen i h r Herz hängt. Tie AronS-„Denkschrift". Leichtferttge Blätter au» der Scharsmacherei hatten eS der Regierung dringend ans Herz gelegt, zur Entkröftung des angeblich tendenziösen„Vorwärts'- Berichts über die Fakultätsverhandlungen in Sachen AronI die Elstersche Anklageschrift zu veröffentlichen. Wir können versichern, daß die Regierung nicht daran denkt, diesem Wunsche zu willfahren; denn diese Anklageschrift ist— und das weiß die Regierung wohl— nach dem Muster der Denkschrift zur Zuchthausvorlage zurecht gebraut. UnS ist die Anklagt- schrift zwar nicht auf den Tisch geflogen, aber so viel wissen wir doch, um beurteilen zu können, daß die Regierung sich hüten wird, unter ihrer Verantwortung ein Erzeugnis zu verössent« lichen, das teilweise auf arg verstümmeltem Material beruht. AIS die An- klageschrift ausgearbeitet wurde, nahm man— wie bei jener Denk- schrift— das Material ohne Kritik her, wo es sich zufällig darbot; man handelte naiv und ohne jede wiflcnschaftliche Zuverlässigkeit, aber doch in gutem Glauben. Jetzt aber weiß die Regierung, wie es mit ihrem Material steht, und darum wird sie die Anklageschrift nicht veröffentlichen.— Reinliche Scheidung. Der Chefredacteur der.Vossischen Zeitung", Herr Stephan y, hatte bekanntlich neulich vor Gericht Gelegenheit, nachzuweisen, wie tugendhaft es für einen polittschen Redacicur sei, Reklame-Arttkel für«in Unternehmen in den Handelstcil seines Blattes zu lancieren und gleichzeittg Aktien dieses Unternehmens zu zeichnen. Allgemein be- wundert um dieser selbstlosen Handlungsweise Willen konnte Stcphanh reinen Mantels den Gerichtssaal verlaflen— kein Flccken haftete an ihm, seine Verleumder wanden sich zerknirscht am Boden. Seit einigen Tagen hat nun die„Vossische Zeitung' am Kops eine interessanre Aendenmg vorgenommen. Wo früher zu lesen war „Verantwortlicher Rcdäcleur Friedrich Stephany" heißt eS jetzt: „Verantwortlicher Redacteur(mit Ausnahme de» Handels- teils): Friedrich Stephany". Die reinliche Scheidung zwischen den Ressorts ist nun wenigstens äußerlich vorgenommen, und damit hat sich die von Stephany verkündete Moral teilweise an ihm selbst bewährt: Bedenkliche Hand- lungen gehen niemanden etwas an, so lange sie nicht zum öffent- lichen Skandal werden. Arten sie aber dazu au», so duldet der Ber- leger Lessing den Kompromittierten keinen Lugenblick mehr in seinen heiligen Hallen. ES scheint, alS ob die Assaire Stephany ttotz der glänzenden gerichrlichen Rechtfertigung doch ein wenig als öffentlicher Skandal enipfunden worden ist.— Die Verordnwlg zum HandwcrkSoraanisattonS- Gesetz wird zwar erwartet, aber nicht vor Oktober. Es sind noch die Ab- schnitte über die Handiverkskammern und über den Meistertitel sowie namentlich über die Lehrlingsverhälttusse im Handwerke in Kraft zu setzen. Vornehmlich in letzterer Beziehung werden einschneidende Aenderungen insofern eintreten müssen, als das Halten von Lehrlingen im Handwerk an bestimmte Voraussetzungen, wie Vollendung deS 2i. Lebensjahres, gewisses Maß von zurück- gelegter Lehrzeit usw., gebunden ist. Ob der Bundesrat von seiner Befugnis, für einzelne Gewerbe Ausnahmen von diesen Vorschriften zu erlassen, Gebrauch machen wird, steht, den„Berliner Politischen Nachrichten" zufolge, noch dahin. Im übrigen ist in den Uebergangsbestimmungcn des Gesetzes selbst Vorsorge gettoffen, daß nicht etwa Härten platzgreifen. Jedenfalls haben alle Gewerbe- treibenden, welche beim Erlaß des Handwerksorganisattons-Gesetzes Lehrlinge hielten, das Recht diese auszulehren. auch nachdem die neuen Vorschriften über die Lehrlingsverhälttusse im Handwerk in Kraft gesetzt sein werden.— Ter Tuberknlosc-Kongress, ber kürzlich in Berlin stattfand, hat selbst sehr loyale Gemüter davon überzeugt, daß mit privater Wohlthättgkeit der verheerenden Vollsttankheit nicht beizulonimen ist. daß der Kanipf einzig auf dem Gebiete geführt werden müsse, auf dem die Ursachen der Seuche liegen: auf dem socialen Gebiete. ES ist nun sehr interessant, wahrzunehmen, daß. sobald der einzelne sich ernsthaft damit abgicbt, wirksame Vorschläge nach dieser Richttmg zu machen, er vollständig, meistens unbewußt, auf alte social- demokratische Forderungen' kommt. Im neuesten Hefte der„Brenz- boten", die man sicher kein Organ deS Umsturzes nennen kann, kommt ein Herr Dr. Steiiithal in einer Besprechung der Lehren deS Kongresses zu dem Schluß: zu den socialpolittschen Maßnahmen. die die Vernichtung der Tuberkulose bewirken sollen, gehöre in erster Linie: eine Vcrbillignng aller notwendigen Lebensmittel, ins- besondere des Fleisches und der Fette, d. h. eine Aufhebung aller Zölle, die auf die Einführung gelegt sind. Ferner müßte der Staat und daS Gesetz verhindern, daß leistungs« fähige Uiitcvnehmcr, insbesondere Aktiengesellschaften von einer be- ftiiiiuitcn Hohe der Dividende ab, verheiratete Arbeiter zu Löhnen anstellen,>vo»iit eine Familie nicht ernährt werden kann. Ein Staat, der sich gesetzliche Mittel verschafft hat, uiit Jndlistriecn vor dem Untergang zu bewahren iZuckerfabrikcn, Breiuiereien). braucht auch den Weg der Gesctzaebring nicht zu scheuen, wen««rS sich darum handelt, hniiderttausendc von Arbeitern vor AuSbcntmig zu schütze» und ihre» Familien die Gesund- hcit zu erhalten. _ Unsere arbeiterfreundliche Regierung lacht natürlich solcher Rat» schlage. Statt auf solche» Wegen zu wandeln, will sie das Koalitions- recht erheblich einengen, so dah die Arbeiterklasse des besten Mittels zur Verbesserung ihrer Lohnlage beraubt und die angeblich bekämpfte Schwindsuchtsseuche noch unendlich gefördert werden würde.— Gegen die Polizeistunde. Der Norddeutsche Gast- wirte-Verband nahm in seiner in Elmshorn stattgehabten Tagung u. a. folgende Resolution an: In Erwägung, dost das System der Polizeistunde in kultureller Beziehung einen Rückschritt bedeutet, die persönliche Freiheit des Individuums einengt, geiverblich den Wirtestand schädigt und zur Hebung der Moral und Sittlichkeit nicht beitragen kann, beschließt der dritte VerbandSwg des Nord deutschen Gastwirte-Verbandcs am 12. Juli 1899 zu Elmshorn, daß es Pflicht der gesamten Bevölkerung wie des gcsaniten Wirtestandcs ist, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln das schädigende System der Polizeistunde zu bekämpfen. Wieder die Gründung einer Zwangsinnung vereitelt— und zwar wieder in K ö l n. Die dortige Tischler-Jnnung hatte vor einigen Tagen Vorstandswahl. Es waren zwei Kandidatenlisten auf- gestellt: eine von dem Vorstand der Kölner Tischler- Innung, die andere von den Gegnern der Zwangsinuung. Die Beteiligung war sehr lebhaft. Es wurden abgegeben bei der Wahl des Obermeisters 223 Stimmen, davon erhielt der Kandidat der Gegner der Zwangs- innung 143 Stimmen, der Gegenkandidat 83 Stimmen. Bei der Wahl der elf Vorstandsmitglieder wurden 269 Stimmzettel ab gegeben. Auch hier siegten die Gegner der Zwairgsinnung mit großer Majorität. Die Zünftler haben Pech! Zur kommunalen WahlrcchtSfrage in SchleSwig-Holstein. Ans Kiel wird uns geschrieben: Wie richtig unsere Annahme war, daß das Austreten des Kieler Oberbürgermeisters in der Wahlrechts- frage das Signal gewesen sei für all die Kommunen, die das Wahl- recht verschlechtert haben, sich zunächst nicht an das Ober« Verwaltungsgerichts» Urteil zu kehren, bestätigt sich jetzt. Auch der Magistrat von R a tz e b u r g hat die gleiche Stellung eingenommen, wie der Kieler. Auf einen Antrag, die seiner Zeit aus der Bürgerrolle gestrichen Eensiten wieder in dieselbe autzu- nehmen, hat der Bürgermeister Tronnier diese? als zunächst unzulässig und ungesetzlich erklärt. Die Bürger» rolle werde einzig und allein aufgestellt auf Grund des seiner Zeit genehmigten Ortsstatuts. Hierzu bemerken die der Ne- gierung in Schleswig nahestehenden„Schlesw. Nachr.": »Diese Auffassung trifft durchaus zu; die Bllrgerrollen werden aufgestellt nach den zur Zeit geltenden Ortsstawten der betreffenden Kommunen; sollen fortan auf Grund der vielerivähnten Entschci- dung vom Lö. Mai 1899 in den verschiedenen Städten unserer Provinz die in diesem Urteil als allein zulässig und gesetzlich aus- gegebenen Normen Geltung haben, so bedarf es vor allem erst einer dementsprechenden Abänderung der in Frage konimenden orts- statutarischen Bestimmungen durch die betreffenden Stadlkollcgien und der Genehmigung dieses Beschlusses durch den Bezirksausschutz in Schleswig. Die Konsequenz dieser Anschauung wäre, daß, im Falle die Stadtverordneten-Versammlung keine Neigung verspüren sollte, das OrtSstatut zu ändern, oder der Bezirksausschuß etwa die Ge- nehmigung zu einem geänderten Ortsstawt versagte, der Rechts- spruch des höchsten Gerichts einfach nicht befolgt werden würde. Die Verteidigung dieses Standpunktes zeigt einen solchen Mangel an Respekt vor richterlichen Entscheidungen, wie er gerade den Verteidigern de« heutigen Rechtsstaats seltsam ansteht. Die Angst vor dem Eindringen der Soeialdcmokratcn in die Stadt- Vertretungen richtet wunderliche Dinge an.— Ausland. Frankreich. Die Maffregclnng RegrierS. Die Blätter melden, daß Millevoye nach Zusammentritt der Kammer den KricgSminister über die Beweggründe der gegen die Generale getroffenen Maßregeln sowie insbesondere über die Maßregelung deS Generals Siegrier interpellieren werde. Ein Abendblatt behauptet, auch General Zur- linden solle seiner Funktionen als Mitglied des obersten KricgsrateS enthoben werden. Dem Ministeriirnt nahestehende Blätter berichten, die von dem Kriegsminister Gallifet eingeleitete Untersuchung habe ergeben, daß General N ö g r i e r den Text der inkriminierten Anspracht vorher niedcrgeschrirbcn und sanulichen Generalen des 8. Armeekorps abschriftlich übermittelt habe. Es handele sich also um einen an die Truppen zu richtenden Korpsbefehl. Die Abschrift sollten die Generale, wie ans einer Randbemerkung NögrierS hervorgehe, vernichten. Gallifet schloß hieraus, daß Negrier sich der Gesetz- und Disciplinwidrigkcit seines Vergehens völlig bewußt gewesen sei. Der Kncgsminister werde der5lamnier den Text deS Tagesbefehls gelegentlich der Juterpellatton MillevoyeS vorlegen. Pari», 27. Juli. Der frühere Präsident Casimir Perier wird als erster Zeuge im DrcyfuS-Prozeß in Reimes vernommen werden, weil er gleich nach seinem Verhör in die Sommerfrische abzureisen beabsichtigt. Einer offiziellen Meldung aus Renne? zufolge ist der Ge- sundheitSzustand TrehfuS ein guter.— Belgien. Brüssel, 27. Juli.(Eig.©ct.) Das Einstimmreibt ist endgültig beseitigt. Die Rechte neigt immer mehr zur proportionalen Ver trettmg, aber der Führer der Rechten, W u e st e, will den neuen Anschauungen seiner Parteigenossen nicht folgen und zieht den jetzigen Znstand vor. Da die Linke nicht für Proportionalsystem ohne allgemeines gleilbes Wahlrecht stinmicn will, so wird, wenn nur IL Mitglieder der Rechten nicht für das Proportionalsystem eintreten, wahrscheinlich keiner der V o r s ch l ä g e eine Mehrheit finden. Dann würde der gegenwärtige Zustand bleiben und das Ministerium müßte abtreten.— Spanicu. Madrid, 26. Juli. Der Senat beriet bie Vorlage betreffend das Armce-Kontingent. Wcyler sprach sich für Verminderung desselben aus und bemerkte, die Lage sei ernst. ES sei wahr» scheinlich, daß eine Revolution ausbrechen werde, die Spanien erretten werde, wie die von Serrano gemachte Revolution Spanien errettet habe. Der Minister des Innern Dato erwiderte Weyler, das Heer stehe im Dienste des Vaterlandes und sei nicht zurBesriedigung der ehrgeizigen Bestrebungen einzelner da. Wenn irgend jemand, ob hoch oder niedrig, sich außerhalb des Gesetzes stellen wolle, werde das Gesetz unerbittlich sein. Darauf nahm der Senat den Gefetzentwurf an. Amerika. Kap Hattien, 27. Juli. Gerüchtweise verlautet, der Priisident der Domiutkauischen Republik» Heureaux, sei gestern abend in Moea ermordet worden. Der Mörder sollte ein gewisser Ramon Eaceres sein; die gesamte Polizei verfolge seine Spur. Der Vice» Präsident Figuero habe die StaatSleiwng übernommen. Auf Haltt herrsche völlige Ruhe. Augenblicks-Kartelle. Die Socialdemokratie ist heute eine Macht, mit der jede Partei rechnen muß. Sie überragt an Einfluß auf die Massen, an orgam- satorischer Kraft alle andern Parteien; und da sie die ivachfende Partei ist, der in näherer und fernerer Zukunft der Sieg gehören muß, wenn anders es eine Logik der Geschichte giebt, so dient ein Teil dieser Zukunftsmacht dazu, die moralische Bedeutung des Socialismus von heute über seine wirkliche Macht hinauszusteigern. Es zählen nicht nur die Millionen Wahlstimmen, die heute abgegeben werden, mit, sondern auch schon die weiteren Millionen, die sicher von Jahr zu Jahr hinzukommen werden. Mit die>er Thatsache einer nnüberwindlichen und zunehmenden Macht rechnen alle bürgerlichen Parteien. Infolge dessen sieht sich die Socialdemokratie immer häufiger vor Entscheidungen gestellt, wem und wofür sie ihre Unterstützung zur Verfügung zu stellen habe. Gerade im Augenblick bietet sich eine bunte Mannigfaltigkeit scheinbar widersprechender Kompromiffe zwischen Socialdemokraten und ihren verschiedenen Gegnern dar. In Belgien geht Socialismus mit dem Liberalismus Hand in Hand wider die Klerisei, und die revolutionäre Kraft ist dadurch so wenig geschwächt worden, daß die Verbündeten sogar in der Abwehr deS Umsturzes von oben die Argumente der Barrikade zu Hilfe gerufen haben. In Frankreich tritt ein Socialist in ein Bourgeois-Ministerium, dem ein militärischer Blutmensch angehört. In O e st r e i ch nähern sich die Todfeinde, die Socialisten und Liberalen, um den Kampf gegen daS pfäffisch gegängelte, borniert-brutale Kleinbürgertum auf- zunehmen. Und endlich in Deutschland begiebt sich das Seltsame, daß die bayrische Socialdemokratie mit dem Eentnim Kuhhandel treibt und ihm, wenn nicht die Mehrheit verschafft, so doch sie stärkt Alle diese Bünde sind keine Anzeichen dafür, daß die Sociab demokrntie einzubüßen beginnt an der Schärfe seiner principicllcn und taktischen Einsichten, daß sie in der Zersetzung und Erweichung begriffen sei, sondern sie sind vielmehr wuchtige Zeugen einer ge- steigerten materiellen Macht. Noch weniger sind diese Kompromisse taktische Neucrunlzen, sie sind vielmehr älteste Traditton, Fortsetzungen einer Taktik, die schon im Kommnmsttschen Manifest in ihrer Notwendigkeit klar erkannt wurde. Stets haben zwei taktische Anschauungen in der Sociab dcmokratie nebeneinander bestanden und sich innig ergänzt. Einmal, daß„die Emancipation der Arbeiter das Werk der Arbeiterklasse sein muß", da? heißt daß die Arbeiter- klaffe, als die Kenttruppe deS socialen Befreiungskampfes. danach streben müsse, stark genug zu werden, um jede fremde Hil entbehren und in den entscheidenden Zeiten allein den Sieg er- ringen zu können. Zu der Ärbeiterklasie gehören natürlich auch jene versprengten bürgerlichen Elemente.„In Zeiten... wo der Klaffen kämpf sich der Entscheidung nähert, nimnit der Auflösungsprozeß innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft, einen so heftigen, so grellen Eharakter an, daß ein kleiner Teil der herrschenden Klaffe übergeht zu der Klasse, welche die Zukunft in ihren Händen trägt. Wie daher früher ein Teil des Adels zur Bourgeoisie überging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeoisie zum Prolelariat über, und namentlich ein Teil der BourgeoiS-Jdeologcn, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben." Bei aller Ueberzeugung, diesen taktischen Grundgedanken in seiner ganzen Reinheit als ei» unantastbares Vermächtnis zu betrachten, ist für die Politik des Tages, für die Entscheidung des Augenblicks niemals jene Elasticirät- in der Wahl der Mittel ver- wehrt worden, die in der praktischen Politik erfordert werden. Je strenger die Grundsätze vor jeder Verumeiniaung mit fremden Elementen bewahrt werden, um so gefahrloser darf die Anpassung an die jeweiligen Verbällnisse im taktischen Kleinkampf ge« wagt werden. Dieses Doppelwescn socialdemokrattschcr Taktik, die dem Dualismus des Programms entspricht, hat gerade jene ge- wältigen Erfolge gezeitigl, hat die Partei vor jener schein revoluiionären Faulenzerei bewahrt, die alles von der„Entwicklung erwariet und derweilen, ehe der große Tag des Gerichts anbricht, in die Slube spuckt, um mit einem modernen Komödien dichter zu sprechen. Im Kommunistischen Manifest wurde bereits die stete Aktionsfähigkeit programmatisch gefördert und ermöglicht. Und seitdem die Klaisilcr des SocialiSnmS ans den Er- fahrungen der Kommune die Lehre entnahmen, daß„die Arbeiter- klaffe nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann", hatte die Socialdemokratie erst recht keinen Anlaß, alle Entscheidungen und alle— Verantwortung der Zukunft zu überlassen. Tic Absperrungs und Enthaltsamteilspolitik ist bequem, klingt radikal, ist aber die Politik der Trägheit und Unfruchtbarkeit. Im Schlafe kann man allerdings nicht simdigen, nur ist es die größte Sünde, zu schlafen, wo die Pflicht gebietet, zu wachen und thqtig zu sein Die Socialdemokratie hat es nie nötig gehabt, ernstlich gegen das politische Abstinenzlertum Front zu machen. Sie ist immer aktionSInslig gewesen, und nur, wenn die eine oder andere Aklion Bedenken erregte, versuchte man bisweilen ein Princip zu verfechten, das iiicmals bestanden und niemals befolgt worden ist. DaS ewige Gerede der bürgerlichen Jguoranten-Presie von der Mauserimg mag manchmal diese verdrossene Tendenz deS Jn-sich-selbst-Zurück- ziehens verschärft haben. In Wahrheit ist schon die Geburt der Socialdemokratte ihre erste Malisening. Wenn man sich heute über die verschiedenartigen Kartelle, die die Socialdemokratie eingeht, erstaunt und in Partei- kreisen Besorgnisse um die Erhaltung der revolutionären Kraft hierauf gründet, so sind schon die Verfasser deS Kommunistischen Rianifests Verräter am eigenen Princip gewesen. Es lohnt sich, in die Er- innerung zurückzurufen, welche mannigfache Kompromisse Marx und Engels am Vorabend der Revolution den Kommunisten an- empfahlen: „Sie(die Kommunisten) kämpfen für die Erreichung der un« mittelbar vorliegenden Zwecke und Interessen der Arbetterklassen, aber sie vertreten in der gegenwärtigen Bewegung zugleich die Zukunft der Bewegung. In Frankreich schießen sich die Kom- munisten an die socialistisch-demokratische Partei an gegen die konservative und radikale Bourgeoisie, ohne darum daS Recht auf- zugeben, sich kritisch zu den aus der revolutionären Ueverlieferung herrührenden Phrasen und Illusionen zu verhalten. „In der Schweiz unterstützen sie die Radikalen, ohne zu ver- kennen, daß diese Partei auS widersprechenden Elementen besteht, teils aus demokratischen Socialisten im ftanzöstschen Sinne, teils aus radikalen Bourgeois. „Unter den Polen unterstützen die Kommunisten die©artet, welche«ine agrarische Revolution zur Bedingung der nattonalen Befreiung macht, dieselbe Partei, welche die Krakauer Insurrektion von 1846 ins Leben rief. „In Deutschland kämpft die kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär austritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, da» feudale Grund- eigentum und die Kleinbürgerei." Man wird zugestehen, daß diese alten Kompromißvorschläge grundsätzlich und sachlich viel weiter gehen als unsere heutigen Kompromisse mit bürgerlichen Parteien. In der Gegenwart handett es sich immer nur um Angenblicks-Kartelle, die zwischen Feinden für den Tag geschlossen werden, um Tücken der Wahliystcme zu überwinden, um Gefahren abzuwehren und dringende, aber nicht specifisch socialistische Busgaben, zu erledigen. Man sucht da den Einfluß der Socialdemokratie, um eine gemeinsame Angelegenheit des Proletariat» und der Bourgeoisie gegenüber reakttonären Mächten zu fordern. Ja. bisweilen entbehren die Kompromisse jeder fach- lichen Grundlage, sie werden zum bloßen politischen Geschäft, in dem Todfeinde paktieren, um die Macht kaufmännisch-rechnensch unter sich zu verteilen. Ein Musterbeispiel der letzteren Art ist der bayrische Kuhhandel. Voraussetzung aller dieser Angenblicks-Kartelle ist die Rein- «rhaltung der principiellen Gegensätze. Je mehr sich die Socialdemokratte auf Kompromiffe einläßt, um so sorgsamer muß sie darüber wachen, daß si« au ihrem vroaramm leineu Schade» leidet. Taktische kom- promisse sind unbedenklich, wenn sie auf dem Boden klarer, scharfer Principien crlvachsen, wenn jene nur dazu dienen, um den Sieg dieser näher zu rücken. Erst wenn die Konipromiffe daz» führen, das sotial- demokratische Programm preiszugeben oder zu erweichen, wenn man um augenblicklicher Etfolge willen grundsätzliche Forderungen in den Kauf"giebt, wenn man materielle Vorteile mit wissen- schaftlichen Einsichten bezahlt— erst dann könnte und inlltzte man von Opportnnitätspolitik reden, und dann würde Simson seine beste Kraft einbüßen. Wir schließen Kompromisse, um die andern zu schwächen, nicht uns. Wir nehmen lachend, was wir bekommen können— und fordern mehr. UebrigenS liegt die Gefahr, daß taltische Augenblickskartelle zur programmatischen Erschlaffung führen könnten,'weit weniger bei Wahlkompromissen als bei parla- mentarischen Handelsgeschäften. Ueber die Wahrheit eine? Programms entscheidet kein Erfolg deS TageS. Der Socialismus eilte als wissenschaftliches System weit seinem Einfluß als Partei voraus. Er wurde darum nicht falsch, daß man ihn nicht hörte und ihm nicht folgt«. Er hat sich auch niemals— und das ist daS Geheimnis seiner Kraft— dazu verstanden, sich selbst zu modeln und zu beugen, um Gehör und Gefolge zu gelvinnen. Er lauschte nicht nach den Meinungen derMenge, sondern er ruhtesichcrund unbeirrt inseiner wisienschastlichen Erkenntnis. Im Vertrauen auf die Wahrheit zog er in den Kampf, jene Wahrheit, die heute mißachtet und verhöhnt wird, um, wenn ihre Zeit gekommen, eine Welt zu erobern. Umgekehrt verhält es sich mit den kleinen taktischen Mahnahmen, die die Stunde erfordert. Hier entscheidet über die Nichtigkeit einer Entschließung nur der Erfolg. Die Rechnung wird durch die Probe bewährt,' und jede Handlung mutz auf ihre politisch« Klughett geprüft werden, ob sich erfüllen wird, wozu sie unteniommen, und ob sie auf dem Wege des Socialismus liegt. Gerade in diesem auf den Erfolg gestellten Charakter aller Angenblicks-Kartelle liegt ein erzieherisches Moment für die Social- deniokratie. Sie lernt sich in dem Tagesbetrieb und Tagesbedarf der Politik zurechtfinden; sie gewöhnt sich daran, in den kleinen Prakttkcn Entscheidungen zu treffen; sie schärft ihren Sinn für die rasche Beutteilung verwickelter Verhältnisse; kurz, sie übt sich für jene geschäftliche Tagespraxis der Politik, um deren Berücksichtigung und Leitung die Partei— ungeachtet aller ihrer größeren Aufgaben— auch dereinst nicht wird herumkommen können, wenn sie die Ver- antwottnng für das polittsche Geschehen- tragen wird. FeneS Hand« werksmäßige der Staatsmanuskunst— das heute der Inbegriff politischer Weisheit ist— wird niemals ganz fehlen; cS ist gut. daß die Partei, der die Zukunft gchött, sich auch die Meisterschaft in der Technik des polittschen Kleingewerbes rechtzeitig aneignet. Freilich wird man vor Mißgriffen nicht geschützt sein, wenn man sich einmal auf solche Aktionen einläßt. Aber in der Möglichkeit des JrrenS reist gerade die Sicherheit und Richtigkeit des Handelns. Andererseits fällt eS gerade auf diesem Gebiete schwer, rasche und bestimmte Enscheidungen zu treffen. Gründe und Gegengründe werden stets gegen einander ringen, die Ursachen sind kompliziett und die Wirküngen nicht mit mathemattscher Zuverlässigkeit voraus- zusagen, weil die Fülle der bedingenden Faktoren kaum übersehbar ist. Schließlich ist der einzige Beweis der Erfolg; und darum wird auch das Utteil über derarttge Kompromisse im voraus nur „ohne Gewähr" abgegeben werden können, namentlich dann, wenn der Kritiker aus der Ferne urteilt und nicht in das Innerste des politischen Getriebes eingeweiht ist. Versuchen wir nun, die drei markanten Fälle socialistifcher Kom- promißpolitik, die gleichzeittg in den letzten Wochen die Aufmerksam- leit erregten, unter dem angegebenen Gesichtspunkt zu würdigen: nicht als Priiicipienfroge, sondern als Handlungen des Augenblicks, die ausschließlich nach ihrer polittschen Klugheit oder ihrer Unzweck- mäßigkeil zu verteidigen oder zu verfehmcn sind. Gar leinen Anstoß bat in patteigenösstschen Kreisen daS Kom« promiß erregt, das in Belgien die Locialdemolratie mit den Liberalen einging. Obwohl das Bündnis von den belgischen socialdemo« Iraliscvcn Führern teilweise in enthusiastischer Weise nach seiner Innigkeit und Festigkeit gewürdigt würde, und obwohl man vor nicht allzu langer Zeit noch hören konnte, daß die belgische Bourgeoisie die schofelste Europas sei, haben auch die ausländischen Sitten- Wächter der-Klassenkampfreinhejt die« Kattell zum Schutze und zur Verbesserung des Wahliystems gegen die kletttale Volksenitechtung und Maffenvcrdllmmung mit großem Jubel aufgenommen. Der Erfolg bewies rasch die Zweckmäßigkeit des Bündnisses und der sonst'angewandten Mittel, Anders in F r a n k r e i ch. Der Eintritt eines Socialisten in ein Kabinett, in dem ein Gallifet Kttcgsminister ist, hat in Frankreich heftigen Parteizwist, im Auslande vielfach Widerspruch gefunden. Schicken wir voraus, daß wir zunächst es für selbstverständlich halten, daß im Kampfe wider ein Justiz» verbrechen und den Militarismus, daß zum Schutze der Republik gegen ein militattstisch-klerikales Cäsarentum die Socialdemokratte jede Hilfe suchen und gewähren mutz, die zur Abwehr dieser Gefahren erforderlich und verfügbar ist. Wir verstehen es sachlich umsoweniger, daß das Verhalten einer socialistischcn Gruppe in der DreyfuS-Affaire als verräterisches Paktieren mit der Bourgeoisie bezeichnet wurde, als ja die Bourgeoisie in Frankreich vielleicht mehr als anderswo mit dem Militarismus und mit der korrumpierten Justiz, verbündet ist. In dem Kampf gegen die Reaktion der chauvinistisch-militaristisch- tlerikal-antirepnblttnnischen Verschwörung unlhätig zu verharren, be- beulete in der Wirkung auch eine sehr bedeiitsame Kompromiß- Politik, fteilich eine, in der man die mächtige Mehrheit der reaktiv- nären Bourgeoisie gegen die schwachen, vereinzelten bürgerlichen Idealisten förderte. Bleibt die besondere Frage deS Eintritts Millerand» in das Ministettum. Man stellt hier die Frage falsch und übettreibt deS- halb die Wichttgkeit der ganzen Angelegenheit. Die allg em eine Polittk in den Kulturlöndern kreist heut« um die Gegensätze deS Kapitalismus und de« Socialismus. Bewegt sich- die Politik in die:» Strome, so ist es in der Thai bedenklich, daß ein einzelner ocialistischer Führer seine Aktionsfähigkeit durch den Eintritt in ein bourgeoises Kabinett aufgiebt, wenngleich darauf hinzuweisen ist, daß sowohl in Frankreich wie in der Schweiz Socialisten unan- gefochten zahlreich staatliche und kommunale Aemter bekleiden; e» bedürfte also noch des näheren Nachweises, daß entweder die bestehende Praxis falsch ist oder die Parteischädigung erst mit dem Ministeramt beginnt. Aber diese ganze principielle Frage der socialistischen Minister- portefeuilleS braucht hier nicht entschieden zu werden, weil sie gar nicht vorliegt. Millerand ist in kein Kabinett eingetreten, daS allgemeine Polttil zu treiben hatte. Das Ministerium hatte eine genau begrenzte Aufgabe zu erfüllen, die mit dem Socialismus an sich nichts zu thun hat, an der es aber doch ein wesentliches Interesse hat. Es sollte ein Ministerium der Abwehr einer übermächtigen reaktionären Sippe gegenüber sei», ein Kabinett der Notaktton. War MillerandS Eintreten für diese Aufgabe förderlich oder nicht, daS allein war zu entscheiden. Er hatte nicht den Beruf, den Socialismus direkt zu fördern oder Stellung zu nehmen in dem weltgeschichtlichen Streit der kapitalisttschcn und proletarischen Mächte, er sollte für die Zwecke einer Ausnahme- und Augenblickspolitik, für die Erhaltung und Sicherung der republikanisch-bürgerlichen Gewalt seine» Einfluß geltend machen. Hätte es sich uni Aufgaben der in der Richtung der kapitalistisch- socialistischen Richtung liegenden Politik gehandelt, so würde man im Ernst peinlich untersuchen müssen, od Millerand sich durch den Einttttt in ein Bourgeois- Ministettum nicht zur Ohnmacht verurteilte. Aber hier kommt lediglich ein» besondere Aufgabe in Betracht, in der das Mmistennm im wesentlichen einmütig ist und in dem deshalb auch der Einzelne seinen persönlichen Einfluß zur Geltung zu bringen vermag. Man kann beute schon sagen, daß Nillerond der specifischen Sache, der dieses Kabinett zu dienen hat. mindestens nichts geschadet hat. Ganz belanglos ist es, daß er gerade mit dem„Kommuneschlächter" Gallifet zusammenfitzt. ES hieße eine unklare EmpfindungS-, statt nüchterne VenrniffftcU.ik treiben.«» hieße binabtauchen in jenes gährend« Cbaes, dem noch unaufgellätte Masten ihre triebhaften poiiir- scheu Bedürfnisse lärmend, fanattsch, ziellos äußern, wen» man dem begründeten Haß gegen den Vlutmcnschen den entscheidenden Einfluß auf die politischen Entschlüsse vcrstattet. Auch hier ist die einfache, ohne Sentimentalitäten zu entscheidende Frage: Ist Gallifet der geeignete Mann, das unbotmäßige Militär in Schranken zu halten und dem Rechte freie Bahn zu sichern? Die Wahl Gallifets wirkte anfangs wie ein cynisch-verletzender satirischer Einfall. So viel man jetzt schon urteilen kann, ist dieser Einfall, dieses homöopathische Verfahren gegen den Militarismus, so überraschend es m seiner kühnen Brutalität wirken mußte, von günstigen Folgen geweien. Und wenn nian selbst über den Namen Gallifet nicht hinweg kommt, so bleibt um so weniger verständlich, wie man es über sich gewinnen konnte— wie es die Manifestanten gegen die Taktik Jaurss gethan haben— durch unthätige Duldung oder direkte Forderung die Klasse zu unterstützen, deren bloßes Werkzeug einst � m6! llewesen ist. Dieselben Elemente, Monarchisten, Mililariften und Pfaffen, die die Niedermetzelung der Kommune vollführten und «hr zujubelten, standen jetzt wider DrehfuS. Die antirevisionistischen Soclalisten gingen mit jenem Grafen de Mun zusammen, der von den Opfern der Kommune sagte:»Als man sie erschoß, starben sie alle mit einer gewissen Frechheit, die man keinem moralischen Gefühl zuschreiben kann, sondern dem Entschluß, lieber mit dem Leben fertig zu werden, als es in der Arbeit zuzubringen." Es war doch die glor- reiche Armee, die die Kommune niederschlachtete, die Armee, die selbst Socialisten heute zu verteidigen für nötig halten.„Die Armee Frankreichs hat Euch gerettet. Paris ist befreit, der Kampf zu Ende, die Ordnung wieder hergestellt." So dekretierte Mae Mahon am 28. Mai auf den Leichen der Kommunekämpfer. Die Armee, die Bourgeoisie, die Klerisei— das waren die Urheber der Metzeleien, Gallifet war nur ein zufälliger Vollstrecker dieses Dreibundes. Ein einzelner, wie Gallifet, kann sich in einem Viertel- jahrhuiidert ändern, nimmermehr aber eine Klasse. Die g l e i ch e Klasse hat die Kommune hingemordet und das Dreyfus-Verbrechen begangen. E-ne wunderbare Taktik, den einen Gallifet, der heute fast als Reiniger des Militarismus erscheint, ächten und die Klasse, die sich seit!der Kommune gleich geblieben, unterstützen. Auch sonst sind der Aehn Iichkciten zwischen damals und heute viele. Wie die Presse von 1871 die Kommunards verleumdete, so tobten in unseren Tagen die �.�bisionistischen Journale, d. h, anfangs die gesamte fran- MUche Presse mit ein paar Ausnahmen. Die Zeitungen machten stch, so berichtet Lissagaray, eine Specialität daraus, aus gefälschten Brandbefehlen, falschen Autographen, deren Originale niemals bei- gebracht werden konnten, die aber den Liriegsgerichten als Zeugnisse dienten, Anklagen gegen die Kommunards zu häufen. Nicht anders ww heute. Und genau wie heute die Zola und Picquart und Jaurss, als einzelne, den Kampf gegen die liebermacht der ganzen Nation aufnahmen, so gab es 1871 nur einige wenige Manner, die nicht von der„Epidemie der Feigheit" ergriffen waren. Ein Victor Hugo protestierte gegen die Auslieferung der Flüchtlinge diirch die belgische Regierung, und der vornehme Pöbel warf dem Dichter die Fenster ein. Die Kommune ward das Opfer derselben Gesellschaft, die Drehfus nienchelte: nnd wer gegen diele Klasse und tljr Opfer kämpft, der gilt plötzlich als Verräter am socialistischen Prinerp. � Drehfus ist durch sein Geschick und durch seine Feinde— geschichtlich betrachtet— in die revolutionäre Klasse hinabgestoßen worden, er ist ein Blutzeuge für die Brutalitäten, Niederträchtig- leiten und Verbrechen, der militaristisch-klerikal-bürgerlichen Sippe, Freilich ein Unterschied, und ein erfreulicher, besteht zlvischen den damaligen und den heutigen Vorgängen. Die Konunune ist jenen reaktionären Dreibund erlegen, heute beginnt die Bourgeoisie vor der proletarischen Taktik eines Jaurös zu kapitulieren. Das Kabinett Waldeck- Rousseau ist ein Kapitulations« Ministerium vor der rcvo- lutionären Aktion. Wahrlich, es gehört eine fanatische Leidenschaft. die Dinge auf den Kopf zu stellen, dazu, wenn man die Dreyfus- Sache als eine Angelegenheit der Bourgeoisie betrachtet, weil ein Bürgertums schließlich zu den Revolutionären übergegangen »st. In ihren Anfängen und bis zu den allerletzten Zeiten war der Kampf für Drehfus lediglich die Angelegenheit einzelner Idealisten und des Proletariats, das Jaurss folgte, iveil es hinter den Anti- Revisionisten scharfblickend seinen alten Feind einherschreiten sah: die militärisch gewaffnete und klerikal gesalbte Bourgeoisie, jene Klasse, der die Kommune zum Opfer fiel.... Das Ministerium Waldeck- Rousseau- Gallifet- Millerand wird gehen, wenn seine Mission erfüllt. Hat es seine Aufgabe gelöst, so ist das ein Beweis, daß die Kombination von politischer 5�lügheit diktiert und damit existenzberechtigt war. Ein Ausnahmezustand hat ein Augenblickskartell geschaffen, nichts weiter! Endlich ein Wort über den bayrischen Kuhhandel, der dadurch ausgezeichnet ist, daß das Wahlbündnis keinerlei sachliches Moment einschließt. Socialdemokratie und Centrum bleiben das selbe, was sie bisher waren; sie reichten sich die Hände, indem sie sich bitter befehdeten. Es war ein bloßes Wahlgeschäst: keiner forderte von dem anderen etwas als die formale Unterstützung gegen einen dritten. Man gab Stimmen nnd erhielt Stimmen. Es blieb bei dem äußerlichen geschäftlichen Znsammenwirken, ohne Liebe, eher mit Haß. Auch dieses Augenblicks-Kartell ist einzig nach seiner Zweckmäßigkeit zu beurteilen. Es hat keine Freunde, sondern nur Verteidiger gefunden, Advokaten, die auf Freisprechung plädierten. Es ist nichts Wesentliches für die Partei erreicht, das Mehr an Mandaten ist kein Mehr an parlamentarischem Einfluß. Dafür wurde das Centrum zwar nicht in die ausschlaggebende Stellung befördert— die hätte es auch ohne uns erhalten— aber wir waren doch seine Helfershelfer. Das Centruni aber ist— darüber darf seine demokratische und socialreformcrische Färbung niemandden hinwegtäuschen— die gefährlichste Macht, weil sie die stärkste ist. Seine nicht sonderlich starke politische Organisation wird mehr wie aufgewogen durch die Subvention der gewaltigen kirchlichen Organisation, die zu brechen bisher in keiner Weise gelungen ist. Socialismus und Centrum bedeuten zwei weltferne, totfcindlichc Weltanschauungen, Vergangenheit und Zukunft ringen hier vcr- zweifelt miteinander— wir meinen, wir haben keinen Anlaß, diesen Uberstarken Gegner noch zu kräftigen, auch dann nicht, wenn wie in Bayern der Liberalisnius die Regierungspartei ist, eine brutal- kapitalistische, reaktionäre Regierungspartei. Denn es war keine Gefahr, daß die Liberalen die Mehrheit erhielten. Und ihr social- politisches Stummfilm verliert dadurch an Bedeutung, daß Social- Politik im Wesentlichen Reichssache ist, während die Kiiltusangelcgen- heilen den Einzelstaaten gehören und gerade hier die Centrnnismncht die schwersten Bedrohungen in sich birgt. Unsere bayrischen Ge- nassen haben wohl für ausschlaggebend die Erwägung gehalten, daß der reaktionäre Liberalismus in der Regier u n g durch eine Centrunlsmehrheit geschwächt werden könnte. Und endlich erhofft man vom Centnim ein besseres Wahlsystem. Ob sich diese Er- Wartungen erfüllen werden, wagen wir jedoch nicht mit Sicherheit zu behaupten. Gleichwohl steckt auch in dieser, unseres ErachtenS falschen Handlung, ein Ersprießliches, das vielleicht von größerem Einfluß sein wird, als wir heute annehmen. Das ist die durch den Kuh- Handel bewirkte Kompromittierung des Centrums. Genosse W. L. nimmt nun dieses Argument nicht ernst und weist auf mannigfache frühere Kompromisse hin, die bei den Reichstagswahlen abgeschlossen worden sind. Der Vergleich stimmt nicht. Der Unterschied zwischen den früheren Fällen und dem jetzigen Wahlgeschäft besteht darin, daß sonst nur verschämt und vereinzelt ein derarfiger Handel unverbindlich abgeschlossen wurde. Diesmal hat man auf offenem Markt den Pakt geschlossen, und als Kontrahenten er- schienen nicht unmaßgebliche Lokalkomitees, sondern die Partei- leifimgen selbst in offizieller Würde. Diese erste offene, ja grund- sätzliche Anerkennung der socialdemokratischen Todsünder durch das Centrum bildet hinfort ein agitatorisches Moment von nicht geringer Bedeutung. Wir konnten bisher an die katholischen Arbeitermassen so schwer heran, weil das Centrum einen Wall von Ver« leumdungen gegen uns aufgeschichtet hat. In diesen Wall ist durch den bayrischen Kuhhandel eine klaffende Bresche geschossen. Diesen Kompromiß wird man künftig ergiebig ausbeute» können, wenn unS die Pfaffen ihren Gläubigen als eine Bande von Ver- brechern ausmalen. So wird man bei aller Abneigung gegen dieses Kompromiß schließlich doch das Endnrteil bis dahin vertagen, wo sich zeigt, ob das erwähnte agitatorische Moment sich für uns so fruchtbar erweist, als wir hoffen möchten. Gewiß, wer alle solche Kompromisse principiell verwirst, der hat es nicht nötig, das komplizierte Für und Wider mühsam ab- zuwägen, der hat das Glück, stets mit einem entschiedenen Urteil aufwarten zu können: er sagt nein, und damit ist er fertig, end- gültig fertig, für alle Zeiten nnd Fälle. Wer die politische Augen blicksthätigkcit verschmäht, der läuft keine Gefahr, Einzel dnmmhcitcn zu begehen— er ist und bleibt ein Weiser, sofern man nicht etwa gerade diese Entsagung für die General thorheit hält. In jedem Falle sollte man nicht nervös werden und jede be- denkliche Kompromißhandlnng in der Tagespolitik gleich für den Untergang der Partei erklären. Das ist ein kleingläubiges Prophetentum. Denn wie gering muß das Vertrauen in die Wahr- heit und Größe unserer Sache sein, wenn man jede Menschli.ikeit, die unterlänst, für fähig hält, den Socialismus zu zerstören oder auch nur auf seiner Siegcsbahn zu hemmen. Man tötet uns nicht mit den« Kleinkalibrigen, geschweige denn, daß wir in fahrlässigem Selbstmord daran sterben, wenn wir uns einmal Ungeschick: Stecknadeln in die Finger ritzen. Die Augenblicks-Kartelle bilden eine Schule der praktischen Politik. Sie bildet uns so lange, als wir die sachlichen und taktischen Grundgedanken, die Er- setzung des Kapitalismus durch den Socialismus und den Klassenkampf in seiner strengen Klarheit und unbeugsamen Grundsätzlichkeit uns bewahren. Diese Schule würde uns erst dann schwächen, wenn wir in den kleinen Noiwendigkeiten des Tages unser Ewiges verlieren würden, wenn wir über der Freude der Bewegung des Endziels vergäßen. Darum sollte man auch die Bedeutung solcher tagespolitischen Entscheidungen»ich! überschätzen, weder die Erfolge durch zweckmäßige noch die Schädigungen durch falsche Maß nahmen. Ja, es wäre nicht zum Guten, wenn jich das Parteileben in der Diskussion solcher Fragen erschöpfte. Die cigent- liche, die wichtigste Aufgabe bleibt, die schwere Erziehung und Heran- bildung der Massen zu geläuterten Menschen der Kullur und reifen Kämpfern für jene Organisation, die wir erstreben. Im Schöpferischen liegt unsere Arbeit, nicht in dem wenn auch noch so wichtigen, so doch vor unseren großen Aufgaben verschwindenden, Meinungsstrei: über— Augenblicks-Kartelle. te' GemevkMrtftliitzes. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Ttcinarbeiter Berlins. Die Lohn kommission tagt täglich von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr nachmittags im„Englischen Garten". Alexanderstraße 27 e, Tclephon-Amt 7, Nr. 1576 sSoimtagvormittag von 8 bis 10 Uhr). Sämtliche Zuschriften sind zu richten an die Lohnkommission. I. A.: Fr. V o r k a u f. In der hiesigen Bäckerinnung„Germania" ist es bereits zu einem ziemlich heftigen Zusammenstoße zwischen dem neugewählten Gesellenausschusse und den Jnnungsmeistern gekommen. Der Jnnnngsvorstand hat die an sich gewiß recht löbliche Absicht, den auch von ihm anerkanntermaßen in der Bäckerzunft herrschenden Mißständen efivas zu Leibe zu gehen. Er beabsichtigt, durch eigene „Controlenre"� d. h durch zu diesem Zwecke gewählte Jnnungsmeister eine„scharfe" Kontrolle der Backstuben, Schiafränme in hygienischer Hinsicht zc., der Ausbildung der Lehrlinge usw. vornehmen zu lassen; er beabsichtigt weiter, die mangelhaste Schulbildung der zumeist von auswärts oder vom Lande bezogenen Lehrlinge zu ver- bessern durch Errichtung einer Fortbildungsschule neben der Fach- schule, er beabsichtigt auch Reformen einzuführen in Bezug auf das Herbergswescn Sprechmeisterwesen und anderes. Ueber die seitens der Controlenre in Bäckereibetrieben vorgefundenen Miß- stände sollen Protokolle aufgenommen werden, deren Ergebnisse man aber geheim halten will, um der Gescllenbewegung nicht Agitations- mittel an die Hand zu geben. Zu allen diesen Zwecken hat der Vorstand verschiedene„Ordnungen" ausgearbeitet, von denen zu- nächst die Lehrlingsordnung in der letzten Jnnungsversammlung, zu welcher auch der Gesellenausschutz Mit zur Beratung herangezogen war, zur Diskussion stand. Der GcsellenauSschuß will aber nicht nur init raten, sondern auch mit thaten und verlangte demzufolge, nachdem die beantragt» Beratung in gemischter Kommission abgelehnt worden war, in sehr' energischer Weise für sich das Recht der Mit- Wirkung bei den vorgedachten Refonnen, bei der Kontrolle der Backstuben, der Schlafräume, der Arbeitszeit der Ge- sellen und Lehrlinge, der Ausbildung der Lehrlinge zc. Ein solches Verlangen erschien den Herren Jnnungsmeistern, die bisher gewohnt waren, sich als„Herren im Hanse" zu betrachten nnd den Gcsellenausschuß nur als ein formelles notwendiges Uebel zu be- trachten, etivas ganz Neues, Unglaubliches. Sie erhoben in ihrer gekränkten Meister- und Hausherrnwürde ein großes Zetergeschrei und schlugen dem Gesellenausschusse sein berechtigtes Verlangen rund- weg ab. Dieser verjagte daranfhin der vorgelegten Lehrlingsordnung seine Zustimmung. Trotzdem wurde dieselbe von den versammelten Jnnungsmeistern angenommen. Der Gcsellenausschuß hat daraufhin gegen dieses Verfahren einen Protest zu Protokoll gegeben. A« die Musikinstrumenten-Arbeiter Berlins und Umgegend. Zur Unterstützung der dänischen Arbeiter sind von dem Vertrauens- mann Arendt Marken von 10—50 Pf. zur Ausgabe gelangt, da- gegen werden Listen nicht in Umlauf gesetzt. Es ist Pflicht eines eben Weristatt-Delegierten, sich mit Marken zu versorgen und an eine Mitarbeiter abzugeben. Die Ausgabe erfolgt jeden Abend dieser Woche durch den Vertrauensmann im Verkehrslokal bei Grund« m a n n, N a ii n y ii st r. 78. In Ripdorf ist bei H. Grieße, Berlinerstr. 55, eine Zahl» teile errichtet worden. Dort werden jeden Sonnabend Beittäge eittgcgengenomnien und Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Zum Streik der Schmiede in Charlottcnbnrg ist zu be« richten: 14 Mann arbeilc» bei 6 Meistern, die sich schriftlich zu den neuen Bedingungen verpflichtet haben; in drei Werkstätten wird gar nicht gearbeitet, in drei Werkstätten nur mit Lehrlingen, und in zehn Werkstätten, in denen bislang 41 Mann standen, arbeiten jetzt 17 Schmiede als Arbeitswillige täglich elf Stunden und sind bei den Meistern in Kost und Logis. Wenii es ferner wie bisher gelingt, den Zuzug fernzuhalten, dürfte eS gelingen, endlich in Charlottenburg zeitgemäße, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu erlangen. Daß olcher Bedingungen wegen ein so hartnäckiger Kampf noch nötig ist. zeigt niehr wie alles andere die Rückständigkeit des Kleinmeistertums. Wohl haben dieselben eine Erhöhung der Preise für ihre Produkte geplant, die Arbeiter aber sollen daran kein Teil haben, sie müssen 'ich die geringste Verbesserung ihrer Lage durch hartnäckige Kämpfe erzwingen. Deutsches Reich. Aufruf an die Former und Berufsgenosse» Deutschlands! Seit dem IS. Juni stehen in Leipzig 550 Former und Gießerei- arbeiter mit ihren Unternehmern in hartem Kanipf, weil sie es sich nicht gefallen lasten wollten, daß ISO Kollegen der Firma Becker u. C o m p., die um eine halbe Stunde Arbeitszeitverkürzung seit dem 22. April im Stteik stehen, zwei Jahre von der Arbeit ausgeschlossen werden sollten. Der Kampf der Beckerschen Leute, der bis dahin von beiden Parteien ohne jede Beihilfe geführt wurde, bekam das jetzige Gepräge dadurch, daß am 3. Juni die Leipziger Metallindustriellen den Beschluß faßten: Wer von den Beckerschen Leuten bis zum 12. Juni die Arbeit nicht bedingungslos wieder auf- genommen hat, bekommt innerhalb zwei Jahre« in Verbands- werkstellen keine Arbeit. Als wir dann die Gewißheit hatten, daß es die Unternehmer wahr machten, indem ein Streikender am 13. Juni in einer Werk- stelle Arbeit erhalten hatte, ihm aber auf dem Arbeitsnachweis der nötige Schein mit der Bemerkung;„Fragen Sie in zwei Jahren noch einmal nach!" verweigert wurde, war es uns klar, daß wir ganz energisch Stellung hiergegen nehmen mußten. Ja wir wären vielleicht, und das mit Recht, aus den Reihen der klassenbewußten Arbeiter gestrichen worden, hätten wir uns diese Schmach anthun lassen. Nachdem nun mündliche nnd schriftliche Versuche, die Sache in Güte beizulegen, an dem Starrsinn der Unternehmer gescheitert waren, mußten wir zu oben erwähntem Schritt greifen. 230 Ledige hatten bereits den Leipziger Staub von den Füßen geschüttelt und 550 traten in den Streik, so daß nur ein kleines Häuflein Arbeits- williger war und noch ist. Kollegen! Wir wissen nicht, wie lange dieser Kampf noch währt, sind aber fest entschlossen, unser Recht bis auf den letzten Augenblick zu verteidigen. Wenn Ihr uns genügend unterstützt, indem sich niemand durch vielversprechende Inserate hierher locken läßt, und uns, wenn sich irgendwo verdächtige Modelle zeigen, unverzüglich Mitteilung gemacht wird, um die notwendigen Schritte einleiten zu können, so muß der Sieg unser werden. Und unser Sieg ist Euer Sieg. Streikkomitee der Former Leipzigs, Dresdenersir. 20. I. A.: M a x P f ü l l e r. Alle Anfragen und Sendungen sind an diese Adresse zu richten. Tie Barbier- und Friseurgehilfen von Bielefeld sind in den Streik eingetreten. Sie fordern einen Wochenlohn von 17 M. bei Aufhebung der Kost und Logis beim Meister und den 9 Uhr-Laden- schluß. Der Stand der Lohnbewegungen im Wnpperthal. Nach- dem am Freitag die letzten Fabrikanten die Forderungen der Färber bewilligten, ist der F ä r b e r st r e i k nach einer Dauer von 3 Wochen vollständig zu Gunsten der Arbeiter beendet. Um diesen glücklichen Ausgang des Kampfes machte sich der Gewerberat Fröhlich in Barmen nicht unverdient, indem er die Fabrikanten des öfteren zu einem Entgegenkommen gegen die Streikenden präparierte.— Ebenso glücklich für die Streikenden gestaltete sich durch Vermittlung des Gewerberats der Ausgang des Streiks der B a n d w i r k e r bei H. und B. Schröder in Barmen. Die Arbeiter traten seiner Zeit in den Ausstand, weil in der Berechnung eines Artikels plötzlich seitens der Firma eine Lohnkürzung vorgenommen wurde. Nach einem achttägigen Kampf wurde in einer seitens des Gciverberats vcranlaßten Unterredung zwischen Arbeitern nnd den Firmeninhabern eine bessere Berechnung des Artikels und Verkürzung der Arbeitszeit von lOVr Stunden auf 10 Stunden täglich zuerkannt.— Bezüglich des Streiks der Maurer in Elber- seid und der Z i m m e r e r in Elberfeld-Bannen sind wesentliche Veränderungen nicht zu berichten, so daß nach wie vor der Zuzug fernzuhalren ist. AuSland. In Antwerpen sind die Diamantschleifer der Firma Jansen in den Ausstand getreten, weil die Leiter der Firma ent- gegen den Vorschriften des Kongresses der Diamantschleifer wieder Lehrlinge eingestellt hatte._ Urtzke Machvichken und Depeschen, Köslin, 27. Juli.(W. T. B.) Amtliche Meldung: Am 26. d. MtS. zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags wurde auf der Strecke Schlawe- Rügenwalde auf drm Ucberwege in Km. 25 418 ein Fuhrwerk ü b'e r f a h r e n. Der Führer des Wagens, Rentenempfänger Iranz Fehlow auf Abbau Schlawin, Kreis Schlawe, wurde getötet, der Wagen vollständig zertrümmert. Das Pferd blieb unversehrt. Untersuchung ist eingeleitet. Ischl, 27. Juli. sB. H.) In der Dampfwäscherei Wild fand mittags eine fürchterliche Benzinkeffel-Exvlosion statt, durch welche das Gebäude teilweise zerstört wurde. Bisher find fünf tödlich Verwundete aufgefunden. Budapest, 27. Juli.(B. H.) Der Minister des Innern ordnete die Disciplinar-Untersnchung an gegen den Viceaespan des Komorner Komitates wegen Folterungen, die an in Unter- suchungShaft befindlichen Personen verübt wurden. PariS, 27. Juli. sB. H.) Heute nachmittag verbreitete sich an der Börse das Gerücht, der Generalissimus der französffchen Armee Jamont, sowie die Generale Metzinger, Geros und Duchesne, alle 4 Mitglieder des obersten Kriegsrates, hätten durch begründete Briefe ihre Demission eingereich t. In einigen Minuten sank infolge dieser Meldung die französisch« 3prozcntige Rente auf SS,— Fr. Dieser Rückgang war seit dem Goldminenkrach von 1895 nicht mehr erreicht worden. Obgleich sofort ein offizielles Dementi vom Kriegsminister auf der Börse einlief, schwand die Panik nicht ganz und die Börse endete mit einem Kurse von 99,60 Fr. für die französische Rente. Brüssel, 27. Juli. ecken, Ivie zu der Auf- »ahme miuderberecktigtcr Mitglieder unter nie mcistbercckligten, der Festsetzung von Witwen- und Waisengeld, der Abfinliing von eine neue Ehe eingehenden Witwen usw. erforderlich sind, in der ab- gekürzten Form und zivar gebührenfrei auszustellen. Für vollständige Registerauszüge für Zwecke der letztgedachten Art sind nach wie vor die tarifmäßigen Gebühren zu entrichten. ITosmles. Tchntiiiupfmigen gegen Tollwut. Das Ministerium hat über die im hiesigen Institut für Infektionskrankheiten, Berlin, Eharite- strnße 1, übliche Art der Ausnahme und Behandlung der von toll- wütigen Himden verletzten Personen eine längere Verfügung erlassen, aus der folgendes zu entnehmeu ist: Im Interesse der von tollwutverdächtigcn Tieren verletzten Per- soncn und behufs Erziclnug einer sicheren Wirkung ihrer Behandlung wird dringend empfohlen, daß die Schutzimpfung sofort vor- genommen wird. Es ivird deshalb dringend davon abgeraten, den Beginn der Schutzimpsimg so lauge hinauszuschieben, bis von dem Institut für Infektionskrankheiten nach Untcrinckung von.Kadaver- teilen der verdächtigen Tiere die Diagnose Tollwut festgestellt ist. Die richtige Diagnose kann vor Ablauf von drei Wochen nach Ein- treffen der Kadavcrteile nicht gestellt werden und dies bedeutet für die gebissenen Personen einen unter Umständen für sie Verhängnis- vollen Zeitverlust. Verletzte, welche sich der Behandlung unterziehen wollen, sind von der Ortspolizeibehörde der Direktion des Instituts für Jnfcktious- krankheiten schriftlich oder telegraphisch anzumelden und haben sich bei der Direktion unter Vorlegung eines ZuweisungSattcsteS der Polizeibehörde ihres Wohnortes vorzustellen. In Füllen, wo die Beantwortung der im Zuweisungsatteste gestellten Fragen ausnahmS- weise längere Zeit erfordert, kann die Aufnahme der Verletzten im Institut für Infektionskrankheiten auf Grund einer einfachen Be- icheinigung der Ortspolizeibehörde erfolgen. Doch ist in diesen Fällen das ordnungsmäßig ausgefüllte Zuiveisungsattest sobald als möglich nachzuliefern. Die in Einspritzungen bestehende Behandlung erfordert in der Regel nicht die«ufnahnie in das Institut und ist insoweit unrnt- geltlich. Dagegen ist für diejenigen gebissenen Personen, welche iiicht ambulatorisch behandelt werden können, sondern in Er- maugelung anderweitigen Iluterkomnicns in Berlin in die Kranken- abtcilung des Instituts für Infektionskrankheiten aufgenommen werden müssen, an Verpflcgungslostcn schon bei der Aufnahme unter Berechnung des Tagessatzes von 1,50 M. für jedes Kind unter 12 Jahren, 2.— Mi," für jedes ältere Kind oder für jeden Er- wachseneu. für die Gesamtdaner der Behandlung für den Kopf 45 bezw. 60 M. im voraus anzuzahlen. Etwa eintretende Erspar- nisse werden zurückgezahlt. Dem bisherige» Gewerbe-Jnspektiottö-Asfisteuten Dr. Rasch ist unter Ernennung zum Königlichen Gewerbe-Inspektor vom 1. Mai dieses Jahres ab die etatSniäßige Stelle eines Gewerbe-Jnspcktors für den AnfsichtSbezirk Berlin Ii" verliehen worden. I» dem Enteignungstermi» des Polizeipräsidiums gegen die Mieterin des HauseS Neue Roßstr. 13, Fräulein Horn, ist bestimmt worden, von einem Sachverständigen alle die dem Fräulein Horn durch die Aufgabe beziehungsweise Verlegung des Geschäfts betr. Fabrikation und Handel von Korsetts entstehenden Schäden abschätzen zu lassen. Tie Große Berliner Straßenbahn hat bei den zuständigen Behörden die Genehmigung verschiedener im Betriebs- und Verkehrsinteresse wünschenswerter Ergänzungsstrecken nachgesucht und deren sofortige Ausführung in Aussicht gestellt. Es sind dies die Linien: l. Schillingsbrücke— Engel ufer und Man- t e u f f e I st r a ß e zwischen Köpnicker- und Waldemarslraße: 2. F r i c s e n st r a ß e zwischen Marheineckcplatz und Pionierübungs- platz?' 3- Kü striner platz— Königsb erger st raße— Frankfurter Allee; 4. V i n e t a p l a tz— Swi nemünders- st raße— Ramler st raße; 5. Siemens st raße zwischen Birken- und Beusielstraße: 6. Stendaler- und S a l z- w c d e I e r st r a ß e bis Quitzowstraße, Ecke Putlitzstraße: Kkitag, 28. Juli 1899. 7. Gesundbrunnen— Plötzen see durch die Exerzier- und Seestraße; 8. H a n s a p l a tz— A I t o n a e r st r a ß e— L e v c'tz o w- st raße— Gotzkowskystraße— Alt-Moabitbis Bcussel- straße; 9. G ö b e n- und P a I l a s st r a ß e 110: 10. G r n n a u e r B r ü ck e unter Mitbenutzung der Siemens u. Halskescheu Bahn zwischen Mahbachufer und Reicheubergerstraße; 11. Friedrich- K a r l u f e r zwischen Alt-Moabit und Karistratze; 12. B l ü ch e r- st raße über den Johannistisch, Waterloobrücke, Alexandriuen- bis Dresdenerstraße; 13. Koloniestraße— Drontheimer- st ratze— Weichbildgrenze. I» aller Stille nud ganz heimlich ist vor einiger Zeit ein neuer Vorortsbahnhof eröffnet worden, so heimlich, daß selbst das Gros der Betriebsbeamteu von der neuen Station noch nichts weiß. ES ist der an der Görlitzer Linie zwischen Zeuthen und Königswustcrhauscn belegene Haltepunkt Wildau, der au der neuen Schwartzkopffschen Fabrik angelegt ist. Auf der neuen Station halten fahrplanmäßig in der Richtung von Berlin vormittags vier, mittags zwei, in der Richtung nach Berlin nachmittags drei Vorortzüge. Wiewohl der Betrieb ein fahrplanmäßiger ist, ist weder durch einen Aushang auf den hiesigen Bahnhöfen, noch durch einen Vermerk auf den Fahrplänen die Existenz von Wildau angekündigt. Ein Teil der bei dem Einbruch in dem Warenhans Eolnmbia in der Münzstraße gestohlenen Gegenstände, und zwar drei Uhren sind durch die Kriminalpolizei ermittelt und den Bc- stohlcncn wieder zugestellt worden. Am Dienstag � versuchte eine etwa 40jährige Frau" die Uhren in einer in der Königstadt gelegenen Privatpsandlcihe zn versetze". Der Pfaudleiher erkannte sofort die Gegenstände als gestohlen und schickte heimlich nach der Polizeiwache. Er"suchte dann die Frau dadurch aufzuhalten, daß er die Uhren recht sorgfältig prüfte. Die Unbekannte schöpfte jedoch Verdacht und unter der" Angabe, daß sie ihre LegitimatiouSpapiere vergessen und diese aus ihrer in der.Klosterstraße belegenen Wohnnug holen wolle, cnt- fcrnte sie sich schleunigst. Leider war der Pfaudleiher nur allein zn Hanse und konnte infolgedessen die Verfolgung der an dem Diebstahl zweifellos beteiligten Person nicht aufnehmen. Auf frischer Thlat ertappt wurde in der Nacht zum Donners- tag ein Einbrecher. Gegen 3 Uhr früh wurde die in� der Kastanien- Allee 50(51 ein Ledcrwarcngcschäst betreibende Familie Winkclmaun durch Läuten der elektrischen Alarmglocke, welche die Eingangsthür des im Borderhausc gelegenen Geschäftskellers sichert und in der Parterre belegenen Privatwohming des Geschäftsinhabers anschlägt, geweckt. Herr W. und seine Frau eilten zur Kellerthür, während das Dienstmädchen auf die Straße lies, um Hilfe herbei- zuholen. Auf ihre Rufe erfchicncn alsbald mehrere Hand- feste Männer und stiegen mit Licht in den Keller hinab. Sie fanden den verdutzten Einbrecher, der mit Nach- schlüsseln eingedrungen war, gerade bei der„Arbeit". In seiner peinlichen Situation griff der Spitzbube zum Messer. Von seiner Waffe konnte er jedoch keinen Gebranch machen, da man ihm einen geladenen Revolver vor die Brust hielt und ihm dann das Messer aus der Hand schlug. Inzwischen waren drei Schutzleute herbei- geeilt, die den Verbrecher festnahmen und nach dem zuständigen Revier in der Zehdcuickerstraße brachten. In dem Einbrecher scheint ein„schwerer Junge" festgenommen worden zu sein, denn nach seiner eigenen Aeußerung hat er„schon Zuchthaus abgemacht". Naschhaftigkeit und Pntzsucht haben die elf Jahre alte Tochter Charlotte des Pferdebahn-Schaffners St. aus der Markusstraße zur Diebin gern mit. Die Nickelstücke, die ihr ab nud zu verabreicht wurden, genügeen ihr nicht, ebensowenig ihre zwar ciniaco aber durchaus zureichende Kleidung. Am Montag hielt sich die Mütter in der Küche ans und Charlotte betrat ein Wobnzimmer. Dort sah sie im Wäschespind die goldene Uhr mit Kette und den Trauring der Mutter, sowie eine silberne Brosche. Sie konnte der Versuchung nicht widerstehen, eignete sich im Nu die Wert- fachen an und verließ dann mit nnbefangeucr Miene. ivie sie ging und stand und ohne n.i Wort au die Mutter, an der sie vorbeiging, zu richten, die Wohnnug. Als da» Kind nicht bis zum Abend zurückkehrte, merkte die Mutter den Dieb- stahl. Nun erfuhr sie auch, daß das Kind am Tage der Entfernaug in neuen Lackstiefeln gesehen worden war. Seitdem aber ist es ver» schivuudeu. Wenn nmu bedenkt, daß kein Geschäftsmann voii einem Kinde Schmucksachen kauft oder in Versatz niiNmt, so liegt die Ver- mutung nahe, daß Charlotte St. die Wertsachen mit fremder Hilfe zu Geld gemacht habe. Von dem Erlös ivird sie dann freilich nicht viel erhalten haben. In ivelche Gesellschaft das Mädchen geraten ist, konnte die Polizei bisher nicht ermitteln. Das sehr entwickelte Kind— blond mit blauen Augen— trug einen blauen Rock und eine rote Taille, war aber ohne Kopfbedeckung. Die Unsitte vieler Kinder, hinter Heüwagen herzulaufen und aus der Ladung Hände voll hcransznrupfen, hat zu einem schweren Unglücksfall geführt. Das siebenjährige Mädchen Else Grobncr aus der Philippstr. 15 hatte sich am Mittwochabend von der Philippus Apostelkirchc hinler einen mit Heu beladeneu Wagen in Gesellschaft anderer Kinder hergcniacht und kam, als sie von der Seite Heu herauszog, zu Fall. Das eine Hinterrad ging ihr über den Körper und verursachte einen schweren Beinbruch. Ein schwerer Unglücksfall trug sich gestern mittag in der Nähe der Lessiugbrücke zn. Ein Kahn, in welchem sich eine Frau befand, wurde von einem Dampfer erfaßt und schlug infolge der durch die Schraube veranlnßtcn starken Wasserwirbel um. Die Frau verschwand in den Wellen und konnte trotz sofort angestellter Ver» suche nicht gerettet werden. Die Leiche wurde an der Lessingbrücke gelandet, sie zeigte schwere, anscheincno durch die Schiffsschraube ver» anlaßte Verletzungen. Straßensperrung. Die Artillericstraße von der Ziegelstraße ausschließlich des Krcuzdammes bis zur Prinz-Fricdrich-Karlstraße wird behufs Umpflastenmg bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ans de» Nachbarorte». AnS Nixdorf. Die seit einigen Tagen vermißte Wcbcrfrmi Bergemann, geb. Seiler, wurde gestern in einer Treptower Laube erhängt aufgefunden. Unglückliche Familienverhältnisse und gänzlicher Vermogensverfall haben die 53jährige Frau in den Tod getrieben. Infolge eines Fliegenstichcö ist im Britzer Kreis-Krankenhause die 25jährige Ehefrau des Milchhäudlers Paul Pätsch in Britz gestorben. Vor ca. acht Tagen wurde Frau P. in der Nähe von Kuhnheims Fabrik in Niederschöneweide von einer Fliege hinter dem Ohre gestochen, worauf bald das Gesicht der Bedauernswerten derart anschwoll, daß man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der Arzt konstatierte eine Blutvergiftung und verordnete Gegen- mittel, die Anschwellung griff jedoch immer weiter um sich und die Schmerzen wurden immer heftigere. Auch im KreiskrankenhauL konnte man die Bedauernswerte nicht inehr retten; unter gräßlichen Schmerzen gab sie nach einigen Tagen ihren Geist auf. Ein brennender Dampfer. Ein Dampfer der Firma Stahl- köpf, welcher gerade mit einer Ladung Zündhölzer und Rüböl unter- Wegs ist und in den letzten Tagen am Bollwerk der Firma Wagners Witwe in Spandau vor Anker lag, ist infolge Selbstentzündung der Zündhölzer bei Pinnow in Brand geraten. Das ganze Vorderdeck ist verbrannt und nur dadurch, daß das Rüböl in Fäffeni im unteren Schiffsraum nicht nüt entzündet wurde, konnte das Schiff gerettet werden. Ein Mann der Besatzung erlitt erhebliche Brandwunden und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Friedrichshagen. Ein unnatürlicher Bater stand am Dienstag vor der Ferien-Strafkammer des Berliner Landgerichts II. Der Maurer Carl Steinbock von hier war beschuldigt, n..er- Solt mit seiner eigenen, noch nicht vierzehnjährigen Tochter unsitt- nche Hnndlungeil vorgenomincn zu hoben. Die Verhandlung tagte unter Ausschluß der Octfentlichkeit. Der seit längerer Zeit in Unteriuchungshaft befindliche Angeklagte leugnete anfanglich, später machte er Zngeständ»>jje. Auf Grund der Beweisaufnahme wurde St. zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust ver- urteilt. Zum Leicheufund in Treptow, wo anr Sprec-Nfer am Sonntag- morgen die Leiche eines Mädchens im Wasser und am Lande ein Manner- Strohhut gefunden wurden, kann mitgeteilt werden, daß die v 1~ c'uc Wollige Aufklärung nicht gefunden hat. In der Leiche ist ras Fräulein Anna H. erkannt worden, das schon feit zwei Jahren m der Großen Frankfurterstraße bei einer Wittwe B. wohnte. Fräulein H. stammt aus einer guten Familie, ein Bruder ist hier Oberlehrer. Sie war nicht niehr jung und hat nach Angabe der Frau B. Liebesverhältnisse nicht gehabt. Der Männer-Strohhut fmm alio zu ihr in keine Beziehnng gebracht werden Fräulein H. zeigte seit längerer Zeit Hang zur Schwermut, verließ am Sonnabend ohne Angabe des Zwecks die Wohnung und hat sich wahrscheinlich selbst das Lebe» genommen. tlbgefaftt. Der 24jährige, mehrfach vorbestrafte Arbeiter Albert Hamme war in der E. T.'schen Fabrik von Militär-Aus- ruftungsgegeilständei, in S ch ö n e b e r g in der Mansteinstraße 14 beichäfligr und schlich sich am Mittwoch während der Mittagspause m das Comptoir. um von dort eine Stahlkassette, in der sich bares Geld und andere Wertpapiere befanden, zu stehlen. Beim versuch, die Kassette gewaltsam zu öffnen, war H. gestört worden, der seineu Raub in einer Ecke des Arbeitssaales verbarg, den. Verdacht der Thäterschaft aber auf sich lenkte und auch von der Polizei überführt worden ist. H.. der erst im März d. I. wegen Diebstahls eine dreijährige Gefängnisstrafe verbüßt hatte, gehört zu jener gefährlichen Eiubrecherbande, die Schöneberg und Umgegend bisher unsicher gemacht hat, und von denen vor kurzem zwei andere Mitglieder hinter Schloß und Riegel gebracht worden sind. Gebrauchsanweisung nnrgegencincbesondere Entschädigung zu erlangen sei. Indem R. das unterlieh, habe er eine wahre Thatsache'im Sinne des ß 263 unterdrückt. Es sei anzunehmen, daß er hierbei die Absicht gehabt habe, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Auch sei die Frau in ihrem Vermögen geschädigt worden, denn ohne die Gebrauchsanweisung seien die beiden Flaschen Lepsin für sie wertlos gewesen. Daß' der Preis von 3,S0 M. kein zu hoher sei, spiele gar keine Rolle. Gerichts-Äeikttng- Wahrnehmung berechtigter Interessen. Die Kutscher-Ehe. srau Emma Kumrow hatte am 3. April als Angeklagte Termin vor dem Schöffengericht. Als der Kriminalbeamte E. als Belastnngs- zeuge gegen sie auftrat, unterbrach die Angeklagte ihn mit den Worten: Der Zeuge ist imnier etwas besosien I" Namens des Kriminal- beamten stellte das Polizei-Präsidium gegen die Kumrow Strasautrag wegen Beleidigung. Das Schöffengericht sprach sie ftei, worauf der Staatsanwalt Berufung einlegte und iin gestrigen Termine vor der zweiten Instanz wegen der groben Beleidigung im öffentlichen Genchtssaale eine empfindliche Strafe beantragte. Der Gerichtshof kam wieder zu einem fteisprechcnden Erkenntnis. Wohl hätte die Angeklagte wegen Ungebühr vor Gericht in eine sofortige Haftstrafe genommen werden können, aber der§ 133 schiiye sie vor einer Strafverfolgung wegen Beleidigung. Sie habe durch die beanstandete Acußerun� nur den Einwand erheben wollen, daß der Zeuge unglaubwürdig sei. Dies sei ihr gutes Recht. Eine beleidigende Ab- ficht ser«hr nicht nachzuweisen und bei der niedrigen Bildungsstufe der Angeklagten könne auch die von ihr gebrauchte Ausdrucksweise nicht in der Form als beleidigend angesehen werden. Kaittionsschwindeleicn in erheblichem Umfange wurden dem Kanfniann Viftor H ü b u s ch zur Last gelegt, welcher gestern der vierten Stmftammer des Landgerichts I ans' der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Hübusch hat im Sommer vorigen Jahres in Rixdorf ein Privat- Detettivinstitut gegründet, welches er nach wenige» Monaten nach Berlin verlegte. wie ein Riesen schild mit der Aufschrift:.Privat- Detektiv- und Inkasso. Institut" dem Publikum zu erkennen gab. Zunächst hatte der Angeklagte nur eiuen Gehilfen, den ehemaligen Schlächtergesellen Schulz, der ohne weiteres zum„Bureauvorsteher" avauciene. Die Verlegung deS Geschäfts nach Berlin machte, wie der Angeklagte angab, eine Vcrmehruiig des Personals notwendig und ebenso mußte daS Betriebskapital vergrößert werden. Run begann die alte Geschichte. Der Angeklagte suchte durch die Zeitungen einen kautionSfähigcn jungen Mann. Es meldete sich zunächst ein Mann a»S dem Handwerkerstande, der 1/z— 8'/- Uhr. 3. Männer- und LcbrltnaSabt. von gi/z- KU, Uhr abds, Hofsmann, Bergstr. 151/152— Turnerschaft d.V..NereuS' (gegr. 18ri2), Männerabt. von 8—10 Uhr abds., Reichenbergerstr. 131/132 Damen-Abt. v. 8—10 Uhr abds., Manteuffelstr. 7.— Turnverein„Eiche", Köpenick, Männer- und Jugenda bteilung von?»/, bis 9>/, Ubr abendS, Hotel Klein am Wilhelmsplatz.— Turnv.„Froh«. Frei", Aroß-Ltchterselde, Pagel, Chaufleestr. 104, tO/z-IO'/z Uhr abends.—„Freie Turnerschaft", Fricvrichsfelde, abends 8»/,— 100, Ubr, Bube, Prinzen-Ällee 30. Ztrbeiter-Schwiminerbiind. Anfragen an S. Bratke, Schulstr. 24. Schwimniklub„Neptun", Weißensee, abendS 7»/, Uhr, im Seebad Wetbensee. — Schwimniklub„Bonvättö", abends 7V, Uhr, Raliborstr. 14b(alte« Studeiilenbad).— Schivimmverein„Gnt-Nag", Uebungsstunde jeden Freitag, atends?,/, Uhr, im Seebad Reinickendorf. Arbcttervcrein„Borwärts�- Kopenhagen. Jeden Freitag im Berkehrslokal, K o r S g a d e 49: Versammlung. Daselbst besindet sich auch die Bibliothek deS Vereins. Die nach Kopenhagen kommenden Gcnosien wollen dies beachten. Soeialistenklub»Vorwärts«, Ehrtstiania. Tafs Keffer, Olaf«he» Plads 8._ GemevksÄMf tl ichvs. Für die ausgesperrten Arbeiter Dänemarks gingen beider verlinet Gewerkschaslsloiilmi'ston folgende Beiträge ein: Tischlerioertstatt Wenlandt, Frnchffir. 12,50. Tischlerei von Vogt, Weberstr. 3, 8,05. N. Heinemann u. Co., Spitzenfabnk 4,70. Bauwertsielle von Peukett, Elisabeth- Ufer 9,35. Tischlerei von Rückwart u. Riegel, Weinstrabe 8,65. Personal der Buch- druckerei von I. Siltenfeld 69,20. Tischleret A. Reinhardt 4,55. Pianosorte- fabrit von Wähler, Landsbergerstrahe 3,40. Tischlerei von Stern, Seliger u. Co. 10,05. Deutscher Töpscrverdand 100,—. Tischlerei von Löwenberß, Werkstatt Markushof 9 75. Tischlerei d. Luxusmäbelsabni A. H. Schop 9,00. Bildhauer der Firma Pfaff 11,—. Tischlerei von Wolter, Büichingstr. 12,20. Personal der Buchdruckerei von Borchardt 9,—. Die widenpenstigen Posa- menrier« 2,85. Möbeltischlerei von Fülle, Fruchtstrabe 11,50. Arbeiter-Bildungs- verein Steglitz u. Umgegend 15,—. tlrbeiter u. Arbeiterinnen der Mützeusadrik G. A. Hoffliiann 27 05. Tischlerwerkstatt von Rahardt 2,10. Tischlerei von Möhler u. Schwab 47,10. Buchdr. Rlefenstahl Zumpe u. Co. 14,35. Arbeiter der Firma Pittius, Oranienstr. 14,80. Sämtl. Arbeiter der Möbclfabr. Hülsebeck, Kroll u. Co. mit zwei Budikern 49,20. Arbeiter der Firma Melles, Engel-Ufcr, 17,50. Buchdruckerei Janiszewski 5,—. Ostend 11,—. Hamburger Jalonstefabrik 14,25. Hoftnann, Holzbearbettungs-Maschinenarbeiter durch Listen 44,40. Aus dem Juliusmrm des Skatkluds Fortuna 7,50. Tischlerei von Böttcher, Adalbertstraße, 7,55. Arbeiter der Mvdelfabril von Eberhardt, 2. Rat«, 19,—, Acht Perlmutter-Arbeiter 3,45. Ansireicher des Lehrter Bahnhofes 5,—. Silderarbeiter von Mo.-gau 15,—. Arbeiter-Verein Noioaioes 30,—. Tischlerwerkstatt Ungcr, KönigSbergerstraße, 3. Rate 7,20. Tischler und Maschinen-Arbeiter W. Kümmel, Frankfurter Allee, 60,—. Gesangverein „Liedessreiheit"(inet, eines Mitgliedes a 10 M.) 30,—. C. Werner 1,—. Zimmelfche Werlstatt, Grünauerstraße, 8,50. Buchdruckerei E. R. Elsner 25,—. Fabrik Waldemarstr. 55, 8,70. Tischlerei Lüdike, B ritze, straße, 10,—. Tischlerei Kißling, Waldentarsnaße, 7,30. Pfaff, Saal I, 10,25. Pfaff, Saal II. 11,15. Pfaff, Saal IV, 16,—. Tischleret von Debert, Koppenm., 6,—. Buchdruckerei„Dieses Blatt gehört der Hausfrau" st2ö. Tischlc.n von Feldmann, Hagelsberg erstraße, 11,25. Rauchklub„Ohne Zwang", Wcinirraße, 30,—. Tischlerei von Kruse, Königsbergerstraße, 10,70. Möbelfabrik von Grosckitus, Gollnowstraße, 24,45. vuchbiliderct-Arbeiter von A. Sola, Schützeustraße, 4,90. Tischlerei von Guehl, 9,05. Arbeiter von Baumgarten u. Söhne, Bierprozcnte, 10,—. Arbeiter Vülslow 2,50. Älickerbrüder und 6 Polierer von Seifett u. Wölls, Fruchlstraße. Patterre-Werlstatt 35,—. Maler von G. Schmidt, Bau, Stallstraße, 6,50. Kollegen und Kolleginnen der Buchbinderei, Actien- gcsellschatt. G. Friffche 20,45. Filiale der Graveure und Ciselcure Berlin 50,—. Gesang-Berein„Frohe Stunde" 8,65, dazu Ueberschuß v. Mattnee 2,25. Tischlerei von Späthe 3,—. Tischlerei von Näthimg 12,05. Buch- druckerei von Harwitz Nächst. 6,-.. Hilfspersonal der Bnchdruckerei 10,85. t. Raddatz 1,—. Buchdruckerel von L. Schumacher 14,15. Berliner ciwng 10, 1o. F. A. Treue, Wienerstraße, 20,—. Berliner Stock. arbeiter 38,85, btto 24,05. Tischleret von Tönsmann u. Co. 10,50. Bon den Arbeitern der Möbelfabrik Zelder u. Plaiben außer etntgen 77,20. Johann Müller 3,—." Vom Vertranensmann der Mnfikarbeiter einlchl. 83,60 vom Kreselder Weberstreik 200,—. Tischlerei Straßburg, gm ch! straße, außer einem 13,60. Buchdrucker« O. Drewitz 4,30. W. 73 6,—. Kegelklub.Lang' st« mir mal her" 1,90. Tischlerei v. Stttn, Gr. Franksutterstr. 8,15. Sattler 36,10. Bau Bellealliancesn.22 außer Zimmerleuie 15,—. Pianosabrik v. Otw 20,95. Tischlerei von KämUno 14—. fiandichuhuracher von Eteck u. Straffer 1050. Tischlerwerkstatt». Von, Görlitzerstr�, 6,50. Tischlerei v. Müller, Frucht- straße 63, 4,10. Arohse, Tischler, Zeuthen, 2,—. Amerikanische Auktion unter Stammg-iste», Nostockerstr. 1, 6,05. Betführ. Görlitz, 5,—. Setzerei der„Bert. Morgenpost" 4,45. Accidenz Ullstein u. Co. 17,-. Schuhmacher- werkst. Oppermann, Unter den Linden, 10,50. Schneiderwerkst. Trunkes u. Voss 6— Piauofabr. Weber, Brückenstr., 13,35. Tischlere, Osten, Brunnenstr., I.Rate 1o,10. Tapezierer beim Bier 3,—. Buchdruckerei der„Nationalzeitung", Werkabt. 10,45. Eine arme 60 jährige Witwe 1,—. Verband der Kürschner Berlins u. Umgegend 30,—. Buchdruckerei von Van u- Garleb, I.Rate 25,—. Möbelfabrik von Kümmel, Bicrprozente 20,—. Möbeltischlerei von Haulc und Kaeber, Künigsbergerstr., 13,30. Möbelfabrik Gebr. Burggraf, Koppenstr., 5,—. Gießerei Matthicustt. 2,—. Steindrucker von Kleffel u. Sohn 10,—. Arbeiter der Pianofabrik Bechstein 44,10. Dekateure der Filiale HI des Textilarbeiter- Verbandes 50,-. R. Diemar 3,-. Schuhfabrik C. Jakobi v,70. Lohn- komm isston der Bäcker 100,-. Möbelfabrik Lennig u. Jatzki 13,70. Möbel- fabrik Fr. Berndt 11,30. Tischlerei Eltramp, Hamburgerfttaße, 6,95. Möbelfabrik I. C. Pfaff, Saal HI, 30,15. Rummelsburger Arbeiter- Verein 50,—. Pianofabrik Lehmann u. To., Königsberger- straße, 21,45. Arbeiter der Firma Frister, Bronzewarenfabrik, 14,05. Ar- beiter der Firma Frost Söune, 2. Rate, außer 3,90, gesammelt von Hoff- metster 13,40. Rauchklub Domröschen 10,-. Tischlerei v. M. Kaiser, Liebenwalderstraße,?,-. Weitere Beiträge werden iur Berliner GewerkschaftSiureau, Aunenstr. 16, I, vormittags S— 1 Uhr, nachmittags 6—8 Uhr entgegen genommen. DerAuSschußderGewerkschasts- Kommission. Der große Brand in Marienburg wurde am Mittwochnachmittag eingedämmt. DaS Feuer hatte sich von der Ansbruchsstclle in der dicht an der Nogat gelegenen Epeicherstraße nach den Hohenlauben am Markt nach rechts und links verbreitet und erst etwa dreihundert Meter von dem Hoch- mcisterschlog entfernt Halt gemacht. Das Schloß selbst war infolge des entgegengesetzten Windes niemals gefährdet. Fünfzig Wohngebäude und Stallungen, darunter das alte Gymnasium, die Töchterschule, die Leisttkow-Apotheke, die Rathaus-Apvtheke und die Druckerei der„Nogatzeittlng" wurden ein Raub der Flammen. Personen wurden nicht verletzt, nur ein Feuerwehrinann erlitt eine leichte Verwundung am Kopfe. Der Schaden dürfte sich aus mehrere Millionen belaufen. Während die Gebäude versichert sind, ist viel» fach der Schaden der kleinen Leute, die ihr bißchen Besitztum nicht retten konnten, ein beträchtlicher. Den Ausbruch und die Verbreitung des ver» beerenden Brandes schildert der Graudcnzer„Ges." wie folgt: DaS Feuer kam bald nach 5 Uhr morgens in der Spcichersttatze auf dcr Nogatseite in dem Stall des Wurstfabrikanten Arünlinger aus bisher unbe- kannten Ursachen ans. Beim Oeffnen des Sralles fand man zwei Pferde bereits verendet, ebenso mehrere Schweine. Das Feuer erfaßte sofort die rechts und links gelegenen Stallgebäude und Speicher. � Als gegen C3/« Uhr der Wind nach Osten umsprang, er» faßten die Flammen die gegenüberliegende Straßenseite und sprangen auf da« Brüntinge eiche Grundstück auf den hohen Lauben, gegenüber dem Rathaus, über. Später sprang der Wind nach Norden um. Die Flammen wurden nun nach der Morienburg getrieben und setzten die Häuser von Schwabe Nächst, bis Gebrüder Kluge, etwa IS Marktgrund- stücke in Brand. Außerdem brannten 12 Gebäude in der Speicher- straße nieder. Später wurden das Rathaus und die umliegenden Häuser vom Feuer ergriffen. Der Dachstuhl des im gothischen Stile gebanten Rathauses verbrannte. Der Rathausturm stürzte 9>/e Uhr ein. Die Akten wurden gerettet. Die anderen auf der Rathaus- Marktccke gelegenen Häuser konnten nur durch fortgesetztes Bespritzen geschützt werden. Die Danzigcr Feuerwehr wurde mittels einer Depesche, worin es hieß, daß„Marienburg in Gefahr sei", zu Hilfe gerufen. Sofort wurde ein größeres Detachement der Danziger Feuerwehr, mit beiden Dampffpritzen, zwei Dnickspritzen und zwei Wasserwagen mit möglichster Beschleunigung auf dem Hauptbahnhof Danzig verladen, das unter Führimg des Branddirektors bald nach 7 Uhr nach Marienburg zur Hilfe eilte. Die Elbinger Feuerwehr traf um 11V« Uhr ein. Ebenso trafen die Dirschauer Spritzen und die von der Umgegend von Marienburg zur Hilfeleistung ein. Infolge der raschen Verbreitung des Feuers ver- brannte viel Mobiliar. Die Straßen sind mit geretteten Möbeln angefüllt. Der Wind trieb den erstickenden Qualm fast bis an den Bahnhof. Vevmifiljkes. Etne schwere SchiffSkatastrophe hat sich unweit der Stadt N i s ch n h- N o w g o r o d auf der Wolga ereignet. Bei starkem Nebel ist der Güterdampfer„Kormilec" mit dem Personendampfer .Dmitry" trotz den von ihm gegebenen Warnungssignalen zusammen- gestoßen. Der Anprall war so heftig, daß der Personendampfer sank. Von 258 Passagieren konnten sich nur 103 auf Notbooten oder durch Schwimmen retten, die übrigen ertranken. Der Kapitän des Güterdampfers, der die Signale des Personendampfers nicht beachtete, wurde verhaftet. Mordversuch eines ISjährigen Mädchens. Die noch schul- Pflichtige 13jährige Minna Bahse in Borsfelde(Hannover) beging vor kurzem, nachdem sie sich schon mehrfach kleiner Diebstähle schuldig gemacht, trotz ernsten Verweises und der Drohung, daß sie im Wiederholungsfalle einer Besserungsanstalt zugeführt werden solle, einen Wurstdiebstahl. Um nun die Folgen dieses Vergehens von sich abzulenken, kam das Mädchen auf den schrecklichen Ge- danken, ihren öjährigen Bruder zu ermorden und dann auf ihn den Wurftdiebstahl abzuwälzen. Während die Mutter als Waschfrau in einem anderen Hernie beschäftigt war, beredete Minna Bahse ihre 10jährige Schwester und ihren öjährigen Bruder, mit ihr nach dem nahen Walde zu gehen. Dort angekommen, schickte sie die jüngere Schwester nach einer nahe gelegenen Ziegelei, um von dort ein scharfes Messer zu leihen. Sie suchte dann vergeblich den kleinen Bruder zu überreden, sich mit dem Messer inS Handgelenk zu schneiden, und führte hierauf ihre Geschwister weiter in den Wald, erstieg einen Baum mit niedrigen Zweigen, befestigte einen Strick mit Schlinge an einem Aste und veranlaßte den Bruder, zu ihr auf den Baum zu klettern. Als dann der Kleine oben angekommen war, warf sie ihm die Schlinge über den Kopf und stieß ihm vom Ast herunter, so daß der Knabe in der freien Luft schwebte. Die zehnjährige Schwester erkannte sofort die Gefahr und befreite den Knaben schleunigst aus der Schlinge. Die Geschwister begaben sich sodann auf den Heimweg. Unterwegs führte die Minna Schwester und Bruder nach einem Teich, in welchem sie de» Bruder hineinstieß. Zum Glück war der Teich an jener Stelle ziemlich seicht, so daß der Knabe Grund faßte und nicht ertrank. Wegen des Diebstahls wurde Minna Bahse am Montag vom Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, wegen des' dreifachen Mordversuchs aber dem Landgericht in Braun- schweig zugeführt. Fcucröbrunst. In Holzappel bei Diez an der Lahn brannten am Mittwochabend 3V Wohnhäuser und Oekonomiegebäude nieder. Der Ursprung des Feuers ist unbekannt. Meldungen von Unglücksfällen, die beim Baden Menschen« leben forderten, liegen aus unserer nächsten Umgebung wieder in erschreckender Menge vor. So ertranken im Schwielochsce 2 Knaben beim Baden, der Bruder des Lehrers Müller und der Sohn des Schmiedemeisters Faber. In Kirchhain ertrank das Sjährige Tockitcrchen des Gcrbcnneistcrs Rothe. In Brieskow fand der Schiffer Ernst Hoffmann, ein geübter Schwimmer, den Tod in den Wellen, da er in einen Strudel geraten ivar. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte», bei jeder Anfrage eine Thiffre(zwei Buchstaben ober eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ettheilt werden soll und die letzte Abonnementsqutttung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht becuU- wortet und schriftliche Antwort wird nicht ertheilt. Tie jiirtstiiche Sprervstnnde wird TienstagS, Donnerstags»nd Freitags abends von k bis 8 Uhr abgehalte». ffi. M. 1. Ein Gulden jetzt ungefähr 1,70 M.; eine ö streichische Krone die Hälfte. 2. Noch unbekannt. Neu 100. Unter den Linden Nr. 68, 11—12 Uhr. Stralauer-Platz L3. Uns ist von einer derartigen Aeußerung gar nichts bekannt. — G. H. Wenn kein Testament vorhanden ist, fällt in der Mark die Hälfte der Maße, die beiden Eheleuten am Todestage des Erswerstordenen gehörte, an den überlebenden Ehegatten, die andere Hälste an die anderen Erben. — Madaistrnstc. 1. Lohnabzug für rückständige Steuern istzittässtg, sosern diese Steuern nicht seit länger als drei Monaten fällig geworben sind. 2. Der von Ihnen erwähnte Fall aus 1830 ist uns nicht bekannt.— Charlotten- bürg 13. 1. Für Cüarlottenburg hcrricht keine Äütergemetnschaft. 2, Der Ehemann ist nach richtiger, aber bestrittener Ansicht, dort nicht Dritten (dem FiStnS, Prozeßgegner usw.) gegenüber, sondern nur gegenüber seiner Frau zur Zahlung von Prozeßkosten aus einer Beleidignngs- klage, die von feiner oder gegen seine Frau angestellt war, verpflichtet. — 41, 11.(?. 1. Ein Mädchen bedarf bis zum vollendeten 24., ein Mann bis zum vollendeten 25. Lebensjahre väterlicher Einwilligimg zum Einttttt in den standesamtlich protokollierten Bund der gemeinichaftlichen Freuden und Leiden. Vom Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches ab ist Väter- »che Einwilligung nur noch bis zum vollendeten 21. Lebensjahr für Menschen beiderlei Geschlechts erforderlich. 2. Wenn dies vor dem 1. Januar 1900— also auf Klage hin— geschieht, ja, vom 1. Januar 1900 ab: nein. 3. 433. 4. Bebel ist zum konstituierenden norddeutschen und deutschen Reichstag, in der I. und II. Legislaturperiode (1867—1877) vom 17. sächstschen Wahllreis(Glauchau- Meerane), zur III. und IV. LegislaMrveriode(1877—1881) für 5. Sachsen(Dresden links der Elbe), zur V. bis X. Legislaturperiode(seit 29. 1. 1883 bis jetzt) von Hamburg— 1893 bis 1898 auch von Straßburg— gewählt. Durch Er- lenntnis von 6. 7. 1872 wurde B wegen Majestätsbeleidigung zu 9 Monaten und zum Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte ver- urteilt, aber mit großer Mehrheit wiedergewählt. 1881—88 gehörte er dem Reichstag nicht au.— C. W. 10. Gewerbe-Inspektion II, Georgenkirchplatz 21. Für die Beschwerde sind keinerlei Können vorgeschrieben- — F. Nordmann. Da Sie kein Preuße sind, sind Sie mcht wähl. berechtigt.— H. L. 41. 1. Mit dem Erbrecht der Ehegatten in der Mark Brandenburg verhält es sich folgeikdenuaßen: Liegt lein Testament vor, so sind deffen Bestimmungen entscheidend. Liegt kein Testiiment vor, so erbt der überlebende Ehegatte, falls cr nicht überhaupt auf die Erbschaft ver- zichtet, so, als ob eine Gütergemeinschaft mit dem Tobe ein- getreten sei. Es wird nämlich sein Vermögen und das seines verstorbenen Ehegatten als eine gemeinschaftliche Masse bettaclitet. Was am Todestage von beiderseitigem Vermögen vorhanden war, bildet die Erb- maffe. Bon ihr fällt die eine Hälfte dem überlebenden Ehegatten, die andere den Kindern zu. 2. Sie können Ernennung eines Vormundes in Antrag bringen; der Gegenvormund wird keineswegs durch den Tod des Vormundes Vormund. Den von Ihnen dargelegten Fall sehen Sie aber wohl irrtüm- lich an. Die Kinder können keine Vomuindschast haben. Wahrscheinlich ist derjenige, den Sie als Gegenvormund bezeichnen, nur Teilungspfleger bei der Auseinandersetzung vor der zweiten Heirat gewesen. Ist das der Fall, so ist sein Amt längst erloschen. — Sch. 88/89. 1. Ja. 2. DaS ist znlässtg, aber wenig wahrscheinlich. Einer Heirat steht dieser Umstand ja aber keineswegs im Wege. Der von Ihnen bezeichnete Brief ist hier nicht aufgefunden.— Zwinglistrafie. 1. Wenden Sie sich direkt an das Gewerkschafts-Bureau, Annenstraße 16. 2. Solche Redensart wie„wem's nicht paßt, der kann ja gehen" ist keine Kündigung.— C. L. Das Gehalt nehmen Sie an, verlangen aber, daß nicht für mehr als 2 Monate Marken abgezogen werden.— N. G. 290. Das Einkommen beträgt 15'/, Millionen. Dieselben werden unter dem Titel Ctvilliste bewilligt.— M. K. 101. Nur, wenn der Widerruf inner halb 6 Monaten durch einen Gerichtsvollzteher zugestellt ist.— Marktpreise von Berlin am SS. lAnli I8SS nach Ermittelungen des kgl. PolizeiprästdiiimS. D.-Ctr. »/Weizen »)Roggen Futter-Gerste, Hafer gut• „ mittel, gering Richtstrvh. Heu fOErbsen, f)Speisebohneo. fjLiuse» Kartoffeln, neue Rindstetsch, Keule 1kg do. Bauch„ •) Ermittelt pro 16,25 15,— 13,50 16,60 14,90 14,20 4,16 6,30 40,- 50,- 70,- 11,- I/O 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier. Karpfen Aale Zander Herdt« Barsch« Schleie Bleie Krebs« 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 2,00 2,80 2,60 2,40 1,80 2,60 1,40 12,- 1 Ic 2,— 2,40 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1- 0,80 2,50 14,70 13,70 13,- 15,— 14,30 13,70 3,83 25:- 26,- 30,- b.- 1,20 ,............... von der Centralflelle der Preuß. Landwirt- schaftskammer— Notlerungöslelle— und umgerechnet vom Polizeiprästdluw sür den Doppel-TeiiMer. ch) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 27. Juli. Der seit gestern eingetreten« starke Regenfall, welcher gerade jetzt zur Zeit der deginnenden Ernte wenig vorteilhaft ist, und in zweiter Lint« die neuerliche Steigerung der Weizen- preise an den Getreidebörsen in Nordaibertta waren die Veranlass, mg, daß Getreide am heutigen Markte in fester Haltung einsetzte. Weizen und Roggen waren am Frühmatkt j« 1,50 vöher gefragt. Späterhin gaben beide Brotartikel infolge deS aufklarenden Wetters 0,50 M. nach. Hafer lag ziemlich fest. Rüböl bei belebtem Handel gut behauptet. Spiritus verkehrte in fester Haltung. Loco 70er blieb unverändert und stellte sich aus 43 M. Gehandelt wurden 5000 Liter. Termine zogen leicht an. Berlins Getreide- und Mehlzu fuhren zu Wafler vom 26. Juli mittags bis 27. Jult mittags betrugen 12 Tonnen Weizen, 260 Tonnen Roggen, 249 Tonnen Haser, 71 Tonnen Gerste, 693 Tonnen Mais. Eierbericht. Normale Eier 2,45—2,95 M., kleine 2,10—2,15 M. per Schock. Tendenz still. «»tlterliiigöiiberstckft vom L7. Juli 1899, morgens 8 Uhr. Stationen Swineindc. Hamburg Berlin Miesbade» München Wie» L � it « 2 © 45 V\ I* Stationen i 763WSW 764 W 764 NW 767 SW 770 W 766NW 2'wolltg 3bedeckt Wiegen shlb.bed sheitcr 3sb«deckt Wetter-Prognose siie Freitag, den Teils heiter, teils, volkig mit etwas Regen, und wenig verändexter Temperatur. Berliner Wetterdurean vaparanda Petersburg Eork Aderdeen PariS SS s s S S 738 SO 750 SW 773« �6« ,WNW 770 iNNW Witter 2 bedeckt 2!volkig Iheitcr 4hlb.bed 2Dunst ys ii s? 16 18 15 18 18 28. Juli 1899. mäßigen westlichen Winden Achtung? IK II R E K. Achtung! Sonntag, den 39. Juli, vormittags I S Uhr, in den Bornssia-Sälen, Ackerstrahe Nr. S/7: General-Tersamiiiliang i>tS Arms zur Wahruag der Jttttresstu der Maurer Berlins und Ngegend. TageS-Ordnung: 1. Kassen- und RevlsionLbericht vom 2. Quartal 1893. 2. Wahl eines Revisors sowie sämtlicher HilfS- lafsterer. 3. Bereinsangelegenheiten. 129/16 _ Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Vorstand. I. A.: C. llcrfortli. Central-Kranken-ulldStcrbe- kasse der deutslhen Wagenbauer (Berlin III). Todes-Anzeige. An, Dienstag, den 25. Jult, verstarb plötzlich unser langjähriges Mitglied, der Schmied 253/3 rriellried preuzz im Alter von 66 Jahren. Ehre seinem Andenken!— Die Beerdigung sind et am Freitag, den 28. Juli, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Punzen- Allee 42/43, aus statt. _ Tic Ortsverwaltung. DankHaeanz». Hiermit sagen wir allen Kollegen und Genossen für die rege Beteiligung bei der Beerdigung memeS Mannes den besten Dank. s1547b Susanne Findeiseu nebst Kindern. Soeben erschienen: Preis 20 Pfg. Cind Anarchisten Mörder? Von tten,). H. Xncker. Mit einem Vorwort und Anhang. Gegen Einsendung des Betrages: vortosreie Zusendung vom Verlag li.Xacli, Berlin SQ., Ovpeloerstr.45. ophastosse auch«r in Rips. Damast. Erep«. Phantasie, Gobelin>i»d _ Plüsch spottbillig:(1609L* DM- Proben franco! aufttfiit"äKSt" Emil lefevre, SF Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute. Freitag, abendS 8V- Uhr, bei Colin, Benthftr. 20-21: SUzung der Orts-Verwaltung�. Am Sonntag, den SO. Juli, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herr» Zubcil, Lindenstraste 10S; Einsetzer-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Lohnfrage der Einsetzer. 2. Verschiedenes. 108/1 Pflicht jedeö Emsetzers, der dem Verband angehött, ist eS, zu erscheinen. Parkettbodenleger. Am Montag, den 31. Juli, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Zubeil, Lindenstr. 10S: TageS-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. DaS Erscheinen sämtlicher Kollegen in dieser Versammlung ist not- wendig. Die Werkstatt-Kontrollko,»Mission. Tischler �Vovoin. Sonnabend, den 29. Juli, abendS 8Vi Uhr, Melchiorstratze 15 j Versamminiig. HW Tages-Ordnung: Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand.____ Wilmersdorf und Halensee. Sonnabend, 29. Juli, abends, im Bolksgarten, Berlinerstr. 19: Stifinngs-Fest des Sorinldeinokvsitifitzen Vereins» bestehend aus Vortragen und Tanz. Da der«vent. tteberlchuß z» Parteizwecken verwandt wird, erwartet zahlreichen Besuch Ib/l Da« Komitee. Sorialdemokrattscher Verein für Ztralau- Rummelsburg und Nmgegeud. Am Sonntag, den 30. Juli, nachmittags L Uhr, in der Brauerei Stralau: Genernl � VerfemunUmg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genoffen Kotzke über:„Die Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3. Kassenbericht vom letzten Quartal. 4. Bericht des Bibliothekars. 5. Bereinsangelegenheiten. 8 5 Mitgliedsbuch legitimiert. Pflicht eineS jeden Mitgliedes ist eS, in dieser Bersannnlung zu erscheinen. Der Vorntantl. VtttMd der Sattler mit» Tapezierer. Filiale Berlin I. Am Sonnabend, den LS. Juli, abendS 0 Uhr, im Lokal „Englischer Hof", Neue Roststr. 3: llitKiieder- VersammiuuK. Tages-Ordnung: 1. Vottrag des Genossen P. Hamacher. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. 4. Verschiedenes. 157/4 Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vortstanil. CrUStaT JLindeiiliayii. Grimau, Wilhelmftr. 9 und Friedlichste. 1—2.(19278* Empfehle meinen neu renovierten«aal, ebenso schönen großen Garten nebst zwei verdeckten Kegeldahnen den geehrten Vereinen und Gesellschaften zur Abhaltung von Vergntigen■, nur jeden ersten Sonntag nach dem 1. jeden Monats öffentlicher Tanz. Kaffeekochen, Liter 70 Pf. Weihbier 20 Pf. Vio Bötzow Versand 15 Ps. C. Lindenhayn, Gastwirt. Tel. Nr. 17. Neue Nlühle bei Königsvusterhausen. Zn Dampfer- nnd Landpartien vorzüglich geeignet. Otto Beyers Restaurant„Zur Schleuse" 1000 Personen fassend. Kegeldahnen. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. Für Vereine und Fabriken coulanteste Bedingungen.(21638* Einzige Dampfer- Anlegestelle In Vene Muhle. Ihe e" Trauringe. Uhren. 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Gastspiel der kaiserl. russischen Hof- schaufpielerin Elisabeth Gorewa. Maria Stuart. Trauerspiel in SAtt. von Fr. V.Schiller. Anfang 7r/z Uhr. Borzugsbillels haben Gültigkeit. Maria«tuart: Elisabeth Gorewa. Sonnabend u. Sonntag: Maria Stuart. Montag bis Donnerstag: Adrienne Lecouvrenr. teute im Garten: Specialitäten- heater-Vorstellung. 27 Numniern. Ansang br/z Uhr. Saisonkarten haben Gültigkeit. Sonnabend: Sommerfest der Taub- stummen. pilZLSkje-ksnoptieum 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Von K'/e Uhr ab: Specialitäten. Letzte Woche! Die Riesen- briider. Herold und Leons in ihrer Burlesk- Szene: Die Riesenbraut. ■■ CASTANS PANOPTICUM Die sensationellen SW lebenden-� Photographien! In LebensgrSsse. Die russische IfiNnoTi" Damenkapelle„MlljUvll In moskowltlschen Kostümen. Viele nene plastische Gruppen und Figuren. Ostbalm-Park Hermann Imbs 7t Riiderödorfcr Strasse 7t, am K ii st r i n e r Play. Täglich: Hon�ert, Vheater- und Special itäten-Vorstelliing. Rur erstklassige Rummern. Anfang: Sonntags 4UHr. Entrce20Pf. Kinder 10 Pf. Sperrst« Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsty Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Morddeutsche billiger, _ Hermann Imbs. Direktor. Aletrvpol-I'deater. Behrenstr. 53/54. Direktion: Richard Schnitz. GrUsster Saison-Erfolg!! I »Va Uhr: 9V2 Ühr: Berlin lacht! Frank• Bonhalr» Trappe. Werner Amoros Pantomime. 8 Champions, sowie die übrigen Kunstattractionen. Anfang 8 Chr. Neichshallen. Garten resp. Saal täglich: Stettmer Säuger (Met) sei, Pietro, Britto», Sieidl. Krone, tt i r ch m a y e r, Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: Jnstrnmental-Konzert. Entree b0 Pf., Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf. Estrade 1 M. Jeden Freitag: Renas Programm.| » K«Inibs Ostbahu- TC. K Ä Montag, den 31, Juli, nachmittags 4 Uhr: Grosses Kinder» Fest, arrangiert von den Parteigenossen des 4. Wahlkreises(Ost). Grosses Konzert und Specialitäten- Vorstellnng. Kinderbelustigiingen aller Art. Jedes Kind erhält am Eingang eine Stocklateme nebst ein Biilet zur Schauke Die Kaffeeküche Ist für die geehrten Damen von 2 Uhr ab geöffnet. 215/10 Eintritt 20 Pf._ Kinder frei. Eel gratis. Nachher: T A M Z. Das Komitee. Contvnl Tliosttov Gastspiel der Hamburger. Anfang 8 Uhr. Vadders Ebenbild. De Wedd. lorgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Ab 1. August: Berliner Lustspiel Ensemble(Frl. dllll> Krause, Herr Otto Pahlau, Herr Rieh. Ewald a. G). „Der Heiratsmarkt". Schwank in 3 Akten. k. Lallsellmikckers „Kastanieuwäldchen" Ksnzertglirten u. PraWle Badsir. IS. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jede» Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grosser Ball im nenerbautlm Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichleiten. R. Ballschmieder. W. Noacks Theater, Brnnnenstrahe 16. Täglich: Theater- u. Specialitäten- Vorstellung. Neu! jag"" Heu! per krauen-Kongreß. Posic mit Gesang in 1 Akt von Groggert. Großer Beifall! Die Schmetterlinge. Ausstattunas- Burleske mit Gesang und Tanz von W. Gericke. Musik von Wappaus. Im Saale: Tanzkränzchen. Puhlmanns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 07/09. Täglich: ILon�ert, Theater n. Sitecialitäfen-Vorstellnng. Max Kliems Sommer-Theater Hasenheide 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Z? TaM: Eroßes Arteu-KoMt. � Auftreten des gesamten Schauspiel» u. Speeialitäten-Personals. AM- Nur erstklassige Kräfte. I&Q Georg Fischer(Liedersänger), Julius Wemer(Charakter- Komiker), Erna Banola(Kostüm- Soubrette), The Charley Troupe(4 Personen), Llng-Fulng _(Chinesische Akrobaten), The Cowas(Original-Exeentries). DM- Keue« gediegene« Familien- Programm."9� Kntree: Wochentags 20 Pf. I Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf| Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsäleu: DM- Grosler Ball."MW Die Kasieeküche ist geöffnet._ Max Kllem. Schweizer Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshain. Tiiglich: Theater- und Spmalltäten-Wrstellung. Jeden Mittwoch: GroHes Familien- und MinderfeZk. Auftreten des nenen Künstler-Ensembles. Jeden Abend von 10— U Uhr: Nobität. Der Novität! Ober-Bonse von Kiautscliou. Ansstattungs-Bnrleske mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.— Musik von Mar Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: Vsssm Soohen beginnt mit einem neuen Roman ein neues Abonnement auf Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Frau Lima mit dem T,nftballett „Origolatis". F erner: K Otto Reutter% und 9 neue Specialitäten. Garten-Konzert T'/j Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Empfehle Freunden u. Genossen mein Weiß- 11. BM.-Bier-LM. Robert Oieseler, Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorn» Resl. Volfsfiücf mit Gesang u. Tanz 0. Hugo«chulz, Musik von A. Kersten. Kostümsonbrette Fräul. Lucie Sarow. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 Schönbrunns, hu- moristisches Bilderbuch. The4Flashes. Excentries. Vendaro-Trlo, Exercitien am Hand- Trapez. Daniel- Truppe, Pantomime. Ballettgesellschaft Döring. WM- Konzert und Ball."90 Eintritt wochentags und Sonntags Ht> Pf., iium. Platz 50 Pf. Kalbo. Sommer-Theater „Alter Dessllm" Nrtillcriestr. lilZ. Inhaber: A. l-adcu'lg. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Specialitäten-Norstelluilg. chmerzloses Zahnziehen ohne Narkose! m Plattenloser Zahnersatz. RliDStl. Zähne, branchbar.. von A,— Mk. 1*1.0111 Ii 611� schmerzlos,.»•• von 1�50 Mit. Linde Tfiglleh viele Anerkennung-en. Herr liehrer 8. schreibt: Alle meine zu Ihnen empfohlenen Bekannten sind mit mir erstaunt über die exakte Wirkung dieses schmerzaufhebenden Mittels zur Operation. Ich kann Sie nur aufs beste empfehlen zc. zc. 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Fritz, Gerichtstrabe I II._ 1540b Näherinnen- gehrfräuleins auf Damenhemden verlangt Stralsunder- straße 60. 1-46* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Aiizeigen koste» 40 Pf. pro Zeile. Schuhmacher. Da der hiesige Streik jetzt beendet ist und der gohn um 25 Proz. erhöht ist, können Herren- und Damen arbeiter L.KlaFe angestellt werden bei O. IDanl» A'achfolger, H. WimmelSkafier 43, Kopenhagen. 95/12* Holzarlieiter! In der Möbelfabrik von[107/14 Adolf Trebs, Frnchtftr. 37, befinden sich die Tischler im Streik. In der Bautischlerei von Lubach& Co., Ratiborstr. 19, haben sämtliche Tischler wegen Disie- renzen die Arbeit niedergelegt, des- gleickien in der Drechslerei von M. Hülfenrath Pallisadcnftr. S5, sämtliche Drechsler. ist lerv�lldAllev. Anuahme- Stellen fiir„Kleine Anzeigen". G«teu: Robert Wengels, Fruchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe., Kovvenstr. 33. Ehr. Schultz, Blumenstr. 14. Ziordosten: I. Reiil, Barnimftt. 42. Hk orden: W. Gastmann. Grünthalerflr. 05 Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96. Emil Skolzenburg, Wiesenstr. 14. L. Dechand, Nnheplatzstr. 24. H. Bogel, Demminerstr. 32. A. Tie», Jnvalidenstt. 124. Xordnestcn: Karl Zlnders, Salzwedeletstr. 8. Siidu esten: F.OHnesorge,Bergn:ann:r 23 v II. H. Schröder. Kreuzbergst: 15. Siidcu: Hans Vaake, DreSdenerstr. 52 53. F.-!<- Ilmberg: Anton Kopp, Friedrich Kärlstr. 4. Panlrou-: Kümmert, Kai'er Friedrichstr. 15. Klxdorf: E. Ostermann, Erckstt. 6. E. Retzerau, Hermannstr. 50. Schvaeberg: Wilh.Bäumlcr, AposiclPhnlnsstr.13. Wcl�scutice: Heinrich Bachiiia»», Lehdersir. 1. Julius Schillert, Käiiigchanffee 39a. Rod. Liebschwager. önstav-Adolf- straße 16. Berantwottltcher Redaeteur: August Jacobe» in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.