Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 18. Jahrgang Sudetendeutsche Industrielle erwacht! Freitag, 15. Juli 1938 Eine Warnung Bückgang der Junk- Ausfahr 1958 der freien Gewerkschaften gegen 1937 um Prozent Das Statistische Staatsamt veröffentlicht foeben die Ziffern über die Entwicklung des Außenhandels der Tschechoslowakischen Republik im Juni 1938. Diese Ziffern sind ein Warnungsignal, insbesondere an die sudetendeutschen In dustriellen, eine solche Wirtschaftspolitik zu ma chen, die nicht einem Selbstmord der sudetendeutchen Induſtrie und ihres Exports gleichkommt. Die Entwicklung der internationalen Lage und die Heße der Sudetendeutschen Partei findet in der Entwicklung unseres Außenhandels im Monate Zuni bereits ihren Niederschlag. Während die Ausfuhr im Juni 1937 982,218.000 Kč betragen hat, ist sie im Juni 1938 auf 869,009.000Kč, das ist um ungefähr 11% Prozent, gesunken. Auch die Einfuhr ist vom Juni 1937 bis zum gleicher Monat 1938 von 976,196.000 auf 787,262.000 Kč gesunken. Da die ersten Monate des heurigen Jahres höhere Ausfuhrziffern aufweisen als die crsten Monate des Jahres 1937, ist die Ausfuhr im ersten Halbjahr 1938 noch immer größer als im ersten Halbjahr 1937. Sie betrug heuer 5.687,523.000 gegen 5.487,055.000 Kč im ersten Halbjahr 1937. Dagegen ist die Einfuhr im ersten Halbjahre 1938 gegen das Vorjahr zurückgegangen, sie betrug 4.651,821.000 gegen 5.306,472.000 Kč im ersten Halbjahr 1937. Es ist höchste Zeit, daß man sich einer zielbewußten Exportpolitik zuwendet, statt eine politische Propaganda zu machen, welche die sudetendeutsche Wirtschaft erschlägt, die fudetendeutschen Arbeiter brotloß macht und auch die übrigen Schichten des Voltes immer mehr der Berarmung auführt. Gegen die politische Streikhetze der SdP Mitteilung ausgegeben: Pra g. Die Gemeinsame Gewerkschaftliche Landeszentrale hat folgende 29zzudzzansQUA 192018 295 In einigen Bezirken wird eine Agitation betrieben, die zu Streikssund Demonstrationen auffordert. Diese Agitation entspringt offenbar einer staatsfeindlichen Propaganda. In der gegenwärtigen Zeit jedoch ist die Er. haltung der Ruheinden Betrieben notwendig. Die Gemeinsame Gewerkschaftliche Landeszentrale warnt daher vor der Niederlegung der Arbeit und ruft die Arbeitnehmer auf, Ruhe zu be wahren und sich an keinen Rundgebungen oder Streiks zu beteiligen, die nicht von den Gewerkschaftsorganisationen anerkannt wurden. von Die Gewerkschaftszentrale ersucht gleichzeitig die Regierung und die Be. hörden, diejenigen zu schüßen, die wegen ihres Widerstandes gegen die offensichtlich staatsfeindliche Agitation, die den Arbeitnehmern wirtschaftlichen Schaden bringt, verfolgt würden. Sie verlangt insbesonders, daß die Regie rung dem Geseze gemäß gegen die Arbeitgeber vorgehe, die zur Betriebseinstellung greifen. ,, Der Irrsinn des Boykotts' Er trifft die deutschen Gebiete schwerer Umgruppierungen der Spargelder Der Prager Börjencourier" beschäftigt Vor einigen Wochen tam es zu umfang sich im Leitaufsatz mit dem Boykott, den die reichen Sbp hervorgerufen hat und sagt treffend: Deutschböhmen sollte den Boykott mit allen Mitteln verhindern, denn ein Boykott, sobald er Die Kommunisten bei Hodža ich ausbreitet, müßte Der Borsitzende der Regierung empfing ferner den franzöfifchen Gesandten Grafen de Lacloig, der am Freitag nach Paris reist. Sechser- Ausschuß das deutsche Gebiet schwerer treffen als das tschechische, Aus dem Inhalt: Bürckel abberufen? Der katholische Verrat an Christus Racheprozeß gegen Dollfuẞ- Leute Einigung über Getreidepreise Weltflug in 91 Stunden geglückt Nr. 164 Ein Wort zur Besinnung Von Wenzel Jaksch Das sudetendeutsche Problem nähert sich einem entscheidenden Stadium. Wir haben stets den Standpunkt vertreten, daß unser arbeitstüch= tiges und begabtes Volt Anspruch auf ungeLebensmöglichkeit und auf volle te fozialeigung besitzt. Für diese Forderungen hat auch das demokratische Auswäischen Friedens, daß in dem exponierten fudeland Berständnis. Es liegt im Interesse des europäischen Friedens, daß in dem exponierten fudetendeutschen Grenzland der Zustand der Unruhe und der Ungewißheit mit größter Beschleunigung iberwunden wird. Soweit die Sudetendeutschen soziale Lebensrechte und politische Gleichberechti gung fordern, haben sie die Sympathien und auch die werftätige Hilfe der fortschrittlichsten Nationen an ihrer Seite. Eine historische Gelegenheit zur Sicherung der nationalen Exiſtenz und der ungehemmten sozialen und kulturellen Entfaltungstritt an uns heran. In dieser Stunde kann sich möglichkeiten der sudetendeutschen Bevölkerung fein Politiker seiner Verantwortung entziehen. Es liegt vor allem im Interesse der Sudetendeutschen selbst, daß der heutige labile Zustand Durch eine positive Lösung übertvunden wird. Nies mand fann ihnen verivehren, mit zielbewußter Energie ihr gutes Recht zu fordern und eine ge sicherte Zukunft anzustreben. Die Sudetendeut schen begeben sich aber in schwerste Gefahr, wenn jie sich als Werkzeug fremder Machtinteressen mißbrauchen lassen. Die empfindlichen Grund> lagen unserer Wirtschaft vertragen teine Abenteuerpolitiff. Während ein großer Teil unsere Mitbürger im Taumel nationaler Hochstimmung aus dem Randgebiet nach Innerböhmen und lebt, taudjen im wirtschaftlichen Leben Erschei Prag. Diese Verlegung der Spargelder bewirkt nungen auf, die uns mit wachsender Sorge erfüleine Verarmung der Randgebiete, weil die liquide len. Die Gesamtausfuhr der Tschechoslowakei weist Kraft der Geldinſtitute im dortigen Gebiet eben Südschläge auf. Im Juni 1937 haben wir für vermindert wurde. Dieser nunmehr zur Ruhe ge- 1982 Millionen Kč Waren exportiert, im Juni fommenen Verlegung der Gelder folgt jest aber 1938 nur noch für 869 Millionen Kč. Jeder eine Verlegung der großen Einkommen. Täglich weitere Ausfuhrrückgang bedeutet Stabilisierung hören wir, daß Industricdirektionen ihren Siß der Arbeitslosigkeit und den Einzug neuen Strifennach Prag oder Brünn verlegen. Dadurch wird elends vor allem in den sudetendeutschen Exportder Konsum und der ganze Wohlstand in den gebieten. Städten draußen gesenkt und nach Prag verlegt. Eine gewissenlose Gleichschaltungspolitik, die Ge wird die örtliche Kapitalsbildung draußen ver- selbst in den empfindlichen Sektor der Wirtschaft mindert, es wird der ganze Standard in den übertragen wurde, hat bereits da und dort einen Städten berührt, weil teuere Wohnungen frei Auslandsboykott sudetendeutscher War: werden und infolge Konsumrüdgang auch die ausgelöst. Auch in den tschechischen Gebieten zeigen sich Ansätze einer Boykottbewegung, die, ob Ladenzinse jinten müſſen. Wer wünscht diese Entwicklung weiter? Wer sie nun aus politischen oder geschäftlichen Motiven kann und darf die Verantwortung dafür überneh- erwachsen, eine Verschärfung der wirtſchaftlichen men, eine Minderbeschäftigung in den Fabriken Rage in den Randgebieten zur Folge haben mijund zugleich eine Abwanderung der vermögenden fen. Es mehren sich wieder die Nachrichten über Sonsumenten zu verursachen, lediglich aus inner vollzogene oder geplante Betriebsverlegungen aus politischen Gründen? Der Boytott- Ferjinn schafft den deutschen Gegenden in die innertschechischen zur politischen Not des Landes noch die wirt Gebiete. Eine Erjazinduſtrie, die nach jahrelangen schaftliche und soziale Not. Denkt niemand über Mühen in der Elendsgemeinde to i ha u errichdiese Dinge nach? Ergreift niemand die Initia- tet werden sollte, droht ebenfalls der Angittive, wirtschaftlich dem deutschen Gebiet das zu psychose der Sapitalsbesitzer zum Opfer zu fallen. Sie wird voraussichtlich wenn nicht in letzter sichern, was es hat, seine Lebensgrundlage? Stunde eine Wendung kommt ihren Standort wahrscheinlich in das politisch ruhige Kerngebiet ins tschechische Gebiet des Staates verlegen. Die Folgejederpo litischen Unsicherheit ist Kapi Die Verlegung von Sigen industrieller Un- tals flucht. Nicht nur jüdisches, sondern auch Sternehmungen vom deutschen ins tschechische Gegut christliches Sapital, soweit in diesen Dingen biet, insbesondere aus der Provinz nach Prag, überhaupt ein konfessioneller Unterschied möglich dauern unvermindert fort. So will die Firma ist, wandert aus dem Fieberklima der Grenzbe Franz Kab. Attiengesellschaft für Textil airle ab und sucht anderswo gesicherte Anlage. industrie in Pelsdorf an der Elbe, den Sitz der Gesellschaft nach Prag verlegen. Die Gesell- In dieser wahrscheinlich nicht rosigen Situa Prag.( Amtlich.) Der Borsitzende der Regierung Dr. Milan Hodža empfing eine Delegation des Abgeordnetenklubs der kommunistischen Partei, bestehend aus dem Vorsitzenden der Par- weil das deutsche Gebiet den größten Teil jener tei Abg. Gottwald und den Abgeordneten Konsumartikel erzeugt, die im tschechischen Gebiet Köhler, Široký, Steiner, Slimta verzehrt werden, die aber zum Teil bereits heute und Borkaňuk. Der Vorsitzende der Regie- auch in tschechischen Gebieten erzeugt werden. Da rung informierte die Delegation über den Inhalt diese Erzeugung vergrößert werden kann, kann der für die bevorstehende Sitzung der National- ein großer Teil der in den deutschen Gebieten versammlung vorbereiteten Vorlagen. erzeugten Waren ohne Einschränkung des Konsums vom tschechischen Gebiet gemieden werden, wenn die Dinge fonsequent auf die Spitze getricben werden. Das traurige Bild, welches Starlsbad heute bietet, ist ein Symbol für die EntwickTung, ein warnendes Symbol für eine Entwidnoch beim Nationalitätenstatut lung, die unter allen Umständen vermieden werDonnerstag vormittags sowie nachmittags den muß. Einige Karlsbader Gaststätten, die vom fand eine Sihung des Koalitions- Sechseraus- tschechischen und jüdischen Publikum besucht wer schusses unter dem Vorsitze des Präsidenten des den, sind bis auf den letzten Seſſel vollgepfropft, Abgeordnetenhauses Malypetr und des Präfiden- sie verdienen wie in den früheren Jahren, die ten des Senates Dr. Sontup statt. Der Sechser- anderen aber, und zwar die Mehrzahl, sind beiAusschuß behandelte neuerlich einen weiteren nahe leer, die Eigentümer sehen nur das wach größeren Teil des Nationalitäten sende Defizit. Der Jrrsinnsgedanke vom Boykott statutes und wird seine Arbeiten Freitag den wirkt in ganz Deutschböhmen in ähnlicher Nich- Ubersiedlungen ganzen Tag fortsetzen. tung wie in Karlsbad. Krofta: ,, Bis an die äusserste Grenze!" Aber kein totalitärer Staat Im Staate! Paris. Petit Journal" veröffentlicht eine| grität unseres Staates zu vereinbarenden Buge- schaft hat die ehemalige Tritotagenfabrik Brand tion mehren sich seit Tagen die Berichte, daß die in Prag- Nusle im Versteigerungswege erworben SdP eine große politischeStreitaktion Unterredung der beiden Sonderberichterstatter des ständnisse gehen. und da eine neue Wirkivarenerzeugung ins Leben plant. Ein solcher Streik würde nicht aus der Blattes, Mac Corre und Georges Rotvand, Minister Dr. Krofta sprach hierauf über die| mit Außenminiſter Dr. Kamil Kroft a. Ihrer Art dieser Zugeständnisse, die den Minderheiten gerufen, deren Absatz speziell für den Export be- Stimmung in den Betrieben erwachsen. Ohne stimmt ist. Auch die Glaswerke Wein Zweifel hat unsere Arbeiterschaft berechtigte Schilderung zufolge hob Minister Dr. Strofta her- eine weitreichende Selbstverwaltung geben wer- mann werden, wie der„ Prager Börsen- Cou- Rohnforderungen zu stellen und dringende soziale ver, daß die tschechoslowakische Regierung von itutem Wi II en gegenüber den Minderhei- den, jedoch nicht eine absolute Auto- rier" erfährt, den Ciß ihrer Generaldirektion von Wünsche anzumelden. Wäre die Furcht vor der ten beseelt ist. Alle unsere Parteien, ſagte Dr. nomie der Minderheiten im Nah- Tepliz- Schönau nach Prag verlegen. Ueber die Arbeitslosigkeit nicht so groß, dann hätte schon so Strofta, die sich zur Verteidigung der Integrität men des tschechoslowakischen Gebietes zulaffen Verlegung des Sizes der Theresientaler mancher Lohntampf das Trugbild einer auf kapiunſeres Staates eng zusammengeschlossen haben, können. Wir können, fagte Dr. Krofta, nicht einen Sunst se i de fabrit von Theresiental nach talistischer Ausbeutung beruhenden Bollsgemeintreten einig für eine versöhnliche Polttir ein. Sie totalitären Sta at innerhalb unferes Prag haben wir bereits berichtet, ein Großteil der schaft zerrissen. Ein politischer Massenstreit könnte alle sind zu bedeutenden Anstrengungen des guten demokratischen Staates haben und dadurch ristic- Beamtenſchaft dieser Firma wird nach Prag ver- also nur auf das Stommando jener Unternehmer hin inszeniert werden, welche sich blindlings den Willens entschlossen. Frankreich und England, die ren, daß unsere Innen- und Außenpolitik unter seßt. Die unverantwortliche Hehe der SdP führt Befehlen einer politischen Partei unterwerfen. dem Frieden ergeben sind, ermuntern uns auf dem Drucke dieses Staates im Staate ausgerichdiesem Wege. Wir folgen dem Kate, tet würde. Wir hoffen, daß es zu einem Einver- zur völligen Berarmung des fudetendeutschen Ge- Die Folgen hätten wiederum die Arbeiter und den sie uns in kritischen Augenblicken gegeben ha- nehmen kommen wird und wollen den Minderhei- bietes. In der Geschichte der fudetendeutschen Po- Angestellten zu tragen. Der antisudetendeutschen ben, um so lieber, als er ein offenkundiger Beweis ten in jedem Falle ein Statut geben, daß für sie litik wird es wohl kaum eine Bewegung gegeben Boykottbewegung wäre ein neues Stichwort gege= ihres Interesses an unserer nationalen un a b- vorbereitet ist. Wir werden den Minderheiten sehr haben, die von derart katastrophalen Folgen für ben. In den national gemischten Betrieben gesellt hängigkeit ist. Wir werden bis an die große Zugeſtändniffe machen, möge das Ergebnis die Sudetendeutschen begleitet gewesen ist, wie die ſich zu dieſen wirtschaftlichen Befürchtungen auch äußerste Grenze der mit dem demofra der Berhandlungen mit den Parteien, welche diese SDP. Während Konrad Henlein immer mehr eine ernste nationale Gefahr. Wenn der deutsche Automobile erhält, verarmt das Bolt, Teil der Belegschaft im Zeichen einer nationalia tischen Geiste unserer Verfassung und der Inte- Minderheiten bilden, wie immer fein. 127 8. 50 in r, 31 10 a, R⭑ Id, ifc er; ci nd C11. TI שוב -80 Freitag, 15. Juli 1038■ Freitag, 15. Juli 1S38. Nr. 1SL Seite 2 «- Neue Zwischenfälle In Haifa Jerusalem. Aus Haifa werden neue Zwischenfälle gemeldet. So ivurde dort ein arabischer Telephonarbeiter beschossen und verwundet. Zwei mit Juden besetzte Autobusse wurden mit Bomben betvorfen und beschossen, wobei ein jüdischer Arzt Verwundet tvurde. Ein Araber und ein jüdischer Chauffeur wurden verhaftet. stischen Losung den Betrieb verläßt, so ist zu befürchten, daß er den Rückweg zur Arbeitsstätte versperrt findet. Unter diesen Umständen wäre also eine politische Streikaktion ein soziales wie ein nationales Verbrechen an der werktätigen sudetendcutschen Bevölkerung. Sie würde nur den Beweis liefern, daß die Führung der SdP aus Furcht vor einem totalen politischen Bankrott die LcbcnSintcressen dcS Volkes selbst als Einsatz in ein Hasardspiel wirft. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob im Lager Henleins noch ein Funken Verantwortungsgefühl vorhanden ist oder nicht. Nicht an eine selbstherrliche Führerschaft, die offenbar jeden Sinn für Reali täten zu verlieren droht, sondern an die Massen der sudetendeutschen Bevölkerung, richten wir ein» aufrichtig gemeinte Mahnung zur Besinnung. All», die im Dienste des sudetendeutfchen Volkes arbeiten wollen, müßten in diesen schicksalsschweren Augenblicken ihre Kräfte für eine ehrenvolle innerpolitische Lösung zusammenfassen und das Terrain für eine zielbewußte wirtschaftliche und soziale Aufbaupolitik ebnen. Jede andere Taktik ist glatter Selbstmord und muß ins Verderben münden. Die deutsche Sozialdemokratie ist entschlossen, sich angesichts solcher Gefahren als ein letzter, aber unüberwindlicher Damm der Vernunft zu bewähren. In ihrem eigenen Interesse, aber auch im wahren Lebensinteresse des Sudetendeutschtums fordern wir die Arbeiter und Angestellten auf, keiner Drohung zu weichen, sich vor keinem Terror zu beugen und um keinen Preis billiges Kanonenfutter für Desperadopolitiker abzugeben. Wenn der Parteiwagen der SdP in den Abgrund rollt, dann müssen alle Bindungen zerschnitten werden, welche das sudetendeutsche Arbeitervolk mitreißen könnten l „Nur das Vorspiel einer Revanche Segen Frankreich“ Der Vizepräsident des Pariser AuBenausschusses Uber die tschechoslowakische Frage Die Pariser Zeitung„L a V o i x" veröffentlicht ein Interview mit E r n e st P e z e t, dem Vizepräsidenten des AußcnauSschuffeS der Pariser Deputiertenkammer, über die aktuellen tschechoslowakischen Probleme. Nach einer ausführlichen Erklärung PezetS über die geographischen, geschichtlichen, bevölkerungsmäßigen und innenpolitischen Fragen und Voraussetzungen in der Tschechoslowakei unterstreicht der ftanzösische Politiker die Einzigartigkeit, mit der das Dritte Reich alle Deutschen der Welt in Beschlag zu nehmen versucht und führt diese imperialistische Politik Hitlers ad absurdum mit dem Hinweis darauf, daß analog Frankreich die wallonischen Teile Belgiens, die romanischen Gebiete der Schweiz und etwa auch daS französische Kanada beanspruchen könnte. Und um den Franzosen einen Begriff von dem Auftreten Henleins und seiner Partei zu geben, hält Pezet seinen Landsleuten vor Augen, was sie etlva dazu sagen möchten, wenn sich in E l s a ß-L o t h r inne n ein im Dienste Hitler» stehender Agitator etablierte, der mit deutschem Gelde eine antifranzösische Propaganda hemmungslos entfalten würde, der ostentativ seine Aufträge von Berlin empfinge und, immer so wie Henlein, im Namen der Minderheit, die er repräsentieren will, diplomatische Reisen unternähme, bei denen er mit anderen Regierungen sich förmlich auf gleichen Fuß stellte.„W erden Sie einen Augenblick zögern, sich vorzu» stellen, waS in solchem Falle in Frankreich geschähe? Für Hitler ist nach dem Anschluß Oesterreichs die Stunde gekommen, da er verlangt,„daß der Weg nach Prag dem Einfluß, oder, wenn es notwendig ist, den Truppen Deutschlands geöffnet werde; das bedeutete eine gefügige, machtlose, wirtschaftlich beherrschte, kurzury: eine entweder verschwundene oder unterworfene BApchoslowakei. WaS uns anlangt, machen wir uni gar keine Illusionen. Dieser heimtückisch unternommene Kampf in Mitteleuropa ist nur daS Vorspiel einer Revanche gegen Frankreich. Der Endkampf— dar sage ich den französischen Predigern einer französisch-deutschen Annäherung — wird darin bestehen, daß der Rassismus, den man im Herzen und im Osten Europas sich all« Freiheiten nehmen ließ, sich sodann gegen uns wenden wird. Wenn die Tschechen Frankreichs und Englands nicht sicher sind, werden Sie im wesentlichen Hitler auf dem Weg über Henlein welchen müssen. Von diesem Augenblick an werden sie verloren sein. Henlein wird die Rolle S e i h» JnquartS spielen, wenn den Sudetendeut- schen die Autonomie gegeben sein wird— und dann den Slolvaken, den Ungarn, den Polen, den Ruthenen. Die Tschechoslowakei wird entweder nicht mehr existieren oder der Gnade anheimgegeben sein. Im umgekehrten Falle werden di« Tschechen mit dem Heroismus, dessen wir sie fähig wissen, Widerstand leisten; dieser Widerstand wäre zumindest der Bürgerkrieg, dann der Krieg schlechthin, wenn Hitler Gewalt anwenden wollte. Dar wäre dann„daS große Spiel": d i e gesamt« Zukunft Europa» und Frankreich« hinge davon ab. Und hierin eben liegt einer der hundert Gründe dafür, daß«ine ununterbrochen drohende deutsche Vorherrschaft lm Herzen de« Kontinent« mit dem europäischen Frirden unvereinbar ist; und nicht nur die Hegemonie, sondern schon ihre Drohung genügt, um Europa in Verwirrung zu bringen, Frankreich zu beunruhigen und den Frieden aufs Spiel zu setzen." Bürckel wird abberufen? Fortdauernde Unruhe in Oesterreich Au« Wien wird berichtet, daß der Reichö- kommtssär Bürckel, unter dessen Regentschaft dir österreichische« Nazis in wilden Auftuhr «egen die preußische« Herrschaft-Methoden gerieten,«inen„privaten" Urlaub angetreten hat. Der Urlaub begann DienStag nacht» und führte Bürckel zunächst in« Saargebiet, da» er bekanntlich schon früher mit feiner Arbeit beglückt hat. Di« amtlichen Stellen versuchten, die Abreise Bürckel» gehrimzuhalten. Ausländische Berichterstatter drängten jedoch darauf, von ihm empfangen z« werden, worauf man ihnen schließlich sagen mußte, daß Bürckel nicht in Wien weile. Einig« Blätter wissen bereit» zu berichten, daß Bürckel von seinem vorläufig nicht begrenzten Urlaub überhaupt nicht mehr zurückkrhren werde. Es ist auffallend, daß Bürckel, der in den letzten Tagen noch Roden hielt, die auf die tiefe innere Zerrissenheit der österreichischen national« sozialistischen Bewegung viele Schlüffe zulieben, ausgerechnet jetzt einen„vrivaten" Urlaub antrat. Auch wenn die Kombinationen der Blätter über die angeblich schon beschlossene Nachfolgeschaft für Bürckel noch nicht zutreffen sollten— man nennt den Major Klausner—, ist dieser Urlaubsantritt bezeichnend für die Machtkämpfe, von denen der österreichische NattonalsozialiSmu» gegenwärtig erschüttert ist. Ganz offensichtlich haben die Preußen eine schwere Niederlage erlitten. Wenn aber die Abberufung BürckelS endgültig und die Machtübernahme an die österreichischen Nationalsozialisten geplant sein sollte— dazu würde auch die Auswechslung der Gestapo gehören— könnte keineswegs mit einer Befriedung OestereichS gerechnet werden, denn dann hatte die tiefe Unzufriedenheit, die in Oesterreich gegen den„Anschluß" Platz gegriffen hat, erst recht Gelegenheit, sich zu äußern. Racheprozeß gegen Dollfußleute Klagenfurt. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat gegen zahlreich« höhere Beamte und Funktionäre der vaterländischen Front in Kärnten die Anklage erhoben, die sich bei dem nationalsozialistischen Putsch im Juli 1034 an der Unterdrückung des Aufstande» beteiligt haben. Die Anklage lautet auf kriminell« verbrechen, Mißbrauch der Amtsgewalt, schwere SAirperver« lctzung und öffentliche Gewalttätigkeit. Angeklagt ist u. a. der ehemalige Bezirkshauptmann von Linz Worzekovsky, OberlandeSrcgierungS- kommissäre Dr. Hunegqer, Dr. Wanner, ferner der HandelSschulprofeffor Arsenschek, der Schlosser Pedit und der Beamte Jakober. Bei einigen wird die Anklage auf Diebstahl und Unzucht wider die Natur ausgedehnt. Die Haupwerhandlung dürfte demnächst beginnen und einige Tage dauern. Anne Oesterreicher! Wien. Auf Anordnung de» Reichsministers für Propaganda Goebbels werden in allen sieben Gauen Oesterreich» besondere Propaganda-Aemter errichtet werden. Vie Resolution von Evlan Nachbarstaaten sollen wenigstens Durchreise ermöglichen Pari«. Der Ausschuß der RegierungSdele- gierten auf der Konferenz von Evian, die sich mit dem Problem der politischen Flüchtlinge beschäftigt, hat Freitag einstimmig den französischen, englischen und amerikanischen Resolutionsantrag angenommen. Diese Resolution enthält in» Detail ausgearbeitete Erwägungen und einen Antrag über die Frage der politischen Flüchtling«, hauptsächlich au» Deutschland, und über die Möglichkeit ihrer Ansiedlung in fremden Staaten. ES wird festgestellt, daß einige Staaten Here»» die Möslichkett, politische Flüchtlinge anfzu- nehmen, in Erwägung gezogen haben, andere Staaten werben fich erst äußern, ti» di« ganze Angelegenheit systemattsch dirigiert«erden wird, andere wieder erklären, sie könnten kein« Flüchtlinge aufnrhmen. Wa« die Nachbarstaaten Deutschlands und dr»«hrmaligen Oesterreich betrifft, wird in der Resolution anerkannt, daß dies« Staaten unter den gegebene« Umständen keine politischen Flüchtlinge aufnehmen können. Man erwartet jedoch, daß ttohdem au» rein menschlichen Gründen diese Staaten zur Ermöglichung der Durchreise beitragen und eine zeitlich beschränkte Niederlassung ermöglichen werden. Anfang» August tritt in London der Exekutivausschuß der ständigen Kommission für Fragen der politischen Flüchtlinge zusammen. Große Truppenparade in Paris Zwei Divisionen zeigen ihr ganzes Offensivmaterial Paris. Der heurige 14. Juli wurde in Frankreich großartig begangen. Nachmittag fanden Truppenparaden in den Garnisonsstädten statt, nachmittag» wurden Umzüge und Volksfeste veranstaltet. Ueberall wehten französische und englische Fahnen. Die Truppenparade, di« vormittag« vor dem Pariser Triumphbogen in Anwesenheit des Präsidenten der Republik, stattfand, stellte die Hauptprobe für die große Truppenparade dar, die nächste Woche in Versailles zu Ehren de» Königs Georg VI. von England stattfinden wird. I« Vierundzwanziger-Reihen defilierten die Truppen in musterhafter Ordnung vor dem Präsidenten der Republik und den übrigen Würdenträgern. E» defilierten• Angehörige sämtlicher Waffengattungen. Neu waren Heuer die Sportovganssationen des Heeres und zweiDivisionen, diemit sämtlichem O f f e n s i v m a t e r i al ausgerüstet waren. Während der Parade lreiste eine Flugeskader über demParadeplatz. Heuer fand auch zum ersten Male eine Truppenparade auf dem Gipfel de» Mont Blanc i(4810 Meter) statt. Einige Erkundungsflüge und Patrouillen, insgesamt etwa 800 Mann, bestiegen den Gipfel des Mont Blanc, wo der Befehlshaber dieser Abteilungen vormittags eine Pamde abnahm. 10 I Zwischen I Mann und Kind Roman von LUI K ö r b e r Die Hofrätin Heller genoß weniger die Musik als die Genugtuung, wieder wie früher „standesgemäß" einem Konzert beizuwohnen, nicht irgendivo rückwärts auf einer Galerie,— die sie ja ohnedies nicht betrat—, sondern wie bessere Menschen in einer Loge, mitten unter dem soignierten, kultivierten Publikum. Wie lange hatte sie daS entbehren müssen! Sie feierte Wiedersehen selbst mit den männlichen, muskulösen Musen, die derb und flachbrüstig, von der Decke aus Orchester und Zuhörer bedrohen. Martha blickte nicht nach rechts und nicht nach links, ihre Augen hingen an dem Taktstöckchen Gustavs und den Bewegungen seines blonden Kopfe». Während er sich mitten im brausenden Beifall verbeugte, sah er sie in ihrem schlichten dunkelblauen Seidenkleid, über die Brüstung gelehnt, stumm vor Entzücken. Am Ausgang holte er sie«In: „Daß Sie nicht zu mir ins Künstlerzimmer gekommen sind, Fräulein Martha! Ich hab« auf Sie gewartet!" Allen Einladungen zum Trotz begleitete er die Damen nach Hause, faß ihr im Auto gegenüber, seine Knie dicht an den ihrigen, genoß ihre Verlegenheit, den Glanz Unter den schnell gesenkten Ädern. Wo gcch es das noch in dieser Zeit, wo alles, was den Krallen des Krieges, der Grippe und des Hungers entronnen war, gierig nach bloßem Rausch griff, wo die Frauen sich um die übriggebliebenen Männer stritten wie Hyänen, sich unterboten und sich einem auf ein freundliches Wort hin an den Hals warfen? Gustav Wiesinger brachte Mutter und Tochter heim, empfahl sich am HauStor mit zwei Handküssen, ließ den Chauffeur kehrt machen und fuhr in den Prater, wo die ersten Knospen au« den Bäumen schossen. In der Hmrptallee ließ er halten, ging zu Fuß weiter, da» Herz voll von seinem jungen Ruhm und seiner jungen Liebe, ging durch die blühenden Wiesen, durch die Haine, die so vielen Wiener Dichtern, Komponisten und Malern schöpferische Kraft schenkten; so fest vertraute er sich und seinem Stern, daß er nicht einmal an die Gefahr dachte, di« der nächtliche Prater— noch dazu in dieser Nachkriegszeit— in sich barg. Bi» zur Dämmerung lief er durch die Alleen in allen Himmelsrichtungen— und als er frühmorgens nach Hause zurückkehrt«, brachte er außer nassen durchgetretenen Schuhen, einem enormen Schlafbedürfnis und einen ebenso«normen Hunger noch die Grundmelodien für die drei Sätze seiner ersten Symphonie mit... Abends fuhr er nach Berlin. Und zwei Tage lpäter bekam Martha eine Ansicht von der Siegessäule mit folgendem Text: Liebe» Fräulein Marthai In meinem Schreibtisch recht» befinden sich obenauf oder auch nicht zwei Seiten einer angefangenen Partitur, auf dem 1. Blatt in der linken Ecke steht„Hertha" und eine Telephonnummer, also leicht zu finden. Bitte si» mir umgehend zu schicken» expreß eingeschrieben, die Adresse haben Die. In zwei Wochen komme ich zurück, dann können wir heiraten. Herzliche Grüße. Handküsse an die Mama. Ihr G. W." Quer auf dem Berliner Himmel über die Siegessäule stand noch: »Wenn die Partitur nicht links im Dchrechtisch ist, dann im Nachtkastel oder wo- NWöH Martha schickte die Partitur, bekam kein« Antwort und hielt die Sache mit dem Heiraten für einen Künstlerscherz. „Solche Scherze macht man nicht, mein Kind", sagte die Mutter, die die Karte gelesen hatte und leicht verletzt war, seitdem sie vom Vermieten leben mußte.„Solche Scherze kann er sich mit einer anderen erlauben, nicht mit einem anständigen Mädel wie du. Das werde ich ihm auch sagen.„Herr Kapellmeister", werde ich ihm sagen,„wenn wir heute auch keine Mittckl haben und vermieten, deswegen steht es Ihnen noch nicht zu, werd' ich ihm sagen, meine Tochter zu behandeln, al» wäre sie Gott weiß wer, eine leichte Dam«, mit der Sie Musik machen". Der zitternden Martha gelang e» nicht, ihre Mutter, die an der empfindlichsten Stelle getroffen worden war, zu beschwichtigen. Sie sprach sogar davon, Gustav Wiesinger zu kündigen, obzwar der Sommer vor der Tür stand und sie nur sihwer einen anderen Mieter bekommen konnte. „Aber die Hauptsache ist mir deine Ehre, mein Kind", erklärte sie und gefiel sich in der Nolle der beleidigten Muter. Gustav sagte später lochend, es sei für sie fast«ine Enttäuschung gewesen. daß sie nicht strafen, sondern segnen mußte. Sie aber war vollständig überzeugt, daß einzig und allein ihr Verhalten den Kapellmeister gezwungen hatte, ernst zu machen:„Er sah, daß er er mit einer jungen Dame aus der Gesellschaft zu tun hatte, und schämte sich. Auch hat er sich sagen müssen, daß er sich auf ein Mädchen, das so erzogen war, eher verlassen kann, als auf alle diese Flitscherln, mit denen er Musik macht." Kn Munde der Hofrätin Haller bekam das.„Musik machen" etwa» Anstößiges. Martha aber schwebte in solcher Seligkeit, daß selbst der Neid ihrer Freundinnen diesem Glücke nicht« mehr zufügen konnte. Gustav war strahlend und zärtlich und die ersten drei Monate sogar treu. Jetzt erinnerte sich Frau Martha, wie oft ihr Mann und die anderen Mieter chrer Mutter angerufen wurden, also war nichts dabei, wenn sie Dr. Geßler antolephonierte. Al» sie an der Telephonscheibe zu drehen begann, klopfte ihr Herz Wie das eine» Backfischchen» beim ersten Stelldich-. ein. Das Telephon läutete laut und ausgiebig, aber niemand meldete sich.„Jetzt müßte ich also die Aerztezentrale anrufen", dachte sie.„Und wa» tu' ich, wenn man mich fragt, was ich wünsche? Ich kann doch nicht sagen:„Ich möchte wissen, ob Dr. Geßler mich Montag abends besucht?" Ich muß es darauf ankommen lassen. Ich kaufe Aufschnitt, schlimmstenfalls kriegen es die Buben Dienstag in die Schule mit." Sie löschte das Licht im Vorzimmer, wo das Telephon hing und wollte sich ins Speisezimmer begeben. Da begann es plötzlich zu läuten, ein Ruf, eine Fanfare! Erlöst stürzte sie sich an den Apparat zurück. Bor Aufregung konnte sie kaum ein„Hallo" hervorbringen. „Ist dort Frau Wiesinger?" ließ sich eine näselnde Stimme vernehmen.„Küß' d' Hand, gnä' Frau? Wissen'», wer spricht? Aber gehen's, gnä' Frau, Sie wollen mich nur frotzeln." Eine Kunstpause trat ein, Martha war nah am Weinen.„Also, gnä' Frau wissen wirklich net, wirtlich net? Na also, wcnn's sein muß: hier Leopold Bühler." Wieder schob er eine Kunstpause ein. vermutlich, damit sie einen kleinen Freudenschrei ausstoßen könne. Er bekam aber nur ein Stammeln zu hären, das er günstig für sich auslegte. „Also, gnä' Frau, hören'»«mal, ich habe mir nochmals die Geschichte mit dem Griechen durch den Kopf gehen lassen— na. Sie wissen schon, mit dem Beilchenstein, he—he. Und hab' mir gesagt:„Poldi", hab' ich zu mir gesagt, da» geht doch net, daß der Sohn deines Freundes Wiesinger verpfuscht wird von dem Griechen— hehe. Und heut« hab' ich im Konservatorium ganz sachie vorgefühlt— ganz sachte— ob da was zu machen ist, ein Stipendium oder so. Also zu machen ist nichts und überdies hat das Schuljahr schon an- gefangen. Aber wenn der Bühler wen vorschlägt — der Bühler, der sein kleines Ansehen hat— hehe— na also, jedenfalls wäre e» nicht ausgeschlossen, daß man für den Sohn WiesingerS und den Schützling Bühlers... hallo, hallo, sind<3? noch da, gnä' Frau?"'.(Fortsetzung folgt.), Mr. 164 Freitag, 15. Juli 1938 Sudetendeutscher Zeitspiegel Der katholische Verrat an Christus Verbringet Euren Urlaub Seite 3 in Naturfreundehäusern! Moderne und geräumige Urlaubs- und Fe rienheime findet man vor: Riesengebirge: Naturfreundehau?, Lenzenberg- Pezzer( 1050 Meter). Zwei- und Dreis dem Heil Hitler"-Ruf des Kardinals und seis bettzimmer, Dusch- und Wannenbad, voll: Pensio::. ner Partei die Massen der Arbeiter und überhaupt Telephon: Peter Nr. 31. Bahnstation: Freiheit die Menschen behandelt? Johannisbad. VIII, Schillerstraße. Wie ein Landpfarrer über den Prälaten Hilgenreiner denkt Unter dem ,, Heil Hitler" des Kardinals geht Ifergebirge: Naturfreundehaus., Kö das Zeichen Satans... am Stephansdom hoch, nigshöhe"( 800 Meter) Bahnstation Rachenberg. ,, Das wahre Deutschland" und Tränen schwebt. Wir verlieren die Massen ungefähr zur selben Zeit, als der Papst das Vor- 50 Betten, vorzügliche Küche. Badegelegenheit. Te ( Auslandsblätter der Deutschen Freiheitspartei nicht, weil es einen Bolschewismus gibt; wir ver- dringen dieses Reichens in Rom als eine fatri- lephon: Reichenberg„ Königshöhe". Berlin- London) veröffentlicht in feiner Juli- lieren die Massen, weil es Christus gibt, der be: legische Profanation der heiligen Stadt der ChriNummer einen„ Apostolischen Brief eines rheini. den Armen und bei den Bedrückten steht, und weil stenheit brandmarkte, und als er verbot, es an in Nieder- Lichtenwalde.( 540 Meter) am Pliffen Lausißergebirge: Naturfreundehaus schen Landpfarrers nach Desterreich." Aber nicht jene, ob im Purpur, ob im Prälatengewand, ob irgendeinem päpstlichen und kirchlichen Gebäude berg. Bahn- und Autobusverbindung. Zimmer, volle nur die reichsbentschen und österreichischen, son- in der schlichten Soutane, die sich nicht der Mühfichtbar werden zu lassen... Auch an meiner dern eben so auch die fudetendeutschen ſeligen und Beladenen annehmen und dennoch Stirche ist eine Hafenkreuzfahne. Naß und schmutz Pension. Anmeldungen: Heinrich Hocke, Warnsdorf Katholiken geht diefes offene Schreiben an, sich als Nachfolger Christi bezeichnen und als zig hängt der... da oben. Wir bedauern, daß zumal der rheinische Geistliche auch Herrn il- Vertreter der Kirche Christi, Berrat an man in dieser Sache der Gewalt gewichen ist. Wir genreiner fich besonders vorknöpft. Der Christus geübt haben. Christus würde die holen die... fahne auch wieder herunter, darauf Brief ist so scharf, daß wir ihn schon im Hinblid Wassen gewinnen, aber diese Art von fönnen Sie sich verlassen, so wahr ich ein friedauf die Zensur nur auszugsweise und nur unter Prälaten und Priestern nehmen licher Landpfarrer bin... Punktierung einzelner Stellen zitieren können sie ihm wieder fort. Von wem fönnen wir in einer Aber auch in dieser Gestalt wird der Appell des nicht fernen Zukunft noch Mitleid erwarten, wenn rheinischen Pfarrers als ein neuer Beweis für man uns behandeln wird, wie man heute unter den Widerstand wahren Christentums gegen den Faschismus und den ihm dienenden Katholizismus" Christen wohl nicht verfehlen. Wir zitieren: feinen Einbrud auf nicht völlig betörte Brief einer Zwölfjährigen ,, Liebe Frau.. Mit katholischem Gruß Ihr Confrater N.... Wem sagt sie das? W Erzgebirge: Naturfreundehaus in Nol. lendorf( 680 Meter) Bahnstation Tellniz Zimmer, volle Pension. Anmeldungen: Jos. Weis, Bolau bei Aussig, Augasse 252. Naturfreundehaus Mor bachhütte" am Mückenberg,( 806 Meter) Bimmer, volle Pension. Anmeldungen: Mizzi Kuns, Turn Teplitz, Landstraße 818. Telephon: Teplitz Nr. 4411. Naturfreundehaus in Gersdorf( 850 Meter) Autobusverbindung ab Komotau. Simmer, volle Ruhe finden kann. Während sie auf allen Gebieten tung hat beschlossen, dem Jubiläumsfonds zur bewunderungswürdige Fortschritte macht, ist sie Verteidigung des Staates einen Betrag von auf dem Gebiete der Politik in den alten Me- 50.000 Kč zu spenden. Der Deutsche Nachrichthoden der bewaffneten Selbst= tendienst" wird ersucht, festzustellen, daß für diebilfe stedengeblieben. Wenn heute, zwei Jahr- sen Antrag neben den deutschen Sozialdemokra zehnte nach dem großen und grauenhaften Weltenbrande, bereits wieder die flammenden Konturen ten, den Kommunisten und den Tschechen auch der neuer Kriege am Horizont auftauchen, so bleibt Vertreter des Bundes der Landwirte gestimmt hat. uns nichts anderes übrig, als den Völkern das furchtbare Geschehen von 1914 bis 1918 mahnend ins Gedächtnis zu rufen." ue haben und wieder etwas Arbeit bekommen. Benzel Dornaus, Komotau, Kohlstatigaſſe 10. Benſion, Duſch- und Wannenbad. Anmeldungen: In einem mährischen Ort wurde vor etlichen Da sagte ich zum Bater:" Vater, das kann Wenzel Dornaus, Komotau, Kohlstattgasse 10. ... als ich dieses furchtbare Wort des Kar- Wochen einem zwölfjährigen Mädchen, das im- ich nicht und tue ich nicht, und wenn Naturfreundehaus bei Stolzenhain( Keilberghütte). dinals von Wien und Heil Hitler" las, da hat mer mit großer Freude und innerem Zugehörig wir gleich Beide zugrundes 1040 Meter, volle Verpflegung, Zweibettzimmer. Brausebad. Anmeldungen: Karl Heidl, Stolzenhain mich die helle Wut gepact... Wir haben nun teitsgefühl an dem Spiel- und Bastel- gehen". 167. Naturfreundehaus in Neuhammer( 900 jahrelang durchgemacht, was euch noch bevorsteht. tur nen der Kinderfreunde" teilJahrelang hat man uns die Zeitschriften unter die nahm, von seinen Eltern, die dem GleichschalMeter) bei Karlsbad. Zimmer, volle Pension. AnTür geschoben, in denen das geistliche Kleid ver- tungsterror wichen, der Besuch dieser Stunden meldungen: Eduard Hierath, Karlsbad ,,, Graphia". höhnt wird, wie Christus vor Herodes. Am schred- verboten. Das Kind nahm trotzdem noch an Die Rumburger Zeitung", die Tagespension von Kč 22.- bis 29.-, reichliche lichsten war es während der Sittlichkeit einigen solchen Zusammenfünften teil, was die nach anfänglicher Widerborstigkeit sich schließlich gute Verpflegung. Auskünfte und Prospekte( auch prozesse. Einer meiner nächsten Confratres Eltern so lange mit Schlägen und dann mit doch Herrn Henlein völlig gleichschaltete, schließt über die übrigen Naturfreundehäuſer) durch die Naim Defanat, der ängstliche und gewissenhafteste dem Entzug der Mahlzeiten be- Sonntag ihren Leitartikel mit folgendem Saß: turfreunde- Ortsgruppen und Hausverwaltungen. Priester, den ich kenne, hat einen seelischen Zu- antworteten, bis das Mädel unter Tränen von ,, Wird die Generation der Jungen aus sammenbruch erlitten, als ihm die Verleumdung den Kinderfreunden" Abschied nahm. Dann dem furchtbaren Erlebnis des Weltkrieges Ier= ahte. Es war leicht für ihn, sich zu rechtfertigen, aber richtete die Zwölfjährige an die Frau, dic nen? Wir wissen es nicht! Man hat die Mensch- BdL- Vertreter stimmt für eine Staatsvertei. aber dergleichen läßt Flecke zurück, die nicht mehr dort die Aufsicht bei den ,, Kinderfreunden" führt. heit mit einem Schlummernden verglichen, der sich digungsspende. Die Schreckensteiner Stadtvertreentfernt werden können. Ich sie hier in meiner folgenden Brief, den wir mit allen findlichen von einer Seite auf die andere wälzt und keine schönen Pfarrei und darf mich nicht regen, wenn Fehlern abdrucken: in den Versammlungen der Partei das Häßlichste wider Kirche und Religion gesagt wird. Es ist bisBitte bringen Sie diese paar Beilen nicht in wveilen geschehen, daß die wilde Bande nachher am die Oeffentlichkeit. Nur wenn Sie wollen können Pfarrhaus vorüberzog, und ich mußte die wüsten so können Sie einigen Turnern und Turnerinnen Lieder anhören, die gegen Juden und Pfaffen ge- denen Sie Vertrauen schenken es lesen lassen nicht fungen wurden. Sage ich nur das geringste auf den Kleinen. Ich möchte es sehr bekom der Kanzel, so verläßt irgendein Pg. die Kirche men wenn sie es bei uns wüßten. und morgen kommt ein Wisch mit der Erinnerung Nun wird es Ernst in der Lage in der ich mich an den wieder ausgegrabenen Kanzelparagra- befinde. Ich darf nicht auf Reschen gehen und phen... daher auch nicht mehr turnen fommen. Und nun Als ich die Enzyklita ,, Mit brennender muß ich mich mit schweren Herzen von meinen Also der..Rumburger Zeitung" ist doch im Sorge" vorlesen wollte, meldete sich ein Gen- Turnern und Turnerinen trennen. Ich bin Ihnen merhin das Eine übriggeblieben, an das Grauen deswegen auch fehr dankbar für das Vertrauen, au erinnern. Andere gleichgeschaltete Zeitun- daß der neugewählte Bürgermeister und ein een Die Schule darf ich seit einiger Zeit nicht daß Sie mir geschenkt haben, auch für die Freuden gen tun nicht einmal das weil das ja die vertreter sich nach erfolgter Wahl zur Annahme der mehr betreten, auch nicht zum Religionsunter, die Sie mir erwiesen haben. Aber trotzdem gehe Begeisterung der irregeführten Jugend für ein Funktion bereit erklärten und mit furzen Worten für richt. Auf der Straße aber merke ich an dem ich jetzt nicht gleich zu den Gegner n. neues frisch- fröhliches Jagen dämpfen könntel das Vertrauen dankten, sowie versicherten, daß sie obLachen der Kinder, diefem infernalischen Lachen Und nun schließe ich mein Schreiben an alle, sowie Aber wie sollen die Jungen" denn selbst aus der jektiv und sachlich ihres Amtes walten werden. Als in einem Gesicht, in dem die Unschuld und der Vorturner und Vorturnerin, Schüler und Schü- Rumburger" etwas lernen, wenn sie Tag für mitten während des Wahlaktes ein SdP- Mann das Friede Gottes noch leben sollten, was diesen lerinnen mit einem träftigen, lebten Tag eine Politik gutheißt, die zum Kriege führen Wort zu einer Erklärung verlangte, wurde ihm das Kindern über ihren Seelsorger gefagt fein Freiheit!! müßte? muß. Diese Zeilen schreibe ich als Abschiedsworte für Es ist schon geschehen, daß man in Süd- die Zukunft." deutschland, aber auch anderswo Priester, die nicht ( Folgt die Unterschrift.) gewählt hatten, wozu sie übrigens feiner verpflich Es scheint uns, als ob es den Eltern dieses ien konnte, aus ihrer Wohnung gezerrt hat, daß Kindes nie gelingen würde, aus der kleinen freiman sie öffentlich als Landesverräter angepran- heitlichen Kämpferin eine Hakenkreuzlerin zu gert, beschimpft hat, daß man die Pfarrhä u- machen. ser demolierte... darm. Gesinnungshelden als Wo sind die Karlsbader Kurgäste? Das Tsch. P.-B. meldet: In BadSliač ist bereits Hauptsaison. Alle Kurhotels sind voll be est. Es fommen zahlreiche Gäste aus Marienbab, Franzensbad und aus Karlsbad sowie Auslandsgäste her. Der Präsident der Republik empfing am 14. Juli vormittags das Präsidium des Internationa Ten Komitees für Kunstgeschichte. Weiters empfing der Präsident JUDr. Vladimir Miša, dem vor einiger Zeit die feierliche Promotion wegen hervorragender Studienerfolge bewilligt wurde. Zur Bürgermeisterwahl in Seestadtl. Verschicdene Zeitungen teilen mit, daß der Regierungsfommissär bei der Bürgermeisterwahl in Seestadil sich weigerte, dem SdP- Vertreter das Wort zu einer Ers flärung zu erteilen. Das natürlich mit vollem Recht veriveigert. Der Regierungskommissär versicherte aber, daß er nach durch geführter Wahl seine Erklärung abgeben könne Troßbem verließen die SdP- Leute den Sizungsraum. Von einer Vergewaltigung der SdP Minderheit kann man also wahrhaftig nicht reden. Das ist der wehre Sachverhalt über Seestadtl. Sitzung der politischen Minister Donnerstag nachmittags fand eine Sibung des politischen Ministerkomitees statt, das unter dem Vorsitze Dr. Milan Hodžas die Debatte über die Nationalitätenangelegenheiten fortsette. Deutet diese Entwicklung nicht daraufhin, daß wir nur noch eins tun können, nämlich Ein Gewerkschafter schreibt uns: kämpfen, Widerstand leisten, ruhigen, starten, grundsäglichen Widerstand? Keinem von uns Im Grenzorte N.- die furchtbare Lage der wäre auch nur ein Haar gekrümmt worden, wenn geplagten Menschen gestattet uns nicht einmal, den alle einmütig sich in diese Prinzipienfront einge- Namen des Ortes hier zu nennen ist ein alter gliedert hätten. Nach und nach ist es aber soweit. Vater schon nach den Ereignissen des Jahres 1933 daß sich eine solche unsichtbare Front vom Dritten Reiche aus gezwungen worden, sich gebildet hat. Das Geschlecht der Brückenbauer ist aus dem Mitgliederverzeichnisse der sozialdemoItalienisches Verkehrsbei der einfachen Pfarrgeistlichkeit jedenfalls voll- ratiſchen Partei ſtreichen zu laſſen, wollte er af flugzeug ins Meer gestürzt nalozialisti i chen Arbeitsvermitt tommen ausgestorben, und auch die Bischöfe re- Gewerbetreibender nicht die letzten Kunden verden heute eine unzweideutige, apostolische Spra- lieren. Seine Gesinnung hat sich ungeachtet dies che, am meisten noch Erzbischof Gröber, der anses Schrittes nur noch gefestigt. Ein Sohn arbeitet Rom. Ein großes Verkehrsflugzeug der fangs, ähnlich wie Kardinal Innizer, es gern dul, bei ihm als Gehilfe und ist lediglich gewerkschaft- Flugstrecke Sardinien- Rom ist ins Meer gedeic, daß eine riesige Safentreuzfahne am Tom lich organisiert, wodurch er sich auch die Arbeits- stürzt. An Bord befanden sich 16 Passagiere und von Freiburg aufgezogen wurde. Und da kommen loſenunterstützung sichert, bis in die letzte Zeit 4 Mann Befagung. Nach den letzten Meldungen nun Sie mit dem und Heil Hitler" des Kardi- hat sich eine sogenannte völkische Gewerkschaft um wurden im Meer bereits mehrere Leichen aufgenals von Wien! das Elend dieser Grenzbewohner nicht gekümmert. funden. Das geschicht erst jetzt, wo mit diesem Elend der Menschen gute Parteigeschäfte gemacht werden fönnen. habe. werden? 20 Tote? Bomben auf Kanton: 150 Tote Arbeitsämter dürfen diese Stellen nur an solche Bewerber vergeben, die ihnen von den natio lungsstellen als verdiente Personen bezeichnet wurden. Eine Besetzung freier Stellen kann nur im Einvernehmen mit den Arbeitsämtern durchgeführt werden, wobei es den Arbeitgebern überlassen bleibt, die Auswahl unter den vorgeschla genen Bewerbern zu treffen. Vor dem Rücktritt Und da kommt dazu noch aus dem Sube des englischen Kriegsministers tenland ein Prälat Hilgenreiner, London. Der britische Kriegsminister Hore der sich rühmt, daß er schon mehrere Jahre hinMit den Gemeindewahlen, wo auch in die- Kanton.( Reuter.) Japanische Flugzeuge Belisha hat Mittwoch während 3½ Stunden vor durch dem Nationalsozialismus vorgearbeitet sem Grenzort der staatsbefannte SDP- Zirkus unternahmen Donnerstag früh einen neuen An- dem parlamentarischen Sonderausschuß, der mit ebenfalls einsetzte, den die hier geschilderten Ge- flug auf Kanton, wobei sie bei der Brücke über der Untersuchung der Affäre des Abgeordneten Lieber Confrater, tann solches verantwortet finnungshelden nicht mitmachten, setzt der volle den Perl- Fluß etwa 30 Bomben abwarfen. Un- Sandys betraut ist, seine Aussagen gemacht und Boykott der„ Volksgemeinschafter" gegen Vater gefähr 150 Menschen wurden getötet und etwa wurde Donnerstag neuerdings einvernommen. ... Wenn ich selbst in meiner feelsorglichen und Sohn hundertprozentig ein. An Arbeit ist 500 verlegt. Die Zahl der Opfer dürfte aber auch der Abgeordnete Sandys selbst wurde von Praris Tag für Tag feststellen muß, daß überall nicht zu denken, solange diese nationale Besoffen- wahrscheinlich größer sein, da der Stadtteil, in dem Ausschuß für Donnerstag vorgeladen. Hore der leibhaftige Satan am Werte iſt, heit nicht aufhört. Der alte Vater als Gewerbe- welchem die Bomben niederfielen, nicht geräumt Belisha, dessen unerwartete neuerliche Einverivo das Hakenkreuz erscheint, so kann mir nie- treibender steht ohne Einkommen mit seiner Fa- worden war. nahme im Unterhaus lebhaft erörtert wurde, mand dieses mein Wissen nehmen, zuallerleßt milie und einem kleinen, sicherlich nicht schuldenhatte im Laufe des Mittwoch nachmittags eine aber ein sudetendeutscher Kar d is freien Besib da, der Sohn behilft sich mit der Arlange Aussprache mit Chamberlain. Gerüchte na I. Aber da war ein Hangen und Bangen, und beitslosenunterstüßung. Kein Wunder, daß ein über seinen bevorstehenden Rücktritt werden in die Hölle erlebte mit Sohngelächter das Schau- solcher Zustand Situationen und Stimmungen zu Wien. Der Reichsstatthalter hat eine Ver- Regierungstreisen dementiert, jedoch wird eine iviel, daß kirchliche Würdenträger die ersten wa- Tage fördert, welche kaum wiederzugeben find in ordnung erlassen, in der neuerlich auf die Opfer baldige Unterhauserklärung über den Stand der ren, die die Hand zum Hitlergruß erhoben haben. ihrer furchtbaren Tragit, verbunden mit unerschüt- verwiesen wird, welche die Angehörigen der eheSandys- Affäre für wahrscheinlich gehalten. Treten wir nicht für den geschändeten terlicher Gesinnungstreue au einer sich errungenen maligen illegalen nationalsozialistischen Organis Menschen ein, wer soll es denn noch tun? Die Ueberzeugung. Unvergeßlich sind mir die schlich- sationen gebracht haben und in der es heißt, daß Britische Anleihe für Polen? Chinesen wenden sich an den Papst als den ten Worte des Kollegen, als er mir erzählte: es die Ehrenpflicht des Staates sei, diesen StämpAnwalt der Gerechtigkeit; die in Da cha u ge-„ Glaube mir, diese Tage sind wir manchmal bei- fern geeignete Stellen zu verschaffen. Es wird ird Warschau. Die Warschauer Blätter verzeich plagten Desterreicher können das nicht mehr, und sammen gesessen, ich und mein alter Vater, und deshalb angeordnet, daß das Landesamt und die nen Gerüchte über Verhandlungen betreffend die irenn sie es könnten, sie würden den Mut verlie- haben nachgedacht, wie das werden soll. An einem ihm untergeordneten Gemeindebehörden und Aufnahme einer polnischen Anleihe in England ren bei dem ,, und Heil Hitler" des Kardinals, das folchen Abend fagte mir mein Vater, der selbst öffentlich- rechtlichen Korporationen den Arbeits- für Elektrizitätszwecke. Die Anleihe soll fünf dämonisch furchtbar über diesem Meer von Blut von seiner Gesinnung durch nichts abzubringen ist,' ämtern alle freien Stellen bekanntgeben. Die Millionen Pfund Sterling ausmachen, Arbeitsplätze nur für Nazis Seite 4 Barcelona stimmt zu Freitag, 15. Juli 1938. Freitag, 15. Juli 1938. Mr. 164 free to the riferite the Jagesneuigkeiten In 91 Stunden um die Welt Barcelona. republikanische ReArische Weisheit gierung veröffentlicht ihre Antwort auf britische Note wegen der Zurückziehung der Freiwilligen. Sie erklärt darin, daß sie den Bürgerkrieg stets als eine innere Angelegenheit Spaniens angesehen und niemals etwas dazu beigetragen hat, Der deutsche Physikprofessor Dr. Bernhard B aSpanien zum Schlachtfeld eines Krieges verschien inf, der als Verfechter einer antimechaniſtiſchen dener Mächte werden zu lassen. Unter Betonung Theorie der Physik auch über die Grenzen Deutsch des wesentlichen und unleugbaren Unterschiedes lands hinaus bekannt ist, hat im Jahre 1933 ein zwischen den Freiwilligen" der Invasionsarmee, Buch mit dem beachtenswerten Titel„ Die Naturdie den imperialistischen Zielen ihrer Regierun wissenschaft auf dem Wege zur Religion" veröffent licht, in der er die Gelegenheit, seine wissenschaftgen dienen, und den wirklichen Freiwil- lichen Anschauungen als nationalsozialistische Weisligen, die sich aus freien Stücken und spontan heit zu frisieren, gehörig ausgenügt hat. Er erklärt unter die Fahnen der Republik eingereiht haben, da den Liberalismus und den Sozialismus für mes gibt die spanische Regierung ihre Zustimmung chanistisch, den Nationalsozialismus aber für„, orga zur vollständigen Entfernung der nichtspanischen nismisch", und da seine eigene Theorie organis Kämpfer. misch" ist, fühlt er sie durch Hitler und Hitler durch sie bestätigt. Es ist Herrn Prof. Bavink verhältniss mäßig leicht geworden, seine Wissenschaft mit dem dert niemanden, daß gerade Prof. Bavint sich mit Beichen des Hakenkreuzes zu versehen, und es wuneiner Schrift Die Naturwissenschaften im Dritten Reich" als Nünder des„ Umbruchs" in seinem FachNun stehen aber in dem erwähnten Buche Bas vinks Die Naturwissenschaft auf dem Wege zur Religion", das erst im vorigen Jahre eine Neuauflage erlebt hat, sonderbare Dinge. Bavint schreibt ( nach den Zitaten in der Zeitschrift für freie deut sche Forschung", die auf diesen bemerkenswerten Fall aufmerksam macht), daß Albert Einstein es war, der den ,, Abbau des mechanistischen Weltbildes" vorbereitet hat, daß Einsteins Relativitätstheorie den Menschen des neuen Jahrhunderts vorbereitet" hat, und Bavint nennt Einsteins Lehre ein Werk fruchtdaß zumindest Einſteins Lehre von der Energie auch barer konstruktiver Phantasie" und weist darauf hin, von den Gegnern der Relativitätstheorie zugestanden wurde und zum eisernen Bestande der heutigen Phyfit" gehört. Ja, Herr Prof. Bavint untersucht sogar die Gründe, warum Einsteins Theorie mit Haß verfolgt wird, und kommt zu dem Schluß, daß es aus Unverständnis geschicht. Herr Prof. Bas vint, der behauptet, die Ansicht, das Physische sei eigentlich etwas Geistiges, stelle eine..ura Ite Sarrion gefallen Valencia. An der Front von Teruel haben die Franco- Truppen Mittwoch im Morgengrauen den Angriff zu beiden Seiten der Straße nach Sagunto gegen Sarrion eröffnet. Die Regierungsgebiet betätigt hat. truppen mußten diese Stadt räumen und in der .Nähe neue Stellungen beziehen. Sarrion wurde vollkommen vernichtet. Die Regierungsflieger ha ben acht Franco- Flugzeuge der Type Fiat" abgeschossen. Spätes Kopfzerbrechen …… London.( Reuter.) Auf eine Anfrage im Unterhause antwortete für den Ministerpräsidenten Sir John Simon, der erklärte, daß die gesamte strategische Situation Gibraltars und seine Verseidigung mit Rücksicht auf die letzten Ereignisse in Spanien und in der Meerenge von Gibraltar eben Gegenstand sorgfältiger Studen des Reichsverteidigungsausschusses bildet. Die Japaner zurückgeworfen Erfolgreiche Kämpfe um Hankau Die chinesische Gesandtschaft in Prag stellt den Blättern folgenden Bericht über die Lage auf den chinesischen Kriegsschaupläßen zur Verfügung: Mittwoch eröffneten die rings um die Jangtseufer konzentrierten chinesischen Truppen einen gemeinsamen Angriff auf die Städte Hus fau, Bengtse und Matang, die vor einigen Tagen von den japanischen Truppen erobert worden waren. Bereits in den Nachmittagsstunden gelang es den chinesischen Truppen, einen Teil der Stadt Sutau zurückzuerobern. Mittwoch abends versuchten japanische Abteilungen die Stadt Klukiang an zugreifen, wurden jedoch zurückgeschlagen und in thre Positionen etwa 20 Kilometer nach Osten zu ridgeworfen. " riide Weishe i t" bar, beruft sich dabei auf die Vertreter der abstrakten Physit, unter denen er den Nichtarier W c h I nennen muß, und auf die Gestaltpsychologie". deren Begründer Mar Wertheimer und deren Hauptinterpret Ser mann Friedmann ist, dessen Buch„ Die Welt der Formen" der arische Weise Babink ein glän zendes Werk" und eine großartige philosophische Schau" nennt. Sollie Herrn Prof. Bavint unbekannt sein, daß Einstein, Wertheimer und Friedmann längst aus Deutschland vertrieben und aus der Wissenschaft des Dritten Reichs ausgemerzt sind? Sollte ihm unbekannt sein, daß nach Ansicht der Führer dieses Dritten Reiches die arische Wisheit vor allem darin be steht, alles, was von Juden stammt, als schlecht und fährlich zu erklären? Auch Herr Profeſſor Babink diesen Dingen gehört haben, aber er fah sich gezwungen, um seine wissenschaftliche Theorie von der Ueberwindung des Mechanismus zu begründen, sich auf Zeugen zu berufen, deren Anrufung die Theorie von der Ueberwindung des jüdischen Geis - einen Die Ausplünderung Oesterreichs ftes im Dritten Reich über den Haufen wirft. Wenn Die letzte Nummer der SS- Wochenschrift Herr Prof. Bavint und nicht nur er " Das schwarze Korps" bringt, wie der Berliner Bunten von geistiger Verantwortlichkeit hätte, müßte Korrespondent des" Daily Herald" berichtet, mal feine, auf den Prinzipien, die das Hakenkreuzs er offen bekennen, daß keine Wissenschaft, nicht eineinen Artikel mit der Ueberschrift:„ Desterreich regime vorschreibt, möglich ist. Aber Herr Prof. Ba ist kein Warenhaus". In diesem Artikel wird vint- und nicht nur er verzichtet auf dieses offen gesagt, daß überall in Desterreich Deutsche offene Bekenntnis. Er begnügt sich damit, feine if aus dem Reich Wolle, weißes Mehl, Leinwand senschaftlichen Leser mit Lobsprüchen auf Geächtete und andere Dinge, die in Nazi- Deutschland seit zu überraschen,- die Menge aber mag weiter glauTängerer Zeit nicht mehr zu haben sind, auf- ben, was die Führer ihr befehlen und als Wiſſenschaft hinstellen. Weltflieger Hughes in New York gelandet New York. Der Weltflieger Howard Hughes ist nach einer letzten Zwischenlandung in Minneapolis, wo er sich nur eine halbstündige Raft gönnte, programmäßig am Donnerstag um 14.34 Uhr Ortszeit auf dem Flugplay Floyd Bonnet bei New York gelandet, von dem er in der die Welt in 91 Stunden 16 Minuten absolviert. Die reine Flugzeit betrug 61 Stunden und 7 Mi Nacht auf Montag zu feinem Flug um die Welt aufgestiegen war. Hughes hat seinen Flug um nuten. Durchflogen wurde eine Strecke von 14.886 Meilen. Hughes hat damit den Rekord des ersten Weltfliegers Willey Post, der sieben Tage 18 Stunden und 49 Minuten gebraucht hatte, um fast genau vier Tage unterboten. menden Journalisten:„ Unser Erfolg freut mich sehr. Ich möchte aber nicht vom Hughes erklärte beim Verlassen der Flugzeugkabine den von allen Seiten auf ihn zuströNeuen beginnen. Ich werde ich baden, mich rafieren und aneffen." Hughes verließ um 19 Uhr in einem mit Blumen geschmückten Auto den Flugplatz. Sein Auto wurde auf beiden Seiten von Polizisten auf Motorrädern flankiert. Mehr als zwei Stunden vor der erwarteten| Tas Flugzeug wurde mit einem ungeheuren JuLandung Hughes' war der Flugplak Floyd Bonnet bel begrüßt, in den sich das Lärmen der Sirenen von einer Marineabteilung unterstützter Polizei- Landung ging ein leichter Regen nieder. Bürgervon ungeheuren Menschenmengen umlagert. Ein und der Autohupen mischte. Im Augenblick der fordon hielt die Landungsfläche fret. Die einzige meiſter Laguardia und der Präsident der interden Flugplak mit New York verbindende Straße nationalen Ausstellung Whalen traten in die Kawar von tausenden und abertausenden Autos bine, noch bevor die Flieger ausstiegen. Als letz überfüllt. Auf dem Flugplaße hatten sich auch der ter verließ das Flugzeug Hughes. Den Fliegern New- Yorfer Bürgermeister Laguardia, der Präsi- wurden Blumenförbe überreicht. dent der New Yorker internationalen Ausstellung Whalen, der Flieger Did Merril, die Eltern des Weltfliegers und andere Persönlichkeiten einges Zur Flugleistung Hughes' wird mitgeteilt, funden. Hughes landete um 14.30 Uhr Ortszeit. daß die Maschine lediglich eine Antenne verloren beim Niedergehen des Flugzeuges am Volant be- einen überaus empfindlichen Höhenmesser der Er lenkte das Flugzeug selbst und man konnte ihn hat. Associated Preß" teilt mit, das Hughes obachten. Als nach der Landung die Kabinentür amerikanischen Luftwaffe benüßte, der auf dem zeuge, wurde aber von der Polizei zurückgedrängt, ausprobiert wurde. geöffnet wurde, wälzte sich die Menge zum Flug- Weltflug zum ersten Male für größere Streden Howard Hughes bei der Landung in Paris Keine Olympiade in Tokio Tokio. Wie die Agentur Domei meldet, hat Kultusminister Kido den Entschluß der Regierung Bekanntgegeben, daß die für 1940 in Tokio angesezte Olympiade nicht stattfindet. Weitere Zunahme der Diphtherie in Böhmen. Die Zahl der Diphtherie- Ertranfungen nimmt in Böhmen weiter zu. Vom Jänner bis Mai wurden 12.482 Fälle gemeldet, gegen 9157 in der glei-. chen Vorjahrszeit. Heuer im Mai entfielen auf 100.000 Einwohner 219,8 Erkrankungen, voriges Jahr zur gleichen Zeit nur 183,3 Erkrankungen. ( DND) faufen.„ Es ist Tatsache", schreibt das Schwarze Korps", daß diese Gäste aus dem Altreich in Schlangen vor den Läden stehen, um weißes Havarie eines Militärflugzeuges Mehl zu kaufen und in Postpateten nach Hause Selbstmord eines Brüger Bantiers. In zu schicken." Sogar Zwiebeln, die gleichfalls in Prag. Am 13. Juli um 11.30 Uhr habas Vr ür beging der 58jährige Bankier Hugo Göring statt Dollfuß. Der Bürgermeister vielen Teilen des Altreichs nicht mehr erhältlich rierte bei Kojšovská, Bezirk Gelnica, ein Misi Langer am Freitag Selbstmord durch Erhän- von Wien ordnete an, daß der Dollfuß- Platz vor sind, werden in Oesterreich aufgetauft und in tärflugzeug, wobei der längerdienende Infangen. Der Beweggrund zu dieser Verzweiflungstat der Botivkirche in Hermann- Göring- Plaz umPaketen nach Hause geschickt. Das Schwarze terieunterleutnant Antonin Maňát ums Leben scheinen finanzielle Schwierigkeiten geweſen zu benannt wird. Korps" berichtet weiter, daß man überall in sein. In der leßten Zeit waren beim Bankhause Wiederauferstehung des Kopfhörers? Ein MusikDesterreich auch deutsche" Deutsche finden kann, kam und der Pilot- Gefreite Josef Šebesta mit Langer große Abhebungen erfolgt. Nach Informa- freund, der gleichzeitig Radioamateur ist, regt an, die cifrig Juwelen und Gold taufen. einer schweren Verlegung in das Landeskranken- tionen aus Banktreisen betragen die Aktiven der die modernsten Nekempfänger mit einer Anschlußhaus in Krompachy übergeführt wurde. Die Ur- Banffirma Langer etwa 12 Millionen, die Pas- büchse für Kopfhörer auszustatten, so wie diese be Waffenlager in Jerusalem entdeckt fache des Unglüdes wird von einer Militärfom- jiben nur 6 bis 7 Millionen. Der Rechtsvertreter reits Anschlußbüchsen für einen zweiten Lautsprecher der Firma hat die sofortige Aufstellung einer Bi- und Pick- Up besigen. Zur Rechtfertigung seiner Anlanz veranlaßt. Das Bankhaus bleibt vorläufig regung führt er an, daß er einen modernen Superhet bis zur Einäicherung des Verblichenen geschlossen. Empfänger besißt, den er zum Empfang der Meldun Ob die Firma, die auf einen 148jährigen Bestand gen und Vorträge verwendet. Will er hingegen ein zurückblickt, weitergeführt werden wird, steht noch nicht fest. Jerusalem. Die Sicherheitsorgane entdeckten in der Altstadt ein geheimes Waffenlager der Aufständischen. Gefunden wurden einige große Kisten mit Waffen, Munition und Bomben. Das heutige Programm der deutschen Sendung Brag- Melnik: 10.15-11.00 Kammermusit auf Schallplatten. 12.15 Pater Pilhatsch: Auf dem Gipfel des Fujijama. 18.00 Klavierwerke von Robert Schumann( Klavier: Friederike Schuvara). 18.10 Erivin Machunze: 20 Jahre Arbeiterbewegung in der Tschechoslowakei. 18.20 Sportbericht 18.25 Arbeitersendung. Aktuelle zehn Minuten. 18.45 Vortrag Dr. W. Brill über Nervosität als Zeichen unserer Beit. 19.00 Unterhaltungsmusit.( Gefang: Gertrud Brill, Klavier: R. J. Schubert.) 19.30 Sörfolge über das Fichtelgebirge von Fred Adorff. 20.00 Sum phonicfonzert. 20.45 vanzig Minuten Spannung ( G. S. Chesterton: Der Schuß im Spiegel). 21.05 Konzert der Tschechischen Whilharmonic( von Prag I). 21.55 Künstler- Anekdoten. 22.30-23.00 Tanzmusik ( Schallplatten). mission untersucht. Der Unterleutnant der Infanterie Maňát stammte aus der Gemeinde Louky und war 21 Jahre alt.( TNO.) Dreimal Eisenbahn gegen Auto Halle. Donnerstag früh stieß unweit des Bahnhofes von Trebsen ein vollbeseßter Autobus gegen einen fahrenden Eisenbahnzug. Bei dem Autobus explodierte der Benzinbehälter und der Wagen geriet in Brand. Fünf Reisende wurden auf der Stelle getötet, vier Schwerverletzte starben im Krantenhaus. Mehr oder weniger schver verlegt sind insgesamt 21 Personen. Bei Sosnowiec( Polen) wurde ein Auto vom Schmellzug erfaßt und 300 Meter mit fortgeschleift. Die Insassen des Kraftwagens, der Chauffeur und vier Beamte der Sozialversiche rungsanstalt in Sosnowiec, wurden auf der Stelle getötet. Großfeuer in Teplit- Schönau. In der Nacht auf Donnerstag brach in der Brauntöpferei Borsdorf in Tepliß- Schönau ein Brand aus, wodurch ein großer Teil der Objekte eingeäschert wurde. Die auf dem Brandplak erschienenen Feuerwehren mußten ungefähr vier Stunden tätig sein, um das Feuer zu löschen. Bei den Arbeiten wurde auch ein Mitglied der Teplitzer Feuerwehr verleßt. gutes Konzert abhören, so bedient er sich eines gewöhnlichen Detektorapparates mit Kopfhörer. Er gibt zwar zu, daß die musikalische Wiedergabe im Kopfhörer hinter dem im Lautsprecher zurücksteht. Aber der Kopfhörer hat den Vorteil, alle sonstigen Geräusche auszuschalten. Er wird bei Benutzung des Kopfhörers weder durch die Unterhaltung seiner besseren Ehehälfte mit einer Freundin noch durch den Lärm, den seine spielenden Kinder verursachen, von liebhabers hat etwas für sich, und vielleicht findet sich dem Konzert abgelenkt. Das Argument dieses Musikein Konstrukteur von Radiogeräten, der diese Anregung in die Wirklichkeit umsetzt. 1,000.000 Flugtilometer. Donnerstag nach Allmähliche Erwärmung. Ueber Mitteleuropa mittags wurde auf dem Flugplaße in Ruzyně bei seinem Eintreffen aus London der Pilot der erstreckt sich nunmehr ein Druckhochgebiet, unter Tschechoslowakischen Fluggesellschaft Kapitän Fr. dessen Einfluß die Bewölkung in unseren Gegenden Novotný feierlich begrüßt, der mit diesem abnimmt; vielfach ist es hier bereits ziemlich Flug 1,000.000 auf den Strecken der Tschecho-| heiter; troßdem steigt die Temperatur nur lang Die Staatsbahndirektion in slowakischen Fluggesellschaft zurückgelegte Flugs fam an. Auch in der Ostslowakei, wo es Donnerstag Königgräb meldet: Am Mittwoch um filometer erreicht hat. Diese Anzahl von Flug- nachmittags noch stellenweise regnete, kann für mors 19.36 Uhr stieß der Motorzug 6410 zwischen filometern bedeutet, daß der Pilot Novotný wäh- gen eine Besserung erwartet werden. WahrNixdorf und Rumburg mit einem Personen- rend seiner Wirksamkeit bei der genannten Flugscheinliches Wetter von Freitag: automobil zusammen. Das Auto durchbrach die gesellschaft rund 6000 Stunden hinter dem Volant In den böhmischen Ländern und in der Westslowati ( Ausgeschlossenen Bahnschranken und fuhr auf den des Flugzeuges verbracht hat, was fast 9 Monate schön, Erwärmung. Auch im Gebiet der Karfahrenden Zug auf. Der Lenter des Autos. ununterbrochenen Fluges bei Tag und Nacht bes pathen werden die Regenfälle aufhören und der HimRudolf P affig, wurde getötet, das Auto deutet; die zurückgelegte Strede ist 25mal so lang mel wird sich aufheitern, tagsüber erneut wärmer. zertrümmert. Der Motorzug wurde beschädigt wie die Länge des Aequators. Dem Piloten wurde-Wetteraussichten für Sam at a g und die Bahnstrede 1 Stunden lang blodiert, ein Lorbeerkranz überreicht. Im ganzen schön und ziemlich warm. Brünn: 18.00-18.20 Forstinspettor Josef PerTet: Wald in Gefahr! 1. Teil.( Waldbrandgefahr, Waldbrände, ihre Entstehung und Bekämpfung), Zwiegespräche zwischen Förster und Touristen fli: gler). 18.20-18.25 Otto Sedlar: Romantische Wanderung im Thayatal bei Bnaim. Mähr. Oftrau: Hella Wuhrmann: Woher fommen die Kinder, Klavierkonzert von Garda Frank. Nr. 16 t Freitag, 15. Juli 1938 Seite 5 klug UM 61« Veit von 6er Tschechoslowakei aus? Der neue, von Hughes aufgestellte Flug, rekord hat den Plan eines von der Tschechoslo- makei auS zu unternehmenden Fluges um die Welt auftommen lassen. Alü Pilot käme einer der tschechoslowakischen Flugakrobaten in Betracht. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, daß der Pariser Berichterstatter der„Lidovk Noviny" den eben kn Frankreich weilenden bekannten Mili- tärslirger Oberleutnant Noväk über die Möglich» leiten eine- solchen FlugeS befragte. Oberleutnant Noväk betonte, daß er den gleichm Flug wie Hughes ohne weiteres ausführen könnte, äußerte allerdings zugleich Bedenken«egen der kostspieligen und technisch komplizierten Borberritungrn für ein solches Unternehmen. Der Plan, eS auS- zuführen, besteht jedoch. Man denkt u. a. auch an eine Mithilfe der Industrie, namentlich der Auto», Flugzeugfabriken und der Benzin» und IpirituSindustrle. Man weist auf die propagandistische Bedeutung rinrS tschechoslowakischen FlugeS um die Welt, besonders während der jetzigen internationalen Lerhältnisse, hin. Dem wird allerdings entgegengehalten, daß sich die Mitwirkung des Staates vor allem auf dir technische Seite, dir Beistellung geeigneter Prrsön- lichkeiten und deS notwendigen organisatorischen Apparates, beschränken würde, so daß daS Aufbringen der erforderlichen finanziellen Mittel der privaten Initiative überlassen bliebe.(DRD). 20.000 Stück Vieh mit Maschinengewehren erschossen. In der südafrikanischen Provinz Natal wurde auf Grund einer Verfügung der Regierung mü dem Abschuß von ungefähr 20.000 Stück Vieh, daS an Maul- und Klauenseuche erkrankt ist, begonnen. Zu diesem Maffenabschuß werden Maschinengewehre benützt. ES wird befürchtet, daß die Eingeborenen große Not leiden werden, obwohl die Regierung eine Entschädigung von über 50.000 Pfund Sterling zugesagt hat. Rätselhaft« Epidemie in Jugoslawien. In Starä Beiei, unweit von Neusatz, ist eine unbekannte Epidemie aufgetreten, deren Symptome dem Typhus und der Grippe ähnlich sind. Blättermeldungen zufolge sind bisher etwa 600 Personen an dieser Epidemie erkrankt. Sie ist mit hohem Fieber von ettva 40 Grad und mit Schmeern im ganzen Körper verbunden, so daß die von ihr Betroffenen sich nur schwer bewegen können; außerdem verlieren sie den Appetit. Die Epidemie wird gegenwärtig von Fachärzten untersucht. Wiener RrttungSgesellschaft wird liquidiert. Die daS„Neue Wiener Abendblatt" mitteilt, wird die Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft liquidiert werden. Ihre Agenda übernimmt die Feuerpolizei. Die Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft wurde im Jahre 1881 nach dem Ring- thcater-Brand gegründet und war die erste Institution dieser Art. Nach ihrem Vorbild wurden dann Rettungsgesellschaften in anderen Städten gegründet. Die Freundin BiSmarckS gestorben. In dem Dorfe Kreuth in Südbayern starb im Alter von 85 Jahren die Gräfin Sascha Schlippenbach» eine der letzten Persönlichkeiten, die zum engeren Freundeskreis des„Eisernen Kanzlers" gehörten. Sie stammte aus einer Frankfurter Patrizierfamilie, in der auch Bismarck ost zu Gaste war, und weilte nach ihrer Verheiratung mit ihrem Gatten sehr oft in FriedrichSruh, dem Landsitze Bismarcks. Auf st« beziehen sich die bekannten Worte BiSmarckS:„Ich habe Ihrer Großmutter und Muttv. von Hof gemacht und nunmehr mache ich Ihnen den Hof." Ltellruiesrtzung. Im Bereich der StaatSbahn« direktion in Vilsen wird die Stelle eines Eilenbahn« distriktSarzteS in Nepomuk besetzt. Ordentlich gestempelte Gesuche sind bis 8. Auaust 1888 an die Staats« babndirektion in Pilsen, Abt. 2/4, einzusenden. Nähre Bedingungen im Amtsblatt. Bon der Masartzk-Fürsorgrrinnrnschule. DaS Gesundheitsministerium verlängert die Anmeldefrist sür deutsche Hörerinnen des neuen Lehrganges an der staatlichen Masarhk-Schule für Gesundheit-» und Sozialfürsorge in Prag bis zum 15. August d. I. Die gestempelten Gesuche der Absolventinnen von Mittelschulen, belegt mit einer Abschrift deS Reifezeugnisses, der StaatSbürgerschaftsbescheinigung, dem Taus- oder Geburtsschein und einem amtsärztlichen Zeugnis nimmt die Direktion der Schule in Prag XU., Ruskä 2881, entgegen, die auf Ersuchen auch nähere Informationen erteilt und gedruckte Prospekte verschickt. Arbeitslager für arbeitsscheue Elemente in Estland. Mitte Juli tritt ein Gesetz über die Arbeitslager für arbeitsscheue Elemente und Personen, die ihre Bürgerpflichten vernachlässigen, in Kraft. DaS Gesetz erstreckt sich auf Personen im Alter von 18 bi« SS Jahren, die nicht über 68 Prozent ihrer Arbeitsfähigkeit verloren haben und ihren Lebensunterhalt durch berufsmäßiges Betteln verdienen, auf unverbesserliche Landstreicher und Alkoholiker. Den Internierten wird ein Lohn gezahlt werden, der teilweise zur Unterstützung ihrer Familien verwendet werden kann. Als die schwerste Disziplinarstrafe im Arbeitslager ist für- Männer die körperliche Züchtigung(bis zu 25 Rutenschlägen) vorgesehen. Angeln zur Nachtzeit verboten. DaS Landesamt hat angeordnet, daß das Angeln zur Nachtzeit verboten ist. Geangelt darf nur bis 22 Uhr werden, und zwar vorläufig in der Zeit vom Juni bis August.- Gdingen: 120.000 Einwohner. Einer amtlichen Statistik zufolge zählte der polnische Hafen Gdingen am 1. Juli d. I. 118.541 Einwohner. Diese Ziffer ist ein Beweis für das rapide Anwachsen der Bcvölkerungszahl des polnischen Hafens. Flucht auS dem Dritten Reich.(Insa.) Wie die„Thurgauer Arbeiter-Zeitung" berschtet, wollte die KantonSpolizei Thurgau letzte Woche einen politischen Flüchtling auS Wien, der mit einem Motorrad In einem Ruderboot vom deutschen Ufer»achtS nach Arbon gekommen war, mit einem KurSschiff von Romanshorn wieder nach Deutsch- land zurückschickcnl Dem entschlossenen Eingreifen deS Grenzwachtchefs Romanshorn, der der Ansicht war, in Grenzangclcgenheiten habe nicht die Thurgauer KantonSpolizei, sondern die eidgenössische Grenzlvache zu entscheiden, gelang eS aber, die Auslieferung zu verhiWern und den Flüchtling über die westliche Grenze nach Frankreich zu schieben. Die deutsche Nanga-Parbat.Expedition ist durch einen starken Schneefall» der am 27.. Juni begann, sehr behindert. Das Lager, das sich in einer Höhe von 6200 Meter befindet, ist ohne jede Verbindung mit den übrigen Lagern. Das Lager wurde neuerlich durch Aeroplan mit Lebensmitteln und Heizmaterial verproviantiert. Die Besatzungen der Lager III und IV sind in das Hauptlager abgestiegen, nachdem sie in den Lagern Wachen zurückgelassen hatten. Sie werden im Hauptlager warten, bis sich das Wetter bessert. Ursache: Schilling— Reichsmark. Wie amtlich gemeldet wird, hat der Wiener Polizeipräsident erneut eine Reihe von Kaufleuten mit einer Geldstrafe bis zu 1000 Mark wegen Preistreiberei bestraft. In einigen Fällen wurde auch mit der Schließung der Geschäfte gedroht und ein Kaufmann wurde von der Gestapo verhaftet. Die Wiener Blätter veröffentlichen ganzspaltig die Namen der Bestraften. Es handelt sich vor allem um Textil-, Obst» und Gemiisefirmcn, Gastwirte, Fleischer, Bäcker und Zuckerbäcker. keine Unterwerfuns unter die Herrschaft ernannter Führer Gewerkschaftsbiitter Uber Nazismus un6 S6P Die GcwerkschaftSblätter befassen sich in letzter Zeit ausführlich damit, daß man den Arbeitern einzurcdcn versucht, die von der SdP gepredigte„Volksgemeinschaft" könne ihnen helfen. So schreibt der„Glück auf!"» daS Organ der Bergarbeiter: „Volksgemeinschaft" ist das Schlagwort geworden, das in letzter Zeit so viele erfaßt, und Agitatoren, die nie im Kampfe zwischen Arbeiter und Unternehmer standen, versuchen, dem Arbeiter nun glaubhaft zu machen, daß in solcher Formierung die Gegensätze überbrückt werden» die die Arbeiterschaft von den Unternehmern trennen. Wahrlich ein Beginnen, dar alltäglich an der Arbeitsstelle hundertfach widerlegt werden könnte, wenn jene Menschen die Zusammenhänge deS wirtschaftlichen und politischen Geschehens mit kritischem Blick überschauen würden. Sie wurden vor allem zu der Erkenntnis kommen müssen, daß in solcher„Volksgemeinschaft" der Arbeiter nur das Mittel zum Ztveck ist und als der wirtschaft« lich Schwächere niemals detz-notwendigen Einfluß in dieser Gemeinschaft gegenüber dem änderen Partner erlangen wird, der notwendig ist, um seinen Interessen zum Durchbruch zu verhelfen. Es ist eine Ablenkung von den Interessen der Arbeiterschaft, wenn die nationale Frage in den Vordergrund der Diskussion dieser„Bolks- gemeinschaftSbewegung" gestellt wird, die doch letzten Endes— wie uni die Erfahrungen der Vergangenheit lehren— nur den Unternehmern die entsprechenden Erfolge sichern. Wer könnte ermessen, welch ui^cheure Opfer der Wirtschaftskrise mehr am Kampfplätze geblieben wären, hätte«S in den letzten Jahren keine Gewerkschaftsbewegung gegeben. Diese Frage zu erwägen, ist vor allem Aufgabe jener, die da von den diversen Aufsehern, Meistern, Steigern und anderen Werksbeamten zum Beitritt zu dieser„VollSgemeinschaft" bewogen werden. Kann r» überhaupt im Interesse d«r Arbeiter fein, wenn Vertreter der Unternehmer« auf den Betrieben für eine Bewegung werb«, di« von den Unternehmern unterstützt und bevorzugt wird? Hat je ein Unternehmer etwas unternommen, das nicht zinSbringend für ihn sein sollte, und . erhofft er sich nicht auch von der Bewegung, die er da so protegiert, den nötigen Ruhen für ihn und seine Interessen? Wieviel Rot und Em«, der bchrungen zu lindern hätten dem deutschen Unternehmer die letzten Jahre geboten. Haben nicht deutsche Unternehmer den deutschen Arbeiter entlassen und ihn zum Hungern verurteilt oder Löhne reduziert und sonstige Forderungen der Arbeiter aufs brutalste abgelehnt?" «Der Textilarbeiter" wieder erinnert an dir Versuche, welche im alten Oesterreich gemacht worden sind, die Arbeiter von ihren sozialen Interessen abzulenken und schreibt dann über dir ähnlichen Bestrebungen der SdP von heute: „DaS bürgerlich-kapitalistische Führertum der SdP sieht ihr Haupt» und Endziel in der Ver- i wirllichung des braunen Faschismus, und zwar im Rahmen des Dritten Reiches. Letzteres gesteht «S zwar nicht offen zu, aber es ist trotzdem so. Was würde die Erreichung dieses Zieles für die Arbeiter bringen? Vollständige Rechtlosigkeit, Vernichtung jedes Mitbestimmungsrechtes, Aufhören jeden Einflusses auf alle Körperschaften in Staat, Land und Gemeinden, in denen Arbei- terintereffen zu vertreten sind, ZersÜrung der gewerkschaftlichen, politischen, kulturellen und sonstigen Organisationen der Arbeiter. Vollständige Unterwerfung unter die Herrschaft ernannter Führer und Herabsinken zum Sklaventum. Die Arbeiter würden in der„nationalsozialistisch«» Gesellschaft" aushöorn, Menschen mit eigenem Willen zu sein. Wer aber dennoch einen fteien Willen und eine eigene Meinung bekunden wollte, dem würden solche Anwandlungen durch die Gestapo in den Bunkern der SS und im Konzentrationslager gründlich auSgeirieben werden. In der alleinseligmachenden Volksgemeinschaft, mit der die SdP uns beglücken will, würde der Arbeiter kein Mensch, sondern lediglich Objekt der Anordnungen der diversen Führer sein. Vom Betriebe angefangen, in dem der Unternehmer als Betriebsführer fungiert bis hinauf zu den höchsten Stellen des Staates hätte er niemals das Recht, in bezug auf seine Interessen miibestinunend oder gar führend zu sein. Immer würde er von irgendeinem„Führer" geführt oder richtiger gesagt, kommandiert werden. Der Arbeiter würde in dieser Gemeinschaft zum Schaf degradiert, da« unter allen Umständen seinem von oben bestimmten Leithammel gehorsam zu folgen hat." Dieser klare und grundsätzliche Standpunkt GewcrlschaftSpressc ist sehr zu begrüßen. Einvernehmen über die Nur Rossen um 4 KC verteuert Prag. Die Festsetzung der Getreidepreise, die vor genau einem Jahr zu einer gänzlich unerwarteten Regierungskrise geführt hatte, ging Heuer ohne größere Schwierigkeiten vor sich, so daß zum ersteumale der BerwaltungSrat der Getreidcgesell» schäft sich am Donnerstag s e l b st über die Preise einig wurde und die Regierung, die ja genug andere Sorgen hat, mit dieser delikaten Frage gar nicht erst befaßt werden muß. Die Aenderun- gen gegenüber dem Vorjahr sind nicht bedeutend. Sie betreffen vor allem eine Erhöhung des R o g» genpreisesum4KL und kleinere Abänderungen der Abzüge und der Zeitzuschläge. In dem offiziellen Bericht wird hervorgehoben, daß die ursprünglichen Preisforderungen der verschiedenen JnteressenteNgruppcn im allgemeinen nicht stark von einander abwichen und von dem Bewußtsein der Notwendigkeit einer baldigen und zufriedenstellenden Lösung deS ganzen Fragenkomplexes getragen waren. Die Verhandlungen führ- ten zu einem vollen Erfolg. Dieser Antrag, dessen Durchführung von der Voraussetzung abhängt, daß die Bedingungen sür tzjg.MnlagorMg der eiserge« Weizenreserve die gleich«» wie bisher bleiben werden, enthält gegen den vorjährigen Zustand nachstehende Arnderun- gen: Bei Weizen ist der Ankaufspreis(Parität Prag) derselbe wie im Vorjahr, und zwar mit 164 KC, angesetzt, der WeizenverkaufSpreiS mit 182 KL, also um 50 Heller gegm das Vorjahr niedriger, der Beitrag deS Landwirtes, der vom GrundankaufSpreiS abgezogen wird, ermäßigt sich von 4 auf 2 KC? die Terminzuschläge werden insgesamt auf 6 von 8 KC im Vorjahr reduziert. Der RoggenankaufSpreis wird von 135 KL Parität Prag auf 130 KL erhöht, der RoggrnverkaufS- preis von 136 auf 140 KL, die Trrminzuschläge, die insgesamt im Vorjahre 8 KL betrugen, werden auf 5 KL herabgesetzt, wobei dieser Gesamtbetrag wie folgt verteilt ist: im September 2 KL, im Oktober 1 KL und in den weiteren 4 Monaten je 56 Heller. Die Gersten- und Haserpreise bleiben unverändert. Bei MaiS werde» der Ankaufspreis um 5 KL, der Verkaufspreis um 3 KL und die Zuschläge insgesamt um 3 KL reduziert. Dieser Antrag wurde stimmeneinhellig ange- Ole Lohnklassen-Statlstlk vom Mal 1938 Die Zentralsozialversicherungsanstalt veröf- ftntlicht soeben die Uebersicht über die Beschäftigung und die Versichertenbewcgung im Monat Mai. AuS der Einreihung der Versicherten in die Lahnklassen ist zu entnehmen, daß die günstige Entwicklung im Vergleich zum Vorjahre angehal- »en hat. Ueber den Stand der Versichertcnlöhne im Mai 1038 im Vergleich zum Mai 1035 und 1030 unterrichtet die folgende Tabelle. ES betrug der Anteil der Versicherten an den einzelne" Lohn klassen: Klasse 1088 1035 1080 Prozent der Gesamtversichcrten Mai 1 11.08 11.43 8.81 2 10.55 24.74 15.82 3 14.53 17.45 14.84 4 11.70 12.32 11.21 5 11.34 0.60 11.15 6 7.52 6.37 8.50 7 4.06 3.84 5.61 8 3.67 8.18 4.00 0 3.38 2.67 4.43 10 12.18 8.45 14.64 In den nied rigsten drei Lohnklassen waren nach im Mai 1038 45.16 Prozent der Gesamtversicherten versichert, lvährend ihnen im Mai 1080 nur 30.47 Prozent angehörten. 3n den oberen drei Lohnklassen waren im Mai 1038 10.28 Prozent versichert, lvährend es im Diai 1030 23.07 Prozent waren. Das Zurückbleiben der Versichertcnlöhne hinter dem Stand vom Mai 1080 ist also noch recht erheblich. Trotzdem scheint es, als ob das llufsteigen in die höhere» Lohnklassen schon sein Ende erreichen sollte. ES ist zu beobachten, daß seit Jahresbeginn der prozentuale Anteil der in der zehnten Lohnklasse Versicherten an den Gesamtvcrsicherten zurückgcht. ES waren in der zehnten Lohnklaffe, als in der höchsten, in Prozent aller Versicherten versichert: Jänner«■. 12.45% Feber.... 12.20% März«... 12.22% April.... 12.28% Mai 12.18% Wenn auch im Mai die Verschiebung auS den untersten Lohnklaffcn in die mittleren und höheren mit Ausnahme der zehnten Lohnklasse noch angedauert hat, so scheint die rückläufige Entwicklung in der zehnten Lohnklasse doch der Ausdruck dafür zu sein, daß an dem Widerstand des Unternehmertums die Aufbesserung der Löhne zum Stillstand kommt. Neuer Hlifsfonds-Entwurf? Das Landwirtschaftsministerium hat, Blättermeldungen zufolge, einen neuen Entwurf für einen landwirtschaftlichen Hilfsfonds auSgcarbei» tet. Darnach soll der beabsichtigte daniit verbundene KolonisationSfondS fallen gelassen worden sein. Die jährliche Dotierung soll auf 65 Millionen erhöht werden. Der Betrag soll durch eine Kunstdiingerabgabc, einen Beitrag deS Gctreide- »nonopols auS dem Verkaufe von Futtermitteln, ferner einen Beitrag aus den» Umsatzsteucrpau« schal der Spirltusgescllschaft, des Fonds für die Bodenreform und aus dein Ertrag der staatlichen Wälder und Güter aufgebracht werden. Bis der Entwurf vorliegen wird, werden wir dazu Stellung nehmen. ES scheint nur, daß er wieder, wie der vorhergehende, unannehmbar sein dürfte.' * Ständiger Rückgang der bäuerlichen Siedlung In Deutschland „Wirtschaft und Statistik" veröffentlicht die Zahlen über daö Ergebnis der bäuerlichen Sicd- lung 1037 in Deutschland. Daraus geht hervor, daß insbesondere die Zahl der Neusiedlungen stark zurückgegangen ist. Eö erfolgten 1785 Neubildungen von Bauernhöfen mit einer Fläche von 35.000 Hektar. Den Anlicgcrsiedlungc» wurden in 12.100 Fällen 22.800 Hektar zugcteilt. Folgende Uebersicht gibt Aufschluß über die Entwicklung dec letzten Jahre: Neusiedlungen Anlicgcrsiedlungen Zahl Hektar Zahl Hektar 1032 9.046 101,026 0.136 17.767 1033 4.914 60.207 8.480 17.047 1084 4.931 74,102 13.654 27.056 1935 3.905 68.338 13.156 23.145 1936 3.300 60.000 10.000 22.000 1937 1,785 ' 35.000 12,100 22.800 Als besonderer Grund für den Rückgang wird angeführt, daß das zur Verfügung stehende Land für andere öffentliche Zwecke gebraucht wird; wahrscheinlich für Kasernen, Flugplätze u. ä. Ferner wird auf die Verteuerung der Baukosten verwiesen, was allerdings bei anderen Bauten kein Grund zur Unterlassung ist. Man erhält für KS 100 Reichmark(Noten). . 568.— 100 Reichsmark(Münzen) e . 817.50 100 rumänische Lei... a . 19.45 100 polnische Zloty., . 546.50 100 ungarische Pengö., e . 623.50 100 Schweizer Franken. s . 663.50 100 französische Francs, ■ , 82.20 1 englisches Pfund.. .. 143.76 1 amerikanischer Dollar. U . 28.80 100 italienische Lire., ■ ■ 167.40 100 holländische Gulden. . 1597.— £ 100 jugoslawische Dinare, e . 64.80 Seite 6 Einiges Aufrichtige über die erste Flugfahrt Von M. G. Reta Es gibt arme Schlucker und beinahe arme Schlucker: erstere bevölkern die Kaffeehäuser auf dem Wenzelsplay in Prag, um bei einer Tasse Schwarzen befriedigt festzustellen, daß wir am Schlimmsten diesmal doch noch vorbeigerutscht jind. Die beinahe armen Schlucker aber kommen zu einem Genuß, den sie sich in normalen Zeiten nicht hätten träumen lassen: zu ihrer ersten Flugfahrt.( Von den Allerärmsten will ich lieber nicht sprechen!) Die Vorstellung der Luftkrankheit scheint vor dem Antritt des ersten Fluges in der Luft zu lie gen: wie der Baum für den Radfahrneuling übi sie eine magnetische Anziehungskraft aus. Um den Baum kommt der Nadfahrer meistens herum. Es empfiehlt sich, als erster die Stufen zum Flugzeug hinaufzusteigen so sieht höchstens die Bedienungsmannschaft, was für ein dummes Gesicht man macht. Die Mitpassagiere aber sehen nichts, denn erstens ist man von rücktvärts viel weniger ausdrucksvoll und zweitens sind sie genau so mit sich selbst beschäftigt. Wenn der Mensch Angst gehabt und sie dann überwunden hat, beginnt er zu essen: das und nicht die Vermeidung von Uebelteiten durch die Kaubewegung ist der wahre Grund für den Riesenkonsum an Lebensmitteln während einer turzer Flugfahrt. Frauen können das Essen gege= benenfalls durch andauerndes Reden ersetzen. Bei Kindern ist es schwer: entweder sie kommen mit einem endgültig verdorbenen Magen unten an oder man muß sie anders beschäftigen. : Dafür hat aber die Fluggesellschaft meines Erachtens nur mangelhaft vorgesorgt: außer der Büftungsklappe oberhalb jedes Sizes ist kein beweglicher Bestandteil des Flugzeuges erreichbar. Und diese Klappe mache ich nun schon hunderimal auf und zu, ohne daß etwas davon abgebrochen ist oder daß es mir jemand verboten hat. Also wo ist da die Sensation. Eine besonders sinnvolle Einrichtung ist der gut sichtbar angebrachte Höhenmesser. Es könnte doch vielleicht einer der Fluggäste weder essen, nech lesen, reden oder schreiben wollen( eigentlich unvorstellbar!). Dieser Gast kann sich dafür alle fünf Minuten davon überzeugen, wie tief er gegebenenfalls fallen kann. Das hat mit Angst nichts mehr zu tun es gibt einfach Statistiker unter den Menschen. Nichts leichter, als solche Menschen durch eine harmlose Beschäftigung zu erfreuen. Den Statistikern verwandt sind die Prospektmenschen. Diese nehmen sich gewöhnlich ihren Vorrat an Ware selbst mit, weil ja die Auswahl schon eine Vorfreude bedeutet. Wenn so ein Prospektmensch nicht im Gepäcknes über sich die Landfarten von ganz Europa liegen hat, freut ihn der ganze Flug nicht. Auch die Hotelankündigungen von den Orten, über die wir fliegen, werden mitgenommen, obwohl ja ein Aussteigen auf der Strecke nicht gerade häufig vorkommt, dan! unserer guten Maschine. Aber lacht mir nicht über die Prospetimenschen: sie sehen wenigstens etwas von der Gegend, über die wir fliegen. Wir anderen bekommen nur hie und da einen dunklen Fleck im weißen Wattameer zu Gesicht und dann steht dieses Stück Erde auch meist noch so windschief, daß man sich über nichts mehr wundert. Seit ich von Eingeweihten gehört habe, daß dieses Fliegen in der Watta die Regel ist, wundere ich mich auch nicht mehr, daß die Dinge auf der Welt drunter und drüber gehen: ich glaube nicht, daß der liebe Gott aus so großer Höhe oft flare Sicht bekommt. Es kann aber auch sein, daß er von dem ewigen Hinunterschen so blasiert geworden ist wie mein Nachbar, der sich schon beim Abflug die Zeitung vorbereitet hat, sie auf dem Bauch ausgebreitet liegen hat und schläft. Das Wort„ Entspannung" auf der Titelseite schaufelt dabei beruhigend hin und her; wäre statt dieses Bortes ein weißer Fled in der Zeitung, würde der Mann vielleicht nicht so beruhigt dösen. " Sozialbemokrat Prager Zeitung An alle Parteimitglieder! wußtlos auf der Straße liegen blieb. Er wurde auf die Klinik Jiráset gebracht, wo er mit einer Gehirn erschütterung und einem Bruch des rechten Schien, beins in Pflege blieb. An die Mitglieder des Atus und der übrigen Kulturorganisationen! Erschöpft auf der Straße liegen geblieben. VorSamstag nachmittags wird auf der Heßinsel ein Inselfest zugunsten des demokratischen Spa- gestern nachmittags fanden Fußgänger in der KönigGeorgsstraße in Wrichowiß einen alten Mann, der nien veranstaltet. Wir fordern alle Mitglieder der erschöpft liegen geblieben war und sichtlich au schvad Partei und der Kulturorganisationen auf, dieses war, um weiter zu gehen. Er wurde als der 74jah Fest zu besuchen und dadurch die Sache des helden- rige ehemalige Ziegeleiarbeiter Josef Pecina sichermütig fämpfenden spanischen Volkes zu untergestellt, der zuletzt in einer Notkolonie in Michle gestüßen. wohnt hatte. Der Greis wurde im allgemeinen Kranfenhaus unterfucht und dann in das Spital der Barmherzigen Schweſtern gebracht, wo er in Pflege Nicht weniger wichtig ist für uns alle die Gedenkfeier, die Dienstag, den 19. Juli, abends 8 Uhr, im Handwerkervereinssaale für Otto Bauer veranstaltet wird. Diese Gedenkfeier wird sich zu einer großen Manifestation für die Sache gestalten, für die Otto Bauer gelebt und gearbeitet hat. Die Bezirksvertretung. Gedenkfeier für Otto Bauer Dienstag, den 19. Juli, abends acht Uhr im Handwerkervereins- Saale. Redner: Dr. Robert Wiener Alle Sozialisten, alle Freunde der freien Wissenschaft kommen! Spanien! Spanien! Die Jugendkommission der Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spanien in der CSR. Prag II, Národni 35, veranstaltet am 22. d. M. anläßlich des zweiten Jahrestages des Ausbruches des Kampfes um die Freiheit Svaniens in der Lucerna einen großen Manifestations a ben d. Es sprechen 1. a. der Vertreter der spanischen Revublif. Luis Montagud Tormo und der Kommandant der 1. Fliegerabwehrbatterie der spanischen Volksarmee. Eintritt Kč 2.40, für Studenten Kč 1.10. reitag, 15. Sufi 1938. Nr. 164 Die Nacht vor dem Wiener Paẞamt Wer zählt die Völfer, nennt die Namen... Ein buntes Durcheinander, jung und alt, arm und reich. Sie alle stehen und warten auf das heute begehrteste aller Dokumente in Wien den Paß, der es ermöglichen soll, aus dem neu geschaffenen Paradies hinauszukommen... Einstein muß bei seiner Relativitätstheorie eine Nacht vor dem Paßamt verbracht haben. Es ist kaum glaublich, wielange so eine einzige Nacht dauern kann. Als Optimiſtin von jeher verschrien, bin ich erst am Abend um 10 Uhr hingegangen. Zur Strafe habe ich auch schon Nummer 83 be tommen... illegale Nummern, wie mir der junge Leidensgefährte, der sie mir gab, zu= flüsterte. Der arme Teufel stand schon die zweite Nacht. Er hatte tags zuvor einen Moment nicht Fingierter Einbruch. Vor einigen Tagen erftat- aufgepaßt, es drängte jich jemand vor ihn in das tete auf dem Bizlover Polizeikommissariat die 27jäh- Paßamt hinein, und er kam nicht mehr hinein. rige Hausmeisterin eines Hauses in der Husstraße, Denn just in diesem Moment schlug es zwölf Uhr M. S., die Anzeige, daß unbekannte Täter aus ihrer mittags. Nun gab er acht. Noch einmal zwölf bis Wohnung Wäsche und zwei Weder im Wert von vierzehn Stunden vergeblich stehen wollte er nicht. Kč 300.- entwendet hätten. Außerdem hätten sie und darum gab er die ,, illegalen" Nummern in der Wohnung des benachbarten Kürschners dre heraus. Elieb. de etc. im Gesamtvert von Kč 10.000.- geftoh Schlösser abgeschraubt und Betten, leberzüge, Be Im ersten Augenblick sieht das Warten gar Ten. Die Untersuchung ergab nun, daß der Einbruch nicht so böse aus. Aber dann wird es schön lang= in die Wohnung der S. fingiert war, und daß te sam talt und vom ruhigen Stehen wird man sehr selbst den andern Einbruch in die Wohnung des schnell müde. Auch die Unterhaltung wird sehr Seürschners begangen hatte; um ihre Angaben wahr erschwert, denn die Gasse ist schmal und die Leute scheinlicher zu machen, hatte sie dann auch einen Ein- ringsum wollen schlafen. Von Zeit zu Zeit kombruch in die eigene Wohnung vorgetäuscht. Die ge- men Wachleute kontrollieren, ob auch wirklich ftohlenen Sachen wurden alle in einem Verſted im alles ruhig ist. Aus der gegenüberliegenden WeinSeller gefunden und dem Eigentümer zurückgestellt; stube torfelt betrunkene SS heraus. Es wird in die S. wurde nach Pankrat gebracht. diesem Augenblick so ruhig, daß man die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören könnte. Dann ist auch der Spuk vorüber und die leise geführte Unterhaltung setzt von neuem wieder ein. Urania- Kino Da ist vor allem von jenem Mann die Rede, ..Ich suche einen Mann" mit Lucie Englisch, Joe Stöckl, Maria Paudler. 6. 149 Uhr. Montag: Unvergeßlicher Film! Rudolfo Vader bereits sein Evidefit für Amerika hatte. Er lentino in Die Kameliendame"! Vereinsnachrichten Aus Schreck vom Gerüst gesprungen. Vorgestern Ortsgruppe Prag: Sonntag, den 17. nachmittags trugen einige Arbeiter ein Gerüst vor Juli, Treffpunkt 7 Uhr früh Endstation einem Saus in der Leihamisgasse ab, wobei sich ein Pfeiler loderte und der Aufseher den Arbeitern zus der 5er in Hlubočepy, Wanderung nach rief, fie möchten sich in Sicherheit bringen. Darüber Radotin, Černošice, Kazim, Jiloviště, erschrat einer der Arbeiier, der 37jährige Josef TaZbraslav. Führer: Winterniß. In to use aus Nusle, derart, daß er als über unserer Hütte Demofrat" im Brdywald hat Dienst: Kopf drei Meter tief vom Gerüst sprang und be-| P 1 o 1. Der Wahrheitsdetektor bewährt sich MTP. New York.„ ,, Wich werden Sie mit Ihren Apparat nicht hereinleger, Herr Professor." Ich sehe schon, daß Sie ein Poker Face" haben. Aber gerade solche Leute liebt mein Apparat. Je stoischer und überlegener nach außen hin jemand scheint, desto mehr ist er empfindlich gegenüber der elektrischen Nadel, die alles registriert. Mit dem Mund kann man lügen mit den Nerven nicht." Das war mein Einführungsgespräch mit Reverend Walter T. Summers, Professor für Psychologie an der Fordham- Universität von New York, dem Erfinder des Wahrheitsdetektors. Mit diesem Apparat wird er die Kriminal- Psychologie und die Aufklärungsmethoden von Verbrechern auf eine vollkommen neue Basis stellen. Als er vor etwa zwei Jahren die Erfindung des Apparates bekannt gab und die ersten Versuche anstellte, lachte alle Welt, voran die Fachleute. Heute wird der Apparat nicht nur von der NewYorker Polizei und der einiger anderer Staaten von Nordamerika benugt, sondern ist bereits rich tig anerkannt und hat auch schon in Prozessen eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Halten Sie Ihren Apparat für unfehl bar?" fragte ich den Professor, der eigentlich ein Priester ist und den Apparat, wie er erklärt, nicht deshalb erfand, um Schuldige zu überführen, sondern um Unschuldige zu retten. Hie und da scheint aber doch die Erde auf. Ich bin überzeugt und glaube, den wissenAufreizend klein und aufreizend ordentlich liegen schaftlichen Beweis dafür geliefert zu haben, daß die Städtchen und Dörfer zu unseren Füßen. der Apparat fehlerlos arbeitet. Ich habe bisher Kindheitserinnerungen tauchen auf und ich möchte im ganzen 6000 bis 7000 Versuche unternom für mein Leben gern irgendeinen, noch so kleinen men, und in keinem einzigen Fall gab es einen Gegenstand hinunterwerfen. Mir würde ein Versager. Die besondere Verbindung elektrischer Kirschfern genügen- für andere müssen es Wellen mit bestimmten Nervenzentren des Untergleich Bomben sein. Das sind Unterschiede des arms, die die geringste Gemütsbewegung regi Formats. strieren, schafft einwandfreie Resultate. Es gibt Ich habe nichts hinuntergeworfen. Man hat niemanden, dessen Nerven nicht in dem Augenes mir nicht verboten, man hat es mir nicht er- blid, da er bewußt die unwahrheit sagt, eine laubt. Man hat es mir stillschweigend unmöglich Reaktion aufweisen, mag es auch eine unbewußte gemacht. Das finde ich empörend. sein aber eben diese Nervenbewegung notiert Die einzige Anordnung, die wir während der die elektrische Feder graphisch auf. Es handelt Reise empfangen, ist vor der Landung: Bitte, sich turz gesagt um eine Frage des inneren Gleich halten Sie sich an den Gurten fest." Dieser Text gewichts, und dieses ist nur vorhanden, wenn ein erscheint in Leuchtbuchstaben an der Stirnwand Mensch das ausspricht, was er im Augenblick für des Flugzeuges. Ich habe schüchtern nach den richtig und wahrhaftig hält. Kommen Sie, wir Gurten gegriffen, aber sofort losgelassen, als ich werden einen sehr einfachen Versuch machen. sah, daß die anderen den Rat mit betonter Ge- Hier" und Professor Summers wies auf ein Tassenheit ignorierten. Man muß doch nicht mer- paar auf dem Tisch liegende Photographien fen lassen, daß man ein Neuling ist. ,, tvählen Sie sich, während ich aus dem Zimmer gehe, eine davon aus, und der Apparat wird Sie nachher der Reihe nach fragen, welches von den Photos Sie sich gemerkt haben." Bei diesem Hinuntergehen habe ich mir still schweigend, aber sehr energisch gedacht: Jeßt ist's aber genug!" und seit langem wieder einmal die Erde da unten verlockend gefunden. Das hat dann später nicht lange angehalten, leider. sch war fest davon überzeugt, daß es der berteufelten Feder nicht gelingen würde, mich bei einer so geringfügigen Lüge" wie ich sie vorhatte, zu ertappen. Es ist schließlich ein Unterschied, ob man ein Kapitalverbrechen eingestehen oder leugnen soll, eine bestimmte Photographie jid gemerkt zu haben. Das Experiment begann. Zwei Metallblöcke wurden auf meine innere Handfläche gelegt. Drähte, die daran befestigt waren, führten zu einem Verstärker, der seinerseits mit einem Aufnahmeapparat verbunden war. Direft davor befand sich ein Bogen Papier, auf dem die elektrische Nadel die Reaktion aufzeichnen sollte. Summers nahm die Photos, hielt mir eines nach dem anderen vor und fragte, ob ich dieſes meinte. Ich antwortete jedesmal ,, nein", und die Nadel zeichnete eine gerade Linie. Das siebente Photo, das mir Summers vorhielt, war das, was ich gewählt hatte. Ich sagte wiederum" nein", völlig ruhig und kaltblütig, aber mit einem Rud ging die Nadel im gleichen Augenblick in die Höhe und zeichnete eine spiße Kurve. Summers warf einen Blick auf das Papier, lächelte und sagte: Nicht übel geschwindelt, aber meine Nadel betrügt man nicht. Dieses Photo hier haben Sie ausgewählt, da hilft kein Leugnen. Etwas beschämt mußte ich meine Niederlage eingestehen. Aber wenigstens telle ich diese Bla mage mit vielen hartgesottenen Sündern, die der Apparat überführte, wie auch mit Polizisten und Staatsanwälten, die ohne den Apparat Unschuldige verurteilt hätten. Und ich kann mich mit den Worten des New- Yorker Richters Colden trösten, der der erste war, der den Wahrheitsdetektor offiziell zuließ und der erklärte: sollte den Revers auf dem Paßamt unterschreiben, daß er nach erfolgter Ausreise deutsches Reichsgebiet nicht mehr betreten werde. Er erlaubte jich die naive Frage, ob diese Verpflichtung nur für die jetzige oder auch für die kommende Regierung Gültigkeit habe. Die Frage, zweifellos berechtigt, brachte den Armen statt nach Amerika ins Konsentrationslager... Mein Nachbar vertraut mir an, sozusagen als Kommentar hierzu, daß er, und wenn er gerade auf offener See sei, den Kapitän mit dem Revolver zwingen würde umzudrehen und zurüdzufahren, sobald der Funkentelegraphist die erste Nachricht von der neuen Regierung melden wulirde... Es bildet sich eine kleine Gruppe von Leuten, die politisiert und bespricht, was gewesen wäre tvenn aus. Eine Frau hat Butterbrote mit und teilt Ein anderer gibt Zigaretten und Feuer. Am begehrtesten sind die kleinen Klappsessel. Vielleicht acht bis zehn Stück sind vorhanden, aber wir sind mittlerweile es ist 1 Uhr geworden mindestens zweihundert. Eine zarte, kleine Frau jammert. Ihr ist talt, sie friert. Man tröstet sie:„ Sind Sie froh, daß Adolf nicht im Jänner gekommen ist!" Und die Nacht vergeht wirklich. Um 5 Uhr fängt es an zu regnen. Der Mann, der sich schon gestern angestellt hat, weiß hiefür einen Trost:„ Um 6 Uhr wird die Einfahrt geöffnet, dann können wir uns unterstellen." Ja, Schnecken! Es gießt in Strömen, aber geöffnet wird diesmal erst um 8 Uhr. Nach Durchquerung von zivci Höfen und ebensovielen Vorzimmern, nachdem man noch schnell ein Formular mit zwei Dußend Fragen ausgefüllt hat, kommt man endlich, truppweis, in Urania- Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. 3of sudie einen Jann Lachschlager, mit Lucie Englisch, Joc Stöckl, Maria Vaudler. das Allerheiligste, zu dem Beamten, der, nicht etwa die Pässe ausgibt, sondern der lediglich das Gesuch huldvollst entgegennimmt. Auch heute geht es nicht ohne Tragikomödie ab. Hunderte von Jahren hat man geglaubt, Mein Vordermann unterschreibt, daß er daß das Streuzberhör von Zeugen in einem offe- nicht mehr zurückkommen darf, mit dem Bemernen Gerichtsverfahren die beste Methode sei, die ten: Mit Vergnügen!" Erfolg: er wird vom Wahrheit zu erforschen. Doch ich bin der Ueber- Fleck weg verhaftet. zeugung, daß der Wahrheitsdetektor nicht nur Der Kommissar, nun etwas schlechter Laune, eine neue, sondern auch eine bessere wissenschaft- brüllt mich an: Heute ist doch Samstag, da wird liche Methode darstellt, dieser Wahrheit in einer Jehova teine Freude an Euch haben, wenn Ihr legalen Form auf die Spur zu kommen. Daß man Euch grad heute anstellt!" Ich gebe keine Antdagegen Einwendungen erhebt, wundert mich wort und er legt mein Gesuch gnädigst zu den nicht. Das Fingerabdruckverfahren, die Röntgen- andern... strahlen und alle anderen Untersuchungsmethoden Jezt hab ich für etiva vier Wochen Ruhe. wurden zu ihrer Zeit regelmäßig abgelehnt und Dann kommt die Benachrichtigung, daß ich bebekämpft und haben sich troßdem durchgesezt. rechtigt bin, den Paß zu beheben, wenn ich vor Dasselbe wird mit dem Detektor geschehen." zulegen in der Lage bin: Geburtsschein, Heimat Es wird trotzdem noch einige Jahre dauern, schein, Meldezetter, Steuerquittung... und noch bis der Apparat überall gefeßlich anerkannt sein ein halbes Dußend anderer Bescheinigungen. Und wird. Noch immer ist in den USA selbst die Oppo- das bedeutet, daß ich nun wieder erst, vielleicht fition start, und in den übrigen Kulturstaaten viele Wochen lang, Nacht für Nacht vor einem wird er radikal abgelehnt. Aber ich glaube, daß anderen Amtsgebäude wachen muß... man in zehn Jahren mit ihm so selbstverständlich Aber was tut man nicht alles, um aus dem arbeiten wird wie heute mit jenen Methoden, die Paradies Drittes Reich" hinauszukommen, in ihrerseits Jahrzehnte brauchten, bis sie legal an- ein weniger paradiesisches Land. gewendet wurden. George Sullivan. Gertrud Je IIe s. Beaugsbedingungen: Bei Rustellung ins Haus oder bei Beaua durch die Boft monatlich Kč 17. vierteljährig Kč 51.- halbjährig Kč 102. ganzjährig Kč 204.Inserate werden laur Tarif billigt berednet.-Rüditellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. Die Beitungsfrantatur wurde von der Post- u. Telegraphendirektion mit Erlak Nr. 13.800/ VII/ 1930 bemilliat( ontrollboftamt Braba 25. Drudersi: Drbis". Drud. Verlags- u. 8eitunas-.- 6. Craa h a m { Te COK2 a St