MIA TOV Aus dem Inhalt: Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Ginzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Brag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Giegfried Taub- Berantwortlicher Rebatteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang. Freitag, 5. August 1938 Die Republikaner vor Albarracin SdP- Schulungskurs auf Staatskosten Zur Frage des Gaskrieges Zwei Tote bei Insektenvertilgung in Reichenberg Nr. 182 Totengräber der Wirtschaft Grenzgänger Zehntausende Arbeiterexistenzen durch die SdP- Politik vernichtet oder gefährdet Nach einer Aufstellung der Bohemia" find seit dem Frühjahr 1938 nicht weniger als 176 Firmen, die früher ihren Sit in den deutschen Randgebieten hatten, in das tschechische Gebiet übergesiedelt. Darunter befinden sich nicht nur jüdische, sondern auch gut" arische" Unterneh mungen. Die sudetendeutschen Arbeiter verstehen sehr wohl, was dies bedeutet: nicht weniger als die Berewigung der Arbeitslosigkeit in den Randgebieten, nicht weniger als den dauernden Entzug der natürlichen und fast einzig in Betracht fommenden Erwerbsmöglichkeiten, die dem sudetendeutschen Arbeitsmenschen bisher zur Verfügung standen. versuchten. Für die Familie Betschek bedeutet der Berlauf der Gruben die Verfchentung der Die Aufrüstung des Dritten Reiches ist in eine neue Phase eingetreten. Sperrzonen an allen Grenzen, die fieberhaft befestigt werden, entziehen dem Binnenland Arbeitskräfte kann dem Volt das Verlorene zurückbringen. Bis in großen Massen. Erdarbeiter und Maurer es wieder sehend geworden sein wird, wird es durch bauen Befestigungen an den Grenzen, im Innern die antisemitischen und anderen nationalsozialis des Landes macht sich Arbeitermangel bemerkbar. Das so entstehende Vakuum saugt begierig ſtiſchen Phraſen hindurch die wirtschaftlichen Trümmerhaufen sehen, die den Sudetendeutschen sudetendeutsche Arbeitsträfte auf. In allen Grenzbezirken fann beobachtet werden, daß die Zahl der die Politik der SdP beschert hat. Grenzgänger auffällig steigt. Aus fleinen Bes zirken sind hunderte, aus größeren tausende Menichen ins Reich auf Arbeit gegangen. Im ganzen zählen sie zweifellos nach zehntausenden. Sie sind unmittelbar Nuznießer, von einem höheren Gesichtspunkte betrachtet aber Objette der cutschen Rüstungstonjunttur in ihrem aftuellsten Stadium. Fleißige Hände sudetendeutscher Men schen helfen die Kriegsrüstung vollenden, die sich, wenn es der europäischen Staatskunst nicht gelingt, tas Unheil abzuwenden, gegen ihre Heimat wenden kann. Denn Konrad Henlein hat in Breslau noch einmal erklärt, daß er Staatstreue und Voltstreue in Einklang bringen wolle. bewährten Quelle ihres Reichtum 8, beren Kapazität noch nicht einmal voll ausgenütt war, und den Verzicht auf ein Vielfaches deffen, was die Živnostenská banka ihr gab; für den fubetendeutschen Bolts- und Siedlungskörper einen ungeheueren Schaden, denn nicht bloß die frucht. Die Verantwortung für das Geschehene, für tragende Scholle, sondern auch die in der Erde ruhenden Schäße verlangen den Bodenschutz und das Verlorene wird der SDP- Führung niemand der Uebergang der beiden großen Bergbaugesell- abnehmen, am allerwenigstens wir. Statt der Eri schaften in die tschechische Hand ift nicht weniger stenzsicherung des Sudetendeutschtums erblickt die schlimm, als der Verlust von tausend Bauernhöfen Sdß ihre Aufgabe darin, den Berliner Machtes gewesen wäre." politikern zu gefallen. Aber die Stunde kommt, da fie für dieses Verbrechen an unferer Arbeitergeneration und den kommenden sudetendeutschen Arbeitergenerationen wird Rechenschaft geben müffen! Die Unglüdslawine scheint nun im Rollen zu sein und keine schlechten Wiße der Zeit" über den„ Lord Runzelmann", aber auch fein noch so weitgehender Paragraph des Nationalitätenstatuts Die Uebersiedlung der jüdischen Firmen ins tschechische Gebiet ist allein der antisemitischen Bropaganda zuzuschreiben, die von der SdP betrieben wird. Ununterbrochen ertönt der Ruf: Juden hinaus!" Und wenn die Juden diesem Muf nachkommen, büßen tausende sudetendeutscher Arbeiter mit dem Verlust ihrer Existenz für die „ borbildliche" politische Arbeit der Sdp- Boltsrets ter. Die arischen Unternehmungen sind zum Die Zahl der gemeldeten Arbeitsuchenden ist im Juli von 224.170 auf 184.167 zurückgeallergrößten Teil der SdP bedingungslos dienstbar, und die maßgebenden Leute dieser Unterneh- gangen. Eine Reihe von günstigen Umständen, vor allem aber die voll einsehenden Erntearbeiten, mungen nähren direkt oder indirett jene Flüfter haben eine Senkung um 40.003, das ist mehr als ein Sechstel( 17.8%) zur Folge gehabt und propaganda, die da wissen will, daß unserem Lande bewirkt, daß zum erstenmal im heurigen Jahr die Arbeitslofenzahl kleiner als im Vergleichs. feine lange Existenz mehr beschieden sein werde. monat des Jahres 1931 ist. Dieses Jahr wurde zwar auch schon 1937 unterboten, doch war dies Die Bitfen Unternehmer, die ihre erft in Oktober der Fall, während heuer das sünftigere Berhältnis um brei Monate früher erBetriebe ins Tichechische verlegen, reben ben freicht wurde. Bedeutungsvoll wird der lekte Arbeitsmarktbericht aber vor allem baburch: Er zeigt detenbeutschen Arbeitsmenschen etwas ein ober helfen ihnen etwas einreben, was fie felber nicht glauben. Während sie, die Unternehmer, ihre Schäfchen ins Trodene bringen und im tfchehismen Gebiet fröhlich weiterprobusieren mit tfchechischen Arbeitern, versteht sich, ſchen die Arbeiter hungern und traurig die Gr. Aebnisse der gewiffenlofen SbP- Flüfterpropaganda vor sich, und noch ihre Kinder und Kindeskinder werben für die Gewissenlosigkeit der völlischen Führer von heute mit der Unsicherheit der Existenz bezahlen müffen. Arbeitslosenzahi unter 200.000 Rückgang Im Jull um 40.000 Stand von 1931 unterschritten sum erftenmal feit 92 Monaten eine Arbeitslosenziffer, bie kleiner als 200.000 ift. Seitdem im Dezember 1930, also vor fiebeneinhalb Jahren, die Zahl der Beschäftigungsløsen erstmals von 155.000 auf 240.000 gestiegen war, ist sie nic mehr unter 200.000 gesunken und es schien Jahre hindurch, daß dieß überhaupt nie mehr möglich fein werde. Wir können uns der lehten Entwicklung als eines Beweises dafür freuen, daß die tschechoslowakische Gesamtwirtschaft sich auch in der letzten Depreffion Aufstiegsmöglichkeiten erhalten hat und das Sonderproblem der deutschen Gebiete und ihrer Industrien so günstigere Lösungsvoraussetzungen besitzt. Kampfpause im Osten Bon dem gleichen Gesichtspunkt ist der Ver- m lauf des Petschet Besizes an den RivnoKonzern zu beurteilen, wenn auch die Schuldigen an dieser Transaktionen von ihrer Schuld jest nichts wissen wollen. So haben die gleichgeschalteten Beamten des Konzerns erklärt, die Festfrellung ihrer Mitverantwortlichkeit sei ein haltlojes Geschwäb". Unbestreithar aber ist die Tats s Japanischer Kompromiẞvorschlag Moska u.( Reuter.) Japan hat die Bedin- genaue Demarkierung der Grenzen in diesem Gebiete durchführt. sache, daß es der Firma Betschek nicht eingefallen gungen für die Erledigung des Grenzkonfliktes wäre, ihren Besitz zu veräußern und durch diese mit der USSN bekanntgegeben. Die vom japaniBeräußerung tausende deutscher Arbeitspläße zu gefährden, wenn sich die politischen Verhältnisse fchen Botschafter in Moskau heute dem Bolts im sudetendeutschen Gebiet durch die Schuld der kommiffär für Aeußeres Litwinow vorgelegten SdP, und damit auch der gleichgeschalteten Beam- Bedingungen befagen: len, nicht so augespitzt hätten. Es ist bekannt, daß den legten Anstoß zur Besikveräußerung bei 1. Japan räumt das Gebiet um den strittiBetschel jene Mai- Rundgebung der Sbẞ in Aussia sen Berg Tschan- ku- feng. gegeben hat, bei der der ganze Beamtenstab der 2. Sowjetrußland verspricht, diese Gegend Firma Betschet, antisemitische und antidemokra- nicht neuerlich zu befehen. tische Parolen ausrufend, begeistert und hervor ragend mitgewirkt hat. 3. Der fo geschaffene neutrale Gürtel bleibt fog in Gültigkeit, bis eine zuständige Kommiffion die mindedligins of a Der erste Tag Lord Runcimans Der erste 1 In Moskau werden diese Vorschläge als ein Kompromiß betrachtet, auf deffen Grundlage die Einstellung der Feindseligkeiten ohne Prestigever. lust der einen wie der anderen Seite möglich wäre. Aber die fudetendeutschen Arbeiter im Drit ten Reich sind auch Objefte der nationalsozialisti schen Propaganda. Der Arbeiter, der zwei Drit iel seines Lohnes zu einem besonders günstigen Surje zehn bis elf Kronen für eine Reichsmart umwechseln und seiner Familie heimsenden oder selbst in der Tschechoslowakei mit ihren billi gen Preisen und ihrem Reichtum an Lebensmitteln verbrauchen fann, ruft hier die Vorstellung von einer großen Wirtschaftsblüte im Deutschen Reiche hervor. Dort herrscht noch immer Not an Arbeitsgelegenheiten. immer heit, gut bezahlte Arbeit, hier zugleich wird den fudetendeutschen Proleten die Macht der Boltsgemeinschaft augenfällig vor demonstriert. Ohne SdP- Legitimation gibt es natürlich keine Arbeit im Reich. Die SdP Sekre tariate find die Arbeitsvermittlungsstellen. Wer feine Kinder nicht um Eristenzmöglichkeiten brin gen will, muß feine demokratische Gesinnung vers leugnen. An sozialistische Vertrauensmänner tritt die Lockung, tritt die Drohung heran. Das stille Heldentum der Braven, die solchem Druce wideritehen, tritt lange nicht so sichtbar in Erscheinung wie die Tatsache, daß der Sozialismus der Tat" Arbeit und Eristenz schaffen kann. Denn die Schattenseiten sehen die fudetendeutschen Menschen nicht. Wer freilich tiefer drin im Lande arbeitet, merkt die Teuerung. die Knappheit, die schlechte Qualität der Lebenss mittel. Für ihn verliert das Tritte Reich rasch seinen Glanz. Auch als Lohndrücker werden die Sudetendeutschen ausgenüßt. Ungemein charakteristisch ist ein Bericht aus einer bayrischen Glasfabrik: Man macht keinen Lohnabbau, sondern bringt neue Mufter von Waren. Diese gibt man zuerst den fudetendeutschen Arbeitern und setzt bafür einen Akkordlohn fest, bei dem diese Arbeiter erheblich weniger verdienen als vordem. Nach ein oder zwei Wochen bekommen auch die reichsdeutschen Arbeiter diesen Artikel in Arbeit zum gleichen Lohn, denn wenn der Böhm'" mit dem Lohne zurecht kommt, muß auch der Deutsche da mit zurecht kommen." Bum Unterschiede von den im Volfe verbrei teten Ansichten glauben ausländische Beobachter in Moskau nicht, daß der Sowjetverband einen Strieg für unausweichlich hält, mag die Situation auch zweifelsohne ernst sein. Der japanische Bots schafter Schigemitsu hatte Donnerstag nachmittag eine zweistündige Unterredung mit dem Bolts- Aber die geschäftige SdP- Propaganda wirkt auf tommiffär für äußere Angelegenheiten Litwirow. die daheimgebliebenen Frauen ein, daß sie ja nichts davon verlauten lassen, wenn die Männer flagen! Bugleich reißt dieses raffinierte System eine Die Methode, lediglich die Wirkungen Au bedauern, aber die Ursachen zu übersehen, ist leineswegs geeignet, dem sudetendeutschen Bolt einen Weg zu feiner Eriftenaficherung zu zeigen. Lord Runciman wird, wie die Bohemia" tiefe Kluft zwischen den Arbeitern auf. Der Es handelt sich jest ber 6b3 fur bara en melbet, in den allernächsten Tagen auch eine Dele- Böhm", dem man weniger Abzüge macht, den Bernebelungsversuch zu unternehmen, Pras. Das Sekretariat der Miſſion des gation der Deutschen fozialdemokratischen Arbei- man in der Krantentasse, bei Zahnreparaturen, bei der die Folgen ihrer gewiffenlosen, wirtschafts- Lord Runciman hat Donnerstag folgendes Rom- terpartei unter Führung des Abg. 3ath Unfällen mit besonderer Bevorzugung behandelt, und vollszerstörenden Politik verdeden soll. Nicht muniqué verlautbart: Lord Runciman stattete empfangen. auf daß die Sdẞ damit in der Tschechoslowakei toir, sondern die gleichgeschaltete" Brüger heute in Begleitung feines Stabes offizielle Brag. Donnerstag nachmittags fand eine res, des passes.„ Die reichsdeutschen Arbeiter Beitung hat die Bedeutung der Betidjet e fuche beim Bräsidenten der Republik, beim Brag. Donnerstag nachmittags fand eine gitation treiben könne, wird Gegenstand des Neis Transaltion und deren Ursachen in folgenden Ministerpräsidenten und beim Minister des Sizung des politischen Ministerkomitees statt, der reden gar nicht mit uns", berichtet eine Frau aus Borten festgestellt: Aeußeren ab. Hierauf gab er auf dem Altstädter auch der Minister des Aeußeren Dr. Kamil einer böhmischen Grenzstadt. Was wissen unsere Rathaus eine Bifitkarte für den Primator der Kroft a beiwohnte. Hitlerbegeisterten davon, wieviel glühender Haß Betfchers waren nicht Deutsche im völlischen binter der glänzenden Fassade der Boltsgemein Sinne; als Juben konnten fie es nicht fein und Sauptstadt Brag ab. Um 5 Uhr nachmittags empschaft" schwelt! ber antisemitisme Charakter ber beutschen völkischen fing Lord Runciman im Hotel ,, Alcron" die MitBewegung erlaubt nicht einmal, ihnen aus ihrer alieber der Delegation der Subetenbentschen BarAber der tschechoslowakischen WirtschaftsHandlung einen Borwurf su machen; in einem tei, den Abgeordneten Kundt, Dr. Sebekowski, den und Sozialpolitit erwächst aus diesen Dingen eine grundfählichen Kampf fallen fchließlich die Rüd- Abgeordneten Peters und Dr. Schicketanz, die Baris. Außenminister Georges Bonnet große und unabweisbare Aufgabe. Im Wins Roten und ein Gegret ett bann bem anderen Lorb Runciman einen& if I i te it be hatte Donnerstag gegen Abend mit dem tschecho- ter werden die Männer wieder baheim fißen, arnichts mehr verübeln. Die Betfibers find teine fuch abſtatteten. Es wurbe befchloffen, daß die flowakischen Gesandten Dr. Ofufts eine unter Deutschen, aber sie waren auch keine Feinde bes Bertreter der Sudetendeutschen Partei noch redung. Beide Staatsmänner tauschten ihre Deutschtums und haben bem beutfchen Sergarbeiter Brat gewährt, ohne abends mit dem Stabe des Lord Runciman Anschauungen über die aktuelle internationale poUnterschiebesu machen und ohne fich dem aufammenkommen und ihm Memoranda var litische Lage, hauptsächlich über das tschechoslowaDrud zu unterwerfen, ben bie Grenglerpresse und legen, die den Standpunkt der Sudetendeutschenfche Problem aus, wie es sich nach der Ankunft tichechische nationale Organisationen auszuüben Partei darlegen. bes Lord Runciman in Prag barstellt. 1 Osuský bel Bonnet 1550 beitslos und ohne Goffnung, und wieder wird das Dritte Reich ein Reich der Hoffnung für tausende Sudetendeutscher sein. Tarum gilt es, teine Ges lcgenheit zu verfäumen, um den Menschen in unserem Lande Arbeit zu verschaffen, die ihnen die schöpferische Kraft der Demofratie zeigt, Gelte 2 Freitag, 5. August 1938 Ste.l8> denen Tage ««fle nnt nördlich von Landes«. Die Franco-Truppen stießen überall auf hartnäckigen Widerstand der Republikaner, die Feit zu einer starken Befestigung dieses Abschnittes hatten. Rach den in Barcelona eingclangten Nachrichten hat der Gegenangriff der Franco-Truppen bisher noch nicht seine volle Entwicklung erreicht. Bon den rasch herbeigerufenen Berstärlungen aus anderen Abschnitten der Front konnten bisher noch nicht alle in die Aktion ringreifen/ Die fast ausschließlich aus Marokkanern bestehenden Angriffswellen stürmen bisher hartnäckig oegen die Regierungspositionen an. In den drei Tagen seit der Eröffnung der Gegenangriffe der Aufständischen konnten diese bisher keinerlei Vorteile erzielen. Barcelona.ut, Unterwürfigkeit, er war der Organisator der österreichischen Angestellten, er tvar viele Jahrzehnte hindurch ihr Führer im Kampfe um ein menschenwürdiges Dasein, um bessere Arbeitübedingunqen. Nun ist er, einundsiebzig Jahre alt, in Wien gestorben. Vorige Woche erlitt er einen Beinbruch. Auf dem Krankenlager brach ein alte» Lungenlei« den wieder aus, an: Mitttvoch ist er verschieden. Wie so viele Vorkämpfer der österreichischen Arbeiterbewegung stammte auch Karl Pick au» den Sudetenländern. JnPeekybeiKolin wuide er geboren, kam aber schon al» ganz junger Mensch nach Wien, wo er Lehrling bei der Firma Gerngroß wurde. Al» junger Gehilfe schloß er sich der jungen sozialistischen Bewegung an, die unter Victor Adler» kluger Führung damals sich rasch zu entwickeln begann. Pick war e« vor allem darum zu tun, seine Berufskollegen ihrer Schicksalsergebenheit und ihrer Aufstiegsgläubigkeit zu entreißen, sie zu Kämpfern zu machen. So wie heute war auch zu Beginn der neunziger Jahre ein Großteil der Angestelltenschaft de« Glaubens, etwa» andere», Höheres zu sein als Arbeiter, und den Angestellten schien er geradezu frevelhaft, so wie die Arbeiter kürzere und genau festgelegte Arbeitszeit zu verlangen, den freien Sonntag zu fordern,— nicht wenige Angestellte fühlten sich al» Vertrauensleute der Ches» und außerdem glaubten sie fest an ihren sozialen Aufstieg. Karl Pick, der ein glänzender und ungemein satirischer Redner war und über hervorragende« Organisationsgeschick verfügte, vermochte große Massen der Angestellten für den Organisationsgedanken zu gewinnen und er führte die Organisierte in viele erfolgreiche Kämpfe. In ganz Oesterreich erregte dieEroberungderDie- nerGremial-Krankenkasse nach heftigstem Wahlkampf gegen den christlichsozialen Führer A r m a n n größte» Aussehen. Der Sieger in diesem Kampfe, Karl Pick, konnte nun die von ihm begründete Organisation in ganz Oesterreich ausbauen. Auch in den sudetendeusschen Städten, aber auch in Prag und Brünn, hat er wiederholt gesprochen, auch in den Sudetengebieten hat er die Angestellten organisiert und an die Seite der Arbeiter geführt. Nach dem Kriege wurde Karl Pick Mitglied des österreichischen Parlamente». Die letzten Jahre hat er in stiller Zurückgezogenheit verbracht. Nun hat den Müden, der Tod hinweggr- fiitzrt aus einer Zeit, in der sein Werk zerbrochen schien. Aber es ist nicht zerbrochen! Wohl gibt es in Oesterreich seit 1934 keine freie Angestelltenbewegung mehr. Aber man kann doch den Angestellten nicht mehr alle die Errungenschaften nehmen, die sie unter seiner Führung sich erkämpften. Die Sonntagsruhe ist heute doch eine Selbstverständlichkeit. Und hier, in unserem Lande, lebt P'ck» Werk fort in unserer freigewerkschaftlichen Angestelltenorganisation. Freilich, die jüngeren Angestellten wissen nicht viel von Karl Pick. Aber e» kommt nicht darauf an, daß ein Name weiterlebt, sondern darauf, daß ein Lebenswerk besteht. Pick» Werk aber besteht: der soziale Schutz der Angestellten. Sein großes Ziel aber, die feste, dauernde Verbindung von industrieller Arbeiterschaft und Angestelltenschaft, ist noch unerreicht. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird der gleiche Druck der nationalsozialistischen Diktatur auf die arbeitenden Menschen in Fabrik und Kanzlei und hinter dem Verkaufspult zuletzt diese Bereinigung herbeiführen und alle zu einer Kampfgemeinschaft zusammenschweißen. Dann erst wird Karl Pick« Werk ganz vollbracht sein. Vie„Leif Wird berichtigt Prag, g« dem Bericht vom 4. August in der „Die Zeit" unter der Ueberschrift:„Ein Re^chs- deutscherprovoziertmit Hakenkreuz" wird auf Grund der amtlichen Erhebung mitgeteilt: Am 1. August 1938 um 19.18 Uhr ging in Troppau in der Olmüher Straße der reichsdeutsche Staatsangehörige Gabriel Berthold. Student aus Wien, zuständig nach Wien, der bei seiner Tante in Troppau zu Besuch weilte. Auf dem Sporthemd trug er ein Hakenkreuz mit der Inschrift:„Ein Volk, ein Reich, ein Führer." Er wurde von dem Polizisten Josef Michna auf die Unzulässigkeit des össentlichen Tragen» de» Hakenkreuze» aufmerksam gemacht. Al» er erklärte, daß er al» reichsdeutscher Staatsbürger zum»Tragen de» Hakenkreuze» berechtigt sei, wurde ec auf die Polizeidirektion m Troppau vorgeführt. Nach der Protokollierung der Aussage, wurde Berthold wegen Übertretung der Kundmachung der Polizeidirektion in Troppau vom 20. September 1982. Präs. Nr. 1/429, die sich aus die UnzukäNigkeit de» össentlichen Tragen» de» Hakenkreuze» bezieht, mit einer Geldbuße von 89 Ai, bzw. 24 Stunden Arrest im Falle der Uneinbringlichkeit bestraft. Er erklärte, er werde sich bedenken, ob er die Straie annehme, oder die Berufung einbringe. Er wurde aufgefordert, den Reisepaß im Amte zurückzulassen, insbesondere weil er nach Wien zurücktehren wollte. Am 2. August erschien er in Begleitung seine» Rechtsvertreters vor dem Amte, und brachte eint schriftliche Berufung ein. Der Reisepaß wurde ihm hierauf zurückgestellt. Da da» Abzeichen die erwähnte Aufschrift trug, wurde gegen Berthold gleichzeitig die gerichtliche Anzeige wegen der nach dem Gesetze zum Schutze der Republik unter Strafe gestellten Handlung erstattet. Die Behauptung de» Artikels, daß Berthold im Gebäude der Polizeidirektion zwei Stunden zurückgehalten wurde, entspricht n i ch t der Wahrheit, denn Berthold wurde um 10.18 Ubr vorgeführt und hat da» Gebäude bereit» vor 11 Mr verlassen. Da» Ministerium für Schulwesen und Volkskultur veranstaltete in ter Zeit vom 1. bi» 28. Juli einen Lehrgang für deutsche Buchwarte(Bibliothekare). Die Teilnahme an dem Kur» war nicht nur unentgeltlich, sondern war sogar durch Bavsub- ventionen an Unbemittelte erleichtert. Das Gro» der Hörer rekrutierte sich aus strammen SdP-Leuten. E» ist nun vollkommen unverständlich, warum für einen wesentlichen Teil de» Unterrichtsstoffe», und zwar für die Darstellung der deutschen Litera« wr und die Erläuterung de» tschechoslowakischen Büchereigesetze» al» Vortragender Herr Büchereitirektor Streit au» Gablonz a. N. verpflichtet wurde. Abgesehen davon, daß er au» seiner politischen Besinnung kein Hehl machte, war er seiner Ausgabe, rein fachlich gesehen, nicht gewachsen. Herr Archivrat Dr. Moucha, dessen profunde» Dissen und pädagogische» Talent den sprödesten Stoss flar, durchsichtig und leicht verständlich darzustellen vermochte, und Frau Dr. Elisabeth Schenk, deren fließender Vortrag die absolute Beherrschung de» Wissensstoffe» und ein sittlich-hohe» Verantwor- tungsbewußtsein verriet, standen turmhoch über Herrn Dir. Streit, dessen Vorttag ein seichte», oberflächliches Phrasengedrechsel war. Herr Streit legte z. B. einen Ausspruch Henleins, den hier zu zitteren Raumvergeudung wäre, seiner Definitton de» Begrisse»„Kultur" zugrunde. Diese„Definition" war ebenso platt wie der Ausspruch Henlein», den Dir. Streit aber als„vorzüglich" bezeichnete. Daß Hiller und Mussolini al» Beispiele ganz großer Männer angeführt wurden, mag al» subjektive Wertung eine» Zeitgenossen entschuldigt werden. Die objektive Wertung Ist Sache einer späteren Geschichtsschreibung und wird wohl ander» lauten all die de» Herrn Streit, für den dsesel Urteil aber wohl bezeichnend genug ist. Un- richttg jedoch und keinesfalls zu entschuldigen ist die kühne Behauptung, daß„der Aufbruch Deutschland» zum nattonalsoziallstischen Staat"„unbluttg" erfolgte. Diese Darstellung ist, besonders wenn man dal AutoritätSmottv und die gedanken- und kritik- lose Leichtgläubigkeit der SdP-Hörer in Betracht zieht, klare Propaganda voller Berantwortungilosig- kest und ivunens gefährlich. Während eine» Vortrages bedauerte Herr Streit, daß wir nicht zu Oesterreich gehören. Er wollte damit sagen, daß dann der Anschluß an da» Dritte Reich für die Sudetendeusschen schon vollzogen wäre. Eine» Tage» verteflte der genannte Herr Zettel, aus welche jeder Hörer seinen Namen, da» von ihm al» am wertvoll^ sten angesehene Buch der Weltltteratur, die liebste Tage»zeitung, die liebste Zeitschrift und da» von emem sudetendeusschen Autor am meisten geschäht« Buch verzeichnet werden mußten. Streit sagte, daß er diese Angaben für die Prüfung brauche. Man ermittelte Hörer». Die Literatur niedrigen Niveau. Abgesehen davon, daß er z. B. bei der nur flüchtigen Besprechung de» Naturalismus falsche politische Schlußfolgerungen zog, waren leine Ausführungen zusammenhanglos, ohne die geringste wissenschaftliche Systematik und in ihrer Formulierung nicht» all Phrase. Direktor Streit behandelte nur die„volkhaften" Schriftsteller, von denen er eine unendliche Reihe auszählte und stellte z. B.„die gotische Erscheinung Leutelt" und den .barocken Watzlik" al» Größen erster Ordnung hin. Die Dichter, die dem Namen Deutschland» in aller Welt Ehre machten, wurden mit keinem Wort erwähnt. Es spricht sich herum,.. Der Redaktion de»„Freigeist" wurde nachstehender Brief zur Verfügung gestellt, den eine Reichenberger Familie dieser Tage von einer Verwandten erhielt, die seit mehr al» 29 Jahren in Oestereich lebt: Lieber.... Lange ist es her, seit ich nicht geschrieben Hobe. Voriges Jahr hatte ich Geld gespart, um zu Euch zu fahren. Jetzt habe ich aber erfahren, daßsieun» nichtherauslassen. Frau Dr.....«ine tschechische Staatsbürgerin, wollte ihren Bruder besuchen, mußte aber an der Grenze wieder umkehren, trotzdem sie den Paß in Ovdnung hatte, nur well noch ein Papier fehlte. Nun, mein lieber..., wo sind denn Eure Kinder? Sind sie beim Militär? Fürchtet Ihr Luch wegen Krieg? Hoffentlich kommt kein Krieg, denn das wäre schmerzlich! Ich hörte mir bi-Her jeden Wend die d e u t» sche Sendung von Prag an und war daher immer auf dem Laufenden. Doch seit«in paar Tagen höre ich nicht» mehr im Radio und unsere Zeitungen schreiben nur, daß die Tschechen mit Euch in Böhmen nicht gut umgeben. Wir sind vor den Wahlen mit Winterhilfe von Deutschland sehr verwöhnt worden. Leider gibt es jetzt nicht» mehr davon. Arteit gibt e» wenig. Darum sst e» gut, daß ich die Rente als Kriegswitwe noch habe, 28 Mark, zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Unterstützt werde ich auch nicht mehr, weil ich ein Geschäft habe, obwohl zur Austeilung Leute hingehen, die viel besser als ich situiert sind.... Biele Grüße rät des tschechoslowakischen Staates gerichtet sind, dürfen in di« öffentlichen Büchereien nicht ausgenommen werden..." Selbst wenn also dieses Verbot aufgehoben werden sollte, darf da» Buch„Mein Kampf" nicht in öffentlichen Gemeindebüchereien geführt werden, da e» in seinem Inhalt kraß und ein« deuttg gegen die oben zitterte Gesetzesstelle verstößt- Es gereicht Herrn Archivrat Dr. Moucha und Frau Dr. Schenk zur Ehre, daß sie sich bet dem Groh- tcil der Hörer nur einer bedingten Beliebtheit erfreuten. Also hatte nach Beendigung de» Kurse» anläßlich der Zeugnirverteilung Herr Dir. Streit da» letzte Wort. In einer kurzen Ansprache an die scheidenden Hörer zittette er„das Wort einer der bedeutendsten Männer unserer Zeit", nämlich Hitler» Phrase: ,E» gibt nur einen Adel— den Adel der Avbeit" und schloß seine Rede mit„Heil!". Selbstverständlich ging der größte Teil der neugebak- k-nea Buchwarte aufs höchste befriedigt nach Hause. Ob man mit der Betrauung Herrn Dir. Streit» den demokratischen Prinzipien unseres Staate» einen I Dienst erwiesen hat, bleibt«ine Frage. Etwa» mehr Demokratte und weniger Liberalismus wären angebrachter. H a r o. Erntezeit „Es steht ein goldne» Garbenfeld, das geht bi» an den Rand der Welt. Mühle, Mühle, mahle I" Wem fielen nicht die Verse Richard Dehmel» ein, wenn er über Land schreitet. Da dehnen sich die goldgelben Getreidefelder in unendlicher Weite und darüberhin schreiten, ihre Sensen schwingend, die Mäher. Das Metall blitzt in der strahlenden Sommersonne und mit singendem Ton surrt«S durch die Halme. Schritt um Schritt geht der Schnitter, Logen um Bogen kreist, die Sense und rauschend sinken die Aehren nieder^ Es ist schwere Arbeit, die hier geleistet wird und das Landvolk beginnt sein Schaffen in der Dämmerfrühe, damit es nicht der ärgsten MittagSglut ausgesetzt ist. Trotz alledem, der Boden wird mehr noch als bet der Saat bet der Ernte mit dem Schweiße der Menschen gedüngt. Irgendwo waren einmal Verse zu lesen: „Der Schnitter steht im Aehrenfeld, die Sonne brandet glühend heiß. Doch Halm um Halm zur Erde fällt und mancher saure Tropfen Schweiß." Auf größeren Feldern verwendet man heute schon Mähmaschine», von kräftigen Pferden gezogen, rattern sie dahin und unter den schwingenden Schlägen ihrer Messer sinkt da».Getreide zu Boden. Breite Pfade fressen sie in da» wogende Meer der Halme. Die Pfade verbreitern sich allmählich und erstrecken sich schließlich über daganze Feld. Und hinter den ratternden Maschinen und Mähern schreiten Erntearbeiterinnen. Braungebrannte Frauen und Mädchen, die den goldenen Reichtum zu Garben binden und aufschichten, damit er vor Regen und Wetter geschützt sei. Auch sie beginnen ihre Tätigkeit in aller Morgenfrühe und bei finkendem Tage fleht man sie noch auf den Feldern in emsigen Fleiße schaffend. Die Erntearbeit hat viel von ihrer einstigen Romanttk verloren. Früher einmal fuhren den ganzen Tag hochbeladene Fuhren dorfwärt«. Und am Abend, wenn der letzte Wagen heimzu schwankte, sahen hoch oben auf den Garben lustig singend die Schnitter und ihre Helferinnen, bewaffnet mit Rechen und Sensen. In den langen Herbst« und Wintermonaten aber klapperten auf den Tennen die Dreschflegel in gleichmäßigem Takt. Heute stehen vor den Dörfern oder wohl gar mitten in den weitgedehnten Getreidefeldern die motorisierten Dreschmaschinen und jeder Bauer erhält gegen geringe» Entgelt sein Getreide aus« gedroschen. Bei diesem Betriebe gibt e» keine Rast. Ununterbrochen verlangt die Maschine Material, denn Leerlauf schädigt da» Getriebe. So ist denn gerade dort, in. aller Sonnenglut, ein ewige» Gehaßt« und Gejage.-Die rationalisierte Arbeitsweise schöpft die Kräfte der Menschen ganz au». Trotzdem, ein Stück der romantischen Erntezeit ist lebendig geblieben. Da und dort sieht man schwankende Getreidesuhren über die holprigen Feldwege fahren, dem Dorfe zu. Neben den dampfenden Pferden schreiten die Bauern mit leuchtenden Augen einher, nun führen sie ja ein, wa» sie vor Wochen und Monaten ausgesät hatten. Kein Hagelschlag und kein Sturm hat sie um da» Erträgnis ihre» Fleißes gebracht und dessen dürfen sie sich wohl mit Recht fteuen. Ob jedoch ihre Arbeit trotzdem erträglich gewesen sein wird, dahängt nicht von ihnen, sondern von unendlich vielen anderen Umständen ab. Die Ernte hat erst begonnen. Noch stehen weite Getreidefelder unberührt. Im goldenen Glanze der Sommersonne haben sich die Halme gelb gefärbt. Leise spiel der Wind über sie hin und sie neigen sich und recken sich wieder empor, daß e» ringsum rauscht und knistert. Setzt aber am Anfang de» Felde» ein Windstoß ein, dann wogt e» wellenförmig über die fruchtschweren Halme dahin, um am anderen Ende des Felde» zu verebben. Wenn dann die Felder abgemäht sind, die Früchte längst in Tenne und Scheuer ruhen oder sich auf dem Weg zur Mühle befinden, beginnt die Ernte der Armen. AehrenUauber gehen geblickt über die Felder, sammeln Aehre um Aehre, um sie in mühseligem Verfahren in Brot oder Schrot umzuwandeln. Spärlich ist ihr Erträgnis, denn der Landwirt macht gründlich sauber. So stehen die Armen denn am Rande der Felder und betrachten mit sehnsuchtsvollen Augen den tvogenden, goldenen Reichtum, den unsere Natur so überreichlich allen Menschen beschert. Für alle wäre Brot genug vorhanden und niemand brauchte zu hungern, wenn... Und kaum wird abgeerntet sein, geht schon wieder der Pflug über da» Feld, um die Schollen zu wenden und die Erde für die Aufnahme neuer Saaten vorzubereiten. So ist da» Leben ein ewiger Wechsel. Wie lange dauern die Vorarbeiten für das Kommen des einen, goldenen Monates I Wieviel Angst steht der Landwirt au», ehe er das Erträgnis seiner Arbeit geborgen weiß! So ist e» im menschlichen Leben. Die Saat wird von Sturm und Hagelschlag bedroht, aber der vorsorgende Sämann wird retten, wa» zu retten ist. Einige», wa» man zum AuSstreuen der Saat braucht, wird doch eingebracht werden und im kommenden Jahre tausendfältige Frücht« tragen. Nur wer Verzagtheit Platz greifen läßt, hat den Kampf um da» tägliche Brot, um die Frucht seiner schweren Arbeit verloren. Wir Sozialisten sind gute Landwirte. Auch die Frucht unserer Arbeit war dem Hagelschlag ausgesetzt. Aber wir haben da» Saatgut für kommende Tage, unsere Organisation und die grandiose Idee gerettet und werden daher sehr bald auch Ernte halten. F. K, Seite 4 ftreitan, 5. August 1038 Nr. 183 Beneidenswerte Kinder— So Ist die tropische Hitze leichter zu ertragen Obs heutige Programm der deutschen Sendung Prag-Mtln«: 10.16 Schallplatte«. 12.16 vor. trag Marku« Harant: Erleichterungen im Grenz- verkehr. 18.00 Mozart Sonate C-Moll(Klavier: Georg Singer). 18-10 Vortrag^karl Battel über gesetzliche Berufsberatung. 18.20 Tportorakel. 18.86 Arteitersendung: Aktuelle zehn Minute«. 18.45 Pro, fessor Dr. Pringrheim: Der Waldgarten. 18.00 Lieder von Beethoven(Gesang: Kurt Mahr, Klavier: Dr. Kurt Behr). 18.80 Slowakische Fahrt, Hörfolge von Nerad. 20-00„Rund um die Liebe", eine Operette in drei Akten von Oskar Strauh. Es spielt das verstärkte kleine Rundfunkorchester unter Leitung von Herbert Popper. 20.46: Adrian'Köster: Der Stern des Südens. 21.16 Orchesterkonzert(Dir.: Fritz Rieger). 22.80—28-00 Moderne Musik(Gesang: Gerda Redlich. Leitung: Dr. K. Behr). Brünn: 18.00—18.25„Hinaus in die Ferne!" Hörfolge für die Jugend von Otto Waldmann. 18.25 bi» 18.85 Direktor Karl Meixner: Gutes Deutsch. Geschäftsschilder. Mähr..Ostrau: 18-00 Dr. Hoffenreich: Tier- schütz im Sommer, Klavierkonzert(Emst Immerglück). sei. Er wolle nach Aussig fahren und sich hier eine Beschäftigung suchen. Als die beiden Radfahrer die steile„Nollendorser Drehe" hinabfuhren, hörte Herschmann einen Schrei und sah, wie Liegenberger „Auf Bebel« Grab(EineSkizzezur Geschichte der Arbeiterbewegung)", herausgcgcben von der Druckereigenossenschaft in Aarau(Schtveiz) ist eine kleine Broschüre, in der e» der Verfasser unternimmt, an- läßlich der 25. Wiederkehr de« Todestage« de» groben deutschen Arbeiterführer« August Bebel sein Leben und Wirken den heutigen Funktionären und Mitgliedern der sozialistischen Arbeiterbewegung nahezubringen. Vor unserem Auge ersteht diese« wunderbare Leben eine» wirklichen BolkSführer«, der sich aus tiefster Slot zu einem selbständigen Handwerker und von da zum Schöpfer der groben deutschen Arbeiterbewegung entwickelte. Selbst eignete er sich eine grobe umfassende Bildung an und bewahrte sich ein tief fühlendes Herz, da», al» es zu schlagen aufhörte, den Atem von Millionen Menschen in Deutschland und in allen europäischen Ländern stocken lieh. So begleiten wir August Bebel, geführt vom Verfasser'der kleinen Schrift, auf den wichtigsten Etappen seine» Lebensweges und erfahren von seinen letzten Versammlungen, in denen er al» Siebzigjähriger sprach und die alle dem Kampf gegen da» aufsteigende Kriegsungewitter galten. Am 12. August 1818 hörte da» herrliche Leben auf zu leuchten, ein Jahr später tobte bereit» der Weltrieg, fünf Jahre später wurden die Anfänge für die deutsche Republik geschaffen und zwanzig Jahre darnach herrschte in Deutschland die blutigste Gegenrevolution, das Werk August Bebel- vernichtend-und den Sozialismus, sein leuchtende» Lebensziel, schändend. Gerade in der jetzigen Seit; die an Zweifeln so reich ist,, zeigt da» Büchlein da» Werden eine» groben Charakters, al» ein leuchtendes Beispiel für alle Revolutionäre und Erbauer einer neuen Zukunft. Bor allem den Jungen sei das Heft in die Hand gegeben, auf daß sie sehen, auf welche Geistes- und Seelenhaltung es ankommt, wenn man in den Kampf um die Menschenwerdung eintritt. Folgenschwere Flucht in die Tschechoslowakei. Vergangenen SamSiag stürzten in der gefürchteten Todeskurve bei Nollendorf zwei Männer von ihren Fahrädern und wurden schwer verletzt. Die Gendarmerie in Tellnitz stellte fest, dab eS sich um einen 24jährigen August Ziegenberger auS Braunschweig und den in Dresden geborenen, nach Saaz zuständigen Ehrhard Herschmannhandelte. Herschmann war zu Besuch bei seiner Mutter in Deutschland gewesen. Auf der Rückfahrt gesellte sich zu ihm in der Nähe von PeterSwald ein unbekannter Radfahrer, der sich als Ziegenverger aus Braunschweig vorstellte und erzählte, datz er wegen politischer Delikte aus Deutschland flüchtig geworden mit seinem Rade mit voller Geschwindigkeit gegen da» in der Kurve angebrachte Eisengeländer stieb und mit dem Rad.auf die etwa acht Meter tiefer liegende Wiese stürzte. Infolge der Auftegung stürzte auch Herschmann und blieb bewußtlos auf der Strobe liegen. Beide Verunglückte wurden erst zwei Stunden nach dem Unfall von einigen Touristen aufgefunden und dem Aussiger Bezirkskranken- haus zugeführt. Die ärztliche Umersuchung der beiden Verunglückten ergab, dah iji-'gcnüerger einen Bruch des Stirnbeines, einen Üinnbackenbruch und mehrere andere Verletzungen, Herschmann eine Auskugelung der rechten Hand im Gelenk, eine leichte Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen davon« getragen haben. Ziegenberger» Verletzungen werden al» äußerst schwer bezeichnet. In einem Notizbuch ZiegenbergerS befand sich ein Schreiben der staatlichen Kriminalpolizei Braunschweig, in dem Ziegenberger Konzentrationslager angekündigt wurde. Der Inhalt de» Schreiben» läbt erkennen, dab««.sich nicht um politische Delikte handelt. Eingeschlagen in da» Schreiben war eine grüne Vorladung der swatlichen Kriminalpolizei Braunschweig, wonach sich Ziegenberger zum Zwecke der Empfangnahme einer Verfügung bei dieser Behörde einfinden sollte. Jugenddelegation von Le Havre abgereist. Donnerstag früh traf in Paris die 25gliedriae Delegation der tschechoslowakischen Jugendorganisationen ein, welche sich zum zweite» Weltkongreß der Jugend b:- aibi, der in der zweiten Augusthälfte in New Fort stattsindet. Der Führer der Delegation Dr. Kaspärek wurde vom Gesandten Dr. Osusky empfangen. Dr. KäSpärek sprach mittags im staatlichen Rundfunk über nationale, religiöse, politische und soziale Bestrebungen der Tschechoslowakei. Nachmittag reiste die Delegation gleichzeitig mit anderen europäischen Delegierten nach Le Havre, wo sie sich um Mitternacht auf dem Dampser„Präsident Roosevelt" zur Reise nach New York einschiffte. Da» Programm de« Kongresse», der von Frau Roosevelt eröffnet werden wird. enthält die Organisierung de« Frieden« und die Aufgaben der Jugend im internationalen Leben. Gewitterneigung. Dem Südrande eine« mächtigen Druckhoch« entlang, dessen Kern Donnerstag nachmittag» über der Ostsee lag, beginnt nunmehr gegen Mitteleuropa vom Nordosten her etwas kühlere Luft zuzuströmen. Die Neigung zu Lokalgewittern wird daher etwas-«nehmen und es wird ein vorübergehender TemperaturrÜckgang eintreten. Im ganzen wird sich jedoch der sommerliche Witte- rungScharakter nicht durchgreifend ändern. Wahrscheinliche« Wetter Freitag:Bi« auf zahlreichere lokale Wärmegewitter Andauern de» heiteren Sommerwetier«. Nachmittagstemperaturen etwa« tiefer. Minima um 15 Grad. Ost- bi« Nordostwind. Wetteraussichten für Sams- t a g: Keine wesentliche Aenderung. Sommerkreuden- Sommerleiden So wird vergehn Tyrannenregiment Man schreibt uns: Sie haben in Ihrer Mittwochnummer Verse von Fran- Grillparzer und der M a r i e vonEbner-Eschenbachal« Beleg dafür gebracht, wie zwei deutsche Dichter visionär da» kommen sahen, wovor wir heute al« Zeugen und Zeitgenossen in tiefster Beschämung stehen. Der Weg, der in da« heutige Chnk» endete, führte tatsächlich über die Humanität zur Nationalität und endete dainit in der Bestialität. Aber auch der italienische Renaissancephilo« soph Tommaso Campanella(1568 bi» 1638), ein Dominikaner, der wegen seiner sozialistischen Gedanken und Ideen— er träumte von einer Weltmonarchie unter der Herrschaft des Papste«— 26 Jahre lang im Kerker schmachten musttc, bi» er durch die Intervention des Papstes Urban VIII. in Freiheit gesetzt wurde, hat in seinen in schmählicher Kerkerhaft verfaßten Sonetten und im Madrigale seinen Peinigern und denen, die sich al« die Herren ihrer Zeit aufspielten, Verse zugerufen, die eigentlich noch besser für die heutige Zeit passen. I o s e f L u i t p o l d hat in seinen.^Hundert Heften"auch drei Bändchen diesem Märtnrer im Kampfe um oie Wahrheit gewidmet. Diese Dichtungen könnte auch ein poetisch begabter Häftling eine« deutschen Konzentrationslager« geschrieben haben. Ihr Inhalt paßt ebensogut wie auf die Tyrannen zur Zeit Campanella« auch auf die gegenwärtigen Machthaber im Dritten Reich: Sie machten mir Prozeß. Prozesse viel. Bosheit, Hochmut genug auf mich entfiel. Doch wa» sie alle, wa« sie alles trieben, mich scheint der Himmel mehr als sie zu lieben. Mich zu bekämpfen, war ihr Tanz und Spiel. Mich zu besiegen, war ihr ganzes Ziel. Sie hoben nicht gespart mit harten Hieben.— Und ich?... Bin aufrecht. Ich bin ausrecht blieben. Ihr Nacken wird zum Schluß sich beugen müssen. Ihr Stolz de« Halses wird sich neigen müssen Ihr Mund, der Lügenmund, wird schweigen müssen. Die dürre- Gra-, das im Entstehen verbrennt, eh' eS den Sichelstrich des Mähers kennt,' so wird vergeh'n Tyrannenregiment...-, An einer anderen Stelle ruft Campanella seinen Peinigern die Worte zu. die auch beute der Sinn manchen Aufschreie« eine« im Dritten Reich Gefolterten sein mögen: Du drohst mit deinen Kerkern nur Zwergen, nicht den Stärkern, den Sternen, Stürmen Bergen. Seh'n sie, Tyrann, dich an, ein Stern, ein Sturm, ein Berg, so sehn' sie, der du selber bist: den Zwerg. —r. Zwei Tote bei Insektenvertilgung In Reichenberg Bei der Säuberung einer im neunten Stockwerk de« neuen Generalihause« am Reichenberger Tuchplah gelegenen Wohnung durch den 2n« sektenvertilger Max Haase kam es zu einem scknveren Unglück. Da« gefährliche BlausäuccgaS, das zur Reinigung der Wohnung verwendet wurde, drang durch den Luftschacht in die tiefer gelegenen Wohnungen ein. Da die im ersten Stock elegene Wohnung nicht geöffnet wurde, mußte man sie aufbrechen lassen. Dort fand man da« Ehepaar Direktor G ä r l i ch mit schweren Ver« ziftungserscheinnngen auf. Leider tvaren alle Wiederbelebungsversuche vergebens. Beide verschieden etwa zivei Stunden nach ihrer Auffindung. LIL Grad Hitze In New York Seit zehn Tagen liegt über New Jork und dem ganzen Osten der Vereinigten Staaten eine Hitzewelle, die wegen de« starken Feuchtigkeitsgehaltes der Luft unerträglich geworden ist. Am Mittwoch stieg da« Thermometer auf die seit vielen Jahren höchste Temperatur von 82.7 Grad Fahrenheit(51.5 Grad Celsius). Infolge Hitz« schlages waren zahlreiche Todesfälle zu verzeichnen. Die öffentlichen Notstandsarbeiten in New Mark und Umgebung wurden eingestellt. Die Hausdächer, Parks und Standplätze waren von vielen hunderttausend Menschen überfüllt, die Kühlung suchten. Die Schonzeit der Rebhühner für 1838 in Böhmen wurde derart abgeändert, daß sie schon mit dem 14. August um 24 Uhr endet und mit dem 16. November neuerlich beginnt. Es dürfen daher die Rebhühner im Jahre 1888 vom 15. August angefangen bis inklusive 15. November gejagt werden. Doppelselbstmord bei B.-Aicha. Mittwoch abends wurde die Leiche der 88jährigen Anna BartoSovä aus Chvalöovice bei Böhm.-Aicha aus der Fser geborgen. Sie wurde seit Tagen mit ihrem Geliebten vermißt. Nachdem diese Leiche gefunden worden war, wurde auch ihr Verehrer Zdenik Dlask gesucht. Donnerstag vormittags wurde die Leiche des 33jährigen Zdenik Dlask aus Sedlejovice an der gleichen Stelle aus der Jfcr geborgen. Dlaft verübte den Selbstmord bereit« Sonntag, während die Bartoöovä noch am Montag an der betreffenden Stelle gesehen wurde. Bei Dlask wurde auch ein Strick gefunden, was von Vorbereitungen für einen Selbstmord zeugt. Da« Motiv des Selbstmorde« ist unbekannt. Gleichzeitiger Urlaub in Frankreich. Die großen Fabriken, insbesondere die Mctailwerke in Pari« und Umgebung, haben beschlossen, Heuer dir Arbeiter zu gleicher Zeit, und zwar vom 6. bis 21. August auf bezahlten Urlaub zu schicken. Diesem Beschluß schließen sich auch zahlreiche Heinere Fabriken und Betriebe an, so daß zu erwarten ist, daß Samstag eine viertel Million Menschen Paris verlassen werden. Auf den Pariser Bahnhöfen wurden bereit« Vorbereitungen zum Abtransport der Arbeiter und ihrer Familien auf« Land getroffen. JnvasionSfkieger bombardiert Spitalzug. Dienstag überflog ein vom Meer kommendes Savoia-Wasserflugzeug in geringer Höhe einen republikanischen Sanitäiözug, der nach Barcelona fuhr. Nachdem der Flieger sich auf diese Weise von der Art des Zuges überzeugt hafte, bewarf ec ihn mit mehreren Sprengbomben und beschoß ihn der ganzen Länge nach mit Maschinengewehrfeuer. Mehrere Patienten wurden verwundet. Die Schauspielerin Pearl White gestorben, i Donnerstag starb im amerikanischen Kcankenhause in' Paris die bekannte amerikanische Filmschau- ispielerin Pearl White, welche in der Enftvick- lung de« Stummfilmes eine hervorragende Rolle gespielt hatte. Palästinensischer Rauschgiftschmuggel. In Jerusalem wurde Mittwoch ein Weinhändler namens Zlotnik wegen Heroin-Schmuggels verhaftet. Im Hafen von Tel Aviv wurde eine neüe Sendung von„Gebetbüchern" beschlagnahmt, die größere Mengen von Rauschgiften enthielten und noch von dem vermeintlichen Großrabiner Leiser vor dessen Verhaftung in Paris abgeschickt worden waren. Leiser wohnte früher in Jerusalem, wo er sich mit dem Verkauf von Liegenschaften befaßte. Das Amt eines Rabbiners hat er niemals bekleidet, oblvohl er selbst ständig behauptet, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Brooklyn gewesen zu sein. Gewittmkatastroptzen in Polen. Ueber das polnisch-litauische Grenzgebiet ging Donnerstag ein orkanartige« Gewitter nieder, welches großen Schaden und zahlreiche Großfeuer fotvie eine größere Zahl Menschenopfer forderte. Allein im Bezirk Troki bei Wilna wurden durch Blitzschlag 17 Personen getötet und 70 Gehöfte in Brand gesteckt. Charlie- Cnplin— der Jude. In der Wiener Ausstellung„Der ewige Jude" ist jetzt auch Charlie Chaplin im Bild zu sehen, der den Nazis also auch eine Gefahr für die nordische Rasse zu sein scheint. Außerdem sieht man dort ehemals führende Katholiken, wie z. B. den früheren Chef« redaltenr der„Reichspost", Dr. Funder, den Minister Draxler und andere. I» der englischen Presse hat die Ausstellung teils Entrüstung, teils ironische Heiterkeit hervorgerufen. Nürnberger Synagoge wird abgerissen. AuS Nürnberg meldet der„Völkische Beobachter": In der Ratsherrensitzung teilte gestern der Nürnberger Oberbürgermeister mit, da nach der ersten Anordnung Mer die Neugestaltung der Stadt des Reichsparteitages Nürnberg die Synagoge verschwinden wird. Die Synagoge wurde im Lahre 1886" am HanS-SachS-PIah errichtet. Der Abbruch der Synagoge ist bereits angeordnet und-in einer Woche wird er in Angriff genommen werden. - Der ehemalig« bayrische Ministerpräsident Heinrich Held ist Donnerstag nach längerer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben. Räulerrache. Au» Rio de Janeiro wird gemeldet/ daß der Räuber Coricso, einer der Führer der Bande de» berühmten Banditen Lampeo, als Rache für die Hinrichtung Lampeo» auf einer Farm sechs Personen ermordete und deren Köpfe an den Polizeipräfekten de» betreffenden Orte« sandte. Nackte braune Leiber an allen Flußgestaden, in allen Bädern, am Rande jedes Tümpels. Fröhliches Gelächter der Badenden. Kreischen der plätschernden Kinder. Wie schön ist doch die Sommerzeit! Wandern auf schattigen Waldwegen, Rasten auf duftenden Wiesen. Wie süß dieser Duft! Und wie behaglich das Liegen I W.ic wohl tut dem Ohr die Musik der Grillen! Wie schön ist'S, den Schmetterlingen nachzuträumen I Und auch wenn man von den Hegern immer wieder vertrieben wird aus diesen Wiesenparadiesen— schön ist der Sommer!■ Auch eine Reihe von schönen Tagen ist, trotz Goethes anderer Meinung, wohl zu ertragen. Im Bad, im Walde, bei Nichtstun und Träumen er« trägt man schöne Tage ganz gut, auch eine Reihe schöner Tage. Schwerer erträgt man sie aller« dings, wenn die Hjtze so groß wird, so arg, daß niemand mehr von„schön" spricht, daß fast jeder sie als Oual empfindet, und besonders dann wird das Ertragen schwer, wenn man. die schönen Tage, die überschönen, die allzuwarmen, nicht durchfaulenzen kann, wenn man arbeiten muß. Schon wurden bei uns mehr als 80 Grad im Schatten' gemessen, die Temperatur hat einen fast als Pein.empfundenen Höhepunkt erreicht,, im ganzen Lande,, in fast ganz Europa, und— wie fast^alljährlich— jn Nordamerika. Hitzekrankheiten werden häufjg, auch tödliches Unwohlsein infolge der Hitze..Und mit der gleichen Inbrunst, mit der man an den Regentagen sich nach der.Sonn« sehnte, wünsLt man Abkühlung,.erfrischenden Regen hcrbei.Mie Gewitter, die nicht selten sind, bringen diese Erfrischung zumeist nicht oder mir für kurze Zeit. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage verheißt noch keine Abkühlung. Noch weiß man nicht, ob man sie für die kommende Woche erwarten darf. Alle ersehnen die Abkühlung. Am schwersten aber leiden wohl unter der Hitzequal jene, die schwer arbeiten müssen. Die Arbeiter auf den Bau« ten, die in den Fabriken, die an glutepden Feuern sich rackernden. Wie furchtbar sie aber auch für Arbeitsmenschen, die anscheinend leichtere Auf« gaben zu erfüllen haben, werden kann, zeigt der Massennervenzusammenbruch in einem Budapester Warenhaus. Fünfundzwanzig Verkäuferinnen mußten von Rettungsmannschaften in kühle Räume gebracht und erfrischt werden. Man soll aber auch nicht glauben, für die Bauern und Landarbeiter, die jetzt die Ernte einbringen, für die jedes Wetter gewohvtk» Menschen fei die Mer- große Hitze weniger bedenklich! Auch sie leiden furchtbar. Aber von diesem Leiden wird weniger gesprochen, weil ziemlich allgemein angenommen wird, dem Naturgewohnten mache weder besondere Kälte, noch besondere Hitze besonder« Beschwerden. Schön ist der Sommer! Trotz der Hitze doch noch schön für jene, die ihn> genießen können. Wünschen aber sie schon Abkühlung herbei» wieviel mehr müssen jene sie ersehnen, denen die Som« mergluten die ArbeitSqualwi vervielfachen. Ne. 182 Freitag, 8. August 1938 Seite 8 Oberstes Verwaltungsgericht gegen Preiskommission AIS sich im Jahr« 1986 die Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung stärker bemerkbar machten, waren die Kartelle sofort zur Stelle, um durch eine Erhöhung der Preise Ueberprofite herauSzu- Selen. Die verarbeitende Industrie, die Verbrau- Lecorganisationen und die Regierung sahen sich «ranlaßt, der PreiSteuerungSwelle entgegenzuwirken. Es wurde eine Preiakommifsion eingesetzt, die die von den Kartellen festgesetzten Preise über- kiüfen und eventuell ermäßigen sollte. In erster Linie war dabei an eine Revision der Preise für Baumaterialien gedacht. Dem» die Ueberteuerung der Baumaterialien drohte die Bausaison erheblich abzuschwächen. Nach unendlich langen Verhandlungen kam dann ein bescheidenes Ergebnis zu- slande: das Zementkartell in Böhmen wurde veranlagt, die Zementpreise um se zwei Kronen herabzusetzen. Diese Maßnahme hat die Baukosten verbilligt und aych dem Staat, der in den letzten Jahren ein starker Zementverbraucher geworden ist, einige Millionen Kronen erspart. Sie hat die Profite der ßementkapitalisten nicht gekürzt, denn di« ganz außerordentlich gute Baukonsunktur hat' den Ze« mentabsab in den letzten Jahren stark in die Höhe steigen lassen. Dennoch war das Zementkartell mit der getroffenen Regelung nicht einverstanden. Die Unternehmer wollen auf den Uebergewinn, den ihnen der Kartellpreis sichert, nicht verzichten. Sie haben eine Beschwerde beim Obersten Verwaltungsgericht eingebracht. lind dieses Gericht hat jetzt der Beschwerde des Zementskartellö in den Hauptpunkten stattgegeben. Die Entscheidung der Schiedskommission, durch die die Preisherabsetzung vorgenommen werden mußt«, wird vor allem„wegen mangelnden Verfahrens", aufgehoben. Dabei ist monatelang darüber verhandelt worden. Aber das Oberste VerwaltungSgericht findet, daß„die Entscheidung der Preiskommission überhaupt nicht begründet" worden sei. Nach diesem Urteil des Obersten Berwal« tungSgerichteS beeilt sich das Zementkartell, daraus die Konsequenz zu ziehen. ES wird die Wiedererhöhung der Zementpreise in Aussicht gestellt. Die Bezahlung der Weizen-Lagerung Die Verhandlunaen über die Lagerung von 29.999 Waggons Weizen als„eiserne Reserve" ziehen sich, noch immep hin,-da bisher keine Einigung über die damit verbundenen Kosten'erteiöht werden könnte'. Auch die letzten Verhandlungen dec Getreidegesellschaft mit den Interessentengruppen— die Verhandlungen fanden in Kaschau statt— blieben erfolglos. Es wurde u. a. der Plan vorgebracht, die Kosten der Weizen-Lagerung auf die Müllergruppe zu übertragen und ihr dafür die Kontingentierung zuzugestehen. Ausschlaggebend wird, der Standpunkt der Kleinmüller sein, die zahlenmäßig an erster Stelle stehen und' auf keinen Fall die Millionenkosten der Lagerung auf die Müllergruppe übertragen wissen wollen. (DND) Nena Handweberei in Braunau In den Fabriksräumen der ehemaligen Meihnerschen Kartonagenfabrik in Braunau-Oel- berg wurde eine Handweberei errichtet, die hauptsächlich handgewebte Möbelstoffe, Behänge und englische Kleiderstoffe erzeugen wird.' Gründer ist Arnold Steiner.(DND) Stillegung In der Papierindustrie Wie auS Lauterwasser berichtet wird, will die große Papierfabrik Hofer ihren Betrieb für die Dauer von 8 Wochen wegen Auftragsmangels einstellen. Oie Arbelter-Unfallverslcherungs- anstalt Der VertualtungSauSschuß der Arbeiter- UnfallversicherungSanstalt für Böhmen hielt im Juli zwei Sitzungen ab. Die-Anstalt zahlte seit Jahresbeginn bis Ende Juni 61,691.567 XL, im Juli 9,975.240 XL an Entschädigungen aus. Im Juli wurden 5814 Unfälle, feit Jahresbeginn 87.906 Unfälle gemeldet. Ende des vergangenen Monats liefen 15.057 Renten bis zu zwei Jahren nach Beendigung der Heilbehandlung, 68.408 Renten von mehr als zwei Jahren, und 9108 Hinterbliebenenrente». Die Prämieneinnahmen betrugen seit Beginn dcS Jahres 114,879.065.68 XL, die Zahl der eingetragenen Betriebe Ivar Ende Juli 90.878. Der Stand der Hypothckardar- lehcn machte Ende Juli 102,903.026,87 XL aus, der anderer Darlehen 88,217.869.85 Xi aus. Invalidität»- und Altersversicherte Achtung I Alle Personen, die in Deutschland invalidi- tätS- und altersversichcrt waren, konnten nach den Gesetzen der Weimarer Republik für den Fall, daß sie nicht mehr in Arbeit stehen— Grenzgänger, die nicht mehr in Deutschland, sondern wieder in der Tschechoslowakei arbeiten— sich die erworbenen Rechte sichern. Zur Erhaltung der Anwartschaft genügte eS, wenn in zwei Jahren 20 Wochenbeiträge eingezahlt wurden. Mit 1. Jänner 1988 hat Hitlerdeutschland dieses Gesetz gewaltig verschlechtert. Zur Erhaltung der Anwartschaft ist cS jetzt notwendig, in zwei Jahren 52 Wochenbeiträge zu bezahlen. Dadurch besteht die Gefghr, daß Arbeiter, die nicht mehr in Deutschland arbeiten, die dort erworbenen Rechte verlieren, da die Hinaufsetzung von 2Y auf 52 Wochenbeiträge für die meisten Arbei« E unerschwinglich ist. Im Iulihtft der Mitteilungen der Zentralsozialversicherungsanstalt in Prag erschien eine Notiz, derzufolge die freiwillige Fortsetzung der Invalidität- und Altersversicherung seitens jener Versicherten möglich ist, welche in der tschechoslowakischen Versicherung die Wartezeit bisher noch nicht zurückgelegt, jedoch bei Einrechnung der reichsdeutschen Invalidenversicherung 100 Wochen erreicht haben. Diese Bedingung der erreichten 100 Wochenbeiträge jst so gering gesetzt, daß für alle die Möglichkeit besteht, ihre Versicherung bei unserer Versicherung freiwillig fortzusetzen. Interessenten mögen sich in dieser Angelegenheit an die zuständige Kraysenkossa oder an sozialdcmokrati» sche Funktionäre wenden. Die Industrialisierung Jugoslawiens (Dr. W. H) Jugoslawien gehört zu den erzreichsten Ländern Europas. Kein Wunder, daß sich säst sämtliche europäischen Staaten seit Jahren bemühen, in diesem kapital armen Lande Konzessionen zu erwerben. Besondem in den letzten Jahren hat ein direkter Wettlauf um Konzessionen auf die Erz- und Kohlevorkommen seitens der demokratischen Staaten und dem Dritten Reich eingesetzt, wobei allerdings die demokratischen Staaten den Sieg davongetragen haben. Nach einer amtlichen jugoslawischen Statistik war nämlich ausländische« Kapital am 1. Jänner 1988 wie. folgt am Gesamtkapital der jugoslawischen Bergwerke und Kohlengruben beteiligt: in Millionen in X de» Dinar Gesamtkapitals Frankreich 1056 17 England 851.2 14 Tschechoslowakei 741.2 12 Schweiz 707.8 11.4 Deutschland .(einschließlich Oesterreich) 520 > 7.5 Dieses ausländische Kapital arbeitet hauptsächlich in den Bergwerken, deren Zahl sich aus 155 beläuft. Es sind dies: 4 Steinkohlengruben, 59 Braunkohlengruben, 7 Eisenerzbergwerke. Weitere Bergbauunternchmungcn betreffen: Lignit 48, Blei- und Zinkerz 8, Kupfererz 1. Pyrit 2, Chromerz 8, Manganerz 1, Antimonerz 4, Bauxit 7 und Magnesit 5. Die jugoslawische Hüttenindustrie ist schwach entwickelt, so daß die geförderten Erze zum größten Teil exportiert werden müssen.« Nach den Plänen der jugoslawischen Regierung soll jedoch eine große, dem Erzreichtum de« Landes entsprechende Hüttenindustrie almählich errichtet werden. Die vor wenigen Tagen gegründete„Jugoslo- vensti Celik"(„Jugoslawische Stahl A. G.") mit einem Kapital von 600 Millionen Dinar, ist ein Abschnitt auf diesem Wege. Dieses Unternehmen umfaßt die staatlichen Eisenerz- und Kohlengruben im Bezirk Zcnica und soll Jugoslawien vom Stahlimport auü dem Auslande vollkommen unabhängig machen. Das Aktienkapital dieses Großunternehmens befindet sich zu 40 Prozent im Besitz der staatlichen Hypothekenbank, während die Ministerien für Forstwesen und Bergbau ein großes Aktienpaket übernommen haben. Auch auf anderen industriellen Gebieten sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Am 1. Jänner 1988 wurden in Jugoslawien insgesamt »8054 industrielle Betriebe gezählt, gegenüber. 2976 am 1. Jänner des Vorjahres. Diese Unternehmungen gliedern sich wie folgt: Nahrung«- und Genußmittelindustrie 864, Forst« und Holzindustrie 408, Baumaterialicnindustrie 869, Textilindustrie 899, Elektroindustrie 284, Metall« und Metallwarenindustrie 186, chemische Industrie 170, Bergbau 105, Leder- und Schuhindustrie 84, Papier und graphisches Gewerbe 77, sonstige Industrien 144. Um der Uebcrfremdung einen Riegel vorzuschieben, hat die jugoslawische Regierung kürzlich ein Gesetz erlassen, demzufolge die Vergebung Man erhält fUr Ki 100 Reichsmark(Noten). 548.— Reichsmark(Münzen) 740.— 100 rumänische Lei.. 19.10 100 polnische Zloty.. 548.50 100 ungarische Pcngö.. 638.50 100 Schiveizer Franken. 668.50 100 sranzüsischc Franc«. 82.08 1 englisches Pfund.. 144.88 1 amerikanischer Dollar 28.95 100 italienische Lire.. 170.40 100 holländische Gulden. 1500.— 100 jugoslawische Dinare. 64.80 100 Belga«..... 400.— neuer Konzessionen an die Bedingung geknüpft ist. daß mindestens 51 Prozent des Kapitals aller von Ausländern gegründeten Gesellschaften jugoslawischer Besitz bleiben müssen. Auf Grund dieses Gesetzes soll es nicht mehr möglich sein, ausschlaggebenden Einfluß auf die Bodenschätze des Landes zu gewinnen. Oie Wirtschaftslage in Palen In der polnischen Presse wird die Zahl dec Arbeitslosen auf 2 Millionen gefchätzt. Diefe hohe Zahl ist in dem überwiegend landwirtschaftlichen Polen auf die sich ständig verschlechternde Lage In der Industrie zurückzuführcn. Das Industriekapital hat sich seit der Erneuening Polens nicht ergänzt. In der letzten Zeit mußte die Negierung den Verbrauch ausländischer Erze einschränken. Da« Ergebnis ist für die Wirtschaft nicht ersprießlich. Im Jahre 1987 sind 776.000 Tonnen Eisenerze in Polen gewonnen und 691.000 Tonnen eingeführt worden. Im gleichen Jahre sind 720 000 Tonnen Gußeisen erzeugt worden, d. h. nur 70% der Erzeugung des Jahres 1918. Nur die Kohlenförderung war im Jahre 1928 größer als 0.-1 dem Krieg. Sie erreichte damals 40.486.000 Tonnen, während sie im Jahre 1987 auf 86,216.000 Tonn. sank. Der Verbrauch auf dem Binnenmarkt nimmt ständig ab. Der einheimische Absatz an Eisen sank in den Jahren 1928—1987 um die Hälfte. Auch In der Oel« Industrie, die in Polen eine bedeutende Rolle spielt, ist ein bedeutender Rückgang zu bemerken. An Naphtha wurden in Galizien im Jahre 1918 1,114.000 Tonnen gewonnen, während sich die Gewinnung im Jahre 1987 nur auf 501.000 Tonnen stellte. Das ausländische Kapital, das zu 85% die polnische Naphtha-Industrie tontrolll'rt, investiert nicht mehr.— Der Goldvorrat der polnischen Staatsbank ist in den letzten zwei Jahren um die Hälfte gesunken. Arbeitsmarkt In der Schweiz Ende Juni 1988 gab es in der. Schweiz 48.500 Arbeitslose. Die», ist der niedrigste Si-'iid der Krisenjahce. Von Mai bis Juni 1038 ist die Zahl der Arbeitslosen um 7500 zurlickgegang,». Am Ende de» ersten Halbjahres 1988 war der Stand um 2000 Erwerbslose geringer als zu der gleichen Zeit im Jahre 1987. In der Maschinen- nnd Metallindustrie waren Ende 1987 58.600 Arbeiter beschäftigt. Diese Zahl schließt eine C.- Höhung um rund 14.000 oder 30% von Ende 1986 bis Ende 1937 ei». Auch die Zahl der Angestellten ist um 2000 gestiegen. Trotzdem war die Zahl der Arbeiter noch immer uni 8000 geringer als im Hochkonjunlturjahr 1929. Zur Frage des Gaskriegs Notwendige Vorkehrungen Trotz der außenpolitischen Ruhepause, welche die englische Regierung einzuleiten sich bemüht, ist die fortschreitende Versorgung unserer Bevölkerung mit Gasmasken ein dringendes Gebot. Gegen die behördlichen Vorschriften, Gasmasken zu beschaffen, hören wir mancherlei Einwände: ob denn der Schutz durch die. Masken ausreichend ist; und ob nach den letzten Kriegserfahrungen die Gefahr von Gasangriffen noch ernst zu nehmen ist. Zunächst ist soviel sicher: daß die Lebensgefahr in einer von folchen Angriffen heimgejuchten Stadt groß genug ist, um die Notwendigkeit eines Schuhes, sei er auch nur ein teilweiser Schutz, zu rechtfertigen. Das ist der weiteren Oesfentlichkeit zuerst zum Bewußtsein gebracht worden durch eine alarmierende Veröffentlichung des Völkerbunds im Jahre 1924. Eine Reihe von Gelehrten verschiedener Nationen hatten über Aufforderung einer Kommission des Völkerbundes Gutachten über die Gefahren eines Giftgasangriffes aus der Luft abgegeben. Aus dem zusammenfassenden Bericht, den die Kommission in Druck gab, ging hervor, daß ein Gaskrieg großen Maßstabs furchtbarere Opfer an Gut und Blut der bedrohten Be» böllerung zu fordern droht als die größten Bul- kanaushrüche und Erdbeben je gefordert haben. Eine starke Bewegung gegen die ungeheuerliche Gefahr setzte ein. Doch fanden sich auch Fachleute, insbesondere Offiziere auS dem Weltkrieg, die behaupteten, daß die Gefahr übertrieben werde. Die Beobachtungen im spanischen Bürgerkrieg und im japanisch-chinesischen Konflikt, in denen Gasangriffe ganz auSgeblieben sind, scheinen dieser Ansicht in gewissem Sinne Recht zu geben— doch kann dieser Schein nur bei ganz oberflächlicher Betrachtung entstehen. Letzte Erfahrungen Wer au« dem bisherigen Ablauf der gegen, tvärtigen Kriege auf das künftige Ausbleiben von Gaskriegen schließen will, vergißt vor allem, daß die Gaswaffe im abessinischen Feldzug Italiens eine sehr große Rolle gespielt hat. Die größte im April 1986, als die Italiener die abessinische Nordfront durch Senfgas-Angriffe zum Zusammenbruch brachten; die Kriegsentscheidung wurde dadurch mindestens teilweise herbeigeführt. Die Abessinier hatten keine Gasmasken, ja— sie hatten auch keine Schuhe, und das spielte bei der ausgesprühten Senfgas-Flüssigkeit, die im Gelände längere Zeit haftst, eine verhängnisvoll« Rolle. Denn dieses Gift verätzt die Haut in tödlicher Weise. Spanischer Luftschutz Auch die Spanier und die Chinesen besitzen keine Gasmasken. Vergleicht man die Schutzmaßnahmen der städtischen Bevölkerung Spaniens mit den üblichen Vorschriften für den städtischen Lustschuh, so zeigt sich, daß zwar die verheerenden Wirkungen der Luftkrieges, vor welchen die Völkerbundkommission warnte, an vielen Orten eingetreten sind, obwohl nur Spreng, und Brandbomben abgeworfen wurden; daß aber die tapferen Einwohner der Städte sich vielerorts wirksame Sicherung wenigstens des Leben« schaffen, konnten — eben infolge de« Ausbleibens von Gasangriffen. So berichtete einer der großen englischen Zeitungen ihr Korrespondent: Castellon, das kürzlich eingenommen wurde, sei Wochen vorher immer wieder schwer bombardiert worden. Bei einem Angriff haben 50 Flugzeuge 450 Bomben in die Stadt geworfen; ihnen fiel ein Menschenleben zum Opfer. Bei einem zweiten Angriff wurden 60 Häuser zerstört. Auch das Krankenhaus wurde getroffen, in ihm fünf Personen getötet: sonst gab e» in der Stadt kein Menschenopfer. Die Ursache ist, daß die Einwohner Keller in etwa 12 Meter Tiefe ausgehoben hatten; fast jedes Hau» hatte einen und sie waren durch Tunnels verbunden. In sie flüchteten die Bewohner bei jedem Angriff.— Ein zweiter» Blatt berichtet in ähnlichem Sinn über die Stadt Alicante. Dort sind die Keller bereits elektrisch beleuchtet: Nach sechs Wochen Luftkrieg, die durchschnittlich einen Bombenangriff täglich brachten, fand der Berichterstatter zwar die Stadt halb zerstört, aber die Bevölkerung ganz kaltblütig und nur von einem Haß gegen Franco erfüllt, der, wie er sagt, in Generationen nicht vergessen werden wird. Die Standhaftigkeit der spanischen Männer und Frauen ist jeder Bewunderung wert, aber ihre Unterstände würden bei Gasangriffen nicht Schutz bieten, sondern erhöhte Gefahr bedeuten. In keiner Weise gegen da» Eindringen der schweren, nach unten strömenden Giftgase geschützt, von maSken- losen Menschen ausgesucht, die dann vielleicht die AuSgänge durch ExplosionS- und Einsturztrümmer der Gebäude verlegt fänden, wären sic gefährlicher als etwa Kohlengruben, in denen schlagende Wetter angesammelt sind. Warum greifen die Franco-Leute nicht mit GaS an? Sie zerstören mit ihren Spreng- und Brandbomben ganze Städte, der Aufbau nach dem Kriege wird ein drohende» finanzielle« Problem sein und der Sieger, wer e« sei, vom englischen Kapital abhängig machen. Hingegen wäre die Entgiftung der Bauten eine Leichtigkeit— sie würden erhalten bleiben, mit dem Inventar. Jedoch gerade der Gaskrieg ist durch die kriegsgegnerische Propaganda am schärfsten verurteilt und von der öffentlichen Meinung am entschiedensten abgelehnt worden. Nur die» kann die Ursache sein, daß Franco, der gegen die stet» wachsende Empörung der Kulturmenschen gegen seine Kriegsführung keineswegs unempfänglich ist— so wenig wie die Japaner— Gasangriffe unterläßt:«in beklagenswert kleiner, aber doch ein Teilerfolg der kriegsgegnerischen Arbeit. In» Zukunftskrieg Anders, so müssen wir fürchten, stünden die Dinge in einem großen europäischen Swieg. Die Lebensfrage der Diktatoren wäre aufgerollt und -{eine- Rücksicht würde sie an der Verfolgung de» KriegSziel» hindern. Der militärische Vorteil insbesondere deS.kombinierten Luftangriffs, mit Spreng-, Brand« und Gasbomben würde wahrgenommen werden; davon sind die möglichen Gegner so überzeugt, daß sic insbesondere auch die Gasabwehr i» größtem Stile organisieren. England baute riesige staatliche Fabriken und hat bereits 85 Millionen Gasmasken für nahezu die ganze Bevölkerung vorbereitet. Frankreich hat zwar nur 1,700.000 Masken vorgesehen, hingegen große gaSgeschüdte llnierstände und den Abtransport eines großen Teiles der städtischen Bevölkerung aufs flache Land. So müssen auch wir un» gegen die GaSgefahr schützen. Neus Giftgase? Die Frage, ob zu den im Weltkriege vcrstcn- detcn Giftgasen neue mit noch verderblicheren Eigenschaften hinziigekommen sind, kann nicht im't Sicherheit beantwortet werden. Die Frage ist auch nicht von entscheidender Bedeutung. Der eine Hauptbestandteil der Filter an unseren Gasmasken schützt allgemein gegen alle Gistgase; es ist dies die aktive Holzkohle, die sic sämtlich absorbiert. Andererseits bedrohen die blasenziehenden Gase die ganze Körperoberslächc und da ist die Wirkung der schon bekannten Gifte, insbesondere dcS Senfgases und des Lcwisits, dermaßen verheerend, daß eigp Steigerung kaum mehr großen militärischen Vorteil verspricht. Die Gefahr, daß ei»»euer großer Krieg, der nach de» furchtbaren Gesetzen deö Kriegsverlaufs bis zur Ausrottung ganzer Völker abrollen würde, auch als Gaskrieg geführt werden würde, sei es mit den altbekannten oder auch mit neuen Gasen, muß anerkannt werde». Indem tvir uns vor der GaSgefahr des relativen Schutzes durch Masken, Unterstände und Evakuierung sichern, gleichen tvir den Vorsprung des möglichen Gegners im Schutz seiner Bevölkerung au« und nehmen ihm eine Sie- gcShoffnung. Der Gasschutz schädigt niemanden am Leben, er tragt anderseits dazu bei, den Anreiz. uns zu Überfällen, herabzusehen und damit auch die Wahrscheinlichkeit, daß cs zum kriegerischen Konflikt kommt. E. B. Ceite 6 Aus aller Welt " Sozialdemokrat" Prager Zeitung Rubrik Kriminalität - keine saure Gurkenzeit! -Familien- Blutuntersuchung. In das Victoria. Hospital in Blackpool fam neulich eine ganze Fa milie, Vater, Mutter und 20jähriger Sohn, mit der Bitte, eine Blutgruppenuntersuchung vorzunehmen. Diese Untersuchung wurde vom behandelnden Hausarzt für dringend.notwendig angesehen, und zwar um den Vater von einem ausgesprochenen Verfol Nächtliche Jagd nach einem Ein gungs- Eifersuchtswahn zu heilen. Vor sechs Jahren brecher. Die Prager Kriminalpolizei machte hatte dieser plöblich die Idee, sein Sohn sei aus im Zusammenhang mit dem Einbruch in die Villa cinem Ghebruch seiner Frau zur Welt gekommen. des Ing. Janit in Strč- einen nächtlichen StreifZwar lagen nicht die geringsten ernsthaften Verzug durch den Krčer Wald und seine Umgebung. In dachtsgründe vor, aber dieser Gedanke setzte sich einer Kantine fanden sie den bekannten Wohnungsfest, veränderte deu gesamten Charakter des Mannes einbrecher Michel Sojna aus der Slowakei. Der und zerstörte das Familienleben, da er dauernd 24jährige Sojna wollte, als er den Detektiv erblidte, seiner Frau nachspionierte und sich immer im Zu- durch den Nebenausgang entschlüpfen, geriet aber stand höchster Reizbarkeit befand. Er hat jahrelang direkt in die Hände der anderen Kriminalbeamten. über die Gründe dieser Gereiztheit geschwiegen und Er wurde festgenommen. Unterwegs, nahe dem Wald, gelang es ihm doch, sich loszureißen. Er gestand erst vor kurzem seiner Frau den Verdacht. übersprang einen Graben und floh in den Wald. Sie versuchte zunächst, die Sache als lächerlich hin Die Deteftive Severa und Novotny nahmen die Ver zustellen, aber es half nichts, und so entschloß sie folgung auf. Da Sojna ein gefährlicher Einbrecher sich zu dem Radikalmittel, durch eine Blutunter sein soll, schossen die Detektive nach ihm, doch Sojna suchung die Vaterschaft an ihrem Kinde feststellen verstedte sich hinter Baumstämmen. Schließlich zu laffen. Die Untersuchung fand ſtait und ergab tatsächlich, daß der Sohn zweifellos von dem besorg. ten Familienvater abstammte. Dieser war über. glücklich, zahlte nicht nur das Honorar, sondern stif tete auch eine beträchtliche Summe für das Hospital, und dem Familienglück dürfte nunmehr nichts im Wege stehen. Julius Gäfar 1938. Die„ British Broadcasting Corporation" hat vor einigen Tagen eine Aufführung von„ Julius Cäsar" von Shakespeare per Television gesendet, die die Besonderheit hatte, daß das Stüd feineswegs in römischer Tracht, sondern in moderner Kleidung gespielt wurde. Die Verschwörer treffen sich am Caféhaustisch, die Senatoren tragen Faschistenhemden und in den Kriegsszenen wirken Tanks und Flugzeuge mit. Der Mord an Julius Cäsar erfolgt zwar mit dem Dolch, aber die Verschwörer tragen auch Revolver, die sie auch sofort nachher beim einseßenden Kampf benußen, als ob sie Gangster wären. Der Versuch lief übrigens unter dem Titel: ,, Julius Cäsar oder eine Studie über moderne Dikta02 Opfer der Hitze. 39 Jahre erst war der Posts beamte A. Lebeda. Als er durch die Geistgasse ging, befiel ihn Univohlsein und er verschied, bevor ihm Gerettet werden Silfe zuteil werden konnte. fonnte der 36jährige Arbeiter E. Gerstl aus Žižkov, der in der Beltnergaffe zusammenfiel. Sein lebel stammte vom Genuß schlechter Selchware, die er in einem Automatenbüfett furz vorher gegessen habe. Ein 28jähriger Glasarbeiter zurzeit als Ges Tegenheitsarbeiter bei Sandabtragen beschäftigt wollte der Size des Tages durch ein Bad in der Moldau entfliehen. Er fand in der Kühle des Wasfers die Testt Erquidung. Er wurde von einem Strampf befallen und obwohl ihn Arbeitskollegen fo fort herauszogen, blieben Wiederbelebungsversuche erfolglos. Einer Depreffion unterlegen? Arbeiter, gestern morgens unterwegs zur Arbeit, fanden auf der Landstraße einen 17- bis 18jährigen Jungen, erhängt an nach einſtündiger Ragd- würde er wieder feſtges eine Tag bie pittentaide, in für eine Blame it at nommen. Sein Geständnis war umfassend, die gen ihr Flasche mit KafBeute aus der Villa Janit, mehr als 70.000 Kč, fee, zwei Brotschnitten und eine Tube Leberpastete. hat er, berpadt in mehrere Kisten, an verschiedene Man vermutet, der Junge ſei einer Depreffion zum schon verhaftet, u. a. ein 24jähriger Friseurgehilfe Adressen abgesandt. Helfer des Sojna wurden auch Opfer gefallen. aus Nusle. Da Sojna die Adressen der verschickten Sisten angab, rollen diese bereits wieder nach Prag zurück und so kam ein Teil des Geraubten zustande. Zwei Jahre Krieg in Spanien Die Gendarmerie sucht sie und sie ist das Thema einer von der Geſellſchaft der sucht- Wäsche. Die 29jährige Sausgehilfin Freunde des demokratischen Spanien i. d. CSR für A. S. ist eine Wäschesammlerin. Wo sie nur kann, Montag, den 8. August, hält sie nach diesen Dingen Ausschau und wo sie unFemerkt bleibt, nimmt sie die Wäschestüde an sich. gal für welches Geschlecht sie bestimmt sind, A. S. Die Gendarmerie wieder sucht seit längerem und von liebt Damenwäsche ebenso wie Wäsche für Herren. vielen Stationen aus die A. S. Sie wurde gefunden samt der Wäsche, die sie gestohlen hat. toren". Von Shakespeare sind gerade noch die Verse fier der Großbank über den Ausländer gab, der um übrig gegblieben. Sinclair Lewis als Schauspieler. Zum ersten Mal in seinem Leben ist der berühmte amerikanische Schriftsteller Sinclair Lewis als Schauspieler aufgetreten und alle waren verblüfft, mit welcher überlegenen Natürlichkeit er spielte. Allerdings war es eine Rolle, in die er sich gut hineinversetzen konnte, denn es war die von Doremus Jessup, der Hauptperson seines Romans„ Dies ist bei uns nicht möglich", den er für Bühnenzwede völlig umgearbeitet hatte. Es handelt sich um ein ausgesprochen politis sches Stück. Es ist in einem kleinen Theater in Cohasset bei Boston vor einem Premierenpublikum aufgeführt worden, das glanzvoller nicht einmal in New Port zusammenfommen fann. Eingesendet Der Hörspielwettbewerb, der mit Preisen in der Gesamthöhe von 20.000 Kč von der Firma Philips für den Schulrundfunk ausgeschrieben wurde, endet am 30. September d. J. Die Wettbewerbsbedingun= gen stellt bereitwilligst die Direktion der Firma Philips in Prag II., Karlovo nám. 8, zur Verfügung. 100 in den Großen Saal der Lucerna Dr. J. Fischer, Sekretär Kurt Schrader, Ing. einberufenen öffentlichen Veranstaltung, bei der Nemenni, Redakteur Ottokar Wünsch und Schriftsteller Ján Poničan sprechen werden. Freitag, 5. August 1938. Dir. 182. Tino Roffi in dem Film Feurige Rüffe". lagen umber. Man vermutete einen Mord und lies daher die Leiche ärztlich genau untersuchen. Die Untersuchung ergab feine Bestätigung des Verdachts, sondern, daß Sopet schwer hersfrant war und einem solchen Herzanfall zum Opfer fiel. Noch länger vierzehn Tage blieb es bon den Hausbewohnern unbemerkt, daß der 55jährige Beamte Rudolf Kachl, Tempelgasse Nr. 5, die Woh nung nicht verlassen hat. Stachl lebte, so wie Sope!, ganz allein. Ein Herzschlag führte den Tod herbei, Die Polizei fand ihn gleich neben der Türe auf dem Fußboden liegend. Feuer durch Funken. In Hloubětin übersprang ein Funke aus der Lokomotive des vorbeifahrenden Zuges auf ein Feld gegenüber der Verzehrungssteuer Bude. Feuerwehr war gleich zur Stelle und löschte unter Mitwirkung der Ortsbewohner den Brand. Zehn Mandel Weizen verbrannten. Die Staatsbahnen veranstalten einen fechs Alle Freunde der spanischen Republik werden vom 6. bis 14. August für 420 Kč, am 7. Auguft tägigen Ausflug in das Riefengebirge in den Tagen zur Teilnahme aufgefordert. einen eintägigen Ausflug in die Mazocha für 180 Kč, Abfahrt vom Masarykbahnhof um 6.05 Uhr und und Informationen im Referat der Ausflugszüge Auch der Geldwechsler bereits feits genommen. Nach der Beschreibung, die der Kas10.000 Kč mehr einwechselte, ohne den Betrag zurüdzuerstatten, wurde der Mann festgenommen. Aus Rücksicht auf die weitere Untersuchung wird der Name Eine Dofis zu viel oder Selbstmord? In tiefer neben dem Wilson Bahnhof. Telephon 38.385. nicht freigegeben, es soll sich um einen Valutenpascher Bewußtlofigkeit fand man im Hause in Prag XII, handeln. Das Kreisgericht Bantrab wohin man Milešovská, Frau M. M. Sie wurde in das Kran ihn überstellte wird sich mit dem Fall zu beschäffenhaus geschafft, doch fonnte bisher nicht flargetigen haben. stellt werden, ob es sich um eine Vergiftung durch ein zu starkes Medikament oder um Selbstmord handelt. 0000000000000000üdtehr nach Brag um 23.89 1hr. Anmeldungen Brag im Umbau. 350.000 Quadratmeter Zus wach an neuen Straßen in Groß- Prag, d. s. rund Lachend in den Tod. Das dreijährige Mäderl, 700 Quadratkilometer Straßennes. Das ist aber Hanna Strnad in Branit, hatte einen Kinderroller noch lang nicht die Erfüllung des Gesamtplans der erhalten und probierte ihn gleich aus. Unter freudiStadt Prag, sondern nur ein Bruchteil. Immerhin gem Lachen rollte das Kind erst schnell und sicher Prag hat damit die Verbindungsstraßen aus über den Gebsteig, mit einmal verlor es das GleichInner- Prag in die Peripheriebezirke und neuen gewicht und stürzte. So unglücklich, daß es schwer Wohnfolonien geschaffen. Vorherrschend wurden zugegen das Pflaster auffiel. Die Mutter brachte die den Straßenregulierungen Steinpflasterungen be- leine, die schwache Lebenszeichen von fich gab, fo ftimmt, leider blieb der den Lärm dämpfende Aliphalt gleich zum Arat; der konnte leider nicht mehr helfen, noch in der Minderheit. Die alte Kampa- Mühle, das Kind starb. die fo luftig flapverte, um die herum die Prager Wo bleiben die lieben Nachbarn? Gewöhnlich Kinder so gern ihre Versteckspiele abhielten, ver- find sie gleich dabei, wenn man sie just nicht dabei schwand so wie alle Altprager Mühlen( besonders auf der Meinseite). ohne der Neuzeit ein Andenken 3 hinterlassen. Die Kampa- Mühle brödelte nach Moldau- Ufern. und nach ab, wehmütig stehen die Altprager an den Verschwunden ist ein Stüd Romantik- ein Fleiner Steg ist alles, was an der Stelle der Kampa- Mühle zu sehen ist. Vereinsnachrichten Ortsgruppe Prag: Sonntag, den 7. August, Wanderung von der ütte zur Befedna- ti. Jovice. Führung: Schaffer. Hüttendienst: Korn. Junge Arbeiterin aus Westböhmen, welche durch die Gleichschaltung eristenslos geworden ist, fucht eine Stelle als Hausgehilfin oder Kindermädchen wünscht. Diesmal fümmerte sich niemand in dem Haus Prag- Košir, wo denn der Mieter F. Sopel stedt; endlich nach zehn Tagen meldete jemand der Polizei, Sopek sei schon einige Tage nicht gesehen worden. Der Polizei bot fich beim Deffnen der Wohnung ein Bild des Grauens. Sopet lag in Prag. Anfragen an die Administration d. Blattes. quer über dem Bett, Wäsche und Kleidungsstüde meint er, stellen dadurch, daß es keine Möglichkeit der Stritit gibt und daß das fritisierende Ausland als böswillige Hebe abgetan wird, eine große Gefahr für die Menschheit dar. pause, als auch im Betrieb von den Aelteren ab-| die Anordnungen der übergeordneten Stellen| fommt die Verbannung. Ein ganz sicher wirkendes Wächst die Dummheit? hängig sind, so hüten sie sich wohl ihre kritische richtig wiederzugeben vermag, ist zugleich für Mittel gegen gefährliche Menschen weiß auch Meinung zu äußern. Der Erwachsene hält daher seine Untergegebenen in allen anderen Dingen Prof. Richardjohn nicht vorzuschlagen. Wie aus Amerita gemeldet wird, hat Prof. oft junge Menschen für dumm, in Wirklichkeit des Lebens die höchste Autorität. Das kann unter Dr. H. Richardsohn ein interessantes Buch geschrie- sind sie es nicht, fie äußern sich nur nicht, weil es Umständen gut, fann aber auch schlecht sein. Schwierig, meint er, ist bei führenden Boli ben. Das Material des Buches ist sorgfältig au- die Slugheit ihnen gebietet. Beim gewöhn Weiters stellt der gewissenhafte Professor die Wer ist berechtigt und kompetent, den Führertikern und Volkswirtschaftlern auch die Frage: sammengetragen und stützt sich auf jahrelange lichen Menschen ist das weiter nicht gefährlich, fühne Behauptung auf, daß auch die Streise der schein auszustellen? Die allgemein übliche Form Beobachtungen, die der Professor in allen Kreisen denn es finden sich schon Leute, die ihm einmal Professoren und Gelehrten von dieser Erscheinung ist, daß die den Staat führenden Männer in ge der Bevölkerung angestellt hat. Zehntausend Fälle die Wahrheit sagen. Anders ist es jedoch, wenn nicht verschont find. Er meint, daß der Verfall der heimer Wahl gewählt werden. wurden von ihm untersucht und auf Grund seiner wir zum Beispiel einen Musitstudenten nehmen. Intelligenz zu ertragen wäre, da die Bedrohung eingehenden Studien tam er zu dem Schluß, daß Der junge Mann hat sich durch Fleiß, Selbst- der Menschheit durch die bisher aufgezählten Fälle taturländern ist diese Vorgangsweise unrichtig, Nach Auffassung der Staatsführer von Dil bestimmte Posten und Stellen in öffentlichen wie tritik und Kritik anderer zu einem tüchtigen Fach- nur eine indirekte kaum sichtbare und schwer meßin privaten Dienſten zu einer Einengung des gei- mann herausgebildet. Er wird nun eines Tages bare ist. Anders ist der Fall, wen der Betreffende denn: Wie könne ein einfacher Mann aus dem ſtigen Blichfeldes, zur Rückbildung der Intelligenz, Kapellmeister und leiſtet auch als solcher erſt- Arzt, Volkswirtschaftler oder Politiker ist, dann Bolle, der nicht einmal seinen Namen in die rich zu einer Rückentwicklung des Geistes überhaupt, flaffige Arbeit. Der Mann spielt jeden Tag mit erwächst der Menschheit eine direkte und unmittel- tige Rubrit feßen kann, bestimmen, wer ihn reführen. Feiner Kapelle in einem Café. Er nimmt die bare Gefahr aus seinem Verhalten. Er hält diese Erscheinung für gefährlich für Musiker auf und entläßt sie. Er bestimmt, was Besonders die Politifer der Diktaturstaaten, Volk und Staat, weil von dieser Erkrankung, so gespielt wird. Was er sagt, gilt, sei es nun in der fern man sie als solche bezeichnen kann, zumeist Musit, sei es in anderen Dingen. Er findet es höhere Beamte und Leute betroffen werden, die auch als selbverständlich, daß alle seiner Meinung sogenannte Freie Berufe" ausüben. sind. Kreise, von denen er weiß, daß sie anderer Aus seinen Untersuchungen geht hervor, daß Meinung sind als er, meidet er offensichtlich. Er dieser geistige Rüdentvidlungsprozeß gewöhnlich kommt nur zusamen mit seiner Frau, seinem Berin dem Augenblick beginnt, in dem es einem Men- fonal, einigen Obern und Kaffeehausgästen. Da schen gelingt, eine unabhängige, leitende Stelle ihm niemand widerspricht, oder doch nur nichtszu beseßen. Er hat gefunden, daß solche Menschen fagende Einwendungen wagt, so kommt es, daß unter ihren Mitmenschen ziemliches Ansehen ge- er seine Ansichten samt und sonders für richtig nießen und daß es daher nicht gleichgültig ist, was hält. Hier ist der Gefahrenpuntt, hier beginnt der für Dent, Redes und Handlungsweise solche geistige Rückbildungsprozeß. Ein solcher Mensch Menschen besigen, denn sie findet oft, leider zu oft ist wie aus den Wolken gefallen, wenn er einen Nachahmung. Schulkollegen trifft, der ihm nach langem Hin Das wäre aber nicht das Schlimmste. Schlech- und Her turz und bündig erklärt, daß er zwar te Gewohnheiten sind zu ertragen und alberne etwas von Musik versteht, doch in den eben beAnsichten werden im Geheimen belächelt, aber und sprochenen Dingen ein Riesentrottel sei. hier beginnt das Tragische: Viele Menschen find Ein anderes Beispiel: Der Herr Lehrer wird lichkeit, Ehrgeiz, kurz Dummheit zurückzuführen von solchen Leuten abhängig, niemand wagt es, Oberlehrer. Er widmet sich den Kindern, ist im find. Ein Führer müßte, so meint er, geprüfi Die Frage nun, ob die Dumheit in Zunahme ihnen die Meinung zu sagen, daher glauben fie Sparkassenausschuß, beim Verein gedienter Sol- werden, ob er auch führen kann. Von jedem Wa- begriffen ist, beantwortet er zusammenfassend so, imer im Rechten zu sein, alles zu wissen, alles zu daten und im Imferverein. Nirgends stoßen feine genführer wird verlangt. Einem Wagen- daß die Menschen troß aller Errungenschaften der verstehen. Aeußerungen auf Widerstand. Es ist tein Wuns führer, der sich eine grobe Fahrlässigkeit aus Neuzeit, troß aller äußerlichen Fortschritte in Wir wollen an einigen Beispielen zeigen, wie der, wenn sich ein solcher Mensch in die unhults schulden kommen läßt, wird der Führerschein ent- ihren Beziehungen zueinander den Stand, den fie dieser geistige Rüdbildungsprozeß zustandekommt. barsten Ansichten verbeißt nud später durch rie- zogen und er wird eingesperrt. Bei Staatsführern vor Jahrtausenden inne hatten, bis heute nicht Junge Menschen sind meist sehr kritisch, sie sehen manden zu belehren ist. ist die Sache anders. Gelingt ein Raubzug, so um Saaresbreite überschritten haben. In neuer, die Fehler, die die Erwachsenen im Großen wie Ober nehmen wir den Abteilungsvorstand gibt es Ehren und Auszeichnungen, Denkmäler glänzender Hülle, find sie die alten Bestien im Kleinen machen, sehr scharf. Da sie sowohl zu eines statlichen Unternehmens. Der Mann, der und goldene Lettern, gelingt er nicht, dann erst geblieben. le Hans Pable. Bezugsbedingungen: Bei Ruſtellung ins aus oder bei Bezua durch die Boſt monatlich Ke 17.- vierteljährig Kö 51.—, halbjährig Kč 102- ganzjährig Kč 204.Inserate werden laus Tarif billigit berechnet, Rüditellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten- Die Beitungsfrantatur wurde von der Boft- u. Telegrabbendirektion mit Erlas Nr. 18.800/ VII/ 1980 bewilligt( Kontrollpottami Braha 25.- Druderei: Orbis". Drud. Verlags- u. Beitunas- A.- G. aa Am Schluße des Buches erörtert er die Möglichkeiten, die es gibt, um bei den gefährdeten Kreisen das Abgleiten in geistige Enge zu verhindern. Seine Vorschläge sind sehr human und beschränken sich auf wirksame Kontroll-, und psychologische Maßnahmen dort, wo den Menschen nicht unmittelbare Gefahr droht. Für die andere Kategorie schlägt er zum Teil sehr drastische Maßnahmen vor. Er geht bei seinen Vorschlägen von der Ansicht aus, daß diese Men schen niemals absichtlich etwas Böses, ihre Mitmenschen Schädigendes wollen, sondern daß ihre Taten auf irrige Auffassungen, Stolz. Ueberheb gieren und führen solle? Der einfache Mann könne veder felber führen, noch bestimmen, wer ihn führen soll. Eben deswegen müsse er einen Führer haben. Bleibt also die große Frage: Wer bestimmt die führenden Staatsmänner? Wer entscheidet darüber, ob ihre Maßnahmen und Verfügungen gut oder schlecht sind? Auch darauf versucht Prof. Richardsohn ein Antwort zu geben. Gewiß ist es möglich, so meint er, durch vollständige Freiheit zur Diktatur und damit in die Gefahrenzone des Abgleitens in geistige Enge zu kommen. Freiwil lige Begeisterung und Zustimmung führen die Diftatoren auf ihre Höhe. Ebenso sicher aber ist es auch, daß durch die Diktatur die kritische Meinung geschärft wird und in den Menschen den Willen zur Freiheit wieder wachruft. Diese Ers fenntnis ist gewiß recht tröstlich, doch es fragt sich nur, ob die Menschheit die Kosten dafür nicht zu hoch bezahlt und ob ein solcher Wandlungs prozeß nicht billiger zu haben wäre. fo fi 2 1 h n b b