ozialoemokrat Donnerstag, 18. August 1938 Nr. 193 18. Jahrgang vis SdP lehnt ab! Aus dein Inhalts fein die die alle Francos Offensive gegen Almadin gescheitert Rekonstruktion der Regierung Negrin Raubmord eines SdP-Mannes Wir freuen unü über die Erfolge, die die spanische Republik und China in diesen Tagen erkämpft haben, und wissen ihre Internationale Le- deutnng einzuschähen. In der Tschechoslowakischen Republik bestehen derzeit viele Spannungen und die Leidenschaften gehen hoch. E« ist schwer zu sagen, was das Ergebnis fein wird, aber ich hoffe doch, daß der Krieg abgewendet werden wird, daß diele Leidenschaften sich beruhigen werden, und daß die verschiedenen Rationalitäten dieses Staates einmütig in allen gemeinsamer Freiheit nebeneinander leben werden. Ich habe die Aube und Entschlossenheit bewundert, mit der die Levölkeruug der Tschechoslowakischen Republik diese Krise erlebt. Im Auslande bestehen noch beträchtliche Fehlmeinungen über die Probleme, um die eS sich in der Tschechoslowakischen Republik bandelt, und eS wäre wünschenswert, sie dadurch zu beseitigen, daß mau daS Ausland über die tatsächliche Lage gut informiert. LIS.zu einem bestimmten Raß ist die heutige internationale Krise durch die schwankende Politik der britischen Regierung herporgerusen. In solch einer Zeit wie der heutigen müssen alle Beteiligten klar denken und eine klare Politik führen und-war eine solche Politik, deren Ziel die Stärkung der Freiheit und Demokratie ist. In England wächst da» Perständni» für eine solche demokratische Politik, die einzig und allein imstande ist, den Frieden zn retten, sonst läuft man Gefahr, daß ro zum Kriege kommt. In Indien ist unser unmittelbares Ziel, unsere Unabhängigkeit zu erreichen und wir sind daher antiimperialistisch, aber obwohl wir für einen unabhängigen Staat eintreten, sind wir für eine ans der kollektiven Sicherheit beruhende Weltordnungs wobei mau sich jedoch darüber klar sein muß, daß ein System der kollektiven Sicherheit mir aus der Grundlage der Freiheit funktionieren kann. Auch in Indien hat der Faschismus seine Propaganda entfaltet, aber sie hat nicht viel au»» gerichtet, da unsere Rationalbewegung unläSltch mit dem Grundsatz der Freiheit und Demokratie verbunden ist. üimclrnen fährt nicht zu Hitler Loudon.(Reuter.) DaS Rcutersche Bureau bkrossentlicht zu den wiederholten in der Weltpresse verbreiteten Gerüchten über eine vorberei« >ele Zusammenkunft zwischen Lord Runeiman und dem Reichskanzler Hitler folgende Information: »Amtlichen Stellen ist nichts Über irgendeinen Plan bekannt, demzufolge Lord Runeiman mit Reichskanzler Hitler zusammentreffen soll.- DaS Sekretariat der Mission Lord RpneimanS m Prag dementierte bekanntlich schon am Montag alle diese Angelegenheit betreffenden Gerüchte. die LolkSvertretung fein soll, wurde abgelehnt. ES sei kein Entgegenkommen in der Frag« der Sektionierung der Zentralbehörden erkennbar. Die SdP verlange keine Zerschlagung des Zentralparlaments, aber solche Maßnahmen, die eine entsprechende Rechtsstellung der Völker im Parlament gewähr- leisten. Auch da» Elaborat zur Sprachensrage sei ungeniigend. Zwischen den Auffassungen der Regierung und der SdP bestehe«ine tiefe Kluft. Die SdP sei aber auch heute noH bereit, darüber zu verhandeln. Kundis Erklärung enthält dann Drohungen so die Worte, daß die Geduld der Bevölkerung weniger groß sei al» die der SdP. und Vorschriften, wie sich die andern Verhalten müßten, wenn die SdP die Verhandlungen fortsehen soll. Oer amtliche Verhandlungsberlcht Prag. Am Mittwoch sand um 16.80 Uhr im Kolowrat-Palais unter dem Vorsitz de» Ministerpräsidenten Dr. Milan Hodja die dritte Sitzung der Regierung mit der Delegation der Sudetendeutschen Partei statt. Einleitend gab Abg. Kundt die politische Kritik der SdP-Delegation zu den Vorschlägen der Regierung bekannt und antwortete insbesondere aus daS Ezpost de» Ministerpräsidenten und die Darlegungen der Koalitionsabgeordneten in der Sitzung am 11. d. M. Daran schloß sich eine allgemeine Diskussion, in der die Mitglieder des Kabinette» den grundsätzlichen Standpunkt der Regierung mitteilten. ES wurde allgemein die Absicht zum AuSdrmke gebracht, zu einer gemeinsamen Aussaffung über die grundsätzliche Regelung zu gelangen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Dr. Hodta beim Präsidenten Unüberbrückbare Gegensätze“ Ausarbeitung von Gesetzentwürfen in Betracht. Er wolle die Betonung de» guten Willen», die in den Erklärungen de» Ministerpräsidenten und der Koali- tion»vertreter zum Ausdruck kamen, nicht überhören, entscheidend sei aber, db dieser gute Wille real in Erscheinung trete. Die SdP verlange im Sinne der Karlsbader Forderungen Senlein» nicht nur die gesetzliche Verankerung mw Sicherung der Gleichberechtigung der Staatsbürger obne Unterschied der Nationalität, sondern auch die Anerkennung und Sicherung der Gleichberechtigung der Völler und VollSgruppen und«inen Umbau de» Staate» von Grund aus. Dieser Grundsatz wird in den Regierungselaboraten ebensowenig wie trüber ausdrücklich anerkannt, sondern nur der Grundsatz per Proportionalität angeführt. Die bisherige Auffassung habe bewirkt, daß der Staat»raum durch sein ungelöste» Nationalitätenproblem ein Raum innerstaatlichen Unfrieden» und europäischer Frieden»gefahr geworden sei. Di« Regiernngientwürse seien nur eine Kodifikation del schon Bestohenden. Gegen die Beweisführung, daß es kein rein deutsche» Siedlungsgebiet gebe, erklärt« Kundt, die SdP werde die Ergebnisse der Tschechi- sierungSaktion niemals anerkennen. Brüst lehnte Kundt die Vorschläge betreffend die Selbswerwaltung ab. Der Vorschlag der Regierung und der Vorschlag der SdP seien unüberbrückbar. weil sie von geradezu gegensätzlichen Auffassungen ausgingen. Die DdB wolle, daß die deutsche Volksgruppe al» gleichberechtigter Partner anerkannt werde. Die Versäumnisse und Kleinlichkeiten Sogar das(auch im. guten Sinne des Wortes) konservative England hat erkannt, daß auch Staaten nicht mehr auf Reklame, auf Propaganda verzichten können. Es sah sich veranlaßt, der italienischen antibritischen Propaganda durch arabische Rundfunksendungen durch Radiovorträge in derselben Sprache entgegenzuwirken. Die Tschechoslowakei aber, die doch weniger traditionsbela- tet sein sollte, Neuerungen weniger unzugänglich, verzichtet auf Propaganda saft ganz. Fremdenverkehrspropaganda— gut, die wird gemacht, wenn auch nicht immer mit gan- richtigen Mitteln. Aber ist die politische Propaganda, die Propaganda für den Staat, für die demokratische SiaatSidee, etwa verwerflicher als Fremdenwerbung? Darf etwa ein Staat, der auf seine Würde bedacht ist, zwar Ausländem die Schönheiten des Landes' anpreisen, um sie zum Besuche zu bewegen, also Geld ins Land zu bringen, aber nicht die Ideen anpreisen, die die Grundlagen seines Lebens sind, darf er nicht Propaganda für seine Existenz machen, die doch noch etwas wichtiger ist als der Fremdenverkehr? La, wenn ein Staat auf solche Propaganda verzichtet, weil er sicher ist, von niemandem bedroht, seine Staatsidee nicht angezlvciselt, noch gar bekämpft wirdl Aber erfreut sich denn die Tschechoslowakei einer solchen Sicherheit? In der Sprache eine» Großteils der Staatsangehörigen wird täglich mehrere Male durch den Rundfunk der Staat angegrisfen, Hunderte Zeitungen, Broschüren^ Bücher, von denen viele auf geheimen Wegen doch in» Land kommen, führen gleichfalls diesen Kampf. Zur selben antidemokratischen totalitären„Weltanschauung", die im Dritten Reiche Staatüdoktrin ist, wurde— nicht zuletzt durch das vollständige Fehlen jeglichen Werbens des Staate» für sich selber!— ein beträchtlicher Teil der sudetendeutschen Bevölkerung geführt— und noch immer gibt eü weder eine staatliche Gegenpropaganda, noch positive Propaganda für die Tschechoslowakei! In Frankreich werden, lvenn die Kammer ea beschließt, Ministerreden, aber auch Reden von Politikern im ganzen Lande plakatiert. Warum nicht auch bei uns durch das Plakat, durch die Asfichierung amtlicher Erklärungen gegen ausländische Falschmeldungen, den Lügen gegen den Staat enlgegenwirken? Bloß deshalb nicht, weil so etwa» bei uns bisher nicht gebräuchlich lvar? 2u Prag haben loir in der Zeit des Sokol- krngresses plötzlich Mitteilungen durch Lautsprecher, die an wichtigen BerkehrSpunkten angebracht wurden, gehört. Durch Lautsprecher in den sudetendeutschen Gebieten könnte man hunderttau■ sende, die grundsätzlich den Meluiker Sender nicht hören, zu Hörern dessen machen, lvas die Republik ihnen zu sagen hat. Man bleibt schon, wenn plötzlich weithin aus dem Lautsprecher die Stimme eines Redners ertönt, stehen und horcht! Bielleichi wider Willen, aber doch! Aber freilich:»lan muß den Leuten, die man zu Hörern machen will, auch etwas zu sagen haben. Man muß den Mut haben, ihnen etwas zu sagen! An diesem Mut fehlt eS vor allem. Oder sollte e« doch sein, daß man noch immer nicht begriffen hat, daß der Rundfunk fiir den Staat von größter Bedeutung sein kann? Fast scheint ea manchmal so, daß man sich vor nicht» ängstlicher hütet al» davor, den deutschen Sender zu demokratischer Propaganda zu benützen! Man hat diesen Sender, den die Sudetendeutschen viele Jahre lang forderten, al» ihr Recht forderten, ungern und spät geschaffen, und al» er geschaffen wurde, da war man— und man ist e» noch— vor allem darauf bedacht,, nur ja nicht die Mißstimmung der Antidemokraten zu erregen. Ala ob e» ein anderes Mittel gäbe, die Mißstimmung der SdP zu be- > fettigen, als die unbedingte Auslieferung des Sen- | derS an fiel Was ist daS Ergebnis dieser Rundfunkpoli- - tik? Die Nazi boykottieren ihn, so gut sie können, und die demokratischen Deutschen sind unzufrieden, lind hört ja einmal ein Nazi versehentlich eine ! Melniker'Sendung, dann muß er staunen über die Harmlosigkeiten, die er zu hören bekommt, und sein Respekt vor dem Staat, der so sehr auf seine, ! diese» gelegentlichen Hörers, antidemokratische Gesinnung Rücksicht nimmt, muß natürlich be« i trächtlich steigen. Was für Absonderlichkeiten er- ! eignen sich dal Am ersten Mai durfte den sudetendeutschen Arbeitern beileibe nicht gesagt werden, Pandit Rehrn gab der Vertreterin der „Lidovt Roviny", Dr. Sylvia Eltr, folgende» Interview: Ich habe eine sehr interessante Woche in der Tschechoslowakei«erbracht und hier viele Lent« getroffen. Ich bin dankbar für Ihre Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit. Wir Inder haben Interesse für die Tschechoslowakische Republik, weil wir selbst für Demokratie und einen unabhängigen demokratischen Staat in SnMen ein- treten; und diese» Interesse hat sich in Anbetracht der gegenwärtigen internationalen Lage noch vertieft. Unsere Syinpathie muß unvermeidlich aus feiten der Tschechoslowakischen Republik sein und wir hoffen, daß sie au» der harte» Prüfung, die sie jetzt durchmacht, gestärkt hervorgehen wird. Für einen fremden Besucher ist e» schwer, eine Meinung über die inneren Probleme eine» Lande» auszusprechen, aber wenn diese inneren Probleme rn internationalen Probleme»«erden, welche den Frieden und die Zukunft der Welt betreffen, hat ein jeder sich für sie zu interessieren. E» scheint mir, daß es möglich müßte» alle diese inneren Probleme durch Methoden der Demokratie»u lösen, durch Gewährung vollkommen gleicher Rechte an Bürger, die in diesem Staate leben; jedoch de» Grundsatz der Demokratiean. zutasten oder einen demokratischen Staatin der gegenwärtigenWelt. läge zu schwächen, wäre ei» Vorgehen, da» alle Menschen, die die Freiheit lieben, ab. lehnen und bekämpfen müßten. E» scheint mir, daß die wirklichen Fragen, denen sich die Tschechoslowakische Republik gegen- über fleht, nicht so sehr die untergeordneten Fragen sind, von denen man spricht, sondern die große Frage, ob die Demokrat«» weiterbestehen soll oder nicht-Ach hoffe ernstlich, daß der Grundsatz der Demo, kratie nicht angetastet werden wird. Die anti- demokratischen Kräfte haben bereit»-« viele Au. griffe unternommen. Wir Inder haben an» gegen alle diese Kräfte erklärt, da wir absolut gegen jede Form von Imperialismus sind. Wir bringen der spanischen Republik und China unser» vollste Sympathie entgegen, weil wir erkannt -oben, daß beide für die Demokratie kämpfen. 99 Die Sitzung der Regierung mit den Ber- ttetera der SdP am Mittwoch nahm einen un- ervatteten Verlauf durch die Erklärung, die ztg. Kundt al» Anfwort auf da» Expose be» Ministerpräsidenten vorla». Die Erkläruug lehot olle RegieruugSvorschlage ab. Man steht nun nach wochenlangem Verhandeln wieder am Anfang: Regierung und EdP sind einander nicht um einen Schritt näher gekommen. Der Fortschritt, der in dieser langen Zeit erzielt wurde, besteht, sofern man da» al» Fortschritt bezeichnen will, darin, daß die SdP die RegierungSvorschläge in ihrer Gesamtheit al» unannehmbar bezeichnet, so daß diese Voc- schlage nicht einmal al» Verhandlungsgrundlage anerkannt werden. In-der scharfen, nicht einmal im Ton konzilianten Erklärung, die siundt al» Antwort auf die Darlegungen de» Ministerpräsidenten Verla», wird einfach auf die bekannten Karlsbader Forderungen zurückgc- griffen, und wenn Kundt von wetterer Verhandlungsbereitschaft der SdP spricht, so nur nach in dem Sinne, daß darüber verhandelt lverden soll, wie durch einen Staatsumbau auf Grund dieser Karlsbader Forderungen die Krise der Tschechoslowakei gelöst werden soll. Im Grunde genommen ist da» kaum, noch em Verhandeln, sondern die SdP schreibt' der Re- zierung bereit» die Grundsätze vor, nach denen der Staat umgebaut werden soll— wa» noch auSgehandelt werden könnte, wären die gesetzlichen Formen, in denen die Auslösung der Tschechoslowakei zu erfolgen hat. Kundt» Rede ließ eü auch an Drohungen nicht fehlen: die Geduld der sudetendeutschen Bevölkerung sei weniger groß al» die der SdP. Unterhändler, die sich also al» von der VolkS- sümmung Getriebene darstellen. Und um Verhandlungen— jene Verhandlungen, die die SdP allein noch für möglich hält— über- Haupt zu ermöglichen» müßte die psychologische Voraussetzung geschaffen werden. Wodurch? Durch eine Aenderung der Haltung der tscheck;i- scheu. Presse, der Organisationen, der Regie- rungSorgane— e» müßte also schon die Kritik an der SdP eingestellt werden.— Wie man doch noch, waS daS RegierungSkommuniquä als allgemeine Absicht der BeratungSteilnehmor bezeichnet, zu einer gemeinsamen Auffassung über die grundsätzliche Regelung gelangen will, da» ist, wenn auch die Verhandlungen noch fortgesetzt werden, im Augenblick kaum vorstellbar. DaS Ergebnis der Beratungen am Mittwoch ist jedenfalls die Klarstellung der Schärfe der Gegensätze, des großen Ernstes der Krise, lind i»i Zusammenhangs mit der Manöverlust in Deutschland ergibt sich eine allgemeine V e r- schärfu.ng der Situation. Die-kom» mendcii Wochen werden die kritischesten- sein, die wir je durchlebt haben. Sie werden zeigen, ob es sich jetzt nur um ein Manöver der SdP handelt, ob sie schließlich doch zum Einlenken bereit sein wird oder unbedingt den Bruch will. DteSdP-ErklSruns Kundt» Erklärung geht davon au», daß eS Zweck der Verhandlungen sei, eine gemeinsame arundsähliche Auffassung auzustreben und erst dann käme eine Verhandlung über Teilfragen und die Vertreter der mchttschechischen Völker seien den... Mehrheitsbeschlüssen der tschechischen--Parlaments-'-Der Präsident der Republik Dr. Eduard Mehrheit wehrlos auSgeliefert. Der Vorschlag der Bene» empfing nm Mittwoch den Vorsitzenden der SdP, daß die Spitze der deutschen Selbswerwaltunz I Regierung Dr. Milan-Hodja. PanditNehruf Sympathie für dieCSR Der Wortführer von 300 Millionen Indern für die Demokratie und kollektive Sicherheit a.otralorga« der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei to der Tschechoslowakischen Republik Srscheiat mit««»»ah«- H» Moatog tNgttch früh/«i»,elpret» 75-etter ^altronu.Verwaltung: Karl Kern, Prag (Seite 2 Donnerstag, 18. August 1938 Nr. 1LS Queipo de Llanos VorstpO gescheitert Almadöns Quecksilbergruben gesichert daß es sich um einen Festtan des Sozialismus handelte. Empfohlen wurde, vom ersten Mai als — Frühlingstag z» redenI Wir erinnern a» das Verbot, Gedichte von Gottfried Keller und Richard Dehmel zu rezitieren, aber auch an die Konfiska- tion von Aussprüchen Masaryks! Wir erinnern an die sinnlose Verstümmelung eines Vortrages über den Boykott, der sich selbstverständlich gegen den Boykott wandte! Farblos, saft« und krastlo-, bedeutungslos soll alles sein, was im Melniker Sender gesprochen wird. Zu gleicher Zeit aber gibt eS für de» deutsche» Rundfunk überhaupt keine Grenze der Rücksichtslosigkeit. Das Aeußerste an Propaganda, das sich der Melniker Sender gestattet, ist die gelegentliche Korrektur einer durch den deutschen Rundfunk verbreitete» Falschmeldung... Und dieser Sender hätte doch auch hunderterlei Möglichkeiten positiver Propaganda! Vorträge für die Demokratie, Vorträge, die darlegen, um wie vieles die Demokratie autoritären Systemen überlege» ist. Vorträge über die Geschichte des demokratischen Gedankens und des vielhundertjährigen ruhmvollen Kampfes um die Demokratie! Demokratische Dichtungen könnten gesprochen werden, Hörspiele mit freiheitlicher Tendenz aufgeführt. Damit könnte man allmählich doch auf viele Hörer einwirken! Nicht jeder befolgt gewis- sinhaft die Boykottweisilngen der SdP. Nichts von alledem. O, an das Staatspre- stige denkt man schon! In einem Vortrage, der von der Entwicklung der Technik, auch der Verkehrstechnik sprach, lvurde der Hinweis gestrichen, daß man etwa ein Drittel der Zeit, die der Flug uni die Erde in Anspruch nahm, zu einer Bahnfahrt von Asch nach Jasina benötigt. Offenbar ist es nach Meinung der Radiozensur dem Ansehen der tschechoslowakischen Staatsbahnen schädlich, wenn entdeckt wird, daß sie nicht so schnell sind Ivie moderne Flugzeuge, DaS allerwichtigste aber ist wohl, daß in keiner amtlichen Mitteilung in deutscher Sprache das Dort Tschechoslowakei oder das Wort tschechisch der deutschen Lautschrift gemäß geschrieben wird! DaS erträgt das StaatSprestige einfach nicht. Ja, wenn nian sich an Franzosen oder Engländer wendet, dann schreibt man die Staatsbezeichnung so, wie Franzosen und Engländer sie schreiben. Man kann zwar auch die Deutschen nicht zwingen, daS T mit Häkchen zu verwenden, und man hat durch unsere amtliche Schreibung nur erzielt, daß z. B. in der Schweiz manchmal nur ein C ohne Häkchen verwendet wird, was doch ganz unsinnig ist,— aber man hält, unbeirrbar durch hundertfache Mahnungen und Proteste, für den inländischen amtlichen Gebrauch an dieser deutschen nichtdeutschenSchrei» bung fest. Jeder Deutsche ärgert sich darüber! Jeder wird dadurch immer wieder aufs neue verstimmt. Macht nicht-! Justament! Auch das ist Propaganda, o ja, ober doch wirklich nicht Propaganda für den Staat! Kleinigkeiten nur, ja, aber doch solche, die von Kleinlichkeit zeugen. Und wo man ans Kleinlichkeit stößt, dort kann man leider auf Verständnis für die Notwendigkeit großzügiger moderner Propaganda für den Staat nicht hoffen. Bischofskonferenz In Fulda ohne die österreichischen Bischöfe Berlin. In Fulda wurde die Konferenz der deutschen Bischöfe eröffnet, an der der österreichische Episkopat nicht teilnimmt. Die Konferenz wird sich hauptsächlich mit der Frage der konfessionellen Schulen befassen. Barcelona.(Ag. Esp.) Die vor bald Monatsfrist miter großem Einsatz auf dem Estremadura-Kriegsschauplatz begonnene Offensive der Rebellen tritt seit Tagen auf der Stelle— abgesehen von kleinen Frontveränderungen auf dieser oder jener Seite, die kaum mehr als örtliche Bedeutung haben. DaS Ziel der Offensive waren die Oneckfllberminen von Almadtn(die über die Hälfte der Weltproduktion dieses, für die Spreng- niittelerzeugnng unentbehrlichen Rohstoffs liefern und deren Besitz Italien beinahe ein Weltmonopol gäbe). Rund 38 Kilometer von diesem Ziel und bevor daS in weitem Halbkreis daS Minengebiet umspannende republikanische BerteidigungSsystem in Funktion getreten ist, wurde die Offensive unter schwersten Verlusten deS Feindes angehalten. Sein Stoß sollte in westöstlichec Richtung geführt werde», im Raum zwischen dem untereil Zujarfluß und der Bahnlinie Don Benito—Alma« dln. Gleichzeitig sollte durch eine Parallelakiion das von Almadln südlich führende, glänzend aus« gebaute und strategisch wichtige Straßennetz abge« schnitten werden. Es ist richtig, daß der Gegner zu Beginn seiner Operation gewisse Erfolge, wenn auch zunächst nur auf militärisch unwichtigem Gebiet,hat erzielen können. Die republikanische Besatzung In diesenl Abschnitt war nicht bedeutend, angesichts der, mehrfach mit schweren Waffen ausgerüsteten, Ueberlegenheit des Gegners mußte, um Verluste zu vermeiden, in stetem Kampfe langsam zuriickgegangen Iverden. Doch in relativ kurzer Zelt und lange bevor noch der Gegner auch nur die ersten Ziele seiner Unternehmung erreicht hat, ist der Stoß abgebremst und der Widerstand der Republikaner verstärkt sich auf einer neuen Linie. Diese neue Linie— sie stellt nichts anderes dar als das weit nach Westen vorgeschobene Glacis des BerieidigungSsystemS von Almadln— ist trotz heftigen Angriffen des Gegners bisher an keinem Punkte überschritten worden. Im südlich angrenzenden Abschnitt ist die Mebellenoffensive von Anfang an aufgehalten worden. In den Abschnitten Cabeza del Buoy und Puebla de Alcocer(730 Kilometer Luftlinie) ist eS den Rebellen trotz intensiven Versuchen nicht gelungen, den Zujar zu forcieren. Die Rebellenfront bildet bei Eabeza del Buoy eine scharf nach Osten vorspringende, von den Minen etwa 88 Kilometer entfernte Spitze, während die beiden Flügel weit zurückgeblieben sind und in dieser Stellung von den Republikanern immobilisiert wurden. Während der beiden letzten Tage wurde im Zentrum der Estreniadurafront' mit besonderer Heftigkeit gekämpft. Alle Angriffe des Gegners i» der Richtung auf Gnadalmez, die vor allem den mittleren Zusar forcieren sollten, wurden unter blutigen Verlusten abgeschlagen. An verschiedenen Stellen konnten die Republikaner ihre Stellungen im Gegenstoß erheblich verbessern. Rekonstruktion der Regierung Negrln Barcelona.(Ag. Esp.) Nach der Demission deS Ministers für öffentliche Arbeiten Jaime Ayguadt und des Ministers ohne Portefeuille Manuel Jrujo wurden Jost Moix Regaz zum Minister für öffentliche Arbeiten und TomaS Bilbao Hospitalet zum Minister ohne Portefeuille ernannt. In« Nebligen bleibt' die Regierung Regrin in ihrer bisherigen Zusammensetzung im Amt. In der Mittwoch veröffentlichten Kundgebung wird erklärt, daß die Regierung der Spanischen Liepullik Wert auf die Feststellung lege- von neuem ihren Willen zu bekunden, die Unabänderlichkeit der autonomen und regionalen Rechte anzuerkennen. Die Regierung ist glücklich, in ihrem Rahmen auch die Mitarbeit der Basken und der Katalanen zu garantieren, denn die- ist ein Beweis für ihr Bestreben, eine Regierimg der nationalen Einigkeit zu fei«, da nur auf solche Weise der wahre Sinn der regionalen Freiheitsrechte und gleichzeitig die Existenz, die Freiheit und die Integrität der Spanischen Republik gesichert werden können. Francos Antwort an England Überreicht London. Bon maßgebender englischer Seite wird miigeteilt, daß die Antivortnote General Francos bisher noch nicht eingetroffen ist. Die Antivortnote fei in Burgos dem englischen Vertreter Sir Robert Hodgson auSgehändigt worden. Man erwarte, daß der Bericht Sir Robert Hodg- sona über die Antwort der nationalspanischen Regierung auf den britischen Freiwilligenolan Donnerstag und der volle Text der nationalipa« nischen Antwort wahrscheinlich erst SamStaq in London eintreffen Iverden. Alle Kräfte Japans gegen China Tokio.(HavaS.) Die japanische Regierung gab bekannt, sie habe sich in ihrer dienstägigen Sitzung entschlossen, unnachgiebig die militärischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Bestrebungen nach Beseitigung deS Regime- TschiangkaischekS und nach Einsetzung einer neuen Regierung in China fortzusetzen, wobei daS unmittelbare Ziel die Eroberung HankauS bildet. Beobachter sind der Meinung, daß sich zur Zeit dck- Konfliktes von Tschangkufeng im Schoße der Regierung haben Stimmen vernehnien lassen» daß daS KriegSprogramm in China zugunsten einer erhöhten Wachsamkeit gegenüber Sowjetrußland eingeschränkt werden sollte. Die obige Erklärung scheint nunmehr anzuzeigen, daß solche Ansichten verworfen wurden. bleu« englische Flugzeugfabrik London. Eine neue Flugzeugfabrik wird für eine Million Pfund Sterling bei Manchester gebaut werden. Der Bau soll schon in 14 Tagen beginnen und nmn erwartet, daß er noch zu Ende dieses Jahres fertiggestellt wird. In der neuen Fabrik werden 8000 bis 6000 Arbeiter die modernsten schnellen Bomber erzeugen. Verjüngung der englischen Armee London. Das Amtsblatt meldet, daß 18 Generale der britischen Armee in den Ruhestand treten, wie dies der Plan des Kriegsministers zur Beschleunigung der OfsizierSbesörderung bestimmte, Nur der kleinere Teil der abgehenden Generale ist älter als 60 Jahre. Vie Warnung Nulls peinliche Ueberraschung In Berlin Berit». Zur Rundfunkrede deS amerikanischen Außenministers Hüll schreibt die»Deutsche diplomatisch- politische Korrespondenz": Er verfolgt die gegenwärtige Linie der amerikanischen Außenpolitik, die sich von de r Nichteinmischung in die Angelegenheit anderer Staaten und besonders fremder Kontinente dauernd weiter entfernt. In Frankreich und England fand die Rede Zustimmung. Charakteristisch ist der folgende Kommentar: Der Leitartikler des„Jntransigeant" Gallus stimmt der Erklärung HullS zu und sagt, daß seine Worte eine ernste Warnung darstellen, die sich Deutschland und Italien zueigen machen sollten. Die Vereinigten Staaten kundigen an. daß sie im Falle eines europäischen Krieges zum Einschreiten gezwungen wären, und zwar sowohl zwecks Verteidigung der moralischen Werte, als auch zum Schuh ihrer wirtschaftlichen Interessen, Wir waren schon vor einigen Tagen dadurch angenehm überrascht, schlecht Gallus weiter, daß der amerikanische Botschafter in Berlin Prag besuchte, um sich eingehend zu informieren und die Gefahr zu ermessen, die den Frieden bedroht. Bannet nach Ankara, Athen und Sofia PariS. Außenminister Bonnet wird im September nach Ankara reisen. Der Reise wird große Bedeutung beigemeffen. Bekanntlich wurde Bonnet auch eingeladen, sich auf der Reise nach der Türkei in Athen aufzuhalten. Nunmehr hat mich Sofia den gleichen Wunsch ausgesprochen. Am Quai d'Orsay werden daher neue Dispositionen für die Reise des Außenministers getroffen, damit dem Wunsche der bulgarischen Regierung ent« sprachen werden kann. Austragung der polnisch-russischen Zwischenfälle Moskau.(Taß>) Der Vertreter Litwinow«, Potkmkin empfing den polnischen Botschafter Grzibowski, der ihm im Auftrage der polnischen Regierung Anträge zur Liquidierung der Zwischenfälle vorlegie, die die Tätigkeit der Sowjet« BertretungSbehörden in Polen erschwerten und welche Ursache von Vergeltungsmaßnahmen der Sowjetregierung gegenüber polnischen Bertre« tungSbehörden in der USSR waren. Vor der Tagung der Kleinen Entente Belgrad. In Bled werden schon einige Tage umfangreiche Vorbereitungen getroffen für den feierlichen Empfang der Minister der Kleinen Entente, die im Laufe des Samstag zu den Beratungen eintreffen werden. In diplomatischen Kreisen zeigt sich großes Interesse für diese Tagung; fast da» ganze Belgrader diplomatische Korps ist schon in Bled angekommen. General Vuülemin in Berlin Berlin. Der Generalstabschef der französischen Luftwaffe General Buillemin ist Dienstag in Begleitung seine» Adjutanten im Flugzeug auf dem Flughafen Staaken gelandet. Französische Blatter halten es nicht für ausgeschlossen, daß die Frage eines westeuropäischen Luftpaktes angeschnitten wird. Duff Cooper in Schweden Stockholm. Der englische Marineminljter Duff Cooper ist, von Helsinki kommend, in Steckholm eingetroffen, wo er sich einige Tage aufhält, 48 j Zwischen I Mann und Kind L, Roman von Lili Körber „Herr Doktor!" kam plötzlich Werner- Stimme. Er stockte, warf einen Blick auf seine Tante, die mit unschuldiger Mine Kaffee trank, gab sich einen Ruck und fuhr fort:„Herr Doktor! Sie wollen unsere Mutter heiraten?" „Herr Doktor!" piepste Franzl.„Wolen Sie lieber Erdbeereis oder Papritasalat?" Kinder," sagte der Doktor und Schweiß perlte Ihm auf der Stirn.„Kinder, ich kann e» doch nicht allein entscheiden, ich müßte doch zuerst die Mutter fragen." „Die Mutter ißt sehr gern Erdbeereis," sagte Franzl schnell. „Meine Mutter ist nicht für Abenteuer geschaffen," meinte Werner wichtig. „Nein, gewiß nicht, Werner, gewiß nicht." «Als angehender Künstler ist es mir angenehm, wenn ich keine Sorgen um die Mutter zu haben brauche." «Nein, das müssen Sie nicht haben, Werner." „Also schön. Das wollte ich wissen. Ich werde also der Mutter schreiben..." „Ich werde auch der Mutter schreiben," autelte Franzl. Der Doktor hatte sich erholt und fand allmählich seine natürliche Farbe wieder. »Also, da» überläßt gefälligst mir," sagte er und in seiner Stimme lag ein Unterton von väterlicher Strenge. »Aber Sonntag früh komme ich immer zu der Mutter in» Bett, ich bin der kleinste Zlverg," reklamierte Franzl. Stanzi hatte die ganze Zeit nicht aufgeschaut. Am nächsten Nachmittag, al» Frau Martha in den Autobus nach Wien steigen wollte, brachte ihr Blasak Ernst folgenden Brief: „Liebe Mutter! Wann kommst du? Es Ivar sehr schön. Schneewittchen hat au» dem Becher vom kleinsten Zwerg getrunken und in seinem Bettchen geschlafen. Ach habe einen Wintermantel bekommen, Weil der englische Onkel mit dem Flugzeug gekommen ist und schon wieder weg. Isa war da und hat gesagt, zu einer Hochzeit gehört Vanilleeis. Ich will aber Erdbären. Und der Doktor hat gesagt, er muß dich zuerst fragen. Und er wird dir schreiben. Aber ich habe gleich geschrieben, damit mein Brief zuerst ankommt. Aber ich habe im schon gesagt, das ich Sontag früh immer zu dir ins Bet komme. Sonst will ich lieber nicht. Sonst will ich ja. Weil er mir ein schöner Fehder» messer gebracht hat. Mit einem Korkenzieher. Und Schlietschuhe schenkt er mir auch. Den anderen hat er nichts geschenkt. Er ist mein Freund. Ich habe im gesagt, du kommst balt zurück. Wann kommst du? Viele Busserl auch von Steffi Dein Sohn Franzl. * Stanzi saß auf dem Teppich vor ihrem offenen Necessaire, wusch mit einem Wattebausch den roten Lack von ihren Nägeln und lackierte sie mit einem Pinsel frisch. Durch die offene Tür blickte man in ein breite», noch ungemachtes Doppelbett, mit Kleidern, Wäsche und Toilettegegenständen beladen. Ein hochgewachsener, graumelierter Herr benstihte sich, die Hemdärmel aufgekrempelt und die Pfeife im Mund, die Sachen vom Bett in einen Schrankkoffer zu befördern. Ab und zu fuhr Martha von ihrem Sofa auf, um ihm zu helfen, aber Stanzi hielt sie am Fußt zurück: Laß' da» doch, der macht da» glanzend, ein QrganisationSgcnie." Sie hatte die anmutige Gelassenheit von Frauen, die sich in ihrer Liebe gesichert wissen. War e» möglich, daß sie noch vor einer Woche mit solcher Erbitterung von ihrem Manne gesprochen hatte? Vermutlich wußte sie nicht» mehr davon. Auch Willy, von dem sie behauptete, er sei der erste und einzige Mann in ihrem Leben, schien sie überwunden zu haben, sie sprach unbeschwert, fast unbeteiligt von ihm. „Also denke dir, Martha,"— sie warf einen Blick in» Schlafzimmer, überzeugte sich, daß James beschästigt war, ihre Schuhe unter dem Bett herauszufischen und fuhr fort:„Ja, also kaum warst du weg zu der dicken Emilie, da kam der Brief... wie ein Blitz aus heiterm Himmel. Ich war glücklich, daß er so prompt anwortet, Luftpost expreß, hatte ich ihm doch geschrieben, daß ich ein Kind bekommen könnte... Weißt du, Dtartherl, daß cs so etwa» gibt... Ich dachte, da» käme nur in den Büchern vor, nach der Verführung mit Hohngelächter rechts ab... das heißt, ich habe schon so etwas AehnlicheS erlebt, hatte eS nur vergessen... Er müßte plötzlich nach Indien, schrieb er, sein Vater hat nämlich Geschäfte dort... Plantagen oder weiß ich was. Also fort mit Schaden. Ich konnte eS einfach nicht glauben. Ein Mann, den ich als Etonfchüler gekannt habe, wie er mit seiner Nurse, als kleines Kind, ich sehe ihn noch vor mir... Und so ein Mann... Nein, und da telegraphierte ich James, ich will ihn nie wieder im Leben sehen..." „Du willst sage», du telegraphiertest Willy." „Nein, JameS doch. Denn ich war überzeugt, daß er schuld dran ist. Daß er Willy einen Wink gegeben hat. Willys Alter und James, sind nämlich Geschäftsfreunde und..." „Stanzi, Stanzi! Nach allem, was du erzählst, muß dieser Willy doch entsetzlich jung sein!" „Na, entsetzlich! So entsetzlich ist es gar nicht. Und außerdem kann man auch ältere Geschäftsfreunde haben, nicht? Ich habe doch nicht gesagt,^sein Vater wäre James' Milchbruder ge- Ivesen, Geschäftsfreund halt!" „Nein, sei nicht böse, Stanzi, erzähl' weiter!" „Weil du immer gleich so große erschrockene Augen machistl Wo es doch jetzt egal ist, au», ach, Martha, man kommt doch au» den Enttäuschungen nicht heraus. Ich telegraphiere also an James:„Hab' mich in dir getäuscht, leb' wohl." „Wieso hattest du dich denn in Jame» getäuscht?" „Ach, Martha, du hast eine solange Leitung! Ich hiest ihn doch für einen Genleman! Und nun stellte eS sich heraus, daß er gegen mich intrigiert! Begreifst du endlich?" „Nein... ja... und dann kam er her?" „Natürlich, er nahm daS nächste'Flugzeug und heute müssen wir zurück, weil er keine Zeit hat. Und ich war noch- nicht bei Tante Christin und noch nicht in der Burg, ich könnte doch In einigen Tagen Nachkommen, aber du siehst, wie er ist, jetzt packt er, er ist eigentlich ein Tyrann, IvaS er will, muß sein, und daß ich meine einzige Schwester fünf Jahre nicht gesehen habe, da» läßt ihn kalt!" James näherte sich der Tür, einen Pantoffel in der Hand. „Stanzi, es ist mir unmöglich, Ihren zweiten Pantoffel zu finden. „Ach, der ist wahrscheinlich im Bett...»der nein, im Badezimmer... schau' im Badezimmer nach, du alter Junge, und störe nicht die Weihe der Abschiedsstunde. Also, wo waren wir stehe« geblieben? Ja, also erstens schleppt er mich sofort inS Hotel, wo ich mich bei dir doch so nett eingelebt hatte mit den Buben, Werner hat mir das Telegramm zur Hauptpost getragen, bei euch wird doch alle» so früh geschlossen, bei uns in London..." «Was! Du hast Werner in deine... Schwierigkeiten eingeweiht?" .(Fortsetzung folgt)! 9t. 103 Donnerstag, 18. August 1938 Seite 8 Der Raubmörder mit dem SdP-MItglledsbuch Der Mörder des Konsumvereins-Lagerhalters von Nemaus ein»Kamerad" Das Opfer ein„marxistischer Untermensch" Was wird der deutsche Rundfunk melden? Am 19. Juli wurde der Lagerhalter der KonsunwereinSfiliale Nirder-NcmauS(Bezirk KS« niginhof), Wenzel Brich, ermordet aufgrfunden. Er war durch einen Hirt auf den Hinterkopf getötet worden. Da in der Kasse rin Betrag von 4000 Kronen fehlte, konnte rS sich nur um einen Raubmord handeln. Täter mußte jemand sein, der in den KonsumvereinSräumlichkeiten gut Bescheid wußte und daS Geld ohne langet Suchen fand: im Laden war keinerlei Unordnung. Die Gendarmerie nahm sofort die Nachforschungen nach dem Täter auf, konnte aber erst dieser Tage seine Berhastung vornehmen. Ja, dieser Tage hat die Schahlarer Gendarmerie den Josef Loren, aut Rieder-Langenau unter dem Verdachte det Morde» an Wenzel Brich verhaftet. Die Verhaftung erfolgte knapp vor der Uebersirdlung de» Lorenz in» Dritte Reich, wo er gewiß so unangefochten hätte leben können wie dir Mörder de» Sozialdemokraten Rosenzweig, wie di« Mörder det Professors Lessing und de» Ingenieur» Formi». Auch sie waren gemeine Meuchelmörder. Für ihre scheußlichen Bluttaten gibt r» kein« Entschuldigung,— aber diese Morde halten einen politischen Hintergrund und nach nationalsozialistischer Auffassung ist alle», wa» dem RaziSmu» nützt, Recht, also auch der Mord. Wröhalb denn auch da» mindest«, wa» für diese Mörder getan«erden mußte, die RichtauSliefrrung war. Zosef Lorenz aber, der den Mord eingestanden hat. Ist ein gemeiner Raubmörder. Bei Ihm wurde auch ein Mitgliedsbuch der SdP gefunden. Er ist also ein Kamerad". Ist auch das„Recht", wenn ein Razi an einem„Mar, Listen" eine» Raubmord begeht? Was wird der deutsche Rundfunk zur Tat dieses„Kameraden" zu sage« haben? Wandlungen «luL den beiden größten Organisationen in unserem Staate, die sich einstmals dem Humanir- mu« geweiht und für die Humanität eingesetzt laben, sind heute einseitig eingestellte, politisch ängeschränkte Gemeinschaften geworden. Gegenwärtig verleugnen sie ihr ehemaliges Programm und pressen ihre Mitglieder in ein starres natio- uLlsstischeS System. Da» Gemeingut jener Deutschen, die noch gestern dem Kulturverband end der Landeskommission geopfert laben, wurde Eigentum einer chauvinistisch fana« lisserten Volksmasse. Das ethische Wollen einer« seit« und allsoziale Wirken andererseits dieser beiden Zwcckvcrbände wurden durch die im Kommiß« »eiste gedrillten«Führer" gründlich beseitigt. Der Kulturverband trug früher Bildung und Bissen in die entlegensten Gebiete dcS Staates. Er baute Schulen und errichtete Kindergärten, Ivo et ein nationales Gebot erforderte. Auf den Geist der Erziehung im«inseitig nationalistischen Sinne nahm er keinen Einfluß. Die heutige Bindung mit der SdP und den deutschen Turnvereinen hat seine Tätigkeit nur auf Mitglieder, die ihr Parteibuch auöweisen können, beschränkt, die sich auch bedingungslos der Führung unterwerfen. Die Erziehungsmethoden der KV-Schulen find rein nationalsozialistisch geworden und fordern direkt eine schärfere Kontrolle der Schulaufsicht heraus. Schon im Kindergarten singen die Kleinen die hübschen iarmloscn Kinderliedchen mit unter« ieztemTexte und man hört nun nicht mehr, laß»Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein", sondern es geht jetzt»allein in den deutschen Turnverein". Die Nazipropaganda stutzt Bort und Lied für ihre Zwecke zurecht, wie an zahllosen Beispielen angeführt werden könnte. Ihre armselige, auf Knittelverse gedrillte Phantasie raubt Vorhandenes, um eö für ihre Nachläufer mundgerecht zu machen. Der Beitritt in den Kulturveoband war früher für die meisten Deutschen etwa» Selbstverständliches. Die Beitrage kamen freiwillig in entsprechender Höhe aus allen Schichten der Bevöl- lcrung. War doch die Verwendung zu billigen, renn der Verband wirkte ethisch-demokratisch, im humanistischen Geiste. Auch da» hat sich im naziparteilichen Sinne geändert. Die Obmänner der Ortsgruppen des KB in den Gemeinden sind verpflichtet worden, aus den amtlichen Grundbüchern ihre Informationen über den Bermögensstand der Gemeindebewohner einzuholen und auf Grund dieser Erhebungen w e r• den die SdP-Mitglicdcr besteuert. Wer stch über die Höhe des Beitrages beschwert, wird nach den bekannten Methoden, durch Terror, Nachrede »sw., kirre gemacht. Der Parteiapparat bereichert durch amtliche Daten, ausgerüstet mit der Kennt- ni« der Verhältnisse aller OrtSbelvohner, erhält immer mehr den Charakter einer selbständigen Behörde und so erklärt sich der Ruf nach der Autonomie, die einen diktatorischen Staat in der demokratischen Republik errichten will, um diese dann zu verraten oder zu bagatellisieren. Wie lange wird sich die Republik diese Uebergriffe noch bieien lassen? Festgestellt muß werden, haß der Bandel im System des KB sehr gründlich ist.— Die Kultur ging verloren, sie wurde durch die To- ialüät erseht. Die andere, dabei halbstaatliche Organisa- t.on, die»Landeskommission für Jugendschutz und Kinderfürsorge", schlug dieselbe Richtung«in. Beil sie sich mehr mit Aufziehungs» statt Erziehungsfragen beschäftigt, sind ihr außer der bekannten PetreuungStätigkeit schutzbedürftiger Kinder vor allem junge Mütter zugänglich. Diese werden systematisch mit dem Nazigeiste infiziert. Die Frauenschaften der Bezirke wurden veranlaßt, die Mitgliedschaft als das wichtigste zu betrachten. Die Ratschläge werden unentwegt injiziert, wobei daS soziale Moment das unwichtige, die Bevölkerungszunahme das hauptsächlichste Argument bildet. Die Frage der Bedürftigkeit, welche früher allumfassend und nicht parteigeniäß beurteilt wurde, wird jetzt nur als Mittel zum Ztvecke benützt. Geholfenwird nur dem, der sich eingliedert; denn alles dient der Stärke der Partei. Die Wandlung hat sich gründlich vollzogen. Die wahrhaft soziale, echt humane Zielsetzung, die alle Bedürftigen ohne Frage nach ihrer Parteizugehörigkeit erfaßte, ist verschwunden. Der Nazigeist hat auch hier seinen Einzug gehalten. So geht ein Großteil der deutschen Bevölkerung am Wesentlichen vorüber. Der chauvinistische, nach Vorherrschaft, einer Partei trachtende Geist hat Triumphe gefeiert auf Kosten des Humanismus und der Humanität. Wir sehen aber bereits Anzeichen, die eine Revolution des Geistes ankünden. Die wissenden Menschen, die den Wortglauben an die Unfehlbarkeit der Führer nicht nur ablehnen, sondern auch bekämpfen, weisen immer wieder den Weg, der zur nationalen Verständigung und zum demokratischen Wollen der Deutschen untereinander leitet. m. b. Grenzgänger So wie aus den übrigen Gebieten unseres Staates, gehen auch aus Nordwestbähmen eine große Anzahl Ackeitöloser über die Grenzen um in Deutschland Arbeit zu finden. Wer keinen Paß hat, weist sich einfach mit der Parteilegitimation der SdP au» und wird dann weiter nach Anna- berg geschickt. Dort ist eine Sammelstelle für die Arbeitsuchenden au» der TSR. Die vorgelegten Personalpapiere werden, wie un» ein verläßlicher Berichterstatter sagt, wohl geprüft, doch wichtiger ist auch dort die SdP-Legitimation. Arbeit bekommt nur, wer von der SdP-VermittlungSstelle vorher bei der Annaberger Arbeitsvermittlung angekündigt ist, oder wer in seiner SdP-Legitimation die politische Verläßlichkeitsmacke hat. Die Arbeitsuchenden aus unserem Staate werden nur mit besonderer Erlaubnis und nach vorhergehenden Aviso in industrielle Betriebe eingestellt, gewöhnlich werden sie zu Straßenarbeiten eingeteilt. Unser Gewährsmann war Zeuge eines zwischen der Annaberger Vermittlungsstelle und einen: Arbeitgeber abgeführten Gespräches. Am Schalter wies sich ein Schlosser mit einem Schreiben au», das von der SdP ausgestellt war. Man sah e» am Kopf des Brieffapieres sehr deutlich. Dec Annaberger Beamte rief daraufhin einen Unternehmer an und sagte ihm, daß der Mann unbedingt eingestellt werden müsse, weil er sehr»wichtig" sei. Gin Komotauer Arbeitsloser, der nicht Mitglied der SdP ist und sich in Deutschland nur mit einem Paß ausweisen konnte, wurde nicht in Arbeit genommen, sondern wieder zurückgeschickt. Es heißt aber, daß in einzelnen Fällen auch Arbeitslose ohne SdP-Legitimation eingestellt werden, wenn sie sich verpflichten, innerhalb kürzester Frist ihre Mitgliedschaft bei dieser Partei nachzuweisen. Aus allem wird ersichtlich, daß man die Sudetendeutschen nicht als vollwertig betrachtet und sie nur zu Hilfsarbeiten verwendet. In die industrielle Produktion finden sie in den seltensten Fällen Eingang. Wenn schon der eine oder andere irgendwo in einem Betriebe unterkommt, ist eine gründliche Untersuchung seiner politischen Verläßlichkeit vorweg gegangen. So wird die ganze Arbeitsvermittlung im „Dritten Reiche" zur Propaganda für die Hen- leinbewegung. Daß mit der Aufnahme der Sude- tcndeutschen auch noch andere Ziele verfolgt werden, nur nebenbei. Biele der Leute, die draußen arbeiten und am Wochenende zu Besuch kommen sagen, daß sie gerne darauf verzichten würden, draußen als minderwertige Subjekte behandelt zu werden, wenn sie nur in der CSR überhaupt eine halbwegs bezahlte Arbeit erhielten. So entsteht für unseren Staat denn vornehmlich die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß Arbeit geschaffen wird. Könnten alle in unserem Land« lebenden, arbeitswilligen Menschen auch Arbeit und Verdienst erhalten, würde die Nazipropaganda viel an Boden verlieren. Heute werden mit der Not der Menschen politische Geschäfte gemacht. - Niemand darf sich wuiidern, wenn ein seit Jahren arbeitSlostr Familienerhalter alle Möglichkeiten ergreift, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Hunger tut weh und es ist schmerzlich, seine Familie leiddn zu sehen. Auf diese Tatsache baut die.SdP ihre Propaganda guf und sie hat, wie man sieht, Erfolge damit. SQdamerlkanlsche Kritik an Hllgenrelner Einem Brief aus Sao Paulo entnehmen wir: „Der Katholizismus Südamerikas flucht Hilgenreiner und das ausgezeichnet« Flugblatt de» holländischen Deutschen Weg gegen Hilgenreiner geht hier in tausenden von Exemplaren durchs Land. Die katholischen Organe, wie „Legioario" und»Por Christo" sehen in Jnnitzer und Hilgenreiner die Commis de» Filiall'istrS Hitler des Antichrist. Lassen Sie nicht locker, es kommt auch in der CSR der Tag, da die demokratisch-deutschen Katholiken wieder an der Seite der Cesamtdemokratie stehen. Große Ehrung der Neudeker Kinderkapelle Aus Luzern wird uns unter dem 15. August mitgeteilt, daß die Neudeker Kinderkapelle nicht nur in Zürich, sondern auch in Basel und Luzern in dichtgesülltcn Konzertsälen spielte. Im ganzen hat die Kapelle in diesen Orten fünf Konzerte gegeben, sie mußte auch an der Internationalen Musikerwoche in Luzern teil« nehmen. Die Reisedauer mußte bereit» um zehn Tage verlängert werden. Nun reist die Kinderkapelle nach Frankreich. Die Kinder wurden von dec gastgebenden Bevölkerung sehr herzlich ausgenommen, der Beifall in den Konzerten ist unbeschreiblich groß. Die Tätigkeit Lord Rundmans Das Sekretariat der Mission Lord Runci- manr veröffentlichte Mittwoch um 17 Nhr folgenden Bericht: Eine Delegation, loelche den Klub„Die Tat" vertrat, besuchte heute die Mitglieder des Stabe» Lord Runcimans und behandelte mit ihnen dar Memorandum, welches der Klub der Mission vor einiger Zeit vorgelegt hat. Lord Runriman besuchte um 15 Uhr den Ministerpräsidenten Det Hodjn. Katholischer Geheim sender ausgehoben Von Kurt Dobcrer Diese unter den heutigen Verhältnisse» wieder so sehr aktuelle Geschichte feiert 1988 bereit» ihr siinfundzwaiyzigjährigeS Jubiläum. Sie zeigt, wie die Styrmgarde der katholischen Kirche, die Jesuiten, eine umwälzende technische Neuerung schon zu einer Zeit für die geheime Verständigung eingesetzt haben, in der die sich fortschrittlich diin« kende internationale Arbeiterbeivegnng noch nicht in ihren Träumen an die praktische Möglichkeit einer drahtlosen Verständigung der einzelnen Sektionen ihrer Internationale dachte. In den VorkriegSmonaten des Jahre» 1913 machte die k. k. Kriegsverwaltung in Wien die Wahrnehmung, daß Telegramme, die sie mit ihrem neuen Funkenscnder drahtlos von Wien an ihre südlichen Garnisonen schickte, dort verstümmelt oder auch gar nicht angelangten. Nun hatten aber zu der Zelt noch viele sehr unzureichende Vorstellungen von dem Mechanismus der Radiotelegra« phie. Die verantlvortlichen Beamten hatten davon gehört, daß man radiotelegraphische Sendungen auch aibfangen könnte. Sie sahen ihre Radiomeldungen gleichsam al» elektrische Brieftaube dahinschweben, die, wenn irgendwo einmal abgehört und abgcfangen, einen iveiteren Bestimmungsort Nicht mehr erreichen konnte. Tschechische Pressestimmen „Pr仫 lidü": Auch England ist sich Heute der großen positiven Bedeutung der Sowjetunion und bei franzöfisch-rutiifchen Palie» bewußt. Wenn England und Frankreich einander die Hände gereicht Haben zur Ivirtsams» Vertretung ihrer Icbcnswichiig- sten Interessen aus dem Kontinent, daun geschah die» auch im Bewußtsein der wichtigsten stralegikchcn Reserve, welche die Sowjetunion darstellt E» ist nicht wahr und ist bloße Erfindung. daß England ein prinzipieller Gegner de« französisch-russischen Pa.ic« sei. England ist au« begreiflichen Gründen gegen die Betonung der Möglichkeiten, welche dieser Pakt den deinokralischen Staaten gibt, denn der englische Em» piriümu» ist immer geneigt, den Weg der Verhandlungen und Kompromisse zu gehen. In den Augen Englands ist der russisch-französische Pakt ,.the sleeping dog"(der schlafende Hund), dessen warnender Ruf die friedlich ruhenden Bürger nicht zu lehr au» dem Schlafe schrecken soll, der aber nichtsdestoweniger im Augenblick der Gcsahr aus seine Kosten kommen wird. »Lidivt novinp" lStanislav Nester): Man schreibt mit Verwunderung über die ungewöhnliche Länge der deutschen Manöver. Man spricht von zioölk Wochen. In Wirtlichkeit geht e» nicht um Manöver Im gewöhnlichen Sinne de« Worte», sondern um eine etappenweise Einberusung der Reserveformationen zu Uebungen im Rahmen von Divisionen. Da die Aufstellung aller Reservedivisiouen zu Uebungen da« Wirtschaftsleben del Staate» ganz lähmen würde, werden sie vermutlich.nacheinander einberufen und aufgelöst werden. Die Behauptung der deutschen ossiziellen Kreise, daß e» sich nicht um irgendwelche große Manöver handle, ist also richtig. In Wirkt,ch- keit geht e« um einige zehn Uebungen auf dem ganzen Reichsgebiet... Die heurigen Manöver sollen ze gen, wie die Armee für einen großen Krieg vorbereitet ist, den sie wieder hochoffensiv wird anlegen müßen. „Skovcnskü Mat": Seit der Karlsbader Rede Henleins verzeichnen die westlichen Gebiete unsere« Staate» eine ständig sinkende Intensität de» w.rt- schaftlichen Leben», welche» infolge der Aufrolluug der nationalen Frage unter der Unsicherheit über den weiteren Entwicklungsgang und unter dem offenen Boykott der deutschen Bevölkerung leidet, die von der Führung der Sudetendeutschen Partei aufgehetz» ist. Die Folgen diese» Vorgänge» äußern sich in der em« geschränkten Wirtschaftsbetätigung, welche die Eri- stenz auch guter und fester Betriebe bedroht. „Ptstomnost" sDr. Karel Kksss): Henlein fuhrt sein Volk ins Elend. Wenn unsere Deutschen heute die großen Geschäfte und Fabriken in tschechischen Gegenden boykottieren, von welchen sie generationenlang gekauft haben— manche Fabrikanten könnten ganze Bücher geradezu grotesker Belege zusammen« tragen—, dann müllen sie sich vor Augen halten, daß vor allem sie geschädigt sein werden, well sie nicht selbstgenügfam sind unb weil sie in der Minderheit sind. Man kann übrigen» nicht begreifen.»>as der Sinn der Aktion sein soll, da diese Gegenden doch nicht ohne tschechische» Getreide, Gemüse. Mai«. Kartoffeln und Zucker leben können, ebeusotvenig wie sie eristieren können, wenn ihre Fabriken und Geschäfte nicht in» tschechische Inland liefern und wenn in die sudetendeutschen Bäder die Tschechen nick» mehr fahren, die Heuer zwei Drittel sene» Drittel» der Gäste auSniachten, die im Vergleich zum Vorjahr Heuer die Bäder besuchten. Die vernünftigen Leute auf beiden Seiten, auch in der Partei Henlein», beginnen zu begreifen, welche Gefahr sich in dieser verrückten Aktion verbirgt. Der Oberdirrkwr der„Rärodni Listy" Fran- tiSek SIS ist Mitttvoch in Prag nach längerer Krankheit gestorben. Während des Weltkriege» war SIS in der Maffia tätig und wurde ein hervorragender Mitarbeiter in den Reihen der staatsrechtlichen Demokratie, später der Nationaldemo- kratie, im engen Znsanunenwirkui mit Doktor Kramäk. Seit 1017 war er Chefredakteur der „Närodnl Lisch", später wurde er ihr Oberdirck- tor. In den Jahren 1018—1020 war er Mitglied der revolutionären Nationalversammlung. Für die Stoatsverteidignng. Der Jubiläumsfond» fiir die Staatsverteidignng erreichte am Dienstag, den 16. August, gemäß dem Ausweis de» Arbeitsausschusses 458,718.778KÖ gegenüber 452,350.352 Ke, dir am Samstag ausgewiesen wurden. Seit Samstag sind also weitere Kd 1,350.425.— hinzugclommen. Die Zahl der Spender ist um 1047 auf 185.082 Personen an- gewachscn. Wenn also von Wien abgcschickte Radiotelc- gramme in de» Garnisonen nicht ankamen, so nmßtcn sie unterwegs»absichtlich von einer geheimen Station aufgcfangen" worden sein. Bon dieser falschen Voraussetzung ausgehend, wurde nun in verschiedenen Landesteilen die Polizei und der geheime Apparat In Bewegung gesetzt, lieber» raschenderweise entdeckte man auch auf dem Tuche der Stiegenkirche in Graz eine geheime Sendestation. E» stellte sich heraus, daß der Grazer Jesuitenorden mit seinen Mitgliedern in Mödling bei Wien und mit den Niederlassungen im Süden der Monarchie in geheimer radiotelegraphischer Verbindung stand. Die geheime Station war dem Orden von einem im Staatsdienste stehenden Elektrotechniker errichtet worden. Nun gab e» einen große» Wirbel und et mußte unter Berufung auf bas StaatSmonopol und auf da» Gesetz Über bie Errichtung von Privaten Sendestationen, der Schwarzsender mit der in der Vorkriegszeit überaus kurz erscheinenden Frist von drei Tagen abmontiert werden. In der Wiener»Militärischen Rundschau" wurde einige Tage später dazu noch eine Strafverfolgung in. Aussicht gestellt. Wenn wir heute die Lage der Katholiken in einigen europäischen Ländem betrachten, so nimmt e» un» Wunder, daß sie sich noch nicht daran erinnert haben, daß cs Jesuiten waren, die den ersten illegalen Gender der Welt errichtet hatten« Seite 4 QnnnrrMng, 18. Sfußiift 1038 Nr. 198 Ein amerikanisches Riesenflugzeugprojekt Die Konstruktionszeichnung eines gepinnten amerikanischen Riesenflugzeuges, das für 108 Passagiere gebaut werden soll und mit sechs Motoren ein« Stundengeschwindigkeit von fast 600 Kilometer erreicht. Der schtvimmfähige Körper der Maschine ist so groß, daß er in einem Dock ; hergestellt werden muß. Urlaub lieber mir wölbt sich das grüne Nadcidach dcS Waldes und durch das Gezweige hängen goldene ,^äden hernieder; Sonnenstrahlen sind es, die das grüne Gewirr durchbrechen und den Weg auf den Boden finden. Tuzn rauscht leise der Wind in de» Baumkronen, daß sich die dünnen Acste spielerisch wiegen und biegen. Ich aber liege im grünen Moos und träume, träume mich i» den blauen Taa hinein, der mir, mir ganz allein gehört. Keine Fabriksirene tönt für mich, kein Glockenzeichen ruft zur Arbeit, Ich bleibe liegen, solange es mir gefällt and die ganze Welt kann mir gestohlen werden. Ich habe auSgcspannt, bin einige Zeit der Tretmühle drS grauen Alltags entronnen und Mensch geworden. Meine Entscheidungen fälle ich ganz nach freiem Ermessen und tue, was mir gefällt. IlrlaubSzcitl Goldene Tage der Freiheit und der Selbstbesinyung, des ungetrübten Glückes und der inneren Ausgeglichenheitk Morgens stehe ich erst auf, wenn mir die goldene Sommcrsonne ins Gesicht lacht. Dann dehne ich mich wohlig noch einigemgle in den Zedern, ich habe ja Zeit, so unendlich viel Zeitl Dann lehne ich mich faul zum Fenster hinaus und höre dem munteren Gesang der Vögel zu, die mir den Mor- s.cngruß entbieten. Fernab sehe ich hohe Fabrikschlote emporragen. Dort unten ini Tale liegen di« steinernen Käsige der Menschen, die Fabriken und Bergwerke, >n denen den Arbeitern stählerne Ungeheuer als Gefährten und Antreiber gegeben lvurden. Graue Rauchfahnen wehen von den Kaminen und ivenn ich nüch konzentriere, glaube ich das Dröhnen der Maschinen Und das Stampfen der Hämnier zu hören. Ich sehe die vielen Freunde und Arbeitskollegen an den Maschinen stehen und rastlos werken. In einigen Tagen bin ich wieder einer unter den vielen anderen. Heute aber und morgen und eine ganze lange Woche hindurch geht mich das alles nichts an, ich habe ja Urlaub. Und wenn ich dann wieder das Joch auf die Schultern nehme und frühmorgens mich die Fabriksirene zur Arbeit ruft, dann denke ich zurück an die wundersamen Tage, in denen Ich frei, unabhängig und froh war, weil ich sie losgelöst von allem Zwang verbringen konnte. Dann träumte ick: des Abends, wenn ich müde von des Tages Arbeit auSruhe, vom rauschenden Erzgebirgswald, von Sonne und Licht, vom frohen Gesang der Vögel und von den Gängen in die einsame Natur, die Labsal und Erquickung waren Hoch über mir rauscht der Wald sein ewige« Lied. Und ich träume und träume und denke der Zeiten, da eS einmal anders sein, da die Arbeit nicht mehr lästige Pflicht, sondern frohe Pfftcht- crfüllung sein wird. Wann wird daS sein? Wann? Grubenunglück In Ostrau Mährisch-Ostrau. Auf dem Ludlvigschacht in Radvanice bei Mährisch-Ostrau ping ein Stollen zu Bruch. Nach den bisherigen Informationen lvurden zwei Bergleute und drei Förderer verschüttet. Bier von ihnen wurden schwer verlebt und nur einer kam mit einer leichten Verletzung davon. Die Schwerverletzten wurden mit Hand« und Beinbrüchen und einer Rückgrawcrlebung ins Krankenhaus eingeliefert. Die Vertreter des Re« vierbergamtcS In Mährisch-Ostra» fuhren unverzüglich in die Grube ein, um die Ursache dcS Einsturzes fcstzustellrn. ES handelt sich wahrscheinlich um eine plötzliche Bewegung von Erdschichten, wodurch im Mährisch-Ostrauer Revier bereits mehrere GrubenunglückSsälle verursacht worden sind. Flucht In den Tod Lrehburg. In der Nacht auf Mittwoch brachte der bulgarische Gärtner Nikolas Noiya« low aus Wolfsthal bei Berg in Deutschlaicd den reit^deutschen israelitische» Staatsbürger Paul Kastner heimlich über die Grenze nach der Tsche« woslowalei. Eine Polizeiwache hielt Nikolas Nv- watow au, Paul Kastner aber verübte vor dem Eintreffen der Wache Selbstmord, indem er eit unbekanntes Gilt nahm. Massenmord an Arbeitern Mktiko.(HavaS.) Die Behörden unier« suchen die Ermordung von 20 Arbeitern, die bei der Eisenbahn im Staate Michocoan beschäftigt waren. Das Bundesheer machte aus verschiedenen Ortschaften Vorstöße, um nach der Mörderbande zu forschen, an deren Spitze ein gewisser Flores steht. Dieser hatte Verzeichnisse seiner künftigen Opfer. Nachdem die 26 Arbeiter durch Revolverschüsse ermordet worden"waren, verstümmelten die Mörder ihre Opfer mit Dolchen auf gräßliche Weise. Einigen Eiseubahner», die die Schießerei lebend überstanden hatten, schnitten die Mörder die Zunge au«. ein mutiges Midchen Belgrad. Der Doppelmördcr PegiL, der.den Ingenieur Bader um eine-halbe Million Lohn« gcldcr beraubte und. ihn nachher und ferner noch einen Gendarmen erschoß, ist noch nicht ergriffen, und schon kommt die Nachricht von einem neuen Ueberfall, der«ine Kopie' des vorigen ist. Als Dienstag die 24jährige Sekretärin der Direktion der Aluminium-Grtchgq tzoa KirÄt A«g. Fräue lein RadoS, mit'300.800 Dinar für die Auszahlung der Arbeiter im Auto umveit von Mostar fuhr, wurde sie von zwei maskierten Räubern mit vorgehaltcnen Revolvern angehalten und aufgefordert,'das Geld herauSzugebcn. Die Rados begriff blitzschnell die Situation, entnahm der Aktentasche fast den ganzen Betrag, den sic unter den Sitzen versteckte,, und übergab den Räubern die Tasche, in der nur noch 6000 Dinar waren. Die Räuber waren damit zufrieden und zwangen dann das Auto, nach Mostar zurückzukehren. Ein Massenmörder Eleveland.(HavaS.) Unter einem Beton« block verborgen entdeckte die Polizei auf einem Felde die zerstückelte Leiche einer Frau. Die Polizei ist der Ansicht, daß es sich um daS elfte Opfer einer ganzen Reibe von Morden bandelt, die offensichtlich derselbe Mörder schon seit einigen Jahren verübte. Auf demselben Felde wurden von der Polizei auch noch die Überreste einer anderen Frau gefunden. Dieses Opfer war noch früher ermordet worden Zum Ableben Msgr. HlinkaS wird weiter mitgeteilt: Noch in der Nacht wurde telegraphisch das Präsidium der- slowakischen Volkspartei Andrej HlinkaS für Mitttvoch einberufen. Der Präsident der Republik sandte aus Anlaß des Ablebens des Abg. HlinkaS der Nichte des Verstorbenen und dem Bürgermeister der Stadt RuZemberok ein Telegramm folgenden Wortlautes:»Andrej Hlinka beschloß sein an großen Mühen, unermüdlicher Arbeit und bewegten politischen und' persönlichen Ereignissen reiches Leben. Auch sein während seines Lebens durch die Ergebenheit so zahlreicher Anhänger belohnter ständiger Kampf fand im Tode die Ruhe dcS ewigen Friedens. Ich gedenke feiner mit großer Bewe« gung, ich gedenke feines letztes Besuches in Cer- nvvä und Euch, alle, die Ihr ihm persönlich und politisch am nächsten ward. Dr. Edvard BeneS." Bereitstellung der Mittel für die erste Hilfeleistung bei Fliegerangriffe». Nach den soeben herauSgcgebcnen Vorschriften sind die Eigentümer oder dauernden Nutznießer von Häusern verpflichtet, Über Aufforderung der Sicherheitspolizei die Mittel für die erste Hilfeleistung bei Fliegerangriffen anzuschaffen. Diese Hilfsmittel müssen auf Kosten der Eigentümer, bzw. Nutznießer der Häuser angeschafft und erhalten werden. Es ist jedoch statthast daß die Kosten für die Anschaffung der Hilfsmittel auf alle Personen aufgcteilt werden, die daS betreffende Haus bewohnen.' Den Mieterin muß. binnen 16 Tagen nach Anschaffung.mitgeteilt werden, welchen Kostenbeitrag sie zu leisten haben.(DND.) Die Tierärztekammer für die ÜDR. verkündet für die private Massenimpfung mit Serum bei Maul« und Klauenseuche folgenden, cinheit« lichen Satz gemäß seines Minimaltarifes, der auch für stgatliche und militärische Tierärzte gilt: KL 10.— für die Ausführung der Impfung, KL 100.— kür.cin Liter Serum. Lindbcrgh fliegt nach Moskau. Dienstag ist der bekannte, amerikanische Fliegeroberst Lind« bergh von Hannover kommend in Warschau ein- aetroffen. Auf dem Flugplatz in Warschau wurde er von zahlreichen Journalisten erwartet. Oberst Lindberab ist mit, Gemahlin. im> europäischen Hotel abgestiegen, vordem sich bald eine große Menschenmenge ansainmelte, die den berühmten Flieger seben wollte. Lindbergh fliegt nach Moskau- um sich. an. den dortigen Flugfeierlichkcit-n zu beteiligen, hoch ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden, wann er von Moskau abreisen wird. Die größten Kühlanlagen Europas. Frankreich hat die größte» Kühlanlagen Europas. Diese nmfasten 483 Quadratmeter, die' auf 193 große Latzer sich verteilen. Man kann darin 120.000>Tonnen Lebensmittel, die dem Verderb unterliegen, einlager».' Franchreich hat an der Schaffung.dieser Kühlanlagen Jett Kriegsende gearbeitet, Ivo cS notwendig war, große Mengen Gefrierfleisch aus Südamerika einzulagern. Explosion auf einem U-Boot. In der Nähe der Hawaischen Inseln wurden durch eine Explr- sicn auf dem Unterseeboote„Nautilus"(NSA) sieben Matrosen verwundet, von denen einer den Verletzungen erlag. Knnde von einer Pol-Fahrt. Das Arktische Institut erhielt die Nachricht, daß am nordwestlichen Gestade von Nowaja Zenftja eine Tonne der Polarexpedition des Amerikaners Baldwin gefunden wurde, die vom Franz-Josefs-Land dem Nordpol zugetrieben wurde. Die Tonne war im Jahre 1902 ins Meer geworfen worden. Bien«,» töten vier Pferde. Durch Bienen« schwärme lvurden Dienstag bei Seppe»ra?c (Westphalen) vier Pferde getötet und zwei Menschen schwer verletzt. Als ein Bauer und ein Maschinist mit dem Transport einer von vier Pferden gezogenen Dreschmaschine beschäftigt waren, wurden sie in der Nähe einer Imkerei plötzlich von Bienenschioärmen überfallen, die wütend auf die Pferde einstachen, so daß diese verendeten, Bei dem Versuch, die Bienen zu verscheuchen, erlitten auch die beiden Männer so schwere Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht weichen mußten. Man nimmt an, daß der Unsall dadurch entstanden ist, daß eines der unter der Fliegenpl,age leidenden Pferde in einen Bienenschwarm geschlagen hat, worauf die Bienenschwärme auf das Gespann loSgingen. Eisenbahnerstoeik in dm Bereinigten Staa- ten. Die Eisenbahn-Angestellten auf der Strecke Chicago-Milwaukee haben beschlossen, zum Protest gegen die durchgeführte Ibprozentige Lohn« Verminderung die Arbeit eiuzustellen. Der Ver« kehr wurde sofort nach Bekanntgabe dieses Beschlusses beendet. Auf der genannten Strecke werden täglich 14.000 Passagiere befördert. 2,130.000 KL gestohlen. Bei der Post in Rio de Janeiro wurde die Unterschlagung eines Wextbriefes mit 16.000 Pfuno in englischen Banknoten(2,130.000 KL) ausgedeckt. Der Brief lvar an eine ausländische Botschaft in Rio de Janeiro gerichtet. Große Napoleonfcicr in Ajaccio. Ganz Ajaccio feierte Montag in begeisterter Weise das Andenken Napoleons. In Anwesenheit des Marineministers Campinchi und zahlreicher Gäste wurde ein Napoleon-Denkmal enthüllt, an besten Stufen alle großen Siege Napoleons in Skulpturen dargestellt sind. Eine Delegation ehemaliger tschechoslowakischer Frontkänipfer stellte am Denknial eine Urne mit Erde vom Slavkover Schlachtfeld und eine Delegation französischer Frontkämpfer eine Urne mit Erde vom Verduner Schlachtfeld nieder. Jüdische Einwanderung nach Italien. Einer amtlichen Verlautbarung zufolge wollten sich in der Zeit vom 12. März d. I. bis Ende Juni 1662 ausländische Juden in Mailand niederlassen. 580 Juden stammten aus Oesterreich, 672 aus Deutschland und 410 aus Polen. Deutscher Dampfer in China gesunken. Der etwa 2000 Tonnen große deutsche Dampfer „Hansa" ist durch einen Zusammenstoß nut dem britischen Dampfer„Tunglvell" Dienstag früh auf dem Hoanghö-Fluß in China gesunken. Der Kapitän und ein großer Teil der chinesischen Passagiere und der Besatzung wurde» an Bord deS Dampfers„Tunglvell" genommen, es dürften allerdings 160 Chinesen ertrunken sein., DaS gesunkene Schiff war in der Küstenfahrt beschäftigt. Fischerboot zerschellt. In der Nähe von Brest am Bug zerschellte ein Fischerboot an einem Felsen. Bier Mann der Besatzung ertranken. 40 koreanisch»« Bergarbeiter ertrunken. In Nordkorea verursachten heftige Univetter zahlreiche Ueberschwemmüngen. Durch einen Dammbruch drangen Wastermaffen in ein Kohlenbergwerk bei Kaigando ein, wobei über 40 Arbeiter getütet wurden. Zehn Personyn^wurden durch Haüseinsturz getötet. Mehrere". Eisenbahnlinien und Tclephonverbihdungen sind unterbrochen. Das heutige Programm der deutschen Sendung Prag-Mrlnikr 10.15 Für die Frau: Die Frauen und daS Geld, Hörfolge von Maria Kluger. 10.45 Schallplatten. 18.00 Klaviermusik von I. S. Bach lKlav. Friederike Schwarz). 18.10 Landw. 18.45 Schallplalten. 19.00 Politische Wochenschau. 10.30 Rich. Rosenheim: Zum Gedächtnis Angelo Reumann»(zum 100. Geburtstage), dann Schallvlatten lMusik von Rich. Wagner). 20.00 Da» Ochsenmenuett, Singspiel von G. v. Hofmann, Musik von Haydn und Seyfried(Dir. H. Popper). 20.60 Der Herr Fabrikant. Hörspiel von Han» Multerer. 21.10 Musik in Venedig, musikal. Hörbild(Gesang Gerda Redlich, Cembalo, Gertrud Hutter). 22.00 Vorles. »Clown» mit und ohne Maske" von Erich Rodeck. 22.30—23.00 Tanzmusik. Brünn. 13.50 bi» 14.00: Arbeitersenduni! Arbeitsmarkt. 18.00 bi» 18.15: Arbeitersendnna: ' Franz Matuschka: Arbeiterkinder in den Ferien. 18.15 bi« 18.20: Schallplatte«. 18.20 bi« 18.35: ! Oberlehrer Guido Brandt: Dorffriedhöfe unser-.r ''cimat. Mährisch-Ostrau. 18.10 Unterhaltungsmusik. •> Mandolinenorchester Atu» au» Liskovcc, Leitung I A. Totzauer und Jos. Schreyer« Schrammelquartett». 19.65 Hörspiel. Bei Lohnauözahlung Alkoholverbot. Montag und Dienstag erlebte Bombay seine ersten Prohibitionstage, an welchen alle Schankstätte» von geistigen Getränken in der ganzen Stadt geschlossen waren. Gemäß einem Beschluß der indischen Kongreßregierung soll die» in jedem Monat an dem Tage der Lohnauszahlung und an dem ihm folgenden Tage geschehen, damit die eine Viertelmillion zählenden Fabriksarbeiter von Bombay verhindert werden, ihren Verdienst zu vertrinken. Diese Verordnung gilt auch für die Hotels, obwohl sie zumeist von englischen Gästen besucht sind, doch erstreckt sie sich nicht auf wirkliche Touristen, die in den Hotels lvohnen und ferner nicht auf die Klubs. Richt mehr„Laurel und Hardy". Der Direk« tor des Hollywooder Studio Hall Roach hat den bekannten Filmkomiker St. Laurel entlasten, wodurch das bekannte Komikerpaar Laurel und Hardy zu existieren aufhört. Roach gab bekannt, daß der künftige Partner Hardys Harry Langdon sein werde. Sie werden»wirkliche Komödien spielen und nicht Dummheiten". Hardy erklärte dem Reuterkorrespondenten,»obwohl ich nach mehr al« elf« jähriger gemeinsamer Arbeit da» Scheiden Lau- reis bedauere, bin ich sehr zufrieden, mit Langdon arbeiten zu können, den ich immer al» den größten Filmkomikcr ansehen werde." Gefährliche Rehböcke. Aus verschiedenen Teilen Deutschlands sind Nachrichten über ungewöhnliche Unglücksfälle eingetroffen, die durch Tiere verursacht wurden. In Oberholz bei Magdeburg wurde ein Mann durch einen wildgewordenen ungarischen Rehbock schwer verletzt, der soeben im dortigen Tiergarten in Freiheit gesetzt wurde. Unweit von Treptow sprang ein Rehbock au» dem Gebüsch gegen ein fahrende« Autonrobil, wobei dieses ins Schleudern geriet und gegen einen Baum stieß. Eine im Wagen sitzende Frau erlitt hiebei eine schivcre Gehirnerschütterung. Der niederländische Gesandte in Berlin, Ritter von Rappard, ist mit seinem Kraftwagen auf der Fahrt von Holland nach Berlin zwischen Minden und Bückeburg schwer verunglückt. Der Wagen des Gesandten stieß mit einem Lastzug zusammen und wurde völlig zertrümmert. Der Gesandte erlitt einen schtveren Schädelbruch und innere Verletzungen, mit denen er im Bückeburger Krankenhaus besinnungslos darniederliegt. Mistelbach judenrein. Die Stadt Mistelbach, die früher eine große isrealitische Gemeinde hatte, ist jetzt nahezu judenrein. Die meisten Juden haben ihren Besitz verkauft und die Stadt verkästen. Zum Zeichen der Liquidierung des Judentums in Mistelbach hat der Obmann der Kultusgemeinde, Wilhelm Kohn, den Judentempel der Stadtgemeinde Mistelbach zum Geschenk gemacht und dem Bürgermeister die Schlüstel zum Tempel überreicht. Wie verlautet, soll das Gebäude al» Magazin für das nationalsozialistische Volkswohl« fahrtslverk verwendet werden. Da« Wetter. Vom Ozean her strömt nuumebc dem Festland kühlere Luft zu. die Mittwoch nachmittags in Begleitung von Regenschauern Mittelböbmen erreicht hat und die Temperatur hier in den Niederungen bi« unter 20 Grad herabsetzte. In den Kar- partbenländern wurden jedoch noch 25 bis 27 Grad verzeichnet. DaS Vordringen der maritimen Lust gegen Mitteleuropa wird in den nächsten Tagen andauern und die Temperaturen dürften daher weiter sinken. In den nördlichen Teilen der britischen Inseln wurde Mittwoch nachmittag« nurmehr 13 bi» IS Grad gemessen.— Wahrscheinliche» Wetter Donner Stag: Veränderlich mit Schauem oder Gewittern, NachmittagStemvercckuren um 20 Grad. Minima unter 16 Grad, zeitweise, auffrischend« West« bis Nordwestwind.— Wetteraussichten kör Freitag: Andauern de» unbeständigen Wetter« mit Schauern und mäßigen, unternormalen Temperaturen. Täglich Terrorakte in Palästina Jerusalem. In NabluS entwendeten Freischärler einem Postbeamten den Postsack mit 2000 Pfund Sterling Inhalt. Die Täter konnten unbehelligt entkommen. Ferner fand man in einem Kaffeehaus einen arabischen Farmer erschossen auf. Bei Petah-Tikvah wurden- Mittwoch z!ve! Araber tot aufgefunden. In Tulkarem wurde ein 'arabischer Notabel«tötet. fr. 198 Donnerstag, 18. August 1938 «Seife B 9 IWfowMiaft und S&MfyMk Vom Kleinkrieg der sächsischen Bauern (Insa.) Ein sächsischer Bauer, der seine eigene Leze und diejenige seiner Berufskollegen kennt, gibt sitzende Schilderung: In vielen Orten gibt es Milchhöfe und im zelammenhang damit Sammelstellen für die von den -euem abzuliefernde Milch. Die Bauern erhalten 8 bi» 14 Pfennig pro Liter, je nach Höhe de» Fett« MieS. Die Bauern schimpfen über die geringen Ail-vreise; denn der Milchhof erzielt in der Stadt ■23 dis 29 Pfennig pro Liter. Än einer Ortschaft kam e» vor einiger Zeit zu tintr Aktion der Bauern. Jeder Bauer war aufgc- f«dtrt worden,«in bestimmtes Quantum Milch zu Wni. l8 Pfennige pro Liter wurden versprochen. Die Lauern bemühten sich, recht viel Milch abzulie« tim. Tie bekamen aber nur 11 Pfennige, weil an« «blich der Fettgehalt zu niedrig war. Darauf stellten die Lauern die Milchlieserung ein. Sofort erschienen Aeichtstandtfunktionäre im Dorf, drohten den Bauern eit Strafen. Noch immer weigerten sich die Bauern. La schickte man den Bauern Gendarmen aus die Life. In anderen Teilen des Landes haben die Bauern sich um das Verbot des Buttermachen» insofern nicht «kümmert, als sie weiter produzierten und die Lutter im Schleichhandel zum Preise von 89 bis 85 Lseimigtn für daS halbe Pfund absetzten. Die Bauern baden sich auch ntchi abschrecken lassen, als einige von iteen erwischt und bestraft wurden. Die Pi eh zücht sinkt. Besonder» die Schweinezucht ist stark zurückgegegangen. Der Grund iK der Mangel an Futter, besonders der Mangel an jtteie. Brotgetreide darf nicht verfüttert werden, Kartoffeln und Magermilch sind daS Hauptflitter für die Schweine. Da» ist nun keineswegs billiger für den Lauer, und obendrein reicht diese Art der Er« »äbrung nicht au», um den beabsichtigten Erfolg zu »rziileii. Von den Kartoffeln haben die Bauern seht ieringere Einnahmen. Früher kaufte die Bevölkerung iie Kartoffeln direkt beim Bauer. Der Bauer batte nibr und obendrein brauchte die Bevölkerung weni« «t zu zahlen al» heute, wo vom Reichsnährstand kiarwsset-Lagerstellen eingerichtet sind, an die die Lauern die Kartoffeln abgeben müssen. Umgehung derGetreidegesetze. Ten Müllern auf dem Lande sind Strafen bi» zu zehn Jahren Zuchthaus angedroht, wenn Korn zu WerungSzwecken gemahlen wirh. Getreide-Schroten für die Schweinefütterung wird mit 5900 Mark bestraft und außerdem wird„Dachau" angedroht. Trotzdem versuchen die Bauern, die gesetzlichen Mas,« «ahmen zu hintergehen, wo r» nur irgend möglich ist. Senn ein Bauer mehr Korn zum eigenen Verbrauch mahlen liest, al» ihm und seiner Familie auf Grund «ine» bestimmten Satze» pro Jahr zusteht, dann wird er von den Reichsnährstandbehörden zur Rechenschaft «zogen. E» ist aber ein offenes Geheimnis, dast die Lauern Brotgetreide."das sie nicht so'verfüttern konnten, al» Schrot den Schweinen gehen. Auch die Lauem sollen entsprechend den Gesetzen de» Dritten ikeiche» dem Brotmehl 2 bis 5 Prozent Kartoffel« stärke oder-Flocken beimengen. Auch sie sollen dem Aeizenmehl 5 bi» 7 Prozent Maismehl zufügen. Die Man erhält für K6 100 Reichsmark«.. .. 528.— Markmünzen... .. 895.— 100 rumänische Lei.. .. 16.85 100 polnische Zloty.. .. 548.50 100 ungarische Pengö.. .. 578.50 100 Schweizer Franken. .. 666— 100 französische Francs. .. 78.95 1 englisches Pfund.. .. 142.25 1 amerikanischer Dollar .. 28.95 100 italienische Lire., .. 156.40 100 holländische Gulden. .. 1597— 100 jugoslawische Dinare. .. 64.80 100 Brlgas..., .. 489.— 100 dänische Kronen.* .. 633— 100 schwedische Kronen. .. 733— Bauern wollen da»„Gelumpe" nicht, und selbst hohe Strafen hindern sie nicht, immer wieder den Versuch zu machen, die Gesetze zu umgehen. Auch wenn von Kontrolleuren in den Haushaltungen der Bauern Nachforschungen angestellt, Proben vom Brot ent« nommen und beim Nachweis der Nichtbeimsschung Prozesse durchgeführt und Verurteilungen. erfolgt sind, auch dann setzen die Bauern ihren Widerstand gegen die Verschlechterung des von ihnen selbst er« zeugten Brote» fort. Eine Plage für den Bauern ist der JlachSanbmi. zu dem man sie zwingt, weil hie Regierung oen Flach» für die Soldatenunisormen benötigt. Bei 50 Tagewerken must ein halbe» Tagewerk Flach» angebaut werden. Die Bauern tun ha» nur widerwillig, weil fie sehr viel Arbeit damit haben und weil der erzielte Preis in keinem Verhältnis dazu steht. Illegale Schriften zirkulieren. Unter den Bauern ist antifaschistische» Lesematerial verbreitet worden. Sie studieren«» mit grostem Interesse. E» ist kein Fall bekannt, in dem solche» Ma« terial der Äestavo übergeben wurde. Radikaler Umbau der japanischen Wirtschaft (Dr. W. H.) Der neue japanische Finanz« und Wirtschaftsminister Jkeda hat kurz vor dem Ablauf de» ersten Kriegsjahres mit China eine Rede gehalten, in der er die bisherige Wirtschasts« Politik als falsch bezeichnete und neue, drastische Mahnahmen ankündigte. Jkeda wies auf die grohe Wichtigkeit des japanischen Exports hin und forderte die Einschlagung einer Wirtschaft-« und Handelspolitik, die gerade das Gegenteil dessen bedeutet, was sei» Vorgänger fiir richtig gehalten hatte. Wurde früher nämlich möglichste Beschränkung deS Imports bei gröhtmöglicher Sparsamkeit des inländischen Konsums gefordert, so verlangt Jkedanunmehr starke Steigerung des Imports und möglichst vollkommene Ausschaltung des privaten Konsums von den Einfuhrgütern. Erst ein starker Import von Rohstoffen(vernehmlich von Baumwolle, Wolle, Leder, Holz, Kohle, Gummi, Eisen. Erdöl) kann die japanische Industrie in die Lage versetzen, den Export zu steigern und zugleich den Bedürfnissen der Armee Rechnung zu tragen. Im ersten Halbjahr ist der japanische Auhenhandel u m Ü9.4 Prozent geringergewesen als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Einfuhrüber- schuh.betrug zwar dabei nur 195 Millionen Yen, doch spielt auch dieser' Betrag' bei einem Lande, das mit Devisen sparen muh und gezwungen ist, alle lebenswichtigen Rohstoffe zu importieren, eine große Rolle. Der privaten Industrie und dem zivilen Bedarf sind die allerschärssten Einschränkungen auf« erlegt loorden. Jkeda hat u. a. kürzlich verfügt, dah Gewebe für den zivilen Bedarf vollkommen frei von Baumwolle sein und aus reiner Zellwolle bestehe» müssen. Die gesamten, in privaten Händen befindlichen Baumwollvorräte sind beschlagnahmt worden und dürfen nur zu Lieferungen an die Armee sowie zu Exportzwecken verwendet werden. Bei AuSsuhrlieferungen von Wollmischgeweben, müssen 50 Prozent deS Materials aus Zellwolle, bzw. Kunstseide bestehen. Eine weitere einschneidende Mahnahme deS neuen japanischen Finanzministers ist dec Zwang zur Herabsetzung der Herstellungskosten, damit die in den letzten Monaten am Weltmärkte ständig gestiegenen Preise gesenkt werden können und Japan wiederum konkurrenzfähig werde. Die Folge dieser iMahnahmewerden erhebliche Lohnsen-, kungensein. Bekanntlich zahlte die japanische Industrie nachweislich seit jeher die niedrigsten Löhne der Welt.— Eine weitere Maßnahme ist die Festsetzung von Höchstpreisen für eine Reihe von GebrauchSgegenständen, Rohstoffen und Halbfabrikaten. Zwecks Ueberwachung der sogenannten»Höchstpreise" sind einige tausend Mann sogenannter Wirtschaft-Polizei in ganz Japan eingesetzt worden, die nichts anderes zu tun haben, als die Preise zu überwachen. Dah die Festsetzung von Höchstpreisen daS Anziehen der Preise nicht verhindern kann, hat sich besonders deutlich in Deutschland und Italien, also in Ländem gezeigt, die nicht so sehr auf Rohstoffimport angewiesen sind, wie Japan. Die Sparsamkeitsaktion geht vom Hofe au». Minister und selbst Angehörige der kaiserlichen Familie propagieren beispielgebend den Verzicht auf Verwendung von Automobilen. Zu Audienzen können Zivilpersonen im Strahenanzug erscheinen und die Galauniform bleibt nur ganz besonderen Fällen Vorbehalten. Alle diese. Zwangsmaßnahmen zeigen deutlich, dah der einjährige Krieg mit China fast sämtliche Reserven Japan» verbraucht hat. Allein die langfristige Staatsschuld wird auf mehr al» 14 Milliarden gen geschäht. Wie grob die geheimen Goldreserven der japanischen Nationalbank, die in letzter Zeit ebenfalls angegriffen werden muhten, sind, ist nicht bekannt. Die grohe Frage ist, ob eü Japan gelingen wird, mit Hilfe eines fcharfen Dumpingexport» sich, die Mittel zur weiteren KricgSführung zu verschaffen und wie lange und wie weit ein Land sich einfchränken kann. Genoffen! Genossinnen! a» t»