Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme bes Montag täglich früh Einzelpreis 75 Seller Redaktion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Rebatteur: Rarl Rern, Brag Mittwoch, 24. August 1938 18. Jahrgang Friedenspakt mit Ungarn Verständigungswille der Kleinen Entente erfolgreich Aus dem Inhalt: Wechselvolle Kämpfe Nazi- Wegelagerer in Spanien ⚫ bedrohen Jugendliche Schluß mit dem Politisieren in Warnsdorfer Betrieben Bisher 200 Firmen abgewandert Nr. 198 Die Geißel des Raubkrieges Erst nachdem die herrschenden Männer Ja pans erfennen mußten, daß die Spefulation, sic fönnten ihre weitgehenden Raubpläne gegen China mit einer Polizeiaktion" von ein paar Wochen Prag. Die Konferenz der Kleinen Entente, effieren, einer eingehenden Prüfung. Im Verlauf schen Ungarn und den drei Staaten der Kleinen mühelos verwirklichen, ein schwerer Fehlschlag war, die am Dienstag in Bled zu Ende gegangen ist, ihrer Beratungen konnten sie mit Befriedigung das Entente hindernd in den Weg stellen, wurden noch sind sie mit aller Energie daran gegangen, durch hat dadurch besondere Bedeutung erlangt, daß auf Vorhandensein gewiffer beruhigender Symptome feft- nicht gelöst, so daß die Veröffentlichung der entspre wirtschaftliche und finanzpolitische Maßnahmen ihr ein wenn auch nur vorläufiges Abkommen ftellen, welche sie dazu berechtigten, ihrer Hoffnung chenden Vereinbarungen noch nicht erfolgen konnte. der drei Staaten mit Ungarn abgeschlossen wurde. Ausdruck zu geben, daß diefe günstigen Elemente Indem er sich zu den bereits erzielten wichtigen die Striegskraft ihres Landes wesentlich zu steiDieses Abkommen macht den Weg frei zu weiteder internationalen Situation durch geduldige und Ergebnissen beglückwünscht, gibt der Ständige Rat gern. Noch in den letzten Monaten des vergange fortgesetzte Bemühungen der interessierten Wächte der Hoffnung Ausdruck, daß dank dem Geist gegen- nen Jahres, vor allem aber im Jahre 1938, ist ren Verhandlungen zwischen den vier Ländern und weiter ausgebaut und verstärkt werden können. Zu- feitiger Verständigungsbereitschaft, ber nicht nur den die gesamte Wirtschaft auf den Kriegsbedarf umist ein wichtiger Beitrag zur europäischen Frie- gleich konnten die brei Minister bie tiefe Anhänglich- Intereffen der in Frage kommenden Länder, sondern gestellt worden und die Regierung des dritten denssicherung. Ungarn wird die Wiederherstellung feit der Staaten der Kleinen Entente an die Frie- auch jenen des gesamten Donauraumes Rechnung" Achsen" staates ist dabei den Interessen der Volks seiner Wehrhoheit ausdrücklich zugestanden, wäh- denspolitik und die internationale Solidarität feftftel- trägt, baldigst ein vollkommenes ueber- massen gegenüber nicht weniger rücksichtslos verrend sich die Vertragspartner gleichzeitig ver- len und ihre geschlossene Bereitschaft zum treuen e infommen erzielt werden wird. fahren, als die anderen den Krieg vorbereitenden pflichten, sich jeder Gewaltanwendung gegenein- Festhalten an diefer Politik zum Ansburd. bringen. Der Ständige Rat ist sich dessen voll bewußt, ander zu enthalten. Es ist nicht unbekannt, Der Ständige Rat hat mit Befriedigung fest- daß der Völferbund unter den derzeitigen Verhält. faschistischen Regierungen. Die tief in das Wirtschaftsleben einschneidaß die Schwierigkeiten, die der Herstellung eines gestellt, daß die feit einem Jahr mit Ungarn geniffen nicht voll den Aufgaben gerecht werden kann, freundnachbarlichen Verhältnisses zwischen den führten Verhandlungen zu einem Abkommen geführt die ihm von den Verfassern des Battes anvertraut denden Maßnahmen, wie Rohstoffbewirtschaftung, Ländern der Kleinen Entente und Ungarn im haben, welches eine gegenfeitige Verzichterklärung auf wurden. Dennoch find die drei Staaten der Kleinen Einfuhrbeschränkung, Produktions- und Verbrauchsdrosselung, Zwanganleihen u. dergl., haben Wege standen, besonders groß waren und daß auf die Anwendung von Gewaltmethoden im Verhältnis Entente einig in ihrem Wunsche nach Rusammenarbeit unzweifelhaft die Steigerung der Produktion von die Verewigung und Ausweitung dieser Schwie wifchen Ungarn und den Staaten der Kleinen mit der Genfer Institution. Entente, fowie die Anerkennung der Wehrhoheit Un- Das Kommuniqué behandelt dann noch die Waffen, Munition und anderem Striegsgerät errigkeiten der Nationalsozialismus seine Hoffnung garns durch die drei Staaten der Kleinen Entente gemeinsame Haltung der Kleinen Entente in der möglicht. Sie haben die wirtschaftliche Basis für gesetzt hat. Sein Vorstoß in den Donauraum umfaßt. wäre umso leichter, je mehr es ihm gelänge, Uns Gewisse andere Fragen, die im Verlauf der Abessinienfrage, in der Frage des Donau- Regimes eine längere Dauer des Raubfrieges, als die Ges garn zu einer blindwütigen Rachepolitik gegen Disfuffion angeschnitten wurden und die Bereinigung und betont dann die Notwendigkeit, die Wirt- nerale und Kapitäne des Banks und Schwerfapidie Nachfolgeftaaten zu veranlassen. Ungarn aber gewiffer Schwierigkeiten ermöglichen follen, die fich schaftsbeziehungen zwischen den drei Ländern austals sie vorausgesehen hatten, geschaffen. Aber ji: fühlt die Bedrohung durch den Nationaliozialis: der Entwidlung nutnachbarlicher Beziehungen zwi- zugestalten. Daladier vor ernster Entscheidung Die Arbeiterschaft abwehrbereit die haben gleichzeitig über die japanische Wirtschaft Schwierigkeiten gebracht, die immer ernster wer mus genau so wie die anderen Donaustaaten, und den und die auf weite Sicht gesehen es fann seine Unabhängigkeit nur bewahren, wenn Striegstraft dieser imperialistischen Macht angrei es fich mit seinen Nachbarn auf der Grundlage der Gleichberechtigung verständigt. Dazu ist nicht fen müssen. Um so mehr, als sie auch eine neue Welle der sozialen Verelendung der Volksmossen nur die Beseitigung der die Behrhoheit Ungarns ausgelöst haben. Um die aus dem Ausland benö betreffenden Friedensbestimmungen erforderlich, tigten Rohstoffe für die Kriegsindustrie sicherzu förbern euch eine Minderheitenpolitik, die alle stellen, wurde ihre Verwendung für die für den Nationen zufriedenstellt und ihnen in ihren Paris. Nach ver raschen Erlebigung der Gesek über die 40stündige Arbeitswoche zu er- Verbrauch und für die Ausfuhr arbeitenden InStaatsverbänden eine freie fulturelle und polis tische Entwicklung sichert. In der Minder he is Rabinettsrekonstruktion hat nunmehr Minister- gänzen, hat bekanntlich eine gewiffe Beunruhigung dustrien stark eingeschränkt. Dadurch wurde sowoh! tenfrage ist es avischen Ungarn und 3 ugo= präsident Daladier Vorbereitungen getroffen, in den Arbeiterschichten hervorgerufen. Nach den der Inlandsverbrauch als auch die Ausfuhr unflaw i en schon vor längerer Zeit zu einer welche die in seiner Rundfunkansprache vom Metallarbeitern melden sich nunmehr auch die günstig beeinflußt. Die Verfnappung an LebensSonntag angekündigten Maßnahmen in Kraft Eisenbahnangestellten zum Wort. Die nationale mitteln und Artikeln des täglichen Bedarf hat zu Berständigung gekommen; das rumänische Minderheitenftatut sieht eine weitherzige Rege- fchen follen. Die diesbezüglichen Textentwürfe Bereinigung der Eisenbahner, die heute eine einer beträchtlicher Steigerung der Preise und der lung des Minderheitenproblems vor; die Tsche werden zweifellos dem Miniſterrat unterbreitet außerordentliche Sisung abhielt, hat eine Prokla- Lebenshaltungskosten geführt. Vom Juni 1937 werden, der am 30. Auguft nach der Rückkehr des mation erlassen, in der es heißt, daß die gegen bis Mai 1938 sind die Großhandelspreise um 15 doflowate i ist im Begriffe, eine vorbildliche Minderheitenregelung einzuführen. So ist Präsidenten der Republik nach Paris zuſammen- 400.000 Mitglieder zählende Vereinigung die 40 bis 17 Prozent gestiegen.( In USA find sie in denn zu erwarten, daß dem vorläufigen Friedens treten soll. Der Ministerrat wird hiebei nicht ſtündige Arbeitswoche gegen alle Angriffe vertei- der gleichen Zeit um 20 Prozent, in England um 15 Prozent gefallen!) Durch diese Entwicklung vaft zu Bled eine weitere Annäherung der Donau- bloß über den Entwurf zur Ergänzung des Ge- digen wird. Paris. Die Pariser Blätter widmen ihre Aufgeht Japan der Abwertungsvorsprung verloren, staaten folgt, die im Interesse aller dieser Län- fetes betreffend die 40stündige Arbeitswoche, fonber, im Interesse ihrer Unabhängigkeit durch die dern auch über den Entwurf betreffend das Bud- merksamkeit vor allem der Situation, wie sie nach den es bisher vor seinen größten Konkurrenten Herstellung einer engen wirtschaftlichen und poli- set und die Staatsfinanzen verhandeln, die Mi- der Regierungsumbildung und nach der sonntägigen auf den Weltabjaßmärkten gehabt hat und mit nisterpräsident Dalabier mit dem Finanzminister fischen Union gefrönt werden sollte. Kundgebung des Ministerpräsidenten Daladier ent- deffen Hilfe es seine Ausfuhr in den letzten JahMarchandeau besprochen hat. standen ist. Die Rechtsblätter billigen das Vorgehen ren so erfolgreich forcieren konnte. Es wird auch die prinzipielle Frage geregelt Daladiers und legen ihm nahe, sich nicht einschüchtern Die Ausfuhr hat jedoch für Japans Wirtwerden müssen, ob diese Entwürfe im Wege einer zu lassen und von dem eingeschlagenen Weg nicht schaft die gleiche überragende Bedeutung wie für Regierungsverordnung oder im parlamentarischen abzugehen. Demgegenüber setzen die Blätter der jedes Land, das auf die Einfuhr beinahe jämtWege verwirklicht werden sollen, wobei zahlreiche Arbeiterparteien ihre Angriffe fort. Léon B I u mlicher wichtiger Rohstoffe angewiesen ist. Japan Gründe für eine legislative Behandlung sprechen. schreibt im„ Populaire":" Das Programm Dala- muß die Rohstoffe mit Devisen bezahlen und die Außerdem wird angeführt, daß der Austritt von diers ist dazu angetan, von den bisher eingeschlage Devisen hat es nur, wenn es eigene Waren in ent zwei Ministern aus der Regierung, obzivar er nen Richtlinien weit abzukommen. Weiß der Mini- sprechendem Umfang ausführen lann. Ist die Aus" Die feit dem vorigen Jahre zwischen Un- teine Aenderung in der politischen Zusammensets sterpräsident etwa nicht, daß Frankreich, das die fuhr nun schon durch den Verlust des Abwertungsgarn einerseits, und Rumänien, Jugoslawien fo= zung das Kabinettes herbeigeführt hat, insbeson- Ministerkrise so wirksam lösen kann, eben ienes vorsprunges bedroht, so noch mehr durch die Pro wie der Tschechoslowakei andererseits geführten dere im Ausland den Eindrud hervorrufen könnte, Frankreich ist, das die Volksfront schuf? Wir wollen duktionsdrosselung typischer Ausfuhrindustrien, die Verhandlungen haben es, durchbrungen von dem daß die politische Lage in Frankreich ruhig gemeinsamen Wunſche den Boden von all dem zu ist. Dieſe Alternative ſcheint die feindlicht is die Schwierigkeiten nicht ausnüßen, die Daladier eine Folge der Beschränkung der Rohstoffverarselbst hervorgerufen hat. Er möge aber wissen, daß beitung ist. Im ersten Halbjahr 1938 ist denn reinigen, was die Entwicklung einer guten Nach langnahme der Arbeiterparteien in der Regie- man für die Abkehr von den Sozialgesetzen mit den auch die Ausfuhr Japans um 300 Millionen en barschaft zwischen Ungarn und den genannten brei rungsmehrheit gegenüber dem Programm des sozialistischen Parteien nicht rechnen kann." oder rund 16 Prozent geringer als in der gleichen Staaten hemmen könnte, ermöglicht, zu vorläu- Ministerpräsidenten Daladier zu unterstüßen. Le Peuple" erflärt, die Arbeiter würden die 40- Periode des Vorjahres. Der dadurch entstehende figen Abkommen zu gelangen. Diese Abkommen Deshalb wäre es angezeigt, daß die Angelegen Stunden- Woche gegen Angriffe verteidigen. Devisenausfall trifft die japanische Regierung enthalten seitens der drei Staaten der Kleinen heit ins Parlament komme, wodurch den geplan Sumanité" hält Daladier vor, daß er die Grund- deshalb schwer, weil sie, um die Nohstoffeinfuhr Entente die Anerkennung der Rüstungs- Gleichbe ten Maßnahmen größere Autorität verliehen regel der Loyalität zahlreichen Kollegen in der Re- sicher zu stellen, den schwachen Goldvorrat angrei rechtigung Ungarns und den gegenseitigen Ber- würde. In diesem Falle müßte das Parlament zu gierung gegenüber nicht eingehalten habe. fen muß. sicht auf jedwede Anwendung von Gewalt zwifchen einer außerordentlichen Tagung, und zwar wahr Ungarn und den erwähnten drei Staaten. Wäh- scheinlich Ende nächster Woche einberufen werden. rend diefer Unterredungen, die der Verwirklichung Wan nimmt an, daß das Kabinett Daladier bet dieser Abkommen vorausgingen, waren ebenso den parlamentarischen Verhandlungen eine große auch Gegenstand einer detaillierten und wohlwol- Mehrheit erzielen wird, auch wenn die Soziali lenden Brüfung fämtliche übrigen Fragen, deren sten und die Kommunisten auf ihrem bisherigen Lösung in günstiger Weise auf die Beziehungen Standpunkt, betreffend das Gefeß über die 40der Donaustaaten einwirken könnten. Es wurde stündige Arbeitswoche beharren werden. an eine Erklärung gedacht, die den Standpunkt der erwähnten Staaten zu diefen Fragen ausbrüden würde, doch war es nicht möglich, diese Erklärung In Budapest und Bled verkündet... Bleb. Dienstag um 18 Uhr haben der Ständige Rat der Kleinen Entente in Bled und die ungarische Regierung in Budapest gleichzeitig folgendes Kommunique veröffentlicht: Volksfrontparteien tagen Prächtiger freigewerkschaftlicher Erfolg in Malerhöfen Der Goldvorrat ist aber für einen langen Krieg angesichts der wirtschaftlichen und finanziel Ten Lage Japans, an sich ungenügend. Der Raubzug gegen China kommt dem japanischen Volle finanziell teuer zu stehen. Rund 300 Millionen Karlsbad.( Eigenbericht.) In der Por- en verschlingt der Krieg monatlich und wenn nur zellanfabrik Benedikt A.-G. in Maierhöfen bei das Programm der Kriegsausgaben eingehalten Karlsbad, die rund 450 Arbeiter beschäftigt, fan- wird, so müssen im Laufe des nächsten Halbjahres 4.7 Milliarden dafür und etwa fünf Milliar den am Dienstag die Wahlen in den Betriebsaus- den für den Ausbau der Industrie( vorwiegend Paris. Der Sekretär der Delegation der schuß statt. Trotz der wüsten Agitation der SdB, auch für Kriegszwvede!) aufgebracht werden. Ein in einer endgültigen Form festzusehen. Es ist zu Linken, Abgeordneter Dr. Crutel hat bekanntgehoffen, daß nach leberwindung dieser Schwierig. feiten die Verhandlungen über diese Fragen zu geben, daß er die Delegation für Freitag 17 Uhr die wie fast überall auch hier durch die Beamten- gewaltiger Betrag, der um ſo ſchwerer wiegt. einem guten Ende führen werden und daß die ver- 3 einer Sibung einberufen habe. Am gleichen fchaft eifrig unterstützt wurde, blieb den Volks- wenn man bedenkt, daß die Ausgaben für Seer wirklichten Abkommen und bie entsprechende Er- Tage nachmittags vor der Sigung der Delegation semeinschaftlern der schon als selbstverständlich und Flotte in den letzten Jahren fortgesetzt gefticEr- age gen sind und daß schon 1937 fajt 40 Brezent wird der Klub der radifalsozialistischen Abgeord- betrachtete Sieg versagt. Die Liste des freigewerk der Gesamtausgaben des Budgets auf militärische flärung gleichzeitig veröffentlicht werden." neten eine Beratung abhalten. Der Exekutivaus- fchaftlichen Berbandes der Glas- und Keram- 38wede entfielen. Japan steht demnach auf diesem Die Erklärung der Kleinen Entente dhuß der radikalsozialistischen Partei wird mittarbeiter erhielt von 441 abgegebenen gültigen Gebiete nicht hinter Deutschland und Italien woch nachmittags zusammentreten. Der Vorstand zurüd. In dem Kommuniqué, das die Vertreter der der kommunistischen Partei ist für Donnerstag Stimmen 282 Stimmen und fünf Mandate, wähDesgleichen nicht in der Anwendung der Staaten der Kleinen Entente ausgaben, heiße es: den 25. d. M. einberufen. rend die Deutsche Arbeitnehmergewerkschaft in Methoden, mit denen es den Krieg finanziert. Die drei Minifter unterzogen die allgemeine Tetschen lediglich 159 Stimmen und drei Man- Obwohl sich die Lebenshaltungskosten seit inavy Situation und alle außenpolitischen Fragen, welche leinem Jahre um 15 Prozent erhöht haben, sind date aufbrachte.. Paris. Die Erklärungen des Minifter. die Staaten der Kleinen Entente im befonderen inter- präsidenten Daladier, daß es notwendig fei, das Seite 2 Mittwoch, 24. August 1V38 Nr. 198 Wechselvolle Kämpfe in Spanien Unentschiedenes Binsen am Ebro und In Estramadura die Löhne auf dem tiefen Niveau stehen geblieben. Trotz der niedrigen Löhne und der verschlechterten Lebenslage wird durch Verbrauchsverbote, durch Belastung mit neuen«teuer» und durch Zwaugfparabgaben die Bevölkerung gezwungen, die Mittel für den Krieg aufzubringen. Eine Sparabgabc, die für llnvcrheiratete zehn Prozent des Brutto-Einkommens beträgt, soll dem Volkseinkommen innerhalb eines Jahres acht Milliarden gen zugunsten eines Riesensparfonds entziehen, der der Regierung zur Deckung der KriegS- auSgaben zur Verfügung gestellt werden soll. Die Löhne der japanischen Arbeiter liegen noch weit unter den in der Tschechoslowakei üblichen: die normalen Steuerlasten aber sind höher I Zu ihnen kommt nun noch neben einer Sondersteuer von 300 Millionen Den die„Spar"abgabe von acht Milliarden Den! So ist der Raubkrieg, mit dem die japanischen Imperialisten ihren Reichtum und ihre Macht zu erweitern trachten, für die Arbeiter und Bauern Japans eine furchtbare Geißel. unter deren Schläge sie noch tiefer in soziales Elend versinken. Arbeiter-Wahlsiege In Uebersee Bei den jüngsten Wahlen in der drittvolkS- reichsten Provinz Kanadas, Saskaischcwan, erhielt die Canadian Commonwealth Federation, die Arbeiterpartei Kanadas, nach einem heftigen Wahltainpf einen beachtenswerten Erfolg. Der C C. F. ist es gelungen, die Zahl ihrer Sitze von fünf auf zehn zu erhöhen, also zu verdoppeln, obwohl die Zahl der Sitze insgesamt herabgesetzt worden war. Ter Stimmenzuwachs der C. C. F., die besonders bei den Farmern Im östlichen Teile der Provinz stark an Anhang gewonnen hat, beträgt 23 Prozent. Bei den Gemein dewahlen in Neuseeland, die als Probe für die im Herbste stattfindcndcu Parlamentüwahlen von Bedeutung waren, haben die VerstaatlichungS- pläne und die radikale Sozialpolitik der neuseeländischen Arbeiter-Regierung im Wahlkampf «ine große Rolle gespielt. Trotz örtlichen Rückschlägen, wie in Auckland, sind die Gemeindewah« len mit einem Erfolg für die Arbeiterpartei abgeschlossen worden. In vielen Gemeinden, wo sie bisher in der Minderheit war, wurde sie zur Mehrheit. In Christchurch, der drittgrößten Stadt des Landes, eroberte sie von 16 Sitzen zehn und verdoppelte ihre Stärke. Das Ergebnis der Gemeindewahlen wird von der Arbeiterschaft als günstiges Vorzeichen für die allgemeinen Wahle» betrachtet. bkouv Limvandorungsbestimmimgen kür Chile Santiago de Chile. Der Kolonisationsminister legte im Namen der Regierung ein neues Ein« wanderungSgesetz der Kammer zur Beratung vor. Nach dem Gesetz soll die Eintoanderung in Freie« und Kolonisatiouseinwanderung eingeteilt werden. Vorgesehen ist eine Oiioienverteilung auf die ver, schiedenen Nationen. Moralisch oder körperlich lln« fähige sollen nicht zugclasien werden. Erwünscht dagegen ist die Einwanderung von Spezialarbeitern aus Industrie, Fischerei und Bergbau, ferner von Landarbeitern und solchen Personen, die die Produktion und das kulturelle Niveau des Lau« des heben können. Alle Einwanderer sollen im Alter von 18 bis zu 63 Jahren stehen. Kolonisten, die verheiratet sind, werden weitestgehend unterstützt. Die Eiiiwanderungöquoten sollen jährlich fistgesetzt werden. Barcelona.(Ag. Esp.) Nach wie vor zerlrechen die Angriffe der Rebellen in der Ebrozone an der heroischen Festigkeit der Republikaner, die dem Feinde schwere Verluste an Kämpfern und Material beibringe». Die JnvnflonStruppen haben nicht aufgehört» unterstützt von vielen TankS und Flugzeugen, die Stellungen der RegierungStrup- pen anzugreifen. Bier feindliche TankS sind unbrauchbar gemacht worden. Dir Papiere der gefallenen Insassen zeigen ihre italienische Rationalität und auch, welchen Truppenteilen sie, angehört haben. Der Kampf, der sich um die Höhe 444, südöstlich von Villalba de loS AreoS abgespielt hat, ist ein Musterbeispiel für die außerordentliche Heftigkeit der Kämpfe mrd den hartnäckigen Widerstand der spanischen Truppen. In zweistündigem Kampf gelang eS Franco eine Anhöhe zu besehen, die ihm aber alsbald durch kräftigen republikanischen Gegenangriff entrissen wurde. Die spanische» Truppen haben in allen Frontabschnitten ihre Linie ohne merkbare Aen- derung behaupten können. Di« republikanische Flakartillerie hat einen Heinkelbomber 111 abgeschossen. Einer der Insassen, der mit dem Fallschirm absprang, ist gefangengenommen worden. Die im Dienste der Invasion stehenden Kräfte haben an der Estramadurafront ihre Offen» sive im Abschnitt Puente del Arzobispo fortgesetzt und konnten bis Navas de Ricomulillo und in die Nähe von El Canipillo vorrücken, wo heftig ge« kämpft tvird. Es gelang den spanischen Truppen, die Höhen ziirückznerobern, die den erstgenannten Ort beherrschen. Ein feindlicher Handstreich gegen unsere Stellung nordwestlich von Aldeanneva de San Bartolom«! wurde energisch zurückgeschlagen. Die Höhe 866, südwestlich von Peualsordo, die die Zur Lösung des Problems von Palästina tauchen ständig neue Ansichten auf. Vor kurzem kehrte eine britische Kommission nach London zurück, die die Aufgabe hatte, die Verhältnisse zu untersuchen und die passendste Teilung in einen arabischen und in einen jüdischen Staat vorzuschlagen. Wie eS scheint, haben nunmehr die britischen Regierungskreise nicht viel Lust zu einer solchen Lösung. Ohne Zweifel dienen ihnen die ungünstige» Erfahrungen Frankreichs in Syrien als Warnung. Es ist sehr wahrscheinlich, daß durch die Schaffung eines neuen arabischen Staates die antibritische Tätigkeit in Klein-Asien nur verstärkt würde. Nun wird wieder über einen Antrag verhandelt, woiiach in Palästina auf einem engen Streifen der Küste zwischen Tel-Aviv und Haifa ein autonomes jüdisches Gebiet geschaffen lverden soll, während der Rest des Landes dauernd britisches Mandatsgebiet bliebe, allerdings ohne toeitere jüdische Zuwanderung. Diese Lösung wird jedoch sicherlich weder die Araber noch die Juden zufriedenstellen, und daher wird in britischen Kolonialkreisen, die nach einer entschiedenen Lösung des langjährigen Problems rufen, neuerlick' der Gedanke erwogen, ganz Palästina in eine britische Kronkolonie zu verwandeln. 160.969 Juden nach Alexandrette? Wie verlautet, verhandelt die türkische Regierung mit jüdischen Institutionen über die An- Ortschaft Zarza Capilla beherrscht, ist von spanischen Truppen zurückerobert worden. Die Inspiratoren loben sich selbst Rom. Im„Giornale d'Jtalia" entwickelt Virginis Gayda die Ansichten der politischen Kreise über die Anüvort der Regierung Francos an die britische Regierung. Diese Antwort, schreibt Gayda, ist glänzend durchdacht, vollkommen logisch und realistisch. Kein anderer Standpunkt der Regierung des Generals Franco konnte besser und ehrenvoller den Willen darlegen, den Wünschen des Nichteinmischungsausschusses im Interesse der Pazifizierung Europas inmitten des Bürgerkrieges entgegenzukommen. Catalonien unverbrüchlich treu Barcelona.(Ag. Esp.) Präsident Companys erklärte Journalisten, daß das katalanische Volk wie alle Teile der antifaschistischen Front imr den Wunsch hat, möglichst viel zum gemeinsamen Kampf und Sieg bcizutragen. Wir wünschen, sagte Companys, daß alle einander Ivie Brüder behandeln. Niemals hat es in der Negierung der Gcneralidad Zwischenfälle gegeben; stets herrschte und herrscht volle Einigkeit und Einstimmigkeit. Dem Henker entronnen Bayonne. Der spanische Fischkutter„Angeles" aus dem Heimathafen Santurca bei Bilbao ist Dienstag abends in Bayonne eingetroffen. An Bord befanden sich 17 Personen. Vier Mitglieder der Besatzung sollen die übrige Mannschaft mit der Waffe gezwungen haben, Kurs nach Frankreich zu nehmen. Es handelt sich um Soldaten, die avs dem Konzentrationslager entsprungen sind und die wegen ihrer Fachkenntnis der Besatzung zugeteilt worden waren. siedlung von hunderttausend europäischen Juden im Sandschak von Alexandrette. Die Juden hätten die Aufgabe, das türkische Element zu unterstützen. Terrorakte ohne Ende Südlich von Tel Avw wurde Montag ein iüdi- schcr Autobus beschossen, wobei zwei Juden ums Leben kamen. Drei Amber wurden ermordet aus der Straße von Akra nach Safed aufgesunden. Bei Ramloh wurde eine Jüdin erschossen. In der Räbe von Beisan kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einer Polizeiabteiluna und einer Bande arabischer Terroristen, wobei vier Araber getötet wurden. In der Nabe von Tulkarem ervlodierte unter einem mit englischem Militär besetzten Lastkraftwagen eine Mine. Ein Hauptmann des Royal Scotch-Regimentes wurde getötet. Auf der Strecke Lydda—Jerusalem wurde Dienstag ein D-Zug von einer starken Schar bewafl- netcr Aktivisten aufgehalten. Ter arabische Begleitpolizist wurde erschossen. Den Reisenden wurden die Wertsachen weggenommcn. Während der Zug noch hielt, raste ein zweiter Zug in den D-Zug. Die Zahl der Toten und Verletzten konnte noch nicht sestgestellt werden. Der Prolurator des Militärgerichtes In Palästina hat die Einstellung der Untersuchung und die Freilassung aller Juden angeordnet, die terroristischer Akte beschuldigt wurden. Im Laufe der Untersuchung wurde festgestellt, daß alle Beschuldigungen unbegründet waren. Palfistlnawlrd britische Kolonie? DIE SPIONIN VON W. STERNFELD In der Ehrenhalle dcü Armecmuseums zu Brüssel stehen in langer Reihe alphabetisch geordnet auf mächtigen Tafeln die Namen jener belgischen Patrioten, die lvährend des Weltkrieges sich durch besonderen Mut und besondere Vaterlandsliebe ausgezeichnet und dadurch um ihr Land verdient gemacht haben. Fast am Ende dieser langen Reihe findet sich der Name einer jungen Belgierin, Hermine Baneughem, deren Name heute vergessen ist, die aber den dcntsckten Heeren, die ihre Heimat besetzt hielte», mehr Schaden zuge- fügt hat als viele Regimenter ihrer Landsleute. Ich habe diese kleine Belgierin ztvei Lahre vor Ausbruch des Krieges kennen gelernt und viele Monate freundschaftlich mit ihr verkehrt. Nichts in ihrem Wesen sprach damals dafür, daß sie eines Tages zu einer Heldin ihrer Heimat werden würde. Sie war eine etwa achtzehnjährige anmutige und durch besonderen Liebreiz und Zartheit ausgezeichnete kleine Verkäuferin in einem kleinen Spitzengeschäft in der Nähe der großen Boulevards. Sie wirkte in ihren einfachen, sorgfältig gearbeiteten Kleidern zwar elegant, verhehlte aber nie, daß sie ganz armer Leute Kind vom Lande aus der Gegend von Lüttich sei. Mit besonderem Stolz erzählte sie, daß sie sich ihre ost bewunderten Kleider selbst anfertige. Wenn man dennoch den guten Schnitt und Sitz ihrer Blusen und Kostüme rühmte, Ivehrte sie lachend und verschämt die Schmeicheleien ab und meinte:„Laß das, ich bin doch nur ein kleiner Dorftrampel." Hermine war damals die Freundin eines meiner Bekannten, Henry Sch., des Neffen eines sehr bekannten deutschen Schriftstellers. Er war der Sohn eines Deutschen, der bereits seit Jahrzehnten in Brüssel ansässig war. Henry, ein Bursche von zweiundzwanzig Jahren, war Reichsdeutscher geblieben, sprach aber nicht nur beide Landessprache», vlämisch und wallonisch, sondern auch ein sehr korrektes und fehlerfreies Französisch und Englisch. Daß er Deutsch sprach, das ja seine Muttersprache war, versteht sich von selbst. Alle diese Sprachen beherrschte er mit einer Vollkommenheit, daß cs sehr schwer war, aus der Art des Sprechens seine Nationalität zu erkennen. Dazu war er groß, blond und blauäugig, und die meisten, die mit ihm zu tun hatten, glaubten einen waschechten Blamen vor sich zu haben. Wir trafen uns alllvöchentlich mehrere Male deö Abends in einer jener kleinen Cafts an der Porte Namur, meist zu drilt, zuweilen aber auch zu zlveien, da mein Freund beruflich viel in England, Frankreich und Deutschland war. Manchmal saßen wir auch in einer gemütlichen Kneipe am Marchkk au poiffonS. Ihr gegenüber hätte man kurz vor der Zeit unserer Bekanntschaft ein Denkmal für den spanischen Freidenker und Freiheits« Helden Guido Ferrer errichtet, dessen Name und Schicksal Hermine unbekannt waren. Ich erinnere mich, daß sie mich eines Abends im Frühjahr 1614, als wir nach Hause gingen, nach dem Sinn dieses Monumentes fragte, worauf ich ihr die Geschichte dieses mutigen Anarchisten erzählte. Sie hörte mir schtveigend zu, unterbrach mich nur ganz selten mit kleinen Fragen und meinte beim Abschied:„Schade, daß meist die besten Menschen ihre Ueberzeugung mit dem Leben bezahlen müssen. Ich brächte bestimmt nicht den Mut auf, mich für eine Idee zu opfern. Denn erstens ist das Leben viel zu schön, als daß ich es riskieren möchte, und zweitens sind auch die andern ein solches Opfer gar nicht wert."— Damit verabschiedeten wir uns von einander. Sie schloß schnell die enge Tür des schmalen Hauses auf, in dem sie zur Miete bei einer Kramhändlerin wohnte und das auf einer Höhe in der Nähe der Gare du Nord lag, Ich trabte meiner Behausung zu, die weit im Westeit der Stadt lag. Einige Monate später kam der Krieg und riß über Nacht unsere Freundschaft auseinander. Mit den schönen Abenden in Brüssels kleinen Weinstuben und Tafts war es nun aus. Mein Freund und ich kehrten in Eile nach Deutschland zurück, um Heeresdienst zu leisten, und was aus unserer kleinen Freundin wurde, habe ich erst viele Jahre nach jener Zeit erfahren, obgleich ich ihren Namen schon ztvei Jahre später des öfteren in den Zeitungen laS. Damals habe ich mich genau jener Worte erinnert, die sie mir beim Abschied sagte, nachdem ich ihr die Geschichte Guido FerrerS erzählt hatte. Wenige Woche» nach Kriegsausbruch lag »'ein Freund als deutscher Soldat in einer kleinen Garnison des besetzten Gebietes im Westen. Seine Eltern, die bei Ausbruch des Krieges nach Deutschland geflüchtet wäret», waren nach der Einnahme Brüssels durch die deutschen Truppen in ihr Heim zurückgekehrt. Henry besuchte sie ein paar Mal in Uniform und eines Tages ging er auch, seine kleine Freundin wiederzusehen. Er hatte ihr zuvor einige Male kurze Briefe gesandt, die afle freundlich ertvidert worden waren. Um so mehr Ivar er von der Frostigkeit ihres Benehmens überrascht, als sie ihm jetzt gegenüber saß. Dennoch verabredeten beide ein Rendezvous für den Abend in einem unserer alten StammcaftS. Bevor er ihr kleines Zimmer verließ, sagte sie verschämt, daß sie eine große Bitte an ihn habe: Henry sah die großen, schönen Augen schmeicheln und hatte das Empfinden, als ob sich Hermine an ihn schmiegen möchte.' Er machte den Versuch, sie in den Arm zu nehmen,, aber scheu wich sie vor ihm zurück: „Nein, nicht jetzt," wehrte sie ab,„vielleicht später". Sie war wie verstört,— ihren Wunsch schien sie vergessen zu'haben. Henry selbst erinnerte sie daran:„Also, KleintS, was für einen Wunsch hast du?"— Da legten sich plötzlich ihre Arme um seinen Hals, sie stellte sich auf die Fußspitzen, [Runclman beim Präsidenten Prag. Der Präsident der Republik empfing Dienstag, den 28. August, Lord Walter R u n e i m a n, weiter Justizminister Dr. Ivan D ö r e r und schliesslich den britischen Botschafter Sir Ch.H. Bentinck. Das Sekretariat der Mission Lord Runci« man» hat am 28. August um 17 Uhr folgenden Bericht auSgegeben: Der Präsident der Republik Dr. Eduard Benes empfing heute um 11 Uhr vormittags Lord Runciman. Um 16 Uhr kamen die Mitglieder des Stabes Lord RuncimanS mit dem sechsgliedrigen Parlamentsausschuß zusammen und setzten daS in der Vorwoche begonnene Studium der tschechoslowaki- >chen Verfassung fort. Der Parlamentsausschuß war durch den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Malypetr und durch die Abgeordneten Dr. Meißner, Dr. K l a P k a und Dr. Ra» i i n vertreten. Anwesend war auch Gesandter Dr. Heidrich vom Außenministerium. Der Stab Lord RuncimanS war durch die Herren Ashton»Gwarkin, Stopford und Henderson vertreten. Für die StaatSverteidlgung. Der Spendenausweis zum 22. August weist eine Zunahme der effektiv eingezahlten Spenden um 1,644.441 KG aus, wodurch sich der Gesamtstand der eingezahlten Spenden auf 466,624.811.76 KL erhöht hat. Die Zahl der Spender ist um 8666 Personen auf 202.667 Personen gestiegen. Tschechische Pressestlmmen „Rärodni Osvobozeni": Wenn die bisherigen Angriffe und Kampagnen uns nicht gesckUvächt haben, lverden andere— anderswo vielleicht bewährte— Wege gefurcht, um Unruhe im Innern hervorzurufen. ES kommen Nachrichten, daß von neuem in der Republik Flugblätter verteilt werden; manche sollen durch ihren Inhalt das Vertrauen der Bevölkerung zur Regierung, zur Armee, zu den verfassungsmäßigen Repräsentanten des Staates untergraben, andere empfehlen„radikale nationale Lösungen" der ent« swndenen Situation. Man muß sich veraegenwärti» gen, daß alle diese armseligen Flugblätter von der gegnerischen Propaganda erzeugt, bezahlt und verbreitet lverden und dementsprechend mit dieser Einfuhrware Verfahren. „Ceskt Slovo": Der reichsdeutsche Rundfunk bat mit der ihm eigenen„Ungezwungenheit" willkürlich herauSgenommene Zitate aus englische» und französischen Blättern zusammengesucht, um mit ihnen seine Propaganda zu unterstützen, die sowohl für die deutsche Oeffentlichkeit im Reich, als auch— und das ganz besonders— für die deutsche Oeffentlichkeit in der Tschechoslowakei bestimmt ist. Nun. unser Rundfunk verstand eS gerade in seinen deutschen Sendungen nicht im geringsten, die Neugierde der deutschen Hörer zu beftiedigen, die gerne etwas erfahren hätten über den Verlauf der Verhandlungen und Gespräche. um die verschiedene sensationelle Auslegungen kursierten, und verstand eS gerade bei dieser großen Gelegenheit nicht, wie eS seine Pflicht gewesen wär«, die deutsche Propaganda zu paralysieren. „Slovenskh HlaS":... die karpathoruffischen Deutschen unterlagen im ersten Augenblick dem Ansturm der Henleinagitation und meldeten sich massenhaft in die Henleinpartei. So entstand daS Sekretariat der SdP in Mukaievo, welches Fabrikbeamte, Sudetendeutsche, führten. Als aber die Henleinpartei von den karpathoruffischen Deutschen viele Dinge verlangte, die sich nicht mit den Gesetzen der Republik in Einklang bringen ließen, entstand zwischen ihnen eine Spaltung und die deutsche Bevölkerung verläßt die Henleinpartei in Massen. um ihren Kopf an seinen pressen zu können, und leise bat sie:„Komme aber heute Abend in Zivil!" Henry verstand.— Aus der kleinen Freundin, die bis dahin einen Unterschied zwischen den Nationen kaum gekannt hatte und der alle politischen Fragen gleichgültig gewesen tvaren, war eine Hasserin seiner Heimat geworden. Sie schwankte in ihren Empfindungen, ob sie in Henry weiter ihren Freund oder den Feind ihres Landes sehen müsse. Er bemühte sich, sich in ihre Lage zu versetzen und sah ein, daß eS unüberlegt gewesen war, sie in Uniform aufzusuchen. Wahrscheinlich Ivürde sie fortan bei den Hausbewohnern als Deutschcn- srcundin verschrien sein und Hatz und Verleumdung zu tragen haben.— Am Abend erschien er in Zivil, entschuldigte sich bei ihr wegen seiner Unachtsamkeit, und sie schien ihre Kalte und Frostigkeit überwunden zu haben. ES war wieder wie einst. Diese Zusammenkünfte wiederholten sich mehrere Male. Von Zeit zu Zeit schrieb er ihr äug' seiner Garnison tm südlichen Belgien und fügte einmal eine Photographie bei, die ihn in Uniform zeigte. Unwillig zerritz sie das Bild, nahm dann die beiden Hälften und legte sie zu unterst in einen Kasten, in dein sie Erinnerungen aufbewahrte. An einem Sonntage im Dezember 1614 toar Henry wieder in Brüssel. Er verbrachte den Abend mit Hermine, doch schien eS ihr, als ob er seltsam verschlossen und einsilbig sei. Auf ihre Frage, was ihn bedrücke, antwortete er ausweichend, sagte dann aber, datz sie sich vielleicht vorerst nicht Wiedersehen könnten, da er von seinem Truppenteil versetzt tverde.—„An die Front?" fragte sie voller Angst. Er nahm ihre Hand und streichelte sie. „Nein, Lieb, nicht an die Front, zu einer änderen Abteilung in Belgien. Du brauchst dich um meinetwillen nicht zu sorgen."— Seine Verschlossenheit und sein Benehmen hatten ihre Neugier erweckt,— sie wollte wissen, was aus ihrem Freunde würde..(Fortsetzung folgt.). Mr. 198 Mittwoch, 24. August 1938 01612019 PB 60 Seite 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel Selbstverwaltung | Die Chinesen wieder vor Kiukian Die Chinesische Gesandtschaft in Prag stellt den Blättern folgenden Bericht über die gegenwär tige Situation auf den chinesischen Kriegsschaupläßen zur Verfügung: Nach Eroberung der strategisch- wichtigen Höhens züge zwischen Schaho und Kiulian näherten sich die hinesischen Truppen dem bedeutsamen Pöwenhügel, etwa Nazi- Wegelagerer bedrohen Jugendliche men, ber chuva vier Stilometer öftlich von Stiu. und Staatserhaltung tian liegt. Die japanischen Schiffe versuchten wieDie Nazi- Presse glaubt einen Schlager" Kinderfreunde und Sozialistische Jugend ein und findischem Sieg- Heil- Gebrüll zu empfangen. landen, aber die chinesische Artillerie und die chineIn Langendorf in Schlesien haben, Jugendlichen mit den wüstesten Schimpfnamen berum in der Umgebung von Siufian Truppen zu einen gewichtigen Schlager" gegen die Sozial- Landheim, in dem sie gern und oft das Wochen- Es war ein widerliches Theater. Nur dem ent- fische Luftwaffe verhinderten durch ihr Bombarde demokratie gefunden zu haben: das Brünner Na- ende verbringen. Man erreicht es am besten mit schlossenen Auftreten einiger älterer Genossen, ment der vor Kiulian vor Anker liegenden Schiffe tionalitätenprogramm der österreichischen Sozial- dem Rade auf der Fahrt durch die Ortschaften die viel Selbstüberwindung aufbringen mußten, diesen Versuch. Das heftige Bombardement der chi demokratie, das 1899 von den Sozialdemokraten Gotschdorf, Klein- Bressel und Alt- Bürgersdorf. war es zu danken, daß ein Rusammenstoß ver- nesischen Artillerie hielt zwei Tage an. Die chinesi aller Nationen beſchloſſen wurde. Dieses Nationa- Früher tonnte der Wanderer sicher sein, von der mieden wurde. Die Jugendlichen fubren schließ- fchen Truppen greifen heftig die Stadt Sulou, die litätenprogramm fordert bekanntlich wir sagen Bevölkerung freundlich gegrüßt zu werden. Heute, lich in geschlossener Formation, um Ueberfälle äftlich von Kiufian liegt, an. Am Nordufer des bekanntlich, weil wir aus diesem Beschlusse nie ein da diese Orte nazistisch verseucht sind, ist es für auf Einzelfahrer vorzubeugen. Wie notwendig Dengtseflusses schreitet die chinesische Offensive im Geheimnis gemacht haben, der Brünner Parteitag einzeln fahrende Jugendliche im Blauhemd ge- das war, zeigte sich, als sie an dem Gasthause, in Abschnitt Tajbu- Suanmej fort. Auch Wuhu wird öffentlich war und dieses Programm viel disku fährlich geworden, diese Dörfer zu passieren. Die dem das SDP- Fest im Gange war, vorbeilamen. von den Chinesen von mehreren Seiten belagert. Zu tiert wurde die Umwandlung Desterreichs in niederträchtige Heße der SdP hat es glüdlich ſo- Dort stand eine johlende Horde von Sakenkreuz- Luftkämpfen kam es im Often von Huvai, im Süden einen Nationalitäten- Bundesstaat. Was die Soweit gebracht, daß der Anblick eines sozialistischen lern, die sichtlich nur darauf warteten, über die von Hunan und über dem Pojanſee. In Schans zialdemokraten bor nahezu vierzig Jahren als Jugendlichen als„ Aufreizung" empfunden wird. Jugendlichen herzufallen und sich als Erjaß für tung fämpfen chineſiſche irreguläre Truppen weiter richtig für das alte Oesterreich ansahen, das müsse doch, so folgert die gleichgeschaltete Presse, auch für Am vergangenen Sonntag fuhren drei Judie in dieser Gegend übliche Sonntagsrauferei in der Umgebung der Stadt Ninan, wo sie bereits die Tschechoslowalei richtig sein, müffe auch vier gendliche von Langendorf mit den Rädern nach Schimpfworte, von denen eines der mildesten Sonan schreiten die Kämpfe bei Sinfian und im das Mütchen an Halbwüchsigen zu fühlen. Die eine Reihe von Dörfern erobert haben. Nördlich von fönnten also, wenn sie sich selber treu bleiben nicht einem an der Straße liegenden Gasthaus ein das Wort„ Surenbagage" war, tann man un- nördlichen Teil der Proving Anhui fort. den Forderungen der Henlein- Partei opponieren. Sb- Fest statt. Als die Jugendlichen bemerfi ege, der angesichts dieser Umstände tros strös möglich wiedergeben. Auch auf dem übrigen wurden, bildeten hoffnungsvolle Turnerjungen Wege, menden Gewitterregen fortgesetzt werden mußte, eine Sperrfette quer über die Straße, um die Radler abzufangen. Nur der mutigen Entschlos wurden die Heimkehrer von jung und alt, vom Kleinsten Kind bis zum Mummelgreis mit fortsenheit, mit der unsere Jungen auf die Meute in schärfstem Tempo losfuhren und dadurch zwan währendem Heilgebrüll angestänfert. gen, die Straße freizugeben, verdankten sie es daß sie heil durch die Falle kamen. Nun, die Sozialdemokratie ist sich selber treu geblieben! Ihr Parteiname sagt, daß sie eine demokratische und für die Demokratie wirkende Partei ist. Sie war es im alten Oesterreich und sie ist cs in der Tschechoslowakei geblieben und ist es vor allem jetzt erst recht, da die Demokratie in jenen Ländern, die Henleins Gesinnungsgenossen beherrschen, vernichtet und in unserem Lande gefährdet ist. Also ist wohl nichts selbstverständlicher, als daß sie auch eine demokratische Lösung des tschechisch deutschen Problems will eine nicht bloß formal- demokratische, sondern die Demokras tie sichernde. Auch bei der Schaffung des Nationalitätens programms der österreichischen Sozialdemokratie handelte es sich um eine Frage der Demokratie: das alte Desterreich sollte demokratisiert werden. Aber es ging noch um etwas anderes: um die Erhaltung des Staates und die Abwehr des Krieges. Was damals noch keiner der frisch- fröhlich miteinander streitenden Führer des Bürgertums der vielen Nationen Desterreichs erkannte, das sahen die Sozialdemokraten: daß die Ungelöstheit der nationalen Probleme den Frieden gefährdete, daß der Kampf der Nationen um den Staat den Staat zu sprengen drohte. Nun sprach für die Erhaltung des Staates die Tatsache der großen, im Laufe der Geschichte gewordenen Wirtschaftsein heit, aber auch die Erkenntnis, daß unmöglich die Noch turbulentere Szenen spielten sich am Abend ab, als der Großteil unserer S3. etwa 30 Jungen und Mädchen. die Heimfahrt nach Jägerndorf antraten. An der Straßenfreuzung Langendorf- Alt- Bürgersdorf, wo man wegen der Steilheit der Straße zu Fuß geben muß. ftanden drei Nazis, die sich nicht schämten, unsere Schluß mit dem Politisieren In Warnsdorfer Betrieben Warnsdorf. Im Einvernehmen mit der Begirtsbehörde hat die Warnsdorfer Polizeierpojitur eine für den ganzen Bezirk gültige Verordnung erlassen, die sofort in Kraft trat und folgende Verbote enthält: Hakenkreuzflieger ,, verirrt" sich über England Wie der ,, Daily Herald" berichtet, hat am vorigen Freitag ein deutsches Junters- Flugzeug. unsere Kinder und Jugendlichen Freiwild find Garnison in Shoebury erkannt wurde, die neu an Diese Menschen glauben anscheinend, daß dessen Nummer von den Beobachtern der britischen und außerhalb des Gesezes stehen. Wir haben gelegten Artillerieſtellungen au der Foulneß- Innoch nicht vergessen, wie anläßlich der Maiwande- fel überflogen hat. Diese Artilleriedepots find gerung 1935 eine Gruppe von Frauen in einem heim, und die Insel darf nur gegen Voriveing dieser Dörfer von tapferen treudeutschen Wehr eines Militärpasses betreten werden. Das deutsche männern mit Feuerwehrbeilen bedroht wurde! Flugzeug, das angeblich auf dem Wege nach dem Wir wagen noch immer zu hoffen, daß die Londoner Flugplatz Croydon war, konnte erkannt Staatsgewalt doch imstande sein wird, friedliche werden, weil es infolge des starken Windes niedStaatsbürger zu schüßen. rig fliegen mußte und die Militärpolizei, welche die Insel bewacht, das Hakenkreuz am Schwang des Flugzeuges deutlich sehen konnte. um mehr als 20 Prozent geringer als im vergangenen Jahre. Jm unteren Egertal wurden beispielsweise im Vorjahre in einem Garten mit 66 Schock Hopfenpflanzen 1496, heuer aber nur 1187 Viertel geerntet. Auch aus den übrigen Hopfengebieten, vor allem von der Peripherie, werden noch größere Ernteausfälle gemeldet, die stellenweise bis 30 Prozent betragen. Nach den bisherigen Ergebnissen dürfte sich der Ernteausfall zwischen 15 und 20 Prozent der Vorjahrsernte bewegen. 1. In Werkstätten, Betriebs- und Fabrikräumen politische Bemerkungen zu machen; 2. durch Gesten oder Zurufe politische Grüße zu lei= Nationen ſo voneinander zu lösen waren, daß es fee; 3. Gabrikräume, Werkspläte uſw. für politi. teine schmerzenden Wunden, teine schwer zu trasche Zwecke zur Verfügung zu stellen; 4. in Degenden nationalen Verluste gab. Und auch das triebsrämen politische Abzeichen, Wimpel und ivar den Sozialdemokraten klar, daß die Auf- Bilder aufzuhängen; 5. durch Ausnützen der wirt löſung Deſterreichs nur das Ergebnis eines furcht- schaftlichen Abhängigkeit auf andere einen unzubaren Krieges ſein konnte- und die Sozialdemo- läffigen Druck auszuüben, insbesondere in politi- weiten Bürgermeister- Stellvertreters gekoppelt; fratie war und ist Gegnerin des Krieges. Des halb, aus allen diesen Gründen, war die Sozialdemokratie im alten Desterreich zwar für die gründliche Umgestaltung, aber doch für die Erhals tung des Staates. fcher Hinsicht. Zu dieser Verorrdnung führte der Umstand. daß sich die Beschwerden gegen die politisierenden Unternehmer gehäuft haben. Wir haben ja selbst eine Reihe von traffen Fällen nach der Richtung hin anführen können. Für die Uebertretung der Berordnung find eldstrafen von 10 Kč bis 5000 Kč oder Arreststrafen bis zu 14 Tagen Bauarbeiter Bürgermeisterwahl in Bodenbach. Am Diens Bodenbacher Stadtvertretung der SdP- Rechtsantag wurde in der konstituierenden Sibung der walt Dr. Kreißl zum Bürgermeister gewählt. Die demokratischen Gruppen hatten zur Wahl des fie wählten den deutschen Sozialdemokraten Erwin 3 azwork a. Erster Stellvertreter wurde Fachlehrer Julius Stumpf, ein SDP- Mann. Dem Stadtrat gehören auch die deutschen Sozialdemokraten Josef Schweichhart und Ernst Fiedler an. Ein Fuß zermalmt wurde dem Landwirt Wilhelm Rudolf in der schlesischen Gemeinde Lichtenwerden, als er in die Dresch maschine geriet. Erst nach zweistündigem Bemühen gelang es, die Maschine auseinanderzunehmen und den Mann, der qualvolle Schmerzen erdulden mußte, zu befreien. Der Fuß mußte abgenommen werden. Horthy auf Helgoland Gemeinsam mit Hitler besichtigte Reichsver vejer Horthy große Kampfübungen der deutschen Kriegsflotte und fuhr dann mit seiner Gemahlin und dem Reichskanzler nach Helgoland, das für den Empfang reich geschmückt war. Boykott deutscher Zeitungen in Polen Warschau. Der Verband der Verleger der polnischen Tagesblätter in Danzig brachte beim polnischen Außenministerium eine Petition ein, das Ministerium möge in der Angelegenheit des Verbotes von sieben polnischen Zeitungen in DanVerbot sei durchaus unbegründet und die Artikel sig einschreiten. Der Verband behauptet, dieses der einzelnen Blätter, die vom Danziger Senat als anstößig bezeichnet wurden, seien in feiner Weise gegen die führenden Männer in Danzig gerichtet gewesen. Nach diesem Verbot in Danzig griffen einige polnische Streise zu Repreffalien. So haben sich die Kaffeehäuser, Restaurationen und Rajeure entschlossen, die deutschen Blätter zu boykottic= ren, indem sie das Abonnement ab 1. Septem= ber aufgeben. Katholischer Volksbund aufgelöst Wien. Der Volksbund der Katholiken in Desterreich wurde, wie fast alle anderen latholischen Vereine aufgelöst. In Desterreich bleib: lediglich die..Katholische Aktion" bestehen, die sich aber nur auf die Pfarren beschränkt und deren Tätigkeit sehr eingeschränkt wurde. und längstens am 1. Oktober werden hinter blankgepußten Scheiben längst weiße Gardinen hängen, davon Kunde gebend, daß das Haus bereits wohn lich eingerichtet und besiedelt ist. Bauarbeiter! Nach wohldurchdachten, bis in Für die Neuorganisation des Staates tritt sie auch heute ein. Aber wieder will sie die Erhaltung des Staates, und deshalb muß sie sich gegen Pläne wenden, die auf die Auflösung des Staates abzielen. Und sie will, das wurde schon gesagt, festgesetzt. eine die Demokratie sichernde Lösung des deutschtschechischen Problems. Henleins Forderungen Benleins Forderungen Schlechte Hopfenernte? aber haben mit Demokratie nichts zu tun, jie wollen die Totalität, die zwangsweise Gleichschal- Die bisherigen Ergebnisse der Hopfenpflücke tung, die völlige Entrechtung der Nichtnazi, sie sind unbefriedigend. Der Ertrag der Pflüce ist wollen die Beherrschung der Schule und des ge= samten deutschen Kulturlebens durch die Nazi, die Freilich, wo das Bauarbeitervolt auftritt, rechtliche Statuierung des Wirtschaftsterrors, sie wollen aus den sudetendeutschen Gebieten eine wird Schmuß. Nicht umsonst heißen im Voltsmund Filiale des Dritten Reiches machen. Und nich: ist Wenn ich aus meinem Kanzleifenster sehe, die Maurer auch„ Dreckschwalben". Aber Bauen wohl selbstverständlicher, als daß sich die Sozial- erblicke ich einen Neubau, auf dem eine Anzahl ist auch teuer und davor soll ,, Gott uns behüten!" demokraten solchen Plänen widersetzen. Maurer und Handlanger schaffen. Das Tempo, Früher einmal lebte auch in der Mauerei, Selbstverständlich wollen wir die Selbstver- das sie einhalten, ist enorm. Mit Riesenschritten wie in so vielen anderen Berufen die Romantif. die letzten Details ausgearbeiteten Plänen arbeiwaltung. Aber feine Selbstverwaltung, die teine geht das Haus seiner Vollendung entgegen. Den Wieviel Wize gab es nicht über die Maurer! ten jie. Aus losen Steinen formen sie den Bau. mehr ist, sondern eine Nazidittatur, nein, eine ganzen Tag hört man es flopfen, scharren, rufen. Deren angebliche Bequemlichkeit und Langsamkeit Stolz strebt er schließlich empor, vom Fleiße der solche Verwaltungsorganisation, daß gleichermaßen Da schleppt einer auf dem Rücken die Ziegel waren oft die Zielscheibe des allgemeinen Spottes. Menschen und deren Fähigkeiten Zeugnis ab= den Lebensbedürfnissen der Nationen wie denen empor. Immer wieder steigt er die Treppen auf- Wenn es Mittag schlägt", so hieß es, und der legend. des Staates entsprochen wird, also die Demokratie wärts, den schwer beladenen Träger auf dem Maurer hat gerade einen Ziegel in der Hand, läßt Die Steigerung des Arbeitstempos hat den gesichert wird. Rüden und leer kommt er wieder herab, so geht er ihn fallen." Oder: Die Advokatentinte ist des= Bauarbeitern teinen Nußen, sondern Schaden ge= Die Sozialdemokratie ist sich selber treu ge- e3 vom frühen Morgen bis zum Feierabend. Ein halb so teuer, weil sie aus Maurerſchweiß gebracht. Zwar konnte ihre Gewerkschaftsorganisablieben, treu ihren Grundsätzen! Das deutsche anderer Handlanger miſcht Stalt, füllt ihn in die macht wird." Aehnliche Behauptungen wurden Bürgertum war es, das in den Zeiten des alten Blechbutte und schleppt seine Last ebenfalls auf mehr aufgestellt. Desterreich von einer Staatsreform nichts wissen wärts, zu dem Arbeitsplaß der Maurer. Ueber den Tatsache ist, daß das Tempo von früher mit wollte es hat dadurch den Krieg mitverschul- Stopf hinweg füllt er die Mörtelkästen und dann dem der heutigen Zeit gar nicht mehr vergleichbar det. Jest will dieses selbe Bürgertum eine Lösung steht er wieder auf dem Boden und mischt Kalt ist. Die moderne Entwicklung hat auch vor diesem des nationalen Problems, die einvernehmlich, auf und Sand zum bindenden Brei. Berufe nicht halt gemacht. Währte ein Neubau Grund einer tschechisch- deutschen Verständigung, Die Maurer aber legen Riegel um Ziegel auf früher einige Monate, ist er heute, mit der gleinicht möglich wäre denn daß die Tschechen be- die Mauer, die sichtbar emporivächst. Sah man chen Anzahl der Beschäftigten, in ebensoviel reit wären, ihren Staat zerschlagen zu lasse, ist anfangs nur spärliche Konturen, ist jetzt die Form Wochen fertig. Das Attordſyſtem hat Einzug genicht anzunehmen. Will dieses deutsche Bürger- des Gebäudes bereits flar ersichtlich. Die Eintei- halten und die Rationalisierung bzw. Technisietum wieder einen Krieg mitverschulden? Die Solung der Zimmer sieht man, die Oeffnungen der rung fat nach ein übriges? Die Parole der Van zialdemokraten wollen es nicht! Deshalb streben Fenster und Türen und die mit kantigen Hölzern meister iſt: Tempo, Tempo! Vom Tempo sie eine Lösung mit demokratischen Methoden und auf dem Boden der Demokratie an, und damit ausgesparten Kaminlöcher. Stiegen werden ein hängt die Existenz der Menschen, aber auch die des glauben sie ihren Beitrag auch zur Erhaltung des gefügt und Betondeden gemacht. Immer wieder Unternehmers ab. Friedens zu leisten. tion Vertragslöhne durchseßen, die bis heute in Geltung sind, aber was nüßt der beste Vertrag. wenn er gewöhnlich nicht eingehalten oder umgangen wird und was nüßen Verträge überhaupt, wenn die Menschen keine Beschäftigung haben? Früher war es möglich, daß die Bauarbeiter über die Wintermonate in Induſtriebetrieben unterschlüpfen konnten. Das hat seit Jahrzehnten aufgehört. Im Sommer sind nicht alle Bauarbeiter und Professionisten beschäftigt und wenn sie schon Arbeit haben, dauert diese doch nur wenige Wes chen. Ueber den Winter find fie arbeitslos. Von der Gesetzgebung als Saisonarbeiter bezeichnet, haben sie es auch beim Unterstüßungsbezug schwerer als die Industriearbeiterschaft. Zur Strafe also, daß fie selbst im Sommer nichtstuend herumlungern müſſen, benachteiligt man ſie auch noch auf allen Gebieten. Sie, die die geschickten Vollender geistiger schöpft die Kelle Mörtel aus dem Hölzernen Be- Wer wagt es, in der heutigen Zeit noch über hälter, Riegel fügt sich zu Riegel und so wächst die angebliche Faulheit der Maurer Wise zu reihätter, Rieger flat u bietet und nivelliert, hen? Wer fann über die Arbeitsweiſe noch spötMit dem wahren deutschen Sinn und mit gemessen und gewerkt. Nach einem wohldurchdachtisch lächeln? Nur der, der sich die Mühe noch nicht der rechten Vaterlandsliebe insgemein ist ten Plan fügt sich eines zum anderen. Wer die genommen hat, den Maurern bei ihrer Arbeit zues so beschaffen, daß sie von selbst und ver- cute schaffen sicht, erinnert ſich unwillkürlich frü- zusehen. Die Wirklichkeit ſtraft die Legende Lügen. Werte sind, leiden Not, bittere Not. Wenn einborgen in der Brust wächst, und da ist sie herer Beiten. Irgendwo in einem Bauerngehöft an ihrer Stelle, wenn sie auch vielleicht im habe ich einmal den Spruch gelesen: ganzen Leben nicht zur Sprache gelangt. ( Jacob Grimm: Teutscher Merkur, 6. 8. 1814), Gott behüt uns vor schwerer Reit. vor Maurer und vor Bimmerleut! Ich kann bei dem Fortschritte der Arbeiten mal an Hilfsmaßnahmen für die Provinz gedacht fast ausrechnen, wann das Saus fertig fein wird. wird, dann möge man nicht achtlos an den BauNächste Woche werden die Zimmerleute und Dach- arbeitern vorübergehen. decker kommen, die Schlosser, Maler und Glaser! Franz Ker n. Seite 4 Mittwoch, 24. August 4038 Nr. 198 In der Etappe der Ebrofront helfen die spanischen republikanischen Soldaten bei den Erntearbeiten, wofür sie von ihrem Kommissar beglückwünscht werden. Deutsches Renegatentum Die Staatstotalität, die Verabsolutierung de» Machtgedanken» und die Verlcugnuna der Kultur wirken gerade unter Deutschen al» Reneaatentum abstoßendster Art. al- Selbstverleugnung und Selbstkasteiung. die einen weniger moralischen al- natürlichen Schauder erregen. Der Ruhm deutsch e r N a t i o n bestand i m m e t in einer Freiheit, die da» Gegenteil patriotischer Borniertheit ist: in einer besonderen Beziehung zum objektiven G e i st. An ihr konnte-a- Wort gesprochen werden:„Der Patriotismus verdirbt die Geschichte." Es war G o e t h e, der es sprach. Die eigentlich nn- und überpolitische Natur dieses Boltes, seine natürliche Berufenbeit zum Geiste wird deutlich gerade durch die Diaßlosigkeit. die ».Gründlichkeit", mit der e- beute, nach der Vorschrift von Führern, die da- nichts kostet, seine besten und klassischen Eigenschaften abschwärt und sie der totalen Politik opfert. Dies Volk der„Mitte" ist In Wahrheit ein ertremes Volk. Politik? Macht? Dann überhaupt nichts mehr von Geist. Kultur. Wahrheit. Gerechtigkeit, freier For» schnug und Kunst. E» wirst— heroisch— seine Menschlichkeit über Bord, in der Meinung, sich damit für die Wellvorherrschaft in Korin zu bringen. Thoma» Mann (Au„Mast und Wert".) Hochwasser überall Mähr.»Ostrau. Nach zweitägigem ausgiebigem Regen ist die Luiina kurz vor ihrer Einmündung in die Ostravica Dienstag gegen abends um 264 Zentimeter über den Normalstand gestiegen. Die Straste von Podzämöi nach dein Zärubek in Schlesisch-Ostrau ist in einer Länge von 200 Metern überschwemmt. Auch die Straßenbahn- gcleise der elektrischen Bahn Mähr.-Ostrau—Kar- win sind in Zärubek überschwemmt, so daß der Verkehr in diesem Abschnitt unterbrochen ist. Die Passagiere werden von Mähr.-Ostrau biü Hranci- n it und zurück auf höher liegenden Straßen mit Autobussen befördert. Auf dem Zärubek wurden die tiefer gelegenen Wohnungen bereit» geräumt. Militär, Polizei und Feuerwehr haben bereits seit den Mittagsstunden Bereitschaft und Helsen überall, wo dies erforderlich ist. lieber die überschwemmten Strastenabschnitte wird die Bevölkerung und insbesondere die Arbeiterschaft mit Fuhrwerken transportiert. Die heftigen und andauernden Regenfälle der letzten Tage haben ein bedrohliche» Ansteigen der Waag zur Folge. Au» Sillein wird gemeldet, dast die Waag dort bis auf vier Meter über normal gestiegen sei, was einen noch nie dagewesenen Wasserstand darstelle. Auch in Trentschin stieg die Waag Dienstag. In PieStanh wird das Hochwasser Mittwoch mittag erwartet. „Es geht mir gut. Ich bin bei guter Gesundheit..." Wien.(Insa) Dieser Tage erhielt eine Familie in Wien von einem Angehörigen au» einem deutschen Konzentrationslager eine Postkarte mit dem vorgeschriebenen Text:„ES geht mir gut, ich bin bei guter Gesundheit. Herzliche Grüße. Euer Pater." Eö handelt sich um einen Professor an einer Wiener jüdischen Schule, einen politisch völlig neutralen Menschen, der Ende März aus seiner Wohnung geholt und von der Gestapo ohne Angabe des Grundes verhaftet worden war. Wochenlang blieb die Familie ohne Nachricht über den Verschwundenen; bis sie die erlvähnte Karte erhielt, wußte sie nicht einmal mehr, ob der Betreffende noch lebe. Nach der llnterschrift folgten noch einige Zeichen, Angaben für eine Bibelstelle: JcsaiaS 1, 6. Die Stelle lautet:„Bon den Füßen bis zum Scheitel ist nichts heil an ihm; alles ist nur Wunden, Risse und Schlvären, die weder verheilt, noch verbunden, nock> gesalbt sind." Var mazedonische Terrorist Mlhallow nach Polen Der ehemalige Führer des sogenannten „Mazedonischen Revolutionskomitees", Ivan Mi« hailow, der in Bulgarien zum Tode verurteilt wurde, und sich vom September 1934 ab, als politischer Emigrant in der Türkei aufgehalten hat, ist mit einein polnischen Einreisevisum an Bord eines polnische» FrachtdampserS von Istanbul abgereist.. Da» Ziel MihailolvS und suiner Gruppe war die Zusamniensassung der in drei Ländern lebenden Mazedoniern in einem einzigen Staate. Diese Bestrebung erfolgte er mit einem unerhörten Terror vor allem gegen die koickurrierenden Gruppen im mazedonischen Bolle. Auf sein Konto sind tausende Morde zu buchen, durch die er allerdings erreichte, daß er der unbestrittene Führer der mazedonischen Bewegung wurde. Seine Macht war zeitweise in Mazedonien. vor allem, al» in Bulgarien mazedonierfreundliche Regierungen den Staat beherrschten» unbegrenzt. Man nannte ihn den„ungekrönten König Mazedonien»",„den Fürsten der Berge", der sogar eigene Steuern und Abgaben einhob..Grenzen existierten für ihn nicht und die Gesetze, die er brauchte, gab er sich selbst. Dem unheimlichen Terror machte die bulgarische Regierung ein Ende, die die Führer der'mazedonischen Gruppen, die sich fanatisch be« kür)ften, internierte und alle 1 Militärpersonen und Beamten, die sich den Mazedoniern gewogen zeigten, entfernte. Mihailow gelang e» 1984 in die Türkei zu enllommen, wo er in einem entfernten Gebiet da« Recht erhielt, sich aufhalten zu dürfen. Zwei französische Bomber zusammengestoßen Montag abends stießen in einer Höhe von 1600 Meter zwei Bombenflugzeuge aus dem Militärlager in Bron bei Lyon zusammen und stürzten brennend ab. Zur Ursache diese» Unglücks wurde ermittelt: Der Pilot de» einen Flugzeuge» war im Begriffe zu landen, dabei geriet ihm das andere Flugzeug in den Weg, das seinerseits im Aussteigen war. Der Zusammenstoß war ungewöhnlich stark, beide Flugzeuge gingen in Flammen auf. Au» den noch glimmenden Resten der Flugzeuge tvurden sechs Personen, die bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind, hervorgezogen. Einige Augenzeugen behaupteten, daß sie einen Flieger erblickt hätten, der aus einem der Flugzeuge mit einem Fallschirm ebgesprungen sei. Da aber niemand gesunden wurde, glaubt man, daß eine von einem Flugzeuge abgelassene UebungS- bombe verkannt worden ist. Var Aufruhr auf Kreta vor Gericht Ei» außerordentlicher Kriegsrat, der in Canea auf Kreta tagte, hat nach sechstägiger Verhandlung wegen Aufruhrs vier Rädelsführer zum Tode und vier weitere Rädelsführer zu lebenslänglichen Zuchthaus verurteilt. 38 Angeklagt: wurden zu Gefängnisstrafen von zwei bis zu 20 Jahren verurteilt. 25 Angeklagte wurden freigesprochen. GaSmaSken für Hausgehilfinnen. Die Polizeibehörden haben Kundmachungen auSgegeben, wonach Hausgehilfinnen von ihren Dienstgebern mit Gasmasken auSgestattet werden müssen. Nun werden auch gegen diese Verordnung, wie nahezu gegen alle, die im Zusammenhang mit der obligatorischen GaSniaSkenbeschaffung erlösten worden sind, Bedenken laut. Hausgehilfinnen wie alle anderen HauSbediensteten gehören zur fluktuierenden Angestelltenkategorie, d. h. sie pflegen häufig ihren Wirkungskreis zu verändern. Tv nun Gasmasken individuell angepastt werden müsten, ergibt sich für die Dienstgeber die Notwendigkeit, jeder Hausgehilfin, die in ihre Dienste tritt, eine Gasmaske zu kaufen.(DND) Polnischer Stratosphärenslug bevorstehend. In den ersten Tagen des Monats September wird in einem Tal bei Zakopanö ein Flugplatz für stratosphärische Flüge errichtet tverden. Bon hier soll der polnische Stratosphärenballon aufsteigen. In Zakopanö wird demnächst ein eigener Vortrag stattfinden, um die Auslandsjournalisten mit den Vorbereitungen des polnischen Strato- sphärenfluges bekannt zu machen. Eisenbahnunglück in Belgien. Am Bahnhof von Boom bei Antwerpen fuhr am Dienstag um 4 Uhr früh ein Lastzug auf einen au» Termond kommenden Personenzug auf, wobei ein Waggon umgeworfen wurde. Drei Reisende wurden schwer verletzt. Deutsche Spione vor Gericht. Die Verhandlung gegen Johanna Hoffmann in New Kork, einer ehemaligen Friseuse des deutschen Dampfers „Europa", und drei ihrer Genosten, die alle der Spionage zugunsten Deutschlands angeklagt sind, wurde für den 4. Oktober festgesetzt und wird beim Federalgericht in New gork stattsinden. Acht Autoopfer in Paris. Montag ereignete sich in Epinay sur Seine bei Paris ein Automo- bil-llnglück, bei' dem zwei Autos zusammensiie- tzen, die beide mit der erheblichen Stunden-Ge« sHwindigkeit von 70 bis 80 Kilometer gefahren waren. Der Zusammenstoß war ungemein heftig, beide Autos wurden vollständig zertrümmert, von den Insassen zwei getötet und sechs ernst verletzt. Einer Frau mußten die Beine amputiert werden. Bei der Rotlandung eines Militärflugzeuges in einer Berliner Straße sind fünf Personen um» Leben gekommen und drei Personen leicht verletzt worden. Die Besatzung- de» Flugzeuges blieb unversehrt. Hungerstreik traten, sind in ihrer Zelle tot aufgefunden worden. Der Arzt ordnete die Obduktion an, da er zur Ueberzeugung kam, daß die Häftlinge einen gewaltsamen Tod gefunden haben. Der Direktor de» Gefängnistes erklärte, unter den erwähnten vier Häftlingen sei es zu einem Streit gekommen, doch war ihm nicht bekannt, ob dieser Streit zu einem Zusammenstoß zwischen ihnen geführt habe. Hannovers älteste Einwohnerin und zweit« älteste de» Deutschen Reiches, Frau Wilhelmine Scharnikow, starb Montag im 107. Lebensjahr. Bis vor Ivenigen Tagen war sie noch erstaunlich rüstig und nahm Anteil am Tagesgeschehen. Das sind Hitler» Sorgen. Der Erlaß über die Vornamen jüdischer Kinder führt im ganzen 268 Namen an, die für typisch jüdisch gehalten werden. Davon sind 185 männliche und 83 Ivcibliche Bornamen. Zu den männlichen Namen gehören u. a. Abel, Abimelech, Ahasver, Akiba, Asur, Avigdor, Habakuk, HerodeS, Jtzig, Malchi- sua u. ä., zu den weiblichen: Jezabel, Rachel, Rebeka, Schlämche usw. Italienische Bäcker werden verurteilt. In Nom wurden dreißig Bäcker verurteilt, weil sie Brot zu einem höheren, als. dem von der Negierung festgesetzten Preis verkauft haben sollen. In Wirklichkeit haben diese Bäcker aber nicht die Preisordnungen umgangen, sondern ein besondere» Brot hergestellt und damit die Verordnungen über das Einheitsbrot verletzt. Dieses bessere Brot verkauften sie an eine kleine Anzahl von Kunden, darunter faschistische Funktionäre. Die darüber entstandene Unzufriedenheit unter den arbeitenden Masten ztvang die Gerichtsbehörden, gegen dir Bäckermeister einzuschreiten. Strafuntersuchung gegen Wiener Phönix- Funktionäre abgeschlossen? Die Wiener Blätter bringen Nachrichten, daß die Strafuntersuchung gegen die Phönix-Funktionäre abgeschlossen sei. Die Akten sind der Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage übermittelt worden. Die Untersuchung habe wegen des unisangreichen Buchsachverständigengutachtens so lmige gedauert. Das Gutachten umfaßt mehrere Bände. Jack Dempsey fürchtet die Kidnapper. Der ehemalige Boxweltmeister Jack Dempsey, der ein gutgehende» Restaurant in New Nork betreibt, hat in der letzten Zeit wieder Drohbriefe erhalten, in denen ihm die Entführung seiner zweijährigen und vierjährigen Töchter Barbara und Joan angedroht wird. Er hat die Angelegenheit sofort der Polizei mitgeteilt und er- klärt, er fürchte die Kidnapper nicht. Aber seine Mutter, Mr». Ceeilia Dempsey, die in Galt Lake City, der Mornionen-Hauptstadt de» Staate» Utah lebt, haj ganz andere AuSkünfje gegeben. Sie hat Reportern gegenüber gestanden, daß ihr Sohii da» Schlimmste befürchtet, und daß die Kinder in Kürze nach Utah komnien werden. Jack Dempsey läßt sich ein Hau» in der Nähe von Salt Lake City bauen, da» mit einem elektrisch geladenen Drahtzaun versehen wird und überhaupt wie eine Festung angelegt werden soll. Hierher werden die beiden Kinder gebracht werden. Der„Skandal" um Miß Türkei. Ganz Kairo spricht im Augenblick von der Heirat der früheren Miß Türkei, Belki» Hanum, niit einer der bekanntesten diplomatischen Persönlichkeiten Aegypten», dem reichen Gallinj Fahmi Pascha. Man kritisiert heftig da» Verhalten der ehemaligen Schönheitskönigin und findet, daß das Ganze ein„Skandal" sei. Denn Bel« ki» Hanum ist blutjung, die Angaben schwanken zwischen 18 und 24, und der Pascha soll 90 Jahre alt fein. Beim näheren Ueberprüfen aber ist die Ehe— I man weiß nicht einmal sicher, ob die Heirat irgendwo in Europa stattgefunden hat— zwar immer noch ungleich, aber keineswegs mehr so sensationell. Denn der Pascha ist tatsächlich erst 72 Jahre alt und äußerst rüstig, und BelkiS Hanum ist schon über 30 und die geschiedene Frau eines Offizier». Und zu alledem handelt e» sich um eine Liebesheirat. Vas heutige Programm der deutschen Landung Prag-Melnik: 10.15—11.00 Schallpl. 12.15 Vortrag Viktor Hartberg: Kitsch, der uns begegnet. 18.50 Arbeit»markt. 18.00 De» Bassisten Lied(Gesang: Agnu« Andersen,.Klavier: Franz Holeöek). 18.20 Arbeitersendung: Senator Heinrich Müller: Ein Jahr AtuS-Union. 18.40 Sozialinformationen. 18.45 Reue Bücher. 19.00 Ernte-Lieder(Gesang: Katharina Hoffmann, Klavier: Franz Holeöek). 19.30 Tanz in alter Zeit, Hörfilm mit Musik. 20.20 Synwhoniekonzert(Dir. Fr. Rieger, Klavier: Berta Rix). 21.80 Schallplatte». 21.40 Die Ernte, Schauspiel von Ludwig Hugin. 22.30—23.00 Tanzmusik. Brünn: 18.00—18.20 Lieder von Robert Franz und Han» Pfihner. Mitwirkende: Else Flick(Sopran), am Klavier: Michael Knechtsberger. 18.20 bi» 18.35 Sekretär Erwin Riachunze: Der Schönhengstgau wirtschaftlich gesehen. scheu Liliputaner beschlossen, eine Reihe von„Hungermärschen" zu veranstalten. Diese Märsche werde» in kleineren Abteilungen durchgeführt und sollen sich über alle Bundesstaaten erstrecken. Die ersten drei Abteilungen au» New York, Chicago und San Francisco sind bereit» unterwegs, und ihre Berichte sind sehr optimistisch, denn sie begegnen in Stadt und Land der größten Anteilnahme. Mastkur gegen Gedächtnisschwund. Ein höchst bemerkenswerte» Mittel haben die Aerzte de» Staatlichen Krankenhauses von Ankara im Falle der dreizehnjährigen Navzika Galanos angewendet, die wegen einer schweren gesundheitlichen Störung eingeliefert worden war. Da» Mädchen war längere Zeit hindurch schläfrig gewesen und dann in einen Dauerschlaf verfallen, der ohne Unterbrechung 58 Tage anhielt. Während dieser Zeit wurde sie künstlich ernährt. Navzika wurde zwar wieder gesund, erlangte auch ihre intellektuellen Fähigkeiten wieder, konnte sich aber an die Zeit vor der Krankhejt und an ihre Eltern nicht mehr erinnern. Die Aerzte probierten alle einschlägigen Hilfsmittel, hypnotische Beeinflussungen u. dgl. mehr, ohne daß sich ein sichtbarer Erfolg einstellte. Schließlich verfiel ein junger Arzt darauf, an Navzika eine regelrechte Mastkur durch- zvsühren. Er ließ ihr täglich fünf Mahlzeiten.verabfolgen, gab ihr jedesmal ungewöhnlich viel zu effen und hatte tatsächlich Erfolg: bereit» nach einer Roche besserte sich das Gedächtnis der Patientin, und nach drei Wochen war die Erinnerung lückenlos zurückgekehrt. Er ist noch ungeklärt, welche Zusammenhänge zwischen der Mastkur und der Gehirn« kunktion bestehen, die infolge der Krankheit gelitten hatte. Ein neuartiges Auto. Die Jngenieurabteilung der Britischen wissenschaftlichen Gesellschaft, die soeben ihre Jahresversammlung in Cambridge abhält, führte ein Automobil vor, da» weder einen Anlasser noch eine Uebersehung hat. Die Kongreßteilnehmer unternahmen in den» Auto eine Spazierfahrt. Professor Lea von der Unwersität Sheffield, der vor sünf Jahren erklärt hatte, daß ein solche» Automobil unmöglich sei, führte e» nun selbst vor. Da» Automobil ist eine Erfindung de» italienischen Ingenieurs Salerni, der in England beschäftigt ist. Die Erfindung soll nicht monopolisiert tverden. Sie wird der ganzen Industrie zur Verfügung gestellt werden. Bildung eine» ReichSverbande» der schwedischen Arbeitersamariter. In Stockholm hat eine.Konferenz von Vertretern der schtvedischen örtlichen Arbeitersamaritervereine stattgefunden. In ihr wurde» von verschiedenen Wissenschaftlern Vorträge gehalten über Berufshygiene und Krankenpflege, Lustschuhübungen, Arbeitsschutz und Aufgaben der Ar« bettecsamariter. Die Konferenz faßte auch«inen prinzipiellen Beschluß über die Bildung eine» Reichs- verbände» der schwedischen Arbeitersamariter. Die Delegation dar tschechoflowakische« Jugend zum zweit« Weltjugendlongreß in New Fort ist während der Uebcrfahrt auf dem Dampfer..President Roosevelt" mit den übrigen europäischen Delegationen, insbesondere mit denen der Kleinen Entente und Frankreichs, in Verbindung getreten und vereinbarte mit ihnen ein gemeinsame» Vorgehen in bestimmten Punkten. Die Mitglieder der Delegation werden besonder» über den Verlaus der gegeiuväriigen Nationalitätenverhandlungen in der Tschechoslolvatischen Republik befragt. Sie veranstalteten an Bord de» Danipfer» am 11. August einen Abend tschechoslowakischer Volkslieder und Tänze, der beifällig ausgenommen wurde und über, den der Kapitän de» Schiffes radiotelegraphisch in die Bereinigten Staaten berichten ließ. DaS Wetter. An der Rückseite einer Druck- störung über Polen strömt unseren Gegenden noch jmmer kühle Luft au» Norden zu. In den Niederungen der Republik wurden Dienstag nachmittag» meist nur 12 bi» 15 Grad verzeichnet. 2m Gebiet der Beskiden, der Tatra und der Karpathen, wo die Niederschlagsmengen bi» Dienstag vielerorts 50 Millimeter überschritten, fällt noch immer Regen. Im übrigen Gebiet ist e» veränderlich mit lokalen Schauern und Gewitjern. Da der Kern de» Druck- Hochs über der Nordsee verharrt, wird dem Binnenland weiterhin küchle Lust aus höheren Bretten, zugeführt werden.— Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Noch unbeständig, ziemlich be« wölkt und relativ kühl, namentlich im Karpathengebiet zeitweise Regen. Im westlichen und südwestlichen Teil der Republik keine nennenlwerten Niederschläge.— WetterauSs ichten für Donnerstag: Etwa» wärmer. Im Käfig. eines Wanderzirkus lebten ein Tiger und ein Schaf in einträchtiger Freund» echaft.„Bekommen die Tiere niemals Streit k" fragte ein Zuschauer.„Doch, Mn und wieder", sagte der BeeHeer.„Dann kaufen wir ein neue» Schaf“ * „Vater, hast du dir schon mtü einen-Zahn ziehen lassen f" »Jlinear Kunderts, mein Junge, hunderte."' Hungermarsch der Liliputaner. Die Liliputaner in Ainerika, die in den verschiedensten Music Halls, ini Zirkus oder in Schaubuden beschäftigt sind, drohen mit dem Generalstreik. Es handelt sich, wie bei anderen Streikdrohungen auch, um Lohnfragen, und die Liliputaner erklären, daß die Arttsten-Honorare, die sie bekommen, in gar keinem Verhältnis zu chren Mysderiitser Tod von vier Sträflingen. Vier Leistungen stehen, die genau so bewertet werden Häftlinge,.die am Freitag voriger Woche als müßten, wie die von Schlangenmenschen und Trapez. Protest gegen die schlechte Kost im Gefängnis von künstlern. Um die Aufmerksamkeit der Oeffentlich« HolmeSburg in den Bereinigten Staaten in den j leit auf ihre Notlage zu ziehen, haben die amerikani- Nr. 198 Mittwoch, 24. August 1938 Seite.5 Kisker 200 firmen abgewandert In einer Betrachtung über Lord Stund« man» Sendung schreibt Dr. Fran- Bacher im „Ost-Kurier":..Die Abwanderung der Leitung jüdischer Firmen In das Innere Böhmens I> ä l t a n, ein Umstand, der sich in den Steuereinnahmen der deutschen Gemeinden, die ohnedies unter dem Boykott leiden, sehr bald äußerst nachteilig fühlbar machen wird. Denn«S ist natürlich nickt gleichgültig, ob ein Unternehmen wie die PapierfabrikS-AG Spiro in Kruman seine Ge» mcindcumlagen in dieser lleinen südböhmischen ldcmcinde oder In Prag bezahlt. Heute gibt man ober schon auch in strammnationalen Kreisen zu. daß man eS dem jüdischen Fabrikanten, der bisher brav am deutschen Strang mitgezogen hat und eS heute hinnehmen muß, daß er mit seinen Kindern aus allen deutschen Organisationen und Vereinen hinauskomplimentiert wird, weil sich diese z»r deutschen Weltanschauung bekennen, nicht verdenken kann, wenn er dieser unfreundlichen, ihm über Nacht fremd, sa feindselig gcgcnübcrstchcnden Umgebung den Rücken kehrt und rasscnmäßig neutraler eingestellten Gefilden den Vorzug gibt. Die Zahl der in diese Kategorie der Abwanderer zählenden Firmen dürfte mit 200 eher zu nie« drigalSzu hoch angenommen sein; im übrigen sprechen die täglichen Zeitungsannoncen, die Häuser und Grundstücke in. den Randgebieten zum Tausch anbieten, eine nicht mißzuverstehende Sprache. Dieser Boykott, den vor allem wieder die deutschen Textil-, die Glas-, aber auch die chemische und kosmetisch« Industrie spüren, bringt naturgemäß Leute um Arbeit." Wer verschuldete unbefriedigende Konkurrenzverhältnisse? Zu den Berichten über die Vermehrung der Gewerbebetriebe bemerkt„Die Konsumgenossenschaft": Der private Einzelhandel behauptet, daß die Konkurrenz der Konsumgenossenschaften immer erdrückender werde. Wir begrüßen eS selbst- verständlich, daß ein immer größerer Teil der Bevölkerung sich konsumgenoffenfchaftlich betätigt. Aber von einer„erdrückenden Konkurrenz" der Konsumgenossenschaften und gar von„katastrophalen Folgen" für den privaten Einzelhandel kann nicht die Rede sein. Vielmehr trifft folgendes zu: An den unbefriedigenden Konkurrenzver« hältnissm ist der privat« Handel selbst schuld. Ein Beispiel: In den Monaten April, Mai und Juni sind in acht, von zwölf..HandelSkammersprengkln. der Republik'1030'neue freie Gelvetbe hinzugekommen. In der gleichen Feit wurden von der Interessenzentrale der Genoffenschaftsverbände für da- gesamte Staatsgebiet insgesamt 64 neue kon« sumgenoffenschaftlichc Verteilungsstellen betvilligt. So sorgfältig und verantwortungsvoll prüft die Intereffcnzentrale die wirtschaftlichen Bedingungen, ehe sie die Bewilligung erteilt; nur in jenen Fällen, wo«In erwiesenes Bedürfnis der Verbraucher besteht, wird eine neue BcrteilungSstcllc errichtet. Wir fragen: Wer hätte angesichts der Entwicklung des lebten Vierteljahres— 1680 neue Privatgeschäft« gegen 64 neue konsumge« noffenschaftliche BerteilungSstellen— mehr Ursache über eine„erdrückende Konkurrenz" zu sprechen: der private Handel oder die Konsumgenossenschaften? Wir Konsumgenoffenschaften sind stets auf dem Grundsatz einer freien wirtschaftlichen Entwicklung gestanden. Wir haben eine Konkurrenz nie gefürchtet, denn wir sind überzeugt, daß sich die Selbsthilfebewegung der Verbraucher auf Grund ihrer Leistungen selbst den Weg zum weiteren Aufstieg bahnt. Wir wiederholen unseren alten Standpunkt: Findet der private Handel in seinem Bereich Anlaß zu der Erwägung, daß der Ueberfüllung durch immer neue Geschäfte nur mit gesetzlichen Regelungen bcizukommen sei, so möge er dseS tun. Wir werden aber jeder Bestrebung, die geordnete und nach volkswirtschaftlich verantwortungsbewußten Grundsätzen vor sich gehende Entwicklung der Konsumgenossenschaften zu hindern, den härtesten Widerstand entgegensetzen. Ole Produktionseinschränkungen In der Papierindustrie In der Zellulose-Erzeugung ist eS zu stärkeren Einschränkungen bei der Firma Eichmann u. Co. und in Sandhübel gekommen. Die Arnauer Zellulosefabrik soll auf Zweischichtenbetrieb eingeschränkt und außerdem zwei Wochen stillgelegt werden. Di« SandHübler Zcllulosefabrik wird durch sechs Wochen den Betrieb einstellen.' Die Zelluloscfabrik der Firma Emil Fürth u. Sohn in Nestersih, mit welcher bereits über eine Einstellung verhandelt worden war, hat hingegen bis jetzt durchgearbeitet. In der Papiererzeugung Ist es zu einer vorgehenden Stiflegung der Papierfabrik Oberlangendorf der Ollesckiau-AG gekommen, welche bis 80. September 1988 befristet ist. Nennenswerte Produktionseinschränkungen weisen die Firmen Eichmann». Co. in Arnau und Marschendorf, die Firmen P. Piette und C. Weiß« Huhn Söhne auf. In den übrigen Fabriken wird noch Halbwegs normal gearbeitet. Am besten ist die Beschäftigung in jenen Fabriken, in welchen durch forcierten Export für Vollarbeit gesorgt toird. ES sind dies vor allem die Fabriken Heinrichsthal, Böhm.-Kamnitz, Spiro, Porak und Nestersitz. Auch in diesen Betrieben machen sich in der letzten Zeit Schwierigkeiten bemerkbar. Rekordteilnahme der Porzellan« Industrie an der Prager Messe Prag. Die Porzellanindustrie hat für di« be vorstehend« Prager Herbstmesse wieder sämtliche zur Verfügung stehenden Flächen belegt. Da durch die Teilnahme neuer Firmen im Rahmen der Ausfuhrkonzerne die Zahl der Aussteller weiter zugenommcn hat, weist die diesjährige Veranstaltung die stärkste Beschickung, die je eine Herbstmesse in Prag hatte, auf. Warenmäßig schließt die Abteilung„Porzellan und Steingut" alle Arten Geschirr- und Hotelporzellan ein, ferner Zier« und Luxusporzellan sowie Elektro« und' sanitäres Porzellan. Außer den heimischen Fa briken, die nahezu sämtliche vertreten sind, stellt auch ein« reichsdeutsche Firma Spihenporzellan aus; ferner wird auch japanisches und chinesisches Porzellan vorgeführt.— Die an die Porzellan« abteilung angeschlossene Gruppe Feinkeramik (Fayencen, Terracotta usw.) ist ebenfalls voll beseht. Arbeitskämpfe Im Juli Nach den Mitteilungen des Statistischen StaatSamteS gab es im Juli 86 Streik»(im Juni 81) in 68(42) Betrieben mit 6674(8486) Arbeitnehmern. Insgesamt betrug der Verlust an Arbeitszeit bei den Streiks 28.878(28.860) Arbeitstage und der Lohnverlust 827.264 (424.777) Kronen. Nach Gewerbeklaffen entfallen zwölf Streiks auf die Baugewerbe(18.887 versäumte Arbeitstage), je sechs Streiks auf die Steinindustrie(1166) und die Holzindustrie (2409), vier Streiks auf den Bergbau(820), je zwei Streiks auf die Metallindustrie(806) und die Nahrungsmittelindustrie(400), je ein Streik auf die Glasindustrie(4887), die chemische Industrie(20) und die BeklcidungS« und Schuhindustrie(19). Bei 21 Streiks wurde eine Lohnerhöhung verlangt(18.188), bei sieben Streiks handelte es sich um Forderungen bezüglich der Organisation(2266), bei sechs Streiks waren sonstige Forderungen(8880) der Grund und bei einem Streik ist die Forderung bisher nicht bekannt. DaS^Ergebnis war für die Arbeitnehmer i» vier Fällen ein boller Erfolg(1202) in 20 ein Teilerfolg(14.886), in drei ein Mißerfolg (1886); in acht Fällen ist das Ergebnis bisher nicht bekannt(61801. Nach Ländern entfallen auf Böhmen 18 Streiks(4180), auf Mähren und Schlesien zehn Streiks(1818). auf die Slowake: sechs Streiks(12.488) und auf Karpathorußland sechs Streiks(4869). AuSsPerrimgen gab es im Juni nicht. Hericktssaat Arme Mutter... Prag,«rb« Ein Fall von tiefer sozialer Tragik kam vor dem hiesigen Bezirksgericht(GR Dr. Dido u r e k) zur Verhandlung. Am 20. Juni d. I. vernahm der in Nusle diensttuende Wachmann Ma Hilferufe vom Ufer des BotiSbache». der an diesem Tage Hochwasser führt« und an den Uferrändern«ine Tiefe von eineinhalb Metern auswics. Der Polizist eilte herbei und zog einen dreijährigen Jungen au» dem tiefen Schlamm. Das Kind Ivar bereits bcwnßt- los und konnte auch nicht mehr in» Leben zurückge- rufen werden. Es wurde festgestellt, daß«S sich um das uneheliche Kind der Arbeiterin Anna S. handelte, die wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge unter Anklage gestellt wurde. E» ergab, sich, daß diese arme. Mutter, die^in Prag keine Verwand» ten und Freunde hat, ihr Kind regelmäßig der. Obhut der Kinderkrippe zu übergeben pflegte, bevor sie sich in die Arbeit begab. An jenem 29. Juni— es war der Feiertag Peter und Paul — wurde in der Fabrik, wo die Angeklagte angestellt ist, normal gearbeitet, während die Krippe den Feiertag einhielt und geschlossen blieb. So blieb der Arbeiterin nicht» anderer Übrig als den kleinen Jungen einer alten und gebrechlichen Nachbarin zur Aussicht zu Übergeben. Diese Aussicht ertvie» sich al» i unzulänglich. Da» Kind lief aus dem Hause und an I da» Bachufer, wo e» dann den Tod fand. Der Rich ter erwog die Sachlage und fällte«inen Freispruch. wobei in den Urteilsgründen ausgesvro» chen wurde, daß angesichts der Zwangslage, in der sich die angetlagte Mutter befand, von einem fahrlässigen Verschulden nicht gesprochen werde» könne. Man erhält für K8 100 Reich-Mark...*. . 528.— Markmiinzen.... .«60.— 100 rumänische Lei..•• . 16.88 100 polnische Zloty... . 548 50 100 ungarische Pengö... . 508.50 100 Schweizer Franken.• . 666.— 100 französische Franco.■ . 79.20 1 englische» Pfund... . 142.25 1 amerikanischer Dollar. . 2895 100 italienische Lire.... . 149.40 100 holländische Gulden..» . 1587.— 100 jugoslawische Dinare.. .«4.80 100 Belga» . 488.50 1 Oll dänische Kronen... . 688.— 100 schwedische Kronen... . 734.— Dreimal getraut Prag,-rb- Der russische Emigrant Nikolas Fjodorowitsch heiratete im Jahre 1924 die gleichfalls aus Rußland geflohene Maria Alexandrowna. Damals studierte er an der technischen Hochschule, wäb- rend sie Hörerin der medizinischen Fakultät war. Die Ehe wurde in Karpathorußland nach orthodoxem Ritus geschlossen. Ein Jahr darans kam ein Sohn zur Welt, der auf den Namen Alexej getauft wurde. Während die Gattin ihre Studien erfolgreich beendete und sich eine ärztliche Praxis schuf, war Ni« kolaj ein ewiger Student, der es zu keiner Prüfung brachte. Im Jahre 1928 kam da» Ehepaar daraus, baß bei der Eheschließung ein formaler Fehler unterlaufen war, der die Ehe ungültig gemacht hätte. Sie ließen sich dccher in biesem Jahre neuerlich trauen. Da» Bummelleben des Gatten, der ständig ohne ordentlkchen Beruf von der immerhin ansehnlichen Unterstützung lebte, die ihm znslotz, veranlaßte die Gattin, die Ehescheidungsklage einzubringen. Der Prozeß enbete damit, daß 1981 die Ehe aus dem Verschulden de» Gatten geschieden wurde. Zwei Jahre später führte der Zufall die Geschiedenen wieder zusammen und die alte Liebe lebte wieder auf. E» kam 1988 zur dritten Eheschließung. Im Frühling der heurigen Jahre» brachte aber die Gattin eine neuerliche Scheidungsklage ein, in der sie an- führte, daß ihr Mann sie schlecht behandle/«inen liederlichen Lebenswandel führe,. sich, in Nachtlokalen herumtreibe, wo er al» Balalajkaspicler allerlei ver- sängliche Bekanntschaften anknüpfe und dergleichen mehr. Der Gatte brachte eine Gegenklage ein. der ein in sehr zärtlichen Worten gehaltener Brief beilag, in welchem die Gattin versicherte, sie werde„als braves Mäderle" das Übermäßige Rauchen ausgeben und sich überhaupt eines musterhaften Lebenr- lvandelS befleißigen. E» zeigte sich im Laufe der Verhandlung allerding»,'daß dieser Brief nicht an ihren Gatten gerichtet war, sonder» an ihren Freund,' einen gewissen Herr.» Jenfis, der gleichfalls an» Rnß- kad'stannnß abev schon vor dem Krieg mü seinen Estern eingewandert war und sich von dem Ehepaar in seiner bereit» vergessenen Muttersprache unterrichten ließ. Da» ScheidungSgericht sprach schließlich di« .Scheidung an» beiderseitigem Verschulden au». Verlanget überall Volkszänder Der Geburtstag Von Johannes Foerster »ES werden viele Leute zu meinem Geburtstag'kommen. Haben wir genug Stühle? Fünfundzwanzig? Sollten ivir nicht lieber dreißig haben?" Bernhard Schröter Ivar sehr aufgeregt; er wollte seinen fünfzigsten Geburtstag feierlich begehen; viele Einladungen waren verschickt. Amalie Schröter, die rundliche Hausfrau beschwichtigte das Geburtstagskind:„Aberi Natürlich find es genug Stiihlel Metal Metal Sind die belegten Brote fertig?" Meta, die Tochter des Hauses, stürzte herbei und versicherte, daß alles in bester Ordnung sei. »Wie spät ist eS?" erkundigte sich nervös Schröter. „Um Gottes Willen! Dreiviertel acht!" stieß die Gattin hervor und lief zur Küche, hinter ihr Meta, um dort mit dem Dienstmädchen Leuchen die allerletzten Vorbereitungen zu treffen. Leuchen, die Dienstuingd, prangte in der weißen Schürze und im weißen Häubchen. Bernhard memorierte die Danke-Worte, die er zu sprechen gedachte: .Liebe Freunde! Ich bin zu tiefst gerührt, euch an diesem Tage in meiner Mitte,— aber das geht ja nicht, in unserer Mitt« weilen zu sehe». Mein Blick schweift über di« herrlichen, Prachtvollen Geschenke. Ich danke euch, ich danke euch, Ich danke euch!" Hier wurde er von Rührung über seine eigenen Worte übermannt und kam nicht weiter. Die Hausfrau und die Haustochter standen zum Empfang der Gäste bereit. ES schlug acht. „Jetzt werden sie kommen," flüsterte Bernhard, heiser vor Aufregung. Die Türglocke blieb stumm. «Sie werden so viertel, halb neun kommen. Es sind halt anständige Leute, die wissen, was sich gehört," bemerkte Frau Amalie Schröter, die die wachsende Aufregung ihres Ehegemahls bemerkte.<» Bet Hinterhubers entspann fick um halb acht, al» der Herr Hinterhuber die Wohunng betrat, felgendes Gespräch: ,Hast du das Geschenk mitgebracht?" Hinterhuber sah seine Frau verständnislos an:„Was für ein Geschenk?" „Da haben wir«sl Wir sollten doch zum fünfzigsten Geburtstag zu Schröters kommen. Genau habe ich dir beschrieben, was du kaufen sollst, und du kommst nach Hause und hast keine Ahnung." HinterhnberS kleine Acugleln erglänzten. „Aber liebe Fraul Wozu die Aufregung? Alles hat feinen Zweck. Schau, es wird eine große Tafel fein. Schröter ist aufgeregt. Soviel Gäste, soviel Lärm l Sie werden froh sein, wenn wir zwei fehlen, und wir gehen am Sonntag hin, und alles ist in schönster Ordnung." Frau Hinterhiibers Antlitz hellte sich auf: „Du magst recht haben. E» ist ja doch ein« Aufregung. Die vielen Leute. Wir gehen am Sonntag hin, du hast vollkommen recht." Damit begab sich das Ehepaar Hinterhuber statt zu Schröters Geburtstag zu einem schnell improvisierten Abendessen. „Und du meinst, wir sollten hingehen?" fragte die Frau Rat Reckmann ihren Gemahl. „Was erstens könnte uns daran hindern, und zweitens mit welcher Begründung blieben wir fern?" Frau Rat Reckmann nahm ihre goldene Brille ab und dozierte:„ES ist nicht gut, wenn dmcch allzu viel Gäste die Aufregung des Herrn Schröter zu sehr gesteigert wird. Deshalb halle ich eS für das Beste, am Sonntag hinzugehen, wa» man bet Schröters nur als rücksichtsvoll und anständig anerkennen wird." Das Ratsehepaar Reckmann blieb an diesem Abend zu Hause. -• Am Abend des fündigsten Geburtstages deö Herrn Bernhard Schröter wurden genau soviel Gespräche des gleichen Inhalts geführt, al» Gäste geladen waren. G „Willst du noch Schlagsahne?" fragte die Ehefrau Schröter ihren Gemahl, der nach Luft schnappend vor halbgeleerten Tellern und Schüsseln faß. »Laß mich in Ruhe mit Schlagsahne I Solange ich lebe, kommt mir kein Tropfen Schlagsahne mehr ins Haus! Ich habe zwciunddreißig belegt« Brötchen gegessen, ganz zu schweigen von dem Salat und Schlagsahne und unzähligen Stücken Torte." Bernhard Schröter, nebst Frau und Tochter und Leuchen, saßen an dem ausgezogenen Tisch im großen Zimmer und suchten von den durch dir Wärme gefährdeten Sachen zu retten, was zu retten war. Man trank dazwischen eisgekühlten Wein. Man war zornig und fchlechter Dinge und ließ es sich so schlecht werden, wie man gerade konnte. Schröter hielt seine Dankrede und sandte bei der Erwähnung der Geschenke einen vernichtenden Blick auf den leeren Gabentisch der Gäste. Er verwirrte sich dann und griff nach dem GlaS und trank und alle tranken mit ihm, um den Groll wenigstens etwas hinunterzuspülen. Das SonntagSeffen war bei Schröters vorbei. Der Herr des Hauses faß mit aufgeknöpfter Weste und raucht« eine hicke Zigarre. Amalie Schröter machte ein Mittagsschläfchen, und Meta saß am Fenster und döste vor sich hin. Leuchen war gerade in der Küche fertig geworden, al» puntt halb drei die Glocke schrillte. Lenchen schaute durch das Guckloch, wer da die Sonntagsruhe stören wollte. Sie öffnete schnell, als sie Hinterhubers erkannte. Sie fand gerade noch Zeit, die Familie zu alarmieren. Schröter konnte noch schnell die Weste guknöpfen, Amalie sich die Haare etwas oxdnen und Meta, ihr geistreiches Lächeln aufsetzen. Hinterhubers traten ein:„Das ist eine Ueberxafchung, was? — Schröter murmelte:„Ja, und was für eine!" Hinterhubers beglückwünschten den süß lächelnden, innerlich fluchenden Schröter,.dann machte man eB sich. gemütlich. Herr Hinterhuber be- mcrlle:„Ein Wellerchen heute!" Bernhard knurrte:„Das habe ich auch schon gesehen, daß eS ein Wetterchen ist!" Da klingelte es wieder, und der Herr Rat Reckmann und Frau erschienen mit einem anderen Ehepaar. Schließlich waren alle nicht erschienenen Geburtstagsäste versammelt. Schröter lief mit hochrotem Gesicht herum und donnerte:„Wenn ihr noch Platz findet, bitte nehmt ihr euch! Hast du etwas zu essen, Amal