Ur. 178. Abonnements-Kedingungen: vbonnemenlS-Preis pränumerando! «ierteljährl. 3,30 Mk., monatl. l.ioMi., ivöchentlich 2S Pfg. frei WS Haui. Einzelne Nummer b Pfg. EonnlagS- Nummer mit illustricrier EonnlagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Singetragen in der Post-ZeitungS» Preisliste für ISSS unter Dr. 7820, Unter»reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Lrschelni käglich nutzer Stonkng». Devlinev Volktsl»lÄkt. 16. Jahrg. Die Inftrtions-Vebühr beträgt für die fechSgefpaltsne Kolonel» zeile oder deren Raum iO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung!-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erst« Wort sett>. Inserate für die nächst« Nummer müssen biS 1 Uhr nachmittags tn derSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abend», an Sonn- und (jestlagen bis SUHr vormittags geössnet. Fernsprecher: Ami I, Dr. ISOS. Telegramm- Adresse: „Sorialdemostrat Verlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: L�. 19, Beuttz-Straße 2. Mittwoch, den Ä. August Expedition: 19. Veutlz-Steasze 3. Die neue Handwerks-Organisation. Am ersten April vorigen Jahres ist ein Teil der gesetz- liehen Bestimmungen der sogenannten Handwerks-Organisation, wie sie durch eine Abänderung der Gewerbe-Ordnung vor- gesehen ist, in Kraft getreten. Es betraf dies im wesentlichen die Jnnungsorganisation und die mit ihr zusammen- hängenden Nebeneinrichtungen. Mit dem 1. April d. I. war der Termin abgelaufen, bis zu dem die alten Innungen sich den neuen gesetzlichen Anforderungen angepaßt haben sollten. Wenn diese Bestimmungen innegehalten sind, dann hätten wir bis auf die Umwandlungen, die durch die Zwangsinnungen noch fortgesetzt erfolgen, den Aufbau der Organi- sationen auf der neuen Grundlage fertig vor uns. Ein Gesamtüberblick über das neue Gebilde zünftiger Weisheit läßt sich vorläufig aber noch nicht geben, vor allem deshalb nicht, weil es die Herren Jnnungsmeister mit der Anpassung ihrer Organisation an das neue Gesetz mcht so genau genommen haben. Man hinkt noch fortgesetzt mit den Statutenberatungen nach und die Behörde, die ihnen immer ein wohlwollender Gönner war. drückt ein Auge zu. Hätten wir es mit nnem Gesetz für die Gewerkschaften zu thun, dann ließe sich schon mit mehr Sicherheit annehmen, daß solche kleinen Nachlässigkeiten vermieden würden. Wo nun die Zwangsorganisafion die Stätte ihres Wiriens aufgeschlagen hat, da finden wir nicht allenthalben ungeteilte Freude im Jnnungslager. Es haben sich die Social- de-mokraten als eine so imponierende Macht eingestellt, daß die Jnnungsschwärmer ganz niedergedonnert sind über die Folgen ihrer eigenen Gesetzesmache. In einigen Innungen haben die Socialdemokraten zum entsetzten Erstaunen aller zünftigen Handwerker das Heft in die Hände bekommen und sich dort häuslich niedergelassen, wo ,eit Jahrzehütest in Patriotismus und loyaler Gesinnung wohl erprobte Meister des Jnnungsrunimels thronten. Noch schlimmer erging es denjenigen, die ihr Werk nach wenigen Monden elend zusammenbrechen sahen. Wir müssen gestehen, daß wir selbst einen solchen Ein- fiuß unserer Parteigenossen in den Innungen nicht voraussetzten. Das Ergebnis ist aber für die Partei ein interessantes Zeichen dafür, wie weit auch in Handwerkerkreisen-Anhänger unserer Partei zu finden sind. Es sind das die stillwirkenden Partei- änhänger, die vermöge ihrer Stellung im geschäftlichen Leben möglichst sich von einer öffentlichen Thätigkeit fernhalten müssen. Die konservative Presse zwar hat sich selbst bc ruhigeud eingeredet, daß es doch nur ein kleiner Teil der Handwerksmeister sei, der zur Socialdemokratie halte. uno daß wesentlich die Nachlässigkeit der übrigen den„Noten" die Uebermacht zugeführt habe. Das mag zu einem guten Teil richtig-sein, beeinträchtigt aber unseren Erfolg nicht. Es tritt hier dieselbe Erscheinung zu Tage, die so oft im politischen Leben sich wiederholt, daß unsere Parteifreunde die eifrigsten und rühngsten in der Ausnützung ihrer politischen Macht mittel sind, s Das ist ja das Wesen der Demokratie, daß sie dahin wirkt, die Balksniasse zurpolitischeu und öffentlichen Bethätigung heranzuziehen.-daß sie feind ist jener Nachlässigkeit und Gleich gültigkeit', die fifftematffch von den bürgerlichen Parteien in der Bcvölksinvg großgezogen wird. Und regen wir mit unserem Eintteten in diese Organisationen die Thätigkeit unserer Gegner mi, so ist auch das kein Schaden für" die Partei; denn gaben wir die Nachlässigen aus den Schlupfivinkelu bürgerlicher Behaglichkeit und Trägheit hcrausgcstöbert, dann müssen sie am politischen Leben Anteil nehmen; ihr Gesichts kreis wird weiter, ihre Anschauung von der Arbeiterbewegung wird anders, als die, welche die bürgerliche Presse ihnen ein- gcinipft hatte. Politische Regsamkeit, politische Bethätigung kann nur zum Vorteil der Demokratie, d. h. im engeren Sinne der Socialdemokratie, ausschlagen, während politische Denkfaulheit der Reaktion Vorschub leistet und dem Absolutis- mus das Rückgrat steift. Deshalb möchten wir im Anschluß an das hier Gesagte auch die Arbeiter nochmals auf die Bedeutung ihrer V er tr etun g in den Jnnungenaufmcrksam in a ch e n. So gering die Rechte der Arbeiter iin Gesellen- ausschuß sind, nichts wäre verkehrter als hier Enthaltsamkeit zu üben. Wir können nur dringend rathen, in allen Innungen ohne Ausnahme, ob Zwangsinnungen oder freie Innungen, ob sie bedeutungsoll oder bedeutungslos sind, an den Wahlen gum Gcsellenausschuß teilzunehmen. Besonders deshalb erweist sich die Tcilnahine an der Wahl zu diesen Körperschaften notwendig, weil in nächster Zeit der letzte Abschnitt der Bestimmungen über die Handwerker- organisation in Kraft tritt, und damit den Gesellen- ausschüssen ein weiteres Feld der Thätig- k e i t eröffnet wird. Es handelt sich um die Er- richtung der Handwerkskammern, die sich zu einflußreichen Korporationen entwickdln können, ähn- lich wie es die Landwirtschafts-Kammern und Handels- kammern schon heute sind. Auch hier ist eine Gescllenvertretung zugelassen, die von allen Gescllenausschüsscn des Handwerkskammer■ Bezirks gemeinschaftlich gewählt wird. Sind also die Gesellenausschüsse in den Händen von Leuten, die socialpolitisch rückständig find, so wird sich diese Gesinnung auch im Gesellenausjchuß der Handwerkskammer widerspiegeln. Das kann uns nicht gleichgültig sein, dcnü diese Korporationen sind befugt, in socialpolitischen Fragen Gutachten abzugeben, über des Halten von Lehrlingen Vorschriften zu erlassen, so wie über eine ganze Reihe minder bedeutender Fragen Ent scheide zu treffen. Wirkt hier ein Gesellenausschuß mit, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, so können für die Arbeiter recht um angenehme Urteile in socialpolitischen Fragen zu stände kommen, was um so peinlicher berühren würde, da die Gesellem Vertretung das Recht hat, abweichend von der Auf fassung der Meister ihre Gutachten besonders zu formulieren Mit dem hier Angedeuteten ist das Gebiet der Thätigkeit der Arbeiter innerhalb der Jnnungsorganisationen nicht er schöpft. Es gilt vor allen Dingen in die I n n u n g s> Krankenkassen, die Jnnnngs-Schiedsgerichte eine würdige Vertretung der Arbeiter zu entsenden. Wir möchten dabei den Wunsch aussprechen, daß die Arbeiter schneller die Bedeutung dieser Organisationen erfassen, als es seiner Zeit gegenüber der Orts-Krankenkasse und anderen Ein richtungen der Versicherungsgesetzgebung geschah. Für die Gewerkschaften bietet sich hier ein weites Feld ersprießlicher Thätigkeit und der Erfüllung neuer Aufgaben: denn den Gewerkschaften wird wohl in erster Linie die Aufgabe zufallen, diesen Dingen ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Vor allem gilt es, die Meinung aufzugeben, als ob uns diese Fragen nichts angehen. Wir haben allerorts unsere Thätig keit zu entfalten, ohne unser Zuthun darf kein Arbeitervcrtreter gewählt werden, es sei, wo es auch sei. Ans England. London, 26. Juli 1866. Die letzten Nochrichtcn nus dem Transvaal. Der„Hochverräter" Schrein«. — Der Grevzstrcit zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten und der „Schreiner" Kanadas.—?luS der inneren Politik: Anslicbung des Telephon- Monopols und Fortdauer des Londoner Wassermonopols: drohende Wasser not in London. Die Aktien der hiesigen JingocS sind in den letzten Tagen erheblich gesunken. Seitdem Präsident Kriiger und das Transvaal-Parlament sich dazu entschlossen haben. der Einbiirgcrungs- und Wahlrechtsreform eine weniger verklausulierte Gestalt zu geben, ivill es nicht mehr gelingen, Stimmung für drastische Maßnahmen in Süd- Afrika zu machen. Der letzte dahingehende Vorsuch war die Behauptung des „Standard"- Korrespondenten in Johannisbnrg, daß der Minister Präsident der Kapkolonie, Schreiner, Präsident Krüger letzten Mittlvoch telcgraphisch aufgefordert haben soll, keine weiteren Zugeständnisse zu machen. Schreiner ist bekanntlich der Führer des Afrikaner- Bundes im Kapgcbiet, und wie der Bund selbst, unzlveifelhaft heute den Transoanlbocrcn günstig gesinnt. Ans dieser Sympathie macht er keinen Hehl, das ihm nachgesagte Telegramm würde aber auf mehr als einen bloßen Beiocis von Sympathie hinauslaufen. Es wäre eine feindselige Aktion gegen die britische NcichSregicrung, die Herr Schreiner offiziell als Minister vertritt und als solche Aktion ein Stück Hochverrat. In diesem Lichte stellten c-? auch verschiedene Jingoblätter, denen Herr Schreiner und der Afrikancrbund ein arger Dorn im Fleisch sind, sofort hin und waren ganz und gar nicht erbaut, als sich herausstellte, daß Schreiners Telegramm thatsnchlich nur cine Er- mahnnng an Krüger war, nicht vorschnell der Rcformbill eine neue „endgültige" Fassung zu geben. Mir der denkbar unwirschesten Miene nahm der„Standard" seinen Angriff gegen Schreiner zurück und sprach von„übelberatenem" Ilcbercifcr, während die eigentliche Hetzprcssc über Doppelzüngigkeit und heimtückische Näiike zeterte. Sie hat ihren Ton erheblich hcrabschrauben müssen, seit sich heraus gestellt hat, daß Schreiners Telegramm durchaus den offiziellen Depeschen des Kolonialamts entsprach, aber sie hat immerhin so viel erreicht, die Stimmung in den Kreisen der Kap- Holländer sehr zu verbittern. So friedlich, oder ivcnigstens nach einem Kompromiß, die Situation im Augenblick ausschaut, so muß man doch immer noch auf Zwischenfälle gefaßt sein, die dem Stand der Dinge Plötzlich ein neues Gesicht geben. Offiziös heißt es, daß die englische Regie- rnng an den von Sir Alfred Milncr in Blocmfontein gestellten Forderungen als Minimum festhalten ivird, ohne indcß auf Pressions mittel zurückzugreifen, wenn die Beschlüsse der Transvaal-Regicmng hinter ihnen um einiges zurückbleiben. Indcß noch ist gar nichts Sicheres darüber entschieden, welches die Rechte der neuen Bürger bei der Wahl der Exekutive und ihre faktische Vertretung in der Gesetzgebung sein solle», und bis diese Frage erledigt, können die Hctzagenten hüben und drüben noch viel Unfug anrichten. sSiehe die ncuern Nachrichten in der heutigen Nnmnier. R. d. V.) Mittlerweile ist an einem anderen Ende des britischen Weltreiches auf einen Augenblick ebenfalls das Gespenst eines Konflikts auf- getaucht. Der bekannte Streit Kanadas mit den Vereinigten Staaten um das Grenzgebiet von Alaska hat letzten Sonnabend im kanadi- scheu Parlament Anlaß zu einer lebhasten Debatte gegeben. Die Situation ist in Kurzem folgende: Das Streitobjekt liegt im Gebiet des Küstenstrichs, der sich im Westen von Britisch-Eolumbia vom Berg Elias nach Süden zu bis zur Dixonstraße hinzieht. Dieser Küstenstrich gehört nach dem Vertrag von 1828 zuni Territoriinn Alaska, das damals an Rußland abgetreten, seitdem aber von diesem den Bcr- einigten Staaten verkauft wurde. Seine Ostgrenze ist niemals ganz genau fixiert ivorde», bei der Unlvirtlichkeit des ganzen Distrikts kümmerte sich kein Mensch darum, ob er sich ein bißcheii weiter ins Land hineinzog oder nicht. Durch die Goldfnnde von Klondike hat sich das indes'geändert. Kanada braucht eine bequeme Verbindung vom Goldgebict zum Stillen Occan, und der kürzeste und beste Weg, nämlich der nach der sich tief ins Land hinein erstreckenden Lhan- Bucht, ftihrt durch Gebiet, welches die Vereinigten Staaten als zu Alaska gehörig reklamieren. Nach ihrer Behauptung würde die ganze Bucht von Land umschlossen, das zu Alaska gehört, während Kanada die Grenze so deklariert, daß der ganze innere Teil jener Bucht ihm zufiele. Dies das hauptsächlichste Streitobjekt. Ein Kompromiß, behufs Ermöglichung eines Schiedsspruchs. daS Lord Salisbury vor einiger Zeit im Verein mit dem jetzigen hiesigen Gesandten der Vereinigten Staaten ausarbeitete, scheiterte an der Schwierigkeit, die Streitenden zur erforderten Begrenzung ihrer Ansprüche zu bewegen. Vorher schon ivaren der kanadischen Regierung die Mittel zur Herstellung einer Eisenbahnverbindung zwischen dem Dukonfluß und dem nächsten unbestrittenen Hafen aii der Westküste ihres Territoriums vom Senat, in dem die Oppositionspartei die Mehrheit hat, veriveigert worden. Seitdem haben Angehörige der Vereinigten Staaten von Dankee- Niederlassungen in der Lynn- Bucht aus eine Eisenbahn er- richtet, welche die kürzeste Verbindung zwischen dem Dnkon und dem Meere herstellt, und so den Kanadiern den Wind aus den Segeln genommen. Daher die Wntergüssc in der kanadischen Presse und ihr Widerspicl letzten Sonnabend in der kanadischen Vdlksvcrtrctiing. Besonders kampflustig benahm sich der Führer der Opposition, Sir Charles Tupper. Er'schlug die mildesten Vergeltungsmaßrcgeln gegen die Vereinigten Staaten vor. Keinem„Ausländer"— lies Dankcc— sollten bis zur Erledigung des Streithandels Konzessionen zur Goldgräbcrci sc. erteilt werden. Daß die Ver- einigten Staaten auf'solchen Akt mit sehr energischen Gegen- maßregeln antivorten würden, focht den Führer der Konservativen nicht das mindeste an. Noch kümmerte es ihn, ob etwa das Mutterland in den Zollkrieg hineingezogen werde. Im Gegenteil, er be- schuldigte dieses, daran schuld zu sein, daß Kanada in dieser Frage Gefahr laufe, um sein Recht gekürzt zu werden. Es ist dies um des- lvillcn bezeichnend, weil die schutzzöllnerischcn kanadischen Konservativen sich sonst nicht genug auf ihre Loyalität zu gut thun konnten und den jetzigen liberalen Premier, Sir Wilfried Lanrier, in ähnlicher Weise als heimlichen Verbündeten des Landcsgcgners(lies hier: der Vereinigten Staaten) behandelten, wie die englischen Kap- Jingoes jetzt Mr. Schreiner als den Agenten Krügers hinstellen. Sir Wilfried Lanrier ist indes nicht auf den Schutzzoll« Leim gegangen. Bei einem Kampf mit solchen Waffen würde Kanada leicht den kürzeren ziehen, erklärte er. Aber im übrigen meinte auch er. daß Kanada sich auf Beilegung keiner der übrigen Streitfragen mit den Vereinigten Staaten einlassen werde, bis nicht diese sich dazu verstanden hätten, den Streit nni die Grenze von Alaska unter acceptablcn Bedingungen einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Da nun die Vereinigten Staaten wenig Lust haben, auf das einzugehen, was Kanada als acceptable Bedingungen bezeichnet, ist die Lösung all der Fragen zwischen England und den Vereinigten Staaten, an denen die Regierung Lord Salisburys sich seit Jahren abarbeitet, in unbestimmte Ferne gerückt. Es sei denn, daß die berühmten Beschlüsse der Haagcr Konferenz die Handhabe zur Bildung eines Schicdskomitccs bieten, dem sich beide Streitenden willig stellen. Hier wird eine Probe auf das Exempcl gemacht ivcrd'en können, welchen Wert die Konferenz wenigstens in dem einen Punkt gehabt hat.— In der inneren Politik ist Ivcnig von Belang zu melden. Eine der wenigen nützlichen Maßregeln, welche die Regierung in dieser Session zu stände gebracht hat, ist die Schaffung eines Centraiamts in Irland für das geiverblichc und landlvirtschaftliche Unterrichts- wcscn. Sie brachte ihr ein Lob von feiten der irischen Ab- geordneten ein, gegen das. lvie der Parlaments- Berichterstatter des ,'.Daily Chronicle" schreibt, das den Liberalen für die Durchkämpfung der Hoinenilcbill erteilte Lob eisig lvar. Ein iveitercs nützliches Stück Gesetzgebung ist das Gesetz.' das dem skandalösen Monopol der Gesellschaft, die das Telephonwcse» vom Staat gepachtet hat, und dank dem England im Fernsprechwesen hinter allen Ländern zurück- geblieben ist, ein Ende machen soll. Diesen Reformen steht aber, neben der ganz vcrivcrflichen Finanzpolitik, die Unterstützung des Monopols der großen Londoner Wasserleitnngs-Aktiengescllschaften durch die Regierung und die Regierungspartei gegenüber, ivelche Unterstützung vor allem dadurch geradezu verbrecherisch genannt werden muß, als das Monopol, wie eS heute beschaffen ist. keine Gewähr für cine jederzeit ausreichende Versorgung der Hauptstadt mit Wasser darbietet. Die unablässig wachsende Bevölkerung macht dieErössnnng neuer Bezugsquellen vonWasser von so großer Licfernngs- kraft notwendig, wie sie von Privatgesellschaften nicht zu erwarten ist. Ans jeden Fall schwebt infolge der Trockenheit der letzten Wochen schon wieder das Drohgcspcnst einer Wassersnot über der Hauptstadt, und zwar cine Wassersnot von viel größerem Umfange als die des Vorjahres, die das ganze Ost-London— das London der Proletarier— in schrecklicher Weise' heimsuchte. Der Wasserstand der oberen Themse, nus der verschiedene der Kompagnien ihr Wasser beziehen, ist weit niedriger als in der gleichen Zeit des Vorjahres, desgleichen der des Flusses Lea, der Ost-London einen Teil seiner Wnsserznfuhr liefert, der letztgenannte Fluß außerdem auch noch gründlich ver- vestet— kurz, die uäckfftcn Wochen können, wenn nicht sehr starke Regengüsse erfolgen, für London wahrhaft verhängnisvoll werden. ES stchr zu hoffen, daß cS nicht dahin kommt, und Nicht Unschuldige für das sträfliche Verhalten der Parteigänger des Monopols mit Gesundheit und Leben zu büßen haben. Aber die Schuld, ivelche die letzteren durch Hintertrcibung aller auf Abstellung des jetzigen Mißstandes gerichteten Maßregeln auf sich geladen haben, wird darum nicht ge- ringcr, wenn die Gunst des Wetters die Londoner Bevölkerung vor den ärgsten Folgen ihrer Politik behütet. Leider ist in dieser Riesen- stadt, gerade weil sie so gewaltigen Umfang angenommen, bei der großen Masse der Bevölkerung bcr kommunale Gemeinsinn ungemein Schwach entwickelt._ A)olitlflsze Mebevfliszk» Berlin, den 1. August. DaS unverbesserliche Sachsen. Bekanntlich ist die Wahl des Antisemiten, Mörtelfabrikanten L o tz e im achten sächsischen Reichstags- Wahlkreise vom Reichstage kassiert worden, weil die Behörde, die AmtShanptmannschaft zu Pirna, in ganz unbegründeter Weise die gesetzlich erlaubte Wahl- agitation der Socialdemokraten gehindert hatte. ES handelte sich' um eine socialistische Wahlversammlung in Hohnstcin, die von der AmtShaupNuannschaft aus nichtigen Gründen verboten wurde. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags und letzterer selbst haben nun ihren Entscheid bei der Ungültigkeitserklärung der Wahl Lotzcs in der unzweideutigsten Weise zu erkennen gegeben, daß ein solches Verfahren völlig unzulässig ist. und eine auf solche Weise zu stände gekommene Wahl die Billigung des Reichstages nicht findet. Man sollte meinen, daß sich eine Behörde, besonders die, welche eS im besonderen Falle anseht, an eine derartige Direktive kehrt. Weit gefehlt. Die Wahlagitation im achten Kreise ist bereits flott im Gange. Jetzt sollte nun eine socialdcmokratische Wahl- versammluirg in Großzschachwitz in dem Lokale stattfinden, in welchem der dortige Arbeiterverein seine regelmäßigen Versammlungen abhält. Diese Wahlversammlung ist nun von der AmtShauptmannschaft vor» boten worden, weil— das Lokal zu klein, deshalb un- geeignet zu solchen V e r s a in in l u n g e n sei.— Die Behörde bezieht sich dabei auf den Z 12 des sächsischen .JuwelS', nach welchem Versammlungen, Umzüge, Festlich- leiten bei dringender(I) Gefahr für öffciitliche Sinhe, Ordnung ec. verboten werden können. Dieses Verbot ist genau so ungerechtfertigt, wie das seinerzeit in Sohnstein. Auf diese Weise wäre es der Behörde ein leichtes, die Versammlungen in allen kleineren Lokalen— das fragliche faßte etwa 70 Personen—, in kleinen Orten, zu verbieten und so die Wahlagi- tation zu unterbinden. Das ist in diesem Falle um so be deutsamcr, weil es sich bei der Entscheidung möglicherweise um wenige Stimmen handeln kann, wie jetzt die Situation im Kreise steht. So etwas unternimmt dieselbe Behörde, die eben erst vom Reichstag wegen der gleichen Sache in der unzweideutigsten Weife auf da? unzulässige dieser Handlung aufincrksam gemacht wurde. Unterzeichnet ist das Verbot von» A m t s h a u p t m a n n von Teubern. Das geht denn doch über das gewöhnliche Matz von behördlicher Sclbstherrlichkcit, wie man sie in Sachsen gewöhnt ist, hinaus. DaS ist eine amtliche sächsische Kriegserklärung gegen den Neichstagl Auch sonst wendet man bei diesem Wahlkampf«sächsische Mittel' gegen die Opposition an. Ein paar Flngblattvcrteilcr der freisinnigen Volkspartei, die sich energisch an der Wahlagitation beteiligt, haben je auf 10 M. lautenden Strafmandate erhalten, weil sie Leuten Flug blättcr gaben, die zufällig aus der Kirche kainen. Das soll«grober Unfug" sein. Weiter klagen die Freisinnigen, daß ihnen die Vcr sammlungslokale abgetrieben werden. Alle diese Dinge kommen den Freisiuuigen sehr.spanisch" vor, weil früher mir die SoriaL demokratcn damit bedacht wurden.— Bilder a«S dem Soldatenlcben. LluS Elsatz-Lothringen wird ims geschrieben: Der Ausmarsch, den das in Mülhausen garniso liierende 4. Vadischc Jnsanteric-Negiment Nr. 112 in der Gluthitze des 22. Juli, wohl des heitzestcn und schwülsten TageS im heurigeir Soiiiincr, zu machen hatte, hat nunmehr noch ein zweites Todesopfer gefordert. Dem Bahn assistentcn und Nntcroffizier der Reserve Schneider der, wie bereits mitgeteilt, noch an demselben Tage dem Hitzschlage erlegen war, ist sechs Tage später der Unteroffizier der Reserve Henri Graf im Tode gefolgt, nachdem er bis dahin im Lazarett an den Folgen der un gewohnten Strapazen darniedergelegen hatte. Grqf war etwa 27 Jahre alt und, ebenso wie Schneider, seit kurzem verheiratet. Die verrnitwortliche militärische Kommandostelle hat also, angesichts der äußerst traurigen Folgen der für jenen Unglückstag getroffenen dienstlichen Anordnungen, eine doppelt schwere Verantwortung auf sich geladen. Wird durch Marsch- und Fclddicnstübungcn, wie sie an jenem 22. Juli bei den 112 crn stattfanden(der Wetterbericht des meteorologischen Landcsdienstes weist für den Tag in Mülhausen eine Maxinialtcmperatur von 33,5 Grad Celsius nach), schon bei den an die Strapazen des Sommerdicnstcs gc wohnten Mannschaften dc8 aktiven DienststandeS die Lcistunas fähigkeit des Einzelnen bis zur Grenze des Möglichen in An spruch genommen, so muß eS als geradezu befremdend bezeichnet werden, wenn man den größtenteils im Alter von 24—28 Jahren stehenden Reservisten, die erst einen Tag vor her nach zum Teil jahrelanger Unterbrechung den„Rock dcS Kaisers" wieder angelegt hatten, dieselben Strapazen zu- mutet. Dazu kommt, daß im Mülhauscr Falle bei den Dispo sitionen für den Dienst des 22. Juli an maßgebender Stelle über die zu erwartende Witterung auch nicht der geringste Zweifel obwalten konnte, da die Hitzeperiode schon einige Tage angedauert hatte und die amtlichen Wetterberichte ein noch weiteres Steigen der Temperatur in Aussicht stellten. Wenn trotzdem die Truppen erst um die Mittags stunde von ihrem Ausniarsch in die Kascrncmcnts heim kehrten, so können die verantwortlichen Kommandostcllen für sich kaum ein entschuldigendes Moment in Anspruch nehmen. Die Bevölkerung unseres Landes, wo die beiden Todesfälle in den besten Lebensjahren stehender junger Männer berechtigte Entrüstung hervorgerufen haben, verlangt eine genaue Untersuchung der Angelegenheit und Bestrafung der Schuldigen.—_ Rücktritt des Kabinetts Vandenpeercboom. Das Ministerium Vandcnpccrcboom ist nicht mehr. Nach den neuesten Depeschen hat es seine Demission eingereicht, und ist Herr De Smet de Naher, ein Klerikaler etwas anderer Nuance, zur Bildung eines neuen Ministeriums zum König berufen worden. Herr Vandcnpccreboom würde wohl nach dem Junisiege des Volks sofort von dem Schauplatz abgetreten sein, wenn er sich nicht der Hoffnung hingegeben hätte, unter den ver- kündeten Gegnern, die ihm die Niederlage beigebracht haben, werde Streit ausbrechen. Ganz unbegründet war diese Erwartung auch nicht. Im Schöße der Kommission, der die Wahlvorlage dcrRegierung unterbreitet ward, kam es in dcrThat zu Differenzen zwischen dem bürgerlich Radikalen Lorand und den Socialisten. welch letztere auf Durchsetzung des all- gemeinen Stimmrechts und der Proportional- wähl bestanden, während Lorand sich mit der Proportional- wähl begnügen wollte. Zu eineni förmlichen Bruch, wie die Regierung gehofft hatte, kam es indeß nicht, und in der gestrigen Sitzung der Kommission wurde der reaktionäre Gesetz- entwurf der Regierung nnt 8 Stimmen gegen 1 Stimme und 7 Enthaltungen abgelehnt. Kein anderer Vorschlag fand die Majorität. Für den Regierungsentwurf stimmte also nur ein Mitglied. DaS war ein Wink mit dem Zaunpfahl, den selbst der dickhäutige Banden- peereboom nicht mißverstehen konnte. Ueber die heutige Kammersitzung in Brüssel berichtet folgendes Telegramm: Ncpräscntantoiikammcr. Zu Beginn der Sitzung teilt Minister- Präsident Vandenpeercboom mit, daß das Kabinett infolge des gestrigen Beschlusses der Wahlrefonn-Konimission dem König seine Demiiston überreicht habe. Der Minister fügt hinzu, das Kabinett werde, wenn die Kammer dagegen nichts einzuivcndcn habe, sich zur Verfügung der letzteren halten, um die laufenden Sachen er- ledigen zu können. Vandcrvelde lSocialist) protestiert dagegen und verlangt Vertagung jederDebatte, da man nicht verhandeln könne, wenn keine verantwort« liche Regierung vorhanden sei. Die Repräsentanten kanmier schloß sich schließlich dem Vorschlage Vanderveldcs an. mit der Prüfung der auf der Tagesordnung stehenden Gcsepeutwürfe sorlzusahren, ohne indessen einer Diskussion Raum zu gewähren. So unterblieb auch Haupt sächlich die Diskussion über die Vorlage betreffend die Brüsseler Slraßenbahncn. Der Generalrat der sorialdemokratischen Partei hielt gestern eine längere Sitzung ab, in welcher bc- schlössen wurde, an der bisherigen Taktik festzuhalten und kein Wahlgesetz zu votieren, ehe die Kammer aufgelöst und Neu Wahlen aitgeordnet find oder eine Befragung des Landes durch das Nlefcrendum stattgefunden hat. Jmoieweit sich die Liberalen(Radikalen) dieser Taktik anschließen werden, bleibt noch abzuwarten. Wie es scheint, wird das neue Ministerium ein Gesetz für Einführung der Proportionalwahl vorlegen. Dieses Gesetz würden die Liberalen annehmen, und auch unter den Socialisten erheben sich Stimmen für die Annahme als neue Abschlags z a h l u n g. Jedenfalls ist aber die Partei einig darin, die Masscn-Agitation für das allgemeine Wahlrecht fortzusetzen, bis dieses Ziel erreicht ist. Bemerkenswert ist. daß in Belgien, ähnlich wie in Baden, der Liberalismus solchen Gefallen an dem Proportionalwahlrccht hat. Es erklärt sich dieS wohl daraus, daß der auf dem Ausstcrbe-Etat stehende Liberalismus von vornherein auf die Majorität ver zichtet und sich wenigstens so lauge es geht eine Minoritäts-Vertretung zu sichern sucht.— Deutsches Weich. Gin mißglückter Kuhhandel. Während die Kvnservaiivcn nicht genug über das Eentrum zetern konnten, daß es mit den Socialdemokraten Kuhhandel getrieben, stellt sich jetzt Heraiis, daß die Konservativen selbst versucht hatten, das Geschäft abzuschließen. Die konservative„Süddeutsche Landpost' gicbt zn, daß nicht nur der Führer der Bancrubündler, Lutz, den Socialdemokratcu ein Wahlbündnis für die bayrischen Landtagswahlen im Wahlkreise Fürth brieflich angetragen hat, sondern daß auch der Bürgermeister S ch a r r e r von Hohenstcdt persönlich bei dem Socialdemokraten Segitz war, um sich über ein solches Kompromiß zn besprechen, ferner daß der Redakteur der«Südd. Landp." selbst von Scharrer»ach Fürth eingeladen wurde, wo über diese Bündnisse dann endgültig beschloffkii werden sollte. Das Kompromiß kam zwar nicht zu stände, der Fall beweist aber, daß anefi die Konservativen— mit dem Umsturz sich gern «verbinden. Es geht ihnen, wie den Franzosenfressern, die keinen Wäljchen leiden mögen, aber ihre Weine mit Vergnügen trinken.— Die abgesagte Kaiserreise. Mit Recht bestreitet der„Reichs- böte" die«hintertreppenartige Darstellung, die der«Lokal-Anzeigcr' gestern über die Gründe gab, welche den Kaiser vcranlaßtcn, die an- gclüiidigtc Reise»ach Dorlnumd plötzlich aufzugeben: „Daß der Kaiser mit der Prollamienrng seines unbeugsamen Willens auf das Bielefelder Programm hinzielte, steht fest: daß er dabei ebensowohl den Schutz der Arbeitswilligen nüe die Kanalvorlage in das Auge gefaßt haben dürfte, ivird Ebenso sicher sein. Daß die Haltung der radikalen, liberalen und ulira- montane» Presse gegenüber dem Bielefelder Telegramme... auf den Kaiser abstoßend hat wirken müssen, ist auch richtig; aber eS heißt doch den kaiserlichen Erwägungen und Entschlüssen einen falschen Eharaltcr und kleincu Schein unterschieben, wenn man sie davon allein abhängig machen will.>vie es hier geschieht. Die nächste Zeit wird darüber bald weitere Klärung dringen." Ter letzte Satz ist zu optimistisch. Eine Klärung ist in unseren pzeiitischcn Verhältnissen sür absehbare Zeit nicht zu ertvartcn. Ganz verwaist ist nun Berlin. EZ hat keinen Obcrbürger- meister und keinen Obcrpräsid eilten. Herr v. Achenbach hat bisher keinen Nachfolger bekomnien! Die Verzögerung der Ernennung des Obervräsidenten hängt offenbar mit der ewigen Nichlbcsläliguug des Oberbürgermeisters zusammen. Man möchte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, ivciß aber mir nicht, lvic.— Einc Juchthansvorlagc gegen die Manl- und Klanen- scnchc. Ei» hübsches Mittel gegen die Manl- und Klauenseuche schlägt das Büudlcrblatt in Varel, die.Jadc-Zeitung", vor: «So lange das Einschniuggeln nicht aufhört, hört die Seuche auch nicht ans. Das einfachste Mittel wäre: jeder Vieh- e i n s ch in n g g l e r müßte cir.fach erschossen oder mit lcbenS- länglichem Zuchthaus bestraft werden. Auch müßte für die Eiulicfennig eines Schmugglers eine bcdentcnte Prämie, etwa 200 M. für jeden, ausgesetzt werden, und wer wissentlich ein- geschmuggeltes Vieh kauft, müßte ebenfalls mit Zuchthaus b c st r a f t werden usw." Als ergänzende Bestimmungen gehören in diese StandrcchtS- und Zuchthmisvorlage jedenfalls auch solche Paragraphen, die den ein- hcinii scheu Seuchensörderern, denen, die Scnckieu verheimlichen und krankes Vieh verkaufen. Todesstrafe und lebenslängliches Zucht- Haus androhen. Nach der letzten Krimiiialftalistik harten sich 2857 derartiger Frevler gegen die Scuchcngesctze zu verantworten, von denen 1732 verurteilt wurden, aber nicht zum Tode oder Zucht- hauS!— Vom Rfrtkancr Esicr. Wie der..Hamburgische Korrespondent" aus Berlin meldet, ha: jetzt daS Ebren geeicht den Atrika- rcisendcn Dr. Esser, der seinerzeit durch Verleihung des Roten Adler- ordeus zweiter Klaffe ausgezeichnet tvurde, als der Zugehörigkeit zum Offizierkorps uu würdig bezeichnet. Ein Vnare-Tcnkinal ist in Bochum cuthüllt worden. Auf dem Sockel befindet sich eine sinnige Darstellung: Der Genius des Bösen, der die Züge Fusangels trägt, nimmt Reißaus vor einer Lichtgestnlt, in deren künstlerisch geflicktes Gewand als dekoratives Muster ,lC2/3 Proz." eingewirkt worden ist. So viel beträgt nämlich die diesjährige Dividende des Bochumer Vereins, dessen Direktor der selige Baare gewesen ist.— Ein Totschläger. In der„Oberelsässischen Lande«- eilung', dem unter geistlicher Leitung herausgegebenen Organ der Klerikalen Mülhausens, findet sich ein Enrrefilet, das sich mit der— natürlich von der Socialdemokratie erfundenen— Darwinschen DeScendcnz-Theorie beschäftigt und den frommen Lesern die geistig belmmtlich weit rückständigeren Socialdemokraten als«hoch- entwickelte Affen" vorfi'chrt, von denen nur noch eines un- verständlich sei, nämlich daß sie den Mund immer so voll nehmen und ein„inenscheuwürdige« Dasein" verlangen. Dann fährt der Artikel wörtlich fort: „Wer seinen Stolz darin setzt, ein hochentwickelter Affe zu sein und etwa sich noch höher entwickeln will, der werde Social- demokrat und laste sich solche weise Reden vorpauken. Er muß es dann weit bringen. Unser» Bourgeois, Scharfinachern und den Socialistcngegnern würden wir dann auch dringendst empfehlen, wenn es sich bei der ganzen socialen Frage nur um das unberechtigte und ungesunde Bestreben solcher Affen handelt. möge man einmal eine gute Portion dieser Schreier einfach totschlagen. Es sind dann weniger Eßmänler da, ein Vorteil! und weniger Hetz- und Schwärm- gcistcr;— ein gut Stück der socialen Frage ist gelöst. Mit Affen wie mit anderem Getier macht man bekanntlich rvenig Federlesens, sobald es einem unbequem wird. Das ist ocs Menschen Recht I Man benützt es. soweit es dienlich ist. Wird es unangenehm oder gar gefährlich. dann tv e g d.. m i t I Zum Abdecker uud auf den Schindanger! So gebührt'S dem Vieh, auch dem hochentwickelten.'— Wir haben diesem geistlichen Elaborate, vestcn Vater sich in seiner ohnmächtigen Wu'l gegen die Socialdemokratie offenbar zu einer geläuterten Auffassung der christlichen Grundsätze durchgerungen hat. nichts hinzuzufügen, es sei denn ein mild-versöhnsiches: Sie wissen nicht, was sie reden!— Sächsischer„grober Unfug". Einige Arbeiter in Meißen und Cölln bekommen jetzt, so wird aus Dresden geschrieben, jeder ein auf drei Mark lautendes Strafmandat, weil sie groben llnsug begangen haben sollen. Die Betreffenden gingen gemeinschaftlich von einer socialdcmokratische» Versammlling, die in Weinböhla stall- gefunden hatte, nach Hause zu. Darin erblickte aber der Torf- gewaltige, Gcmcindevorstand Nudelt von Weinböhla, einen— vcr- botenen Umzug. Deswegen die Stramiandate. Zur kommunalen WahlrcchtS-Vcwcguug i» Tchlcöwig- Holstcin. Tie Zahl der gegen die Aufstellung der Bürgcrrolle Protest erhobenen Personen entspricht, wie uns aus Kiel berichtet wird, leider nicht den gehegten Erwartungen. Immerhin jedoch haben in Kiel ca. 3600 Personen sich beschwert. Ein vcrnünstigcö Ikrtcil fällte das Schöffengericht in Lehe bei Bremerhaven. Der Maurer Groß sagte in Beziehung auf den ihm begegnenden Maurer Geiß zu einem Dritten:„Da kommt Einer mit der Pfeife her, der geht auch zur Arbeit, d-r Streik- brccher.' Das Schöffengericht. dem er schleunigst zur Aburteilung wegen Beleidigung zugewiesen wurde, sprach ihn frei mit der Begründung, daß in dem Worte Streikbrecher keine Bclcidigiing liege. Es enthalte nur den Vorwurf, daß der Zeuge a» einer gesetzlich erlaubten Arbeitseinstellung nicht teiliiahm. Da aber bei cinein pcstchcnden Streik das Weiterarbeiten einzelner nicht streiken- der Arbeiter keine ehrenrührige Handlung ist, so kann auch in dem Vorwurf dieser Handlung eine Ehrverletzung nicht gesehen werde». Demnach war auch Groß der Beleidigung nicht schuldig. Wir halten die Freisprechung für durchaus richtig, weil wir die cinfache Konstatierung der Thatsache, daß jemand ein Streikbrecher ist, niemals als Bcleidignng ansehen lönnen. Aber auch für die SÄutzheiligen der Zuchthaus- Vorlage und der Streikbrecher wird die Begründung des Urteils befriedigend sein, da sie endlich die Einheit in der sittlichen Be- »rteilung der Streikbrcchcrei herstellt, während bisher der Vorwurf der vor dem politische» Forum als st a a t s r c t t c r i s ch gellenden Handlung ve» den Gerichten als chrverletzcnd angesehen ivurde. Abnahme der Trunksucht. Nach den Mitteilungen des Gc- schäftSsührers des Vereins zur Bekämpfung der Trunksucht, Dr. Bode, ist in Teutschland eine erhebliche Abnahme der Trunksucht zu ver- zeichnen. Der Alkoholverbrauch ist pro Kopf der Bevölkerung von 4.7 auf 4.2 Liter zurückgegangen. Auf 100 Krankheitsfälle in Krankenhäusern und Hcilaustaltcn kamen 1888 noch 2,7 Proz. von Alkobolismus vor. 1894 nur 1,8 Proz. Die SterblichkcitSstatistik der Standesämter bestätigt, daß die Zahl der Todesfälle infolge von Altoholiiiißbrauch auf die Hälfte zurückgegangen ist.— Hebung dcö Handwerks! Man schreibt uns: Ein Klcinhandwcrkcr in der Provinz, der Frau und fünf Kinder zu eniöhrc» hatte, konnte zwei Wechsel, einen im Betrage von 2l,55 M. uud einen ini Betrage von 49,85 M., nicht rechtzeitig einlösen. Die Firma, einc Aktiengesellschaft, gewährte keine Frist, sondern übertrug die Sache eiiieni Rechtsanwalt in Berlin. Der Prozeß begann 1895 und hatte nach zwei Jahren folgendes Gesicht: 1. Haupliumme.............. 21,55 M. Berechnete Zinsen bis zu den einzelnen Zahlungen— ,80, Wcchselkosten.............. 4,95, VollstrcckuugSgcbühr, Schreibgebühr und Porto des RechtSamvaltS............ 2,35„ Ilrtcllsvollstrcckiing............— ,50, II. Hauptsuminc...........»,» 49,85« Zinsci« bis zu den einzelnen Zahlungen..., 1.90„ Weckiselkosten.............. 9,40« Vollstrcckinigsgebühr und Porto des Rechtsanwalts 1,63, NrtcilSzustcllnug............—,50« PfändungSkostcn und Lcistnngsgcbühr..... 3,10, Postaiiweifimgen»ud Briefporto....... 1,70« III. Festgesetzte Prozeßkosic».......... 30,35. Kosten der zivci Beschlüfle......... 1,20« Zustellung derselben........... 1,40, VollstrcckuugSgcbühr und Porto des RcchtöanivaltS 2.90„ Postanweifttiigeli............— ,90« Briefporto. —,30 20./9. 95: 1. Zahlung an den Gerichtsvollzieher 9 4./3. 07: 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 134,35 M. 10,— M. 3.-. 3.-. . 15.-« 10,-„ 6.-„ 12-, 10,—„ 9,—. 15,-. 10,—, 10,-. . 10.-. -.35. . 134.35. Ilm also ca. 70 M. in Raten abzahlen zu köniien: Gerichts- Verhandlungen, Pfändungen. Vcrsteigcrimgsaiidrohlingeu. Kosten, und wenn der Mann seinen ehrlichen Willen zur Ausführung bringen iiiid seine Familie vor öffentlicher Kränkung bewahren konnte, so vcrdantle er es der Nachsicht und Güte dcS Gerichts» Vollziehers! Ein Einzelbildchcn auS der kapitalistischen Schuldkncchtschaft.— Einc Folge des Arbcitcrmangcls in Ost- und Wcstprenßcn ist, so schreibt man uns aus Ostpreußen, daß sich die Schöffengerichte häufig mit aiigcllagtcn Arbeitgebern deshalb zn beschäftigen haben, ivcil die letzteren Leute in Arbeit genommen haben, welche sich nicht durch einen sogeuannten Abzugsschciu oder Losschcin darüber au«- weisen konnten, daß sie ihr vorhergehendes Arbeitsverhältnis ordnungsmäßig gelöst babcn. Solche Arbeitgeber werden rcgcl- mäßig mit 15 M. Geldstrafe, sind sie schon einmal wegen der- selben Sache vorbestraft, mit 30 und mehr Mark Geldstrafe bedacht. In den letzten Tagen sind z. B. voni Schösiciigericht in Ricsciibnrg zivci GiltSbcsitzcr wegen dieses Vergehens bestraft. Daß die Leute verurteilt iverden, ist höchst merklvürdig. Hat doch das Kammergericht als höchste Instanz iiichnnals, zuletzt erst vor ganz kurzer. Zeit ausgesprochen, daß eine Regicruiigs- Polizcivcrordinuig, welche der Gumbinner Regicrungsbräsident erlassen hatte, die mit Strafe diejenigen Arbeitgeber ländlicher Arbeiter bedrohte, welche Gesinde oder ähnliche Personen in Diciist nehmen, ohne sich vorher die AbzugSschcine der früheren Herrschaft der Leute vorzeigen zu lassen und sich so von ihrer ordnungsmäßigen Entlassung zu üvcrzeuge». u n g ü l t i g ist. Von dieser Kainmergerichts-Entscheidung haben die ländlichen Arbeiter und Besitzer keine Kenntnis, da die Kreisblätter uud die Blättcr mit agrarischer Tendenz. die auf dem Lande in Ost- und Wcstpreiißcii meist gelesen werden, keine Notiz davon ge» nommcn baben. In fast allen Fällen beriibigen sich die Leute daher bei dem Urteil des Schöffengerichts. Für die Arbeiter ist dieser Zu- stand sehr schädlich, da ihnen der Ziehschcin oft vorenthalten odc> nicht rechtzeitig ausgehändigt wird, so daß ihnen die Erlangung eine, anderen Arbeitsstelle sehr erschwert wird.— Armenpflege in Ostpreußen. Man schreibt uns ans Königs- berg: Noch ganz kürzlich versicherten die K l i n ck o iv st r ö m und Konsorten imRcichStaae. daß von einer Not der Leute in Ostpreußen keine Ncde sein könne; die Wohnungen feien nicht schlecht, die Lohne ausveichend und für die kranken und alten Arbeiter werde in aus- rcickender Weise gesorgt. Die Armenpflege läßt aber aus dem Lande in Ostpreußen so oiel zu iviinschen übrig, daß hier Aenderung zur dringenden Notwendigkeit wird. Gutsbesitzer oder Gemeinde», welche für arbeitsunfähige Arme gu sorgen haben, suchen oft so weit es nur irgend angeht, sich ihren Pflichten zu entziehen. Die Orts- oder Gntsanneu werden vielfach in Snillen oder sonstigen unbewohnbaren Lochern einquartiert und in der»»zureichendsten Weise verpflegt. Nicht selten wird aber einfach der Hilfsbedürftige nach der Kreisstadt abgeschoben. Wie den Porschriften des Gesetzes über den NnterstütznngZ- Wohnsitz von den Arineuverbänden entgegengehandelt wird, zeigt folgender Fall: Ai� dem Bahnhof in Osterode(Kreis Osterode) traf dieser Tage eine schwer kranke Frau ein, welche außer stände war zu gehen und die nach dem Wartesaal geführt werden mußte. Auf polizeiliche Veranlassung wurde sie in Privatpflege untergebracht. Als die Frau veniouuuen wurde, gab sie an. mit einem 72jährigen Arbeiter verheiratet und in einem einige Meilen entfernten Dorfe lvohuhafl zu sein. Als sie vor Wochen schiver erkrankte, stellte ihr Mann, der mittellos und außer stände tvar, ihr die nötige Pflege angedeihen zu lassen, bei dem Gemeindevorstand wiederholt den Antrag, die Aufnahme der Frau ins Krankenhaus zu Osterode zu veranlassen. Dei, Gemeindevorstand weigerte sich, dem Antrage stattzugeben unter Hinweis auf die d e r G e m e i n d e e n t st e h e n d e n K o st e n. Die Frau hatte infolge des schlechten Lagers, der ungenügenden Pflege und der Hitze in der kleine» Wohnung entsetzliche Qualen misznstehen. Schließlich konnte sie dieselbe nicht mehr ertragen. Sie verkaufte für 50 Pf. ihr einziges Paar Schuhe; ein Besitzer fuhr sie zur nächsten Bahnstation, nachdem sie ihm ver- s prochen, nach ihrer Genesung dafür ein paar Tage, zu arbeiten. Für die erlösten 60 Pf. konnte die Frau sich die Fahrkarte bis Osterode kaufen, wo sie Halbtod ankam. Dem Besitzer bleibt sie die Arbeit schuldig, da sie im Kreislazarett, wohin sie gebracht werden mußte, bald nach ihrer Einliefemiig st a r b. Bei genügender Pflege und rechtzeitiger ärztlicher Behandlung wäre die erst 50 Jahre alte Frau aller Lsahrscheinlichkeit nach am Leben geblieben. Der alte, erwerbsunfähige Ehemann und ein sieben Jahre alter Sohn haben nun eine recht trübe Zukunft vor sich. In diesem Fall hat eine Gemeinde in geradezu nnverantwort- licher Weise ihre Pflicht nicht gethan, doch wird von Gutsbesitzern oft genug ebenso verfahren.— Tic Volköbersichcrung ein Mittel zur Linderung der „Leutcnot". Die Agrarier sind unermüdlich im Anssinnen von Mitteln, die geeignet sind, die Landarbeiter an die Gntskette zu legcit. In der landwirtschaftlichen Beilage der„Elbinger Ztg." wird ein neuer Vorschlag gemacht. Die Volksversich erung soll als Mittel zur Heranziehung braver Dienstboten und Tage- löhner dienen. ES soll durch dieselbe»Ärbeitern und Dienst- boten ein nettes Kapital gesichert werden, daS nach einer zu bestimmenden Anzahl von Jahren ausgezahlt wird. ES wird vorgerechnet, daß ein 30 Jahre alter Arbeiter, der bis zum 00. Lebensjahr wöchentlich 20 Pf. zahlt, 000 M. ausgezahlt erhalten kann, wenn auch der Arbeitgeber 20 Pf. pro Woche zahlt. Mit einem Beitrage von 10 Pf. pro Woche könne einem Dienstboten eine Summe von 77 M. gesichert werden, welche nach 15 Jahren zur Auszahlung gelangt. Wörtlich heißt es dann in dem Artikel: „Sollte die versicherte Person früher sterben, so kann die Versicherung auf einen anderen Dienstboten umgeschrieben werden, falls man daS auszuzahlende Kapital nicht den Hinterbliebenen zu gute kommen lassen will. Wird das Dienstverhältnis aus irgend einem Grunde aufgegeben, so dehält natürlich die Herrschaft das Verfügungs- recht über die Polie e." Mit echt agrarischer Dreistigkeit wird es als„natürlich" bezeichnet, daß die Poliee in den Händen des Arbeitgebers bleibt, »venu das Dienstverhältnis gelost wird, trotzdem der Arbeiter eben» falls Beiträge gezahlt hat. Die Annahme, daß diese VersicherungSart zur Lösung der Frage der Arbciternot beitragen kann, wird sich, wenn der Versuch gemacht wird, als irrig herausstellen. Durch die geringe Aussicht auf eine kleine Geldsumme nach einigen Jahrzehnten werden sich die Arbeiter nicht ködern lasse». Diejenigen, welche den ostelbischen Gefilden den Nückne kehren, thun daS, um schon jetzt bessere Arbeitsbedingungen zu erhalten.— Strichbnrg i. E., 30. Juli.(Eig. Bericht.) Tie reichSländische A u s w c i s n n g S ch r o n i k hat einen neuen Fall polizeilicher Willkür zu verzeichnen. Der hier in Arbeit stehende italienische Maurergeselle Giovanni C a r a n i n i, ein ruhiger fleißiger junger Mann, bekam am Donnerstag die AuSweisrmgSordre zugestellt und mußte bereits am folgenden Tage Elsaß-Lothringen verlassen. Caranini ist, wie unser Partei-Organ mitteilt, derselbe italienische Arbeiter, der gelegentlich der Verbreitung von Flugschriften der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands gegen die Znchthaitsvorlage in hiesiger Stadt verhaftet lvorden war, ehe er auch nur ein einziges Exemplar der Druckschriften aus der Hand gegeben hatte. Man mußte ihn notgedrungen wieder auf freien Fuß setzen, unterwarf ihn dann einer Haussuchung und zabl- reichen Vernehmungen, konnte aber mit dem besten Willen keine An- klage gegen den jungen Mann formulieren, da er sich eben nicht da» geringste Strafbare hatte zu schulden kommen lassen. eS fei denn, daß man die Teilnahme und thätige Mitarbeit an der Arbeiter- bewegung zu einem Verbrechen stempeln wollte. Die Ausweifnng ist nun die Vergeltung, die unser Ausnahme- und Diktaturregiment an dem„lästig" gewordenen Frenidling übt. Unser Unternehmertum, da« zu Nutz und Frommen de« dreimal geheiligten Geldsackes die braunen Sohne beö Südens zu Tausenden ins Land geholt hat. jubelt den polizeilichen Maßregeln natürlich Beifall zu, wenn »hm die Leute wieder vom Halse geschasir werden, die seine Hoffnungen getäuscht und. anstatt sich als willenlose AuSbentungS- ovjektc gebrauchen zn lassen, ihren Platz in den Reihen der kämpfenden Klassengenossen ausgefüllt haben.— Von der deutschen Schiffahrt. Bei der Thatsache des fortgesetzten und ununterbrochenen Wachsens der deutschen Handelsflotte rst es eine interessante Er- scheinung. daß dieser Aufschwung nur einzig und allein auf die deutsche Nordseeflotte entfällt und daß nicht nur nicht die deuffche Ostsee- flotte an diesem Gedeihen beteiligt ist, sondern sogar von Jahr zu Jahr zurückgeht. Nach den uns vorliegenden Zahlen ist der Geiamt- Rauminhalt dieser Flotte von 449 000 Tonnen im Jahre 1871, auf S2L000To»ncn im Jahre 1890 und 289 000 Tonneu im Jahre 1896 zurückgegangen. Dieser Rückgang entfällt einzig auf die Segelflotte von 439 000 Tonnen in 1871 ans ea. 95 000 Tonnen in 1896. Die Dampferflotte ist in diesem selben Zeitraunr gestiegen von 10 000 Tonnen auf 158 000 Tonnen in 1895. Aber in den letzten Jahren hat auch diese wieder ihren 3Iaumgehalt vermindert auf jetzt ea. 140 000 Tonnen.- An der Hand der amtlichen Erhebungen über den Bestand der schleswig- holsteuischcn Seeschiffe läßt sich dieser Rückgang für diese Provinz im Vergleich der letzten 7 Jahre wieder deutlich erkenne». Im Ostseegebiet waren vorhanden Segelschiffe: Sofort fällt bei gleicher Schiffszahl in 1893 wie 1892 daS Schwinden de« RanmgehalteS der Schiffe um 3566 Register- To»S auf. Das heißt also, die Schiffe sind fortgesetzt kleiner ge- lvorden. Und zwar ist der DurchschnillB-Raumgehalt des einzelnen Schiffes gesunken von 61,2 Tonnen auf 34.6. Ebenso ist auch die auf den einzelnen Raum der Besatzung entfallende Tonnenzahl in obiger Reihenfolge gesunken ans 15,2 von 16,4, 18,1, 17,5, 13,2, 19.1, 20,4. Während in Deutschland sonst sowohl der Ranmgehalt der Schiffe ein größerer und im Verhältnis zur Größe der Schiffe die Be- satzung der Schiffe eine geringere wird, sehen wir hier das gerade Gegenteil. Das gleiche Bild finden wir auch für die Segelflotte Schleswig- Holsteins im Nordsccgebiet. Hier waren vorhanden Segelschiffe: Hat sich hier die SchiffZzahl um 72 in diesen 7 Jahren erhöht, so ist der Nanmgehalt um 5310 Tonnen zurückgegangen, der Dnrchschnitts-Raumgehall des einzelnen Schiffes von 60,5 aus 36 Tonnen und die auf den einzelnen Mann der Besatzung ent- fallende Toimenzahl gar von 20,5 auf 12,2. Die Segelflotte Schlesivig-HolsteinS steht also ctuf dem AilS- sterbe-Etat, in allen ihren Beoiiignngen zur Konkurrenzfähigkeit hat sie sich verschlechtert. Etwas besser sieht es mit der Dampferflotte auS. Im Ostseegebiet hat der Raumgehalt in diesen 7 Jahren von 73 924 Tonnen auf 78 185 sich erhöht, also um 4261 Tonnen, die Schiffszahl um 8 nur. Im Nordseegebiet ist die Steigerung nur 914 Tonnen. Es steht also dem Gesamtverlust der Segelschiffe an Raum- gehalt von 8876 Tonnen nur eine Steigerung bei der Dampferflotte um 5175 Tonnen gegenüber. Die Annahme, daß der Nordostsee-Kanal, in dessen engerem Gebiet gerade dieser Rückgang eingetreten, sich als zum Vorteil der Schiffahrtskreise namentlich'des Ostseegebietes erweisen würde, hat sich nicht bestätigt. Die alles erdrückende Konkurrenz Hamburgs hat auch hier wieder den Hauptvorteil gefunden. Dieser Konkurrenz hat sich die Schlcswig-Holsteinische Reederei nicht zu erwehren vermocht.— Chronik der MajestätSbclcldigmigö-Prozeffe. Nach einer Zusammenstellung der„Bert. BolkS-Zeitnna" kamen im Juli 16 Fälle zur gerichtlichen Verhandlung. Dreimal erfolgte Freisprechung, in dreizehn Fällen wurde auf zusammen 81 Monanm und 1 Woche Gefängnis erkannt,-das sind etivas über 03/i Jahre. In den verflossenen sieben Monaten dieses Jahres hat das Blatt insgesamt 218 Fälle von Majestätsbeleidigungen mitgeteilt, in denen auf ungefähr 710» Jahre Gefäugniö und etliche FestungSstrafen erkannt worden ist.— Ausland. Lcftrcich- Ungar». Wie», 1. August. Ter Wiener Stadtrat beschloß heute in außerordentlicher Sitzung eine Resolution, die Regierung möge so- fort den Reichsrat einberufen und demselben die Verordnung über die Zuckersteuer vorlegen. Die Resolution giebt der Erwartung Ausdruck, daß der Reichsrat die Verordnung nicht genehmigen werde.— Vriinn, 81. Juli. Eine von ctlva 2000 Personen besuchte Versammlung, in welcher Dr. Adler aus Wien sprach, wurde beute Abend nach zweistündiger Daner aufgelöst. Auch zwei Frauen- Versammlungen wurden aufgelöst. Frankreich. Zur„Affaire". Wie wir schon in letzter Nummer unter „Lebte Nacbricbte»" meldeten, ist das Verfahren gegen du Paty de Clam infolge gerichtlichen Beschlusses eingestellt und du Paty gestern in Freiheit gesetzt worden. Der Ausgang der gerichtlichen Nntersnchung mag überraschen, war aber nach den Aussagen du Paths vor dem Kassalionshof. die der„Figaro" am Sonntag brachte. mit ziemlicher Sicherheil vorauszusehen. den» diese Aussagen beweisen, daß der ehrenwerte du Patt? nur der willen- und skrupellose Vollstrecker der Befehle der noch chrcnwcrtcren Generäle Gonsc und Boisdeffre gcweseil ist. Nach dein Bericht des„Figaro" versicherte»ämlich du Paty de Elam, daß er bei dem DrcyfnS- Prozeß bis zum 16. Oktober 1807 in keine Machenschaften verwickelt lvar. An jenem Tage ließ General Gau sc ih» aus dem Bureall der militäriichen Operationen holen und unterrichtete ihn in Gegenwart Henrys von der Campagne. die zn GiUlsten TreyfnS und gegen Csterhazy nnteniommen wurde. Efterhazy wurde ihm als ein wür- diger Offizier geschildert, den man deshalb vor einem überstürzten Schritte bewahren müsse. Während mehrerer Tage beratschlagte man darüber, wie Esrerhazy verständigt werden solle. General Ganse bereitete ein.anonymes Schreiben vor, allein der Kriegs« minister verbot dieses Mittel. General Gonse kam mit dem Bescheid des Ministers zurück, und sagte in Gegenwart du PalyS lind Henrys:„Da stehen wir; Sie keimen die Lage; Sie begreifen I" Und Henry bemerkte:„Sie begreifen, was das sagen ivill!" Und du Paty begriff.„Man hatte mir", sagte er,„daS Ziel gezeigt und ich ging direkt und energisch darauf lo»."_ Im weitere» bedauert du Paty de Clam, daß General Goiife ein so schlechtes Gedächtnis habe, denn dieser mußte davon wissen, daß er mit Efterhazy in Beziehungen siand. Diese horten mit dem Tage auf, da General Boisdeffre ihm verbot, Efterhazy zu sehen. General de Boisdeffre hatte von ihm verlangt, Vermittler ausfindig zu machen, was auch geschah. Später befahl ihm General Gonse, Tözenas. den Verteidiger EsierhazyS, zu sehen; für den ersten Besuch empfahl der General ihm eine blaue Brille anzulegen. Seine Vorgesetzteil haben also seine veziehlingeii zu Efterhazy veranlaßt, gekannt mid ausgenutzt. Er konnte um so weniger persönlichen Beweggründen dabei gehorchen, da auch Henry, Gribelin, Pauffin de Sainl-Morek, Generale und Advokaten in den Handel verivickelt waren. Du Paty venvabrte sich de« ent- schiedensten dagegen,„sein Werk", d. i. den DrcyfnS-Prozeß mit allen Mitteln verteidigt und Henry die bekannte Fälschung ein- gegeben zu haben. Er selbst hegte einen Augenblick Zweifel an der Schuld DrehfnS; allein General de Boisdeffre beschwichtigte diese mit den Worten:„Seien Sie beruhigt; es liegen n»s Ihnen nn- bekannte Beweise vor, die keinen Ziveifel mehr gestatten." Auch an der Fälschung Henrys zweifelte du Paty»nd äußerte dies- bezüglich seine Bedenken vor dem General Gonse, und dieser Haltung schreibt du Paty die gegen ihn gerichtete.Kampagu» zn. Du Paty verivahrte sich dann noch des entschiedeustzeil gegen die ihm anfgehalsten Anschuldigungen und beklagte sich bitter darüber, daß seine Vorgesetzten, die ihm ihren Schutz versprochen, ihn im Stiche ließen. „Figaro",„Matin" und andere Blätter erklären denn auch bereits, der Ausgang des Verfahrens gegen du Paty de Clam könne nur bedeutni, daß du Paty de Clam seine Haudlimgeit auf Befehl der Vorgesetzte» begaugei« habe. In diesem Falle sei seine Frei- sprechuug die Verurteilung der Generäle de Boisdeffre, Gonse und Pcllieux. Man erwartet in Konsequenz der Freilassung du PatyS nunmehr Maßregeln gegen Boisdeffre und Gonse. Der„Figaro" veröffentlicht den Wortlaut der Briefe de? DreyfnS an die Präsidenten der Kammer nnd des Senates, die von dem damaligen Ministerpräsidenten Mölme nicht an ihre Bc- stimmung weitergegeben, sondern zu den Akten gelegt worden sind. Ferner veröffentlicht der„Figaro" verschiedene Briefe, welche DrcyfnS an den KriegSminister und den Präsidenten der Republik in den Jahren 1897 und 1898 richtete. Der Verurteittc beteuert darin seine Unschuld und fordert die Revision dcS ProzesM. i Serbien. Die russische„Nowoje Wremja" über das Attentat ans Milan. Die offiziöse„Nowoje Wremja" hat, wie auch andere Blätter, von der serbischen Gesandtschaft in Petersburg eine Zuschrift erhalten, die erklärt, daß die Mehrheit aller in letzter Zeit in der Presse, auch der ausländischen, veröffentlichten Nachrichten ans Serbien aus ungenanen und tendenziösen Quellen stammt. Der Mordversuch an Milan wäre nicht nur mit Absicht und Ueberlegnug, sondern auch nach langwieriger Vorbereitung der Verschworenen aus- geführt worden. ES wäre ein außergewöhnliches, aber kein Kriegsgericht, das die Uitterslichung streng aber gesetzmäßig führe. Kein Angehöriger der radikalen Partei sei verhaftet tvcgcn scincr politischen Gesinnung, sondern nur Leute, gegen die ernste Verdachtsmomente wegen der Teilnahme an der Verschwörung gegen das Leben dcS Exkönigs borlägen. Als Beweis diene, daß keiner der Führer der radikalen Partei, wie Grnitsch, Simitsch, Vnilsch u. a. verhaftet und auch nicht einmal zur Verantwortung gezogen seien. Wie die„Nowoje Wremja' zn diesen Angaben bemerkt, ividerspricht die sehr kategorische Erklärung der serbischen Gesandtschaft den offenbaren Thatsachen. So sei Grnitsch, der Petersburger serbische Gesandte, nicht nur semes Postens im Zusammenhange'mit dem Attentat enthoben, sondern auch seines Generalsranges entsetzt worden, und zwar nicht einmal durch ein offizielles Urteil irgend cincs„außergetvöhnlichen Gerichts". Ferner sei bekannt, daß Pasltsch, der kaum daS Gefängnis verlassen hatte, sofort nach dein Attentat von neuem verhaftet wurde, obgleich es wunderbar sei, daß er vom Gefängnis aus in dieser Angelegenheit Verbiudiingeit habe unterhalten tonnen. Schließlich seien ja auch der Minister des Aeußeren Talischanowitsch und viele andere mehr oder weniger bekannte Radikalen verhaftet worden. Daher müßten die Behauptuiigeu und Ausführungen der russischen wie der ausländischen Presse durchaus aufrecht erhalten werden. Belgrad, 31. Juli. Nach Mitteilungen ans amt- lichen Kreisen ist die Abberufung des serbischen Gesandten in Petersburg, Grnitsch, wegen eines Briefes erfolgt, in welchem derselbe seine Verwunderung darüber ausdrückt, daß das serbische Volt gegenüber den Znständeil in Serbin eine so indifferente mit seiner heldenhaften Vergangenheit unvereinbare Haltuiig beobachte. Da weder Grnitsch noch auch der frühere Finanz», inister Vuitsch an dem Attentate beteiligt waren, so sind dieselbe» nicht weiter belästigt worden. Beide sind bereits ins Ausland abgereist.— Nnstland. Nnstland und die Friedenskonserrnz. Die rlissische Presse ist über de» Ausgang der Friedensloitfereuz in arger Verstimmung, die sich vorwiegend gegen die Vertretung der ansländiscben Staaten richtet. Die„Nossija" erblickt einen rein moralischen Gewinn der Konferenz mir darin, daß„vor allem die deutsche Regierung ge- zwnngen worden ist, ihren Widerstand gegen die FriedenSidee offen kund zn thnn", die gosanile Knlturivelt iverde von nun ab wissen, lvem sie die übermäßige Belastung der Völker verdankt.— Amerika. New Dork. 31. Juki. Das vom„New Dork Herald" ver- osfentlichtc Jntervielv mit Admiral Dewey, nach welchem dieser er- klärt haben soll, der nächste Krieg Amerikas werde mit Deutschland zu führen sein, stellt sich immer mehr als eine Fälschung heraus. Die„New Jork World" meldet aus Washington: Staats- sekretär Hay und Marinesekretär Long erklärten eS für unmöglich. daß Admiral Dewey die ihm zugeschriebenen Aenßerungen über Detltschland gethan habe.— Nach einem Telegramm der„New Aork World" ans Trieft bemerkte Dewey, als ihm das Jntervielv gezeigt lvnrde, das die angeblich von ihm gethane Aeuße- rnng enthält, er habe gar keine Zeit, daS seit seiner Aiikunft in Trieft über ihn Veröffenttichte zu bestätigen oder zn dementieren. Auch mehrere andere ameritemsiche Blätter lassen sich in ühnlickter absprechender Weise aus.„Evening Post" sagt, daS Jntcrvietv gehöre zu den ZeitungSmeldnngen, die Dewey selvst gebrandmarkt habe. Der„Commereial Advertiser" nennt das Interview die erstannlichstc Unverschämtheit.„New Dork TimeS" und„New Dork Tribüne" wollen von dem Interview nichts wissen, weil eS zu dumm fei.„Boston Neeord" meint, Dewey sei zu diskret, um sich io zu äußern. Das„Boston Jonrunl" zieht das Jntervielv ins Lächerliche und nennt es eine Unmöglichkeit für Dewey.— AuS der Republik Tomingo. Nach telegraphischcn Nachrichten ans Kingston(Jamaika) herrscht in San Domingo seit dem Tode des Präsidenten Houreaux eine revolnlionäre Gährung, die immer weiter um sich greift. Die Anhänger JimeiieS bereiten zu dessen Gmistei, eine Erhebung gegen den bisherigen Vieepräsidenten General Figuereo vor, der vorläufig die Präsidentschaft übeniommen hat. Wie eS heißt, ist ein Teil der Revolnlionäre geneigt, eine Abordnung an den kubanischen Jnsurgentenführer Maximo Goniez zit senden, um diesem die Präsidentschaft anzubieten. Von der Regierung der Ver- einigten Staaten von Nordamerika sind das Kanonenboot„MachiaS" — zur Zeit tu San Juan(Portoriko)— n»d der Kreuzer„New Orleans" nach San Domingo beordert. NKvkoi�Msufzvilsztons Das Jubiläum rineS Rieselt- SocialistcnprozrsscS. Die Elberfclder„Freie Presse" schreibt:„Am 18. November d. I. tvird die Stadt Elberfeld ein eigenartiges Jäbiläum begehen. An diesem Tage sind eS 10 Jahre her, daß eine Ricsenletstung von Spitzelci und strebsamer staatsamvaltlicher Arbeit in einer unbändig dicken Anklageichrift niedergelegt, vor aller Welt geprüft werden konnte. An diesem Tage begann nämlich vor dem hiesigen Landgericht der Riesen- GeheimbundSprozeß gegen die durch Polizei und Staatsanwalt vereinigten Socialdemokraten von Barmen- Elberfeld und Umgegend. Unzertrennlich verbunden mit diesem Prozeß sind die Namen Pinoff nnd Kamnihofi, die mehrere Jahre lang ihre Nasen in alles gesteckt hatte«; ihnen tvar eine Anzahl mehr oder minder scharfsichtiger Spitzel ergeben. die dieselbe Thätigkeit vermittelst ihrer Rasen vollbrachten. Einer der letzteren wurde sogar berühmt, denn Pinoff attestierte ihm vor aller Welt, daß er die' Polizei der ganzen Monarchie blamiere. Wie gesagt, fleißig ivarcn Pinoss. Knmmhoff nnd die Spitzel, so fleißig, daß man eS begreifen kann, wenn sie alle mehr oder minder etivas nervös wurden. Diese Nervosität kann aber auch herrühren von der peinlichen Sorgfalt, Geiianigleit, Ehrlichkeitze., mit dem alles gesammelte Material geprüft und gesichtet wurde. Doch die Einzelheiten wolle» wir heute nicht besprechen. Wir lvollten nur gewisse Verdienste um genannten Prozeß belohnt sehen. Am 4. Juli wurde nämlich im Stadtrat viel gestritten um die Figuren, die am Acllßereil des RalhailseS anzubringe» sind. ES wurden Männer ans der alten bergischcn Geschichte vorgeschlagen, die bestimmt werden sollen, am Rathaus angebracht zn werden. Da mochten wir denn ersuchen, die neuere Geschichte nicht zu vergessen. Wir empfehlen deshalb, je eine Nische an der Front für Pinoss und Kanuuhoff anzmveisen. Nicht. daß diese lebendig darin thronen sollen, dafür haben sie zu wenig Zeit. Aber in Stuck sind sie immerhin dort anzü- briugen. Den ausführenden Künstlern ist es vorbehalten, nebenbei noch den Wert der Spitzelei und des Denniiziantcntnms für Staat nnd Gesellschaft allegorisch darzustellen. Wer Interesse für die Ge- schichte Elberfelds hat. ivird uns zugeben müssen, daß dieses Stück Geschichte der Stadt Elberfeld nicht im Zeitenstromc untergeben dazf, sondern durch ein äußeres stchbarcö Zeichen stets dem Boll in Er- tniicrinlg gebracht tverden muß.— Sehr ivahrschemlich auch wird die soci'aldcmokratische Partei am 18. November eine» historischen Festzng veransialtcn. in tvelchein die damaligen Vorkommnisse bei Beginn deS Prozesses möglichst getreu dargestellt werden sollen. Abends soll iit einem nichtboykotlierten Lokale eine Festvorstellung «Der entlarvte und lmsanft behandelte Spitzel" stattfinden." Totenltste der Partei. In Leipzig starb am Somiabend der Korbmacher Robert Schäfer in hohem Alter. Er tvar schon vor der Zeit des SocialisiengesetzeS eifrig für die Partei thätia niid einer der Mitbegründer des anfangs der 70cr Jahre geschaffenen Arbeitervereins Gohlis, Fi«, tische Arbeiterpresse. Zur JNiistrimmg der finnischen Arbeiterbewegung, die eben vor der Thatsnche steht, eine politische Pnrtei zu begründe», mögen die Prefieverhültiiisse dienen. Vor fünf Fuhren wurde die Wochenschrift„Työmiss�(„®er Arbeiter") in Hclsiugfors begründet. Sie ivar nnfcmgS nur ein gcwcrkfchnftliches Blatt. In 3 Jahren betrug die Aufloge 2000. Seit Kurikkas Ab- gang, von dem wir berichtet haben, ist sie mehr socialistisch, da sie der Eiscnbahuarbeiter und Parteimaun Axel Wendel redigiert. Das Blatt hat seitdem sehr an Abonnenten zugenommen und bereits die Zahl f)o00 erreicht. So kommen aber Inglich neue hinzu. In Aeho erscheint wöchentlich einmal„i-iinsisnonasn Työmies"(„Westfinnlands Arbeiter") unter Leitung des Taivii Tainio und K. F- Nellsten, beide Socialisten. In Tannverfors erscheint auch ein rein socialistisches Blatt „Laus» I-slcleti"(„Bolksblatt") dreimal wöchentlich. Nedacteur ist Kösli Kostriuen. In K o t k a wird eine Zeitung geplant, ebenso in Uleaborg und W a s a: man hofft auf Unterstützung durch den Kongreß. Der schweb, social. Verein giebt in HeliingforS eine Wochenschrift heraus. Außerdem erscheint alljährlich ein Arbeiter-Kalender und eine Maifestnumn, er„Dyüvaeu Kevot-Lethi" („Der Arbeiter-Frühliugsgrutz"). Eine Uebcrsetzuug von 5larl Kautslys„Erfurter Programm" hat I. K. KaiS in Vorbereitung�_ Berlin und llmgegend. Äeste Vcrcinbarmigcn im Bangctvcrbc. Durch Zuschrift an das Gewerbegericht zu Berlin ain 13. Juli d. I. gab der Vorstand des Arbeitgeberbundcs bekannt, daß er es ablehnt, vor dem Eiuigungsaint in Berlin mit den Zimmerern über Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen für das Zimnierergeiverbe zu ver- handeln. Als Grund wurde angegeben, daß der Arbcitgebcrbund direkt mit den Zimmerern verhandeln wolle. Demzufolge nahmen die Zinmiercr beider Richtungen nochmals dazu Stellung und ent schlössen sich, dem Ersuchen des Arbeitgeberbundcs stattzugeben, in der unverkennbaren?lbsicht, nichts zu unterlassen, was einer fried- lichcu Ausciuandcrsctzuug förderlich sein könnte. Nachdem der Vor- stand des Nrbeitgcberbnndes hiervon unterrichtet worden war, erging seitens des Bundes unterm 22. v. M. an die bis dahin bestandene Scchscr-Kommission der Zimmerer die Auffordcnmg, eine Kommission von 9 Personen und 9 Stellvertretern zu wählen, welche mit den Vertretern des Arbeitgcbcrbuudcs in Verhandlung treten solle. Dieser Aufforderung ivurde ohne weiteres Folge geleistet, und von beiden Richtungen je 4 Personen und 4 Stellvertreter in diese Kommission hinein delegiert, während die 9. Person vom Ausschuß der Berliner Gewcrlschasiskommission gestellt wird. Der erste Verhaudlungstcrinin ist� nunmehr auf Freitag, den 4. August, nachmittags 5 Uhr, fest gesetzt, woran sich eventuell sofort die Berichterstattung über die Verhandlungen mit dein Arbcitgeberbund anschließen wird. Der Stand deS Streiks der Steinmetzen hat eine wesentliche Uenderuug, wie in der Versammlung, die gestern(Dienstag) im „Englischen Garten" tagte, konstatiert wurde, nicht erfahren. Die Situation ist also nach wie vor günstig für die Ausständigen. Zur Kontrolle haben sich am Sonnabend bei der Lohnkomniission 173 Verheiratete mit 272 Kinder und 159 Unverheiratete, insgesamt 332 Steinmetzen gemeldet, die am Streik beteiligt find. Ab gereist find von den Ausständigen bisher etwa 50 Mann. 85 Steinmetzen arbeiten bereits zu den neuen Bedingungen. Natür> lich sind die Jnnungsmeiftcr bestrebt, die Unternehmer zu veranlassen, die Bewilligungen rückgängig zu machen. In Buuzlau sind wieder Verhandlungen angebahnt. Doch ist seitens der Buuzlauer Steinarbcitcr erklärt worden, daß sie die Arbeit nicht eher wieder aufnehmen werden, bis den Berlinern die Forderungen bewilligt find. Jir hervorragender Weise wird die Bewegung.moralisch durch die Maurer auf den Baustellen unterstützt. Das gleiche gc- schieht auch von den Steiubildhauern, ebenso haben auch die audercu Gewerkschaften den Streikenden ihre Sympathie erklärt. Die Ausständigen selbst stehen einmütig zusammen und sind gewillt, den Streik weiterzuführen, bis ihre Forderungen anerkannt werden. Sic weisen auf das entschiedenste die Behauptung der Unternehmer, daß der Streik ein frivoler und damit der gemeinsam vereinbarte Vertrag gebrochen worden sei, zurück. Nicht nur, daß der frühere Tarif beständig von den Uutcrnchincrn unigaugen und zu Un gnnsten der Arbeiter durchbrochen wurde, kommt noch hinzu, daß die Ver- einbaruugen mit der alten Innung getroffen wurden, die sich längst aufgelöst hat und mit der gegenwärtigen Innung durch ihre eigene Schuld gar keine Abmachungen bestehen. Wie verlautet, sind die Unternehmer zum Teil gar nicht abgeneigt, den Stundenlohn von 70 Pf. und die achtstündige Arbeitszeit zu beivilligcn, aber sie wollen einen Accordtarif beibehalten, um dadurch in der Lage zu sein, ganz nach Willkür gute Arbeiten in Tagelohn und schlechte Arbeiten, wobei nichts verdient wird, in Accord vergeben z» können. Darauf werden die Arbeiter unter keinen Umständen eingehen, weil sie mit diesem Lohnsystcm in den letzten Jahren sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Nach längerer Diskussion wurde von der Versammlung gegen eine erhebliche Minorität ein Antrag angenommen, nach welchem die Lvhnkonimission den Unternehmern mitteilen soll, daß die Ausständigen auch jetzt noch bereit sind, zur Beilegung des Kampfes in Verhandlung z u treten. Außerdem wurde beschlossen, daß die zu den neuen Be- dingungen Arbeitende» 10 Proz. vom Verdienst bis auf weiteres ab- zuführen haben. Den Unverheirateten wurde aufgegcbc» bis zur Beendigung des Kampfes Berlin zu verlassen. DaS Wirken des Einigungöamtcs. Wie vorteilhaft die Thätigkeit des von dem Berliner Gelverbegericht vorgeschlagene» EiuigungSamtes im Baugewerbe auch für die Arbeiter sein kann, ist durch viele Fälle in letzter Zeit erwiesen. Die streitenden Parteien babcn sich iimner durch das Eingreifen der Kommission geeinigt. Ein Fall sei aber hier besonders hervorgehoben, der sich am Neubau deS IV. städtischen Krankenhauses an der See- und Föhrerstraße ab- spielte. Es galt einen Streit zu schlichten, der wegen Entlastung niehrerer Maurer infolge des Steiumetzstreiks entstand. Der Bau- meister ivar aus irgend eiiieni Grunde zu den Verhandlungen nicht erschienen. EL wurde nun selbstverständlich mit dem Bauleiter, dein ersten Polier, in Verhandlung getreten, und waren die Verhandlungen zu beider Zufriedenheit nahezu abgeschlossen, da erschien plötzlich cm Herr der städtischen Bauleitung, der der Kommission, bestehend aus Vertretern der Arbeiter und Unternehnicr bedeutete, daß sie sofort den Bauplatz zu ver« lassen haben. Wir wissen nicht, ob der städtische Bauführer im Einverständnis mit seiner vorgesetzten Behörde handelt, wenn er sich über den Schiedsspruch des Gelverbegerichts hinwegsetzt, oder ob man es hier mit einer eigenmächtigen Handlungsweise des Bauführers zu thun hat. Allerdings die Abneigung gegen das Eingreifen des Gewerbe- gerichtS hat die städtische Behörde mehr als einmal bei anderer Ge- legcuheit offen bekundet. Die Unternehmermucken stecken dem Koni- munal-Freisinn zu tief im Fleisch. Deutsches Reich. Verloren gegangen ist der Streik der Branden- bnrger Töpfer. Erreicht wurde nichts, die Zahl der zugereisten „Arbeitswilligen" war so groß, daß es zwecklos schien, den Ausstand noch ferner aufrecht zu erhalten. Der Düsseldorfer Manrcrstrcik ist beendet, nachdem die Unternehmer einen Lohnzuschlag von 3 Pf. pro Stunde bewilligt haben. Nach Wicdcraufuahnie der Arbeit ivird ein Gesellenausschuß gewählt, der die weiteren Forderungen bezüglich der Arbeitszeit mit den Meistern vereinbaren soll. Der Streik der Stuttgarter Möbelarbeiter bat, wie bereits kurz gemeldet, für die Arbeiter mit einem vollständigen Siege geendet. Die Fabrikanten haben die Forderungen der Arbeiter bedingungslos anerkannt. In der Hauptsache siiid diese Forderungen: neunstündige Arbeitszeit; 7 Proz. Lohnerhöhung; sofortige Verein- barnug des Lohnes nach Beginn des Arbeitsverhältnisses; Ent- schädigung unverschuldeter Zeitversäumnis; für Ucberzeitarbeit 25 Proz., Sonutagsarbeit 50 Proz. Aufschlag; Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Ferner wird eine Art Schiedsgericht, be- stehend aus je 5 Mitgliedern der Arbeiter und der Fabrikanten, �ur Schlichtung der Streitigkeiten eingesetzt. Das bedeutet eine priucipielle Anerkennung der Organisation der Arbeiter. Ans dein Plancuschcn Grnnd wird gemeldet: Auf dem Stein kohlen werke des Freiherrn v. Burgck ist plötzlich ein Streik der Förderleute ausgebrochen. Es streiken gegen 150 Maiin. Sie fordern u. a. 3,50 M. Lohn. Der weitere Verlauf ist noch nicht abzusehen. Ein Manrcrstrcik ist in Minden(Wests.) ausgebrochen. Die Maurer haben im Dezember v. I. ihre Forderungen den Meistern zugestellt, und diese, mit Ausnahme von zweien, haben noch nicht einmal eine Antivort daraus gegeben. Deshalb wurde am Moiitag die Arbeit eingestellt. Briefe nffv., den Ausstand betreffend, sind zu senden an K. L i tz i n g e r, Minden i. W., Ritterstr. 2. Die Lohnbcwcgnng der Varbicre in Reiherstieg-Wilhelms- bürg ist zu Gunsten der Streikenden beendet, da ihre Forderungen in sämtlichen Geschäfte� bewilligt wurden. Die Errichtung ciiicö ArbeitcrsekrctariatS für Brcinc» ist durch Abstimmung der dortigen GcivcrkschaftSmitglieder be schloffen worden._ An die baugewcrblichc» Arbeiter Teutschlands! Die unterzeichnete Kommission hat im Laufe der letzten Wochen an die örtlichen VertrauenSniäuucr. die in der Sache des Bau- arbciterschutzes thätig sind, die Auleitungsbüchcr und die all gemeinen Fragebogen versandt. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, die'Anweisungen, die aufgestellten Fragen und die Bestimmungen der UitfallverhütungS- Vorschriften der einzelnen Baugclvcrks-Bcrufsgenoffcnfchaftcn zu beachten. Ganz be sonders ist die spccicllere Zujammeustcllung dieser Vorschriften dazu angcthan, den kritischen Blick zu schärfen und andererseits bei dem Vergleiche auch die Mängel der Unfallverhütungs-Vorschristcn der zuständigen Baugcwcrks- Berufsgenoffenschaft, wie der ortsbau- polizeilichen Schutzbestimmungen hervortreten zu lassen. Wir be halten uns vor, in der nächsten Zeit eine Zusammenstellung aus dem Baupolizei- Gesetzen der Bundesstaaten Teutschlands der Oeffcntlichkcit zu übergeben. Den Vertrauensmännern, die sich der Aufgabe unterziehen, die Bauten zu kontrollieren, erlauben wir uns zu empfehlen, sich ei» Notizbuch anzulegen, worin die Namen der betreffenden Unternehmer, Straße er., wie die sanitären und sittlichen Mängel des Arbeiter schutzcs der Baubetriebe genau verzeichnet werden können. Die Bücher sind für den Fall weiteren Ge- brauches aufzubewahren. Im übrigen machen wir darauf aufmerksam, daß neben der Ausfüllung des allgemeinen Fragebogens der Centralkommission ein uin- fassender Bericht einzusenden ist. Zu unserem Bedauern müssen wir konstatieren, daß eine be deutende Zahl Orte sich unserer Bewegung»och nicht angeschlossen und keine Fühlung mit der Centralkommission hergestellt haben. Vor allem erwarten wir. daß die örtlichen Leiter der baugewcrblichcn Organisationen sowie diejenigen, die auf dem Kongreß für Bau arbeitcrschutz die Sache ihrer Berufskollegen vertreten haben, nun ihre Pflicht thun. Aber nicht allein die Leiter der Organisationen (die oft mit Arbeit überbürdet) sollen hier thätig sein, sondern wir alle müssen eingreifen. Für einen größeren Teil unserer geistig fort- geschrittenen Arbcitsgcnvsscn giebt es hier ein Gebiet, sich Verdienste voll zu bethätigcn. Die Unterstützungen, die uns die örtlichen Gelvcrkschaftskartelle durch ihre Anregungen bis jetzt gewährt haben, sollen hier dankbar anerkannt werden. Um mit den unwürdigen Verhältnissen im Baugewerbe ordcnt- lich aufzuräumen, bedarf es einer anstrengenden Arbeit. Zeigen wir, daß wir unserer Aufgabe gewachsen sind! Mit Gruß! Die Centralkommission für Bau arbeitcrschutz z u Hamburg(G. H c i n k c). Alle arbeiterfrcnndlichcn Blätter werden um Abdruck gebeten. Ausland. Zur MassciianSsPcrrnug in Dänemark läßt sich das„Bcrl. Tageblatt" melden, daß zivischcn den Vorsitzenden der Unternehmer- ivie der Arbeiterorganisationen ein Präliniinarfricde unterzeichnet worden sei, der noch heute, Dienstag, von den Gesamtvorstäuden angenommen und in den nächsten Tagen von den Gcncralversamm- luugcn ratifiziert werden würde. Diese Meldung entspricht, den Thatsachen nicht. Nach unseren öfort tclegraphisch eingezogene» Erkundigungen schweben zwar Ver- Handlungen, doch haben dieselben noch zu keinem irgendwie greifbaren Resultate geführt. Der Kampf geht zunächst ungehindert feinen Gang. Ucbcr den Ausgang der Verhandlungen ist noch gar nichts zu sagen. Die klaffenbcwußten Arbeiter Deutschlands mögen in ihrer Opferwilligkeit für ihre dänischen Brüder nicht erlahme». Der Bund der Maschinisten und Heizer in den Niederlanden hatte vor einiger Zeit an die Rheder von Rhein-Schleppdampfern in einem Cirlular verschiedene Forderungen gestellt, die auf Lohnerhöhung, Nichtbcschäftigüng von Nichtbuudesglicdcrn, gehörige Sountags- uud Nachtruhe, sowie Anstellung von ausreichendem Maschinen- personal hinausliefen. Da dieses Cirkular unbcantivortct geblieben, so proklamierte der Bund Sonnabendabend den Streik, der sich auf alle Plätze mit Rheiuscknffahrt erstreckt und den gesamten Transitverkehr schwer in Mitleidenschaft ziehen kann. Der Bund der Rhein- und Biuuenschiffer hat den Streikenden seine Sympathie bezeugt, die auch bei den außerhalb der Organisation stehenden Fach- genossen Unterstützung findet. Die Meldungen über eine Ausdehnung des Streiks lauten widersprechend; 19 Schiffe mußten die beabsichtigte Absahrt von Rotterdam unterlassen und vier Reeder sollen bereits die gestellten Forderungen unterzeichnet haben. Die Dordrechtsche Streik- kommission befährt in einem Dampfboot den Fluß behufs weiterer Bekanntmachung des Streikbeschlusses. Ausgleichsverhandlungcn sind bereits angebahnt und sie bieten, wie dem„Handelsblad" gemeldet wird. Aussicht auf Erfolg. Französische Streiks im Juni. Der namentlich infolge der Weltausstellungs- Vorbereitungen fortdauernde industrielle Aufschwung bewirkte auch im Juni eine ungewöhnlich starke und aggressive Streik- bewcguug. Das Arbeitsamt verzeichnet 63 Streiks mit mehr als 20 767 Teilnehmern(für mehrere Streiks ist die Teilnehmcrzahl noch unbekannt) gegenüber 26 Streiks mit bloß 2333 Teilnehmern im Juni des Vorjahres. Die zahlreichsten und größten Streiks entfallen auf die Bau-, Metall- und Kohleniudustrie, die drei im höchsten Aufschwung befindlichen Jndustriezlveigc. Das Departement Saone- et- Loire zählt allein 13 Streiks mit über 15 000 Teilnehmern für 14 derselben. Es ist der Streikherd, dessen Mittelpunkt der siegreiche Streik der 10 000 Kohlcngräber von Montccau- les- Mines. Mit fünf Ausnahmen (Kampf gegen Lohnherabsetzungcn) sind alle Streikforderungcu aggressiver Art. Man zählt unter anderem 52 Lohn-Angriffsstrciks, die freilich nur in wenigen Fällen zugleich der Verkürzung der Arbeits- zeit galten. Von den 63 Streiks sind 45 beendet worden, darunter neun mit einem Erfolg, 21 mit einem Ausgleich und 15 mit einem Mißerfolg._ Sociales. Die Zahl der Bettler»iid Landstreicher steigt und fällt mit der jeweiligen Geschäftslage— das lvciß»achgerade jedes Kind; für die Arbciterfcinde aller Gattungen freilich bleiben die Arbeitslosen nach wie vor allesamt„Faullenzcr",„Bummler",„Arbeitsscheue". Die Statistik straft dieser spießbürgerlichen Ansicht Lügen. Vor nnS liegt eine Statistik des G r o ß h e r z o g t u m s Hessen, aus der hervorgeht, daß seit Mitte der 90cr Jahre, seitdem die Geschäftslage sich dauernd gehoben hat, die Zahl der lvcgc» Bettclus Bestraften stetig gesunken ist. Es wurden wegen Bettclns im Großhcrzogtum Hessen bestraft: 1894: 2746, 1895: 2533, 1896: 2214. 189?': 1963, 1893: 1653. Wem dieses Beispiel noch nicht genügt, der sehe sich folgende Ziffern an: Es wurden wegen Bettelus in Hessen bestraft vom 1. Dezember 1897 bis dahin 1893: Winter(Dezember— Februar).. 676 Frühling(März— Mai)..... 379 Sommer(Juni— August).... 300 Herbst(September— November).. 368. Ter Achtstundentag in Rnffland. In Nr. 184 der„Peter- b u r g s k i j a W e d o m o st i" vom 21./9. Juli finden wir unter der Ilcbcrschrift:„Ein neuer Versuch mit dem achtstündigen Arbeitstag" folgenden interesiauten Bericht. In der. großen Papierfabrik von K. Wargnnin in Uglitsch(Gouvernement Jaroßlaw) wurde ini Dezember vorigen Jahres, mit Einwilligiuig des Fabrikinspektors, den Arbeitern angekündigt, daß vom 1. Januar eine neue Fabrikordunng in Kraft tritt, bei welcher zwar die Arbeit wie bisher ununterbrochen Tag und Nacht andauert, aber anstatt der bisherigen zwei Arbeiter- ablösungen a 12 Stunden pro Tag, jetzt drei Ablösungen zu je acht Stunden eingeführt werden sollen, wobei der Tages- oder Wochcnlohn für die Arbeiter derselbe wie früher beibehalten wird. Die Arbeit beginnt 6 Uhr früh und dauert bis 2 Uhr mittags, dann wird die erste Arbeiterkolonue durch die zweite abgelöst, welche von 2 Uhr mittags bis 10 Uhr abends arbeitet, dann tritt die dritte ein von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh. Jede Woche wechselt die Reihenfolge der Ablösungen, wobei jeden Sonntag zwei Arbeiterkolonncn 20 und 24 Stunden arbeitsfreie Zeit haben. Trotzdem das Gesetz bei acht- stündiger Arbeitszeit es für nicht obligatorisch erklärt, an Sonn- und Feiertagen die Arbeit einzustellen, wird auf der Warguuinschcn Fabrik am Sonntag zwar gearbeitet, die Feiertage jedoch— und deren sind im russischen Kalender gar viele— sind den Arbeitern freigegeben. Da den Arbeitern nickt gestattet ist, während bedacht Stunden die Fabrikräume zu verlassen, so muffen sie auch das Thcc- trinken und das Essen in diesen Räumen besorgen, wozu eine besondere Theehalle mit allen nötigen Vorrichtungen eingerichtet ist. Diese neue Fabrikordnung ist vorläufig nur in � jenen Fabrikabtcilungen gültig, in welchen über 500 Arbeiter beschäftigt sind, von deren aufnierksanicrcr und energischerer Handhabung der Maschinen ein Erfolg für die Fabrik zu erwarten ist, während sür die übrigen im Hofe arbeitenden Tagelöhner und Handlanger die alte Ordnung mit 11 stüudigcr Arbeitszeit beibehalten worden ist. Jetzt stellt der Bericht die Vorteile dar, welche durck die neue Fabrik- ordnung für beide beteiligten Parteien schon ivähreud des ersten Halbjahres sich erwiesen haben. Die Arbeiter, meistens in Uglitsch oder in den benachbarten Dörfern ansässige Kleinbürger haben die Möglichkeit erhalten, ihre kleinen Wirtschafte» in gehöriger Weise zu versorgen, da sie nun 16 freie Stunden iin Tage haben bei gleichem Lohne ivie früher. Sie benutzen die Zeit. in ihren Gemüsegärtchen zu arbeiten oder auf Fischfang oder aus die Jagd zu gehen, ivobei sie nicht mir ihre wirtschaftliche Lage ver- bessern, sondern durch die Arbeit in frischer Luft ihre Gesundheit, welche durch die Fabrikarbeit geschädigt wird, tvieder herzustellen. Bei der Fabrik befindet sich auch eine Bibliothek, für deren Be- rcichenuig an Büchern die Administration jährlich 200 Rubel spendiert. Es arbeiten auf der Fabrik oft ganze Familien, Mann, Frau, Söhne, Töchter; aber da die Reihenfolge in der Arbeit eine ver- schicdene ist, bleibt immer ein Teil der Familie zu Hause, um die Wirtsckaft zu versorgen. Aber auch die Fabriliuteresscn scheinen bei dieser Ordnung durchaus nicht zu leiden. Da die An- zahl der Msachinen dieselbe blieb wie bisher, ist zwar die tägliche Produktion nicht gewachsen— sie erstreckt sich auf 500 Pud— aber da durch die abgekürzte Arbeitszeit die Krastanstrcngung der Arbeiter sich verringert, während die Intensität und Energie sich vergrößert hat. so hat sich dieses günstige Verhältnis sofort auf den Prozentsatz der Ausschußivarcn geäußert, welcher sich bedeutend verminderte und ein beträchtliches Plus für die Fabrik ausmacht. Ferner wurden im ersten halsten Jahre durch Zunahme der Sonntage drciundzivanzig Arbeitstage gewonnen, welche bei unveränderten allgemeinen Admiuistratiouskoste» zu 11 500 Pud mehr ausgearbeiteten Papiers führten und der Fabrik natürlich einen bedeutenden Vorteil verschafften. Ganz beträchtlich haben sich auch die Ausgaben der Fabrik auf Bewachung. Inspektion und Leitung der Arbeiter verringert, dank wiederum der guten Stimmung der Arbeiter, welche mit frischen Kräfte» täglich die Fabrik betraten, aber auch nicht zu sehr ennüdct und abgespannt sie verlassen. Der Ertrag der Arbeit wird sich zivcifelloS noch bedeutend vergrößern, wenn die Arbeiter persönlich an der Qualität und der Quantität der Produktion vcrintcrcssicrt werden, d. h. wenn ans ihnen allen sich die prozentuale Beteiligung an dem Nettoprofit der Fabrik erstrecken wird, wie das schon für einen Teil der Arbeiter eingeführt ist. Wie sehr die Arbeiter schon jetzt die neue Ordnmig hochhalten, läßt sich daraus ersehen, daß die Fabrikleitung als einzige Diöciplinar- strafe die Ucberführung des Arbeiters von der neuen i» die alte Fabrikorduung benützt; der Uebcrgang von der Achtstundenarbeit auf der Fabrik zur clsstündigen ans dem Hof wird als sehr strenge Strafe betrachtet, obwohl der Lohn bei der letzteren etivaS höher ist.— Natürlich werden sich genauere Zahlen erst nach Jahresschluß feststellen lassen, aber schon jetzt rechnet die Administration darauf, daß sie durch die Mehrproduktion von 25 000 Pud Papier nickt nur die Mehrausgaben an Arbeitslöhuuug, ivelche durch Einführung des 8 stündigen Arbeitstages entstanden sind, decken ivird, sondern noch einen erheblichen Vorteil ivird erzielen können. Der Fabrikbesitzer H. Wargunin ist so überzeugt von dem Nutzen deS normalen Arbeitstages für beide Parteien, daß er jetzt diese neue Ordnung auch aus seiner viel größeren Fabrik in Peters- bürg einführen will.. Wir wollen dem Bericht nichts hinzufügen. ES ist dieS, wenn nicht der einzige, so dock nur-in Einzelfall, aber,— aber wie nehmen sich unsere Stumm, Krupp ot tutti quanti gegenüber diesem Wargeuin ans?—_ Uehke Mstlzvichken und Dcpeschon. London, I. August.(W. T. B.) Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der M i l i t ä r b a u t e n- B i l l an. Parlaments- Untersekretär' des Acußern Brodrick erklärte, der S ch r i f t Iv e ch s c l betreffend die Haager Friedenskonferenz werde sobald wie möglich vorgelegt werden. Er fürchte aber, daß derselbe nicht vor Schluß des Parlaments zur Verteilung kommen werde. Brüssel, 1. August.(W. T. B.) De Smct de Naeyer hat für die Bildung des neuen Kabinetts eine Frist von ztvci Tagen erbeten und erklärt, er werde vor dem Parlament die Wahlvorlage des un» abhängigen Abgeordneten Thcorto vertreten mit der Abänderung. daß die Teilung der Provinzen Luxemburg, Namur und Weslflaudern in zwei Wahlbezirke zulässig sein soll. Madrid, 1. August.(W.T.B.) Bei der Verhandlung vor dem obersten Kriegsgericht betreffend die Ucbcrgabe von Santiago de Cnba brachte General Pareja zu seiner Ver« tcidigung vor, daß es in der Stadt an Lebensmitteln mangelte und die Verteidigung unmöglich war. Die Kämpfe welche geführt wurden, seien blutige gewesen; jedoch könne Mut allein in den Kriegen der Neuzeit nichts ausrichten. General Toral bestätigt, daß es in Santiago an Mitteln zur Ver- tcidigung gefehlt habe, Marschall Blnnco sei niit der Ilebergabe einverstanden gewesen. General Escario erklärt, er habe, als er nach Santiago gekommen, drei Viertel der Soldaten krank vor- gefunden. General Pnndo sagt aus, von Havana hätten Verstärkungen gesandt werden niüssen. Marschall Blaiwo behauptet, er habe stets zum Widerstände geraten; General Toral habe, ohne Befehl dazu erhalten zu haben, kapituliert.__ Verantwortlicher Nedacteur!: August Jacobey in Berlm. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu Ä Beilagen und llnterhaltungsblatt. Zlr. 178. 16, Jahrgang. 1. KilM dks„öotmirte" fittliiitr pMIntt. Mittiooch, 3. Aigliß 1899. Zur„Kompromiß�-Debatte. Im Stettiner„Vollsbote' bespricht Lo den Parteistreit in Frankreich. Er stellt sich im Wesentlichen ans den Standpunkt des ««-Artikels über Augenblickskartclle im„Vorwärts". Der„Volks- böte" rechtfertigt mit ähnlichen Argumenten, wie«s, den Eintritt Nkillerands in ein Kabinett Galliffet: „In der Politik soll man sich niemals von seinen Gefühlen leite», sondern die Vcrmmft walten lassen. Das Gefühl ist stets der schlechteste Ratgeber. Wer sich lediglich von seinen Synipathien und Antipathien leiten läszt, begeht oft Unrecht. Gallifct selbst ist ein alter Mann, er kann nicht lange Minister sein, und es wird auch ferner die Frage auftauchen, ob ein Socialist in ein bürgerliches Ministeriuni eintreten kann. Wir sind vor einer solchen Möglich- kcit in Deutschland sicher— bei uns kann ein bekannter Partei- genösse nicht einmal Nachtwächter werden— aber ständen ivir in Deutschland vor einer solchen Frage, wir würden auch bei uns eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit haben. Wir halten im Interesse der Arbeiterklasse den Eintritt ins Ministcriuin für klug und können unsere französischen Genossen, welche diesen Schritt begünstigt und vcrthcidigt haben, nur beglück- wünschen. Wir sind der Meinung, daß der SocialismnS durch einen solchen Schritt mehr gefördert wird, als durch das Grollen und Schmollen, welches zur Unthätigkeit verdammt. Die Socia listen sind auf dein Wege, in allen wichtigen Fragen des staatlichen Lebens die Führung zu übernehmen. Dadurch wird Mancher bc- wogen, sich mit dem Socialismus näher zu beschäftigen und wie oft wird da aus einem Saulus ein Paulus. Wir können uns noch der Kämpfe erinnern, welche in der deutschen Socialdemokratie über den Grad der Beteiligung an der. parlamentarischen Arbeit stattfanden.' Man hielt es für einen Verrat am revolutionären Princip, wenn man sich an den Kommissonsarbeiten beteiligte. Als diese irr- tümliche Meinung überwunden war, gab es heftige Debatten über die Beteiligung am Seniorcnkonvent. Die Tngcndwächter glaubten, der SocialismuS könne dadurch Schadeil leiden. Heute sind wir darüber längst hinweg. Warum gerade immer die socialistischc Ucbcrzcugung bei dem Zusammenarbeiten mit bürgerlichen Elementen gefährdet sein und nicht vielmehr die agitatorische Kraft des SocialiSmns ansteckend auf unsere Gegner übergehen soll, vcr- mögen wir nicht einzusehen. Wenn der Socialismus nicht fester sitzen würde, so dast Gefahr bestände, dast er bei der Berührung mit Gegnern verloren gehen könnte, wären wir überhaupt vcr- lernt. Aber so schlimm ist es ja gar nicht und die veränderten Verhältnisse zwingen eine aitderc Taktik von selbst ans. Als die Socialdcinokratie noch eine kleine Sekte war, konnte sie sich auf den Proteststandpunkt beschränken; heute ist das nicht mehr möglich." „In der„S ä ch s i s ch e n A r b e i t e r z e i t u n g" untersucht Genosse P a r v u S die Frage: Darf ein Socialdemokrat Minister werden? Er kommt zu folgenden Ergebnissen: „Da die Kapitalisteiillasse ihre eigenen Interessen nie der- raten wird, so ist der Eintritt cincs Socialdcmokraten in eine kapitalistische Regierung nur möglich durch einen Verrat der Arbciterinteresscn. Das zeigt uns die Erfahrung aller Tage. Wir sehen, wie selbst Männer, die alles weniger denn Socinldemokratcn sind, wenn sie nur cinigermasten Miene machen, die Arbcitcrfordernngen nicht anSschliestlich vom Ansbeuterstnndpunkt anS zn betrachten, aus den Ministerien entfernt werden. Liegt eS denn an dem persönlichen Charakter der Minister, an ihren p e r s ö n- Ii che n politischen Anschauungen, das; die Regierung kapi- talistisch ist? Wir haben stets behauptet, dast das in der gesamten Gesellschaftsordnung, in der Organ i- sation des Staates liegt. Diese geschichtlichen Macht- faktorcn würde auch ein Socialdemokrat unter den Ministern nicht brechen können, er müßte sich ihnen unterwerfen; er ivürde, welches Ressort er auch vertreten möge, für den kapitalistischen Militarismus, den kapitalistischen F i s k a I i s m n s die kapitalistische Kolonialpolitik ein- treten müssen, sonst würde er keine zwei Tage mit seinen Kollegen zusammenwirken können. I» dem gleichen Maße würde er sich in Gegensatz setzen zn seiner eigenen socialdemokratischen Fraktion und müßte von ihr ebenso angegriffen werden wie die anderen Mitglieder der Regierung. Ein Fabrikinspektor hat seinen be- stinmitcn Wirkungskreis, für den er verantwortlich ist, alles andere geht ihn nichts an— ein Minister ist mit verantwortlich für die gesamte Politik des Landes. Darum ist die unerläßliche Bedingung für ein ersprießliches Wirken eines socialdemokratischen Ministers der socialdemokratische Staat. Wenn das Proletariat zur politischen Herrschaft gelangt, wird es sich seine Minister wählen— die Arbeiterminister aber, welche von bürgerlichen Parlamenten eingesetzt werden, sind höchstens Dekorationsstücke und dienen dazu, die Arbeiter zu narren." Die„Rheinische Ztg." giebt den Artikel Liebknechts wieder und bemerkt dazu: „Liebknecht steht auf feiten der von Jauräz abweichenden Socialistcngruppcn; die„Ungerechtigkeit des Urteils, das in weiten Kreisen über die verdientesten Männer der socialistischen Bewegung Frankreichs gefällt wird", ist einer der Gründe, die ihn zu seinem Artikel bewogen haben. Das ist sehr achtenswert. Wir glauben aber nicht, daß Liebknecht auf nennenswerte Zustimmung aus den Kreisen der deutschen Parteigenossen rechnen kann. Die Affaire ist doch mehr, als was Liebknecht in ihr zu er- blicken verinag. Sie ist der Angelpunkt, um den sich die Eni- schcidung der Frage dreht: ob Militarismus und Klcrikalismus nicht mir in der Affaire, sondern in der Gcsamtpolitik Frankreichs gewonnenes Spiel haben soll. Daran ändert nun der Umstand nichts, daß in der Regierung ein Galliffet sitzt. ES ist das Recht jedes Parteigenossen, sich seine Meinung über den Fall Drcyftls und das Verhalten der französischen Socialistcn zu bilden und diese Meinung zu äußern. Nur würden wir den Versuch, daraus für uns eine Streitfrage in der Partei zu machen, für überflüssig nicht nur, sondern auch für schädlich halten. Wir leben in Deutschland unter Vcrhältuissen, die das volle Interesse der Partei, alle ihre Mittel und Kräfte erfordern; jede Einmischung in die Politik und Partcifragcn anderer Länder sollte sich da von selbst verbieten, abgesehen davon, daß cS Außen« stehenden sehr schwer wird, das richtige Urteil über die Dinge und Personen anderswo zn bilden." In der„München er P o st" äußert sich ein in„Nord- deutschland lebender sehr bekannter Genosse" über die in der bayrischen Wahlkomproiniß- Debatte von Liebknecht geäußerte, aus Macchiavelli sich berufende Ansicht, man müsse immer den Schwächeren unterstützen: „Wie schade, daß Genosse Liebknecht seine Macchiavelli-Stndien erst jetzt und nicht schon vor den preußischen Landtags« Wahlen im vorigen Jahre gemacht hat, denn, wenn er dies gethan, dann hätte er umnöglich die ablehnende Haltung beobachten können, die er der Wahlbeteiligung in Preußen gegenüber ein- genommen hat. Wenn es eine Klughcitsregel in der Politik ist, den Schwächeren gegen den Stärkeren zu unterstützen, wie kam dann Genosse Liebknecht dazu, nicht nur gegen die Beteiligung unserer Partei an den Landtagswahlcn in Preußen sich aus- zusprechen, sondern jene Genossen, welche sich für eine Unterstützung der Demokratie und des Freisinns bei diesen Wahlen erklärten, als „Schutztruppe des Freisinns" zu verspotten? Wenn irgendwo von Schwächeren und Stärkeren die Rede sein kann, so ist dies bei dem Verhältnis der freisinnigen Partei und den Konservativen im preußischen Landtag der Fall. Wie sehr aber die Socialdemo- kralie daran interessiert ist, daß in diesem Parlament der Starke, das heißt die konservative Partei, nicht noch stärker wird, das hat uns die Abstimmung über die lex Recke gezeigt.... Die Berliner Taktiker der Abstinenzpolitik dagegen ließen es vor den Thoren Berlins, im Wahlkreis Teltow, wo Genosse Zubcil mit beinahe SLOOV Stimmen in den Reichstag gewählt wurde, durch ihre Wahlcnthaltung geschehen, daß auch in reinen Arbeitcrorten die dritte Wählcrllasse den Konservativen in die Hände fiel und so an Stelle von ein paar Freisinnigen ein hoch- konservativer Agrarier und der als nrreaktionärer Arbeiterfeind in ganz Deutschland bekannte Führer der zünftlerischen Baugewerks meistcr, Felisch, gewählt wurden. Wären unsere schlcsischen und Frankfurter Genoffen ebenso Liebknechts taktischen Ratschlägen gefolgt, wie das Gros der Berliner Genossen, so wäre die konservative Mehrheit im preußischen Landtag fertig gewesen, und Herr von der Recke hätte sein Vereins- Incbelgcsctz längst unter Dach." Dasselbe Blatt citiert aus Liebknechts Einleitung zum Leipziger Hochverratsprozeß: „In den Debatten über Taktik, die seit 20 Jahren auf den Kongressen und in der Parteiprcsse geführt worden sind, ward meine Berliner Rede ans dem Jahre 1869 oft erwähnt; und von den gedankenlosen Schwadroneuren und Kindsköpfen, die nicht wissen, was Taktik ist, und Zweck und Mittel verivcchscln, ist sie mir wiederholt als Beweis des Gesinnungswechsels vor- gehalten worden. Nun, ich habe vorige? Jahr auf dem Züricher Kongreß frei herausgesagt, daß ich ineine Taktik 21 mal den Tag wechseln würde, wenn die Kampfbedingungen sich 24 mal den Tag vcr- änderten, lind wenn„Gesinnungsivechsel" heißt: besserer Einsicht zugänglich sein und ihr die Ehre geben, dann Ivill ich micki noch verschiedener anderer„Gesimiungswechsel" mit Freuden schuldig bekennen. ... Wer das Richtige nicht weiß, kann das Richtige nicht wollen, und das Richtige nicht thun. Die Socialdemokratie geht nicht»ach Willkür und Laune vor, nimmt nicht Träume und Ein- bildnngcn für Wirklichkeit— sie fußt auf erkannten Thatsachen und handelt den Thatsachen entsprechend... Andere Zeiten— andere Formen des Kampfes. Das ganze Streiten um die Taktik ist ein Streite» um des Kaisers Bart. Die Frage der Taktik ist keine Priiicipienfrage, keine theoretische— es ist eine Frage der Praxis." Sonst ist noch zu bemerken, daß die Bielefelder„VolkSwacht" den Artikel über„A u g e n b l i ck s- K a r t e l l e" wörtlich über- nimmt, während die„Halber st ädter Arbeiterzeitung „beherzigenswerte Sätze" ans Singers Entgegnung anführt.— Uokstles. Gesangsvorträge auf Nrbciterfestlichkciten. Eine bcachtcns werte Zuschrift geht uns von einem Gesanglehrer zu, der sich über gewisse, auf Arbciterfestlichkciten mehr oder minder deutlich zu Tage tretende Mißstände mit dankenswerter Offenheit ausläßt:„Ich möchte hiermit Veranlassung nehmen, beizutragen, einem Uebclstande abzuhelfen, welcher, wie schon so oft, aiff einem der letzten Volks feste eine nur wenigen bemerkbar gewordene häßliche Scene hervorrief. Ich' meine die. Art' und Weise der Mitwirkung von Gesangvereinen auf unseren Volksfesten, wie die der Direktion mancher Dirigenten. Wohl nur wenige, Sänger sowohl ivie Zuhörer, sind befriedigt von dem öffentlichen Vortrag unserer Bundcslicder auf Parteifestlichkciten. ES lassen sich ja viele Entschuldigungen dafür herbeiziehen; als da sind: Jeder Gesanglehrer hat diese oder jene Methode; oder: dies und jenes Lied ist nur von Ivenigen geübt, oder: die es geübt haben, fehlen; oder: die keine Ahnung von dein zu singenden Liebe haben,„singen" mit, und zur Probe, die unbedingt notwendig, erscheinen oft weniger als die Hälfte der auftretenden Sänger.— Doch meine ich, wir kommen dadurch nicht vorwärts. Und wir gehören doch zu der Partei, die nach dem Besten und Edelsten strebt. Wollen wir im Chorgesang denn rückwärts gehen? Sollen unsere Volksfeste nicht Feste sein, auf denen wir uns befriedigenden geistigen Genuß suchen und finden? Und gerade der Chorgesang soll inis unser Denken und Fühlen wiedcrspiegeln und uns anregen, weiter zu streben. Mit sehr gemischten Gefühlen genießen wir jedoch manchmal diese geistige Gabe. Darum mache ich hier einige Vor- schlüge, die schon zur kommenden Lassallcfcicr ihre Anwendung finden möchten. Da jeder Ort, jeder Kreis seine eigenen Fcstlokale hat, in denen er seine Feste feiert, so empfiehlt cs'sich, den zur Mitwirkung bestintmten Gesangvereinen schon acht bis zehn Wochen vor dem Fest die zu singenden Lieder bekannt zu geben und eine Probe zur selben Zeit unter de in erwählten Dirigenten stattfinden zu lassen. Die Sänger lernen in dieser die Eigenheiten desselben kennen und passen sich ihm an Die Vereine haben in den 8—10 Wochen Gelegenheit, die vor- zutragenden Lieder zu üben nach der Art des erwählten Dirigenten. Auch können während dieser Zeit die Lieder älteren Datums neu einstudiert werden, waS nicht möglich ist, wenn die Lieder erst 8 bis 14 Tage vor dem Fest bekannt gegeben werden, noch zumal mancher der Vereine in dieser Zeit für sich ein Fest hat. Innerhalb acht Tagen vor dem Fest findet die Generalprobe st a t t. iver in dieser fehlt, hat kein Recht, auf deni e st mitzusingen, denn es wird keinem Dirigenten rcudc machen, keinem Sänger die Lust am Gesänge fördern, wenn er weiß, es wirken Sänger'mit, die alles verderben können. Und jeder verständige Sänger sollte sich sagen: magst du noch so gut singen, noch so sicher sein, du kannst durch einen groben Fehler den ganzen Chor in Verwirrung bringen; sicher kannst du dich nur dann fühlen, wenn du die Lieder tüchtig geübt hast und die Direktion kennst. Sehen wir uns doch die Musikkapellen an I Geht es in diesen Ivohl ohne mehrere Proben ab, wenn etwas Gutes geleistet sein soll? Und das sind Fachleute I Muß da nicht jeder auf seinem Posten sein? Wir sind Laien, haben also unsere ganze Kraft einzusetzen, um etwas Gutes zu schaffen. Aber diejenigen müssen zurücktreten, die es nicht der Mühe für wert halten zu lernen und Proben mitzu- machen. Also, Sänger-Komitee-Mitgliedcr und Dirigenten, seid energisch und führt es durch, nur gutes zu leisten, damit wir olle unsere Freude haben und stolz auf unseren Gesang sein können. Auch den Dirigenten möchte ich den Rat geben, nicht soviel Gewicht auf einzelne Wörter der Kompositionen, wie„Haß",„Vorwärts" usw. zu legen, damit dieselben in ihrer Fayon bleiben." So unser Gewährsmann. Wir glauben, daß seine gutgemeinten Ratschläge überall da, wo sie bisher nicht nach Gebühr befolgt worden sind, Beachtung finden werden. Unserer Meinung nach tritt die Forderung, Disziplin zn üben, aber nicht allein an die Sänger, sondern auch an!dns Pu b Ii kum heran. Auch das beste und noch so gut eingeübte Gesangsstück muß seine Wirkung verfehlen, wenn„Zuhörer" rücksichtslos genug sind, wäh- rend des Vortrages mit dem Bierseidel zu klappern oder gar den Kellner in Bewegung zusetzen, der dann mit dem unter solchen Umständen nicht' gut zu vermeidenden Geräusch auf seine nicht immer künstlerisch' korrekte Weise das Pianissimo im Vokalkonzert accompagniert. Auch hier gilt es für die Leiter von Arbeitcrfcstlich« leiten, Wandel zu fchaffen und das Beispiel der bekannten Lieder« tafcl„Typographia" nachzuahmen, die auf ihren Konzerten den Kellnern während des Vortrages jede bemerkbare Thätigkeit sowohl im Saale als im Büffet untersagt. Erheiterndes aus der Znchthauöära. Wie aus bürgerlichen Blättern zn entnehmen ist, war der Minister des Streikerlasses und des Zuchthanskurses, Herr Staatssekretär v. Posadowöky, vor kurzem so glücklich, wenigstens im Baugewerbe leibhaftige staatstreu organisierte Arbeiter gefunden zu haben, eine Rarität, deren Bevorzugung denn auch vom Ministerium für öffentliche Ar- beiten ausdrücklich empfohlen wurde. Der Vorzug der Staats- treue dieser Arbeiter war allerdings mit einer Bedrohung von Leib und Leben des großen Publikums verknüpft, da unter den„Organisierten" Accord maurer verstanden Innren, deren Arbeitsmethode unter Leitung fragwürdiger Bauführer das furchtbare Unglück in Halensee und' einige ähnliche schlimme Gefährdungen des Menschenlebens verursacht hatte. Aber ist die Staatstreue in einer Zeit, wo mehr und mehr die Bessern schwinden, nicht ein paar M a n e r- E i n st ü r z e wert? Leider ist die socialpolitische Einsichts- losigkeit selbst im znchthausschwärmenden B a u- I n n ungswesen schon so üppig cmporgewuchert, daß auch dort die hier gestellte Frage frech verneint wird. Man höre, was das Scharfmacherblatt xar excellence, die„Berliner Neuesten Nachrichten", zu seiner Betrübnis � berichten muß: „Eine Eingabe an das Ministerium des Innern in Sachen der Maurerarbeiten bei staatlichen Bauten hat die Berliner Bau- gewerksinnung abzusenden beschlossen. Es soll dies eine Entgegnung auf den seiner Zeit ergangenen Erlaß des Staats- sckretärs v. Posado wskh betreffend die besondere Berücksichtigung der, im sogenannten Gewerkschaftlichen Verein der Maurer Berlins organisierten, Accordarbeiter sein. Die Innung erklärt die auch vom Ministerium für öffentliche Arbeiten empfohlene Bevorzugung der Accord- maurer für undurchführbar. Sie weist darauf hin, daß kaum 200 unter den nahezu 8000 Maurern Berlins ständig in Accord arbeiten und die Solidität der Bauten bei der Accordarbeit vielfach leiden müsse. ES sei auch unrichtig, führt die Eingabe weiter ans, die Accordmaurer als besonders staatstreue Elemente anzusehen. Sic ständen lediglich in der einen, rein gewerblichen Frage der Lohn- oder Accordarbeit im Gegensatz zu den Social« demokraten, seien jedoch im übrigen gleichsfalls zum großen Teile Anhänger der Socialdemokratie und hätten z. B. vielfach am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen." Falls die letzteren Behauptungen zutreffen sollten, so wäre damit allerdings dargcthan, daß selbst die Accordmaurer nicht allen Solidaritätsgeftthls bar sind. Gcgen de» Gesetzentwurf über die Gerichtöorganisation für Berlin und Umgegend ist nun auch vom Schntzvcrein der Berliner, Bau-Interessenten eine Petition beiden Häusern des Land« tags überreicht worden. Achnliche Petitionen sind bereits von einer Anzahl anderer Körperschaften und Vereinen, von den Magistraten der Städte Berlin und Charlottenburg, von den Acltestcn der Kauf« Mannschaft und von mehreren Grundbesitzervcrcincn eingegangen. Sämtliche Petitionen sind mit den Stimmen der Presse zu einer Broschüre zusammengefaßt worden, in welcher auch die Kritik deS Gcfctzcntwurfcs durch juristische Autoren Platz gefunden hat. Landgerichtsdirektor Münk äußert sich darüber u. a. in folgender Weise: Der Entwurf enthält keine Andeutung, daß ein Rcichsgesetz in Aussicht genommen sei, um die sachliche Zuständigkeit der 3 Land- und 6 Amtsgerichte, die für die Stadt Berlin errichtet werden follen, gegen einander abzugrenzen. Es wird anscheinend deshalb nicht für erforderlich erachtet, weil die Meinung besteht, daß durch die Wohnung innerhalb des GcrichtSbezirks der Gerichtsstand bei jenen Gerichten begründet werde. Allein der prozehrcchtliche Wohnsitz ist kein anderer als � der büroerl'che. DaS Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt den Begriff des Wchnsitzcs mir mittelbar dadurch, daß es die Erfordernisse seiner Begründung und Aufhebung regelt.„Wer sich an einem Orte ständig niederläßt, be« gründet an diesem Orte seinen Wohnsitz." Davon wird der Ort der gewerblichen Niederlassung(§ 269) unterschieden. Unter dem Wohnsitz hat man deshalb den Mittelpunkt oder richtiger den Sammelpunkt der gesamten Lebensverhältnisse eines Menschen zu verstehen. Das ist aber kein bloßer Punkt im Räume, auch nicht die Stelle, wo das einzelne Wohnhaus sich befindet, sondern es ist ein Ranmgebiet erforderlich, auf dem die Lebensbedürfnisse, sowohl die materiellen wie die idealen, in ihrer Gesamtheit befriedigt, also die wirtschaftlichen wie die Familien-, die socialen, kirchlichen und politischen Verhältnisse des Bürgers bethätigt werden können und sollen. lieber den Umfang dieses Raumgebiets entscheiden die Anschauungen des Lebens und die Verkehrssitte. ... Die geplante Teilung Berlins wird die Folge haben, daß die meisten Gerichtsstände bei allen 3 Land- und den 6 Amtsgerichten gleichmäßig begründet sein würden. Die Wahl unter ihnen steht dem Kläger zu. Dieser oder sein Anwalt wird die Wahl nach seinem eigenen Interesse, nicht nach dem des Beklagten treffen, also die Klage bei demjenigen Berliner Gericht erheben, wo eS ihm am bequem st en ist, oder von dem er etwa nach früheren Urteilen eine ihm günstige Entscheidung erwartet. Hieraus können und werden starke Verschiebungen in der Geschäfts- last der Gerichte hervorgehen, die namentlich für den Geschäfts- gang der kleineren Gerichte der Vororte höchst störend werden müssen. Sodann würde der positive und negative ZuständigkeitS- streit unter den Berliner Gerichten eine ziemlich häufige Erscheinung werden. Denn auch die Zuständigkeit in Vormundschafts- und Nachlaßsachcn bestimmt sich nach dem Wohnsitz des Mündels und des Erblassers. Da der Vorzug durch das erste Thätig« werden begründet wird, so kann sehr leicht ein Streit darüber cnt- stehen, welches Gericht ans diesen Vorzug Anspruch zu machen hat. Eine besondere Schwierigkeit entsteht auch für die ein« getragenen Vereine. Es dürfte der Zweifel berechtigt sein, ob nicht' aus der neuen Ordnung der Berliner Gerichte schlimmere Mißstände hervorgehen würden, als die man abstellen will. Um ihnen vorzubeugen und den Geschäftsgang gegen die Willkür der Parteien zn sichern, bedarf eS daher eines Reichsgesetzes, daZ die sachliche Zuständigkeit der verschiedenen Gerichte abgrenzt. Die ausgelegt gewesenen Gcmeindcwählerlisten sind von 8926 Personen eingesehen worden. Von 59 Bürgern ist gegen die Richtigkeit bezüglich Vollständigkeit der Listen Einspruch erhoben worden. Der hierfür eingesetzte Ausschuß der Stadtverordneten- Versammlung wird diese Einsprüche prüfen und alsdann der dem- nächst zusammentretenden Versammlung Bericht erstatten. Der Ba» neuer Straßen in der Umgebung Berlins wird gegenwärtig mit großem Eifer betrieben. Anlaß dazu geben die zahlreichen Abbräche alter Gebäude im Innern der Stadt, deren Bauschutt ein willkommenes und notwendiges Material für die Her« stellung eines widerstandsfähigen Untergrundes zn einem Straßen- dämm ist. Allerdings finden diese Abbrüche nicht gleichmäßig in allen Teilen der Stadt Berlin statt, und da die Kutscher mit dem Bauschutt stets die nächste Abladegelcgcnhcit aufsuchen, so sind die Gegenden im Süden und Osten der Stadt mit diesem Auffüll- Material reichlich versehen, während im Westen Mangel daran ist und die Unternehmer in Wilmersdorf und Halen- see dem dort abladenden Kutscher 50 Pfennige und mehr für die Fuhre Bauschutt vergüten. Dieser Bauschutt enthält mitunter interessante Bruchstücke aus den alten Berliner Häusern, Steinstücke mit Ornamenten, verzierte und eigenartig geformte alte Ofenkacheln und ähnliche bei späteren Ausgrabungen wichtige Dinge, die hier in den Untergrund deS Straßendammes versenkt werden und von denen man fast besorgen möchte, daß sie später bei einem gelegentlichen Wiederaufnehmen des Straßcndammes ähnliche Streitigkeiten hervor- rufen können, wie der unter den beiden HerrenhauS-Eibcn gefundene Untergrund. Die neuen Straßen werden zunächst nur eingeebnet, so daß nach Auffchiittung der erforderlichen Kiesschicht die Pflasterung vorgenommen werden kann. VcrkehrSnachrichten. Zur Erleichterung des Straßenbahn- Verkehrs sind beim Magistrat eingegangen: die Genehmigung deS Polizeipräsidium? zum Umbau der Abfahrtstclle der Großen Bcrline» Straßenbahn in der Prinzessinnensiraße nach den von der städtischen Berkehrs-Doputation gestellten Bedingungen.— Ferner erteilte das Polizeipräsidium die Genebmigniig zur Verlegung der Umfahrungs- Iveiche der Straßenbahn in der Kastanien-Allee nach Süden, sowie zur Veränderung der Kreuzwcichen der Straßenbahn zwischen Alexanderstraße und Hirtenstraße und zur Vergrößerung der Kurven an der Hirtenstraße. Im Einverständnis mit der königlichen Eisenbahn- Direktion genehmigte das Polizei- Präsidium die von der Großen Berliner Straßenbahn be« antragte Verlängerung der Haltestelle der Straßenbahn in der Kreuzbergstraße. Ferner stimmte das Polizeipräsidium dem An- trage der Bcrlin-Charlottcnburger Straßenbahn zu, in der Straße Llll-Moabit zwischen Kirchstraße und Wilsnackerstraße zwei Gclcis- wcchscl einzubauen, sofern auch die städtischen Behörden diesen An- trag genehmigen.— Die Bcrlin-Charlottcnburger Straßenbahn hat der städtischen Baudeputation eine Zeichnung behufs Herumlegniig eines kleinen Kabels um den Großen Stern-Platz eingereicht, da nach Mitteilung des Polizeipräsidiums die Führung der Straßen- bahu-Oberleitung über den Großen Stcrn-Platz nicht zulässig ist. Von der Universität. Zmu Rektor der Berliner Universität für das Studienjahr 1899/i9(X) wurde der Ma thematiker Pro- fessor Dr. Lazarus Fuchs gewählt.— Zu Dekanen wurden gewählt: von den Theologen Prof. Dr. Julius Kaftan, von den Juristen, der Ronianift Geh. Justizrat Pro- fessor Dr. Ernst Eck, von den Medizinern der Chirurg Geh. Mcdizinalrat Pros. Dr. Franz König. Von feiten der philo- s o p h i s ch e n Fakultät wurde Professor Dr. Erich Schmidt . gewählt. Eheschließ»ugcn, Geburten und Sterbefälle. In der Woche vom 9. bis 13. Juli fanden in Berlin 318 Eheschließungen statt. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 932(496 männliche, 436 weibliche). Totgeboren wurden 28 Kinder(17 männliche, 11 weibliche). Unter den Lebendgeborenen befanden sich 109, unter den Totgeborenen 6 außerehelich geborene Kinder.— Die Zahl der Sterbefälle betrug in der Berichtswoche 638 und betraf 371 niänn- liche, 287 weibliche Personen. Unter den Verstorbenen befanden sich 242 Kinder im ersten Lebensjahre(188 ehelich und 34 außer- ehelich geborene). In Krankenhäusern sind 188 Personen(106 männ- liche und 82 weibliche) gestorben. Auf gewaltsame Weise endeten 20 Personen, darunter 12 durch Sclbstniord.— Auf die einzelnen Stadtteile verteilten sich die Sterbefälle wie folgt: Berlin- Kölln- Dorotheenstadt 6; Friedrichstadt 4; Friedrich- und Schöne- bergcr Vorstadt 21; Friedrich- und Tcmpelhofer Vorstadt(westl.) 13: Tcmpclhofer Vorstadt(östl.) 43; Luiscnstadt jenseits des Kanals 77; Luisenstadt diesseits des Kanals 45; Stralauer Viertel 93; Königsviertel 64; Spandaucr Viertel 20; Rosenthaler Vorstadt 110; Oranien- burger Vorstadt 36; Friedrich-Wilhelmstadt und Moabit(östl.) 17; Moabit(westl.) 43: Wedding 66.— Die Eheschließungen betrugen 18,2, die Lebendgeborenen 27.3, die Totgeborenen 0,8, die Sterbe- fälle 18,9 pro Mille der Bevölkerung. Die Heimat deS Präger Schinkens. Wie der Berliner Schlachthof auch die delikaten Prager Schinken zu liefern im stände ist, teilt die„Deutsche Fleischcr-Zcitung" mit: Auf einer hiesigen Untersuchungsstation für das von auswärts eingeführte Flestch war es aufgefallen, daß die Firma K. u. Comp., welche mit Prager Schinken handelt, seit längerer Zeit solche Schinken nicht mehr zur Unter- suchung schickte. Die eingeleiteten Recherchen ergaben, daß die ge- nannte Firma vom hiesigen Schlachthof Schinken bezog, dieselben einsalzen und räuchern ließ— und dann mit dem Brennstempcl, welchen sämtliche Prager Schinken tragen, versehen ließ. Diese imittierten Prager Schinken brauchen allerdings nicht nochmals nuter- sucht zu werden— es soll aber die Behörde diesen Geschäfts- Manipulationen doch näher getreten sein; vor allem soll der Stempel, welcher die Berliner Schinken zu Prager Schinken stempelt, beschlagnahmt sein. Graf Egloffstci». Eine eigentümliche Lage hat da? Reichs- gerichts-Erkenntnis in der Strafsache gegen den Grafen Klaus von und zu Egloffstein geschaffen. Graf Egloffstein war vom Land- gcricht I wegen Betruges in zwei Fällen zu je sechs Monaten Gc- fängnis verurteilt worden. Diese Eiiizelstrafcn hatte das Gcricht in eine Gesamtstrafe von neun Monaten zusammengezogen. Der Verurteilte wollte nun in dem einen Falle, den das Reichsgericht nicht beanstandet hat, die Strafe antreten. Das wird aber nicht angehen. da durch Aufhebung des Erkenntnisses in dem anderen Falle die Gesamtstrafe umgestoßen worden ist. Graf Egloffstein muß demnach noch weiter in Untersuchungshaft bleiben, da der von den Acrzten befürwortete Antrag seiner Anwälte auf Haftentlassung abgelehnt worden ist. In der neuen Verhandlung, die voraussichtlich gegen Ende dieses Monats stattfinden wird, werden die Verurteilten Schachtel und Dietcl als Zeugen auftreten. Ein holdes Weib. Aus Verzweiflung über die Untreue seiner Ehefrau hat der 28jährige Goldarbeiter Heinrich Sch. auS der Rheinsbergerstraße sich das Leben zu nehmen versucht. Sch. hatte vor vier Jahren ein um zehn Jahre jüngeres Mädchen geheiratet, das an einer hiesigen Bühne beschäftigt war. Seine schlechten Ver- mögcnsverhältnisse und das fortgesetzte Drängen seiner jungen Frau vcranlaßtcn den Gatten, ihr nach einjähriger Ehe zu gestatten, wieder als Schauspielerin thätig zu sein. Dieser Entschluß sollte für Sch. recht verhängnisvoll werden. Seine Frau spielte zwar im Theater eine ziemlich untergeordnete Rolle, eine desto größere jedoch in der Berliner Lebcwelt. Sie vernachlässigte ihre Familie und ihre Kinder in rücksichtslosester Weise und lebte nur ihrem Verguügeli. Als sie zwei volle Tage von Hause wegblieb, lediglich um sich ungestört amüsieren zu können, versuchte der unglückliche Ehemann, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Aber nachdem er sich au der linken Hand mehrere stark blutende Verletzungen beigebracht hatte, gereute ihn sein Vorhaben. Er eilte, so schnell er konnte, zu einem in der Nachbarschaft wohnenden Arzt und ließ sich einen Notverband anlegen. Die ganze Scene, die sich in Gegenwart der ungetreuen Frau abspielte,(chien auf diese wenig Eindrück gemacht zu haben, denn als der Selbstmord-Kandidat wiederkehrte, war sie unter Mitnahme des größten Teils ihrer Garderobe von neuem verschwunden. Ein Einbruch ist auf dem Grundstück Prcnzlauerstraße 33/33 verübt worden. Hier betreiben die Gebrüder Mciidelsohn einen Pferdehandcl. Ihre Coniptoirräume liegen eine halbe Treppe hoch im Seitenflügel. Diebe drangen in der Nacht zum Dienstag ein, indem sie die vom Trcppcnflur in das Comptoir führende alte Thür durch Gcgcnstemmcn der Schultern aus dem Rahmen heraus- drückten, und stahlen aus dem Schubfach eines Schreibtisches, der im ersten Zimmer steht, eine Kassette mit etwa 100 M. Ter Ein- bruch, der allem Anscheine nach nicht von gewerbsmäßigen Ver- blechern ausgeführt worden ist, wurde Dienstagmorgcn entdeckt. Im Rausche verunglückt ist gestern nachmittag der 68 Jahre alte Stallmann Franz Lazarus aus der Strnlsimdcrstraße 62. Er rannte sich an einem Eckhaus in der Eberswalderstraßc den Schädel ein und verletzte sich so schwer, daß man ihn einem Krankenhause zuführen mußte. Pci einer Bcnzincxplosion schwer verbrannt sind Dienstag- nachmittag 3 Uhr die M. Stranßschen Eheleute, die im dritten Stock des Hauses Wolgasterstraße 10 eine Handschuhwäscherei betreiben. Frau St. hatte nach dem Kochen des Mittagscssens verabsäumt, die Kohlen vom Herde zu entfernen, bevor sie sich auf einem Strohsack in der Küche schlafen legte. Ihr Mann machte sich später an die Arbeit, ohne vorsichtshalber sich davon zu überzeugen, daß keine glimmenden Kohlen mehr vorhanden seien. Die beim Reinigen der Handschuhe entwickelten Benzindämpfe entzündeten sich an den Kohlen, ivobei sie mit einer starken Detonation explodierten und die Fensterscheiben auf den Hof warfen. Durch die cnt- standene Stichflamme wurde besonders die jäh aus dem Schlafe ge- rüttelte Frau St. fürchterlich zugerichtet. Kopf, Arm und Beine wiesen so schwere Verletzungen auf, daß die Verunglückte nach An- legnng eines Notverbandes seitens der Samariter der Feuerwehr sofort nach dem Lazarus-Krankeuhause gebracht werden mußte. Auch ihr tvtann war am Kopse und an den Händen stark verbrannt, konnte aber in der Wohnung belassen werden. Da? entstandene Feuer wurde von der Wehr unter Leitung des Brandmeisters Bliesener noch im Entstehen unterdrückt. Zum Glück befand sich ein großer gefüllter Beuzinballon nicht in der Küche, sondern in einem Neben- räum, es hätte die Explosion sonst leicht unabsehbares Unheil herbei- führen können. Feuer i» Scherings Fabrik! Entsetzen ergreift die Feuer- wehr bei dem Alarmrnfe nach jener Fabrik. In frischer Erinnerung ist noch die Brandkatastrophe vor 2 Jahren, bei der mehrere Feuer- wehrleute ihr Leben einbüßten, Ivährcnd andere noch heute an den Folgen der Rauchvergiftung leiden. Diesmal ist glücklicher- weise niemand zu schaden gekommen. Das Feuer kam in dem parterre belegenen Fabrikationsraum für Feuerwerkskörper dadurch ans, daß beim Kochen von Schellack und Strontium die Masse überfloß und sich entzündete. Sofort flüchteten die an- wesenden Arbeiter ins Freie und vcranlaßten die Feuer- mcldnng. Da bei dergleichen Fabrikbränden stets„Mittel- feuer" signalisiert wird, rückten bald von allen Seiten die Löschziige heran, deren Leitung dann der sofort herbei- geeilte Branddirektor Giersbcrg übernahm. Wenn nun auch die Fabrik in den letzten Jahren derart ausgebaut ist, daß die einzelnen Räume durch starke Maucrn getrennt und mit schweren Eisenthüren verschlossen sind, so schließt doch die Anhäufung großer Mengen Explosivstoffe die Gefahr der Wcitcrverbreitung stets in sich. Es traten denn auch sofort eine Dampf- und drei Druckspritzen in Thätigkcit, die nicht nur den Flammen energisch zu Leibe gingen, sonder» auch die benachbarten Räume reichlich mit Wasser versahen. Der größte Teil der Wehr konnte bereits nach einer halben Stunde wieder abrücken. Ausgebrannt ist der erwähnte Fabrikationsraum sowie eine daran- stoßende Meistcrstube.— Der Vorgang hatte eine riesige Menschen- menge herbeigelockt und Dutzende von Schutzleuten waren zur Auf- rechtcrhaltung der Ordnung znsaiiimcngezogen. Ans den Nachbarorten. Ter socialdcinokratische Arbeiterverein in Spandan hält am Sonnabendabend 8Vs Uhr im Wehe' scheu Lokale, Pichelsdorfer- straße 39, seine ordentliche Generalversammlung ab. In derselben soll über die Umänderung der Statuten und über die„be- vorstehenden Stadtverordneten-Wahlen' beraten werden. Mit Rück- ficht auf die wichtige Tagesordnung ist das möglichst voll- z ä h l i g e Erscheinen der Mitglieder unbedingt erforderlich. Der Mörder der Auguste Frädrich verhaftet. Gestern vormittag ist in Werneuchen der Mörder der 19 Jahre alten Auguste Frädrich verhaftet worden. Der Thätcr ist ein gewisser R h e in, der auf dem Gute Elisenau seit längerer Zeit in Arbeit stand. Der Verdacht hatte sich schon früher auf ihn gelenkt. Rehm hatte bereits zwei Verhöre zu bestehen, in denen er jedoch hartnäckig leugnete. Gestern soll er ein volles Geständnis abgelegt haben. Rhem ist verheiratet. Der Präsident der königlichen Regierung zu Potsdam hatte durch Bckaniilmachnng 300 M. Belohnung für den- jenigen ausgesetzt, durch dessen Angaben die Ucbcrführuug des MörderS der Angnste Frädrich gelinge. Ein alter Zuchthäusler, Jgnaz Kempa, wurde am Sonn- abend durch die Charlottenburger Polizei in einem Restaurant in der Bcrlinerstraße festgenommen. Der erst vor wenigen Monaten aus dem Zuchthanse' entlassene Kempa verkehrte in Lokalen mit Damenbediennug, in denen er viel Geld verausgabte, wobei er sich damit rühmte, daß er das Geld durch Einbrüche und Diebstähle erwerbe. AuS Adlershof wird uns berichtet, daß dort die Leiche eines unbekannten Selbstmörders, die am Freitagmorgcn in der Nähe des Bahnüberganges von einem Baume entfernt wurde, bis Sonntag- morgen, notdürftig mit Reisern zugedeckt, nur wenige Schritte von der Chaussee entfernt liegen geblieben ist. Da der„Thatort" fiskalisches Gebiet ist, wollte keine Gemeinde die Leiche auf ihre Kosten beerdigen. Durch ein derartiges Aergerniß, das auch'eine hygienischen Bedenken hat. ist das Publikum schon mehrfach.infge- regt worden. Wann wird endlich gründlicher Wandel geschafft werden? Von einem raffinierten Gauner sind mehrere Schönebcrgcr Restaurateure geprellt worden. Der Mann führte sich unter dem Namen„Tapczierermcister E h r e n b c r g" bei den Wirten ein und gab an, mit der Ausführung der Arbeiten an einem großen Bau in nächster Nähe beauftragt worden zu sein._ Da er sich behufs Aus- zahluug von Wochenlöhncii augenblicklich in Geldverlegenheit befinde, ersuche' er um einen Vorschuß. Dieser wurde dann auch meistens bewilligt, da sich der Meister verpflichtete, dafür Sorge zu tragen, daß seine Leute das Lokal regelmäßig besuchen und ihre Bcdürfuissc dort decken würden. Hinterher stellten sich alle diese Angaben als eitel Flunlerci heraus. Dieser Tage wurde der Gauner von der Polizei dingfest gemacht. Die neucingcrichtctc Rettungsstation auf dem Müggelsee hat bereits einen Beweis ihres segensreichen Wirkens geliefert. Ein Berliner Segelboot, die„Möwe", war mit ihren drei Insassen, zwei Herren und einer Dame, am Gcmllndc bei Rahnsdorf vollgeschlagen und gekentert. Zum Glück war das Rettungsboot in der Nähe, und es konnten die Verunglückten und auch das Fahrzeug geborgen werden. Eine Licbcstragödie. In dem Langen See bei Grünau haben am Sonntag der Bäckermeister Schwcmmler ans Friedrichs- bcrg und ein junges Mädchen aus Kammin in Pommern den Tod gesucht. Das Rkädchcn, eine Verwandte des Bäckermeisters, der verheiratet und Vater von drei Kindern ist, war vor einiger Zeit bei ihm zu Besuch. Zwischen den beiden entspann sich ein Liebes- Verhältnis. Das Mädchen reiste in seine Heimat zurück, kam aber kürzlich wieder nach Fricdrichsberg, und nun verabredete das Liebes- paar, da eine eheliche Verbindung ausgeschlossen war, gemeinsam in den Tod zu gehen. Diesen Entschluß brachten sie am Sonntag zur Ausführung. Montag wurden die Leichen auS dem Langen See gelandet._ GeLichks-�eikuttlg. Der grobe Unfug im Q.uadrat. Groben Unfug sollte seiner Zeit der Redacteur Schmid von unserem Münchener Partciblatte dadurch verübt haben, daß er das Zuchthausgcsctz ein„Schandgesetz" genannt hatte. Die Münchcner„Freie Preise" berichtete über die deswegen gegen Schmid gepflogene Gcrichlsverhaudlung und mußte notgedrungen, um das Publikum zu orientieren, den für strafbar erklärten Ausdruck wiederholen. Daraus entsprang für den Redacteur dieses Blattes, Herrn Gottlicb Schwarz, gleichfalls eine Anklage wegen groben Unfugs. Die Verhandlung gegen Scbwarz gestaltete sich dadurch interessant, daß dieser den Vorsitzenden des Schöffengerichts, Ober-LandesgerichtSrat Braun, Vorstand des Amtsgerichts, wegen Befangenheit ablehnte, da sich erstens der inkriminierte Artikel gegen eine frühere Urteilsbegründung des OberlandesgeriStsrats Braun wende, zweitens dieser abweichend von der GcsckiäftSvertcilung des Gerichtes die groben Unfugprozesse der Presse übernehme, sodaß der Verdacht entstehen könne. als leiste er der Regierung politische Dienste. Bezüglich der Geschäftsverteilimg erklart der Vorsitzende, seit 1. Januar bestehe die Anordnung, daß sämtliche Preßdelikte dem Vorstande überwiesen werden. Er(Braun» gehe von keinen politischen Absichten auS und nebme gegen keine Partei Stellung. Also sei auch Befangenheit bei ihm nicht gegeben. Die Parteiangehörigkeit sei ihm gleich; er würde das gleiche thun, ob es ein Socialdcmokrat, ein Demokrat, ein Konservativer oder ein Klerikaler ist. Der Vorsitzende wollte die Verhandlung bis 3 Uhr nachmittags vertagen und in der Zwischenzeit eine Entscheidung des Landgerichts über den Ablehnungsaiitrag herbeiführen. Ver- teidiger Rechtsanwalt Dr. Bernheim bemerkte, wenn das Landgericht den Antrag ablehne, werde der Angeklagte zweifellos sich an das Oberlandesgericht wenden. Es könne also heute doch nicht ver- handelt werden. Man solle doch dem Angeklagten Zeit geben, die Begründung seines Äblehnungsantragcs schristlich einzubringen, wozu er das Recht habe. Dr. Bernheim berührte auch den Km- stand, daß ein Vertagungsantrag abgelehnt worden sei, der mit Rücksicht darauf gestellt worden war, daß in anderen ganz gleichen Fällen gegen das verurteilende amts- gerichtliche Erkenntnis Berufung an das Landgericht ergriffen sei. Redner wundert sich, daß dem Vcrtagungsanlrag nicht statt- gegeben worden sei. Der Vorsitzende erwidert, daß der Vertagungs- antrag vielleicht nicht abgelehnt worden wäre, wenn nicht ein neuer Artikel in der„Münchencr Freien Presse" erschienen wäre, der aber- mals die Vorlage als ein Schandgesetz bezeichnet habe. Da habe man doch einschreiten müssen. Schließlich wird die Verhandlung vertagt, damit Redacteur Schwarz die Begründung seines Ab- lehnungsantrages schriftlich einreichen kann. „Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege." Ein Heirats- gcsuch folgenden Inhalts wurde im Juni d. F. in einer hiesigen Zeitung veröffentlicht:„Ein Architekt in gesetzten Jahren wünscht sich zu verheiraten. Einige tausend Mark erwünscht, jedoch Haupt- fache ein glückliches, stilles Familienleben." Die letztere Bemerkung gefiel der Witwe V... Sie gab ihre Adresse unter den gewünschten Zeichen ab. Bald darauf stellte sich ein Herr ein, welcher angab, der Architekt Roseuberg zu sein, welcher das Hciratsgcsuch ver- öffentlicht habe. Die Witwe V... freute sich. Es währte nicht lange, bis sie einig wurden. Natürlich mußten Vcrlobungs- karten gedruckt werden, und der Bräutigam hatte viel mit dem Adressieren zu thun. Die Witive V... bekam einen ordentlichen Respekt vor ihm, als sie die Namen hochgestellter und geachteter Personen las. Der Respekt stieg aber noch, als sie die in warmen Worten abgefaßten Glückivunschschreibcn las. Die Acrmste ahnte nicht, daß ihr Bräutigam die Verlobnngsanzeigen gar nicht abgesandt, die Antwortschreiben aber selbst nbgesaßt hatte. Einige Tage später führte der Bräutigam seine Zukünftige nach Reinickendorf. Er wollte ihr ein dort gelegenes ihm gehöriges Grund- stück zeigen, das er demnächst bebauen wolle. Er zeigte ihr dort auch ein Stück Grund und Boden und erklärte ihr, daß er die Zeichnung für den Neubau bereits fertig habe. Vorläufig sei ihm aufgegeben worden, das Grundstück mit einem Bauzaun zu versehen, welches 130 Mark Kosten verursache. Augenblicklich seien ihm die Geldmittel etwas knapp geworden. Die Witwe V... sah ihren zukünftigen Ehe- und Bauherrn glücklich an, die 130 Mark wolle sie gern hergeben. Einige Tage später wurde ihr eine böse Ucbcrraschimg. Ein Kauf- mann Cohn legte ihr' einen Wechsel über 200 Mark vor mit der Anfrage, ob sie ihren Namen als Acccptvermcrk selbst geschrieben habe. Ein Mann Namens Roseuberg habe mit dem Papier einen Anzug bezahlen wollen. Die Witwe S... wußte von dem Wechsel' nichts. Am folgenden Tage wurde ihr Bräutigam ver- haftet. Er war weder Architekt noch hieß er Roseuberg, sondern es war der Gärtner Karl Schoele aus Braimschweig. Er konnte sein Gewerbe aber nur selten ausgeübt haben, denn während der letzten 17 Jahre hatte er mit knrzcn Unterbrechungen im Zuchthause gesessen. So war er denn allerdings ein„gesetzter" Mann und an ein„stilles" Leben gewöhnt. Verheiratet und Vater zweier Kinder war er auch. Schoele wurde gestern der vierten Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt und auf Grund seines Geständnisses zn vier Jahren Zuchthaus, vierjährigem Ehrverlust und 180 M. Geldstrafe verureilt. Der vergeßliche Schöffe. Im KriminalgerichtSgcbändc tagte vorgestern nur eine, die 144. Abteilung des Schöffengerichts. Aber nucb hier kam es nicht zur Verhandlung, da wieder einmal ein Schöffe nicht erschienen war. Der Gcrichtsdicuer suchte sieben Hilfsschöffen auf, traf aber keinen zu Hause. Nim blieb nichts anderes übrig, als sämtliche Termine auszuheben und die Kosten dem ausgebliebenen Schöffe» aufzuerlegen. Außerdem wurde der- selbe in eine Geldstrafe von 200 M. geiioiiiincn. Unter der Anklage der Gläubigcrbcgnnstiguug stand vor- gestern der Pantosfelfabrilant Inen icke vor der vierten Ferien- strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte wurde im Januar d. F. zahlungsunfähig. Kurz vor derÄonkurscrlläriing ver- taufte er sein Hans Bcriiauerstraßc 32 an denjenigen Gläubiger, ivclchcr die letzte Hypothek aus dem Hause besaß. Hierin sollte die Begünstigung liegen Nun erklärte der gerichtliche Sachveiffiäudige aber, daß der Käufer bei dem Geschäft einen Vorteil nicht erzielt hatte. Wäre das Hans unter den Hammer gekommen, so würde der Käufer zweifellos so viel dafür geboten haben, als die ganze Hypothcienlast einschließlich seines Guthabens betrug, und für die Geschästsglänbiger des Angeklagten würde dann auch nichts übrig geblieben sein. Unter diesen Umständen erklärte der Staatsanwalt, daß �r die Anklage fallen lasse. Der Gerichtshof fällte ein frei- sprechendes Urteil. Das Fahrrad am grünen Tisch. Nach einer Entscheidung deS Reichsgerichts muß jedes in Beivcguug befindliche Fahrrad abends eine brennende Laterne tragen.-Ein an der Hand gejühneS Fahrrad sei in Bewegung und müsse daher bei Eintritt der Dunkelheit cveu- falls mit brennender Laterne versehen werden. VcvsiFmmlttttjgen. Zum Ausstand der Ttciuarbeitcr nahmen die Stcinbildhauer Berlins in einer am Montag abgchallcncu öffentliche» Versammlung Stellung. Nachdem Schaue rhammcr als Vertreter der Stein- mctzen einen llcbcrblick über die Lage des Streiks gegeben halte, äußerten sich mehrere Redner aus den Reihen der Bildhauer in einem dem Steinarbciter- Streik durchaus günstigen Sinne. Folgende Resolution fand eiiistiuiniige Annahme: Die Ver« fammlnng der Steinbildhaucr erklärt sich mit dem Vor- gehen der Steinarbciter Berlins cinverstandcu und ver- pflichtet sich, dasselbe moralisch und materiell zu unter- stützen. Namentlich ist es Pflicht eines jeden Bildhauer?, die An- fcrtignng von steinmetzarbeiten zu verweigern. Ferner wurde be- schlösse», daß jeder Bildhauer wöchentlich mindesten? 1 Mark als Beitrag zur Streikunterstützung zu zahlen hat.— Unter.Verschiedenes" enlstmid eine längere Debatte, die sich um die kürzlich vollzogene Gründung eines iicucn Vereins der Steinbildhauer drehte. Dieser Verein wird von manchen Seiten angc- sehen als eine Absplitterung vom Ccutralvcrciii der Bildhauer, welche dazu bestimmt sei, die gewerkschaftlichen Interessen der Steinbild- Hauer in einer Sondcrorganisation zu Pflegen. Schmidt, der Vorsitzende des neuen Vereins, behauptete dagegen, es handele sich nur um eine Vereinigung zu geselligen Zwecken. Man wolle zu derselben namentlich diqenigen Steinbildhauer heranziehen, die von dem Centralvcreiu nichts wissni wollen, und die deshalb auch die gewerkschaftlichen Bestrebungen der Kollegen nicht berücksichtigen. D u p o n t vertrat die Ansicht, daß es sich allem Anfchcin nach doch um eine gewerkschaftliche Abzweigung vom Cciitralvcrciu handele, wenn der neue Verein auch anfangs als ein geselliger erscheine. Derartige Sonderbestrebungen auf dem gcwcrk- ichaftlicheu Gebiet müßten doch, namentlich in' der Zeit des Zucht- hanskurseS, wo eine geschlossene Organisation der Bcrufsgeiiossru notwendig ist, gerechte Bedenken erregen. Mit de» Vorkommnisse» iu ver PichelSdorfer(Rade- bergcr) Vraucrci beschäftigte sich eine gut besuchte Versammlung des Ccntralvereins deutscher Böticher(Filiale Berlin», die am Montag bei Wilke, Andrcasstraße, tagte. Den Böttchern ist dieselbe Arbeitsordnung wie den Brauern, über die der„Vorwärts" schon berichtet hat. zur Unterschrift vorgelegt worden. Es haben aber bereits, da sich auch die Böttcher weigerten, dieselbe zn unter- schreiben, Verhandlungen mit der Direktion stattgefunden und wurden den Böttchern in mehreren Punkten Ziigeftäiiduisse gemacht. Nach längerer Diskussion beschloß die Vcrsanim- lung. daß die Böttcher zu den mit der Direktion ver- einbarten Bedingungen, wenn dieselben schriftlich gegeben werden, weiter arbeiten, aber jede ihnen etwa zugemutete Brauerarbeit unter allen Umständen verweigern sollen. Außer- dem aelanate eine Resolution cinstimuiig zur Aiuiahme, iu der sich die Bersammlung mit den Beschlüssen der Spandauer Arbeiterschaft voin 15. Juli einverstanden erklärt und sich verpflichtet, dem entsprechend zu bandeln. Tic Abrechnung vom verflossenen Quartal, die der Kassierer König erstattete, ergab für die Hanptkasse eine Einnahme von 421 M. und eine Ausgabe von 119,36 Dt. Die Lokalkasse vcr einnahmte inkl. des alten Bestandes von 3a, W M. insgesamt 173,33 M. und verausgabte 166,15 Dt., so dag ein Bestand von 67.03 M. verbleibt. Auf Antrag der Revisoren wurde dein Kassierer die Dccharge erteilt. Die Filiale zählt gegenwärtig ca. 300 Mitglieder. Nach kurzer Debatte bcschlost die Versammlung, sich an den bevorstehenden Wahlen des Jnmlngs-Gesellenausschusscs zu bc teiligen und wurden sodann die Kandidaten für den Ausschuß nominiert und zur regen Beteiligung an den Wahlen ausgcfordcrt. Ter Fachvcrciil der Holz- und Brctterträgcr hielt am 25. Juli eine öffentliche Versammlung bei Möhring, Adiniral straße 18c, ab, in ivclchcr Straube einen sehr guten Vortrag über das Krankenkafsenivesen hielt. Sodann wurde H i 1 1 e l als Ver- trauensmann cinstinimig gewählt. Hiernach erfolgte die Abrechnung der Lohnkomntission, welche eine Einnahme von 222,75 M. und eine Ausgabe von 59,30 Dt. ergiebt, mithin bleibt ein Bestand von 163,45 M.; derselbe bleibt der Kommission überlassen. Es wurde» noch mehrere andere Vereinsaiigclcgcnhcitcn besprochen und erledigt. unter anderem machte der Vorsitzende bekannt, daß am 12. August bei S ch n e g e l s b c r g, Haseiiheide 21, das 10. Stiftungsfest statt findet. Freie Vereinigung der Civil-Berufömnsiker. In der letzten Versammlung wurden folgende Wahlen erledigt: M i ch e l m a n n Schriftführer, Hoch, Beisitzer, P a ch o 1 1, GcschäftSamichmer. Bieber, Bibliothekar. Teil dänischen Ausgesperrten wurden 30 M. bewilligt. Der erste Vorsitzende Jusko berichtete hieran' über die Organisationsvcrhältnisse der Brcslancr und Slcttincr Musiker. Letztgenannte haben, da ihre Organisation noch jung ist, schwer zu kämpfen, um sich Anerkennmig zu verschaffen, namentlich die Lehrlingszüchterei und das Beanitenunwesen stehe dort in Blüte Es ist jedoch Hoffnung vorhanden, daß auch in diesen Slädten mit Hilfe der Organisation gutes geschaffen Iverde. Mit einem drei- fachen Hoch auf chie Arbeiterbewegung wurde die Versammlung ge schlössen. Tic Arbeiter und Arbeiterinnen hielten am Freitag eine Versammlung im Lokal zur Drachenbnrg ab. Auf der Tages ordnung staud die„Besprechung der Mißstände in der Anilinfabrik am Lohmühlenweg und wie verhält sich der Arbeitsausschuß dazu". Es tvurde hauvtsächlich über die Bade-Einrichtnng geklagt; es müssen immer zehn Dtann in einer Wanne baden. Ferner ivurde darauf hingewiesen, daß nur der Arbeitsausschuß an den Mißständen schuld sei, weil er nicht um Abhilfe bei der Direktion vorspricht. In der Diskussion teilte ein Redner mit, daß in seiner Abteilung in den letzten fünf Jahren Delegierte zur Krankenkasse und zum Bicrholcn gewählt worden sind � aber nicht zum Arbeitsausschuß. Unter Verschiedenem gab Waise ein kurzes Bild über den Stand der dänischen Arbeiter-AilSsperrung und forderte die Anivesenden auf, unsere dänischen Brüder im Kampf gegen das Unternehmertum kräftig zu unterstutzen. Frl. T r o d e macht noch bekannt, daß zu Sonnabend, den 5. August, eine Versammlung nach dem Lokal von Spekmann in Weißenscc, Königchaussee 55, einberufen wird. Auf der Tagesordnung dieser Versammlung steht:„Die Mißstände in der Nudelfabrik von Max Hemiiger und das Verhalten des Werkführers Hoppe". Der Soeialdemokratische Arbeiterverein für Stralau. RnnimelSbiirg und Nmgegend hielt am 30. Juli in der Stralaucr Brauerei seine Generalverfammlnng ab. Zum ersten Punkt erhielt Genosse K o tz k e das Wort, der einen Vortrag über die Arbeiter- bcwcgung in Frankreich hielt. Es folgte dann der Kassenbericht der eine Einnahme von 374,49 M., eine Ausgabe von 249 11 M und einen Kassenbestand von 125,38 M. aufweist. Der Kassierer gicbt bekannt, daß 42 neue Mitglieder hiuzugekomnien und 14 auSgetreter sind, daß der Verein eine Mitgliederznhl von 415 hat und daß der Vorstand 50 M. für die dänischen Arbeiter bewilligt habe. Berg er berichtet, daß im letzten Vierteljahre 54 Bücher' gelesen wurden und fordert Redner die Gcnosseit auf, sich recht rege an der Bibliothek zu beteilige». Die Büchcrausgabc erfolgt jeden Freitag, abends von 8—9 Ilhr, Goethcstr. 11 vorn 4 Treppen. Unter Ver- schiedcnem gab der Vorsitzende bekannt, daß der Verein zum 12. No- vember, nachmittags 4 Uhr, die Urania gemietet hat. Zum Schluß Iveist der Vorsitzende darauf hin, daß in diesen, Jahre die Lassallc-Fcicr am 27. August statlstndct, und zivar in Rummelsburg in zwei Lokalen, bei Piatkowsky, Hauptstraße, und Neue Prinz Älbertstraßc bei Kroschlh, und für Stralau in der Brauerei Strakm. Redner forderte die Genossen auf, sich recht rege an der Feier zu bc- tciligcn. Treptow. In einer Volksversammlung, die am 26. Jnli im Lokal des Herrn LoiidSberg tagte, erstattete Fritz Z u b e i l als Vertreter des Kreises Bericht über die verflosienc Reichstagssesstoit und insbesondere über die Thätigleit der socialdemokralischen Fraltion. Besonders scharf kritisierte der Referent die sogenannte Zucht- hansvorlagc lind forderte die Anivesenden auf, im Kampfe und in der Agitation gegen diesen Gesetzentwurf nicht nachzulassen, da die Zuchlhausschtvarmer und auch die Reichsregieruiig " ll es daran setzen werden, um diese Vorlage zum Gesetz zu erheben. Lebhafter Beifall beivies, daß die Zuhörer mit dem Rercrenten einer Meinung waren. Von einer Tiskussion ivurde Abstand genommen. Zur Lokalsperre gab Krebs einen kurzen Ueberblick. Der Stand der Sperre sei bis jetzt unverändert� Pflicht der Axbeitex sei es, die Lokale von Schulz, Acker in a n n und N c h s c streng zu meiden. Auf eine Anfrage, warum in der letzten Lokakliste-alle Lokale in Biunnschuleuweg als gesperrt angeführt seien, außer Stasscld, wurde erwidert, daß dies mir auf die VersmuiulungSIoknle und nicht auch auf' die klcincreir Nestau- rationcn zutreffe. Sodann ivurdcn Krebs, P irisch und W v i l s ch l n g e r als Delegierte zur nächsten Krciskonscreiiz gewählt. Die Abrechnung vom Maivergnngen ergab eine Einnahme von 33,50 M. und eine Ausgabe von 64.75 Dr., Desieit 31,25 M.; dies ist dadurch zu erklären, daß seitens des NnitSvorsteherS Schmock nicht nur Theater und Tanz, sondern auch Konzert verboten wurde. Zum Schluß gicbt P i e t s ch bekannt, daß die nächste Versammlung ! es Socialdeiuokratischcn Vereins„Vorwärts" am 2. August, abends 8Vz Ilhr, bei Stasscld. Baumschulcnstr. 84,85, statlsindcl und fordert zum regen Besuch auf. !h)eiffensee. Am 25. Jnli fand hier eine Gewerlschnfts-Ver- sannulung statt, die von Männern und Frauen zahlreich besucht ivar, Eenolsc Rein sprach über:„lliisallvcrsichcrnng. Bernfsgcnossen- schaftcn lmd Vertrauensärzte." Der Vortrag ivurde beifällig aufgenommen mit» ivar zeigte, wie sie sich Recht zu gelangen, insofern von Wichtigkeit, als er den Anivesenden bei Unsällcn zu verhalten haben, um zu ihrem In der Diskussion versuchten ein paar Anarchisten, siir ihre Ideen Propaganda zu machen, wurde» aber vom Rcserenten und dem Geiioffen Karow gebührend abgeführt. Für das in Aussicht stehende Eewerbegcricht sind, wie mitgeteilt wurde, Fragebogen ansgegeben worden. Es wurde den Versammelten empfohlen, dafür zu sorgen, daß die Fragebogen fleißig bcnntzt und in den mit Plakaten belegten Stellen ivieder abgegeben werden, Nachdem noch zur Bcthätignng an der gewerkschaftlichen ivie politischen Organisation aufgefordert war, wurde die Versammlung geschlossen. Geute�scheiftliriies» Für die ouSgesperrteu Arbeiter Tänemarks giiigen bei der Berliner G e w c r k s ch a f t S k o in i» i s s i o n solgeudc Beilräge cm: Arbeiter der Piiuiosabrik von Gicle n Reinicke, ousicr zweien, 7,20. Kollege» der Werlstoii Morgenstern, Plan-Ufer 14,60, Geselliger Verein .Voran", Dnnclcrst r.chc 16,-, Tischlcnverlstatt von Kuck 4,70. Möbelfabrik von Barth, Frnchlflraste 21, Z5. Möbelsabril von Equitz, Groste Frau.snrterstraste, 6. Rate 7,80, Tischlerei von Röster u. Schmidt, Groste Fraiilsurterstraste 8,15. Vcrgoldcr W, Müller, Frllchtstraste 4,05, Fräser der Schneidemühle von Krohue, Beninuerstrastc v,55, Bau Elisabeth-Ufer 24 2,—, Tischlerei von Gossow, Teliowcrstraste 1>,Z5, Herriilanu, Schuhmacher, auf Listen 64,45. Tischlerei v. Kliule, 5, Rote 8,35, Arbeiter der Firma Hcimz 11,80. Buchdruckcrei Deutscher Verlag, Accldciiz- Abteilung 16,70, Bitchdriickerei Gebr. N, 4,!»0, Maler aus Listen durch Link 40, so, Malerbude Chorlottcubnrg, Schillcrstr. IIS 26,70, G, Geisler, Köpenick siir Filiale 4, Berlin 50,—, Alter Parteigenosse, Buchhalzcrstraste>0,—, Luxusmöbelsabrik von Gustav Ehrlich. Kroncustroste 5,30, Buchdruckcrei von Schriniier 10,—. W, H,—.55. Klub der Harmlosen 5,—, Gemütliches Znsamincnscin bei Piniier 1,50. Gesangverein„Immergrün" 8,—. Tischlcrei von Bollmanii, Rüdersdorferslraste 12,60, Ploiivfortefobrik von Ncufcid 8,—. Korbmacher ans dem Jahre 1892, 19,—. Pelerieu 8,10, Werkstatt Ellrodt 20,—. Bildhaucr-Wcrlstatt 5,80, Tapezierer der Filiale Süden Berlin 25,—, Gc- sangvcrci»„Morgenrot" Köpnick 20,—, Verband der Maurer, Zahlstelle Weisteiisee 50,—, Lese- u. Diskuticrllvb Ost 10,—. Verband deutscher Barbiere, Zweigvcr. Berlin 10,—. W.H., Ostbahnhos 2,—. SvarvereinHumanität. 50,—. Beizer v. I. C. Psaff 7,—. Giiiigc Veisicherungsbeamte 2,25. Kurzschlub, S. ix. H.. Charlotteiibiirg 10,55. Maurer«. Eo., Maschinenfabrik 4,—. Möbelfabrik von Hoismann, PaMsadeilstr. 70 11,60. Stockarbciter von Äenliuert 7,00. Moschiuen- Arbeiter von Lange u. Wazncr 3,50. Fr. stieichardt 3,00. Buchdruckcrei von Fcyl u. Eo. 3,60. Personal dcr Buchdruckerei von Julius Sittciiscld, 2. Raie 60,50. P. Haupt auf Listen l l,70. H. Schöbe! 4,70. Pianofabrik Wähler, Lavdsbcrgcrstr.,-2. Rale 6,60. Tischlerei von Sust, Pallisodciistraste, 11.—. Neubeld». Co., Köingsberger- straste, 10,05. Möbclvoliercr von I. C. Psaff, Saal l, 5.65. Tischler-Werk- stall von Blliigrr. Görlitzer User, 12,30. Verein der Posameuticre durch Schüler 20,—. Fabrik von Gäudrich 6,35. Möbeltischlerei von Hennig, Wcinslraffe, 6,—. Arbeiier der Piaiioiabrik von A.Herbst 7,45. Tischlerei von Jarius, Höchstestrastc, 10,35. Möbelfabrik v. Krame u. Korilla 2. Ratest,—. Möbclsabr. v. Witte, Kövigsbergerstrastc, 1-2,—. Tischlerei v. Th. Wier, Frieden- straste, 6,60. Möbelfabrik v. P. Meißner, Langestraste, 5,45. Hvlzbcarbcituvgs- Fabrik o. Pristaff u. Bicgcr7,70. Tischlerei v. Osten, Bruimeiistrastc, 0,—. Mehrere Arbeiter aus der Ackerstraste 3,70. Gesaiigveretn Nordwacht 40,—. Arbcitcr von Stern, Seliger u. Ca., 2. Rate, 8,85. Personal Janiszcwski 5,25. Schuh- wacher d Burghagen-22,80. I. Müller 2,—. Gesellen v. Marlgraf u.Tau, Ciwrvstraste, 8,75. Gras, gesammelt Langestr. 41, 7,45. 4 Bildi-aner und Conrad, Äönigsbergcrstraste, 5,50. Drechsler u. Maschinenarbciter von Psaff 17,75. I. C. Piafs, Saal II 11,—. A. Harudt aus Listen 33,—. Buckidriickerei-Hiissarbeitcr, Borschuh auf Listen 100,—. Maurer, d.W. Schulz 23,*0. Buchdruckerei Poiekel 8,—. F. 3., Musiker 4,—. Parkcttiustboden- sabrik Leibe u. Co., Grostbcereiistr., 27,—. Tilailcrei Böttcher, Adalbertstr., 2. Raie 8,25. Velband der Porzellanarb. Berlin II 50,—. Ärb. d. Firma Rino u. Kaps. Laiiipeilfabrie 0,30. Tischlcrei v. Karras, Webers! raste, 4,—. Tischlerei v. Ziaucke, Kraulstraste 4Z5. G. Krückeberg 12,80. Dtaast, Tischler auf Listen 14,80. Tischlcrei von Ochank U. Franz 13,40. Einige Itempel- lulis 3.75. Tischlerei von Karl Döring 9,55. Möbelfabrik voü Weltewitz, Fruchtstrastc 6,50. Berichtigung der ketzleu ÄbrechnlMg: statt Müvelsabrik von Kümcl »mß es»eisten Möbclpolterer. Weitcrc Beiträge werden im Berliner Gcwerkschaftsbiireau, Aiillelistr. 16, I, vormittags 0—1 Ilhr, liachuiittags 6—8 Uhr entgegen gc- iiommen. Der A u s s ch n ß der G e w e r k s ch a f t s- K o m m i s s i o n. Ciilgegangriie Drnlfschrifte». Bon der„Neuen Zeit"(Stutigort, Tietz' Berlag) ist soeben daS 45. Heft des 17. Jahrganges erschiciicii. Ans dein Inhalt heben wir her- vor:' Klafsciikainps-Dogiiia und Klassenkanipf-Wirklichkeit. Anlivort an K Kautsky von Ed. Bernstein.— Ein Kritiker der materintistilcheu Geschichks- tlieoric. Bon Heinrich Ciinow.— Gesetz und Sprache. Bon Euill Rcchcrt.— Kapilalgewinn und Arbcitcrlos bei der Cemeiilsabrikation. Bon H. Bogel.— Revue der Revuen.— Littcrariiche Nundlchau i Friedrich Hertz, Die agrarischen Fragen im Verhältnis zum Sozialismus.— Feuilleton i Ein Blatt aus dem Leben der Enterbten. Bon Rvb. Schweichel. (Fortsetzung.) Bon der„Gleichheit", Zeitschrift für die Jiitcresscii der Arbeitcrinne» (Stuttgart, Dietz Berlag) ist uns soeben die Nr. 16 dcS 0. Jahrgongs zu gegangen. Aus dem Inhalt dieicr Nummer heben wir hervor: Her mit dem Fraucuwohlrccht.— Der interna tionale Fraiienlongrch in Landau. an Lily Braun-Berlin.(Schlust.)— Der Wahlrechtskauips in Wien. Bon Adelheid Popp.— Jeanette Schwerin ß.— Feuilleton: Zu eng. Ans den Papieren eines Arztes. Von Richard Dehmel.— Notizcittctt von L.!y Braun und Klara Zetkin: Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Weibliche Fabriliiispektoreil.— Dienslboleiisragc.— Francnbcwegiing. Vevmrschtes. Schlechte Propheten. In einem interessanten Aufsätze über die Entwlckelung» n d Bedeutung der Eisenbahnen stellt der bayrische Geiieraldircltions- Sekretär Muschwcck in der Zcitmig dcS deutschen EisenbahiivereinS" folgende weniger bekannte illteilc aus der ersten Zeit der Eisenbahnen giisammcu. Die wissen schaftliche Zeitung„Qnalcrly Review" schrieb im Jahre 1319:„Die Jdce einer Eisenbahn ist praktisch unanSführbar. Gicbt es etwas Lächerlicheres und Absurderes als das Projekt eines Dampswagens. welcher zweimal so geschlvind gehen soll als unsere Postwagen? Eher ließe sich erwarten daß man sich im Artillericlaboratoriiim zu Woolwich mittels einer Kongrcvcschen Rakete befördern läßt, als durch die Gnade einer doppelt so schnell als unsere Postwagen laufenden Lokomotive". Lord Brougham mackite sich über den tollen Einfall der Ingenieure" lustig,<00 Persoucn in sieben Wagen verpackt 24 Kilometer m der Stunde befördern zu ivollen. Als daS Projekt vom Bau der Liverpool- Manchestcrbahn ans- tauchte, prophezeiten die Schwarzseher, alle Häuser in der Nähe der Bahn würden in Brand gesteckt, das Getreide reife nicht, die Wiesen verdorrten, die Kühe hörte» auf zu weide», die Hiihncr Eicr zu legen, die Vögel in der Luft erstickten, Fuhrleute und Kutscher müßten samt ihren Pferden verhungern. der Lnstdrnck würde die Passagiere töten, Kcfsclexplosioncn ivärcn unverincidlich. Thiers verhielt sich noch im Jahre 1836 gegen den Bau von Eisen- bahnen ablchncud; denn„man möchte nicht gern durch die Anlage von Eisenbahnen das Leben der Reisenden unss Spiel setzen". Der Naturforfchcr Franz Arago riet bei der Berhandlnng über die Vcrsaillcr Bahn von dem Bau eines Tunnels ab, weil daS Leben der Passagiere durch den Wechsel der Temperatur und durch die Möglich- keit von Explosionen der Lokomotiven sehr gefährdet würde. Eveuso riet er-mit- Rücksicht aus- die Geflilirlichlcit des Betriebes davon ab, ein und dasselbe Gcleiic durch raschfahrcnde Personenzüge und langsamsahrendc Güterzüge'zu benutzen. Auch der Rcittablität der Bahnen stellte er-an der Hand der Statistik des Personenvcrlchrs bei den Diligcnccn kein günstiges Prognoslilon. Papst Gregor XVI. erklärte die Eisenbahnen für„ein durchaus vcrabschcming-swürdigcs Transportmittel". Ein großer Brünucr Fabrikant namens?inspitz brach, als er davon hörte, daß Rothschild eine Bahn von Wien nach Brünn ballen wollte, in den höhnischen Ruf aus:„Narrheit! Die Diligence verkehrt immer leer auf der Strecke, und da soll sich eine Bahn rentieren?" Als Kaiser Ferdinand dem Bankier Rothschild das Privilegium zur Erbauung der Nordbahn erteilte, spottete er:„Geben ivir'S ihm, lange kann sich so etwas doch nicht halten." Grill- parzer spottete:„Eisenbahnen, Anlchn und Jesuiten Sind»n- bestritten Die Wege, die wahren, Zum Teufel zu fahren." Ehe der Bau der Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth begonnen ivurde, gab das bayrische Obcr-Mcdizinaltollegium ein Gutachten dahin ab, daß der Fährbetrieb mit Dampswagcn im Interesse der öffentlichen Gesundheit zu untersagen sei. Die schnelle Bc- ivcgnng erzeuge mischlbar eine Gchirnlrankheit bei den Passagieren. die eine besondere Art des delirium furiosum darstelle. Wollten die Fahrenden der Gefahr trotzen, so müsse der Staat ivcnigsicns die Ziischaucr schützen. Der bloße Anblick eines rasch dnhinfahrcndcn Danipfwagens erzeuge genau dieselbe Gchimkrankhcit; es fei deshalb zu verlangen, daß der Bahnkörper zu beide» Seiten mit einem dichten, mindestens fünf Fuß hohen Bretterzäune umgeben werde. Ein Redner des bayrischen Land- tages meinte, daß Bayern, da cS keine überseeischen Verbindungen habe, auch keine Eisenbahn brauche. Als der Obcrivcgebäu- Inspektor für Pommeln, Neuhaus, nach England reisen lvolltc, um sich über die neuen Eisenbahnen zu unter- richten, fertigte ihn Bcnth, der Direktor der Abteilung dc§ preußischen FinanzministcriulnS für Handel und Bauwesen, mit den Worten ab:„Lieber Neuhans, ich habe Sie bis jetzt für einen vcr- nünftigcn Menschen gehalten, aber ich fange an. daran zu zweifeln." König Ernst August' von Hannover wollte keine Eisenbahnen im Lande, weil„sonst jeder Schuster und Schneider so rasch reisen kömttc lvie der König.' Aber es hat auch nicht an weit- sichtigen Mäiniern gefehlt, die mit scharfem Auge den Wert der Eisenbahnen sofort erkannt haben. Georg Stephenson brachte bei der Eröffnung der Pferdebahn von Stockion nach Darlington folgenden Trinlspriich ans:„Die Zeit wird kommen, Ivo die Postwagen auf den Schienen laiifen und die Eisen- bahn die Hauptstraße für König und Unterthan sein wird, und Ivo man billiger mit dem Dampswagen als zu Fuß reist." König Ludwig I. von Bayern sprach sich bereits 1826 dahin ans, daß der Bau einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth höchst ivünschcnS- wert und leidtit ausführbar wäre. Bei der Einweihung der Berlin- Potsdamer Bahn am 29. Oktober 1838 prophezeite Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen:„Diesen Karren, der durch die Welt rollt, hält kein Menschenarm mehr auf." Der ungarische Dik- tator Ludwig Kosjuih erklärte den Bau der Eisenbahn sür ein LebcuSbcdiirfiiis. Ucbcr ein Eisenbahiiungliiek wird anS M ü n ch e n berichtet: In der Nacht znni Dienstag ist der Schnellzug München-Lindau Nr. 75 mit der Maschine des Güterzuges Nr. 2110 in der Station Hergatz zusanimcngcftoßcn. Der Heizer des Zuges Nr. 75 ist schwer, der Lokomotivführer und ein Reisender sind leicht verletzt. Die Lokomotive und zwei Personenwagen sind beschädigt. TaS gelbe Fieber. Ans New D o rk wird berichtet: Nach den letzten Berichten aus dem Soldatcnheim bei Hamptou beträgt die Zahl der am gelben Fieber Erkrankten jetzt 35; vier Soldaten sind gestorben, einer liegt im Sterben. In der ganzen Umgegend von Hampton herrscht große Besorgnis vor einem Umsichgreifen der Epidemie. Die Stadt Norfolk hat sich durch eine Quarantänc gegen die Halbinsel, ans der Hanipton liegt, abgeschlossen. Ans dem bc- kannten Badc-Ort Old Point Eomfort, der sich in der Nähe befindet, flüchten die Badegäste. Von den am gelben Fieber Erkrankien sind bisher sechs ge« siorbcu. Die in Fortretz Monroe gariiisouiercnhen Truppen sind iveiter nördlich dislociert worden. Dir Stadt Budapest darf den Ruhm in Anspruch nehmen. auf dem Gebiete lommniialer Sparsamkeit als schwer erreich- bares Vorbild zu gelten. Wir lesen darüber im„Pcstcr Lloyd": „Tic hanptstädlische Finauzlommifsion beschloß mit Rücksicht auf die migünstiarn finanziellen Berhältnissc der Haupisiadt, daß vom nächste» Jahre angefangen in den städtischen Amtsslnben eine mindere Qualität von Scki'rcivpapier benützt werden soll. Weiter beschloß die Kommission, natürlich ebenfalls aus SparsamkciiSrücksichtcn und zur Verhüliing einer eventuellen Verschivendung. daß das � Lösch- papicr nicht in ganzen Bogen, sondern nur in kleinen Streifen den Acmtcrn zur Verfügung gestellt iverde. Die radikalste Maßregel aber, die zur Wiederherstellung des gestörten Gleichgewichts in miserer kommnnalen Haushaltung getroffen wurde, besteht darin, daß sich die Fiitanzkominission dazu aufraffte, eine gewisse Sorte Papier, dessen Besliminmig hier nicht angedeutet werden kann, den Amtsstuben mid anderen Lokalitäten ganz zu entziehen." Auf Tau Domingo hat am 28. Juli ein heftiger Orkan große» Schaden angerichtet. Auf der Reede von San Domiiigo find 3 Segelschiffe nutergegangen, von der Beinannuiig der 3 Schiffe ist nur 1 Mann gerettet worden. Kein Räuber. Ans K onstantinopel meldet der Telegraph: Der Kiirdenhäuptling Hnffein Pascha, welcher besckinldigt war, die AiiSraubuiig und Verivmidung eines dcnischen Archäologen veranlaßt zu haben, ist vom Gericht in Wau freigesprochen ivordcn. Vriofskilsten der Redaktion. Tie im-Islllclie Spi-i-ckiliiiiibe wird DienstägS, DounerStilgV»nd Freiings niiends vn»(» bis 8 Ittir»»gelinlie». Schlasbiirfche. In vier Jnffrcii vorn Ablnus des Jahres»ff, i» dem die Forderung entstnnoen ist. Viert. Pnnkuiv. Sie können�wenn dies dos Statut Uiläßr, den Vorstand verklagen. Ist das nach dem Statut nicht müglick», ninfflcn Sic alle Mirglieder verklage».— N. 2.. Sieglitz. 1. War Jlir Junge zur Zeit der Schadcnszufstgnng unter 7 Jahren: ja, sonst i nein. 2. Nein. 3 Nein Sie uiüsten sicki direkt an die Anstalt wenden. — S. L. 209. Eichung, Eichstrich, EichiiiigSstcuipel, nicht Aickning, Aich- strich, Alchstempöl ist die richtige Schreibart. Eickieii kommt van echt, echt machen her. Strafbar ist ein Wirt, der in imgeeichteii Gläsern Bier verabreicht. Wenn er das Glas nicht hiS zum Eichstreich füllt, braucht der Gast das Bier nicht aiiziiiiehmeil und nicht zu bezahlen. Eine hici-iibcr hinaus- gehende„ge'etzliche Verpslichtmig, das Glas Bier bis an den Eichstrlch zu füllen", besteht nicht. Schundet der Wirt, so macht er sich nicht strafbar, verliert aber mabvvllcs Getränk liebende Gäste.— P. H. 4. l. Leider steht der Wittwc eine Pension wohl nicht zu. Sie kann sich wegen Gewährung einer Uiiteistützimg an die Tvciibahndlrcktion wendrii. 2: Das Gesuch ist an die Genteindevcmialtinig, beziehungsweise an die Arnienionimilston zu richten.- O. K. in Berlin. Etwa 12.50 biS 15 M. bis zum vollendeten 6., und 15 bis 18 M. monatlich bis zvm vollendeten 14. Lebensjahre werden alS angeniesten erachtet. Hlislim. Falls Sie nicht ans der Landeskirche ausgetreten sind, haben -sie die Kircheiistcuern z» zahle».— F. K.. Adl. Sie sind zur Zahlung der Klirkostcn und z»»i vollen Schadcnerfay(für cittgaiigcnen Arbeitslohn) verpstichtet.— jleintal. Gegen rcchiskräftige ilrieilc läßt sich nichts machen. Ist das von Ihnen gemeinte Urteil noch nickit rcchtskrällig, lo wäre Revision an das Rcichsgerichr zuläfstg.— O. T. 1. Der Chef ist biirchanS im Recht. Marktpreise t>ou Berlin am 3l. Jnli 1S!)1) nach Eriinttcliiiigen des tgl. Polizeipinjidinnis. «'.Weizen D.-Cir. 16.19� «/Roggen„ 15.10 Fnlicr-Gerstc. 13,60 Hascr gut„ 15.60 ., mittel ,. 14.50 .. gering. 14.20 Nichtflrvh„ 4- Heu„ 6,— Mrbscn„ 40,- P)Spciseboh»en. 50,— i-jL.inscn. 70,— Kartostcln, neue., 10,— Riudsteifch, Keule l Iiz 1,60 dv. Bauch„ 1,20 ) Ermittelt pro Tonne 14.60 13.80 13.- >5,- 14,30 13,70 3.66 3,30 25,- 25,- 30- Schweinesteisth Kalbfletsch Hamiiielsicllch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hecht« Barsche Sckileie Bleie Krebse 1,20 1.- von der Ceittrnlslellc Ist" 60 Stück 1 st'L per Schock 1.60 1,60 1,60 2,40 3,60 2,00 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- Zü ],- 2,- 2,40 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,00 0,80 2,50 der Prenß. Landwirt« schaliskamincr— Noliernngsstelic— und lnngcrechnet vom Polizeipräsidium für de» Doppel-Eenwer. -f) Kleiiihandelspreiie. Der wcseittlichc Rückgang an den norbanierikaiiischeii Getreideböisen blieb aus die Tendenz des hiesigen Marktes nicht olinc Emstuß. Da außer- dem das Wetter der Ernte wieder günstiger ist und"as Angebot aus dem Jnlande sich steigert, io verkehrten am hiesigen Platze Welzen und Roggen tu matter Haltung. Am Frsihniarkle waren beide Artikel im Anschluß an den gestrigen emvfiiidlickien Preissturz noch ca. 1 M. billiger angeboten. Ei» weiiem Rückgang wurde durch die geringen Bestände der hiesigen Lager verhindert. Die letzteren belauseil sich nach der heutigen Auinahme aus 5880 Toniien Weizen(-- 771 Toiincn negcn 1. Juli) rnd 027 Tow'.en Roggen k— 3281 Tonnen). Hascr gab 1/1 M.»ach, Rüböl still, eher ichwnch. — Am S p i r i t u s m a r k r wurden 18 000 Liter 70er loco mit 42,70(un- verändert) gehandelt. Termine schwächten sich leicht ab. Karivfielmehl loca 10,40 M. Trockene Kartostelstärke loco 10,40 M. Feuchte Kariojjelstärke loco-,- M._ ZLitteiuiigSiibcl licht vom I. Anglist 1899, niorgenS 8 Ilhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien s s � s Zs Ii I 2 f SS 770 NW 773 NW 772 WNW 772NO 773.NO 771NNW Wctter ssi --» . 1! c» ■ w- 18 i« 3, beb eckt Fbedeckt Zbcdeckt j 15 stbedeckt G 4)vvlkenli 16 2chedeckt Statlonen aü 8>~ 5£ S s ffaparanda Petersburg Cork Abcrdeen PariS 755�W 72.NW 769 WSW 771 NO Wetter 2hlb.bed. I.heiter 2heiter stwolkenl ws: -i. i Z d» 13 1? 22 17 Wetter-Prognose kür Mittwoch, den«. Anglist 1899. Ziemlich warm, tcilö heiter, letlö wolkig bei mäßigen westlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. B x t l i»«: W e t t e r b u r e a n. Saure Gorkenzeit welche naturgemäss einen rnhigen Geschäftsgang zur Folge hat, ist es jetzt erst möglich geworden, diejenigen Waren, welche in den verflossenen Monaten Dnroh die%Jf iUIIJI Gc, durch deu holossaleu �udravg weder ausgelegt noch sugedoten werden houuieu, 2UM Vsrhsul 2N dring en! Ls«lud dies uur Vareu guu� vorzüglicher, teurer yualitüt, welche jsM last 2« deuseldeu Freiseu wie soust geriugere Vare verhault werden Ldleu. Wssvks Hill Zrosser rosteu hOChlelller DälUeil-TEg- UDd Nachthemden uns sonstige Ileslioss mit feinster Schweizer Stickerei für Ausstellern ganz besonders empfehlenswert, ferner: Damen-Hemden, Prisenform und Schuiterschiuss, 2—5 Mk. 1 Beinkleider 1,25 5 Mk. Nachtjacken 1,50— 4,50 Mk. Nachthemden 2— 9 Mk. Frisiermantel 2— 10 Mk.| Anstandsrocke, weiss und farbig, 1,50— 4 Mk. Promenaden-B&cke mit Valencienne-Spilze und Stickerei 3— 10 Mk. Ein Posten hooheieganten grosses« Hausschürzen durchschnittlich StÜCk mir IWk, 1,50a Bstnmwollwaren. Louisianatuch, feinste Ware, Bett-Damaste und Diinäiis, EEsässer Hemdentuch und Renforces, Shirtings iu allen Breiten. Leinenwaren. Reinleinene Damasttafeltücher und Servietten, Sehr gute reinleinene Gedecke, starkfädlg, für 6 Personen 5 Mk., für 12 Personen 9 Mk. Einzelne'FÜSCSltiicher ganz guter Qualität, je nach Grösse 2— 8 Mk. Ein grosser Posten iiocMeine reinleinene Taselientüelier, � Dtzd. 1,50 Mk. ws zum feinsten Lemenbatist, T e p p I c h e. Handgekniipft Sm�rna in allen Grössen, pro Quadratmeter 9, 12, 15 Mka Velour, Axminster und Tapestry, anerkannt gute Ware, zu auffallend billigen Freisen. €r a r d 1 n e n. Spachtel-Gardinen und Stores. � � �. S— 20 fSßk.| Engl. Tüll-Gardinen t Einzelne Stores und Oardlnen vom Stück besonders billig. Portieren in reichhaltigster Auswahl. *; Fenster 2— 8,50 Mk. Porzellan- und Glas-Abteilung. Als ganz besonders empfehlenswert: ROCOCO-Tafel■ Service in sehr vornehmen Formen und Decors, für 12 Personen, 78 Teile do. do. do. für 6 Personen.................... Kaffee- Service, das feinste, für 12 Personen, 16 Teile mit Theekanne.............. do. do..,„ 6 Personen................... Wasch-Service...... Mk. 8, so, 7,75, 6,00, 3,75, Ferner ein grosser Posten feinster französischer Wein- und Wasser- Karaffen...... Mk» 1,25, 1,75» Mk. OD, 40, 30. Mk. 16 und Mk. HjSO. Mk. 12. Wik. 5, 3,50. Es ist jedoch selbstverständlich, dass in allen Artikeln auch billige Qualitäten am Lager sind und zu den bekannten Preisen verkauft werden. 'fS&j&l MHZ•■ V*"]•; l\'■- Magazin ü. Lnbasch Veranttvorttichcr Redactcur: Nngust Jacobe» m Berlin, �ür den Jnseratentetl verantwortlich: J». Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 178. 16. 2. Keilaze Ks Jiritiürts" fttlnift Jollislilntt.-»>»'»• 4ö. Allgmeiuer Vereinstag)tt auf Selbsthilfe ktiiheiibtit kriiierbs- iini) Wirtschastg-Keiloffellslhaftell. Nach dcr am Montagabcnd erfolgten Konstituierung wurde der Gcnosscnschnftstag gcstcnr, DicnStag, durch eine Ansprache des zum ersten Vorsitzenden erwählten Vcrbnndsdircktors Pröbst-München er- öffnet, in dcr er die nicht unintcrrsiaiite Diittciliing machte, das; 1849 dcr erste GclloiicnschaftStag, dcr in Dresden stattfinden sollte, von dcr sächsischen Regierung verboten wurde. Sachsen lvar eben allezeit voran. Die Regierung war doppelt, unter deutscher und preußischer Flagge vertreten. Als Vertreter der ReichSregiernng nahm Herr Geh. Ober-Regicrungsrat Dr. Grnnert das Wort zir folgender Ansprache: Im Auftrage des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Staats- sckrctärs des Rcichsamts des Innern habe ich die Ehre, Sie zu bc- grüßen. Dcr Umstand, daß Sie diesmal Ihren Genossenschaftstag in Berlin abhalten, hat die deutsche Reichsregicrung veranlaßt, sich auf dem Gcnosscnschaftstage vertreten zu lassen, um aus Ihren Verhandlungen zu lernen. Die deutsche Reichsregiernng begrüßt die Entwicklung des Genossenschaftswesens mit Freuden nnd verkennt nicht einen Augen- blick, welch großen Anteil an dieser Entivickelung Ihr Verband hat. Ihr Herr Vorsitzender hat bereits darauf hingewiesen, daß die Gc- nosscnschaftcn dadurch erstarkt seien, daß sie aus der Grundlage dcr Selbsthilfe sich aufgebaut haben. Die deutsche Reichsregiernng steht diesem Gedanken und dem Genossenschaftswesen an sich sehr sympathisch gegenüber. Die deutsche Reichsregiernng wird den Genossenschaften Schutz und Schirm, aber auch freie Entivickelung gewähren.(Sind darin auch die gegenwärtig mit sogenannten Umsatzsteuern drangsalierten Arbcitcr-Konsrmi vereine eingeschlossen?) Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Ihre Verhandlungen dazu beitragen werden, das deutsche Genossenschaftswesen zu fördern und zu stärken. In diesem Sinne begrüße ich Sie und wünsche im Namen der deutschen Rcichsrcgierung Ihren Vcrhandlnngen den besten Erfolg.(Lebhafter Beifall.) Darauf nahm Herr Geh. Ober-Justizrat Dr. Vierhans das Wort: Im Auftrage meines Chefs, des preußischen Herrn Justiz- Ministers, habe ich die Ehre, Sic zu begrüßen. Ich spreche diesen Gruß ans gleichzeitig im Namen dcr Herren Vertreter des Ministeriums für Lnndivirtschaft, des Ministeriums für Handel und Gewerbe rmd des Fmanzministeriums. Auch die preußische Staatsrcgicrnng steht der Entwickelung des Genossenschaftswesens sympathisch gegenüber und betrachtet es als ihre vornehmste Auf- gäbe, den Genossenschaften Sckmtz und Schirm anaedeihcn zu lassen. /, Uhr: Gastspiel Heinrich Bütel: Martha. Freitag, abends 7«/, Uhr: Volketllmllclio Opern-Vorstellung bei halben Preisen: Der Waffenschmied. S 0 n n a b e n d, a b e» d s 7 V, U h r Gastspiel Heinrich Hiitei: l»lc weisse Harne. Sonntag, abends 7»/, Uhr: Gastspiel Simeon Imgartl: Hie Jüdin. Passage'Faiioinicuin Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Aken! Aken! Oes urkomlsebo Biickebupger Lauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. f«3 CASTANS PANOPTICUMI Hie sensationellen LT lebenden-« Photographien![ In Lebonsnrösso. Die russische Uiicnnil" Datnenkapelle �lnll]llUll In moskowltlschen Kostllmen. Viele neue plastische Ciruppcn nnd Figuren. Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. GrUsster Suison-Erfoii;!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclallt.-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe. Werner-Air.oros- Company etc. etc. A n l'a n g 8 F h r. Lste«i>-Cllrl Weist-ZWn. «>r. Frankfnrterstraste Iii». Vorlehtes Gastspiel der russischen .in Schauspielerin llllsadetb vorewa. burieuue Eeeouvreur. Draina in 5 Akten von Seribe. Aiisang 71/2 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigleit. Sonnabend, zum erstenmal: Tie Kubanerin. Aktuelles Schauspiel in 7 Bildern v. Okonkowskv. Heute im Garten: Kindersrenden- fest. Zum vergnügten Storch. Voll- ständig neues August- Prograuil». 27 Nummern. Auf. 5 Uhr. Saison- karten haben Gültigkeit. Moilorne Crossstadtplraten. Operette von E. Felsch. Urnkvak Thrstov Direktion: Jose Terenczy. Lustspiel-CiiscniblclFrl.bllllylirause vom fflt. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr Rick. Rwalil vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Hciratsmarkt. Schwank in 3 Akten von P. Alexander. Ansang 8 Uhr. Morgen und solgendc Tage: Die- selbe Vorstellung. rnhimanns ¥aii(Ievilie- Theater Inhaber F. Lehmann, Echönh. Allee 118, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Xouzen, Theater n, Special! läteiiVorstellunff. Apollo-Theater. mit dem I..iiftballctt „€rrigolatis". «Otto Bentter« Gai ten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. BUIet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„Küustlerdank", Unter den Linden 89. Prater-Tlieater Kastauicu-Allee 7/9. Täglich: Horns Best. Wolksstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Mustk von A. Kersten. Kostümsoubrctte Fräul. luole Sarorv. Gebr. MMardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 Soböndrunns, hn- moristischcS Bilderbuch. Tbe4 silasbes, Exccutrics. Vendaro-Trlo, Ercrciticu am Hand- Trapez. Danlei- Truppe, Pantomime. Vallettgeseilschaft Düring. iaJ®""" Konzert und Ball."■9*$ Eimritt wochentags uud Sonmags 39 Pf., uum. Plap 39 Pf. Kaldo. <�8tTlKaI»iU-?aK'Ii. Hcrrnnnn Irnhs 71 Riidersdorfer Straße 71, a m K ü st r i ii e r P l a y. Täglich: Honsrcrt, Vhcutcr- nud Speeialitäten-Vorftelluiig. Nur erstklassige Nummern. Ansang: SouutagSlUhr. Eiitrcc20Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Ansang: Wochcnt. ö Uhr. Eiurce 10 Pf. ftilidcr 10 Ps. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Xorddcntschc Sili>|xer. .Hermann JmbS, Direktor. Gesellschaftshans Swiueiniinderstr. 4S. Täglich im Garten: Theater-Norstellung. Saal für 899 Personen auch Sonntag frei.. 1827L> Max Kliems Sommer-Theater Hascnhcidc 14—15. Artistische Leitung: Paul Biildii?. N Tiiglich: Grostts iSlirttil-Koiljert. � Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Speeialitäten-PersonalS. Sajf Nur erstklassige Kräfte. Doorg plseber(Liedersanger), Julius IVerner(Charakter- Komiler), Rrna Banola(Kostüm- Soubrette), T!>e Charley Troupe(4 Personen), Ung-Fulng (Sljincfifdje Alrobateu), The Cowas(Original-Exeeutries). Ktiues gediegenes Familien- l'roj-riimin. Üntrcc: Wochentags 20 Pf. I Fntrcc: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf I Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. Die Iii den Festsälen: Kasseeküche ist geöffnet. Großer Ball. �i. Max lein. Hasenheide.©91©"%W©1.�;» Hasenheide. Heute. Mittwoch. 2. August: GvoHes Ernte-Fest mit GratiSverloiuug, Fackelzug durch den Garten, Boubouregen und sonstigen Ueberraschiingen. Außerdem i-irosses Honsicrt mit 8pcciniitiitcri-VorstcI!nnLl. Austreten des gcsainrcn Künstler- Personals.— Anfang 4 Uhr.[21819*] A. Froclich. Jedes Kind erhält ein Los, sowie eine Dtockiaterne. Hanhsaxnng. 1881b Für die überaus zahlreiche Teil- nähme an dcr Beerdigung unseres SohncS und Bruders Wlllielm Slurzebecher sagen wir sämtlichen Teiluehmcru, insbesondere seinen Kollegen, dem Verein Schmöcklvitzer Segler und dem Verein Berliner Segler unfern herz- lichstcn Dank. Tic trällernden Hinterblicbcncn Familie Btarzchcchcr. Haallsagaax. Für die liebevolle Teilnahme und reiche Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten Vaters, des Metall- schleifcrs Adoilf lltattist sagen hiermit allen Freunden, Verwandten und Bekauilteu, sowie den Chefö und den Kollegen und Mitarbeitern der Firma Spinn u. Sohn unsem herz- lidisten Dank. 16666 Wwe. Anna Ballist nebst Kindern. Schweizer-Garten Am KänigSthor(Siillgbahil) Zlm FriedrichShai». Täglich: Theater- und Spetialttäten-Vorstelllttlg. Jeden Mittwoch: Grones Isnmilion** nnd Kmdevfiejf. Auftreten des neuen Ktinstlcr-Enscmbles. Jede» Abend von 10—11 Uhr: Novität. Her Novität l ©JzvivBoiis« Ton Miautseliou. AnSstattungö-BurlcSle mit Gesang in 3 Bildern von I. EiSner.— Mustk von Max Schmidt.■ Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: NsIs» Toknegelsdoi'gs Pestssls H» s e n h e i d e>' o. Ä1—.1 a h n s t r a s s e X o. 8. J11H.: Max Schindler. Telephon: Amt IV 1132. Empfehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken zc. meine Säle, 300 u. 1200 Personen sasscud(mit Bühne), zu Versammlungeu und Festüchkeiien jeder Art. Mittwoch n. Sonntag:<»rosscr Hzcii mit Schlangen- und Boubouregen und diversen Uebcrraschungen. Täglich: 8peeiniiti1ten-l'orsteliuiixt. Entrce frei. Beim Monaiswechsel empsthlen sich folgeude Partei-Zpcditiencu: Ikeriin vierter Wahlhrei« O.: Robert W e n g e I s, Frucht slraße 30, Hof II.— SiH.: Fritz Thiel. Skalitzerflrn 35 v.part.— 8eclister IVnhlhrei»(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- siraße 8, pari, im Laden.— Wedding und O ran i etil) ijrjgcr Vorstadt: Emil Stolze 11 b 11 rg, Wiesimstraße 14— tstlesnad» hrnnnen: Wilhelm Gaß maul», Griinthaleislr. 65.— Hoscn- thalcr Vorstadt und 8chltnhauscr Vorstadt: Karl M a r§, Kastanien- Allee 95/96.— Cliarlottenburs:: Gustav Schar u b erg. Schillcrstr. 94, v. 1 Treppe.— Hentseh-WHmers- dorf: Frau K ü b l c r, Siginarillgenstr. b, und Frau H einem an n, Sigmariiigenstr.llö.— Hixdorf: O st er m a Ii Ii, Erkstr. 6.— 8chi»ne- herx: Wilhelm Banmlcr, Apostel Panlnsstr. 13, Qnergcb. Hochp.— .ioiiaiinistha I-iVicder- and Obor-Schhncn'eide: Q t to Jvhn, Ober-Schöneweide, SiemeiiSstraße 7, Zigarrengeschäft. Aliliahme- stellen: Nicder-Schölicwcidc: Karl Weber. Zigarrengeschäft. JohamiiS- Iba!: Scnftlebcii, Nestaiiratcnr.— Adiershof: MaxWorbs, Mctzcrstr. 4.— Frieden a>i-8tegiit«: H. Bernsec, Kirchstraße 15 in Friedenau. Bestellungen iiehmeil entgegen in Btegiit«: H. Mohr, Düppelsiraßc 8, und Fr. Sdiellhase, Ahornstr. 15a..— Hanns» schiilensvcg:: Gockel, Batimschnlstr. 32, v. III.— Wen» Wclssensec: Spediteur Heinrich B a ch m a II II, Lehdcrstraße I, part. links. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschastlichcii Wcrlc dort zu habc». Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Uul g v n a u v Angabe der Adresse wird dvittgrnd gebeten. liitte ausschneiden!"99 Bereinsbrauerei-Ausschank! Kirdorf, Hermamtstraße 314-Ä19. Größter n. schönster Garten Nixdorfs n. Berlins. 10 000 Per- sonen faffcnd. Vom Moritzplatz für 10 Pf. bis zur Brauerci. ÄS» Großes Frei- Konzert. Mittlvoch, den 2. Austust: Umzug mit 30 dekorierten Erntewagen, Aufstieg eines Luftballons, Bonbomcgcn, Fencrwcrk, Fackelzug, Wettlaufen, Sackhüpfen und Umzug des Prinzen Karneval. Außerdem Gratis- Berlosung von mehreren Hunderten nützlicher Geschenke. Um zahlreichen Bestich bittet Martin Herndt, Ockonom. Oeffentlicher Vortrag Neichshatlen. Harten r e s p. 8 aal täglich: Stcttiner Sänger (McYscl. Pietro, Vrilto», Tteidl, Krone, K i r ch in a y c r, Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Vorher: Hoaxiert. Entrce 50 Pf., Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. Jeden Freitag: Neues Programm. Victoria-Brauerei Lühowstrasic 111/112. Im Xatih-A-artea oder Saal: Tiigiiela Hiniloristische Soiree dcr koi'iilieutLelien Länljer lFülirmann, Rorst, Walde)., Auf. Sonntags präc. 7, wvcheii- tags 8 Uhr. Entree 39 Pf. Vorverk. 49 Pf. Familienbillets »- 1 M. Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung: Taazkriluzchen. über und Magenleiden Lungen- morgen Donnerstag, abends 81/, Uhr. Andreasstrassc 21(oberer Saal). Dcr Vortrag wird an künstlicher Figur vom vralr. Natnrheiik. Grundinann erklärt nnd ist für Frauen und Plänner sehr wichtig. Für 20 Pf. Eintritt Brosd,üre. Berliner Naturheilvercin C., Magazinstr. 17. Sprachst. 11—2, 6—8, Sonntags 11—12. R. Baiischmieders „Kastanieuwäldcheii" Köllzertgllrteil u. Pralsitsiile ßadstr. IC. Cesundbninnen. Badstr. IC. Täglich: Gr. Promenade«- Konzert. Jeden Domierstag: Elite-Strcich-Konzcrt. Sonntags: Großer Ball im nouerbauten Saal. Empfehle meine Säle zn allen Fest- lichkeitcn. R. Ballschmledor. W. Hoacks Theater, Vrunnenstraße 10. Täglich: Theater- u. Specialitäte» Borstellung. Der Zranen-Kongreh. Posse mit Gesang in 1 Akt v. Grvggert. Ken! Ken! Die Lindenwirtin. Licderspiel in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. Im Saale: Tanzkränzchcn. Küilststdttll 69 Pf. str. pst.(gröbere zum Reißen). Schlachtfedern, wie sie v. d. wnns teilen, NN, nllcn Tannen m. i-bv, fniizerligee Sünserppt M. 2.00, besirre da»»ige JUcnre m. 3.50, 3.00, beste schneeweiße M. 3.50, rnsstsche Tannen IN. 3.3», weiße döhm. Tannen IN. 5.00, ge> rissene ftedern III, 1.50, 3.00, 8.50. Prima gerissene in. 3.00, 2,50, Drrfünb gegen Nnchnahnie. 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Verein LDeiailiöMoMMer Gas!- u. Scliankwirle Berlins und L'nigcgcnd. Freitag, de» 4. August 1899, nachmittags 5'/» Uhr, im Lokale des Kollege» ZUerile«, Schönhauser Allee 191/108: Außerordentliche Uersantmlnug. TagcS-Ordnung: 1. DaS Verhalten der Brauerei Pichelsdorf den Gastwirten gegenüber. lliefcrenten: Kollege F erd in and Ewald und Rechtsanwalt Dr. Schöps. 2. Dlstussion. . Sämtliche Gastwirte sind zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen. vu/tl_ Der Borstaud. I. A.: Ferdinand Kwald. Relilitz' Gurte« 11. Siitil 300— 600 Pccfoncit fassend, f. Sommer- »acht»-Bäll«, Jnvalidcnstr. 84.[4745 tvilinrrtltr Freunden und Bekannten lpillil|111l1 mein Weiß- u. Bayrisch- Bierlokal. Ilelnlinld ltztrelt, Kirchstr.22,früh.Nalinynstr. 86. 22ö6L« Schankwirtschaft, Eckgeschäft mit kl. Saal, ist, da In- Haber Met Geschäfte, sofort zu per- pachten gegen Kaution rcsp. preiswert zu verkaufen. Offerten unter B. 39 an Postamt 32 Berlin S. zu richten. VkrkMerWMWdkN.MMMkr und Berufogeu. Deutscht.(Filiale 11, Chemigraphen.) Donnerstag, 3. August, abends 8'/, Uhr, in den ilrmlniliallen, _ Koinuiandautenstr. 89:_ ZZW" Mitglieder- Versammlung."HW Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Maler Klingcr. 2. Diskussion. 3. Vercinsangclegcnhcitcn.' 06/14 Um zahlreiches und pünktliches Erscheine» bittet vis Vsewaltiuig. Empsehlc Freunden u. Genossen mein Wch-u.BaiilM-Bltr-Lokal mit grossem schattigen Garten und verdeckter Kegelbahn. Vereinszimnier zu 20, öO und 120 Personen. Saal für kleine Vereine zur Fidclitas noch einige Sonntage frei, Unterstützung durch Stammgäste.— Glas Bier 10 Pf., grobe Weibe 20 Pf. Verelmhaus* Finil Dicke, N., Ackerstr. 123. Achtung Zimmerer! Eentral-RrMen- u.Zterbekasse der Zimmerer (OrtSvcrwaltnng Berlin). Den Mitgliedern der Zahlstelle VI zur Nachricht, dab in der General- Versammlung am 2ö. Juli bei Stechert widert Fltlggc, Schliematin- straffe 4s!, Seitenfl. III, zum Kassierer gewählt wuede. Zahlabend an folgenden Tagen: Sonnabend von 8—10 Uhr abends und Sonntag von 8�/,- 12 Uhr vormittags.[259/31 Der Vorstand. A. Gruse. flniiinp»ch R« l« niiiUtjvktm»»I»llde!l Gröffte Auswahl in»n> und aus- ländische» Stoffen für Paletots, Anzüge, Beinkleider ze. werden unter Garautie des gute» SitieS zu überaus billigen Preise» schnellstens angefertigt im Tuchgeschäst b/ A. Karle. WaldemarstrJS. Dr. med.Schaper8hp0Ä; Arzt, Specialarzt für usiamemn Francn-Krankholten. Schöneberger Ufer 25. Spr. 9-1. 4-7, Ilomüopatli. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8; Friedrlchstrasae 114, I, Miiiib! Bauarbeiter. Aöiiililg! Donilerstlig, iltil l AWst, alieilds 8 Uhr, in Golms restsSlell, Benthstriiije IS/.LÖ: ©effentliclie l�ensammltiiagf ber Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. , ,_ Tages-Ordnung: o 5? i?®2!n,nJCI1r?eIt uu�. gedenken wir den neu hinzutretenden Kollegen entgegenzukommen? o?7-ci.e!?. Beschlubfassung über unsere Forderungen, welche wir dem Unternchmerbund zugestellt haben. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 43/1 � Um rege Beteiligung ersucht__ Die Lohnkominlssio». I. Sl.: W. UToack. Jedermann mutz besitzen die in vierter Auflage erschienene Broschüre. Dir Rechte m.d Wichten d-s Mieters nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Kommentar zum Mietrecht von Rich. Lipinski. *. jt Tie Broschüre ist auf Grund der Motive und Denkschrift zum Bürgerlichen Gesetz- buch bearbeitet, giebt in 2-1 Abschnitten klaren U eberblick über das Mietrecht, ist out ausgestattet. 32 Seiten stark und kostet SO Pfennige, Porto 3 Pfg. ,,„ 3» beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure, sowie durch die Verlags- buchhandlung von Rich. Lipinski, Leipzig, Rendnitzerstr. 11. Tüchtige Kolporteure werde»»och vom Verlag allerorts bei hohem gesucht.___________ Verdienst 22451,« I Für Magenleidende! Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladimg deS Magens, durch Ecnufj mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heiber oder zu kalter Speisen oder durch unregelmäbige Lebensweise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magenschmerzen, schwere Aerdaunng oder! Verschleimnng zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen, dessen vorzügliche Wirlungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Vtld>iil«i!gg-«»d BilitreiiligliilgsmMel, der Hubert ltllrich'sche Kräuter-Wein. IMeiaer Krilnter-Wein ist ans vorziigliclicn, hcllkrliftig be- fmidenen Kriintcrn mit siitcm Wein bereitet, nnd stlirkt and belebt den Verdaiinngsorgzznismns des Renschen, ohne ein Abl'itbnnittel r.a sein. Krlintcr-IVein beseitigt Störungen in den Blntgcfüssen, reinigt«las Itlnt von verdorbenen krank» machcudcu Stoffen und wirkt fördernd auf die Keabilduug gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuier-WeinS werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung anderen scharfe», ätzenden, Ge- sundheit zerstörenden Miileln vorzuziehen. Symptome, wie: Kopfschinerze», Anfstoffen. Sodbreiinen, Blähungen, llobelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralleten) Magen- leiden um so heftiger austreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. LrkttMttrtt-antrfm»«* und deren unangenehme Folgen, wie Beklemiuniig. sdtntztnttlinslillilg»olikschmerzen, Herzklopteu, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstamuigen in Leber, Milz»nd Psortadersystem(Hämorrhoidalleiden» iverden durch Kränter-Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt Nnverdanlichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entsernt durch einen leichten Stuhl untaugliche Stoffe ans dem Magen und den Gedärme». Hageres, bleiches Aussehen, Blutmangel. Ent- find meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Vtutbildung und cineS krankhasten Zustandeö der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gciitiitlisvcrstimiiiung. sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaf- lose» Rächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. äW" Kräuter-Wein giebt der gc- schwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Sjy Kräuter-Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel lräftig an, beschleunigt und verbeffcrt die Blut- bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft den: Kranken Lebenslust. Zahlreiche An- erkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräntcr-Wein ist zu haben in Flaschen k 1,25 und 1,75 M. in sämmtltchen Apotheken von Berlin nnd Berlins Vororten, sowie in Preußen, ganz Deutschland und im Auslände in den Apoibekcn. Auch versendet die Finita„Hubert Ullrich, Leipzig, Wcststraffe 88-', 3 und mehr Flaschen Kräuter-Wein zu Originalprciscn nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. IM" Vor Nacdakmmiljen wird gewarnt!"WU Man verlange ausdrücklich AM'« Hadert illirich'acben"SB)* KeSuter-Wein« Mein Kräuter-Wcin ist lein Geheimmittel-, seine Bestandtheile sind: Malagawew 440,0, Weinlprit 100,0, Glyccrin 100,0, Rolhweui 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Manna 30,0, Fenchel, Anis, Helcnenwurzel, amcrik. Kraftwurzel, Enzianwurzcl, Kalutuswurzel aa 10,0. Diese Bestandtheile mische man. SS4L« wMM hfiit Kondor- Fahrräder 2153L*] sind preiswert, dauerhaft und leichtlaufend. Anfragen erledigt prompt Filiale: Berlin N., Chausseestr. 106. Amt III. 2223. _ Repräsentant: Otto Miindner. Reparaturen. Zubehör-TeiEe. KEiedrige Preise, Jedes fr Pfennig. Wort: JTur das erste Wort fett, Worta mit mehr als 16 jBuc/isiaben zählen doppelt, 2 fCIeine ßtizeigen* ''"r ä''' t f/ c ic jyumtn er werd en in den Annahmestellen für lierlin 7 bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.d bis 4- Uhr angenommen. 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