Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Brag XII., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantw. Rebatteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 18. Jahrgang Donnerstag, 15. September 1938 England gibt dem Dritten Reich die letzte Chance Jaksch in Westböhmen Nr. 217 Chamberlain heute bei Hitler Egerer SdP- Haus von der Polizei gestürmt/ Schwaderbacher Aufrührer über die Grenze geflohen Organisierter Aufstandsversuch mit ausländischen Waffen Die Staatsexekutive setzt sich überall durch Prag. Das überraschendste und ebenso tungen für alle Eventualitäten dauern fort. eine Beruhigung herbeizuführen. Im Gegen- Für alles das, was geschehen ist, für die ben Ernst der Situation, wie das Bemühen der Eine Anzahl hoher französischer Offiziere ist in teil, daß Henlein die SdP- Delegation, die bis- beklagenswerten Ereignisse der letzten Tage, für Westmächte, den Frieden doch noch zu retten, London eingetroffen. Der militärische Kontakt her die Verhandlungen mit Lord Runciman den nazistischen Aufstandsversuch ebenso wie bezeichnendste Ereignis ist die Reise des eng zwischen England und Frankreich ist lückenlos. und mit der tschechoslowakischen Regierung dafür, daß wir, daß mit uns die Menschheit vor lischen Premierministers Chamberlain zu Hit- Die britische Regierung steht auch in ständiger führte und sie offenbar überhaupt nur mit der Gefahr eines Krieges stehen, trägt neben ler. Chamberlain felber hat Hitler den Vor- Verbindung mit den Regierungen der Domi- dem Ziele eines möglichst langen Verschleppens den Auftraggebern aus dem Dritten Reich, die fchlag zu dieser Zusammenkunft gemacht. Die nions, um sie über alle ihre Schritte zu unter- führte aufgelöst hat, und daß er den Herren SDP die Verantwortung. Daß in einer ganzen franzöfifche Regierung hatte angeregt, noch einen richten, aber auch im Einvernehmen mit ihnen der Runciman- lision, die bei ihm in Eger Reihe von sudetendeutschen Orten zur selben besonderen Schritt, eine besondere Aktion zu vorzugehen. Die Führer der Arbeiterpartei, waren, erklärt hat, daß die acht Karlsbader Zeit schwere Unrahen entstanden, keine bloßen unternehmen, um auf Deutschland im Sinne Major Attlee und Greenwood, hatten eine Forderungen der SdP überholt seien und daß war, daß die unterdrückten und wie das wehrKundgebungen, daß in Eger ein Geheimsender der Erhaltung des Friedens einzuwirken. Dar neuerliche Besprechung mit dem Ministerpräsi im Mittelpunkt der nenen Phase des sudetenlose Wild gejagten" Henlein- Leute mit Handwar, daß die unterdrückten und wie das wehraufhin entschloß ſich Chamberlain zur Reise nach denten. Man nimmt an – und auch das deutschen Problems die Forderung nach dem Deutschland. Ob er ganz bestimmte Vorschläge charakterisiert den Ernst der Situation- basi Selbstbestimmungsrecht stehe, das ist Henleius das ist nicht als unüberlegte Tat ,, unverant-, granaten und Maschinengewehren angriffen mitnehmen wird, was er sich von diesem Besuch das englische Parlament einberufen werden bei Hitler erhofft, ob er nur Hitlers Meinung wird. Beitrag zur Verschärfung der innerpolitischen wortlicher Elemente" abzutun, das ist organifenren lernen oder auf ihn in einem bestimmten Daft in Deutschland nichts zur Entspan- unter dem Selbstbestim fierte Tat sehr erantwortlicher Leute, die freiWas er Sem Gelbſtbeli fierte et ſehr erantwortlicher Lente, die hen. versteht, hat Henlein nicht erklärt. lich diese Verantwortung nie tragen werden. Die Runciman- Mission hat er mit den Worten Bisher ist ihr Gewissen mit breinndzwanzig verabschiedet, nicht nur in Eger verabschiedet, Toten belastet. Robuste nationalistische Gesondern als Vermittler, indem er ihr dankte für wissen dürften darunter freilich so wenig leiden, ihre Arbeit, deren Riel die Regelung der Natio- daß ihre Besitez nach wie vor imstande sein nalitätenverhältnisse gewesen ist". Trosdem werten, dem Hofphotographen das Gesicht zu glaubt man, daß Lord Runciman neuerliche präsentieren mit dem gleichen verbindlichen Vermittlungsversuche unternehmen wird. Lächeln wie zuvor. Sinne einwirken will, ist natürlich unbekannt, nung ber Situation getan wird, ist- leiber Spannung. da außer der Tatsache der Reise nichts berichtet selbstverständlich. Wenn die Nachricht, stimmt, wurde. Sie ist aber gewiß als ein letter Ver- daft Hitler eine Beratung mit allen bedeuten such, durch persönliche Fühlungnahme mit Hit- deren militärischen Persönlichkeiten und mit ler den Krieg und damit eine in ihrem Ans- feinen politischen Unterführern hatte, so zengt maße und ihren Folgen unabsehbare Katastrophe das nicht von Beruhigungsabsichten. zn verhindern. Anch die Führung der SdP hat, und auch Die englischen und französischen Vorberei- das ist leider selbstverständlich, nichts getan, um Die Reise Chamberlains Zusammenkunft auf dem Obersalzberg London.( Reuter.) Mittwoch abends wurde offiziell mitgeteilt ,, daß Ministerpräsident Chamberlain fich mittels Flugzeuges nach Deutschland zu einer Unterreduma mit Neichskanzler Hitler begeben wird. Er wird nachmittags mit Neichskanzler Hitler auf dem Obersalzberg zufammentreffen. Den Premierminister werd en Sir Horace Wilsen und William Strang aus bem Außenministerium bealeiten. Auf französische Anregung Paris. Ministerpräsident Daladier erflärte: Gestern gegen Ende des Nachmittags Waffenlager und Geheimsender in der Egerer SdP- Zentrale Henlein- Terroristen mit ausländischen Maschinengewehren Prag. In den Abendstunden wurde der Anzeichen wurde aus dem Hotel Viktoria" aus amtliche Bericht veröffentlicht: Maschinengewehren geschossen. Nach 20 br geDie staatlichen Sicherbeitsorgane in Eger lang es der Polizei, mit Hilfe von HandChamberlain bat Hitler durch Vermittluna| nisterpräsident, der nahezu im 70. Lebensjahre hatten Ursache zu dem Verdachte, daß in dem granaten, das Tor des Hotels Viktoria" zu des britischen Botschafters in Berlin folgende steht, absolviert morgen seinen ersten Flug. Egerer Hotel Viktoria" und im Hotel Welzl", öffnen und in das Innere und in die KellerräumMitteilung zugehen lassen: Im Hinblick auf die wo sich die Zentrale der SdP befindet, ein grölichkeiten einzubringen, wo eine Verson angebalzunehmend kritische Lage schlage ich vor, sofort au feres Waffenlager untergebracht ist. Daher wur- ten wurde, in der ein Bediensteter der SudetenIhnen berüber au fommen, um au versuchen, eine den Mittwoch nach 18 Uhr 30 Minuten in diese deutschen Partei aus Prag festgestells wurde. Im friedliche Lösung zu finden. Ich schlage vor, auf Hotels zwei Abteilungen der Bolizeiwache mit Hotel findet gegenwärtig eine Hausdurchsuchung dem Luftwege zu kommen und bin morgen aur habe ich mit Nücksicht auf die rasche Entwicklung zwei Banzerautos zur Durchführung einer Haus- statt, die bisher nicht beendet iſt. Bisher wurde Abreise bereit. Teilen Sie mir, bitte, den frühe- der Ereignisse in der Tschechoslowakei, welche die durchsuchung entfandt. Aus dem zweiten Stod- eine große Menge von Geschossen, Pisto. ften Zeitpunkt mit, zu dem Sie mich empfangen örtlichen Verhandlungen unendlich erschwerte, die werk und ebenso auch aus den Kellerräumlichkeiten len und eine größere Menge leerer Taschen von önnen und geben Sie mir den Ort der Zusams menkunft an. Ich wäre für eine sehr baldise Initiative zur Herstellung einer direkten und per- des Hotels Welzl" wurde gegen die Sicherheits- Repetier pistolen ausländischen Urfönlichen Verbindung mit dem britischen Minister- wache geschoffen, gleichzeitig wurde auch bei der sprungs, die offenbar in die Tschechoslowakei aepräsidenten Chamberlain ergriffen, damit wir gegenüberliegenden Benzinvumpe gefchoffen. Das schmuggelt wurden, gefunden. Die betretene Pergemeinsam die Möglichkeit der Anwendung eines& euer wurde daher von dem Panzerauto erson gestand, daß sich im Hotel noch mehrere Peraußergewöhnlichen Vorgehens prüfen, welches widert. Gleichzeitig wurde aus dem Hotel fonen, ungefähr zehn befanden. Es scheint, daß ermöglichen würde, mit dem Deutschen Reiche die Bittoria", und zwar aus den Kellerräumlich es ihnen gelungen ist zu fliehen. Ob sie sich noch wirksamsten Mittel zur Sicherung einer freund- feiten geschoffen. Daher wurde auch gegen has bisher in einem Versteck befinden, wird sich noch Horace Wilson, der morgen gemeinsam mit fchaftlichen Lösung der Gegenfäße zu prüfen, Hotel„ Viktoria“ daß Feuer eröffnet. Nach allem zeigen. Um 21.30 Uhr wurde das Schießen aus dem Hotel Welzl" schwächer. Sonst berrscht in Strang Chamberlain auf der Fahrt zu Hitler welche die Subeten und die Prager Regierung ber Stadt vollkommene Nube. begleiten wird, ist der erste Berater des Ministers trennen, und zwar mit dem Zwede, ben euroNachts wird gemeldet: Antwort dankbar." 0 Sitler bat auf die vorstehende Mitteilung geantwortet, daß er gerne bereit sei, sich mit dem britischen Premierminister am 15. b. M. zu treffen. Blum: Eine letzte Warnung Paris.( Eigenbericht.) Im Leitartikel deß 8. " " " Chamberlain könne mit Hitler sprechen als der sechs Menschen ums Leben gekommen. In der Vertreter eines großen Staates und einer großen Macht, so daß Sitler dann sehr gut wiffen werde, was ihn erwarte, wenn er doch einen Angriff wagen follte. präsidenten und belleidet diese Funktion bereits päischen Frieden zu erhalten. Ich bin also befonder Sudetendeutschen Partei mit den Intereffen feit dem Jahre 1930. Er hatte hervorragenden bers glücklich über die Nebereinstimmung ber der Tschechoslowakei in Einklang zu bringen. Aber Anteil an den Londoner Beratungen über die Konzeptionen unserer beiden befreundeten Regietschechoslowakische Lage. Strang ist Chef das rungen. mitteleuropäischen Departements im Außenamt. Er hatte vor einiger Zeit Berlin und Prag bes den britischen biplomatischer Bertretern in diesen Bopulaire" vom Donnerstag beschäftigt sich In Londoner politischen Kreifen ist man Hauptstädten ein Bild von der Lage zu mamen. Leon Blum mit der Reife Chamberlains nach der Auffaffung, daß der britische Bremierminister Man hofft, daß das Ergebnis des Besuches Chams dem Obersalzberg. Blum meint, daß die Reise auf dem Obersalzberg nicht mit Hitler Berhandberlains bei Hitler einen großen Einfluß auf die der Ausdruck eines gewissen Mutes fei. ei. Sie er- lungen eröffnen, sondern ihn lediglich auf den allgemeine Beruhigung der Lage haben und folge vollkommen im Einvernehmen mit dem Ernst der Situation aufmerksam machen und ihm Ministerpräsidenten Daladier. die Beschlüsse des britischen Kabinetts mitteilen Europa eine neue Atempause gewähren, forvir franzöfifchen schließlich die Auffindung einer frieblichen Chamberlain wolle in diesem kritischen Augenblick werde. Zu diesen Beschlüffen gehört bekanntlich Lösung der verschiedenen Probleme ermöglichen noch alles tun, was den Krieg verhindern kann. der bereits vollzogene Auslaufbefehl an die briwird, die Europa gegenwärtig belasten. Der Mi Es sei natürlich nicht sehr leicht, bie Forderungen tische Hochfeeflotte, Bei der Schießerei in Eger find insgesamt Umgebung der Benzintankstelle kamen ein Polizist und ein Eisenbahnangestellter, beide Tschechen, ums Leben, ferner der Tankstellenwärter deutscher Nationalität und der Chauffeur der ,, Egerer Beitung". Diefer Chauffeur wurbe in der Nähe der Tankstelle tot im Auto aufgefunden. Alle diese waren durch Schüsse aus diesem Hotel getroffen worden. Außerdem wurde ein Mann und eine Frau unter dem zum Bahnhofsgebäude führenden Stiegenaufgang tot aufgefunden, die gleichfalls durch das Feuer aus dem Hotel„ Welzel" ums Leben gekommen waren. Das Hotel ,, Welzel" wurde von der Polizei besetzt. Seite 2 Donnerstag, 15. September 1938 Der Aufruhr in Schwaderbach Gendarmen über die Grenze verschleppt Prag. Ueber die Lage in Schwaderbach wird amtlich mitgeteilt: In der Gemeinde Schwaderbach, Bezirk Graslik, welche hart an der Staatsgrenze liegt und baulich mit der Gemeinde Sachsenberg in Sachsen zusammenhängt, von der sie nur durch die Grenzlinie getrennt ist, entstand eine sehr schwierige Situation, denn die widerseßliche Bevölkerung ist hier nicht nur mit Revolvern und Gewehren, sondern auch mit and granaten und Maschinengewehren ausgerüstet, die sie sich wahrscheinlich aus dem Auslande verschafft hat. Die Exzedenten haben die Möglichkeit, sich jederzeit auf das Gebiet des Nachbarstaates in Sicherheit zu bringen. Von tschechoslowakischer Seite wurde die Gemeinde durch eine Sicherheitsbereitschaft isoliert. Der Vorfall wurde bisher nicht liquidiert, weil das Bestreben besteht, soweit als möglich Verluste an Menschenleben zu vermeiden und weil man bei der Lage des Brennpunktes des Widerstandes an der Grenze jedwede Möglichkeit, aus einem Swischenfall eine internationale Verwicklung hervorzurufen, verhindern will. In den Abendstunden wird aus Schwaderbach gemeldet, daß die Aufrührer sich bis auf unwesent liche Reſte über die Grenze nach Deutschland aurückgezogen haben. Die tschechoslowakischen Gendarmen und Mitglieder der Finanzwache, die in Schwaderbach gefangengenommen worden sind, wurden nach den bisherigen aus Schwaderbach stammenden Meldungen über die Reichsgrenze nach Klingenthal geschafft. Die Gendarmeriestation in Markhausen, Bezirk Grasliv, die ursprünglich von Ordnern befeht worden war, wurde nunmehr von den Aufrührern ohne jodwedes Einschreiten verlaffen. Die Aufrührer baben sich über die Grenze begeben. Die Schuld der SdP festgestellt Eine amtliche Erklärung Prag.( Amtlich.) Die Sudetendeutsche Partei hat heute ein Stommuniqué veröffentlicht, in welchem sie sich bemüht, ihr Vorgehen in den letzten Tagen zu begründen und der Regierung die Schuld für das definitive Zerschlagen der Verhandlungen über die Regelung der Nationalitätenfragen zuzuschieben, weil die Regierung auf die vier Forderungen der Sudetendeutschen Partei nicht geantwortet habe, welche der Stellvertreter Konrad Henleins, Abgeordneter K. H. Frank, dem Vorsitzenden der Regierung telephonisch mit der ultimativen Forderung übermittelte, daß sie angenommen werden. Die Sudetendeutsche Partei geht in ihrem Kommuniqué, das sie der Presse zustellen ließ, soweit, daß sie die Verantwortung für das Entstehen der bedauernswerten Ereignisse, zu denen es in den letzten beiden Tagen in einigen deutschen Gebieten der Republik gekommen ist, auf die tschechoslowakische Regierung abschiebt. Zu dieser Behauptung des Kommuniqué der Sdp muß im Interesse der Wahrheit festgestellt werden: male beweist, offensichtlich planmäßigunter. nommen und gefübrt wurden. Beil seit einigen Tagen die unaeieblichen Aktionen und Straftaten der Zahl und dem Umfanae nach gefährliche Ausmaße annahmen, welche die staatliche Autorität, das Leben und den Besiß der Bürger, den Besitz des Staates und das Leben der staatlichen Organe bedrohten, proklamierte die Negie rung zu deren Schub in elf Bezirken des Landes Böhmens das Standrecht. hörigen auffordern würde, die gesetzliche Ordnung. streng einzuhalten und Ruhe zu bewahren. Durch diese Mitteilung, die der Vorsitzende der Regierung dem Vertreter Konrad Henleins, Abg K. H. Frant, machte, war auch vollkommen eindeutig und flar die Frage der Form der weiteren Verhandlungen erledigt. Die Voraussetzung ihres positiven und beruhigenden Ergebnisses war etne gründliche Durchberatung, welche jedwede ultimative Fristen ausschließt. Troß dieser Aufforderung des Vorsitzenden der Regierung, die gleichzeitig der Ausdruck des guten Willens derselben war, hat die Sudetendeutsche Partei, obwohl sie den Ernst der Lage kannte, ihre Vertreter nicht nach Prag entsandt. Nr. 217 Konrad Henlein prüfte heute mit der Delegation der Unterhändler die Lage. Im Hinblick auf die Er eignisse der letzten 48 Stunden sind die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Verhandlungen im Sinne der bisherigen Weisungen nicht mehr gegeben. Kon= rad Henlein hat daher die Delegation ihrer Aufgaben entbunden und den Kameraden Kundt, Dr. Rosche, Dr. Peters, Dr. Schicketang und Dr. Sebes fowitý für ihre aufopfernde Tätigkeit gedankt. An diesen Tatsachen kann durch keinerlei Nachrichten mehr etwas geändert werden. Standrecht in weiteren drei Bezirken Prag. In der Nacht auf Mittwoch wurde das Standrecht auch in den Bezirken Joachims. thal, Bischofteinitz und Graslit verkündet. Die Bahl der Bezirke unter Standrecht ist damit auf Sitzung der politischen Minister Kurz nachdem Abgeordneter K. S Frank dem Vorsitzenden der Regierung die ultimativen Forde rungen der Sudetendeutschen Partei bekannt gegeben hatte, bemühte sich auch die Mission Lord Walter Runcimans, die Lage zu flären und verhandelte elf gestiegen. ebenfalls mit dem Vertreter Henleins, dem Abgeordneten K. S. Frank. Die Miſſion Loed Runcimans erhielt hiebei die Zusicherung, daß, sobald die Beratung der Verhandlungsdelegation der StP mit Kon- Prag. Mittwoch um 18.15 Uhr fand eine rad Henlein in Asch beendet sein werde, sich ihr dazu Sitzung des politischen Ministerkomitees statt, ermächtigtes Mitglied telephonisch mit dem Vor- das unter dem Vorsitz des Vorsitzenden der Regiesitzenden der Regierung in Verbindung setzen werde. rung, Dr. Milan Hodža, alle Maßnahmen zur Diese Busage wurde nicht erfüllt. An Stelle dessen Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung disließ der Vorsitzende der Sudetendeutschen Partei kutierte. Das politische Ministerkomitee widmete durch seinen Adjutanten Mittwoch, den 14. Sep- neben den dringendsten Aufgaben, welche die Vertember, um 0.15 Uhr an das Ministeriatspräsidium hältnisse der Regierung auferlegen, seine heutige folgende Mitteilung für den Vorsitzenden der Regie-| Debatte wirtschaftlichen Fragen und der Vorbereitung des Staatsbudgets. rung telephonieren: Das Ausland spricht das Urteil London erkennt Henleins Schuld London. Die englische Presse beurteilt die Lage, die durch die Zwischenfälle im Sudetengebiet nach Hitlers Nürnberger Rede entstanden ist. sehr ernst und stellt eindeutig die Berantwortung der Sdß und der hinter ihr stehenden Macht fest. Frage hoffen werde, daß aber die Entscheidung in anderen Händen liege. Wenn es zu einem Gewalt afte gegen die Tichechoslowakei kommen sollte, würde dies unermeßliche Folgen haben und gegen diese Folgen müsse man die entsprechenden Borkehrungen treffen. find nur eine Handbreit von einem deutschen Einfall Der sozialistische ,, Daily Herald" schreibt: Wir entfernt, welcher Krieg bedeutet, und zwar einen europäischen Serieg, in welchen England sofort verwidelt werden würde. Die übrigbleibende Zeit ist hoffnungslos furz, doch muß jeder geeignete Augenwerden. blick- mag er auch noch so fura sein ausgenützt der Friede noch erhalten werden, doch erfordere dies Nach der Meinung des News Chronicle" tönne eine sehr entschiedene Tätigkeit der englischen Regierung, die sehr eng mit der Tschechoslowakei zusammenarbeiten müßte. Auch Frankreich und Sowjetrußland dürften teinen Augenblid verlieren. Die Sudetendeutsche Partei beantwortete diese pflichtgemäße Obsorge der Regierung damit, daß sie eine Forderung mit ultimativem Charatter stellte, diese Maßnahmen zu widerrufen. Gleich aeitia forderte die Sudetendeutsche Partei, daß die In einem langen Leitartikel beschäftigen fich die Draane des erefutiven Sicherheitsdienstes einerseits Time3" mit den von der Sdß erhobenen Forde abberufen und andererseits in der Ausübung ihrer rungen und den Maßnahmen der Prager Regierung. Funktionen eingeschränkt würden. Schließlich sprach tät und der Zufälligkeit der Zusammenstöße zweifeln, Die Times" schreiben, man müsse an der Spontanisie auch die Forderung aus, daß die militärischen die sich nach Hitlers Rede ereignet haben. Vor allem Formationen in ibre ubilationen aurüdgezogen aber beweisen sie, wie unwahr die Behauptung von würden. Und auf diese Forderungen erwartete fie der Unterdrückung" der Sudendeutschen sei, denn Die Sbp betonte in ihren Erklärungen wieder die Antwort der Regierung innerhalb sechs Stunden, gerade die völlige Versammlungs- und Demonstra holt, daß die grundsätzliche Voraussehung des welche Frist am 18. September fura vor Mitternacht tionsfreiheit der Sudetendeutschen war eine Voraus fudetendeutschen Problems die Ordnung und die ablief. Die Sudetendeutsche Partei erklärte gleich feßung der Zwischenfälle. Wenn Henleins Wunsch Sicherheit jei. Die Verantwortung für die Aufrechtzeitig, daß sie die Verantwortung für die weitere wirklich Friede und Sicherheit im Sudetengebiet erhaltung der Ruhe und öffentlichen Ordnung iſt in Entwicklung ablehnt und die Verhandlungen über wäre, hätte er Angebote machen können, die wenig jebem Staate selbstverständlich die Sache ber stens während d der Dauer der Verhandlungen MaßRegierung und der Staatsgewalt. As wenn thtens die Reaclung der Nationalitätenverhältnisse abbricht, nahmen wie das Standrecht überflüssig gemacht hät daher in manchen von Deutschen bewohnten Gebieten nicht zur Gänze entsprochen wird. Forderungen in der angeführten Frist ten. Statt dessen habe er nicht einmal einen Abbell an seine Anhänger gerichtet, Selbstdisziplin au bedie öffentliche Ordnung und Sicherheit an vielen Orten und in bedenklichem Ausmaß durch ungeset Der Vorsitzende der Regierung antwortete dem wahren. Die deutsche Propaganda, die von dem unerträglichen Leben und der Unterdrückung der Sudes Abgeordneten St. S. Frank, der ihm diese Forderung tendeutschen erzählte, hat sich in den Augen des Aus Henlein führt zur Katastrophe überbrachte, daß er im Prinzip bereit sei, über alle landes, wie die Times" schreiben, selbst gerichtet. Forderungen der Sdß mit deren Vertretern zu ver- In Deutschland mag diese Demagogie Eindruc Paris. Einige der Blätter, die berichten, Henhandeln, daß jedoch eine telephonische Verhandlung machen, im Ausland erkenne man aber die Riele. Tein habe beschlossen, die Verhandlungen mit der über diese Angelegenheiten nicht möglich sei. Wenn die sich hinter ihr verbergen. Wenn die Frage des Regierung abzubrechen, ſtellen einmütig fest, daß die Regierung über diese Verhandlungen mit der Selbstbestimmungsrechtes der Sudetendeutschen so diese Ereignisse aur Statastrophe führen können, die Sudetendeutschen Partei verhandeln solle, müßten einfach wäre, wie es Hitler in seiner Rede Hinstellte, ganz Europa erfaffen könnte und es notwendig ist, deren Vertreter zu mündlichen Verhandlungen zu dann hätte man Runciman nicht nach Prag zu alles zu unternehmen, um in der lekten Minute noch dem Zwede nach Prag kommen, um als Grundvor schicken brauchen. Aber das berühmte Karlsbader den Frieden zu retten. Programm war in allem Wesentlichen unbestimmt Im Petit Parifien" schreibt Bourgel, die Suausseßung des weiteren Vorgehens eine Proklama- und atveideutig". detendeutsche Partei habe sich durch diese Stellungtion zu vereinbaren, durch welche die Sudeten Daily Telegraph" sagt, daß die Regierung nahme in einen Bustand des Aufruhrs gegen die deutsche Partei öffentlich und verbindlich ihre Ange- auch weiter auf friedliche Lösung der judetendeutschen Regierungsmacht hineinmanövriert. Das Blatt fügt liche Aktionen und strafbare Sandlungen gestört wurden, war es die selbstverständliche Pflicht der Regierung, die giltige Rechtsordnung mit allen gefeylichen Mitteln durchzusehen. Die Draane des Sicherheitsdienstes, denen das Gefet diefes Pflicht auferlegt, find bei der Erfüllung derselben mit der größten urückhaltung vorgegangen, welde bis zur Selbstverlengnung ging. Ueberall, wo es möglich war. baben sie durch ihr Verhalten einen blutigen Ausgang der Zusammenstöße ver. hindert, welche, wie einwandfrei festgestellt wurde. und auch die Reibe ihrer aemeinschaftlichen Merk„ Daily Expreß" schreibt: Die Lage beinhalte ein sehr gefährliches Element, das sich Hitler vor Augen führen sollte: Wenn das britische Bolt allzu lange bedroht und gereizt würde, fönnte es einmal sagen, daß jedwede Tatsache bejjer sei als unsicherheit, und fönnte erklären: Jezt wollen wir uns schlagen!" 10 sem Lugus... dem wir aber trotzdem verfallen| samen Sicherheit, jener unerbittlichen Gewalt, die" Ich habe die Kleinen geweckt", sprach sie find." in leblosen Dingen liegt und langsam versank der Raum. ,, Alle rasch in den ersten Stod!" schrie Frau von Miramar, die auf der Treppe erschien. Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger ME..Dante bestens". Iachte sie. Mar..." Jäh brach ihr Lachen ab. Sie sah sein Ge= sicht erstarren. Seine unheimlich aufgerissenen Augen schauten über sie hinweg nach der Tür. So verharrte er sprachlos, bleich und entsetzt. Eva Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel felgte seinem Blid und schrie auf. Alle fuhren in Von seinem Beobachtungsposten aus verkündete Hubert jede Viertelstunde beruhigende Situas tionsberichte. Das Meer stieg nicht mehr. Einige Meter vor dem Garten machte die schwarze Flut, in der sich die Sterne spiegelten, Halt. die Höhe. Durch die geschlossene Tür siderte Wasser, bildete schon eine Lache, wurde breiter und bieiter, ledte am Partett mit gieriger Bunge, und man sah diese schwarze Bunge sich vorstrecken, immer weiter und weiter und von Sekunde zu Sekunde breiter werden. Geschrei erhob sich, Gepolter von umgeivors Eva sezte sich ans Klavier. Mit entzüdender fenen Sesseln; Hubert rannte zum Fenster, stieß Zartheit spielte sie ein Nocturno von Chopin, die Läden auf, beugte sich hinaus, um nach der dessen herzzerreißende Klage unter ihren Fingern Terrasse, dem Garten, der Straße Umschau au dahin schwand und zu kindlichem Geplauder halten und auch nach jenem Teil des Strandes, wurde. den sonst nur die Sonnwendstürme zu übersdywemmen vermochten. Nichts war zu sehen, nichts als eine schwarze Fläche, die sich unendlich weit unter dem Klaren Himmel hinauszog und an die Mauern des Hauses schlugen die Fluten. Ein Korb schaukelte auf den Wellen und stieß bald hier, bald dort an. Herr von Miramar hatte wieder sein Bim mer aufgesucht; auch seine Frau zog sich zurüd, während das junge Paar mit Hubert und Yvonne nech den Abend genoß. Hubert nahm jetzt den Platz seiner Schwester am Klavier ein, Yvonne saß traumverloren neben ihm, und die Verlobten plauderten leise in der Fensternische. ,, Mir ist", sagte Mar, als ob die Glückwünsche unserer Freunde, die Geschenke, die glanzvolle Feier die man uns bereitet, und all das Glück und alle Annehmlichkeiten rings um uns... als ob das alles nichts ist gegen das, was ich heute abends zum ersten Male erschaue..." Sie blickte ihn vertrauensvoll an: ,, Was ist es, Mag?" Vorsichtig wählte er seine Worte, vermied schamhaft jedes Pathos und Nührung übermannte ibn, als diese Kinderhand ihn berührte und sich in die seine schmiegte. ,, Eva, ich wünschte, du wärest ein armes Mädel, das ich beschüßen, dem ich dienen, für das tch mein Leben einsehen dürfte, fern von all dies Hubert stürzte zu dem gegenüberliegenden Fenster, öffnete es und auch hier sah er nur die dunkle, wogende, weithin sich dehnende Fläche. Die Lichter der Villen am Fuße der Felſen ſchie nen auf dem schwarzen Wasser zu schwimmen. Das Haus war schon eine Insel... Er hörte Eva im Vorzimmer schreien: ,, Auf! Auf! Alle müssen getvedt verden!" Da sah er seinen Vater in der Türe stehen. ,, Sollten wir nicht versuchen, von hier fortzukommen?" fragte Yvonne. Die Flut wird uns einholen", antwortete Max, der sein Gleichgewicht wiedergewonnen hatte. ,, Seht wie rasch sie steigt." Schon bedeckte das Wasser den ganzen Boden. Die Möbelleiste war schon nicht mehr sichtbar. Tückisch und lautlos stieg es mit jener langs ,, Gott sei dant, daß mein Arbeitszimmer ganz oben liegt", murmelte der Gelehrte, indem durch die überschwemmte Diele zu seiner Frau hinüber watete. er ,, Es ist doch besser, wenn ich das Fenster schließe", sagte Hubert. Er beugte sich hinaus. Vom Orte her hörte er eine einsame Glocke mit verzweifelter Kraft jammernd, eindringlich läuten, während sich die Fenster der Villen öffneten, von deren beleuchteten Hintergrund die Umrisse bestürzter Gestal ten sich abhoben. Dh, dieses Läuten", stöhnte Yvonne, die bei ihrem Bruder geblieben war. ,, Was soll dieses Lauten?" Hubert schloß sorgfältig die Läden und sich zu ihr wendend, sagte er: auf! ,, Sturm!" : III. Die Flucht • " Frau Andelot, Frau Andelot, wachen Sie Stehen Sie auf! Ueberschwemmung das Meer... Das Speisezimmer ist schon voll Wasser!" kläglich, die Gouvernante,... man weiß ia nicht. Was sollen wir tun?... was sollen wir tun?" Frau Andelot richtete sich auf. Sie preßte die Hände gegen die Stirn. Vor ihrem geistigen Auge stieg ein fernes Bild auf und schob sich mit reängstigender Gewalt in die verwirrende Gegenivart. " Jch komme, gnädige Frau! Ich werde Herrn bon Miramar helfen. Das ist da das Wichtigste, nicht wahr? Und alles zur Flucht bereitmachen..." ,, Wie aber fliehen?" ächste Frau von Miramar. " Es verkehren doch Züge", antwortete Frau Andelot. Vor allem heißt es die Manuskripte retten." Vor allem heißt es uns Menschen retten". fluchzte Frau von Miramar.„ Meine Kinder, meine beiden Kleinen!" Alle werden gerettet werden... nur nicht den Kopf verlieren, gnädige Frau... Nur Ruhe, Ruhe... tommen Sie mit mir." Schon war sie angezogen und verließ das Simmer. Sie dachte nicht einmal daran, ihre eigenen Sachen zusammenzuraffen. Sie erschien an der Schwelle des Arbeitszimmers, wo Herr Stripten, zwischen Feuerstein- und Knochenven Miramar zwischen Stößen von Büchern und sammlungen geschäftig hin- und herschoß. " Ich werde Ihnen helfen." Frau Andelot öffnete die Augen. Tei schmerzende Ring um ihre Stirn lockerte sich nicht. Im Hause ging es bunt zu. Man hatte die Das Slappern der Schreibmaschinen verfolgte sie leichten Möbel, das Geschirr, die Wäsche aus dem bis in ihren Dämmerschlaf. Da sah sie eine zu Erdgeschoß in den ersten Stock geschafft. Türen fammengefuntene Gestalt neben ihrem Bette. Klapperten, Dienstboten jagten treppauf, treppab. 2cim Aufladern der Kerze erkannte sie sie zuerst und mit bestürzter Miene meldeten sie einander nicht. Dieses arme, verzweifelte Wesen, das da die Fortschritte der Ueberschwemmung. Eine Stufe um Hilfe flehte, war das Frau von Miramar? ist schon unter Wasser, zwei Stufen... jekt In ihrem Crepe- Satinkleid, mit ihren Diaman finds schon drei... ten und Perlen behängt, lag sie da, elender als die elendeste der Frauen. ( Fortsetzung folgt). Nr. 217 Donnerstag, 15. September 1938 Seite 3 sich vor einem neuen Kriege in vertritt Lton Blum die An« des Frieden» noch nicht er« Um 22.58 Uhr kehrte der Vorsitzende der Regierung Daladier neuerlich in» MinlsterratS- Präsidium zurück. Um 23.25 Uhr hatte er eine Beratung mit Postminister Julien. Der Ministerpräsident verlieh seine Kanzlei eine Viertelstunde nach Mitternacht. Pressevertretern gegenüber äußerte er sich: ES hat den Anschein, daß sich die Angelegenheiten au-grglichen haben. Man muß Rübe und.Kaltblütigkeit bewahren und alle Dinge betrachten, wie sie sind. Außenminister Bonnet verlieh sei« Arbeitszimmer erst um bald 1 Nbr früh. Um 22 Uhr hatte er«ine Beratung mit ArbritSminisier Pomaret. Um 22.30 Ubr empfing Außenminister Karlsbad.(Eigenbericht.) Mitt« tvoch nachmittags und abend- kamen in itarlSbad und Falkenau die f Vertrauensleute der Partei zu zwang-« I ofen Aussprachen über alle jene Maßnahmen zusammen, die von der Stunde erfordert werden. An diesen Besprechungen nahmen >er Vorsitzende der Deutschen sozial» demokratischen Arbeiterpartei Abg. I a k s ch und die Abgeordneten D e Witte und Katz teil. Iaksch sprach den wacheren Genossen den Dank der Partei für ihre vorbildliche und heldenhafte Haltung auS und gab ein umfassendes Bild der Lage. Die veschlossenhett der Bewegung und die Kampfbereitschaft der sozial« demokratischen MSnner und Frauen kam in geradezu überwältigender Weise zum Ausdruck. Bei der Durchfahrt durch den Bezirk Elbogen wurden die Abgeordneten in vielen Orten demonstrativ begrüßt. Diese Labelle»ritt am besten, wie diszipliniert di« amtliche» Organe und die tschechischen Bürger vorgingen. Sie zählen 12 Tote gegenüber 9 Toten der SdP. An verletzten zeigt sich dann noch viel markanter da» Vorgehen der Mitglieder der Sudetrndentschen Partei, von 75 verwundeten sind«4 Angehörige der Gendarmerie, tschechische Zivilpersonen, Polizisten, Sinan,Wachleute 'und Soldaten, demgegenüber beläuft sich die Zahl der verletzten SdP-Mitglieder aus 14. Ein Teil der sudetendeutschen Oeffentlichkeit, nämlich diejenigen, welche sich ihre klare Vernunft bewahrt haben— und wir hoffen, dass in den nächsten Tagen die Zahl dieser Sudetendeutschen im Wachsen begrisfcn sein wird— steht unter dem Eindruck deS vom Vorsitzenden der Partei unterfertigten Aufrufes der sudetendeutschen Sozialdemokratie. ES wird keinen deutschen Demokraten dieses Staates geben, der nicht von den in schwerer Schicksalsstunde gesprochenen einprägsamen Worten auf das tiefste beeindruckt wurde, niemanden, der nicht von der Erinnerung an den blutigen Weltkrieg gepackt worden wäre. Dieser Aufruf wird, wie die Dinge auch verlaufen werden, welches Schicksal Europa auch erfahren wird, aus der Geschichte de» Sudetendeutschtums nicht auSzulö« schen sein. Die sudctendeutsche Sozialdemokratie hat damit weithin sichtbar eine Fahne aufgezogen, um die sich alle scharen können, die für Frieden und Freiheit und für eine bessere Zukunft des Sudetendeutschtums und für ein neues Europa gleichberechtigter Völker kämpfen. Und so wie die Führung der Partei da» richtige Wort zu richtiger Stunde gefunden hat, so haben auch die tapferen Soldaten der sudetendeutschen Sozialdemokratie die Prüfung der letzten Tage bestanden. Sie haben dem Terror getrotzt, sie haben allen Gefahren mutig ins Auge geschaut, sie waren in jeder Situation tapfer und besonnen. Diese tapfere Haltung, diese hohe Gesinnung werden gleichfalls in den Blättern der sudetendeutschen Geschichte verzeichnet sein. In dieser männlichen Haltung gehen wir auch den Ereignissen der nächsten Tage entgegen. Unsere Anhänger mögen sich durch Gerüchtemacher nicht beeinflussen und von niemandem einschüchtern lassen. Gewiss, die Lage ist ernst und bleibt ernst. Aber man darf nicht jedem Gerüchtemacher aufsitzen und nicht jedem Gerücht glauben. Die Genossen mögen sich an unsere Parteistcllen wen« den und an ihre Vertrauensmänner halten, sie mögen unsere Zeitungen aufmerksam lesen und sich aus den mitgeteilten Nachrichten— wenn man auch nicht alles schreiben kann— ein Bild der Lage machen. Es wäre verfehlt, jedes Gerücht zu glauben und insbesondere jedes Gerücht weiterzugeben. G Wir wollen nichts beschönigen und den Ernst der Lage nicht unterschätzen. Wir sind noch nicht über den Berg und nicht alle Klippen sind umschifft. ES können und werden wohl noch ernste Tage über un» kommen, wo wir aufs neue vor Prüfungen gestellt werden wie jene, die die sude- tendentschen sozialdemokratischen Menschen bisher so glänzend überstanden haben. Mögen deSIvegcn alle jene, welche um unsere Fahnen geschart sind, auch weiterhin Kaltblütigkeit, Ruhe und Besonnenheit bewahren und in jeder Beziehung das tun, was ihnen ihre Vernunft und ihre feste Gesinnung vorschreiben. ES kann sein, dass in den nächsten Tagen daS sudetendeutsche Problem wieder anf den Weg internationaler und innerpolitischer Verhandlungen gelangt. Der deutsche Nationalsozialismus wird weiterhin versuchen, einen Druck a»f die Tschechoslowakei auSzuüben, wenn man auch damit rechnen kann, dass, wie die Basler National-Zeitnng richtig schreibt,»doch eine Scheu vor letzten Entschlüssen" besteht, da die Lokalisierung eineS-mili« tärischcn Konflikts Deutschlands mit der Tschechoslowakei nicht zu erreichen ist. Diese Verhandlungen können uns wieder vor Krisen stellen, in denen die Westmächte ebenso wie der tschechoslowakische Staat mit derselben Festigkeit wie bisher anftreten müssen, soll der Friede Europa» gerettet werden. Roosevelt kehrt nach Washington zurück Washington. Präsident Roosevelt, der heute mit Untrrstaat-sekretär Hnll eine lange telephonische Unterredung hatte, beschloß, sich sofort nach Washington zurückzubegeben. verwundet« Gendarmen... Tschechen(Zivilisten) Polizisten i Finanzwache Soldaten SdP. Der englische König bricht seinen Urlaub ab London.(Meuter.) Die englische Regierung ist Mittwoch um 11 Uhr vormittag» in Downing Street zu einer Sitzung zusammrngetre- len. Abgesehen von den Ergebnissen der Beratungen zwischen llhamierlain und den Ministern der wichtigsten Ressort», dir bi» spät in die Rächt hinein daurrirn, hat di« Regierung ebensall» die Ergebnisse zu prüfen, welch« die Beratung der Chef» der Genrralstäbe mit den Ministern, die die Ressort» der Stantöverteidigung verwalten, hatte. In der Umgebung vom White Hatte sammelten sich schon am zeitlichen Morgen mehr al» 2090 Menschen an. Die Polizei hat alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Mitglieder de» Kabinett» gingen gegen 13 Uhr auseinander. Es wurde keine weitere Sitzung für Mittwoch anberaumt. Naturgemäß halten sich die Minister zur versügung, fall» sie.im Laufe de» heutigen Tage» gebraucht werden sollten. Der amerikanische Botschafter Kennedeh hatte nach der heutigen Kabinettsitzung eine viertelstündige Beratung mit dem Ministerpräsidenten Ehamberlain. ES verlautet» daß in der Kabinettsitzung der Bericht, den Ministerpräsident Ehamberlain der Vollsitzung de» Kabinett» über da» Ergebnis der DienStag abends zwischen Chamberlain und Minister Halifax, Simon und Hoare al» zuständigen Ressortministern für nationale Verteidigung mit den Chef» de» Generalstab» stattgefundenen Beratung, erstattet hatte, genau durchberaten wurde. * London. Der König von England reiste Mittwoch abends von Schloß Balmoral nach London ab. Zu dieser Reise kam e» im Zusammenhang mit der internattonalen Lage. Bonnet de« tschechoslowakischen Gesandte» Dr. vsuskh zu einer kurzen Unterredung. In Pari» wurde in den späten Nachtstunden Vie Nachricht bestätigt, daß in allen sudetrndeutschen Gebieten absolute Ruhe- herrsche. Minister Bonnet hatte dann noch mit dem Minister für öffentliche Arbeiten und dem Vorsitzenden de» Außenauöschusse» de» Abgeordnetenhaus»»»ine Unterredung. Blum bei Daladier Pari». Ministerpräsident Daladier empfing Mittwoch nachmittag» Lton Blum. Sodann empfing Daladier den SenatSprästdenten Ieanne- neh und schließlich den Vorsitzende» der Republikanischen Föderation Loui» Marin. Französische Gewerkschaften für die Tschechoslowakei Pari». Der Allgemeine Arbeitöverband hat«in« Kundgebung erlassen, worin u. a. gesagt wird: DaS Präsidium des Allgemeinen ArbeitS- verbandr» verkündet von neuem seinen Willen zum Frieden. ES nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß di« demokratischen Mächte durch ihr feste» Auftreten vorderhand die militärische Intervention in der Tschechoslowakei hintange- halten haben. Der Allgemeine Arbeitöverband ersucht die französische Regierung und die Regierung der andem freien Länder, in ihren Friedensbemühungen«nd in der Solidarität gegenüber der Tschechoslowakei auSzuharren. Japan ist desinteressiert Tokio. Der Korrespondent der„Times" Tokio meldet, dass die Ansicht deS japanischen AuhenministeriumS über die Hitler-Rede dahin gehe, dass Japan von einem europäischen Konflikt Zurückhaltung der europäischen Mächte gegenüber den^ Krieg in China erhoffen könne. Bon einer Begeisterung für die deutschen Forderungen könne aber keine Rede sein. Da» japanische Blatt„Ko- kumin" schreibt:„Die Sudetenaffäre hat keinen direkten Einfluss auf die Antikomintern-Front. Selbst wenn die Affäre sich ausdehnt, wird sie ein Problem für die Achse Berlin-Rom in Europa jein, aber un» wird sie nicht direkt angehen." Zusammenarbeit Paris-London London. Di« Marine-«nd Militärattache» der französischen Botschaft arbeiten in enger Zusammenarbeit mit den führenden Faktoren de» britischen Kriegsministerium»«nd der Admiralität. Durch diese Attachteü bleibt daS französische Kommando in engster Verbindung mit London. Englisches Parlament wird einberufen? In der französischen Relation de» Straßburger Sender» wurde Mittwoch um 11 Uhr nacht» gemeldet, daß der englische Premierminister Ehamberlain Mittwoch nachmittag» den Führer der Arbeiteropposttio», Major A t t l e e, empfangen habe. Es bestehe der Plan, der Forderung der Opposition nach Einberufungde» Parlaments zu entsprechen. Ehamberlain hat mit Attlee offensichtlich auch über den bevorstehenden Besuch in Berchtesgaden gesprochen«nd die Wünsche der Opposition angehört. Rege Tätigkeit in Paris Pari». Ministerpräsident Daladier empfing DienStag den ehemaligen Minister Flandin und den Senator Caillaux. Um 21 Uhc empfing er den britischen Botschafter Sir Eric PhippS. Weiter» hatte er Unterredungen mit Aussenminister Bonnet und dem Generalsekretär im Auhenmini- jterimn Leger.> hinzu, England habe gestern seine Zuversicht, Frankreich in einem allgemeinen Konflikt beizustehen, der die französische Integrität gefährden könnte, erneuert. „Journal" schreibt, dass England und Frankreich. wa» immer auch geschehen möge, eingreifen müssen. In der„L'Epoque" schreibt De KerrilliS: Der Krieg kann auSbrechen, und zwar insbesondere dann, wenn die Sudetendeutschen einen Aufstand beginnen, er wird aber nicht auSbrechen, so lange wir fest bleiben und zu allem entschlossen sind. Noch niemals in ihrer Geschichte hat sich Frankreich von der Einhaltung seiner Ehrenverbindlichkeiten abhalten«nd zur Kapitulation zwingen lassen. „Petit Journal" veröffentlicht einen Brief seiner Berliner Berichterstatter», worin dieser die unter der Bevölkerung Berlin» herrschende grosse Nervosität schildert. Die kämpferische Rede in Nürnberg hat keinen grossen Einfluss auf die Gesinnung der Be- vötterung gehabt, die fürchtet. Im„Populaire" sicht, dass die Quellen.......... schöpft wurden. Die Hauptfrage deS Tage» ist die Wiederherstellung der Ruhe in den sudetendeutschen Gebieten. Kann Frankreich und England die Aufsicht über diese Massnahmen auf sich nehmen? Im Notfälle wäre e» möglich, internationale Beobachter oder internationale Aufsicht in Anspruch zu nehmen. Da» sudetendeutsche Problem muss so gelöst werden, dass die Lösung keine Unruhen zur Folge hat. In der„Humanitt" wird in einem Artikel Gabriel Ptri» ausgeführt, dass«ine Annahme der letzten ultimativen Forderungen der Eudeiendeutschen durch die tschcchostowakische Regierung überhaupt nicht in Frage kam. Die Maßnahmen eine Staatsnotwendigkeit Belgrad. An offiziellen Stellen werden die gegenwärtigen Massnahmen in der Tschechoslowakei al» Staat-Notwendigkeit bezeichnet, da in den su- deiendeutschen Gebieten sich organisierte Revolution zeige..Breme" veröffentlicht den Bericht der Sudetendeutschen Partei Über da» überreichte Ultimatum. Da» Blatt schreibt, dass private Objekte vernichtet wurden und dass e» bereit» zu direkten Angriffen kommt. Sie ist der Meinung, dass e» sich um keinen planmässigen Aufstand handelt, sondern dass die» alle» da» Werk extremer Elemente sei, die sich die Rede Hitler» al» Aufforderung zum Aufstand au»- gelegt hoben. Es ist auffallend, dass«» nur auf der bayrischen«nd sächsischen Grenze zu Zwischenfällen gekommen ist und dass die Zwischenfälle auf die gleiche Art durchgeführt wurden. Henleinistischer Putsch Pari». Die Agentur Hava» bringt folgende Information ihre» Moskauer Berichterstatter«: Die blutigen Ereignisse in der Tschechosiowakei werden hier al»»henleinistischer Putsch" qualifizert. In zu- sländigen hiesigen Kreisen heisst e», HeNlein beginne eine»spanische Variante" de» Hitlerplaner zur Ber- inchtung der Tschechoslowakei durchzuführen, da» heisst, eine Variante, die einen Bürgerkrieg im Schosse der Tschechoslowakischen Republik provozieren soll, um sodann«ine militärische Intervention«in- treten lassen zu können. Diese Ereignisse haben bewiesen, wie unberechtigt der Optimismus war, der in einigen ausländischen Kreisen nach der Nürnberger Rede zu bemerken war. Die Sowjetpresse betont, dass die»programmatische Rede" Hitler» in keiner Weise die öffentliche Meinung der Tschecho- flowakei in Schrecken verseht habe, deren Volk unerschütterlich entschlossen sei. die nationale Unabhän» gtgkeit und Integrität seine» Staate» zu schützen. England berät militärische Maßnahmen 21 Tote, 75 Verletzte bis Mittwoch Mittag Prag. In vem Bericht, der Mittwoch veröffentlicht wurde, sind die Opfer an Menschenleim eingetragen, welche da» Treiben unverantwortlicher Elemente»«fordert hatte. Bielleicht wird diese Urtrrflcht den Beweis erbringen, in welcher Art di« Ruhe«nd der Frieden in unserer Republik bedroht worden ist. Al» ein schwere» Ber. breche« lastet rS aus dem Gewissen jener, die aus diesem Wege ihre dunkeln Ziele durch Opfer an Menschenlebm erreichen wollten. Die gesamte zivilisierte Welt erkennt, daß sie keine Mittel scheuen «nd sie steht deshalb heute auf der Seite de» Rechte» und der Wahrheit,auf der Seite der Tschechoslowakei. Die Bilanz ist«ine trauriger Tote(laut Meldungen bi» zum 14. September morgen») r Gendarmen.... Tschechen(Zivilisten). Soldaten SdP.. Seid tapfer und besonnen! Die wichtigste Feststellung, die man nach dem Verlauf der letzten vierundzwanzig Stunden machen kann, ist, dass die Massnahmen, welche die tschechoslowakische Regierung nunmehr in insgesamt elf Bezirken getroffen hat, sich tatsächlich al» zweckmässig erwiesen haben. Die Verkündung des Standrechts hat überall zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung und der staatlichen Autorität beigetragen. ES ist auch erfreulich, dass die Standgerichte der Notwendigkeit enthoben waren, in Funktion zu treten. Denn es handelt sich nicht darum, dass jemand nach schwerem Standgerichtsverfahren verurteilt wird, sondern dass die Ruhe hergestellt wird. Eine entschlossene Staatssiih- rung kann, ohne dass sic brutal und ohne dass sie ungerecht ist, viel zur Beruhigung der Bevölkerung und so zur Schaffung der Athmosphäre beitragen, in der allein eine friedliche Lösung deS nationalen Problems möglich ist. Eö hat auch wohltuend gewirkt, dass der Melniker Sender die getroffenen Massnahmen entsprechend erklärt und dargelegt hat, dass da» standgerichtliche Verfahren nicht etwa gegen irgendeine bestimmte Schicht der Bevölkerung geübt wird, sondern gegen jene, welche das Gesetz verletzen, gleichgültig, wer sie sind. Die Negierung hat auch ihren Ernst dadurch gezeigt, dass sie in jenen Bezirken, wo es noch im Laufe des Dienstag nachmittag zu Ausschreitungen gekommen ist, das Standrecht verhängt hat, und so ihren Ernst zum Ausdruck gebracht, die Ruhe im Staatsgebiet. herzustellen. E» kommt jetzt darauf an, dass man konsequent in der Richtung weitergeht, G e- rechtigkeit und Menschlichkeit mitFestigleit und ruhiger Entschlossenheit zu verbinden. Daksch beim roten Helderivolk Westböhmens FS hat Befehl zu provozieren Prag. Dien»tag, kurz vor Mitternacht, meldete derStratzburgerSender in seiner deutsche» Sendung, daß e i n B e f e h l der Ordn er der Sudetendeutschen Partei, der sogenannten FS, aufgefangen worden sei.' In diesem Befehl ordne die Führung den Mitgliedern an, die tschechoslowakischen Sicherheitsorgane«ach Möglichkeit z« provozieren. Es sollte« möglichst viele vereinzelte Inzidente veranstaltet werden. E» werde möglich sein, sich der staatlichen Gebäude zu bemächtigen. ,,We«u diese isolierten Aktion-n nicht binnen vierzehn Tagen ein Plebiszit herbeiführe«, dann solle» Massenaktionen, und zwar im ganze« von de« Sudetrndeutschen bewohnten Gebiet veranstaltet werden." Seite 4 Donnerstag, 15. September 1938 Zwei schicksalhafte Nächte Dramatische Steigerung Unheilschwangere Mitternacht Beratungen Nr. 217 Ebenso stimmte die tschechische Gewerbes Alle Franco- Angriffe die Sudetendeutschen, die ein bleibendes geschichts liches Dokument für den Friedenswillen und die der tschechischen Parteien Friedensliebe unserer Bewegung ist. Diese Erklä rung ist in ihrem leidenschaftlichen Bekenntnis zur Prag. Die Vollzugsausschüsse einiger tsches Der Preffe ist es nur in beschränktem Um gefährlichen Tuns zu spüren oder wenigstens zu Völkerverständigung und ihrem tiefen Verantwor- chischer Parteien ielten Mittwoch Beratungen as, In der Sigung der tschechischen sozialdemo fang möglich, eine erschöpfende Darstellung der chnen. So hat denn die Verkündungtungsbewußtsein das genaue Gegenstück zu den lezten Ereignisse zu geben. An der Wiedergabe des Standrecht& den Terroriſierten und Erklärungen der SdP- Hasardeure; sie sprach für kratischen Partei erstattete Minister Bechyně das genauer Berichte hindern sie nicht nur die Zenjur den Frregeführten das Gefühl der Sicherheit ge- alle Deutschen, die den Frieden lieben, auch politische Referat. In der Entschließung wird schwierigkeiten; auch das Verantwortungsgefühl, geben und den Radikalinskis eine Gelegenheit zur wenn sie zu ängstlich oder zu bequem sind, dieser ausgesprochen, daß in unverantwortlicher Teil über das eine gewissenhafte Presse verfügen muß, Erprobung ihres Mutes, der sich bisher nur an Gesinnung jenen politischen Ausdruck zu geben. der Sudetendeutschen Partei, der sich auf eine hält sie davon ab, durch die Registrierung des uns wehrlosen Gegnern ausgetobt hatte. der sie in Gegensatz zu der kriegstreiberischen fremde Macht stützte, den Versuch unternimmt, unterbrochenen Auf und Ab in der politischen Die Radikalinskis haben die Mutprobe schlecht SdP- Führung bringen müßte. die Welt in eine Katastrophe zu stürzen. Die Entwicklung Panikstimmung oder zwedlosen Op- bestanden zum Wohle des Sudeten Maßnahmen der Regierung wurden zur Stennis timismus zu erzeugen. Immerhin sei der Ver- deutschtums. Sofort nach der Verkün nis genommen und es wurde die Erwartung auss such unternommen, das Geschehen in den zwei dung des Stand cechts in einer Anzahl von BeDie erwartete Antwort unserer höchsten gesprochen, daß es zu allen notwendigen innerschicksalshaften Nächten von Montag auf Diens girlen ist Ruhe eingefehrt, und in den anderen Be- Staatsstellen auf das neue politische Heldenstück politischen Maßnahmen kommen wird, die der tag und von Dienstag auf Mittwoch zumindest zaken wurde die Ruhe überhaupt nicht oder nicht der SdP blieb aus; man begegnete den Hasardeu- Entwicklung jeder Lage Rechnung tragen. in seinen wichtigsten Aeußerungen festzuhalten. wesentlich gestört. Die passive Re sistenz der fried- ren, durch deren Schuld Blut geflossen war, mit Tiebenden Bevölkerung gegenüber den SDP- Schweigen und machte sich auf alle Eventualitäten Bericht Minister Srámek. Der Vollzugsausschus In der Sitzung der Volkspartei erstattete den Die Absicht des Nationalsozialismus Varolen hat am Dienstag nach der Verkündung gefaßt, die nach den geäußerten Drohungen zu nahm mit Anerkennung die feste Haltung der des Standtrechts in noch viel stärkerem Maße ein erwarten waren. Diese Situation war um etwa Parteivertreter der Regierung zur Kenntnis und Die Hitlerrede hat wohl bei allen Hörern, gesetzt, und eben die Ruhe, die das Sudetendie aufrichtige Freunde des Friedens find, die deutschtum bewahrt, ist der stärkste Negativ englische Mission wieder eingeschaltet| Standpunkt der entschlossenen Verteidigung der 11 Uhr nachts. Man erfuhr noch dazu, daß sich die beschloß einstimmig, die Partei möge auf dem größten Besorgnisse ausgelöst. So maßlos waren punkt in der Rechnung des Nationalsozialis habe, um das ergste zu verhüten; Ashton Gwat- vollen Souveränität, Intregität und Einheit der Sie Schimpfereien und Drohungen, daß man nicht mus und seiner judetendeutschen Handlanger. Die fin, der Mitarbeiter Runcimans, sei nach Eger Republik festhalten. glauben konnte, sie würde ohne Folgen bleiben. Toten, die sinnlos geopfert wurden, geopfert der gefahren, um eine neue Verhandlungsgrundlage Zwar mußte man sich bei genauerer Ueberlegung önenden Phrase und der politischen Großmannszu finden. Während man nach Mitternacht verfagen, daß die Rede keine positiven Forderungen sucht gewiſſenloser Hasardeure, gehen auf die geblich auf die aus der Nichtbeantwortung der Partei und die Nationale Bereinigung den Maßenthielt und also keineswegs ein unmittelbares Rechnung der Anstifter, die weit vom SdP- Drohungen zu befürchtenden Eventualitäten nahmen der Regierung vollinhaltlich zu. Eingreifen Deutschlands ankündigte, aber jedem chuß blieben. Kenner der Situation im judetendeutschen Gebiet war es llar, daß die aufgepeitschten Anhänger der SdP sie als einen Freibrief für die Steigerung Nicht weniger schicksalshaft als die erste Nacht ihrer Terrorakte auffaffen würden. Tatsächlich ist war die zweite. Die zweite Nacht war sogar noch der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, daß um vieles dramatischer, besonders vom Standdie Rede das Signal zu einem wohlvorbereiteten punkt der Hauptstadt und der Parteizentrale aus. Aufstand der SdP- Anhänger sein sollte, der dann Denn die Nachrichten, die ununterbrochen aus den den schon lange gesuchten Vorwand für das EinProvinzzentren der Partei einliefen und teils be= greifen der bewaffneten Macht des nationalsozialis ruhigend, teils beunruhigend waren, wurden erstischen Deutschland gebildet hätte. Ein Beweis gänzt und überschattet durch die Nachrichten über für die Richtigkeit dieses Gedankens ist wohl der die politische Entwicklung. Die von 11mstand, daß die Sdp- Anhänger in den meisten den in der Provinz lebenden und wirkenden BarOrten die Beendigung der Rede überhaupt nicht teiorganisationen gemeldeten Angriffe wurden abwarteten, ja, jie nicht einmal anhörten, und erfolgreich und rasch durch das Eingreifen der trotzdem sofort auf die Straße gingen. Sie waren Staatsgewalt liquidiert, die von der Partei ervon den Funktionären der SdP dorthin fomman- teilten Weisungen wurden genau befolgt. Die in Sicherheit sind... diert worden. Die vorbereitet gewesenen Embleme Dienstag abends um 6 Uhr waren die Stra und Fahnen wurden hervorgeholt und sollten der sen Prags erfüllt von dem Geschrei der ZeitungsUm 3 Uhr nachs donnerten endlich die NoUnternehmung den entsprechenden Glanz und inne- verkäufer, die Sensationen zu verkünden hatten. tationsmaschinen, nicht, um Zeitungen mit ren Antrieb verleihen. Selbstverständlich war eine Ein Blatt meldete unter einer balkendicken Ueber- Kriegsnachrichten zu fabrizieren, sondern Zeitun Beschränkung auf friedliche Kundgebungen gar schrift, daß innerhalb der Sdp- Führung heftige gen, welche der Bevölkerung mitteilten, daß die nicht beabsichtigt, was aus den verschiedenen, von Meinungsverschiedenheiten Spannung weiterhin andauere und alle Möglichden amtlichen Stellen gemeldeten terroristischen| ausgebrochen feien eine Nachricht, die sich mitt leiten offen blieben. Nur die Rotationsmaschinen Unternehmungen der FS hervorging, die leider Terweile bestätigt hat, wenn man ihre politische der Zeit" donnerten diesmal nicht. Die Redakauch viele Tote und Verwundete gefordert haben. Auswirkung auch nicht überschätzen darf. Bugleich teure hatten Prag zusammen mit dem gesamten fam aus anderer Quelle die Botschaft, daß die Prager Stab der SdP verlassen. Weil man, wie Edp eine Erklärung abzugeben beabsich die Reit" beteuerte, angesichts der Zensurſchwie tige, in der sie die Schuld an den bedauerlichen rigkeiten nichts mehr sagen könne, obwohl natürDie Aftion flappte nur zu einem Teil, zu Zwischenfällen, die zur Verfündung des Stand- lich noch genug Möglichkeiten bestehen, die Wahreinem sehr geringen Teil. Die rechts führten, von sich weise. Nach 8 Uhr abends heit zu sagen, und vor allem für die SdP- Presse überwiegende Mehrheit der Su- hatte sich die Lage völlig verändert. Es wurde eine die Verpflichtung bestanden hätte, ihre Leser zur detendeutſchen leiſtete passive Resistenz, Erklärung der SdP bekannt, die alle bisherige Besonnenheit zu mahnen. Aber den Herren war statt sich zur Auslösung eines opferreichen Auf- Maßlosigkeit weit in den Schatten stellte und nichts der Boden unter den Füßen zu heiß geworden. standes und kriegerischer Verwicklungen miß weniger verlangte, als daß die Staatsgewalt vor Burück blieb nur das schlechtbezahlte Personal der brauchen zu laffen. Die Ausschreitungen beschränt ihr fapituliere. Große Ereignisse waren als Ants SdP- Betriebe. ten sich auf wenige Städte und Dörfer. Es fann wort auf diese Erklärung zu erwarten; man gesagt werden, daß durch die Art, in der das Su- wußte, daß Mitternacht die kritische Stunde detendeutschtum auf die Hasardeur- Unternehmung sei. In diesem Augenblick richtete die Deutsche soder SdP- Führung reagierte, das politische Kon- zialdemokratische Arbeiterpartei durch den Mund zept dieser gewissenlosen Führung und ihrer Auf- ihres Vorsitzenden jene aufrüttelnde Mahnung an traggeber das erste große Loch bekam. Revolu tionen lassen sich eben nicht ma d; e n, und eine künstlich aufgeputschte UnzufriedenPassive Resistenz der Sudetendeutschen wartete, meldete der Sender Straßburg, die SdP Führung sei aufgefordert worden, nach Prag zu Frant, aber Abg. Kundt sei bestimmt worden, tommen, wenn sie etwas wünsche. Nicht St.. am Ebro zurückgeschlagen nach Prag zu fahren und Verhandlungen aufzunehmen. Aber nach halb 1 Uhr war bereits beBarcelona.( Havas.) Wie das Natiofannt, daß Konrad Henlein die Verhandlungsnalverteidigungsministerium meldet, haben die delegation der SdP ihrer Verpflichtungen enthoben und feinen neuen Verhandler ernannt habe, Republikaner alle nationalistischen Angriffe an daß also alles im Schwebezustand bleibt. Die der Ebrofront zurückgeschlagen. Prager Regierung hatte ihre Dauersißung nach en der SdB geschah nicht das geringste. Prag und 11 Uhr abends beendet gehabt. Troß den Drohungen der SdP geschah nicht das geringste. Prag und das Land konnten den Rest der Nacht ruhig verbringen. " Was werden die nächsten Nächte bringen? Die Sudetendeutschen können den Frieden aller kommenden Tage und Nächte sichern helfen, wenn sie Ruhe bewahren. ebensowenig eine ausreichende Ein Ein organisierter Aufstandsversuch Grundlage für das von der SdP geforderte Hel dentum, wie die Lügen, die von höchster nationalsozialistischer Stelle aus über die angeblich maẞIcje Unterdrüdung des Sudetendeutschtums verbreitet wurden. Prag. Gestern um 19.15 Uhr sandte der solut notwendig war. Wenn man bedenkt, daß die Melniker Sender folgende Nachricht: Angreifer sogar Maschinengewehre und Handgranaten bei ihren Aktionen benüßt haben, so ist es einem jeden Menschen Klar, daß die Regierung mit vollem Recht zur energischen Liquidierung dieser Attentate auf den Frieden im Staate und ganz Europa geschritten ist. Die Anstifter dieser blutigen Gewalttaten, die sich in den letzten ztvei Tagen auf dem Boden des Staates abgespielt Argumenten nie benüßt worden ist, haben sich mit haben, wo die Fauſtfeuerwaffe an Stelle von größter moralischer und politischer Verantwortung belastet. Man kann in diesem Momente der ganzen Weltöffentlichkeit die Frage stellen, ob solche Handlungen und Taten Rechtstaten sind? Die Ereignisse, die sich an verschiedenen Das Heldentum der Demokraten Orten des Grenzgebietes seit Montag nachts abgespielt haben und welche die Regierung gezwunImmerhin: In der Nacht auf Dienstag gegen haben, in elf Bezirken das Standrecht zu schah genug des Entsetzlichen und Empörenden, verhängen, sind, wie allen eingelaufenen Berich und es war flar, daß ein Andauern der unter der ten zu entnehmen ist vonzwar verschie SdP- Anhängerschaft verbreiteten Meinung, der Terror bleibe angesichts der endlosen Duldsamfeit heit arbeiten Stellen organibenen, aber in enger Berbunden der Behörden straflos, die schritttveise, aber fiert worden. Die Benüßung von Feuerwaffen sichere Untergrabung der Staatsautorität hätte zur verschiedener Art gegen die Organe der staatlichen Folge haben müssen. In dieser Nacht mußten tan- Sicherheit hat ebenso wie die Ueberfälle auf sende deutscher Sozialdemokraten um ihr Leben Staatsämter und Gendarmerieſtationen diesen zittern. Sie harrten mutig aus auf ihren Pläßen, Erscheinungen den Charakter eines AufstandsverBerbindung haltend mit der Parteiführung, sie fuches gegeben. Es wurde zwar überall, mit einer ununterbrochen unterrichtend und ihre Weisungen einzigen Ausnahme, durch die Staatsmacht sofort In einer zweiten Relation hieß es: In der bewegten, von Spannung erfüllten gehorchend. Die erfolgreiche Abwehr des Sturmes die Ordnung wiederhergestellt. Trotzdem Lesteht Beit wird die Bevölkerung durch von Mund zu auf das Egerer Arbeiterheim ist nur eines der noch immer die Gefahr, daß unverantwortliche Ele- Mund verbreitete Gerüchte und Nachrichten phanvielen Beispiele für den Heldenmut, den unsere mente ihre Versuche von Gewalttaten gegen die Anhänger in jener Nacht bewiesen eines Helandersnationalen und andersdenkenden Mitbür- oitag nun die Ursache dieser Gerüchte und tastischen Inhaltes beunruhigt. Die Bevölkerung dentums, das schon in den vergangenen Monaten der sowie gegen den öffentlichen Sicherheitsdienst Nachrichten in den erregten Köpfen, oder in ver fortzuseßen suchen. Es ist hervorzuheben, daß alle Absicht, Verwirrung und Unruhe zu verbreiten, diese Taten mit einer Grausamkeit und Absicht, Verwirrung und Unruhe zu verbreiten, Rücksichtslosigkeit verübt worden sind, die ihres- warnt, ihnen Glauben zu schenken. So wurde gelegen sein auf das dringendste davor ge= gleichen suchen. Was für eine Wut die Urheber heute mündlich ein Bericht verbreitet, daß in Eger diefer Unruhen befeelte, dafür spricht die Statistit heute eine Hinrichtung auf Grund des Standder bisherigen Opfer dieser Gewalttaten. Ihre rechtes erfolgt ist. Auf Grund von Informatio= traurige Bilanz weist insgesamt 23 Todesopfer nen von zuständigen Stellen können wir fonstatieaus. Es sind insgesamt 13 Tschechen gefallen oder getötet worden, von denen 10 Angehörige des ren, daß an dieser Nachricht überhaupt kein wahres Sicherheitsdienstes sind. Auf seiten der Angreifer feinem einzigen Falle eingeleitet, weil dazu kein Wort ist. Ein Standrechtverfahren wurde noch in deutscher Nationalität sind 10 Tote zu verzeich Grund vorlag und es konnte daher auch eine innen. Noch ausdrucksvoller spricht die Statistik der richtung auf Grund eines solchen Verfahrens nicht Verletzten, auf deren Liste insgesamt 75 Personen stehen, von denen nur 14 deutscher Nationalität find. Dagegen wurden insgesamt 37 Männer des Sicherheitsdienstes, meistens schwer verletzt. Aus diesen Zahlen geht klar hervor, daß das Einschreiten der Staatsorgane mit größter Zurückhaltung und unter peinlicher Einhaltung der Warschau.( PAT) Die Wahlen in die Nam Vorschriften erfolgt ist. Man hat in keinem Falle mer werden am 6. November und die in den Sevon der Waffe Gebrauch gemacht, wo es nicht ab- Inat am 12. November stattfinden. immer wieder wunderbaren Ausdruck fand. Auch als es ernst ward, blieben unsere Menschen sich selber und ihrer Sache treu. Ruhe durch Standrecht Wir alle wußten, daß ein rasche 3 Durchgreifen der Behörden, daß nur eindeutige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sofort ihre Wirkung tun würden. Die Sudetendeutschen sind, auch wenn sie sich zur Henleinpartei bekennen, nicht samt und sonders Terroristen und sind durch den Gang der Entwicklung mehr betroffen als er freut gewesen. Zum guten Teile hat sie ja nicht die Begeisterung für die Politik der SdẞFührung in die Reihen der SdP getrieben, sondern die Angst vor dem Terror dieser Partei. Die anderen aber, die Radikalen, die radikal waren, weil sie sich Straflosigkeit versprachen und zu meist überhaupt noch nicht Pulver gerochen haben, mußten Gelegenheit bekommen, die Folgen ihres erfolgen. Sejm- Wahlen am 6. November Flottenmanöver Englands, Flottenmanöver Englands, Frankreichs, Rußlands London. Die britische Home Flett" hat am Dienstag Cromarty Firth verlassen, um Uebungen in der Nordsee abzuhalten. Die Flotille der Zerstörer verließ als erste den Hafen, dann folgten die Kreuzer ,, Southampton" und..Newcastle". Flugzeuge von der Militärflugbasis in Evanton begleiten die Flotte bei ihrer Ausfahrt. Nur die Flotille der Minensucher und einige Hilfsschiffe sind in Invergordon und eine Anzahl bon Zerstörern in Portland zurückgeblieben. Die britische Mittelmeerflotte befindet sich zur Zeit bei den griechischen Inseln auf einer Uebungsfahrt. Nach in London eingetroffenen Nachrichten hat ein Teil der französischen AtlantikFlotte den Befehl erhalten, den Hafen Brest zu verlassen und sich in die Gegend von Cher= bourg zu begeben, wo Anfang Oktober Uebungen im Aermelfanal beginnen sollen. Aus Moskau wird amtlich mitgeteilt, daß die Flotten Manöver in den nächsten Tagen begins nen und im Schwarzen Meer, in der Ost= see sowie im Stillen Ozean stattfinden werden. Sechzehn Tote in Palästina Jerusalem.( Reuter). Bei aufrührerischen Zusammenstößen, welche sich Mittwoch in verschie denen Teilen Palästinas ereigneten, wurden zehn Araber und sechs Juden getötet. Drei britische Polizisten und elf Araber wurden verwundet. Keine Einschränkung des Geldverkehrs in Frankreich Paris. Finanzminister Marchandeau hielt Dienstag eine Rede, in der er mit aller Entschiedenheit betonte, daß die französische Regierung entschlossen sei, auf feine Weise die Freiheit des Geldverkehrs einzuschränken. Pariser Bauarbeiter fordern neuen Kollektivvertrag Bauarbeitersyndikates im Pariser Gebiet wurde Paris. In einer Sißung der Sekretäre des beschlossen, dem Arbeitsministerium eine Zuſchrift zu schicken, daß die Angebote der Arbeitgeber nicht genügen. Es wird die Forderung eines neuen Stollettiv- Vertrages ausgesprochen werden. 47241 Dr. Moscicki, der Präsident von Polen 1 Mr. 217 Donnerstag, 15. September 1938 Sudetendeutscher Zeitspiegel Gegen Gerüchte und Gerüchtemacher! Seite 5 Brief an den Zeitspiegel Ein Kleinbauer schreibt: Die Zustände sind bereits nicht mehr zum Ertragen. Das geistige Rüstzeug der Frau in der SdP mir, sie werden mir schon helfen und so geII. Ausdruck fand. Es scheint, daß für Henlein- Leute schon Ich wurde schon mehrmals gefragt, ob ich die Ortsgruppe auflösen will. Als ich den Henleins energisch entgegentrat, drohten sie schah es auch. Zuerst wurden zwei meiner Es wird kaum, einen urteilsfähigen tschechowärtig aufgepeitschte Seelenverfassung der nazideut- Kinder von den Stiefelmännern um die Arslowakischen Staatsbürger( ohne Unterschied der Das Hauptblatt der nationalsozialistischen Frauschen Frauen erklärlich, die sich hysterisch im Küssen beit gebracht und jetzt auch der dritte. Der Nation) geben, dem in diesen Tagen nicht ver- ist die unabhängige Monatsschrift„ Die sudeten des Horchwagens des" Führers abreagierte, ihren dritte lernt Schneider und hat zwei Jahre schiedentlich falsche Gerüchte zugetragen wurden, deutsche Frau". Es ist faftisch unabhängig, und zwar keinen Urlaub gehabt und als er das dritte das heißt also Nachrichten, deren unrichtigkeit von der Mitarbeit der Frau! Sie und da ſieht man Mann, Einstein usw., die nicht für ein wenig befann der Meister, der Henlein- Amtswalter ist, Die Anmazung des Verfassers, Denter wie Jahr fragte, wie es mit seinem Urlaub steht, der Empfänger der Mitteilung bald feststellen ein zahmes, genügsamen Anſprüchen entsprechendes tes Monatsblättchen, sondern für die Menschheit ge- konnte ihm nicht gleich Bescheid geben, weil konnte. und leider dürfte es auch nur sehr wenige Gedichtlein aus weiblicher Feder. Sonst wird diese schrieben haben- Menschen mit wahrer, nicht neu er sich zu einer Besprechung mit dem Hengeben, die nicht selber auch in diesem oder jenem Beitschrift fast ausschließlich von Männern gestaltet, deutscher Stultur- mit ,, Bremsen" zu vergleichen, lein- Obmann und seinen anderen FunktionäFalle für die Weiterverbreitung solcher Gerüchte trelche noch dazu den Stoff aus den Monatsblättern wirkt direkt lächerlich. Es kann hoffentlich angenom ren begab und als er wieder zurückkam, ergesorgt hätten. Derlei spielt sich in erregten Bei- Volt an der Arbeit" herbeiholen. Man muß dazu ten immer wieder ab und ist auch gewissermaßen sagen: Gleichi cha Itung der Frau bedeutet men werden, daß auch Anhänger der Sdß sich so viel klärte er meinem Jungen, sofort den Urlaub nach inneren menschlichen Gesetzen kaum zu ver- für diese ihre Ausschaltung auf geistigem halte dieses Auffates angewidert, sich Gedanken über 18 Tage zum Lernen, diese 18 Tage schenkt fritische Einsicht erhalten haben, daß fie, vom In- anzutreten, und zwar mein Sohn hätte noch meiden. Trotzdem muß jeder Vernünftige und Gebiete und aus dem politischen Leben bei gleich dieses Geschreibe gemacht haben, das„ Ein wehrhaf- er ihm, einen achttägigen Urlaub bezahlt er Verantwortungsbewußte heute mehr denn je alles zeitiger Einschaltung in den Drill und die tee Wort aus Deutschland" genannt wird. Auch die ihm und mit der Begründung, er wäre marxiMögliche aus Eigenem dazu beitragen, daß die Geistlosigkeit dieser ganzen völlischen Bewegung. Es Gerüchte auf ein Mindestmaß herabgedrückt und vollzieht sich beim Großteile der deutschen Frauen Definition über„ Geiſt" ist nichtssagend:„ Wir ver- stisch, derselbe verbat sich, daß seine Gehildie Gerüchtemacher in Schranken gehalten werden, auch in unserm Staate die Rüddrängung aus dem stchn einander bei dieſem Begriff. Denn was wir fen Arbeiter- Vereinen angehören. Somit habe denn der Nerven, aber auch der tatsächliche Scha- öffentlichen Geschehen. Grotest ist aber dabei, daß deutschen Geiſt" heißen, trägt unser Befens- ich jetzt drei Kinder, welche von den Henden, der durch die Verbreitung falscher Nachrich- diese„ völtischen" Frauen an allen Vorteilen merimal an oder besser in sich..." Unser Wesens- lein- Leuten um ihren Arbeitsplatz gekommen ten verursacht wird, ist unermeßlich. Besonders ist der Gesetze, die für Frauen geschaffen wurden, Nu mertmal"! Hermann Franke bleibt aber, einmal beim sind. jenen Leuten entgegenzutreten, die ihr Schaz niezung erhalten, welche ihnen in der Haupt- legisch, wenn er, nachdem er den Unterschied zwischen nationalsozialistischen Wesensmerkmal" angelangt, fästlein berläßlicher" neuester Meldungen mit sache durch die zielbewußte Tätigkeit der de motra der Einleitung zu öffnen pflegen, daß sie das, tischen deutschen und tschechischen neudeutschen und anderen Menschen hervorgehoben was sie nun erzählen wollen, aus ,, erster Hand",& rauen erworben werden. Das, was die Sop hat, mit Bezug auf die nicht vom Hitlergeiſte Erfüll aus, absolut sicherer Quelle" und so weiter er ihnen zugesteht, ist nur die Meinungsäußerung über ten und die Ausländer sagt:„ Das heißt, der Be fahren hätten. In neunundneunzig von hundert Kochrezepte und Modenneuheiten. Der Rückschritt in griff„ Menſch" erreichen sie noch, aber der Wert Fällen wird der Gerüchtemacher zu entwaffnen iene Beitepoche, wo die„ Inferiorität der Frau" Mensch" wird ihnen nur zögernd bewilligt." Gibt sein, wenn man ihm vorweg entgegenhält, er möge im allgemeinen Werturteil feſtſtand, ist vollzogen. als diese Auffassung? Es wäre traurig um das es noch etwas Ueberheblicheres und Beschränkteres feinen Informator nennen oder aber zur Kennt- Ein Trost der fortschrittlich denkenden Frauen ist deutsche Volt bestellt, wenn alle sich mit H. Frante nis nehmen, daß man sonst kein Wort glauben leider auch das nicht, daß geiſtig inferiore Männer identifizierten, wenn er weiter fortfekt: Wenn wir wolle. Kein Mensch soll dem anderen etwas glau- durch den Zugriff in vergangene, kulturell schwächere also den Geist bestimmen, so trägt diese Begriffsben, soferne er ihn nicht mit Amts- oder sonstigen Scitabschnitte au Schrittmachern dieser FrauenQualitäten ausgestattet weiß, die den Ernst seines bewegung" wurden. Aber dieser geistige Niedergang bestimmung die Wesenszüge des Deutschen in Auftretens und daher auch seiner Mitteilungen wird in absehbarer Zeit zum Zerfall führen und es sich." Es tritt hier deutlich zutage, daß die Welt berbürgen. Man halte sich womöglich durchaus an wird diese ganze Bewegung viel rascher abgeflaut geschichte dem Verfaſſer weſensfremd ist und daß er die sozialdemokratische Zeitung und an die Ber- sein, als die völlisch Berauschten ahnen. f: anzösischen, englischen und andersvöllischen Geist trauensmänner! Trägt einem der oder jener etwas nicht fennt oder versteht. Diese Nationen werden es nachsichtig lächelnd übergehen, von H. Frante als zu, so unterrichte man sich erst bei einer zustän- zeitung bringt zuerst einen Aufsatz von E. Lehmann„ eingebildetste" bezeichnet au werden, um so mehr, bigen Stelle gründlich, bevor man das Gehörte über Boltsgemeinschaft aus Nachbarschaften". als sie schon längst Aufklärung und Humanität verweitergibt. Und man soll nicht müde werden, Selbstverständlich geht diese Geschichte der Nachbar- fündigten, als ähnlich denkende, fürstliche Vorgänger denen, die einem einmal mit einer falschen oder schaften bis in die Steinzeit zurüd. Die Lehren, dieser Neudeutschen ihr Volt wie Schlachtvieh verübertriebenen Nachricht gekommen sind, gelegent- die man aus der Geschichte der letzten Jahrhunderte saacherten. Ein Analogon hierzu bildet heute der lich energisch den Kopf zu waschen und sie auf die zichen könnte, werden übergangen, ebenso alles, was Berrat an den Deutschen Südtirols, die dem GesinVerantwortungslosigkeit( und übrigens auch sich zwischen die Nachbarschaften durch Bu- und Ab- nungsfreunde Hitlers in Italien übergeben wurden. Strafwürdigkeit) ihres Verhaltens aufmerksam wandern germanischer, slawischer, mongolischer und Als richtig empfinden wir den Sat:„ Unsere Niezu machen. Jedes kraftvolle Auftreten gegen Ge- anderer Stämme gedrängt und zur Vermischung des verlage( gemeint dürfte 1918 fein) ist die notwen rüchte und Gerüchtemacher vermag unabsehbar Blutes gerade auf unserem Lebensraum" geführt dige Folge unseres Gößendienstes gewesen". Die viel zur Beruhigung der Allgemeinheit beizutra- hat. Geschickt, nach Meinung des völlischen Geschichts- Senechtseligkeit und Kriecherei vor den Hohenzollern gen. Und unter den vielen Pflichten, die uns die schreibers, wird wie gewöhnlich die neudeutsche hat sich zwanzig Jahre später nicht geändert. Wenn Allgemeinheit heute mehr denn je auferlegt, ist walze eingelegt und nachzuweisen versucht, wie sich tante wünscht, daß die deutsche Jugend nicht durch es nicht die letzte und unwichtigste, auch in die die Nachbarschaften aus„ Versippten" oder„ Nicht- sute" Stilisten verführt werden soll, so fann er unſem Punkte nach Kräften der Wahrheit zu verfippten" zu Trägern des Brauchtums entfalteten. besorgt sein: er ist fein Verführer! Aber, sie soll Alle wurden selbstverständlich in den gleichen nicht das süße Gift der Deladence atmen", das erRaum" mit gleichen Lebensformen und gleichen füllt ihn mit Besorgnis. Sie lese lieber Streichers Arbeitsverhältnissen in schidsalshafter Verbunden- Bücher für die Jugend, denn auch im Abwegigheit hineinversetzt". Damit hat endlich, nach vier sten schlummert ein Stück unseres Wesens". dienen. Millioneninvestitionen Im deutschen Gebiet Gebiet Die Prager Behörden bewilligten vier großen deutschen Städten Nordböhmens Investitionsanleihen in einer Gesamthöhe von 6,710.000 Kč. Die Stadt Reichenberg erhält für Straßen- und Wasserleitungsbauten 3 Millionen Kč, Warnsdorf bekommt 1,850.000 Kč, Trau tenau 1,560.000 Kč und Bodenbach 300.000 Kč aus Staatsmitteln.( DND.) Aufruf der Deutschdemokraten Die Deutschdemokratische Freiheitspartei und die Deutschen Jungdemokraten erließen einen Aufruf, in dem es heißt: alle Freiheit zum Terror wäre. Sie gehen von Haus zu Haus agitieren, wer im Konsumverein noch einkauft, setzt sich der Gefahr aus. Die Henlein sagen, es kommt ihm der Kopf herunter. Sie sagen, in einer geheimen Versammlung haben sie beschlossen, Stricke beeinmarschierenden Hitler- Truppen auszuliereit zu machen, um uns zu binden und den fern. Solche Terroräußerungen wären hunderte zu schildern und wir wären machtlos, wenn die Regierung nicht bald eingreift und Arbeit schafft, denn die Henleinpropaganda hat alle nach Deutschland zur Arbeit gewiesen. Bei uns sind Gastwirte, Bauern bis zu fünf und sieben Stück Rindvieh, und über die Ferien auch die Lehrer auf Straßenbauten ( strategische) Festungsbauten Deutschland. und Die Nummer 7/8 der sudetendeutschen FrauenDie Besprechung sämtlicher Männeraufsätze dieser Frauenzeitung würde zu weit führen. Weil aber die Berichterstatterin in den Ferien, um sich geistig rein zu baden, mit Masaryks Buch„ Ideale der Humanität" beschäftigt war, bildete der Aufsatz Hermann Frankes„ Der Geist im Dritten Reiche", eine zum Nachdenken direkt herausfordernde Entgegenstellung. Dieser Geist macht vielleicht die gegenEin Tank kaut Drahtverhau Von Kurt Doberer in Im zweiten Jahr des Weltkrieges, als die Front im Westen immer mehr zu erstarren drohte und der Schüßengraben samt dem Drahtverhau sich immer mehr als Sieger über allen Mut und Todesverachtung erwies, in diesem Jahr 1915 hatte eine Maschinenfabrit in Frankfurt ein sonderbares, eisernes Ungetüm nach Plänen des Ingenieurs Anton Flettner gebaut. Dieses Fahrzeug war so konstruiert, daß es die verderb lichen Schützengräben überschreitend, die Reihen der Drahtverhaue automatisch zerschneiden fonnte. Battipalten, die mit großer Selbstüberwindung in Und solche Artikel sind für das vielgerühmte Der Drahtverhaue zerschneidende Tank der homöopathischen Dosen geistig überwunden werden deutsche Gemüt" der deutschen Frau geschrieben! Felten- Guilleaume- Lahmeyer- Werke rasselte nach konnten, E. Lehmann den Weg der Kamerad Wir verzichten auf diese Abwegigkeit". Wir erin- Berlin zur Vorstellung und manövrierte vor schaftsordnung" in der SdP beschritten und sich in nern uns der Worte des deutschen Erziehers Dit einem Streis von Militärsachverständigen. Diese die ,, wahre Volksbildung" eingeschaltet. Wie aber tes:„ Die Erziehungsaufgabe betrifft die geso triegssachverständigen Männer interessierten gute Nachbarschaft in unserem Staate mit den Tiche- am te Menschennatur in ihrer normalen Ausge- sich jedoch zu dieser Zeit weder für geländegänchen gepflogen werden könnte, hat er nicht gesagt. staltung. Dazu gehört ein gesunder und wohlgeübter gige, gepanzerte Fahrzeuge im allgemeinen, noch Störper, ein fenntnisreicher und denkender( aber nicht für unbemannte- ferngesteuerte wie dieser gedrillter) Geist, ein sittlich reiner und tatkräftiger Flettner- Tantim besonderen. Es genügte Wille, ein heiteres, für alles Schöne empfängliche diesen Herren, daß auch der Infanterist, in nötiGemüit, eine vernünftige Religiosität." Nun wähle, gen Massen eingesetzt, mit seinem Leib Drahtver= deutsche Frau, dein Erziehungsvorbild, denn nie- haue niederwalzen konnte. Heute wissen wir alle, mand wird kultiviert, jeder hat sich selbst wie jene Maschinen aussehen, die die tückischen zu kultivieren", sagt Joh. Gottl. Fichte in Drahtverhaue zerreißen wie Spinngewebe. seiner Rede an die deutsche Nation. Schüßengräben überschreitend, treten sie die Pfähle der Drahtverhaue in den Boden, wie man Reißnägel in weiches Holz drüdt. Ganz abge=" sehen davon, daß man ja nicht überall die schive= ren Byflopen- Typen der Tants einsetzt, sondern voran die leichten und beweglichen, hat sich ge= zeigt, daß gerade die schlechtesten und überſtürzt aufgeführten Drahtverhaue dem Tant am ge fährlichsten werden können. Hier reißen die Drähte nicht, während die Pflöcke stehen bleiben, sondern die Drähte ziehen die lockeren Pflöcke heraus und das ganze Gewirr von Pflock und Draht wickelt sich wie ein Dorngestrüpp um den Tant. Langsam spult sich da und dort der Sta cheldraht in die mahlenden Gleisketten und so fann ein Verhau, den der Tank wie weiche Butter durchſtoßen hat, am Ende doch das Panzerfahrzeug blockieren und erdrosseln. bei Henlein Deutsche Bürger dieses Staates, duldet nicht, daß es so weit tomme. Wendet Euch von einer zum Strafantritt kamen mit dem Bemerken zurück. Die Mission Runciman Bewegung ab, die Euer großes Vertrauen schmäh- daß Sellner sich ständig auf Reisen befinde und unlich mißbraucht hat! Tretet ein in die Reihen erreichbar wäre. Die Aussiger Staatspolizei ermitderer, die Euch den Frieden bewahren wollen und telte dann, daß Sellner bereits am 9. Auguſt nach Euch die vollen Rechte, welche den deutschen Bür Deutschland gefahren und nicht mehr zurückgekehrt gern in dieser Republik gebühren, ohne die Mit- ist. Die Leitmerizer Staatsanwaltschaft wird ein tel der Gewalt auf friedlichem Wege der Völker- Auslieferungsbegehren stellen. bersöhnung und Bölkerverständigung Seite an Seite mit allen demokratisch gesinnten Parteien und Bürgern dieses Staates erringen wollen. Erweiterungen der Sendungen von Prag II men hat. SdP- Verhandlungskomitee selbst aufgelöst Prag. Das Sekretariat der Mission Lord Runcimans hat Mittwoch um 14.30 Uhr folgenden Bericht ausgegeben: Willi Wanka wieder in Brag Der Vorsitzende des Sozialnychen Jugendverbandes, Willi Wanta, hat seine Amerikareise ab Die Mitglieder der Mission Lord Nuncimans gebrochen und ist vorgestern mittag in Prag ein- wurden Dienstag um 11.45 Uhr von Konrad Hengelangt, wo er seine Tätigkeit wieder aufgenom- lein in Asch empfangen. Konrad Henlein teilte Durch ein drucktechnisches Versehen blieb bei ihnen mit, daß die offizielle Delegation der SudeDer deutsche Sender Prag II Hat Mitttwoch, der gestrigen Notiz„ Zeichen der Zeit" die Ein- tendeutschen Partei, die für die Verhandlungen den 14. September, sein Nachmittagsprogramm leitung Die Reit" melde t": weg. Es mit der Tschechoslowakischen Regierung eingesetzt in der Weise erweitert, daß mit den Sendungen handelt sich bei der Notiz ſelbſtverſtändlich um ein wurde, aus dem Grunde aufgelöst worden fei, weil im Hinblick auf die Ereignisse der letzten 48 Stunbereits um 15.00 Uhr statt wie bisher um 18.00 Bitat der Reit". Uhr begonnen wurde. Altertümliche Funde in Tetschen. In Tetschen den nach seiner Ansicht nicht mehr die BedingunDas Tschechoslowakische Pressebiro wird bis wird auf der sogenannten Frauenwiese das Ges auf weiteres im Gender Prag II außer den fest- bäude der Bezirkskrankenversicherungsanstalt er- gen für die Fortsetzung der Berhandlungen im stehenden Nachrichten- Relationen weitere richtet. Beim Ausheben des Grundes stieß man Sinne des ursprünglichen Mandates gegeben find. Außer Konrad Henlein waren die AbgeordNachrichten tagsüber im Zeitraum von zwei auf die Reste altertümlicher Häuser sowie auf verStunden und ab 20.00 Uhr stündlich durchgeben. schiedene Gefäße, eiserne Gegenstände, Bronze- neten K. H. Frank und Künzel anwesend, von der Im Bedarfsfalle werden auch um 24.00 Uhr Schlüsseln usw. Die Tongefäße sind gut erhalten Mission Lord Runcimans Ashton- Gwatkin, Peto Nachrichten gesendet werden. und weisen Malereien auf. Die Funde wurden im Tetschener Museum geprüft und ihr Alter wird und Henderson. auf 1000 bis 1500 Jahre v. Chr. geschäßt. Das Dritte Reich als Zufluchtsstätte. Die Abgeordneter Taub in Lána. Am Todestag Affäre Norbert Sellner, die in Aussig und Für die Staatsverteidigung. Der SpendenLeitmerit erhebliches Aufsehen verursachte, hat vor- ausweis zum 13. September weist eine Zunahme des Präsidenten Masaryk hat sich als Vertreter läufig ihren Abschluß dadurch gefunden, daß Sellner der effektiv eingezahlten Spenden um 930.776.75 ber fudetendeutschen Sozialdemokratie Abgeordnoch) Deutschland floh. Norbert Sellner war wegen Kč aus, wodurch sich der Gesamtstand der eine neter Taub nach Lána begeben, wo er einige Beit zahlreicher Betrugsaffären vom Leitmeriger Kreis- zahlten Spenden auf 508,472.142.85 Kč erhöht Aus diesen Gründen taucht nun nach Jahrzehnten wieder die Kombination des Ingenieurs Flettner, der Drahtschneer am Panzerkraftwagen, auf. Nun sißen an den Tanks vorne rechts und links die stählernen Messer der Drahtschnei der und knappen die Drähte, eine Gaſſe purch ben Verhau schneidend. Ein Schleppanter, der dem Tant an einem sechs Meter langen Drahtseil nachschleift, reißt auch noch die zu Boden betretenen Drähte ab und wenn nun die Pfähle au weich stehen, um dem Herausziehen widerstehen zu können, gibt es teine Gefahr für die Gleisfetten der Tants mehr. Man glaubt, daß man mit einer Reihe solcher Tanks rasch eine mehrere hundert Meter breite Einbruchstelle für Infanteriefolonnen schneiden kann. Von deutschen militärischen Stellen wird betont, wie wichtig diese neue Borrichtung beim gericht im März zu einem Jahr schweren Kerkers hat. Die Zahl der Spender ist um 1009 Personen am Grabe des verstorbenen Präsidenten und Durchfahren von elektrisch geladenen Drahthinberurteilt worden. Zwei schriftliche Aufforderungen auf 235.953 Personen gestiegen, Staatsmannes verweilte. dernissen werden wird. Leite 6 DonnerSiag, 1K. Septeinber 1938 Nr. 217 NKesnemgkelkn- Schlichte Feier In LAny Pmg. Am ersten Jahrestag des Todes de» Befreier-Präsidenten T. G. Masaryt war der Friedhof von Läny von den frühen Morgenstunden an das Ziel zahlreicher Wallfahrer, Expeditionen und Delegationen, die gelommen waren, um dem Andenken des ersten Präsidenten der Tschechoslowakische» Republik ihre Ehrfurcht zu bezeugen. Beinahe jeder einzelne jeder Delegation und Korporation legte eine Blnmengabe am Grabe deS Präsidenten nieder, so daß bereits in den frühen Morgenstunden der Grabhügel ein Blumenmeer darstellte. AIS Ehrenwache standen beim Grabe Legionär« in den historischen liniformen und vor Ankunft der offiziellen Vertreter wurde diese Ehrenwache durch zivei Mitglieder der Burgwache vom Schloß Läna ergänzt. Schuljugend brachte einfache Blumen, um sie am Grab niederzulegen. Um 8 Uhr 35 Minuten erschien eine Abordnung der Kanzlei der Präsidenten der Republik. Die Abordnung legte einen Straub roter Rosen am Grabe nieder. Kurz nach 9 Uhr erschien die offizielle Abordnung der Sokolgcmeinde. Um 9 Uhr 89 Min. erschienen die Vorsitzenden der beiden Kammern der Nationalversammlung Malypetr und Dr. Soukup. Gleichzeitig mit ihnen kam als Vertreter der Regierung Postuiinister Tuönl). Die Vorsitzenden der Kammern der Nationalversammlung legten am Grabe einen herrlichen Kranz nieder. Um 10 Uhr erschien eine Abordnung der Armee. Während die Militärdelegation am Grab« weilte, sang ein Sokolchor zwei Choräle. Kurz vor halb 11 Ilhr kam Frau Dr. Alice Masaryk mit den beiden Enkelinnen des Präsidenten T. G. Masaryk Anna und Herbert». Vor 11 Ahr bereits begann sich auf dem Friedhof ein Spalier der Schuljugend und der Legionäre zu bilden, die die Ankunft des Präsidenten der Republik Dr. Edvard B e n e ö erwarteten, der dann in Begleitung seiner Gattin und des Protokollchefs Smutnh und des Per- fonalsekrctärs Dr. Drtina um 11.80 Uhr erschien. Den Präsidenten begleiteten die Mitglieder der Burgwache, die am Grabe einen groben Lorbeerkranz niederlegien. Der Präsident verweilte dann ent- blößten Hauptes bewegt beim Grabe seines groben Vorgängers. Vom Friedhof von Läny begab sich Präsident Dr. Beneö in da» Schloß von Läny, von wo er nach einer kleinen Weile nach Prag zurückfuhr. Nach der Abfahr des Präsidenten der Nepublit folgten weitere Abordnungen. ES kamen Abordnungen von Schuljugend, Abordnungen von Vereinen und Landleute aus der nahen und fernen Umgebung und es kamen auch Abordnungen bedeutsamer Korporationen und Vertreter der Aemter. Alle schritten schweigend entblößten Hauptes am Grabe vorüber. SchisfS-Zusmnmenstoß. Bei Nieüport kam- Dienstag infolge dichten Nebels zu einem Zusam« menstob zwischen dem französischen Dmnpfer„Aisne" und einer Schaluppe aus Ostende. Der französische Dampfer stieb dann neuerlich im Nebel mit dem schtvedischen Dampfer„Nippon" zusammen. Da das Wasser in den schwedischen Dampfer einzckdringen begann, verlieb die Besatzung das Schiff und wurde an Bord des Schleppers„Goliath" und an Bord eines belgischen Fischerschiffes aufgenommen. Zug gegen Autobus. In der Nähe von Perpignan raste an einem unbeschrankten Bahnübergang ein elektrischer Triebtvagen mit 80 Kilometer-Tempo auf einen die Geleise überquerenden Autobus. Der Autobus wurde in einen Graben geschleudert. Vier Personen waren sofort tot, elf Personen wurden verletzt. Ein Tunnel unter der Seine. In ihrem Unter- laufe zwischen Rouen und Le Havre besitzt die Seine keine einzige Brücke. Die» iff zum Teil darauf zu« ruckzuführen, das; ein Brückenbau die Schiffahrt be«> hindern würde— bekanntlich können selbst gröbere Seeschiffe bis in den Hafen von Rouen die Seine bmaufsahren— andererseits aber darauf, daß der Fluß hier in der breiten Ebene weit über seine Ufer während der Schneeschmelze hinauStritt. Drittens aber kommt auch die Flut weit hinauf. Um aber den Verkehr von dem einen zum anderen User am Seine- Delta zu erleichtern, bearbeitet man im Augenblick einen Plan, einen Verkehrstunnel unter der Seine zu bauen. Die Seine ist in Paris mehrmals durch Bild au» dem DiSney-Film»Schneewittchen und die sieben Zwerge", Kleine Freuden im grauen Alltag S. A.— wenn man den Namen hört und nicht selbst in der braunen Uniform steckt, so bekommt man c» gewöhnlich ein wenig mit der Angst zu tun. Und doch kenne ich Leute, die sich auf Kosten der„braunen Helden" ein paar fröhliche Minuten gemacht haben. In der»nordischen Ostmark" darf man nicht wählen, man muh die Feste feiern,„wohin" sie fallen.— ES wird gerieben. Wer wird„Rciberhaupt- mann?", das ist die Frage. Herr X. hat keinen Ehrgeiz. Er geht durch dir Stadt so für sich hin... da naht das Unglück. Ein brauner Junge, eigentlich ist er noch ganz grün, teils von der Heimwehr, teil» hinter den Ohren. Er riecht sofort Judenflcisch. Wieso? Ganz einfach: Herr X. hat kein„nationales Abzeichen". »Sind Sie Jude?, dann kommen Sie mit zum Reiben l" „Aber sehr gerne!" Der SA-Mann ist etwas erstaunt:„Wieso gerne?" „Nun, ich hätte seht eigentlich zur Gestapo müssen, da geh' ich doch lieber mit Ihnen." „Wenn Sie zur Gestapo bestellt sind, so gehen Sie sofort hinl" »Nein, ich gehe mit Ihnen, ich will auch einmal reiben I" Es kommt direkt zum Streit, bis Herr X. endlich nachgibt. Uebrigens will ich es hier verraten: Herr T. ist Psychologe. Er hat di« Antwort deS Herrn SA erhofft. Er muß nicht reiben, aber noch weniger must er zur Gestapo. Ja, nur mit, nordischer List kommt man heute weiter.— Herr 8 hat nichts gegen das Reiben. Und Glück hat er obendrein. Der Klub, in dem er reiben soll, den kennt er noch aus besseren Felten. Da gibt es Eingänge und Ausgänge gibt«S. Johanna geht Wasser holen. Wann kommt sie wieder? Hoffentlich wartet der SA-Mann nicht heute noch. Herr Z reibt schon drei Stunden. Der süße, braune Junge sieht zu. Herr Z seufzt. «Herr SA, ich habe Hunger." „Bis Sie fertig sind, können Sie essen gehen. Pausieren während der Arbeit gibts nicht!" „Bis ich nach Floridsdorf komme, ist die Gemeinschaftsküche schon zu. Da krieg ich heute nichts mehr zum Essen." Der SA-Mann kratzt sich den Kopf. Er hat Mitleid. So etwas gibts wirklich. Und er läßt vom Kloster noch eine Portion ftir den reibenden Bankdirektor holen. Herr Z ist verwöhnt. Aber so gut wie im Minoritenkloster versteht man bei ihm nicht zu kochen. Vielleicht wird nicht jeden Tag so gut im Kloster gekocht, aber die SA hatte sich das Essen „bestellt", wenn die Bestellung auch nicht bezahlt worden ist. Und vielleicht hatte der SA-Mann gar kein solches Mitleid mit seinem jüdischen„Reiber", aber er wollte die Klosterküche so viel als irgend möglich schädigen. Und zu diesem edlen Zweck laßt er sogar einmal einen Juden sich satt essen.— Wie habe ich eingangs gesagt: man muß die Feste feiern... Sei'S bei der Gestapo, beim Ausgang eines Klublokals oder bei einem Wiener Schnitzel aus der Klosterküche. Viel zu feiern gibt es heute nicht in Wien und verallgemeinern darf man leider auch nicht. Aber manchmal hilft der Humor doch, das neue „Paradies" etwas leichter zu ertragen Gerr. Jelletz. die Tunnels der Untergrundbahn unterbaut. Er soll entweder auf der Höh« von Honfleur angelegt werden und müßte dann«ine Länge von 1500 Metern haben, oder aber bei Fiquefleur, wo die Konstruktion o'er Kilometer lang sein müßte und der Tunnel der größte seiner Art in der Welt sein würde. Der größte Bau eine» Tunnels unter einem Fluß ist bisher unter dem Hudson-River in New Nori in Konstruktion; dort existiert bereits seit 1927 ein Tunnel vcn 2875 Metern; ein noch größerer wird 1941 vollendet sein. Lustschntzübung in Stockholm. Vom 6. bi» 9. September fand in Stockholm eine große Luft- chutzübung statt. Hiebei erfolgten BombardierungS- anflüge, die Stadt wurde vollständig verdunkelt und die Flugabwehr-Batterien traten in Tätigkeit. Die Bevölkerung nahm an der Uebung aktiven Anteil und befolgte in absoluter Disziplin alle Anordnungen der Behörden. Bridge— ein Hasardspiel. Dem indischen Parlament ist von dem Mitglied des allindischen Nationalrate- Nawalraj eine Resolution zugeleitet worden, die bei Annahme eine generelles Verbot des Bridgespiels nach sich ziehen würde. Die Resolution bittet den Vizekönig, das Spiel zu verbieten, d-iS in ganz Indien«ine ungeheure Verbreitung gesunden hat. Ueberall wird Bridge mit sehr hohen Einsätzen gespielt, meist werden auch von Zuschauem Wetten abgeschlossen, so daß das Ganze zu einem ausgesprochenen Glücksspiel auSgeartet ist. Da aber Glücksspiele in Indien verboten sind, so müsse auch daS Bridge unter dieses Verbot fallen. Es wird also im indischen Parlament eine Bridge-Debatte geben, aber eS ist sehr unwahrscheinlich, daß Nawal- ra; seine Resolution durchbringt: denn die meisten Mitglieder der Parlaments sind selbst passionierte Bridgespieler, und nirgendwo wird so hoch gespielt wie in den Gesellschaftszimmern des Parlamentsklubs. Einheitliche Anmeldescheine in dm Hotels. Der Verband der Hoteliers und Gastwirte hat auf seiner Sitzung beschlossen, einheitliche Anmeldescheine für alle Hotels in der Republik zu entwerfen und um ihre Einführung bei dem Innenministerium vorstellig zu werden. Die Mängel deS gegenwärtigen ungeordneten Zustands find so, daß stellenweise die Anmeldung im Hotel den polizeilichen Erfordernissen nicht entspricht, stellenweise aber derart genau und umständlich ist, daß sie die fremdenpolizeiliche Evidenz förmlich ersetzt. Es wurden Fälle aufgezählt, in denen auf dem Anmeldeschein im Hotel der Mädchenname der Mutter, aber auch der Reisezweck bis in alle Details gefordert wurde.(DND) Wieder«in fliegmder Sarg. DaS neue Luft-* schiff„Graf Zeppelin" ist Mittwoch vormittag» unter Führung Dr. Eckeners zu seiner ersten Fahrt über dem Bodensee gestartet. An der Fichrt, die einige Stunden dauerte, nahmen-74 Personen, außer der Besatzung, Mitglieder der deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und des Luftfahrtministeriums, teil. Da» Schiff hat eine Länge von 245 Metern, einen größten Durchmesser von 41.2 Meter, einen GaS- inhalt von 200.000 Kubikmeter und eine Gesamttragkraft von rund 200.000 Kilogramm. Die Außenhaut deS Schiffes besteht au» einem starken unzerreißbaren Stoffgewebe. Zum Vortrieb des Luftschiffs werden vier Daimler-Benz-Dieselmotoren von 800 bi» 850 PS Dauerleistung benützt. Die Höchst- grschwindigkeit des Schiffes beträgt 185 Kilometer, die Marschgeschwindigkeit durchschnittlich 125 Kilometer. DaS Luftschiff ist wiederum mit dem gefährlichen Wasserstoffgas gefüllt. Die meistphotographierte Frau der Welt. In Paris traf unter einem Kreuzfeuer von Photographen und Kino-Operateuren Miß JoanHoward ein, die Amerikas berühmtestes Reklame-Modell ist. .Sie ist in tausenderlei verschiedenen Posen in den Reklameseiten der Magazine und Zeitungen erschienen, jedermann kennt sie und einer Firma, der eS gelingt, sie für eine Rcklameserie engagieren zu können. kann mit einem großen Erfolg rechnen, denn Miß Howard ist ungeheuer populär. Die große Beliebtheit gewann sie dadurch, daß eine Zigarettenfirma eine Reihe von Photographien von ihr veröffentlichte. auf denen eS hieß, daß junge Männer, wenn sie diese Sorte Zigaretten rauchten, von jungen Mädchen viel zärtlicher behandelt werden würden. Seitdem trägt Joan Howard in Amerika den Spitznamen.Keep Kissable Girl". Den Pariser Reportern erklärte sie, daß beliebte Modell» in USA bi» zu 250 Dollar pro Woche verdienten. Jnfolgedeüen wachse die Konkurrenz von Amateurinnen au» der besten New Norker Gesellschaft immer mebr an. so daß sich die Professionellen entschlossen, eine Gewerkschaft zu gründen, um alle ihre Rechte>u wahren. Da» Rote Kreuz sucht 60.090 freiwillige Blutspender., ES ist heute möglich mit Hilfe von konserviertem Menschenblut die früher verlorenen Leben tausender und zehntausender verwundeter Soldaten zu retten. Die» haben die ärztlichen Erfahrungen im spanischen Bürgerkrieg bewiesen. Auch bei uns soll nun für den Ernstfall eine Blutspenderorganisation ins Leben gerufen werden, und zwar wird diese Aktion vom Tschechoslowakischen Roten Kreuz durchgeführt. Dem Roten Kreuz ist eS gleichgültig, ob jemand deutsche„Hilfe!" schreit, oder ob er tschechisch „Pomocl" ruft. DaS Roie Kreuz ist für alle da, die Hilfe brauchen: Für Soldaten und Okfiziere, für Arme und Reiche, für Tschechen und Deutsche wie für Evangelische und Katholiken. ES darf deshalb auch bitten, daß sich niemand ausschließt, und daß jeder Bürger und jede Bürgerin ein bißchen Blut spendet. Meldet euch noch heute beim Verein vom Roten Kreuze am Sitze deS nächstgelegenen Krankenhauses. Da» Wetter. Bon Nord bi» Nordost her dringt nunmehr über die britischen Inseln und über der Nordsee gegen daS Festland neuerlich kühlere Luft vor. die Mittwoch um 14 Uhr die Nordküste Deutschland» erreichte. Heute dürfte sie bereit» auch auf daS Peter hat gelogen ES stand einwandfrei fest: Peter hatte gelogen. DaS war ganz bestimmt nicht schön, vielleicht sogar ein bißchen bedenklich, aber, wenn man eS richtig besah, eigentlich nichts absonderliches. Kleine Kinder lügen oft. Mitunter lügen sogar die Erwachsenen. Die lügen dann aber« routinierter Ulid viel, viel geschlissener,-so, daß man eS nicht gleich merkt, nämlich zivilisierter, kurz und gut niederträchtiger. Vielleicht lügen alle Menschen einmal, große und kleine, bedeutende und unbedeutende. Das wußte der kleine Peter ganz gut. DaS wußte et 1 sogar aus Erfahrung. Es ist ja auch wirklich oft sehr schwer, sich mit der reinen, unverfälschten Wahrheit In Geltung zu sehen. Auch umgeht man halt manchesmal mit einer winzigkleinen Lüge Unannehmlichkeiten viel leichter. Das alles wußte Peter auch irgendwie, obwohl er natürlich noch gar nicht wissen konnte, was die Erwachsenen unter solch merkwürdigen Dingen wie Psychologie verstanden. Biel besser als manche Erwachsenen wußte Peter aber, daß man nicht lügen darf, denn er war jg noch ganz klein und hatte daeben erst gelernt/ und manche Erwachsenen hatten daS halt längst wieder vergessen, weil sie so groß waren. So stand Peter, der große kleine Uebeltäter, gesenkten Hauptes da. Er wagte es nicht, seiner Mutter in die Augen zu schauen; nicht ettva, weil er verstockt war, nein, ganz einfach deshalb, weil er sich schämte. ES gab keine große Szene. ES kam aber viel I schlimmer. Eine umständliche Mahlzeit Gebiet- de» Staate» gelangen und hier«ine durchgreifende Verschlechterung und Abkühlung veranlassen.— Wahrscheinliche» Wetter Donnerstag: Bon Nord bis Nordwest her fortschreitende Verschlechterung deS Wetters mit Regenfällen und Abkühlung. In der Südslowakei und in Karpatho» rußland noch heiter und sommerliche Temperaturen. — Wetteraussichten für F r e i t a g: Veränderlich, mit zeitweisen Schauern, mäßig kühl, Nordwestwind. Auch im Osten de» Staates Wetterverschlechterung und Abkühlung. Die heutige deutsche lnland*Sendung Prag-Meknik: 10.15 Für die Frau: Freude, Hörfolge. 10^5—11.00 Schallplatte«. 12.10 Schall- platten. 18.00 Büa Bartök: Aus den 15 alten ungarischen Bauernliedern(Klavier: Nikolaus Strauß). 18.10 Landw. 18.45 Lieder sudetendeutscher Komponisten lGesang: Hilde Raave, Klavier: Dr. Sucha- net). 19.00 Pol. Wochenschau. 19.80 Dr. Paul Eger. Direktor de» Deutschen Theater», Prag: Die neue Spielzeit. 19.45 Sendung auS dem Böhmerwald. 21.30 Kammermusik.(Ondtikek-Ouartett.) Schubert: Forellen-Quintett. 22.30—23-00 Tanzmusik(Schallplatte»).— Nachrichten um 12.30, 19.15 und 22.15. Brünn: 18.40—14.00 Arbeitersendung: Ar. beitSmarkt. 17.40—17.55: Arbeitersendung: Gen. Karl Knlka: Aktuelle Augestclltenprobleme. 17.55 biS 18.00 Schallplatte». 18.00—18.15 Ria Gro- mesch: Jugendfunk: Aus dem Füllhorn de» Herbste». Mähr..Ostrau: 18.10 Die Tragödie in der Bar, heitere Schallplatten-Revue. 22-15—23.00 Tanzmusik und Schallplatten-Revue.’ * Prag II sendet dir Oper„Der eiserne Heiland". Freitag, den 10. September, von 20.00 bi» 22.00 Uhr findet am Sender Prag kl eine Aufführung der bekannten Oper des au» Mährisch-Schönberg stammenden Komponisten Max Oberleithner„Der eiserne Heiland" statt. Diese Oper ging seinerzeit über zahlreiche Bühnen und hatte größten Publikumserfolg. In den Hauptrollen wirken Josef Schwarz, Lore Meyer, A. Fuchs und M. Andersen mit Dirigent ist Dr. Karl Nowak. Der Natur nach half en „Klara behauptet, daß ihr Haar an einem Tage weiß geworden iet/" »Ja, da8 stimmt, das war an dem Tage, als sie au/hörte, es eu färben!" Die Mutter küßte ihn, den Peter, der so fürchterlich gelogen hatte, durchwühlte mit beiden Händen seine dichten Locken und sagte mit unendlich warmer Stimme:„Weiß du, Peterle, weißt du, das hätte ich nie gedacht, daß mein Kind einmal so lügen wird." DaS war zu viel. Peter hielt das einfach nicht mehr aus.> Wenn man ihn tvcnigstens geschlagen, fürchterlich geschlagen hätte, dann hätte er höchsten- em Stückchen Selbstachtung verloren, und daS alles wäre nicht so schlimm gewesen. Aber so? Durfte er daS seiner Mutter an- tun? Hatte er sie nicht ganz entschlich enttäuscht? ES war sehr schlimm, divseS„Weiß du, Peterle, tveißt du, daS hätte ich nie gedacht", das war schlimmer als ein Schlag ins Gesicht. Deshalb weinte er. Plötzlich sah Peter ein Bild vor sich. Seinen Foxi. Foxi war al» kleiner Hund noch nicht stubenrein. Da machte er eine große Pfütze in der Stube. Damals geschah ettvas ganz Fürchterliches, etwas, was Peter nicht verstehen konnte. Foxi wurde nämlich nicht geschlagen, nein, er wurde viel schlimmer bestraft. Seine Schnauze wurde in di« Pfütze gesteckt, zweimal, dreimal, aber geschlagen wurde er nicht. Das tat dem kleinen Peter damals sehr weh. Und heute? Warum mußte er gerade heute daran denken? War der Schmutz seines Bcr- gehens minder ekelhaft als der, den damals Foxi gemacht hatte?, Nein, nein, er, der Peter, wird nie mehr lügen. Und Foxi blieb auch stubenrein. Eh. B. Nr. 217 Donnerstag, 15. SeptemVer 1038 Sette 7 IWfowWiaft und SomlpfllUifc Unser Außenhandel im August Nach den vorläufigen Erhebungen des Statistischen Staatsamtes ergeben sich für unseren Außenhandel im vergangenen Monat folgende Gesamtziffcrn: Reiner Warenverkehr 1038 1937 Einfuhr■ 700,286.000 081,801.000 Ausfuhr 065,872.000 1144,678.000 Aktivum 175,680.000 218,877.000 —141,122.000 -178,800.000 Im Vergleich zum Juli zeigt sich eine Steigerung sowohl auf der Einfuhr« wie auf der Au»- fuhrseitc, und zwar von rund 20, bzw. 50 Millionen KL. Die Ausfuhr von Fertigwaren ist von 680 auf 747 Millionen gestiegen, die Rohstosseinfuhr unbeträchtlich von 889 auf 800 Millionen. Für die Monate Jänner bis August ergeben sich folgende Daten: Reiner Warenverlehr Einfuhr- Ausfuhr___ Ältivum 1088 0.201.404.000 7 560,882.000 1.865,418.000 1087 7.000,612.000 7.400.460.000 420,857.000 — 868,148.000 1+ 67,418.000 Der Anteil der einzelnen Warengruppen an der Ausfuhr geht aus der folgenden Ucbersicht hervor: Sperialansfuhr in Tonnen: . 1088 1037 Jänner Jänner August- August Kohlen 8,140.405 8.188.478 Solz 880.081 780.508 Eisenerze 175.474 106.401 Zucker 206.654 175.226 Eisenwaren 106.102 180.817 Stabeisen 60.122 78.714 Bausteine 67.880 41.087 Eellulose 67.716 82.023 Getreide 88.240 248.058 Tafelglas 82.040 44.562 Eisendraht 17.103 84.842 Eiserne Bleche und Blatten 81.560 40.701 Mal, 54.451 57.880 Papier 20.277 81.664 SohlglaS 20.855 22.101 Mehl 88.200 47.500 Spczlalausfnhr in Tausend 85: 1088 1087 Jänner Jänner August August in Tausend Xi Eisen. Eisenwaren 1.481.675 1.076,763 Baumwolle. Garne 510.588 616,016 Wolle. Wollengarne 418.522 480,211 WaS. Glaswaren 487.042 495.792 Leder, Lcderwaren 806.650 411.271 Sol, 865,982 818.504 Kohlen 892.944 880,444 KonfektionSwaren 280.100 818,107 Maschinen und Apparate 287,808 218.162 Unedle Metalle 244.452 270 686 Seide, Seidcnwaren 205.544 292.775 Papier, Papierwaren 248.570 257.843 Flachs. Sans, Jute 187,562 226,080 Fahrzeuge 261.729 192,088 Mineralien 144,654 180,800 Getreide. Malz etc. 802.057 528.100 Tonwaren 148,848 154.185 Zucker 200.868 152,581 Tierische Produtte 122,290 181.928 Kautschuk. Guttapercha 80,417 86,654 Irreführendes Spiel mit der Bodenreform Die SdP als Anwalt des hohen Adels Mißbrauch der H.enlelnbauern geplant Zu jenen Faktoren, denen daran gelegen ist, die Einigung zwischen den Deutschen und Tschechen zu vereiteln, gehört auch die„Reichen» berger Zeitung". Als Mittel zum Zwecke hat sie sich in der letzten Sonntagnummer die Bodenreform ausgesucht. Dabei operiert das Blatt in sehr kühner Weise mit runden Ziffern, die wir uns ein wenig ansehen wollen. Im ganzen Staate gingen, so heißt cs, 400.000 Hektar Boden in tschechische Hände über. Die„R. Z." behauptet, daß davon 25.000 deutsche Bauernfamilien oder 100.000 Menschen leben lönnten. Der Zweck einer solchen Behauptung besteht darin, dendeutschenBauerndenMund wässerig zu machen und ihre Unzufriedenheit noch weiter zu steigern. Die Herren, die sich darin gefallen, mit solchen verlockenden Ziffern zu jonglieren, denken nicht im Traume daran, den Bodenhunger der deutschen Bauern zu stillen. Schon von allem Anfang an stand die tschechische Bodenreform im Mittelpunkt der öffentlichen I Kritik. Zweifellos wurde der gesunde Grundgedanke dec Bodenreform— Beschneidung der riesigen Latifundien. Entmachtung des Adels, Ueberführung ihrer Ländereien in den Besitz von Mittelbauern— durch den übermächtigen Einfluß der Agrarpartei, die das Bodenamt souverän beherrschte, verfälscht. Hunderte tschechische Restgutbesitzer setzten sich im deutschen Gebiete fest und übernahmen jenen Boden, der eigentlich in die Hände der deutschen Bauern gehört hätte. Wir können uns aber nicht erinnern, daß in der„Reichenberger Zeitung" jemals ernsthaft eine solche Lösung der Bodenfrage gefordert worden tväre. Immer hat sie in den Vordergrund ihrer Kritik daS Bedauern darüber gestellt, daß den „deutschen" Großgrundbesitzem durch die Beschlagnahme deS BodrnS und der Wilder„schweres Anrecht" zugefügt worden sei. Die Gerechtigkeit gebietet es aber, anzuerkennen, daß nirgends in Zentraleuropa soviel Boden aus dem Besitz deS Adels und der Kirche in jenen der Bauern überführt worden ist wie in der ESN. Daher sind in Polen und Ungarn, wo die Latifundien nicht angetastet worden sind, heute die Bauern die unzufriedensten Schichten der Bevölkerung. Aus das D r i t t e Reich, dessen Agrarpolitik von den Hcnleinleuten über den grünen Klee gelobt wird, hat den Junkern nicht wehe getan und ihnen sogar noch Geschenke gemacht. Wenn also unsere SdP» Bauern glauben, sie würden im Falle deS Anschlusses jenen Beden erhalten, der den Gallaß, Rohan, Kinskp, Schaffgotsch usw. im Rahmen der tschechoslowakischen Bodenreform abgenommen wurde, so würden sie sich gewaltig täuschen. Nicht umsonst hat Konrad Henlein gerade in den Kreisen des deutschen Hochadels leine Freunde und Gönner sitzen, mit denen er speist, diskutiert und den Becher schwingt. Der„Reichenberger Zeitung" und ihren Hintermännern geht es darum, jene 400.000 Hektar Boden wieder der wirtschaftlichen Ausbeutung durch den deutschen Großgrundbesitz zu überantworten. Die Kleinbauern und Häusler kämen dann höchstens als Saisonarbeiter und P 8 ch t e r in Frage. Bei einer solchen„Lösung" der Agrarfrage würde sich aber siir die Dorlarmut nicht viel ändern. Die in Aussicht gestellten 100.000 ArbeitSvlcitze sind nur für die Phantasie bestimmt. Mit voller Absicht sprechen sich die Hcn« leinleute und die glcichgeschaltetc Presse über diese Fragen nicht klar aus. Den Herren handelt eS sich, was immer klarer wird, überhaupt nicht darum, die strittigen Fragen(nationales Problem, Agrarfrage, Dcam- tenfraae. Wiedergutmachung 1 durch ein vernünftiges Kompromiß zu lösen. Wenn sie von diesen Fragen sprechen, so in der Absicht, die Anarchie zu steigern und der Machterweiterung deS deutschen Imperialismus zu dienen. iw— Vor zwanzig Jahren Die Schlacht bei Saloniki Am 15. Sevtembcr 1018 wurde die bulgarische Front nördlich von Saloniki von der angreifenden„Orient-Armee" unter dem Kommando des ,ranzösischen Generals F r a n ch:: d'E s v r a y zerschmettert. Die bulgarischen Trnp, pen gingen in wilder Flucht zurück, und die nachsetzenden Serben, Engländer und Franzosen wurden nur durch das unwegsame Gelände am Ochrida-See und längs des Wardar-TaleS*i 'chnellerem Vormarsch gehindert. Aber die bulgarische Mazedonien-Front sammelte sich nicht mehr. Die bulgarischen Truvven, die sich in einem unbeschreiblich herunteraekommenen Zustand befanden, dachten nach dem Durchbruch zum größten Teil gar nicht mehr an Widerstand. Alle Bemühungen der bulgarischen Regierung, die den .Kronvrinzen und mehrere Minister an die Front schickte, um die Flüchtenden zum Sieben zu bringen, schlugen fehl. Die Reserven weigert?» sich einzugreifen, die geschlagenen Soldaten strömten über di« Grenzen Bulgariens, begannen, verhungert wie sie waren, das eigeneLano zu plündern, und es nützte auch nichts, daß die Deutschen und Oesterreicher, als sie von der verlorenen Schlacht hörten, noch einige Nee« stärkungen sandten. Die bulgarischen Trupven. deren Großteil sich in Deserteure verwandelt hatte, sammelten sich vor der Hauptstadt Sofia, und daS letzte verläßliche Militär, über das di« bulgarische Regierung verfügte, mußte eingesetzt werden, um die Hauptstadt vor Plünderungen zu schützen. Als am 20. September die Entente- Truppen vor Sofia erschienen, mußte die bulag' rische Negierung umWaffen st instand Man erhält für KL 100 Reichsmark.... 488.— Marlmiinzen... 678.— 100 rumänische Lei... 17.60 100 polnische Zlot».. 553.50 100 ungarische Prngü.. 578.50 100 Schweizer Franken. 666— 100 französische Franc». 80.45 1 englisches Pfund.. 143.— 1 amerikanischer Dollar. 29.— 100 italienische Lire.. 134.40 100 holländische Gulden. 1587.— 100 jugoslawische Dinare. 64.80 100 BelgaS 400.— 100 dänische Kronen.. 633.— 100 schwedische Kronen. 733.— bitten, ohne die Zustimmung der verbündeten Mächte abzmvarten. Damit war das Spiel der Mittelmächte auf dem Balkan verloren. Die Achse Berlin-Belgraa- Bagdad. die ihrer Machtposition so lange d-i: Rückhalt gegeben hatte, war zerbrochen. Die Bulgaren, die in den Krieg eingetreten waren, um Rache für die in den Balkankriegen erlittenen Enttäuschungen zu nehmen, hatten spätestens nach dem Frieden von Bukarest im Mai 1918, der ihnen fast nichts von der rumänischen Beute zuwies, eingesehen, daß sie z u m I n st r n» ment für fremde Ziele geworden waren. Sie verloren das Interesse am Kriege, sie schlosien auf eigene Faust Waffenstillstand, n> wie die Türken eS kurz darauf auch taten. So war die Schlacht bei Saloniki in gewissem Sinne die Entscheidungsschlacht des Weltkrieges: die große Belastungsprobe der Achse, welche die Probe nicht bestand, der Zusammenbruch der Mittelmächte auf dem Balkankriegs« shauplah, auf dem der Krieg 1914 begonnen hatte, und die entscheidende moralische Erschütterung, deren Wirkung in jenen Tagen, als auch die deutsche Westfront schon auf dem Rückzüge war und die„Siegfrleo- Stellung" gegen die Offensive des Marschalls Foch nicht mehr halten konnte, den Nervenzusammenbruch des Diktator- Generals Ludendorff verursachte, der daraufhin sein bekanntes Waffenstillstandsbegehren an die ReichSregierung sandte. Dir Orient-Armee, die bei Saloniki siegte, bestand auS 60.000 Serben und etwa 240.000 Engländern und Franzosen, di: im Herbst 1015 den Serben zu Hilfe gekommen waren, die sich vor der vereinigten deutsch-österreichisch-bulgari« schcn Offensive hatten zurückziehen müssen, nachdem sie länger als ein Jahr ihr kleines Land verteidigt hatten. Die Oesterreicher hatten die Widerstandsfähigkeit des kleinen Serbien febr unterschätzt, und die deutsche Oberste Heeresleitung hatte später wieder dir„Orient-Armee" unterschätzt, deren Stellung bei Saloniki Ludendorff als ein„Gefangenenlager" bezeichnet hatte, das anzugrcifen sich nicht lohne. Die Schlacht von Saloniki war die Antwort auf diese Ueber- hcblichkeit. Zugleich mit der Achse Berlin- Bagdad zerfielen auch die Illusionen, die man sich bei Beginn deS Krieges über die Risiko- losigkeit des Angriffes auf Serbien gemacht hatte. An diese Schlacht erinnern, bedeutet heute deshalb eine Warnung an alle aussprechen, die abermals mit Neberheblichkeit und Verblendung einer neuen Katastrophe zustreben. llerlsngel überall Dolhoiinder! Amselnest zu vermieten Würde man es für möglich halten, daß sich ein Singvogel freiwillig in die Obhut der Menschen begibt, denen er sonst scheu davonfliegt? Man weiß es von den Schwalben, daß sie unbekümmert um die Nähe der Menschen ihre Nester in Hauseingängen, auf Türglocken und Lampenschirmen baue», ja sogar in Schlafzim« mein, deren Fenster offenstehcn. Aber was brachte die Amsel, den leidenschaftlichen LiebeSsänger unserer Parkqärten, den fanatischen Wurmräuber, der sein Nest sonst gut versteckt zwischen niedrigen Astgabelungen anlcgt, dazu, von seinen alten Gewohnheiten abzugehen? Was dem Amselpärchen gerade unser Blumenfenster im dritten Stock deS Hofes so anziehend machte, wird man niemals ergründen. Kurz — eines Tages kommt solch ein schwarzer Geselle geflogen, mit einem dünnen Zweig im Schnabel. Er kommt immer wieder, auch ein zweiter. In der einen Ecke des Mauervorsprungs, auf dem die Blumentöpfe stehen, befindet sich ein freier Raum. Dort werden die Gerten und Zweige kunstvoll zusammengebogen und geflochten und innen weich auSgelegt. Binnen zwei Tagen ist ein wunderschönes, vollkommen kreisrundes Nest entstanden, daS«in Korbmacher nicht bester flechten könnte. ES sieht so einladend aus. Anscheinend war eS schon höchste Zeit. MoigenS liegen zwei kleine Eier darin. Am nächsten Tag sind es vier. Nun beginnt die Brütezeit. Das Weibchen — man erkennt eS am kleineren grau-braunen Schnabel, während der wehrhafte Vater mit einem lange», gelben, fast dolchartigen Frcßwerkzeug ausgerüstet ist— rührt sich nicht von den Eiern weg. DaS Männchen bringt Fliegen und Würmer. Und wir helfen nach mit gehacktem Fleisch, Mehlwürmern, Kuchen, geschabter Möhre. Auch ein Schälchen mit Master steht auf einem Blumentopf. Alles wird dankbar angenommen. Die Vögel haben großes Vertrauen zu den Menschen gefaßt. Man kann sie ruhig auch bei geöffnetem Fenster beschauen, ohne daß sie fortfliegen. Und an einem schönen, warmen Morgen— am achten Tag— war auS dem Nest eine Kinderstube geworden. ES wimmelte von winzigen nackten Gliederchen. Man konnte eigentlich nichts unterscheiden als hier und dort einen dottergelben, lveit geöffneten Schlund. Die alte Amsel sitzt vorsorglich über den nackten Jungen. Beim Anstiegen schiebt sie sie erst mit Füßen und Körper zurecht, dreht sich einige Male im Kreis, dann wärmt sie die Kleinen mit ihrem Leib. Wenn eS regnet, spreizt sie die Flügel über daS ganze Nest und sitzt geduldig stundenlang in der größten Nässe und Kälte. Nur wenn daS Männchen mit Futter ankommt, macht sie Platz und vier Schnäbel steben sperrangelweit offen. Zulveilen setzt sich daS Männchen zum Verschnaufen auf den benachbarten Klopsbaikon und singt seiner Alten eilvaS vor, um ihr die Langweile zu vertreiben.(Kommt es mir nur so vor oder lauscht sie wirklich'mit verzückten Aeuglein?) Zunächst sind die Jungen blind und stumm. Aber von Tag zu Tag entwickeln sie sich kräftiger. Schon wachsen ihnen grau-blaue Stifte an den Flügeln und auf dem Rücken, sie werden größer und bekommen Persönlichkeit. Jetzt piepsen sie schon und das Füttern wird allmählich zu einer dramattschen Angelegenheit. Man wird nicht müde zuzusehen, wie sich alles, was die Menschen antreibt, hier in diesem einfachen Naturvorgang absplegelt: Liebe, Hunger, Eifersucht, das Recht des Stärkeren und pure Ichsucht. Der Amselvater kann gar nicht genug Wildbret herbeischaffen. Manchmal steht er vor den vier aufgesperrten Mäulern ratlos, wohin er den Wurm stecken soll. Dann kommt es oft vor, daß ein Amselkind die anderen zurückstöht und stärker schreit. Dann nimmt der Amselmann einem anderen Kind seinen fetten Bissen wieder fort und steckt ihn dem Schreihals in den Rachen. Wer mehr schreit, hat mehr Hunger— denkt er wohl(und nicht: mehr schreit, hat Unrecht.) So kommt es, daß eins von den Jungen zurückbleibt. Gott hat ihm wohl zu wenig Stimme gegeben oder zu schwache Ellbogen. Es ist spannend und wundervoll, das alles zu beobachten und mitzuerleben. Früh kann man es gar nicht erwarten, zum Fenster hinzugehen. Bei keine!: Beschäftigung halt man es lang aus, beim Nachhausekommen ist der erste Weg zum Nest. Denn wer weiß, wie lange dieses reizende Idyll noch anhalten wird. Die Jungen werden stark, bekommen Federn und krabbeln allmählich über den Nestrand. Wir sehen daS alles behutsam mit an. Wenn man Futter oder Wasser vorsichtig hiustellt, fliegen die Alten fort, kommen aber sehr rasch laut los wieder angeslogen. Leden weiteren Eingriff vermeiden wir ängstlich. Und das ist das Verhängnis. So dumm sind wir Großstädter. Wir denken nicht daran, daß Amseln gewöhnt sind, in einem höchstens drei bis vier Meter hohen Baum über weichem Rasen zu nisten. Und daß wir im dritten Stock wohnen. Und daß unsere Amselmicter in blindem Vertrauen zu uns kamen, die Gefahren und die Höhe eines ZinShauseS aber nicht abschätzen konnten. Wir haben kein schützendes«ckrett vor dem Blumengitter gestellr— und so ist das Unglück geschehen. Eines Morgens waren nur mehr drei Amsel« babis da. In böser Ahnung sahen wir eins von ihnen außerhalb des Nestes herumkletern, wollten zugrcifen, um es vor dem Fall zu bewahren. Da drängte eS sich in seiner Angst zwischen die Blumentöpfe und— war verschwunden. Und daS dritte? Als mein Bruder in den steinen Hofgarten hinuntereilte, um nachzusehen, ob noch etwas zu retten sei, da lagen drei halbnackte Vögelchen stumm und steif im Grase. DaS vierte hatte seine Schwäche vor dem neugierigen Ausflug in die Welt bewahrt. Aber sein Geschick war darum um nichts besser. Die aufgescheuchtcn Amseleltern kamen nicht wieder. UnS war das Herz schwer. Das Junge ließ sich von uns nicht füttern. Ueber Nacht war es erfroren oder verhungert. Wir sind sehr traurig. Ein leere? Amselnest steht zu vermieten! Gelte 8 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 15. September 1038. Nr. 21? Deutsche Demokraten auf dem Präser Rathaus Prag. Auf dem Altstädter Rathaus fanden sich am 14. Sepiember Vertreter der deutschen demokratischen Parteien und Organisationen ein. um ihre absolute-Bereitschaft zur Unterstützung aller Bestrebungen zum Ausdruck zu bringen, die auf die Sicherung der Ruhe und des Frieden» im Staate gerichtet find, sowie den entschlossenen Willen, das gemeinsame Vaterland mit allen loyalen Bürgern der Tschechoftolvakischen Republik zu verteidigen. Die Vertreter stellten auch ihre werktätige Hilfe bei den öffentlichen Aktionen verschiedener Art zur Verfügung. Eine geisteskranke ffrau. Gestern vormittag» öffnete die ö4jährige Pensionistin Olga Schick da» ffeniler ihrer Wohnung in W r k ch o w i v, Ko- danskä 42, und schrie den JustgänMrn unzusammenhängend« Worte zu. Er wurde die Polizei gerufen, welche die ffrau in die Irrenastalt brachte; er wurde bei ihr eine Geistesstörung festgestellt. Gin rücksichtsloser Chauffeur. Gestern nachmittag ging die 52jährige Marktlicferantin Magdalena Podhradskä über die Lilienstraste in der Altstadt. Ein rasch fahrende» Auto überfuhr sie und verletzte sie schwer. Der Thauffeur fuhr davon und kümmerte sich nicht um sein Opfer. Ein Dieb in Karolienthal. In da» Hau» Nr. 00 in der Krälovskä in Karoljnenthal kam gestern ein junger Mann eben in dem Augenblick, al» grau Elisabeth Boticky nach Hause ging. Sir fragte den Mann, wa» er dort suche. Er antwortete, er warte auf seinen Bekannten. Al» sie aber die Türe ihrer Wohnung aufmachen wollte, rist er ihr die Einkaufstasche au» der Land. Sie hatte dort 800 Kc nebst dem Einkauf. Et» Hotcldieb ertappt. In der StephanSstraste in P r a g II wurde der 87jährige Lackierer Franz L r a b i angehalten. Lrabi wurde nämlich vom Verwalter de» Palai»„Charitas" auf dem KarlS- platz verfolgt. Er wurde beobachtet, al» er in die Zimmer der betreffenden Pension eindringen wollte. Am selben Vormittag hatte er dort Patentschlüssel von den Zimmern entwendet. Al» er ertavvt wurde, ergriff er die fflucht. Wenn ihm lein Vorhaben gelungen wäre, hätte er einen Schaden von 18.000 KC verursachen können, denn e» wäre notwendig gewesen, alle Schlösser in der Pension umzuarbeiten. LrabC sagte, er habe die Schlüssel gefunden und sie in der Pension abgeben wollen. Er wurde in» KreiSaericht in Prag eingeliefert. Rege-Inanspruchnahme deS versah.Amte». Beim Versatz- und Leihamte in Prag. wurden im Monate August 1088 verpfändet, ozw. verzinst: In der Abteilung für Schmucksachen 16.008, in der Kleiderabteilung 14.507 Versatzstücke. Die gesamte" Darlehenssumme betrug 4,116.504 KC. AuSgelöst Wurden in der Schmucksachcnabteilung 15.188, in der Kleiderabteilung 18,420 Versatzstücke. Die Gesamtsumme der auSgelösten Beträge betrug 8 872.804 KC. Auf Wertpapiere wurden 230.508 KC geliehen. Die hastende Gesamtsicherheit betrug gegen Ende de» Monat» in der Abteilung für Schmucksachen 17,154.345 KC(um 602.515 Kf weniger al» int vergangenen Jahre), in der Klriterabteilung 6,243.310 KC(um 36.660 Xi weniger al» im vergangenen Jahr), in der Wertpapierabteilung 6.823.667 KC(273.006 mähr al» im vergangenen Jahre). AuSflugSzllge der Staatsbahnen. Vom 17. bi» 28. September achttägiger Ausflug in die Beskiden und Unterbringung in der Schützhütte auf dem Belky Polom 480 KC, in die Hohe Tatra ml» einem Aufenthalt am Strba-See oder in Tatransktt Lomntca 560 Ki. Informationen und Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhofe, Tel. 888—85. Zwei gefährliche Verbrecher Karl Neumann. 40jähriger ehemaliger Chauffeur, ist schon 22mal vorbestraft: jedesmal bandelte es sich um mehr al» Kleinigkeiten und die Strafen waren dementsprechend arost. Durch die Tat. der er sich am 11. März schuldig machte, kam er in die Reihe der ganz gefährlichen Verbrecher. Er wollte an jenem Tage die Wohnung deS Herrn Schwarz in der Soukenitkä ul. in P r a g ausrauben, irrte fidCT jedoch und schlug das Fenster im Büro Herrn B u l z e r S ein. Dort hätte er vier Schreibmaschinen und Waren im Werte von 15.000 KC stehlen können. Er hatte aber Unglück. Die LauS- messterin B o s p i ch hatte da» Klirren der Scheiben gehört und erriet sofort, dass ein Dieb eingebrochen sei. Sie weckte ihren Mann" und dieser rief die Polizei. Neumann wollte entkommen, aber er sah sich von der Polizei umringt. Er schost auf den Polizeimann T ü m a. Dann schost er auch gegen sich selbst und warf sich zu Boden, al» ob er getroffen wäre. Er wurde verhaftet und abgeführt. Gestern verantwortete sich Neumann vor dem Senat deS OGR. N e b u» k a. verklagt vom Staatsanwalt Dr. Radechovskv. Er wollte die ganze Angelegenheit so hinstellen, al» ob er nur probiert hätte, oh ihm der Revolver funktioniere. Da» half natürlich nicht und er bekam drei Jahre schweren Kerker». Nachher wird er in die ZwanqSarbeitSanstalt ringeliefert werden. » Vor dem Senat de» OGR. S o l n ä r stand ein anderer Dieb, der 86jährige ehemalige Schuster Jaroslav Novotny au» C i m i d. Den Tatbestand schildert die Anklageschrift folgendermasten: Am 20. August begegneten die Polizisten nacht» in der Altstadt einem Manne, welcher die Kappe eine» Postbedienstcten trug und einen grasten Sack mit Wäsche mit sich schleppte. Trotz dieser Maske fiel ihnen der sonderbare Sack auf; sie stellten den Mann zur Rede und stellten in ibm den ihnen wohlbekannten Novotny fest. Er gestand, dast er die Wäsche einem gewissen Dr. Dvotäk inBubentsch entwendet hatte. In demselben Lause wurde aber auch der Hausmeister bestohlen und erlitt 5000 KL Schaden. E» wurde ihm unter anderem auch lene Kappe gestohlen, mit welcher sich Novotny maskiert hatte. Bor Gericht wollte aber Novotny diesen zweiten Diebstahl nicht eingeftehen. Er habe die Kappe angeblich auf der Straste zwischen Abfällen gefunden. Da» Gericht musste über diese alberne Ausrede lachen und Novotny bekam ohne weitere» ein Jahr schweren Kerker» und kommt nachher auch in die stwann»arbeit»anstalt. mg. Ein Vater vergreift sich an seiner Tochter Bor dem Strafsenat de» OGR. S o l n ä k Vcranttvortete sich gestern der 51jährige Arbeiter Karl P.. welcher der Blutschande an seiner eigenen Tochter bezichtigt wurde. Diese Tochter ist heute schon erwachsen und erschien vor Ger'schal» verheiratete ffrau. Vielleicht hätte über den ftehltrltt ihre» Baler» nie jemand etwa» erfahren, wenn sie Heuer im ffrühjahr vor der Lochzeit nicht auf der Polizei erschienen wäre, wo sie gar seltsame Sachen erzählte. Danach unterhielt ihr Vater mit ibr unerlaubte Beziehungen schon seit ihrem fünfzehnten Lebensjahre. Sie hatte bamal», al» er ihr einen solchen Antrag stellte, solche Angst vor ihm gehabt, dast sie ihm willfährig war und bie Sache zog sich dann jahrelang hin. auch, al» sie schon eine ernste Bekanntschaft hatte. Nun ist ffrau Emma L. schon 80 Jahre alt. Damals, im ffrichiahr, al» sie sich einen eigenen Daushalt gründen wollte, hatte sie Angst gehabt, der Vater könnte sich dazwischen stellen und deshalb suchte sie Lilfe bei der Polizei. Weil sie kein kleines Mädchen mehr ist und die Beziehungen an chdann noch andauerten, al» sie sich hätte schon resolut wehren können, wurde sie gleichzeitig mit ihrem Vater angeklagt. In geheimer Ge- richtSverhanbluna wurde sie jedoch freigesprochen. Ihr Vater bekam sechs Monate schweren Kerker» unbedingt.' mg. Dee Mm Du und Ich Der Regisseur Fritz L a n g der einst in Deutschland mit Kolossalfilmen wie.Nibelungen",.Metropolis" und dem Mörderfilm.M" Aufsehen erregt«, hat in Hollywood vor nicht langer Zeit einen sehr eindrucksvollen Film gegen den Lynch-Mord inszeniert. Der Film.Du und ich", der jetzt hier gezeigt wird, will ebenfalls«in sittlicher Tendenzfilm sein, er will Verständnis für bie Schwierigkeiten Vor- bestraster und der— nach amerikanischem Brauch— bedingt Strafentlassenen erwecken, und er will auher- dem das Gebot.Du sollst nicht stehlen" durch die mehr geschäftlich gefastte amerikanische Weisheit „Crime doe» not pay"(Verbrechen macht sich nicht bezahlt) erhärten. E» ist eine recht originelle Szene, wenn eine ehemalige Verbrecherin rückfällig gewordenen Gangstern an der Schiefertafel vorrechnet, dast ihr Gewerbe nicht mehr einbringt als eine ehrliche Arbeit, dafür aber gefährlicher(wenn auch vielleicht weniger eintönig) ist. Die Sachesieht ein wenig Naiv au», sie hat aber insofern eine wirklich sozial-kritisch« Pointe, als sich bei der Rechnung her« auSstellr, dast auch da» organisierte Verbrechertum «ine Ausbeutung der.Kleinen" durch den.Unternehmer" ist, der ein Drittel de» Raube» für sich behält und sich bei einem gerissenen Advokaten im Vorau» gegen alle Eventualitäten versichert, nur nicht gegen die Rache der Konkurrenz-Gangstei, die zum Risiko des Verbrechertums noch hinzugerechnet werben must. Nun ist aber der Film nicht nur ein .Lehrfilm" gegen da» Verbrechertum, sondern auch noch der Roman eines Manne» und eine/ Mädchen», die bedingt au» dem Gefängnis entlasten wurden, in einem Warenhaus Arbeit fanden, einander lieben und heiraten, obwohl sie dazu nach den Bestimmungen der bedingten Strafaussetzung nicht berechtigt sind und in Konflikte geraten, weil das Mädchen bem Manne verschweigt, dast sie unter den gleichen Bedingungen wie er lebt und weil der Mann von seinen ehemaligen Komplicen beharrlich zur Rückkehr in» Räuberleben überredet wirb. Dieser romanhafte Teil bcr Handlung hat zu viel unwahrscheinliche Einzelheiten, um realistisch wirken zu können, und auch der WarenhauSbesiher, der— statt philantro» pische Stiftungen zu machen— lieber Gestrauchelte in seine Dienste nimmt, verhält sich im weiteren Verlause der Handlung so grostzügig, dast man e» auch nicht mehr glauben kann. Da» Gesamtergebni» ist also ein ost origineller, von besten Absichten bestimmter, aber in seiner Mischung(zu der am Ende auch noch etwa» Groteske kommt) nicht recht geglückter Film, dem übrigen» ein paar Song» de» Dreigroschenopernkomponisten Kurt Weil eingefügt sind. Die beiden Hauptrollen werden von der wie immer sehr herzlichen, sympathischen und schlichten Sylvia Sydney und dem bisher nur au» Tanzfilmen bekannten George Raft gespielt, der hier al» ehemaliger Gangster und besserung»- burstiger Liebhaber nicht unglaubwürdig wirkt. —ei»— Kunst und Mssen Spirlplan des Deutschen Theater». Donnerstag 10.80 Uhr:„Banditen".— Freitag 20 Uhr:„Banditen".— SamStag 10.80 Uhr: „Sie Kameliendame"(A 1).— Sonntag 10.80:.Louise Miller". Oper von Verdi.Erstaufführung(B 1) Sptelplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 10.80: „Dreißig Sekunden Liebe". Lustspiü. Erstaufführung.— Freitag 20:.DreIstig Sekunden Liebe".— SamStag 20:.Hotel Sylvia Dünn".— Sonntag, 10.80:.Komödie der Irrungen". Vminsnacfiricfitcn Ortsgruppe Prag. Barockausstel- g/nSaja l u n n. Am Donnerstag, den 15. Sep- MeSeBl) itmber, 7 Uhr abend»(10 Uhr), Wald- stein-Palai»: Besichtigung der Barock- xäjjjx auSstellung unter Führung de» bekannten Kunschistoriker» Dr. Nester. Uranla-KIno „Der müde Theodor" mit Weitz Ferdit 6,%0. Morgen Doppelprogramm bei normalen Preisen l Auf der Bühne: Betja Milskaja, Eugen Hoffmann, Rolf Osten, Leo Bott! Dazu„Frl. Liselott" mit Magda Schneider, Günther Lüder», OSkar Sima, Albert Lieven I Knosperich Von Dr. Otto Marbach Er hatte natürlich einen bürgerlichen Bor« und Zunamen wie alle anderen, amtlich gemeldeten Menschen. Aber seine poetisch angehauchte Mama hatte einmal— er war noch ganz klein und konnte sich nicht wehren— den merkwürdigen Kosenamen für ihn gefunden. Ach, poetisch angehauchte Mama» sind manchmal recht verhängnisvoll. An einem wunderbaren Vorfrühlingstag sah sie mit dem Kleinen, der eben erst vorsichtig zu zappeln begann, auf einer Gartenbank. über die ein junger Baum seine Zweige streckte, wie die gespreizten Finger vieler Hände. An den Zweigen lasten Knospen, braunglänzend, dick, noch geschlossen, aber bereit, in jeder heimlichen Sekunde aufzuspringen. Die Frühlingslust, das Kind, die Knospen und nicht zuletzt das schon erwähnte poetische Gefühl für lyrische Momente bestimmte die Mama, ihren Kleinen zärtlich zu liebkosen und ihn:„mein Knosperich" zu nennen. ES war eine plötzliche Eingebung. Eine jener gutgemeinten Sprachschöpfungen mütterlicher Zärtlichkeit, die später abgelegt werden wie Saugflasche und Wickelband. Mer dieser Name blieb. Er blieb und bewies eine eigentümliche Kraft. Sind es Namen, die Menschen formen, oder formt sich der Mensch seinem Namen an? Knosperich blieb ein— sozusagen Knospenmensch. Er war immer frühling^ast, glänzend gelaunt und vielversprechend. Immer begann er überraschend gut. Als er am selben Vorfrühlingstag, der ihn mit dem seltsamen Namen beschenkt hatte, die ersten Gehversuche machte) gelangen ein, zwei Schritte meisterhaft. Er hatte das sichere und elegante Austreten eines erfahrenen Diplomaten. Danach wurde-s freilich kläglich, aber daS beachtete weder er noch die entzückte Mama, noch der übrige Kreis von Bewunderern. Die Anfänge waren immer wieder erstaunlich, so erstaunlich, dast eS niemand auffiel, dast er eigentlich viel länger zum Gehenlernen benötigte als sonst ein normales Kind. Er galt für ungemein begabt. Für vielversprechend. DaS war er auch wirklich. Seine An fänge im Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen! erstaunten den gesamten Lehrkörper. Aber leider blieb alles nur im Knospenstadium. So vielversprechend er war, so wenig hielt er. Am Kind, da» als Ganzes in» Knospenstadium gehört, war jeder Widerspruch noch nicht auffallend. Aber in den höheren Schulen gab eS oft herbe Enttäuschungen für wohlmeinende Lehrer, wenn er die ersten Prüfungsfragen überraschend sicher und klug beantwortete, in, weiteren aber völlig versagte. Ob er selbst irgendeine Enttäuschung fühlte, war fraglich. Er begleitet« sein Versagen mit einer gewissen zerstreuten Verträumtheit, die ihn scheinbar gegen den eigenen jähen Abfall unempfindlich machte. Tadel und Spott schienen ihm deshalb auch nichts anhaben zu können. Nach einigen kleinen und gröberen Schulkatastrophen hatte er die Studien hinter sich und sollte sich einem Beruf zuwenden. Er zeigte Begabung für jede Art von Beschäftigung. Nie mangelte es ihm an theoretischen und praktischen Ideen. Er war wie ein junger Baum voller Knospen. Sein Gespräch glich einem Frühlingsregen. Er wustte für sich und den Mitunterredner hundert Möglichkeiten und so wie man eine Sache nur von fern erwähnte, an eine Idee nur anspielte, gleich erfastte er den Kern der Verhältnisse und überschüttete den verdutzten Zuhörer mit einem sprühenden Schwarm origineller Vorschläge. Solcher Frühlingsregen von guten Ideen fiel manchmal in fruchtbare Gehirne und mancher mittelmässige Freund, der nichts besäst als etwas Glück, hatte Knosperich viel, wo nicht alle» zu verdanken. Sich selbst freilich half er nicht. Er ichien kein Glück zu haben. Kein äustere» Glück zumindest. Innerlich war er immer heiter, jugendlich, frühlingshaft, wie eS sich für einen Menschen mit dem Spitznamen„Knosperich" geziemt. Tradition u. Protektion der Familie brachten ihn zuerst im Staatsdienst unter. Im Verkehrswesen. Sogleich begannen ihm angesichts dieser Materie die Ideen zu knospen. Die verwaltende und die technische Mteilung der Zentraldirektion erhielten durchschnittlich jeden zweiten oder dritten Tag irgendwelche Vorschläge und Anregungen. Vorschläge zur Elektrifizierung dieser oder jener Teilstrecke, Vorschläge zur Errichtung von automatischen Fahrkartenschaltern, Entwürfe für ein Reisetelepbon, für einen intensiven Hydrovlanverkehr tm heimischen Seengebiet, für verlegbare Bahnhöfe usw. Dast man seine Eingaben erst ablehnte, dann bewitzelte, später nicht mehr beachtete, tat ihm nichts. Pläne und Plän« chcn knospeten in ihm stets gleicher FrühltngSkraft weiter. Gemütliche Vorgesetzte fanden sich humorvoll mit jener Eigenart ab, da sie dem unermüdlichen Einreicher manche heitere Minute verdankten oder zumindest stets sauber geränderte und nett geschriebene Akten auf ihrem Tisch liegen batten, waS Bureaugewaltigen halt immer was fürs Herz und Gemüt ist. Leider gab es einmal einen Sektionöchef, der Paradoxe durchaus nicht vertrug. Und gerade diesem Mann machte Knosperich den Vorschlag, Ueberland- fahrten in Untergrundbahnen zu veranstalten. Darauf yzprde er entlassen. Er bekam«ine kleine Pension und sah sich nach anderen Betätigungsmöglichleiten um. Er sah so viel und so Mannigfaltiges, dast er über ein Jahr nichts tat, als Entschlust um Entschlust und Plan um Plan zu wechseln. Schliestlich geriet er, durch Freuqde und Bekannte gedrängt, ganz zufällig in ein kommerzielles Unternehmen. Kaum fühlte er sich auf diesem neuen Grund, so begann er wieder intensiv zu knospen. Sein Chef gratulierte sich erst zur Akquisition dieses ideenreichen Mannes, dann sucht« er— erst sanft, später grob— dem Ansturm der Vorschläge Einhalt zu gebieten. Dann lachte er über ihn und schliestlich hastte er ihn. Denn Knosperich wollte eine völlig neuartige Buchführung, neue Bezugsquellen, neues Absatzgebiet, Umstellung der Firma von Lederwaren auf Südfrüchte und dergleichen mehr. Dabei hing er durchaus nicht auf seinen Ideen. Er war keineswegs ein Recht« Haber. Deutete man nur an, dast fein Vorschlag nichts tauge, war er der Erste, ihn fallen zu lassen, freilich nur, um sogleich mit drei anderen, ebenso glänzenden Anregungen aufzuwarten. Da sein Chef ihn schliestlich gar nicht mehr leiden konnte, kam es bald zu seiner Entlassung) Er wurde durch dieses unangenehme Ereignis innerlich gar nicht berührt. Er knospete weiter an Plänen und Ideen, als ob nichts geschehen wäre. Erst jetzt kam er dorthin, wo seinesgleichen von allem Anfang an zu vegetieren pflegt— zum Kunstbetri^i. Hier war das günstigste Klima für phantastische Tbeatergründungen, Monster konzerttourneen auf dem malaiischen Archipel, Varietö auf dem Gletscher, Kabarett tm Zeppelin. Die Marmorplatten der Kaffeehaustische bedeckten sich mit zahllosen Berechnungen und Skizzen. Er lebte von ein paar MoffaS und zwei Mürben — milde Spenden von zufällig besser gestellten Gleichgesinnten oder belustigten Zuhörern. Aber das bemerkte er alles nicht. Nicht einmal das bescheidene Glück seines Lebens, das ihm, als es schon recht kritisch um ihn stand, eine Anstellung in der Reklameabteilung eines grasten Verlagshauses zufallen liest, wurde von ihm in seiner Bedeutung gewürdigt. Er war dem Schicksal eigentlich böse, das ihn aus der geliebten blauen Rauch« und Jdeen-Treiühausaimosphäre ritz und seine knospenden Gedankenzweiglein wieder mit der lallen Schere der Rücksichtnahme auf die Realität beschnitt. Er konnte aber nicht lange böse sein. Er war zu heiter, zu unbeschwert, zu frühlingshaft. Dieser Charakter war sein Glück bei Frauen. Er wurde gern geliebt und er verliebte sich rasch und leicht. Zu leicht. Es war immer wieder schnell vorbei. Seine längste Leidenschaft hatte einmal drei Tage gedauert. Nichts als Knospen, keine Blüten, von Früchten ganz zu schweigen. Er liebte WahlWS. Er batte keinen„Typ". Ob grost, klein, schlank, dick, bwnd, schwarz, ruhig, temperamentvoll, klug oder dumm, er verliebte sich auf ein paar Minuten oder Stunden. Er war der ewige„Flirter". Er war im grasten und ganzen auch mit sechzig Jahren noch so, wie er mit sechs oder mit drei Jahren gewesen. So nebenbei wurde er in diesem Alter krank. Da» war ihm ziemlich neu und seine Gedanken beschäftigten sich sehr mit diesem Zustand. Den Aerzten, die ihn behandelten, hatte er natürlich eine Unmenge von Vorschlägen zu machen. Ob man nicht hie Pillen verstreichen könnte und die Salben schlucken, ob er nicht laues Wasser trinken könne, den Tee hingegen als Klysma verwenden, ob kalte Luft bei Fieber nicht doch vorteilhaft wäre, vb man Prlestnihumschläge nicht auch mit heitzem Wasser versuchen solle. Knosperich hatte übrigen» auch noch andere Ideen. Er Überdachte seine Biographie und kam auf einen glänzenden Einfall. Er nahm sich vor,, er werde jetzt,»rst.ordenilich anfangen zu leben. In derselbenSekunde starb er. B«zitaSbedtnqunaen:B«i Zussellnna tniLmi» oder bei Bezug durch di« Boss monatlich KC 17—, vierteljährig KC 51—. halbjährig KC 103.—, ganzjährig KC 204—— Inserate werden lan Tarif billigst berechnet.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankawr wurde von der Post« u Telegraphendirektwn mit Erwst Nr. 18.800,'VH/1080 bewilligt-(Kontrollpostamt Praha 25.— Druckerei: JDtbti“, Druck-. Verlags« u. 8eituna»-A.«G. Prag.