Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Rebattion u. Berwaltung: Brag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Redakteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 18. Jahrgang Mittwoch, 21. September 1938 dint Die demokratischen Völker gegen die Londoner Vorschläge Nr. 222 Der Widerstand erstarkt Die Antwort an London und Paris gestern abgegangen Fest bleiben! Prag,( Tſch.-Pr.-B.) Die tschechoslowakische Regierung hat Dienstag nachmittags dem französischen und britischen Es ist folgendes festzustellen: Die Nach richten, welche sowohl in Prag, als auch im Ausland verbreitet waren, wonach die tscjedjo. slowakische Regierung den Londoner Plan angenommen, das heißt, in die Abtretung ge. wisser Gebiete des Landes eingewilligt habe, entsprechen nicht den Tatsachen. Denjenigen, Gesandten in Prag eine Note übergeben, in welcher sie ihren Standpunkt zu dem Vorschlage zum Ausdruck bringt, der ihr durch die britische und französische Regierung verdolmetscht worden war, und welche weitere diplomatische Verhandlungen im Geiste der Versöhnlichkeit ermöglicht, die von der tschechosl. Regierung immer bekundet worden ist. Falschmeldungen über Annahme Zu dem Inhalte der Note, welchen die tschechoslowakische Regierung heute den Gesandten Großbritanniens und Frankreichs übergeben hat, erfährt das Tsch. P.-B., daß die tschechoslowaki welche derartige Nachrichten verbreiten, handelt Wahrung der Lebensinteressen des Staates und aller fche Regierung verlangt, daß die franzöſiſche seiner Nationalitäten Prag. Amtlich war im Laufe des gestrigen Tages mitgeteilt worden: Die Nachrichten einer englischen Nachrichtenagentur, die in London verbreitet wurden und denen zufolge die tschechoslowakische Regierung die Vorschläge angenommen hätte, die ihr von der Regierung Großbritanniens mitgeteilt wurden, entsprechen nicht den Tatsachen, weil bisher eine Antwort von der tschechoslowakischen Regierung nicht erteilt wurde. Die Beschlüsse sind inzwischen gefaßt worden. Regierung und die Regierung Großbritanniens ihre Vorschläge auf Abtretung der Grenzbezirfe ant das Deutsche Reich erwägen. Die tschechoslo. wafische Regierung legt in der Note die Gründe und Einwände in Angelegenheit des französischbritischen Vorſchlages dar. es sich um Manöver. In allen Ländern gibt es Elemente, welchen die Existenz einer auf gesunder Grundlage beruhenden, freien und de mokratischen Tschechoslowakischen Republik ein Dorn im Auge ist. Diese Elemente versuchen durch die Verbreitung falscher Nachrichten eine Stimmung hervorzurufen, die es den Feinden Am Dienstag fanden Beratungen der Reder Tschechoslowakei möglich macht, ihr Ziel gierung über die Anregungen der französischzu erreichen. Einer der Haupturheber dieser britischen Konferenz statt. Die vormittägigen Nach den Beratungen am Montag wurde im Zusammenhange damit mit allen befreundeten Beratungen des politischen Ministerkomités wurfalschen Gerüchte ist der Vertreter der Agence Dienstag vormittags die Tätigkeit der Regierung Staaten, insbesondere aber mit den beiden Teil- den nachmittags in einer gemeinsamen Sihung Havas in Prag, welcher die Nachricht von der mit Konferenzen der einzelnen Regierungsfatto- hmern der erfolgten Annahme des Londoner Planes nach ren und Beratungen des politifchen Miniſterkomi ferenz entwidelt hat. Der definitive Standpunkt ten Parteien der Regierungsmehrheit fortgefekt. uber Cryboner franzöfifch engliſchen Kon- diefes Komités mit den Vorsitzenden der kvalier. Paris telephoniert hat, worauf natürlich der tees fortgefeht. Man erwartet, daß die Regie- her tfchechoslowakischen Regierung wird formuliert Eine dieser Sinungen fand beim Präsidenten der deutsche Sender prompt die Nachricht übernom- rung ihre endgültige Entscheidung über die Lonmen hat, damit sowohl in Deutschland, als auch doner Vorschläge erst auf Grund der Ergebnisse werden, bis dieser Meinungsaustausch abgefchlof- Republit auf der Prager Burg statt. Alle diese im Ausland jene Stimmung hervorgerufen der diplomatischen Verhandlungen, die im Gange fen sein wird. Er wird so gefaßt sein, daß die Ministerfonferenzen stehen im Susammenhang werde, welche das Dritte Reich braucht, um find, treffen wird. Bei diesen Verhandlungen Lebensintereffen des Staates ge- mit der internationalen Krise, die um das tschefeine Biele zu erreichen, die Tschechoslowakei hundelt es dh um den Meinungsaustausch zur wahrt und gleichzeitig die Intereffen aller choslowakische Problem entstanden ist und um zu schwächen und die Herrschaft über den Do- Lösung der Nationalitätenfragen und Bereini- feiner Nationalitäten durchgefekt deffen Klärung an sich in diesen Stunden in den europäischen Hauptstädten bemüht. nauraum zu gewinnen. Allen Menschen guten Bung der ganzen europäischen Krise, welche sich werden. Willens, allen denjenigen, welche die Freiheit und Demokratie in der Tschechoslowakei er. halten wollen, allen jenen, welchen die weitere Ausbreitung des Faschismus in Mittel. und Osteuropa unerträglich ist, welche in dem Plan einer deutschen Weltherrschaft ein Unglüc für die Menschheit sehen, muß gesagt werden, Französische Gewerkschafter in Prag Labour für die Eine Solidaritätskundgebung für die Tschechoslowakei Tschechoslowakei London. Nach der Aussprache, die Attlee und Greenwood am Montag abends mit Chamdaß man solche Gerüchte weder glauben noch zösische Gewerkschafter eingetroffen, und zwar verbreiten darf, weil sie nicht wahr sind und of let, der Lokaljekretär der Gewerkschaften in zöfifchen Volkes entfchloffen hin- Party im Londoner Transport- Haus zu einer weil man damit den Feinden der Freiheit ihr Paris, Timbaud, Sekretär der Wietallarbeiter der Tschechoslowateiſt che. neuen Sitzung zusammen, die folgende Erklärung herausgab: Spiel erleichtert. ter, und Marcel, Sekretär des Verbandes der Eine Eigenmeldung des A- Zet" befagt, daß ,, Der Nationalrat de Labour- Party, ser Das Gegenteil ist wahr. Es kann keine Elektrizitätsarbeiter. Sie sind im Auftrag Rede davon sein, daß die Regierung das ge. der Gewerkschaften gekommen, um die Dietschechoslowakische Gesandtschaft in Paris tau- ernstlich die Erhaltung des Friedens wünscht, nehmigt hat, was ihr vorgeschlagen wurde. Situation in der Tschechoslowakei zu überprüfen sende schriftliche und telegraphische Sympathic- fieht mit Mißbilligung die Vorschläge der britiSie hat ihren Standpunkt zu dem Londoner und Paris zu informieren. In Paris fundgebungen von Franzosen erhält, die sich der schen und französischen Regierung, wie sie berich). tet wurden, Vorschläge, die Tschechoslowakei unter Vorschlag zum Ausdruck gebracht und will wei waren am Montag Gerüchte verbreitet, wonach Ereignisse in London ſchämen.„ Die franzöſiſche der brutalen Drohung der bewaffneten Macht ter verhandeln. Sie will ein Problem, welches die tschechoslowakische Regierung bereits den Bor- Arbeiterschaft", erklärte der Führer der franzö- Nazi- Deutschlands zu zergliedern, ohne vorherige in den Mittelpunkt der europäischen Politik gerückt ist, durch Verhandlungen und nicht durch Gewerkschafter konnten sich nun an Ort und Stelle fiſchen Gewerkschaften, Jouhaug, der jeht in Beratung mit der tschechoslowakischen Regierung. informieren, daß diese Nachricht den Tatsachen Washington weilt ,,, wird niemals Hitlers Bedin- Der Nationalrat erklärt, daß das ein schändlicher einen Krieg, im Geiste der Versöhnlichkeit und nicht entspricht. Sie haben verschiedene führende gungen annehmen, soweit sie die Tschechoslowakei Berrat des friedlichen und demokratischen Volke nicht im Geiste des Hasses lösen. Man glaube Gewerkschafter und Politiker in Prag besucht und betreffen". Viele Kenner des franzöfifchen Volkes Zukunft darstellt. Der Nationalrat drückt seine ist und einen gefährlichen Präzendenzfall für die nicht, daß die Freunde der Demokratie und der auch dem Vorsitzenden der judetendeutschen- erklären, daß die Oeffentlichkeit nie ma 18| tiefite Sympathic mit dem tschechoslowakischen wohl in Großbritannien als auch in Frankreich fuch abgestattet. In dem Gespräch mit Jatsch 3 uſt im men wird, d. Frankreich Verträge Volke in den schweren Sorgen aus, die es jet wird die öffentliche Meinung, die immer haben alle übereinstimmend erklärt, daß die fran- verrät. stärker zum Ausdruck kommt, bearbeitet, jie sufischen Gewerkschaften entschieden an der Seite Prag. Am Dienstag sind hier drei fraiceniei und daberlain hatten, trat der Nationalrat der Labour. schlag Londons angenommen hatte. Die Pariser der Tschechoslowakei stehen und mit aller Kraft wird vor allem über die wahren Tatsachen inbemüht sein werden, auf die offizielle formiert. Auch die judetendeutsche Sozial. Weinung und die Regierung in dem demokratie tut da ihre Pflicht und nützt alle inne einzuwirken, daß der tsche= ihre internationalen Verbindungen aus, um choslowakisch französische Paft der Wahrheit zu dienen und die demokratische unter allen Umständen bestehe. Die Weltöffentlichkeit zu informieren. Journalisten drei Gewerkschafter gaben ihrer Meinung Ausund Politiker des demokratischen Auslandes hrud, daß es sich im gegenwärtigen Augenblick handele, sondern auch um Tschechoslowakci durchlebt." Nächtliche Ueberfälle auf unsere Grenzorgane find spontan nach Brag gekommen, um sich zu nicht nur um die Exiſtenz der Eichenhofonte Freche Verleumdungskampagne reichsdeutscher Propaganda unterrichten und mit aller Eile, die not tui, Frankreich&, und daß Frankreich gegebenen- Pra 8. In der Nacht auf Dienstag wurden stärkungen flohen die Angreifer nach Deutschdie Demokratien, insbesondere in den beiden falls gezwungen würde, in einem späteren Zeit einige Angriffe auf unsere Grenz- und Wachein- land. Nach 3 Uhr morgens wurde die Gemeinde großen Weststaaten, mobil zu machen. Je fester, punkt den Kampf unter ungünstigeren Bedingun- heiten unternommen. Sämtliche Angriffe wurden wir dastehen, je fester. Regierung und die tsche- zen aufzunehmen. Die drei Genannten haben von bewaffneten Banden aus Deutschland Ebersdorf bei Friedland überfallen. Eine Bande von 13 Mann aus Deutschland bcchoslowakische Massendemokratic zusammen- noch am Dienstag auf telephonischem Wege den durchgeführt. Kurz vor der zweiten Morgenstunde griff eine nützte bei dem Angriffe Granaten reichsdeutschen stehen, je entschiedener ihr Standpunkt ist und Führer der franzöfifchen Gewerkschaften, 3ou. au&, informiert, der bereits alle Schritte unter- Bande von etwa 15 Mann das Zollamt in Neu- Ursprunges. Der Angriff richtete sich fortschreitend men bat, ut auf die Regierung entsprechend for sebei Braunau an. Die Angreifer auf das Zollamt, dann die Poſt und schließlich nammen ves Telegramm an eine gewaltige Versam m- Drei tschechoslowakische Zollbeamte machten zur ferer Seite schritt eine Abteilung der Gendarmeinng der Parifer Arbeiter geschickt, die Selbstwehr von ihren Gewehren Gebrauch und ricbereitschaft, ein Zug Soldaten und Polizei mit am Dienstag getagt hat und in der zum Aus- warfen zwei Handgranaten. Dann riefen fie die einem Panzerwagen ein. Das Zollamt wurde omingongt wurde, daß die Regierung Dala- Feldwachen zu Silfe. Bei der Ankunft der Ver- vollständig demoliert. Sechs von unseren Finanzie unbeugsamer sie die Lebensinteressen dieses Staates und seiner demokratischen Verfassung wahren, desto mehr wird sich auch die demokra tische Weltöffentlichkeit in Bewegung setzen und an unserer Seite stehen. Wir müssen uns der Schicksalsstunde gewachsen zeigen! Pistolen ausgerüstet. wollte die Bande die Gemeinde besetzen. Von un Seite 2 Mittwoch, 21. September 1938 Nr. 222 Wächtern und Soldaten wurden verwundet. Auch In den Reihen der Angreifer gab eö Verwundete, die aber auf deutsches Gebiet fortgrschleppt wurden. ES ist fcstgestellt, daß unter den Angreifern sich Angehärige der Sudetendeutschen Legion befanden. Letzt herrscht in der Gemeinde Ruhe. Die Grndarmerieverstärkungen und das Militär haben sich hier verschanzt. Bei einem vierten Angriff Im Laufe der Nacht auf Dienstag ist das Zollamt in Ober- Kleinaupa, Bezirk Marschendorf, abgebrannt. Der Angriff wurde von reichtdeut- schem Gebiet her von zwei Seiten und in zwei Zeitabschnitten eingeleitet. Die erste Bande drang zwischen halb 4 und halb 5 Nhr vor, die zweite führte ihren Angriff von 5 bis halb 6 Uhr morgens durch. Auch hier griffen Mitglieder der Sn» detendeutschen Legion an, die mit Handgranaten und Maschinengewehren reich-deutschen Fabrikats ausgerüstet waren. Hiebei wurden zwei von unseren Zollbeamten verwundet. In der Stadt herrscht jetzt Ruhe. In Weißwasser bei Freiwal- d a u schaffen etwa 20 Personen vom reichvdeut- schen Gebiet aus. ES wurden etwa 40 Schöffe abgegeben. Die Bedrohung unseres Gebietes dauerte von 3 bis 5 Uhr. Verletzt wurde niemand. Jn Gnadler-dorf im Bezirk Z n a i m wurde daS Zollamt überfallen, auf daacht Schliffe auS einem Graben auf reich-deutschem Gebiet, der vom Zollhaus etwa 30 Meter entfernt ist, abgegeben. Beim Grenzstein bei der Gemeinde Groß- Mürben im Bezirk Mährisch-Schänberg wurde Dien-tag auf einen Poften der StaatSverteidi- gung-wache geschaffen. ES war nicht möglich, fest- zustellen, von wem und woher geschossen wurde, da daS Terrain unüberstchtlich ist. Seit SamSiag fordern die nach Deutschland geflüchteten Führer der Sudetendeutschen Partei zur Flucht der sudetendentschen Bevölkerung au- Böhmen nach dem Deutschen Reiche auf und verleiten tschechoslowakische Soldaten deutscher Nationalität zur Desertion. Gleichzeitig drohen Konrad Henlein und mit ihm Sebekovsky sowie die übrigen ehemaligen Führer der SdP, daß sie au- den Flüchtlingen in Deutschland bewaffnete Korps bilden werden, die gewaltsam an unseren Grenzen und womöglich auch auf unserem Gebiet einschreiten werden. Die Tätigkeit dieser Gruppen hat auch bereits in den letzten 24 Stunden begonnen. Es ist h ö ch st e r 3 i) n 18 m u 8', wenn die durch diese öffentlich angekündeten Angriffsaktionen sudetendeutscher Ueberläufer hervorgerufenen Zusammenstöße in der deutschen Presse und im reichsdeutschen Rundfunk als von tschechoslowakischer Seite durchgesührte Angrisf-aktionen geschildert werden. Die tschechoslowakischen Sicherheitsorgane, die den unermeßlich schwierigen Dienst im Grenzgebiet versehen und ständigen Angriffen und Provokationen ausgesetzt sind, wahren streng st e Disziplin und bewun« dernSwerteZurückhaltung, damit nicht im geringsten der Vorwand zu der Behauptung gegeben werde, daß die Tschechoslowakei irgendein Gebiet de- Nachbarstaates verletzt hat. Auch in den Fällen, wo bewaffnete Gruppen von deutschem Gebiet auS Angriffe unternehmen, gehen unsere Organe bei der Verteidigung so vor, daß daS Abwehrfeuer nicht reichsdeutsches Gebiet erreiche. Die reichsdeutsche Propaganda aber verstört ohne Rücksicht aus die Wahrheit und die Tatsachen systematisch die Dinge in- Gegenteil und will auS den Angreifern Ueberfallene machen. In sUsn demokratischen Ländern entrüstete Ablehnung der Vorschläge Durch die Untersuchungen wurde ermittelt, daß alle Meldungen der reich-deutschen Preffe und de- Rundfunks über Grausamkeiten, die sich tschechoslowakische SicherheitSorgane oder Angehörige der Armee an sudetendeutschen Flüchtlingen oder gar an Frauen und Kinder hätten zuschulden kommen lassen, vollendete Lüge sind. Im Gegenteil wurde in der vergangenen Nacht festgestellt, daß bei dem Angriff auf da- Zollamt in Ober-Kleinaupa die Angreifer dicht hinter ihren Reihen auch Frauen und Kinder sichtlich mit der Absicht mit sich führten, damit durch allfällige Berlehung'irgend jemandes von ihnen Material zu Hetzpropaganda gegen die Tschechoslowakei gegeben werde. E» ist bezeichnend, daß die reichsdeutschen Meldungen von einem Angriff tschecho- swwakischer Wachorgane auf wehrlose Sudetendeutsche in Fällen sprechen, wo diese sogenannten wehrlosen Flüchtlinge eine vollkommene Kriegs» anürüstung mit Stahlhelmen hatten und wo sie nach dem Verlassen unsere- Gebiete- Militärgewehre und Handgranaten reich-deutscher Produktion hier zurückließen. Gegenüber dieser ganzen Kampagne von Lügen und Erfindungen konstatieren wir mit aller Entschiedenheit, daß auf tschechoslowakischer Seite alle amtlichen"und privaten Faktoren sich vollkommen korrekt verhalten, daß sie auch nicht in einem einzigen Fall die deutsche Reich-grenze überschritten oder auf andere Weise da- Gebiet de- Nachbarstaates verletzt haben und daß im Gegenteil in einer ganzen Reihe von Fällen bewaffnete Angriffe von der andern Seite gegen unser Gebiet unternommen wurden. über der Tschechoslowakei einzuhalten, nicht ge leugnet habe, aber ziemlich zu erkennen gab, daß cs sich zu einer militärischen Unterstützung Frankreichs nicht verpflichte, falls die Integrität Frankreichs nicht bedroht sein wird. Die liberale und die Labour-Presse gibt nur dem Gefühl unendlicher Beschämung Ausdruck und versichert, daß auch durch die Opferung der Tsche choslowakei der Friede nicht erkauft werden wird, im Gegenteil, die Jagd der Nationalsozialisten auf weitere Beute werde noch schärfer werden. Lord Cecil gegen Chamberlain London. In einem Briefe Lord Cecils an den«Daily Telegraph" heißt eS:„Ihr diploma tischer Korrespondent, der gewöhnlich ausgezeich net unterrichtet ist, sagt un-, daß die Regierung vor Hitler kapituliert habe. ES wird in keiner Weise angedeutet, daß Hitler die britische Regie rung davon überzeugt habe, daß seine Forderun gen gerecht sind. Die Kapitulation vor Hitler bedeutet eine Verletzung unserer Ver trag-Verpflichtungen, bedeutet eine große Steigerung de- Prestiges der uational» sozialistischen Regierung und ein dementsprechen des Sinken des Prestige- unseres Landes und vor allem bedeute sie die Annahme der Ansicht, daß das Einzige, das in internationalen Ange legenheiten Geltung hat, die brutale Kraft ist und daß die Hoffnung, sie durch Vernunft und I uisverpflichtungen und betont, daß auch England Versöhnlichkeit zu ersetzen, endgültig aufgegeben I durch die Entsendung Lord Runeimans gewisse | werden muß. Cecil."> Verpflichtungen auf sich genommen habe. So kann man den Frieden nicht sichern Brüssel. In politischen Kreisen Belgiens hat der Bericht über da- Ergebnis der englisch-französischen Beratungen ein gewisser Entsetzen her» vorgerufen. Die Mehrzahl der demokratisch denkenden Politiker verurteilt die Londoner Abmachungen. Aber nur Jexas im»Le Peuple" weicht einer scharfen Kritik nicht auS und stellt in der Ucberschrist die Frage:»Kann diese Lösung tatsächlich den Frieden sichern?" Er ironisiert in dem Artikel den Umstand, daß einer die Autorschaft dieser Lösung auf den anderen schiebt, verweist auf die tschechoslowakisch-französischen Bünd« bisher sprachen die Regierungen, jetzt meldet sich das Volk Zwischen feigem Aufatmen und Schande Pari-. Die französische Presse von der Linken bis zur Rechten kommentiert die Londoner Vorschläge mit Erbitterung. Im„Populaire" sagt Blum über die Folgen einer solchen Regelung: Der Krieg wird wahrscheinlich aufgeschoben, aber unter solchen Bedingungen, daß ich, der ich nie aufgehört habe, für den Frieden zu kämpfen und der ich dem Frieden seit Jahren mein Leben geweiht habe, keine Freude empfinden kann'und daß ich mich zwsschen ein feige- Aufatmen und zwischen die Schande'gestellt sehe." Entrüstung in Amerika New Fork. Die amerikanische Presse verurteilt mit scharfen Worten den französisch-britischen Beschluß, eine Abtretung sudetendeutschen Gebietes an Deutschland zu empfehlen.„New Jork Time-" schreiben: Die- ist da- Ende de- gesamten Sicherheitssystems, das durch die Nachkriegsverträge eingeführt wurde.„New Aork Herald Tribüne" schreibt: Die beiden großen Demokratien haben nicht nur die Tschechoslowakei auf dem Altar dargebracht, sondern ihr auch befohlen, Selbstmord zu begehen.„Die erste Ausgabe der hiesigen Blätte", depeschiert der New gorker Berichterstatter de-„News Chronicle",„Haben die Zeitungsverkäufer mit dem neuen Worte„Verrat" auSgerufen". Bon den amerikanischen Blättern äußern sich die„Chicago Daily NewS" am schärfsten:„W e l- chen Wert hat die Garantie Englands, daS seinePakte ignoriert, und Frankreichs, da- aus seinen Bündnissen Fetzen Papier macht? Wenn der Krieg durch die Opferung der Tschechoslowakei vermieden wird, waS werden sie gewonnen haben? Wird Hitler befriedigt sein? Wird dann Frieden sein?" Ablehnung in Australien London.„Sydney Morning Herald" sagt, die Opferung der Tschechoslowakei würde die Grundlagen jede- kleinen Staates innerhalb und außerhalb Europa- erschüttern. Niemand könne sich mehr auf die Hilfe der demokratischen Mächte verlassen und ein Minderheiten Problem könne man überall finden und entfachen, bis es den Diktatoren al- Krieg-vorwand dient: „Ist nicht auch Australien fo ein kleiner Staat, der auf Versicherungen feine- Schutze- durch die kollektive Sicherheit baut?" Beschämung und Widerstand in der englischen Oeffentlichkeit London. Die englische öffentliche Meinung in der heutigen Londoner Presse kann man in folgende Worte zusammenfaffen: Entschuldigungen und Scham. Am weitesten in ihren Ent» schuldigungcn und Erläuterungen gehen die „Time-". Die Blätter der Presselords(Beuver- brook und Rothermere)«Daily Mail" und «Daily Expreß" akzeptieren den Plan und verzeichnen sonst nur die Ereignisse. Die Erbitterung, die der Plan in der Tschechoslowakei hervorgerufen hat, wird im ganzen treu wiedergegeben, namentlich im„Daily Expreß". Die ersten Berichte über'die einmütige Billigung de- Plane- durch da- französische Kabinett werden auf da- wahre Maß zurückgeführt. Die „Time-" erklären in ihrem Pariser Bericht, die „Einmütigkeit" betraf nur da- Vorgehen und keine-iveg- den Inhalt de- Plane-. Do- Vorgehen besteht darin, daß der Plan der Prager Regierung vorgelegt werden, daß der Druck nur ein freundschaftlicher sein soll und daß im Falle einer Ablehnung die französische Ver» p f l i ch t u n g andauert. Die„Time-" tragen es mit sichtbarem Mißfallen, daß der Sprecher der französischen Außenministerium- den Versuch machte, die Schuld auf Großbritannien zu schieben. Er sagte nämlich, daß Großbritannien da- l Recht Frankreichs, seinen Bündnisvertrag gegen-1 Prag. Der Landespräsident in Böhmen hat in: Einvernehmen mit dem Präsidenten del Obergericht- und des ObetprokuratorS auch in den Bezirken Friedland In Böhmen, Braunau und Trau» tenau das Standrecht verhängt. Ein Schulfall der Gräuelhetze Prag. Das Linzer Blatt„Volksstimme" brachte eine später vom„Deutschen Nachrichtenbüro" verbreitete Meldung, daß zwischen den Gemeinden Leopoldschlag und Unterhaid ein Sudetendeutscher aufgefunden wurde, der bei dem Versuche, auf reich-deutsche- Gebiet zu gelangen, von tschechischer Seite erschossen wurde. Der Schwerverletzte soll noch in roher Weiße von Mitgliedern der tschechoslowakischen Finanzwache mißhandelt worden und es soll ihm im wahrsten Sinne de- Wortes der Schädel zertreten worden sein. Auch diese Meldung gehört in die Kategorie der böswilligen Erfindungen, durch welche der gute Name der tschechoslowakischen Grenzsicherheitsorgane geschädigt tverden soll, die sich durch ihr korrektes Vorgehen gegenüber allen Gewalttaten von der anderen Seite höchstens selbst in Todesgefahr beg^en. Durch eine strenge Untersuchung über den Inhalt der erwähnten Meldung Ivurde festgestellt, das; zlvischen den Gemeinden Leopoldschlag und Unterhaid überhaupt kein Su» dctendeutscher auf reichüdeutschca Gebiet überging. Um so weniger ist die Behauptung wahr, daß ein solcher erschossen und mißhandelt worden wäre. IS Vie mm Sintflut Roman von Noelle Roger Atu dem Franzötliehen Uberaetit von Im» Rlppot Ter Zug heilt, sie stiegen aus. Durch die Fenster ihres Hotels betrachteten die Geflüchteten den See, der am Fuße dunkler Abhänge seinen klaren, endlos scheinenden Spiegel in makelloser Reinheit hinbreitete. Allen entfuhr der gleiche Aufruf: „Der ist ruhig!" Mit Wollust sogen sie die frische Lust ein, loährend ihre Blicke am User entlang schweiften. Wie ferne Blumen gingen die ersten Sterne am rosigen, zum Wasser herabsteigenden Himmel auf. Schon fühlten sie ihre Unruhe schwinden. „Tas Wasser wird wohl schon aufgehört haben zu steigen", sagte Frau von Miramar. „Alles wird wieder ins alte Fahrwasser zurückkehren." Da zerriß ein Schrei die Stille der Tüm- merung. Ein Zeitungsjunge hatte sich vor das Hotel aufgepslanzt und schrie Nachrichten in die Welt: „Extraausgabe des Genfer Tagblatter... Allerletzte Telegramme... Tas Vordringen de- Meere-.,.." Die Passanten machten Kehrt, umdrängten den Jungen, rissen ihm das kleine Blatt auS den Händen, und liefen unter die elektrischen Straßenlampen, um es zu lesen. Mit einem Sprunge rannte Max die Stiegen hinunter, sprang auf die andere Straßenseite, wieder zurück hinauf und brachte das noch vom Druck feuchte Blatt. Er laS die Aufschriften vor, deren Riesenlettern einen tollen Reigen vor seinen Augen aujführten. „Paris in Gefahr..., der Verkehr an verschiedenen Punkten unterbrochen... Neue Schiffsuntergänge... Schiffe scheitern auf dem Fel-ufer.,., eine fünfzig Meter hohe Welle.." Diese hingeworfenen Worte, diese chaotische Aufzählung von Katastrophen schien sich mit ihrer Panik auf die Ruhe diese- klaren Augustabends zu übertragen. „Wir müssen um jeden Preis Walli- erreichen", murmelte Hubert.„Morgen mit dem ersten Zug müssen wir weiter." Die anderen schwiegen wie gelähmt. Al- sie endlich todmüde in ihren Betten lagen und auf Schlaf und Vergessen wie auf eine Gnade hofften, stand Hubert immer noch am Fenster und starrte auf den See. „Eine fünfzig Meter hohe Welle", grübelte er, wie von einem hellseherischen Angsttraum befangen. Wer weiß, was heute nacht geschieht..., was morgen geschehen wird..." Panik... man wird die Züge stürmen... Rasende werden ihre Waffen zücken... und seine Mutter, seine Schwestern werden allen möglichen Unfällen preisgegeben sein... Nimmermehr I.. aber wa- tun? Ein Auto? Nach Savoyen? Uber die Pässe? Und während die Stunden der Nacht langsam und ruhig hinfließen, sitzt er über einer Landkarte und kombiniert Wege. Die Namen verwirren sich ihm, der Tisch scheint zu wanken. Er sieht immer nur ungeheure Wogen, in denen Ueberseedampfer wie Spielzeug zerschellen. Air der Morgen graute, erhob er sich und ging fort. Erlief durch die menschenleeren Straßen und suchte alle Garagen oft. Als er zurückkam, erklärte er den Seinen, die in aller Eile gerade frühstückten, e- wäre besser über die Pässe zu reisen... Er habe auch schon ein Auto aufgetrieben.., der Chauffeur kenne sich zwar nicht gut auS..., aber da wären ja noch die Wegkarten. Rasch wurde alles besprochen. Schön..„ die Koffer würde man hier zurücklassen und nur das Unentbehrlichste mitnehmen, nur Handtaschen... In der Halle besprachen einige Frühaufsteher die letzten Nachrichten und zuckten mit den Schultern. «Fünfzig Meter hohe Wellen! Ist doch ganz unglaublich! Eine ganz außergewöhnliche Springflut dürfte es allerdings sein, aber die Kapitäne in Seenot Übertreiben bestimmt ganz gewaltig." Hubert ließ nicht ab, seine Familie zur Eile' anzutreiben. „Die dort wollen es nicht glauben... Aber wir, wir wissen ja... Rasch nur, rasch, bevor der Chauffeur es sich wieder überlegt." Sie ließen den Hafen hinter sich, den Bahnhof, die Stadt, die Vororte. Eine geheimnisvolle Schönheit lag über der auf dem Hügel gebetteten Stadt, über ihren Gärten, ihren Parkanlagen, wo sich die Spätsommerrosen in verschwenderischer Fülle aufs neue entfalteten. Ihnen schien sie wie ein Todgeweihter, der da- Verhängnis nahen sieht und ihm zulächelt. Bon der Straße, die sich am Abhang dahinzog, übersah man längere Zeit die blaue Wasserfläche. Die ganze zärtliche Fürsorge des Sommermorgens umschmeichelte ihre Ufer. Die Zollbeamten an der'Grenze ließen da- Auto passieren. Die Reisenden erreichten Thonon und gelangten in ein breite- grüne- Tal. E- Nlir ihnen, als ob diese Flucht, wie in einem Abdruck, niemals enden würde. Sie waren ganz still, nur das Brautpaar wechselte von Zeit zu Zeit ein leises Wort. Immer neue Hochtäler erkletterte der Wagen, das Hochgebirge rückte näher und am Rande der Straße zogen sich dichte Wälder. Der Frieden der Landschaft wirkte beruhigend auf die jungen Mädchen. Endlich kein Wasser mehr! Die Straße wurde schmäler. An den Abhängen verstreut lagen kleine Häu-chen, zu welchen sich Fußpfade schlängelten. Das Auto hielt. Beunruhigt blickten die Reisenden einander an. Vor ihnen erhob sich ein Kranz felsiger Berge, die ein breiter Streifen grünen Landes miteinander verband, und deren steile Hänge bis an die Straße reichten. „Der„Col de Coux", erklärte der Chauffeur. „Mit dem Auto gchts nicht weiter; hier hört die Straße auf. Aber zum Patz, können Sie zu Fuß hinauf, es ist nicht sehr weit, und auf der anderen Seite gehts hiunter zum Tal von Jlliez." Der Ausstieg über die steinigen Pfade war ziemlich beschwerlich. Hubert und Max trugen die beiden Kleinen auf ihren Schultern, und stützten ablvechselnd die verzagende Miß Maud, und di: vollständig erschöpfte Mutter. Der Tag ging schon zur Neige, als sie endlich die Schutzhütte am Paß erreichten. Sie lag an der Grenze, am Fuße drc zackigen Kette der„DentS Blanches" und recht» und links sah man die Täler im Dunst verschwimmen. Die Sonne ging auf der französischen Seite unter und vom goldschinunernden Himmel hoben die mächtigen Berge ihre violetten, immer mehr und mehr verblassenden Silhouetten ab, die schließlich am Horizont fast grau erschienen. In dem niedrigen Raum, in dem die Zollwächter der Schweizer Grenzwache ihren Kaff.-e tranken, bat Herr von Miramar um Betten. Der Wirt, ein stämmiger Gebirgler mit harten Zügen, betrachtete bestürzt dieses todmüde Häuflein Pariser, daS fast ohne Gepäck, in viel zu leichten Kleidern und in Straßenschuhen über die Pässe däherkam. »Betten. Hier gibts nur Heu", sagte er. Zum erstenmal seit der Katastrophe sanken die Flüchtlinge in traumlosen Schlaf. „Wie gut man im Heu schläft", flüsterte Avonne, als sie die Augen ösfnete. „Wo kann man sich da waschen?", fragte Gva, die als Erste wieder in ihre zivilisierten Gewohnheiten zurück verfiel. .(Fortsetzung folgte Mr. 222 Tschechische Blätterstimmen Die tschechische Presse ermahnt vor allem die Sevölkerung zur Ruhe und Ordnung. Einigkeit der Nation, die sich um den Präsidenten und die Regie. rung scharen müssen, sei oberstes Gebot. Einen bes ftimmteren Standpunkt zum Londoner Plan nehmen Sic nachstehenden Zeitungen ein: Ripka: ,, Unannehmbar" In den„ Lidové Noviny" schreibt Subert Nipta Mittwoch, 21. September 1938 Sudetendeutscher Zeitspiegel SdP- Gemeindevertreter gegen den Anschluß Wir haben unsere Pflicht erfüllt Seite 3 und es ist nicht unser Versagen gewesen, das den Staat und alle seine Völker in die heutige Wie herrlich unsere Menschen auch und ge- Lage gebracht hat. Alles in allem: Wir kön rade in diesen beispiellos schweren Tagen fämpfen, nen aufrechtgehen durch diese Zeit! darüber gibt nebst bielem anderen ein Appell in lind es gibt wenige neben uns, die das gleiche unserem Karlsbader„ Voltswille" Aufschluß. Es von sich fagen fönnen. heißt dort unter anderem: u. a.:„ Wir kennen bisher noch nicht genau den In Nestomis ist eine ArbeitsBeschluß der Londoner Konferenz. Es ist sicher, daß vereinbarung zwischen den tschechi mant als„ friedliche Regelung" die Abtretung der fchen Mitgliedern der Gemeindevertretung und überwiegend deutschen Gebiete an Deutschland und den drei SdP Gemeindevertre Diese Ueberzeugung muß uns die in eine neue internationale Garantie für die neuen tern Dr. Raffel, Richter( Beamter der Schicht. Komme, was wolle: Wir haben uns nere Ruhe geben, ohne die man in feinem tschechoslowakischen Grenzen beantragt, eine Garan- werfe) und Baumauer( Beamter der Solban" ich is borzuwerfen! Wir haben unsere Kampfe beſtehen könnte. Aus dieser Ueberzeu tie, welche auch Großbritannien auf fich nähme. Werke) suftande gekommen. Die drei Sb., Pilicht als Deutsche und als Sozialisten restlos aung aber wächst eine Kraft, die sich Reſpett verDöge man wie immer über diesen Untrag denken, Vertreter gaben eine Erklärung ab, in der sie erfüllt, wir haben dem Frieden und der Freiheit schaffen wird in jedem Falle, und die durch keine 23 iſt flar, daß ihn feine tschechoslowatische Regie sich gegen einen Anschluß an Deutschland ausgedient, wir standen immer in der ersten Kampf- fautsprecher und feine Flüsterer erschüttert wer rung annehmen kann. Wir haben ein Plebiszit ge- sprachen und den Partei führern der weihe gegen jedes Unrecht, das unserem Bolte an den kann. rabe deswegen abgelehnt, weil es die Gefahr territo SbPihr Mißtrauen wegen deren Anwälte der Hermiten unseres Stammes. Und rialer Aenderungen beinhaltet. Nun sollen wir auf Flucht aussprachen.( DND) sie eingehen? Was will man damit erreichen? Es wäre tat söchlich unbegreiflich, wenn jemand glaubts, bak Nach Deutschland Getan wurde, und wir waren die jederzeit getreuen Ein Aufruf der Jugend verschleppt und wir haben nichts zurückzunehmen von affedem, haben eine Million Flugzettel verAm Sonntag nachmittags wurde der Kome munist Willi Krieger in Fleißen- urts häuser in feiner Wohnung überfal Le n. SdP- Leute aus Fleißen überwältigten ihn und schleppten ihn über die nur fünf Minuten von den Häusern entfernte Grenze. man mit der Abtretung der deutschen Gebiete an Deutschland den„ Frieden" rettet. Bestenfalls würde die Entscheidung vertagt. Denn es handelt sich um feine„ sudetendeutsche Frage, ia nicht einmal um eine tschechoslowakische Frage, sondern um das Verhältnis Deutschlands zur übrigen Welt. Deutschland will die Sudetendeutschen, weil es mit Recht davon überzeugt ist, daß es die Tschechoslowas fet zersetzt, wenn es diesen Erfolg erreicht und da Der Sozialdemokrat Otto Michl aus mit der Herr des Donauraums wird. Welches wird Fleißen war auf Schwämmesuche. Auch er wurde, dann die Stellung der westlichen Großmädte fein? in Anwesenheit mehrerer Frauen, überwältigt Sieht man denn dort nicht ein, was in Frage steht? und dann über die Grenze gebracht. ... Auf feierlichste und verpflichtendste Art wurden Bei den Tätern handelte es sich um Sd Puns die heutigen Grenzen garantiert. Wir glauben, eute aus Fleißen. Angeblich sollen die daß die Unterschrift Frankreichs unter bie Integri- beiden Männer nach Rohrbach verschleppt worden tät der Tschechoslowakei, und dies ohne Einschrän sein. fungen, im bollen Bewußtsein der Folgen, die daraus erfließen, gegeben wurde. Aber auch Chamber Jain sprach von der Notwendigkeit der Erhaltung der tschechoslowakischen Integrität. Was gestern gegol Wie die Flucht ins Reich herbeigeführt wird! ten hat, gilt es heute nicht mehr? Und warum site das für morgen eine Verpflichtung sein? Fürchter Viele Tausende Deutsche aus der Tschecho lich ist die Verantwortung der Staatsmänner des slowakei find angeblich aus dem Grenzgebiete Westens, wenn sie selbst den Glauben an die Heilig nach Deutschland geflohen so melden die deuts feit internationaler Verträge erschüttern. Es wird schen Sender. Wie die Sache gemacht wird, soll cme Anarchie hervorrufen, welche nicht Salt machen hier an einem Beispiel beleuchtet werden. wird an ihren Grenzen und in ihren Besipurgen. In Neuern warnte der Bürgermeister Barum nur die deutsch- tschechoslowakischen Grenzen Dr. Steinbrenner, selbst ein SdP- Funktionär, revidieren? Warum nicht auch andere Grenzen? die Bevölkerung, den Gerüchten zu glauben; für Wird man den„ Frieden" immer durch eine neue Ordnung und Ruhe sei gesorgt. Am anderer Revision retten, wenn Deutschland mit dem Säbel Tage gingen zwei SdP- Leute von Haus zu bon Saus raffelt? Wenn man an einer der festesten, durch die Haus, um den Henleinleuten im Vertrauen" Natur am besten gezogenen Grenzen, wie es gerade mitzuteilen, daß nachts 300 Soldaten kommen die deutsch- tschechische ist, rühren will, wie werden würden, die zusammen mit den Sozialdemokra. andere, weniger gefestigte Grenzen widerstehen?" ten Haus für Haus durchsuchen und alle Henenlein- Leute nicht nur verhaften, sondern auch ,, Právo Lidu": Ohne die ČSR kann nicht mißhandeln würden. Das rief eine derartige entschieden werden" Panit unter den Gestiefelten hervor, daß alles, was laufen konnte, über die Grenze ging. Jene aber, die zu Hause blieben, suchten sich unserer „ Seien wir uns deffen bewußt: Die englisch französischen Beratungen in London konnten als Errebniß nur für bie tichechoſlowafiche Stegierung he stimmte Anträge bringen, nicht aber eine endgültige Lösung der Dinge. Ueber die Tschechoslowalei kann richt ohne die Tschechoslowakei entschieden werden. Es lann dies nicht und wird dies nicht sein, denn über ihre Zukunft entscheidet die Tschechoslowakei allein. In diesem Augenblid ist die Lösung der Dinge in den Händen des Präsidenten der Republik und der Regierung. Wir zweifeln nicht, daß sie zu einer guten Lösung fommen. Die gange tschechofiomatische Deffentlichkeit muß in diesen Schicksalsaugenbliden zum Präsidenten der Republik und zur Megierung Vertrauen haben. Erinnern wir uns nur daran, daß der Präsident der Republik Doktor Eduard Benes einer der Schöpfer unseres Staates, eine Persönlichkeit ist, ohne die die Tschechoslowatifche Republit nicht eristieren würde. Bedenken wir, engen en welchehe. Diejenige, der ven. leins, nichts geschehe. Diejenigen, die nicht davonlaufen konnten, schafften ihre Frauen und Kinder weg an die Grenze nach Hammer usw., damit sie gleich ins Reich" fonnten. das gibt uns jene Stärke, von der feine Verleumdung uns etwas nehmen kann. Wir brauchen ung nicht zu duden, vor niemandem uns zu schämen, was wir seit jeher gesagt und getan. An reinen Schild unserer fampfvollen Vergangenheit müssen alle Pfeile der Schmäher abprallen. Wir können und wir werden Saltung bes wahren in jeder Lage, die da kommen follte. Denn für die endgültige Beurteilung des Ginzelmenschen sowohl, als auch einer Partei ist schließlich nicht der jeweilige Erfolg des Strebens und Arbeitens, sondern die Lauterkeit des ollens entscheidend, und die wird uns gewiß niemand abstreiten können. Sätte man vor 1914 auf uns gehört, hätte man unsere schon 1899 gegebenen Ratschläge für die nationale Befriedung nicht verworfen, dann Die demokratischen Jugendorganisationen des Sudetendeutschtums, darunter der Soziali stische Jugendverband und der Klub ,, Die Tat" breitet, die einen Aufruf an die judetendeutsche Jugend enthalten. Dem Aufruf ist der Ausspruch Henleins vorangestellt:„ Mit Leuten, die das Sudetendeutschtum im Stich gelassen haben, lehnen wir jede Gemeinschaft ab". Diesen Ausspruch hat Henlein seinerzeit getan, als Krebs und Jung aus dem Lande geflüchtet waren. In dem Aufruf heißt es u. a.: ,, Sudetendeutsche Jugend! Die Führer ber SdP haben Dir die Erfüllllung Deiner Forderungen versprochen. Du hast ihnen Gefolg schaft geleistet. Sie haben Dich verraten. Sie haben das fudetendeutsche Volk zum Aufruhr gewäre wohl der Weltbrand von 1914-1918 bertrieben und damit die Gefahr eines schrecklichen mieden worden! Sätte unier Kampf um einen Weltkrieges heraufbeschworen. Ihr Aufruhr ist chrlichen und auch national gerechten Frieden, den mißlungen. Euch haben sie ins Verderben gewir in der Umsturzzeit geführt, damals Verständ- trieben und sind feige geflohen. Wir Subeter= nis gefunden, wieviel Furchtbares hätte sich die deutschen wollen als gleichberechtigtes Volf ein Welt ersparen können! Wir waren nicht durch Leben in Frieden und glücklicher Arbeit führen. unsere Schuld nicht start genug, unser ehrlich Darum kämpfen wir gegen den Krieg, für Arbeit Wollen zum Erfolg zu bringen, und dafür zahlen und gleiche nationale Rechte. Seite an Seite alle. Aber unsere Sände sind rein, und wir haben mit dem tschechoslowakischen Volk und allen an uns nichts vorzuwerfen. Wir haben im tschecho deren Nationen dieses Staates können wir diefictatischen Staate um eine friedliche Bereini- fes Ziel erreichen. Wit allen friedliebenden gung der nationalen Probleme ehrlich gerungen. Völkern gegen Raubkrieg, Haß und Tyrannei." Horthy in Deutschland[ wir jedoch ſtets Feinde eines vorzeitigen und unChamberlains Reise angebrachten Optimismus waren, warten wir, Berlin. Hitler hat Dienstag den unga- bevor wir uns äußern, bis der Vorhang nach allen rifchen Ministerpräsidenten Imredy und Außen- Aften fällt. Ich füge hinzu, daß ich sicher eueren minister Kanya in Berchtesgaden empfangen. Der Gedanken und eueren Gefühlen Ausdruck geve, Audienz wohnte auch Reichsaußenminister Nib- wenn ich sage, daß falls es zu einem Drama tomLentrop bei. Horthy soll bereits bei Göring in men sollte, wir dieſem begegnen werden. Ostpreußen fein. Dem Reuterbüro zufolge wird in deutschen Franco- Mißerfolg am Ebro politischen Kreisen erklärt, daß die Unterredungen des Reichskanzlers mit den ungarischen Barcelona.( A g. Efp.) Die im Dienste der En Staatsmännern in Berchtesgaden die judetendent Invasion stehenden Kräfte haben Montag unter the und die ungarische Minderheit in der Tiche- nech größerem Einias von Kampfmitteln als choslowakei betrafen. Sonntag ihre sehr heftigen Angriffe auf unsere Eisenstein. Auch der polnische Außenminister Bed ist Stellungen von Gaeta und nordwestlich von Parbei Göring in Ostpreußen eingetroffen. tida de Sanjuanas fortgeießt. Nach Bombardie rung durch sehr viele italienische Batterien und über hundert deutsch- italienische Flugzeuge ging die Rebelleninfanterie hinter zahlreichen Tants noch nicht sicher? achen die Höhen 496, 477 und 426 vor. Sie wurde wiederholt von den spanischen Soldaten London.( Reuter.) Wie Neuter meldet, zurückgeschlagen und ihre Reihen dezimiert. Zur werden den letzten Anzeichen zufolge die Vorbe Stunde der Ausgabe dieses Berichts greift der reitungen zum zweiten Besuche des Ministerprä- Feind ohne Rücksicht auf seine Menschenopfer an fidenten Chamberlain beim Reichskanzler Hitler und es wird erbittert gefämpft, ohne daß unsere nicht beendet sein, solange nicht in London die 2mien irgend eine Aenderung erfahren haben. Antwort der tschechoslowakischen Regierung ein Feindliche Angriffe auf die Höhe 544 in der Zone trifft. ven Gaeta sind gleichfalls völlig zurückgeschlagen Die Beratungen in London gehen in fast worden. Die republikanische Artillerie hat einen unvermindertem Umfang weiter. Außenminister feindlichen Tank zerstört und die anderen gehinHalifax wurde Dienstag vom König empfangen, Sert, sich unseren Stellungen zu nähern. Die den er über die letzten Ereignisse Bericht erstat- spanische Flugwaffe hat Patrouillen, Wach- und tete. Chamberlain empfing Sir Samuel Soare Schußflüge durchgeführt, die feindliche Flugwajje und Sir John Simon, der nachher Lord Halifar aber nicht zum Kampf bringen können besuchte. Nachmittags erschien im Außenministerium Lord Runciman. Auch die Unterstaats- Engländer in Dresden verhaftet sekretäre Cadogan und Vansittart nahmen an den Berlin.( Reuter.) Bei einer Manifestation Daß die Gerüchte über Auftrag der reichs, deutschen Propaganda verbreitet wurden, damit dann im Reich Schauermärchen erzählt werden fonnten, fiel den Flüchtenden nicht ein. leer ist. Deutsche Flüchtlinge Die Folge ist, daß Neuern brute balb verlassen Prag Am Montag wurde das Flüchtlingslager auf wie schwer es ist, sich vorzustellen, daß dieser Schöp- dem Prager Strahov- Stadion aufgelassen. Die fer der Republit irgend etwas unternehmen könnte, meisten der Flüchtlinge wurden in das Innere des was nicht in völliger Uebereinstimmung mit seiner Landes gebracht: sie wurden auf drei Bezirke aufBefreiungsarbeit wäre." geteilt. Es handelt sich fast durchwegs nm Frauen ,, České slovo: ,, Wir müssen verteidigungs- und Kinder, im ganzen um 1700 Personen. 300 Flüchtlinge, vornehmlich Männer, reisten in ihre fähige Grenzen haben" Eine entschiedene Stellungnahme bezieht auch Heimat zurüd. Die Bewohner Prags hatten sich der Unglüdlichen in der liebevollsten Weise angedas„ Tejté Slovo": " Die tschechoslowakische Nation muß, wenn sie nommen; fie brachten ihnen Geschenke aller Art, Teken will, einen Lebensraum haben. Es ist dies beſonders Geld, Kleider, Lebensmittel und Spiel- Vormittagsberatungen in Downing Street teil. der SdP in Dresden wurde Montag abends der ein Raum, welcher ein unteilbares wirtschaftliches zeug. Größere Geſchenke gaben einige Prager Nachmittags hatte Chamberlain eine Unterredung Storreſpondent des Reuter- Büros Kenneth Anders Ganzes bildet. Der Tschechoslowakei die Gebiete Firmen, so die Firma Weinmann ein Lastauto mit Eden. nehmen, welche einen unteilbaren Bestandteil dieſes mit Sohle, die Firma Kovacs 200 Spielsachen. Der franzöſiſche Botschafter Corbin besuchte win Whiteleather verhaftet und 114 Stnuden in Wirtschaftsganzen bilden, würde bedeuten, uns all. Beim Abschied von Prag fangen die Flüchtlinge in Lord Halifag nach der Veratung der Regierungs- Saft behalten. mählich auszuhungern. Wir müssen unsere Kohle tiefer Ergriffenheit die Staatshymnen. Vielen mitglieder. haben, wenn wir leben wollen, wir müssen unsere Teilnehmern an dem Abschied standen Tränen in Grenzwälder müſſen helche man militärisch verteidigen kann. Ceremonter baben, beir milfen eine Grenge haben, den Augen. Die vielen Beweise der Liebe, die den Flüchtlingen von der deutschen und der tschechischen son und der Vertreter der Associated Presse MelPolen gibt seinen Standpunkt Europa befindlichen Kriegsminister zurüdberufen. bekannt Abwehrvorbereitungen in Aegypten Kairo. Der Ministerpräsident hat den in Gleichzeitig wurde die Schaffung eines Unter staatssekretariats für zivilen Luftschutz beschlossen. Warschau. Wie die amtliche Polnische Telegraphen- Agentur mitteilt, wurden die Bot. Jugoslawischer Minister zurückgetreten schafter Polens in London, Paris, Rom und Belgrad. Der Minister für Körpererziehung Berlin beauftragt, den Regierungen dieser Mächte Dr. Bujić, der erst fürzlich sein Amt angetreten neuerlich den Standpunkt Bolens angefichts der hat, ist am Montag zurückgetreten, sein Nachfol Ereignisse in der Tschechoslowakei und der inter- ger wurde noch nicht ernannt. nationalen Lage in dieser Angelegenheit auseinanderzufchen. Kein Locarno und feine Garantie können uns Bevölkerung Prags zuteil wurden, werden immer Strategisch verteidigungsfähige Grenzen ersehen. Wir in der Erinnerung der Flüchtlinge bleiben.- Die haben noch kein Recht, etwas aus den bisherigen Bevölkerung der drei tschechischen Landbezirke hat Nachrichten zu folgern, aber schon der angeführte sich der deutschen Flüchtlinge ebenfalls liebevoll Antrag ist ein genügender Beweis dafür, wie wir angenommen. uns auf eine vertragliche Garantie in Bufunft vers Mitglieder Zuwachs in dieser Zeit! Die Tassen können. Wir müssen Grenzen haben, welche man militärisch schützen und verteidigen kann. fozialdemokratische Partei im Bezirk Stern= Diese zwei Tatsachen, das ist, ein Gebiet, wel- berg- Bärn befindet sich in einem neuen Wenn Amerika in den Krieg ginge... ches ein wirtschaftliches Ganzes bilden, und Gren Aufstieg. In der ersten Hälfte des Monates SepWashington.( Havas.) Finanzminister Morzen, die man militärisch verteidigen kann, sind die tember sind 13 Männer und 42 Frauen der Pargenthau erklärte Pressevertretern gegenüber, die einzige Richtschnur, an welche wir uns bei unserer tei neu beigetreten. Zuſammen haben also in Entschließung, die Börsen zu schließen, würde nur Görz.( Havas.) In einer Ansprache an die im äußersten Notfall und nur dann erfolgen, wenn heutigen Entscheidung halten müssen. Desterreich ist dieser Zeit 55 neue Mitglieder den Weg zur cine furchtbare Mahnung, welche uns dazu führt Partei gefunden. Dieſe Tatsache läßt den Schluß Bevölkerung in Görz erklärte Mussolini, er die Vereinigten Staaten an einem Striege teilneh= und führen muß, unser Leben, unseren Staat und zu, daß wesentliche Teile des deutschen Volkes die werde keine politischen Reden halten. Ich habe men würden. Morgenthau teilte ferner mit, daß bie Lebensbedingungen unserer Nation zu verteidi- Abenteurerpolitik der nunmehr aufgelösten SdP deutlich gesprochen, ſagte er, und es ist daher er mit dem britischen Botschaftsrat in Washington gen. Den gleichen Standpunkt mit uns teilt jener nicht mitmachen. Es scheint, daß der Bann gebros überflüssig, in die zu bringen, die den Eindrud Mallet über das Funktionieren der breiſeitigen Teil der Deutschen, welche mit uns lebten und welche chen wurde und alle Drohungen der SD, mit erwecken wollen, daß sie taub ſeien, um nicht Währungskonvention eine Beratung hatte, voch auch in Bufunft mit uns in Frieden und Zusam- denen dieſe ihre Macht über die Menschen aus- hören zu müssen. Es gibt nunmehr gewisse An- führte Morgenthau teine Einzelheiten an, was auüben versuchte, nicht mehr wirken, geichen einer Aufhellung auf dem Horizonte. Weil leigentlich bei dieser Konferenz behandelt wurde, menarbeit leben wollen," Eine neue Rede Mussolinis Seife 4 Mittwoch, 21. September.1938 Nr. 222 Schwert und Kelle Karel Capek an die Bürger des Landes Brünn an den Präsidenten und die Stadt Paris Brünn. Die Brünner Stadtvertretimg hat beschlossen, an den Präsidenten der Republik nach» stehende telegraphische Adresse abzusenden:„.Herr Präsident! Die zu einer ordentlichen Sitzung versammelte Stadlvertretung von Brünn toiederholl Ihnen in diesen schtveren Augenblicken Ihrer Hel« deiihaften Arbeit das Gelöbnis der Treue und Ergebenheit. Wir stehen hinter Ihne» und allen verfassungsmäszigeii Faltvren in allen Konse- quenzen bei der Verteidigung unserer Republik, ihrer Integrität und demokratischen Persassung. Auch an dei» Borsttzenden deS Munizipalrates in Paris sandte die Stadlvertretnng von Brünn ein Telegramm, in tvelchem sie in den schicksalhaften Stunden der Tschechoslvtvakische» Republik der gegenseitigen Freundschaftsbeziehungen nicht nur zwischen den beiden Städten, sondern auch zivischen dem französischen und tschechoslowakischen Volk wie auch der gemeinsamen .Kämpfe der französischen Armee und der tschechoslowakischen Legionen auf dem Boden Frankreichs in dem Vertrauen gedenkt, das; diese Freundschaftsbande von Dauer sein lverden. Treueerklärung der Oststowakei Kaschnu. Die vereinigten politischen und Gewerkschaftsorganisationen, welche die demokratische tschechische, ungarische und deutsche Bevölkerung der Ostslowakei zusammenfassen, haben eine gemeinsame Kundgebung erlassen, welche an die Regierung gesandt wurde. In dieser Kundgebung wird u. a. betont, das; die Bevölkerung der Ostslowakei fest hinter der Negierung steht, und daß alle ohne Unterschied der Partei und Rationalität bereit sind, die Integrität und Souveränität unseres Staates zu verteidigen. V. I. Kloftt— 70 Jahre Heute wird der Borfihende der tschechischen nationalsozialistischen Partei, B. I. KlosäL, siebzig Jahre alt. KlosäL ist der Begründer der tschechischen nationalsozialistischen Partei, die im Jahre 1897 ins Leben getreten ist. Im alten Oesterreich war eö die Aufgabe dieser Partei, vor allem den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu führen und die tschechischen Arbeiter für die nationale Bewegung zu gewinnen. Sie war die radikalste nationale Partei vor 1914. Im Weltkriege haben sich viele ihrer Anhänger an dem Kamps gegen Oesterreich beteiligt, sowohl im Inland als auch im Ausland. Klofäö selbst hat schon vor dem Weltkrieg Beziehungen zu den slawischen Kreisen Rüglands und des Balkans ausgenommen und mutzte dies im Weltkrieg mit seiner Berhastung und längerer Kerkerhaft bützen. Nach dem Umsturz Ivar KlosäL Verteidigungsminister im ersten Kabinett der Republik, seither hat er die politische Führung der Partei anderen überlassen und sich in den Senat zuriickgvzogen. Man mutz es ihm als ein Verdienst anrechnen, datz er bestrebt war, seine Partei in den Bahnen einer entschieden demokratischen Politik zu halten und die Interessen der ärmeren Volksschichten zu vertreten. KlosäL ist ein rechtlich denkender Mensch von liebenswürdigen Nmgangsformeil und auch bei seinen Gegnern beliebt. Naus Dienstordnung der Wehrmacht Prag. Der Präsident der Republik genehmigte die neue Ausgabe der Militärdienstordnung 1. Teil mit Gültigkeit vom 1. Oktober d. I. ES handelt sich um die grundlegende militärische. Vorschrift, deren neue Ausgabe nicht nur durch die Erfahrungen mit dem frühere» Text aus dem Jahre 1926 notwendig wurde, sondern auch durch die verschiedenen Veränderungen, die feit jener Zeit Im Leben und der Organisation der Armee eingetreten sind. In der neuen Ausgabe blieben im wesentlichen die eingelebten Prinzipien der früheren Ausgabe erhalten, denn die Erfahrung hat gezeigt, datz sie richtig waren. Die neue Ausgabe beschränkte sich darum auf eine übersichtlichere Anordnung deS Stoffes, auf dessen Ergänzung durch die in verschiedenen dienstlichen Publikationen zerstreuten Bestim- ninngen, auf eine klare Formulierung der bereits gültigen Vorschriften und erst in letzter Reihe auf eine Ergänzung durch die neuen Bestinunungeu, die aus der bisherigen Praxis, aus den neuen gesetzlichen Bestinunuugen und auS den inneren Veränderungen In der Armee hervorgeben. Hauptbestreben war die K l a r h e i t der Vorschrift, um die Möglichkeit verschiedener Interpretierungen ein und derselben Bestimmung zu beseitigen, weil die Möglichkeit verschiedener Interpretierung Unrichtigkeiten in der Durchführung herbeiführen könnte. Wichtige Neuerungen sind z. B.: Die Aende- rnng der Bestimmung über das Dienstalter und deren genaue Begrenzung auch für das gegenseitige Verhältnis von Angehörigen eines verschiedenen Wehrverhältnisses; die Errichtung einer neuen Wafseustandesgruppe„Der Armeegendarmerie" für Gendarmeriepersonen, die den aktiven Dienst bei der Gendarmerie verlassen; die Ergänzung des Kapitels über die Strafen durch eine neue Strafe bis zu 509 KL, die in bestimmten Fällen aüch Militärpersonen autzerhälb des aktiven Dienstes bei der Gendarmerie verlassen; die Ergänzung des Kapitels über die Strafen durch eine neue Strafe bis zu 590 KL, die in bestimmten Fällen auch Militärpersonen autzerhalü des aktiven Dienstes auferlegt werden kann; die genaue Abgrenzung, welche der Vorgesetzten disziplinäre Vollmachten und in welchem Matze besitzen. Bestimmungen über die Ausübung der militärischen disziplinären Vollmacht über Zivilpersonen, die den verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen zu- .Karel Capek hielt aestern im Prager Rundfunk kolaeude Ansprache: „Teure Mittürger, bald, bald schon endet die Llloche der Nngewlstheit, in der wir keden. Ob nun so oder so, wir werden sehen, woran wir sind und werden mannhaft den Dingen gerecht werden, die man unsererseits wohlüberlegt und enlschlossen siir notwendig beslnden wird. Inzwischen spielt sich der grausamste Kampf unserer jungen Geschichte ad. ES ist nicht nur ein Kampf um unseren Boden, eS ist auch ein Kampf ui» unsere Seele, um die Seele eines jeden unter uns. Wahret diese eure Seele in diesen furchtbaren Tagen der Prüfung, taht ge durch nichts ins Wanken bringen. Weichet nicht zurück in euren« Glauben, verlostet eure Hoffnung nicht: sittliche Positionen dürfen niemals ge- räum« werden, was auch immer geschehe. Unser nationaler Glaube, der Glaube der Hussiten und KomenfkiiS, der Glaube unserer nationalen Wiedererwecker, der Glaube Masa- r h k S, daS ist der Glaube an die Gerechtigkeit mid an die Liebe Gottes. Glaubet dem Bösen nicht, mag e» auch zeitliche Erfolge zu ernten scheinen. Wir werden eS erleben, glaubet mir, wir weedeneS erleben, daß daSBabhkon der Lüge und der Gewalt Zusammenstürzen wird; daS Rad der Geschichte läßt sich nicht aufhalten, die ganze Menschheit wird weder per» Ä-estmÜALeiten. Hetzer Im Hinterhalt Die bewaffneten Banden, die in der Nacht zum Dienstag an einigen Stellen die Grenze überschritten und die Zollämter angriffen, bestehen, wie amtlich gemeldet wurde, au« Angehörigen der sogenannten Sudetendeutschen Legion. Söhne der Heimat sind es, die den Kamps der Waffen in ihre Heimat trogen I Zu ihrer Entschuldigung kann nichts gesagt lverden. Denn datz sie sich schiver gegen die Gesetze des Staates vergehen, iviffen sie. lind sie sind, ob« zwar noch sehr jung, doch auch keine Kinder mehr — sie wissen auch, datz sie sich gegen die Gesetze der Menschlichkeit vergehen. Denn sie kounnen wirklich wie die Räuber in der Nacht, um Blut zu oergietzen. Und niemand wird behaupten können, sie handelten„nach revolutionärem Recht", im Namen des sudetendeutscheu Volkes. Nein! Das sudetendeutsche Volt will keine Revolution, will" nicht, datz seiner Heiinat wegen ein Krieg entbrennt, und dazu, einen Aufstand gegen den Staat zu entfachen, haben die Wähler und Anhänger der SdP dein Konrad Henlein nie Vollmacht oder gar Auftrag gegeben. Auch nicht und schon gar nicht dazu, sudetendeutsche Jünglinge zur Flucht zu verleiten und in belvaffnete Aktionen gegen den Staat zu treiben. Diese Verbrechen verüben die Henlein und Frank, die Sebekowsky und Sandner ohne Auftrag und wider den Willen der Wergrotzen Mehrheit des sudetendeutschen Volkes! Sie, diese Hetzer«in Hinterhalt, diese„Führer", die zu bedenkenlosen Verführern geworden sind, sie sind die wahrhaft Schuldigen! Einen Achtzehnjährigen kann man durch nationalistische Phrasen betäuben, man kann ihm einreden, er sei ein Biann, wenn er Schaftstiefel anzieht, man kann ihn glauben machen, er sei ein Held und Kämpfer für des deutschen Volkes Zukunft, wenn er belvassnet in seine Heimat eindringt und Handgranaten gegen ein Zollhaus wirft. Diese jungen Menschen wissen zloar, datz sie sich gegen die Gesetze auf das schwerste vergehen, aber die ganze Tragweite ihres Tuns verniögen sie doch nicht zu erkennen, denn sie sind noch nicht ausgereifte Männer. Die aber, die im Hinterhalt liegen und diese jungen Menschen vortreiben— die sind sich ihres Tuns ganz betvutzt und sie sind die Schuldigen, sie sind die grotzen Verbrecher! Hetzer iin Hinterhalt! I» der Dresdner Versammlung sudetendeutscher Deserteure schleuderten Sebekolvsky und Sandner wüste Kampsworte in den Saal.„Wir kehren kämpfend in die Heimat zurück."„Wir?" Die Sebekowski; und Sandner? Ach nein, sie nicht! Sie feuern die anderen an, aber Sie werden nie dort sein, wo wirklich gefeuert wird! Henlein wird iiz keiner Feuerlinie liegen. Ins folge während der Wehrbereitschaft des Staates in die militärische Kompetenz übergehen und Be- stimmungen über den Umfang der militärischen disziplinären Gewalt über Kriegsgefangene; detaillierte neue Bestimmungen über Belohnungen (Aliszeichnungen, belobende Anerkennungen) und eine Aendeying des JnstanzenzugeS bei Beschwerden. Für die TtaatSverteidigunsi. Der Arbeits- auSschutz der Jubiläumssammlung für den Staatsverteidigungsfonds weist a>n Montag, den 19. September, einen Gesamtstand der Spenden von KL 529,843.294.15 aus. Am Montag sind weitere KL 5,291.937,70 hinzugekommen. Die Zahl der Spender hat sich um weitere 18.198 aus 312.258 Personen erhöht. ruhen noch verdummen. Und Unvernunft und böser Mille werden nicht die Welt regiere««. Dieser Kampf wird ausgesochten werden, ob heute, ob in einem Jahre. Und unsere Position ist und bleibt immer klar und f st, denn unsere Seele«erden wir behaupten, und wenn die Welt zusammenbrechen sollte.- Tschechischer Mensch, slowakischer Mensch, d e u t s ch e r M i t b ü r g e r, der du die ehrlich dargebotene Hand nicht ablehnst, denket in diesem Augenblicke nicht selbftsüchttg an ener persönliches Schicksal: aber berauschet euch auch nicht an leidenschaftlichen Worten. Der Glaube ist ruhig. Der Glaube ist für lange. Wir müssen uns mit dauernden Gütern versorgen, um jedwede Prüfung zu Überleben. Wir werden sie bestehen, wir werden siegreich au» ihr hervorgehen, wenn wir uns an das Festeste klammem: an den Glanben an die Zukunft unseres Volke» und an die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere Weltordnung. An ihr werden wir Mitarbeiten, und wenn eS mit dein Schwerte in einer und den ArbeilSgeröten in der anderen Hand fein müßte. Für unsere Kinder werden wir ein sichere» Hau» errichten. Diese Prüfung wird keine vergebliche gewesen sein. Vielleicht war sie notwendig, damit die Welt klarer sehe, wa» vor ihr liegt. Vielleicht bereitm wir, gerade wir, in diesem Augenblick ein Weltgeschehen vor, in welchem die Wahrheit siegen wird. Wir werden alle» überdanem, um die» zu erleben." Feuer getrieben werden die verführte«« Jünglinge, die„Führer" bleiben Hetzer im Hinterhalt und im sichere«« Hinterland. Selbstmord oder Unglüdcsfall? Der 42 Jahre alte Elektromonteur Emil Eberle aus Sporitz wurde ain Sonntag im Kühlturmbecken der Poldihütte ertrunken'aufgesunden. Eberle hatte vorher ovdnungSgemätz seine Kontrollkarte gestempelt und war noch ein- «nal in den Betrieb zurückgegangen. Die Akten.tasche mit verschiedenen Dingen lag neben dem Kiiihlturm. Allgemein wird angenommen, datz Eberle in einem Anfalle von SinneSverwircung Selbstmord begangen hat. Keine Erschwerungen bei Auslandsreisen. In den letzten Tagen waren Gerüchte verbreitet, die von einer Erschwerung der Formalitäten bei Auslandsreisen wissen wollten. So wurde u. a. behauptet, datz tschechoslowakische Staatsbürger «nännlichen Geschlechtes im Alter zwischen 20 und 50 Jahren keine Ausreisebewilligung erhalten, auch lvenn sie nicht militärpflichtig sind. Wie der DND erfährt, beruhen diese Gerüchte auf Nn- tv a h r h e i t. Die Ausreise ins Ausland ist für nichtmilitärpflichtige Personen nur an die normalen Formalitäten-gebunden. Hingegen werden militärpflichtigen Staatsbürgern weder Ausreise« noch GrenzübertriitSbewilligungen erteilt.(DNB) Znfainmengeklebte 100-KL-Banknoten. Die Nationalbant teilt mit, datz in den letzten Monaten wiederholt 100-KL-Banknoten auftauchten, bei denen ein drei bis vier Millimeter breiter Streifen senkrecht herausgeschnitten und die beiden Teile wieder znsaimnengeklebt wurden. Die Banknoten werden dadurch kürzer und die Tschechoslowakische Nationalbank zieht bei der Einlieferung solcher Noten den Vorschriften entsprechend 10 KL ab. Es liegt im Interesse aller Bürger, solcherart geklebte Banknoten zurückzuweisen. Sieben Jahre für Totschlag. Beim Kreisgericht in Kaschau begann Montag die Herbstperiode des Schwurgerichtes. Vor dem Schwurgericht verantwortete sich der 30jährige Landlvirt Ondrej Goga aus der Gemeinde Eernä bei Vranov n.^eplou, der am 10. April d. I. in einein Gasthaus in Eernä beinahe ohne Ursache den 30jährigen Landwirt Jikl Eebra überfiel, mir einem Messer in den Hals stach und ihn dadurch Prag. Das Landesamt hat eine Kundmachung herausgegeben, welche die Schutzmassnahmen gegen Flugzeugangriffe lEPO.) in Erinnerung ruft. Der F l u g a l a r r.» wird durch Sirenentöne, die in Abständen von einer Minute wiederholt werden, Fabrikspfeisen, Hupen bekanntgegeben. Dar Ende des Alarms lvird durch einen langen Sirenenton oder Fabrikspfeifenton mitgeteilt. Fabriksund Alarmsirenen zu anderen Zwecken als zu den Signalen der C'PO. zu vertuenden, ist verboten. Wenn das Alarmzeichen ertönt, hat sämtlicher Strassenverkehr eingestellt zu werden. Eine Ausnahme gilt nur für Militär«, Polizei«, Feuerwehr-, SanitätS- und Aerztewagen sowie Wagen mit der Bezeichnung CPO., PPO. und ZPO. Die auf der Strasse befindlichen Menschen haben d i e S t r a ss e n z u r ä u m e n. In Bahnhöfen darf sich die Bevölkerung nicht aufhalten, da diese stark bedroht sind. Brücken mÜsseiT von Fussgängern und Wagen geräumt werden. Während der Dauer d- Alarm» müssen die Fenster der W o h n u n g e n geschlossen sein. Er ist nicht gestattet, sich auf Balkonen, ungedeckten Veranden und HäuSdächern..»kinhalten. Die Hauseigentümer find verpflichtet/der Bevölkerung zu gestatten, sich in HauSgängen, Durchhäusern/ KinoS, Tanzsälen und unterirdischen Räumlichkeiten aufzuhalten. Für die Ordnung im Hause hat. die HauS- wache, deren Mitglieder die vorgeschriebene.Armbinde zu tragen haben, zu sorgen.' Nach dem Schlusssignal des Alarm» darf der Wägenverkehr und.da» Die heutige deutsche lnland*Sendung Prog-Meknik: 10.15 Schulfunk.„Vorsicht auf dem Schulwege!" 10.35—11.00 Schallplatten. 12.10 Schallplatten. 12.15 Alexander Ferrini: Bor dem Globu». 13,50 Arbeitsmarkt. 18.00 Jugendstunde„Entdecker". 18.20 Arbeitersendung/ Dr. Svl» via Eltz: Krieg und: Völkerrechts 18,40 Sozialinsor- mationen. 18.45 Blaue Stunde(Gesang: Wilma Kijrer, Rolf Hartmann, Klavier: R. Rufs).' 19.80 Da» deutsche Handwerk, kulturhistorische Hörfolge.' 20.00 Unterhaltuug-musik. 20.50 Beethoven-Konzert.(Dir. Fr. Rieger.) 21.20 Dr. DojeZal: Ter liter. Widerhall von T. G. Masarhk» Tod. 21.40 Alte heimische Musik auf alten Instrumenten(Kam- mermusikvereinigung„Pro arte antiqtia"). 22.80 bi» 28.00 Populäre Musik(Schällplattei«".— Nachrichten ab 23.00. vttinn: 17.40—17.55 Dr. Lilli Fried-Pola- schek: Lerne deine Heiinat kennen. Burgruinen im Sudetengebiet. 17.55—18.00 Schallvlatten. 18.00 bi» 18.15 Wilma Staniek: Jugendstunde. eine so schwere Verletzung zufügte, datz Eebra am nächsten Tage starb. Goga verteidigte sich vor dein Schwurgerichte mit Trunkenheit, doch wurde festgestellt, datz er nicht so trunken war, datz er. für feine Tat nicht verantwortlich wäre. Das Schwurgericht sprach sich einstimmig für die Schuld Goga» au», worauf dieser zu sieben Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Scheunenbrnnd. In Gross-Hoftiz bei'Trop- pau brach Sonntag in der Scheuer der Landwirte EvZen und Pavel StÄlasa ein Brand au», durch den die Ernte und zahlreiche WirtschaftSgeräte vernichtet wurden. Beide Beine abgefahren. In der Station Lindenhan bei Eger glitt beim Verschieben-eine« Zuge» der 30jährige Eisenbahnbedienstete Karel Noväk, der als Zugsbegleiter Dienst versah, au», wobei ihm beide Bein« abgefahren wurden. Noväk erlag seiner Verletzung im Egerer Krankenhau». Er war verheiratet und Vater eine» Kinde». Acht Arbeiter erschlagen. Ein schwerer Un- glückssall durch Absturz von Gesteinsmassen ereignete sich ain Montag In einem der grössten Steinbrüche von Marino bei Rom. Acht Arbeiter wurden unter den Gesteinsmassen begraben... Schnell-ugs-usammenstoß. Bei Toriugo in Kalifornien stiessen zivei Schnellzüge der Süd- pazifikbqhn zusammen. Es kamen sechs Personen einschliesslich eine» Lokomotivführers und eine» Heizers ums Leben. Autobu» gegen Kleiubahnzu». Auf der ReichSstrasse Halle—Magdeburg fuhr Montag abends ein vollbesetzter Autobus mit solcher Wucht auf einen Triebwagen der Kleinbahn Wallwitz— Wettin auf, dass der Triebwagen au» den Schienen gehoben wurde. 14 Verletzte, darunter einige Schwerverletzte, wurden nach Halle ins Krankenhaus geschafft. Dort ist eine Frau ihren.Verletzungen, erlegen.,.. Sturmkatastrophe über Bueno» Aire». Dir Bundeshauptstadt und die Provinz Buenos Aires wurden am Montag von einer Sturmkataftrophe heimgesucht. 14 Personen wurden im Schlaf durch einstürzendes Gemäuer erschlagen. Die Zahl der Todesopfer dürste höher sein, doch fehlen amtlich- Angaben, weil die Telephonleitungen grösstenteils zerstört sind. Der Gesamtschaden ist sehr gross. Da» Wetter. Der Einfluss einer Druckstörung, die vom Westen Per über das Binnenland eingedrun- gen war und sich hier nahezu selbst aufgelöst hat. kommt in Böhmen nur durch ettvas verstärkte Bewölkung zum Ausdruck, Unabhängig davon nimmt die Bewölkung, auch im Gebiet der Karpathen zu. In« ganzen herrscht jedoch in unseren Gegenden, noch immer schöne- Wetter und die Nachmittag-tempera- turen stiegen Dienstag meist auf 18 bi» 21 Grad an.,— Wahrscheinliche» Wetter Mittwoch: In den böhmischen Ländern verstärkte Bewölkung, aber nur ganz vereinzelt Schauer und zeitweise wieder aufklärend, ziemlich warm. Im Kärpatbengübiet'Andauern de» bisherigen WittermigScharakterS mit beträchtlichen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.— Wetteraussichten Donner- t.a a: Weitere allmähliche Verschlechterung vom Westen her. Herausströmen der Bevölkerung au» ihren Teckim« gen erft bann gestattet werden, wenn e» die Organe de» Ordnungsdienstes erlauben. Die Kundmachung enthält ferner zusammengefasst die Vorschriften für dieB e r d u n k e l u n g. In allen Wohnungen, privaten und öffentlichen Gebäuden müssen solche Vorbereitungen getroffen werden, damit ,im Falle eine- Alarm-, kein Lichtstrahl nach aussen durchdringen kann., Hauptsächlich soll mgn auf Lichtschächte, Atelier-, verglaste Veranden. Hofwohnungen, schräglieaende Fenster, elektrische Uhren, Geschäft-au-lagen, Lichtwegweiser. Lichtreklame, beleuchtete Hausnummern usw. achten. Elektrische Taschenlampen müssen mit Blaulicht versehen fein. E- jst verboten, auf der Gaffe Zündhölzer und-Feuerzeuge anzuzünden. Gräber, und Grabsteine dürfen keine'Lichter tragen. Die Bevölkerung wird ferner darauf aufmerksam. gemacht, dass da» Besteigen von Zügen. Autobuffen, Elektrischen, nnt der grössten Vorsicht zu geschehen, hat. Der Bevölkerung ist nicht gestattet,' in den Zügen und Autobussen sowie Elektrischen Laternen oder Taschenlampen zu benützen. Die HauSwachen find für die Einhaltung'der Vorschriften- verantwortlich. Den- Weisungen- der Organe der CPO. ist unbedingt Folge zu leisten. Bei Nichtbefolgung sind schwere Strafen vorgesehen. Wird durch die absichtliche Nichtbefolgung eiiiörÄerdunke- lungsvorschrift der Tod einest Menschen verursacht, so kann der Täter m i t d e m,T o d e bestraft werden:* Das Verhalten bei Hugalarm Nr- LS2 Mittwoch, 21. September 1038 Sille S und SoMpMik Streiks im August Prag. Laut Mitteilung dcS Statistischen StaatSamte» gab eS im August 23 Streiks lim Juli 88), davon waren 13(29) Eingelstreiks und 4(6) Gruppenstreiks in 46(68) Betrieben. In den betroffenen Betrieben waren 16.249(6674) Arbeitnehmer, von denen 2820(8210) streikten und 808(161)'infolge Streiks feierten. JnSge- amt betrug der Verlust an Arbeitszeit bei den Streiks 21.974(28.878) Arbeitstage und der Lohnverlust 488.887(827.264) XL. Nach Gewerbeklassen entfallen sieben Streiks auf die Stein« und Erden-Industrie(1820 versäumte Arbeitstage), sechs Streiks auf die Baugewerbe(11.049), drei Streiks auf die Glasindustrie(1889), fe zwei'Streiks auf den Bergbau (79), die Holzindustrie(8844), die BcklcidungS« und Schuhindustrie(417) und ein Streik auf die Textilindustrie(88). Die Forderungen: Bei einem Streik wurde die Nichtktirzung der Löhne(83) verlangt, bei 18 Streiks eine Lohnerhöhung(14.209), drei Streiks hatten sonstige Lohnforderungen(146), fünf Streiks verschiedene andere Forderungen'(6138) als Ursache und eine Forderung ist bisher noch nicht bekannt(80). Das Ergebnis war für die Arbeitnehmer in sechs Fällen ein voller Erfolg(1037), in fünfzehn Fällen ein Teilerfolg(14.089) und in zwei Fällen ist das Ergebnis nicht bekannt(8430). Auf Böhmen entfallen 13 Streiks(8844), auf Mähren und Schlesien drei Streiks(2040), auf die Slowakei fünf Streiks(9384) und auf Karpathorußland zwei Streiks(818). Aussperrungen gab es im August nicht. Die LandeSbank für Böhmen wird vom 27. September 1938 angefangen an Werktagen die Oktober-Coupons Nr, 48 ihrer 4.8 Prozent Kom« I mnnal-Schuldschcine, Nr. 26 ihrer 4.8 Prozent l Meliorationsscheine, Nr. 97 ihrer vierprozcntigen Fondsschuldschcine in Guldenwährung, Nr. 61 ihrer vicrprozentigen Fondsschuldscheine in Kro- ncnwährung, an ihren Kasten in Prag, Preßburg und UZHorod einlösen. Sommerliche Indiskretionen Die Kleinbauern und HKusler beim Landwirtschaftsminister Prag. Am 20. Septcinber sprachen Per« bandsobmannstellvertrcter Rupprecht und Sekretär Fleischer beim Minister für Landwirtschaft, Dr. Josef Zadina, vor, um ihn über aktuelle Fragen der sudetendeutschen Landwirtschaft zu informieren. Sie verwiesen auf einige Probleme in den Randgebieten, die einer dringenden Lösung bedürfen.' Der Minister teilte mit, daß in dieser Richtung bereits Bestrebungen im Gange sind und er weitere Schritte unternehmen werde, um die deutsche demokratische bäuerliche Bevölkerung vor Schaden zu bewahren. Die Deputation verwies auf die Tatsache, daß. sich alle anderen deutschen landwirtschaftlichen Bcrbäude der Henleiiwewc- gung unterstellt haben, während der Zentralver« band der deutschen Kleinbauern und Häusler als alleinige demokratisch gebliebene bäuerliche Organisation dem Ansturm der Henleinbewegung standhielt und ihre Mitglieder nach wie vor treue Wacht im Grenzgebiete halten. Es wäre deshalb nur recht und billig, wenn der Forderung des Verbandes nach Gleichberechtigung entsprochen würde. Ter Minister anerkannte die Berechtigung dieser Forderung. Die Deputation verwies weiteres darauf, daß das Landwirtschaftsministerium durch eine großzügige Aktion für die sudetendeutsche Landwirtschaft einen wertvollen Beitrag zur Wiederfindung der Nationen in diesem Staate leisten könnte. Der Minister stimmte dem zu und erklärte, dir. Verhandlungen über die einzelnen darauf sich beziehenden Maßnahmen, die in einem ihm überreichten Memorandum zusammengefaßt sind, nach Entscheidung der Kardinalfragen aufzunehmen.. Höhere Steuereinnahmen Die bisherige steigende Tendenz des Bruttoertrages der Steuer nnd Gebühren hält auch im August 1988 weiter an. Die Einnahmen betrugen im August(in 1000 Kronen): Direkte Steuern 269,421, Umsatzsteuern 887,618, Zölle 88,919, Berbrauch»- stcucrn 246,886, Gebühren 189,788, Monopole 8,381, insgesamt 1.097,918. In den Monaten Jänner bis August betrugen sie.(in 1000 Kronen): Direkte Steuern 2.894,999, Umsatzsteuern 1.984,781, Zölle 483,480, Verbrauchssteuern 1.704,791, Gebühren 1.188,313, Monopole 48,884, insgesamt 7.706,868. Der GesamtzuwachS für August 1988 gegenüber August 1987 beträgt rund 274 Millionen Xö, d.£ 88.8 Prozent und für den Zeitraum Jänner bis August 1988 gegenüber derselben Periode des Jahres 1987 beträgt er zirka 1286 Millionen Xi-, d. f. 19.1 Prozent. Den größten Zuwachs weisen wiederum dir direkten Steuern aus, und zwar gegenüber August 1987 um zirka 137 Millionen XL und gegenüber der Periode Jänner bis August 1937 um zirka 663 Millionen XL. Es folgt sodann die Umsatzsteuer und Luru», steuer mit einem Zuwachs von 84 Millionen Xi, refp. 288 Millionen XL, weiters die Verbrauchssteuern mit einem Zuwachs um zirka 40 Millionen XL, resp. 201 Millionen XL. Die Gebühren mit einem Zuwachs um 44 Millionen XL, refp. 167 Millionen Xi und die Monopole mit einem Gc- samtzuwachs um 8.8 Millionen XL. - Nur die Zölle weisen einen Rückgang auf, und zwar im August 1988 um zirka 1.8 Millionen XL und in der Periode Jänner bis August 1938 um rund 83.8 Millionen XL. AuS den angeführten Daten ist ersichtlich, daß die Einkommenwirtschaft dcS Staates sich bisher sehr günstig entwickelt und daß das Ergebnis als sehr zufriedenstellend angesehen werden kann. Godesberg Selbst geographisch hervorragend bewanderte Zeitgenoffen werden bisher kaum gewußt haben, daß es einen Ort mit Namen Godesberg überhaupt gibt, oder mindestens werden sie nicht in der Lage sein, aus dem Kopf heraus genau anzugeben, wo GodeSbepg, das plötzlich in den Mittelpunkt des WeltintereffeS gerückt ist, eigentlich liegt. Nur Freunde der Rhein-Romantik, die vielleicht einmal eine Fahrt auf dem Rhein so von Bonn bis Koblenz gemacht haben, werden in ihren Erinnerungen neben den Namen Bingen, Mäusetuvm, Loreley vielleicht auch noch den Namen Godesberg im Gedächtnis haben. Jene Zeitgenoffen, die ihre Bildung aus den Kreuzworträtseln schöpfen, werden schon eher anzugeben vermögen, daß Godesberg ein Dorf und Badeort im Regierungsbezirk Köln/ Landkreis Bonn, ist. ■ Und wenn man nun noch gar ein Konversationslexikon zu Hilf« nimmt, so kann man dort in drei Teilen nachlesen, daß Godesberg annähernd 9000 Einwohner, eine eisenhaltige Quelle, drei, katholische, eine evangelische Kirche und eine Synagoge hat.. Die evangelische Kirche und die Synagoge sind für die, nach godeSbergisch- amtlicher Statistik festgestellten, jährlich eintreffenden 6000 Fremden bestimmt, denen-auch das eisenhaltige Mineralwaffer reserviert ist. Die Rheinländer jedoch sprechen den Namen Lieber Freund I Heute fragte ich die zlvölfjährige Susi, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Stier und einem Ochsen in der Land-, bzw. Biehwirtschast ist. Die Sufi, eine goldene kleine echte Frau, wurde ein bißchen verlegen und suchte nach einer paffenden Art, mir das Wesentliche auSeinanderzufetzcn. Dann kam die Antwort:.Wissen Sie, bei Blumen ist das ... also ich meine: ES gibt eine Blüte, die hat Staubfäden und Fruchtblätter... und das ist der Ochs". Ich habe das hierhergeschrieben, nicht um meinen Brief mit einer Pointe einzuleiten; es hat sich wiÄlich ereignet, weil ich einfach den Unterschied nicht kannte. Und ich wollte Ihnen das nicht vorenthalten. Ich fürchte, Sie haben fo wenig Vertrauen zu meinen diesbezüglichen Kenntnissen, daß Sie mir ohne weitere Verficherungen diese Sach« glauben. Und das war noch nicht einmal die erste Blamage, die ich mir geholt habe. Ein Glück, daß ich von den beiden Kindern gar nicht erst großen Respekt (diese Art äußerlichen Respektes, wie etwa alte» Tanten gegenüber) verlangte. Man tut gut daran, feine eigenen Grenzen zu kennen, besonder» dann, wenn man. so wie ich, gan- plötzlich zwei neuen Lebens- und WirkuNgSgebieten gegenvbergestellt ist: dem ständigen Zusammensein mit Kindern und dem Lande, fern von feder Stadt.• Wenn die Kinder ahnten, was für eine Angst" ich hatte, ehe ich zu ihnen kamt Wie di« Angst sich steigerte mit jeder Stunde, die mich meinem Ziel näherbrachte l Im Zug fiel mir ein, wa» alles an pädagogischen Werken ich eigentlich hätte studieren müssen, angefangen etwa von der Rouffeauschen Heloise. Nicht» hatte ich studiert. Und nicht» weiter wußte ich,, al» daß die beiden Mädel» 12 und 18 Jahre alt sind und äußer ungarisch, slowakisch und tschechisch auch deutsch sprechen. Und daß ich dort zwei Monate Bast sein sollte mit der Ausgabe, di« Kinder zu betreuen und mit ihnen Englisch zu lernen und Gymnastik zu treiben. Und nicht» hatte ich dazu studiert... E» geht alle» gut. E» geht sogar ausgezeichnet. Da» Leben hat mich ganz zufällig mit einigen Dingen aulgestattet, die mir sehr zu Hilfe gekommen find. Für die meisten davon kann ich nicht». E» ist nicht mein Verdienst, daß die zahllosen.Kinderfräulein»". die mir vorangingen, lauter alte Schachteln waren, gegen die meine immerhin nicht abzuleugnende Jugend(Sie widersprechen doch nicht?!) vorteilhaft«cksticht. E» ist ferner ein reiner Zufall, daß ich mich in der Welt der Filmlieblinge einigermaßen gut auitenne und so mit der heftig auto» grammsammelnden 18jährigen Eva beinahe wissenschaftlich fachsimpeln kann. Ich segne heute die Godesberg mit einem verklärten Gesicht aus. Denn im ganzen Rheinland ist Godesberg dafür berühmt, daß eS dort angeblich die meisten und hübschesten Mädchen gibt, was viel sagen will, da der Ruf der Rheinländerinnen in bezug auf Schönheit dank der emsigen Tätigkeit romantisch veranlagter Dichterlinge längst überall in der Welt bekannt ist. Tatsächlich hat Godesberg eine größere Zahl von Mädchcnpensionaten. In diesem Punkt ähnelt der neue europäische Konferenzort also der Völkerbundstadt Genf, die ebenfallllS dank der dort vorhandenen Mädchen« pensionate in den Ruf gekommen ist, die schönsten Mädchen der ganzen Schweiz zu beherbergen. Wenn die Schönheit der Mädchen in Godesberg zu den Ergebnissen der Diplomatenkonferenz da» gleiche Verhältnis erlangen soll wie das Verhältnis zwischen der Politik in Genf und den dortigen Mädchenschönheiten, so darf man den Ergebnissen von Godesberg mit einem getviffen Mißtrauen und größtem Pessimismus entgegen sehen. Hoffen wir. daß wenigstens in diesem Punkte das- alte Sprichwort zutrifft: Andre Länder— andre Sitten, und daß der Anblick der fchönen, jungen Mädchen die Herzen der Diplcunaten weich und für menschliche Regungen zugänglich macht. Möge nicht Mars, sondern Venus über Godesberg in diesen Tagen regieren. Politischen Ehrgeiz hat Godesberg bisher eigentlich niemals erkennen lassen. Erzbischof Energie meiner Mutter, die mich immer in die Bym- nastikstunden trieb, und bilde mich täglich und stündlich zur Heldin aus in Anbetracht meiner seit geraumer Zeit untrainiert gewesenen Muskeln; Sie glauben gar nicht, was für einen Ehrgeiz die arg kritischen Blicke der Kinder und die gefährlich üppige Kost in einem wachrufen können! Und die englischen Stunden, die ich in den letzten Jahren nahm— ein wahre» Glück! Oh, ich entdecke lauter neue Talente in mir, lieber Freund! Ich kann ja sogar Phantastetänze nach Grammophonplatten machen! Ich kann ja au» dem Lehm, den wir un» gleich neben dem Hau» in der Grube selbst stechen, die komischesten Dinge modellieren! Ich kann ja sogar»Mensch, ärgere dich nicht!" spielen und mich furchtbar ärgern, wenn ich verliere— und ich verliere fast immer! Und ich kann auch den Mund halten und mit großem Ernst den kindlichen langwierigen Erzählungen zuhören, so wie einem Kolleg über Philosophie— und ich darf Ihnen verraten, daß e» manchmal interessanter und philosophischer dlchei zugeht. Bor allem aber weiß ich jetzt eins: Daß man gar keine pädagogischen Werke studiert haben muß, um mit Kindern umgehen zu können. Liebhaben muß man sie, nicht» al» die». Dann findet man ganz von selbst den richttgen Ton, mit ihnen zu sprechen— dann überwindet, bzw. verbirgt man auch gern seine Angst sowohl vor ihren neugierigen Blicken(die natürlich nicht» mit der häßlichen Indiskretion unter un» Erwachsenen.zu Inn haben!) wie'auch die Angst vor-den Bürsten, Kletten, wassergefüllten Schüsseln und ähnlichen Dingen, deren Bestimmung eS ist, unter dem Leintuch de» Bette» ein kurze» Abenteurerdasein zu führen, bi» sie einem ganz überraschend alle Müdigkeit der nächtlichen Stunde vertrieben haben. Nur durch Lächeln, Lachen und selten ein ernstgesproche- ne» Wort und außerdem durch Brücke(von oben!), Handstand, Deitsprung Wer- vier Meter, durch gelegentliche» nichtsalonfähige» Meloneneffen und dergleichen kann man Kindern imponieren— wenn Sie wollen, können Sie da» erfreuliche Resultat, da» sich dann Im Zusammenleben zeigt, auch Respekt nennen. Ich habe in dieser Beziehung einigermaßen meine Anschauungen revidiert. Und e» geht mir gut dabei und den Kindern auch und da» ist schließlich aus- schlaggevend. Haben Sie keine Angst, daß ich diese meine neuen Erfahrungen in Ver» oder Prosa nun zu einem pädagogischen Werk aurbauen würde. Ich unierlaffe da» nicht nur au» Rücksicht auf Ihre Wertschätzung, an der mir gelegen ist, sondern vor allem deshalb: Ich glaube, daß jede wirkliche Frau im Bedarfsfall« ohne Anleitungen auf diese einfachsten, menschlichsten und schönsten Erziehung»- methoden kommen wird. DaS also ist mein neue» Lebenigebiet. Da» andere ist da» Land. Dazu könnte ich sagen: Ich Dietrich I. ließ in den Jahren 1208 bi» 1218 das prächtige Schloß Godesberg erbauen, nachdem der Ort, der sich erst später entwickelt«, seinen Namen bekam. Dieses Schloß stand genau 870 Jahre, in den Bauern- und Religionskriegen wurde cs 1683 von banrischcn Aufständischen zerstört. Uebrig geblieben ist nur der dreißig Meter hohe Rundturin, der heute als eine Ruine mehr am Rhein steht und die Rhein- Reisenden in Entzücken und Dichter gar in Ekstase versetzt, so daß sie nicht umhin können, sofort den Bleistift oder Füllfederhalter zu zücken und drauf loszudichten. In GodeSherg soll Heinrich Heine, als er dort einmal unfreiwillig übernachten muhte, seine„Loreley" gedichtet haben, das Lied mit den Anfangsworten:„Ich weiß nicht, was soll«S bedeuten, daß ich so traurig bin...", jenes Lied, das die Deutfchen immer dann singen, wenn sie am lustigsten find. Der Name des Autors darf im Neuen Deutschland allerdings nicht mehr genannt»werden. Mit dieser Feststellung begeben wir uns aber bereits wieder in das Gebiet der hohen Politik, was in diesein Zusammenhang unbedingt zu vermeiden ist, da die hohe Politik in Godesberg in diesen Tagen ausschließlich jenen Herren referviert ist, die in dem romantischen Rheinort über das Wohl und Wehe von Millionen Menschen, Männer, Frauen und Kinder auf der ganzen Welt zu entscheiden haben-«, Erich R o s e ck. Man erhalt für KL 100 Reichsmark 503.— Markmünzen.... 755.— 100 rumänische Lei...» 17.00 100 polnische Zloty... 553.50 100 ungarische Pengö... 578.50 100 Schweizer Franken., 606.— 100 französische Franc».. 80.45 1 englische» Pfund... 143.— 1 amerikanischer Dollar.. 29— 100 italienische Lire... 134.40 100 hoNändische Gulden.. 1587.— 100 jugoslawisch» Dinar«.■ 64.80 100 Belga»....■■ 491.— 100 dänische Kronen««, • 633.— 100 schwedisch« Kronen,» 738.— habe bisher nicht gewußt, wie städtisch ich war— und da» ist kein Kompliment. Meiner Ochsenanekdote vom Anfang de» Briefe» möchte ich in einer Regung fanatischer Ehrlichkeit noch hinzufügen: Neulich habe ich gegen Eva eine Wette verloren. Da» kam so: Im Garten liefen einige Hühner herum. Ich gab meiner Verwunderung über diese Hühnerrasse Ausdruck, die am linken Flügel unter all dem braunen Gefieder jeweils eine hellblaue Feder hat. Eva zeigte in einem Triumphlachen ihre starken weißen Zähne und sagte mir dann, da» wäre«in blauer Fetzen, den man den Hühnern al» Erkennungszeichen dorthin gebunden habe. Ich bin aber im Besitze guter Augen und eine» beträchtlichen Starrsinn» und erklärte, ich sähe deutlich, daß da» Blau« Federn sind. Wir wetteten um eine Tafel Schokolade(haben Sie Kinder schon um wa» andere» wetten gehört?), Eva fing eine Henne ein— und au» der Nähe erkenne ich, daß der blaue Fetzen noch dazu weiße Tupfen hatte... Diese und ähnliche Begebenheiten(die ich schamvoll verschweige) hatten zur Folge, daß ich außerhalb de» Hause» ziemlich schtveigsam geworden bin und meist meine Ansichten für mich behalte. Da» ist auch für etwa» gut. Man genießt all da» Neue viel mehr. Da» Gut hier liegt in einer fruchtbaren Pußtalandschaft, ganz nahe der ungarischen Grenze. Die Felder mit Getreide, Tabak, Kukuruz(Sie nennen e», glaube ich, Mai») und Paprika reichen bi» zum Horizont. Wir fahren mit einem kleinen leichten Pferdewagen auf schmalen Degen dazwischen herum. Jetzt ist der Drusch beendet, aber al» er noch dauerte, standen wir stundenlang neben den Maschinen und lernten au» eigener Anschauung, wa» da» ist: Die Spreu vom Weize sondern. Mit weiß« bestäubten Köpfen kamen wir heim. Vor wenigen Tagen war da» Erntefest. Ungarische Schnitter brachten im Sonntagsstaat einen herrlichen Erntekranz, ein Bauernmädchen trug unter schrecklicher Aufregung stotternd ein Bedicht vor und dann wurde im Hof getanzt. Esarda», mein Freund! Ich führte mit meinem.Herrn", einem zwei Meter großen Schnitter, ein Ballgespräch, da» au» meinen drei ersten ungarischen Worten bestand:.Schön— Liebe — ich verstehe nicht". Glauben Sie mir: ich hab« mich selten so gut unterhalten— und mein Tänzer wahrscheinlich auch; bei diesen Worten ist ja die Reihenfolge wichtig, in der man sie immer wiederholt; ich weiß sie nicht mehr genau... Einen Pfau haben wir im Barten, er heißt Laci und die Kinder behaupten, er kennt seinen Namen. In den Ställen sind hunderte von Tieren; mir imponieren am meisten die ungarischen Ochsen, weißgrau, mit riesigen, herrlich geschwungenen Hörnern und einem ganz leichten, wiegenden Bang. E» ist wunderbar, lieber Freund, ein Brot zu essen, da» man selbst mit au» dem Backofen schieben half; der Roggen dazu ist von den eigenen Feldern. Gestern haben wir mit den singenden slowakischen Mädchen Tomaten gepackt, die in die fernen großen Städte geschickt wurden: jede» einzelne Stück muß gut obgewischt werden, sie müssen fest aneinander, ohne Zwischenräume, in den hölzernen Steigen geschichtet werden. Dann gingen wir durch eine der riesigen Tabatscheunen, die schon von unten bi» dicht unter da» Dach gefüllt sind mit aufgefädelten Tabakblättern, die dort zum Trocknen hängen; ein Duft ist in solcher Scheune, dessen Reinheit und Stärke ich Ihnen kaum beschreiben kann. Und die mühsame Arbeit wie vieler Hände steckt hinter all diesen Dingen! In kurzer Zeit wird der Hof rot sein von der Paprikamühle her. Dann beginnt auch di« Weinlese... So freuen wir un» über jeden Tag und auf jeden kommenden und bilden un» zwischendurch zu Metereologen au», die immer den Blick nach oben oder gegen den Horizont gerichtet haben und gerade da» Wetter prophezeien, da» am zuträglichsten wäre. Da aber z. B. für den Tabak die Hitze schlecht ist, die die Tomaten brauchen und der Regen, nach dem der Paprika verlangt, den Melonen nicht sehr gut täte — deshalb ist da» Wetter doch schließlich immer ganz gut fo, wie der liebe Himmel e» schickt. Wenn wir erst unter un» Menschen einmal zu ähnlichen weisen Erkenntnissen gelangt wären... aber ich will hier doch keine angewandte Philosophie treiben! Ich wollte Ihnen, lieber Freund, nur«in wenig von den hiesigen Tagen erzählen, die so schön und voll von " neuem Erleben für mich find. Und dann manchmal, wenn solch Tag vorüber ist, wenn die Kinder schlafen und vor den Fenstern nur die«^endliche Stille lebt, dann seht man sich hin und liest und hört Musil— oder schreibt sich au» seinem vollen Herzen in einem Brief alle» oder einen Teil dessen herunter, woran man einen Menschen noch teilhaben lassen möchte— so gut da» mit den nüchternen schwarzen Buchstaben al» Vermittlern möglich ist. Wegen dieser freundlichen Absicht verzeihen Sie mir da» vermutliche Durcheinander de» Berichte» und seien Sie herzlich gegrüßtl Rente T y l.- Ceite 6 Acht Monate Prager Zeitung für Wohnungsdiebstähle Die 40jährige Näherin Anna er ná ist schon einigemale vorbestraft. Jetzt erhielt sie gestern vom Straffenat des OGR. Dr. V yc và Ief weitere acht Monate schweren Kerters unbedingt. Die Anklageſchrift erzählt, daß sie im Sommer einige Wohnungen ausraubte und dort Sachen im Werte von über 7000 Kč stabl. Sie verschaffte sich Schlüssel zu diesen Wohnungen und nahm alles, was ihr unter die Hände fam: Overnauder, Ringe, Uhren. Sparfaffenbücher und anderes mehr. Vor dem Straffenat des OGR. Dr. Vychálek verantwortete sich dahin, daß sie ein Kind erwarte und für dieses Kind stehlen mußte. Sie befam acht Monate ichweren Kerfers unbedinat und erhielt aud Yeinen Strafaufichub, als fie verlangte, einige Tage doch noch für den Einkauf von für das Baby notwen digen Sachen herauszuschlagen. Es wurde ihr beden tet, daß man im Gefängnis auf derlei Vorkommnisse vorbereitet sei. mg. Fünf Männer und ein Mädchen Gestern stand vor dem Senat des OGR. Vhe palet der 28jährige Arbeiter Rudolf Citovitý. Cizlovský ist einer der jungen Leute, die während der Krise arbeitslos wurden und dann mit der Zeit lerns ten, sich weniger um die Arbeit und mehr um andere Sachen zu fümmern. Er tat fich mit noch vier anderen Burschen, die ein ähnliches Schicksal betroffen 37 Wo es an Trinkwasser mangelt, trinken Sie die einwandfreie und beliebte LUHAČOVICER VINCENTKAQUELLE. Überall erhältlich. hatte, zusammen. In diese Gemeinschaft wurde dann noch ein Mädchen derselben Gattung aufgenommen. Die ganze Gesellschaft trieb sich auf der Landstraße umber und übernachtete in einem Zelt. Einer der Burschen durfte dann immer, wenn die Reihe an ihn fam, mit dem Mädchen im Zelt schlafen. Eižkovský war mit dieser Ordnung nicht zufrieden und wollte einen seiner Kameraden, Johann Varga, um sein Recht vrellen. Es entstand eine Rauferei und Tizlovitý verlegte seinen Nebenbuhler mit einem Messer. Die Verlegung war schwer, Jos bann Varga mußte ins Spital und die ländliche Idylle ging zu Ende. Nun wurde Tizlovský zu vier Monaten unbedingt verurteilt. mg. Sonderzug zur Melniker Weinlese. Das Ausflugsreferat der Staatsbahnen veranstaltet am 28. September die traditionelle Fahrt zur Weinlese nach Melnik für 42 Kč inklusive Mittagessen. Dem Zug wird ein Tangwagen angefoppelt werden. Anmel dungen und Informationen im Referat der Auss flugszüge der Staatsbahnen neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 38335. Kunst und Wissen Das Sekretariat des Janaček- Festivals gibt im Hinblick darauf, daß dieses Festival in der Zeit vom 22. bis 28. September seine ursprüngliche Mission, den 10. Todestag des Komponisten Leoš Janáček würdig zu begehen, nicht erfüllen würde, befannt, daß beschlossen wurde, dessen Abhaltung so au berlegen, daß es an die Brünner Hauptveranstaltun gen anschließen würde. Die neuen genauen Termine werden durch Presse und Rundfunk bekanntgegeben werden. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Mittwoch, 19.30 Uhr: Die Kameliendame". Donnerstag. 19.00: Don Carlos". Freitag, 19.30:., Chrano von Bergerac". SamsSozialdemokrat Mittwoch, 21. September 1938. r. 222 vermögen, wurden gegen Barcleys Vorhaben gesehf.| Namen tauchen in diesem Buche auf: Asquith, des Barclen lief in schweren Lederschuhen, angetan mit alte Joseph Chamberlain, Balfour, Philipp Snowben, einer langen Hose, Flanellrod und dicken, schafwol- Lawrence, Troßty, Elemenceau, Sindenburg, Hitler, Tenen Strümpfen. Nach zehn ausgezeichnet durchge- auch zwei Könige: Georg V. und der leste spanische standenen Tagen stellte sich die unausbleibliche Real- König. Immer spricht der konservative Politiker, der tion in Form von starken Muskelschmerzen ein. Mann der bürgerlichen Ordnung, der 3. B. Tropfy Später traten Fieber und Wundsein dazu. Nach nur in ärgster Verzerrung zu sehen vermag, dagegen tag, 19.00: Don Carlos".- Sonntag, 19.30: zwanzig Tagen mußte er zu Gſſigbädern Zuflucht in Alphons von Spanien den gütigen, aber auch nehmen, um den Marsch überhaupt fortseßen zu tapferen, nur für sein geliebtes Volt lebenden und Jenufa"( Janáček Feſtivals). fönnen. Am 32. Tag wurde Barcley zum Start ge- wirkenden Landesvater. Churchills Eratonservatis Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 20: Ho- hagen und brauchte mehr als eine Viertelstunde, um mus hindert ihn auch, Hitler, wenn er ihn auch nicht tel Sylvia Dunn". Donnerstag, 20.00: Dreißig überhaupt feine Glieder regen zu fönnen. Aber: liebt und manches an ihm auszuseßen hat, ganz zu Sekunden Liebe". Mittwoch. 20.00:..Sotel die tausend Guineen siegten! Sie trieben Barcleh durchschauen. Gut dagegen sind die Portraits Ber Sylvia Dunn". Donnerstag, 20.00: Dreikia bis aum Testen Tag weiter, an dem er für die letzte nard Shaws, des geheimnisvollen Lawrence, einiger Sefunden Liebe". Freitag. 20.00: Flitter- Weile 22 Minuten benötigte. Gewiß, eine gewaltige englischer Staatsmänner. Geschrieben sind diese furwochen". Samstag, 20.00: Dreißia Sekunden Willensleistung, für die man aber heute fein Ver- en Stizzen in schöner Sprache, oft sehr wißig, einige Liebe".- Sonntag, 20.00:..Was Ihr wollt." ständnis mehr aufbringt. Denn sie fehrt jeglichen der Geschilderten werden vor dem Auge des Lesers Sinn in Unsinn, verwandelt den Wert des Sportes sehr lebendig. Auch ein kleines bißchen ins Getriebe in Univert! der Politit englischer Kabinette fann man guden, die Weltveite der englischen politischen Interessen scheint im Hintergrunde auf. Das Buch Churchills bietet ein wenig Belehrung, eivas Aerger und citvas Amusement. Sport- Spiel- Körperpflege Sinn und Unsinn im Sport Sinn und Unfinn liegen oft nahe beieinander. Oder: Der Wiener Dauthage, der 1899 mit seinen Kniebeugen Aufsehen erregte, brachte von die sen mühsamen Dingern 2200 in der Stunde fertig, in drei Stunden deren 6000! Nun, der eine hat es in den Beinen, der andere im kleinen Finger: 1879 Lob der Desterreicher Stöhr mit dem rechten fleinen Finger einen 28 Nilo schweren Stein dreimal in die Waage, während der Belgier Empain ſich noch 1912 den Scherz leistete, eine 45 Kilo schwere Hantel am rechten Daumen zu befestigen und waagrecht vor sich In der Steinzeit des Sportes passierte manches, was als aufgelegter Unsinn zu umschreiben ist und doch halfen auch solche ungewollte Scherze mit, zum heutigen Begriff Sport mit seinen nahen Bezu halten! zichungen zu Erziehung und Kultur zu kommen. Nun, ob in den Beinen oder in den Fingern Selbst die Angelsachsen, die sich als erste bemühten, iedenfalls hatten sie es alle auch im Kopf! Womit durch genaue Regeln dem Ausdrud zu verleihen, wir keineswegs behaupten wollen, daß solche Leis was heute als„ fair play" der ganzen Welt ein bestungen" heute gänzlich verschwunden seien... fannter Begriff ist und als sportlicher Maßstab gilt, fannten in ihrer sportlichen Entwicklungszeit noch nicht die genaue Unterscheidung zwiſchen Sport und Senſationshascherei, zwischen ebenso proßenden wie heute unter Körperkultur versteht. unsinnigen Gewaltleistungen und dem, was man Die Suche, durch ausgefallene Leistungen und unerhörte Kraftproben Aufmerksamkeit zu erregen, muß schon damals eine sehr verbreitete gewesen sein. Abgesehen von den Borfämpfen, die man mit ungeschüßter Hand und bis zur völligen Kampfunfähige feit des Gegners durchführte, gab es noch andere Dinge, über die wir heute nur noch den Kopf zu schütteln vermögen. So galt um die Wende des 18 Aum 19. Jahrhundert das Totbeißen von beispiels weise hundert ausgewachsenen Ratten innerhalb Behnminutenfrist als eine ausgesprochen sportliche Angelegenheit. Appetitlicher, dennoch aber und gleichfalls ein Unsinn, war das Vorhaben des engliſchen Gehers Captain Barcley, ber 1806 der Welt verkündete, er werde tausend Meilen( das sind pro Meile 1609 Meter) in tausend Stunden zurüd legen. Tausend Guineen, damals mehr Geld als es die umgerechneten rund 200.000 Kč anzudeuten Die leichtathletischen Balkanspiele in Belgrad unter Teilnahme von Jugoslawien, Rumänien, Grie genland, der Türkei und Albanien wurden am Sonntag beendet. In der Gesamtwertung fiegte Griechen land mit 125 Punkten vor Jugoslawien mit 114,5, Rumänien 58, der Türkei 28.5 und Albanien vier unfte. Literatur Winston -fbDer große Europäer. Eduard Beneš. Eine Biographie von Heinz Stroh. Verlag Julius Kittls Nachfolger, Mähr. Oftrau. Der rührige Verlag Nitt in währ.- Ostrau, der vor einiger Zeit die Ges schichte der Tschechoslowakei seit 1918 von Harrh klepetat herausgebracht hat, bringt nunmehr auf den Büchermarkt eine Biographie des Staatspräsidenten, die etwas umfangreicher als die bisher bekannte von heitsgetreues, objektives Bild von Beness Leben und Werner iſt. Der Verfasser bemüht sich, ein wahr Wirlen und deffen außerordentlichem Aufstieg zu geben, er zitiert fleißig die Schriften des Präsiden ten und Schriftstellers, wobei er sich allerdings in Anlehnung an Emil Ludwig verleiten läßt, in einen feuilletonischen Stil zu verfallen, der die Erzählung dem Leser schmackhafter machen soll, was oft auf Sosten der Genauigkeit und der Seriosität geschieht. Immerhin empfängt der Leser ein ausammenfassen des Bild des Entwicklungsganges des Präsidenten Beneš und das ist ja auch der Zwed der Herausgabe dieses Buches. ft. Urania- Kino Ungarische..ova atas han" Churchill:„ Große Zeitge.( Ehrenfried. Bemiere ea. 1 1. noffen".( Verlag Allert de Lange, Amsterdam. 397 Freitag: hr Leibhuiar". Seiten mit 16 Abbildungen. Brosch. 3.50 hfl., geb. 4.50 hfl.) Die Erwartung, mit der man Churchills Buch zu lefen beginnt, wird nicht ganz erfüllt. Von Filme in Prager Lichtspielhäusern cinem so weltbekannten, erfahrenen Politiker erhofft man, wenn er zur Feder greift, Besonderes, zumal Urania- Rino: Frl. Liselott." Gastspiel Mil dann, wenn er Persönlichkeiten schildert, deren Nastaja. Broadway: Sensationeller Erfolg: Grämen jedermann geläufig sind. Nicht wenige solcher fin Walewila." Garbo, Boher.- Abria:„ Er nach 3000 Jahren." Harold Lloyd. A. Alfa: Schneewittchen und die sieben 3wers ge." Abendfüllender Farbfilm. Disneys. Apollo: Pépé le Mofo, der Abenteurer von Algier.' Art II., Václavsté nám. 18: Die silberne Wolfe." Tich. Avion:„ Das Ideal der Septima." J. Biachta. Tsch. Bajtal: Klapperzahns XI." Tsch. Beranet: Wandas Sorgen." Tsch. Fenig: Die Zunft der Kuttenberger Jungfrauen." Tsch. flora: Wandas Sorgen." sch. Bollywood: „ Das Ideal der Septima." Tich. Hvězda:„ Ernach 3000 Jahren." Harold Lloyd. A. Julis: Der weiße Rabe." Tich.- Rinema d. VI. B.: Journale, Grotesfen, Reportagen. Koruna Aft.. Th.: Journale, Grotesken, Reportagen. Rotva: Gefängnis ohne Gitter." Fr. LuHana Vitová und Jiří Dohnal in dem Film ,, Unter einem Dach" | P Dichter als Propheten. 11. a. fagte er:„ Der traditionelle Ber- sohnes, der weder Marrist noch Jude war, finden gleich der Dichter mit den Propheten fann viel ..Bur Heimat schau gern siehst du nicht dahin leicht in dem Sinne akzeptiert werden, daß die Dichter ihre Epoche ungefähr mit derselben Vers 3 ist der Verzweiflung grimmes Lächeln drin: Die City trauert, trop der Feste Pracht, fpätung wiedergeben wie die Propheten. Wenn es vorkommt, daß manche Propheten und Dichter Weil Hungersnot und Raubgier drinnen wacht." ,, ihrer Zeit voraneilen", so bedeutet es bloß, daß Byron( Fluch der Minerva). sie gewissen Bedürfnissen der gesellschaftlichen Entwicklung Ausdruck verliehen haben mit einer geringeren Verspätung als ihre übrigen Kol Legen." Gibt es überhaupt erfüllte Prophezeiungen" in der Literatur? Oft und gerade von Politikern wird diese Frage verneint. sich folgende Aussprüche über die Deutschen: ... Selbst im Falle einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedan fenfreiheit zu erkämpfen suchen." ,, Weil die Deutschen wissen, daß die wilden Tiere frei sind, fürchten sie, durch die Freiheit zu wilden Tieren zu werden." Sehr treffende Charakteristiken finden sich in den Schriften deutscher Dichter, die Deutschland vom Ausland her sahen. So schrieb St I a= In den ersten Jahren nach der Oktoberrevo Wer suchend und lernend die Literatur bis 6 un d: Deutschland! Wie wir dich lieben, wir lution schrieb Troßli in einer hervorragenden Kris zu unserer Umbruchszeit" durcharbeitet, dem Fernen, wir Auslanddeutschen. Wie wir alle deine tit über die völlig in eine Sackgasse geratene rus- scheint es nicht so arg bestellt zu sein. In einer Schmerzen doppelt und dreifach empfinden. Uns sische Literatur Die Kunst offenbarte wie Beziehung jedenfalls ist die Kunst der Politik peitscht eine widerhatige Geißel den Rücken, da immer zu Beginn einer großen Epoche eine überlegen gewesen: in der psychologischen Er- wir dich unfrei und ungelent sehen, deiner elvigen erschreckende Ohnmacht. Die Poeten, die zum kenntnisfähigkeit. Wohl kannte man auch in der Größe noch nicht gewiß."(..Novellen der ,, heiligen Opfer nicht berufen wurden" erwies Politit den Faltor Volfscharakter", der durch Liebe"). -" " -cena: Die Bunft der Kuttenberger Jungfrauen." Tich. Metro:„ Du und ich." A. Paffage: Ge fängnis ohne Gitter." Fr. Praha:„ Der Stolben aus Elfenbein." A. Radio: Wölfe der Großstadt." Victor MacLaglen. A. Staut:„ Die baltischen Matrosen" Ruff. Světozor: Der weiße Rabe." Tich. Veletrhy:„ Gefäng nis ohne Gitter." Fr. Belvedere:„ Das nadte Modell." L. Rainer, W. Powell. A.- Befeba: Wandas Sorgen.".Tsch. Carlton:„ Ducháčel schafft alles." Vlasta Burian. Tich. Lids II: Klapperzahns XI." Tich.- Louvre:„ Goldwyn Jollies." A. Macesta:„ Die baltischen Matrosen." Russ. Olympic: Marco Polo." Cooper. A.- Mogy: Klapperzahns XI." Tich. Tatra- Weinberge: Klapperzahns XI." Tich. U Bejvodu:„ Vier Spione." Mad. Carroll, Peter Lorre. A Balbek: Es war die Zeit der Liebe." Donald, Eddy. A. Wie aber dieses Wesen, zur Herrschaft ge= langt, aussehen würde, das scheint& I a bund visionär erkannt zu haben: und ,, Euch ist die Unterwerfung Süße. Der Verzicht Glückseligkeit. Freiheit in der Lüfternheit ihr seid erfüllt ( Wie ein Topf ohne Boden mit Leere und Luft.) Die Striemen auf eures Bruders Rüden, rote Drudzeilen vom Drud der Macht, sind Psalmen euch. Ihr singt sie: immer hundert um einen Bruder versammelt, welcher blutet. Ihr lest die blutenden Zeilen. Das Blut rinnt durch eure Blide, aber durch eure Herzen fließt Taus wasser vom April. - erniedrigt ihr den armen Bruder. -sen sich, wie zu erwarten war, kläglicher als alle die Lebensbedingungen eines Volkes geprägt und Das verkrampfte, hypernationalistische Wes kläglichen Kinder dieser Welt." Wenn es richtig ihren Veränderungen unterworfen ist. Aber sen des Deutschtums beschrieb der Arbeiterdichter ist, daß ,, die Kunst zu Beginn einer großen Epoche was sollen wir in der Politik mit ihm an A. Pe bold in seinem 1913 erschienenen Noeine erschreckende Ohnmacht offenbart", so mag fangen?" fragt der tluge J. Strasser( Reichens man Erde" wie folgt:„ Es waren dies sechs das tröstend und versöhnend im Hinblick auf die berg) in seiner 1912 erschienenen Schrift Der oder sieben Studenten und Beamte, die das Erniedrigte, deutsche Literatur sein, die nach dem Zusammen Arbeiter und die Nation". Eine kennzeichnende Ehrenwort deutsch" auf ihren Nasen herumbruch sich fast ganz der Gegenwart entzog, um sich Frage für das Unverständnis, das für dieses Pro- balancierten und mit dem Beiwort„ national" vorwiegend in zeitabgewandten Betrachtungen blem teilweise noch in unseren Tagen besteht. zur Karikatur erniedrigten; die als einzig erftreWesen und Menschen vergangener Zeiten zu wid. Hätte man in der Politik etwas mit ihm anzu benswertes Ziel die Niedermebelung aller Slamen, statt sich zu bemühen, dem Volt die Wege fangen verstanden", so wäre in ihr wahrscheinlich ven und die Verfündung eines geeinigten deutaus dem Chaos der Gegenwart in eine beſſere weniger verkannt, geirrt und versäumt worden. ſchen Weltkaiſertums mit autokratischen RegieZukunft zu weisen. Die Literatur ist reich an Beispielen; nur einige rungsformen ansahen und Karl May als den Tropfi verneinte damit nicht die Bereits mögen hier gestattet sein. größten Dichter deutscher Zunge huldigten. Sie schaft, sondern die Fähigkeit einer weitsichtigen In den Tagebüchern Friedrich e b- fangen Lieder von deutscher Bier- und Tabatoder seherischen" tünstlerischen Erkenntnis über bels, des schleswig- Holsteinschen Proletarier freiheit füllten. Bezugsbedingungen: Bei Auſtellung ins aus oder bei Beaua durch die Bost monatlich Ke 17. vierteljährig Ke 51.- halbjährig Kč 102. anajährig Kč 204.– Tarif billiaft berechnet. Rüditellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. Die Beitungsfrankatur wurde von der Boft- u. Lelearaphenbirektion mit Erlak Nr. 18.800/ VII/ 1980 bewilligt.( Kontrollpostamt Braba 25.- Druderei: Orbis". Drud, Berlags- u. Beitunas-.- 6. Sea Ich schreie: Gerecht! Ihr zudt die fahlen Achseln wie Wetterleuchten Gerächt-Gerächt Schwerhörig seid ihr: ja, schwers hörig eurem finsteren Herrn. Schwerfällig denn selber fällig ist der Gerichtstag. -OTO Es gibt wohl Prophezeiungen, die sich ers M+ 3 --Inferate werben laus