D Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Redakteur i. V.: Zdenko Neuwirth, Prag 18. Jahrgang Donnerstag, 22. Geptember 1938 Seite 5: Die Verordnung über die Beschränkung der Geldauszahlungen Entscheidung unter schwerstem Druck Nr. 223 London- Plan als Grundlage Regierung verlautbart: Für den Schutz der Grenzbevölkerung gesorgt Pra g. Nun ist die lange erwartete Entscheidung über das Schicksal der Sudetendeutschen und der Tschechoflowakischen Republik gefallen. Von allen Freunden und Verbündeten verlassen, ist der Republik, ihrer Regierung und ihrem Präsidenten nichts anderes übriggeblieben, als das Programm von London zu akzeptieren. An diesem denkwürdigen 21. September hat, das wird sich noch zeigen, die Geschichte Europas eine entscheidende Wendung genommen. handlungen bleiben wir alle festen Blik. kes und auf sorgsamer Wacht, stets ent schloffen und bereit, im Falle der Uner läßlichkeit zum äußersten Einsatz von Leben und Gut für unser Volk und un. feren Staat. Im Wirbel des Geschehens Wiederholen wir zunächst die Ereignisse feit Berchtesgaden: Der britische Ministerpräsident über eine Regelung des sudetendeutschen Problems Chamberlain ist mit dem deutschen Reichskanzler in der Richtung der Abtretung des sudetendeutichen Gebietes an Deutschland übereingekommen. Die Gesandten Frankreichs und Englands haben Rundfunk- Kundgebung der Regierung Bra g. 21. September. Der Sender Brag II( fiziert. Sie wird damit gemeinsam mit brachte heute um 21 Uhr folgende Sendung: der ganzen Nation einhellig die Freiheit Die große Strife, die feit einigen Jahren und Selbständigkeit unserer teueren, Europa durchlebt, hat in der letzten Zeit rings um gegen alle voll gerechten Heimat in unserer Regierung davon Mitteilung gemacht und, uns in Mitteleuropa ihren Höhepunkt erreicht. neuem Rahmen verteidigen in einem ihr erklärt, daß der Friede nur durch Wie es in dem tausend Jahre alten tsche- territoriale Konzessionen an Nach zwanzig Jahren der Ruhe, der Ordnung Rahmen, dessen Widerstandskraft durch chischen Choral heißt:„ Wir ließen die Unferen das deutsche Reich zuerhalten ist und und des Friedens wurde unfer demokratischer Die Liebe aller feiner Angehörigen ge- nicht untergehen und laffen fie auch in Zukunft daß die Tschechoslowakei ihre Selbständigkeit nur Staat von den Auswirkungen dieser europäischen Arise schwer betroffen. Infolge der by- ftärkt sein wird. Für die weiteren Ver- nicht untergehen!" erhalten fann, wenn die Grenzrevision nach natio namischen politischen Strömungen in der Nach nalen Gesichtspunkten vorgenommen wird. Die barschaft wurde er zu einem bebrobten tschechoslowakische Regierung hat diesen Vorschlag Staatt nicht genehmigen können und am 20. September zwischen 19 und 20 Uhr England und Frankreich Leiber zeigte sich, als die schwersten Sorgen auf uns einstürmten und uns gar mit Gewaltanwendung gedroht wurde, daß die europäische Krise von solcher Art ist, daß uns unsere Freunde rieten, die Ruhe und dem Frieden durch territoriale Opfer zu erkaufen, weil sie uns nicht zu Hilfe kommen können. Unsere verfassungsmäßigen Faktoren wünschgegen uns vorbereitete Aktion genommen wurde. ledigen. Diesem Wunsche der tschechoslowafifchen Regierung und des Präsidenten der Nevublit wurde jedoch nicht entsprochen. Die franzöfifche und die britische Regierung ließen bei ihrer ae meinschaftlichen Demarche, welche ihre diploma tischen Vertreter heute nachts bei dem Präsidenten der Republik unternahmen, der tschechoslowaki. schen Regierung wiffen, daß eine solche Lösung den ,, Bleibt auf eurem Posten!" Die Erklärung fährt fort: Nach den heutigen Verordnungen und alle Recht seine diesbezügliche Note übergeben. Am 21. SepBeratungen der Regierung und des Ausschusses vorschriften bleiben in Geltung. tember um 2 Uhr früh erschienen der englische uns der Koalitionsparteien empfing heute nachmit Die Gerichte und alle Organe der Republit auf franzöfifche Gesandte in Prag beim Präsidenten tags um 17 Uhr Außenminister Dr. Krofta ihrem gesamten Gebiete erfüllen weiter ihre der Republik und haben ihm eine zweite Note den französischen und den britischen Gesandten Pflicht. Der Schuß aller Bürger ist gesichert. überreicht, in der festgestellt wird: 1. weder Engund gab ihnen im Namen der Regierung die Ant- Lasset Euch weder durch Zuträger noch Provo- land noch Frankreich fönnen die Tschechoslowakei wort auf die gemeinschaftliche Demarche, welche fateure zu unüberlegten Handlungen hinreißen. Schüßen, wenn die Republit sich nicht entschließt, sie heute um 2 Uhr morgens beim Präsidenten der Seid nicht kleinmütig, seid ausdauernd in Eurer die sudetendeutschen Gebiete an Deutschland abzuRepublik vorgenommen haben. Treue zur Republit. treten. 2. Frankreich erklärt, daß es sich Mit dieser Antwort werden die Verhandlun Die deutsche Bevölkerung unserer durch die Bündnisverpflichtun tett, den Konflikt, der zum Vorwand für die gen über das formale Vorgehen bei der fachlichen Grenzgebiete hat nicht die geringste r- en nicht gebunden fühlt, wenn wir Lösung der Anträge eingeleitet, welche die fran- fache zu Befürchtungen wegen ihres den englisch franzöfifchen Plan durch ein internationales Schiedsgericht zu erzösische und die britische Regierung der tschechos künftigen Schicksals, wegen ihrer bri. nicht erfüllen. 3. England erklärt sich an flowatischen Regierung am 19. September 1938 vaten und nationalen Intereffen, wegen interessiert, wenn seine Anträge nicht andem weiteren Schicksal der Tschechoslowakei un zu stellen für nötig erachtet haben, um dem ihrer vollen Sicherheit. genommen werden. In derselben Zeit wurde der Möglichkeit freier Entwicklung zu sichern, welche etschechischen Volke ſeine Lebensinteressen und die Für den Schuß dieser Interessen und dieser Tschechoslowakei von Rußland die Mitteilung jie uns im Rahmen der von ihnen beabsichtigten gebiete, der Tschechen und Deutschen ist vor der internationalen Verträgen vorzugehen, das bedeus Sicherheit der gesamten Bevölkerung der Grenz- gemacht, daß die USSR entschlossen ist, nach den internationalen Regelung dauernd garantieren. übrigen Welt weiterhin unser Staat verantwort- tet, daß Rußland militärische Hilfe zu leisten belich, unsere Administrative, unsere Sicherheits- reit ist, wenn das auch Frankreich tut. Konflikt nicht vorbeugen würde. Wir standen vor organe. Dieſes ihr Recht und diese ihre Pflicht wie dies im russisch- tschechoslowakischen Vertrag der Drobung eines Krieges, wel: nicht nur den werden alle unſere Behörden und Organe ebenso vorgeſehen ist. Eine zweite Möglichkeit würde dabisherigen Umfang unseres Staates, fondern auch wie bisher mit ſtrenger Objektivität und Ge- mit gegeben sein, wenn der Völfer das Wesen der nationalen Existenz der Tschechen wiſſenhaftigkeit erfüllen.. In feinem Falle darf b und Deutschland als Angrei es in diesen Grenzgebieten, in welcher Stadt und fer bezeichnen würde. Da die Aussichund Slowaken in gemeinsamer unzertrennlicher Landwirte, Arbeiter, Gewerbetreibende, Be welchem Dorf immer, auch nicht für Augenblice ten auf die Durchführung dieser Prozedur gering Gemeinschaft selbst in Sen Grundfesten bedrobt hätte. Die Regierung ist fest entschlossen, mit allen amie und Soldaten! Bleibt alle auf zu irgendwelcher Unordnung und zu Wirren find, ergaben sich die Schlüsse von selbst. Sträften und ganzer Macht die Muhe zu bewahren Guren Stellen, bei Eurer Arbeit und leistet fommen. Die Interessen der deutschen BevölleTamit ist also eine durchaus neue Situation und, was immer geschehen möge, die Selbständig. weiter Eure Pflichten! Bleibt dessen eingedent, rung würde nur derjenige bedrohen, der verfeit und Freiheit der Nation unter den Bedin- daß Ihr durch keinerlei Demonstrationen und suchen würde, die von den Großmächten beabsich gegeben, auf welche sich die Tschechoslowakei einstellen muß. Den verantwortlichen Staatsmänsungen, die so neu gefchaffen wurden, zu erhalten. Straßenkundgebungen und namentlich durch kei- tigte Regelung zu vereiteln, welche eine einzig nern erscheint es unmöglich, daß das Land, auf Der Präsident der Republik konnte Euren Gunsten ändern könnt. Ihr würdet durch Blutvergießen verhindern will. Er würde damit sich allein gestellt, sich in einen Stampf mit einem nerlei gewaltmäßige Handlungen etwas daran zu und allein friedliche Regelung ſein und jedes gemeinsam mit der Regierung nicht solche Aktionen nur Euren eigenen Staat schädigen, menschliche, nationale Interessen bedrohen, würde übermächtigen Gegner einlaffen kann, und fie veranders, als den Antrag der beiden der gegenüber seinem Gegner Einheit, Ausdauer damit die Ruhe und Ordnung im Grenzgebiete sucht, den Staat in einer Form zu erhalten, wie Großmächte als Grundlage des weite und unbezwingliche Festigkeit braucht. Die Be- unseres Staates bedrohen, würde damit die Orddies nach dem Willen Englands und Frankreichs bestimmt worden ist. ren Verhaltens anzunehmen. Es blieb hörden arbeiten überall weiter. Die Geseze, nung und den Frieden Europas bedrohen. nichts anderes übrig, weil wir darin allein standen. Wir betonen, daß diese Antwort unserer Regierung auf die Anträge der britischen und der franzöfifchen Regierung nichts an dem bisherigen Rechtszustand ändert und bloß die diplomatiſchen Verhandlungen einleitet, welche zu dieſen Regelungen führen føllen. Zwischen 2 und 19 Uhr Die Regierung wird den Staat unter den neuen Lebensbedingungen führen und leiten und glaubt, daß die Nationalversammlung, die sinberufen werden wird. im Namen des Volkes Brag. Die erste Nachricht des Tsch. Pr.diesen schweren Beschluß genehmigen wird, wenn B. über die nächtliche Demarche der Gesandten fie seine schicksalhaften Gründe in Erwäge der Westmächte lautete: sieht. Im Laufe des Vormittags folgte dann eine giveite Meldung: Damit wird auch die sudetendeutsche/ Sozialdemokratie vor eine neue Situation gestellt. Unser Schild ist rein. Wir haben unsere Pflicht gegenüber der arbeitenden Klasse des Sudetendeutschtums seit ch und je erfüllt. Wir haben vor Jahrzehnten die fudeten deutsche Arbeiterklasse aus tiefster wirtschaftlicher, geistiger und seelischer Not emporgeführt, die arDie Regierungsberatungen wurden heute nach beitenden Massen nicht nur zu achtbaren Mitglie der neuen Demarche des Gesandten Großbritan. dern der Gesellschaft gemacht, sondern auch die Die Regierung kennt sehr wohl und teilt im tiefften die Gefühle der Na- in Prag 8. C. dent ton und der franzöfifche Ge- niens in Brag, Newton, und des Gesandten der arbeitende Klasse politisch verſelbſtändigt und aus franzöfifchen Republik, de Lacroix, beim Präsidenten ihr einen Faftor gemacht, der in das öffentliche tion, ihre Erregung und Ergriffenheit. beim Brändenteher Republik. Die beiden Gegierung um 4 Uhr früh eingeleitet durch eine zu. fandte in Bragdnet aeroig um einen Empfang ber Republik und bei ber tfchechoslowakischen Ne. Leben der Geſellſchaft eingegriffen hat. Dieser Aufstieg der fudetendeutschen Arbeiterklasse war Sie ist feft überzeugt, daß fie mit Hilfe fandten erſchienen um 2 Uhr morgens beim Bra fammenzunftbes politi men mi. auch ein kultureller, wir haben den atbeitenden aller wehrhaften und fittlichen Kräfte fidenten der Republik und führten eine neue De- nifterausschusses unter dem Bor. Maffen das Tor aufgestoßen, durch welches sie des Volkes den Tschechoslowakischen marche in Angelegenheit der Londoner british- fis des Präsidenten der Republik. Eingang gefunden haben zu den Schäßen menſchStaat neu ftählen wird, welcher auch französischen Anträge durch. Nach dieser Demarche Diefe Sisung auf der Prager Burg bauerte ftlicher Stultur. Wir haben die sudetendeutsche Arweiter das Vermächtnis der ruhmrei wurde beim Bräfibenten der Republik eine Situng beiterklaffe gesammelt, als sie das Schicksal zu chen nationalen Vergangenheit perfoni- des Ausschusses der volitischen Minister einberufen. Bürger der Tichechoslowakischen Republik gemacht Heute nachts erfuchten der englische Gesandte ( Schluß auf Seite 2.) Seite 2 Donnerstag, 22. September 1938 Chamberlain heute in Godesberg Glänzender Empfang des Verbündeten Hitlers Nr. 223 Parteien der Linken, zusammen. Für Nachmittag war eine gemeinschaftliche Sibung der Delegierten der Kammerklubs der Linksparteien einberufen. Zwischen 2 und 19 Uhr ( Schluß von Seite 1) bie hat. Wir haben für die nationale, soziale und fulturelle Gleichberechtigung des Sudetendeutschtums gefämpft und gerungen, wir haben auf die Notwendigkeit der Lösung des nationalen Problems in der Tschechoslowakischen Republit London. Dienstag abends wurde amtlich| prachtvollen Ausblick über den Rhein und seine immer wieder hingewiesen, nicht nur kritisiert, sondern auch positive Vormitgeteilt, daß Premierminister. Chamberlain und Berge bis zu den Türmen des Kölner Doms hat. bis 6 Uhr früh und die Beratungen fanden ihre Reichskanzler Hitler übereingekommen sind, am Reichskanzler Hitler mit seiner Begleitung wird Fortsetzung in einer Sigung des Minister. schläge gemacht. Wir haben in der Zeit der Krise auf das große soziale Problem des Sus Donnerstag um 15 Uhr die in Berchtesgaden beim Rheinhotel" Dresden" wohnen, wo auch die rates, die im Präfidium des Ministerrates um detendeutschtums ohne Unterlag aufmerksam ge- gonnenen Besprechungen in Godesberg fortzu erneute Begegnung zwischen Adolf Hitler und dem halb 7 Uhr begann und bis halb 9 Uhr bauerte. setzen. Er wird um 10 Uhr vom Flugplay in britischen Premierminister stattfinden. Bugleich wurde für 9 Uhr früh eine Sihung des macht, haben in unendlicher mühevoller Arbeit um das Verständnis der tschechischen Nation für die Heston abfliegen. Sein Flugzeug wird furz vor London. Die Sigung des Kabinette am 20gliedrigen Ausschusses berkoali. Lebensinteressen des Sudetendeutschtums gewor- Mittag in Köln a. Rh. landen. Außer Wilson Mittwoch Nachmittag, in der internationale tionsparteien einberufen, ben. Wir haben immer wieder versucht, eine Lö- und Strang werden Chamberlain noch Wil Situation durchberaten wurde, huerte av ei gleichfalls im Präsidium des Ministerrates unter fung zu finden, welche die Lebensinteressen des liam Maltin aus dem britischen Außenamte und Stunden. Dem Vernehmen nach wird Mini- dem Bräfidium der Vorsitzenden der beiden KamSudetendeutschtums in Einklang bringt mit der einer seiner Privatsekretäre, Humphrey Davies, sterpräsident Chamberlain zwei bis drei Tage ab mern der Nationalversammlung, dem Vorsitzenden tschechoslowakischen Demokratie. Die Machtvers begleiten. Godesberg. In dem kleinen Städtchen Go- wesend sein. Vor seiner Rückkehr aus Deutschland des Abgeordnetenhauses Jan Malypetr und hältnisse in Europa, die Schwäche der Regierun wird keine Entscheidung über die Einberufung des dem Borfihenden des Senates Dr. Soukup zu. fammentrat. Die politischen Beratungen werden gen in England, Frankreich und in der Sowjet- desberg ist bereits alles für das Eintreffen des union haben eine andere Lösung erwirkt. Reichskanzlers Hiller und des britischen Premier Parlaments fallen. wahrscheinlich den ganzen Vormittag hindurch anbanern. Unsere Vertrauensmänner haben in den Tek- ministers Chamberlain gerüstet. Die ganze Stadt ten Jahren und insbesondere in den letzten Mona- trägt reichen Flaggenschmud. Die englischen ten und Wochen einen heroischen Kampf geführt. Gäste werden in einem Hotel auf dem Beiersberg der den Blättern der Gesichte angehört. Wie Wohnung nehmen, von dem aus man einen immer die Würfel des Eujidia's fallen, der Geldenkampf der judetendeutschen sozialdemokratischen Arbeiter bleibt bestehen. Eine Aufgabe der Partei besteht jetzt auch darin, alles zu tun, damit die Männer und Frauen, die so heldenmütig gerun gen, nicht der Rache eines blindwütigen Gegners ausgeliefert werden. Es werden daraus für viele Menschen schwierige Situationen sich ergeben, die für jeden Einzelnen als neue Aufgaben zu betrach ten find, die er zu lösen hai. Viele werden vor ganz veränderte Lebensumstände gestellt werden, denen sie Rechnung zu tragen haben, denen sie mit Mut und Entschlossenheit, aber vor allem mit Vernunft entgegentreten müssen, denn der Kampf ums Dasein ist hart und muß unter allen Umständen durchgeführt werden. Das gilt für das individuelle Schicksal der Treuesten ebenso wie für den Kampf um den Sozialismus. Die Geschichte ist ein ewiges Auf und Ab und im Grunde genommen müssen alle großen Ideen, aller menschliche Fortschritt unter harten Kämpfen und schweren Opfern erstritten werden. Es gibt keine Idee, die nicht im Verlaufe ihrer Entwicklung neben glänzenden Siegen auch schmerzliche Niederlagen zu verzeichnen hat. Für die Freiheit und Demokratie in Mittel- und Osteuropa sind die schwersten Zeiten angebrochen, es triumphiert im deutschen Volt eine Bewegung, die alle Freiheit niedertritt. Aber die Geschichte ſteht nicht still, die menschliche Freiheit läßt sich nicht niederdrücken, solange noch in den Herzen, wenn auch einer Minderheit des deutschen Volkes, die Sehnsucht nach Freiheit, Entfaltung der Persön lichkeit und fultureller und menschlicher Höherentwicklung lebt. In den schmerzlichsten Tagen des. Rückzugs beseelt daher die Kämpfer, die nie die und Die Oppositionsführer Attlee Greenwood hatten Mittwoch nachmittags in Downing Street eine Beratung mit Chamberlain, die eine halbe Stunde dauerte." Beratungen der englischen und französischen Sozialisten London. Am Dienstag wurde in London Französische Linksparteien tagen Dann folgte die Meldung über den Empfang der Gesandten durch Dr. Krofta: Dienstag um 17 Uhr nachmittags empfing der Minister für Auswärtige Angelegenheiten Dr. Rrofta den franzöfifchen und den britischen Gesandten und erteilte ihnen im Namen der Regierung die Antwort auf deren gemeinsame heute um 2 Uhr früh beim Präsidenten der Republir unternommene Demarche. Anmerkung des Tsch. Pr.- B.: Mit dieser Antwort werden die Verhandlungen über den formalen Bergang bei der fachlichen Durchführung der Vor. schläge aufgenommen, welche die französische und die britische Regierung der tschechoslowakischen Regierung am 19. September 1938 zu machen für motwendig befunden haben. Um 7.15 Uhr erfuhr dann die Deffentlich eine Sigung des Nationalrates der Labour Parti, mit den Vertretern der franzöſiſchen Sozialisten und Gewerkschaften, den Vertretern der Sozialis Paris. Für Mittwoch war der Vorstand des stischen Arbeiter- Internationale und der Gewerkfchaftsinternationale abgehalten. Für die fran- Augemeinen Arbeitsverbandes einberufen, um zösische sozialistische Partei nahm Vincent Auriol, einen Bericht über die Londoner Beratungen der für die französischen Geivertschaften Bothereau, Delegierten der sozialistischen Internationale und für die sozialistische Internationale de Broudère er Gewertschaftsinternationale über die tschechound Adler und für die Gewerkschaftsinternationale flowakische Frage zu hören und um den StandSchevenels teil. Nach Schluß der Sizung wurde punkt des Allgemeinen Arbeitsverbandes festzu folgendes Kommuniqué ausgegeben: Es fand legen. Im Laufe des Tages trat die Mehrheit leit offiziell das Ergebnis durch die Verkündung ein voller Informationsaustausch über die Halder französischen Kammerklubs, namentlich der im Rundfunt. tung und Tätigkeit der betreffenden Körperschaften hinsichtlich der gegenwärtigen ernsten Situa| tion statt, insbesondere hinsichtlich der neuen Pofition, die durch die gemeinsame Annahme des Planes, vor Hitlers Angriffsdrohung zu kapitulieren, durch die britische und französische Regierung geschaffen wurde." Blum für die Tschechoslowakei Paris. Léon Blum veröffentlicht im Der„ Populaire" hat diese Politik der Partei jeben ,, Populaire" einen Artikel, in dem es u. a. heißt: Tag verteidigt. Die Partei hat keine Schwäche in ,, Chamberlain wird Donnerstag früh sei- der Bekundung des Friedenswillens gezeigt. Die nen neuen Besuch bei Hitler antreten. Aber Eng- Partei hat sich gehütet, irgendwelche Maßnahmen fchen Regierung nicht eine Diskussion ablehnen, aber die Partei hat auch den Auftrag erhalten, land und Frankreich können der tschechoslowaki- aufzuhalten, die den Krieg verhindern könnten, die sie verlangt, ohne die elementarsten Prin- sich nicht vor allen Unternehmungen der totalitä. zipien des Naturrechtes und des politischen Rechts ren Staaten zu beugen und die Unterschrift ernsteste und gefährlichste Unklugheit zu begehen. Es wäre unerträglich, die tschechoslowakische Re- überdies noch ein persönliches Wort erlauben. Der " Major Attlee Hat Mittwoch seine Forderung, doß die Regierung für eine Einberufung des Parfaments sorgen soll, erneuert. In dem Brief an den Ministerpräsidenten Chamberlain erklärt Major Attlee: Angesichts der letzten Entwicklung muß ich mein Bedauern aussprechen, daß Ste meiner vor 14 Tagen vorgetragenen Forderung zu verletzen. Sie können dies nicht tun ohne die so fährt Blum fort, nun auf sofortige Einberufung des Parlaments nicht Zuversicht verlieren, der Glaube, daß der Tag der nachgekommen sind. Mit Rücksicht auf die Angierung vor ein fait accompli zu stellen, und zwar politische Redakteur des Populaire" war zweiträge an die tschechoslowakische Regierung, die die Bergliederung eines souveränen Staates und dies auf Dittat des Herrschers von Deutschland beinhalten und Großbritannien verpflichten, für die Bulunft Garantien für kontinentale Grenzen abzugeben, bin ich fest überzeugt, daß, bebor Großbritannien zu dieser wichtigen Abweichung von der deklarierten britischen Politik verpflichtet sein eird, das Parlament befragt werden müßte, und var ohne weitere Verzögerungen. Ich fordere Sie deshalb auf, daß Sie alles Nötige zur fofor tigen Einberufung des Parlaments veranlassen. Freiheit auch dem deutschen Volle schlagen wird! Polen und Ungarn erheben neue Forderungen Rom. Der italienische Außenminister Graf Ciano empfing Dienstag den polnischen Bots schafter Dlugoszowsti und den ungarischen Gesandten Villani. In informierten Kreisen heißt es, daß ein einheitlicher Standpunkt für das Vorgehen 3taliens, Ungarns und Bolens gegenüber den Forderungen der ungarischen und polnischen Minderheiten und auch gegenüber den Forderun gen der Slowaken festgelegt wurde. 16 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Die Gouvernannte antwortete mit einem Seufzer. Beim Brunnen", sagte Hubert fröhlich, ,, ich war eben dort. Das Wasser ist eistalt!" ,, Wie schön ist doch das Gebirg", rief May, der die scharfe Luft wonnetrunten einsog. Eva betrachtete das energische, vom Waschen gerötete Gesicht, die feuchten Haare, die der Wind zerzauste, und er schien ihr anders, männlichec, froher... Chamberlain antwortete sofort, Iehnte aber die sofortige Parlamentseinberufung ab. erreicht hatte, war der Vormittag dahin. Es war eine flache, von Tannen umsäumte Wiese am Abhang der Dents Blanches, auf welcher, außer einigen verstreuten Hütten, zwei ländliche Herbergen einander gegenüber landen. May war vorausgegangen, um ein Mittagessen zu bestellen. das auf dem Plateau vor der Türe aufgetragen wurde. Und da die Zimmer und Betten tadellos sauber waren, beschloß man, zwei oder drei Tage in Barmaz Rast zu halten. Es war ein Nachmittag wohltuender Entspannung. Man genoß den Frieden dieser sonBewohner der Hütten schnitten gelassen ihr Heu, nigen, von grünen Bergen umgebenen Alm. Die trieben die Kühe heim, während ihre Kinder spieTend umherhüpften. Vielleicht war alles doch nur ein Traum gewesen, die wahnwißige Katastrophe, mit ihrer Tollheit, ihren verzweifelten gehetzten Menschenhaufen, und der nicht enden wollenden Reise. ,, Wo geht's nach Champéry?", fragte Herr bon Miramar den schweigsamen Gebirgler, der In seinem engen, nach Knabenkraut duftenauf dem rohgezimmerten Tisch Kaffee in die den Bimmer hatte Herr von Miramar sein Mann Näpfe goß. stript auf einen rohgezimmerten Tisch ausgebreitet. Er wollte mit Frau Andelot seine Notizen durchsehen, um sich zu vergewissern, daß nichts fehlte. Ihr war feinerlei Müdigkeit anzuerkennen; mit unveränderter Miene neigte sie sich über die Zettel und fragte: " Dort! Sie müssen zuerst hinunter zur Barmazalp, am Fuß der Dents Blanches." Er öffnete die Tür und es war, als dränge sich die ganze Pracht des Tales ins Zimmer: die Tangen, gewellten Bergrüden in dunstiges Blau getaucht, Abgeschiedenheit und Stille, die nur Soll ich die Blätter chronologisch ordnen?" fernes, schwaches Läuten unterbrach, und der Er aber lehnte sich an die Bretterwand und Wildbach, der sich wie ein lichter Streif durch die murmelte: Wiesen zog. ,, Es fällt mir doch nicht leicht, heute au arbeiten." Der Mann bezeichnete einen unsichtbaren Puntt, unterhalb des riesigen Vorgebirges, das noch in Dunst gehüllt lag, während die sieben Spißen der Dents Blanches tlar und scharf im Sonnenglanz aufleuchteten. Frau von Miramar und Miß Maud ruhten in ihren Betten aus. Die Kleinen sprangen um die Hütte, verfolgten die frei hüpfenden Kaninchen und bildeten sich ein, man habe ihnen zuliebe ,, Und dann, tiefer unten im Tal ist Chams diese lebenden Spielsachen im Grase losgelassen. péry. Es führt ein guter Weg hin." Yvonne lag auf einer Dede und folgte mit den Ein guter Weg! Die hohen Abfäße der Bliden den spielenden Kindern. Mit leisem GeFrauen tippten auf dem Geröll, die ungenagelten fäute zogen Ziegenherden vorüber. Langsam Sohlen rutschten ab. Als man die Barmazap fant die Dämmerung herab und verbreitete tiefen t | nicht durch Hitler, sondern durch England und mal Chef der Regierung. Auf der parlamentariFrankreich. Es wäre um so unerträglicher, wenn schen Tribüne und in seiner Regierung hat er mit diese Stellung von Frankreich eingenommen Zustimmung der Partei, des Parlaments und des würde, welches Frankreich einen Unterstützungs- Landes die Verpflichtungen der gegenseitigen vertrag mit der Tschechoslowakei abgeschlossen Hilfe, die die Tschechoslowakische Republik an die franzöfifche Republik binden, erneuert. Wird man hat." Blum erwähnt dann die Resolution, die der sich wundern, wenn ich heute ein Gefühl der letzte französische Parteitag vor etwa drei Herabwürdigung empfinde, wenn ich feststelle, Monaten bezüglich der Tschechoslowakei gefaßt daß der Vertrag seinem Geiste nach hat und in der unterstrichen wird, daß die Unab verraten wurde und wenn ich fage, daß er hängigkeit aller Nationen zu stützen ist, die durch vielleicht auch dem Wortlaut Die Unterschrift Frankreichs gedeckt find. Der Text nach verraten wurde?" Der Artikel hat in dieser von der Mehrheit angenommenen Reso- parlamentarischen Kreifen großen Eindruck geIntion ist für die Politik der Partei maßgebend. macht. Frieden, einen Frieden, der ewig schien. Auf den schroffen Zinnen der Dents Blanches, die sich von dem noch hellen Himmel abhoben, lag ein Schein des vergehenden Tages und die höchste Spitze des Dent du Midi, der mit seiner scharfen, purpurnen Pyramide das ganze Massiv beherrschte, leuchtete wie eine gigantische Fackel. Die ganze Nacht wiegte das Geläute der frei laufenden Pferde Yvonne in Schlaf und verscheuchte ihr die bösen Träume. Der Tag, der dieser Nacht aber folgte, sollte als der letzte glückliche Tag in ihrer Erinnerung leben. Sie frühstückten auf dem Plateau, schlenders ten in der Sonne umher, spürten den von Paul und Germaine verfolgten Kaninchen nach. Sie redeten sich ein, daß die Fluten schon still standen; sicherlich hatte das Wasser bereits zu sinten be gonnen. Die jungen Männer erkletterten den Gipfel des Felsens, von wo aus man Champérh überblicken fonnte, das seine schmucken ,. durch die Entfernung winzig scheinenden Häuschen, in Grün gebettet, rings um die schlanke Silhouette seines durchbrochenen Glockenturmes terrassen= förmig aufbaute. May wollte hinunter, um Jean Lavorel aufzufuhen. Aber Eva bat wieder, wie in jener Schreckensnacht: ..Oh, May, verlaß uns nicht!" ,, Wir sind doch ganz außer Gefahr", vers sicherte dieser. Gerührt von so viel Besorgnis im Klange der geliebten Stimme gab er schließlich nach. einem Unheil, das über Nieder- Wallis hereins gebrochen war. Ein ungeheuer mächtiges Hochwasser. Der See war aus den Ufern getreten und erreichte schon die Weinberge von Aigle. Die Rhone hatte die ganze Gegend von St. Maurice überschwemmt. Seit Menschengedenten hatte es teinen so hohen Wasserstand gegeben. ,, Die Weinberge sind verloren", klagte der Wirt. Gott weiß, wie teuer man den Wein wird bezahlen müssen." Man erzählte noch aber so etwas konnte man doch nicht glauben! Nacht ein wütender Wellengang den See aufgewühlt hätte; viele Dampfer wären untergegan gen, oder an den Ufern zerschellt. haben Sie eine Beitung?", fragte Herr von Miramar, indem er sich bemühte, mit fester Stimme zu sprechen. ,, Eine Zeitung?"... ja... Es war ein Walliser Blatt von vorgestern. Herr von Miramar entfaltete es mit zitternden Händen und suchte nach Nachrichten aus Frans reich. Die ganze Dzeantüste, von Brest bis Bayonne, versunken..., die ganze Küste am Aermelfanal, von Morlaix bis Düntirchen, versunten... Cette und Bordeaug, untergegangen.. die Einwohnerschaft von Marseille flüchtet ins Hügelland... Périgueur fordert Hilfe an... in Paris sind die tief gelegenen Bezirke unter Wasser... Aehnliche Telegramme aus England, Belgien, Italien, aus Deutschland und Standi navien... ver: Während sie nun so dashes ge Tal betrach teten, in welchem die Türme vautoties und TroisTorrents immer ferner schimsten, dachten sie erſchauernd an die Städte, die drüben in Frant-... reich in den Fluten versanten. Am nächsten Tag fam der Wirt, der schon am frühen Morgen nach Champéry hinunters gestiegen war, mit verstörtem Gesicht wieder. Aufregende Gerüchte gingen um, man sprach von Niedergeschmettert Yas Herr von Miramar London in höchster Not... tolle Panif die Stadt teilweise unter Wasser... Antwerpen, Venedig verschwunden... " Was denn noch! Ganz Europa also in Gefahr? Ging die Welt denn aus den Fugen?" Er sah nach dem Datum der Zeitung. ( Fortseßung folgt) 5th Nr. 223 Donnerstag, 22. September 1938 Seite 3 Neue Ueberfälle an der Grenze Sudetendeutscher Zeitspiegel Auf das Zollamt in Böhmisch- Wiese ntha I wurden von deutscher Seite etwa 30 Gewehrschüsse abgegeben. In das Zollhaus wurde eine Handgranate geworfen. Die Finanzwache verließ das Zollhaus und zog sich zurück. Die Gendarmeric enthielt sich einer Aftion, weil das Zollhaus etwa 5 Schritte von der Staatsgrenze entfernt ist. Ein Finanzbeamter erschossen, einige Wachtposten verletzt Prag. In der Nacht vom 20. auf den 21. tion gegen die Grenze in Bewegung, worauf die b. M., nach 24 Uhr, wurde ein militärischer Angreifer sich zwischen den Häusern in der Ges Unterstand in der Nähe der Gemeinde Beter 8- meinde verbargen. dorf, Bezirk Trautenau, überfallen. Die An greifer, etwa 6 Mann, eröffneten das Feuer, das die Besatzung, bestehend aus 3 Soldaten und 3 Finanzwachorganen. mit dem Feuer eines leichten Maschinengewehres erwiderten. Die Angreifer flüchteten in der Richtung gegen die Grenze. Neben dem Unterstand wurde dann der Finanzwachauffeher Franz Opočenský, zugeteilt der Staatsverteidigungswache, erfchoffen auf. gefunden. Die Angreifer waren wahrscheinlich chemalige Angehörige der Sudetendeutschen Bar tei, die nach Deutschland geflüchtet waren und offenbar aus Petersdorf stammen, da fie fich in dem schwierigen Terrain der Umgebung gut orientierten. Um 1 1hr 30 Min. nachts überfiel eine Bande von unbekannten Männern das Zollhaus auf der Selber Straße in A ich mit Schüssen aus automatischen Pistolen und warf zwei Sandgranaten. Zwei Zollbeamte zogen sich in das be achbarte Gebäude zur lokalen Wachabteilung zurüd. da das Rollhaus in unmittelbarster Nähe der Grenze steht. Nach Wiederherstellung der Ruhe kehrten die Bolbeamten nach einer halben Stunde in ihr Amt zurüc. Meidet die Nähe der Grenze! Menschenräuber am Werk- Autos werden entführt Dienstag zu Mittag ereignete fich auf der zu tun hat. Wer aber in die Nähe der Grenze Straße Graslih- Markhausen ein frecher Tommt, sehe sich vor! Menschenräuber gehen um! Menschenraub. Eine Arbeiterpartie des BaumeiDas Verschleppen von Autos nannten Straße in der Nähe der Grenze, unter über die Grenze wird zur Alltäglichkeit. Am Sonn. fters Hierath aus Graslih arbeitet an der geihnen ein als Sozialdemokrat bekannter Arbeiter tap find im Grasliser Bezirk zwei Fälle henamens Anton P. aus Schönau. Plöslich kamen vhachtet worden, wo ein Berfonen- und ein Lastvon der fächsischen Grenze her eine Anzahl SDP wagen mit Hilfe fächsischer Zivilisten auf einem Reute, welche aus dem Graslißer Bezirk nach Fahrwege knapp an der Reichsstraße hinüberge Sachfen emigriert sind, stürzten sich auf die Ar- fchafft wurden. Der Vorgang wurde sogar von beiter, und es gelang ihnen in der Verwirrung, den deutschen Brüdern photographisch aufgenom den Arbeiter V. gewaltsam über die Grenze zu men. Dienstag ist der unglaubliche, aber wahre schleppen. Ueber sein weiteres Schicksal ist noch Hall eingetreten, daß sogar das Lastauto der nichts bekannt. Stadtgemeinde Graslih, das im Sommer als Sprengwagen benützt wird, unter MitBereits am Sonntag wurde ein Arbeiter hilfe des Sdp- Chauffeurs Schubauer auf die aus Graslih und am Freitag ein folcher aus gleiche Weise und an der gleichen Stelle über wurden die beiben nach längerer Haft wieder frei- bic fudetendeutschen Gemeinden von den Orh. gelassen. Die lokale Wachabteilung in Thr ö m, Bezirk Hlučín, wurde um 342 Uhr früh von einer bewaffneten illegalen Bande in der Zahl von etwa 10 bis 15 Mann überfallen. Während des Vor 4 Uhr früh schoffen unbekannte Täter Kampfes wurde der Wachmann Franz Pavo nauf eine Batrouille der Staatsverteidigungssche Schwaberbach über die Grenze geschleppt, doch die Grenze gebracht wurde. So werden in der Gemeinde Lohnhäuser an der Grenze. Die Patrouille erwiderte das Feuer, worauf die Angreifer auseinandergingen. Kurz vor Mitternacht wurde in Neudorf bei Nokitnih im Adlergebirge eine Abteilung der Finanzwache überfallen. Das Gebäude wurde beschossen und & ek verlebt und ein Angreifer getötet. Daß Fenergefecht dauerte etwa eine Viertelstunde, wor. auf die Angreifer die Flucht ergriffen. Um 1 Uhr 40 Min. wurde in Weißwasser, Bezirk Freiwaldau, von der deutschen Seite die tschechoslowakische Finanzwache beschossen. Es nungsmachern in Ordnung gebracht: indem ihnen die aus Gemeindemitteln angeschafften Autos geMeidet die Grenze, wer nicht unbedingt dort stohlen werden! wurden 35 Pistolen, bzw. Gewehrschüsse abgegebrei Sandgranaten geworfen. Der Finanzwach- Sozialdemokratische an der Hand und am Kopf verwundet und das Parteikonferenz ben. Verletzt wurde niemand. Von tichechoslowati- beamte Jaroslav Mázek wurde schwer am Fuß, scher Seite wurde das Feuer nicht erwidert, sondern nur zwei Raketen abgeschossen. Vor 4 Uhr früh wurde die Zollstation in Wie 8, Bezirk Eger, überfallen. Die Angreifer versuchten, die Rollbeamten zu umzingeln und unterbrachen die Telephon- Verbindung mit Eger. Nach einer Schießerei, die etwa 30 Minuten dauerte, zogen die Angreifer ab. Auf unserer Seite wurde der Soldat Buley verwundet. Auch die Angreifer, die etwa 50 Mann zählten. hatten, wie die Spuren erraten lassen, einen Vers ipundeten. Büro vollständig demoliert. Der schwerverwundete Rázet ging noch einmal hinaus und gab einige Schüsse aus seinem Gewehr ab. Der Rüdzug der Angreifer wurde auf der anderen Seite durch ein Maschinengewehr gedeckt. In Heinzendorf bei Jägern dorf kontrollierte Dienstag abends eine Genbarmeriepatrouille von zwei Mann die Feuerwache, von der ein Mann, Josef Hackenberger, plöhlich eine automatische Pistole auf die Gen barmen anlegte. Die Gendarmen nahmen ihm die Waffe weg und fanden bei ihm 75 Patronen. Ein zweiter Feuerwehrmann Hugo Engelmann, warf ebenfalls eine scharf geladene Pistole weg. Ein drittes Mitglied der Feuerwehr, Lagenstein, versuchte, als er ergriffen wurde, zu fliehen und Widerstand zu leisten, wurde aber überwältigt Bei Klingentha Y, Bezirk Graslih, gingen nach 1 Uhr nachts Abteilungen von 5 bis 20 Mann über die Staatsgrenze und marschierten in der Richtung Markthausen. Auf das Rollamt in Markthausen wurde einige Mal geschossen. Die Bache brannte eine weiße Alarmralete ab. Die Gendarmerieabteilung setzte sich in Gefechtsformas und festgenommen. Große Demonstrationen in Prag Mittwoch nach 5 Uhr abends, als die Arbeis| allen politischen Parteien ohne Unterschied des ter aus der Arbeit heimkehrten aus vielen Lagers. marschierten sie in geschlossenen Zügen in die Schon um halb neun Uhr war der WenzelsStadtbildeten sich auf dem Wenzelsplat play so von den Massen überflutet, daß die Stras zuerst vor dem„ Cesté Slobo" fleine Häuflein, ßenbahnwagen abbiegen mußten. Gegen neun Uhr die aufgeregt die Tagesbegebenheiten bespra- wurden aus der Menge Rufe laut, zum Rundfunk chen. Die Häuflein wuchsen an und bald zu ziehen, und zu fordern, er solle verkünden, ertönten Rufe, man solle auf die Burg oder zum was wir wollen". Die Menge demonstrierte dann Parlament marschieren. Von allen Seiten ströms vor dem..Radiojournal" in der Fochova und ging ten dann weitere Demonstranten herbei, die stür- erst spät in der Nacht auseinander. misch aus den Fenstern der Wohnungen und der Kaffeehäuser begrüßt wurden. Unter Absingung der Nationalhymne und nationaler Gesänge mars schierte der ganze Zug zur Burg, wo ihm die Bolizei, berittene und zu Fuß. Einhalt bot.. Die Demonstranten lehrten dann um und marschierten zurüd auf den Wenzelsplay. Auch vor dem Gebäude des Generalstabs demonstrierte cine tausendlöpfige Menge. Jedem vorbeigehenden Offizier wurden Obationen bereitet. Späte Erkenntnis Ein deutscher Nationalrat in Brünn Die deutsche demokratische Kulturgemeins schaft lub gestern die Vertreter aller deutschen in Prag im Gewerkschaftshaus eine Barteifon ein, in der ein deutscher Nationalrat Mittwoch, den 21. September 1938, fand demokratischen Gruppen zu einer Versamming ferenz statt, die aus allen Teilen des Organifationsgebietes der Partei gut besucht war. Der Begründet wurde. Dieser Nationalrat soll ges Parteivorsitzende Abgeordneter Jatsch informierte meinsam mit der Národní rada die Interessen die erschienenen Bertrauensmänner ausführlich jener Deutschen wahren, die dem Staat und der über den augenblicklichen Stand der internatio-| Demokratic treu geblieben sind. nalen und innerpolitischen Lage. Es wurden dann die entsprechenden Weisungen beschlossen und dem Parteipräsidium die Vollmachten für das meitere Vorgehen erteilt. Das erste Standrechtsverfahren wurde. R T Auch französische Nachrichten im Sender Prag II. Der deutsche Sender Prag II bringt bekanntlich gleichzeitig mit dem Sender Prag I täy lich von 22.45 bis 22.55 Uhr englische Nachrichten. Um 23.00 werden vom Sender Prag II von nun an auch französische Nachrichten gebracht. Sendet das Tschechoslowakische Pressebüro um 23.00 Uhr Nachrichten, so folgen die französischen Nachrichten anschließend. Sendet das Pressebüro um 28.00 Uhr feine Nachrichten, so werden an ihrer Stelle die französischen gebracht. Verweisung an das ordentliche Gericht Beim Egerer Streisgericht wurde Dienstag der erste Standgerichtsprozeß anberaumt. Angeflagt war der SdP- Beamte Georg Leicht aus Eger, der bei dem Sturm der Polizei auf die SdP- Hauptstelle im Hotel Viktoria in Eger am Mittwoch, den 14. September, von der Polizei Liebestragödie auf dem Bahnförper. Auf der nach Erstürmung des Hauses festgenommen Eisenbahnstrede zwischen Schredenstein und Birnai wurden die Leichen eines Mannes und einer jungen Frau gefunden. Die an der Fundstelle erschienene Stommission stellte fest, daß es sich um gemeinsamen Selbstmord durch Ueberfahren vom Zug handelt. Aus den bei den Leichen gefundenen Dokumenten geht hervor, daß es sich um einen Josef Mün ich aus Probstau und die 17jährige Annelies Dvořák aus Probstau handelt. Einem nicht adressierten Brief, der im Rode des Mannes gefunden wurde, ist zu entNach einer etwa viertelstündigen Beratung nehmen, daß die beiden freiwillig aus dem Leben verkündete der Vorsitzende den Beschluß des Geschieden. richtshofes: Kurz vor Beginn der auf 3 Uhr nachmittags angesetzten Verhandlung beseßte ein Zug bewaffneter Soldaten in voller Ausrüstung alle zu gänge und Gänge um den Schwurgerichtssaal, in dem die Verhandlung stattfand. Im Auditorium hatten sich, obwohl di Berhandlung öffentlich war, nur ein Journalist und mehrere Gerichtspersonen eingefunden. Kann man sich wundern über diese Kundgebungen? Das tschechische Volt hat, der Mahnung ,, Das Standrecht erflärt sich als unzustänaller verantwortlichen Staats- und Parteiführer dig und hat erkannt, daß dem Antrag auf lleberfolgend, eine Disziplin bewahrt, die wahrhaft beweisung des Beschuldigten an den ordentlichen wundernswert ist. Seinem Schmerz, ſeiner Ent- Richter stattgegeben wird. Es wird beschlossen, daß täuschung, seiner Erbitterung mußte es nun Aus- die Haft des Beschuldigten anzudauern hat. Der drud geben. Beschluß des Gerichtshofes stüßt sich auf§ 443 der Strafprozeßordnung mit der Begründung, weil der Beweis der Schuld des Angeklagten nicht ohne Verzug hergestellt werden fann." Aufruf der Legionäre Freitod des Direktors Gläßner der Lobositer Deliwerke. Dienstag morgens erschoß sich in seinem Arbeitsraum in der Lobosizer Fabrit der Firma Deliwerte, Schokoladenfabrik A.-G., der Direktor des Unternehmens Start Gläßner. Das Projektil ging Direttor Gläzner durch den Stopf und blieb in der Mauer des Kanzleiraumes steden. Direktor Gläßner wurde wohl noch lebend aufgefunden, doch starb er in seinem Arbeitsraum vor Eintreffen der Leit2. S. merizer Sanitätsabteilung. Rumänische Gewerkschaften aufgelöst! Die rumänischen Gewerkschaften hatten wie die Gewerkschaften aller Balfanländer, einen für hiesige Verhältnisse unvorstellbar schweren Stampf zu führen. Unternehmer wie ein Teil der BehörPrag. Das Präsidium der Tschechoslowafischen Legionärgemeinde, der Unabhängigen Bereinigung der tschechoslowakischen Legionäre und des Kreises ihrer Freunde und die Vereinigung zur Kenntnis. Er traf alle erforderlichen Maß| der italienischen Legionäre wenden sich nachdrücknahmen, die mit der gegenwärtigen inneren und eußenpolitischen Lage zusammenhängen. Die ' ,, E3 lebe die tschechoslowakische Armee!" lich an alle ihre Mitglieder, an die Legionäre Verhandlungen mit dem Präsidenten der Repu Aus Bukarest kommt die Meldung, daß der In den Abendstunden wuchs der Zustrom überhaupt und an die gesamte Bevölkerung mit blit werden fortgesetzt werden. Die endgültige Ministerrat, auf Antrag des Arbeitenministers von Demonſtranten aus allen Teilen Brags. So dem Ersuchen, abfolute Ruhe zu Hal: Entscheidung der Partei ist in den ersten Tagen tale a den Beschluß gefaßt hat, die Gewerkwie in den Umsturztagen, ist auch jetzt der Wen- ten. Denkt daran, daß Provokateure nächster Woche zu erwarten. Die Grüchte über schaften aufzulösen. Dieser Beschluß, der selbst zelsplak dicht bescht von Demonstranten, die nicht ſchicken Euren Schmerz und Eure Erregung zu einen Eintritt der Partei in die für Stenner rumänischer Verhältnisse überraschend glauben und nicht zulassen wollen, daß man sich mißbrauchen und Euch zu Handlungen zu verfühtegierung sind verfrüht. Die Ver- Tommt, richtet sich praktisch nur gegen die sozialdem Ultimatum beuge. Die Demonstranten refrus ren, welche zum Beweise dafür ausgenütt wertreter der. Partei verhandeln mit den kompetenten demokratischen Gewerkschaften, da die Zahl der tieren sich aus allen Bevölkerungsschichten, es sind den würden, daß es notwendig sei, daß ein Fremda Arbeiter und Intellektuelle und Bürger aus der bei uns Ordnung mache. In diesen Tagen der Fattoren nicht über einen Eintrit der Parci in in anderen Gewerkschaften organisierten Arbeiter die Regierung, sondern über die grund- und Angestellten nur einige Hunderte betragen berechtigten Erregung und der nafäßliche Lösung der slowakischen dürfte. tionalen Trauer über das schmerzliche Gefühl, daß der Staat von den Freunden im Stiche ge- rage. Der Parteileitung handelt es sich darum, daß die Lebensinteressen der Slowakei und laffen wurde; wollen for the mänliga des slowatischen Volkes in den gegenwärtigen Verhandlungen Innitzers gescheitert einer bifziplinierten Einheit Wien.( Neuter.) Die Verhandlungen des 3 ufam menfchließen. The Unruhe außerordentlich schweren Zeiten nicht nur für die Kardinals Innisers mit den nationalsozialistischen würde nur zugunsten unferer Gegner arbeiten. Gegenwart, sondern auch für die Zukunft unter allen Umständen gesichert werden. einen wüsten Terror aus. Verhaftungen und Behörden find gescheitert. ,, Die katholische Kirche in Brüder Legionäre, wartet die weiteren Weisungen Mißhandlungen waren an der Tagesordnung. Desterreich hat alles, was in ihren Kräften stand, Eurer verantwortlichen Führer ab, welche in In der letzten Zeit stiegen auch in Rumänien unternommen, um ein Einvernehmen mit den Eurem Interesse und im Interesse der Nation in Verbot von Auslandsrelsen nur für verdächtige Personen die Breise aller Stonsumartifel. Dazu tam noch, Behörden zu erzielen", erklärte dem Reuter- voller und wachsamer Bereitschaft sind. Prag. Entgegen den Nachrichten einiger daß die Unternehmer, anstatt die Löhne zu er= Berichterstatter ein hoher kirchlicher Würdenträger. ,, Die Anstrengung war jedoch vergeblich. Das Neue Beratung der Hlinka- Partel Blätter, daß Personen tschechoslowakischer Staats- höhen, die Arbeiterlöhne herabsezten. Letzteres zugehörigkeit, die im militärdienstpflichtigen führte zu einer Welle von Arbeitskonflikten. Ob Ehegesek, die Beschlagnahme des kirchlichen BerPresburg. Dienstag vormittags fand in Alter stehen, die tschechoslowakischen Staatsgren- diese Arbeitskonflikte den eigentlichen Grund für mögens und die Unterdrückung der katholischen Edjulen, das alles beweist, daß neue Verhandlun▪ Preßburg unter dem Vorsiße des Obmannstellver= zen nicht überschreiten dürfen, selbst wenn sie diese Auflösung der Gewerkschaften darstellen, gen wenigstens einstweilen unmöglich find. Kardi treters, Abgeordneten Dr. Tiso, eine Sibung einen ordentlichen Reisepaß besigen, erfährt das kann im Moment nicht gesagt werden. Eine aber steht fest: die rumänische Regierung, die es mit nal Inniger zeigt, daß die katholische Kirche es des engeren Vorstandes der Slowakischen Tschechoslowakische Preßbüro folgendes: Auf Grund eines gültigen Reisepasses ist der öffentlichen Meinung der Westmächte nicht ablehnt, die Organisation Union für den reli- o Its partei lintas statt. In dem über giösen Frieden" anzuerkennen, in der fich die die Sigung ausgegebenen Bericht wird gesagt: der Grenzübertritt auch für Männer jedes Alters verderben kann, hat diesen Moment der interDer engere Vorstand nahm einmütig und erlaubt. Im fleinen Grenzberlehr werden die nationalen Unruhe zu ihrer Maßnahme auserPriester vereinigt haben, die mit dem Nationalfozialismus smpathifieren". Ein in den meisten anerkennend den Bericht des Obmannstellvertre Grenzübertrittsscheine unverläßlichen Personen, sehen, weil sie der Meinung ist, daß man diese Kirchen verlesener Hirtenbrief der österreichischen ters Dr. Tiso und des Generalsekretärs Dr. Sokal bei denen der Verdacht besteht, daß sie sich durch immer weitere Abkehr von der Demokratie in der Kirchen protestiert gegen einige amtliche Maß über die Verhandlungen mit dem Präsidenten der den Gren ertritt der Erfüllung der Militär- Size des internationalen Meinungstampfes übersahmen und legt ben Standpunkt der Kirche bar. Republik und dem Borsisenden der Regierung dienstpflia, entziehen mollen abgenommen. den übten gegen die gewerkschaftlichen Arbeiter fehen mirb Scite 4 Donnerstag, 22. September 1938 Mr. 223 Jagesneuigkeiten Schicksalsstunden Wieder eine große Zeit"! Wie jene, die mit dem Juli- Ende 1914 begann. Großwenn man die Bedeutung der Ereignisse als Maß nimmt. Ja, das ist ein bedeutendes, ist ein geschichtliches, ein die Physiognomie Europas veränderndes Ereignis, dieses Geschehen, dessen Mits erlebende zu sein wir verdammt sind. Aber groß: das ist doch nicht nur die Dimension eines Ereignisses, ist doch auch sein innerer Gehalt, und wir empfinden ein Ereignis, mag es von noch so weittragender historischer Bedeutung sein, das in uns Gefühle der Scham, des Ekels erweckt, nicht als groß. So empfinden wir unsere Zeit nicht als groß im Sinne von erhaben, begeisternd, die Seele be glückend, cher als erbärmlich, die Menschenwürde erniedrigend, als eine Zeit der Schmach. Ach, daß wir Miterlebende sind! Wir sind Miterlebende von Schicksalsstunden, Schicksalsstunden jedes von uns, ganzer Völker und der Menschheit, und tragen schwer an diesem fich for menden Schicksal, noch ehe es endgültige Gestalt angenommen hat. Wir empfinden: die Idee der Gerechtigkeit, die Idee des politischen Vertrauens, die Idee der Humanität hat eine schwere NiederTage erlitten, als sie sich der faschistischen Gewaltdrohung fügte. Diese Ideen haben eine schwere Niederlage nicht nur hier erlitten, auf dem Boden, evangelischen Kirche Soukup. Gendarmen hielten auf dem sie verteidigt wurden! Ueberall! Auch am Sarge die Ehrenvache. Unter den Klängen und gerade dort, wo die Beschlüsse gefaßt wurden, der Staatshymne verschwand der Sarg im Eindie diesen Ideen in Mitteleuropa so verhängnis- äscherungsraum. Montag hatte die Einsegnung des Verstorbenen in Velfé Poříčí n. Met. unter großer Beteiligung der Bevölkerung stattgefunden. voll wurden. Schicksalsstunden, vor denen uns graut. Und die wir doch ertragen, durchleben müssen! Kein billiges Trostwort soll auszusprechen versucht werden. Es würde niemandem die Last erleichtern. Nicht die seelische Last, nicht die schwere Sorgenbürde, die jeder von uns zu tragen hat. Es ist nicht nur tapferer, es ist auch flüger, allem, was da auch kommen mag, gefaßt entgegenzusehen, nichts Böses selbstbelügend sich zu verkleinern. Gefaßt dem Kommenden entgegensehen! Was aber fönnte uns Fassung geben, Mut und Kraft in diesen Schicksalsstunden, wenn nicht einem der Glaube an die Unbesiegbarkeit der Ideen, die eine so schwere Niederlage erlitten, an jene Ideen, die für uns Humanität, Gerech tigkeit und Freiheit umschließend beschlossen sind in der erhabensten aller Ideen, im Sostalismus! Die Idee lebt, auch dort, wo sie sich verborgen halten muß. Und so lebt das, wofür wir ſeit jeher gelebt haben. Wir wollen es gerade in diesen Schidsalsstunden uns ins Gedächtnis rufen! Und nicht und durch nichts uns beirren lassen in der Ueberzeugung, die Theodor Storm, als er in trüber Zeit seinen Glauben an den Sieg des Guten bekennen wollte, in die Worte faßte: „ Es kann der echte Keim des Lebens nicht ohne Frucht verloren gehn! Begräbnis eines weiteren Opfers der SdP Bewegte Tage In London und Paris Links Attlee, Führer der britischen Arbeiterpartei, rechts Léon Blum, Führer der französischen Sozialdemokratie begeben sich zu politischen Beratungen. 内 des Präsidenten der Republik mit der Aufschrift| Brüdern die Köpfe ab und setzte dann die Farm Million Tonnen höher als im besten Jahre vor Für ergebene Dienste- Der Präsident der in Brand. Dann ergriff der neunfache Mörder der Wirtschaftsdepression. Republik" und ein Kranz der Stadt Pardubiß, die Flucht. Eine militärische Polizeiabteilung Bandenüberfall in Mexiko. Dreißig Besowie Kränze des Innenministers, des Landes- fcrscht nach dem Aufenthalt des Verbrechers. waffnete überfielen in der Ortschaft Tepojuna im präsidenten und zahlreicher Vereine und KorpoEin Cyklon über Argentinien. Die Um Staate Puebla( Mexiko) das Gemeindeamt, um rationen. Trauerreden hielt der Gendarmeriegebung von Olavarria in Argentinien wurde von den Gemeindevorsteher festzunehmen. Es enteinem Cyffon betroffen, wobei fünfzehn widelte sich ein Feuergefecht, bei dem der Kom Personen ums Leben tamen und viele mandant der Polizei und ein Polizist getötet wur verlegt wurden. Eine große Anzahl von Häu- den. Der Gemeindevorsteher fonnte sich retten. iern wurde in Trümmern gelegt. inajor Holý aus Königgräß und der Pfarrer der Prag für die Staatsverteidigung. Aus den frei willigen Opfern, welche die Prager Bürger dem Staatsverteidigungsfonds bringen, geht unwiderlegbar die Einheit des gesamten Volfes hervor. Alle, die Reichen und die Armen, sind sich ihrer Pflicht gegenüber dem Vaterland bewußt. In der Prager Aktion für den Jubiläumsfonds der Staatsverteidigung haben am 17. September 16.197 Prager Kč 1,420.268.10 erlegt. Im Laufe von vier Tagen Weitere 40.000 Bimmer werden in Klubs oder in haben daher 68.138 Prager Bürger insgesamt den Heimen von Organisationen aller Art zur Kč 7,339.919.65 für die Verteidigung des BaterVerfügung stehen. Endlich sind schon jetzt landes gespendet. 120.000 Privatzimmer zur Vermietung ange Halbjahreskarten zu ermäßigtem Preis mit Gülmeldet worden, so daß man insgesamt mit tigkeit vom 1. Oftober 1938 bis 31. März 1939 er Ungerichte Schankgefäße nur bis Ende 1938. 350.000 Rimmern rechnen kann, in denen rund halten Geschäftsreisende ab 22. September d. J. um Ausschant alfoholischer Getränke, Mineral- cine Million Menschen gleichzeitig Unterkunft fin- durch Vermitlung der Zentrale der dem Einheitsver wässer und in der Slowakei sowie Karpa den könnten. Die Verpflegung der Besucher wird band der Privatangestellten eingegliederten Union der horußland auch von Milch dürfen ab 1. mühelos in den zahllosen New Yorker Restaurants Geschäftsreisenden und Vertreter in Prag II., Na Jänner 1939 nur amtlich geeichte Schankgefäße durchgeführt werden können. Die Ausstellung zbořenci 18 und aller ihrer auswärtigen Sefretaverwendet werden. Zulässig sind nur Gefäße seibst wird in den Wirtschaften und Cafés der riate. aus durchsichtigem Glas. verschiedenen Pavillons 43.000 Personen gleich- Ausflugszüge. Die Staatsbahndireftion in Brag fönnen. Auch Brünn veranstaltet am Sonntag, den 25. Sep- die Besucher wird beion zum Fischfang in die Slowakei mit Unterbrin». tember, die Direktion der Staatsbahnen in Prag reits ins einzelne geregelt. Man wird sowohl aung in Trenč. Teplig und Fischfang in der Waag in der Länge von 80 Kilometer. Preis der Erfursion für 180 Kč einschließlich Eintrittsgebühr in die per Eisenbahn, Autobus und Untergrundbahn bis 440 Kč. Am 25. September eintägiger Ausflug zur Kasematten in Brünn, Mittagessen, Rundfahrt an die Pforten der Ausstellung gelangen können; Macocha und nach Brünn für 180 Kč einschließlich mit Autobus, Eintritt in die Höhlen, Abendessen die Schiffe werden nur eine Meile weit anfern des Eintrittsgeldes in die Kasematten, der Fahrt mit usw. Abfahrt von Prag- Wilsonbahnhof 6.05 1hr fönnen, man hat zu diesem Zwecke einen neuen dem Autocar, des Eintrittsgeldes in die Höhlen, des morgens, Rückfehr nach Prag um 23.39 Uhr. An- Kanal gebaut. Die Flugzeuge werden drei Mei- Mittagessens, des Nachtmahls etc. Anmeldungen und meldungen und Informationen im Referat für en entfernt auf dem Flugplatz von North Beach Informationen im Referat der Ausflugszüge der Ausflugszüge der tschechoslowakischen Staatsbah- landen. Staatsbahnen im Basar neben dem Wilsonbahnhof. nen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tele= Telephon 383-35. phon 383-35. Die Unterbringung der Weltausstellungs befucher 1939. New York bereitet fieberhaft die Weltausstellung 1939 vor, und es ist soeben eine Bestandsaufnahme der für die Besucher vorhanTschechoslowakei viertes Rundfunkland denen Unterkunftsmöglichkeiten durchgeführt worEuropas. Seit dem Eintritt in die politisch be- den. Auf diese Weise erfährt man, daß es in den wegten Monate wächst die Zahl der Rundfunk- New Yorker Hotels 133.334 Zimmer gibt, dazu borer in der Tschechoslowakei sprunghaft. Der in den nahegelegenen Vororten rund 50.000. gegenwärtige Stand der Rundfunfhörer beträgt 1,119.254. Damit ist die Tschechoslowakei, was die Zahl der Rundfunkhörer anlangt, an die vierte Stelle in Europa gerückt.( TND) Eine Exfursion zur Macocha und nach zeitig aufnehmenew gort brier Verkehr, der veranstaltet vom 24. bis 28. September eine Erfur Schlagende Wetter. Durch schlagende Wetter wurden in der Zeche Hensies- Pommecoul im füdbelgischen Sohlengebiet vier Arbeis ter und ein Aufseher von den Gesteins: massen lebendig begraben. Bisher fonnte ein Leichnam geborgen werden. Pardubit. Im städtischen Krematorium fand die Einäscherung der sterblichen Ueberreste des 23fährigen Gendarmen Stanislav Roubal aus Velké Poříčí nad Metuji statt, der bei Falkenau Fünfundzwanzig Stunden in Scenot. Das während der Ausübung seines Dienstes von auf- norwegische Motorschiff„ Elve" ist in der Nacht rührerischen Sop- Leuten aus dem Hinterhalt er zum Dienstag gesunken. Sieben Mann der Beschossen worden war. Außer den Familienmitglie- faßung konnten sich im Rettungsboot in Sicher dern wohnten der Kremation auch Bezirkshaupt- fcit bringen. Sie erreichten nach 25stündigem mann Dr. Kuchař, der Pardubißer Stadtrat mit Rudern völlig erschöpft die jütländische Küste. dem Bürgermeister Dr. Fryba, Vertreter der Nennfacher Mord. In der östlichen ProArmee, der Gendarmerie und der Sicherheits- vinz der Insel Kuba verübte ein Farmer ein wache sowie zahlreiche Menschen aus Pardubiß fürchterliches Verbrechen. Mit einem Beil, wie es und der Heimatgemeinde des Verstorbenen bei. in den Zuckerrohrpflanzungen verwendet wird, Unter den Blumenspenden befanden sich ein Kranz Fieb er seiner Mutter, seinem Onkel und sieben Die Statue Von Walter Kunze Großer Schmuckbiebstahl. Auf dem Schiff, Wetterbericht. Jnnerhalb einer Zone höheren das die Verbindung zwischen Folkestone und Boulogne sur Mer besorgt, ist auf rätselhafte unseren Gegenden wieder nahezu aufgeheitert. Bei Druds über dem Binnenland hat sich der Himmel in Weise das Gepäck einer reichen Engländerin verschwachem Oitivind stiegen die Temperaturen dabei schwunden, in welchem Juwelen im Werte von am Nachmittag auf 21 bis 23 Grad an. Vereinzelt ca. 3 Millionen Francs vorhanden waren. Eng- wurden in Mitteleuropa 25 Grad erreicht. Die lische und französische Polizisten, die sich auf dem Tätigkeit von Drudſtörungen beschränkt sich auf die Schiff befanden, untersuchen die Angelegenheit, Tendes und die Wetterlage wird infolgedessen günwestlichen und südwestlichen Randgebiete des Feitjedoch bisher ohne Erfolg. frig bleiben. Wahrscheinliches Wets Wirtschaftsaufschwung Australiens. Der Haster Donnerstag: Im ganzen schön, stellen. fentrust in Melbourne beschloß, 750.000 Pfund weife Morgennebel in den Tälern, tagsüber warm. als erste Rate für den Bau des neuen Appleton- schwacher südöstlicher bis östlicher Wind. WetDocks beim Victoria- Dod auszugeben. Die Kosten terausfiten für Freitag: Keine wesentliche Aenderung. des Gesamtbaues werden auf 3 Millionen Pfund veranschlagt. Die neuen Hafenanlagen werden 21 große Dampfer aufnehmen können, mit Die heutige deutsche einem Tiefgang bis zu 32 Fuß. Der Hafenumsatz in Melbourne hat sich vom Jahre 1931 bis zum Jahre 1937 verdoppelt und liegt heute um eine Inland- Sendung Brag Melnik: 10.15 F. d. Frau: Im Foher, eine Plauderei für Theaterfreunde. 10.45-11.00 Eines Tages blieben die Fremden aus Bepa ton Strafft, Cello: Fr. Holečef). 18.20 Landw. Sch. 12.10 Sch. 18.00 Sammermusik.( Viola: Ansist und blickt vergeblich um sich. Nur Soldaten 18.45 Sch. 19.00 Polit. Wochenschau. 19.30 Georg hasten durch die Straßen und beachten den hockenden Riesen wenig. Bepa wundert sich. Der Riese 21.30 Kammermusit( Prager Streichquartett). Fr. Händel und Reinhard Keiser, Hörf. 20.00 Sch. hält sein Antlik weiter himmelwärts gewendet 22.00 Sch. 22.30 TM. und schließt die Faust um den Keulengriff. Da Nachrichten ab 11.00. Er liebt den Riesen, den er auch für seinen mäch tigen Beschüßer hält und sei es nur, daß er die brennenden Strahlen der Sonne oder das fühle Geriefel des Regens auffängt und von Bepas gebrechlichem Körper fernhält. Wenn Bepa die schwere Müdigkeit anfällt, dann schläft er hier auf seinem geschüßten Plaße ein und träumt von femmen eines Morgens große, brummende Vögel. Brünn: 13.50 bis 14.00: Arbeitersendung: Sie tommen eben aus der Himmelsgegend, in Arbeitsmartt. 17.40 bis 17.55: Arbeitersendung: die der Riese seine drohenden Blide wirft. Sie Gen. Ferdinand Jurba: Die Sozialversicherung im kommen näher und speien plößlich unter ohren Auslande. 17.55 bis 18.00: Schallplatten. 18.00 betäubendem Lärm Feuer und Rauch. Es sind bis 18.15: Dr. Felix Langer: Glüdatmosphäre. Flugzeuge, die Bomben auf die Stadt werfen. Eine bergleichende Literaturstudie. Auch über dem Stadthaus treisen sie. Auf ein= Mähr. Oftran: 18.10 Deutsche Sendung. Dr. das Haus und seinem steinernen Beschüßer. Ein Seitere Kinderstunde. mal löst sich eine Bombe und fällt gerade zwischen Walter Michalitschte: Neue Bücher; Eva Peter: Splitter trifft den Riesen im Naden und ents hauptet ihn. Da fich Rauch und Staub verziehen, fommen Männer gelaufen und sehen das tostbare Vor dem prächtigen Bau des Stadthauses mit seinen hohen dorischen Säulen, hodt auf cinem Sockel aus blaugrauem Warmor der Riese mit der Stente. Sein bärtiges Antlig himmelwärts dem Riesen. Bepa träumt immer von dem Riesen, gewendet, scheint er drohend nach dem Feind zu denn er allein füllt sein kleines Herz. Er liebt spähen, vor dem es gälte die Stadt zu schüßen. ihn, weil er so schön, so mächtig und gewaltig ist Die Steule liegt bereit auf den mächtigen Senien und weil all die jagende Angst, die ein einsames und die kräftige Faust umspannt ihren Griff. Kinderherz oft anfällt, sich hier nicht bis zu ihm Der Riese mit der Keule ist ein weltbe- vorwagt. rühmtes Kunstwert. Ein großer Meister des Mittelalters hat ihn in Stein gehauen und sein begnadeter Geist gab ihm Leben für Jahrhunderte. Bepa weiß nichts von dem Wert des Bildwerkes. Er sicht die Fremden und hält ihre Be wunderung für die feine. Bepa weiß nicht, daß er selbst in einem langen Leben voll Mühe, Fleiß und harter Arbeit nie soviel Werte schaffen könnte, Bildwerk in Trümmern. Sie rufen Photogra- führer. Zuerst lockt er und muntert auf; hat er Der Nationalruhm ist ein täuschender Verda sie am Ende auch nur den Wert des bärtigen phen, die das Bild der Verwüstung aufnehmen eine gewisse Höhe erreicht, so umklammert er Antlizes erreichten. Das sind nicht Erwägungen und in alle Länder versenden. eines Stinderhirns. Die Fremden, die so zahlreich ins Land kommen, besuchen seinetwegen die Stadt und verharren vor ihm minutenlang in schweigender Bewunderung. Sie stehen ergriffen vor der Schöpfung eines der größten Stünſtler, die die Menschheit hervorgebracht hat. Die Stadt ist stolz auf ihre Statue, Dann kommt ein Bildhauer, ein großer den Kopf mit einer ehernen Bunde; der Umdenn sie gibt ihr Bedeutung und Ansehen. Ueber- Von der Statue erzählten dickleibige Bücher, Künstler, der die Trümmer zusammenseßt und schlossene sieht im Nebel nichts als ein eigenes dies ist sie von unermeßlichem Wert. fünden glänzende Bildtafeln in aller Welt. Die nach mühevoller Arbeit dem Niesen das Haupt Bild, keiner fremden neuen Eindrücke mehr fäZu Füßen des Bildwerkes fist Bepa der Fremden schildern ihre Schönheit und berichten wiedergibt. Nun ist er wieder hergestellt und nur hig. Behüte der Himmel uns vor solchem NaBetteljunge. Er hält hier allerlei Kram den von dem unvergeßlichen Eindruck, den sie hinter sein Wert ist um ein Geringeres vermindert. tionalruhm. Fremden feil, die ihm mitunter wohl auch einen ließ. Von Bepa spricht niemand. Man wirft ihm Ja, auch Bepa hat ein Splitter getroffen. Stupfer zuiverfen, wenn sich ihr Blid von dem ein Geldstück zu und vergißt ihn. Das Bildwerk herrlichen Bildwerk hinab auf den schmußigen haftet allen Besuchern im Herzen: es ist hinErdboden verirrt. Bepa siht schon viele Jahre hier. reißend und kostbar. Jm Naden, eben wie seinen großen Beschüzer. Aber es gibt auf Erden feinen Künstler, der Bepa wieder herstellen könnte, Johann Gottfried Herder ( ,, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit") Nr. 223 Donnerstag, 22. September 1938 (Stift 5 IMhwwfodtaft und Samlp^tife Einschränkung der Geldauszahlungen fiercdinet werden, die bereits in der Zeit vom 1. bis 21. September 1988 ausaezablt wurden. Die Bestimmungen der Absätze I bis 8 gelten nur, soweit die Vereinbarung mit dem Einleger über die sukzessive Auszahlung oder die Kündigungsfrist, oder das gemäß Nr. 240/1924 d. S. d. G. u. B. zugunsten der Geldanstalt nicht günstigere Bedingungen für die Auszahlung der Einlage festsebt. Auf die gerichtlich deponierten Einlagen beziehen sich die Be^immungen der Absätze 1 bis 8 nicht. Der Anspruch aus die Auszahlung von Rück- kaufSsummen der LebenSver- sicher ungipolizzen wird derart eingeschränkt. daß der Versicherte nur ein Viertel der Rückkaufssumme fordern kann, die ibm gemäß den Bersichcrungsbedingungen gebührt; falls dieses Viertel den Betrag von 20.00 Ki. auch aus mehreren Versicherungsverträgen desselben Versicherten, übersteigt, ist die Versicherungsanstalt berechtigt diese Summe in Monatsanlablungen von je 1000 Ki auszuzahlen. Anleihen auf VcrlicherungSpoliszen können nur in den oben angegebenen Grenzen der Rückkaufssumme eingekordert werden. Der Finanzminisler wird ermächtigt, se nachdem, wie dies die Verhältnisse auf dem Geldmärkte zulassen werden, die Sätze und Beträge, die oben angegeben wurden, entsprechend zu erhöhen. Dieselbe Ermächtigung bezüglich der Auszahlungen der Versicherungsanstalten steht dem Innenminister zu. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verlautbarung in Kraft. Sie wird vom Finanz- und Innenminister im Einvernehmen mit den beteiligten Ministers durchgeführt werden. Schutzmaßnahmen für die Währung Prag. In diesen Tagen, in denen alle Bc- mühungml zum Schuh des Staates konzentriert werden Missen, kann einer der nicht bedeutendsten Faktoren der Verteidigung, daö ist die Währung, ohne vollkommenen Schuh gekästen werden. Un- lautere Elemente arbeiten in solchen außerordent- lichen Zeiten mit erhöhter Intensität, entweder auS Gewinnabsichten oder aus Böswilligkeit oder Hatz, oder aus Befürchtungen usw. Wer gerade in diesen kritischen Zeiten die gegebene Situation dadurch verschlechtert, daß er Valutaschmuggel betreibt, mit dem Kapital ins Ausland flieht oder illegal Werte im Auslände beläßt, welche unserer Volkswirtschaft dienen sollen, begeht eine strafbare Handlung, die gegen die Interessen de» Ganzen und verdient nicht, daß mit ihm milder verfahren werde, als mit irgendeinem anderen gemeinen Verbrecher.-.Diese. Gründe,-hat- der Ständige Ausschuß der Nationalversammlung in vollem Maße anerkannt, als er in seiner Sitzung vom 19. September 1988 die Maßnahmen genehmigte, durch die die bisherigen Vorschriften über deir Schutz der Währung geändert und verschärft werden. Die Schmugglerausfuhr von Kapital oder absichtliches Belasten von Kapital im Auslande, falls der Gegenstand der strafbaren Handlung einen Wert über 800.900 KC hat, sowie die Verbreitung unwahrer Nachrichten, welche die Währung schädigen können, werden als Verbrechen mit schwerem Kerker von ein bis zehn Jahren bestraft, fall- der Gegenstand der strafbaren Handlung einen Wret von fünf Millionen KL hat oder unter anderem besonders belastenden Umständen wird die Strafe auf 5 bis 20 Jahre erhöht. Mit diesen Freiheitsstrafen lind noch strenge Ncbenstrafcn verbunden. Bei der Aburteilung Ivegen Verbrechens verliert der Verurteilte die bürgerlichen Ehrenrechte und sein Vermögen kann als verfallen erklärt werden. Auch für Stenevwertrelungen wurden die Strafsähe empfindlich erhöht. Indem wir von dem Grnndsahe auSgehen, daß die Währung besonders heute denseiben Schutz erfordert, wie andere Mittel der StckatS- verteidigung, verwendete die Maßnahme einige Vorschriften, die vollkommen mit den Vorschriften des Gesches über die Staatsverteidigung über» cinstimmen. Die Börse geschlossen Prag. Die Börse wurde für alle Wertpa- plergattungcn provisorisch geschlossen. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme ist noch nicht bestimmt. ES werden Maßnahmen getroffen werden, daß nach der Wiederaufnahme ein normales Geschäft, sich entwickeln kann, wobei die zuständigen Institute und Stellen insbesondere für einen normalen Markt der staatlichen Wertpapiere sorgen werden. Die Beschäftigung Im August Bei den 298 BezirkSkrankenvcrsicherungSan» stalten, welche der ZSBA unterstehen, waren im August gegen Krankheit versichert: a) nach dem Ges. 221/24(Arbeiters Männer.,«,. 1,586.028 Frauen.,... 890.116 zusammen,.,. 2,446.141 gegen Juli weniger um 8.719, gegen August 37 mehr um.... 19.978; b) nach dem Ges. 117/26(PensionSvers.) Manner 181.971 Frauen..... 87.699 zusammen.... 189.670 gegen Juli mehr nm ü. 850, gegen August 1937 mehr um... 6 428. Prag. Durch Regierungsverordnung vom 21. September werden Bestimmungen über eine vorübergehende Einschränkung der Auszahlungen von Einlagen bei Geldinstituten und der Leistungen von Privatversicherungsanstalten erlassen. Unter Geldanstaltcn werden verstanden: Vor« schußkassen, die gemäß dem VereinSgcsetz vom 26. November 1882, Nr. 288 RG(VereinSvorschußkasscn) errichtet wurden, Kreditgenossenschaften, die gemäß dem Gesetz über Erwerbs- und Wirtschaftsgenosscn» schäften vom 9. April 1878, Nr. 70 RG, oder gemäß Gesetz Art. XXXVII/1878 über das Handelsgesetz errichtet tvurden, wirtschaftliche und gelverb» liche Kreditgenossenschaften, die gemäß Ges.-Art. XXI11/1898 über die Wirtschafts- und Gewerbe- Kreditgenossenschaften errichtet wurden. Verbände (Zentralen) dieser Anstalten und Genossenschaften, die Kreditgeschäfte betreiben, weiters landwirtschaftliche Bezirksvorschußkassen, die auS den Kontribu» jions» und Steuerfonds gebildet wurden, Sparkassen im Sinne des Gesetzes vom 14. April 1920. Nr. 802 d. S. d. A. u. B., durch das die Rechtsverhältnisse der Sparkassen geregelt werden sowie die im 8 83, Abs. 8, desselben Gesches angeführten Sparkassen, die LandeSkreditfondi in Prag und der Landeskreditfond» der Kleinlandwirte in Prag, die Aktienbanken, die Geldgesellschaftcn mit beschränkter Haftung und Aeldunternehmen im Sinne des Art. 1-1 l der Bank» gesetzt- vom 21. April 1982, Nr. 54 d. S. d. G. u. V. Der Anspruch ausAuSzahlung von Kontokorrentfordtrungen bei einem Geldinstitur, der vor den« 21. September 1938 entstanden ist, wird derart eingeschränkt, daß der Gläubiger einer solchen Forderung nur fordern kann, daß ihm im Laufe de- KnlendermonatS ein Betrag bi» zu 8 Prozent dieser Forderung nach dem Stande am angeführten Tage ausbezahlt werden soll; fall» diese Forderung einschließlich anderer Forderungen bei derselben Äeldanstalt weniger al- 20.090 KL beträgt, einen Betrag bi» zu 600 KL. Eine höhereAuSzahlung kann-eingefordert werden: 1. o h n e E i n s ch r ä n k u n g auf einen bestimmten Betrag: a) für die Angestelltengehälter im eigenen Unternehmen deS Gläubigers oder zur Bezahlung der Miete(d«S Pachtzinses) durch den Gläubiger in einer zu seinem Unternehmen gehörenden Angelegenheit; b) für die Zahlung von Steuern und öffentlichen Abgaben, die Auszahlung auf Grund der Anweisung des Gläubigers ist die Geldanstalt verpflichtet,. direkt dem zuständigen EinnahmSamt zuzuführen; c) für die Zahlung von Prämien an die öffent lich-rechtlichen Sozialversicherungsanstalten und von Versicherungsprämien an PrivawersicherungSanstal« ten;•............ d) aus bei Gericht-deponierten Geldern:. «) aus den von Advokaten oder öffentlichen Notaren eingelegten Geldern, soweit diese sie benötigen, um gerichtlichen Verfügungen oder Entscheidungen Genüge zu tun oder die Verpflichtungen ihrer Auftraggeber zu erfüllen. 2. Im Kalcndermonat bis zur Höhe von 25 Prozent der Forderung gemäß dem Stande vom 21. September 1988, falls da» Geld nachweisbar für den Betrieb de» Unternehmens des Gläubiger» notwendig ist. . 8. Die Bestimmungen der vorangegangenen Abschnitte gelten nur, solang« die Vereinbarung mit dem Gläubiger über die sukzessive Auszahlung oder über die Kündigungsfrist oder soweit ein gemäß Gesetz vom 10. Oktober 1924, Nr. 240 d. S. d. G. u. B. über das Moratorium zum Schutze der Geldanstalten und Ihrer Gläubiger, zugunsten de» Geldinstitutes nicht günstigere Bedingungen für die Auszahlung der Forderungen festsctzt. Der Anspruch auf Rückzahlung von Einlagen auf Einlage-(Sparkassen-)Büchel, oder auf Kassenanweisungen, die bei einer Geldanstalt oder bei der Postsparkasse vor dem 21. September deponiert ist. wird derart eingeschränkt, daß der Besitzer einer solchen Einlage nur folgende Auszahlungen im Laufe eines Kalendermonats fordern kann: a) einen Betrag bis 900 KL, falls die Einlage gemäß den: Stand am angeführten Tage mehr als 30.000 KL beträgt. b) einen Betrag bis 3 Prozent der Einlage, gemäß dem Stande am angeführten Tage, fall» diese Einlage 5000 bis 80.000 KL beträgt. c) einen Betrag bis 150 KL, falls die Einlage weniger als 5000 KL beträgt. Der Besitzer mebrerer solcher Einlagen, di« bei derselben Anstalt deponiert sind, kann gleichfalls keinen höheren Betrag fordern, als er gemäß Absatz 1. Buchst, a) bis e) auf die Summe aller dieser Einlagen zusammen entfällt. In die Beträge, die nach den vorangehenden Absätzen eingefordert werden, werden die Beträge ein- Man erhält für KS 100 Reichsmark 503.— Markmünzen 775.— 100 rumänische Lek«,,.■. 17.60 -100 polnische Zloty« ,». 553.50 . 100 ungarische PrngÜ«,,» 578.50 ' 100 Schweizer Franken»». 666.— 100 französische Francs»,. 80.45 1 englisches Pfund.... 143.— 1 amerikanischer Dollar.,. 29.— 100 italienische Lire.... 134.40 100 holländische Gulden... 1587.— 100 jn^dskawische Dinare.». 64.80 100 Belgas....... 491,— 100 dänische Kronen.... 633.— 100 schwedisch^ Kronen,,. 733.— Adressat unbekannt Von Fritz Rosenfeld Der Gesängnisdireltor legt behutsam zwei i Geldscheine und einige Münzen ans den Tisch. Ein s Silberstück, das im Schneelicht dieses Februar« - morgen» ohne Glanz bleibt, und cttvaS Kupier, j das im Umlauf durch hunderttausend Hände längst i alle Leuchtkraft verloren hat. Die Frau nimmt die Banknoten, hält sie rat- loS zwischen den Fingern, zwölf Jahre ist es jetzt her, daß sic zum letzten Mal so einen Schein an dec Haut ihrer Hände fühlte, sic tveiß noch, eS ist Geld, man kann Brot dafür lausen, Kleider, Wärme und Acht; aber sie erinnert sich nicht mehr, wie man ihn faltet. Die Münzen rollen in ihre abgeschabte Handtasche, zwischen die Papiere, die dort liegen: ihre Dokumente, der EntlassungS- zettel. Da öffnet der Gesängnisdireltor eine Lade. Er legt ein Bündel Briese aus den Tisch und sagt mit tonloser Stimme, als fürchte er sich vor seinen eigenen Worten: „Und dann habe ich noch die- hier für Sie." Die Frau sieht ihn stumm an. Dann sagt sie mechanisch, die Stille im Raum wird ihr unerträglich: „Briefe? Für mich?" Sie erinnert sich: Ich durste keine bekommen. DaS war eine besondere Verschärfung meiner Strafe. Schreiben durste ich, einmal im Mo» nat. Aber ein Zeichen von draußen, ein paar Zeilen, vielleicht eine gepreßte Blume dabei, ein Blatt— nein. Der Gesängnisdireltor sieht ihr gerade in die Augen: „Die Briefe sind nicht an Sie gerichtet. Sie sind von Ihnen geschrieben." Da steckt die Frssu schnell die Hände nach den gebündelten Papieren aus, als wollte sie die Blätter an sich reißen,' ehe eines anderen Menschen Auge, sie berührren kann. «Meine Briefe?" „Ich habe es mir lange überlegt, ob ich sie Ihnen geben soll", sagt der Gefängnisdirektor. „Aber Sie haben ein Recht darauf. Ich habe sie alle aufbewahrt, es fehlt kein einziger. Wie sie abgeschickt wurden, Monat für Monat, kamen sie zurück." „Ja. Meine Briefe", sagt die Frau und sie sagt es so schwer, als bedeuteten diese Worte viel mehr, als je ein anderer Mensch begreifen kann. Der GefängniSdirekwr öffnet das Bündel. Er nimmt den ersten Bries in di« Hand, wendet ihn um. „Adressat unbekannt", sagt er.„Der Bries ist lange umhcrgewandert, ein Dutzend Briefträger hat ihn in der Hand gehabt, er trägt viele llntcrschriesten. Die anderen Briefe nicht mehr." „Da wußte man cs Wohl schon", erwidert die Frau. tor.„War eS ein Verwandter von Ihnen?" tor.„War«S ein Verawandten von Ihnen?" „Nein", sagt die Frau schnell. „Ein Freund?" Die Frau senkt den Kopf. „Ec Ivar toohl inS Ausland verzogen und hat keine Adresse hinterlassen", meint der Gefängnisdirektor.„Sonst hätte man ihm die Briefe doch nachgcschickt." „Er ist vicht ins Ausland verzogen", wiederholt die Frau und ihre Stimme ist ganz fahl. „Dann"ist er vielleicht—" „Gestorben? Nein", sagt die Frau. Der Gefängnisdrektor sieht die Frau fragend an. Plötzlich geht ein Gedanke durch seinen Kopf. Martin Berger wollte die Briefe, die eine Mörderin auS dem Zuchthaus schrieb, nicht lesen. Er hat sic zurückgeschickt, mit Absicht. Vielleicht hatte er recht; wer weiß, wnS die Frau ihm angetan bat? „Nein", sagt die Frau und sieht den Direktor so durchdringend an, als wollten ihre Augen sagen: Ich weiß, woran du denkst. Da wehrt sich der Gefängnisdirektor. „Warum haben Sie zivölf Jahre lang Briese an eine falsche Adresse geschrieben?" „Die Adresse war nicht falsch", sagt die Frau. „Wenn ein Mann namens Martin Berger in diesem HauS gewohnt hatte, wären die Briefe doch nicht zurückgekommen", sagt der Gefängnisdirektor. „Er hat dort gewohnt. Er wohnt noch dort", antwortet die Frau. Dann fügt sie leise hinzu: „Aber eS weiß niemand". So, denkt der Gesängnisdireltor. Irgendeine dunkle Existenz, deren Dasein sogar dem Briefboten verborgen werden muß. Ein Zuhälter vielleicht, ein Kokainhandler, ein Hehler. Aber dann war eS doch sehr unvorsichtig von der Frau, an ihn mit bollem Namen zu schreiben. «ES weiß nur niemand", wiederholt die Frau, nun ganz leise. Und dann schreit sie plötzlich, sie HM die Fäuste, sie sieht den Gesänguis- direktor so feindselig an, daß er tief In feigen Sessel zurückkriecht: „Man kann doch nicht ganz altztin sein auf der Welt. Man mutz doch eine» Menschen haben, an den man denken kann. Einmal im Monat einen Bries schreiben dürfen, sich dreißig Tage darauf freuen, und wenn die Stunde kommt, den Bogen Papier zusammenknüllrn und in den Winkel werfen... Begreifen Sie mich denn nicht?" Nun versteht der GefängniSdirektor. Und nun fürchtet er sich auch nicht mehr. Er steht auf, tt geht zu der Frau, sie sitzt vor ihm, ihre Schultern zucken, sie weint. „War ich denn ein Mensch in diesen zivölf Jahren", sagt sie.„Habe ich denn existiert? Ich war doch nur ein Körper, der sich bewegte. Ich durfte doch nicht denken, sonst wäre ich wahnsinnig geworden. Da- Gehirn kann man betäuben, man kann tausendmal am Tage vorsagen: Denke nicht, denke nicht, sonst wirst du verrückt. Aber das Herz— da» Herz schlägt doch weiter, da- Herz läßt sich doch nicht ftnmm machen—" „Also eine Lüge", sagt der Gefängnisdirek« tor, aber es tut ihm sofort leid, dieses Wort gebraucht zu haben. „Lüge?" Die Frau sieht zu ihm m>f.„Wissen Sie denn, wie e» ist, nächtelang schlaflos dazuliegen und an den Augenblick zu denken, nach dem man sich sehnt, an dem man vor dem Tore stehen wird, auf der Straß«. Und denken müssen: Niemand wird da sein, der dich kennt, nur gleich» gülttge, fremde Gesichter. Niemand wird auf dich warten. Da» kann man doch nicht ertragen! Da mutz man sich^och einen Menschen auSdenken, der dort steht, der sich umsieht, ob du kommst, und der dir ein menschliches Wort sagt. Der dir das Bündel mit den Kleidern tragen hilft und vielleicht ein warmes Zimmer bereit hat, in dar du flüchten kannst, um dich zu verbergen, damit man nicht mit Fingern auf dicht zeigt: Da ist sie wieder, man hat sie wieder freigelassen, warum, für immer hätte man sie einsperren sollen, erschlagen hätte man sie sollen—* „Beruhigen Sie sich doch", sagt der Gesängnisdireltor.„Die Menschen sind nicht so schlecht." Die Frau härt nicht, was der Gefängnisdirektor spricht. Sie hat eS sich in den zwölf Jahren der Hast zahllose Male leise vorgesagt, nun sagt sie eS laut, das ist der ganze Unterschied: „Es ist egal, wie der Mensch heißt, der einen lieb hat, und eS ist egal, wo er wohnt, Und wenn er die Briefe nie bekommt und nie liest— schreibe» muß man sie, damit man weiß: er ist da. Und . wenn man wieder ftei ist, muß man ihn suchen. Monatelang. Vielleicht jahrelang. Bis man ihn iindet." Der Gesängnisdireltor ist wieder an seinen Schreibtisch zurückgegangen. Er bindet die Briese zusammen Sie liegen vorzhm. er weiß nicht, was er mit ihnen beginnen soll. «Werde ich ihn finden?" fragt die Frau plötzlich.„Glauben Sie, daß ich ihn finden werde?" „Da- weiß ich nicht", antwortet der Gefängnisdirektor, und er hat wieder die kahle, kalte Stimme eines Beamten. Dann setzt er hinzu:„Ich wünsche eS Ihnen jedenfalls an» ganzem Herzen." Die Frau steht auf, sie nimmt die Briefe vam Tisch. Sie brennen in ihrer Hand, sie scheinen unsäglich schwer zu sein. „Was soll ich mit ihnen tun?" fragt die Frau. „Sie gehören Ihnen", entgegnet der Gesängnisdireltor. „Mitnehmen? Nein. Ich weiß doch jedes Wort, da» darin steht, auswendig. Ich habe doch an jedem Brief einen ganzen Monat geschrieben." Sie sieht sich in dem nüchternen, grauen Zimmer um, im fahlen Wintcrlicht schimmert hinter der blaßbraunen MarienglaSscheibi des Ofens hellrot eine Flamme. „Darf ich sie hier verbrennen?" fragt die Frau. Der Gesängnisdireltor nickt. Die Frau tvirft das Bündel Briefe ins Feuer, die Flamme zuckt hoch auf. Das Klappern der eisernen Osen» türe klingt grell durch den Raum, dann ist es, lvieder still. „So", sagt die Frau leise.«Nun kann ich gehen." Da schrillt eine Pfeife vor den Fenstern. Der Direktor sieht hinaus. Aus einer schmalen Tür treten, zwei und zwei, in aschgrauen Kleidern, die Haare glanzlos, die Augen trüb, die Hände an den Leib gepreßt, die gefangenen Frauen. Die Frau tritt an» Fenster. «Auf die halbe Stunde Spaziergang habe ich mich immer so gefreut", sagt sie. Und nach einer Pause setzt sie hinzu:«Da war man der Welt doch um einen Schritt näher." Sie geht zum Tisch zurück, nimmt ihre Hand, lasche, dann das Kleiderbündel, da- neben dem Sessel lag. Sie will zur Tür gehen, aber das Fenster zieht sie magisch an. Sie muß wieder in den Hof hinaus blicken. Und da sagt sie: „Ich wäre glücklich, wenn ich bei denen dort wäre. Heute hätte ich wieder einen Brief schreiben dürfen." Der Direktor kramt unter seinen Papieren? Er findet einen Zettel, sagt in der Richtung zum Fenster: „Ich habe Ihnen ein Empfehlungsschreiben vorbereitet. Melden Sie sich an dieser Adresse, Sie werden dort Arbeit finden." MS er aber von seinem Schreibtisch aus- blickt, sieht er, daß er in seinem weiten, kahle» Zimmer allein ist. Seite 6 Die Kunst, nichts zu vergessen Von Erich Roseck Du mußt schon entschuldigen, aber weißt du. ich habe einen so furchtbar interessanten Vortrag gehört und da konnte ich einfach nicht vor zeitig fortgehen." " Sozialdemokrat" Donnerstag, 22. September 1938. Mr. 223 Prager Zeitung Holl Mit einstündiger Verspätung tam Emil zupasse will, brennt gerade grünes Licht. Und da hab ich mir überlegt: grün beginnt mit G, ge vnserer Verabredung. Sum nächsten Unterstand." Zahlreiche Kinos au wie Geduld. Bei grünem Licht muß also Geduld haben, stehen bleiben und warten. Und in Prag und in anderen Großstädten der Republit als dann rot aufflammte, habe ich wieder über- find so angelegt, das jie gleichzeitig eine Art LuftTegt: rot beginnt mit R, genau wie rennen. Bei schußfeller darstellen. Gestern sah man zum eriten Mal in Prag bei den Kinos gelbe Streifbänder mit rotem Licht muß man schnell hinüberlaufen. Das dem Pfeil und der Aufschrift: 3um nächsten Unterhabe ich getan. Und jetzt lieg ich hier." stand".( DND.) „ Wenn du nicht anders konntest, bist du felbstverständlich entschuldigt. Allerdings mußt du mir jetzt noch verraten, was für ein Thema dich so gefesselt hatte." „ Gern. Eine sehr interessante Sache. Emp fehle ich dir auch. Also, es war ein Vortrag über Mnemotechnik." Das ist allerdings sehr interessant. Aber vielleicht kannst du mir jetzt noch verraten, was das eigentlich ist. Mnemo..." ... technit. Die Kunst, nichts zu veracffen." üben?" cinfach." So so. Und diese Kunst willst du jetzt ausJawohl. Die Sache ist nämlich höchst „ So einfach, daß du dich vielleicht daran er innern wirit, daß ich dir vor vier Monaten fünf zi Kronen gepumpt habe, die du mir in drei Tagen zurückgeben wolltest?" „ Traurig! Sehr traurig!" Ja. Meinst du, daß ich den Erfinder der Winemotechnik für meinen Unfall haftbar machen kann?" „ Selbstverständlich!" erwiderte ich mit dem Regulierung der Heh- Insel in Prag VII. Beainnend mit dem 23. September 1938 legt die Staatsregulierungskommission für die Zeit von vier Wochen, d. h. bis einschließlich 20. Oftober 1938 den Regulierungsplan des Gebietes der Hey- Insel in Freitag, Samstag. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Don nerstag, 19.30 Uhr: Luise Miller". 19.30 Uhr: Chrano von Bergerac". 19 Uhr: Don Carlos"( neu inszeniert). tag, 19.30 Uhr: Fledermaus". - Sonn Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 20.00 hr: Dreißig Sefunden Liebe". Freitag, 20.00 1hr: Flitterwochen". Samstag, 20.00 Uhr: Dreißig Sefunden Liebe". Sonntag, 20.00 Uhr: Liaison". " Bruſtton der Ueberzeugung. Denn man soll einem Brag VII zur öffentlichen Einsicht auf, und zwar Filme in Prager Lichtspielhäusern Sanfen niemals widersprechen. Aus aller Welt im Büro der Staatsregulierungskommission in Prag I, Neues Rathaus, 3. Stock. Kunst und Wissen Viktor Dyk im D 39 D 39 hat sich diesmal zur Eröffnung der Sai son, gleichzeitig aber als Feier des zwanzigjährigen Bestandes der Republik, Viktor Dyts RevolutionsUrania- Kino: Frl. Liselott." Gastspiel Mil. staja. Broadway: Sensationeller Erfolg:„ Grä fin Walewifa." Garbo, Boyer.- Adria:„ Er ach 3000 Jahren." Harold Lloyd. A.- Alfa: Schneewittchen und die sieben 3 wer Ge." Abendfüllender Farbfilm. Disneys.- Apollo: Pépé le Moto, der Abenteurer von Algier." Art II., Václavsté nám. 18:„ Die filberne Wolfe." Tich.- Avion:„ Das Ideal der Septima." J. Biachta. Tich.— Bajkal:„ Klapperzahns XI." Tich Beranet:„ Wandas Sorgen." Tich. Fenix: Die Zunft der Kuttenberger Jungfrauen." Tich. lora:„ Wandas Sorgen." Tsch. Hollywood: „ Das Jocal der Septima." Tich. Hvězda:„ ErJournale, Grotesken, Reportagen. Koruna Aft. Der weiße Rabe." Tich. Kinema d. VI. B.: Th.: Journale, Grotesken, Reportagen.- Kotva: Gefängnis ohne Gitter." Fr. cena: Die Zunft der Kuttenberger Jungfrauen." Tich. Metro:„ Du und ich." A. Paffage:„ Ge fängnis ohne Gitter." Fr.- Praha: Der Stolben aus Elfenbein." A. Radio: Wölfe der Staut:„ Die Großstadt." Victor MacLaglen. A. Světozor: baltischen Matrosen." Ruff. " Der weiße Rabe." Tich. Veletrhy:„ Gefäng nis ohne Gitter." Fr. Urania- Kino Letzter Tag Lovagias ügh"( Ehrenaffäre)! Leibhusar". Geheimnisvolle Juwelen. In Neapel wurden zwei Personen verhaftet, die Juwelen im Werte von 5 Millionen Francs bei sich hatten, welche sie zu lächerlich niedrigen Preisen von Leuten auf dem Lande gekauft hatten. Diese Landleute hatten dieses Juwelen in der Nähe von Neapel an dem Orte gefunden, wo Ende April dieses Jahres ein Du bist ein geradezu widerlicher Zeitge- Flugzeug abgestürzt war, an dessen Bord sich von trilogie" ausgesucht. Das mag wohl auf manche nosse. Nur immer Geldinteressen. Für höhere der Hochzeit des Königs von Albanien Zogu in verblüffend wirken: Der rechtsstehende Politiker VilDinge hast du nichts übrig. Laß dir lieber ein Rom heimkehrende Personen befunden hatten. Diestor Dyt, Senator der nationaldemokratischen Barach 3000 Jahren." Harold Lloyd. A." Julis: mal die Sache mit der Mnemotechnik, der Ge- ſes Flugzeug führte auch eine Juwelensendung, die das erstemal, daß die Linte troß ihrer gegenteiligen tei, im Avantgardetheater D 39. Aber es ist nicht ein Pariser Geschäft dem König Zogu anläßlich velitischen Einstellung dem Dichter und Schriftsteller dächtnisschulung, erklären." „ Wenn es durchaus sein muß..." feiner Hochzeit sandte. Der König wählte sich aus Viktor Dyt das gibt, was ihm gebührt. 39 führt " Paß auf: viele Menschen können sich bei den ihm vorgelegten Juwelen jene aus, die ihm am fein Spiel auf. der Verlag Družstevní práce hat feispielsweise niemals merken, ob sie bei grünem meisten gefielen. Die übrigen sandte er nach Paris nerzeit seine Gedichte herausgegeben. Seine politischen Freunde gehen darüber still hinweg. cher bei rotem Licht die Straße überqueren dür zurüid. fen. Ich hab das bisher auch immer vergessen Römerbrunnen im 20. Jahrhundert. König Vittor Dyf hat seine„ Revolutionstrilogie" im und mußte deshalb oftmals Strafe zahlen. Aber sarul hat soeben die neue Luft- und Flottenbasis Jahre 1910 vollendet. Sie war gegen den politischen jetzt wird das anders. Denn der Mnemotechni-| Merja- Matruh inspiziert, deren Schaffung auf Opportunismus der Jungtichechen in Desterreich fer zergliedert gewissermaßen die Farben, er prägt Grund des Unabhängigkeitsvertrages beschlossen gerichtet und deshalb revolutionär zugeipigt. Der jich seinem visuellen Gedächtnis..." werden ist. Die Arbeiten sind schon weit fortge- spätere Rechtspolitiker findet hier Töne sozialer .... visuelles Gedächtnis ist ein sehe ichöschritten, aber die Hauptsehenswürdigkeit dieser neuen Empörung gegen die Tyrannei des Königs und die ncr Ausdruck. Den muß ich mir unbedingt Anlagen ist ein technisches Wunderwerk, das keines aufreizende Willfür des Adels. Er schildert auch merfen." regs jest geschaffen worden ist. Es cristiert viel einen Zwischentyp, den Bastard des Grafen, der in seinem Hause als besserer Domestik geduldet wird, Du solltest dir alles sehr genau merfen. mehr ſeit zwei Jahrtausenden und wurde von den sich in die Tochter verliebt und nur deswegen an Ungarische Premiere! 6, 49 11hr. Morgen: Ihr Aver unterbrich, bitte, nicht, du verwirrst mich römischen Soldaten nach dem Siege von Cäsar über dem Aufstand des Volfes teilnimmt, weil man ihm fenit und wir kommen heute überhaupt nicht mehr Sileopatra hier zwischen einer wild zerklüfteten, versprochen hat, daß die Frauen geschont und ihm zu unserer Schachpartie. Also, wo war ich stehen wasserlosen Küste und dem Wüstensand angelegt. Es gehören werden." geblieben?" handelt sich um einen Brunnen, der, jetzt allerdings Die Trilogie besteht aus drei unzusammenhän mit den modernſten technischen Hilfsmitteln, wiegenden Szenen, die das Milien der französischen der inſtandgesetzt worden ist, und der als einziger Revolution schildern. Dyf gibt hier allen handelnden in weitem Umkreis in der Lage ist, genügend Trink- Personen, was ihnen gebührt: Der Bettler, der zu= masser zu liefern. Bei den Instandseßungsarbeiten gleich als Anführer des Volkes fungiert, ist ebenso hat man die erstaunliche Feststellung gemacht, daß fraftvoll gestaltet wie die im Kerter ihren Tod erfaum ein einziger Stein aus dem Gemäuer des wartenden Aristokraten. Mit dem ihm eigenen Sarfasmus läßt er fie die Konsequenzen ihrer HandBrunnenschachtes sich im Laufe der Jahrhunderte auch nur verrückt hat: Uebrigens ist auch in Syrien lungen tragen für eine Sache, an die sie selbst nicht eine römische Bewässerungsanlage neuerlich entjan- mehr glauben, Dhts Revolutionstrilogie schöpft aus den Behei und wieder in Betrieb genommen worden. Ez gebenheiten der französischen Revolution. Es mag handelt sich um den etwa 15 Kilometer langen uns in diesen Tagen besonders eigen ans Ohr flin= Aquädukt nördlich von Palmyra. gen, wenn dort mit der Gebärde der Verachtung Solidaritätskundgebung aus Norwegen. Beim gesagt wird:„ Aber im Augenblick der Bedrängnis Einheitsverband der Kraftwagenführer in Prag traf verraten verraten in schwerer folgendes Telegramm ein: ,, Der norwegische Trans- Stunde..." vortarbeiterverband, der zu seinem 24. Landeston- Spiels zur Gegenwart... Man erwacht unwillkürlich aus dem Traum des greß versammelt ist, beklagt auf das tiefste die be- Es entsprach der Zeit, wenn E. F. Burian dauernswerten Verhältnisse, die gegenwärtig in der diesmal nicht nur als Regisseur, sondern gleichzeitig Tschechoslowakei herrschen und die Euch daran hin- auch als Schauspieler auftrat: Bohuslav Machnik, dern, einen Repräsentanten zu unserem Landeskon- der die Rolle des Bettler- Anführers verkörpern gresse zu entsenden. Wir übermitteln Euch unsere fellte, ist eingerüdt. Man fonnte diesmal also auch Sympathie in dem Kampfe, welchen die Tschechoslowakische Republik gegenwärtig führt und hoffen, daß die gesammelte Stärke der Arbeiterklasse die faschistische nazistische Invasion in die Tschechoslowa„ Das ist ja gerade. Als ich von der Haupt- fei verhindern wird. Mit brüderlichen Grüßen Norpist zum Wenzelsplay fomme und in die Wasser- wegischer Transportarbeiter- Verband." „ Bei deinem visuellen Gedächtnis." „ Richtig. Also der Mnemotechniker prägt seinem visuellen Gedächtnis ein: grün beginnt mit G, genau wie gehen. Bei grünem Licht darf er also über die Straße laufen. Rot dagegen mit M wie Ruhe oder Rast. Bei rotem Licht muß er also stehen bleiben und ruhig abwarten. Hast du das begriffen?" " Ja. Vollkommen. Ich begreife nur nicht. marum du mich deswegen eine Stunde warten Tägt."-Als Emil am nächsten Tag auch mit zweistündiger Verspätung nicht zu der täglichen Schachpartie erschien, rief ich in seiner Wohnung Ln. Ich erfuhr, daß er gerade ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Er hatte versucht, bei rotem Licht über den Wenzelsplatz zu laufen und war dabei in zu enge Berührung mit einem Auto gefommen. „ Sag mir nur eines. Emil, wie konnte dir, der du die Verkehrsvorschriften mit Hilfe der Mnemotechnik deinen visuellen Gedächtnis eingeprägt hast, diefer Unfall passieren?" fragte ich Emil, als er aus der Narkose erwacht war. Die wissenschaftliche Wünschelrute ( MTP) Das Problem der unwissenschaftlichen Wünschelrute ist troẞ zahlloser Untersuchun gen noch immer nicht endgültig geklärt. Es soll besonders empfindliche Menschen geben, soge= nannte Rutengänger, die am Ausschlag einer in der Hand gehaltenen Rute erkennen, ob sich in der Tiefe des Erdbodens, über den sie schreiten, Wasser oder Erzlager oder Petroleum befindet. Resultate. wieder einmal die ergreifende Wucht E. F. Burians als aktiven Schauspieler bewundern. Vaňátko, unter Burians Führung von einer Rolle zur andern welcher den entwurzelten Bastard spielte, wächst und so wie immer bewundert man bei dem Kollektiv die bis ins Detail durchgefeilte Zusammenarbeit. mg. J. Plachta und Jára Kohout im Film ,, Der weiße Rabe". naue Hinweise auf Art, Lage und Zusammenset- Erdschichten, das Vorhandensein flüssiger Schich- Strom von gewisser Stärke durch das Erdreich gezung der unterirdischen Lager zu verschaffen. ten, wie z. B. von Oelfeldern. Die Methode fand schickt werden. Eine weitere Verbesserung der Methode erIm Anfang der Entwicklung versuchte man besonders in den Jahren 1917-1920 in den Ver= die magnetischen Felder nußbar zu machen, um einigten Staaten vielfach für geophysikalische Pro- folgte durch Einführung der elektrischen Sondic das Vorhandensein von Erzlagern festzustellen. spektion Anwendung. Ihr eigentlicher Aufschuwung rung. Bekanntlich bietet die Herunterführung von Besonders in Schweden wurde diese Methode er- aber datierte erst vom Jahre 1929. Damals als Sonden bezeichneten Metallröhren in große probt, jie gab jedoch nicht genügend befriedigende wurde die Methode wesentlich verbessert, wodurch Tiefen, bis zu mehreren tausend Metern, feine eine Verminderung der Dynamitladungen möglich technischen Schwierigkeiten mehr. Bei diesen Im Jahre 1996 arbeitete der Ungar Eötvös wurde. Es gelingt seither, auch in größeren Tie- Probebohrungen entnahm man der Sonde Proben eine Methode aus, die auf dem Gravitätsprinzip fen mit ziemlicher Sicherheit Feststellungen über des durchſtochenen Erdreichs und untersuchte diese beruhte. Er konstruierte eine Art Waage, mit der die Beschaffenheit der Erdschichten zu machen. mit allgemeinen ein Meter langen Proben. Das die Dichtigkeit des Gesteins hergestellt werden ist ein zwar sicheres, aber recht langwieriges und fonnte. Der Apparat wurde bald durch das auf fostspieliges Verfahren. dem gleichen Prinzip beruhende Pendel von Holwed- Lejay ersetzt. Während die bisherigen Methoden immer nur mehr oder weniger auf ein bestimmtes Vortommen, sei es Erz oder Petroleum oder Kohle, spezialisiert sind, gibt es eine weitere Methode, die durch ihre allgemeine Anwendbarkeit und die letzten Zeit zu dem beliebtesten Verfahren auf Handlichkeit der Apparatur besticht und sich in der geophysikalischen Gebiete entwickelt. Dies zu wissen, ist natürlich äußerst wich Schlumberger kombinierte nun seit dem tig. Es handelt sich aber nicht nur darum, in wasJahre 1928 dieses Verfahren mit seiner eigenen serarmen Gegenden Brunnen aufzuspüren, oder Vis vor kurzem war die gebräuchlichste Medie besten Stellen für neue Brunnen zu finden, thode die der seismographischen Aufzeichnung. Der Untersuchung herauszuziehen, wurde der elefirische Methode. Anstatt aus der Sonde eine Probe zur es handelt sich vielmehr auch darum, möglichst Seismograph ist bekanntlich ein sehr empfindlicher Widerstand direkt in den durchstoßenen Schichten ohne große Kosten und mit möglichster Sicherheit Apparat, der jede Art von Erschütterung regifestzustellen, ob sich im Boden abbaufähige Koh- striert. Mit diesem Instrument werden Erdbeben gemessen. Die Erforschung der Leitungsfähigkeit und anderer elektrischer Eigenschaften des Erdlenlager oder Erzlager oder Delschichten befinden. registriert, die sich viele tausend Kilometer von dem Dieses Verfahren wurde von dem vor zivei reiches führt mit praktisch verivertbarer Genauig Bei diesen industriell so wichtigen Nachforschungen Apparat entfernt ereignen. Er ermöglicht auch, Jahren verstorbenen französischen Geophysiker feit zur Feststellung des Charakters dieser Schich fann man sich jedoch nicht auf die mehr oder weni- selbst auf große Entfernungen die Richtung fest- Conrad Schlumberger ausgearbeitet. Es macht ten. Das Verfahreu ist wesentlich kürzer und bilger offulten und unzuverlässigen Angaben von zustellen, aus der die Erschütterung kommt und sich die Tatsache zu nuße, daß die Leitungsfähig liger, ohne an Genauigkeit einzubüßen. Rutengängern stüßen. Daher hat die Wissenschaft, die Entfernung zu schäßen. Dieser Seismograph feit für elektrische Ströme für die verschiedenen Heute laufen in Kanada, in den Vereinigten seit es überhaupt eine wissenschaftliche Erforschung wurde nun für geophysische Forschungen ver- Körper in meßbaren Größen abweicht. Kupfer lei- Staaten, in Rußland und überall sonst, wo es der tieferen Erdschichten gibt, sich bemüht, brauch wendet. tet besser als Eisen, Metall besser als Salze, gilt, die geophysikalischen Lagen festzustellen, Lastbare Methoden für das Auffinden von solchen An einer bestimmten Stelle des zu untersu= Flüssigkeit besser als feste Leiter etc. etc. Wenn automobile über das Gelände, die die ganze nots Lagern zu entwickeln. chenden Geländes wird eine Explosion in mehr man also einen elektrischen Strom durch die zu wendige Apparatur. für die wissenschaftliche Ers Die Wiſſenſchaft, die sich mit der Erforschung oder weniger großer Tiefe des Erdbodens durch untersuchenden Erdſchichten schickt und deren forschung des Erdinnern tragen. Junge Ingeder Erdschichten und der Messung gewisser physi- geführt. Die durch die Explosion hervorgerufenen Widerstand mißt, so muß man daraus einen Rück- nieure sißen in diesen Wagen über Kurven ge taliider Eigenſchaften dieſer dichten befaßt. Schwingungen im Grdboden werden nach Glärte, schluß auf die Beschaffenheit dieſer Erdſchichten beugt und erechnen in Tuner Beit, was sich in nennt man Geophysit. Diese Wissenschaft ist nicht nichtung und Fortpflanzungsgeschwindigkeit von ziehen können. Bei Untersuchungen der elektrischen 1000 Meter Tiefe unter ihnen in der Erde beälter als 50 Jahre und hat bereits zu theoretisch verschiedenen Punkten aus gemessen. Mit entspres Felder an mehreren Punkten des Geländes Tassen findet. und besonders praktisch sehr bedeutsamen Ergeb- chenden Berechnungen ergibt sich aus den Zahlen sich Einzelheiten über die in der Tiefe vorhande= Für den Laicu sind diese wissenschaftlichen nissen geführt. Sie bedient sich heute der modern mehrfacher derartiger Proben ein Schluß auf die nen Lager mit ziemlicher Sicherheit aussagen. Rutengänger vielleicht noch geheimnisvoller als ſten technischen Mittel, um den Ingenieuren ge- Beschaffenheit des Boden, die Dichte der einzelnen Es muß dazu nur ein konstanter elektrischer ihre mystischen Konkurrenten. Dr. E. J.. Beaugsbedingungen: Bei Ruſtellung insSaus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kč 17.- vierteljährig Kč 51.- halbjährig Kč 102-, ganzjährig Kč 204.- Inserate werden la Tarif billigit berechnet. Müditellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten- Die Zeitungsfrankatur wurde von der Boft- u. Telearabbendirektion mit Erlak Nr. 13.800/ VII/ 1980 bewilligt( Kontrollpotant raba 25.- Druderei:„ Orbis". Drud. Verlaase u Beitunas-.- G. Saa -O