Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme bes Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Redakteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 18. Jahrgang Freitag, 23. September 1938 Die neue Regierung ernannt General Syrový Ministerpräsident ,, Herr General Syrový! Ich ernenne Sie zum Vorsitzenden der Regierung und betraue Sie gleichzeitig mit der Leitung des Ministeriums für nationale Verteidigung. Ich ernenne gleichzeitig den Vorsitzenden des Wehrausschusses der Organisationen für Körpererziehung MUDr. Stanislav Bukovsky und den Brimator der Hauptstadt Prag Dr. Peter Bent! S Aus dem Inhalt: Große tschechische Kundgebungen Ueberfälle auf Zollämter Mahnung des Prager Primators Henlein- Gemeindevertreter wollen mitarbeiten! Godesberg Nr. 224 Hodža verantwortlich gewesen ist, zurüdtre ten mußte. Sie ist durch eine unparlamentarische Regierung ersetzt worden, deren hers vorstechendste Merkmal ist, daß in ihr der Ober- Chamberlains Flug nach Köln war, wie der fommandant der tschechoslowakischen Armee den Premier nach seiner Ankunft in Godesberg er Borsiz führt. Diese Vereinigung der( nach dem klärte, sehr interessant, und die warme Bes Prag. Der Präsident der Republit hat forge minister wurde ber Sektionschef die Präsidenten der Republik) höchsten militärischen grüßung in Deutschland habe auf ihn großen Donnerstag ein Handschreiben folgenden Wort- fes Ministeriums Dr. S or á f. Er ist Borstand Macht mit der zivilen Regierungsgewalt ist, so Eindruck gemacht. Wahrscheinlich stand sie in lautes erlassen: der Bau- und Wohnungssektion dieses Ministe- sonderbar es im ersten Augenblick erscheinen mag, einem wohltuenden Gegensatz zu der Kühle, mit riums und ruffischer Legionär. Eisen- der Ausdruck der demokratischen der das englische Volk ihn aus London abreisen bahnminister wurde der rangsälteste Sektionschef Bo Its meinung; sie entspricht dem Wil- sah. Durchaus möglich, daß ihn die deutsche Zu bes Resorts Dr. Ka me nicky, Postminister len des Voltes. Die Massen, die in bestimmung zu seiner Politik beglückt und dieses der beim Postpersonal sehr beliebte Generalpost- wundernswürdiger Weise demonstrierten, in hohem Beglücktſein ihr noch nachgiebiger gegen die direktor Dr. Du novský, Handelsminister Grade erregt, aber in muſterhafter Disziplin, deutschen Forderungen macht. Davon aber, b wurde der Vorstand der Gewerbesektion dieses haben ihrer politischen Auffassung vor allem darin Chamberlain nur nachgiebig oder auch fest zu Ministeriums Dr. Jan á čet, zum Landwirt. Ausdruck gegeben, daß sie den höchsten General sein vermag, hängt ungemein viel ab. fchaftsminister wurde der Sektionschef Dr. Reich der Armee hochleben ließen. Auf ihn, das heißt Der englisch- französische Plan, dieser., Bes bestellt, der ein ausgezeichneter Fachmann ist und auf die Armee, konzentriert sich in diesen schick friedungsplan" auf Kosten eines anderen Staaein grundlegendes Wert über die tschechoslowaki falsschweren Stunden, da es gilt, die Zukunft der tes, der bis vor wenigen Tagen in Franfrei h sche Landwirtschaft geschrieben hat. Der neue Mi- Nation und ihres Staates neu zu gestalten, das und England schükende Freunde sah, ist in seinen nister für öffentliche Arbeiten General Ing. Vertrauen des tschechischen Volkes, weil es in der Einzelheiten noch immer nicht bekannt. Nur so No fál ist der Vorstand der Baufektion im Ver. Armee sich selbst und den eigenen Willen zur niet weiß man, daß er die Abtretung der von teidigungsministerium. Der neue Gesundheits- Entschloffenheit und zum Handeln verkörpert sieht. Deutschen bewohnten Grenzgebiete vorsicht. minister Prof. Mentel ist ein bekannter Herz- Das Volt empfindet instinktiv, daß hier eine Re- Nichts weiß man über das Ausmaß der Abtrefpezialiſt. gierung der Selbstbehauptung und nationalen Verteidigung entstanden ist, daß diese Regierung fungen, nichts über die Zeit und Form, in der nicht eine Partei, sondern das ganze Volf reprä- sie erfolgen sollen. Wahrscheinlich hat Chamfentiert, welches in einem der schwersten Augenberlain darüber nicht nur bestimmte Vorstellun blide seiner Geschichte nicht an sich selbst verzweigen, sondern sogar eine Art Vereinbarung mit felt und an feine Zukunft glaubt. In diesem Hitler. Aber gilt heute noch, was vor einer Glauben ist das Volk eins mit seinem Präsiden- Woche galt? So war es bisher immer und is ten, dessen Rundfunkrede starken Eindruck gemacht war es während der ganzen langen Zeit des hat. Der Präsident der Republik, der diefen Staat frivolen Komödienspiels, das man Verhandlun mitgeschaffen hat, und in der Stunde, da es sich gen zwischen der Sdß und der tschechoslowali um Sein oder Nichtsein handelt, das Steuerruder schen Regierung nannte: sobald nationalioziafest in der Hand hält, der in den letzten Tagen listischen Forderungen zugestimmt wird, werden der Regierung Hodža geiftig und phyſiſch, psychisch und moralisch sie als überholt bezeichnet. So hat Senlein 23 Die Regierung Dr. Milan Sobia hat geſtern bermenschlich niet bi funt des Staas Auftraggeber. Die Berichte des reichsdeutſchen geleiſtet hat, glaubt an die Zus als Beauftragter Hitlers getan, ſo tut's fein um 11 Uhr gemäß ihrem mittwöchigen Beschlußtes. Er, der immer ein positiver Politiker fein Mundfunts über die erste Besprechung Chambers dem Präsidenten der Republik ihre Demission wollte, hat auch jetzt konkrete Vorstellungen über lains mit Hitler bezeichnen es zwar als Erfolg gegeben. die Art, wie der neue Staat seine Stellung in Chamberlains, daß die Prager Regierung nach Europa gestalten soll, damit das tschechische Volf gab, aber sie lassen sehr deutlich erkennen, daß su Ministern. Gleichzeitig ernenne ich die Herren: Der Sturm der europäischen Ereignisse hat frei leben tann. Was innenpolitisch geschehen nun eigentlich schon wieder eine neue SitunDen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtig nun auch das innenpolitische Leben der Tschecho lonnte, ist nun geschehen, Präsident, Armee und tion" entstanden sei. Mittlerweile haben sich ja ten Minister Dr. Krofta zum Minister für aus- flowakei so erschüttert, daß die Regierung, welche Regierung sind eins, eine einheitliche Staatsfüh auch Hitler und der Minoritätenschüßer Mussowärtige Angelegenheiten, den Landespräsidenten die Stoalition der großen tschechischen Par- rung soll die größte Kraftentfaltung möglich malini zum Anwalt aller in der Tschechoslowakei Jan Černý zum Innenminister, den Sektionschef teien dargestellt, die Verhandlungen über das chen, deren das Volt fähig und die auch notwen- lebenden Minderheiten gemacht. Das iſt das JUDr. Josef Kalfus zum Finanzminister, ben Sektionschef Engelbert Šubrt zum Minifter für und für die in erster Linie Dr. Milan Weltgeschehens nicht untergehen zu lassen. nationale Problem monatelang geführt hat dig ist, das Staatsschiff in den Stürmen des Neue", und es ist durchaus möglich, daß Hitler Herrn Chamberlain zu verstehen geben wird, daß Schulwefen und Boltskultur, den ersten Präsidenten es sich nun nicht mehr um das" judetendeutsche bes Obersten Gerichtes Dr. Vladimir Fajnor zum Problem allein handelt, sondern um viel mehr. Justizminister, ben Sektionschef JUDr. Jan Jan á. čer zum Minister für Industrie, Handel und Gewerke, ben Sektionschef Dr. Jindřich Kamenický zum Eisenbahnminister, den Divisionsgeneral Frantiset Nofál zum Minister für öffentliche ArbeiMinisterpräsident General Syrový Sehr bemerkenswert find die Ernennungen der Minister ohne Portefeuille: hier finden wir neben dem Propagandaminister Ing. V av řečka den Prager Primator Dr. Zen! I und den Vorsitzenden des Sokolverbandes Dr. B u tovský, der Chefarzt des Heilfondes der öffentlichen Bediensteten ist. Die Demission Chamberlain in Godesberg London.( Reuter.) Bei der Ankunft auf ten, den Sektionschef Ing. Dr. Eduard Reich zum dem Hestoner Flugplatz grüßte Ministerpräsident Lundwirtschaftsminister, den Sektionschef Dr. Chamberlain vor seinem Abflug nach Godesberg Bedřich Horák zum Miniſter für foziale Fürsorge, die versammelte Menge, die sich aber ihm gegen über sehr fühl verhielt. Bevor er das Flugzeug bestieg, erklärte er, daß die Lösung des tschechoslowakischen Problems eine grundlegende Notden Professor MUDr. Stanislav Mentl zum Minifter für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung, den Sektionschef Dr. K. Dunovský zum Minister für Post und Telegraphen, den Settionschef Dr. Josef Fric zum Minister für Unifi- wendigkeit für eine Verständigung zierung ber Gefehe und Organisierung der Verwal- wischen dem britischen und deut tung und den ehemaligen Gesandten Hugo Baschen Volke ist, die zur Sicherung des europäischen Friedens unbedingt notwendig ist. ,, Mein Bestreben ist der europäische Friede und ich hoffe, daß dieser Weg dazu führen wird." Chamberlain flog vom Hestoner Flugplak um brečka zum Minister. Dr. Eduard Beneš. Armeegeneral Shrový m. p. Die Mitglieder gungsminister Jan Syrový ist Generaltrup10.47 Uhr nach Godesberg ab und traf mit seinen Mitarbeitern um 12.30 Uhr auf dem Flughafen Köln ein: Zu seinem Empfang schafter in Berlin Sir Nevile Henderson, ihn in das im ersten Stod gelegene Konferenzzimmer. Sodann wurden die genau vor einer Woche auf dem Obersalzberg begonnenen Besprechungen zwischen Adolf Hitler und dem britischen Premierminister wieder aufgenommen. Chamberlain scheint, man kann das aus der Begründung seiner Plan"-Politik in der ,, Times" und in der..Daily Mail" schließen, sich als Retter des Friedens und als Erneuerer des europäischen Gleichgewichtes zu fühlen. Die ..Times" rühmt es, daß ,, die Aenderungen und Modifizierungen der Friedensverträge, wie ſie nunmehr mit allgemeiner Zustimmung( 1) durchgeführt werden sollen, das Prinzip einer Godesberg.( Reuter.) Der britische Premier ohne Gewaltanivendung erzielten Aenderung minister Chamberlain verließ um 19.12 Uhr das Sotel Dreeſan". Die Unterredung Hitlers mit Chamberlain wird morgen fortgesetzt. Chamberlain und Hitler haben allein mehr als zwei Stunden verhandelt. Anwesend war nur der deutsche Dolmetsch. stärken, wovon, wie ohne Uebertreibung geſazt werden kann, die ganze fünftige Entwicklung der menschlichen Zivilisation abhängt". Es kaum zu glauben, daß die Leser der„ Times" o naiv sind, das, was jetzt geschieht, als eine Aen. derung ohne Gewaltanwendung zu betrachten. Es ist bereits Gewalt angewendet worden, wenn auch nicht in einem Kriege, aber die Revolte der Sdp, die vielen Schießereien, die zahllosen London. Die ,, Times" teilt aus autoritativer Ueberfälle, denen eine ganz beträchtliche Anzab! Chamberlains Vorschläge der neuen Regierung hatten sich der Reichsminister des Auswärtigen Duelle, aber ohne amtliche BestätiMenschen zum Opfer fiel, sind doch Gewaltatte v. Ribbentrop mit dem Staatssekretär Aung mit, daß die Anträge, die Chamberlain und solche, die nicht ohne Wissen und Wollen be Der neue Ministerpräsident und Verteidi- Freiherrn v. Weizsäcker, der britische Bot- nach Godesberg mitbringt, u. a. enthalten: 1. stimmter Atteure jenseits der Grenze geschahen. Eine internationale Kommission für die Abstet ind wenn eine ungeheuere militärische Gewaltveninspektor ber tschechoslowakischen Armee. Vor- der deutsche Botschafter in London Dr. v. Dirk- ung der neuen Grenzen der Tschechoslowakei und maschine bereit steht und plötzlich Freunde, auf her was er Generalitabodet und im zweiten Be- en sowie der Chef des Protokolls, Gesandter für den Austausch der Bevölkerung. 2. Unverzüg- deren Hilfe man fest vertraut hat, erklären, sie amtenkabinett( 1926) Minister für nationale Freiherr v. Doernberg, eingefunden. Nach liche Demobiliſierung. 3. Ein gemeinschaftlicher könnten gegen diese Maschinerie, wenn sie sich in Berteidigung. Sirový stand im Befreiungskampf Abschreiten der Ehrentompagnie der Strat Appell Hitlers und aller Beteiligten, daß der Bewegung setzt, teinen Schuß gewähren und der der tschechischen Nation, und zwar in den ruf- Chamberlain in Begleitung des Reichsaußen- Briede und die Ordnung gewahrt bleibe in der Bedrohte sich nun fügen muß – das ist keine fifmensesionen an führender Stelle. ministers unter den Klängen der englischen Navischenzeit, die zur Durchführung des in Godes Getvaltanwendung? Dann hat nicht die Gewait tionalhymne im Straftwagen die Fahrt zum werde. 4. Gewisse Garantien für die Erhaltung berg getroffenen Abkommens notivendig sein gesiegt? der Integrität des neuen tschechoslowakischen Staates. Man glaubt, daß in diese Garantien auch wirtschaftliche Garantien einbezogen werden kön Die einzigen Minister, die von der Regie- Hotel Petersberg in Königswinter an. rung Hodža übernommen wurden, sind Außen- Außer den Genannten waren in Godesberg minister Rr ofta und Finanzminister& a Imit Hitler auch Goebbels, Reichspressechef fu 8. Der mährische Landespräsident Jan Dr. Dietrich, Reichsführer der SS, Himm Černý, der wieder das Innenministerium über- Ier, sowie General Seitel und General Bos nimmt, hat dieses Amt schon wiederholt bekleidet denschwaz, ein Mitarbeiter Görings, in Godess und war auch schon zweimal Ministerpräsident. berg eingetroffen. Der neue Schulminister Šubrt war bisher Präfibialchef seines Nefforts, ebenso der Unifizierungsminister& r it. Zum Justizminister wurde der erste Präsident des Obersten Gerichtshofes Dr. Fa in or, ein Slowate, ernannt, der schon 1926 Unifizierungsminister war. Für nen. Alcoy bombardiert Godesberg. Der britische Premierminister mit seinen Mitarbeitern traf, geleitet vom Chef Alicante. Donnerstag vormittags bombardierdes Protokolls Gesandten Freiherrn v. Doerns ten zwei Francoflugzeuge Alcoy, welche ettva 45 berg, um 16 Uhr im Rheinhotel„ Dreesen" in Kilometer nördlich von Alicante liegt. Es war dies Godesberg ein. Der Reichskanzler empfing die zweite Bombardierung von Alcoy seit Ausbruch seinen Gast am Eingang des Hotels und geleitete der Feindseligkeiten. Chamberlain alaubt wohl, die Regelung" des deutsch- tschechoslowalischen Problems sei erste Stufe zu einem neuen Friedensbau. Das wird sie nur dann sein, wenn den Diktatoren nicht nur in dieser, sondern in allen Fragen nachgegeben wird. Welche ungeheuerliche Selbsttäuschung, zu glauben, Sitler werde mit der Abtretung der judetendeutschen Gebiete zufrieden sein! England und Frankreich, die Nubesehnsüchtigen, würden dann für immer Rube haben! Onein, das Prinzip" einer ohne Gewaltanwendung erzielten Aenderung" wird sich, und wahrscheinlich eher als heute geahnt werden kann, auch gegen sie wenden! Srite 2 Freitag, 23. September 1938 Ob auch vom Schicksal der sudetendeutschen Demokraten und von dem der tschechischen Minderheiten in den judetendeutichen Gebieten gesprochen werden wird, vom Schicksal Hundert tausender? Es ist doch mit diesem Prinzip. vor der Gewalt| Interessen haben, bald erkennen. Sogar Chams zurückzuweichen, zugleich ein neues in die Weltberlain wird das erkennen. politik eingetreten und es wird sie für lange Zeit beherrschen: das Prinzip, nun Verträgen und Bündnissen und politischen Freundschaften nicht ' mehr zu glauben, nicht mehr zu glauben an friedlich- schiedliche Vereinbarungen, sondern nur noch an die Macht desjenigen, der Gewalt anzu wenden bereit ist. " Daily Mail" erzählt in einem langen biographischen Aufsatz über Chamberlain, daß er Die Tschechoslowakei wird, wenn man sie nicht nur seine Tierfreundschaft als fleißiger nach dieser„ Regelung" leben läkt, weiterleben, Angler betätigt, sondern daß er auch Zeit fand, so weil ihr Wolk leben will. Ihre internationale Bes neben seiner politischen Arbeit sich um die Niste deutung wird, auch wenn sie nur noch ein neutras möglichkeiten eines Blaumeijenpärchens zu tüm lifierter und„ garantierter" Staat sein wird, be mern. Das ist gewiß rührend. Aber es dürfte stehen bleiben- ihrer geographischen Lage Leute geben, denen die Nist- und Lebensmöglich wegen. Sie wird aber eine politische Bedeutung keiten einiger hunderttausend judetendeutscher anderer Art sein, und daß diese Andersartigkeit| Demokraten doch noch wichtiger scheinen. Aber die Situation für Frankreich und England nicht das sind Leute, die sich zu dem Europa jetzt begünstiger gestaltet, werden diese beiden West- herrschenden„ neuen Prinzip" noch nicht befehrt mächte, die doch auch mittel- und südosteuropäische haben. Historisches Schicksal im Spiegel der tschechischen Presse Den Artikeln der tschechischen Presse merkt! Im Polednt List" weist Stribrny zunächst man die tiefe Erregung an, welche die Verfasser kurz auf die Fehler hin, die begangen wurden: der Artikel veseelt. Alle mahnen zur Ruhe und Die veränderten Verhältnisse verlangen auch appellieren an dei Einigkeit der Nation in einem ein männliches Bekenntnis von zwanzig Jahren der schwersten Augenblicke, den das Volk in seiner Fehlern und neue Wege der Staatspolitif zu tausendjährigen Geschichte durchgemacht hat. Besuchen. Neue Wege können auch neue Menschen merkenswert ist die Zurückhaltung, mit der bei antreten. Hoffen wir, daß das bei uns keine spielsweise die„ Národni Listy" über das Schwierigkeiten machen wird." Verhalten der Westmächte schreiben: Wenn wir auch den Schmerz über den Verust dessen fühlen, worauf wir veriraut haben, ürfen wir es Frankreich und England nicht übel nehmen, daß sie ihre Interessen anders verstehen, als es uns paßt. Dies bedeutet nicht, daß wir auseinandergehen. Unser Bestreben wird es sein, deren Freundschaft zu erhalten. Wir sind überzeugt, daß ihre Freundschaft uns auch erhalten bleiben wird. Die russische Hilfe Nicht zu übersehen ist auch, wie insbesondere die Rechtspresse auf das Versagen der rujjijchen Hilfe hinweist. Dasselbe Blatt schreibt: Die letzten Nachrichten haben auch die Hoff. mungen zerstört, welche man bei uns über die Hilfe Sowjetrußlands genährt hat. Au Moskau wurde uns mitgeteilt, daß der Bündnisvertrag über die gegenfeiitge Hilfe stischen Frankreich, Rußland und der Tschechoslowakei nur dann eine silfe Rußlands bedeuten kann, wenn uns Frankreich zu Hilfe fäme. Andernfalls hat uns Rußland auf den Völkerbund verwiesen, welcher Deutschland als Angreifer bezeichnen müßte.( Was bes deutet, daß wir bereits mit Deutschland Krieg führen müßten.) Und dann könnte Rußland die Verpflichtungen erfüllen, welche aus dem Völterbundpakt. hervorgehen. Wenn wir diesen Standpunkt Moskaus in die praktische Rede überseyen, bedeutet Rußlands Hilfe Null. Frankreich wird mit uns nicht in den Krieg ziehen, und wie sich der Völkerbund der Angegriffenen beizustehen versteht, haben wir genügend gesehen. Ebenso betitelt der agrarische Večer" feine Nachrichten auf der ersten Seite: Auch Rußland hat den Krieg für die Tschechoslowakei nicht riskiert." Es hat uns an den Völlerbund und Frankreich gewiesen. 17 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Drei Tage sind diese Nachrichten schon alt", murmelte er.„ Wein Gott, und was geht heute bor?" Und von neuem begann die beklemmende Von neuem beginnen Das agrarische Organ„ Venkov" betont vor allem die Notwendigkeit der Einheit: Wir müssen aus der Nation alle moralischen Kräfte herausholen, um sie zu erhalten. Heute ist teine Zeit zum Diskutieren und auch keine Beit zur Rache, tveil diese die Köpfe erhitzt, die Nerven aufreibt und mit der inneren Berſchung und Unterjochung droht. Würden wir in eine Parteiund persönliche Heze hineingeraten, wäre der Weg gegen uns offen. Jetzt müssen wir alle ausammenhalten und von neuem beginnen. Natio nen dürfen nicht verzweifeln, Tränen schwächen und sind kein Weg zu neuem Aufbau. Wir müs sen unsere Scholle neu pflügen, säen, und werden vielleicht auch ernten. Nr. 224 Die Tschechen- Verfolgungen Ist der Friede erkauft? ,, Lidové Noving" stellen die bange Frage, ob in Wien mit den Opfern, welche das Land bringt, auch der Friede erkauft werden wird. Die nächste Zukunft wird zeigen, ob mit der englisch- französischen Intervention und den Kon aeffionen unserer Regierung wenigstens ein sofortiger Friede erfauft werden wird. Daß zu einem dauernden Friede auf diese Weise nicht der Grund gelegt wird, davon hat unsere Regierung vergebens Westeuropa zu überzeugen sich bemüht... In diesem Augenblid, da wir nicht wissen, ob uns der Verlust des Friedens oder ein noch schmerz licher Verlust trifft, wiffen wir, daß diese und jene Gefahr feine nationale Berseßung und feinen nationalen Umstura aulassen dürfen. Alle fönnen uns verraten und man kann das Volt wird sich wieder erholtem| aufstehen, wenn es sich nicht des Bewußtseins seiner inneren Einheit begibt. Die Kundgebung vor dem Parlament In den Prager Fabriten wurde gestern gar nicht gearbeitet. Die Arbeiter und Arbeiterinnen gingen zwar hin, aber nur um sich zu endlosen Bügen zu formen. Diese traten dann die Wanderung ins Zentrum der Stadt an. Es gingen hier alle beisammen. Arbeiter und Arbeiterinnen, Lehrlinge, von ihren Vertrauenspersonen begleitet. Jeber Bug trug feine eigene Staatsfahne. Alles strömte zum Parlament. Dort tvar bald ein Wald von Staatsfahnen beisammen, der Sametanaplas und alle Seitenstraßen waren überfüllt. Die Menge verlangte, daß auf dem Parlament die Staatsfahne gehißt werde. Es wurden abwechselnd die Staatshymne gesungen und verschiedene Chöre standiert, es wurde verlangt, die Regieruna möge abtreten, die Integrität der Republik geschütt werden und Waffen an die Massen verteilt werden. Parteipolitische Unterschiede waren verschwunden wie am Tage vorher. Mit Hilfe der installierten Amplione sprachen dann zu den Massen die Vertreter berschiedener politischer Parteien, die aber alle betonten, nicht für die Partei aufzutreten, sondern für das Volf. AIS erster nahm das Wort der Vizepräsident des Parlaments, Dr. Markovič, dann sprach der tommu nistische Abgeordnete Gottwald, nach ihm der Nationaldemotrat Dr. Rašin. In der Rede Wien. Der Videnfth dent" ist Mittwoch nicht erschienen, ba fein Chefredak. teur verhaftet wurde und der zweite Re. batteur gezwungen wurde, Desterreich zu ver. laffen. Die vor einigen Tagen verhafteten Tschechpflowaken sind zum Teil im Polizeigebände auf der Moffauerlände, zum Teil im Hotel„ Metro. pot, beim Sih ber Geſtaps, in Saft. Unter ben Berbafteten befindet sich auch der Vorsitzende des Winderbeitenrates Alvis I o št. Demonstrationen. in der tschechischen Provinz____ Prag. Mittwoch fanden an einiaen Orten patriotische Manifestationen statt. Die größten Kundgebungen fanden in Königgräb statt, wo sich etiva 10.000 Personen versammelt hatten, ferner in Mähr.- Ostrau, Brünn, Laun, Pilsen Jičin, Turnau. Solan, Omit uſtvo. Ueberall wurde die Staats. hhmne und das Lied Hej Slowané" gesungen. Es wurden auch zahlreiche Parolen gerufen, darunter Schüßet die Grenzen". Wir gehen mit der Armee" u. dal. Ferner wurden auch Pfui- Rufe gegen England und Frankreich ausgestoßen. Mirgends wurde jemano angefallen, nirgends tam ca Bur Anivendung von Gewalt, auch war in feinem Falle das Eigentum bedroht, so daß die Organe der Staatsgewalt mit Ausnahme von gütlichem Bus reden nirgends gegen die Waffen auftreten mußten. In Neu- Pala haben die Arbeiter für Freitag einen Streit in allen Betrieben angekündigt. Der Bes zirkshauptmann wirkte auf die Vertreter der polis tischen Parteien dahin ein, daß bei der heutigen Volksversammlung in Neu- Pata wiederum absolute Ordnung gewahrt werden möge. Von mehreren Orten wurden an die Regierung Telegramme ge sandt, in denen das Mißfallen über die An nahme der Forderungen der Westmächte zum Aus druck kommt. Kompromiẞlos auf dem Boden der ČSR Rain 3 erregte Aufschen, als er betonte, daß es in diesem Augenblick zwischen ihm und den Kommu- bolfswirtschaftlichen Organisationen in der Slonisten feinen Unterschied gebe. Für die nichechische Volkspartei sprach der Vizepräsident des Abacordnetenhauses to set, für die faschistische Partei der Ein hartes Leben Abgeordnete Gaida, für die Nationalsozialisten Ab„ Ceste Slovo" macht auf die kommen- geordneter Richter. Dann folgte als Redner Schwierigkeiten des nationalen Lebens auffiſche abgeordnete ber Agrarier Rtvaril preden, General Ob r åt i Iit, nach ihm follte der ſlowaGeneral Obrátili, nach ihm sollte der flowa den mertiam. Das Blatt jagt: Wenn es noch so schlimm ausfallen sollte, müſſen wir uns darauf vorbereiten und gut überTegen, was und wie weiter, wir müssen uns dessen bewußt sein, daß die Geschichte nicht still, steht, daß sie niemals das letzte Wort sagt. Wir werden weniger sein und werden ein hartes Leben haben. Deshalb müssen wir noch mehr zusammen rüden, einander und der Gerechtigkeit glauben, die civig ist, während Menschen und Ereignisse vergänglich sind. Unser heutiges Leben ist nur ein Augenblick zwischen Vergangenheit und Zus funft. Wir sind ein Nest im Sturm, wie dies schon oft der Fall war, da wir nicht den Glauben und die Hoffnung verloren und von neuem den Sonnenschein erlebt haben. Angesichts dieser Verzweiflung fand Herr von Miramar auch nichts anderes als die schon briannten Worte: " Sie müssen sich beruhigen, Frau Birginie. Hier, fünfzehnhundert Meter hoch, fann Ihnen nichts geschehen!" „ Meine Eltern sind unten", stöhnte sie, ettvas oberhalb von Monthey. Ich muß hinunter, muß sie auf die Gefahr aufmerksam machen..." Morgen in aller Früh werde ich hinunter gehen mit dem Maultier", unterbrach sie ihr wann, dessen hohe Gestalt hinter ihr erschien. Angit. " Sie sind bereits in Sicherheit. Sie bekommen Gegen Abend fam ein Mann aus Champéry die Nachrichten früher als wir... aber man muß herauf und setzte sich in die Wirtsstube, während die Vorräte bergen... den Wein...".: die Pariser ihre Abendmahlzeit auf dem Plateau beendeten. Durch das offene Fenster hörten jie feine abgerissenen Worte: aber die Menge wurde schr aufgeregt und pfiff ion aus. Deshalb sprach wieder ein Kommunist, der Abgeordnete Vodička, und nachber bat der kom muniſtiſche Senator Mikuliček die Massen, daß sie auch den Vertreter der Republikanischen Parisi anhören, schon wegen der Einheit der Nation. Erit dann konnte der Abgeordnete Nibárit das Wort er greifen und es wurde ihm auch applaudiert. Dann sprachen noch Prof. P at a 7, Prof. Neied Iv und für die Bewohner Karpathorußlands Olarit Rum Schluß wurde eine Proflamation General Syrový s verlesen, in welcher die Nation erwabnt wird. zur Arbeit zurückzufebren. die Rube zu be wahren und zu warten, bis man sie zur Verteidigung des Staates anrufen wirb. auf, und die ganze Landschaft schien diese Morgenstimmung beglückt zu genießen. „ Schau doch, schau!" flüsterte Max. der sich auf den Felsen ausgestredt hatte und seine scharfen Augen mit den Händen beschattete. Eine Erklärung der slowakischen Wirtschaftsorganisationen Preßburg. Repräsentanten der führenden zakei sind ohne Unterschied der politischen und Standesunterchiefde in dieser schidsalhaften Zeit zusammengetreten, um im Bewußtsein ihres Rechtes und der Gerechtigkeit zu erklären, daß sie fompromißlos auf dem Boden der Tschechoslowas schaftlichen Bedürfniffe und Wünſche der Bevöl & für die Sicherung der nationalen und wirts tischen Republit als einzig möglicher Bas die crung der Slowakei stehen. Das slowakische Polt bewohnt feit mehr als tausend Jahren das Gebiet seiner heutigen Heimat und sein einziges Bestreben ist, auch weiterhin innerhalb dieser Grenzen frei zu leben und zu entfalten. Die Wirtschaftsorganisationen der Slowakei beweisen fo die aufrichtige Treue und Ergebenheit gegen über der Tichechoslowakischen Republik und for dern alle Komponenten des Wirtschaftslebens auf. durch ungestörte Pflichterfüllung sowie durch Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung den verantwortlichen Faktoren dabei zu helfen, die Mechte und das Wohl der Tschechoslowakischen Republik und damit auch die Integrität und Einheit der Slowakei zu verteidigen. ..Natürlich," höhnte Hubert ,,, in fünfzehn Hundert Meter Höhe tann uns doch nichts ge schehen, wie Bapa sagt." Aber ein sofort erstid tes Schluchzen schnitt ihm das Wort ab. Mag hatte sich erhoben. ,, Komm, alter Freund, und sei vorsichtig. damit wir sie nicht zu früh erschrecken." Sie stiegen wieder zur Alp hinunter. Bor der Herberge umringten einige Frauen und zwei Greise einen jungen traustöpfigen Burschen. Ec rollte die Augen, fuchtelte wie verrückt mit den Armen, aber in seiner Atemlosigkeit stieß e immer nur dieselben Worte hervor: daz Wasser... Rettet euch!... Das Wasser ,, Das Wasser... dort unten Auf dem breiten Rand der Straße, das die Sonnenstrahlen gerade erreichten, unterschied us bert auf und abwogende Gruppen. Es war wie eine Doppelprozession aufgeregter Ameisen. Die einen gingen hinunter, die anderen hinauf. Stän dig kreuzten sie sich auf ihrem Wege. Manchmal hielten sie inne, wenn sie sich trafen und bildeten einen schwarzen Haufen, der sich bald wieder teilte und vorschob. Die Panit beginnt, murmelte Hubert Vom Morgenwinde herbeigetragen, vers nahmen sie jetzt ferne Glocentlänge aus TroisTorrents, aus Illiez und aus Champery; sie alle „ Auf der Flucht waren die Leute von Monthey nach Trois- Torrents und Illiez gekommen. vereinten sich zu einem wirren, berzweifelten, eins Tie ganze Nacht hatte man von Villeneuve bis dringlichen Flehen. ..Das ist der Schafhirt." erklärte die blonde St. Marin Sturm geläutet. Das Wasser war Sie läuten wieder Sturm!" schrie War. tommt von dort oben." Wirtin, mit vor Erregung heiserer Stimme. ,, Gr so schnell gestiegen, daß ganze Familien teine Beit hinter ihm trable ſein mit Teeren Fässern be- Bird uns denn das Geläute überallhin vergefunden hatten zu fliehen. Es gab schon Tote packter Maulesel. Mit der Hand wieß sie nach den dürftigen Weideplägen auf den steilen Felswänden der Dents- Blanches. Horch!" „ Virginie warf sich ihm an die Brust und sie blickten einander wortlos in die Augen, dann wandte er sich ab, ergriff sein Töchterchen und schwang es auf seine Schultern. Eva fühlte ihre Augen feucht werden. Als der Morgen dämmerte, brach er auf; ,, Wird folgen?" Und Hubert entschlüpften die unverständs lichen Worte: ..Also auch das Gebirge! Wozu dann...?" Mitten in seiner zornigen Frage brach er ab. Es erbitterte ihn, daß er seine hartnädig immer wiederkehrende Soffnung aufgeben sollte. Er richtete sich auf. Die Gefahr abwägend, versuchte er 84 scherzen: ..Los, alter Knabe! Wir müssen unsere letzten Berfügungen treffen. Uebrigens werden wir nicht lang dazu brauchen.". Aber vor Erre gung brach ihm plöblich die Stimme. über Tote." Mar hatte sich geräuschlos angekleidet und Den Parisern war der Bissen im Munde fich ins Freie geschlichen. Mit langen Schritten stecken geblieben. Bestürzt saben sie einander an. ging er nach dem kleinen Paß. Keinen Blic derholte immerfort Herr von Miramar.„ Wir schwenderische Pracht zum Klaren Simpel en " Wir wenigstens sind außer Gefahr", wie schenkte er den Gipfeln, die unbeachtet ihre vers sind hier fünfzehnhundert Meter hoch... fünf- redten. Als er sich umivandte, gewahrte er Su bert, der, von ähnlicher Angst aus dem Bette gezehnhundert Meter!..." " So viele Tote... so viele Tote...". trieben, denselben Weg einschlug. Mag ließ ihn sagte Yvonne immer wieder totenbleich. Hezankommen und sie gelangten auf das Plateau, „ Welch unerhörte Sache", sagte nachdentlich von wo aus man das Tal überblicken konnte. der Gelehrte. Und keine Erklärung dafür..." 23ortlos blidten sie auf Champéry hinab, das Die Wirtin erschien auf der Schwelle. Ihr seinen gewohnten Anblick bot.. Es erwachte in fonst rosig frisches Gesicht war verstört. Fable leichte Schatten gehüllt und erwartete ben Kuß Flecken lagen auf ihren Wangen. Sie wandte sich der Sonne, deren Strahlen sich an den Berg-..Meine Schwestern... Die Kleinen... an Herrn von Miramar, von dem sie gehört hatte, wänden vorwärts schoben. Dünne Rauchfahnen Mama.... er sei ein Gelehrter aus Paris. stiegen von den Schieferdächern auf und vermengs ,, Noch ist alles nicht verloren," meinte Mar ten sich in der leichten Luft. Blößlich brach die und erfaßte seine Hand, wie um ihm Mut zuzu Sonne ins Tal ein, die Fensterscheiben Johten. iprechen.. " Ist das denn möglich? Sagen Sie, was Jullen wir tun?" tommt Gerade als Mag und Hubert die Gruppe erreichten, erschien Herr von Miramar vor der Türe. Plößlich gewann der Hirt die Sprache vieber. das Rhonetal füllte sich mit Wasser und das Am frühen Morgen hatte er es gesehen.... Wasser stieg die Berge hinan... alle Berge ſtanden im Wasser und es stieg und stieg immer nach Barmaz weiter... Da habe er nur noch daran gedacht, hinunterzulaufen um warnen..." 34 ,, Rettet euch!... Rettet euch!..." wiederholte er immer wieder. Im ganzen Tal von Jüliès läuten sie Sturm", murmelte Hubert. ( Fortsetzung folgt.). if It 28 6 n I t Mr. 221 Freitag, 23. September 1938 Seid fest und furchtlos!" Rundfunk- Rede des Präsidenten der Republik Prag. Gestern Zurz nach 19 Uhr hielt der Bräsident der Republik, Dr. Eduard Benes, fol. gende Ansprache im tschechoslowakischen Rundfunk: ,, Teure Mitbürger! Die Ereignisse, welche wir durchleben, find von historischer Bedeutung. Ganz Europa, die ganze Welt macht einen großen Umbruch durch. Es geht nicht nur um uns; bas scheint nur fo, bak unsere Frage und ihr gegenwärtiger schmerzlicher Charakter etwas für fich selbst ist. Anderswo wird dies andere Formen haben und wir werben noch genug bewegte Augenblicke durchleben, bevor in diesem Teile der Welt für lange Zeit wieder Frieben und Ruhe herrschen wird. Daher ist es für uns wichtig, unter allen Umständen Ruhe und Besonnenheit und insbesondere auch Einheit in der Nation zu bewahren. Wenn wir uns von der Leidenschaft so weit forttragen ließen, daß wir der Ereignisse nicht mehr Herr wären, daß wir deren Entwicklung nicht begreifen würden, würden wir wahrhaftig unſere teuersten Güter bedrohen. In diesem Augenblide mußten werben wir sie erfolgreich und in Ehren bestehen. Ich wiederhole: Fürchtet nicht für die 8n. Innft des Baterlandes. Es hat ärgere Seiten gegeben und wir haben bald danach wiederum glorreiche Zeiten erlebt. An die Leser und Ceite 3 Abnehmer unseres Blattes auch für den Staat von Nutzen. Aber feid auch in Die Entwicklung der politischen Eben wurde die neue Regierung gebildet. Sie diesem Augenblick ruhig und mannhaft, verliert inswurde im Sufammenwirken aller Parteien gebilbet. Verhältnisse hat die Herausgeberbesondere den Optimismus und den gefunden Sinn Die politischen Parteien werden hinter ihr feft und schaft der sozialdemokratischen Zeicharakteristisch ist. fürs Leben nicht, der für uns Tschechoslowaken so treu stehen, die nationale Solidarität wird sich dar- tungen dazu bestimmt, die Kopfblätter in kundgeben. Schließlich möchte ich Euch in die des sozialdemokratischen PressekonUnsere Gegner oder Widersacher warten auf fem Augenblick aufmerksam machen: Jeber harri zerns aufzulassen und fernerhin nur unfere Serfehung, Unordnung und Ulurube. Aber wie ein Soldat auf feinem Boften aus ein einziges Tagblatt herauszugeben, selabe jetzt, bei den bevorstehenden internationalen Damit bient er bem Staat am beften! Und zwei und zwar den Sozialdemo Verhandlungen muß die Ordnung gewahrt bleiben. tens: Von europäischen Stellen werden alarmierende, krat". Wir sind überzeugt, daß unund vor allem: schonen wir unsere unglaubwürdige Nachrichten verbreitet, gebet acht Rräfte, wir werben fie braumen! 3 harauf und beruhigt diejenigen, die ihnen Glauben sere Leser, Abonnenten und Mitarbeiter diesen Entschluß verstehen und bilwiederhole nochmals: Wir werben fie noch brauchen! schenken! Achtung auch auf Provokateure! schonen wir unser feelisches Gleichgewicht, es ligen werden. wird uns jetzt unerläßlicher sein benn je. Euroba macht eine große Krise durch. Wenn wir gegenseitig feft zufammenstehen, einig in Geift, Serz und Sinn, einig in allen Parteien und Richtungen, in der Besonnenheit und Entschloffenheit, Ich schließe! Fürchtet nicht für Nation und Den Abonnenten der bisherigen Staat! Der hat tiefe und feste Wurzeln. Wie dies Smetanas„ Libude" in ihrer Weisfagung prophe. Kopfblätter wird der ,, Sozialdemokrat" seit:„ Wein teneres tschechisches Wolf wird nicht zuzugestellt werden, wenn sie sofort ihre arunde gehen!" Ja, es wird nicht sugrunde gehen Bestellung an die Verwaltung des ,, Sound alle Schreden ruhmreich, ruhmreich überwinben! zialdemokrat", Prag XII., Fochova 62, aufgeben. Auch die Kolporteure ersuchen wir, ihre Bestellung sofort an die 66 Verwaltung mitzuteilen. Der Elfmation, weiße sind nurses wir entsprechen ,, Wir dürfen uns nicht selbst verlassen!" welche allen hinlänglich bekannt ist, vorgehen. Wir werden balb sehen, was weiter sein wird. Ich betrachte diese Entwicklung fest und furchtlos. Ich habe bereits gefagt, daß ich im Leben niemals Furcht empfunden habe und ich fürchte auch heute nicht für unseren Staat. Ich habe meinen Plan für alle Fälle und lasse mich durch nichts beirren. Wir wünschen ein Ueberein. tummen, an welchem heute gearbeitet wird, ein Nebereinkommen zwischen den größten Nationen der Welt. Wenn es dann kommt und dieses Uebereinkommen ehrenhaft fein wird, wird darin auch für unfer Bolt ein großer Vorteil liegen, und es wird darin eine allgemeine Verföhnung Englands und Frankreichs mit Deutschland und den Nachbarn und auch unsere Zusammenarbeit mit den übrigen Staa ten, insbesondere auch Osteuropas, enthalten sein. Daher nur Ruhe! Warten wir das Weitere in unverminderter Kraft und ungestört ab, frei von jeglichen wechselseitigen inneren Gegenfägen, frei von gegenseitigem Mißtrauen, von Aufregung und Leiben. fchaft. Unser Bolt ist vernünftig und realistisch. Es hatte immer Verständnis für schwierige Situationen and verstand es zu unterscheiben, wann es notwen. big ist, zu handeln und wann zu kämpfen. Wenn es notwendig sein wird zu kämpfen, werden wir bis zum letzten Atemsuge zu kämpfen wissen, und wenn es notwendig und möglich sein wird zu verhandeln, werden wir verhandeln. Unser Vorgehen war in die fen schwierigen Zeiten ehrenvoll; die Geschichte wird einft zeigen, daß dies evolutionär, europäisch, schid falhaft gegeben war und daß unser Staat und unser Bolt hier seinen Platz und ein besonnenes, festes und würbiges Vorgehen hatte. Ich wiederhole! Ich sehe die Sache flar und habe meinen Plan. Und ich glaube an unser Bolf, an unsere Nation und unseren Staat! Unsere politische Linie ist fest und wir find bestrebt, mit ben Umständen und Ereigniffen, die fich heute fo rasch ändern, mit angemessener Besonnenheit zu han beln. Ich begreife vollkommen den Ausbrud Euerer Gefühle, Euerer patriotifchen Erregung. Sie find mir wert, benn ihr Ausdrud in würdiger Form ift Ein Armeebefehl Wir danken allen Lesern und Abonnenten für die Treue, die sie auch in der schwersten Zeit unserem Blatte Unglüds herbeirufen, die lluruhe, Aufruhr und Verden Mitarbeitern für ihre beispielhafte bewiesen haben, wir danken vor allem wirrung gerade am liebsten sehen würden. Eine Mahnung des Prager Primators Der tschechoslowakische Rundfunk hat am Donnerstag, den 22. September, um 10 1hr vormittags eine Kundgebung des Primators der Hauptstadt Prag Dr. Peter Zenkt gesendet, in der es u. a. heißt: Unter dem Drud einer internationalen Lage, Pflichterfüllung und bitten sie, nach er unsere eigenen Sträfte nicht im entfernteften ges Maßgabe der vorhandenen Möglichkeiwachsen waren, ist eine Entschließung gefaßt worden, ten ihre Berichte fernerhin unmittelbar eine schmerzliche und grausame Entschließung, vor an die Redaktion des„ Sozialdemoder unser aller Herz sich manchmal bis zur Ber- krat" zu senden. weiflung verkrampft. Mit sozialistischen Grüßen: Die Redaktion und die Verwaltung. auszutreten, weil sie mit seiner Außenpolitit nicht einverstanden seien. Es wurden besonders die Namen des Kolonialministers Mandel, des Kriegsmarineministers Camp inch i, des Juſtizministers Paul Reynaud und des Pensionenministers Champetier de Ribes genannt. Nachmittag wurden alle diese Nachrichten von tempetenter Stelle dementiert. Amerikanische Aktion Von neuem spreche ich zu Euch in den schweren Beiten des. Schmerzes und der großen Trauer von uns allen. Es wäre unrichtig, zu meinen, daß Euer Schmerz größer ist als der Schmerz Prager, und alle Ihr übrigen Tschechoslowaken, derjenigen, die Euch zur Ruhe mahnen. Unser aller Euer Mitbürger fragt Euch alle: Sollen wir Herz ist gleich schwer getroffen und gerade dieser sämtlich dieser Verzweiflung zur Freude böser gieiche Schmerz muß uns bedingungslos in eine Feinde verfallen, oder sollen wir uns nicht alle auf kompakte Schlachtreihe der Nation zusammenschmies richtig die Hand reichen zu gemeinsamer Entschloss gen, aber in eine disziplinierte, besonnene und fenheit und gemeinsamer Arbeit, die allein unsere männlich ruhige Schlachtreihe. Lassen wir unter Straft aufrecht erhält und uns alle Möglichkeiten gefemen Umständen zu, daß Ruhe und Zucht gestört währt, damit wir auch in der heutigen bösen Zeit werden! Wenn uns iemand in diesen schweren dic Bedingungen schaffen, die für eine bessere BuAugenbliden verlassen hat, so dürfen wir uns selbst funft von uns allen notwendig sind? nicht verlassen. Wir werden start und fest sein, wo- Wenn Ihr für eine Weile den flaren Verstand fern wir nur zuchtvolle Ruhe bewahren. In der reben läßt, so werdet Ihr mir alle gleich antworten: Erbitterung könnte es leicht zur Verwirrung fom- Wir werden niemanden auf der Welt in diesen stürmen und zu Mißbrauch unseres großen Schmerzes mifchen Tagen die Gelegenheit geben, die billige durch unverantwortliche Faktoren und Elemente, die Möglichkeit zu haben, uns noch mehr zu verelenden unserer Nation und ihrem Wohl feindlich gesinnt und zu erniedrigen. Gierig wartet man auf jede fund. unbesonnene Tat von uns. Auf unseren Blähen und Wir sind unserem Präsidenten zu vollem Glaus Straßen rennen auch unter Euch gierige fremde New York. Die„ New York Times" brachte ten und Vertrauen verpflichtet und müssen ihm aus genten und Provokateure herum, verführte und einen Aufruf des amerikanischen Tschechen Jaroallen Kräften helfen, damit er die Republik aus den vielleicht auch bezahlte, und wollen unfer ehrliches slab 3 mr ha 1, der im Namen von 12 ameri versten Gefahren zum neuen Leben führe. Den Bolf, daß in der Sehnsucht nach Frieden den Verlanischen Landsleuten dem Vaterland UnterSchmerz unſerer Herzen dürfen wir nicht durch Verträgen vertraut hat, in Augenbliden, wo wir Mube fiügung verſpricht und für eine große Attion zuwirrung äußern. In den breiten Massen fennt einer und Disziplin am nötigsten haben, in verzweifelte gunsten der Tschechoslowakei bei dem Präsidenten Sen anderen nicht. In einer Versammlung von Aktionen hineintreiben. Roosevelt eintritt. Ferner veröffentlicht„ New Tausenden Menschen, die der Republit und der Na-| Werbet nicht ihre Beute. Nopf hoch, bewahret Fork Times" einen Auszug aus den Leitartikeln iion treu find, dürfen wir nicht zulassen, daß Er- felbft ohne Gewaltmittel Disziplin, Ordnung und von 30 amerikanischen Zeitungen, regung und Verwirrung nicht Nußnießer unseres Muhe! die sich durchwegs zugunsten der Tschechoslowakei aussprechen. Ueber den Londoner Plan schreibt das Blatt in einem eigenen Leitartikel, daß dieser Plan ein augenfälliger Beweis der Tatsache ist, daß jetzt in Mitteleuropa nicht eine ein zige Grenze als fest und sicher angesehen werden kann. Auch an der belgischen und holländischen Grenze herrsche Be Frankreich ist nicht mehr Frankreich! Stimmen der französischen Presse für die ČSR Baris. Leon Blum schreibt im Leitartikel| doner Abmachung melden. In demselben Blatte Teat unruhigung.„ New York Times" ist bes der Reitung Populaire": Das tschechische Volf, ein La Rocque unter dem Titel..Es ist und bleibt ein forgt, daß sich in den Staaten mit nationalgeatängt in einer hoffnungslosen Lage, fonnte bei Verrat" der französischen Oeffentlichkeit drei Fragen gemischter Bevölkerung die Unruhe der unzufrie Am 21. September wurde ein von Präsi- seinem Widerstande auf keine Silfe rechnen und vor: 1. In Frankreich wird eine Meinungsänderung denen Minoritäten äußern wird. Der Mißbrauch dent Dr. Beneš und Berteidigungsminister mußte das Schidial hinnehmen, das ihm aufge- gegenüber der Tschechoslowaci inszeniert. Um welche der radikalisierten Minoritäten werde dem Krieg Machnit gezeichneter Armeebefehl folgenden In- awungen wurde. Wir werden aut tun, wenn wir zu Aenderung kann es gehen und wer hat ein Interesse die Tore öffnen und von der Ostsee bis haltes erlassen: seinem Leid und zu feiner Erbitterung nicht noch daran, daß eine solche Linie über eine so herrliche dem Abscheu über das heuchlerische Vedauern hinzu, aum Ausharren entschlossene Nation verbreitet wird? zum Schwarzen Meer werde die Gewalt zufügen. Léon Blum protestierte besonders gegen den 2. Man hört, daß ein gewisser französischer Minister her rich e n. Drud Frankreichs. das jebt gesagt hat: Wenn Ihr auf eigene Fauit Brag verschiedene dringende Ratnicht annehmen werdet, dann rechnet in feinem Fall ichläge gegeben hat? 3. Wäre es zuläffin, daß Henlein- Leute wollen in der mit mir!" Auf eine folche Weise entledigt sich Frank- Reichsfangler Hitler der offizielle Wortführer unserer Brünner Gemeinde reich nicht seiner Verpflichtungen. Blum erwartet, dan bolnischen Verbündeten werden sollte? Chamberlain in Godesberg Hitler nicht noch weiter mitarbeiten! nachgeben wird. Soldaten! In diesen Tagen durchlebt unser ganzes Bolt und die gesamte Bevölkerung schwere Sorgen um das fünftige Schidfal ihres Staates. Das benüßt eine gegnerische Propaganda, sowohl von außen, als auch von innen, um das Vertrauen des Voltes zum Verhalten der verantwortlichen Personen so weit als möglich zu untergraben und in die Reihen der Bevölkerung Unruhe und Verwirrung zu tragen. In diesem schweren Augenblick verläßt sich die Bevölkerung naturgemäß auf ihre Armee, für deren Vervolltommnung und Ausrüstung ein jeder schwere Opfer gebracht hat. In der Armee sieht jeder treue Bürger nicht nur seinen eigenen Schuß son dern auch den Schutz seines Volkes und seines Staates. Die Armee wird dieses Vertrauen der Bes völferung leinesfalls enttäuschen und unerschüt In der Zeitung..L'Evo au e" verharri De Kerillis, jetzt vielleicht schon allein in aufrichtiger Freundschaft zu der Tschechoslowakei und in der Empörung über die lebte Wenduna. Seute schreibt er: ..Nach einer dramatischen Debatte von 48 Stunden hat die Prager Regierung zugestimmt. In einem Stommuniqué, das in seiner Stürze voll Größe ist. hat sie der Welt mitgeteilt, daß fie einzia und allein unter dem unwiderstehlichen Drude Frankreichs und Englands so gehandelt hat. Um au beareifen, wie abfcheulich und schrecklich dieser Dolchſtok im Rüden ist, der der unglüdlichen fleinen fichecho slowatischen Nation in dem fritischesten Bunfte ihrer Agonie verfekt wurde, muß man sich zu der Rede wenden, die der Präsident der französischen Regierung Daladier am 12. Juni achalten hat." Sterillis zitiert dann die Worte Daladiers, die von der aufrichtigen und dauernden Treue der feierlichen Berpflichtungen Frankreichs gegenüber der Tschechoslowatei sprechen. Verpflichtungen, die für die Frans apfen unwiderruflich und beilig feien." Sterillis er Im Blatte Ordre" fritisiert Emile Buré scharf das Vorgehen der franzöfifchen Regierung und sagt u. a.: Frankreich ist also nicht mehr daz and des gesunden Verstandes und der Logik, das Land der Ehre, ist es nicht mehr Frankreich? Ich aetraue mich nicht, in die Bufunft zu sehen. Unser Land, das zu einem Lande des..eßen Papier" geworden ist, fann schon nicht mehr auf irgend ein Bündnis rechnen. Zum Bürgermeister von Brünn, Ing. Dr. Spazier, famen zwei Vertreter der Henlein- Gemeinderäte und boten ihm die Mitarbeit der henleinistischen Gemeinderäte in der Stadtverwal tung an. Der Bürgermeister erwiderte, daß ihre Mitarbeit erst dann in Frage käme, wenn sie er flärten, daß sie mit dem, was gegen unseren Die Freunde der Tschechoslowakei in Frankreich find ratlos und einige empfehlen, daß die Tichecho Staat im Grenzgebiet und außerhalb der Grenflowafei schne eine vervollkommnete Schweiz streng- zen geschieht, sich nicht einverstanden erflären. iter Neutralität verwirklichen solle. Sie möge weder England noch Frankreich angreifen. damit Enalan„ Jeder auf seinen Platz!" ihr die versprochene Garantie und die Vorteile für den Handel nicht verweigere. Gleichzeitig möge die Tschechoslowakei freundschaftliche und nachbarliche Beziehungen mit Deutschland vorbereiten. Pariser Demissions- Gerüchte Pariser Demissions- Gerüchte Ein Aufruf der Armee Der Tschechoslowakische Rundfunk sandte Donnerstag, den 22. September, um 13.30 Uhr folgende Stundgebung des Generalinspektors der tichechoslowakischen Wehrmacht, Armeegeneral Jan Syrový: ,, Vürger! terlich hinter dem Entschluß der Regierung und ihres Oberbefehlshabers, des Präsidenten der Republik, stehen. Sie wird fest sein gegen jede umstürzlerische Tätigkeit und gegen jede Drchung, mögen sie von welcher Seite immer tommen. Sie wird allseitig diszipliniert sein und die Garantie Baris. Ministerpräsident Daladier empfing dafür geben, daß das in sie von den verantwortlichen Personen und dem Volf gelegte Vertrauen nachmittags die Vertreter der Parlamentsgruppen wähnt dann, daß die Franzosen dreizehn Jahre hinder Regierungsmehrheit, d. H. außer der Lints- In schidsalshafter Stunde für Staat und begründet ist. Jedes Mitglied der Armee- vom durch zu den Tschechoslowaken in solchen Worten ge= gruppe auch die Vertreter der Volksdemokraten Volk fordere ich Euch auf, daß jeder an seinem einfachen Soldaten bis zum General muß sprochen haben und fügt hinzu: Ich frage die Franund der linken Mitte. In der mittwöchigen ge- lake stehen möge, die Soldaten unter der Waffe, durchdrungen sein von absolutem Vertrauen und Aofen, ob wir uns nicht vor dem Gewissen der Welt von Ergebenheit zu seinen Vorgesezten, es muß iebt in die erniedrigendite Lage verfest fehen, die meinsamen Sigung der parlamentarischen Lints- die Landwirte am Pflug, die Arbeiter in den jeden Augenblick bereit sein, jeden Befehl zu er man sich überhaupt für ein orokes Volt borstellen flubs wurde der Wunsch laut, der Ministerpräsi- Werkstätten und Fabriken, die Beamten in den dent möge den Parlamentsvertretern genau den Kanzleien. Die Armee wacht über die Sicherheit füllen in dem festen Glauben, daß auf der ge- lann." Der diplomatische Redakteur der. Evo que" Standpunft der Regierung erläutern, sowohl der der Republik und kann ihre Aufgabe nur dann nauen und mit bestem Wissen erfüllten Erfüllung dieses Befehles die Sicherheit unseres Staates Donadier schreibt: Salome bekam von Herodes das Tschechoslowakei, als auch der aktuellen Entwid- erfüllen, wenn das Volk einig und in Nuhe hinund Voltes ruht. Die Armee muß um jeden Preis Haupt Johann des Täufers. Hitler bekam von dem Tung der internationalen politischen Lage gegen- ter ihr steht. Manifestiert Euere Entschloffenheit und in jeder Situation ruhig, fest, bereit und ab- Bremierminister Seiner Majestät die lebenswichtigen über und weiter auch ein Erposé über die mili- durch Euere Arbeit für den Staat, jeder fehre sotärischen Bündnisse Frankreichs erstatten. fort zu seinen Pflichten zurück, denn nur so kann In Paris tursierten gestern hartnädig Ge- die Verteidigung des Staates in Bereitschaft gerüchte, daß einige Mitglieder des Kabinetts halten werden. Weitere Demonstrationen wären Daladier die Absicht hätten, aus der Regierung Arbeit für den Feind". solut diszipliniert bleiben. Sie muß bereit sein, in jedem Augenblick und in jeder Situation ihre Pflicht gegenüber dem Staat und dem Volt nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen. Ronen der Tschechoslowakei. Wird Hitler damit jest aufrieden sein? Léon Bouffard veröffentlicht im..Petit Jours nat" einen Artikel aus London, worin erklärt wird. I daß sich schon von allen Seiten die Stritilen ber Lon Crite 4 Freitag, 23. September 1938 Ueberall große Kundgebungen aber auch Disziplin Am Donnerstag vormittags wiederholten sich gruppen hatte einen ausgesprochen parteipolitischen in Prag die Demonstrationen des vorangegangenen Charakter und es waren keine anderen als die Abends in verstärktem Umfange. In den Morgen Staatsfahnen zu sehen. Um zehn Uhr wurde durch stunden bewegten sich zahllose Züge, die zur Mehr- die Straßenlautsprecher der Innenstadt die Anzahl aus Arbeitern bestanden, aus den Vororten fprache des Primators Dr. Sen kl verbreitet, ins Innere der Stadt. Gegen zehn Uhr waren die zur Aufrechterhaltung der Ruhe und zur der Wenzelsplatz, der Graben, die Nationalstraße Nückkehr an die Arbeitsplätze aufforderte. Bald und der Altstädter Ring von einer nach Hundert darauf ertönte aus den Lautsprechern die Rede tausenden zählenden Menschenmenge angefüllt, des Generals Syrovy, deffen Versicherung, die in tiefster Ergriffenheit, die Frauen oft mit daß die Armee festbleive und daß im Interesse Tränen in den Augen, den demonstrierenden ver Staatsverteidigung jede Unordnung vermieden Zügen zufah. An der Spine dieser Züge wurden werden müſſe, ſichtlichen Eindruck auf die aufStaatsfahnen getragen, bei deren Anblick die Zu- merksam zuhörenden Volksmassen machte. Um schauer die Hüte abnahmen. Die Demonstrationen 11 Uhr begann der Zustrom der Demonstranten vollzogen sich in musterhafter Ordnung und wür- in die Innenstadt abzuebben und noch vor 12 hr diger Ruhe. Die Polizei hatte keinen Anlaß zum waren die Straßen bereits von DemonstrationsEinschreiten. Selbst der Straßenbahnverkehr zügen frei, nur auf den Bürgersteigen standen konnte sich, wenn auch mit Stockungen, ruhig ab- noch immer dichte Gruppen. Die Geschäfte der wickeln. Aus den Zügen der Demonstranten wurde inneren Stadt hatten zum Teil geschlossen. immer wieder der Nuf:„ Es lebe die Armee!" laut. Auch zahlreiche Hochrufe auf General Syrovij waren zu hören. Zuweilen fah man Transparente mit der Aufschrift:„ Wir geben die Republik nicht her", auch einige mit dem Text: Heraus mit den agrarischen Kapitulanten aus der Regierung!" Aber keine der Demonstrations- gen aufgenommen. ** Als furz nach 19 Uhr die Rede des Präsidenten der Republik burd) den Rundfunk und die Prager Lautsprecheranlage übertragen wurde, wurde der Verkehr unterbrochen. Die Worte des Präsidenten wurden mit ZustimmungskundgebunDie Lage in den Grenzgebieten Ueberall Ruhe und Ordnung Glaubt keinen Gerüchten! Prag. Der tschechoslowatische Rundfunk Idert, wo die Aufrührer wie in den vergangenen übermittelte Donnerstag um 15 Uhr folgenden Tagen vereinzelte Amtsgebäude, Poſt- und ZollAufruf: häuser oder auch abgelegenere Gebirgsgemeinden Die Krise, in der wir uns befinden, hat befeßzt haben, wurden sie schon vertrieben oder durch einen Drud von außen begonnen. man ist dabei, sie zu vertreiben. Von Anfang an hat sich dieser Druck am meisten Die aufgeregten Gemüter der Bürger sind an der Peripherie unseres Staates gezeigt. Im heute sehr leicht dabei, leichtsinnig den lächerlichInnern des Staates war und ist Ordnung und sten Univahrheiten zu glauben. Das benüßen in Ruhe. Alle Zwischenfälle in den vergangenen femden Diensten stehende Agenten zur Verbreis Wochen sind in Orten und Bezirken hervorgerufen tung ihrer Nachrichten, die Eueren Widerstand worden, die durch ihre exponierte geographische brechen wollen. Wir machen Euch auf dieses Lage von außen verhältnismäßig leicht zugäng- Moment der ausländischen Propaganda aufmertlich sind. Einer diefer Brennpunkte war von Be- sam und ersuchen Euch, alle Verbreiter von Alarmginn an der Af cher Zipfel und das angrenzende nachrichten den staatlichen Organen mitzuteilen. Gebiet von Eger. Dort konnten wühlerische Es ist doch auf den ersten Blick erkenntlich, wem Elemente vor dem Eingreifen unserer Sicherheits- ein Mensch dient, der heute vormittags ganz organe am leichtesten auf das Gebiet des Nach- dumm den unglaublichen Unsinn verbreitet, daß barstaates entkommen, woher sie nicht nur ange- 3 B. Marienbad von fremden Elementen befekt eifert, sondern auch unterstützt und ausgerüstet wurde. Durch telephonische Nückfrage könnt Ihr rade diese Gegend dem stärksten Drud von außen Augenblicke Ruhe herrscht und daß dort unsere eusgeliefert und deshalb dringen dort jene Elemente ein, die aus unserem Gebiet nach Deutschland geflüchtet sind, um dort den Aufruhr gegen die Republik zu organisieren. Nirgends sonst ist die Tätigkeit dieser Elemente so intensiv wie hier, Aber das vermindert keineswegs unsere Sicherheit in Gegenden, die zum Kerne unseres Stantrs gehören. In diese werden unlautere Elemente nicht eindringen und unter keinen Umständen hineingelaffen werden. Nr. 224 Manifest der englischen Arbeiter Leidenschaftliche Ablehnung der Kapitulation London.( Reuter.) Die Deputation des schläge betreffend die Berſtüdelung und Isolie Arbeiter- Nationalrates fehrte nach einer Unter- rung der Tschechoslowakei sowie gegen das Ge redung mit Lord Halifax in die Sitzung der waltregime in Europa Stellung nimmt. diversen Vertreter der britischen Arbeiterbewegung zurück. Nach dieser Konferenz der Vertreter London. In einer Sizung des Erekutiv der Arbeiterbewegung wurde ein Manifest er- fomitees der Völkerbundliga wurde eine laffen, welches die schändliche Kapitu- Resolution angenommen, in der erklärt wird, der Iation vor den Drohungen Hit- Ausschuß lehne die britische Politik gegenüber der Iers und die britische Zustimmung Tschechoslowakei ab, die für die Ehre Englands zur 3erschlagung des tfche chv verhängnisvoll sei. In der Resolution wird die slowakischen Staates" in starken Wor- Einberufung des Parlaments und die Veröffent ten verurteilt. Das Manifest fügt hinzu, daß dies lichung des vollen Textes des französisch- engnicht nur das Aufopfern eines tapferen demokra lischen Vorschlages gefordert. tischen Volkes, sondern auch die Aufopferung der britischen Interessen bedeute, welche mit der Hei- London. Die Iabouristischen Füh ligkeit des Internationalen Gesetzes unauflöslich rer Citrine, Hugh Dalton, Elvin, Lathan und verbunden sind. Hitlers ehrgeizige Biele werden, Gillies begaben sich gestern im Flugzeug nach heißt es in dem Manifest weiter, bei der Tschecho- Paris, um mit den Führern der franzöfifchen slowakei nicht haltmachen. Heute gibt es in sozialistischen Partei und des Allgemeinen ArEuropa nicht eine einzige längere Grenze, welche beitsverbandes über die Lage zu beraten. ficher wäre. Der gegenwärtige Triumph Hitlers Kapitulation vor der Gewalt. Soll der Krieg abgewendet und die Zivilisation gerettet werden, müssen alle friedlichen Völker konzentrierte Bemühungen unternehmen, damit die Herrschaft des Rechtes erneuert werde. Die Teilnahme der französischen Arbeiter ist lediglich der Anfang weiterer frie ,, Ehrlosigkeit und Krieg!" gerischer Abenteuer, die schließlich zu Paris. Die Weltfriedensver. einem allgemeinen Konflikt führen müſſen. Der einigung und ihr Vorsitzender Pierre wirkliche Friede entfernt sich von uns durch jede Cot haben eine Proklamation erlaffen, in der alle Franzosen aufgefordert werden, gegen die Politik des Abenteurertums und des Defaitismus, welche eine Gefahr für Frankreich und den Weltfrieden bildet, Stellung zu nehmen. Millionen von Franzosen, heißt es in der Proflamation, find für das Ideal der internationalen Gerechtigkeit gestorben. Die Maßnahmen, welche der Tschechoslowakei von der französischen und der britischen Regierung aufgezwungen wurden, stellen offenfichtlich eine gewaltsame Verlengnung dieser Bolitit dar. Die Erklärung des ehemaligen britischen Ministers Winston Churchill ist wahr geworden, welche gesagt hat: Die britische und ten zwischen Ehrlosigkeit und dem Kriege wählen. die französische Regierung fonnSie haben die Ehrlosigkeit gewählt und werden ben Krieg haben. Die Proklamation schließt mit den Worten: Franzofen, ruft es laut hinaus, daß Ihr weder das eine noch das andere wollt! Ihr gebt dann Frank. reich das wahre Antlitz einer Nation zurück, die die Verpflichtungen einhält und ihre Freunde nicht verläßt. Auf diese Weise rettet Ihr die Ehre und den Frieden. Paris. In der tschechoslowakischen Gesandtschaft fanden sich Delegationen mehrerer Organisationen, in der Mehrzahl der Gewerkschaften wie des Syndikates der Metallarbeiterschaft des Kreises Paris, der Automobilwerke Citroen, der Pariser Chauffeure, der Angestellten des öffentlichen Dienstes, des Syndikates der Schuhindustrie und der Gerber, der republikanischen Vereinigung der ehemaligen Frontkämpfer sowie mehrere Einzelpersonen ein, um ihrer Sympathie für die Tschechoslowakei Ausdruck zu geben. Das Präsidium des Allgemeinen Arbeits verbandes in Paris hat eine Proklamation er lassen, in der es energisch gegen die jetzigen Vorwurden. Deshalb ist auch in diesen Tagen ge- Such überzeugen, daß in Marienbad in diefem Der Mann und das Schicksal Ein Appell an die tschechischen Auf dem Gebiete des ganzen Staates haben die Staatsbehörden und Sicherheitsorgane alles in der Hand. Die staatliche Autorität wird hier unbedingt aufrechterhalten werden. Ueberall Verwaltungsbehörden so funktionieren wie hier in Prag. Der beste Beweis, wie musterhaft und aufopfernd unsere Aemter, Sicherheitsorgane und Militärformationen arbeiten, ist der Umstand, daß auch solche dicht an der Grenze der Republit liegenden Gemeinden, wie z. B. Abertham, Breitenbach und Bergstadt Platten wieder von unseen staatlichen Organen besetzt sind und daß in einem so bedrohten Orte wie Neudet normal amtiert wird sowohl auf dem Post- wie Steuerbehörde und dem Rentenamt. Das ist der tats füchliche Stand der Dinge im Bereich des Erzaebirnes, daß an Kommunikationen arm und aus der Nachbarschaft zugänglich ist. Die Ueberfälle auf Zollämter Das Gesetz der Selbsterhaltung gebietet die unbarmherzige Beherrschung aller Gefühle. Der Mann darf in ernster Gefahr nicht weinen, nicht verzweifeln, nicht jammern und anklagen. Sein eigenes Leben, daß seiner Frau, seiner Kinder und feines Volkes brauchen bis zum Letzten alle feine sittliche und vernünftige Kraft zum Werke der Rettung vor dem Acrgsten. Der Mann blidt, nach Kipling, mit einiger Ruhe dem bösen Schickfal entgegen und die furchtbarste Enttäuschung darf seinen Willen zum Leben und zu schöpferischer Arbeit nicht zerbrechen. Und allerdings auch nicht zu weiteren kämpfen, vor die ihn das Schid, fal vielleicht unter anderen, besseren Bedingungen stellen wird. Dr. Leb Sychrava, Masaryks Sekretär im Weltfriege, im„ Národní Osvobození". Versicherungsangestellte protestieren! Hochschüler Brag. Die Rektoren der Prager tschechischen Hochschulen haben Donnerstag an die tschechische Studentenschaft folgenden Aufruf erlassen: " Wir verstehen und teilen voll Euere begründete Erregung in den heutigen schidjalhaften Augenblicken unseres Staates und Volles. Wir ersuchen Euch als Euere besten eeunde, in dieser schwierigen Lage die nationale Disziplin zu bes wahren und alles zu vermeiden, wodurch ein Vorwand zu weiteren feindlichen Schritten gegen die Republik gegeben werden könnte. Für die Karlsuniversität Prof. Dr. Slavil, rof. Dr. Funk. Für die Technische Hochschule Prof. Dr. Svamberg und Prof. Ing. Kaisler, für die Akademie der bildenden Künste Prof. D. Spaniel." Blutige Zusammenstöße In Palästina Der Zentralverband der Versicherungsange- fam es Mittwoch zu einem heftigen Zusammen Jerusalem. In der Gegend von Tiberia ſtellten protestierte in einer außerordentlichen stoß zwischen arabischen Aktivisten einerseits und Sigung gegen den ungeheueren Druck des AusMilitär andererseits. Die Araber zogen sich zus landes, welcher den Entschluß der Regierung der Verstärkungen erhielten. Es fam darauf nochmals zu einem erbitterten Feuergefecht. Nach amtlicher Meldung wurden vier Araber getötet. Jm Bezirk Samleh wurden zwei Araber und ein Jude erschossen aufgefunden. Bei Gaza wurde ein britischer Soldat infolge hor Explosion einer Mine schwer berlebt. Prag. Die Nacht auf Donnerstag ist im zug an, verwundet wurde niemand. Grenzgebiet verhältnismäßig ruhig verlaufen, ob Gegen 4 Uhr früh wurde das Zollamt in zwar unser Gebiet an einigen Stellen nicht vor Gn adlersdirf im Bezirke Znaim überleberfällen verschont geblieben ist. Es handelt sich fallen. Um 5 Uhr dauerte der Kampf noch an. meist um Angriffe auf Zollämter, bei denen es Im Ausläufer von Asch herrscht allgemeine teine Opfer an Menschenleben Ruhe. Nähere Nachrichten fehlen noch. gab. Nach den bisher eingelangten Nachrichten Vor 2 Uhr nachts wurde ein Handgranaten- Tichechoslowakischen Republik bezüglich der Ab- nächſt bis zu dem Dorfe Elschiara zurüd, wo sie handelt es sich um folgende Fälle: Nach Mitter- angriff auf die Finanzwache in Warnsdorfänderung unserer Staatsgrenzen zur Folge hatte. racht wurde das Zollamt in Kronstadt bei unternommen. Verletzt wurde niemand. Noiyiniz überfallen. Nähere Berichte liegen nicht In Franzensbad überfielen Mitvor. Nach 1 Uhr brannte das Zollamt in La- glieder der Sudetendeutschen Partei die Polizeidorf bei Rokytniß ab. Nach 2 Uhr nachts wurde machstube und bemächtigten sich der Waffen. Durch das Zollamt in Waldheim bei Tachau über- Bureden gelang es, sie zum Abzug zu bewegen. fallen. Nach einer Schießerei traten die Angreifer In Arnau begannen Mitglieder der Suden Rückzug an, verwundet wurde niemand. detendeutschen Partei Hausdurchsungen, insbeson= Kurz nach 4 Uhr früh wurde das Zollamt dere bei Kommunisten, vorzunehmen. Aus Tr a ubei Roßhaupt im Bezirk Pfraumberg über- enau wurde eine Bereitschaftsabteilung der fallen. Die Angreifer warfen and gra Gendarmerie nach Arnau entsandt, um die Ruhe naten auf das Amt und traten dann den Rück- herzustellen. Mitglieder der deutschen freien Gewerkschaften! Unter dem Drucke Frankreichs und Englands hat die Regierung der Tschechoslowakischen Republik den Londoner Plänen zugestimmt. Damit find die diplomatischen Verhandlungen eingeleitet für die Befriedung Europas. Diefer geänderten Situation müssen unsere Gewerkschaften Rechnung tragen. Sie sind nach wie vor Euer Schutz, denn alle Bestimmungen der ar beitsrechtlichen und sozialpolitischen Gesetze, die kollektivverträge und die Bestimmungen über die Arbeitslosenunter stuns blei ben unverändert in Geltung und damit unsere gewerkschaftliche Arbeit. Haltet daher die Verbindung mit Euren Verbänden aufrecht! Zentralgewerkschaftskommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Tschechoslowakei in Reichenberg. Zur Unterstützung dieses Protestes stellten Donnerstag alle Versicherungsangestellten in den Anstalten die Arbeit ein und reihten sich so in die gemeinsame Front aller Arbeitenden. Wie sie lügen! Verstärkungen für Franco Prag. Der reichsdeutsche Rundfunk verbreis tete Mittwoch das Gerücht, sieben hohe Funt tionäre der kommunistischen Partei aus Sowjet- Gibraltar.( Havas.) An Bord zweier rußland seien in der Tschechoslowakei eingetroffen und hätten Mittwoch abends in der Prager Ben- oßer Frachtschiffe, die mit Granaten, Mörsern trale der Kommunistischen Partei Beratungen ab- und anderem Kriegsmaterial beladen waren, gehalten. Das Tschechoslowakische Pressebüro haben heute mehr als 6000 Angehörige der ist von den zuständigen amtlichen Stellen ermäch franco- spanischen Truppen die Reise von Algeciras tigt, auf das entschiedenste zu erklären, daß diese Nachricht eine reine Erfindung ist. Brünner Gewerkschaften für Ruhe und Ordnung Im großen Arbeiterheim- Saale in Brünn fand gestern eine Versammlung der VertrauensTeute sämtlicher Brünner Gewerkschaften unter dem Vorsitz des Genossen Handlíř statt. Ats Wort, dessen Ausführungen insbesondere über den deutscher Redner tam Genosse Schram et zu schweren Kampf und das tapfere Verhalten unserer Genossen im Grenzgebiete stürmischen Beifall fanden. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der die Treue zur Republik, zur Armee und zum Präsidenten kundgegeben und die Arbeiters schaft zur Ruhe, Ordnung und Arbeit aufgefors bert wird. nach Ceuta angetreten. Heute werden die Transporte fortgefeßt. Wie gemeldet wird, ist die Grenze zwischen Tetuan und Tanger bereits seit dem 18. September gesperrt. Es verlautet, daß sich in Ceuta eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Japan lehnt Verhandlung in Genf ab Tofio.( Reuter.) Das japanische Kabinett bundrat zur Berhandlung des Konfliktes mit des, daß Japan seinen Vertreter in den Völkers hat beschlossen, die Aufforderung des VölkerbunChina entsenden möge, abzulehnen. Goldflucht aus London London.( Reuter.) Bom Croydoner Fluas plab starteten Mittwoch neun Flugzeuge, die nach Basel und Budapest 14 Tonnen Gold bringen. Mr. 221 Tagesneuigkeiten Freitag, 23. September 1938 Appell an die Angestellten erDie Hauptgewertschaftszentralen der Ange stellten haben einen Aufruf an die Angestellten et laffen. Sie werden aufgefordert, sich nicht durch Alarmmeldungen berleiten zu lassen, durch die die Gegner des Staates Unruhen hervorrufen wollen. Svite 5 Inland- Sendung war offenbar im Sahnambulatorium der Auffiger Die heutige deutsche Bezirkskrantenversicherungsanstalt. Da griff ein Posten des uniformierten Polizeidienstes ein. Er nahm das Kindchen aus dem Wagen und redete ihm begütigend zu. Im Nu hatte sich eine Gruppe interessierter Menschen um den kleinen Vorgang gebildet. Dieser tschechoslowakische Polizeimann, in das Tschechische übersetzt werden mußten, mit dem blonden Kind auf dem Arm, das ist ein erHebendes Zeugnis der Herzensgüte. Die aus der Heimatflohen... Die Angestellten werden aufgefordert, unerschüt dem meine anerkennenden deutschen Worte erst allaperä). 18.20 Sportorafel. 18.35 Arbeiterien Der erste Strom der Flüchtlinge aus den Grenzgebieten, der sich nach Brag ergoß, ist abge Teitet. Die Unglücklichen, hier verständnisvoll and freundschaftlich aufgenommen und betreut. find außerhalb Brags untergebracht worden. Wenn wir keinen mehr sähen: wir bergäßen richt die müden Gesichter, aus denen das Leid sprach, die verängstigten Augen, die müden ver ſchüchterten Körper. In welchem Zustand der Berwirrung und Benommenheit sind sie in Prag Furchtbare Sturmkatastrophe In Amerika Prag Melnik: 8.00-8.05 Schulfunt. 10.15 bis 11.00 Trostreiche Stunde( Ges. Hilde Raave). 12.15 Anton Wagner, Reichen: Ueber die Entstehung der Welthilfssprache Esperanto. 18.00 Lieder( Gef. Reine musit. 19.30 Gust. Lerch: Zur Geistesgeschichte der dung. Altuelle zehn Minuten. 18.45 SchrammelBauernbefreiung. 19.45 Der fidele Bauer, Ope rette von Leo Fall. 21.45 Aus schönen Büchern( Aus den„ Geschichten aus dem Salzburgischen" von Joh. Ančerl). Strawinify: Geschichte vom Soldaten. Freumbichler). 22.30-23.00 Moderne Musik( Dir. Nachrichten ab 11.00. Der Chef der amerikanischen Luftstreitkräfte, unglückt. Sein Flugzeug stürzte kurz vor der Lane Generalmajor Oscar Westover ist tödlich verse. dung auf dem Flugplatz Los Angeles ab und ge riet in Brand. Westover und fein Pilot tamen in den Flammen um. General Westover war im Jahre 1901 als einfacher Soldat in die amerika nische Armee eingetreten. Sommandant der Luftstreitkräfte der USA war er seit dem Jahre 1936. Der König der Bulgaren ist von der Schweiz kommend nach einem furzen Besuch seines Vaters, des Königs Ferdinand, in Koburg gestern vormit tags in Berlin eingetroffen. Fliegertod Der bekannte britische Flieger David Llewellyn, Sohn des Präsidenten der Königlichen Akademie Sir William Llewellyn, ist mit seinem Flugzeug in der Nähe des Flugplatzes Lympne tödlich abgestürzt. terlich für die Verteidigung des Staates einzu stehen und in den Betrieben Muhe und einen ungestörten Gang zu bewahren. Das gemeinsame Staatsinteresse erfordert unbedingt einen Das gemeinsame malen Betrieb in den Unternehmungen. Jede StöAber die Bilder menschlichen Unglücks, die auch eine Schwächung der Staatsverteidigung zur rung hat nicht nur wirtschaftliche Schäden, sondern so erschütternd wirkten durch ihre Häufung, jebt Folge. Die Gewerkschaftszentralen sind in Bereit Wenn auch, so hoffen wir, es nirgends mehr zu fungen erteilen. seltener geworden, werden wieder auftauchen. schaft und werden, soweit es notwendig ist, Weieiner überstürzten Abreise kommen wird, wenn auch die Evaluierung jener Orte, die geräumt werden müffen, geordnet erfolgen wird, so fönnen doch die zur Abreise Gezwungenen nur wenig mit nehmen, und auch wenn sie wissen, daß der Zwang zum Berlassen der Heimat in drohender Nähe New York. Nach fünftägigen ununterbrochenen steht, so packen sie doch in ihrer Bedrücktheit und Regenstürmen fegte ein tropischer Hurrifan mit 100Verzweiflung oft gerade das am wenigsten Nötige Stundenkilometer- Geschwindigkeit vom Golf von und schleppen es mühsam mit in die Fremde. Meriko kommend über die Atlantikfüste von NordWir haben solche Arme gesehen in der Nähe der farolina bis Maine. Der gesamte Schiffsverkehr Bahnhöfe, und wir werden sie, falls nicht die wurde ſtillgelegt. Zahlreiche Städte und Dörfer, beFlüchtlinge direkt in andere Landesteile gebracht sonders in den Neuengland- Staaten, stehen unter werden, wieder sehen... Wasser. Der Eisenbahnverkehr zwischen New York und den nördlich davon gelegenen Städten wurde unterbrochen, da die Dämme zerstört, die Schienen unterspült und die Brücken eingestürzt sind. In den bruchschaden. Auf freiem Lande wurden die TelephonWaldgebieten verursachte der Sturm riesigen Wind und Straftſtromleitungen zerstört. Viele Personen eingetroffen, wie hat alles in ihnen gezittert! Vielleicht war nichts rührender, ergreifender, als sind durch herabfallende Aushängetafeln getötet oder der Anblick der Ueberflüssigkeiten, die manche berletzt worden. Schwer betroffen wurden die monmitschleppien, während Wichtiges zurückblieb. dänen Küstenorte auf Long Island, Rhode Island ihn im Schlaf erwürgt und dabei über 3000 Kč geDa sah man eine Frau sorgsam eine Petroleum und in Westhampton. Viele Häuser wurden dort lampe tragen, als ob diese ein unentbehrlicher überschwemmt. Das Transozeanſchif ,, Queen Mary" Schab wäre, und einige andere hatten ihre wurde durch den Sturm zurückgehalten. Nach der Hunde, darunter ein altersschivaches, mühiam lebten Meldung sind bei dem Surrifan über 100 per feuchendes Tier, in die Fremde mitgebracht. Man sonen ums Leben gekommen. 52 Personen werden lache nicht darüber: unser Herz hängt eben an vermißt. folchen Kleinigkeiten des Daseins oft mehr als an New York. Der von riesigen Flutwellen bemanchem, dessen wir weit dringender bedürfen. gleitete Tropensturm, der gestern über die Atlan= Das Menschtum Armer und Verfolgter zeigt sich titküste hinwegfegte, hat nach den letzten Melgerade in folchen Zügen am hellsten und ergreidungen allein in den Staaten Massachusetts, Confendsten. Aber so tief wir da mitfühlen, so not necticut, Rhode Island New Yort und New wendig ist es doch, jene Familien, denen vielleicht Hampshire 125 Todesopfer gefordert. Hunderte noch die Auswanderung bevorsteht, darauf vor werden noch vermißt. Tausende von Personen zubereiten, zu überlegen, was sie im Falle der sind durch einstürzende Wohnhäuser oder durch Evaluierung mitzunehmen haben. Am dringlich entwurzelte Bäume verletzt worden. Etwa 700 iten dürften da Essen sein für ein bis zwei Tage größere und fleinere Fahrzeuge sind an der Küste für alle Angehörigen, eine Garnitur Wäsche zum von Neu- England gesunken oder wurden an den Wechseln, ein Paar Reserveschuhe, ein wärmerer Strand getrieben. Mantel, Waschutensilien u. dal., und zu verpak fen ist es in einem Rudiad, weil der sich am leich taften transportieren läßt. Gutgemeinte Ratschläge. Es wird Besonnene geben, die sie befolgen. Aber wenn die Stunde des Scheidens kommt- werden dann nicht viele doch, von der Qual des Scheidenmüſfens überwältigt, wieder nach überflüssigen, sogar tvertlosen, aber irgendwie gefühlsbetonten Dingen greifen? Mehr als im Notwendigen lebt im Nebenföchlichen die Heimat. Und sie alle, die jest fliehen müssen, lieben ihre Heimat wie wenige Wienschen anderer Gegenden. Gespräch mit einem Reichsdeutschen Er: Etivas wahres ist sicher dran, wenn es auch übertrieben sein dürfte. Brünn: 17.25-18 Eine Weinkost am Lande". Hörspiel von Hans Stienda. währ. Oftrau: 18.10 Elternschulung( Sch. Hör und Sprechstörungen im Stindesalter). alle Stätten der wissenschaftlichen Forschung zu schließen. Die Geheimhaltung habe aber auch feinen Sinn, denn auch heute fönnten ja nur die Gelehrten und Wissenschaftler selbst die möglichen Auswirkungen übersehen, und es sei schon besser, wenn man, wie dies die Aufgabe der Gesellschaft sei, die Wissenschaft popularisiere, damit die Def fentlichkeit wisse, woran sie sei. Bum Schluß einigte man sich darauf, den Gelehrten wenigstens zu emp fehlen, ihre gefährlichen Entdeckungen lediglich ihrer Nation zu verraten... 23 Jahre Zuchthaus für Raubmord. Das Sprachunterricht durch Tonfilme.( MTP.) Die Schwurgericht in Stajchan verhandelte durch zwei Tage englischen Handelsschulen werden mit Beginn des Jan Ondus und seine drei Helfershelfer, alle aus Tonfilmen allgemein in ihren Lehrplan aufnehmen. über den Raubmord, dessen der 38jährige Landwirt Wintersemesters den Sprachunterricht mit Hilfe von Dlhé n. Cirokou, angeklagt waren. Im Dezember Dies geht auf einen Beschluß der nationalen britis des Jahres 1925 waren sie in das Haus des Landschen Konferenz der Handelsschullehrer zurück, die in wiries Michal Mains in Dlhé eingedrungen, hatten diesem Sommer tagte, und auf der Harold E. Palmer ein Referat über die Verwendung des Films raubt. Sie wurden erſt im April vergangenen Jahres im Sprachunterricht gehalten hatte. Dr. Palmer überführt. Die Geschworenen sprachen alle Angellage haite schon auf der Konferens einige Ausschnitte aus ten schuldig und das Gericht verurteilte auf Grund Filmen vorgeführt und an deren Beispiel nachweisen dieses Verdiktes der Geschworenenbank Jan Ondud fönnen, wie außerordentlich instruktiv das gleichzeitige zu zehn Jahren Zuchthaus, Jan Božidar zu sechs sören einer fremden Sprache und die Beobachtung Jahren, Jan Burda zu drei Jahren und Josef Bratek des Gesichtsausdruckes, der Mundstellung, der Ges su vier Jahren Zuchthaus. Die Verurteilten erbaten sten, usiv. iſt. sich drei Tage Bedenkzeit. Der Trompeter von Belfort" gestorben. In Grenoble verstarb im Alter von 80 Jahren Monsieur Baumie, der als Knabe im Alter von givölf Jahren berühmt wurde und den Ehrennamen, Trom peter von Belfort" erhielt. Seine Eltern lebten in der französischen Festung und hatten diese auch nicht während des deutsch- französischen Krieges von 1870/71 verlassen. Der Knabe pflegte immer in den Kasernen zu sein und hatte sich mit den Truppen an gefreundet. Eines schönen Tages war er schon sehr früh aufgestanden und ging über die Festungsmauern, und da sah er plöblich die Deutschen herankommen. Die Festung und die Besatzung schliefen noch friedlich. Er rannte aus Leibesfräften bis zur nächsten Wachtitube, fragte nicht viel, sondern riß eine Trompete von der Wand und blies Alarm. Tatsächlich hat er die Truppen gewedt. Gefährliche Wissenschaft. In Cambridge ist vor kurzem ein Kongreß der britischen Gesellschaft für populäre Wissenschaft abgehalten worden, in dessem Zentrum eine ungewöhnlich altuelle Frage stand. Der Vorsivende des Kongresses, Lord Ras leigh, hatte diefe Frage fo formuliert: Gaben die Gelehrten das moralische Recht, über ihre For schungen und Entdeckungen der Deffentlichkeit Mits teilungen zu machen, wenn sie sich von vornherein darüber im flaren sind, daß die Ergebnisse ihrer Arbeit für die Seriegstechnik verwendet werden Verhaftet wurde in Theresienstadt ein könnten? Lord Raleigh selbst verneinte diese Frage 34jähriger Einwohner, der zu seiner von ihm ges in seinem einleitenden Referat, aber die Diskussion trennt lebenden Frau gefommen war und die ergab, daß die Teilnehmer des Kongresses seiner Frau und einen bei ihr angetroffenen Bekannten Argumentation nicht folgten. Lord Raleigh stellte durch mehrere Hammerschläge am Kopf verlegte. dar, eine wie ungeheuere Verantwortung die WisWahre Herzensgüte...! Ein Vorgang, senschaft für die Tatsache habe, daß man mit Hilfe Das Wetter. Im Bereich eines umfangreichen der sich im Vorhaus des Aufsiger Boltsan sich rein theoretischer Ergebnisse der modernen Drudkhochs, dessen Kern über Rußland liegt, herricht bauses abspielte, beleuchtet mehr als große Phyjit oder Chemie die phantastischsten Kriegsmit nunmehr über einem Großteil des Festlandes schönes Zeitungsartikel und Nundfunkreden die Unwahrstel schaffen könnte. An diesem Punkt setzten die Herbstwetter. Bei schwachem Ostwind und vorwie haftigkeit der unterhörten Beschuldigungen des Diskussionsredner auch ein und erklärten, daß es nend heiterem Simmel stiegen Donnerstag die Nach Deutschlandssenders gegen die Polizei und das faktisch überhaupt kein Gebiet der Wissenschaft gäbe, mittagstemperaturen in Mitteleuropa auf 21 bis Militär unserer Republik. Im Vorhaus des das nicht unmittelbar oder mittelbar für die Techer Freitag und Samstag: Fortbestand 25 Grad an. Wahrscheinliches Wet= Volkshauses stand ein Kinderwagen mit einem nit und damit auch für die Striegstechnik verwertet des berrschenden Witterungsdharafters; vorwiegend etwa einjährigen Kind. Das Kind begann zu werden könnte. Wenn man die Thesen von Lord heiter, stellenweise Morgennebel, tagsüber warm. schreien, die Mutter war nicht zu ermitteln, sie Raleigh annähme, wäre man gezwungen, überhaupt sauvacher Wind überwiegend aus östlichen Richtungen. Sohn. Halten Sie ihn für einen Mordbrenner.| Swiste gegeben hat. Aber schließlich gibt es ja sedistischen Menschenschlächter, husitischen Unter- unter den Menschen immer Auseinanderseßungen. menschen und wie die Ausdrücke noch lauten, die Taß man dazu aber so schimpfen und lügen muz der Deutschlandsender für die tschechoslowakischen wie der Deutschlandsender, das will mir nicht in Soldaten verwendet? den Kopf. den vermuten ließen und als dann in Prag gehört wurde, daß es in Dresden bekannt war, hat man sich die Sache vielleicht wieder überlegt und das Hören nicht verhindert. Jch: Diese Begründung ist ja nicht übel und Jch: Glauben Sie wirklich alles das, was Er: Um Gottes willen, ich kenne doch Ihren jetzt im Deutschlandsender über die Tschechoslo- tspricht dem Geiſte des Deutschlandsenders, er flärt aber doch nicht, daß sich Sebetowsky und Sohn als einen kreuzbraven Jungen; der wird wakei zu hören ist? Sandner und schließlich auch der Vorsißende selbst sicherlich nichts Unrechtes tun. einigemal direkt an die Hörer in der Tschechoslo- Ich: Na sehen Sie! Mein Sohn dient jetzt wakei wendeten. Da dürfte doch ein kleiner Realtiv, steckt sicher irgendwo im Grenzdienst und führt die militärischen Befehle aus. Auch alle niefehler unterlaufen sein. anderen Soldaten unserer Armee haben Bäter und Wütter, die aus dem Deutschlandsender die nerhörten Beschimpfungen ihrer Söhne als Ich: Hören Sie den Melniker Sender? Er: Leider nicht. Wissen Sie, das ist bei uns zu gefährlich. Jch: Warum denn gefährlich? Er: Wenn man angezeigt wird, kann es den Empfänger fosten und außerdem fann man noch bestraft werden. Er: Dazu lann ich wirklich nichts sagen: übrigens ist das ja auch nur eine Nebensächlichfeit. Er: Offen gestanden, mir geht diese Schimpferei auch schon auf die Nerven. Ich sehe ja auch selbst hier bei Ihnen, daß Ruhe ist. Aber was wurde zum Beispiel nicht alles im Weltkrieg über die deutschen Soldaten zusammengelogen? Ernste einfallen, deswegen so über die reichsdeutschen Soldaten zu schimpfen, wie es jetzt der Deutschlandsender mit den tschechoslowakischen macht. Es ist ein altes Sprichwort: Wer schimpft, hat unrecht. In dem jezigen Rundfunkkrie Teutschlands gegen die Tschechoslowakei dürfte die Belt bei gegenseitiger Abwägung von Angriff und Abwehr und beim Vergleiche dessen, was aus Verin und was aus Prag in den Aether schallt, wehl Ich: Ich war im Weltkrieg bei einer dem Oberkommando Madensen in Rumänien unterstellten österreichisch ungarischen Heeresabteilung. Mache. Glauben Sie nicht, daß die vielen Un- men. Ich glaube, alle Eltern müßten sich in ihrer Das ist feine Beschimpfung und es wird auch heute Ich: Aber sehr bezeichnend für die ganze Bestien und Mordgesindel usw. zu hören befom- war also lange Zeit mit reichsdeutschen Soldaien beisammen und weiß, wessen sie fähig sind. sch): Sehen Sie, da haben Sie jetzt selbst wahrheiten, Widersprüche und wie Sie es Empörung gegen dieſe maßloſe Beſchmugung nach mehr als zwanzig Jahren niemandem im nennen Uebertreibungen das Vertrauen in die ihrer Kinder mit flammenden Protesten an die eiwas von den Behauptungen des DeutschlandMeldungen des Deutschlandsenders, erschüttern? inländischen Vertretungsbehörden des Deutschen senders über die Zustände bei uns widerlegt. Ich Er: Heutzutage tveiß man ja überhaupt Meiches wenden und die Abstellung dieses will Sie nicht fragen, warum das Anhören des Wielniter Senders bei Ihnen so gefährlich ist, um nicht mehr, was und wem man eigentlich glau- Schmußfeldzuges verlangen. Sie nicht in Verlegenheit zu bringen. Aber Sie ben soll. Am besten ist es, man hört sich überhaben sicherlich Montag bei der Uebertragung der baupt nichts an und wartet ab, was geschicht. Ich: Vielleicht ist auch diese Wirkung eine SdP- Kundgebung aus Dresden gehört, wie zu Beginn der Uebertragung gesagt wurde, in der Rebenabsicht dieser Art von Propaganda. Warum Tichechoslowakei sei angeordnet worden, um halb dann aber die ungeheuerlichen Deſchimpfungen von neun Uhr abends das Licht zu berlöschen, um das Staatsmännern, diese Besudelung des ganzen Anhören dieser Uebertragung zu verhindern, so Voltes, der viele Unflat gegen die Tschechoslowadaß in der Tschechoslowakei ägyptische Finsternis tei? Glaubt man damit vielleicht in der Welt berrschen werde, während die sudetendeutschen draußen oder doch wenigstens in Deutschland eine Flüchtlinge in Dresden versammelt sind, um zum aesteigerte Baßſtimmung gegen die Tschechen er deutschen Volk in der Heimat und im Reich sos zeugen zu können und eine richtige Kriegsstimmung vorzubereiten? wie zur ganzen Welt zu sprechen. Er: Es ist allerdings bedauerlich, daß die Sache solche Auswüchse annimmt. Hoffentlich wird vald Ruhe. Ich: Wie schön wäre es, wenn Sie diose Hoffnung drüben in Deutschland aussprechen würden!" Er: Das geht leider nicht. Wir haben in felche Dinge nichts hineinzureden. Jch: Das scheint der Deutschlandsender die Selbstbestimmung zu nennen. Er: Das ist doch etwas anderes. Sie werden doch zugeben, daß die deutsche Frage in der Tschechoslowakei unbedingt zur Lösung drängt, um schlimmeres zu verhüten. Ich: Wenn nicht aus Deutschland hereinge griffen worden wäre, hätten wir sicherlich schon längst Ordnung, Ausgleich und Nuhe. Er: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich auch im Sinne dieses Sprichwortes ihre Erkenntnis schöpfen. daß ich mich wirklich manchmal nicht recht behan Er: Ich muß Ihnen im Vertrauen sagen, lich fühle. Eigentlich würde ich wünschen, daß Ihr Land widerstandsfräftig und standhaft bleibt - und so denten viele bei uns. Ich: Schade, daß diese Stimmung bei Ihnen im Lande nicht zum Durchbruch gebracht werden kann und daß nur der Wille des Führers allem entscheidet. Tas dann Blut tosten und das ist entfeßlich. Er: So haben es die Ententemächte ja im Er: Ja, das wurde so ähnlich gesagt. Ich: Na sehen Sie: ich habe selbst beim Emp- Weltkrieg gegen Deutschland gemacht. Ich er fänger gesessen und die ganze Veranstaltung animere Sie an den Ausdruck von den Sunnen und gehört; ebenso war es sicherlich im ganzen an die vielen Lügenberichte über das angebliche Staatsgebiete und nirgends wurde das Licht vers unmenschliche Vorgehen unserer Soldaten. Jch: Vergessen Sie nicht, daß der Ausdruck löscht. Ilabrigens haben die beiden Mebner selbst sopar ausdrücklich zu den Hörern im sudetendeut von den Hunnen dem Kaiser Wilhelm selbst zu die inneren Verhältnisse bei Ihnen nicht genau Er: Dazu kann ich nichts sagen. Ich will then Gebiete und zu den Tichechen, die zitternd verdanten ist, der ihn in einer Ansprache an die kenne. Aber jetzt ist es eben einmal so weit, daß nur hoffen, daß es anderen Sträften gelingt, Schlimmes zu verhüten. Wir felbst sind zu Eci den Empfängern fiben, gesprochen, also doch im Boxerkrieg nach China abgehenden deutschen durchgegriffen werden muß. Sch: Laßt uns nur hier selbst durchgreifen, schivach dazu, obwohl toir fünfmal mehr sind als wohl selbst nicht geglaubt, was der erste Sprecher Soldaten gebrauchte. Tann bedenten Sie, daß das immerhin im Weltkrieg war, während wir wie Ihr Ausdruck lautet, wir werden schon mit Ihr. gesagt hatte. ießt doch im Friedenszustand leben, wenn er auch den Tschechen übereinkommen. Es ist ja Huns Jch: Werdet start! Sonst ist es aus mit der sonderbar genug aussicht. Sie kennen meinen berte von Jahren gegangen, menn es auch immer menschlichen Stultur. St. 2. Er: Vielleicht hatte man in Dresden Nachrichten, die eine solche Absicht der Prager Behör Die Lumpenfuhre Von Hans Natonek „ Was bist du nur für ein Mensch..." Lizzie musterte ihren Mann, als sähe sie ihn heute zum ersten Mal; ihr Blid drang in ſein Gesicht; so rüt tein Fäuste an einer verriegelten Tür. Das Gesicht blieb verschlossen; es war fremd, undurchdring ty, nicht ernst, nicht heiter, umschwebt von einem unjaßbar fernen Lächeln. So war es seit dem ersten Tag der Ehe getve fen, und der lag zwölf Jahre zurüd. Sie kannte ihn nicht. Niemand fannte ihn. Um ihn aufzuschlie fen, brauchte man einen Zauberschlüssel; und den bejaß sie nicht. Er lauerte auf dem Kontorstuhl und war ganz anderswo. Die starre Ruhe seines Gesichts war die Abweisung jedes Eindringlings, ein Für- sichellein- sein wollen. Manchmal ein Zucken um den Mund, Ansatz zu einem Lächeln oder zum Gegenteil. Ein Leben mit einem solchen Mann ist kein Vergnügen, das muß zu Lizzies Gunsten gesagt werden. Gamba führte das Geschäft zuerst recht und fehlecht und schließlich in den Ruin. Es dauerte etiche Jahre, bis es so weit war, aber zuletzt wai cs so weit. ,, Engialdemokrat" zugrunderichtest. Alles gehört mir, Autos und Wagen und Pferde. Lauf! Geh auf die Straße. woher du gekommen! Du bist nicht wert, ein an ständiges Heim zu haben!" „ Scherz oder nicht verkaufen Sie den] Wagen?" Der Kauf wurde perfekt. Gamba gab sein ganzes Geld her; der Rest in Raten. chend mit, als Gamba seinen leinen 30- Siger stolz hinausbugjierte. Der Motor, wiewohl gründlich überholt, feuchte und rasselte wie eine trante Riesenbrust. Auf vierzig Sitzen hüpften die kaputter Sprungfedern im zerschlissenen Kunstleder. Gamba, den Schlapphut im Naden, das schwarze Haar in dicken Büscheln in der Stirn, neben sich den weißbraunen Stacheldraht- Foy, fuhr in donnerndem Triumph durch die Städte und Dörfer, und die Leute flaunten über die beiden kleinen Insassen in dem großen Wagen. Während der mit einseitiger Heftigkeit geführten Auseinandersetzung war ein bettelnder Landfireicher in das offene, ebenerdige Kontor getreten und suchte schüchtern Gelegenheit, sich bemerkbar zu machen. Aber Lizzie in ihrem blinden Eifer und mit der Verschließung von Schreibtisch und Geldsayrant beschäftigt, sah nicht den zerlumpten Schatten im Halbdämmer der Gartentür. Er wollte sich eben fortschleichen, es war ihm ja so peinlich, in einen Ghezwist hineingeplakt zu sein, wie ein Zeuge in einen falschen Prozeß, aber Gamba hielt ihn mit Aber sie blieb nicht lange leer, die Arche Noah dem Blick fest. Die Finger in den Ohren, um nichts zu hören, sezzie der fleine Vagabund immer wieder der letzten Menschen, wie Gamba in einem verwege zur Rede an, kam aber nicht zu Worte, weil Lizzie nen Uebermut das wägelchen nannte. Ich will es führte. Gamba machte Zeichen: Habe feinen nicht allein bleiben; nicht darum habe ich mir die Pfennig bei mir, aber dort auf dem Kleinen Tisch Arche angeschafft. Es gibt da seltsame Geschöpfe, links von der Tür liegt das Geldtäschchen der Dame, Jim, die zichen ohne Sinn und Plan in der Welt vad das ist immer gut gefüllt. Der Landstreicher herum. Ich bin lang genug an ihnen vorüberge= tehrte verschämt ab. Da schlich Gamba an das fauit, als Chauffeur im Lurus- Autocar für den Tischchen, lehnte sich mit dem Rüden daran und Fremdenverkehr; nun will ich eine bessere Fracht trarf die Geldtasche im Bogen dem fremden Bruder laden. Er ließ den Wagen ganz langsam fahren. zit, der sie geschickt mit dem steifen Hut auffing und Sich dort den Punkt auf der Landstraße! Jim legte ihn sofort aufsetzte. Dabei gab es ein fleines Ge die Vorderpfoten auf die Windschutzscheibe, um bestäusch, Lizzie drehte sich auf dem Schreibtischstuhl jer zu sehen. Eine Erregung, eine Art Jagdfieber scharf um. Was gibt's? Marsch! Nichts da batte Gamba ergriffen. Dieser schwarze Punkt auf der Landstraße schien sich in der Unendlichkeit zu verAuch so ein Taugenichts!" lieren. Das fönnte Charlie Stiff sein, durchzuckte 23 Gamba. " Valentin Gamba batte eine bewegte Vergan genheit: er war Holzflößer auf dem Miſſiſſippi, Fuhrmann und Eseltreiber in der merikanischen Der kleine Mann drehte sich auf der Ferie und Sierra, Bremser auf einen Güterzug quer durch die Bereinigten Staaten, Chauffeur auf einem Frem- trat in Würde den Rückzug an. Da begann Gamba den- Car in San Francisco gewesen. Er hatte Lizzie riöhlich zu schmettern:„ In New Jersey, in New aus eine ziemlich romantische Art fennen gelernt, als Jersey, im Schwarzen Lamm", da gibt's ein Wies er ihrer fleinen Schwester das Leben rettete, indem dersehen..." Es war ein improvisiertes Volkser fie aus dem Waffer zog der Zufall oder die lied. Der Kleine Mann winfte im Abgang mit dem Fügung, die Mann und Frau zusammenführt, ist Tanken Fuß Gruß und Einverständnis. auf jeden Fall romantisch, um so mehr, wenn dies jer Mann Valentin Gamba heißt und das Mädchen Lizzie Smithfield aus Johnstown, 65.000 Einwoh ner, Tochter eines Großbädereibesizers mit elektrischem Betrieb. Gamba war ein fleiner gedrungener Mann mit cinem seltsamen Bronzefopf, der von Geheimnissen umwittert war, und Lizzie fand ihn interessant, das zu kam noch die ergreifende Lebensrettung. Gamba hatte damals ein tiefes Heimberlangen und empfand zum ersten Mal in seinem Leben den Reiz des Bürgerlichen und der seßhaften Ordnung. Und überhaupt, wenn er etwas wollte und wenn es auch das Verkehrteste war, ließ er nicht loder bis er am Ziel war. Und dann war es keines mehr. „ Was soll nun werden?" Lizzie starrte in sein unbewegtes Gesicht. Gamba zuckte die Schulter; wenn er es tat, wurde sein großes Schweigen seltjam beredt. Als Kind wollte ich Kutscher werden, dachte er, als ginge ihn der Bankrott nichts an; alle Kinder wollen Kutscher werden – das muß wohl feine Richtigkeit haben. Es ist der Freiheitstraum der Kinder. Daß sie dann in ein Joch friechen und ziehen, anstatt zu tutſchieren, das ist der Lauf der Welt. Ich aber bin das Kind geblieben, das Kuticher werden möchte, auf weiten Straßen über Land, mit einer luftigen Peitsche, die mit der Pferdefruppe fine Zwiegespräche hält. Ich bin nur versehentlich und mit Hilfe von Lizzies Geld in das Pittsburger Speditionsgeschäft geraten und habe es nun glüdlich in Grund und Boden futſchiert. Glücklich, dachte ier Mann, der fertig war. Fertig sein, am Ende, das hieß, noch einmal anfangen. „ Mit diesem Menschen ist ja nicht zu reden", sagte Lizzie halblaut und fast erstici vor Groll. Und dann schwoll ihre Stimme bis zum Geschrei:„ Du geuner, du hergelaufener, warum bist du mir über den Weg gelaufen?" Gamba unterstrich die große Frage mit einem Zuden der Schulter. „ Ein Portugiese willst du sein von einer irischen Mutter? Ich glaube, du bist eine noch viel Slimmere Straßenmischung!" Er fuhr an dieses zweibeinige Menschenbündel näher beran; aber er war es nicht. Es war nur ciner seinesgleichen... Der unsichere Talt der Beine, der typische Gang eines Spaziergängers, der sehr viel Zeit und fein Ziel hat, ein Müdgelaufener, ohne ein Woher und Wohin, ein Heimatloser. So einsam und verloren ist unter allem Geschaffenen nur die menschliche Seele. Gamba zog feinen besten Anzug an und die ncuen gelben Schuhe. Lizzie durchsuchte seine Ta- Gamba rief den Landstreicher an; er stand fchen, sie waren leer. Sie machte ihm ein öffer gang blöde vor dem Riesenwagen. Die Autocars chen zurecht und gab ihm ein Taschengeld. Gamba fausten sonst hochmütig vorüber, es war ganz zwed sehnte danfend ab.„ Mit leeren Händen bist du geirs, sie anzurufen; und diesmal wurde er angefommen, mit leeren Händen siehst du aus", sagte rufen und sogar mitgenommen. Es war ein schlimLizzie, die, wenn sie sentimental wurde, einen pa mer, herbstnasser Tag; er war ohne Straft immer störlichen Ton anschlug. Das tun wir schließlich geradeaus getippelt, gradeaus, weil die Straße so alle, dachte Gamba, der große gleichnishafte Busam Tief, in Stälte, Sunger und Nacht hinein, und menhänge liebte. nun faß er wie ein Herr in einem dreißigjißigen leeren Autocar. Der Abschied war zwiespältig, Lizzie weinte, aber nur über das Mißgeschick ihrer Ehe; daß gerade ihr so etwas passieren mußte. Gamba mißverstand ibre Tränen und glaubte, sie gelten ihm. Er füßte, als spiele er eine Tonleiter der Gefühle, ihre Hände, ihre Arme, ihren Hals, ibre Wangen, ihre Stirn. Um den Mund machte er scheu einen fleinen Bogen. ,, Leider bin ich ein Taugenichts", sagte er zerknirscht und mußte das Leuchten seines Gesichts abblenden. Dann machte er, ähnlich wie der Landstreicher vorhin, auf der Ferse Kehrt und ging. So zog Gamba in die Welt; mit Jim, dem und, und mit einigen Dollar. Freitag, 24. September 1938. Nr. 224 Zita Kabátová in dem Film ,, Silberwolfen". Aus aller Welt Die Kalahari- Wüste wächst. Die Regierung der Südafrikanischen Union hat sich veranlaßt gesehen, eine besondere Kommission von Fachleuten einzusetzen, die die klimatischen Verhältnisse an den Grenzen der Kalahari- Wüste genauestens studieren sollen und so schnell wie möglich Vorschläge ausarbeiten werden, mit welchen Mitteln man das Vordringen des Wüstensandes bekämpfen kann. Das rätselhafte Wachstum der Kalahari- Wüste, die sich zwischen dem Oranje- Fluß und den Siedlungsgebieten der Buschmänner ausdehnt, ist seit etwa 1920 bemerkbar geworden. Der Wüstensand wird immer weiter ge= weht, bedeckt schon erhebliche Flächen der angrenzen den Steppen und dringt sogar bis in die Waldgegenden vor, so daß die Pflanzen dem Untergang geweiht sind. Gleichzeitig haben die Meteorologen seit etwa fünfzehn Jahren einen konstanten Wechsel des Klimas in dieser Gegend festgestellt: es wird immer Und jetzt begann er sich rasch zu füllen. Wie trodener, und die Niederschlagsmenge verringert sich ein Riesensieb strich der Dreißigsizer durch den von Jahr zu Jahr. Gerade diese Tatsache erlaubt Staub der Straßen; vieles nahm er mit und man- relativ genaue Berechnungen über die Größe der ches fiel durchs Sieb und blieb liegen. Ausge- Gefahr. Die bisherigen Maßnahmen, die darin bestoßene, die sich mit Gambas Hilfe wieder aufrich standen, in den Grenzgebieten tiefe Gräben anzuteten wie niedergeschlagenes Korn; Erniedrigte, die legen oder Anpflanzungen vorzunehmen, haben sich sich verfrochen, und solche, die den Kopf hoch trugen als unzureichend erwiesen, weil der Sand die Gräs wie heimlich gekrönt; und luſtige Taugenichtie, die ben in relativ furzer Zeit wieder verschüttete und nichts mehr zu verlieren hatten; und Versinkende. die Pflanzen nicht gediehen. Die Angelegenheit bedie mit jedem Schritt tiefer santen, als gingen fiereitet der Regierung und der Bevölkerung dieser auf Sumpfboden, es waren lauter Brüderſchid Gebiete die allergrößten Sorgen, und der Kampf jale, die Gamba auf- und ablud. gegen die Kalahari- Wüste wird bestimmt in größtent Maze aufgenommen werden, wenn man erst einmal weiß, welche wirksamen Maßnahmen getroffen wer den fönnen. Am zweiten Tag war die Fuhre voll. Abends Als Gamba in New Jerseh eintraf, war der Tagerte man im Freien. Bei schlechtem Wetter troch fleine Landstreicher, der ihn mit dem Gelde hier erman unter das Regendach. Jeder steuerte zur Fahrt harten sollte, verschwunden. Aber er hatte ein berei, so viel er fonnte. Die Leute in den Städten idhnürtes Pafetchen zurüdgelassen: Lizzies GeldDie Venus von Milo im Kimono. Mit dem und Dörfern hatten beim Anblid des beladenen Getasche und darin stat ein Bettel:„ Quittung über fährts, auf dem lauter Brüder und Vettern zu jizzen Heraufkommen eines übersteigerten Nationalismus entnommene 50( in Buchstaben: Günfzig) Cents. fienen, ihren Spaß und ließen sich ihn ein paar ist in Japan auch die Ablehnung der europäischen Charlie Stiff, zurzeit unterwegs." Cents fosten.„ Zumpenfuhre" nannte man den Zivilisation außerordentlich groß geworden. Dies Transport, und der Name flog ihm hinterdrein und wirkt sich namentlich in moralischer Beziehung aus, voraus. So fam man weiter, ohne zu wissen, wohin. und eine Welle von Sittenſtrenge flutet über das zie Polizei gewöhnte sich daran, daß die Landstrei- ganze Land. Der Volksbildungsminister Sadas cher, anstatt einzeln zu tippelu, in Sammelladung und Ferntransport befördert wurden. Im Geldtäschchen befanden sich über zweihundert Dollar. Das reicht für ein ganz kleines zwei sißiges Wägelchen. Mehr will ich ja nicht. Und dann gehts in die Welt hinaus und wir suchen uns den kleinen Bruder, den Charlie Stiff. Wir brauden feinen Plan, nicht wahr, Jim; die Straße ist unser Plan. Hat denn Gott einen Plan, wenn er die Menschen auf die Straße setzt? II. Aber für Gamba, den seine Aufgabe begeisterte, bedeutete das alles viel mehr als eine Lumpenfuhre, die über die Straßen rollie gegen fleines Entgelt. Gewiß, das Rollen und Nicht- an- einem- Drie- bleiben, das war seiner Natur schon recht; aber das Harati hat erst vor kurzem die Aufnahme von Gemälden und Statuen in einer Kunstausstellung verboten, sofern diese nackte oder„ ,, unzüchtig bekleidete" Menschen zeigen. Aber auf geradezu groteste Weise Hat sich diese Stimmung in einem neuen Kaffeehaus in Tokio ausgewvirft. Dieses Kaffeehaus ist ganz über die Da begann Gamba zum wievieltenmale Gamba stedte den Kopf in viele Kühlerhauben eigentliche Glüd war, Menschen in die Hand zu be- vesteuropäisch eingerichtet, und sein Besitzer hatte nii bedächtiger Gründlichkeit seinen Stammbaum zu antiquarischer Kleinautos, die auf dem Scheideweg kommen. Er hatte vald heraus, woher dieser oder darin als besonderen Schmuck eine Nachbildung der entwickeln, der jedesmal anders und immer phantasianden zwischen Autofriedhof und Generalüber- jner fam und was ihn so tief heruntergebracht hatte, Venus von Milo in Originalgröße aufgestellt. Die stischer und wirrer aussiet. Er flüsterte mit stum- helung und tat fachmännisch. Der Hund Jim schnup- und was dem einen und andern not tat. Und er Polizei schritt sofort ein und verlangte die Entmen, vieljagenden Pausen, als enthüllte er tiefe perte interessiert an den Rädern herum. Aber sie spielte Schicksal, brachte den einen zur Arbeit und fernung der Statue. Da dies im Augenblid aber Geheimnisse:„ Mein Urahn war Portugiese, der konnien sich nicht entschließen. Sie wanderten von setzte den andern wieder auf die Straße, weil er etwas schwierig war, hängte man der Venus von als Steuermann mit Vasco de Gama nach Indien einem Autohändler zum andern, die Auswahl an heillos und doch sinnvoll zu ihr gehörte, wie ein Wilo zunächst einfach einen Simono a- fahren ist. Von dort brachte er sich eine Far- fieinen Zweisißern war groß, und dennoches fam Wegerich an den Wegrand. Und er machte aus Schultern. bize mit, deren Sohn eine Streolin heiratete, die der zu feiner Entscheidung. Es iſt even noch nicht das Lampen Leute, indem er jie kleidete, und weil er Mesalliance eines spanischen Hidalgo und einer Richtige, sagte Gamba au Jim, und wenn es nicht crfannt hatte, was alles aus einem Menschen wermaurischen Jüdin entstammte. Der Sohn aus die- das Richtige ist, gibt es feine Ruhe. So bin ich ten kann, sei es durch Not oder durch Hilfe. durch fer Ehe heiratete eine Deutsche und das Paar wan- auch mit Lizzie im Zweijiker gefahren, und es war upaden oder Fallenlassen. Und er schrieb auf; was Serie nach Amerifa aus. Der Ghe entsproß ein auch nicht das Richtige. sie ihm abends erzählten, und wenn er durch die Töchterchen", jest verlor er den lleberblick und Plötzlich blieb er in der Halle eines Händlers großen Städte kam, mit dem Schild an der Wagenden Faden und hätte beinahe geendet: und das wie angewurzelt stehen. Das ist der Augenblick, tür:„ Valentin Gamba, Fuhrgeschäft", und dar- Spenden. Der Verein deutscher StaatsangeSa ich". Rechtzeitig führte er die Generationsfolge da ein Einfall zur Eingebung wird, eine Laune zum unter:„ Beute komplett", dann gab es ein großes stellter beim Miniſterium für soziale Fürsorge ſamweiter. Dieses Mädchen, zur Zirkusreiterin er 3irang, und einen das Schicksal anrührt.„ Den Calloh, und die Pressephotographen drückten ab, und melte für Flüchtlinge aus dem Sudetengebiet einen klüht, heiratete einen hundertprozentigen Ameritas a hier!", stick Gamba hervor, und Jim sprang die Reporter ließen sich von Gamba erzählen. Und Betrag von 125 Kč. ver, der als Landstreicher auf all unseren unendlichen neben den Führersitz und ließ sich besizergreifend Firaßen zu Hause war und zu jener Zeit gerade als nieder. Stallfnecht im Zirkus ein Unterfommen gefunden" Wieso denn, was denn?" Der Händler behette. Und der Sohn dieses hundertprozentigen griff es nicht. Amerifaners, das bin ich." Er nahm eine graziöse Vose ein, das linke Bein auf der Spitze hinter dem rechten, als wollte er für einen imaginären Beifall danfen, daß alle Nationen der Welt sich um sein Zustandekommen bemüht hatten. Lizzie schlug die Hände vors Gesicht. Das war ja schlimmer als schlimm.„ Nun hat's aber gesnappt!" Lizzie vergaß ibre gute Lady- Erziehung und schrie:„ Du Straßenmensch! Du halber Nigger! und er brachte einige zum Film und in den Zirkus; denn e3 gibt Menschen, die zu nichts anderm taugen als zum Taugenichts, Spaßmacher, Narrenspieler, zu Typen", zur seltsamen Statisterie, die sich selber Gamba zeigte immer noch starr auf einen spielt. Dafür gab es stets Nachfrage. Und manchmal war ihm, als fahre er mit einer großen Mähwagen von Riefendimenſionen, einen ausrangierten naschine über ein Erntefeld, und vieles darin war und abgenüßten dreißigſißigen Aussichts- oder Poli- schon überreif, nicht mehr zu bergen und fiel unter3ciftreifwagen mit amphitheatralisch ansteigenden Sibreihen. " Ich denke, Sie suchen einen kleinen Zweijizer?" „ Der Mensch denkt-", sagte Gamba mit der eroßen Ruhe eines, der nach vielen Irrtümern endweiß, was er will. Nie hatte er das gewußt: deshalb war sein Leben so unstet." Was soll das Wägelchen fosten?" wegs spurlos ab vom Hochgefüllten Wagen. Immer, wenn einer zustieg oder wenn er die Ladung musterte, hatte Gamba Herzklopfen und die Seffnung, den kleinen Bruder, den Charlie Stiff, zu fassen; denn eigentlich nur um seinetwillen ging die Fahrt. Aber zu dem Zeitpunkt, da sich Sumpenfuire im Staate Setiu, ha fid) bie liert, hatte er hunderte Charlies gefunden, nur den e.nen nicht, so daß er beinah vermutete, der kleine Mann mit dem steifen Hut und dem weichen Stödäen sei ein Scheinwesen ohne körperliche Wirklichfeit, und er habe ihn nur geträumt. Trager Zeitung Kunst und Wissen Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, 19.30 Uhr: Chrano von Bergerac". Samstag, 19 Uhr:" Don Carlos"( neu inszeniert).- Sonntag, 19.30 Uhr: Fledermaus". Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 20.00 Uhr: Flitterwochen". Samstag, 20.00 Uhr: Dreißig Sefunden Liebe". Sonntag, 20.00 Uhr: Liaison". Urania- Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. Ihr Leibhufar t mir bis auf den bentigen Zag verheimlicht! Das wagit du einer hundertprozentigen Amerikanerin, ener geborenen Smithfield, zu bieten! Birkus und Landstreicherei sind deine Kinderstube- pfui Teu-„ Sie scherzen." Der Händler war immer noch fel! Aber jetzt mach ich Schluß. Jetzt wird liquis fassungslos, wiewohl er doch froh sein mußte, dieses diert. Ich verkaufe das Geschäft, ehe du es ganz unverfäufliche, alteisenreise Objett loszuwerden. Bezugsbedingungen: Bei Rustellung ins aus oder bei Beaua durch die Voit monatlich Ké 17. vierteljährig Kč 51. halbjährig Ke 102. aanziäbria Ke 204.-- Inferate werden la Tarif billigit berechnet.- Nüditellung von Wianuitzipten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten- Die Zeitungsfrantatur wurde von der Post u. Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800 VII/ 1980 bewilligt Controllpofteant Braba 25,- Druderei: Orbia". Drud, Berlagse u. Beitunas... a Mit Englisch, Kemp, Anbergast, Javor, Balmay. 9 1