Ur. 179. Aboimements-Kcdingungkn: vbonnement»-Prel» pränumerando: vierteljährl. Z,30 Mk.,»nonall. 1,10 M�, wöchenlltch W Psg. frei Ins Hau». Einzelne Nummer 5 Psg. Sonnlag»» Nummer mit illuftrterler Sonnlag»» Betlage„Pic Neue Will" 10 Psg. Post- Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Singelragen in dir Post- Zittung»- Preisliste für IS9V unter Nr. 7Uj!l>. Unter Kreuzband für Deutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Autland g Marl pro Monat. Trlcheml täglich allster wonlag«. Vevlinev Volksblakt. 16s Jahrg. Die Instrtlons-Atbülir beträgt sür die sechsgespaltene Kolonek» zetle oder deren Raum»0 Psg., sür poltttsche und gewerlschastliche Berein»- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Ans, igen" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort sett). Inserate sür die nächst« Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag» in derSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittag» geössnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1608. Sclegramm- Adresse: „Sorlaldemostrar Berlin" Centralorgan der pocialdeniokvcttifdjen Partei Deutschlands. Redalttwn: LM. 19, Beullz-Straszc 2. Stets alles zum Besten! Rom, den 3t. August. Das Wort der katholischen Kinfie: credo quia absurdum, ich glaube, weil es unsinnig ist, läßt sich sehr gut auf die Politik der iralienischen Regierung anwenden. General Pelloux, der glaubte, er könne die beiden Riidschritts� Parteien der parlamentarischen Mehrheit für seine Politik be- nutzen, die eine Partei um seinen Reaktionsgesetzen, die andere um. seinen angeblich demokratischen Finanz- nnd Wirtschafts» rcfolnien zum Sieg zu verhelfen— ist von beiden Parteien im Stich gelassen— von den offenen Reaktionären sowohl wie von den orthodoxen Liberalen. Zum erstenmal fliest das Ministerium Pelloux sich den jVop blutig an der Obstniktionspolitik der soeialistischen Gruppe, die von der ganzen äuslcrslen Linken unterstützt ward. Das Ende vom Lied war, dast das Ministeriuni, weil eine homogene und feste Majorität ihm fehlte, einfach die Flucht ergreifen und die ftanimer zuschlicstcn mustte; und um sich eine kleine Genugthuung zu verschaffen, mach: es jetzt den Abgeordneten Prampolini, De Felice und B i s s o l a t i einen Prozest unter dem Vonvand, dast sie„ei» Attentat gegen das Parlament lStrafe: 12 Jahre Gefängnis 1) ver übt hätteir— weil sie am 28. Jnni, bei der Abwehr einer Ungcsctz� lichkeit des Präsidiunis, die für die Aufnahme der Stimmzettel bo reiten Wahlurnen weggenommen und die Majorität am Abstinimen verhindert haben. Nun hat aber das Ministerium den Richterstau d gegen sich weil es seine reaktionären Gesetze zur Knebelung des Vereinsrcchts, des Koalitionsrechts und der Prehfreiheit seit deni 20. d. M. in Kraft hat treten lassen, ohne dast sie die verfassungsmästig notwendige Billigung der Kammer erlangt haben. Vielleicht wird die Regiemrig mit dem Richterstand fertig;. denn ohne wirkliche Unabhängigkeit und der Willkür der Exckutivgelvalt überliefert, wird er sthliestlich doch erklären, dast das Dekret angclvcndet werden darf, der raison d Etat zu Liebe, im Interesse des Staats— wenn man nicht(wie wir eS dieser Tage vom Appellationsgericht in Rom erlebt haben), jedes Urteil über die Rechtsgültigkeit des Dekrets bis zum Herbst verschieben wird, wo dann die Kammer wieder versanmielt ist. Indessen schtvebt das Ministerium Pelloux über seine Existenz jetzt in der gröstten Ungelvistheit. � General, unter dem Befehl � deS Königs, ohne jegliche Fühlung mit dem_ Parlament, hat_ der Senator Pellonx keine politischen und des 'reunde im Parlament. Die Abgeordneten der Rechten entrums— wie Rudini, Prinetti, Colombo, Sonnino—, die anscheinend seine Gefolgschaft bilden, sind in Wirklichkeit nur Ex Minister, die Pelloux möglichst bald zu ersetzen wünschen. Nachdem die Kammer geschlossen war, ohne dast man die Ob- strnktion der äuhersten Linken zu brechen vermocht hatte, und nachdem das reaktionäre Dekret veröffentlicht lvar, das selbst unter den Konservati- ven die schärfste Kritik hervorrief swie ein vielbesprochener Artikel des Staatsrats und Senators Bonfadini beweist), sah sich das Ministerium fortwährend von Vorschlägen und Drohungen seiner Verbündeten über- häuft, die ihm ganz offen den Siücktritt empfehlen, um einem wahrhaft »parlamentarischen" Ministerium Platz zn machen. Aber der Selbsterhaltnngsttieb macht Herrn Pelloux gerade nicht geneigt, diesem wenig uneigennützigen Rat zu folgen, vielmehr droht der Mnnsterchef, die Kammer aufzulösen und Neuwahlen vorzunehmen; denn das Ministerium hat immer Mittel, eine genügende Anzahl seiner Abgeordneten durchznbringen. Zwar ist es anderer- seits auch richtig, dast jede neue Kammer zunächst sich beeilt, dem Ministerium, dem sie ihr Dasein verdankt, den Garaus zu machen: allein einige Monate wären schon bis dahin gewonnen. Beiläufig will Herr Sonnino, der seine Agenten in den Ministern des Schatzes, Bosclli. und des Ackerbaues, Salandra, und dem llnteistaatssekretär des Jnneni, Bcrtolini, hat. keine Neuwahlen; er würde es vorziehen. die politische Erbschaft des Herrn Pelloux während der Ferien anzutrete». Schliestlich wird das Verhängnis Herrn Pelloux infolge der Verkehrtheit seiner Politik dahinbliiigen, Neuwahlen vornehmen zu müssen, obwohl er in der jetzigen Kammer über eine Mehrheit von hundert Stiunne» verfügt: gerade wie er gezwungen war, der Minorität der äustersten Linken zu weichen, indem er die Kammer ichlost. lind diese Absurdität erscheint vom Staudpunkt der Regicrnng doppelt krast, Iveim man bedenkt, dast der Augenblick nicht günstiger für die volkstiinilichen und antimonarchischen Parteien sein könnte. Der Obstruklionskanipf hat der äustersten Linken eine außer- ordentliche Popularität verschafft, weil sie damit zeigte, dast das Parlament sehr wohl zur Verteidigung der Freiheiten und Volksrcchtc dienen kann, wenn man mir die E»e>chie hat. die Gelegenheit mutig beim Schopf zu ergreifen. Die öffentliche Meinung ist jetzt so gestimmt, dast die kleineii Grundbesitzer, Kaufleute, Arbeiter, Handlverker, Beamten usw. gern ihre llnterslützung den Kandidaten der äußersten Linken ge- lväbrcn werden, die sich bei den Wahlen auch verpflichten, hie Obstruktion gegen die militärischen Ausgaben anzuwenden und gegen die Berniehrnng der Stenern, welche uns immer von einem italienischen Ministerium bevorsteht: sodatz die äußerste Liüke, die jetzt 76 Abgeordnete zählt, voranssichtlich auf über 1 Ab- geordnete anivachsen dürfte, wenn die Wahlen stattfinde». I" der That könnten die Wahlen unter keinen günstigeren Um- ständen für uns stattfinden. Das zeigt wieder der Ausfall der jüngsten G e m e i n d e w a hl e n: in Süditalien haben die Socia- listen wieder glänzende Erfolge zu verzeichnen: so ist iu meiner Provinz Mantova ein kleiner Eisenhändler zum Provinzialrat getvühli worden gegen den Marquis Guerrieri Gonzaga, einen der Vicepräsidenten des Senats, der zivanzig Jahre Provinzialrat gewesen war l Und vorgestern wurde in Aleffandria, einer Stadt von 00 000 Einwohnern, bei Erneuerung des Gemeinderats der focialistische Uhrmacher Sarno� zum Bürgermeister gewählt, worüber die Konservativen in unbeschreibliche Wut gerieten. Man kann also ohne Ilebertreibung voraussagen, dast es die Socialisten von 16 auf 30 Abgeordnete bringen ivcrden. In Mittelitalien sind die Republikaner stärker, und ihre Zahl wird von 20 auf 26 steigen. In Süditalicn werden die Unzufriedenen und in allen Provinzen die radikalen Wähler sicherlich 60 Deputierte ins Parlament schicken, die zwar nicht antimonarchisch gesinnt sind, augenblicklich sich aber mit den Socialisten und Republikanern verbünden werden. Nur die politische Notwendigkeit des Augenblickes kann es ent- schuldigen, wenn im Falle allgemeiner Wahlen die socialistische Partei die Taktik des Bündnisses mit den Republikanern undRadikalen befolgen wird, im Gegensätze zu de» Beschlüssen unserer Kongresse, die stets und mit Recht, wenn es sich nidst um Stichwahlen handelt, die Taktik der absoluten Trennung der soeialistischen Partei von den übrigen aussprachen. Wenn auch dieses Bülidnis die Existenz der republikanischen und radikalen Partei, die in Italien keine große Lebensfähigkeit mehr besitzen und fast nur von ihren Traditionen und Erinnerungen zehren, verlängern wird, so wird es einerseits der soeialistischen Partei eine politische Atmosphäre sichern, nni in einem Minimum von Freiheit zu atmen, andererseits aber nicht den Prozest stören, durch welchen die Volksmassen von unserer Partei ausgesogen werden, die ini Parlament und im Lande sich als die Partei der besten Organisation und des unermüdlichen Kampfes bewiesen hat. Die Verbindung der Volksparteicn, welche, wie ich dies schon so oft dieses Jahr bei meiner schriftlichen und mündlichen Propaganda Iviederholt gesagt habe, darf uns jedoch nicht unser wichtigstes und notivcndigstcs Werk, welches die Pflidst und die Mission unserer Partei ist, vergessen lassen, d. h. die Wccknng des socialistisdsen Bewußtseins auf der Grundlage des Klassenkanipss und des Kollektiv eigeutums, welches Ziel jeuscils der politischen und parlameutarischcn Känipfe des jetzigen Feldzugs liegt. Thatsächlich hat die Politik des Generals Pelloux, indem sie die Reaktion über die Grenzen des parlamentarischen Scheins und der parlamentarischen Formen hinaustricb, das historische Dilemma schärfer zugespitzt nnd hervorgehoben, welches die europäischen Monarchien in ihrem Schoß tragen: Eniiveder Staatsstreich oder sociale Revolution. Was Italien betrifft, so glaube ich, dast der Staatsstreich, offen oder verhüllt, nach Art des napoleonischen zweiten Dezember, nicht möglich ist, denn der König und die Personen, d i e i h n uni geben, haben nicht die positiven und auch nicht die negativen Fähigkeiten, deren es zu einen: solchen' Staatsstreich bedarf. Wir schreiten also, wenn auch langsam und schwächlich, der socialen Revolution zu, und deshalb müssen wir, neben dem polittschen Kampf, den wir. verbündet mit den Radikalen und Republikanern führen, unsere socialistische Agitation mit aller Kraft weiter betreiben. Denn eine politische oder sociale Revolution in einem Lande, das noch nicht ge� nügendeS soeialistischeS Bewußtsein erlangt hat, würde im Verhältnis zu den ungeheuren Anstrengungen und Opfern nur ver- gleichswcise geringe Ergebnisse haben. Wir dürfen uns deshalb nidst auf die vorübergehende, abivcchslungSvolle und wechselnde Politik des Augenblicks beschränken, sondern müssen stets unser Ideal und Endziel vor Augen haben, damit wir den Weg nicht verlieren. Thun wir das, so können wir mit absoluter Sicgcsgewisthcit die Arbeit deS Ministeriuniö Pelloux betrachten. Natürlich nicht mit übereinandergeschlagenen Armen. Was immer Herr Pelloux thun mag, wir ge- Winnen dabei. Wenn er die jetzige Kammer wieder eröffnet, werden wir im November dieselben Positionen einnehmen, wie im vorigen Monat, und unerbittlich und rücksichtslos kämpfen für die Freiheiten des Volkes. Entschließt er sich zur Kammerauflösung und zu Neu wählen, wozu er lvohl gezwungen sein dürfte, so haben wir die denkbar beste Gelegenheit sür die socialistische Propaganda mit der Gelvisthcit, die Zahl unserer Frakrionsmitgliedcr zu ver- doppeln. Deshalb nennt unser tapferes Tageblatt, der„Avanti" den General Pelloux ironisch„unseren Genossen" kein wirklicher Genosse arbeitet mit solchem Erfolg siir da« Wachs tum, die Stärke und den Sieg unserer Partei. Man tarm von ihm in kleinerem Maßstab sagen, was man von Bismarck und dessen Unterdrückungspolilik gesagt hat:„der Socialisnins ist wie sein Schatten, oder richtiger wie der Schatten seines Despottsmus— je mehr seine Rcakttonswut und sein Despotisnius sich ausdehnt, desto größer wird der Schatten." Aber da Gewaltthätigkeit stets die Folge wirklicher Schwäche ist. so bekundet die Reaktionswut und Gewaltthätigkeit des Generals Pelloux die Schwäche des Systems, dessen Vertreter er ist. D i e s o c i a l i st i s ch e P a r t e i h a t i n i h r e r Arbeit der Pro- paganda, Orgawisation und Disciplin nur furcht- los und nnermüdlich fortzufahren und der end- gültige Sieg ist ihr sicher. __ Enrico Ferri. k Berlin, den 2. August. Für verunnftgemaste Freiheit begeistert sich— es. ist nicht zu glauben— die„Post". Diese vernunftgemäße Freiheit wird durch die Zuchthausvorlage herbeigeführt, deren Hauptzweck wir nun auch kennen lernen: „Der springende Punkt des ganzen Ennourfcs ist der, daß ein gewaltsam von der Arbeit zurückgehaltener Arbeiter nicht mehr den Sträfanttag gegen seine Vergewalliger zu stellen nötig hat, sondeni daß der Staat hier von selbst schützend eingreift. Das ist das Wesentliche und Wertvollste. Jetzt wird der socialdemokratische Terrorismus in den meisten Fällen die Stellung eines Straf- antragcs hindern. Der unnatürliche Zustand besteht darin, daß selbst ein Arbeiter, der mit seiner Lage durchaus zufrieden ist und die Notwendigkeit einer zwangsweisen Verbesserung seiner Ver- hältnisse nicht anerkennen kann, an einem durch und durch frivolen und unberechtigten Streik zwangsweise teilnehmen muß. Diesen eisernen Koalitions zwang will der Entwurf brechen, um an seine Stelle die wahre Koalitionsfreiheit zn setzen.� Der Staat also soll feststellen, welcher Arbeiter sich ver- gewaltigt fühlt. Das ist vernunftgemäße Freiheit, daß der Arbeiter nicht einmal das Recht hat, zu entscheiden, ob er ich zwangsweise koaliert glaubt. Daß die„Post" so viel Wert auf diese Bestimmung legt, läßt darauf schließen, daß erade in ihr ein vorzügliches Mittel gesehen wird, um Ztreiks unmöglich zu machen— waS ja der Zweck der ganzen Vorlage ist. Expedition: 19. Veuth-Sleasze 3. Und in der That birgt diese Bestimmung ein ganzes Arsenal von Folter- und Henkerwerkzeugen. Die Behörde kann eben bei jedem Streik annehmen, daß sämtliche Teil- nchmer gewaltsam von den Führern zur Niederlegung der Arbeit gezwungen worden sind. Mögen die Streikenden noch so sehr versichern, sie hätten freiwillig die Arbeit nieder- gelegt, sie seien unzufrieden mit ihrer Lage— das Gericht glaubt ihnen einfach nicht. Das Gericht erklärt in dem Geiste, aus dem die Bestimmung ja entstanden ist, die Streikenden wagten natürlich nicht— aus Angst vor dem social- demokratischen Terrorismus— zu gestehen, daß sie zum Streik gepreßt seien; sie dürften also auch nicht vereidigt werden, weil ihr unter dem terroristischen Zwang abgelegtes Zeugnis wertlos sei. Dagegen kann das Zeugnis eines Unternehmers, Werkführers usw., die da bekunden, daß die Arbeiter wider Willen durch die Agitatoren zum Streik gezwungen seien, als vollgültiges Zeugnis für die Vergewaltigung erklärt werden— und die(Streikführer wandern ins Gefängnis. Daß sie beim Ausbruch eines Streiks sofort in Untersuchungshaft genommen werden, ist ja ohnehin selbstver- ständlich. Wir sind der„Post" sehr dankbar«für die� Beleuchtung jener Bestimmung, die es mit einem Federstrich zu Wege bringt, daß nid)t nur die unorganisierten Arbeiter, sondern and) die Organisierten in eigentlich Arbeitswillige ver- wandelt werden, die nur wider ihren Willen in die Koalitionen und in Streiks hineingedrängt werden. Wie ihr Recht des Sttafantrags mit der Motivierung beiseite geschoben wurde, daß sie aus Furcht ihn nidit stellen würden, so gilt auch ihr Zeugnis nidits— sie sind und bleiben zufriedene Arbeits- willige, die nur durd) die Terrqnsierung ausständig geworden. Es giebt dann nur noch Arbeitswillige— und Agitatoren. Und die Organisation jedes Streiks kann spielend unterdrückt werden, wenn die Unternehmer nur bezeugen, ihre Zlrbeiter seien von den Hetzern eingesd)üchtert worden. Kein Zweifel, daß die Unternehmer die Kunst soläzer Zeugeusd)ast bald lernen werden. Die vernunftgemäße Freiheit der Arbeiter besteht dann dann, daß sie gezwungen werden, wider ihre heiligsten Ucberzeugungen zu handeln, ja geradezu Selbstniord zu üben. Man zeihe uns nidst der Uebertteibung. Wir haben schon jetzt Beispiele soldier Redstsprechung. Erst nenlid) wurde einem Arbeiter. der vor Gericht als Zeuge erklärte, er sei nicht Vergetvaltigt worden, kein Glauben geschenkt, während das entgegengesetzt lautende Zeugnis eines Gendarmen berücksichtigt wurde. Es ist gar kein Zweifel, daß solche Fälle, wo streikende Arbeiter wider ihren Willen und wider die Wahrheit als Terrorisierte geridstlich„festgestellt" werden, unter der Herrsdiaft der Zudsthausvorlage bei jedem Streik sid) ereignen würden. Die Besttmmung, daß es keines Strafantrags der angeblich vergetvaltigten Arbeiter bedarf, ist so in der That die wichtigste des Entwurfs, weil sie die sicherste Handhabe bietet, durd) Verhaftung und Verurteüurvg aller Streikführer jeden Ausstand unmöglich zu mad>en. Dabei braucht der Begriff„Führer" gar nidst eng gefaßt werden. Man erklärt einfad) soviel Arbeiter, wie zur Nieder- werfung des Streiks nö&Jendig sind, für Terroristen und der Sieg des Unternehmerttims ist gewährleistet. Tic Beseitigung deÄ Stiafantrages als Vor- bcdingnng für ein gerichtliches Einschreiten bedeutet für jeden Arbeiter die stete Gefahr des Gefängnisses. Die„Post" hat jids ein bedeutendes Verdienst erworben, daß sie die unvergleidsliche Wichtigkeit gerade dieser Bestimmung gebührend hervorgehoben hat. Das ist die Guillotine in der Zndjthausvorlage l—_■ Tic Lage in Belgien. Man schreibt nus aus Brüssel vom 1. August: Wie der Tele- graph Ihnen gemeldet haben ivird, hat die van der Kammer er- nannte Specialkoiiimissioil sich am Rtontagliachmittag zum letzten- mal versammelt, und wie ich das voraussagte, sie hat nichts erreicht. Das System des Wahlzettels mit einem Namen ist ohne Diskussion begraben worden. Das System deS Wahlzettels mit zwei Namen(für Kreise mit zwei Abgeordneten) hat das gleiche Schicksal gehabt. Die iinkonstitutioiielle Regierungsvorlage, von der ihr Urheber sehr nnvorsichttgerweise erklärt hat, sie sei nicht zurückgezogen, ist mit acht Stimmen gegen achtEn thaltun gen vcrivorfen worden, nnd hat also nicht eine einzige Stimnre für sich gehabt. Die Proportionalvcrtrctting endlich, mit Pluralstimmen-System ist mit 8 Srimmen(6 Mitglieder der Opposition und 3 Dcputterte der Rechten, darunter Mr. Woester, der Führer der Rechten) gegen 7 Stimmen und eine Enthaltung verworfen worden. Die logische Koiffcqnenz dieser Abstimmungen ist, daß die Re- gierung zurücktreten nniß(was inzwischen geschehen ist. R. d.„V.") Die Spccialkommission, ein treues Abbild der Kammer, ist ohn- mächttg. Und die Kammer selbst ebenfalls. Wir finden uns vor drei Lösungen: 1. Das Referendum. 2. Die Auflösung. 3. D e r S t a t u s q u o— die Fortdauer des jetzigen Zu- staudes. Die Klerikalen haben eine große Angst vor der Befragung des Landes durch das Referendum. Die Auslösung hätte zur Folge, daß die Oppositionsparteien sich fest aneinandcrschlössen. und der Fall der klerikalen Regierung wäre sicher. Der Stattlsquo würde die Lage des vorigen Mai am nächsten M a i wiederbringen— und mit demselben Erfolg. Der Gcneralrat der Arbeiterpartei ist diesen Morgen zusaiumeu- getreten und hat eine Tagesordnung beschlossen, die sich gegen jede der Wcchlfmye bor der direkten oder inbirekten B e f r a ft« n g des Landes ausspricht.(Durch Referendum oder Kanuncrauflösuu�.) Wenn die Regierung und die Kaiumermajorität falsche? Spiel uns gegenüber versuchen sollten, so dürfen sie es sich gesagt sein lasse»»— in diesem Punkt herrscht absolute Ein» nrütigkeit— daß die Deputierten des Volkes die Em er» te wieder in die Kammer und das Volk wieder auf die Straße bringen würden. Wir wollen das gleiche Stimmrecht mit Proportioualwahl. Aber wir wollen das Proportionalshstem nicht ohne ein gleiches Stimmrecht. Die Nachricht von Streitigkeiten zwischen Socialisten und Radikalen waren nicht richtig. Ein solcher Streit hat nicht statt- gesunden Herr Lorand erklarte sich bereit, die Proportioualwahl ohne gleiches Stimmrecht zu votieren, was gegen das Abkommen mit den Radikalen war. Herr Lorand hat aber seinen Irrtum ein- gesehen nnd es herrscht in den Reihen der Opposition die vollste Einigkeit. »« » So unser Korrespondent, der selbst mitten in der Bewegung steht. Er b e r i ch t i g t unsere gestrige Mitteilung, betreffend die Ber« Werfuug der RcgieruugSvorschläge. Das Wölfische Telegraphen� bureau hatte richtig telegraphiert, allein die„Rsforme", welche uns zuging, hatte irrtümlich geincldet, ein Mitglied der Komniission habe für die Regierungsvorschläge gestimmt. Sie sind also ein- st im in ig verurteilt worden. Die Bildung des neuen Ministcriunis, welche nach der Abdankung Vaudcnpcerebooms, dessen Vorgänger im Mi- nisterium: d» Sinets de Naher übertragen ward, ist noch nicht zu stände gekommen. Es wird darüber telegraphiert: De Smct de Naher' hat für die Bildung deS neuen Kabinetts eine Frist von zwei Tagen erbeten und erklärt, er werde vor dem Parlamente die Wahlvorlage des unabhängigen Abgeordneten Theodor vertreten, mit der Abänderung, daß die Teilung der Pro- viuzeu Luxemburg, Namur und Westflandern in zwei Wahlbezirke zulässig sein soll. Brüssel, 2. August. Die Veraögenrng rührt daher, daß nian sich bemüht, als KricgSminister für oaS neue Kabinett eine Perfön lickkeit zu gewinnen, welche dein Heere selbst angehört und deren Pro�rainm die allgemeine Wehrpflicht umfaßt. Smet de'Naher erklärt, alle Mitglieder des Kabinetts würden für das Proportional- wahlsysten» eintreten und den Antrag des Deputierten Theodor, der eine vollständige proportionale Vertretung im ganzen Lande fordert, nach Vornahme einiger geringfügiger Acnderungen anuehnien. Zur Erklärung der vorstehenden Telegramme sei bemerkt, daß das Regierungsprojekt die Proportionalwahl nur für einzelne Teile des Landes, wo die Klerikalen in der Minderheit sind, einführen wollte— allerdings eine Forderung, bei der man nicht lveiß, ob die Unverschänitheit oder die Ungerechtigkeit grotesker ist. Die Opposition verlangte sofort Ausdehnung des Proportional systems auf das ganze Lal»d. Aber wie wir aus unserem Berichte ersehen. hat die socialistische Parten leituug beschlossen, die Proportionalwahl in keinem Fall von dem allgemeinen Einstimmrecht(im Gegensatz zu dem bestehenden P I u r a l stimmrecht, das den Reichen mehrere Stimmen giebt) zu trennen. Nun wird zivar in einigen bürgerlichen Blättern behauptet, socialistische Abgeordnete, darunter Bandervelde, hätten in den Wandelgängen der Kammer privatim erklärt, sie seien persönlich bereit, für die Proportioualwahl ohne allgemeines Einstimmrecht(unser allgemeines Wahlrecht) zu stimmen, aber der Beschluß der Parteileitung hindere sie daran. Wir glaub en das nicht. Zwischen Parteileitungund socia- listischer Volksvertretung besteht in Belgien ein so inniger Zusammen- Jang, daß ein Auseinandergehen der Meinungen in einer so rennenden taktischen Frage wohl kaum möglich ist. WaS die militärische Frage betrifft, welche da? neue Ministerium angeblich lösen null, so hat das gute Wege. Die Belgier wollen von der„allgemeinen Dienstpflicht-. d. h. dem Militarismus, nichts wissen, und daS Ministerium niützte verrückt sein oder Selbflmordgedaiiken haben, wenn es der Wahlfrage die soeben ein Ministerium gestürzt hat und die, weim nicht im Sinn der Massen gelöst, auch das neue Ministeriuin stürzen wird, noch eine z>v e i t« ministerstürzende Frage hinzufügen Ivollte. Jedenfalls ist da? belgische Volk nicht in der Stimmung, mit sich spaßen zu lassen, und unser Korrespondent hat nur gesagt, wozu die belgischen Socialisten entschlossen sind: werden die Forderungen de« Volkes nicht erfüllt, so wird die Revolution deS Juni forb der Kreisblätter und nicht geheime Kontrolle der focialdemokratifchen Redner an allen Orten eine möglichst genaue wird." Zur Hebuyg des Stenygraphen-Berufs ist dieser Vorschlag sehr dienlich. Nur ftlrchten wir, es möchte an Stenographen und an— Geld fehlen, um die tausende von Versammlungen mit Steno- guapheu zu beschicken. Daß die Stenogramme alier nicht in den Aktenschränken vennoder». dafür wird die Regierung natürlich zur vollen Erreichung ihrer Zwecke gleichfalls sorgcir. Wir verbürgen uns schon jetzt dafür, daß die Socialdenio- kratie bereit ist, alle erforderlichen Geldmittel zu bewilligen, die für die amtliche Veröffentlichung und kostenfreie Verbreitung dieser socialdeinokratischen Versammlungs- Stenogramme von der Regierung verlangt lverden. 3. Die Mobilisierung Erlasst: „Nicht weniger wichtig als eine scharfe Ueberwachnng der Socialdiemokratie ist die Belehrung, Zunächst ist geboten, daß jede Geheimnißthuerei in dein Kainpfe gegen die Socialdemolraiie »veg fällt. Allen allgemeinen Erlassen, wenn sie nicht gai'zH�krete Anordnungen enthalten, ist die iveiteste Verbreitung tu a m t- licher For»n zu geben. Mehr als bisher müssen auch die aintlickicn Kreisblätter zu Belehrungen über die gefährlichen Ziele der Socialdemokratie herangezogen lverden," DaS Kapitel der Belehrung ist eigentlich schon durch die Ver saimnluugs-Stenogranime erschöpft. Gegenüber diesem Radikalmittel erscheine» Kreisblatt-Artikel recht schwächlich. Dagegen begrüßen wir mit Freude den Vorschlag, daß jede in den Rcgieruncjs stubcn ausgebrütete Geistesschöpfung sofort veröffentlicht wird Das Volk hat ein Recht darauf, die ganze Fülle regierungsfähiger Weisheit vollständig und ungetrübt zu genießen. 4. Talar-Agitation: „Während die katholischen Geistlichen eine sehr energische Thätigkeit gegen die Socialdemokratie entfalten, legen sich die evangelischen Geistlichen meistens Zurückhaltung auf und treten slKtener in dem Kampfe hervor. Eine regere Teib nähme der evangelischen Geistlichen an diesem Kampfe, vor allen Dingen durch unmittelbare belehrende Einwirkung auf irregeführte Gemeindemitglieder, würde wünschenswert sein und die Würde des geistlichen Amtes nach keiner Richtung hin verletzen." Zwar sollen sich die Herren Pastoren um Politik nicht kümniern, dieweil sie das nichts angeht. Indessen w i r haben niemals etwas dagegen gehabt, daß sie das Volk über den Socialismus aufklären. ö. Polizei, Polizei, Polizei: „Es ist bekannt, daß die Socialdemokratie neuerdings die Taktik befolgt, unter möglichst harmlosem Deckinäntelchen ihre Agitation noch intensiver zu gestalten. Es will uns darum dringend geboten erscheinen, das ganze Ueberwachnngsshstem der Socialdemokratie intensiver auszubilden. Dazu hat die Polizei ohne Frage das Recht, und von diesem Rechte muß der ansgiebigste Gebrauch gemacht werden." Hier versagt die Kleine-Mittel-Phantasie. Es wird nur all- gemeul nach- intensiverer Polizei-Einwirkung gegen harmlose Deck mäntel geschrien, ohne daß Wege und Ziele näher angegeben werden. Als solche harmlose Deckmäntel sind ivohl die kathedersocialistischen Professoren und ähnliches zu verstehen. Wir sehen diesem grimmen Feldzug von Polizisten, Steno- graphen, Aktenschreibern, Pastoren und Kreisblatt-Nedakteuren mit Spannung entgegen. gefitzt.- »» G Deutsches Peich. Kleine Mittel wider den Umsturz. Die„Post" tritt für„vernunftgemäße Freiheit" ein, und die aus derselben Quelle gespeiste„Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz" erläutert diese Forderung, indem sie der Regierung die kleinen Mittel zeigt, mit der sie— ohne B e fra�ung des Reichstags— die Socialdemolratie in Vernunft gemäßer Freiheit dressieren könne. Die Regierung müsse, so «schwört sie die Stummsche Korrespondenz,„ den Kampf gegen die Sozialdemokratie in erster Linie und u n a b- hangig von den Parteien führen; je energiscker und selbständiger die Regierlina, unabhängig von dem Tosen und Wüten der linksstebenden Presse, in dieser Richtung vorgeht, je eher wird sie die Unterstützuiig aller Parteien finden." AIS solche kleine Mittel— Borspiele zu dem großen Mittel deS Belagerungszustandes, dieser strahlenden Wenckstern schnuppe— werden empfohlen: 1 Jeder Socialdemokral wird unter Polizei- Aufsicht gestellt: Einrichtung»ineS polizeilichen Ueberwachungs- d i e n st e S der Socialdemokratie. In erster Linie ist es dringend geboten, daß die Regierung über die Agitation, den Umfang und die Mittel derselben fort laufend aufs eingehendste unterrichtet wird. Auf jedem Polizei-Amt. bei jedem Amt«- und Gemeindevorsteher müsien Ver- zeichnisse geführt werden, in die die Anhänger der Socialdemokratie aufzunehmen wären, und bei jedem Donnzilwechsel würde an die betreffende Ortsbehörde eine entsprechende Mitteilung zu richten sein. Außerdem würde in allen Orten auf dem Lande wie in den Städten ein umfassender polizeilicher UeberwachungSdienst der Socialdemokratie und ihrer Agitation, geheimen Zusammenkünfte usw. zu organisieren sein. Allmonatlich müßten von den betreffenden Beamten eingehende Rapporte er- stattet werden, damit die Centralinstanz zu jeder Zeit ein detailliertes Bild der Bethätignng der Socialdemokratie besitzt. Bor allen Dingen gilt es auch, die„geheime Arbeit" der Social- demokrati«, die erfahrungsgemäß gerade am erfolgreichsten ist, schärfer ins Auge zu fassen." Was hier verlangt wird, besteht im wesentlichen schon jetzt. Die Socialdemokraten befinden stch längst, so weit man ihrer habhaft werden kann, in der sorgsamsten Obhut...... zwischen den blauen Aktendeckeln führen »hr zweites ehrenvolles Dasein. Je mehr„ zur Ueberwachnng der Roten verwendet, um so freier und sicherer können sich die Herren Mörder und Einbrecher bewegen. Es wäre in der That auch weit schlimmer, wenn der Domicilwechsel eines Socialdemokraten nicht polizeilich gebucht würde, als wenn ein paar Dutzend Mörder mehr oder weniger nicht entdeckt werden. Der Kampf uin den ,, Groben llnsim'*. Das Oberlandes gericht Naumburg lebt seit längerer Zeit in Fehde mit den unteren Gerichten seines Bezirks, die ihm aufsässig sind in der Frage, ob die Notiz„Zuzug fernhalten" grober Unfug sei oder nicht. Das Ober- landesgericht, dessen Präsident ein Herr Hagen ist und an dem die Staatsanwaltschaft durch Oberstaatsanwalt Woytasch vertreten ivird, hat schon vor längerer Zeit gegenüber den freisprechenden Erkennt' nisten der unteren Instanzen entschieden, daß es in der fraglichen Aufforderung groben Unfug erblicke. Bald darauf entschied sowohl das Landgericht Halle wie auch das Landgericht Halberstadt, die beide in zwei verschiedenen Sachen gegen frei- sprechende Erkenntnisse der Schöffengerichte von den Staatsanwälten angerufen worden waren,„Zuzug fernhalten" sei kein grober Unsilg Die Entscheidung des Landgerichts Halle ist nun, wie bereits mitgeteilt, vmn Obcrlandesgericht mit einer die Logik der berühmten Denkschrift" weit in den Schatten stellenden Begründung ausgehoben worden, lieber das Schicksal des Halberstädter Urteils' sind wir zur Zeit nicht Unterrichtet. Dagegen ist abermals in einer neuen Sache vom Schöffengericht in Mühlhauscn i. Th., zum Landgericht Erfurt gehörig, entschieden worden,„Zuzug fernhalten' sei kein grober Unfug.» Man kann gespannt darauf sein, ob min auch das Erfurter Landgericht, dessen Anrufung durch die Staatsanwaltschaft bei dieser Sachlage höchst wahrscheinlich ist, als drittes des Naumburger Be- zirks, das Obcrlandesgericht desavouieren wird. Jedenfalls«in mtereffaister Beitrag zur Geschichte der deutschen Rechtsprechung,— Zur focialistischen Koinpromißdcbatte äußern sich auch die bürgerlichen Blätter, so wie sie es verstehen. Mit der Veriisteiiischen theoretischen tiritik n»d seinen praktischen Vorschlägen hat— das verkennen diese Blätter völlig— die jetzige Erörterung nichts zu thun. Für die vorliegende Debatte handelt es sich einfach um die Frage, w i e weit die Socialdemokratie in ihrer praktischen Thätig- keit die Mitwirkung bürgerlicher Parteien in Anspruch nehmen solle und dürfe. An ihrem Programm, an ihrer grundsätzlichen Taktik, die dem inteniationaleil Proletariat die Aufgabe seiner Befreiung zuweist, ändert es gar nöchts, ob man der„Bündnispolitik" engere oder weitere Grenzen zieht. Daß die Bandervcld« und Millerand, trotz ihres jetzigen Ein fluffes. den„Staat nicht umstürzen", ist für die Sominergelehrten der„Vossischeil Zeitung' ein Beweis für die nahe Verwirklichung ihres ewigen Zukiniftsbiides, daß die Socialdemokratie ihr socia« listisches Banner zusanwnenrollt und eine bürgerliche Demolratie wird. In der That, die Socialdemokratie wird eine bürgerliche Demo- kratie werden,, aber unter einer kleinen Voraussetzung: daß nämlich die bürgerliche Demokratie das— Erfurter Programm annimmt. Wenn die praktisch« Thätigkeit, die wir treiben, der bürgerlichen Demokratie allmählich unsere Grundsätze so vertraut und lieb macht, daß sie leine Unterschiede mehr zwischen den beiden Richtungen erkennt, so ist uns diese Bekehrung der Demokratie nicht unaugenehm. nur besorgen»vir, daß eine solche bürgerliche Demo- kratie— abgesehen von Einzelläufen»— nur auf dem Monde existiert. Die Soeiakdemokrcrtie wird sich auch in Zukunft gestatten, auf dem Weg« zur Verwrrklichuiig ihrer Ziel« jedes taugliche Mittel zu gebrauchen und»ist Borliebe auch gerade ihre Gegner für ihre Zwecke auszubeuten. Sie fürchtet nicht, durch solche Bethätigung sich selbst zu verlieren.— haben für die Agitationslinkosten, und wir könnten auch einige städtische Behörden namhaft machen, welche bereitwilligst aus den für allgemeine Wohlfahrtszwecke zu vertven- denden Fonds und Ueberschiissen die Kosten der ersten Jnnungs- einrichtnng bestritten haben. Es bedarf mir der Anregung seitens der Handwerksr, damit dieses gute Beispiel auch an anderen Orten befolgt wird." In welcher Weise werden dem gegenüber die Arbeiter» orgamsationen behandelt! Für die Unternehmer Erstattung der [ Ägitationsunkoste» zur Errichtung ihrer Vereinigungen aus Staats- mittein, für die Arbeiter Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit und die Androhung des Zuchthauses. Das ist der Klaffenpaat mit seiner Interessenvertretung des Besitzes I— Die Freisprechung des Genossen Dr. Rrons vor der philosophischen Fakiiltät hat die Scharfmacherpresse zu allerhand An- griffen gegen den Rechtsbeistand von AroiiS, den Genossen Wolfgang Heine veranlaßt. Dieser ist unmittelbar nach ber Verhandlung auf eine Ferienreise gegangen nnd teilt uns von dorther mit, er habe erst jetzt die Liigen der Gegner aus nachgesendeten Zeitungen erfahren, werde aber die Antwort nicht schuldig bleiben, sobald er zurückgekehrt fem würde.— Ter Kampf gegen die Freude. Wie in der letzten Sitzung deS Vereins der Industriellen des viegierungsbezirks Köln mitgeteilt wurde, ist man auch im preußischen Ministerium für Handel mid Gewerbe von der Notlvendigkeit zweckentsprechender Maßnahmen zur Einschränkung der öffentlichen Lust- barkeiten, wie sie nanientlich in Rheinland und Westfalen auf« treten, überzeugt. Schon heute wirb durch Polizeiverfüaungen die Veranstaltung proletarischer Lustbarkeiten nach Möglichkeit eingeengt. Will ma» jetzt auf gesetzlichem Wege dazu übergehen, die öffentlichen Belustiqnngen der Bourgeoisie einzudämmen. gegen die ftudentischen Orgien, die Lebemannsbälle, die Wohlthätigkeits-Bazare, die Sedanfeiern und Kriegervereinsfeste einzuschreiten? Oder will man auch hier wieder nur den Arbeitern das Recht auf ihre kleinen Freuden verkümmern, die allerdings nach dein Unternehinerglauben ihre Ausbeutungöfähigkeft beeinträchtigen.— Gegen den Stumm-Paragraphen im Urheberrecht, der die Veröffentlichniig von Briefen verhindern will, haben sich, wie die „National- Zeitung" erfährt, die Sachverständigen der Presse mit einer Ausnahme sämtlich erklärt. Es geht daraus hervor, daß die Bestimmung, wenn sie auch nicht die elfte Anregung Stum»n ver- danken mag. doch infolge der Brief-Affaire des»Vorwärts" in den Entivurf gekommen und in ihm geblieben ist.— Die internationale Friedenskonferenz Suttnerscher Färbung wurde in Christiania von dem Staatsminister Steen eröffnet. Man würde sich daselbst über die Haager Posse lustig machen können, wenn diese Harmlosen nicht selbst die Opfer jenes Diplo- maten-KränzchenS wären.— Ein herzogliches Taschengeld. Der Herzog von llrenberg. ehemals„reichsunniittelbarer" Herr in der.Beste" Recklinghausen, hat durch die Gunst der die Junker schonend behandelnden Gesetz- gebnng in Preußen das„Recht" behalten, von den in dem Kreise Recklinghausen belegenen Zechen Abgaben(Regal) zu erhebe». Was auf diese Weise dem Arenberger müheloS in den Schoß fällt, ergiebt folgende Uebcrstcht. Im letzten Jahre zahlten an den Aren- berger: Zeche Prosper 1 24 241,21 M. „ Prosper 2 65 971,86» . Ewald 1 und 2 50 398,78, Ewald 3 und 4 3 015,96» , General Blumenthal 38 003,83» , Graf Bismarck 1 9 183,56» , Graf Bismarck 2 41 210,88» „ Graf Bismarck 3 19 655,17» „ Graf Mottle 33 231,76, „ Asterfeld 31 604.07. „ Necklinghausen t 18 289,59» „ Recklinghausen 2 22 403,03» » Hugo 1 20 346,19» „ Hugo 2 15 727,36» . Hugo 3 12195,57. „ Schlägel und Eisen 30 413,92, » König Ludwig 34 876,03» „ Mathias Stinnes 703,22» . Nordstern 40 063.55. » Unser Fritz 2 5 431,02„ 522 966,54 M. Summa Ohne dafür einen Finger zu krümmen, sackt also der über eine halbe Million ein. Mit welchem Recht, fragt die... Wests. Arbeiter-Zeiwng". Ehedem gehörten die Erdschätze og n.« den kommunistischen Gemeinwesen der Markgenossen. Durch daS Recht der Gewalt ging daS Eigentum an den Fossilien über an den deutschen Kaiser; diesem zwangen es im 14. Jahrhundert die Lnndesfürsten, darunter auch die Vorfahren des Arcnbergcrs, ab. Die Landesfürsten imirdeil wieder enteignet durch die kapitalkräftige Bourgeoisie, aber 1865 machte das preußische Berggesetz eine Aus- nähme: Den ehemaligen„Reichsunmittelbaren" beließ man daS Regal; ja 1892, als' der Fiskus auf die Regalabgabe ver« zichlete, wurde dennoch den Junkern ihr„altes wohlerworbenes Recht" gelassen. Sie dürfen weiter Abgaben vom Bergbau erheben. Das Junkerrecht wurde also respektiert, wie sah es jedoch aus mit dem Bergarbeiterrecht? Die Bergleute hatten früher viele Vorrechte, Steuer- und Militärfreiheit, Volks- und Weiderecht, den Anspruch auf ständig« Arbeit, staatlich geregelte Schichtzeit und sogar amtlich normierten Arbeitslohn. Alles hat man den Arbeitern ge- nommen, kein altes Recht hat er behalten. Den nichtSthuenden Junkern beließ man das volkswirtschaftlich unberechtigte Regal, dem schwer schuftenden Bergarbeiter nahm man alle Vorrechte. So ge« schehen im Lande des„gleichen Rechts für alle Staatsbürger". er Fürsorge, und die Umstürzler vollzählig man die Polizei Anstellung stenographischer Spitzel: „ES ist für eine umfassendere i" iAus Übung derVereinS- ipoliz ei Sorge zu tragen, dergestalt, daß in allen socialdemo- kratischen Versammlungen ein perfekter Stenograph im amtlichen Auftrage antvesend ist. Es wird sich empfehlen, in allen Bezirken, wenn geeignete Polizeibeamte nicht vorhanden find,»inen amtlichen Stenographen zu bestellen, damit auch die Jnnmigsfreude«. Die JnnungSschwärmer scheinen trotz aller Mühen mit ihrer Organisation nicht recht vom Flecke zu konimen. Allerorts fehlt es an der Vollendung deS großen Wertes, und da, wo es gelungen ist, fetzt bereits' die Zerstörungsarbeit feindlicher Mächte dem weiteren Wöcken ein bescheidenes Ziel. So wird gemeldet, daß üi W esel die im vorigen Jahre errichtete Zwangsinnung der Schreiner-, Drechsler« und Bauscktteinermeister in der Auflösung begriffen ist. In Elberfeld ist die Bäckerinnung von den Gegnern der Innung in Verwaltung genomuren und für die nächste Generalversammlung steht bereits die Auflöiung der Innung auf der Tagesordnung. Während wir so wieverholt vom Zusammenbruch der Jnnungs- orgamsationen berichten können, bemuhen sich die Behörden, als Förderer der Jnmnigs>orgmlisatione>i einzuspringen. Die„Kölnische Vollszeitnng' berichtet darüber: „Verschiedene Behörden lassen eS sich zur Zeit mit lobenS« wertem Eifer angel egen sein, die Jnnungsbildung zu befördern nnd mit Rat und That nach Kräften zu unterstützen. Es giebt sogar mehrere Behörden, die aus den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln namhafte Beiträge bewilligt Zur Lindcrniig der Leuteuot auf dem Lande ist seitens deß Äriegsministers Anweisniig au die Generalkommandos ergangen, die dahinzielenden Bestrebungen, die zur Entlassung kommenden Soldaten wieder dem Lande und der landwirtschaftlichen Arbeit zu- zuführen, zu unterstützen. Zu diesem BeHufe werden nun seitens der Kommandosiellen die Listen derjenigen Mannschaften, welche nach ihrer Entlassung aus dem aktiven Militärdienste eine Arbeitsstelle innerhalb deS Bezirks einer bestimmten Landwirtschaftskammer wünschen, der� betreffenden Kammer eingereicht werden. Durch die Veröffentlichung dieser Listen im amtlichen Organ der Landwirtschastslammer und in den Vereins- organen der landwirtschaftlichen Hauptvereine sollen die arbeit- suchenden Soldaten den einzelnen Landwirten zur Kenntnis gebracht werden. Letztere haben sich sodann direft mit den zur Entlassnng komn, enden Soldaten, auf welche sie als Arbeiter reflektieren, in Verbindung zu fetzen.— Reichötags-Ersatzwahl. AuS Elsaß-Lothringen wird uns geschrieben: Durch den vor einigen Tagen erfolgten Tod des Altbürgermeisters der unterelsässischen Gemeinde Schlettstadt, Jgace S p i e s, ist eine Ersatzwahl im 6. elsaß-Iothringischen Reichstags- Wahlkreise(S chl e t t st a d t- B a r r) nötig geworden. Der Kreis war bis zum Jahre 1893 in unbestrittenem Besitze der klerikalen Landespartei(Elsässer-Gruppe), die noch bei den Hurra-Wahte» des Februar 1387 ihrem Kandidaten, dem Fabrikanten Lang, mit 12133 Stimmen ohne ernstliche Gegenbewerbung zum Siege ver- Holsen hatte. Nachdem diese Zahl bei den 1890er Wahlen in- folge erheblich schwächerer Beteiligung auf 6727 zurückgegangen war und eine konservative Kandidatur es auf 1044 Sttmnien gebracht hatte, unternahm bei den Sommerwahlen von 1893 der strebsame Kreisdirektor von Schlettstadt, P ö h l m a n n. nachdem ihm von den regierungsfreundlichen Parteien die Kandidatur deS Kreises übertragen worden war, einen energischen Angriff auf die bisher als durchaus sicher angesehene Vosttion der elsässischen Klerikalen. Mit allen Mitteln der Bearbeitung und Beeinflussung der Wähler, die ihm in seiner Eigenschaft a/Z Verwaltungsbcmnter zu Gebote standen, suchte'er das Ziel seines Ehrgeizes, den Sieg über die verhaßten„Protestier", zu erreichen. Der Angriff gelang, mit 6Wö gegen 4808 klerikale Stimmen schlug Pöhlinami seinen oppositionellen Gegner aus dem Felde. Von den Mitteln, mit denen seitens der Regierungsparteien dabei gearbeitet wurde, kann man sich ungefähr eine Vorstellung machen, wenn man hört, daß nicht weniger als 03 von den 04 Bürgermeistern des fast durchweg katholischen Kreises den Pöhl- mannschcn Wahlaufruf unterzeichnet hatten. Nur ein einziger Maire hatte sich geweigert, dem Vertreter der Negierung die geforderte politische Hecresfolge zu leisten: es war Herr S p i c s, der Bürgermeister des ilreishauptortes Schlettstadt. Nach er- rungenem Siege kühlte man sein Mütchen an der Selb- ständigkeit seines politischen Gegners dadurch, daß man die Ab- setzung des Bürgermeisters Spies herbeiführte, eine Mastregel, die in allen freiheitlich gesinnten Kreisen des Landes flamnrende Ent- rüstnug hervorrief. Aber die vergelteude Nemesis waltete mit sicherer Hand ihres Amtes. Der Reichstag kassierte— aller- dings erst nach drei vollen Jahren— wegen der vorgekommenen skandalösen Bceinflnffungen der Wähler die Wahl Pöhlmarms, und bei der Nachwahl im August 1890 schlug Spies, der sich durch sein mannhaftes Verhalten gegenüber den Insinuationen des behörd- lichen Wahlmachers die Achtung und das Vertrauen der Wühler er- warben hatte; seinen Mastregler Pöhlmann nach beispiellos erbittertem Kampfe mit einem ansehnlichen StimmcnMehr aufs Haupt, Die Neuwahlen von 1898 bestätigten mit 7286 Stimmen dqs Spiessche Mandat; der Versuch einer gouvernemcntalen Gegenkandidatur ward damals, nachdem die Stellung Pöhlmaiins in Schlettstadt unhaltbar geworden und er inzwischen nach Metz versetzt worden war, von vornherein als aussichtslos aufgegeben. Die socialdemokratrsche Partei hatte im Kreise zum erstenmal bei den Wahlen von 1893 Fuh gefaßt, die ihr ohne nennenswerte Agitation 175 Stimmen brachten. Bei den Haupt- Wahlen im Juni 1998 vereinigte der socialistische Bewerber, Schäfte- macher Brzostewicz aus Straßburg, 1070 Stimmen auf das Programm unserer Partei. Der Ausgang der für das Spätjahr bevorstehenden Ersatzwahl dürfte an der bisherigen Parteivertrctung des Krestcs kaum etwas ändern.— Ausland. Frankreich. Weitere Veröffentlichungen des„Kggro". Der„Figaro" veröffentlicht den Wortlaut von Briefen des Generals Gonse an bell ersten Präsidenten des Äafsationshofes llyazeau. In einem derselben protestiert Gonse gegen die Behauptung du Patys in der Zeugen- aussage desselben vom 19. April und erklärt, weder er noch General Boisdeffre hätten du Paty jemals aufgefordert oder ermächtigt, mit Esterhazy in Beziehung zu treten. In einem zweiten Briefe weist Gonse die von Picquart in einem an den Präsidenten Mazeau gerichteten, vom„Figaro" am 9. Mai veröffentlichten Scbreiben gemachten Erklärungen zurück. Diese Erklärungen be- ziehen sich auf Henry, das Geheimaktenstück, das«Petit bleu" und auf das von Picquart in Bezug auf Esterhazy gesammelte Akten- Material. Gonse behauptet insbesondere, dast Henry Drehfuß nicht gekannt habe, bevor diesem das Bordereau zugeschrieben wurde.— Frankreich und Rußland.„Siöcle" schreibt betreffs der heute angcrretenen Reise des Ministers des lleutzeren Delcassö nach Petersburg, sie sei mehr als ein bloher Höflichleitsakt und habe zweifellos eine politische Bedeutung. Gegner der Republik hätten behauptet, die Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich seien weniger intim, seit da» jetzige Kabinett an der Spitze der Geschäfte stehe. Diese Beziehungen seien jedoch niemals herzlichere gewesen; die Reffe Delcassss werde den sichtbaren Beweis dafür bUden. Kannsgießereien I— Rußland. AuS WitebSk wird uns geschrieben: Der Schlofferarbeiter Rendel Kivtnson wurde ftir ein unbedeutendes politisches „vergehen" aus WitebSk nach dem benachbarten Städtchen Welisch ausgewiesen. Da er in diesem Städtchen keine Arbeit finden konnte, kehrte er im geheimen nach Witebsk zurück, wurde aber auf der Straste von dem Polizeispitzel Jostka Padwarotnik erkannt und auf seine Anzeige festgenommen und nach dem Polizeipräsidium ab- geführt. Am nächsten Morgen ging der Vater des Verhasteten nach der Polizei und erhielt dort die Nachricht, daß sein Sohn vorige Nacht gestorben sei. In der Stadt aber wurde von der Polizei das Gerücht verbreitet, dast der Verhaftete sich auf der Polizeiwache aufgehängt habe. Es hat sich jedoch herausgestellt, dast der Ver- haftete auf der Polizei einer Folter unterworfen, zu Tode gequält und dann die Leiche aufgehängt wurde. Die Polizei wendet alle Mittel an, die Sache zu vertuschen, da die Ankunft des neuen Gouverneurs bevorsteht. Die Aerzte sind bestochen.— Aber die jüdischen Arbeiter der Stadt schwiegen nicht. Sobald sich das. Gc- rücht über den Foltertodsjdes Verhafteten in der Stadt verbreitete, sammelte sich vor der Polizei eine ungeheure Menge an, �lvelche die Leiche nach der Gouvernements- Polizeiwache begleitete. Am nächsten Tag, Sonnabend, seit frühem Morgen, war die Bolnitschnaja-Straste von jüdischen Arbeitern und Arbxite- rinnen gefüllt. Gegen 5 Uhr abends waren die SmolenSkcr und Gefängnisplätze vom Volke vollgepftopft. Gegen 6 Uhr drängte die ganze Masse nach der naheliegenden Straste Luborowschtschina mit lauten Drohungen, an dem Spitzel Rache zu üben, der den Er- niordeten verhaften liest. Er war aber nicht zu finden und die Masse zertrümmerte seine Wohnung. Bald erschien die Polizei, der es nach großer Mühe gelang, die Menge auseinanderzujagen. Die »anze Stadt ist von diesen» Vorfall in äusterster Aufregung. Man erwartet neue Ansammlungen. MinSk. Das Lokalkomitee deS„Allgemeinen jüdischen Arbeiter- bundes in Rußland und Polen" hat begonnen eine eigene Zeitung —„Einigkeit"— herauszugeben. Die erste Nummer ist in hekto- graphischer Vervielfältigung erschienen. Warschau. Im Stadtgarten ist eine Versammlung jüdischer Arbeiter von 30 Mann verhaftet worden,— Am jüdischen Festtage wurde von dem Lokalkomitee des„Allgemeinen jüdischen Arbeiter- bundes" in sänitlichen Stadtteilen, welche von' jüdischen Arbeitern bewohnt sind, massenhaft socialistische Litteratur verbreitet. Finnland. Auswanderung aus Finnland. Man schreibt uns: Seit Veröffentlichung des zarischen Manifestes, welches Finnland der russischen Mimstcrwillkür unterworfen und die größte Unsicherheit auf allen Gebieten erzeugt hat, findet eine überaus starke Aus- Wanderung statt. Jede Woche verlassen huüderte der kräftigsten Arbeiter ihr Vaterland und gehen lieber einer Ungewisse» Zukunft entgegen, als dast sie sich dem Druck einer ftcmdcn Herrschaft im eigenen Lande unterwerfen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dast seit dem 18, Februar 8000 junge Männer die Grenze des Landes überschritten haben. Und dennoch, so groß dieser Verlust schon für das dünn be- bollerte Land ist, es ist nur die Ouvertüre des Trauerspiels, Wird nämlich die Antwort des finnischen Landtages auf die russischen Wehrpflichtsvorschläge nicht berücksichtigt, so kann Finnland eine wahre Völkerwanderung erleben. Der finnische Vollscharakter ist min einmal so, dast er die persönliche Freiheit höher schätzt als selbst das Heimatland. Aber wenn Finnland nicht die Macht hat, die Verhältnisse zu ändern und dadurch der Atiswanderung Einhalt zu thun, will cS wenigstens seinen Söhnen und Töchtern in den eiilfernten Welten so viel Hilfe wie möglich leisten und ihre ersten Schritte dort er- leichtern. Vor allem sucht es zil verhindern, dast die Auswanderer wie Sandkörner im Sturm zerstreut werden und unter ftemden Völkern spnrlos verschwinden. Deshalb ist ein Komitee gegründet worden, welches es übernommen hat, eine paffende Gegend anfzu- suchen, wo sich die finnischen Auswanderer niederlassen können. Ber- einigt an einem Orte können sie viel leichter ihre Nationalität be- wahren und mit dem Hcimatlande in reger Verbindung bleiben. Das Komitee hat lange gezögert,, ehe eS vom Gedanken zur Handlung übergegangen ist. ,Es wollte nicht durch seine Maßregeln die Auswanderung aufmuntern, und vor allem Ivollte man abwarten, daß von russischer Seite irgend etwas gethau würde, um den peinlichen Aufregungszustand der Bevölkerung zu beruhigen. Statt dessen aber spitzen sich die Verhältnisse»ur immer mehr zu, indem nicht unr die Prestfreihcit, sondern auch die uralte V e r s a m nr I u n g s- fr ei h ei t auf das höchste bedroht ist. Unter solchoii Umständen konnte das Komitee nicht länger warten. In diesen Fragen sind die Mitglieder derselben, Herr B o r g st r ö m, Ingenieur A o r r m en, Agronom M y r st e i« und der Journalist R o n» i Z i l l i a c u ö nach Amerika gefahren. Die erste Station ihrer Reise ist Neu- F u n d I a n d,'von da geht es weiter nach Ottawa und Kanada. In diesen Gegenden, wo die Naturverhältnisse den- jenigcn in Finnland am meisten entsprechen, hoffen sie eine ge- eignete Gegend zu finden, wohin die finnische Emigration geleitet lverden kaiin. Amerika. TaS„Herald"-Jnterblew. Die„World" veröffentlicht an der Spitze ihres Blattes vom 80, Juli in großem Fettdruck eine direkte Depesche des Admirals Dewey, worin dieser das„Herald"- Interview für fingiert erklärt und seinerseits entrüstet gegen die infame Unterstellung protestiert. Von einigen amerikanischen, besonders deutsch- an>erikailischen Blättern ist angedeutet worden, daß die Veröffentlichung des Dewey- Interviews aus Machenschaften bestimmter jingoistischer englischer Handelskreise zurückzuführen sei. Das ist nur Vermutung; eine gewisse Neigung, an der Verschärfung der Spannung zwischen Dentschland und der nordamerikanischen Union zu arbeiten, ist aber in einem Teil der englischen kapilalistischen Presse entschieden vorhanden. So schreiben die„Daily News" in ihrer Diensrags-Nummcr:„Admiral Dewey hat doch rechtes Pech I Personen, deren Glaubwürdigkeit man annehmen muß, berichten beständig über Gespräche mit ihm, in welchen er sich über scinc Behandlimg durch die Deutschen während des letzten Krieges beklagt. Dann nimnit daS Staatsdepartement sich des Länns an und der uiigliiclliche Admiral wird kurzweg auf Kosten seiner Interviewer dementiert. Kürzlich gab einer seiner eigenen Kapitäne einen Bericht über einen Streit zwischen dem Admiral und dem deutschen Geschwader- kommandcur. Die Deutschen beschwerten sich; der Kapitän wurde ge- tadelt... Nun giebt ein Korrespondent deS„N, D, Herald" ein Gespräch wieder, das ähnlich lautet, wie der Bericht des Kapitäns, Der amerikanische Admiral soll mit Groll vom Admiral D'odrrichS gc- sprochen und verkündet haben, daß der nächste Seekrieg der Ver- einigten Staaten mit Deutschland zu führen sein würde. Das auf- gebrachte Staatsdepartement bemächtigt sich wieder der Sache und widerspricht. Aber der„Herald" ist fo leicht nicht unterzukriegen, Er nennt den Namen seines Korrespondenten, bedauert die Veröffent- lichuyg des Interviews, aber hält es aufrecht. Wir schließen, wie wir begonnen: Der Admiral hat rechtes Pech!" Der Chauvinismus ist sich doch überall gleich, ob er als deutscher„Patriotismus" oder englischer„JingoisniuS" auftritt, Ueberall betreibt er die Verhetzung der Nationalitäten zu Guiisten bestimmter Handelsinteressen.— Asien. Hafenbaute» RnßlaudS. Zum Ausbau des Hafens von Port Arthur sind elf Millionen Rubel ausgeworfen worden. Eine Gruppe Moskauer und Petersburger Kapitalisten soll beabsichtigen, in einem der Häfen des fernen Ostens zwei Schiffswerften zu errichten. Australien. VorliiuffgeS Ende der Samoa-Wirren. Dem„Reuterschen Bureau" wird aus Apia vom 26. v, M. gemeldet: In einer Ver- sammln ng der Kommissare und der beiden Parteien wurde ein Ab- kommen unterzeichnet, nach ivelchem das Königtum und der Posten eines Präsidenten das Munizipalrates abgeschafft werden; ferner wurde dem Vorschlage zugestimmt, daß ein Verwalter ernannt werden und ihm ein aus drei Mitgliedern, von denen jede Macht einen zu erneiliien hat, bestehender gesetzgebender Rat zur Seite stehen soll. Die Malietoa< Partei erklärte, sie wünsche die Annexion als beste Lösung, gab aber nicht an, von welcher Macht, Der amerikanische Konsul Osborue amtiert als Oberrichter. Der ciiglisctic Kommissar Sir H, Elliot ist bereits nach Auckland abgereist,' Osborue hat auf Ersuchen der Kommissare vorläufig die Geschäfte � des Oberrichters von Saryoa Lbeniommen. Die Deutschen erblicke» in der Wahl desselben eine Bürgschaft für unparteiliche Führung der richterlichen Geschäfte.— Ter Kamps iier Arbeiter in Witebsk lWestrußlauh) für die Verbesserung ihrer Lage. Die jüdische Arbeiterbewegung in Witebsk ist. wie in den meisten Städten Westrußlands, noch sehr jung. Kaum zwei Jahre zählt sie seit ihrer Entstehung, Trotz dieser kurzen Frist'hat dje Arbeiterbelvegung auch hier schon bedeutende Erfolge zu verzeichnen, Die Erfolge sind um fo höher zu schätzen, als Witebsk zu den Städten gehört, Ivo nur die Klein- und Mittelmdustrie entwickelt ist, wo also die Arbeitcrverhältuiffe am schlechtesten sind, und der Kampf am schwierigsten zu führe» ist. Bis zum Beginn der Arbeiterbewegung war die Lage der Witebsker Arbeiter ganz iinerträollÄ, Nur in ver« einzelten Werkstätten war ein 14— 18 stüiidiger Arbeitstäg, in den meisten aber dauerte er 17— 18 Stmidcii und noch mehr. Bei den Schneidern, Schneiderinnen, Modistiftncn u. a, wurde nicht selten die ganze Nacht hindurch gearbeitet. Der Lohn ftir solche unmenschliche Arbeit Ivar ein äußerst geringer, besonders bei den Arbeiterinne», wo viele nur 2—8 Rubel s4>/z-�5>/s M.) pro Monat verdiente»; der gewöhnliche monatliche Durchschnittslohn betrug 8—10 Rubel (17—21 M.). Die Behandlung der Gesellen und besonders der Lehrlinge durch die Meister war ebenfalls eine äußerst schlechte, Die Meister hielten es für erlaubt, ihre Arbeiter mit Wort und That zu beleidigen; die Arbeiter wurden gcinißhandelt, beschimpft nnd beim geringsten Protest aufs Pflaster geworfen. Es ist kein Wunder, dast solchen geknechteten und entrechteten Proletariern jedes Solidaritätsgefühl fehlte. Ein Arbeiter suchte den andern an Arbeits- leistung zu übertreffen, nur um dem Meister zu gefallen. An geistiger Nahrung hatte diese Masse gar kein Bedürfnis. Ein Arbeiter, der ein Buch las, wurde verlacht und verhöhnt. So waren die Verhältnisse der Witebsker Arbeiter bis zum Ende 1897. Seit dieser Zeit wird das Bild verändert. Und zwar waren hier die ersten Vorkämpfer für die große Idee der Arbeitervefreiung— die Schlosser. Bald darauf aber waren schon fast alle Berufe in den Kampf hineingezogen. Wie fast überall, wo die Arbeiter- bewegung entsteht, waren zuerst auf der Tagesordiiuug: die'Verkürzung der Arbeitszeit und die Lohnerhöhung. Trotz aller Schwierigkeiten haben die Witebsker Arbeiter diese Forderungen durchgesetzt. In den meisten Werkstätten ist der Arbeits- tag jetzt ein 12sti!ndiger, in den übrigen wird nicht länger als 13— 14 Stunden gearbeitet(früher 17— 18). Der Lohn ist in dieser kaum zweijährigen Frist gestiegen um 30—100 Proz. Die Lobn- zahlung findet jetzt pünktlich statt. Noch wertvoller ist der geistige und moralische Gewinn. Statt früherer Kämpfe zwischen den Arbeitern untcrciuandcr tritt bei ihnen mit ;edem Tage immer mehr hervor das Bewußtsein von der Allgemeinheit der Jnteresseli des ganzen Arbciterstandes. Das Solidaritätsgefühl hat sich gehoben; ganz selten nur finden sich unter ihnen Streikbrecher, die ihren Kameraden in den Rücken fallen; wird ein Arbeiter für seine agitatorische Tbätigkeit geniastregell, so erklären sich die anderen mit ihm solidarisch und treten in den Streik ein. Auch aus dem geistigen Schlafe wurden die Arbeiter geweckt. Eine große Nachfrage nach allerlei Büchern hat sich hier gebildet; populär-ivissenschaftliche, agitatorische, belletristische, erlaubte und unerlaubte Werke werden vielfach verlangt. Jung mid Alt, Frau und Mann suchen in der späten Stunde nach der Arbeit oder am Feiertage ihre zeistiae Erquickung im Lesen zu finden. Das brutale und kapitalisten- reundliche Eingreifen der staatlichen und Kommunal-Behörden hat auch für die politische Klärung der Massen gesorgt. Einige Arbeiter- demonstrationcn sind während der Zeit vorgekommen. AIS die Arbeiter von der Polizei auS dem„Adelsgarten' herausgejagt wurden, gingen sie LOO an Zahl demonstrativ durch die Strastcn imir kamen durch einen anderen Eingang hinein. Zu einer imposanten Demonstration hat sich auch' der Abschied der Rekruten gestaltet. Einige hundert Arbeiter sind auf den Bahnhof gekommen, um mit ihren zum Militärdienst abfahrenden Kameraden den letzten Tag gemeinsam zu verweilen. Hier wurden Reden gehalten über die Arbeiterlage, über den Militarismus, es wurden revolutionäre Lieder gesungen und Toaste getrunken für das Gedeihen der jungen Bewegung. Außer den Maiversaminlupgen, die sehr lebhaft und inhaltsreich waren, fanden noch einige Versammlungen am jüdischen Feste„Purim" statt, die der Bauernbefreiung aus der Leibeigenschaft gewidmet waren, da man am 19. Februar auS polizeiliche» Gründen nicht feiern konnte. Alle diese Versammlungen verliefen glänzend und auch nicht eine einzige wurde von der allwissenden Polizei entdeckt. Ganz in der letzten Zeit fanden endlich große Arbeiterdemoiistrattonen statt, infolge des an schrecklicher Folter verstorbenen Arbeiters, worüber der„Vorwärts" bereits berichtet hat. Es wäre ein Ulivollständiges Bild gegeben, wenn wir nicht mit einigen Worten die Herrschaft des Polizeiregiments berührten, unter dem die Witebsker Arbeiter in ihren: Kampfe zu leiden haben. Es ist kaum möglich, sich vorzustellen eine so unwiffende und kor» rumpierte Polizei wie die in Witebsk, von den unteren Spionen bis zu den obersten Polizisten hinauf. Nur einige Beispiele wollen wir hier anführen, die es genügend beweisen. Jeder arm gekleidete Mann, der mit einem Buche durch die Straße ging(es könnte sogar ein unschuldiger Roman sein), war der Gefahr ausgesetzt, in den „Uischastore"") geschleppt und von der Polizei einem formellen Ver- hör unterworfen zu werden. Im letzten Sommer war diese Praxis sehr verbreitet; ein besonders korrumpierter Spion warf sich wie ein Habicht auf jeden Arbeiter, der Besitzer irgend eines Buches war und drohte dem Frevler mit Gefängnis und Sibirien. Haus- suchungen wurden Tag und Nacht vorgenommen, sogar bei löjährigen Knaben. Die Meister und Fabrikanten waren so auf diese edlen Staatsretter vertraut, daß sie oft den Arbeitern ihren rückständigen Lohn zu zahlen verweigerten; und wenn darob ein Arbeiter seine llnzufriedeuheit äußerte, wurde er fix bei der Polizei als Aufwiegler und Hetzer angezeigt und von dieser in seinen Heiniatsort herausgewiesen oder ins Gefängnis geworfen. Die Arretierten wurden im Polizeirevier niederträchtig behandelt. Sie wurden gemisthandelt, man hat ihnen die Speise verweigert, um dadurch ein Geständnis von ihnen zu erzwingen. Die Frauen mußten allerlei cynische Aeußerungen dort anhören. Ein typischer Verfechter des Absolutismus war der Gendarmerie-Leutnant Poguloff, ein ganz verkommenes Subjekt. Wenn die Arbeiter zu ihrer Ver- teidigung auf das Gesetz sich beriefen, so schrie er wütend:„Ich muß daß Gesetz kennen mid nicht Ihr". Gegen ein 18 jähriges Mädchen, das einer Inhaftierten Mittage trug, hat er ein Verfahren eröffnet; er hat sie unter Polizei-Aufsicht gestellt, unzählige Male zum Ver» hör geladen, ging zu ihr selbst oder schickte seine Agenten in ihre Wohnung, und endlich erwies, er sich als wahrer Verfechter der Ge» setzllchkeit, Ehe und anderer Tugenden. An einem Tage hat er beim Verhör alle Gendarmen aus seinem Kabinett herausgeschickt und bot dem Mädchen an, seine Geliebte zu werden, wo» für er natürlich das Verfahren einzustellen versprach. Am Ende noch eine charakteristische Aeuhernng eines Tabak- fabrikanten, die er zu einem seiner Arbeiter gemacht hat:„Mir ist sehr vorteilhaft, sagte der Herr, daß Ihr schlecht lebtet, daß Ihr arm wäret, daß Ihr ohne mich nicht auskommen könntet, denn dann ivürde ich in Euch billige Arbeitskräfte finden, und wenn auch jemand von Euch wegrennet, so finde ich auf seiner Stelle 10 andere." Und wenn trotz alledem die Fabrikanten und Meister in verhältiiißmäßig sehr kurzer Zeit so viel nachgeben mußten, so ist er wieder ein neuer Beweis, was für eine Macht das erwachende Proletariat darstellt und daß es kein Mittel in der Welt giebt, das die Arbeiterbewegung in ihrem siegreichen Fortschreiten eindämmen kömtte. Pa rkei�Nnrsrvirtzken» Zum französischen Eiuigungskongrest schreibt uns nnser Pariser Korrespondent: Die unter obiger Spitzmarke in Nr. 178 des „Vorwärts" ciithaltene(nicht redaktionelle, R. d.„V.") Notiz ist in verschiedenen Punkten thatsächlich unrichtig. 1. Es ist unwahr, daß die Guesdisten in den letzten Wahlen „weitaus die m eisten Stimme it" erhalten hätten. Die Wahrheit ist, daß von rund 840 000 socialistischen Stimmen auf Guesdisten 382 000 entfielen, wobei 37 000 Stimmen von vier Ab- geordneten mitgezählt sind, die zwar auf der Guesdistischen Kandidatenliste standen, aber(aus Rücksicht auf ihre nicht» socialistischen W ä h I e r I!) der socialistischen Kammerfraktion nicht beigetreten sind. Nebenbei, eine specifisch guesdistische Eigentümlichkeit, Kandidaten auf der Liste aufzuführen und deren Stimmen mit auf» marschieren zu lassen, obwohl die ersteren oder die letzteren, oder auch beide zugleich nicht socialistisch in p r o l e t a r i s ch- i n t e r- nationalem Sinne sind. Näheres über die Wahlen und Guesdisten vergleiche»leinen Artikel in Nr. 40 und 41 der„N. Z." XVI. Jahrgang. 2. Es ist unwahr, daß die Proteste gegen das Manifest Guesde- Vaillant„zum großen Teile" mehr der Form als dem Inhalt gelten. Man braucht»ur die Proteste in der„P. Rep." aufmerksam zu lesen. 3. Die Notiz sucht den falschen Eindruck zu erwecken, als ob die Proteste nicht von eigentlichen Guesdisten herrührten. In Wahrheit heißt es immer in den betreffenden Protesten ausdrücklich, die Gruppe„gehört der französischen Arbeiterpartei an". Und nur wiche notiere ich als gueödislischc. UcbriaenS werde ich seinerzeit eine genaue Tabelle des interessanten Referendums der Partei über den Streit aufstellen. Jetzt mir so viel, dast nächst den„unadhängigen" Organisationen gerade die Guesdistischen a ni zahlreichsten gegen den Inhalt de« Manifestes pro- testieren. Nebenbei(m Beantivortung einer früheren, offenbar auS der gleichen Quelle stammenden„Vorwärts"- Notiz) die„un» abhängigen" Organisationen sind durchschnittlich nicht minder gut oder nicht schlechter organisiert, als Guesdisten und Blanquisten. also auch die Furcht der letzteren vor.imoraanisterten" Massen ist gegenstandslos. Im übrigen werden alle Richtungen an Organi- atton enorm gewinnen, wenn die Einigung der Gesamt« •artei zu stände kommt. 4. D e v i I l e gehört schon seit etwa 10 Jahren nicht mehr der �uesdistischen Partei an(ist auch keiner andern beigetreten). Von elfter„Leitung" kann also keine Rede sein. Ueberhaupt führt er— abgesehen von der zweijährigen Unterbrechung, da er Deputierter war(Juni 1896 bis Maiwahlen 1898)— ein ebenso behagliches wie beschauliches Neiitncrdascin. Dasselbe gilt auch von L a f a r g u e. Beide thn» für die Partei rein gar nichts. 6. Der Schluß der Notiz enthält eine tendenziöse Prophe» zeiung. Selbst zugegeben, dast sich Guesdisten und Blanquisten „verschmelzen" könnten, so wäre daS der denkbar schwerste Schlag für die Einigung der G e s a mt p a r t e i. Auch der Schluß der Notiz will den deutschen Genossen die Einigungsfeindlichkeit von Guesde und Vaillant mnudgerecht machen. Die Verschmelzung von Guesdisten und Blanquisten würde die Gesamteinigung für uuabseh« bare Zeit verhindern. Hoffentlich aber werden die wuchtigen Einigungskundgebungen der organisierten Masse über' die Privatliebhabereien der Settenführer triumphieren. Aus New Pork wir uns unterm LI. Juli über den Partei« und Zeitungsstreit weiter geschrieben: Infolge des Ilmstandes, daß ich für meinen vorigen Brief (S.„Vorwärts" vom 21. Juli) auf die Mitteilungen der„Bolkszeitung" angewiesen war, habe ich einen Irrtum richtig zu steven, der durch die falsche Darstellung in dieser entstanden war. Ich teilte nämlich mit, daß, als nach der ominösen *) Polizeirevier. Numpf-Genemlkomitee-Sitzuilg bcr Versuch gemacht ward.- sich in den Besitz des Parteiburcaus zu setze», auszer De Leon und Vogt nur zwei Genossinnen anwesend gewesen seien. durch deren energisches Auftrete» der Angriff vereitelt worden sei. In zwischen halie ich persönliche Informationen eingeholt, und auch eine der Genossinnen, Fräulein Brückmann, gesprochen, welche erklärte. das; kein wahres Wort an der Geschichte sei. Sie habe wohl an der ersten Sitzung des neuen Geueralkomitecs teilgenommen und mit verhindern helfen, daff man Genossen Vogt, der schon eine Wunde am Kopf erhalten hatte, iveiter mißhandle, auf dem Parteiburean sei sie aber an obigem Tage nicht gewesen. Dagegen befanden sich auf demselben neben einer Anzahl auglo amerikanischer Genossen auch mehrere deutsche, darunter, außer dein Parteisekretär Kuhn Forker, Fiebiger und Steinberg, ivelche halfen, dem„kurvr Dsutonions"— wie die„Volfszeitmig" den bei einem Teil der deutschen Genossen eingetretenen Zustand bezeichnete— einen Däinpfer aufzusetzen. Selbstverständlich war das betreffende Gebäude sin welchem sich die Druckerei der„Volkszeituntj" befindet) nach dieser Attacke kein Ort mehr für den Sitz des Partcivorstandes, und verzog derselbe andern Tags nach 61 Blcekman St. Zu den,„Staatsstreich" selbst habe ich noch nachzutragen, daß in dem Volkzeitungs-Verzeichiiis der den Partei-Vorort bildenden lokalen Partci-Orgäuisationeu diverse fehlen; es sind dies die fran zösische und italienische Branche, sowie Sektionen und Brauches in ptichmond-(Staten Island) und Quecns-Couuty lau Brooklyn grenzend), so daß die Gesamtzahl der Organisationen, denen durch die Parteikonstitution das Recht gegeben ist, die obersten Partcibeamten zu wählen und abzusetzen, rund 70 beträgt. Von diesen hatten, wie im vorigen Bericht angeführt, 21 den Aufruf zu der Spezialsitzung des Geucralkomitees erlassen, und in der Sitzung selbst lvaren 25 derselben durch Delegaten vcr- trete», von denen sich ab->r 16 nicht an den Verhandlungen und Ab- stimmnngcn beteiligten. Wie schon früher dargelegt, hatten die ersten Differenzen zwischen der„Volks-Zeitung" und den»„People" ihren Grund in einem Artikel der erstcrcn— der übrigens nicht vom zuständigen Redacteur H. Schluetcr stammte, sondern in dessen Abwesenheit vom Theater- Rccensenten des Blattes G. Grunzig eingerückt worden war—, in dem die Gründung der Alliance als ein Fehlgriff hingestellt und das„Weiterbohren von Innen heraus" in den alten Uuions als das einzig zweckmäßige Riittel bezeichnet ward, um die Gewerkschaftsbewegung auf den richtigen Weg zu bringen. Der „People" antwortete darauf mit einem Ärtikel, in welchcni dargelegt war, daß schon seit dem Jahre 1860 jenes„Bohren" immer wirkungsloser geworden sei und der socialiftische Einfluß in den alten Unions sowie auf den Konventionen des nationalen Ccntral- körpers derselben, der Fedcration of Labor, stetig nachgelassen habe. Von da an spitzten sich die Dinge inimer mehr zu, und schließlich ward auch der Parteivorstand hineingezogen, der sich auf Seite des „People" stellte. Die Stellungnahme der„Volkszcitung" in dieser Frage be- rücksichtigt nur lokale Verhältnisse. Einmal sind diverse deutsche Ge- werkschaftcn, welche hier in der deutschen Bewegung stets eine Haupt- rolle spielten stvie die Cigarrenmachcr-Union Nr. 60 und die Möbel- arbeitcr-Union Nr. 7) bekanntlich in die„Pure und SinipleMlmons gepreßt worden und müssen nun„mit den Wölfen heulen"; andere, wie die Brauer-, Bäcker- und sonstige früher als fortschrittlich ge- goltenen Organisationen sind verödet. Andererseits ist die„Volks- zeitung", welche es ini Jahre der„hochgehenden Arbeiter- bewegung" 1886 auf 231)00 Abonnenten gebracht hatte, seit- dem stetig zurückgegangen und zählt heute»och keine 6000.;Nach Mitteilung eines mir bekannten Mitgliedes der „Volkszcitung", Puhl, Assoc., lautete der Rapport in einer deren Sitzungen einige Monate zurück auf 5368). Aber es liegt auf der Hand, daß dies auf die Dauer nicht gehen kann. Nur eine bedeutende Vennehrling der Abonncntcnzahl kann da helfen, und diese denkt man einerseits durch Reducicrung des Preises von zwei Cents auf einen Cent pro Nummer, andererseits durch Rechnungs- tragung gegenüber oben angeführten Elementen in den deutschen Gewerkschaften zu erlangen. Die Redaktion des„Vorwärts" kann die Berichte über Partei- Vorkommnisse in Aincrika nicht kontrollieren. Jedenfalls bleiben wir auch diesem bedauerlichen Streit gegenüber vollkommen unparteiisch. Wir müssen es den amerikanischen Genossen überlassen, die Sache unter sich auszumachen. Daß die Sache ihre zwei Seiten hat, erhellt au? nachstehendem Brief des Genossen Dietzgen, der sich augenblicklich in Deutschland befindet, und, wie den Leser» wohl erinnerlich sein wird, als ame- kanischer Delegierter auf der internationalen Konferenz war, die Ende Mai in Brüssel stattfand und den nächsten internationalen Arbeiterkongreß vorbereiten sollte. St. G i l g e n bei Salzburg, den 29. Juli 1899. An die Redaktion des Berliner„Vorwärts". Sehr geehrte Genossen I Im„Vorwärts" vom 27. Juli lese ich eine sehr einseitige Korrespondenz aus New Dorl über die dortigen Vorgänge innerhalb der Socialistischen Arbeiterpartei von Amerika. So bedauerlich Partcihadcr im allgemeinen, so erfreulich scheint er mir in diesem Fall. Die Absetzung der offiziellen Partei-Redacteure Dr. Leon und Vogt und der diesen blind ergebenen Parteibeamten seitens der SektionGroß-New Aork wird gerade von unsere» erfahrensten Genossen in Amerika, darunter die manchen Ihrer Leser bekannten F.A.Sorge, Herm. Schuster, Julius Vahlteich, Adolf Hepn er Phil. Rappaport, T h o in a s I. M o r g a n, warm begrüßt als eine unerläßliche Bedingung zu gedeihlichem Fortschritt der socio listischcn Bewegung in den Vereinigten Staaten. Tie Erklärung des Warum und Weshalb will ich mir heute sparen, zumal die Vorgänge der nächsten Zukunft ivabrscheinlich deutlich genug reden werden. Nur noch etwas zur Richtigstellung der obigen Korrespondenz Was die Bedeutung der Sektion Groß-New Dork anlangt, so ist dieselbe nicht richtig zu würdigen durch bloße Gegenüberstellung mit „rund 450 Sektionen im Lande", wie das Ihr Korrespondent zu thun beliebt. Diese 450 Sektionen sind nämlich kleine Zivcig- Organisationen von durchschnittlich je 10 gulstchcndcn Mitgliedern. Nun umfaßt aber Sektion Groß-Nelv Aork allein 60 dieser Zwcig- organisationen und zwar die ältesten und reifsten im Lande, während von den übrigen 390„Sektionen" rund 250 in den letzten 24 Monaten gegründet wurden mit einem Material, welches Dank der Taktik von Dr. Leon, Vogt und Konsorten, über Parteiangelcgcn- beitcn keine eigenen Gedanken hatte, noch auch haben durfte. So kann es denn wohl passieren, daß bei einer Urabstimmung über obige Absetzung die Majorität sich auf feiten Dr. Leons und Vogts stellen wird. Das aber kann diesen nur für sehr kurze Dauer etwas nutzen, weil heute noch der Kern der socialistischen Arbeiter- Partei aus Eingewanderten, meist Deutschen, besteht, welche energisch die Dr. Leonsche Taklik bekämpfen. Das eingeborene Kontingent der S. A.- P. beläuft sich höchstens auf ein Drittel bis zwei Fünftel der Gesanitzahl und rekrutiert sich aus nieist jüngeren Elementen. Es ist nicht richtig, daß„die übrige Parteipresse fast ausnahmslos auf feiten des„People"(Dr. Leon) und des Parteivorstandcs steht." Das Gegenteil trifft zu. Die wichtigsten Parteiblätter mit der täglichen„N. D. VolkS- zeitung" an der Spitze, das„San Francisco Tageblatt", das „Philadelphia Tageblatt", sowie das Wochenblatt„The Citizen" in Cleveland sind mit der Taktik Dr. Leons nicht einverstanden. Für- letztere tritt nur ein kürzlich auf Wind gegründetes Wochenblatt „The tvorkerS Call" in Chicago und der Verwaltungsrat des jüdischen täglichen Abendblattes in New Dort ein. Die Absetzung Dr. Leons war außerdem eins der nötigen Mittel, die„N. A. Voltszeitung", unser bestes Kanipforgau in Amerika, vor dem baldigen Untergang zu retten. Mit solidarischem Gruß Ihr E. Dietzgen. Berlin und Umgegend. Die Lohnkommission der Steinarbeitcr hat dem Obermeister der Innung ein Schreiben übermittelt, in dem die Ursachen des � Streiks dargelegt werden und gegen die in der JnnungS-Sitzung j vom 25. Juli erhobene Beschuldigung, daß der Streik von den j Steinmetzen in frivoler Weise vom Zaune gebrochen worden ist. verhandelt heute nicht mehr ausschließlich der einzelne Fabrikant mit seinen Arbeitern, vielmehr erfolgt die Festsetzung der Arbeits- bedingungen im allgemeinen durch Vereinbarung der großen Verbände. So steht heute Macht gegen Macht. Es ist nicht zu erwarten, daß in Zukunft diese Verhälrnisse sich wesentlich ändern werden. Im Gegenteil, bei der ausgesprochenen Neigung zur Ver- gesellschaftung, die wir in der beutigen Zeit aus allen Gebieten menschlicher Thätigkeit, vor allem auch im wirtschaftlichen Leben zu protcstirt wird. Es heißt darin: Die Berliner Steinmctzgesellen protestieren ganz entschieden gegen eine derartige Beschuldigung: sie erklären vielmehr, daß sie sich an den früheren Tarif nicht gebunden fühlen, weil derselbe Ende Februar 18.98 abgelaufen ist und die von beiden Seite» geführten Unterhandlungen zu keinem endgültigen Resultat geführt haben. Die 1898 gestellten Forderungen der Gesellcuschaft: allgemeiner Tagelohn, achtstündige Arbeitszeit und 70 Pf. Minimal lohn pro Stunde, sind von der Meisterschaft mit der Vertröstung auf bessere Zeiten zurückgewiesen worden. Die Berliner Gesellenschaft hat nun diese Forderungen aufs neue erhoben, weil der Tarif von der Meisterschaft in vielen Fällen durchbrochen und vielfach nicht nach demselben bezahlt worden ist. Beweis dafür sind, da eine Innung nicht bestand, die fortwährenden diesbezüglichen Klagen der Berliner Steinnietzgesellen, die in den öffentlichen Versammlungen vorgebracht wurden. Uni Ruhe und Frieden wieder herzustellen. wurde deshalb in einer dieser Versammlungen beschlossen, daß auf jedem Platze von den daselbst arbettenden Gesellen eine Rechnungskominission zu wählen ist, welche die vorkommenden Differenzen zu regeln hat und die Stücke nachrechnen soll. Diese Kommission ist nun im Anfange wohl auf etlichen Plätzen geduldet. später aber nicht mehr geduldet worden. Auf anderen Plätzen wurde die Kommission aber überhaupt nicht anerkannt. Tie Berliner Gesellenschaft hat nun die gegenwärtige Zeit als günstig erachtet, um Ruhe und Frieden auch für die Zukunft zu schaffen und aus diesem Grunde die obigen Forderungen aufgestellt. Sie erwartet von der Meisterschaft, daß sie in, beiderseitigen Interesse die Forderungen so schnell wie möglich anerkennt. Die Gesellen werden dann sowohl hier in Berlin wie auch in Schlesien die Arbeit iviedcr aufnehmen und nach wie vor ihre Schuldigkeit thun. Eine Antwort ist auf da? Schreiben bisher noch nicht erfolgt und wird die Lohnkommission im Auftruge der Versammlung vom Dienstag sich nochmals an die Innung wenden, um sie von der Bereitwilligkeit der Gesellen, mit der Meisterschaft in Verhandlungen zu treten, in Kenntnis zu setzen. Der Berliner Steinsetzerstrcik hat schon jetzt für eine größere Anzahl Steinsetzer und Verufsgeuossen auch in anderen Städten bedeutende Vorteile gezeitigt. So haben die Potsdamer Stein- setzer eine Erhöhung ihres Stundenlohns von 50 auf 60 P f e n n i g e »u verzeichnen I Desgleichen haben die Hamburger Steinsetzer und Rammcr, lediglich unter Hinweis auf die in Berlin erzielteit Erfolge, von den organisierten Arbeitgebern das Zugeständnis erhalten, daß von» nächsten Frühjahr ab' der Stundenlohn für Steinsetzer von 50 auf 55 Pf., für Ramnier von 45 auf 50 Pf. erhöht wird. Die Regelung der„Geschirrsrage" ist jetzt endgültig in der Weise erfolgt, daß der Steinsetzer von jetzt ab bloß noch Pflasterhammer und Schaufel auf seine Kosten zu stellen hat, während er bisher den größten Teil des Handwcrkzeuges zu beschaffen hatte. Jedenfalls ist die endgültige Regelung dieser Frage zu Gunsten der Hamburger Steinsetzer auch eine Folge des in Berlin erzielten Erfolges. Ein Teil der Unter- nchmer hatte schon gelegentlich des Hamburger Steinscyerstrciks (vor zwei Jahren) die Beschaffung des Handwerkzeuges auf ihre Kosten übernommen. Seitdem ist die Regelung dieser Frage von den Arbeitern sortgesetzt verlangt worden. Bom Rixdorfer GewerkichaftskarteN sind als 3. Rate 139.— M. nach Dänemark gesandt. Darunter vom Volks-Btldungsverein Britz 20,—. Centralverband der Maler usw.(Filiale Rudorf) 15,— M. Gesangverein Melodia Rirdors 15,— M. Tischlerei Bor-niann, Berlin, Zossenerstr. 10, ans Liste 1V4, 1. Rate 0,70 M., 2. Rate 3,90 M. Gesaminelt von den Malern Rudorfs auf Listen Nr. 155 12,15 M., Nr. 156 7,40 M., Nr. 157 9,20 M, Nr. 153 9,55, Ztr. 101 10,40 M.— Weitere Beiträge nimmt A. N t e r i ch, Ripdorf, Steinnietzstr. 35, H. II, entgegen. Deutsches Reich. Die Maurer in Kottbus haben ohne Arbeitseinstellung den Zehnstundeiitag und eine Erhöhung des Arbeitslohnes errungen. Der Stundenlohn beträgt bis zum 1. Januar 1900 36—38 Pf., von da ab 33—40 Pf. Die Gesellen, welche das Werkzeug selbst stellen, er« halten pro Stunde 2 Pf. niehr. Auf größeren Bauten und Neu« bauten sind gedielte Baubuden und vorschrisrsniäßige sanitäre Aborte zn errichten. Erreicht ist die Anerkennung der Koalitionsfreiheit. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen gelten bis zum 1. April 1901. Wird eine Aenderung gewünscht, so' ist am 1. Januar zu kündigen, wo dann die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bedingungen für das laufende Jahr festsetzen. Zum Manrirauöstande in Hanau faßte der Unternchmer- verein für das Baugewerbe in Hanau und Umgegend folgeuden Beschluß: „In Anbetracht, daß die Lohnkommission der streikenden Maurer auf ihrer ungerechten Forderung hartnäckig besteht und den Arbeit- gebern in keiner Weise Entgegenkomme» zeigt, da ferner die hiesigen GcschäftSverhältnisse nicht derart sind, daß sie ein solch frivoles Vorgehen der Maurer rechtfertigen, wird beschlossen: 1. Die von der Kommission gemachten Zugeständnisse werden zurückgezogen. 2. Für den Fall, daß die Maurer der Firma Georg Wirth u. Cie. Moiitag, den 31. Juli, die Arbeit im Wirthschen Geschäft nicht wieder aufnehmen, werden dieselben von keiner Firma unseres Verbandes innerhalb eines Jahres in Arbeit genommen. 3. Sollte einem anderen Mitglied unseres Verbandes eine ähnliche Maßregelung durch die Arbeitnehmer erteilt iverden, so wird von sämtlichen Bangeschäften eine allgemeine Aus- spcrrung der organisierten Arbcitnchnicr des Baugewerbes verhängt und für den ohnedies geringen Bedarf fremde Arbeiter herangezogen. 4. Den benachbarten Verbänden wird von diesem Beschlüsse Mit- teilung gemacht." Welche Folgen dieser Beschluß gehabt hat, ist uns noch nicht bekannt. Wegen Ltreikpostenstchen sollen zwei Arbeiter in Lüneburg je 15 M. Polizeistrafe bezahlen; sie sollen durch das Postenstehcu groben Unfug verübt haben. Uebcr daS Ergebnis deS Krefeld«? WebcrstretkS läßt sich der Bericht der dortigen Handelskammer aus. Der Bericht ist nach mehreren Seiten recht interessant. Die wohlfeilen Be- uierlungcii von den„bezahlten Agitatoren" wollen wir ebenso wenig berühren. wie wir uns aufhalten möchten mit dem Schmerz der Untcriiehincr über die armen Verführten, die während der Strcikzcit so viele Schulden gemacht haben. Wichtiger dagegen ist das Eingeftäiidnis, daß die allgemeine Einführung der Lohnlisten für die ganze Industrie von Vorteil gewesen ist. „Der S a m m c t i n d n st r i e ist durch die allgemeine Einführung der Lohnliste ein großer Dienst erwiesen>v o r d e n. Die Klagen über schlechte Preise und lieber- produklion in den letzten Jahren hatten nicht zum wenigsten ihren Grund darin, daß die Löhne so verschieden waren. Wenn es auch den Fabrikanten, welche niedrige Löhne zahlten, teilweise durch eine vorzügliche Geschäftsorganisation gelungen sein mag, ibren Webern dennoch einen normalen Jahresverdienst zn verschaffen, so ist es für die Gesundung der Lage des ganzen Artikels doch von unverkenn- barem Vorteil, daß die 51alkulätionsbasis durch die nahezu gleichen Löhne, die jetzt sowohl in der Stadt Krefeld als in der Umgegend gezahlt werden, eine gleichmäßigere geworden ist." Ueber das Verhältnis zwischen Unteniehmer-n und Arbeitern heißt es im Bericht: „Als eine nicht gerade erftenliche Folge des Ansstandes muß endlich die Thatsache erwähnt iverden, daß das frühere Ver- traucnsverhältniS zwischen Fabrikanten und Webern einen bedenklichen Stoß erlitten hat. Nacbdem sich sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber zu festen Verbänden znsammengeschlossen haben, beobachten Gelegenheit haben, erscheint es wahrscheinlich, daß hüben � wie drüben die bereits bestehenden Verbände sich imnier mehr aus- dehnen und immer fester organisieren werden. Ohne Zweifel werden insbesondere die Führer der Arbeitnehmer mit allen Kräften darauf hin« arbeiten, daß die Arbeiterschaft den Fabrikanten stets als geschlossene Macht gegenüber tritt. Man darf es daher im Jiitcresie unserer Industrie wohl als wünschenswert bezeichnen, daß auch die Arbeit- geber in der Seidenstoff- wie in der Snmmetindustrie an den be- stehenden Organisationen festhalten und daß auch die Fabrikanten der Umgegend sich diesen Vereinigungen anschließen iverden." Unter dem alten„Vertrauensverhältnis" verstehen die Unternchnier natürlich bedingungslose llnterwerfmig der Arbeiter. Eine solche hatte nur für die Unternehmer Wert, die Arbeiter haben alle Ursache, mit dem Wandel der Dinge zufrieden zu sein. Daß heute„Macht gegen Macht steht", ist grade das gesunde, der für die Arbeiter wünschenswerte Zustand. Die Arbeiter haben den Unternchmern die Anerkenmuig ihrer Organi- sation abgetrotzt, mit der die Unternehmer jetzt verhandeln müssen. Von diesen! Gesichtspunkte aus haben wir auch nichts gegen die Entwicklung einer starken Unteniehmer-Organisation, die in der Lage ist, ihre einzelnen Glieder zum Halten der Verträge zn zwingen. Die ganze gewerkschaftliche Arbeiterbewegung hat zuin Ziel, an die Stelle der Einzelv ertrüge das Abschließen von Kollektiv- Verträgen— von Orgauisgtion zu Organisation— zn setzen.— Ausland. Zur Massciianösperrung in Dänemark dürften die folgenden Einzelheiten den deutschen Arbeitern von allgemeinem Interesse er- scheinen. Die direkt ausgesperrten Berufe sind: 1. die Maurer 2.. Zimmerer... 3.. Tischler.... 4.„ Sägewerksarbeiter 5., Maschinenarbeiter 6.„ Stnccatenre.. 7., Klempner... 3.. Gelbgießer... 9.„ Eisengießer... 10.. Maler.... 11.„ ungelernten Arb. mit ca. 5 000 organisierten Mitgliedern 4000 4 000 1000 6 000 100 1000 300 1 300 2 300 25 000 Für die ersten zehn der genannten Berufe kommen noch etwa 1000 hinzu, die nicht organisiert sind; ungelernte Jndustrie-Arbeiter giebt es etwa 50000, so daß hier nur die Hälfte organisiert ist. Es sind also in diesen elf Benifen etwa 50 000 organisierte und 26 000 unorganisierte Arbeiter. Mit Ausnahme der Gewerke Nr. 5 und Nr. 11 sind alle Organisierten ausgesperrt, während in diesen beiden noch eine Anzahl arbeiten. Indirekt von der Ausspernmg betroffen sind die Drechsler niit ca. 300 organisierten Mitgliedern. , Bildhauer, 150, , Tapezierer u. Dekorateure, 850„ , Schissszimmcrer. 450„ , Ofensetzer„ 100, „ Dachdecker„50„ In diesen Berufen ist der größere Teil der Organisierten arbeitslos geworden. Wenn Man einen Durchschnitts-Tagelohn von nur 3 Kr.:rechi,et und die Gesamtzahl der Ausgesperrten auf rund 40 000 annimmt, so kommt bei einer Dauer der Aussperrung von jetzt 10 Wochen ein Gesamt-Lohilverlnst von 7 200 000 Kr. heraus sl Kr.— 1,10 M.) Uiitcrstütznng wurde von den Organisationen vis jetzt circa 3 Millionen Kronen ausgezahlt. Seit einiger Zeit ist man mit der Ansteilung von Nntnralicn vorgegangen. Human denkende Leute aus dem Bürgertum haben Sammlungen veranstaltet, um die Frauen und Kinder zn speisen. Die deutschen Arbeiter werden ans diesen schlichten Angaben ersehen, daß die Not groß ist und die dänischen Brüder auf die Dauer nicht in der Lage sind. den außerordentlichen Anforderungen allein zu entsprechen und auch nur den ärgsten Hunger abzuwehren. Die vom Auslände bisher eingegangene Summe, ca. 100 000 Kronen, ist zwar an sich nicht klein, aber in Anbetracht der Umstände doch keineswegs ausreichend. Es ergeht deshalb der erneute dringende Ruf an die Arbeiter, in ihrer Opferwilligkeit nicht zu erlahmen und zu thun, was in ihren Kräften steht, um den Sieg der Unternehmer- Brutalität zu verhindern. Die Gcneralkvinmission der deutschen Gewerkschaften qnitliert bis jetzt über 25 874 M. für die Dänen, darunter allein von der Gewerkschaft der Buchdrucker 5000 M., von der Berliner Gelverk- schafts-Kommission 2600 M. als 8., 9. und 10. Rate. Vetzke Nettlzv lichten und Depeschen. Frankfurt a. M., 2. August.(®. H.) Die„Frkf. Ztg." meldet aus New Dort: Präsident Figuereo in St. Domingo hat sein Kabinett gebildet. Sobald die konsularische Benachrichtigung ein- trifft, erfolgt Anerkennung Figuereos durch die Washingtoner Re« gierung. Frankfurt a. M., 2. August.(<ö. H.) Die„Franks. Ztg.' nicldct aus dem Haag: Die gestern staltgehabtcn Verhandliuigcn der Reeder mit den Führern der streikenden Maschinisten und Heizer führten noch zu keinem Ergebnis, da in der Frage der Sonntagsruhe keine Uebereinftimmung zu erziele» war. Die Bundes- abteilimgen der Ausständige» werden heute über die Annahme eines ncncn Vermittelungsvorschlages zu befinden haben. Die Lage ist für die Streikenden günstig; die Zahl der mit Frachten auf dem Strom liegenden Rheiiffchiffc hat gestern wieder stark zugeiwmincn. Paris, 2. August(B. H.) Der„Tenips" veröffentlicht heute abend die offizielle Liste der Zeugen, welche von der DrcyfnS- Partei vorgeladen sind. Unter diesen befinden sich Lebrun- Renand, der frühere Justizminister Traricux, Schciircr-Kcslncr, Hart- mann, der erklärt hatte, Dreyfus habe das Bordereau nicht schreiben können, der Kapitän Freystätter, Mitglied des Kriegsgerichts von 1894, der frühere Leiter des Militär-Gesängnisses Chcrche Midi. Forziuetti, sowie niehrere Professoren der Akademie und mehrere Journalisten, sowie Anwalt Labori und Demauge, welche ebenfalls das Verhör vor allen Zeugen seitens Beaiircpaires verlangen. PariS, 2. August. lÄ. H.) Hiesige diplomatische Kreise wollen wissen, die französische Regierung habe Delcasse deshalb nach Petersburg gesandt, damit er den: Zaren vor dessen Reise nach Darnistadt und seiner Zusammenkunft nnt Kaiser Wilhelm Ans- klärnngcn gebe über die angeblich in letzter Zeit erfolgte Annäherung an Deutschland. Kopenhagen, 2. August. sW. T. V.) Die Direktion der Fach- verbände nahm heute den von den Arbeitgebern ausgehenden Bergleichöentwurf mit wenigen unbedeutenden Aenderungen an, sodaß Aussicht vorhanden ist, daß die große Aussperrung im Bau- fach undpin der Eisenindustrie bald erledigt srin wird. Fininc, 2. August.(W.T.B.) Als gestern abend Matrosen des hier ankernden Sommergeschwnders auf das Kriegsschiff„Budapest" zurückkehrten, schlug ein«oot um. Zwei Matrosen und drei Unter- offiziere ertranken, zwei Mann retteten sich durch Schwimmen. Mailand, 2. August.(W. T. B.)„Corriere della Sera" ver- sichert, die Unternehmung Italiens in China habe lediglich Handels- politische Zwecke, ohne das politische Ziel nach Besetzung oder Gebietserweiterung. Die Lage Italiens in China könne ein Ultimatum oder einen Konflikt nicht herbeiführen, weil die Idee der Besetzung Eammums anfgegeben sei und Italien Handelsgeschäfte und handelspolitische Verhandlungen verfolge. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für de, Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke i» Berlin. Druck und Vertag von Max Babing u» Berlin. Hierzu 1 Beilage und Uuterbaltunasblatt. Nr. 179. 16. Jahrgang. Kcilm te„Dmörts" Kalim MsdlR 3. Augnst 1899. 4V. Allgtmeiner Vtreiiistag her auf Selbsthilfe berahenhea Eriverbs- anh WirtsAsts-kellofseuslhastell. Am Mittwoch fanden nur zwei Sonderversanimlungen statt, von denen die der Kredit-Genossenschaften für unsere Leser kein Interesse bietet. In der Sonderversammlung der Konsumvereine führte Fabrikant Barth- München den Vorsitz. S ch e r l i n g- Hamburg, Geschäfts- führer der Hamburger Grotzeinkaufs-Gesellichast, sprach über die Entwickelung des gemeinschaftlichen Wareneinkaufs. Der Um- satz der Hamburger Gesellschaft sei bis 1898 von IVa auf 5 Millionen Mark gestiegen. Die Grundlage dieser Gesell- schuft sei rein genossenschaftlicher Art, sie verteile ihr Er- trägnis in Form einer Dividende an ihre Mitglieder. Sie stehe. nilszcr mit den Konsumvereinen, ihren Abnehmern, mit den bestehenden Einkaufsvereinen in Verbindung, deren es jetzt eine ganze Reihe in Magdeburg, Dresden, Suhl, Lauban, Koburg, Zwickau, Chemnitz und in Leipzig gebe; in Bückeburg und Thüringen seien derartige Vereine in der Bildung begriffen. Allerdings sei der An- teil, den dieselben an dem Gesamtumsatz der Konsumvereine haben, verhältnismäßig gering. Es sei aber auch in dieser Beziehung Bciscrung zu erhoffen. In England und der Schiveiz habe man mit den Cinkanfsvcrcinen sehr bedeutende Erfolge erzielt.— Der M itb erichtcrstatter. Generalsekretär H ä n t s ch k e sCharlottenburg), bcffirtvortcte die Annahme folgender Erklärung:„Die Eutwicklung des gemeinschaftlichen Warcncinkanfs kann nur auf der Grundlage der bezirkstveisen Zusammenschlüsse der Konsumvereine, dessen Leitring in der Hand eines an günstiger Verkehrsstraße liegenden Konsumvereins sich befindet, gefördert iverdeu. Dem leitende» Vereine liegt die Sammlung der Bestellungen und die Verteilung der gemeinsam bezogenen Waren ob. Den Konsumvereinen wird der Zusammenschluß zu solchen Einkaufsvereineu empfohlen." In der Besprechung gab der Delegierte des Verbandes der Schweizer Konsumvereine, Dr. Müller- Basel, eine Schilderung der dies- bezüglichen Schweizer Verhältnisse. Dr. T h i c ß- Offenbach a. M. teilte seine Erfahrungen als Generalsekretär des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften mit. Direktor W o l f f- Suhl berichtete über das unter seiner Leitung stehende Etablissement und teilte niit, daß den Einkaufsvercinen von den Grossistenringen überall Schwierigleitcn bereitet werden, so daß z. B. in Thüringen von keiner Saline direkt Salz zu Engrospreisen zu erlangen sei. MitKohlen und Briquetts habe man ähnliche Schwierigkeiten gehabt, ivcil die in der Vereinigung befindlichen Lieferanten besrinimte Verkaufspreise vorge- schrieben hätten, deren Junehaltnng sie zur Bedingung der Lieferung g.niacht haben.— Dr. W e r n i ck e- Berlin bestätigte, daß die Ein- kaufsvcreine die letzte Etappe auf dem Wege der Ausbildung der Konsumvereine darstellen. Die Konzentrierung in einer großen Ceutral-Einkaufsstelle. wie sie in der Schweiz bestehe, dürfte sich in Deutschland kaum herbeiführen lassen. Immerhin möge man bestrebt fern, thunlichst große, umfassende Einkaufsstellen herbei- zufuhren. Verbandsdirektor O p p e r m a n n- Magdeburg betonte die Be deutnng, ivelche die Einkanfsgesellschaft in Hamburg bereits für die Avnsrmivcreine erlangt habe. Durch allgemeine Bereiligung an den Geichäftcn derselben werde der Einfluß der Genossenschaften steigen und auch die Bezugspreise sich derart verbilligen, daß man den Lreferanten Vorschriften nach Art der Schiveiz machen könne.— Nach »och längerer Besprechung bemerkte Sekretär Häntschke, daß er die Worte:„dessen Leitung m der Hand eines an günstiger Verkehrs- straße liegenden Konsumvereins sich befindet", streiche. Danach gelangte der Antrag in dieser Fassung einstimmig zur Annahme. Den folgenden Gegenstand bildete: Die WarenauSstände bei den Konsumvereinen. Rendant Diederiih-Nügenivalde befürivortctc folgen- den Antrag: Der Allgemeine Gcnoiscnschaftstag beschließt, den Konsumvereinen zu empfehlen, an dem altbelvährtcir Grundsatz der Barzahlung im volkswirtschaftlichen und erzieherischen Interesse fest- zuhalten und zur Beseitigung des schädlichen Borgsystems weiter beizutragen." Nach längerer Besprechung gelangte auch dieser Antrag cmstimmig zur Annahme. � Alle weiteren Gegenstände waren ohne Belang. Die zweite und letzte Hauptversammlung findet Donnerstag- vormittag 9 Uhr statt._ Sorinlro. Das Programm der deutschen BananSstellnng, die vom 1. Juli bis 15. Oktober n. I. in Dresden stattfinden wird, giebt folgende Abteilungen an: Abteilung I: Staatsbauwesen(Hochbau, Straßen-, Wasser- und Brückenbau): Abteilung N: Privat- Architektur(dekorativer Eisenba», Perspektiven oder Modelle mit Grundrißbeilagen und Durchschnitten): Abteilung III: Bau-Litteratur: Abteilungen IV, V und VI: Bau-Jndnstrie, Technik im engeren Sinne. Kunst- und Ballhandwerk(HauS-Wasscr- anlngen. Lüftungsanlagen, KlosetS, Heizungen. HanStclegraphcn, Gas- und elektrische Leitungen, Aufzüge, Kühlanlagen, vade-Eliirichtungcn, kleinere Konstruktionsarbeiten. Abteilung VlI: Landivirtschaftlichc Banknnst. Anmeldungen zur Beschickung der deutschen Bauaus- stcllungcn haben bis zum 15. September 1899 zu erfolgen. Da die Ausstellung nach dem Plane der Veranstalter ein Bild de? heutigen Bauwesens geben soll, so gehört, soll sie vollständig sein, unbedingt eine Abteilung für Vau-UnfaNverhütnng dazu. Die Anregung dazu ist von den organisierten Arbeitern schon gegeben Ivordcn, weshalb wird sie nicht beachtet? Tlttkernrszznev-Dei'bande. Die Eiuschriinlung der Produktto» und Erhöhung der Lcdrrprcise lvnrde in einer Versannnlung der größten Sohllcder- fabrikanten Norddentschlands am 2(i. Juli in Hamburg beschlossen. Wie„Schuh und Leder" mitteilt, ist eine Produltionscinschränkuug von 25 Proz. in Aussicht genommen und sollen in einer auf den 4. August anberaumten Versammlung über die Erhöhung der Preise nähere Beschlüsse gefaßt werden. Durch Eirkular wurden sämtliche maßgebenden Fabrikanten Deutschlands anfgcfordcrt, sich an einer demnächst in Berlin in dieser Angelegenheit stattfindenden Versammlung zu beteiligen. Auch der Verband der Berliner Filzschnhfabri- kanten hat beschlossen, am 1. August eine Preiserhöhung von 5 bis 19 Pro.,, ans seine Fabrikate eintreten zu lassen. Die Maß- reget wird mit der Steigerung des Preises der Rohstoffe begründet. ZUts dcv„Frsurnbemegung. Assistentinnen der Fabrikinspektion will bekanntlich endlich auch die sächsische Regierung anstellen. Die sächsischen Fabrik- inspektoren sollen jedoch, wie der„Frankfurter Zeitung" aus Sachsen geschrieben wird, der geplanten Neuerung sehr abgeneigt sein. Sie behaupten, die Thätigkcir weiblicher Hilfsbeamten sei nicht not- wendig, weil die Fabrikinspektoren das Vertrauen auch der Arbeiterinnen in allen Angelegenheilen voll besäßen. Die sächsischen Fabrilinspektorcn scheinen sich danach nicht bloß, was schon längst bekannt, durch eincir hervorragenden Mangel an social- politischer Einsicht, sondern auch durch eine sehr lebhafte Phantasie auszuzeichnen. Es dürste wenige Fabrikinspcktorcn geben, denen das Vertrauen der Arbeiter, niännlicher wie weiblicher, so vollständig fehlt, wie gerade den sächsische». Man braucht ihren» Wirten gar nicht näher gestaridc», sondern nur regelmäßig ihre Thätigkeitsberichre studiert zu haben, unr zu sehen, daß sie mit Arbeitern so gut ivie gar leinen Verkehr haben. Uebrigeus,'bst wenn die sächsische Re- gierung auf die Abneigung der Herren Fabritinspektoren keinen Wert iegen und dennoch Assistentinnen anstellen sollte, so kommt es natür- lieh sehr darauf an, wer diese Frauen sind. Daß man sie aus den Kreisen solcher auswählen würde, die in irgend einer Weise wirkliches Verständnis für die socialpolitischen Aufgaben der Gegenlvart be- kündet haben, ist in Sachsen kaum, zu erwarten. Eine starke Bewegung zu Gunsten der besseren Lebens- Haltung der Dienstmädchen ist in Amerika entstanden. Eine ihrer Forderungen ist, daß den Dienstmädchen in jedem Haus ein Wohn- zirnmer zur Verfügung stehe, wo sie zu gemeinsamer Arbeit und Unterhaltung zusammenkommen und ihre Freunde empfangen können. Die norddeutschen Hängeböden stehen in starkem Kontrast zu dieser Forderung._ Lokales« Die Dienstboten- Bewegung wurde, nachdem die erste Dicnstboten-Versammlung getagt hatte, von dem größten Teil der bürgerlichen Presse als eine konrische Er- scheinung behandelt, die man mit läppischen, witzelnden Redensarten abthun zu können glaubte. Nachdem der Verlauf der ziveiten Ver- snmmlung gezeigt hat, daß es den beteiligten Dienstmädchen— vielleicht gegen den Wunsch der Veranstalter dieser Be- wcgung— bitterer Emst ist mit der Verbesserung ihrer Lage und mit dem Kampf gegen die längst veraltete Gesinde- Ordnung, kommt jenen Blättern, ivelche die Interessen der Besitzenden, also auck der„Herrschaften" zu vertreten haben, die Erkenntnis, daß die Bewegung der Dienstbote» sich doch am Ende zu einer solchen auslvachsen könnte, die den„Herrschaften" unbeguenr tvird. Nichts ist daher natürlicher, als daß jene Preßorgane, welche zum Teil jedwede Bestrebung der Arbeiterklasse nach Verbesserung ihrer Lage als einen unberechtigten Eingriff in die geheiligten Privilegien der Besitzenden bekämpfen, auch der durchaus begründeten Betvegnng der häuslichen Arbeiterinnen, welche mit einem unzeitgemäßen Ausdruck„Dienstboten" genannt werden, entgegentreten und sie womöglich im Keime zu ersticken suchen. Diesen Zweck glaubt rnan am besten zu erreichen, indem nian die Bewegung der Dienstboten, obgleich deren Leiter und Redner sich mit übertriebener Aengstlichkeit vor dem Verdacht socialdemokrati scher Tendenzen verwahren, als eine von der Socialdenm kratie ausgehende bezeichnet.„Socialdeniokratifche Rednctenre niännlichen rind weiblichen Geschlechts", so sagt das„Berliner Tageblatt", seien in der Versammlung der Dienstboten als Redner aufgetreten. Eine Behauptung, über die die Teilnehmer der Versammlung wohl am meisten staunen werden. Die „Germania" sieht in einer mit der Wahrheit auf sehr ge- spanntem Fuße stehenden Notiz ihre Annahme bestätigt, daß„hinter der „ fromnieir" Machet der jocialistische Wolf stecken würde." Das genannte Blatt will auch wissen, daß die Vcrtranensperson der socialdemokratischcn Frauen Deutschlands demnächst eine Dienstboten Versammlung einbenrfen werde. Andere Blätter berichten ihrenLcscrn, daß die Socialdcnrokratie sich mit aller Kraft der DienstbotenbeivegrMg annehmen und die Dicnstinädchrn durch eine Genossin aufklären lassen wolle. Darob nanrentlich großes Wehklagen in der Stnmnischcn „Post". Da nun aber eine Bewegung, die so berechtigt ist wie die der Dienstboten, mit dem bloßen Gruseligmachen vor socialdemo- kratischcn Tendenzen nicht aus der' Welt geschafft werden kann, so plädieren einzelne Preßorgane für Besserung des Loses der Dienstboten und zeitgemäße Umgestaltung der Gesindc-Ordnung. denn»ran könne doch nicht' alles, was die Ticnstmädcheir in den Debatten vorgebracht haben, als bloßen Klatsch ignorieren. Dagegen meint die„Staatsbürger- Zeitung":„Hoffentlich wird unter den„Bourgeois" noch soviel jlraft und Verstand sein, daß sie die ihrer Obhut und sittlichen Kraft(!) anvertrauten Mädchen nicht jenen roten Gesellen und Juden ausliefern und den Mädchen den Besuch jener Vcrsamnr- lnngen ein für allcrnal energisch verbieten." Also ein Appell au die brutale Gewalt des„Herrn" über das„Ge- finde". Von dcnr Organ für Verbreitung slavisch- sklavischer Gesinnung in Deutschland kann man allerdings nichts Besseres erwarten als den Appell an Kinttc und Dreschflegel. Man sieht, daß die beginnende und vorläufig noch recht unklare Dienstboten-Bewegung den bürgerlichen Kreisen, als deren Sprachrohr die genannten Preßorgane anzusehen sind, recht unangenehm ist. Wenn auch die derzeitigen Führer der Dienstboten-Bewegung nichts ivcnigcr als Sociatdemokrateir sind, wenn sie auch mit ihrer Agitation sich auf fineir harmonieseligen und fricdcnöfrenndlichcn Standpunkt stellen, so werden doch die beteiligten Dienstmädchen. falls es ihnen mit der Ver besserung ihrer Lage ernst ist, auch ohne Zuthun von unserer Seite zu der Erkenntnis kommen, daß die Socialdcmokratie wie immer, so auch in diesem Falle die einzige kon- sequente Vertreterin der Rechte und Interessen der Unterdrückten und Ausgebeuteten i st. Sie werden unr so eher zu dieser Einficht gelangen, wenn die „Herrschaften", dem Rate der Scharfmacherpresse folgend, niit brutaler Geivalt die Beteiligung der Mädchen an ihren berechtigten Bestrebungen zu hindern suchen. Wie bügcrliche Blätter berichten, hat sich auch der hiesige Verein der G e s i n d e v e r m i c t e r in einer Sitzung mit der Dienstboten- betvegnng befaßt und dem Vorsitzenden des Dienervereius, von denr die Bewegung ausgeht, über die Arr der Agitation, an der die Herrschaften Anstoß nehmen könnten, Vorhaltnngeu gemacht. Unter anderem ist in den Dienst- botenversanimlungeir auch von M i ß st ä» d e n im Stellenver- nüttclungswesen gesprochen worden. Da nun die Agitation unter den Dienstmädchen in erster Linie den Anschluß derselben an den Dicnervcrcin beziveckt, dieser aber eine Stellenvermittelung hat, so dürften sich wohl die Gesindcvermietrr durch die Bewegung in ihrem zum Teil recht einträglichen Geschäft unangenehm geschädigt fühlen._ lieber de» Postverkehr zwischen Berlin und den Bor- orte» solvie zivischen diesen untereinander wird neuerdings wieder sehr lebhast Klage geführt. Dies bezieht sich vor allem auf die immer noch äußerst mangelhafte Beförderung wie unpünktliche Be- stellung der Postsendungen, namentlich aber derjenige», welche des Nackits aufgeliefert werden. So ist es schon seit längerer Zeit wieder fast zur Regel geworden, daß Briefe sc., welche z. B. in Berlin nach der letzten Kastenleerung in einen Briefkasten ge- warfen werden. selbst in den nächsten Nachbarten, tvie Charlottenbnrg, Schöneberg usw. nicht mit der ersten Bestellung, sondern erst mit der zweiten, ja sogar erst mit der dritten Be- stellung, gegen 12 Uhr mittags, den Adressaten zugehen,� und dies nicht etwa bei Sendungen aus den emgegengesetzten fernsten Teilen, sondern aus den nächsten Grenzbezirken Berlins. Noch schlimmer steht es mit der Beförderung der Postsendungen von einem Vororte nach einem anderen, selbst wenn es sich um unmittel- bare Nachbarorte handelt. So komnrt ein Brief, der i» Char- lottenburg nachmittags um 2 Uhr aufgegeben wird. inHalcnsee oder der Gemeinde Grunewald nicht etwa noch an demselben Tage zur Bestellung, sondern erst am— nächsten Riorgen, braucht also zur Beförderung zivischen den beiden„Haus an Haus" liegenden Vororten länger, als eiir z. B. in Breslau abends zwischen 9 und Vall Uhr nach Thar lottenburg aufgegebener Brief, der hier auch schon mit der ersten Bestellung abgeliefert lvird. Die Ursache dieser mangelhaften Postsendungen, welche sich im Verkehr niit den entfernter liegenden Vororten natürlich in noch weit höherem Maße sühlbar macht, ist lediglich darin zu finden, daß für den Postverkehr der Vororte noch immer das alte System besteht, nach welchem fast ausnahmslos alle Postsachen der Vororte über Berlin geleitet und hier auf dem Haupt-Briefpostamt neben den Berliner wie den Fern-Postsendungen erst ums ortiert werden müssen. Nur zwischen einigen wenigen Vororten, wie zwischen Charlotten bürg und Schöneberg, Schöneberg und Friedenau ist für die Tagesstunden bereits eine direkte Post- beförderuug eingerichtet. Von allen anderen Vororten jedoch werden die Postsendungen erst nach dem Berliner Hauptpostamt und dann von diesem womöglich auf demselben Bahnmege wieder zurück be- fördert. Das gleiche geschieht zudem in den Abend- und Morgenstunden auch mit den Postsendungen aus allen Bezirken von Berlin selbst, wo- durch es sich erklärt, daß auch die des Abends in Berlin aufgegebenen Briefe zc. am nächsten Tage so häufig verspätet zur Bestellung ge- langen, weil sie, abgesehen von dem Z e i t v e r l u st für die Be- förderung auf dem überlasteten Hauptamte„fehlgeleitet" werden oder dergleichen. Heber diese Mißstände im Postverkehr Berlins und seiner Vororte sind schon seit Jahren immer wieder Beschwerden erhoben worden, und die Postvermaltung hat auch den Beschwerde- führern wiederholt den Bescheid erteilt, daß es besser Iverden solle. Bisher aber hat die Besserung jedesmal nur einige Zeit angedauert, so daß die alten Uuzuträglichkeiten in genau derselben Weise immer wieder zu Beschwerden Anlaß geben. Ter leitende Arzt am siädti'chcn Obdach, Professor T r. B e h r e n d, hat sich infolge einer E i t e r i n f e k t i o n bei Aus- Übung seines Berufes auf der Krankenstation des Obdachs eine lebensgefährliche Erkrankung zugezogen, sodaß er sich in die königl. Klinik nach der Ziegelstraße begeben mußte, wo er am Donnerstag vom Geheimrat v. Bergmann einer langandauernden Operation unterzogen Iverden mußte. Er befindet sich infolge derselben nun- mehr allerdings auf denr Wege der Besserung, die immerhin aber nur langsam fortschreitet. Ju der am 3. Juli d. I. an der HufbeschlagS-Lehrschmiede z» Charlotteubnrg stattgehabten Prüfung haben die Berechtigung zum Betriebe des Hufbcschlags-Gewerbes erhalten: Schmicdegeselle Hermann Packert ans Zepernick, Kreis Niedcrbaruim; Schmiede- geselle Bruno Pobloth ans Kloster Mansfeld, Kreis Mansfeld; Schniicdcgescllc Kasimir Cyberski aus Sulnrierzyce, Kreis Adelnau: Schmiedegeselle Theod. Dominik aus Wustermark, Kreis Ojthavelland; Adam Jost ans Gr.- Umstadt, Kreis Dieburch: Albert Koch aus Beelitz, Kreis Zauch-Belzig; Schmiedegesclle Peter Kokot aus Sulnrierzyce, Kreis Adelnau: Schmiedegeselle George Wicmcr aus Lohne, Kreis Soest: Schmicdemeister Boter: Schiniedenreister Diesterweg.— Der nächste Kursus an der genannten Lehranstalt be- ginnt Montag, den 4. September, vormittags 8 Uhr. Meldungen zur Teilnahme sind an den Vorsteher, Ober-Roßarzt a. D. Herrn Brandt zu Charlottenburg, Spreestr. 42, zu richten. Zur Aufnahme sind erforderlich: 1. Der Nachweis über Erlernung des Schnriedehandwerks: 2. ein polizeiliches Führungsattest.— Un- bemittelte erhalten freie Ausbildung und haben keinerlei Prüsungs- gebühre» zu entrichten. Die westliche Berliner Vorortbahn hat der städtischen Ver- kehrsdeputation die Pläne zu dem Straßenbahnprojekt Motz-, Flott- wellstraße, Swöneberger Ufer, Linkstraße nach entsprechender Ab- änderrmg zur Genehmigung aufs neue unterbreitet. Die Notbrücke über den Spreekanal im Zuge der Roßstraße ist nuumchr fertiggestellt und gestern dem öffentlichen Verkehr über- geben worden. Die Brücke ist nur als Fußgängerbrücke angelegt, die Verbindung zwischen Roß- und Neue Roßstraße bleibt für die Dauer des Umbaues für den Wagenverkehr gesperrt. Mit der Abtragung der alten Brücke wird in der nächsten Woche begonnen werden. Selbstmord eiueS VörfeumaklerS. In seiner Wohnung, Hardenbcrgstraße 19, hat sich der Börsenmakler Lös er, während seine aus Frau und zwei Kindern im Alter von vier und acht Jahren bestehende Familie in der Sommerfrische tveilt, erschossen. Löser hatte in letzrer Zeit erhebliche Börsenverluste, die ihn derart auf- regten, daß er sich seit mehreren Tagen mit Selbstmordgedanken trug. Montagniittag kurz vor 11 Uhr schickte er das Dienstmädchen mir einem Briefe weg und benutzte diese Zeit, um sich in seinem Schlafzimmer eine Revolverkngel in die Schläfe zu jagen. Als das Mädchen nach fast zwei Stunden daS Schlafzimmer betrat, war be- reits die Tvdcsstarre eingetreten. Die Polizei beschlagnahmte die Leiche, die bis gestern nachmittag 3 Uhr noch nicht freigegeben war. Eine Nevolverschieherei, bei der es glücklicherweise ohne Blutvergießen abging, verursachte Montagabend vor dem Hause Hallcschcs Ufer 9 einige Ansreguiia. Dort diente bei dem Konkurs- Verwalter Th. seit denr 1. März eine 24 Jahre alte Bertha Lange aus Schlesien, die Montagabend diese Stellung verließ. DaS Mädchen hatte ein Liebesverhältnis mit dem 26 Jahre alten Sattler Robert Jirkow, der in einer Fabrik in der Kötznickcrstraße arbeitete. Das Verhältnis war schon seit einiger Zeit getrübt, und daS Mädchen hatte sich geweigert, dem jungen Manne ihre künftige Wohnung an- zugeben. Jirkoio lauerte ihr nun auf, stellte sie zur Rede, als sie mit ihren Sachen eine Droschke besteigen wollte und feuerte, da sie bei ihrer Weigerung blieb, einen Revolverschuß auf sie ab. Die Kugel verfehlte ihr Ziel, und bevor Jirkow zu einem zweiten Schusse anschlagen konnte, packten ihn Leute, die auf den Knall herbeigelaufen kamen, prügelten ihn durch und überlieferten ihn der Polizei. Auf der Wache des 34. Reviers in der Königgrätzerftraße fand man in der Trommel des Revolvers, den Jirkow schon seit langer Zeit besaß, noch fünf scharfe Patronen. Die Lange war mittlerweile mit der Droschke davongefahren, unr ihre neue Stellung anzutreten. Selbstmordversuch. Auffchcn erregte gestern Vornrittag der Selbstmordversuch eines jungen Mädchens in der Mühlenstr. 6. Hier wohnt in der Familie ihres Bruders die aus Strausberg ge- bärtige 21 Jahre alte Hedwig Wengner, die bis Ende April bei Faber in der Friedrichstraße beschäftigt war und sich jetzt mit Porzellanmalerei befaßt. Wengner und seine Frau waren auf Arbeit gegangen, während seine Schwester sich mit seinen beiden Kindern, einem Pflegetinde Ella Ballack und einer alten AufWärterin in der Wohnung befanden� Um IG/s Uhr hielten sich die Kinder mit der alten Frau in der Küche auf, Hedwig Wcngner saß in der Stube auf dem Sofa, den Rücken nach der Küche gekehrt. Plötzlich krachte in der Stube ein Schutz. Hedwig Wengner kam in demselben Augen- blick in die Küche gestürzt und schickte die kleine Ella nach einem Arzt weg. Den Revolver, aus dem sie sich einen Schuß beigebracht hatte, hatte sie auf den Tisch gelegt. Der Arzt legte der Ver- mundeten einen Verband an und ließ sie mit einem Lückeschen Rettungswagen in das Krankenhaus am Friedrichshain bringen. Sie mar bei vollem Bewußtsein, verweigerte aber über den Beweggrund der That jede Angabe. Auf dem Bahnhof erschossen hat sich gestern abend ein etwa 40 bis 45 Jahre alter Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht fest- gestellt werden konnte. Man fand ihn mit einer tötlichen Verletzung auf einem Abort zusammengebrochen. Ein zu Hilfe gerufener Arzt konnte den Lebensmüden nicht nrchr retten. Er stellte fest, daß eine Rcvolverkugel das Herz getroffen hatte. Seltsame Todeöart. In Treptow fand man vor einigen Tagen einen Berliner Uhrmachergehilfen Namens Julius Schmidt unter eigenarttger Umgebung tot vor. Neben der Leiche war eine Flinte an einen Baum gelehnt, ein totes Reh lag daneben, und neben diesem eine Jagdtasche. Man nahm anfangs eine» Mord durch einen Wilddieb an. Bei der vorgestern erfolgten Obduktion wurde nun aber konstatiert, daß die darauf hinzeigenden Ver- wundrugzen anderen Ursachen ihr Entstehen verdanken, lieber die Wunde rnr der Stirn einigten sich die Sachverständigen dabin, daß sie nicht von einer Schußwaffe herrühre, sondern daß Schmidt beim Niederfallen mit dem Kopfe auf einen kleinen Stein gestürzt sein müsse. Die Schrammen an der Hand sollen nach dem ärztlichen Befunde von den Pfote» des Rehes herrühren, das sich im Todes- kämpfe noch geqen die Fesselung gewehrt habe. Der unmittelbare Tod des Schmitt wird von den Aerzten auf Erstickung, jedenfalls infolge von Hitzschlag, zurückgeführt. Braune und grüne blut- unterlaufene Flecken, die der Körper des Toten an Hals und Brust ausweist, rühren nach Ansicht der Sachverständigen von Schlägen her, die Schmidt wahrscheinlich vor seinem Tode von einigen Genossen auf dem Pllrschzuge erhalten hat. Eine gar wundersame Erklärung. Nenn Mark monatliche Jnvalidcnpcnsion! Auf dem Haus- flur hat sich in der vergangenen Nacht der 22 Jahre alte Handlungsgehilfe Albert Börner, der Sohn eines Malermeisters aus Leipzig, erschossen. Der junge Mann verunglückte als Soldat beini 107. Regiment und bezog eine Invalidenrente von V M. monatlich. Seit November bei dem Lithographen Bluhme in der Alten Jakobstr. 71 lvohnhaft, beschäftigte er sich mit Werbungen für den deutschen Flottcnverein. Gestern ging Börner aus, mn seine Pension zu holen. Heute morgen zwischen 1 und 2 Uhr hörten Hausgenossen ihn heimkehren. Rachdeni er eben die Hausthür verschlossen hatte, krachte auf dem Flur ein Schuß. Die nächsten Anwohner fanden den jungen Mann mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe schwer verwundet daliegen. Die Wirtsleute holten einen Arzt, der jedoch nur»och denTod feststellen konnte. Nach einem hinter- lassenen Briefe scheint Liebesgram die Ursache des Selbstmörders zu sein. Daneben mögen aber auch mißliche wirtschaftliche Verhält- msse mitgespielt haben. Von den erhobenen v M. fand man kemen Pfennig mehr. Ein unangenehmer Liebhaber. Es ist hier ein Mann zur Haft gebracht worden, der überführt ist, seit April d. I. im Tier- garten lviederholt Taschendiebstähle an Frauen in der Weise begangen zu haben, daß er sich als Liebhaber aufgedrängt hat. Den Umstänoen nach ist anzunehmen, daß auch Frauen auf diese Weise bestohlen worden sind, die den Vorfall nicht zur Anzeige gebracht haben. Die Geschädigten werden ersucht, sich wochentags zwischen 9 und 12 Uhr vormittags im Zimmer 97 des Polizeidiensl-GcbäudeS, Alexander- straße 3—6, Eingang Stadtbahnseite, zu melden. Von besonderem Mißgeschick wurden Montagabend die Fahr- gaste des Dampfers„Kaiserin Friedrich" von der Sternlinie be- troffen. Frohen Mutes waren sie nachmittag« 2 Uhr nach Nene Mühle abgefahren, aber vergeblich hofften ihre Angehörigen lange Zeit auf ihr Wiederkomnien. Als die für die Rückkehr angesetzte Sttmde längst vorüber war, erkundigte man sich besorgt bei dem diensthabenden Beamten an der Abfahrtsstclle nach dem Grunde der Verzögerung. Man erhielt die tröstliche Auskunft, ein Unglück wäre nicht passiert, und man könne ruhig sein, das Schiff würde durch zwei bei Neue Mühle festgeratene Ziegelkähne aufgehalten. Aller- dings könnte die Verzögerung bis zwei Uhr nachts dauern. Für- sorglich hatte inzwischen die Direktton der Sternlinie zlvei Dampfer nach Neue Mühle abgesandt, aber schon vor deren Ankunft Ivar die „Kaiserin Friedrich" freigekommen. So gelang es den thatkräftigeu Bemühungen von Kapitän und Mannschaft, die Fahrgäste unversehrt schon um Va2 Uhr in Berlin zu landen. Im N e d l i tz e r Gelände karamboliette am Montag ein Danipfer der Jungfernsee-Linie mit einem Sterndampfer, wobei ersterer gegen die Prellpfähle gedrückt und beschädigt wurde, während letzterer sich schräg legte, so daß die Wellen über Bord gingen. Der Unfall ist, dem„Berk. Tagcbl." zufolge, darauf zurückzuführen, daß die Dampfer der Jungfernsee-Linie, wie dies schon vielfach vorgekommen ist, ent- gegen den Fahrvorschriften, den Dampfern anderer Gesellschaften, selbst bei enger Fahrstraße, vorausfahrcn wollen, um dadurch den Passagieren zu beweisen, daß sie trotz ihrer geringen Größe doch leistungsfähig sind. Auch an der schnialen Glicnicker Brücke sind schon wiederholt ähnliche, recht gefährliche Experimente gc- macht worden. Straßensperrung. Die Gneisenaustraße von der Solms- bis zur Schleiermacherstraße wird behufs Umpflasterung vom 7. August ab bis auf weiteres für Fuhrwerk und Reiter gesperrt. Theater. Heute Donnerstag singt Heinrich Bötcl ü» Schiller- Theater(Marwitz- Oper) zum letzten Male„Martha": am Sonnabend wiederholt er»Die weihe Dame" und verabschiedet sich am Mvmag. Morgen streitag wird aus vielsach an die Direktion gelangte Wünsche, bei halben Preisen, Lortzüigs beliebter„Waiienichmied" wtederdolt.— Eii'abcth Gorcwa, welche gegenwärtig als Gast im Ostend-EarlWeih- Theater weilt, t«tt heute zum letzten Male aus und zwar als Adrienne Lceouvreur.— Am Sonnabend geht die Novität„Die Subanerin" zum erstcnmale in Apollo-Theater wird„Frau Luna" nächsten Dienstag zum Ivo. Male gegeben. Zu der Vorstellung werden verschiedene Ueber- raschunge» vorbereitet. Auf der„Treptow> Sternwarte" spricht Direktor Archenhold heute Donnerstag abends s Uhr, In dem mit zahlreichen Lichtbildern»uS- gestatteten Bottrag:„Ein Ausflug In die Sternenwelten", besonders über die beiden großen Planeten Jupiter und Saturn, die jetzt allabendlich mit dem Rieierefrnttor gezeigt werden. Zu diesem Vottrage haben auch die Vereinskatten Gültigkeit und Schüler zu ermähtgten Preise» Zutritt. Feuerbericht. In den letzten Tagen wurde die Feuerwehr mehr- fach in Anspruch � genommen. Luisenstraße 27 hatte sich Bohnerrnasse entzündet, wobei Thülen und Treppen beschädigt wurden. Potsdamer straße 77 war ein kleiner Zimmerbrand abzulöschen. Große Verqualmung herrschte bei emem Feuer, das Spener straße 14 ausgebrochen war und hauptsächlich Kisten«, Papier- und Wergvorräte zerstörte. Schiller st raße 8 bramite eine Wagenremise mit Wagen. Preßkohlenbrände ivaren Brunnen st raße 34, Händel st ratze 11. Luisen- straße 31 und auf dem N o r d b a h n h o f abzulöschen. Betten und Möbel gingen Kleine Andreas st raße 16 und Rheins- b e r g e rst r a ße 16 in Flammen auf. LluS de» Nachbarorte». JohaUttiSthal-Nieder-Schöncweide. In einer heute abend 8 Uhr bei Senftlcbe» in Johannisthal stattfindenden öffentlichen Versammlung spricht Dr. Friedeberg über die Tuberkulose und die Bedeutung der Lungenheilstätten. Zahlreiches Erscheinen be- sonders der Frauen erwartet Der Vertrauensmann. Zu der Ergreifung des Mörders Rchm in B l u m b e r g, die wir bereits meldeten, teilt baS Berliner Polizeipräsidium noch folgendes mit: Der Mörder der unverehelichten Frädrich ist durch den am 29. Juli aus Berlin nach Blnmberg entsandten Kriminal- komnnssar festgenommen und zum Geständnis gebracht. Die Mord- Waffe, ein Taschenmesser, ist in seinem Besitz noch vorgefunden worden. Der Mörder war der Liebhaber der Ermordeten, obgleich er selbst verheiratet ist. Die Ermordete befand sich in anderen Um- ständen. Räch seiner Angabe hat er ihr aufgelauert, sie umgefaßt, mit ihr geschäkert und, als sie sich niedersetzen wollte, ihr das Messer von hinten her seittvärts in den Hals gestoßen und durchgezogen. Als die so Ueberfallene, am Erdboden liegend, noch Lebenszeichen von sich gab, ergriff der Mörder einen Stein und schlug sie auf den Schädel. Nach dem Morde ist der Thäter schnell nach Hause ge- laufen, hat sich umgezogen»nd ist dann zum Mähen gegangen, so daß es ihm beinahe geglückt wäre, sei» Alibi durch die Mitarbeiter nachzuweisen. Eine außerordentliche Sitzung der Schöneberger Stadt- derordneten-Versainmlung findet am Montag, den 7. August, statt. Außer der Prüfung der gegen die Richtigkeit der Gemeinde-Wählerltsten erhobenen Einwendungen, deren Zahl als genug bezeichnet wird, soll die Beantwortung einer von inehreren Stadtverordneten an den Magistrat gerichteten Anfrage betr.„die Kontrolle der Genuß- und Nahrungsmittel auf den öffentlichen Märkten" erledigt werden. In eigener Regte werden die Kanalisationsarbeiten in der Goßler- und Blankenbcrgstraße in der Gemeinde Friedenau her- gestellt. Von einem Unternehmer ist ein großer Teil des Terrains angekauft worden. Dasselbe soll parzelliert und dann verkauft werden. Schon in nächster Zeit werden daselbst große Mic�shäufer erstehen. Es handelt sich um den Anschluß der dort ltegenden Grundstücke an die öffentliche Kanalisation. Auf eine seltsame Art vernngliickt ist die 36 Jahre alte Köchin Elisabeth Funk, die bei dem Bankdircttor Romcick in der Kaiser-Allce Nr. 88/89 zu W i l m c r s d o r f in Stellung ist. Sie sollte gestern abend das Gaslicht anzünden, fiel, nachdem sie den Hahn aufgedreht hatte, infolge eines Schwiudelanfalles zu Boden und war nicht mehr im stände, sich zu erheben und den Hahn zu schließen. Als die Dien? Herrschaft sie auffand, hatte sie schon eine bedeutende Menge des ausströmenden Gases eingeatmet und ihr Zu- stand wurde, wenn auch nicht unmittelbar lebensgefährlich, doch so bedenklich, daß man sie nach Berlin in ein Krankenhaus bringen mußte. Aus Rixdorf. Eine S ch l a f st e l l e n s ch w i n d l e r i n wurde Dienstag in der Person!>er Schneiderin Marie B. aus Freiberg i. S. hier festgenommen. Sie hatte sich bei einer Frau H. in der Kopf- straße unter falschen Vorstellungen eingemietet.— In total heruntergekommenen und sinnlos betrunkenem Zustande wurde Dienstag der Freiherr von G o g k auf der Straße aufaeftmden und in das hiesige Poljzeigefängnis eingeliefert. Der Freiherr nennt sich „Reisender".— Einen Ketzsel mit siedendem Waller, den die Mutter auf die Erde gestellt hatte, goß sich das 6 jährige Töchterchen der Arbeiter M.'schen Eheleute� Knesebeckstr. 40 wohnhaft, über den Leib. Auf ärztliche Anordnung wurde das schwerverbrühte Kind nach dem Britzer Kreiskrankcuhaus gebracht, wo es lebensgefährlich dar- niederliegt. ZwaugSUttimisi für die Bäcker der Vororte. Die in Britz und Umgebung ansässigen Bäckermeister haben jetzt bei dem Rc- gierungspräsidenten zu Potsdam den Antrag auf Errichtung einer Zwangsinnung für ihr Gewerbe gestellt. Es ist von ihnen vor- geschlagen, den Jnnungöb�zirk auf die Orte Britz, Treptow, Buckow, Rudow, Schonckeld, Groß-Zicthen, Selchow und Waßmannsdorf auszudehnen. Als Komnrrsiar zur Feststellung, ob die Mehrheit der beteUigten Gcwerbelreibenben der Einführung des Beitrittszwanges zustimmt, ist der Landrat des Kreises Teltow bestellt worden. Alls Spftnda» wird uns berichtet: Entschieden Pech hat die Stadtgemeinde Spandau mit einigen städtischen Einrichtungen. Erst im vorigen Jahre gaben die Stadwäter ihre Zustimmung dazu, daß innerhalb der Stadt ttncg« öffentliche Bedürfnisanstalten errichtet wurden. Diese verschtviegenen Orte sind nun bereits seit längerer Zeit fettig; trotz aller öffentlichen Ausforderungen seitens des Ma- gistrars will sich aber kein Unternehmer finden, der die Anstalten in Betrieb setzt. So haben die Spandauer jetzt zlvar Bedürfnisanstalten, aber nur als gierrat der Stadt. Zu spät ist man behördlichcwseits zu der Enisicht gekommeil. daß die ob ihrer Kulanz früher so sehr gerühmte Allgemeine Elcktncitäts- gesellschast bei Ausstelliing ihrer Forderungen für die Abgabe von Kraststrom an das„städtische Elektricitätsivcrk i» Spandau" sich als die klügere Rechueriu eriviesen hat, denn die vertraglich festgesetzten Preise stellen sich jetzt als so hohe heraus, daß allein' die städtische Kläranlage und die Pumvsültton für Kraft- und Lichtstrom monatlich jetzt im Sommer etwa 3590 M. ausgegeben haben. Daher steht eine Erhöhung der Kanalisationsgebühr in ziemlich sicherer Aussicht. Von der Liebesgabe des amettkanischen Goldonkels hört man in Spandau auch nichts weiter. Von einem Rangierzuge überfahren wurde gestern Morgen zcgcn 9 Uhr der Arbeiter Scholz, welcher bei der hiesigen Firma i. Haurlvitz n. Co. beschäftigt ist und nach Spandau geschickt war, um dott einige der Firiwä übertragenen Arbeiten auszuführen. Während Sch. einen Sack mit Sand herbeiholen wollte, mußte er vor einem Rangierzuge Vorbeigehen. In demselben Augenblick setzte sich aber der Zug in Bewegung, und che der Arbeiter noch die Zu- rufe seiner Kollegen, bei Seite zu spttngen. hörte, hatte ihn bereits die Lokomotive erfaßt. Dean Unglücklichen ivurden beide Beine ab> gefahren. Man brachte ihn sofott in ein Krankenhaus, wo er schon nach zwei Stunden seinen Verletzungen erlag. Vier Kinder verbrarmt. Aus Wriezen wird der„Ebers- walder Zeitung" über ein entsetzliches Unglück berichtet• Im benachbarten Frankenfelde sind in der letzten Nacht vier Kinder verbrannt. Der Eigentümer Domie bewohnt ein einstöckiges HauS, unten schlafen die Eltern mit den beiden jüngsten Kindern, oben in der Bodenstnbe schliefen die vier ältesten Knaben im Alter von 6 bis 11 Jahre». In der Nacht gegen 12 Uhr wurden die Eltern munter von einem Geräusch, das uch) wie prasselnder Hagel anhörte. Gleich darauf hörten sie. daß auch die Kinder wach geworden sein mußten, denn sie trampelten unruhig umher. Die Mutter stand auf, um »ach der Ursache zu forschen. Als sie aber die Bodenthür öffnete, schlugen ihr die hellen Flccmmen entgegen. Schnell war auch der Vater und der Knecht zur Stelle. Da der direkte Zugang zur Lodeukanimer nicht mehr möglich war, rückten sie eine Leiter a» die Giebelwand und schlugen das Fenster ein. Leider kamen sie zu spät. Die beiden ältesten Knaben kauerten unter dem Fenster und hatten sich mit Bettstücken zugedeckt. Die beiden jüngeren Knaben lagen in ihren Betten. Alle vier waren tot, die in den Betten zum Teil schon verbrannt und verkohlt. Ueber die Entstehung des Feuers ist nichts ermittelt. Von Herrn Fr. Jaroszewöki, dein Wirte des Restaurants „Feldschlößchen" zn Treptow erhalten wir folgende Zuschrift: In Ihrer am DienStag erschienenen Nummer berichten Sie über einen „blutigen Kampf" usw. Hierzu bemerke ich, daß in meinem Lokale „Feldschlößchen" noch nie Reibereien resp. Schlägereien stattgefunden haben. Außerdem ist von meinem Lokal, am fraglichen Sonntag niemand mittels Rüiczclsck?» Krankenwagens abgeholt worden. Ei» schlimnier ungüicköfall ereignete sich am Monwg in Potsdam an der Langenbrücke. Dott wurde durch einen Wagen der Straßenbahn ein sogenannter Vorspänner, der für die Fahrt über die Brücke noch ein Pferd vorzulegen hat, überfahren; dem Un« glücklichen wurde das Fleisch des einen Beines bis auf den Knochen aufgerissen. Aus Sparsamkeitsrücksichten nimmt die Straßenbahn für diesen gefährlichen Vorspännerposten nur ganz junge, eben erst aus der Schule entlassene Burschen oder ganz alte Leute. Das hat sich nun bitter gerächt, denn der jugendliche, sehr kleine Vorspänner kain zu Fall, als er mit einem Sandkasten aus den Pferdebahnwageu springen wollte. Gettntzks Schwere Strafe. In heutiger Zeit, wo geringftigige Verfehlungen gegen. die„Autorität" des Unternehmertums oft genug an den Arbeitern mit auffälliger Härte gesühnt werden, finden wirk- liche Ungehöttgkcitcn natürlich eine doppelt schwere Strafe. Dies wurde dem Tischlergesellen Karl F e l s k e klar, der sich gestern wegen wissentlich falscher Anschuldigung vor der zweiten Ferienstrafkammer des Landgettchts I zu verautwotten hatte. Der Angeklagte stand bei dem Tischlermeister Max Paul in Arbeit. Am 11. Februar beteng er sich in der Wettstatt so un- gehörig, daß dem Meister schließlich nichts anderes übrig blieb, als ihn abzulohnen. Als in der Arbeitskarte noch eine JnvaliditätS- marke einzukleben Ivar, löste der Meister, dem darum zu thun war, den unbequemen Gesellen so schnell als möglich los zu werden, aus der Arbeitskarte feines Altgesellen eine noch nicht mit dem Datum versehene Marke wieder loS und klebte sie in die Katte de» Angeklagten. ES geschah dies in Gegenwatt der übrigen Ge- sellen, welche auch die Bemerkung des Angeklagten hötten:„Da sieht man ja, wie'S gemacht wird, aus der einen Katte werden die Marken herausgenommen und in die andere werden sie wieder eingeklebt." Der Meister erwiderte ihm, daß er sich darum nicht zu kümmern habe, er werde die Jnvaliditätsckatte des Altgesellen schon wieber er- gänzen. Als der Angeklagte sich darauf enrfernen sollte, weigerte er sich und benahm sich dabei beratt, daß die übrigen Gesellen sich ihres Meisters annahnten und den Ruhestörer recht unglimpflich hinausbeförderten. Dieser erstattete dam, bei der Behörde Anzeige, daß sein früherer Meister bereits einmal benutzte Marken noch einmal benutzt, ihm auch einige Marken aus seiner Arbeits- katte entwendet habe. Es wurde bald festgestellt, daß die Anschuldigung dmch nicht» zu begründen war. Im gestrigen Termine traten sämtliche früheren Arbeitskollegen des Angeklagten gegen ihn als Belastungszeuge» auf. Der Vorsitzende. Landgerichtsrat Opitz, bezeichnete die Handlungsweise des Angeklagten als einen Ausfluß bodenlos gemeiner Gesinnung, nach dem Antrage des Staatsanwalts sei derselbe zu einer Gefängnis- strafe von neun Monaten und zweijährigem Ehrverlust ver- urteilt worden. Das Urteil soll in einer hiesigen größeren Zeitung veröffentlicht iverden. Bei der Höhe der erkannten Strafe wurde die sofortige Inhaftnahme des Vcrutteilten verfügt. Wie Preußen zum gelobten Lande ward. Durch unreelle Bedienung der Auftraggeber hatte sich die Inhaberin der Karten- Verlagsanftalt Hennaün Wruck, die Witttve Marie Wruck, eine An- klage wegen Betrugs zugezogen, welche vor dem Schöffengerichte damit geendet hatte, daß sie zu einer Geldstrafe von 60 Matt� verurteilt worden war. De», Staatsanwalt war dies Strafmaß zu niedrig, er legte Berufung ein, worauf die Sache gestern vor der dritten Ferienstrafkammer des Landgerichts I zur nochmaligen Verhandlung gelangte. Es wurde eriviesen, daß verschiedene auswärtige Besteller Karten zum Preise von 20 bis 23 M. erhalten hatten, welche nach dem Gutachten deS gerichtlichen Sachverständigen kaum eine Mark wett waren. In einem Falle schien eine Katte aus alten Auslagen zusammengesetzt zu sein. Ein Lehrer im Holsteinschen erhielt anstatt einer Wandkarte von Palästina eine solche von Preußen. Da der Preis durch Nachnahme erhoben wurde und die Firma Reklamationen unbeachtet ließ, so fühlten die Besteller sich betrogen. Als die Strafanzeige erstattet war, hat die Angeklagte den einen Beschwerdeführer entschädigt. Da die Angeklagte bereits früher wegen des gleichen Vergehens vorbestraft ist. so schenkte der Gerichts- hos ihren Angaben, daß die Mängel auf Nachlässigkeit ihres Personals zurückzuführen seien, keinen Glauben, sondern verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 300 M. Der Staatsanwalt hatte vier Wochen Gc- fäiigiiis beantragt._ Vevsstttttttlungett. Die Lobnbewcgnnfl der Putzer stand ans der Tagesordnung einer öffentlichen Versammlnna, die am Dienstag in Cohns Saal tagte. Da die Vntzcr nicht zufrieden sind mit den Beschlüssen, welche die Generalversammlung des Unternehmerbnndes hinsichtlich der Forderungen der Putzer gefaßt hat, so fanden am vergangenen Freitag erneute Verhandlungen zwischen Vcttretern der Unternehmer und der Putzer statt, woniber dle Vertreter der letzteren folgendes berichteten: Tie Unternehmer hätten sich weder zur Einführung der Lohnarbeit, noch zur Anerkennung der 8'/sstü>idigen Arbeitszeit bereit finden lassen. Sie wollten die Accordarbeit beibehalten und es dabei in jedem Falle den betreffenden Putzern und Unter- nehmen, überlassen, wie sie die Arbeitszeit festsetzen wollen. In Lohn solle 9 Stunden gearbeitet werden. Dagegen hätten es die Arbeitgeber als ihre Pflicht anerkannt, ausreichendes Rüswngs- matett'al zu stellen, und, wenn bei Licht gearbeitet werden soll, für Lampen und Beleuchtnngsmaterial Sorge zu tragen. Hin- sichilich der Abschlagszahlung, die zur Zeit 7 M. pro Tag beträgt und nach den Forderungen der Putzer auf 8 M. erhöht werden soll, hätten sich die Unternehmer nach längeren Auseinandersetzungen dahin ausgesvrochen, daß sie nicht ab- geneigt ivären, vom 1. September ab 7, 60 M. und vom 1. April nächsten Jahres ab 8 M. zu zahlen, falls die Generalversammlung des Bundes, die nicht vor Ende August stattfinden kann, sich damit einverstanden erklärt. Ueber die Bezahlung der Putzetträger durch die Uutcniehmcr ldie Träger werden jetzt von den in Accord arbeitenden Putzern bezahlt) konnte keine Einigkeit erzielt werden. Die Redner, welche in der Diskussion das Wort nahmen, sprachen sich dahin ans, daß das, was die Unternehmer bewilligen wollen, keme Zngestäiidnisse, sondern in mancher Hinsicht sogar Verschlechterungen der bisherigen Arbeitsbedingungen seien. Man könne sich damit nicht zufrieden geben. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Versammlung ist mit dem, was die Unternehmer in der letzten Konferenz mit den Vertretern der Putzer bewilligt haben, keineswegs zufrieden, sie spricht vielmehr ,hre Entrüstung darüber aus, daß die Herren Arbeitgeber bis jetzt kein annehmbares Entgegenkommen gezeigt haben. Die Versammlung beschließt, be« barrlich auf ihren am 27. Juli aufgestellten Forderungen zu be- stehen und zu geeigneter Zeit mit aller Kraft für die Durchftihrung dieser Forderungen einzutreten, wenn die Herren Arbeitgeber kein weiteres Entgegenkommen zeigen. Die arbeitannehmenden Kollegen verpflichte» sich, für alle nach dem 1. September zur AuS- führung kommenden Arbeiten nur solche Vetträge einzugehen, wonach 8 Mark Abschlagszahlung bei 8l/z stündiger Arbeitszeit bewilligt werden und das Herbeischaffen des Materials Sache des Arbeit» gebers ist. Hierauf erstattete Kelpin den Kassenbericht der Lohnkommission für die Zeit von, 13. September 1898 bis 7. Juli 1899. Die Ein- nahmen betrugen 18 028,47 M., die Ausgaben 9349,02 M., bleibt Bestand 9079,43 M. Auf Autrag der Revisoren wurde der Kom- Mission Decharge erteilt. Der Verein zur Wahrung der Interesse» der Maurer hielt am 30. Juli in den„Borussia-Sälen", Ackerstr. S/7, seine ordent- liche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Steinmetz Schauerhammer einen kurzen Bericht über den Stand des Steinarbciterstreiks und ersuchte die Anwesenden, die Streikenden zu unterstützen. Dem stimmte die Versammlung zu. Hierauf gab der Kassierer Wilh. Garbe die Abrechnung vom zweitete Quartal. Darnach hatte der Verein tnkl des alten Bestandes von 4001,76 M., eine Gesamteinnahine von 8800,71 M. zu verzeichnen. Die Ausgaben betrugen 2974,62 M., so daß ein Bestand von 6826,09 M. verbleibt.' Aufgenommen wurden in diesem Quartal 443 Mitglieder. Krankenwochcn sind 662 verzeichnen. Die Abrech- nung wurde von den Revisoren als richtig bestätigt. Alsdann wurden einige Ergänzungswahlcn vollzogen. August Dietrich wurde als Revisor gewrihlt. Zu Hilfskassiereri, wurden ernannt: Für den Norden: August L ö w e n st c i n, Strelitzerstraße 45. Oranienburger Borstadt. Hermann Klatte, Gartcnstt. 61. Weddüig: W i'l h. Z s ch o ch, Adolsstr. 12b. Moabit: Franz Koslowski, Brcmerstraße 49. Weste«: F. Heidepriem, Frobenstraße 39. Süden: Leideritz, Blücherstraße 66. Südosten: Dittmann. Reichenbergerstratze 96 a. Nordosten: Heinr. Strehmel, Lychenerstraße 6. Osten: I o h. N i t s ch k e, Langestraße 93. Im weiteren wurde ein Antrag: Die Hilfskassierer für den Zahlabend mit 0,76 M. zu entschädigen, angenominen. Dann wurde bekannt gegeben, daß die Zahlstellen: Nieder-Schönhausen, nach Wollank- straße 113 bei Blaurock, die von Weißensee nach Friedrichstraße 35 verlegt sind. Verband der Puchbinder tc. Die Zahlstelle Berlin hielt am 26. Juli ihre ordentliche Generalversamnilung ab; der Vorsitzende machte von dem Ableben des Mitgliedes Worczbizkh Mitteilung, die Versammlung ehtt das Andenken des Verstorbenen ,n üblicher Weise. Kollege H i li z erinnert an die Beschlüsse der Spa»dauer Arbeiter« schaft betreffs der Brauerei Pichelsdorf und ersucht die Versammlung, die Beschlüsse zu den ihrigen zu machen. Der Bevollmächttgte gicbt nun den Geschäftsbettcht: Es fanden statt: 1 ordentliche General- Versammlung. 4 Mitgliederversammlungen, deren Besuch ein besserer sein konnte,>11 Sitzungen der Ottsverwaltung; in der Bnchbindcrbranche: 11 Werkftuben-Sitz, mgen, 2 Sitzungen der Delegierten, 1 kombinierte der Wcriswben- Vertrauensleute und Ottsverwaltung, 9 Tarifsttzungen, 1 Sitzung(mit den Unternehmern) zur Regelung der Bezahlung der Ueberzeitarbeit. In der Lcderwaren- und Galanteriebranche fanden statt: 6 Werk» stuben-Vcrsamiillungen, 1 Morgensprache, 1 Delegierten-Versammlung und 1 öffentliche Versammlung; in der Luxuspapier-Branche habe» 3 Dclegierten-Bersammlungcn und 2 Werksiuben-Bersamm- hingen stattgesunde». Aus der Kontobuch-Branche konnte nichts berichtet werden, außer über 1 Werkstuben- Versammlung bei AShelm, Ivo eS sich um eine Richtigstellung einer im vorigen Generalversammlungsbericht gebrauchten unglücklichen Satzwendung handelte.— Der Mitgliederbestand ist: Männliche Mitglieder im I. Quartal: 1401, weitergeführt IS, aufgenommen 117, zu- gereist 14, zusammen 1573; hiervon abgereist 3S, freiwillig ans- getreten 4, der Zahlstelle Charlottenburg überwiesen?, dem 10. Gau überwiesen 1, gestrichen 120, gestorben 2.— Weibliche Mit- g I i e d e r: Bestand 770, wcitergefiihrt 3, aufgenommen 183, zusammen 912; davon sind freiwillig ausgetreten 12, der Zahlstelle Charlottenburg überwiesen 1, gestrichen 136.— Mitgliederstand im II. Quartal 2153, Verlust 25 Mitglieder. Lemser gicbt den Kassenbcncht. Centrallasse: Ein- nähme: An Beiträgen 6641,75 M., Aufnahmen 93,30 M. Markenmanlo 4 M., zusammen 6749,05 M.; Ausgabe: Arbeits- losen- und Reise-Untcrstützung 854,25 M., Gemabrcgelten- Unter stützunq 36 M., Rechtsschutz 48,13 M., 20 �roz. der Beiträge am Ort behalten 1330,35 M., an den Centralvorstand abgeliefert 4480,32 M. zusammen 6749,05 M.— L o k a l k a s s e: Einnahme: 20 Proz. der Beiträge 1330,35 M., Ueberschuß vom Vortragsabend 253,37 M 236 Broschüren 44,72 M., Maisaminlung 394,33 M., Bibliothek 47,50 M., Summa 4505,40 M.; Ausgabe: Vorträge 12 M., Bibliothek 61,75 M., Drucksachen 52,50 M., Bureau 664,14 M., Inserate 144,80 M., Entschädigungen 127,48 M., antzerordentliche Unterftützimc an die Steinsetzer 87 M., nach Dänemark und an die Maurer Berlins 200 M.. sonstige Ausgaben 49,14 M., Summa 1398,76 M. V e st a n d am Schluß des ll, Quartals 3106,64 M. Das Stiftungsfest brachte einen Ueberschuß von 70,60 M., der Pfingstausflug 1,35 M. Bergmann gicbt den Bericht des Arbeitsnachweises Arbeitslos waren 343 männliche, 260 weibliche Personen; verlangt wurden 211 männliche, 290 weibliche Personen; zur Aushilfe bis zu 1 Tag: 149 männliche, 1 weibliche, bis zu 3 Tagen 7 männliche, 4 weibliche. Eingestellt 139 männliche, 160 weibliche. Zur Aus Hilfe bis 1 Tag 154 männliche, 1 weibliche, bis zu 3 Tagen 6mä>m liche, 2 weibliche Personen, Den Bericht der Bibliothek giebt H o f f in a n». Bücherbestand am 1. April 1899 700 Lände, New anschaffung, vollständig geworden und geschenkt 27 Bände, zu- summen am 1. Juli 1899 727 Bände. Benutzt wurde die Bibliothek von 349 männlichen und 236 iveiblichen, zusammen von 585 Personen. Der Zahlstelle Charlottcnburg werden laut Beschluß eine Anzahl Bücher überwiesen. Bei den Ergänzungs tvahlc» zur Ortsverwaltung werden die Mitglieder Schu bma ch e r als erster Bevollmächtigter, Kloppe, erster Schriftführer, Gerhardt, zweiter Schriftführer, Conrad als Beisitzer gewählt. Als Hilfs kassierer werden für Zack, Heinrichsplatz: Scheibe; für S troh meyer. Nathenowerstraße: C a l o w und für S t e c gc r Danzigerstraße: N o h l e gewählt; als Ersatzkassierer Koch und Stärkend eck. Auf Antrag Conrad findet Vertagung statt und wird die nächste Versammlung als außerordentliche General Versammlung tagen. Neger Besuch wird erwartet. Tie Fliesenleger tvaren am Dienstag versammelt, um zw nächst den Bericht des Vertrauensmannes B a b e r s k y entgegen zu nehmen. Mit dem Bestand vom letzten Halbjahr 1868 in Hohe von WO, 61 M., betrug für das erste Halbjahr 1899 die Gesamt- Ein ii ahme 1387,61 M. bei einer Ausgabe von 933,40 M. sdanmter über 200 M. für Streikende jc. anderer Berufe), so daß ein B e- stand von 454,21 M. verbleibt; für die ausgesperrten Fliesenleger bei der Firma Roscnfcld betrug die durch Marken und Sammlungen erzielte Einnahme 939 M., die A n s g a b e 871,15 M„ wovon ein B e st a n d von 67,85 M. verbleibt, Nach einigen Nichtig stell, inaen über den Kassenbericht wird auf Antrag der Revisoren dem Vertrauensmann Entlastung erteilt. Die bisherigen Delegierten bei der Gcwcrkschaftskommission, Weg euer und Propp, bemängeln in ihrem Bericht über deren Thätigkeit den Tcrrorismus der centralisierten Gewerkschaften gegenüber den lokalen, namentlich in Bezug auf den Abstimmungsmodus, der gegen das demokratische Princip verstoße. Nach einer längeren und sehr lebhaften Besprechung, in deren Verlauf sich sämtliche Redner im Sinne der Delegierten äußerten, gelangte ein Antrag H u p I e zur einstimmigen Annahme: Die bisherigen Delegierten der Fliesenleger bei der Berliner Gewerkschaftskommission zurückzuziehen und damit zugleich alle weiteren Beiträge für die Kommission zu verweigern I Begründet wurde der Antrag damit, daß die Gcwcrkschaftskommission zwecklos und demnach ihre Existenz überflüssig sei. Hierauf wurde ein von T h i e in c namens der lokalen Gewerkschaften verfaßter Aufruf zu Gunsten der Ausgesperrten in Dänemark verlesen und zu weiterer Unterftützuim für dieselben aufgefordert. Dem Vertraucnsniann wurde die Ermächtigung erteilt, außer den bereits gezahlten 50 M. für die dänischen Ausgesperrten noch weitere 50 M. zu übersenden. Eine längere und erregte Besprechung zeitigte die Angelegenheit Knvpchen, die demnächst in einer Maurerversammlung endgültig er- lcdigt werden soll. Die Stucrateure Berlins und Umgegend hielten am St. Juli eine öffentliche Versammlung ab. Im 1. Punkt gab der Vertrauens- mann D a s ch ü t t den Bericht vom letzten Jahre, indeni er nach einer aufgenommenen Statistik die Verhältnisse der einzelnen Werkstätten klarlegte. Unter anderem wies Redner darauf hin, daß die meiste» Kollegen mit der Regelung ihrer Strcikkarten sehr nachlässig waren. Hierauf gab Kollege B a r s a n t i die Abrechnung vom Streikfonds, welche folgendes ergab: Einnahme mit altem Bestand 2133,95 M., Ll-.'sgabe 1015,75 M.. bleibt ein Bestand von 1 1 18,20 M. Mehrere Kollegen ersuchten, den erlänipften Lohntartf aufrecht zu erhalten und im Herbst von neuem mit Lohnforderungen vorzugehen. Es wurde ein vom Kollegen R ö S n e r gestellter Antrag angenommen, den Streikfonds und die spätere Regelung desselben nach Einziehung der alten Karte» vom September ab der Filiale zu überweisen. Der zweite Punkt wurde, da die Liquidationskommission mit ihrer Abrechnung noch nicht fertig war, auf die nächste öffentliche Versamnilung, welche am 14. August bei BuSke stattfindet, vertagt. Unter Verschiedenem er- suchte Kollege Daschütt, das Bier der Brauerei Pichelsdorf zu melden. Den ausgesperrten Arbeiter» Dänemarks wurden 300 M. überwiesen, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Centralvcrbaud der Konditoren.(Mitgliedschaft Berlin.) Jeden Donnerstag nach dein l.und 16. öffentliche Mitgltcder-Versanimlung, Rofen- thalerstr. 67, Restaurant Schiller. Central- Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(E. S. Nr. 3, Hamburg). Die Miiglieder der OrtSverwaltungen Berlins und Umgegend versammeln sich am Freitag, den 4. August, abends 8«/: Uhr, im Englischen Garte«, Alexanberstr. 27 c. Vevnnschkes. Ter TyphuS iu Löbtau. In Löbtau sind amtlich wieder zehn neue Typynscrkrankungen und ein Todesfall gemeldet worden. Die Gesaintzahl der Erkrankten ist nun bis auf 250 gestiegen. An ein Erloschen der vcrhercnden Seuche ist vorerst nicht zu denken. Die Absperrung der verseuchten Wasserleitung ist bereits in Angriff genommen. Nach dem Urteil der Sachverständigen dürfte erst in etwa zehn Tagen ein Rückgang der Epidemie zu konstatieren sein. Im Anschluß aa den in Naumburg a. S. stattgehabten zwölften deutschen T u r n e r t a q fand gestern in Freqburg a. Unstrut die Grundjteiulegunc) zum I a h n- M u s c u m statt. Dr. Götz-Leipzig- Lindenau hielt die Festrede. Gefährdung eines Etsenbahuzuges. Die Direktion der Storgard-Küstriner Eisenbahn erläßt folgende Bekauntmachung: Am 19. Juli ist der Zug ans der Fahrt zwischen Bernstein und Berlin che« vormittags zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Ucber- gange des von der Bernsteiiicr Chaussee nach der Papiermühle führenden Waldlveges durch Auflegen eines fünf Kilogramm schweren Steines ans die Schienen gefährdet worden. Derjenige, der zur Entdeckung des Thntcrs beiträgt, erhält eine Belohnung von 100 M. Der Photograyh Max Priester, Teilhaber der Firma Wilcke u. Priester, der wegen Hausfriedensbruchs, begangen im Sterbezimmer des Fürsten Bismarck auf Schloß Friedrichsruh, von der Straftammcr in Altona zu 3 Monaten Gelängiiis verurteilt ivorden war, wird jetzt von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgt. Priester hat sich der inzwischen rechtskräftig gewordenen Sfrase durch die Flucht cntzogcy und soll, wie verlautet, bereits das Ausland erreicht haben. Seine beiden Teilnehmer an dem nächt- lichen Hausfriedeiisbruche, der Photograph Wilcke und der Förster Spörcke, welche ebenfalls zu empfiudlichcn Freiheitsstrafen verurteilt worden sind, haben ein Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet, worauf die Entscheidung noch aussteht. Eine FcuerSbrnnst richtete gestern im Zoologischen Garten zu Nizza großen Schaden an. Viele seltene Tiere sind unigekommen. I» Poltaiva berstarben von 14 Bauernknechten, die sich durch den Genuß von verdorbenem Weißbrot vergiftet hatten, neun, während die übrigen schtver krank darnieder liegen. Wie aus Budapest berichtet wird, schädigte der pensionierte Rechnungsrat Gubitsch den Staat um mehr als 100 000 Gulden dadurch, daß er ans gefälschten Pensionsbogen Pensionen längst Verstorbener erhob. Gubitsch wurde verhaftet und ist geständig. Aus Linz wird berichtet, daß im Gollinger Wasserfall die Leiche eines abgestürzten T o u r i st e n aufgefunden worden ist. Ei» amcrikanischcs Kuliurbild. Aus New D o r k wird vom 81. Juli berichtet: Eine heute erfolgte Doppcl-Hinrichtung durch Elekkricität in Singsing verlief außerordentlich aufregend und konnte mir nach UebeNvindimg ganz bedeutender Schwierigkeiten zu Ende geführt werden. Die Hinzurichtenden waren zwei Mörder namens Mncdonald und Bullcrsoii; letzterer, ein Neger, erlag sofort dem elften elektrischen Schlage, aber Maedonald widerstund der Ein Wirkung der elektrischen Batterie immer wieder und war, nachdem dreimal seine Tötung versucht worden war, noch gerade so lebendig wie vorder. Die Aerzte waren ratlos, und nun wurden die Gesamt- drähte der beiden verfügbaren Batterien kombiniert und der so erzielte Maximalstrom auf Macdonald gerichtet, aber auch diesem vierten Versuche widerstand der Verurteilte, und erst als ein fünftes mal der gesamte Maximalstrom auf ihn spielte, brach seine Lebens kraft zusammen, und auch diesmal erst nach etwa dreimal der sonst üblichen Zeit; man ließ den Gesamtstrom einfach so lange wirken, bis Maedonald kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Briefkasten der Redaktion. Tie tnristlfchc Sprechsiiinde wir» TicuSiag», D-nnerSwa»«»» ffrelingS abends»>u» 6 bis 8»ihr nligehiilte». W. H. Schon erledigt. Donath. Sie würden nicht zu wählen haben.— P. P. 100. Ein Test am etil nmst nit Gebiete des preußischen AUgememen Land- rechts unterschrieben und bei Gericht niedergelegt oder zu Protololl des Amtsgerichts erklärt seyi, um gültig zu sein. Dasselbe gilt für ein wechselseitiges Testament. Zeugen brauchen zur Anfertigung eines Testaments nicht zugezogen zu werden. Für ein wechselseitiges Testament ist etwa folgende Form zu empfehlen:„Wir(Nennen der Eheleutet fetzen uns ein- ander gegcnfcitig und unsere Kinder(Namen), sowie diejenigen Kinder, die uns etwa noch geboren werden, mit der Maßgabe zu Erben ein, daß der Ucbcrlcbcnde von uns die von aller Aussicht und Rechnungslegung befrei!« Verwaltung unseres beiderseitigen Lermöaeus bis zu seinnu Tode behält und kerechtiat ist, unter Lebenden über die Substanz zu verfügen. Was nach dcni Tode des Lctztlcbendru übrig bleibt, teilen dle anderen Erben nach der gesetzlichen Erbfolge. Für den Fall einer Wicdervcrheiratuug dcS Ueberlebenden hat Auseinandersetzung nach der gesetzlichen Erbfolge zu er- folgen. Wer von unseren Erbe» unser Testanient ansechteu sollte, den setzen wir auf PstlSitteU.' Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Htzhe des Objekts. Diekoste» für protokollarischeTestamentSaufgaien sind doppelt so hoch wie die für die Annahme eines offen oder versiegelt über- gebciien Testaments. Durch Benutzung obiger Anweisung wird a l so d i c H ä l f t e c r s p a r t. Die Kosten für die Annahme von Testanienten betragen: bei einem Objelt von L— 306 M.: 2,40 M.. von 300—450: 3,—, von 460-660: 3,60, von 650-900: 4,20, von 900-1200: 5-, 1200-1600: 6,-, 1600- 2100: 7- 2100- 2700: 8,-, 2700- 3400: 9,—. 3400- 4300: 10—, 4300- 5400: 11,-, 5400—6700; 12,-, 6700—8200: 13, 8200—10 000: 14,—, 10 000-12 000: 15,-, 12 000-14 000; 16,— M. und so steigen bis 30 000 M. bei je 2000 M. mehr Objekt die Kosten um je 1 M., so daß also bei Objekten von 28-30 000 M. die Kosten 24 M. betragen. Es betragen bei Objekten von 30- 35 000 M. die Kosten 26 M., bei Objcltcn von 85-40 000 M. 28 M. Bon da ab steigt es in der Kostentabeüe bei den Objekten um je 10000 M., Lei den Kosten um je 2 M., so daß also bei Objekten von 90—100 000 M. die Gebühren 40 M. betragen. Bon da ab steigen die Wertklasseu um je 10 000 M., die Gebühren um jc 1 M., so daß also z. B. die Tesiaiiieutsamiahme bei Werthen von 1990 000 bis 2 Millionen Mark 230 M. kostet. Die Koste» sind also wie durchweg in Gcrichtsjachcn bei niederen Objekten prozentual außerordentlich viel höher als bei hohen Werten. Wechselseitige Testamente gelten als zwei Testamente Der Fiskus erhebt ferner ein Fiinjtel der angegebenen Sätze für die Aufbewahrung der Testamente. Für die Eröffnung und Aus- ftrtiaung einer letziwilligen Verfügung wird so viel wie für die Annahme erhoben. Für die Zurücknahme eines Testaments ist, falls zugleich ei» anderes Testament überreicht wird, nichts, sonst die Halste der oben- genannten Gebühren. zu zahlen. Der einsachste und billigste Weg zur Anfertigung eines Testaments ist demnach nicht der prota- kollarische, sondern der: Sie setzen Ihren letzten Willen auf, achten dabei daraus, daß jemand zu Erben eingesetzt und kein Pflichtteils- erde(Kinder oder Eltern) übergangen ist. Sodann unterschreibe« Sie das Testament und überreichen es offen oder versiegelt, aber persönlich deni Amtsgericht. Machen Sie ein wechselseitiges Testament, so müssen beide Eheleute unterschreibe» und zu Gericht gehen. — Bi. H. 187-1. Schließen Sie wegen Beibehaltung des Kindes einen gerichtlichen Vertrag mit der Mutter, wenn Sie sicher sein wollen, daß die Mutter das Kind nicht zurückfordert. An sich hat nach Ihrer Darlegung nur die Mutter, nicht Sie, das Erztchungsrecht. Wegen der Alimente kann »roch geklagt werden. Da? von Ihnen erwähnte Arztgelb hätten Sie zu zahle».— Admirnl 100 R. Ist der Mietsvertraa gegen monatliche Miete geschlossen, so kann am 15. zum 1.(nicht umgekehrt) gekündigt werden. — C. K. 1. Wenn Sie nicht verklagt oder nicht Zahlungsbefehl gegen Sie erlassen war— letzteres scheint aber der Fall zu sein—, so ist die Forde- rung verjährt, sonst beitreibbar. 2. Gegenrechnen kann der Arzt.— C. R. 1. Ist uns unbekannt. 2. Nein.— M. K. 109. Die Briefe an sich würden nicht strafbar sein. Sie können als Grundlage für eine Ehe- scheiduiigs-Klage benutzt werden. Die Ehescheidung muß innerhalb eines Jahre»,' nachdem der beleidigte Gatte von dem Ehebruch Kenntnis erhalten hat, eingeleitet werden. Wegen des Ehebruchs tritt dann Bestrafung ein, wenn wegen desselben die Ehe geschieden und Bestrafung beantragt ist.— e. A. 20. 1. Beides ist möglich. 2. Ja. Der unterliegende Teil tr»gt die Kosten. 3. Die Thatsacheu kann man unter Beweis stellen. Dieselben töiilie» von Einfluß auf das Gutachten sein. 4. Der Kläger. Beschwerde ist zulässig. 5. Klage beim Gericht.- W. W., Rixdorf. 1. Ja. 2. Ntzin. Marktpreise von Berlin am 1. Rnflnst 1890 nach Eruiiiteluiigcii des kgl. Polizeipräiidiums. D.-Ctr. �Weizen ftRaggen Futter-Gerste„ Haser gut „>u Niel, gering Nichtstroh Heu ff) Erbsen ff)Tveiscboh»eu« ffiLuifeu„ Karffofseln, neue Rindfleisch, Keule lüg do. Bauch„ *) Ermittelt pro 16- 15,- 13,60 15,60 14,90 14,30 4,16 8- 40,- 50,- 70,- 10,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück K? per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4,- 2,00 2,80 2,hQ 2,40 1,80 2,50 1,40 12- IE 2,- 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,10 0,80 2,- 14,70 If-0 16,- 14,40 13,80 3,82 3,80 25,- 26,- 30,- 6,— 1,20 1,- | I.......... JH Ji_____ von der Eeiitralstelle der Preüß. Landwirt- schastskammer- Noticrniigsslelle- und umgerechnet vom Pollzeiprästdium sür den Doppel-Eeutner. ff) Kleinhandelspreise. Produkten in arit vom 2. August. Der Getreidemarkt zeigte flaue Tendenz infolge schwächerer Preismeldungen aus Parts, New Jork und Chicago. Weizen und Roggen gingen am Frühmarkt je 1 M. zurück, erholten sich jedoch uilttags und verlehrten schließlich wenig uiiier gestrigen Preisen. Hafer blieb fast niwerändert, Rübäl behauptete die gestern noch nachträglich um 0,40 M. ermäßigten Schlußpreise. Kartosfclfabrikate. Feuchte Kartoffelstärle per 100 Kg. brutto Inkl. Sack— ,— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inll. Sack und Mehl 19,40 M. Supra trockene Kartosselstärke per 100 Kg. -,- an, Kartoffelnichl per 100 Kg. brutto M. Prima Kartoffelmehl per'100 Kg. 19,40 M. Am Spiritusmarkt beichränste sich das Loco- Geschäft auf 5000 Liier 70er, welche zu gestrigem Preise, mtt 42,70, gehandelt wurden. Die Liefcrungspreisc waren 0,10 M. schwächer. Städtischer Schlachtvieh markt. Es standen zum Verkauf: 338 Rinder. 2206 Kälber, 1253 Schafe, 7330 Schweine. Bezahlt sür 100 Pfund Schlachtgewicht: Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 00—00, d) junge fleischige, nicht aus- gemästete und ältere ausgemästete 00—00, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 00— 00, ä) gering genährte jeden Alters 00—00.— Bullen: a) uoll fleisch ige höchsten Schlachtlbertes 00— 00, d) mäßig genährte fleug ei« uut> gut genährre ältere 00—00, o) gering genährte 47—52.— Färse» und Kühe: a) vollstcischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 00— 00, b) voll fleischige ausgemästete Kühe höchste» Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 00— 00, c) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00— 00,-l) mäßig genährte Kühe und Färsen 48—52, e) gering genährte Kühe und Färsen 45—47.— Kälber: a) feinste Mast-(Bollmilch- uiast) und beste Saugkälber 70— 72, b) mittlere Mast- und gute Saiiakälber 64— 68, o) geringe Saugkälber 58—62, c>) ältere, gering genährte(Fresser) 43— 46.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthanimel 63— 65, b) ältere Masthanmiel 58—62, o) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merz- fchasc 50—55, d) Hvlstcwer Niederungsschase(Lebendgewicht) 00— 00.— Schweine: a) vollfleischige, der feineren Rasten und deren Kreuzungen, im Alter bis zu 1»/« Jahren 49— 50, d)Käser OO— 00, e) fleischige 43— 49, d) gering entwickelte 46-47, e) Sauen 42-43.— Verlaus und Tendenz: Vom Rinderauftrleb blieben etwa 90 Stück unverlauft. Der Kälberhandel ge- staltete sich ruhig. Die Schafe wurden ziemlich ausverkauft. Der Schweine- markt verlief ruhig und fest und wird geräumt. Schwere, jett« War» erzielte nicht die höchsten Preise._ BlttlcruiigSIibc» ficht vom 8. Sluguft 1899, morgens"8 Uyr. Stationen Swinemde. Hanibiirg Berlin Wiesbaden Mlinchen Wien S 5 SB- i 767 RW 769,28 768 WSW 768NO 7690 768NNO Weller wolkig Dunst wolkeiil wölken! 4 wolkeiil liwolkenl Wetter- Prognose für Donnerstag, den Warm mid vielfach heiter, zeitweise wollig Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner öS d°- All N WT Stationen Haparanba Petersburg Cork Aberdeeu Paris Zß ;,E 743 756 «« .5 3 SS NW SW 707'O 768, WSW 7WN weiter P Wi 2 wolkig Ibedeckt 3heiter Ichlb.bed. Ibeiter 15 16 20 18 18 1 Z. August 1809. bei mäßigen westlichen Wetlerbureau. Achtung! Üaurer. Achtung! Dmerötag, den 3. Angust, llbends 8 Uhr, in den Vorussia-Zaien, Alkerstr. ß-7: Große öffentliche Versammlung der UJkuireK' Berlin« u.(YcHrauensmäiiner-Cenlralisaüoii). Tagesordnung; 1. Das Arbeitsregulativ der 18er Kommission und der Arbeitsnachweis des Arbeitgeber-Bundes für das Maurer- und Zimmerer-Gewerbe. 2. Bericht der Delegierten der Berliner Gewerkschaftskommission und die letzten Vorgänge in derselben. 3. Stellungnahme in Sachen des 1. Vertrauensmannes der Maurer Deutschlands contra Fliesenleger-Streik. Kollegen! Angesichts der so wichtigen und ernsten Tagesordnung ist cS notwendig, daß Ihr sehr zahlreich und püliktlich erscheint. 191,1 vlo liOhnkotiuulsaion. I. A.; Fritz Kater. Achtung! Bauarbeiter. Achtung! DlmMez, ttn 3. Siiijuft, ibtiids 8 Uhr, in Colins Feslsälen, BtiüMqc 19/20; Oeft'entllclie Verslammlnng/ der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Unser Sammelwesen und wie gedenken wir den neu hinzutretenden Kollegen entgegenzukommen? 2. Weitere Beschlußfassung über unsere Forderungen, welche wir dem Unternehmerbund zugestellt haben. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 43/1 Um rege Beteiligung ersucht__ Die Lohnkommissio«. I. A.: W. Xoack._ Billig l«uabenanzüge. Billig! Mädcheukleider in großer Auswahl. 0, Hoffmann, Veteranenstr. 14.* Achtung! Kupferschmiede. Sonnabend, den 5. August, abends H1/, Uhr, in Feind« Salon, Wrinstr. II: Wutliche VttsmmlW her Alipftrslhiiliede Verlitls. Tages-Ordnung: 1. HalbjahrSabrechnung vom Dispostiionsfonds und RevifionSbericht. 2. Berichr des Gewertschaftsdelegierten und event. Neuwahl der öffentlichen Kammilston. 3.. Die Kupferschmiede in der Deukschnst zur ZuchthauSvor- läge. 4. Verschiedenes. Wegen der reichhaltigen und wichtigen Tagesordnung fällt der im letzten Zirkular angekündigte Bortrag auö. Um zahlreiche» und pünktliches Erscheinen ersucht vei» Elnbernfep, Lchentl. EWer-MrsWinlW 108/8 Donnerstag, den 3. Anglist, abends S'/j Uhr. in Cohn« Fo.t-H&len, Beuthstraste Nr.*0—31. T a a e s- O r d n u ii g: Die Lohnfrage der Einsetzer.'MW Der Vertrauenanuu Zähne 2 M. 10 Jahr* Garantie. Vollkommen Jichmerzloaet Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 M. TeUzahl. wdehantl. 1 M Kahn Beerdlgungsverein Berliner Zimmerleute. Sonnabend, de« 1*. August 1809. findet das diesjährige StiftimgstsfvWt, bestehend in Konzert und groftem Sommcrnachts-Ball, in der Brauerei Friedrichshai»(früher Lipps) statt, wozu wir die Mitglieder und Freunde mit ihren Familien gütigst einladen, recht zahlreich zu erscheinen. Während der Pausen: Komische Borlriige. Billets a 25 Pf.(inkl. Tanz) sind vorher bei den unterzeichneten Konnteemitgliedern zu haben: Klebb, Marlendorferstr. 2: Licbctrau, Neue Kvnigstr. 18; Krafft, Graunstr. 19, Quergeb. 4 Tr.; Schwanz, Wriezcner- straße 24, v. 3. Tr.; Brunzel, Wilsnackerftr. 61, Seitensl. 3 Tr.: Schneider, Plan-User 31, Hof 2 Tr.; Petermann, Reinickendorferftr. 65, v. 4 Tr.: Mahn, Eisenbahnstr. 31, v. 2 Tr.; Girke, Waldemarstr. 52, v. 1 Tr.: senier bei Herrn Bandelow. Langestr. 13, im Restaurant, und Herrn Schmidt, Münchebergerstr. 28, im Restaurant. Anfang 8 Uhr. Ende wenn'S auS ist. 259/9 Da« Komitee. S'tr de» Inhalt der Inserate «bernimint die Slcdaktion den, Publikum gegenüber keinerlei _ Verantwortung. T lirnkvv. Do nnerstag, den 3. August Neues Opern- Theater. Die Flederviaus. Anfang 7»/, Uhr. Lessiug. Im weihen Röh'l. Anfang 7'/- Uhr. We ften. � Die Zauberflöte. Anfang Neues. Die Wahrsagerin. Vorher: Abschiedssouper. Ansang 8 Uhr. Tchiller. Martha oder: Der Marli zu Richmvnd. Ansang 7:/- Uhr. Eentral. Der Heiratsmarkt. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilheluistadtischcs. Charlcys Tante. Anfang 8 Uhr. Alexanderplah. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Adrienne Lecouvreur. An- fang 7l/z Uhr. Mctropol. Berlin lacht! Anfang 3 Uhr Bellc-AIliance. Specialitäten-Vor- stelluna. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. P»js»ge- Panoptikum. Speciali- täten-Vorstellung. Urania. Ä»l>a>idc»str. l»?/«!!. Täglich abcndS von b— 10 Uhr: Sternwarte. SchiilerThtliter (Wallner-Theaterl. M o r tv l t s- O p e i». Donnerstag, a b d s. 71/2 U h r: Gastspiel HvIm'lcK BUtol: Martha oder: Der Markt zu Eiohmond. Freitag, abends 7l/2 Uhr: Volkatllmilcbe»peni-Vorstellung bei halben Preisen: Der WaffeiiBchinied. S 0 n» a b e tl d, abends"N/z U h r: Gastspiel Üvlnrloh Bittet: Bie Hvetnne Baaie. Sonntag, nack in. 3 U H r bei halben Preisen: Martha oder: Der Markt zu Richmond. Sonntag, abends 7Vä Uhr: Gastspiel Simeon Lngartl: Die JUdin. Montag, abends?>/- Uhr: Abschieds- Vorstellung Belnrleh __ BtUcl._ Lsttiiü-Cnrl Wtisi-Tsjtllttt. Gr. Franksnrterstraste IllL. Letztes Gastspiel der russischen Hof- schauspiclerin Elisabeth Gorewa. Adrienne Lecouvreur. Drama in 5 Akten von Scribe. SP?" Anfang 7l/z Uhr.-TJW VorzugsbilletS haben Gültigkeit. Sonnabend, zum erstenmal: Die Kubanerin. Aktuelles Schauspiel in 7 Bildern v. Okonkowsky. Heute im Garten: Vollständig neues August- Programm. 27 Nununern. Ansang ü Uhr. Saisonkarlen haben Gültigkeit, bloderne Grossstadtpiraten. Operette von E. Fclsch._ Piihlnianns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schllnh. Allee 148, Kastan.-Allec S7/Sg. Täglich: Konzert, Tlieaier n. Specialitäteu-Vorstellimg. Ernkrttl Wheskov Direktion: 1o»s Eerenoz>. Lustspiel-Eusemble(Frl.Hllllv Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr Rieh. Ewald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Atteu von P. Alexander. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung.__ Metropol-Theater. Behrenetr. 85/67. GrUsnter Saison-Erfolg!!! Berlin lachtl und das reizende Pp esse-Balleit. Hierzu: Neues Speclalit.-Programm. TT a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushtma Truppe. Wemer-Amorot- Company etc. etc. _ A nfang 8 Ehr. Passaye-Panoplicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Mon! Ken! Das urkomische Böckeburger Bauern- Ensembie. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. »» CkSTkHS"■ PANOPTICÜM Die sensationellen gw lebenden-�PG Photographien! In Lebensgrösse. Die russische llilflinn'* Damcnkapelle„BllyllUil In moskowltlschen Kostümen. Viele nene plastische Grnppen und Figuren. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: DornsResl. Volksstülk mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostümsonbrette Fräul. tuclo Sarow. Gebr. blllardo, Grot. Duett. Tauma-guartett, Gesang und Tanz. Die 2 Schönbrunns, hu- moristischeS Bilderbuch. The4Flashes, Exeentrics. Vcndaro-Trlo, Exercitien am Hand- Trapez. Daniel- Truppe, Pantomime. Ballettgesettschaft Döring. äfflJT" Konzert und Ball.'VS Eintritt wochentags und Sonntags Z(1 Pf., NM». Platz SV Pf. Kalbo. Apollo-Tiieater. FvauLiiua mit dem I.nftballctt „Origolatls". s Otto Reutter$ MI O lAebuts Garten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf taglich im Theater und heim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Arbeiter Sangerbuttd Kerlws u. Umgegend Zreitilg, beil l Aiiguß, abeilbs 8 llhr, m Saale der Brauerei zriebriPhain: General-Probe zum Sänger-Fest. Die Vereine sind verpflichtet, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Bilndesmitgliedskarte legitimiert.— Gäste haben zum Saale keinen Zutritt._[w/is] Der Victoria-Brauerei Liitzowstrafse 111/118. Im Natnrgarten oder Saal: Täglich Humoristische Soiree der Borddeulscbeii Sänger (FQhrmann,, Horst, Walde). /? Ans. Sonntags' präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Vorverk. 10 Pf. Familienbillets 3= IM. Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung Van-hritn�ehen. Schweizer Garten. Am Königsthor. Haltestelle der elektr. Ringbahn. Am FriedrichShain. Hellte, Doilllerstag, den 3. Augast 1899: Jubiläums-Benefizvorstellung __ für den Humoristen und artistischen Leiter Herrn llonnami Schulte. Extra-Festprogramm. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Reichshallen. Garten resp. Saal täglich: Stettiner Sänger (Mestsel. PIctro, Britto». Sicidl, Krone, K i r ch in a y e r, Schneider und Schräder). Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: Bou�ert. Entrce SO Pf., Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 7S Pf. bis 2 M. Jeden Freitag: Heues Programm. Osihahn-Park Ifcrmann Imbs 71 Rüdersdorfer Strastc 71, am K ü st r i n e r Platz. Täglich: Itousert. Theatcr- uub Spccialitäteu-Borstclliiiig. Nur erstklassige Hummern. Ansang: Sonntags 4 Uhr. Entree LOPs. Kinder 10 Ps. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. ö Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienötag: Norddeutsche Shuger. .Hermann Imbs, Direktor. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" KollZkrtgiirteil u. Prachtsäle Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jede» Donnerstag: Elite-Itreich-Konzert. Sonntags: Grofter Ball im neuerbanten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmleder. Max Kliems Sommer-Theater Ilasenheidc 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Auftreten des gesamten Schauspiel- u. Speeialitäteu-Personals. gM- Nur erstklassige Kräfte.-TWIS Georg Fischer(Liedersänger), Emst Kühne(Charakter-Komiker), Fritz I Verrl (Kostüm- Soubrette), Plcetz Carella-Troupe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(Transformations- Duo), Ung-Fulng(Chinesische Akrobaten), _ The Cowas(Original-Epcentrics). SMT* Mcncs gediegenes Familien• Programm Kntree: Wochentags 20 Pf. I Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf I Numerierter Platz 50 Ps. Xnkang des Konzert» tögllcb 4 Ohr| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Feftsäleu: AM" Srotzer Ball.-MS Max Iii Die Kaffeefiiche ist geöffnet. llem. Wedding-Park MUllcrstrasse 178. Am Wcddlng-Platz. Jeden Donnerstag: GroHes Kinder- und Familienfest. Im Saale: Grosser Ball. Anfang 4 Uhr. Entree 10 Ps. 7 verdeckte Sommer-Kegelbahuen, von denen noch einige zu ver- geben sind. Volkshelustlgungen aller Art.— Kaffeeknche täglich von 3—6 Uhr geöffnet. Jeden Dienstag: Morddeutsche Shnger. Jeden Sonnlag: Frel-Konxert und Ball. 1924C* W. 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Als Vermählte empfehlen sich: Otto woitr Anna WollT geb. Knapp. fl6896 Jglau in Mähren, 3. August. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß meine I liebe Frau, unsere gute Mutter, Frau Elise Derda. geb. Lletzkow, im 43. Lebensjahre am 31. Juli, 9l/4 Uhr abends. nach langem, schwerem Leiden| sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am! Freitag, den 4. d. Mts., nachm s 5 Uhr, von der Leichenhalle deo j freireligiösen Friedhofes, Pappel- Allee 17/18, aus statt. s1686b] Um stille Teilnahme dir reu Die trauernden Kinterbllsbenen Carl Derda nebst Kindern W. Noachs Tiieater, Brnnncnpraße 16. Täglich: Theater- n. Specialitäten- Borstellnng. Der Zriluen-Kongreß. Posse mit Gesang in 1 Akt v. Groggert. Meu! Men! Die Lindenwirtin. Liederspiel in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. In, Saale: Tanzkränzche«._ Achtung Kösliner Hof Köslinerstrasie 8. 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