Sozialdemokrat Zentralorgan ber Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Brag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Rebatteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Brag 18. Jahrgang Mittwoch, 28. September 1938 Aus dem Inhalt: Letzte Warnung aus London Gamelin für französische Offensive Belgien und Holland verstärken ihre Grenzbesatzungen Gesteigerte Sympathiekundgebungen für die ČSR Heute Parlamentssitzung in London Nr. 228 Große Front gegen Friedensbrecher Chamberlain eindeutig gegen Hitler und für die Kampfbereitschaft Großbritanniens Rußland zu militärischer Zusammenarbeit mit England und Frankreich bereit! Ich werde nicht zögern, Deutschland auch einen dritten Besuch abzustatten, wenn ich mir vorstellen könnte, daß es noch einen Zwed hat. Aber im Augenblid sehe ich nicht, was ich weiter zu der Vermittlung tun fönnte. Prag. Immer wieder taucht der Vergleich Die Kabinettsberatungen in London und land doch noch dessen bewußt wird, daß ein Krieg, sprechungen nicht zu erfüllen und das Gebiet abunserer spannungsgeladenen Zeit mit den Tagen Paris, die Ministerbesprechungen und Diploma- den Hitler wagt, mit der Niederlage Deutschlands zutreten, habe ich im Namen der britis vor dem Ausbruche des Weltkrieges auf. Aber tenempfänge werden begleitet von der Steigeenden muß, lann der Friede noch gerettet wer- ichen Regierung angeboten, die Ga es ist doch manches anders als damals, wenn auch rung der Wehrbereitschaft. Be- den. Auch das aber ist möglich, daß Hitler zwar rantien für die Zusage der tschechoslowa wieder die Bedrohung eines kleinen Landes durch deutungsvoll ist, für uns und nicht minder für am Samstag, angesichts der Weltkoalition, der er lischen Regierung zu übernehmen. Ich bin daher ein großes Kriegsursache zu werden droht. 1914 Deutschland, Game lins Erklärung, daß sich gegenüber sieht, nicht marschieren läßt, aber überzeugt, daß der Wert unserer Zusage nirwar Deutschland bis zum letzten Tage fest davon die Franzosen nicht hinter der Maginotlinie stehen auch von seinen Forderungen nicht abweicht, daß gends unterschätzt werden wird. Ich gebe nicht überzeugt, daß England sich dem Kriege fern- bleiben, sondern offensiv vorgehen würden. Und er glaubt, die Welt weiter unter dem Drud von die Hoffnung auf eine friedliche Lösung auf und halten werde und man konnte sich, trotz der Mah- auch die russische Bereitschaft Drohungen, unter dem Druck der Kriegserwar ich stelle meine Bemühungen um den Frieden nungen und Warnungen Lichnovsfys, in Berlin ist bedeutungsvoll. Rußland glaubt den Zeitpunkt tung halten zu können, in der Hoffnung, so die nicht ein, so lange irgendeine Aussicht auf Fries diesem Glauben hingeben, weil England es ver- gekommen, da zivischen ihm und Frankreich und anderen mürbe zu machen. Dann fommt es erst den besteht. mieden hatte, eine eindeutige Erklärung über sein England militärische Besprechungen notwendig ge- recht darauf an, vor den Drohungen nicht zurückVerhalten in einem etwaigen Kriege zwischen worden sind. zuweichen. Darauf fommt es dann an, wer den Deutschland und Frankreich abzugeben. Dieslängeren Atem hat. mal aber tann Deutschland nicht im weifel barüber sein, daß England in den Krieg eingreis fen würde. Eine amtliche englische Erklärung fagt flipp und flar, daß ein Angriff Deutschlands auf die Tschechoslowakei die direkte Verpflichtung aur Silfeleistung Frankreichs für den Angegriffe= nen zur Folge hätte und daß dann ganz sicher England und Sowjetrußland an der Seite Franks reichs stehen werden. Wagt Deutschland den Angriff, dann stürzt es sich in den Krieg im vollen Bewußtsein, daß es eine sehr starke, eine ganz zweifellos überlegene Koalition gegen fich hat. Vielleicht weiß das immer noch nicht der große Reidtragende eines solchen Krieges, das deutsche Volt. Sitler muß es wissen! Er trägt für alles Böse, das geschehen kann, die volle Verantwortung, und er müßte sie dann auch im vollsten Wortsinne zu tragen haben, dafür würde der Verlauf der Ereignisse sorgen. Ganz sicher will das deutsche Bolt, das wirkthe deutsche Volt, das anonyme, nie gefragte, an jeder Meinungsäußerung verhinderte deutsche Volt feinen Arieg: ja, es fürchtet ihn. Das frei lich weiß Hitler nicht! Er sieht ja und hört ja nicht das Volf! Nur die fommandierten und dirigierten SA. und SS- Leute. Sie waren es, nicht die Voltsmassen, die bei der Kundgebung Hitlers im Sportpalast im Chor riefen, während Trommelwirbel zur Erhöhung des Effektes die Rufe begleiteten:„ Wir wollen Krieg! Wir wollen Krieg!" Vier Tage noch Wenn man sich in DeutschChamberlain: Widerstand gegen Gewalt abends 8 wurde von den Großbritannien könne nicht für die Verteidigung der Interessen eines fleinen Landes sich zum Striege verpflichten. Aber wenn ich überzeugt bin, daß irgendeine Nation entschlossen ist, die Welt durch die Furcht vor ihrer Ge nen, da die tchechoslowafische. Regierung walt zu beherrschen, dann glaube ich, englijden Genbern eine Anſprache des britts nicht in der Lage fei, ons Memornnbum Sit was hier Biberſtand geleistet werden schen Premierministers Chamberlain übertragen. Chamberlain, der aus seinem Arbeitszimmer in Detvningstreet Nr. 10 sprach, hielt die Ansprache in einem auffallend müden und refignierten Ton. Chamberlain begann mit dem Hinweis darauf, daß die Sißung des Unterhauses erst am nächsten Tage stattfinde und er deshalb keine vorherige Erflärung über die britische Politif abgeben wolle. Ich will aber, sagte er, einige Borte an euch. Männer und Frauen von England und des britischen Reiches richten. Ich habe in den letzten Tagen viele Dankbriefe für meine Friedensbemühungen erhalten. Diese Briefe stammten vorwiegend von Frauen, deren Männer und Söhne sich in einem Kriege opfern müß ten, und zwar nicht nur von englischen Frauen, sondern auch von belgischen, italienischen und so gar de utschen Frauen. Viele davon sagten, es wäre schredlich, einen Krieg wegen eines Streites um ein entlegenes und vielen uns befanntes Land zu führen. Chamberlain erklärte nun, er müffe anerkenlers anzunehmen. baß muß. Unter einer solchen Herrschaft der Abtretung judetendeutscher Gebiete eine an die Freiheit glauben, nicht mehr Er habe geglaubt, daß durch die Annahme würde das Leben von Menschen, die friedliche Lösung des Konfliktes ermöglicht wor- lebenswert sein. den sei. Er habe alles getan, was ein Mensch tun fönne, um diese friedliche Lösung herbeizu- Aber Krieg ist etwas Fürchterliches, und wir führen. müssen, wenn wir uns in einen Krieg einlassen, Von Hitlers Rede sagte Chamberlain, uns sehr flar darüber sein, daß es wirklich die daß sie ihn überrascht habe. Er sagte auch, großen Entscheidungen sind, um die es geht. Und er sei überrascht gewesen, als er bei feiner Rüd- daß, wenn alle Folgen abgewogen, jind, der Ruf, fehr nach Deutschland habe feststellen müssen, alles zu ihrer Verteidigung zu wagen, unwiders das neue Forderungen, und zwar Stehlich ist. unvernünftige Forderungen, aufgetaucht waren. Das Gebiet follte fofort von deutschen Truppen besetzt werden, ohne daß vorher Vorbereitungen für die Sicherung der Men fchen getroffen werden sollten, die nicht Deutfche find oder nicht in das Deutsche Reich eingegliedert werden wollen. Ich muß sagen, daß ich diese Handlung unberechtigt finde. Wenn sie auf Zweifel zurüdgeht, die Herr Sitler über die Absicht der tschechoslowatischen Regierung hegt, ihre VerAber so knapp die von Hitler genannte Frist istvier turze Tage!-, noch ist der Krieg nicht da, noch gibt es vielleicht eine Möglichkeit, ihn zu verhindern. Freilich, auch Ministerpräsident Chamberlain, der mit fast unzerstörbarem Optimismus für die Erhaltung des Friedens arbeitete, wobei er freilich, wie wir nicht ohne Schmerz feststellen müssen, allzu opferbereit war auf Kosten unseres Landes, auch Chamberlain ist pessimistisch geworden. In der kurzen Rundfuntansprache, die er am Vorabend des Zusam= mentrittes des Unterhauses hielt, sprach er von seinen Friedensbemühungen. Er stellte fest, daß Moskau.( Havas.) Die Sowjetregierung hat vor einigen Tagen Sitler neue Forderungen aufgestellt habe, die durch den Außenkommiffär Litwinow erklären laffen, daß sie mit Rück Chamberlain als unvernünftig be- ficht darauf, daß die unzulässigen Bedingungen Hitlers Frankreich und Eng. zeichnete. Chamberlain wäre bereit, des Friedens land dazubrachten, der Tschechoslowakei im Falle eines deutschen Angriffes wegen ein drittes Mal nach Deutschland zu flie zu Hilfe zu kommen, entschloffen ist, selbst ihre Verpflichtungen einzuhalten. gen, aber er sehe im Augenblick feine Möglichkeit Die führenden Sowjetfunktionäre, die vorher die La ge für ziemlich verwor einer Vermittlung. Chamberlain sagte zivar, soren ansahen, halten dafür, daß sie sich nun geklärt hat. Frankreich lange der Krieg nicht begonnen habe, müsse noch und England haben eine klare Stellung an der Seite der Tschechoslo. immer Zeit sein, den Frieden zu retten, aber er erklärte auch, wenn er davon überzeugt sei, daß wakei eingenommen. Es besteht auch kein Zweifel mehr über den mächtigen irgendeine Nation entschloffen sei, die Welt durch moralischen Eindruck, den der Aufruf Roosevelts an Hitler und Benes die Furcht vor ihrer Gewalt zu beherrschen, dann auf die Weltöffentlichkeit gemacht hat. Man glaubt, daß die Welt zwei glaube er, daß Widerstand geleistet 30ll vor dem Kriege hält und daß allein Energie und enge Zusam werden müsse, denn unter einer solchen menarbeit der friedliebenden Großmächte ihn noch verhüten können. Die Herrschaft würde das Leben jener Menschen, die diplomatischen Vertreter der mit der Tschechoslowakei befreundeten Mächte an die Freiheit glauben, nicht mehr lebens- find andererseits völlig davon überzeugt, daß die So wietregierung wert sein nicht die geringsten Hintergedanken hat und entschloffen ist, alle ihre VerDas Unterhaus wird zu einer wahrhaftpflichtungen zu erfüllen und zugunsten der Tschechoslowakei mit noch so höhnen über die Demokratien: das eng die für die Verwirklichung eines gemeinsamen Abkommens und einer lische Parlament ist eine weltbedeutende Körperengen militärischen 3usammenarbeit Frankreichs, wenn dieses Parlament eine Politik England und Rußlands erforderlichen Vorausseyunge cha Rußland mit allen Kräften für die ČSR historischen Sizung zusammentreten. Hitler mag ihren Kräften einzutr eten. Man glaubt heute, daß enrich function bieten enter hent den Vorherr schaftspläne vertritt, dann entscheidet das britische BOIN gegen. Chamberlain erklärte, er müsse jest das britische Volf ermahnen, alles zur Verteidis aung seines Landes zu tun. Nachdem er noch einmal auf die Schrecklichkeit des drohenden Krieges hingewiesen hatte, schloß er mit der Bemerfung: Solange der Krieg nicht begonnen hat, muß noch immer Zeit sein, den Frieden zu retten. Lloyd George: Gesamte britische Macht gegen Deutschland! London.( Reuter.) Lloyd George richtete an den Vorsitzenden der libera. len Organisation in Süd- Wales ein Schreiben, in dem er erklärt: Wir ha ben im Jahre 1914 einen Fehler began. gen, daß wir Deutschland nicht rechtzeitig in dem Sinne gewarnt haben, daß es der gesamten Macht des Britischen Reiches be. gegnen wird, falls es einen Einfall nach Belgien unternehmen sollte. Wie. derholen wir nicht diesen tragischen Fehler. I ,, Der barbarischeste Führer aller Zeiten" Wasbing to n.( Havas.) Der demokratische Senator King aus Utah äußerte sich, dic Rundgebung Hitlers sei ein Ausbruch von Sy= steri e: Heute habe er die Fackel des Krieges nicht entzündet. Aber wenn er dies morgen tun wird, wird ihn die Geschichte als den bar= barischesten und grausam sten Führer aller Zeiten erklären, und das Blut, das durch seine Schuld pergossen werden wärtig gegeben sind. Die Sowjetregierung iſt bereit, von nun ab Bespre. wird, wird ihn in einem o aeron ***** diefem Siale einzuleiten. ** ertränden, Seite 2 Mittwoch, 28. September 1838 Nr. 228 Belgien mobilisiert sechs Jahrgänge Brüssel.(Havas.) Belgien hat sechs Reservistenklaffen einberufen. Die Regierung beschloß, die militärischen Vorbereitungen, die bereit» getroffen wurden, zu ergänzen und ordnete die Verstärkung der Armee an. Dieser Beschluß wurde allein au» dem Wunsche nach Sicherheit und Frieden gefaßt. Die Regierung prüfte auch eine Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen, welche die Lage erfordert. Der ordentliche Kabinettsrat tritt am Freitag nachmittag» zusammen. Auch Holland besetzt seine Grenzen Haag,(hs.) Im Hinblick ans die ernste internationale Lage hat die holländische Regierung unerläßliche Maßnahmen zur Verstärkung der Truppen an den Grenzen getroffen, die auf Kriegsstärke aufgefüllt wurden, Französischer Ministerrat unter Vorsitz Lebruns Pari». In der DienStag-Sitzung des Mi» nisterrate», der am Vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik tagte, erstatteten der Vorsitzende der Regierung D a l a d i e r und der Außenminister Bonnet ausführlich Bericht über die Unterredungen, die sie in London bei der Konferenz der französischen und englischen Minister hatten. Der amtliche Bericht erklärt, daß der Ministerrat die Abmachungen der Londoner Konferenz genehmigte. Einstweilen ist in Paris keine Entscheidung getroffen worden. Die Regierung verharrt aber auf dem Beschluß, sich an den ursprünglichen französisch.englischen Plan zu halten. An Pariser politischen Stellen herrscht der Eindruck vor» daß Reichskanzler Hitler nicht entschlossen ist, inden Krieg z u- i e h e n. Mit seiner Montag-Rede wollte er erproben, wie weit er noch gehen könne, mit seiner Methode, die Welt abzuschrecken und mit dem Kriege zu drohen. ES wird angedeulet, daß Hitler in feiner Rede indirekt einige Auswege(?) angeführt hat. ES bestehen aber Befürchtungen, ob er nicht als Preis für fein Nachgeben weitere Opfer haben will. Deswegen werden in Paris die Rach- richten über die wachsende Entschloss enheit gegen weitere Forderungen HitlerS begrüßt. Pari».(Havas.) Außenminister Georges Bonnet hatte Dienstag nachmittags im Kriegsministerium eine Beratung mit dem Ministerpräsidenten Daladier. Dann fanden sich beim Ministerpräsidenten die Minister Queu- i l l e und Marchandeau ein. Um 17.15 Uhr erschien Lion Blum im KricgSmini- sterium und wurde von Daladier empfangen. Paris bereitet sich vor Ab gestern erscheinen alle französischen Blätter, von denen manche acht bi» zwölf Seiten hatten» in beschränktem Umfang von vier oder höchsten» sech» Seiten.. Da» Ministerium für öffentliche Arbeiten gibt bekannt, daß die französische Staatsbahn- gesellschaft zur Erleichterung der Evakuierung der Hauptstadt Paris alle Maßnahmen zur Bewältigung des erhöhten Abströmens der Bevölkerung auf das Land getroffen hat. Die französische Regierung hat beschleunigte Maßnahmen getroffen, damit allen Familien mobilisierter Soldaten Lebensunterhaltsbeiträge au-gezahlt werden, die sich zwischen 5 Franken für Frauen und 9 Franken für Kinder bewegen. Die Vereinigung der französischen Aerztin- nen hat eine freiwillige Mobilisierung ihrer Mitglieder beschloßen, die sich in größter Fahl für den Dienst in Krankenhäusern, beim Roten Kreuz, bei der zivilen Flugabwehr u. ä. zur Verfügung stellen. Pari». Die Pariser Bauarbeiter haben nach Erhalt der geforderten Garantien Montag früh di: Arbeit wieder ausgenommen. Auf sämtlichen Bauplätzen und in allen Betrieben wird normal gearbeitet. * London. Auf dem ganzen Gebiet Großbritannien» führen die zivilen Behörden weiterhin Sicherungsmaßnahmen gegen Luftangriffe durch. Es werden Luftschutzkeller gebaut und in den abgelegenen Parkivinkeln werden Plätze zur Herrichtung de» Terrain» zum Schutz der Zivilbevölkerung sichergestellt. Die Postämter haben in allen Häusern Broschüren des Innenministerium» verteilt, die Richtlinien für die p a s» siveLuftabwehr enthalten. Die Nachfrage nach Gasmasken ist ständig im Steigen begriffen und die Verteilungsstellen sind bemüht, dieser steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Französische Sozialisten danken Roosevelt Pari». Die französische Sozialistische Partei hat an den Präsidenten Roosevelt folgende Depesche abgeschickt: Im Bewußtsein, die Gefühle der ganzen französischen Demokratie zu verdolmetschen, spricht die sozialistische Partei nnd der Parlamentarische Klub Ihnen seine Dankbarkeit ans für Ihre Botschaft, die im Augenblicke der äußersten Gefahr für den Frieden das Echo des Gewissens der ganzen Welt darstellt. Im Kamen von 10 Millionen Frauen Der Frauen«WeltauSschuß in Pari» sandte dem deutschen Syndikat arbeitender Frauen der Intelligenz in Prag folgendes Telegramm:»2m Namen von zehn Millionen Frauen, die im Frauen-Weltausschuß vereinigt sind, senden wir Euch die innige Versicherung unserer Solidarität mit Euch. Harret au» im Kampfe um die Unabhängigkeit des Tschechoslowakischen Staate». Wir tun alle», um Euch zu helfen." Eine Botschaft des Pariser Kardinals Pari». Der Pariser Erzbischof Kardinal Der- hier erließ im Rundfunk eine Friedensbotschaft, in der er u. a. sagt: Frankreich hat sicherlich seine Friedensliebe bewiesen. Heute aber ist es auch notwendig, daß es seine Kraft und den Mut seiner Söhne beweist. Die Bereitschaft, mit der die französische Nation dem Appell gehorcht hat, macht einen unzweifelhaft tiefen Eindruck auf diejenigen, die vielleicht noch an unseren sittlichen Werten gezweifelt haben. Der Kardinal fordert dann zu Vertrauen, Ruhe und Gebeten auf. BeneL' Antwort auf Roosevelts Botschaft Präsident Dr. Bene» hat da» Telegramm de» USA-Präsidenten Roosevelt also beantwortet: „Herr Präsident. Ich wurde von Ihrem Telegramm tief ergriffen. ES kam in einem Angen- lilicke, in dem unser Land nnd unsere Nation die Gefahr deS Krieges übermäßig stark empfinden. Durch 20 Jahre haben unsere Regierungen eine Politik de» Frieden» getrieben, sie haben sich an den Grundsatz gehalten, daß die Lösung aller Internationalen Konslikle mit friedlichen Mitteln durchgeführt werden soll, sie haben Arbitrageverträge geschloßen, sie haben die Friedenspolitik deS Völkerbunde» unterstützt und sich niemals gegen all da» versündigt. Unsere Regierung bat auch den BriandKellogg-Pakt unterzeichnet nnd sie wird in keinen: Falle etwaS tun, wodurch sie ihn verletzen würde. Obwohl die Tschechoslowakei bei den bisherigen Verhandlungen da» größte Opfer gebracht hat, da» ihre LebenSintereffen berührt, stört sie die Verhandlungen nicht und sie wünscht, daß der Konflikt durch ein Neber» einkommen friedlich gelöst werde. Die Tschechoslowakei hat außerdem eine» Arbitragevertrag mit Deutschland unterzeichnet und sie hat iereito beantragt, den Streit nach diesem Vertrage m lösen und sie ist bereit, diese» Angebot neuerlich n: stellen. Sie ist Ihnen dankbar, Herr Präsident, 'ür Ihre Botschaft, die in diesen schweren Augen» ilicken zur Erhaltung de» Frieden- und zu einer lerechten Lösung de» Konflikte» beitragen kann. Ich staube, daß der Streit auch heute im Geiste der ilequität ohne gewaltsame Konflikte gelöst werden önnle, und die ganze tschechoslowakische Ration iofft die» bisher. Sie würde sich wehren, wenn sie iberfallen würde, aber sie ist mit Ihnen lief iiier- :e»gt, daß der Krieg schließlich nicht- löst und daß iier die Vernunft, da» Gefühl der Menschlichkeit lnd der Grundsatz der Gerechtigkeit siegen soll. Prag, 26.September 1938. Dr. Edvard Bene l." Hitler an Roosevelt Der Alleinverantwortliche lehnt die Verantwortung ab Berlin. Reichskanzler Hitler anttoortete am dienStag auf die Kundgebung de» amerikanischen Staatspräsidenten Roosevelt mit einem Lelegramm, in dem es heißt, daß der ReichSkanz» er die Bemühungen des Präsidenten anerkenne lnd feine Auffassung über die schrecklichen Folgen tines Krieges teile. Gerade auS diesem Grunde rber könne und müße er jede Berant» o o r t u n g für den Ausbruch von Feindselig« eiten ablehnen, die au» der heutigen Ei« Nation entstehen könnten. Nicht Deutschland sei 'chuld an dieser Situation. Alle Möglichkeiten zu 'iner gerechten Lösung seien mit der deutschen Denkschrift erschöpft. Nicht die Reichsregierung, ändern die Tschechoslowakei habe zu entscheiden. Sir Wilson bei Hitler Berlin.(Reuter.) Chamberlain» Sekretär Sir Horace Wilson besuchte DienStag kurz nach Mittag den Reichskanzler Hitler. In seiner Begleitung befand sich der britische BotschafterHenderson und der erste Sekretär der Berliner britischen Botschaft Kirkpatrick. Die Aussprache, die zwischen dem. Reichskanzler Hitler und den britischen Diplomaten stattfand, dauerte eine halbe Stunde. Wilson trat um 13.45 Uhr. den Rückflug nach London an. Es verlautet weiter, daß im Verlaufe des Besuche» Wilson» in der Wilhelm« straße auch die Minister von Ribbentrop, Göring und Dr. Goebbels anwesend waren. London. Sir Horace Wilson ist um 17. Uhr auf dem Flugplatz Heston gelandet. Zwei Minuten nach seiner Landung bestieg Sir Wilson ein Auto nnd begab sich in schneller Fahrt nach London. Vorher erklärte er Journalisten, erwisse nicht, ober nochmal» nachBerlin zurückkehren werde.„Heute vormittags", so sagte er, „hatte ich eine Unterredung mit dem deutschen K nzler und nun eile Ich, um dem Ministerpräsidenten hierüber zu berichten." Um 17.50 Uhr traf Wilson in Downing Street ein, wo sich im Laufe des Nachmittags bereit» die Minister Hoare und I n s k i p beim Premierminister eingefunden haben. Lob der tschechoslowakischen Wehrhaftigkeit London.„Times" veröffentlichen einen Artikel des belgischen Militärfachmannes L e d- g i n, in welchem der Autor feststellt, daß die Tschechoslowakei hinsichtlich ihres Menschenmaterials es mit den stärksten Völkern aufneh« men kann. Das tschechoslowakische Heer vereinigt in sich gallische Initiative und deutsche Disziplin, wozu ein gewißer slawisckier Messiasgeist komme. Die tschechoslowakische Kriegsindustrie habe eine Tradition, welche die Verbündeten im Jahre 1914 sehr schmerzlich zu spüren bekamen, und die tschechoslowakischen Waffen wurden im Gran Chaco und in Schanghai erprobt,>vo der Verfasser selbst sich von ihrer Stärke, Präzision und Wirksamkeit überzeugen konnte. British Legion hält sich bereit London.(Havas.) Der Verband der ehemaligen britischen Soldaten, die„British Legion", veröffentlichte Dienstag folgendes Kommunique: Der Vorsitzende der britischen Legion, Sir Frederick Maurice, ist am Sonntag abends nach Berlin abgeflogen und hat, mit Zustimmung des Premierministers, Reichskanzler Hitler für den Fall, daß zwischen Deutschland und der Tsche- choslolvakei ein Uebereinkommen erzielt wird, die Dienste der britischen Legion als einer Reichsund neutralen Organisation für die Gebiete, die Gegenstand de» UebereinkommenS sind, angeboten. Sir Frederick Maurice ist Montag abends nach London zurückgekehrt und hat Chamberlain die Antwort des Reichskanzlers mitgeteilt. Bekanntlich hat Reichskanzler Hitler in seiner gestrigen Rede erklärt, daß er die Dienste der Britischen Legion annehme. London kriegsbereit In ganz England sind KriegSvorbereitungen km Gange. Eine Mobilisierung ist bisher nicht erfolgt, gleichwohl herrscht aber Andrang zu den RctrutierungSstellen und bei den Meldungen für den Freiwilligen-HilfSdienst. 40 Millionen Gasmasken stehen zur unentgeltlichen Verteilung bereit. Vorbereitungen für eine Teil-Evakuierung London- sind getroffen. Donnerstag beginnen die Aushebungen von mrilenlangrn Gräben in den Londoner Parkanlagen zum Schutze der Bevölkerung gegen Schrapnell». Die Gräben wer den 1.50 Meter breit und 2.10 Meter tief fein und mit galvanisiertem Eisen und Erde bedeckt fein. Für Gas, Elektrizität und Wasser sind Schnhvorkehrungen getroffen. Bekannt wird, daß gestern der englische Botschafter in Berlin Hen- dirson im Auswärtigen Amte darauf hinwies, daß eine intransigente Rede Hitler» am heutigen Alend den Frieden gefährden würde. Doch soll Henderson keinerlei Zusicherung diesbezüglich erhalten haben. USA-Kampfschlff nach England Washington.(Reuter.) Da» Kriegsmarine- Ministerium gibt bekannt, daß der amerikanische Torpedobootzerstörer„SomerS" sich zu einer „UebungSfahrt" nach England begibt. MaBnahmen In Gibraltar Gibraltar.(Havas.) Die Marinebehörden in Gibraltar haben soeben ähnliche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, wie sie für die englischen Gelväffer ergangen sind. Kein Offizier, Soldat oder Matrose darf bis auf Widerruf die Basis von Gibraltar verlassen. Ettva 1000 Ausländer find aufgefordert worden, das Gebiet von Gibraltar sobald wie möglich zu verlassen. Die Behörden haben eine Kundmachung herauSgegeben, worin Freiwillige im Alter von 14 bi» zu 55 Jahren für verschiedene Arbeiten zur passiven Abwehr von Luftangriffen für administrative Arbeiten, für die erste Hilfeleistung usw. anfge- rufen werden. „Vor keiner Drohung sich beugen“ I In einer Rundfunksendung, die Montag nachts um halb 12 Uhr au-gegeben wurde, nimmt die Tschechoslowakei zu der Hitlerrede Stellung. E» wivd in dieser Sendung die schon einige Stufen vorher erfolgte Äußerung zum deutschen Memoran- dum im Wesentlichen wiederholt und die Auffas- ung abgelehnt, daß den tschechoslowakischen Staatspräsidenten oder die tschechoslowakische Regierung die Schuld an der Zuspitzung de» Kon- likts treffe. Die Sendung schließt mit den Worten: „Wenn unsere Ration zu den grausamen Opfern im Interesse diese» lülgemeinen Frieden» entschlossen ist, dann hat sie sicherlich ein Recht, von denen, zu deren Nutzen st« schließlich ein- willigte, diese» Opfer zu bringen— und zu ihnen gehört Deutschland an erster Stelle— zu verlangen, daß sie bei der Lösung dieser verwickelten Frage ebenfalls Versöhnlichkeit und Zurückhaltung sowohl in den Ansprüchen wie in den Mitteln an den Tag legen. Wenn aber Ür solche Methoden auf der anderen Seite nicht lenug Verständnis vorhanden sein sollte, würde ich unsere einheitliche, innerlich feste und ent- chloffene Ratton vor keiner Drohung beuge n." Reglerungs- und Koalitionsparteien absolut einig Prag. Die Regierung der Republik, welche in der Nacht auf Dienstag unter dem Vorsitze des Vorsitzenden der Regierung, de» Armeegenerals S y r o v h, eine Sitzung abhielt, hat eine Reihe von Kundmachungen erlassen, durch welche Angelegenheiten der öffentlichen Verwaltung vom Gesichtspunkte der Bedürfnisse der Staatrvertei- digung geregelt werden. Dienstag Vormittagwürden die Beratungen der Regierung und der die Regierung unterstützenden ftaatüerhaltenden Parteien auf der Burg beim Präsidenten der Republik fortgesetzt, wohin die Vorsitzenden der Koalitionüparteien, die Mitglieder de» politischen Ausschusses der Regierungsmehrheit und einige Minister eingeladen wurden. Bei der Beratung wurde die absolute v o r- Lehaltsame Einheit der Anschauungen der Regierung und der politischen Parteien konstatiert. Abend» wurde neuerlich eine gemeinsame Sitzung de» Ministerrate» mit den Koalitionspolitikern und den Parteiführern einberufen. Nachmittag» tagte der polittsche Ausschuß der staatserhaltenden Parteien, der aktuelle politische Fragen löste und sich mit der durch die letzten internationalen..Ereignisse und die Kundgebungen europäischer Staatsmänner geschaffenen Lage befaßte. Sitzung 6er tfchechltchen Sozialdemokratie Montag tagte unter Teilnahme von Delegierten au» der ganzen Republik der Zentral- exekutivauSschuß der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Partei. Die Sitzung leitete der Parteivorsitzende Abgeordneter Hampl, der einen ausführlichen Bericht über die Ereignisse der letzten Tage erstattete und die Ursache einiger überraschender Wendungen der europäischen Politik in der abgelaufenen Woche darlegte. Er betonte, daß alle» davon abhänge, daß wir kühlen Verstand bewahren, alle neuen Ereignisse objektiv beurteilen und al» Volk absolut einig bleiben. In der Aussprache meldeten sich zahlreiche Delegierte zu Worte, worauf den Vertretern der Partei in der Regierung und allen, die die Partei führen, der Dank ausgesprochen wurde. Riesenverluste Francos Republikanische Antwort Barcelona.(Ag.-Esp.) Da» Bulletin der Le« vantearmee veröffentlicht folgende Statistik: Seit Beginn der Rcbellen-Gegenosfenswe an der Ebrofront haben 5850mal unsere Jagd- und 5705mal Bombenflugzeuge der Republik, zusammen 11.155mal, auf feindliche Truppen und ihre Stellungen insgesamt 4,9 Millionen Kilogramm Sprengswff und 2,10 Millionen Stahl in Äombeninhalt und»gestalt abgewor- fen, zusammen 7 Millionen Kilogramm Bomben. Der Feind hat in diesen 50 Tagen etwa 60.000 Mann Verlust gehabt, also 50 Mann pro Stunde. Vergebliche Uebermacht General Roje sagt in einem Tagesbefehl zum zweiten Monatsende der republikanischen Widerstände» am Ebro, daß 100.000 Mann, 800 Geschütze, 200 Tank» und 600 Flugzeuge, alles auf einer kurzen Front eingesetzt, den Widerstand der Republikaner nicht gebrochen haben. Die marokkanische Frage Tanger.(Ag.-Esp.) Der italienische Dampfer „Firenze" traf hier au» Sevilla mit 265 Verwundeten und 81„Freiwilligen" ein, um alsbald weiterzufahren. natürlich ohne Landurlaub für die Reisenden. In Tetuan wurden 250 Araber eingekerkert, weil sie sich geweigert hatten, al» Franco-Soldaten nach Spanien zu gehen. In Ceuta und Larrasch wurden weitere Rebellentruppen aus Spanien auweia« den. In den letzten Tagen ist eine beträchtliche Menge deutscher Kriegsschiffe in den Rebellenhäfen de» Mit« telmeer» konzentriert werden, darunter die Unterseeboote U 27, U 20. lt 30 und 1181, sowie ein Minenleger, g mt ぎゃ ent s 1= en ent It 8 t, it It It r t 8 S Mr. 228 Mittwoch, 28. September 1938 Letzte Warnung aus London Hitler soll bis heute nachts antworten! London( Reuter). Das Ministerium des Aeußern hat folgende amtliche Erklärung abgegeben: Wenn trotz aller Anstrengung des britischen Ministerpräsidenten Deutschland einen Angriff auf die Tschechoslowakel unternimmt, dann wird Frankreich der Tschechoslowakei zu Hilfe ellen und Großbritannien und Rußland werden sich ganz sicher an die Selte Frankreichs stellen. schen Regierung im Berlaufe von 48 Stunden begrüßen. London. Die Kriegsvorbereitung Englands in politischer, militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht ist vollständig. Das einzige Gesprächs Dazu wird erklärt, dieses, der Form nach thema ist überall der Krieg. Die Stimmung der freundliche Ultimatum wurde so abgefaßt, daß bis Massen läßt sich damit tennzeichnen, daß man den zum Zusammentreten des britischen Parlamentes, Deutschen nicht nachgeben dürfe, weil sonst ihre das für Mittwoch vorgesehen ist, die Antwort in Forderungen sofort wieder steigen. Die Weltgel- London eintrifft und das Parlament dadurch in hung Großbritanniens und der europäischen De- de Lage ist, klar zu entscheiden. Für die englische motratie seien gefährdet. In diesem Sinne ist eine Stegierung ist die Erwägung mitbestimmend, daß Reihe von Demonstrationen aufzufaffen. Der di: großen deutschen Ueberseedampfer Bremen" Standpunkt der englischen Regierung, den sie ge- und Europa" am 1. Oftober im sicheren Hafen mensam mit den französischen Staatsmännern wären, während sie am 28. September noch auf zingenommen habe, sei folgender: äußerste hoher See sind. Im Falle einer negativen Antwort, Ariegsbereitschaft und Stand- würde durch eine englische Blockade- Erklärung diese haftigkeit, aber Verhandlungsbes Schiffe angehalten werden. rettihaft zum Frieden. Man sei weiter für die offene Türe. Dies beweise auch die Entsendung Horace Wilsons. * London.( Reuter.) In amtlichen Kreifen wird erklärt: In der letzten Woche bemühte Dieser foll folgende diplomatische Informa- fich Ministerpräsident Chamberlain, mit dem tionen erhalten haben: 1. Der britisch- französische Standpunkt in der tschechoslowakischen Frage ist unverändert. Das bedeutet keinen Drud auf Prag, das Me morandum Hitlers anzunehmen. 2. England und Frankreich halten an dem Standpunkt einer frieblichen Lösung des Konflittes fest. Diese soll möglichst auf der Basis des englisch- franzöfifchen Planes erfolgen, wobei die techniſche Durchführung beschleunigt werden foll, um dadurch dem deutschen Wunsche einer raschen Lüfung Rechnung zu tragen. Es verlautet, daß zu verstehen gegeben wird, eine möglichst baldige Näumung der nach englischem Plane unstrittigen Gebiete mit mehr als 70 Prozent deutscher Bevölkerung vorzunehmen. 3. Die englische Regierung muß, falls Deutschland auf dem Memorandum beharrt, darauf hinweisen, daß sie keine Möglichkeit ficht, die Annahme desselben zu veranlaffen, und daß im Falle eines deutschen Einmarsches in die Tschechoslowakei die Verträge in Kraft treten und die Gefahr eines Krieges besteht. 4. Die englische und die französische Regierung würde eine endgültige Antwort der deut. Heute Parlamentssitzung in London deutschen Reichskanzler einen Weg zur friedlidien Lösung der tschechoslowakischen Frage zu finden. Dies ist durch Verhandlungen immer noch möglich. Die Forderung Deutschlands nach Nebergabe des sudetendeutschen Gebietes ist von der franzöfifchen, der britischen und der tschechoslowakischen Regierung bereits bewilligt worden, wenn aber troy allen Bemühungen des britischen Ministerpräsidenten Deutschland einen Angriff auf die Tschechoslowakei unternehmen würde, wäre die direkte Folge die, daß Frankreich verpflichtet wäre, der Tschechoslowakei zu Hilfe zu land ganz sicher an der Seite Frankreichs stehen cilen, und daß dann Großbritannien und Ruß werden. Es ist noch nicht zu spät zur Verhin berung einer so großen Tragödie und es ist dem nad) die Aufgabe der Völker aller Länder, auf eine Lösung durch freie Verhandlungen zu brän gen. Gamelin für Offensiv- Krieg wenn Hitler die ČSR überfällt London. Der diplomatische Korrespondent des„ Daily Telegraph" schreibt, daß die Anwesen. heit des Generals Gamelin in London es gestern ermöglichte, die Diskussion über die aktuellen militärischen Maßnahmen, die Frankreich für den Fall eines deutschen Angriffes auf die Tschechoflowakei getroffen hat, zu eröffnen. Aus den Darlegungen des Generals geht hervor, daß sich Frankreich nicht damit zufrieden geben wird, hinter der Maginotlinie zu bleiben. Die Offenfive wird sofort in einer Weise eröffnet werden, die nach der Ueberzeugung des Generals Gamelin gut geeignet fein wird, den Druck auf die Tschechoslowakei zu vermindern. Sein Bericht über die Tüchtigkeit der französischen Armee war überzeugend. Ich kann auch mitteilen, daß die Teilmobilisierung in Frankreich ungewöhnlich glatt durchgeführt wurde. General Gamelin befprach ferner mit den englischen Armeekommandanten die praktischeste Weise, wie England Frankreich unterstützen könnte. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Westmächten ist jetzt vollkommen. Weder Frankreich noch England werden mit der Bombardierung der Zivilbevölkerung beginnen, weil sich die beiden Länder sehr darum bemühten, dies aus der modernen Kriegsführung auszuschalten. Nord- und Südamerika sympathisieren mit der ČSR Seite 3 An die Parteiöffentlichkeit! In Beantwortung vieler Anfragen aus verschiedenen Orten und Bezirken des ganzen Grenzgebietes über den Aufenthalt von Angehörigen, die flüchten mußten, teilen wir mit, daß die Erhebungen im Gange sind und in einigen Tagen abgeschlossen werden dürften. Ein genaues Namensverzeichnis wird es dann ermöglichen, getrennte Angehörige und solche Flüchtlinge aus einer Familie, die in verschiedenen Lagern leben, miteinander in Verbindung zu bringen und den in der Heimat Verbliebenen Auskunft zu geben. Alle Wünsche und Anfragen in dieser Hinsicht sind dem Sekretariat der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Prag XII, Slezská 13, mitzuteilen und für die Antwort Rückporto beizulegen. Ueber Fragen der Sozialversicherung, Kentenangelegenheiten, Arbeitslosigkeit usw. geben die in die einzelnen Lager entsandten Vertrauensleute und Sekretäre der Partei Auskunft. Nach Möglichkeit werden diese Angelegenheiten, soweit sie für die Flüchtin der Presse behandelt werden. binge von besonderer Bedeutung sind, auch Deutsche demokratische Jugend kampfbereit Die Organisationen der deutschen demokratischen Jugend sandten dem Präsidenten der Republik und dem Vorsitzenden der Regierung ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: In diesen schicksalsschweren Stunden fühlt die deutsche demokratische Jugend der Tschechoslowakischen Republit das Bedürfnis, Ihnen zu versichern, daß sie bereit ist, an der Seite der anderen Nationen dieses Staates für die Verteidigung der heuWir begrüßen die getroffenen militärischen Maßtigen Tschechoslowakei zu kämpfen. nahmen, die eine Gewähr dafür sind, daß die Repu blit nicht bereit ist, hunderttausende Deutsche, die durch 20 Jahre unter größten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Opfern für den Gedanken unserer Republik eingetreten sind, ihren Feinden auszuliefern. Die Tschechoslowakei als ein durch die Geschichte gegebenes unteilbares Ganzes ansehend. wollen wir betonen, daß nur eine demokratische Tschechoslowakei, die allen Nationen Gleichberechti gung einräumt, imstande ist, die nationale und soziale Entfaltung des Sudetendeutschtums zu sichern. Als jugendliche Sudetendeutsche wollen wir verhindern, daß unser weiteres Leben in geistiger Unterdrückung und sozialer Knechtschaft verläuft. Wir sind gegen eine Abtretung der heutigen Grenzgebiete, denn diese würde uns nicht nur unsere Freiheit nehmen, sondern auch die Tschechoslowakei in eine bedrohliche Lage führen. Die heute militärisch beseßten Grenzen zu räus men, wäre eine ernstliche Gefährdung des Weiterbestandes der Republif. Wir haben uns bisher nicht ges fürchtet, die Ideale der demokratischen Tschechoslowakei zu verteidigen, wir werden uns auch nicht scheuen, mit der Waffe in der hand für die Unteilbarkeit unferes Staates zu fämpfen. Herr Präsident! Mit uns tönnen Sie bedingungslos zäh ten! Arbeitsgemeinschaft der deutschen demokratischen Jugend Die Tat", Sozialistischer Jugendverband Prag, Deutscher Jugendbund, Deutsche Jungdemokraten, London. Das Unterhaus tritt heute um 14.45 Uhr, das Haus der Lords etwas später zufammen. Premierminister Chamberlain wird als erster das Wort ergreifen. Hierauf wird die Washington.( Havas.) Die Rede des Reichs- landes abgehen, gestaltete sich zu einer mächtigen Generalbebatte folgen, in welcher der Führer der fanalers itler wird in Washington ziemlich Kundgebung der bulgarischen Freundschaft für die Opposition, Attlee, ferner der Führer der scharf beurteilt. Die amerikanische Deffentlichkeit Tschechoslowakei. Rum Abschied erschienen die oppofitionellen Liberalen Sir Archibald in c. fühlt sich durch den Umstand betroffen und verletzt, ganze tschechoslowatische Kolonie mit dem GeLair, weiters Winston Churchill, Anthony daß Hitler die Botschaft des Präsidenten Roosesandten Mara an der Spize und viele bulgarische belt nicht im Geringsten berührte. Man ist der Freunde der Tschechoslowakei, hauptsächlich StuEden und Lloyd George sprechen werden. Es ist möglich, daß die Debatte zwei Meinung, die Rede Hitlers bringe feine Verände denten. Begeisterung und Rufe auf die Tschecho= oder drei Tage dauern wird. Ihre Dauer rungen in den Grundelementen der gegenwärtigen flowakei, die Demokratie, den Präsidenten Beneš wird allerdings von der Entwicklung der Ereig- Arise. Unmittelbar nach der Hitlerrede verbreite- und General Shrový erfüllten den Bahnhof. Die niffe abhängen. ten die Rundfunkstationen der Vereinigten Staa- Abreisenden schwuren, daß sie die Republik und Jugend des Einheitsverbandes der Privatangestellten, Falls bic Strife mit einem Kriege enden ten die Antwort des Präsidenten Dr. Beneš auf die Freiheit bis zum lebten Atemzuge verteidigen Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker, Freiheitsbund deutscher Hochschüler, sollte, würde es notwendig sein, alle gefunden die Botschaft Roosevelts. Der amerikanischen Def= Kräfte der Natior: zu mobilisieren. Zur Er- fentlichkeit ist der Kontrast zwischen diesen beiden werden. Die Bulgaren riefen ihnen zu, fie mögen sobald als möglich als Sieger zurückkehren. Nach) Dotumenten nicht entgangen. laffung einer Regierungsproklamation, durch der Abreise brachten die bulgarischen Studenten welche die Reservisten der Linienarmee und auch dem Gesandten Mara begeisterte Huldigungen dar und trugen ihn bis auf den Platz vor dem Bahnhof auf den Schultern. Vor dem Vahnhof Freundschaftsbeweise bauerten die Kundgebungen an. ber fogenannten Territorialarmee, deren Stärke Bulgarische 180.000 Mann beträgt, und auf 230.000 Mann erhöht werden kann, einberufen werden, ist eine Parlamentsresolution erforderlich. Zur Mobilifierung spezieller Klassen ist teine Parlamentsresolution erforderlich. Für ein besseres Verhältnis Prag- Warschau Prag. Die tschechoslowakische Regierung hat sich mit der Regierung der Polnischen Republit in Verbindung gesetzt zu dem Zwecke, baß olle Fragen freundschaftlich verhandelt werden, bezen Lösung zu einer weiteren Berbefferung ber tschechoslowakisch- polnischen Berhältnisse beitragen könnte. Engländer- Abrelse aus Polen sich Washington. Sofia. Die Stimmung in Bulgarien wendet mit jedem Tag mehr zugunsten der Zichecho- Kabinettsrat in Washington slowakei, und das auch in Kreisen, die Deutschland zuneigen. Einen starken Eindruck machte hier das Auftreten Rußlands zum Schuße der Tschechoslowakei sowie die Demarche Jugoslawiens und Rumäniens in Budapest. Die Abreise der ersten Gruppe bulgarischer Tschechoslowaken, die zur Verteidigung des VaterIntellektuelle Unabhängige deutsche katholische Jugend, Arbeiter Sport- und Kulturverband, Arbeitspflicht Nach einer eben angenommenen Regierungsverordnung werden der Arbeitspflicht unterliegen: a) Personen, die in Unternehmungen, Instituten und anderen in den§§ 1 bis 3 der Regicrungsverordnung 3. 197/1936 Sig. d. G. u. V. ( Reuter.) Präsident( über für die Staatsverteidigung wichtige BeNoosevelt hat für morgen eine außerordentliche triebe) genannten Einrichtungen beschäftigt sind, Kabinettfihung einberufen, in der über die euro- ohne Unterschied, ob diese Betriebe als Fabriksa päische Lage beraten werden wird. Präsident gewerbe betrieben werden, oder nicht, Jioosevelt hat auch an Polen und Ungarn einen Apvell für die Erhaltung des Friebens gerichtet. b) Personen, die in Sägewerken, Holzlagern und Unternehmungen für die Holzgewinnung, in Betrieben zur Erzeugung von Kisten und Fässern, Heizhäusern, Ziegeleien, Wasserwerken, Gaswerhörigen der geistigen Berufe, solveit sie nicht zum len, Elektrizitätswerken, Seifen- und Kerzenerzeus Militärdienst einberufen wurden, auf, daß ein gungen beim Transport von Personen oder Frach= melden sich freiwilligeber an seinem Blazeinstweiten, bei der landwirtschaftlichen Erzeugung oder Das Ministerium für nationale Verteidis en weiterarbeite. Nach Abgang so der Viehzucht, in Molkereien, Apotheken, Heilangung erhält in diesen Tagen zahlreiche Angebote bieler Sträfte bei der Mobilisierung ist eine er stalten und sanitären Präventiveinrichtungen in geistiger Arbeiter und Arbeiterinnen aus allen höhte Anstrengung aller erforderlich. Das Mini- Quarantäne-, Desinfektions-, Reinigungs-, und Bachgebieten, die die Mobilisierung nicht beſterium für nationale Verteidigung führt alle. Verbrennungsstationen( Einrichtungen), in Wäs trifft. Diese Angebote, worin sich die Gesuchs- die sich gemeldet haben, in Evidenz und rechnet schereien und Reinigungsanstalten, in Betrieben ſteller dem genannten Ministerium und der mit ihnen für den ersten Bedarfsfall. Einstweilen für die Gewinnung natürlicher Mineralwässer und Armee zur Verfügung stellen, sind ein schöner allen Freiwilligen aus den Reihen der geistigen Salze, in Drudereien aller Art und im Rundfunk Beweis der spontanen Opferwilligkeit unserer Arbeiter und Arbeiterinnen herzlichen Dant. beſchäftigt sind. ganzen Gemeinschaft und der Begeisterung für( Amtlich.) Warschau.( Reuter.) Dienstag vormittags fand auf der britischen Botschaft eine Beratung statt, nach der der britische Generalkonsul allen britischen Staatsangehörigen in Bolen mitteilte, daß es mit Rüdsicht auf das gegenwärtige tiche choslowakisch- deutsche Verhältnis erwünscht ist, sich sofort zu entscheiden, ob sie in Polen bleiben ober nach England gehen wollen, wohin der See- flowatischen Armee mit der ausdrücklichen Beweg über Gdingen noch offen stehe. die gerechte tschechoslowakische Sache. Ein GroßArbeiter stellt sich der tichechos Die Opfer tonung zur Verfügung, daß sie für ihre Dienste Böhm.- Budweis. Dienstag fand in Cafov teine Entlohnung fordern. Leider fann das bei Böhm.- Budweis das Begräbnis des Aufsehers Bonbon.( Savas.) König Georg VI.| Minifterium für nationale Verteidigung diesen ber Finanzwache St I ime in Unter- aid statt. empfing Dienstag abends den Botschafter Angeboten aus organiſatoriſch- technischen Grün- Klimes war bei der Gemeinde Bettwing in der der Vereinigten Staaten Kennedy. den nicht entsprechen. Das Ministerium für Ausübung feines Dienstes von Terroristen, die motionale Verteidigung fordert daher alle Angee über die Grenze flohen, erschossen worden Die Aublema banente her eine halbe stambe Diese Arbeitspflicht bezieht sich auf alle Bes schäftigten, ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht. Im Falle der Notwendigkeit sind durch die Ar beitspflicht gebundene Personen verpflichtet, ihre Beschäftigung, wo immer auszuüben, auch außer halb des Ortes ihres Aufenthaltes und der regelmäßigen Beschäftigung; nach Bedarf sind solche Personen verpflichtet, im Interesse der Staatsver= teidigung auch solche Leistungen zu verrichten, ie nicht zu ihrer regelmäßigen Beschäftigung gehören, Seite 4 Mittwoch, 28. September 1938 Bei unseren Flüchtlingen II. Bericht über zwei Rundfahrten Unser Besuch gilt den Flüchtlingslagern südwestlich von ra g. In 3., einem Ort mit etwa 3000 Einwohnern machen wir zum erstenmal alt. Man muß nicht lange fragen, wo hier die deuts schen Sozialdemokraten sind, die dieser Ort bisher nur vom Hörensagen gefannt hat und die es sich auch nie träumen ließen, einmal daher verschlagen zu werden. Schon auf der Straße kommen sie uns entgegen, Männer und Frauen aus dem Niederland, aus Nixdorf und Zeidler. Sie waren eben daran, sich an diesem herrlichen Herbstsonntag ein wenig die Umgebung anzuschauen. Sofort führen ihre Blicke auf die Zeitungen, die wir ihnen mitgebracht haben. Im Nu liest alles den„ Sozials demokrat", von dem wir ein größeres Bündel hierlassen: er hat selten aufmerksamere Leser gefunden. Inständig bitten uns die Genossen vor allem um eins: daß man ihnen das Blatt, ihr Blatt aber auch wirklich täglich schickt. Sie sind glücklich, als wir ihnen das zusagen können. Nun bringen sie uns noch in das zweite Lager des Ortes, in dem zwei prächtige Bodenbacher Genossinnen die Führung übernehmen. Hier, wo die Essensausgabe für alle in 3. untergebrachten Flüchtlinge erfolgt, ist die Unterbringung eine weit bessere und wir können beruhigter bald weiter fahren, nicht ohne ein größeres Bündel unserer Zei tungen verteilt zu haben. Auch hier große Freude darüber, daß das Blatt nun täglich kommen soll, auch hier kein Klagen und Jammern, höchstens die immer wiederholte Frage: Wißt Ihr nicht vielTeicht, wo mein Mann ist? Er war doch bei der RW und die Henleins haben es immer auf ihn abgesehen gehabt." Wir können diese Frage nicht beantworten, aber vielleicht wird es auf Grund der Fragebogen, die die Partei an alle Flüchtlinge verteilt, doch möglich sein, mancher Frau den Mann, manchem Kind den Vater wiederzugeben. Nächste Station H: Im Volkshaus der tschechischen Genossen sind Freunde aus Nord, Nord west- und Westböhmen untergebracht. Jubelnd besie uns in den Gasthof, in dessen Tanzsaal sie ihr Lager aufgeschlagen haben. Schon am Weg haben sie uns berichtet, daß sie mit der Verpflegung ganz zufrieden sind, daß aber die Unterbringung leider manches zu wünschen übrig läßt. Wir sind auch tatsächlich etwas betroffen, wie wir in den Saal eintreten, der 40 Menschen Schlaf- und Aufentjaltsraum zugleich ist. Nur wenige Betten stehen hier, die meisten Wenschen müssen auf Stroh schlafen; da sie überhaupt nichts an Wäsche mitnehmen fonnten, fönnen sie sie auch nicht wechseln. In der Nacht müssen sie angezogen, ohne Decken in dem zugigen Raum auf bloßem Stroh schlafen. Es gibt feine ordentlichen Waschgelegenheiten, nur bei der Pumpe am Hof fann man sich notdürftig waschen und noch dazu muß man mit dem Wasser sparen. Da der Großteil der Flüchtlinge aus grüßen uns Bekannte, viele erinnern sich, den oder Frauen besteht, ist das ein Zustand, der auf die ienen der Besucher in einer Versammlung spreDauer einfach unhaltbar ist. Wir verlangen für hen gehört zu haben. Unſer Zeitungsvorrat unsere Flüchtlinge sicher nicht, daß man sie behan- schmilzt zuſammen, aber auch dorthin wird schon diese Nummer unseres Plattes wieder zuge land, einen Herrn, deſſen Auftraggebern dieſe ſtellt. Die Unterbringung ist leidlich, die Koſt iſt raven judetendeutschen Arbeiter und Arbeiterin gut, die Flüchtlinge sprechen voll Dankbarkeit von nen den Verlust ihrer Heimat verdanken. Wir ver- dem Entgegenkommen, das sie überall finden. fangen auch nicht, daß man sie hier jo hätscheltwäsche wäre notwendig, auch Deden für die Nacht. wie die Landsknechte vom Sudetendeutschen Frei- Schon sehen wir Frauen verschiedene Wäschestüde orps im Dritten Reich, aber menschenwürdig muß waschen, für die ſie doch Erſatz aufgetrieben haben, man diese unschuldigen Opfer ihrer Ueberzeugung schon werden Männerhosen gebügelt, die Kinder spielen auf einem großen, schönen Spielplak, fie and ihrer Treue zum Staat behandeln. Doch mag s ihnen noch so schlecht gehen, mögen ihnen, was fühlen sich hier schon sehr heimisch. Rasch noch ein vir nicht hoffen wollen, noch ärgere Tage bevor- Bericht an die aufmerksam zuhörenden Genoſſen tehen, nichts tann sie erschüttern in über die politische Lage, dann noch ein Blick in ein ihrer Liebe zur Partei, in ihrem zweites der vier Lager der Stadt, die 5000 EinGlauben an die Bewegung, der sie in des Wortes wohner umfaßt. Auch hier die gleichen günstigen wahrster Bedeutung ihr Leben geweiht Gindrücke, auch hier dieſelbe Freude über unſer haben. Keinen Laut des Jammers, fein Slagen Sommen und über die mitgebrachten Zeitungen, sernimmt man von ihnen über ihr Schicksal. Sie von denen ein Vertrauensmann der Flüchtlinge ind gefaßt und beherzt. Nichts kann sie wantend ein Baket nimmt, um sie den reſtlichen Lagern machen in ihrer Ueberzeugung, daß es unsere zufommen zu lassen. Sache sein wird, die schließlich siegt, daß sie an In der Bezirksstadt N. finden wir eine delt wie einen anderen Flüchtling in dessen Gaster Partei eine so feste Stüße haben wie diese an hnen. Die Männer, soweit sie nicht eingerückt sind aber noch in der Heimat auf dem Posten stehen, sprechen davon, daß sie versuchen wollen, in dem nahen Königshofer Zementwerf Arbeit zu bekomnen. Sie sind feine Almosenempfänger, sie wollen n jeder Lebenslage von ihrer Hände Arbeit leben. Aber zunächst wollen sie, die von der Welt abgeschnitten, ohne Zeitungen und ohne Radio, in einer Gegend leben, deren Sprache sie nicht verstehen, zunächst wollen sie wissen, was in der Welt voreht, wie die weitere politische Entwicklung sein vird, ob denn die Bäume des Faschismus wirklich In den Himmel wachsen sollen. Gierig werfen sie Was essen Gruppe von Graslizer Genossen beim Mittagessen. Auch sie bejammern ihr Los nicht, sondern freuen sich, daß die demokratische Republif erneut ihren Lebens- und Abwehrwils Ten gezeigt hat. Mitten unter den Arbeitern und Arbeitermädchen, die mit unverkennbarem Appetit ihr Gulasch essen, sist, ein wahrhaft rührendes Bild, der pensionierte sozialdemokratische Oberlehrer von Grasliß. Er fennt die Flüchtlinge von flein auf, er war ihr Lehrer und Berater, aber auch ihr Genosse, er bleibt auch in den Stunden der Gefahr bei ihnen und will fie nie verlassen, will nie anders leben als unter Gleichgesinnten in einem freien Land. Ueber 50 Dort erscheint der Bauerntrapfen, der ein ganz anderes Aussehen hat als der gefüllte runde Strapfen des Stadtbäckers, nicht allein an den die Sudetendeutschen? hohen firchlichen Festtagen, sondern auch zu 30In dem Sammelwert,„, Das Subetendeutsch- hanni, zum Abschluß des Kornschnittes( Schnittum, sein Wesen und Werden im Wandel der terfrapfen), zur Kirchweih und zu anderen AnJahrhunderte", das soeben in zwei Bänden im läsſſen. Und nur zu Weihnachten tritt ihm der Verlag Rudolf M. Rohrer, Brünn, erſchienen und Striezel zur Seite, den man als Stollen auch in in welchem eine Reihe interessanter Beiträge ent- Nordböhmen und anderen Landschaften kennt, wo halten ist – wir werden auf das Wert noch zu- aber auch das Chriſtbrot und andere Weihnachtsrüdfommen veröffentlicht Univ.- Prof. Dr. Gu- gebäcke üblich sind, stav Jungbauer eine Studie„ Sudeten- und farpathendeutsche Volkskunde", der wir die nachstehende interessante Stelle entnehmen: Mr. 228 Reichs- Katzenjammer wegen Henlein Die ,, Lidové Noviny" berichten aus Eger: Einige Reisende, die aus Deutschland kn men, erzählen über Unruhen in München, Hamburg und Berlin und über Versuche, Demonstrationen gegen den Krieg zu veranstalten. Nach anderen Nachrichten aus Deutschland herrscht an nazistischen Stellen große VerärLehrer bekannten sich im Bezirk Graslih nach dem Umsturz zur Partei der Arbeiter, vor kurs zem waren es nur noch zwei, die den schimpflichen Weg der Gleichschaltung nicht gegangen sind. Einer von ihnen sist jetzt mit uns in der Hinterstube eines Gasthauses in einer ihm völlig fremden Umgebung und erzählt uns, während sein Auge den Blick nicht von der Zeitung lassen fann, mit stolzer Vefriedigung, de es gelingen wird, 18 Graslizer Arbeiterfamilien hier im Tschechischen in einem Betrieb unterzubringen. der gleichfalls von Graslik her übersiedeln will. gerung über das Mißlingen des Henleinputſches. Aber nicht von sich wollen diese herrlichen Menschen sprechen, sie fragen nur, wie es mit der Partei steht, ob sie dem Ansturm auch weiter gut standhält, ob denn die Stunde der Abrechnung bald schlagen wird. Henlein und Frank wird vorgeworfen, daß sic die reichsdeutschen Nazis über die Verhältnisse in der Tschechoslowakei unrichtig informierten, do ihre Flucht die SdP- Anhänger desorien tierte, wie auch, daß sich die tschechoslowakischen Behörden der Waffenlager, der geheimen Sender fien enthüllen konnten. Auf diese Vorbereitun bemächtigen und die geheimen Pläne derHenleinigen waren viele reichsdeutsche Millionen verwen det worden. Die Nazi bedauern den Verlust dieser Geldmittel und ihre Erregung fehrt sich gegen ten angeblich von der Gest a po bewacht. Die Henlein- Helden nirgends Niedergeschlagenheit, aber überall, Nirgends haben wir Kleinmut angetroffen, hier mehr, dort weniger, Bedarf an fürsorges rischer Nachhilfe. Das Entgegenkommen der staatlichen und kommunalen Behörden und der Fürsorgeforenlein und Frank. Diese beiden Führer wer porationen ist einzigartig, die Bevöl terung dieses hundertprozentig tschechischen Gebietes verhält sich zu den Fremdlingen, von denen faum einer etwas tschechisch radebrechen kann, beispielhaft. Deutsche haben diese deutschen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, weil sie ihrer Ueberzeugung treu geblieben sind, bei Tschechen haben sie freundliche, ja vielfach herzliche Aufnahme gefunden. Wo bleibt da die Stimme des Blutes"? teilen uns mit, daß feiner von den HenleinFreunde, die jest als Reservisten einrüdten, Lenten, die nun gleichfalls tschechoslowakische Soldaten sind, sich etwa zu ihrer Gesinnung oder zu ihrer bisherigen mitgliedsmäßigen Zugehörigkeit zur eingestellten SdP bekennen. Die Sop- Leute hat en weder Herrn Henlein Gefolgschaft geleistet, Aber vieles bleibt zu tun, die Demokratische als er, selber ausgerissen, aus sicherem Versted in Flüchtlingshilfe erwarten gewaltige Aufgaben. Deutschland aufforderte, dem Mobilisierungsbefehl Der Wäschemangel wird in wenigen Tagen schon nicht zu gehorchen, noch haben sie den Mut, au unangenehme Auswirkungen zeitigen, wenn gestehen, daß fie eben Henlein- Leute waren oder nicht rechtzeitig etwas geschicht. Der Mangel an gar geblieben sind. Alle möchten sie jest, Waschgelegenheiten und an Trinkwasser birgt da das Blatt sich gewendet hat und da sie Soldas ernſte geſundheitliche Gefahren in sich. Sier gilt ten gevorden sind, von ie her treue es schleunigst einzugreifen und es wird auch ein Staatsbürger gewesen sein. Bei den gegriffen werden. Die Flüchtlinge können über Komgagnien und Regimentern, denen sie zugezeugt sein, daß die Sozialdemokratie teilt sind, versuchen sogar etliche von ihnen, sich ihre treuesten Söhne nicht verplötzlich als deutsche Sozialdemoras läßt. Und sie sind davon überzeugt. Sie spres en oder Kommunisten auszugeben! Wenn aber chen mit Liebe von der Partei, an der sie mit schon nicht das, so ziehen sie sich zumindest auf allen Fasern ihrer Herzen hängen, sie sprechenbre angebliche Parteilosigkeit" zurüd. mit Haß und Verachtung von den Gegnern, die Auch diese Erscheinung ist fennzeichnend für ihnen nicht das bißchen nackte Leben gönnen. Und die gewandelte äußere Situation, die aber zuwenn man sie so untereinander sprechen hört, als gleich auch innere Wandlung der Menschen nicht wäre das, was sie um ihrer Ueberzeugung wil ausschließt. Ten auf sich genommen haben, eine Selbſtverſtändlichkeit, wenn man hört und ficht, wie jie nach nichts so sehr verlangen als nach dem Wort und dem Zuspruch der Partei, dann fühlt man es: mag es noch so wüst um uns zugehen, eine solche Bewegung fann man nicht vernichten. Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht! Achtung vor Spionen! b. Von hoher militärischer Stelle werden folgende Mahnungen ausgegeben: Achtung auf Spione! Unbekannten Leuten foll man nichts erzählen. Vor unbekannten Leuten foll man nicht sprechen. Neugierige follen an Ort und Stelle fichergestellt werden. Reservisten sollen mit niemanden über ihre Zuteilung sprechen. Die Referviftenfrauen sollen niemanden erzählen, woher ihnen ihr Mann geschrieben hat und bei welcher Waffengattung er zugeteilt ist." " Einschränkung der Auslandsreisen männliche Personen, die der Wehrpflicht nach Durch Regierungsverordnung wird für dem Wehrgesete oder der Pflicht zu persönlichen Leistungen nach dem Staatsverteidigungsgesehe unterliegen, alfo Personen im Alter von 17 bis 8u603ahren, die Ausstellung von Päffen für Reifen ins Ausland verboten. Ausnahmen fann die Landesbehörde im Ein. bernehmen mit dem zuständigen Korpskommando bewilligen. Spenden für Staatsverteidigungszwede. Am 24. September betrug der Fonds für Staatsvers teidigungszwvede 543,054.795 Kč, am 26. September 546,968.070 Kč. Die Anzahl der Spen= der betrug am 24. September 337.778 Personen, am 26. September 339.884 Personen. Von Getränken kommt neben Wasser in der heißen Sommerszeit oft saure Milch, an Neſttagen selten Schnaps in Betracht. In neuerer Zeit wird liebter. Met( Honigivein) ist heute fast unbe Kaffee- meist aus Korn gebrannt- immer be kannt, während z. B. der Egerer Honigmet im 16. Jahrhundert weithin berühmt gewesen ist. Säufig bereitet man aus Hagebutten, Ribiſeln. Heidelbeeren u. a. Hausweine. gelegten Eier, die sogenannten Antlasseiener| Leichenessen, einem Leichenbier oder zum Leid( mh. d. Antlaß, Evtlassung, Erlaß, Ablaß. 3m vertrinfen" usw. einzuladen. Meist beschränkt sich Mittelalter wurden am Gründonnerstag die die Bewirtung auf die nächsten Verwandten. Wird öffentlichen Büßer wieder in die Kirche aufgenom- eine ledige Person begraben, welche die richtige men und losgesprochen, weshalb er noch heute in Sochzeit nicht mehr halten fonnte, jo feiert man Süddeutschland Antlaßtag oder Antlaßpfinztag im Braunauer Ländchen, im Adlergebirge, Schönheißt.) In einzelnen Orten Weſtböymens werden hengitgau und anderen Gegenden die Totenhochdiese Eier am Heimweg von der Kirche ſtehend mit zeit, bei welcher stets getanzt wird. der Schale verzehrt, was für die Gesundheit sehr gut ſein und gegen Leibschaden( Bruch) helfen Am Neujahrstag ist das Essen besonders richten vorgeschrieben. So gibt es im Riesenge wichtig. In Egerland ißt man vor allem Sirsebrei, birge am Weihnachtsabend neuerlich Gerichte, denn dann hat man im ganzen Jahr viel Geld. worunter früher stets auch aus Pilzen bereitete Hirse, in neuerer Zeit Neis, wird auch sonst als Speisen waren. Auch in Weſtböhmen ist in manNur bei der ländlichen und kleinstädtischen segenbringende Stultspeise genossen, z. B. noch chen Bezirken am heiligen Abend Schwämme Bevölkerung kann man noch von einer altüber vielfach bei Hochzeiten. Am Neujahrstag ist der brühe ein feststehendes Gericht. In neuerer Zeit lieferten Volfsnahrung sprechen. Auch hier gibt Egerländer gern auch Schweinefleisch, weil es tommt an diesem Tage ein Apfelstrudel auf den es große Unterschiede. Die beim Schweineschlach ebenfalls Glück bringt. Je fetter das Fleisch ist, Tisch, in Nordböhmen werden am Weihnachtsten im südlichen Böhmerwald seit alters her desto besser lebt es sich im neuen Jahre. Wer aber abend neben Fischen oft auch Bratwürste bevorerzeugten Fleischwürste" und" Leberwürste" sind einen Hasen oder eine Gans ist, dem läuft, bzw. zugt. etwas ganz anderes als etwa die" Graupen- fliegt das Glück davon. Auch in der Iglauter Auch die Festtage im einzelnen Menschenwürste" in Nordmähren, Schlesien und in der Sprachinsel ist man zu Neujahr Schweinsohr und leben sind durch besondere Gerichte ausgezeichnet. Sprachinsel Deutschproben, und die ,, Leberwürste" Schweinsrüssel mit Stren: es muß überhaupt So bereitet man im südlichen Böhmerwalde bei sind durchaus nicht dieselben wie in anderen Schweinernes auf den Tisch, dann hat man das der Geburt eines Kindes den" Samfas"( ChriGegenden. Aus der Verwendung anderer Zu- ganze Jahr„ Sau". Auch in Brünn ißt man das sam- Käse), der den Taufpaten und Gästen vorge taten und Gewürze ergeben sich oft schon zwischen selbe, womöglich einen gefochten Schweinstopf. fezt wird. Er bildet mit Weißbrot den TaufDörfern, die nur stundenweit von einander ents Aus diesem bricht sich jedes Familienmitglied schmaus, der je nach den Vermögensverhältnissen fernt liegen, Unterschiede in der Art und im Ge- einen Zahn heraus, den man als glückbringenden der Eltern bald dürftig, bald reichlich ist und sich Powidel( povidla Pflaumenmus) gefüllt sind, schmad der Speisen. Talisman in die Geldbörse legt. Auch in der in manchen Gegenden zu einem vollen Mahle mit Liwanzen( livanec= Gießtalfen), Wuchteln Im ganzen Gebiet scheidet man noch immer Sprachinsel Deutschproven pflegt man zu Neu- Suppe, Fleisch und Zuspeisen, Gebäck und Ge-( buchta) u. a. Doch gibt es da bisweilen feinere zwischen Alltagsnahrung, bei der Brot- und Mehl- jahr gewöhnlich Schweinernes zu essen. Im Rie- tränken( Bier oder Wein, Kaffee) erweitert. Beim Unterschiede. Im südlichen Böhmerwalde heißen speisen, dann Kartoffeln, Milch und Kraut im fengebirge ißt man ihsebrei nicht allein am Neu- Hochzeitsmahl war es im Egerland selbstverständ- die nicht gefüllten Buchteln„ Ofenknödel“ und nur Vordergrund stehen, und den Festtagspeisen, bei jahrstag, sondern hie und da auch am Aschermitt- lich, daß der glückbringende Hirsebrei nicht fehlen die mit Mus u. a. gefüllten, also besseren Buchten welchen sich feſte Speiſenfolgen namentlich bei woh. Die Ostertage selbst bringen nach der langen durfte, und es entstand daher die Redensart: werden Wuchteln" genannt. Mitunter tann fich Hochzeiten und zur Kirchweih ſeit Jahrhun- Fastenzeit eine Fülle von Sveisen. Der Osterlais,„ Er ist wie der Hirsebrei auf allen Hochzeiten." für ein ganzes Festessen die tschechische Bezeich derten erhalten haben. Vielfach fehlen auch heute im Riesengebirge auch„ Süßbrot" genannt, ist als In Südböhmen aibt es unter den Hochzeitsges nung samt dem Brauche einbürgern. So heißt in noch bei solchen Festmählern Kartoffeln und dies Festgebäd besonders im mitteldeutschen Gebiet da bäden neben den Krapfen Kolatichen u. a., auch Nirflowiß im Bezirke Olmüz der Leichenschmaus nur deshalb, weil sie zu jenen Zeiten, aus welchen heim. Am Ostersonntag pflegt man ein ge- Gugelhupfe. Ein großer Gugelhupf, in dem ein" Trachta"( tschechisch trachta= Schmaus. Das diese altüberlieferte Speisenfolge stammt, in badenes Bidel zu verspeisen. Während dies nur Bäumchen mit allerlei Zuckeriverk und eine Wiege Wort ist aus dem deutschen„ trattieren" entstanEuropa noch unbekannt waren. Im bayerischen vereinzelt üblich ist, ist der Brauch weit verbreitet. mit einem Kindlein an der Spize stedt, Stammesgebiet ist die wichtigste Festspeise der in daß an diesem Tage alle Hausgenossen beim Essen gewöhnlich auf den Brauttisch, während Ileinere geht). Während die böhmische Küche auch auf tommt den, das wieder auf lateiniſches tractare" zurüids heißem Schmalz gebadene Strapfen. 3m mittels auch ein hartgekochtes Ei verspeisen. Gewöhnlich Gugelhupfe ohne Wiege auf den übrigen Tisch fudetendeutschem Boden Antlang gefunden hat, deutschem Gebiete entspricht ihm der im Backofen sind dies Eier, die mit dem Osterlaib und Fleisch chen stehen. Fast überall ist es endlich üblich, nach fann man bei den Deutschen der Slowakei und oder in der Badröhre gebadene weniger fette Ken während des Dochamtes geweiht wurden. Man einem Begräbnis entweder in das Trauerhaus Karpahhenrußlands eine starte Abhängigkeit von gen, ben man als Streufeffugen am liebsten hat, nimmt hiezu vor allem die am Gründonnerstag oder in das Gasthaus au einer Totensuppe, einem der madjarischen Küche feststellen, Bei Nachbarvöltern kommt es natürlich besonders bei Speisen und Getränken zu Entlehnun gen Das Fremde schmeckt immer besser als das Bekannte, aber Frauen, Köchinnen und Dienstmädchen pflegen die geivohnte Stüche auch in fremder Umgebung zu bevorzugen. Der Deutsche hat von den Tschechen vornehmlich Mehlspeisen mit ihren Bezeichnungen übernommen, so z. B. Kolatschen( foláč Kuchen), die nicht selten mit Mr. 228 Tagesneuigkeiten Unkultiviert und abstoßend So hat der tschechoslowakische Gesandte in London. Ian Mas ar y t. in einer kurzen Erklärung. die er Pressevertretern gab, Hitlers Sportpalaftrede charakterisiert...Mein Vater und meine Mutter tra fen sich", so sagte er... unter dem Schild der ewigen deutschen Kultur. Die Rede aber, die ich heute abends hörte, war so unfultiviert und so abſtokend, daß ich stola bin auf die Entscheidung meiner Regierung. sich feft gegen die Autoren einer Mentalität au ſtellen. die die europäische Zivilisation vernichten will." Unkultiviert und abſtokend" noch mild ift diese Charakterisierung der Rede Hitlers. Millionen Menschen in aller Welt haben sie gehört. Millionen Menschen in aller Welt waren entfest, angewidert, abgestoßen. Wohl ist das Entscheidende der Inhalt: die Unversöhnlichkeit, die Maßlosigkeit der Forderun gen, die unverhüllten Drohungen, alles das, was den Krieg in eine so unmittelbare Nähe gerückt hat. Aber diese Maklofigkeiten und Drohungen waren in cine Form gekleidet. die die Hörer schaudern machte. Nie noch hat ein verantwortlicher Staatsmann fo gesprochen! So wild, so hemmungslos! Nie noch hat ein Staatsführer so rüde geschimpft, so unbedenklich ein anderes Staatsoberhaupt geschmäht. nie noch gab es einen so widerlichen Exhibitionismus eines Politifers! So, in solchem Ton, in so roher Art sprach der Mann, der an der Svibe eines Boltes steht, das einit in der vordersten Reihe der Kulturnationen stand. das seiner Kulturhöhe wegen von allen anderen Völ fern geachtet und bewundert wurde! Und nach einer folchen Rede schreien die Hörer im Chor: Wir danken dem Führer! Welche Entwicklung nach abwärts! Der Redner selber, an dessen Ohr kein kritisches Wort dringt, der nur Lobhudeleien hört, wie sie fein Kaiser von Byzanz geduldet hätte, der Redner, dem auch Selbstkritik etwas völlig Fremdes ist, der aber auch nicht Awischen kultivierter Sprache und jener, die man..geschwollen" nennt, zu unterscheiden vermag, dem Sprachgefühl fehlen muß, weil ihm die feelische Kultur fehlt, und der so schimpfend doch vor allem fich selber offenbart, dieser Mann selber fann gar nicht ermessen, er vermag gar nicht zu abnen, was er mit dieser Rede angerichtet hat. Mittwoch, 28. September 1938 gegenzukommen. Es ist eine unermüdliche Arbeit und eine Ueberschreitung der Arbeitszeit notwen dig, damit der Dienſt vollkommen ift. Wir haben alle notwendigen Schritte unternommen, damit die Behörden den Unternehmungen behilflich sind. Jeder auf seinem Plaz, alle bei der Arbeit aus harren! Sympathie- Kundgebung 100 Reichsmart geschriebenen Formulare herauszugeben. Ohne biefe| Man erhält für Anweisungen darf Betriebsstoffgemisch nicht abgege ben werden. Eine ähnliche Ermächtigung gilt auch für die Bezirksbehörden, soweit es sich um die Erteilung von Anweisungen auf Gemische für landwirtschaftliche Maschinen und für den Gebrauch landwirtschaftlicher Arbeiten handelt. Die Herausgabe von Gemischen für andere Motorfahrzeuge, wie z. B. Motorräder und Motorsykeln ist verboten. 4.08 Uhr, fuhr in se olin der Lastzug Nr. 2227 Eisenbahner- Tod. Am 27. September, um auf ein außer Betrieb befindliches Geleiſe. Bei dem Unfall fam der Zugsbegleiter Jaroslav englischer Advokaten Das Justizministerium in Prag hat gestern folgendes Telegramm aus London erhalten: zweihundert englische Advokaten möchten Ihnen und Ihrem tapferen Vaterlande gerne ihre wärmste Sympathie aussprechen, und ihre Ab- up án ums Leben, der Zugsbegleiter Fran sie Ihnen zu Hilfe kommt. Batonier. sicht, die englische Regierung zu bewegen, damit tišek Pirto wurde leicht verletzt. Der Verkehr tourbe nicht unterbrochen. Die Ursache des uns glüdes wird untersucht. die Beschränkte Ausgabe von Betriebsstoffgemischen Ausgabe von Metriebsstoffgemischen folgenderBrag. Gemäß einer Regierungsverordnung wird maßen beschränkt: a) für Personenauto mo bile 5 Liter, b) für 2a st automobile bis zur Tragfähigkeit von 1% Tonnen 10 Liter, über 1½ bis 8 Tonnen 15 Liter, über 8 Tonnen 25 Liter täglich. Auf einmal darf der Verbrauch höchstens für vier Tage in der festgesetzten Menge bezogen werden. Anweisungen für die Abnahme von Betriebsstoffgemisch innerhalb der vorgeschriebenen Mengen werden die Gemeindebehörden an den Orten herausgeben, wo sich das Fahrzeug gerade befindet, und zwar auf vorgeschriebenen Formularen. Bevor diese Formulare veröffentlicht und durch die Gemeindebehörden abgedruckt sein werden, ermächtigt das Oberste Wirtschaftsamt die Gemeindebehörden, die notwendigen Anweisungen einfttveilen ohne die vor Wartmünzen 100 rumänische Lei 100 polnische Bloth 100 ungarische Pengö 100 Schweizer Franken 100 franzöfifche Francs" 1 englisches Pfund. 1 amerikanischer Dollar. 100 italienische Lire. 100 holländische Gulden 100 jugoslawische Dinare Seite Kč 358.420.17.35 448.50 423.50 657.50 77.95 139.29.05 104.40 1564.50 64.80 Die Verordnung, die Sonntag in Kraft getreten ist bestimmt im wesentlichen: Alle physischen und juristischen Personen, die im Inland ihren Wohnsiz( Sib) haben oder sich hier Nur kurze Telephongespräche! Die Postvers länger als ein Jahr aufhalten oder im Inland ein waltung ersucht alle Telephonteilnehmer ebenso unternehmen betreiben, sind verpflichtet, die tiefer wie die gesamte Bevölkerung, sich bei allen Tele- angeführten Werte, deren Eigentümer sie gestern was lichst turz zu halten, um die Leitungen nicht uns hatten, zu verzeichnen und der Tschechoslowakischen phongesprächen, ob urban oder interurban, mög- ren oder die sie aus irgend einem Rechtsgrund inne nötig zu belasten. Je fürzer desto besser! Nationalbant bis 30. September 1938 und Töblicher Unfall eines Franco- Generals. Werte, die sie später erworben haben, längstens inBei einem Autounfall unweit von Burgos kam der nerhalb vierzehn Tagen nach Erwerb abzuführen. Chef des Franco- Nachrichtendienstes General Inland verlegen werden. find gleichfalls konstripPersonen, die ihren Wohnsitz( Sib) nach dem Carracosa ums Leben. tions und anbotpflichtig, resp. zur direkten Abfuhr Sowjet- Pilotin vermißt. Das Flugzeug der verpflichtet, und zwar innerhalb vierzehn Tagen vom Sowjetpilotin Gri zobudova, der Abgeord- Tage gerechnet, an dem sie nach dem Inland überneten des höchsten Sowjets der USSR, das am siedelt sind und nach dem Stand des Uebersiedlungs24. September zu einem Nonstop- Fluge von Mos- tages. tau nach dem Fernen Osten startete, wird seit Der Konstription und dem Angebot sind fol25. September vermißt und wurde bisher nicht gende Werte unterworfen: aufgefunden. Nachforschungen wurden durch Forderungen gegen das Ausland, mögen sie wann a) ausländische Zahlungsmittel, b) sämtliche Flugzeuge und Landeserpeditionen aufgenommen. immer und in welcher Währung immer entstanden Der Flugverkehr Bukarest- Prag wurde sein, c) unverarbeitetes Gold, Silber und Platin, wieder aufgenommen. goldene und filberne Medaillen und goldene und filberne Handelsmünzen fowie Gold und Platin in halb verarbeitetem Zustand, d) sämtliche Wertpapiere, die auf fremde Währung lauten oder ausländischen Ursprungs find, insbesondere Kaffenscheine, Pfands briefe, Teilschuldverschreibungen. Attien, Genußscheine und Lose, und zwar ohne Rücksicht auf Ort und Art der Verwahrung. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Wie das Dritte Reich die Sudetendeutschen köderte Die Konstriptions- und Anbotpflicht ausländischer Personen, die im Inland ein Unternehmen bes treiben, bezieht sich auf jene Werte, die im inländischen Unternehmen erworben worden sind oder einen Bestandteil des Grund- oder Betriebskapitals bilden. Von der Konstriptions- und Anbotpflicht sind befreit: a) die angeführten Werte, insofern der ges Abzüge haben sie überhaupt nicht, so daß fie sich famte Kurs oder Marktpreis dieser Werte im Eigenwesentlich besser stehen als die reichsdeutschen Ar- tum oder im Besiz der gleichen Person 1000 Kč nicht übersteigt; b) Forderungen gegen das Ausland, die der Eriverber schon auf Grund§ 15. Abs. 1. der beiterinnen." Schon früher wurde berichtet, daß nur solche Sudetendeutsche in Deutschland Arbeit erhalten, die der Henleinpartei angehören. Darüber liegen weitere Berichte vor, so zum Beispiel: Vielleicht hat er mit dieser Rede den Frieden sertrümmert. Das fann er gewollt haben. Aber er hat auch den lebten Rest des Glaubens an eine Tebende deutsche Stultur vernichtet. Deutschlands An fehen als Kulturstaat ist dahin. Es ist unvermeidlich, daß man bom..Führer" auf das Volt schließt. Die auf Meldungen der illegal arbeitenden Ihm selber und seiner Umgebung mag, selbst wenn sie erkennen, daß nun in der Welt nur noch Vertrauensmänner in Deutschland aufgebauten von einer gewesenen deutschen Kultur gesprochen.. ..Deutschland- Berichte" der sozialdemokratischen wird, das als belanglos erfcheinen. Sie haben ia so Partei Deutschlands enthalten in ihrer lebten Verordnung Nr. 46/24 im Wortlaut der Verordnung viele Flugzeuge und Tants, so viele Kanonen und Ausgabe reiches Material über die ArbeiterNr. 225/35 abzuführen verpflichtet ist, ferner Forbe Maschinengewehre- was kann da das Kulturgerede anwerbungen aus dem fudetendeutschen Gebiet, rungen, die aus den im gleichen§ 15, Abs. 1, angebebeuten! führten Gründen gegen Staaten zustehen, mit denen dengwed, den das Dritte Reich damit verfolgt und Die Sudetendeutschen müssen natürlich das der Zahlungsverkehr besonders geregelt ist sowie schaft. Wir entnehmen den Berichten: SDP- Buch befizen und in die DAF eintreten. Auch Forderungen, die bereits auf Clearingtonti eingezahlt dürfen fie in der Tſchechoſlowakei in keinem Stonfum, worden sind; c), die im§ 1. Abs. 3 lit. c angeführe Das wichtigste und wirksamste Mittel der bei feinem Juden und auch nicht bei arbeiterfreund- ten Werte, insoferne ihre Eigentümer oder Inhaber deutschen Propaganda unter den Sudetendeutschenlichen Geſchäftsleuten einkaufen. Bei lleberschreiten Berfonen find, die zum Handel mit Edelmetallen besind die Arbeiteranwerbungen, die der Grenze müssen sie in Deutschland den deutschenrechtigt find; d) numismatische Sammlungen, soeinen immer größeren Umfang annehmen. Reichs- Gruß anwenden. ferne sie von der Nationalbank vom Pflichtanbot bes deutsche Firmen geben in judetendeutschen Zeitun Einem seit drei Wochen hier beschäftigten Subie Nationalbant auf besonderes Gesuch von der freit sind. Andere numismatische Sammlungen fann gen Stellengesuche auf. Gelernte und ungelernte detendeutschen wurde vom Boliet mitgeteilt, daß Stonskription und vom Anbot befreien. Arbeiter werden in Zusammenarbeit zwischen feine Frau in der Tschechoslowakei im foaialdemokra reichsdeutschen und sudetendeutschen Amtsstellen tischen Konsumberein einlaufe. Dies habe in Zukunft zu Tausenden ins Reichsgebiet vermittelt und dort au unterbleiben, wenn er weiter beschäftigt werden nicht zuletzt auch auf strategischen Bauten be- wolle." schäftigt, die gegen die Tschechoslowakei gerich Wenn die ganensächlich ist die Wirkungen auf die einheimische ArbeiterAber gar bald schon können die Ueberheblichen erfahren, daß den einen Kulturfremben bedroht sieht, dann muß sie sich aur Verteidigung der Kultur gegen ihn zuſammenfchließen! Elsenbahn- Katastrophe in Deutschland 15 Tote Effen.( Havas.) Bei Borken unweit von Essen ereignete sich Montag ein schweres Eiſen bahnunglüd, dem 15 Menschenleben zum Opfer fielen. Fünf weitere schwer verletzte Personen wurden ins Krantenhaus übergeführt. Flüchtlinge, Achtung! Flüchtlinge, welche von ihren Angehörigen getrennt sind und wünschen, mit ihnen in Verbins dung zu kommen, wenden sich schriftlich an die Flüchtlingsfürsorge in Prag II., Na Přitopě 26, Deutsches Haus. In Hotels, Restaurants und Kaffeehäusern normaler Betrieb! Der Verband der Hoteliere und Großrestaurateure in der Tschechoslowakischen Republik wendet sich an alle Hoteliere, Kaffeehausbesißer und Restaurateure mit folgendem Aufruf: Die außer ordentliche Zeit erfordert die Bereitschaft aller guten Bürger. Euere Unternehmungen dienen der Deffentlichkeit und sie helfen durch einen ordentlichen Betrieb, das Publikum zu beruhigen. Deshalb fordern wir alle, denen das Wohl des VaterTandes am Herzen liegt, auf, sich zu bemühen, den Betrieb in unvermindertem Umfang aufrecht zu erhalten und in jeder Hinsicht dem Publikum ent tet sind. Dieſe ſudetendeutſchen Arbeiter werben vor wiegend im Grenzgebiet beschäftigt, während die reichsdeutschen Arbeiter aus diesen Gebieten in andere Landesteile verschickt werden. Darüber äußert sich ein Berichterstatter wie folgt: ..Daß die Sudetendeutschen nur im Grenz aebiet und nicht im Innern Deutschlands beschäftigt werden, hat seinen Grund u. a. darin, daß die Lebensverhältnisse im Innern viel schlech ter find, als in den Grenzgebieten. Aus probagandistischen Gründen werden deshalb die Sudeten deutschen nur in den Grenzbeairlen beschäftigt, damit fie die wahren Verhältnisse im Innern nicht fennen lernen. Man versett deshalb lieber die reichsdeutschen Arbeiter aus dem Grenzgebiet ins Innere des Landes. Ueber den Umfang der Arbeiteranwerbung in der Tschechoslowakei und die Art der Beschäftigung der Sudetendeutschen sagen die Berichte: Das Verhältnis zwischen den reichsdeutschen und den sudetendeutschen Arbeitern ist nicht gut, weil die Henlein- Beute fanatischer sind als die 100prozentigen reichsdeutschen Nazis. Mit den fonsfriptions- und anbotpflichtigen Werten darf von nun an bis zur Entscheidung der Nationalbank nur mit Bewilligung des Noteninitituis verfahren werden. bi bierzehn Tagen Gemerb bie im§ 14 Sub Se §4 ordnet an, daß ohne besondere Aufforderung an die Nationalbant längstens bis 30. September. lit. a und c( fremde Valuten, Edelmetalle) im§ 1. Abi. 3. lit. b angeführten Auslandsforderun= gen abzuführen sind, und zwar in einer Weise, die und ſudetendeutschen Arbeitern schlecht ist, hat die Nationalbank beſtimmen wird. Durch dieſe AbDaß das Verhältnis zwischen reichsdeutschen wenn die Abfuhr durch ihre Vermittlung erfolgt, den Namen der Partei an die Nationalbant nicht befanigeben; in diesem Fall werden fie bei der Melbung der Abfuhr an Stelle des Namens der Partei lediglich anführen, daß es sich um eine direkte Verwertung handelt. vor allem zwei Ursachen: 1. Die Mehrzahl der fuhr wird der Eigentümer oder Inhaber von der reichsdeutschen Arbeiter ist längst nicht mehr vom Konstriptionspflicht der abgeführten Werte befreit. Dritten Reich begeistert und in ihrer Gesinnung Banken, Geldinstitute und Firmen müssen, teine Nazis. Dagegen sind die Sudetendeutschen gegenwärtig die besten und fanatischsten Anhänger Hitlers. Sie sind deshalb in der Mehrzahl mit den Arbeits- und Lebensbedingungen zufrieden, was die reichsdeutschen Arbeiter schon lange nicht Konstriptions- und anbotpflichtige Personen, mehr sind. 2. Die Sudeten- Nazis benehmen sich oft, als ob sie die Herren im Lande wären und beißt es im§ 5. die Wertpapiere laut§ 1. Abf. 3. denunzieren auch oft die einheimischen Arbeiter. lit. bei Geldinstituten gegen Inhaberbestätigungen in Verwahrung haben, können diese in der Form Vielen deutschen Arbeitern ist mittlerweile fonstribieren und anbieten, daß sie auf der Sonstripauch flar geworden, daß eine Befreiung" der tionsanmeldung an Stelle ihres Namens die NumSudetendeutschen den Krieg bedeutet. Da aber mer der Vestätigung und das Geldinstitut anfüh ..Bu Tausenden kommen fudetendeutsche Arbei- diese Sudetendeutschen von nichts anderem träu- ren, das diese Bestätigung ausgefolgt hat. Die Konter und Arbeiterinnen nach Sachsen in Arbeit. Vor men, als von dieser Befreiung, so trägt auch das ſtriptions- und Anbotpflicht können für diese Personen auch die Geldinstitute erfüllen, bei denen die allem find es Straßen. Bau- und sonstige Silfs dazu bei, das gegenseitige Verhältnis zu ver Effekten in Verwahrung sind. Geldinstitute dürfen arbeiter. Sie werden meist bei der Autobahn, auf schärfen. anderen Bauten, aber auch in der Industrie beschäf von fonskriptions- und anbotpflichtigen Personen tigt. Sie müssen ausnahmslos der Henleinpartei Die sudetendeutschen Arbeiter werden allge- auch während der Konstriptionsfrist. Wertpapiere in angehören und müssen auch für entsprechende Prova mein von ihren reichsdeutschen Kollegen schief an Verwahrung gegen Bestätigung annehmen; in dic aanda in der Tschechoslowakei sorgen. Diese aum gesehen. Sie werden als Eindringlinge betrachtet, sem Fall können Konstription und Anbot in der gleigroßen Teil besonders hitlerbegeisterten Leute sind die sich ins gemachte Netz sezen, während die chen Form wie oben erfolgen. Inland- Sendung meift nicht die beſonderen Freunde der reichbeut reichsdeutschen Facharbeiter zu Erdarbeiten abländischen Zahlungsmittel und Forderungen auf Die Nationalbant wird die übernommenen ausfchen Arbeiter. Einige dieser herüber gewanderten Brag- Melnik: 9.30 Morgenmusit( Blasquin- Arbeiter find allerdings auch schon wieder in die kommandiert werden Hinzu kommt noch, daß sich fremde Währung zum Tageskurs der Brager Börsc tett und Ghor). 10.10. Wulterer: Sirchweih. Tschechoslowakei aurüdgegangen. Sie bezeichnen die die Sudetendeutschen, natürlich alles Henleiner, abrechnen und Edelmetalle auf Grund ihrer Bebin11.00 Symphoniekonzert( Schallplatten). 12.00 deutschen Arbeitsmethoden als Schinderei, die mit päpstlicher als der Papst benehmen und herum gungen für den An- und Verkauf von Edelmetallen Lieber Hörer! 12.05 Nachrichten. 12.25 Orchester- dem gewährten Lohn bei weitem nicht bezahlt fei... heilen", als wären sie daheim auf einer vöffi- übernehmen. fonzert. 13.30 Jazz. 14.00 Landwirt. 14.15 Ar- Lieber mache ich in der Tschechoslowakei wieder mit schen Kundgebung. Auf denAutobahnen sind es die beitersendung. Bilder aus der Atus- Union. 18.00 meiner Frau Heimarbeit, als mich in Deutschland Sudetendeutschen, die die meisten Ueberstunden görbericht zum Wenzelstage. 18.30 Unterhaltungs- totschinden zu laſſen", saate ein Senleinmann. Dabei und die meiſte Sonntagsarbeit schieben, so daß musit. 19.15 Nachrichten. 19.30 Sportbericht. erhalten die Sudetendeutschen vielfach beim Auto19.40 Das deutsche Handwert: Der Müller. 20.10 babnbau und bei anderen Straßenbauten höhere die deutschen Arbeiter von ihnen als den„ ,, dum Orchesterkonzert( Dir. Herb. Popper, Gesang: Löhne, als sie vordem die Reichsdeutschen erhielten, men Böhmen" sprechen. Magda Szatmary). 21.00 Maryša, bäuerliches und zwar bis zu 65 Pf. in der Stunde. Die ArbeitsDranta von Mrštít. 22.15 Nachrichten. 22.30 bis zeit beträgt allerdings bis zu 70 Stunden in ber Die heutige deutsche Woche." 23.30 Tanzmusit( Schallplatten). Brünn: 13.45-14.00 Landwirtschaftliche Daß die sudetendeutschen Arbeiter gegenüber Sendung. 17.35-18.20 Unterhaltungsmusik. Mitwirkend: Das Brünner Salonquintett: Aler. Vis- den reichsdeutschen begünstigt werden, geht u. a. barh( 1. Geige), R. Mitausch( 2. Geige). Anton auch aus folgendem Bericht hervor: Wannet( Cello), Jar. Urbanet( Harmonium). 18.20-18.50 Sensation im D- Bug 208". Ein lustiges Hörspiel von Tilly Schaffasch. Regie: Emil Reißner. Abfuhrpflicht für Auslandswerte Uebernimmt die Nationalbank Wertpapiere, so rechnet sie sie zum Tagesturs an den betreffenden daß die anbotpflichtigen Personen ihre Wertpapiere Auslandsbörsen ab. Die Bant kann auch anordnen, in einer beſtimmten Frist auf den fremden Märkten verkaufen und den Erlös in Auslandswährung laut Bestimmung der Nationalbant abführen. Die Entnahme des Inhaltes des Safes oder anderer versperrter Verwahrungsorte ist nur unter Beteiligung eines behördlichen Organs zulässig, dem ebo blok bie eſtſtellung auſteht, ob sich im Safe oder in der Verwahrungsstelle nicht auch Werte bes Prag. In der Gefeßessammlung wurde unIn einer Svinnerei und Weberei konnte durchter Nr. 189 eine Verordnung über Konskription, finden, auf die sich die Konstriptions- und Anbotsberordnung bezieht. Andere Befugnisse stehen diesem einen Bufall festgestellt werden, daß den ſudeten Pflichtanbot und Abfuhr von ausländischen Bah- Drgani Uebertretungen dieser Verordnung werden nach deutschen Arbeiterinnen nur 50 Prozent des üblichen lungsmitteln, von Forderungen an das Ausland, Strantenkaffenbeitrages abgezogen werden. Weitere von Edelmetallen und Wertpapieren" verlautbart. den zuständigen Gefeßen bestraft. Sri«« „Sozialdemokrat" Mittwoch, 28. September 1938. Ar. 22^ mit die Kinder einmal etwa» haben. Wer weiß, ob nicht alle« verloren ist." Die Frauen halten die Taschentücher vor den Augen. Schon werden sie aber zu Tisch gerufen. 20V Mittag-Mahlzeiten täglich vsr Deutsche Haus in Präs als Asyl der Flüchtlinge Zimmer Rr. 31 Die Flüchtlingsaktion in Prag ist Vorderband im Deutschen HauS im Zimmer Nr. 81 untcrgebracht. Die Flüchtlinge schlafen dort nicht, sondern werden nur registriert und in einem der grogcn. schön getäfelten Säle werden sie auS- gespeist. Es kommen Deutsche und Tschechen hicher, ganz ohne Unterschied. Man hört beide Sprachen, man sieht Leute auS verschiedenen Gesellschaftsklassen. Diese Frau hier ist bestimmt eine Arbeiterfrau, jener Mann aber hantiert ebenso be- srimmt mit der Feder und nicht mit der Schaufel. Es sind hier Männer, Frauen und Kinder. Ja, sogar Kinder ohne Eltern allein. Kinder im Herbst 1938 Man begegnet im Deutschen Haus unter anderen zivei halbwüchsigen Jungen: 14 und 15 Jahre alt. Die sind hier angeblich allein. Man fragt sie au«, wieso sie hergelommcn sind, wo ist der Later und die Mutter. Beide Burschen haben den Bater nicht mehr. Was machen die Mütter? Tic arbeiten in einer Fabrik in Braunau. Sind sic auch hier? Nein, die Burschen sind allein. Beide haben ein Rad aus besseren Zeiten und mit Hilfe diese« Verkehrsmittels find sie bis nach Prag gekommen. Wie lange dauerte die Reise? Sie sind drei Tage lang hergefa.,ren, der Ernst und der Hartwig. Sie sind Schullameraden. Was hat sie dazu bewogen, von der Mutter wcgzugchen? Es wurde in Braunau geschossen, c« wurden Handgranaten von der andern Seite der Grenze geschleudert, worauf man mit Ma- schincngewchrscuer antwortete. Die Mütter waren nicht zu Hause, die Knaben bekamen Angst, bestiegen ihr Rad und fuhren weg von der Stätte, wo sie noch unlängst friedlich in die Schule gingen und ihre Spiele aufführten. „Lernt ihr etwas, wenn ihr schon weg von der Schule seid?" ES wird mit,Kopfschütteln geantwortet. „Warum nicht?"—„Es gibt bei un« leine Arbeit." Dar ist schließlich begreiflich. In einer Gegend, wo hin und her geschossen wird, schwindet da« Interesse für alle» andere. «Und was möchtet ihr denn werden?" Die Burschen wissen eS nicht. Haben sie denn noch nie darüber nachg.dacht, was sie im Leben werden möchten, hat sie der Lehrer zum Schul« schluß nicht auSgcfragt?— Angeblich nicht. Der Lehrer hatte eben andere Interessen, er liess sie marschieren und Kampflieder singen. So sieht Vie Jugend im Herbst 1938 im Grenzgebiet au». „Wir haben da» gcnizc Leben gespart..." Er sitzen hier Frauen mit Kindern. Sie kommen au« N e u st a d t an der Tafelsichte, dicht an der Grenze. Wo sind die Männer? Die sind eingerückt und haben die Frauen und Kin der mitgenommen. Ein Stück Weges sind sie zusammengefahren, dann fuhren die Männer an den Ort ihrer Bestimmung, die Frauen begaben sich mit den Kindern nach Prag. Sie wohnen hier bei Verwandten, auSgespeist werden sie im Deutschen HauS. Bei den Verwandten schlafen sie am Boden. Sind aber glücklich, diese Zuflucht bekommen zu haben. Zu Hause... Da fangen die Frauen zu weinen an. Zu Hause haben sic alle« stehen und liegen gelassen. Die eine Familie hat dort ein Häuschen, die andere wohnt bei den Eltern. Die sind dort ge, blieben, denn die Mutter liegt lrank und der Vater muh sie pflegen. Die Betten, die Kleider, alle» haben sic dort gelassen, führen nur da» Notwendigste mit. Als die Männer einrückten, fürchteten sie sich dort weiter zu bleiben. So haben sie wenigstens das nackte Leben gerettet. Die Familien sind deutsch. Und flüchten vor demjenigen, der sic„retten" will. „DaS ganze Leben haben wir gespart, da-| Die Prager graben. In Prag wurden schon viele Gräben für den Fall eines Anfluges auSge» graben, aber früher gruben nur die städtischen Arbeiter und Angestellten. Sonntag gingen die Prager selbst an die Arbeit und heute, am St.-WenzelStag, wird darin fortgefahren. Unter der Führung von CP-O graben die Eigentümer der Villen an der Peripherie in der Nähe ihrer Häuser richtige Schutzgräben. Sonntag arbeiteten daran die Herren Räte, Studenten, Schulmädchen, Arbeiter und kleine Jungen«. Wer zu Hanse blieb, der bellebte die Fenster mit Papierstreifen. In ganz Präg wird gerüstet.,. Unfall im Lift. Im Unternehmen V a n h a auf dem Wenzelsplab verunglückten gestern abend» zwei Angestellte. Der Fleischergchilse Josef I i S k r a und der Geschäftsdiener Stanislav TomStk fuhren mit dem Warenlift der Firma in den Keller. Der Lift stürzte plötzlich ab und JiSkra und Tomiik erlitten schwere Verletzungen. Ein Installateur verunglückt. Gestern nachmittag« arbeitete der 48jährige Installateur AloiS E u ch a l an einer Revaratur der GaSröhren in der BenätSskovä Nr. 488. Er atmete wahrscheinlich eine grössere Menge ausströmenden Gase» ein. denn man sand ihn in dem AuSbubgraben ohnmächtig auf. Ohne da» Bewusstsein wieder erlangt zu haben, starb er im Krankenhaus. Al« sie die Rede Hitler» la», wurde sie de« Schlag grtroffen. Gestern vormittag» kurz vor 9 Uhr sass die 72jährige Witwe Marie D o ft ä l auf dem Fenster ihrer Wohnung, die in der Neruda-Gasse 28 in Prag XU., im 4. Stock gelegen ist und la» die Hitler-Rede. Diese regte sie so sehr auf, dass sie auf der Stelle vom Schlag getroffen wurde und in die Strasse hinunter siel, wo sie tot liegen blieb. Grosser Brand in Smichov. Gestern abend! um 4 Uhr entstand ein Brand im Lager der Firma S. H a Sät, in der Radljtzer Strasse 6. Während der Löscharbeiten kam e» zu einer Explosion, wohxj da» Haupttor herausgeschlagen wurde. Zwei Feuerwehrleute erlitten Verbrennungen. Auch eine Angestellte der Firma wurde am Kopf verwundet. Die Wir können un» auch die Küche anschen. Heute gibt eü Kümmelsuppr und Kartoffelgulasch mit Wurst. Abend» bekommen die Kinder Kakao mit Butterbrot, die Erwachsenen Butterbrot mit Käse. E» schmeckt ihnen ausgezeichnet. Wenn nur die Zukunft nicht gar so verschleiert vor ihnen liegen würde. In der Küche, im Speisesaal, bei der Registrierung, überall gibt er willige Hände zur Arbeit, die natürlich nur mit der Genugtuung, geholfen zu haben, bezahlt wird. Man sieht an dieser Arbeit auch wohl bekannte Gesichter von Genossinnen und Genossen. Angehörige werden im Rimdfimk gesucht Ab gestern führt der Rundfunk eine Suchaktion durch, damit sich Mitglieder von Familien, die auSrinandergeriffen wurden, wieder finden können. Eine weitere Aktion soll der Beschaffung von Arbeit dienen. Außerdem werden ununterbrochen Wäsch« und Kleider gesammelt, auch Nahrungsmittel und Geld. Die Geldspenden kann man auf das Konto Flüchtlingshilfsdienst bei der Böhmischen Union-Bank überweisen, Lebensmittel und Kleider können direkt in» Deutsche HauS, Zimmer Nr. 31, geschickt werden. Explosion entstand dadurch, dass Sägespäne in Brand gerieten. Die Feuerwehr musste mit Gasmasken arbeiten, weil der dichte Rauch den Zutritt zum Brandplatz verwehrte. Die Höhe de» Schaden» ist nicht bekannt. Am Wend war da» Feuer noch nicht vollständig gelöscht. Dir Sparkassen Grob.Prag«. Die Böhmische Sparkasse, die Prager städtische Sparkasse und die Weinberger Sparkasse halten wegen zahlreicher Einberufungen ihrer Beamten zur Militärdienstleiftung ab 29. September l. I. bi» auf weitere» ihre Schalter sowohl in der Hmiptanstalt al» mich in allen Exposituren nur von 8—11 Uhr geöffnet. Xun&t mui Wissen Deutsches Theater bis 1. Oktober geschlossen Da» PragerDentsche Theater und dieKleinrBühne haben ihre Vorstellungen bi« auf weiteres, jedenfalls aber bis zum 1. Oktober, eingestellt. Bon den tschechischen Theatern spielen nur da» Nationaltheatcr und da» Städtische Theater auf den Weinbergen mit ihren Nebenbühnen/ da» ist mit dem Ständischen Theater und dem Kammertheater. Die anderen Theater spielen nicht, teil» deshalb, weil da» Publikum wenig Interesse an den Tag legt, — die Leute bleiben nun«wend» lieber zu Hause— teil» auch deshalb, weil viele. Schauspieler ringe« rückt oder abgereist sind. Im Nationaltheater beginnen die Vorstellungen bereit» um 18 Uhr, im Ständetheater desgleichen. Die Nachmittagsvorstellungen entfallen. Der Lokalverband des Neuen Deutschen Tbeater» in Prag hat dem Präsidenten der Republik Dr. Bene», dem Vorsitzenden der Regierung General Fffir die FHclHIIngshllfe! Der Verein„Arbeiterfürsorge hat für die im Deutsche» Han» untergebrachtcn Flüchtlinge eine FluchtlingShilfe eingerichtet«nd ersucht die Genossinnen, sich für den Dienst al» freiwillige Helferinnen znr Verfügung zu stelle». Anmeldungen sind an die„Ariei- tcrsürsorge", Prag II, Fügncrovo näm. 4, (Anna Appell) zu richten.(Telephon 81351.) Auch Kleiderspenden, die für ine Flüchtlingshilfe bestimmt find, sind bei der „Arbeitcrfürsorge" abzugcbe». Stzrovh und dem Ministerium für Schulwesen folgende Kundgebung übersandt: Der Ausschuss de» Lokalverbandes de» Deutschen Theater» in Prag be- grüsst begeistert die getroffenen Vorkehrungen der Regierung und bekennt sich voll und ganz zu den Bemühungen, unsere Republik und ihre demokratische Verfassung zu verteidigen. Wir alle sind zu den weitestgehenden Opfern jederzeit bereit. Der Mm Wa» man flüstert. Hugo H a a S, der i» manchen Lustspielen auch al» Filmregisseur bewährte Schauspieler, hat diesmal eine selbst verfasste Filmhandlung inszeniert, die in der Vorkriegszeit spielt und reichlich elegisch ist. E» ist die rÜhrsame Geschichte von der kunstbegeisterten jungen Frau.,die einen Musiker liebt, aber, da er sie im Sttch lässt, einen zwar auch komponierenden, aber schliesslich doch dem väterlichen Geschäft anheimfallenden Bürgerssohn heiratet, bi» dann eines Tages der lange verschollene Musiker znrückkehrt, der übrigen» der Later de» Kinde» ist, da» mit seinem Geheimni» die bürgerliche Ehe belastet, mit seiner Munterkeit aber da» Glück der Eltern ist. ES ist eine sehr gefühlvolle, annähernd tragische und am Ende dann wieder glückliche Geschichte, die auf eine gewisse nachdrückliche Art stimmungsvoll sein will. Da» einzig Sonderbare an der Sache ist, dass Hugo Haar die Stimmung-seiner eigenen Geschichte dadurch parodieren wollte, dass er sie al» Erzählung zweier alter Klatschbasen bringt, die zwischen den rührendsten Bildern mit ihren komischen Kommentaren in Erscheinung treten. Dieser Versuch, eine Rührgeschichte durch parodistische Zwischenruse zu rechtfertigen, ist nicht gerade überzeugend, und der Erfolg, aus den der Film spekuliert, ist offensichtlich nicht der Erfolg bei den Be» lächlern. sondern bei den Anhängern der Rührseligkeit. Die Darstellung der beiden Hauptrollen durch Jjkina Stkpnickovä und Hugo Haar macht in diesem Teil de» Publikum» übrigen» leicht, in Stimmung zu kommen. Denn beide spielen mit Noblesse und eindrucksvoller, gefühlvoller Getragen- heit.■— ei»— Urania-Kino ,Hhr Leibhusar". 6.%9 Uhr.— Freitag Premiere„Schwarzfahrt in» G l ü ckl" »1 Die mm S'udftol Roman von Noelle Roger Hat d«m FranzH»l»chen Obenmtit von Irm« R Ippol Die tränenfeuchten, auf Frau Andelot gerichteten Augen erstarrten in dumpfem Entsetzen. Frau Andelot bettete das verstörte Gesicht an ihrer Schulter. „Nein, nein, lnein Kind.,. ich wusste e» nicht. Aber manchmal sehen wir Dinge, die... ein anderer uns suggeriert. Und man will nicht glauben, dass sie je eintreffen werden." Es blieb lange still. Avonne richtete sich auf und erblickte den ersten schwachen Sonnenschein, der die verschneiten Gipfel in Gold tauchte. „Mer dort hinauf, wenn wir. dort hinauf auch noch müssten... ich kann nicht mehr..." murmelte sie.»Wann werden tvir endlich Ruhe haben, Frau Andelot", stöhnte sie. Eine hohe Gestalt erschien in der Hüttentür, in Männerhosen, mit einem roten Tuch um den Kopf und gedräntem, lächelndem, vom Alter zerfurchten Gesicht. Die sonnverbrannten Hände hielten eine Schale mit Milch. Undeutlich erstand in AvonncS müdem Gedächtnis ein Bild und ein Name. «Sind Sie Frau Jnnocente?" fragte sie leise. Seit einem halben Jahrhundert nahm Jnno- eente Desago aus Bonavaux in ihrer Hütte die Touristen auf, die den Dent du Midi bestiegen. Sie empfing sie, labte und bediente sie und manchmal führte sie sie auch durch die Berge. Instinktiv empfand man sie als eine Kraft, die zu schützen wusste. Sie war gewohnt zu kommandieren und auch selbst Hand anzulegen. „Kaffee habe ich keinen", sagte sie mit ihrer rauhen Stimme,„aber die Ziegenmilch hier ist noch ganz warm. Trinken Sie, mein Kind." Jvonne trank. Nun war sie auch imstande aufzustehen. Sie ging zu ihrer Schwester hinaus, die auf einer breiten Felsplatte neben der Mutter fass. In einiger Entfernung hockte Franz, der Knecht der Hüttentvirtin Jnnocente. Er molk eine Ziege und füllte die Milch in Schalen und Becher, die man aus den Rucksäcken und Reisetaschen her» vorgoholt hatte. Einige Frauen und Kinder liefen hinter den Tieren her, welche verstört in alle Windrichtungen davonsprang«». „Nun, gnädige Frau, man muss sich inS Unabänderliche fügen", sagte Jnnocente, indem sie die beste Schale Frau von Miramar hjnhielt. Diese nahm sie und trank sie ganz mechanisch au». Aber als Herr von Miramar.swh, wie Paulchen sich verschluckte, weil er zu hastig trank, wandte er sich ab, um die aufsteigenden Tränen zu verbergen. DaS Bild seines Zwillingsschwesterchen» stieg allzudeutlich vor ihm auf. „Was übrig bleibt", erklärte Paulchen,„ist für Germaine. Wo bleibt sie denn? Wird sie denn nicht bald kommen?" begann plötzlich daschrille Kinderstimmchen zu jammern. Die Mutter hob ihr versteinerte» Gesicht. Frau Andelot beeilte, sich das Kind fortzuführen. Die Sonne überflutete nun den Gletscher, das Gestein, die hohen Schieferwändc. Frau von Miramar ruhte in der Hütte. Die anderen blieben draußen auf den sonndurchwärmten Felsplatten. Selten nur fiel ein Wort, und ihre Blicke, die den sanften Abhang des Tales hinabschweiften, blieben immer wieder an dem mageren Streifen Weidelandes haften, der dann so plötzlich abbrach. Sie verharrten so, immer noch darauf gefaßt, den schaurigen, schwarzen Wasserspiegel wieder erscheinen zu sehen. Zwei Gestalten tauchten endlich auf. Es waren Max und der Hirt, die raschen Schrittes näher kamen. »Das Wasser scheint stillzustehen", verkündete Max noch im Gehen dem verängstigten Häuf lein. Und nun erzählte er: da» Wasser ist bi» zum höchsten Punkt der Schlucht von Bonavaux gestiegen und da» Pa« d'Eneel ist überschwemmt. Wehe denen, die bis Porte» NeuveS, am Eingang de» Tales von Sufaufe, jene Abhänge, die wir gestern nacht» erstiegen haben, erklärte Max, da unten, nicht weit unterhalb dieser Weide". Sie atmeten befreit auf. Eine Stunde lang hatten Max und der Hirt das Wasser beobachtet und Wasserstandspunkte bezeichnet: das Wasser war nicht mehr gestiegen. 'Ob dieser Stillstand endgülttg war?... Ob e» noch einen neuen Vorstoss geben würde?... Da» allerdings konnte keiner wissen. : Sie beschlossen abwechselnd Wache zu halten. Da erhob der alte Han» sich wortlos und man sah ihn nach PorteS-NeuveS hinuntersteigen. „DaS Wasser hat zweifellos seinen höchsten Stand erreicht", sagte Herr von Miramar.„Jetzt wird eS zu fallen beginnen." „Beogeffen Sie nicht", entgegnete Max, „dass die Ueberschwemmung wiederholt verschiedene Phasen durchgemacht hat." Sie fassen da, eng aneinander gerückt, gleich Schiffbrüchigen, die in Gedanken an den durchlebten Schrecken noch zittern. Bon der unsäglichen Anstrengung der Flucht fühlten sie sich wie zerschlagen, so dass die geringste Bewegung ihnen Schmerzenslaute entlockte. Nun erst, da sie einander ansahen, entdeckten sie mit Bestürzung ihre zerrissenen Kleider, HaS arg beschädigte Schüh- wcrk, ihre Schrammen und Riffe an den Händen. Und jetzt, wo sie unmittelbare Gefahr nicht mehr bedrohte, fanden sie ihr Erinnerungsvermögen wieder, und die verworrenen, aber stets verdrängten Gedanken, die sie während ihrer ganzen Flucht verfolgt hatten, iiberkamen sie nun mit voller Wucht. Das Bild der allgemeinen Verwüstung wurde lebendig. Die Erde war versunken, die Städte verschivunden... Paris... London, Rom, Florenz Genua... und... achl Parisi Und mit ihnen alle Menschen bis auf einzelne Gruppen von Ucberlebendcn, die sich, wie sie auf die Berggipfel geflüchtet hatten, und nun einander riefen, aber nicht» voneinander wussten. Herzzerreissend stieg das Bild geliebter Menschen auf und nun standen sie vor der quälenden Frage: Wa» ist au» den Lieben jede» einzeln t von un» geworden? „Mein Bruderl", flüsterte Herr von Miramar mit erstickter Stimme. Und dann klagend:„Meine arme, kleine Germaine!" „Meine Eltern!", ächzte Max. „Unsere Freunde..." Eva dachte an Jean Lavorel. Sie erinnerte sich, dass er den Dent du Midi hatte besteigen wollen. Vielleicht lebte er irgendwo, auf einem dieser Gipfel. Sie schwiegen in tiefster Niedergeschlagenheit. Mit jedem Augenblick eröffnete ihnen ihre Phantasie neue Unglücksperspektiven. „Gerettet!... Auf wie lange?...", saate Hubert plötzlich. Diese Worte brachten ihnen ihre trostlose Lage wieder zum Bewusstsein!— Sie betrachteten dieses Tal ringsum... ihre Zufluchtsstätte. Schmal, eingeengt zwischen den kahlen Wänden de» Dent du Midi und dec Kette schneeiger Gipfel, an die sich der großartig leuchtende Gletscher anlehnte. stieg«s sanft an, bi» zu dem Gipfel, dessen hohe Wand den Horizont abschloss. In der prallen Mittagssonne mit ihren kurzen Schatten lag eS da, baumlos, nackt und kabl mit feinem steinigen Boden, aus welchem im spärliche:» Grase Büschel flammender Blüten hervorsprossten. Der Wildbach, der vom Gletscher die senkrechten Bergwände hinabschoß, erfüllte die Stille mit seinem eintönigen Rauschen. Soweit da» Auge reichte, gab es, abgesehen von der armseliaen Felshütte keine menschliche Behausung in dieser Wüste von Eis und Stein. Alle schwiegen; immer schwerer bedrückte sie ihre Verzagtheit. Sie sahen aar nicht, daß Jnnocente sich ihnen mit ihrem leichten Schritt näherte. I(Fortsetzung folgt.)' Be»ua»bedtugunaen:Bel Zustelluna InSHau» oder bet Bezug durch die Poft monatlich K6 17.—, vierteljährig K8 51.—, halbjährig Ki 103,—. ganzjährig KC 204. Inserate werden laut Tarik billigst berechnet.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.—Die Zeitungrfrankatur wurde von der Post« u. Telearaphendirektion mit Erlast Nr. 18 800'VU/loaü bewilligt- lKontrollvostmm Praha 25.— Druckerei:.OrbiS". Druck-, Verlag»- u. Zeltungl-A.-G. Praa.