24.6 Semokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Rern, Prag 18. Jahrgang Samstag, 1. Oktober 1938 SELIGER- ARCHIV STUTTGART Charlottenplatz 17 Seite 3: Der Inhalt des Abkommens von München Botschaft der Partei Die Würfel sind gefallen! Die Großmächte haben über die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete entschieden. Wir sind die Opfer dieser Entscheidung geworden. Es hat keinen Sinn, über diesen Vorgang ,. der mit der Wucht eines gewaltigen Schicksals auf uns hereingebrochen ist, zu rechten. Vielleicht wird dieses Schicksal auch noch jene zu seinen Opfern ausersehen, die uns geopfert haben. Ueber unsere und über ihre Haltung wird die Geschichte das letzte Urteil sprechen. Im deutschen Volke triumphiert die Idee der Gewalt. Wir haben im Bewußtsein der Verantwortung für die deutsche Zukunft andere Lösungen gewollt. Wiederum sei es dem Spruch der kommenden Zeit anheimgestellt, wessen Wollen reiner und wessen Streben ehrlicher war. Das Schild der Partei ist rein. Sie hat ihr Banner in Ehren hochgehalten, solange sie noch auf freiem Kampfboden stand. Nun haben wir ihn verloren. Die deutsche sozialdemokratische Bewegung muß daraus die Konsequenzen ziehen. Die Partei stellt mit heutigem Tage ihre Tätigkeit in den abzutretenden Gebieten ein. Sie entbindet alle bisherigen Funktionäre ihrer Verpflichtungen und dankt allen Anhängern für die herrliche Treue, die sie bis zum letzten Augenblicke bewahrt haben. Das Beispiel, das sie gaben, wird nicht vergessen werden, solange auf einem Flecken des Erdballs noch freie Menschen leben. Die Leitung der Partei hat noch die Verpflichtung zu erfüllen, alles zu vermeiden, was Gut und Leben ihrer Bekenner gefährden könnte und alles zu tun, um Sir 231 jenen Mitkämpfern, die ihre Heimat verloren haben, eine neue Heimat zu schaffen. Unsere Freunde, die sich in schwerer Wahl zwischen Heimat und Freiheit für das Verbleiben in der Heimat entscheiden, soll kein Makel des Verrates treffen. In Bewunderung neigen wir uns in dieser Stunde vor dem kleinen tschechischen Volke, welches die gleichen Schicksalsschläge zu tragen hat, wie wir. Möge es nach dieser Prüfung wieder glücklicheren Tagen entgegengehen. Die Aufgabe der nationalen Zusammenarbeit wird auch weiterhin im mitteleuropäischen Raume gestellt sein. Wir wünschen aus heißem Herzen, daß diese Aufgabe noch einer glücklichen Lösung zugeführt werden kann. Es ist ein schwerer Abschied, den wir heute nehmen müssen von der sudetendeutschen Arbeiterbewegung, von ihren mühevoll aufgebauten Institutionen, von ihren herrlichen Menschen! Alle, die in guten Tagen einander zur Seite standen, mögen nun die Stärke des Herzens finden, die Last des Unglücks ungebrochen zu ertragen! Wir senken unsere Fahnen vor dem ruhmvollen Erbe, das wir treu verwalteten und verlassen den verlorenen Kampfplatz in der Hoffnung, daß es einem glücklicheren Geschlecht gegönnt sei, unserer Idee, der wir treu bleiben bis zum letzten Atemzuge, erfolgreich zu dienen! Es lebe der Sozialismus! Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Nicht die Tschechoslowakei ist feige und ehrlos Annahme des Diktats unter Protest an die Welt Wider Recht und Vertrag verlassen, hatte die Tschechoslowakei keine Wahl Prag. 30. September. Nun ist das Furchtbare, das uns noch immer unfaßbar Scheinende doch geschehen: alle, alle Forderungen Deutschlands wurden erfüllt, die Konferenz der Staatschefs der vier Großmächte hat über die Tschechoslowakei entschieden, ohne daß unser Staat bei dieser Entscheidung über sein Schickfal hätte mifreden dürfen. Die der Mehrheit nach deutschen Randgebiete werden abgetreten, und ganz so, wie es Hitler in der Rede im Sportpalast bestimmte, wird die Besetzung durch deutsche Truppen vollzogen: sie beginnt am 1. Oftober. Prag. Bei der Konferenz der Großmächte in München wurde eine Einigung über die Durchführung des Londoner Blanes erzielt. Diese Einigung erfüllt zwar nicht die Forderungen des deutschen Memorandums, enthält jedoch sehr schwer annehmbare Zumutungen an die Tschechoslowakei, der zudem nicht in vollem Umfange die geforderten Garantien gegeben werden. Die Regierung der Republik hielt gestern um 12 Uhr vormittags unter dem Vorsitz des Bräfidenten der Republik auf der Prager Burg eine Sisung ab. In dieser Sigung unterzog sie die internationale politische und militärische Situation, wie sie sich nach dem Beschluß der vier Großmächte auf der Konferenz in München am 29. September 1. 3. entwickelt hat, einer gewissenhaften Prüfung. Der Beschluß dieser Konferenz wurde der Tschechoslowakischen Regierung gestern Vormittag mitgeteilt. Die Regierung prüfte alle Einzelheiten dieses Beschlusses und alle Umstände, auf die sic bei ihrer Entscheidung Rücksicht nehmen mußte. Nach allseitiger Erwägung und Prüfung aller dringlichen Empfehlungen, die der Regierung durch die französische und britische Regierung übermittelt wurden und im vollem Bewußtsein ihrer historischen Verantwortung hat sich die tschechoslowakische Regierung unter voller Zustim= mung der verantwortlichen Faktoren der politischen Parteien dazu entschlossen, die Münchener Beschlüsse der vier Großmächte anzunehmen. Sie hat dies im Bewußtsein getan, daß die Nation erhalten werden muß und daß eine andere Entscheidung heute nicht möglich ist. Die Regierung der Tschechoslowakischen Republik richtet, indem sie diesen Beschluß faßt, gleichzeitig an die Welt ihren Brotest gegen diese Entscheidung, die einseitig und ohne ihre Teilnahme erfolgte. Volfes, als seine Schicksalsgenossen, wissen das, weil wir das tschechische Volk fennen. Schicksalsgenossen des tschechischen Volkes! Wir deutschen Demokraten sind es. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterschaft hat, indem sie bis zum letzten Augenblicke auf ihrem Kampfplaze ausharrte, bewiesen, daß sie die Sache der Tschechoslowakischen Republik als ihre eigene Sache anjah. Nun entläßt in einem erschüttern. den Aufruf der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Partei alle Parteiangehörigen aus ihren Pflichten. Der Kampf ist aus. Wir treten in Ehren ab von einem Kampfplate, von dem uns überlegene Mächte abgedrängt haben. Der Triumph des Nationalismus wird für unzählige zur Tragödie werden. Denn das allein schon ist tragisch genug, die geliebte Heimat verlassen zu müssen und viele werden aus Gründen der Selbsterhaltung von ihr schei den müssen. Wir hoffen, daß die Demokratie ihnen behilflich ist bei ehrenhafter Lebensfristung. Die Tschechoslowakei blieb allein. Frank. reich und England wichen vor der Gewaltdrohung zurüd. Chamberlain und Daladier opferten die Tschechoslowakei, um den Frieden zu retten. Haben sie ihn wirklich gerettet? Glauben sie, daß dieser Friede, der in Münthen begründete, ein dauernder sein wird? Dann wird er es sein, wenn auch weiterhin, so bie nun schon fünf Jahre lang, jedem Willen der diftatorischen Mächte entsprochen wird. Die Kräfteverschiebung in Europa, die poli-| wehren, wäre ein heroischer Selbstmord geweWenn auch die deutschen Kolonialforderungen, tijchen Umgruppierungen, die das Ergebnis der sen. Und die verantwortlichen Führer einer die nicht allzu lange werden auf sich warten Münchener Beschlüsse sein werden, lassen sich Nation fönnen nicht ihr Volk auffordern, in Mit sich nehmen sie das Bewußtsein der lassen, erfüllt werden. Und wenn man Deutsch- noch nicht annähernd übersehen. Denn so ziem. Schönheit zu sterben, sondern müssen auf die land und Italien bei der Neugestaltung Euro- lich alle fleinen und mittleren Staaten, die in Rettung der Eristenz ihres Volkes bedacht sein, Pflichterfüllung, mit sich nehmen sie den Glau bas freie Hand läßt. Wenn aber in irgendeinem der legten Zeit, da die englisch- französische müssen es ermutigen, an die Gestaltung der Zu- ben an die Idee, der sie gedient, den Glauben späteren Zeitpunkte, wenn es sich nicht mehr um Außenpolitik aktiver zu werden schien, den funft der Nation unter den veränderten, schwie- an die Idee der Freiheit. Denn auch im deutscheinbar die Westmächte nicht direkt berührende Westmächten sich zuwandten, werden sich nun rigen Verhältnissen zu schreiten. Eine verwir schen Volke ist die Freiheitsidee nicht für immer Probleme handeln wird, sondern um unmittel- den Diffaturstaaten zuneigen. Und das wird wirtschaftlichen Grundlagen des Staates sind für die Tapferen, die jetzt vom Kampfplak ab. rende Fülle von Problemen taucht auf. Die erstorben. Sie wird auferstehen. Deshalb gilt bare Interessen einer der Westmächte, diese vor Europas politisches Bild gründlich ändern. andere geworden. Die Grenzziehung wird ähnlichen Drohungen stehen wie heute wir, Aber wir haben es heute mit uns zu wenig Rücksicht nehmen auf die bisherigen treten müssen und die wissen, daß die deutsche wird die Abwehr der Ansprüche der beiden Dif taturstaaten unendlich schwieriger sein. Frank. hun. Mit unserem Staate, mit deſſen Neuauf. Wirtschaftsbindungen. Aber das zähe, aus Freiheit nur eingesargt ist, nicht aber tot, das reich wird dann in der Situation einer belager bau, und mit dem Schicksal der deutschen Demo- dauernde tschechische Volf wird, von unbesieg tröstende Wort: ten Festung sein, und es wird dann, wie 1870, fraten, vor allem der deutschen sozialistischen barem Lebenswillen erfüllt; auch diese schweren allein einer ungeheuer überlegenen Militär- Arbeiter. Daß die Tschechoslowakei dem Druck Aufgaben erfüllen, es wird sich und seinen weichen mußte, bedarf feiner Erläuterung. Sich Staat erhalten. Wir als Lebensnachbarn dieses| macht gegenüberstehen. Nicht alle sind tot, die begraben sind, Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Seite 2 Samstag, 1. Oftober 1938 Syrovýs Rundfunkrede Nr. 231 seren neuen Grenzen zu sichern helfen. Wir Unser Staat wird nicht zu den kleinsten stehen alle auf einem Schiff und jeder möge be- in der Welt gehören. Es gibt viel kleinere und hilflich sein, es, wenn auch beschädigt, in den sie sind gesund und widerstandskräftig. Uns Hafen des Friedens zu lenken. Das wichtigste bleibt ein Lebensraum übrig, der die Möglich Um 17 Uhr sprach über alle tschechoslowakischen Sender Minister- ist, daß zwischen uns Eintracht und Einheit keiten für einen weiteren kulturellen und wirt präsident Armeegeneral Jan Syrový, welcher der Bevölkerung den herrschen, daß kein Zwiespalt in unsere Reihen schaftlichen Aufstieg bietet. Wir werden zwar in Entschluß der Regierung mitteilte: Bürger und Soldaten, Ihr wißt alle genau, daß ich einer von denen bin, die während des Weltkrieges in freiwilliger Einig keit und Disziplin fern von der Heimat die nationale tschechoslowakische Armee aufgebaut haben. Ihr wißt, daß meine Waffengefährten ohne 3ögern ihr Leben für das der Nation zu opfern verstanden haben. Heute wie damals geht es um die Zukunft der Nation und um ihr Leben. bringe. engeren Grenzen, aber unter uns sein. Viele Viele rund um uns warten darauf, daß sie Hindernisse, welche einer guten und ruhigen Guere Erregung für ihre Ziele nüßen fönnten. Staatsführung im Wege standen, werden nun welche unter uns Zwietracht bringen wollen. Viele Nachbarn wird leichter sein. Unsere Armee wird Sehet Euch vor Agenten in fremden Diensten vor, entfallen. Auch ein Einvernehmen mit den von ihnen wurden bereits sichergestellt und ver- weiter ihre Aufgaben haben und wird Nation haftet. Lasset Euch nicht beirren, lasset Euch nicht und Staat schüßen und auf der Wacht stehen, wie bisher. In München sind die vier europäischen Großmächte zusammengetreten und haben beschlossen, uns zur Annahme neuer Grenzen auf anfordern, durch welche die deutschen Gebiete von unserem Staate abgetrennt werden. Wir hatten die Wahl zwischen einer verzweifelten verführen. und aussichtslosen Abwehr, welche die Opfe rung nicht nur der ganzen erwachsenen Gene- der neuen Grenzen, unsere nationale Gemeinschaft Es liegt nun in unseren Händen, innerhalb ration, sondern auch der Kinder und Frauen neu aufzubauen. Helfet alle, das Geichgewicht der Als Soldat und als Vorsitzender der Re- bedeutet hätte, und der Annahme der Bedin- Sinne und Wohlerwogenheit der Taten zu bewah gierung mußte und muß ich zu allererst an das Leben von Euch allen, von Millionen arbeiten- gungen, die uns unter Druck und ohne Krieg ren. Habet Vertrauen, daß diejenigen, welche jetzt auferlegt in ihrer Rücksichtslosigkeit bei Euere Geschide lenken, ihre schwere Pflicht aus der Bürger, von Männern, Frauen und Kin- spiellos in der Geschichte sind. Wir wollten zum allen ihren Kräften und mit der äußersten Selbstdern denken. Ich durchlebe den schwersten Frieden beitragen, gern hätten wir dazu bei- verleugnung leisten werden. Augenblick meines Lebens, denn ich erfülle getragen. Aber keineswegs so, wie man es uns meine schmerzlichste Aufgabe, eine Aufgabe, die getragen. Aber keineswegs so, wie man es uns aufgezwungen hat. schwerer ist als der Tod. Aber gerade deshalb, weil ich gekämpft habe und weil ich weiß, unter welchen Voraussetzungen man einen Krieg gewinnt, muß ich Euch offen sagen, so wie es mir das Gewissen eines verantwortlichen Armeekommandanten gebietet, daß die Macht, die sich in diesen Augenblicken gegen uns gestellt hat, uns nötigt, uns ihrer Uebermacht bewußt zu die unseren. sein und dementsprechend zu handeln. Mein höchstes Ziel ist, wie das eines jeden von Euch, das Leben der Nation zu bewahren. Diese Pflicht haben wir aus den Händen unserer Bäter übernommen, die ein schwereres Leben lebten als wir, da es ein unfreies Leben war. Und diese Wir wurden jedoch verlassen. Wir blieben allein. 116 Staat in seinen nenen Grenzen gesund aufer Sorgen wir nun alle dafür, daß unser stehe und seinen Bürgern ein neues Leben in Frieden und fruchtbarer Arbeit gewährleistet sei. Mit Euerer Hilfe wird es uns gelingen. Wir verlassen uns auf Euch- habet Jht zu uns Vertrauen, Der Armeebefehl Alle Staaten Europas, auch unsere Nach Der Oberbefehlshaber der tschechoslowakischen Wehrmacht, Armee baren im Norden und im Süden, stehen in Waffen. Wir sind in gewiffem Sinne eine Feitung, general Ludvík Krejčí hat gestern, den 30. September 1938, folgenden belagert von Kräften, die weit mächtiger sind als Armeebefehl erlassen: Soldaten! unseren Staat nicht noch mehr zu schwächen. An Die Regierung der Tschechoslowakischen Re- der Spitze unseres Staates stehen Personen, die publik mußte unter dem Druck der Weltereig- 3 seinen hervorragenden Gründern und Schöpfern gehören. nisse der Abtretung einiger Gebiete unseres Staates an das Nachbarreich zustimmen. Der tiefen Trauer über das verstümmelte Tief erregt, haben alle Euere Führer zusam men mit der Armee und dem Präsidenten der Republik alle Möglichkeiten erwogen, welche uns übrig bleiben. Wir haben erkannt, daß es bei der Wahl zwischen einer Reduzierung der Grenzen und dem Tode der Nation unsere heilige Pflicht ist, das nicht aus dieser fürchterlichen Zeit geschwächt hervorgehen und damit wir nicht das Bewußtsein Armee an. aufgeben müssen, daß sich unsere Nation wiedergenheit. Sie hatten stets unser volles Vertrauen und werden es auch in Zukunft besitzen, denn was Menschenkräfte vermochten. Sendung müssen wir nicht nur mit Liebe im Her Leben unseres Volkes zu bewahren, damit wir Erbe unserer Vorfahren schließt sich auch die wir sind überzeugt, daß sie alles getan haben, zen, sondern auch mit flarem Verstande erfüllen. Unsere Aufgabe in diesen schicksalhaften Stunden war: alles zu erwägen, alles zu sehen und klar zu wissen, welcher Weg zu diesem obersten Ziele aufraffen wird, wie schon so oft in der Vergan- und der Stolz des Volkes waren, müssen wir führt. Als Soldat erkläre ich im vollen Bewußtsein meiner Verantwortlichkeit: Es ist der Weg des Friedens. Der Weg des Friedens deshalb, weil wir mit ungeschwächten nationalen Sträften in das neue Leben gehen wollen, mit dem Bewußtsein, daß wir einen national einheitlicheren und deshalb stärkeren Staat schaffen. Ehe ich diese Worte aussprach, habe ich alles erwogen. Die ganze Vergangenheit unseres Ringens und unserer Kämpfe habe ich in diesen Tagen überdacht. Aus ihnen habe ich den Glauben geschöpft, daß der Weg, den wir Euch führen, der einzig richtige und gute ist, weil es der einzige Weg zu der Arbeit ist, aus welcher die neue Straft unserer Nation erstehen wird. Ein rechter Soldat muß auch einen Mi Wenn wir Soldaten bisher der Schirm erfolg ertragen können. Auch darin kann sich dies weiterhin auch in den schweren Angen- großes und wahrhaftes Heldentum offenbaren. In diesem schicksalshaften Augenblicke blicken bleiben, die wir nunmehr durchleben. Unsere Armee wurde nicht geschlagen und müssen wir alle unserer Armee Dank wissen Westeuropa und darunter auch unser Verbüin- hat sich ihren guten Namen in vollem Ansmate dafür, daß ihre Bereitschaft uns vor dem Ün- deter fordern von uns kategorisch dieses Opfer, gewahrt. Sie muß ihn auch für künftige Zeiten tergange der Nation selbst und ihrer Eigen- damit dadurch ein Weltkrieg abgewendet werde. bewahren. ständigkeit bewahrt hat. Der Stellungnahme In unserem Eid haben wir dem Präsiden- Die Republik wird uns auch weiterhin der vier Großmächte und der militärischen ten der Republik, ihrer Regierung absoluten brauchen und sie wird unsere volle Kraft bran Uebermacht zu weichen, ist nicht unehrenhaft. Wir werden die Bedingungen erfüllen, die Gehorsam unter allen Umständen gelobt. Das uns mit Gewalt aufgenötigt wurden. Wir for- Schicksal hat uns nunmehr auferlegt, unsere dern unsere Nation und unser Volk auf, daß sie Pflichten unter den schmerzlichsten Umständen ihre Erbitterung, ihre Enttäuschung und ihren zu erfüllen. Schmerz bewältigen und die Zukunft in unDer ,, Plan" stammt von Runciman! chen. Bewahren wir darum Besonnenheit und schließen wir uns noch enger zusammen. Wir werden unseren Eid bis zum letzten Buchstaben erfüllen. Ein mannhaftes Wort ist härter als Stein. Durch ihre Bereitschaft hat die Armee schon heute die Nation vor einer größeren Gefahr bewahrt. Wir sind Soldaten, die immer bereit sein müssen, Gefühle zu unterdrücken und sich einzig und allein vom kühlen Verstand leiten zu lassen. Vom kühlen Verstand mußten sich auch Wir haben das feste Vertrauen, daß unsere unser oberster Befehlshaber, der Präsident der Nation glücklich aus den gegenwärtigen schwe Republik, der Vorsitzende der Regierung und ren Augenblicken hervorgehen wird. Wir Sal alle Repräsentanten unseres Staates leiten daten wollen uns aus allen Kräften dafür ein Die englische Regierung hat ein Weißbuch in der Tschechoslowakei verbleibt, beantragt der lassen, die bei ihrer gewaltigen Verantwortung setzen. Daher wird unsere Regierung, unsere herausgegeben, welches die zehn wichtigsten Schrift- Lord die Vertretung der Sudetendeutschen in der keine unnüßen Einbußen zulassen konnten, um Nation uns stets zu allen Opfern bereit finden. stüde aus den im tschechoslowakisch- deutschen Streit Regierung. Englisches Weißbuch über den Konflikt in letzten Zeit geführten diplomatischen VerUeber den Abbruch der innerpolitischen jagt schließlich: handlungen brift. Dieſe Defumente unseffen siden. Verhandlungen fapt Lord Munciman Das Angebot der Tschechoslowakei vom 21. zum 26. September. Das erste Schriftstück ist der Bericht Lord Runcimans über das Ergebnis seiner Mission in der Tschechoslowakei. Daraus geht hervor, daß Runciman wohl die Verantwortung für den Abbruch der innerpolitischen Verhandlungen der SdP zuschiebt, daß aber andererseits Runciman selbst zu dem Ergebnis gekommen ist, die sudetendeutschen Gebiete müßten von der Tschechoslowakei abgetrennt werden. Seine Schlußfolgerung lautet: Die Verantwortlichkeit für den schließlichen Bruch muß meiner Ansicht nach bei Herrn Henlein und Herrn Frank gesucht werden, sowie bei jenen, die von den zwei Genannten extremistische und gesetzwidrige Aktionen gefordert hatten. Eine Erklärung vor der Münchner Konferenz London, 29. September. Von den offiziellen| Interesse der bürgerlichen Rechte der Tschechen, det tschechoslowakischen Kreisen in London wurde heute deutschen Sozialdemokraten und folgende Erklärung zur Münchner Konferenz abge- der jüdischen Minderheit in den abzutretenden Gebie Das zweite in dem Weißbuch veröffentlichte geben, die das schon ausgesprochene Einverständnis ten nicht in der Lage, diese Gebiete zu ebakuieren wichtige Dokument enthält den englisch- französt- der tschechoslowakischen Regierung zur Durchführung zu demobilisieren oder die Befestigungen aufzugeben, schen Plan, der in der Konferenz von Ber ch des Londoner Planes ergänzt: tesgaden mit Hitler vereinbart wurde. Es ,, Es ist mir völlig klar und selbstverständlich, wird festgestellt, daß die Beibehaltung der sudeten- Die Prager Regierung hat die Londoner Gebebor nicht 1. die neuen Grenzen demarkiert, 2. der Austausch der Bevölkerungsteile garan 3. ein neues System internationaler Garantien daß jene Grenzbezirke zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei, in denen die fudetendeutsche deutschen Gebiete bei der Tschechoslowakei nicht sandtschaft verständigt, daß die Tschechoslowakei vor Bevölkerung eine wesentliche Mehrheit hat, sofort möglich ist, ohne die Interessen des europäischen Beginn der Münchner Konferenz neue Konzeffionen fiert und Bevölkerung eine wesentliche Mehrheit hat, sofort Friedens zu gefährden. Das abzutretende Gebiet angeboten hat. Die tschechoslowakische Regierung ist das volle Selbstbestimmungsrecht erhalten sollen. foll jene Gebiete einschließen, die mehr als 50 bereit, an Deutschland jene Gebiete abzutreten, die Wenn eine Abtretung erforderlich ist, was ich an- Prozent deutscher Einwohner haben. Aber wir eine fudetendeutsche Bevölkerung von über 50 Prozent für die neue Tschechoslowakei wirksam geworden ist. nehme, dann wäre es besser, dies sofort zu tun. hoffen", so heißt es wörtlich, daß Grenzverbesse- haben. Die tschechoslowakische Regierung muß aber Die Tschechoslowakei hat alles Interesse daran, In dem Fortbestand der Ungewißheit liegt eine rungen durch eine internationale Kör- berlangen, daß die neue Tschechoslowakei solche Gren- daß diese Verhandlungen so schnell wie möglich be ernste Gefahr. Jegliches Plebiszit und jegliche Ab- perschaft, der ein tschechoslowakischer Vertre- sen zugebilligt erhält, die dem neuen tschechoslowati- endet werden und daß das endgültige Abkommen stimmung wäre meiner Ansicht nach eine bloße ter angehören soll, möglich sein werden. Die inter- schen Staat ein M in de st mas von Lebens- nicht verzögert wird, zu dessen umgehenden Formalität, was diese überwiegend deutschen Ge- nationale Körperschaft könnte auch die Fragen fähigkeit und Verteidigungsmög- Abschluß die tschechoslowakische Regierung auf Anraten biete anlangt. Eine sehr große Mehrheit der Be- regeln, die einen eventuellen Bevölkerungstausch ich teit sichern. Die tschechoslowakische Regierung Frankreichs und Englands und auf den Appell Roofe wohner wünscht eine Eingliederung zu Deutsch während einer festgesetzten Frist betreffen." Es ist nicht in der Lage, die Zustimmung zu einem belts hin entschlossen ist. land. Ich bin deshalb der Ansicht, daß diese Grenz wird dann gesagt, daß die tschechoslowatische Re- Plebisait in Gebieten zu geben, die eine überivie- Im Hinblick auf den gegenwärtigen fchicfals bezirke sofort von der Tschechoslowakei an Deutsch gierung berechtigt sei, gewisse 3 usi cherungen send tschechische Bevölkerung aufweisen, oder in schweren Zeitpunkt hat die tschechoslowakische Regie land abgetreten und Maßnahmen für eine fried- für die fernere Sicherheit ihres Gebieten, die zu 100 Prozent von tschechischer Be- rung den Entschluß gefaßt, den Gütern der 31 liche Uebergabe getroffen werden sollen. Wo die Landes zu verlangen und daß die englische völkerung bewohnt sind, Gebiete, die Deutschland aus vilisation und dem Weltfrieden vor der deutsche Mehrheit weniger beträchtlich ist, empfehle Regierung bereit ist, einer internationalen Garan- strategischen Gründen verlangt. Die tschechoslowakische furchtbaren Not des eigenen Volkes den Vorrang 3 ich eine lokale Autonomie auf der Grundlage des tie gegen den nichtprovozierten Angriff auf die Regierung stimmt zum Vorsehen eines Termines be- geben. Die tschechoslowakische Regierung ist weiter ents vierten Planes, soweit modifiziert, daß sie der neuen tschechoslowakischen Grenzen beizutreten. treffend die Durchführung eines endgültigen Abkom- schloffen, Opfer zu bringen, Opfer, wie sie noch nies neuen, durch die Abtretung der Grenzbezirke ge- Die weiteren Schriftstücke enthalten den Brief- mens zu. Die technische Durchführung aller dieser mals in der Geschichte der Menschheit von einem un schaffenen Lage entsprechen möge." wechsel Hitlers und Chamberlains während des Auf- Fragen soll am 15. Dezember beendet sein. Ein Rah- besiegten Volt mit so gutem Willen gebracht wurden. Runciman machte weiters folgende Vor- enthaltes des englischen Premiers in Godesberg, das menabkommen kann aber schon bis zum 31. Oktober Aus dieser ihrer Haltung leitet die tschechoslowakische schläge: Memorandum Hitlers, das er in Godesberg Cham- abgeschlossen werden. Die tschechoslowakische Regierung Regierung die Forderung ab, daß die andere Seite Die tschechoslowakische Regierung möge berlain überreichte, die Ablehnung des Memoran- stimmt ferner zu, daß die Durchführung von einer in der Sache des europäischen und des Weltfriedens ihrem Nachbar versichern, daß sie ihm in keinem dums durch die tschechoslowakische Regierung, einen ternationalen Kommission und von der britischen gleichfalls Verständnis und Opfer entgegenbringt. Falls bei dem Stand der Dinge es trotzdem Falle angreifen, noch einer aus ihren Verpflichtun- Brief des tschechoslowakischen Gesandten in London Region überwacht wird. Sie gibt ferner die Zugen fremden Staaten gegenüber sich ergebenden Jan Masarht an den englischen Außenminister Lord Stimmung zu einer Beſegung der abgetretenen Gebiete einem Zusammenbruch der Verhandlungen kommen Aggression beitreten wird, Halifax, der den Vorschlag einer internationalen durch britische Truppen, bevor sie dem Deutschen Reich follte, schlägt die tschechoslowakische Regierung vor, daß die wichtigsten Mächte der Tschechoslo- Konferenz enthält, an der die Tschechoslowakei teil- ausgehändigt werden. Die tschechoslowakische Regie- daß die zur Diskussion stehenden Streitfragen den wakei Hilfsgarantien für den Fall eines unprovo- nehmen soll. Die zwei letzten Dokumente enthalten rung ist bereit, Verhandlungen über eine Demo bi- Gegenstand einer internationalen Kon den Brief Chamberlains an Hitler, den Wilson am lisierung ihrer Streitkräfte und über die 3u ferenz bilden oder daß sie dem Präsidenten Roos zierten Angriffes geben und daß ein Handelsvertrag auf der Basis von 26. September im Flugzeug nach Berlin gebracht rückziehung ihrer Truppen und eine sevelt zur schiedsgerichtlichen Entscheidung unterbreitet werden. Die tschechoslowakische Regierung ist bereit, Borzugszöllen zwischen Deutschland und der Tsche- hat, worin Chamberlain den Vorschlag einer Revision der Verträge aufzunehmen. Die tschechoslowakische Regierung ist aber im vi- fich im voraus dem Ergebnis eines solchen Schiebs. choslowakei abgeschlossen wird. deutsch- tschechoslowakischen Konferenz aufgreift, und Falls noch eine stärkere deutsche Minderheit die ausweichende Antwort Hitlers darauf. talen Interejje ibrer eigenen Verteidigung und im spruches zu fügen. ftc bi fo A bi zu mi fte da Ite ein ge Ve re jes de an an ra in 10 A V fpe du de mu 封神 化 电气 尚 品 陶 尚 be da 01 கு te de V en tr tr ho fd di Bu er au ne be W di fu no al X fd m 101 C te Ie fra ha รา ift fo απ an 23 be fu ett de Te I und < 1# 13 r. 231 fren Ins lich irt iele gen den ird ion jen, tjet Fer ftet The e en 品 Au bit ind ten ett, if Για en. ife ten jin nd Cen ift jat er 58 re Je al It re 11. et and es 11, 14 est t es 11 Samstag, 1. Oftober 1938 Das Abkommen von München Abtretung einiger Gebiete bis 10. Oktober haben sich dem vorstehenden Abkommen angeschloffen auf der Grundlage, daß fie zu dem Angebot stehen, welches im§ 6 der englisch- französischen Vorschläge vom 19. September enthalten ist, betreffend eine internationale Garantie der neuen Grenzen des tschechoslowakischen Staates gegen einen unprovozierten Angriff. Beginn der Räumung schon heute Plebiszit in den anderen deutschen Gebieten bis spätestens Ende November Optionsrecht der Bevölkerung Garantie der Westmächte München. Das Abkommen zwischen Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien, getroffen in München am 29. September 1938, lautet: Deutschland, das Vereinigte stönigreich| Abschlusses dieses Abkommens an, alle Sudetendeut Großbritannien, Frankreich und Italien sind schen aus ihren militärischen und polizeilichen Verunter Berücksichtigung des Abkommens, das hin- bänden entlassen, die diese Entlassung wünschen. sichtlich der Abtretung des sudetendeutschen Ge- Innerhalb derselben Frist wird die tschechoslowa bietes bereits grundsätzlich erzielt wurde, über fische Regierung sudetendeutsche Gefangene ell lassen, die wegen politischer Delitte Freiheitsstrafen folgende Bedingungen und Modalitäten dieser berbüßen. Abtretung und die danach zu ergreifenden Maßnahmen übereingekommen und erklären sich durch dieses Abkommen einzeln verantwortlich für die zur Sicherung feiner Erfüllung notwendigen Schritte. 1. Die Räumung beginnt am 1. Oktober. 2. Das Vereinigte Königreich Großbritannien, Frankreich und Italien vereinbaren, daß die Räumung des Gebietes bis zum 10. Oktober vollzogen wird, und zwar ohne Zerstörung irgendwelcher bestehender Einrichtungen, und daß die tschechoslo. wafische Regierung die Verantwortung dafür trägt, daß die Räumung ohne Beschädigung der bezeich neten Einrichtungen durchgeführt wird. 3. Die Modalitäten der Räumung werden im einzelnen durch einen internationalen Ausschuß feſt= gelegt, der sich aus Vertretern Deutschlands, des Vereinigten Königreiches Großbritannien, Frantreichs, Italiens und der Tschechoslowakei zusammenjetzt. 4. Die etappenweise Besehung des vorwiegend deutschen Gebietes durch deutsche Truppen beginnt am 1. Oktober.( Nähere Bestimmungen find unten angeführt.) Das restliche Gebiet vorwiegend deutschen Cha rafters wird unverzüglich von dem oben erwähnten internationalen Ausschuß festgestellt und bis zum 10. Oktober durch deutsche Truppen bescht werden. 5. Der in Punkt 3 erwähnte internationale Ausschuß wird die Gebiete bestimmen, in denen eine Voltsabstimmung stattfinden soll. Diese Gebiete werden bis zum Abschluß der Volksabstimmung durch internationale Formationen besetzt werden. Der gleiche Ausschuß wird die Modalitäten festlegen, unter denen die Voltsabstimmung durchgeführt werden soll, wobei die Modalitäten der Saarabftimmung als Grundlage zu betrachten sind. Zusätzliche Erklärung Die Regierungschefs der vier Mächte erklären, daß das Problem der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei, sofern es nicht innerhalb von drei Monaten durch eine Vereinbarung unter den betreffenden Regierungen geregelt wird, den Gegenstand einer weiteren Zusammenkunft der hier anwesenden Regierungschefs der vier Mächte bilden wird. Zusatz zu dem Abkommen Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei geregelt ift, werden Deutschland und Italien ihrerseits eine Garantie geben. Zusätzliche Erklärung darüber einig, daß der in dem heutigen Abkommen Die vier antveienden Regierungschefs find fich vorgesehene Ausschuß sich aus dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, der in Berlin beglaubigten Botschaftern Englands. Frankreichs und Italiens und einem von der tschechoslowakischen Regierung zu er nennenden Mitglied zusammenfeßt. Zusätzliche Erklärung Alle Fragen, die sich aus der Gebietsübergabe Kartoffelnudeln ( einfach, aber ausgiebig) Seite 3 ½ kg gekochte Kartoffeln werden gerieben, 2 Eier dazugegeben und mit ½ kg Mehl, Salz und 5 dkg Vitello zu einem Teig angerührt. Davon formt man fingerdicke Nudeln und bäckt sie goldgelb in heißem Ceresfett aus. Achtung! Das übrig bleibende Ceres- Speisefett kann immer wieder zum Ausbacken verwendet werden, denn Ceres ist unbegrenzt haltbar. Ceres 100% reines Pflanzenfett Sr. Majestät Regierung des Vereinigten König- ergeben, gelten als zur Zuständigkeit des internatio- weitere Probleme aufgerollt werden, wie das spareichs Großbritannien und die franzöfifche Regierung nalen Ausschusses gehörig. Die vier Etappen bis zum 7. Oktober Zu den in Punkt 4 bezeichneten vier fudeten deutschen Gebietsabschnitten, die vomt 1. bis 7. Oktober durch deutsche Truppen befekt werden sollen, gehören nach dem DNB im wesentlichen etwa folgende Orte: Der erste Gebietsabschnitt, der am 1. und 2. Oktober besetzt werden soll, befindet sich an der südwestlichen Grenze im füblichen Teil des Böhmerwaldes. Er umfaßt u. a. als größere Orte Wallern und Hohenfurt sowie eine Reihe weiterer Orte, vor allem am Laufe der Moldau. Der zweite Gebietsabschnitt, der am 2. und 3. Ottober befeht werden soll, befindet sich an der nördlichen Grenze und umfaßt u. a. die größeren Orte Bodenbach, Tetschen, Friedland, Groß- Schönau, Schluckenau, Rumburg, Warnsdorf. Der bei weitem größte dieser vier Gebietsabschnitte ist der dritte, der am 3., 4. und 5. Oktober besetzt werden soll. Er umfaßt vor allem das Egerland mit Eger, Karlsbad, St. Joachimsthal, Marienbad, Tachan, Neudek, Chodan, Fischern, Falkenau, Raaden, Sebastiansberg, Graslik, Asch, Franzensbab, Neumarkt, Hostau und vielen weiteren Ort schaften. schließlich um Gebietsteile, die entsprechend dem Wortlaut des Abkommens vom 1. bis 7. Oktober durch deutsche Truppen befeht werden. Entsprechend dem Punkt 3 des veröffentlichten Abkommens wird über Zuteilung der weiteren fudetendeutschen Gebiete bekanntlich die Volksabstimmung entscheiden. * Paris. Das Havas Büro zählt in feinen Berichten vier Punkte auf, in denen fich die Münchner Abmachungen vom deutschen Memorandum unterscheiden: 1. Hitlers Räumungsforderung des fudeten deutschen Gebietes wurde durch ein Abkommen über die allmähliche Evakuierung in der Zeit vom 1. bis 10. Oftober ersetzt. dern darüber entscheidet eine internationale Kom2. Die Grenze bestimmt nicht Hitler selbst, sonmission. 3. An Stelle des von Hitler geforderten Plebiszits wird die Bevölkerung in den gemischten Gebieten das Recht erhalten, für die Tschechoslowakei oder Deutschland zu optieren. Der Ausschuß wird auch den Tag festseßen, an dem die Volksabstimmung stattfindet; dieser Tag darf jedoch nicht später als Ende November liegen. 6. Die endgültige Festlegung der Grenzen wird durch den internationalen Ausschuß vorgenommen Der vierte Gebietsabschnitt( Besetzung am 6. werden. Dieser Ausschuß ist berechtigt, den bier und 7. Oktober) liegt an der nordöstlichen( schleftMächten: Deutschland, dem Vereinigten Königreich Großbritannien, Frankreich und Italien in bestimmſchen) Grenze und enthält u. a. die Orte Jägernten Ausnahmefällen geringfügige Abweichungen von dorf, Freudenthal, Freiwaldau, Altstadt, Jauernig. 4. Was die Garantien anlangt, tritt die eng der streng ethnographischen Bestimmung der ohne Bei dieser Aufzählung der Orte, die nur eine lische oder die französische Garantie sofort in Kraft, Boltsabstimmung zu übertragenden Zonen zu Auswahl der in den bezeichneten Gebietsabschniten während die deutsche, italienische, ungarische und pol. empfehlen. liegenden Ortschaften darstellt, handelt es sich aus. I nische für eine spätere Zeit vorgesehen ist. *** 7. Es wird ein Optionsrecht für den Uebertritt in die abgetretenen Gebiete und für den Austritt aus diesen vorgesehen. Die Option mus innerhalb von sechs Monaten vom Zeitpunkt des Abschlusses dieses Abkommens an ausgeübt werden. Ein deutsch- tschechoslowakischer Ausschuß wird die Einzelheiten der Option bestimmen, Verfahren zur Erleichterung des Austausches der Bevölkerung erwägen und grundsätzliche Fragen klären, die sich aus diesem Austausch ergeben. 8. Die tschechoslowakische Regierung wird inmittags um 17 Uhr ihre erste Situng. Konsultativ- Pakt Die letzten 48 Stunden Prag. In einer Sonderrelation des tschechoslowakischen Rundfunks wurde gestern um 16 Uhr 30 folgende Erklärung verbreitet, die den Ansprachen des Ministerpräsidenten Syrový und des Generals Krejči voranging: nische, das Kolonialproblem, das Problem der Abrüftung usw. Ein abschließendes Urteil über has Werk wird natürlich erst möglich sein, bis dieses fertig sein wird. Für uns ist die Frage sehr eindeutig gestellt, denn die Räumung muß, wie ursprünglich angekündigt wurde, mit dem morgigen Tage beginnen: Bekommt Spanien das Selbstbestimmungsrecht? kommissär für Aeußeres Litwinowo erklärte in der Moskau, 30. September.( Taß) Der Volkss Sigung der politischen Kommission des Völkerbun des in Genf in seiner zu dem von einer spanischen Delegation unterbreiteten Resolutionsentwurf ges haltenen Rede: Ganze zwei Jahre lang leidet Spanien unter der offenen militärischen Intervention zweier Staaten bei Beteiligung eines minder hervorgetretenen dritten Staates, ohne daß der Völkerbund Spanien Hilfe gewährt hat. Heute wendet sich Spanien an den Völkerbund mit einem Ersuchen, bundes die geringsten Schwierigkeiten bietet, nie deffen Erfüllung für die Mitglieder des Bölfermandes Interessen verletzt und nicht den Zorn der gegenwärtigen Diftatoren in Europa hervor rufen kann. Trotzdem stößt die spanische Forderung auf den Widerspruch dreier Delegationen. Ich führe ein Argument an, das für diese Delegation über< zeugende Kraft haben sollte, nämlich das Selbstbe stimmungsrecht der Völker. Es ist das eine bemokratische Lofung, die trotzdem im gegenwärtigen Augenblick einige Staaten in An wendung bringen, um den europäischen Dentokratien ihren Willen aufzuzwingen. Ich will daran er« innern, daß das spanische Volk für fein Selb ftbestimmungsrecht kämpft. Der Kampf gegen dieses Recht ist im Grunde genommen das Ziel einer fremden bewaffneten Intervention. In diesem Kampfe um das Selbstbestimmungsrecht fordern die Spanier die Evakuierung der fremben Die Einberufung einer Konferenz der Repräsen- I sammenstöße oder sogar Verivirrung angesichts des Truppen, deren Angehörige als Freiwillige nach tanten der vier größten europäischen Mächte ließ er ausländischen Militärs ausgeschlossen würde und Spanien geschickt wurden. Spanien wird erwidert, haben einen gemeinsamen Ausschuß konstituiert und nerhalb einer Frist von vier Wochen vom Tage des muten, daß eine Entscheidung unmittelbar bevorsteht zweitens Sicherung der neuen Zukunft des Staates daß an feiner Seite ebenfalls Freiwillige kämpfen. und daß diese Entscheidung wenn es nicht noch in seinen nationalen Grenzen und in seinem natio- Ohne über das quantitative Mißverhältnis unter zu unvorhergesehenen Ereignissen kommt nalen Charakter. Gleichzeitig war es allerdings not den Freiwilligen auf beiden Seiten zu sprechen, gemeinsam durchgeführt wird von einer Arbeitsgemeinschaft, wendig, die wirtschaftlichen und finanziellen Momente erinnere ich an den qualitativen UnterDie internationale Kommission bie fich feit einer Reihe von ahren auf dem Horizont des Staates night intergraben, geschied. In der republikanischen Armee gibt es tatabzeichnete, für die einen als Versprechen dauern würden. sondern gestärkt fächliche Freiwillige, die von niemandem hielt ihre erste Sitzung ab den Friedens, für die Freiheit und die Gleichheit der Wie sollen wir also unter diesen Gesichtspunkten hingeschickt wurden und die für Freiheit, Gerech Bar i s. Der französische, der englische und kleinen Nationen aber eher als Drohung, nämlich von das beurteilen, was uns von München vorgelegt vor- tigkeit und Kultur kämpfen wollen. Auf der an der italienische Botschafter in Deutschland, die dem sogenannten Viererpakt. In München trat gelegt wurde? Wir können uns hier überhaupt nicht dern Seite werden als Freiwillige Soldaten frem Mitglieder der internationalen Kommission find, gestern eine wahre nene Friedenskonferenz zusammen mit dem Gesichtspunkte der Empfindungen befassen, der regulärer Armeen, die von ihren Regierungen die durch das Abkommen von München geschaffen allerdings mit dem Unterschiebe, daß sich diese Kon- über die es unter den Tschechen weder Zweifel noch geschickt wurden, bezeichnet. Diese Regierungen anwurde, tamen gestern nachmittags im Flugzeug frenz diesmal bereits vor dem Kriege konstituiert, irgendwelche Meinungsverschiedenheiten geben kann. erkennen bereits längst offen ihre Rolle bei der nach Berlin. Die internationale Kommission, der statt nach ihm. Dieser Umstand erklärt uns einiger geht um harte Tatsachen. Die vier Großmächte Entfendung dieser Freiwilligen. Trotzdem ist das als Mitglied weiters Staatssekretär von maken den Umfang und die Tragweite dessen, was find über die Ausführung deſſen einig, forüber, it republikanische Spanien bereit, seine Freiwilligen Weizsäcker und ein Vertreter der tschechoslowati- hier mit dem Anspruch auf absolute Autorität, wie sie übereingekommen sind. Die Tichechoslowakei steht abzuberufen und ersucht den Völkerbund, die Kon= schen Regierung angehören, hatte gestern Nach- eben nur die Friedenskonferenz im Jahre 1919 besaß, heute vor den Vorschlägen aur Durchführung des Be- trolle dieser Evakuierung durchzuführen. Ist es 1 durchgeführt wurde. Es erklärt uns vielleicht auch schlusses, zu dem es bereits am 21. d. M. fam, vor möglich, daß der Völkerbund dieses Ersuchen abeinigermaßen die Art und den Sinn deffen, was hier Vorschlägen, die durch die britische und französische lehnt? Die Gegner dieser Resolution erklären, daß gefchah. ebenso wie die deutsche und italienische Autorität ges der betreffende Vorschlag dem Nichtinterventions Der französische Ministerpräsident Daladier ſtüßt werden. Die Sowjetunion nimmt seit Anbeginn ausschuß in London unterbreitet werden soll. Niesagte bei seiner Rückkehr ins Hotel den bersammelten einen ähnlichen Standpunkt ein wie die Vereinigten mand bestreitet, daß dieser Ausschuß kläglich ge= Journalisten, der Weltkrieg habe über 10 Millionen Staaten von Amerika. Sie ist für eine tollektive scheitert ist. Unter diesen Umständen können wir Menschenleben gekostet und doch nichts entschieden, er internationale rifion, für die interer- onferenz der spanischen Regierung keinen Vorwurf machen, hat im Gegenteil Europa in diesen Zustand der Un- breiteren Konferenz, als es die ruhe verfest, in dem wir uns seit zwanzig Jahren war, aber dieser Vorschlag hat keine Aussichten auf daß sie sich an den Völkerbund wendet, und den befinden und der uns dorthin gebracht hat, wo wir Verwirklichung einerseits schon wegen des Man- Artikel 10 des Völkerbundpaktes sowie den Arti Chamberlain suchte gestern Wir, die übrigens Mitglie ler auf. Nachher wurde folgende gemeinsame Er. rer Berge von Toten und vielleicht noch größerer Ver- rade die entscheidenden Mächte in Europa und im der des Bölkerbundes, vergessen den Artikel 11 Luste und Verwirrungen, als sie auf die schicksals- Völkerbunde. England und Frankreich sich bereits mit nicht und bedauern nur, daß wir Spanien gegen schweren Kriegsjahre 1914-1918 folgte, haben die Deutschland und Italien geeinigt und gemeinsam mit über ihn nicht erfüllen können. Wenn wir die bes ,, Wir haben heute eine weitere Besprechung ge- britischen und französischen Staatsmänner offenbar ihnen die Angelegenheit ohne weitere Befragung der scheidene Forderung Spaniens erfüllen, werden wir habt und sind uns in der Erkenntnis einig, daß die dazu gebracht, auf jeden Fall ein lebereinkommen an- tschechoslowakischen Regierung in ihre Hände genom nicht bloß Spanien, sondern auch dem Völkerbund die Zukunft wird zei- men haben. Ein augenblickliches machtmilitärisches Frage der deutsch- englischen Beziehungen von aller austreben, von dem sie sich einen dauernden Nut- Eingreifen zu unserem Gunsten fann von nirgendher und dem Frieden einen Dienst erweisen. erster Bedeutung für beide Länder und für Europa gen, mit welchem Rechte ist. Wir sehen das gestern abends unterzeichnete Ab- zer für den Weltfrieden versprechen. Nach einem historischen Rückblick auf die Ereig Für die Großmächte war bei diesem Abkommen Nach den Sudeten fommen und das deutsch- englische Flottenabkommen als symbolisch für den Wunsch unserer beiden Völker nisse der letzten Monate fuhr die Sendung fort: Sobald jich zeigte, daß die Frage der Tichecho- Sie wollen weiterhin solange in engem Kontakt blei kommen die anderen! Bir sind entschlossen, auch andere Fragen, die unsere slowakei oder genauer gesagt die Frage der Abiren- ben, bis das ganze Werk einer neuen, dauernden, an, niemals wieder gegeneinander Krieg zu führen. beiden Länder angehen, nach der Methode der Kon- nung der deutschen Gebiete die erſte und eigentlich europäischen Regelung erledigt sein wird. Die AbDie Polizei in Antwerpen verhaftete vies fultation zu behandeln und uns weiter zu bemühen, einzige Angelegenheit auf der Tagesordnung der etwaige Ursachen von Meinungsverschiedenheiten aus| Verhandlungen von München ist, ging es im wesent grenzung unseres Gebietes gegenüber Deutschland ist Männer beim Ankleben von Plakaten in flämischer dem Wege zu räumen, um auf diese Weise zur Siche- lichen nurmehr um zwei Dinge: erstens einen wirt nur der erste Teil dieser ganzen langen Arbeit. Es Sprache. Der Text dieser Plakate enthielt ein rung des Friedens Europas beizutragen. Adolf Hit- lid, ordentlichen Gang der jukzessiven lebergabe des werden Verhandlungen über die Regelung der Gren. Manifest, das mit folgender Losung endete: ,, Nach Gebietes jo au erreichen, daß Komplikationen, Bu zen mit Polen und Ungarn folgen und es werben den Subeten kommt Flandern an die Reihe!" England- Deutschland? Prag. Das Abkommen der vier Mächte wurde Freitag um 0.30 Uhr nachts unterzeichnet. Chamberlain, Daladier und Mussolini sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt. flärung ausgegeben: Ter, Neville Chamberlain." erwartet werden. die Jdee des Friedens und Krieges mitbestimmend. «eite 4 „Sozialdemokrat" Samstag, 1. Oktober 1938. Nr. NKesnemgLelteir Vie Partei Die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik war, nach dem Untergang der reichsdcutschen und der österreichischen Partei, das letzte Glied der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. War! Denn mit der Abtrennung der sudetendeutschen Gebiete hört die Partei auf- das zu sein, was sie bisher, was sie so viele Jahrzehnte hindurch war. Innerhalb der kleinen deutschen Minderheit, die es im tschechoslowakischen Staate nach der neuen Grenzziehung geben wird, hat die so- zialdeowkratische Partei nur sehr begrenzte Existenz« und Wirkungsmöglichkeiten. Viele der Treuen, die bis zum letzten Augenblicke ausharrten, wird heute unser Wort nicht mehr erreichen. Sie lesen nicht mehr, hören nicht mehr unsere Worte des Abschieds. Abschied von den braven, treuen, in jeder Situation zuverlässigen, tapferen sudetendeutschen Arbeitern! Wie schwer, wie unsagbar schwer! Und wie schwer für sie der Abschied von der Partei, von der Bewegung, die Inhalt ihres Lebens war! Ruhmvoll ist die Geschichte dieser Bewegung. Auf sudetendeutschem Boden, in Asch, wurde knapp vor Lassalles Tod die erste sozialdemokratische Organisation auf dem Boden des ehemaligen Oesterreich gegründet,. eine Ortsgruppe des Allgemeinen deutschen Arbeitervereines. Unter Ueberwin- dung unsäglicher Schwierigkeiten hat sich die sudetendeutsche Arbeiterbewegung, die immer auch eine Kulturbewegung war, die Bewegung der Unterdrückten zur Kultur, emporgearbeitet, emporgekämpft. Eine Reihe großer Männer hat sie der Arbeiterbetvegung gegeben: den Schiller S e f f, die späteren österreichischen Staatssekre- Kre Eldersch und Hanusch, den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Karl Renner, den unvergeßlichen Josef S e l i g e r. Seit ihren ersten Anfängen stand die sudetendeutsche Arbeiterbewegung im Kampfe gegen den deutschen Nationalismus. Nun hat der deutsche Nationalismus sie'besiegt. Aber nicht aus eigener Kraft hat sie der heimische Nationalsozialismus besiegt. Mit ihm wäre sie fertig geworden. Geschlagen wurde sie von. der ungeheueren Macht ,dcs reichsdeutschen Nationalsozialismus. Sie hat in Ehren gekämpft, sie ist in Ehren der Uebermacht erlegen, die sudetendeutsche sozialistische Bewegung. Sie wird wieder erstehen innerhalb des künftigen deutschen Sozialismus. Der Glaube an den Sozialismus, an die Notwendigkeit des Sozialismus, dieser Glaube an die menschlichste allex Ideen, wird lebendig bleiben in allen denen, die nun von uns scheiden. Die Alten der Bewegung, die mit ihrer Geschichte Vertrauten, wissen, daß schon einigemale der Sozialismus für immer besiegt schien, ja selbst die Demokrasie. Vielleicht erinnern sie sich— und schöpfen Trost aus dieser Erinnerung— der Abschiedsworte der von Marx redigierten„Neuen Rheinischen Zeitung": Nun ade, ade, du kämpfende Welt! Nun ade, ihr kämpfenden Brüder! Ade, doch nicht für immer ade: Bald kehr ich reisiger wieder! Ein Urteil über die deutschen sozialdemo- krasischen Arbeiter finden wir in der iw Prag erscheinenden tschechischen Zeitschrift ,,Ükok":°„Alle, welche in irgendeiner Weise an der Unterdrückung des Putsches teilgenommen haben, bestätigen, daß' die' deutschen Sozialdemokraten hiebei ein bewundernswertes Heldentum bewiesen haben. Es bestätigen dies. Gendarmen, Polizisten, Richter, Soldaten. Es waren Tränen zu sehen, als die sozialdemokratischen Arbeiter und ihre Frauen, denen in der letzten Zeit ihre Heimat zu einer wahren Hölle gemacht worden war, sich in Opferwilligkeit und Treue Überboten. Diese Partei hat auch sofort zu wachsen begonnen, seitdem der unmittelbare Terror nachgelassen hat. Es war nicht ganz verständlich, daß unsere Politik vor einiger Zeit wegen der schönen Äugen Henleins diesen Helden die kalte Schulter gezeigt hat, als ob sie nicht um sie stehen würde. Die Republik aber stand und steht um sie." Wetter-Katastrophe. Tas Gebiet von Neapel wurde von einem schweren Unwetter heimgesucht. ES wurden besonders in Fratta Biro Maggiore und Grumenevano große Schäden verursacht. Daselbst stürzte ein Gebäude ein, das 15 Personen unter den Trümmern begrub. Bisher gelang es aus den Trümmern nur drei Leichen zu bergen. kür die Flüchtlingshilfe! Der Verein„Arbeiterfürsorge hat für die im Deutschen Haus untergebrachtcn Flüchtlinge eine Flüchtlingshilfe eingerichtet und ersucht die Genossinnln, sich für den Dienst als freiwillige Helferinnen zur Verfügung zu stellen. Anmeldungen sind an die„Ardei- tcrsürsorgc", Prag II, Fügncravo näm. 1, (Anna Appell) zu richten.(Telephon 51351.) Auch K l e i d e r s p e n d e n, die für die Flüchtlingshilfe bestimmt find, find bei der „Arbeiterfursorge" abzugeben. und Bewahret Ruhe! Gemeinsame Aufforderung aller Gewerkschaftszentralen Prag. Gestern vormittags fand eine gemeinsame Beratung der Vertreter aller Gewerkschaftszentralen statt. Nach dieser Beratung wurde folgende Proklamation erlassen: Der Beschluß der vier Mächte in München hat ein erregtes Echo geweckt. Möge dieser Beschluß wie immer sein, so steht in diesem Augenblick nicht nur die Regierung, sondern jeder Bürger vor einer schicksalhaften Verantwortung. Darum, appellieren wir an das arbeitende Volk: Laßt Euch in keinem Falle zu irgendeinem unüberlegten Schritt hinreißen! Es geht nicht um Worte! Es geht um Taten, die auch jenseits der Grenzen unseres Staates beurteilt und eventuell mißbraucht werden. Erlaubt es nicht,, daß Unruhe in Eure Reihen getragen wird und harret unter allen Umständen bei Eurer Arbeit aus, deren Unterbrechung den Staat schwächen würde. Seid Euch bewußt, daß uns in unserem Kampfe keine noch so berechtigte Erbitterung beherrschen darf, sondern einzig und allein Besonnenheit, Festigkeit und Einigkeit! Wer diese Einigkeit durch unüberlegte Taten zersetzen würde, würde dem Feinde helfen! Wollt Ahr unsere Regierung und Armee tatsächlich in ihrem gerechten Widerstand gegen unberechtigte Forderungen wirksam unterstützen, dann darf es zu keiner Uneinigkeit und zu Wirren kommen! . Die gemeinsam vorgehenden Gewerkschaftszentralen, die der Regierung auch erneut Eure Entschlossenheit zur Verteidigung betont haben, sind in Bereitschaft. Seid auch Ihr bereit. Ihr Arbeiter in den Betrieben, Ihr Beamten in den Kanzleien, Ihr Männer und Frauen der Arbeit! Haltet aus im Interesse des Volkes und des Staates auf Euren Plätzen und wartet unsere weiteren Weisungen ah. Ole Dienstbezüge Eingerückter Prag. Dar Finanzministerium hat mit Erlaß vom 24. September 1938, Zahl 118.489 dir Auszählungsweise der Dicnstgehälter für September und Oktober d. I. für gewisse zivile Angestellte, die zum aktiven Militärdienst einberufen oder militärischen Formationen zugeteilt wurden, geregelt. Das Innenministerium trägt als Nachtrag hiezu den Gendarmerieformationen, die berufen sind, die Dienstgehälter der Gendarmerie auszuzahlen, auf, die Dienstgehälter für Oktober derjenigen Gendarmen, die keinen Dienst in ihrem Rayon oder dessen Nähe versehen, zurückzuhalten, sofern ein solcher Gendarm nicht bereits vorher Maßnahmen getroffen hat, auf welche Weise die Auszahlung seines Dienstgehaltes durchgeführt werdest soll. Diese Dienstbezüge werden einem Familienangehörigen des Gendarmen oder einem anderen Bevollmächtigten ausgezahlt werden, der sich mit einer schriftlichen Vollmacht des Gendarmen zum Empfang des Gehaltes und mit einem Identitätsnachweis ausweist. Die Vollmacht muß durch die Unterschriften zweier Amtspersonen aus den Reihen der Gendarmerie, dxs Militärs oder der Zivilorgane beglaubigt sein. Diese Weisung wird gleichzeitig in der Tagespresse und durch den Rundfunk kundgemacht. Kreöttanstalt öer Deutschen P»»| II■.*■•> 81 Niederlassungen Durch sul-amg aller Geld-efchtft« Verwaltaggs kapital iroo MAwnni KL Haftungskapital Iss Millionen KL Man erhält für KL 100 Reichsmark.... .. 358.— Markmünzen. z:ri . 420.— 100 polnische Zloty.. .. 448.50 100 ungarische Pengö.. . ,. 423.50 100 Schweizer Franken . 655.— 100 französische Francs .. 78.45 1 englisches Pfund.. .. 140.25 1 amerikanischer Dollar. .. 28.80 100 italienische Lire.. .. 104.40 100 holländische Gulden. . 1577.— 100 jugoslawische Dinare. .. 64.80 Arager Zeitung Prager Schüler auf dem Land fallen die Ortsschulen besuchen. Einige Eltern, die ihre schulpflichtigen oder die Mittel- und Fachschulen besuchende Kinder für eine gewisse Zeit auf dem Land untergebracht haben, lassen sie auch weiterhin die Prager Schulen besuchen. Da das vertehrstechnische Schwierigkeiten mit sich bringt, macht das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur aufmerksam, daß solch: Schüler auf dem Lande nach Möglichkeit die betreffenden Ortsschulen besuchen sollen. Wo das aus irgendeinem Grunde nicht möglich ist— z. B. bei Schülern der Mittel- und Fachschulen— wird ihnen der versäumte Unterricht entschuldigt werden. Die Urania teilt mit. daß die Arbeiten des Volksbildungshauses' und der Masaryk-Volkshoch- schule im Laufe der nächsten 14 Tage ausgenommen werden. So weit Kurse bereits begonnen hatten und unterbrochen werden mußten, wird ein neuer Anfangstermin festgesetzt werden. Die bereits ausgeschriebenen Kurse, die noch nicht begonnen hatten, werden bis Mitte Oktober in Gang gebracht werden. Das Publikum wird gebeten, die Preffeapizeigen über Programm und Kursbeginn zu beachten. Der Betrieb des Urania-Kinos geht ununterbrochen weiter. Urania-Kino Premiere„Schwarzfahrt in» Glück", Lustspiel. 8.%9 Uhr. Die erste Damplmolkerei und Käserei in Gratzen, Böhmerwald empfiehlt ihre erstklass. Erzeugnisse Beachten Sie die Sohu tzmarke’ 24 Die mm faiföul Roman von Noelle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Nippel Am nächsten Tage kam Max um die Mittagsstunde wieder und berichtete» daß das Wasser wieder so hoch stand wie zuvor. Nein, er täuschte sich nicht. Ignaz und er hatten mit einem ange- brännten Holzscheit eine» schwarzen Strich auf den Fels gezeichnet. Am Abend sank das Wasser abermals, um am nächsten Morgen wieder zu steigen. Tage vergingen. In ihrem Hangen und Bangen, zwischen Furcht und Hoffnung, und um ihre Sorgen einzuschläfern, halfen die Geretteten einander so gut sie konnten und unterstützten in ihren Bemühungen Franz, den alten Hans und die Bäuerinnen, welche begonnen hatten, aus trockenen Steinen eine zweite Hütte zu bauen. „Das Sinken des Wassers wird lange dauern", sagte Herr von Miramare, während er seine steifen alten Hände an den Steinen blutig wetzte. „Hier fängt der Winter bald an", fügte Jnyocente hinzu. „Der Winter! Aber im Winter werden wir doch nicht mehr in Susanfe sein." Und jeden Abend, wenn sie die Gestalten der beiden Männer, Max und Ignaz, unter ihren Lasten gebeugt, sich am goldenen Himmel abheben sahen, liefen sie ihnen entgegen und in eine immer gleiche bange Frage: legten sie ihre ganze Hoffnung, das, was sie trotz aller Mühsal und Angst aufrecht erhielt: Ist das Wasser gefallen? All diese Tage hatte Max, während er sich über die wogende Fläche neigte, die sich so ge bärdete, als hätte sie seit jeßer die Schlucht erfüllt und die jeden Tag zur gleichen Stunde unmerklich anstieg,"um wieder zu fallen, so gründlich beobachtet, daß sich schließlich eine Ueberzeugung in ihm bildete: Dieses Wasser stand unter dem Zwange von Flut und Ebbe; nichts anderes konnten diese regelmäßigen Schwankungen bedeuten. Ein Binnenmeer hatte sich hier eingenistet. Am Wend, des zehnten Tages fühlte er diese Hypothese zur Gewißheit werden. Warum, hätte er nicht sagen können, aber er wußte, daß dieses Wasser nie mehr weichen würde... Er warf einen Blick auf den jungen Hirten neben ihm und auf seinem unbewegten Gesicht las er den gleichen Gedanken. „Du weißt es genau so gut wie ich, daß es hier bleiben wird bis in alle Ewigkeit!" Der Hirt nickte wortlos. „Warum sollte es auch nicht bleiben?" sprach Max leise", wo sollte es denn hin? Wortkarg antwortete Ignaz: „Herr... es ist zuviel..." «Nenne mich nicht Herr... Saa mir du und Kamerad!" sagte Max rauh. Siehst du denn nicht, daß wir am Weltbcginn stehen!" In Schweigen versunken kehrten sie zum Lager zurück und vergaßen, das angesammelre Brennholz mitzunehmen. Als die anderen sie ohne Last kommen sahen, liefen sie ihnen entgegen in Erwartung einer guten Nachricht. Erschüttert durch ihre bange Hoffnung schwieg Max. „Immer dasselbe..." Aber als sie am Wend rings um das Feuer lagerten, sagte er zu Herrn von Miramar: „Ist es nicht schon vorgekommen, daß ein Kontinent vom Meere verschlungen wurde?" „Sicherlich", erwiderte der Gelehrte, der froh war, über sein Lieblingsthema sprechen zu können.„Da sst zum Beispiel der Kontinent Atlantis, der spurlos versank." „Sie sprachen tatsächlich von Atlantis, an jenem Abend in Paris, als Elvinbjorg kam..." sagte Max langsam.„Frau Andelot zitierte damals sogar einen Ausspruch von Aristoteles, glaube ich..." Frau Andelot sprach leise vor sich hin: „Dieselben Stätten sind nicht immer Erde und nicht immer Wasser. Das Wasser kommt dorthin, wo einst Festland war, und das Festland wird wieder dort sein, wo wir heute Wasser sehen." Es wurde still. Dann sprach Max: „Nun, Herr von Miramar, ich glaube nicht mehr an Ihre Hypothese einer Springflut... einer seismischen Ueberschwemmung... Ich glaube, daß wir das Schicksal von Atlantis aufs neue erleben...." Jener richtete sich steil auf. Seine Gestalt überragte die sprachlose Gruppe: „Atlantis... Atlantis..." stammelte er. Er brauchte eine Minute, um sich zu sammeln. Dann fuhr er mit jener Hartnäckigkeit des Wissenschaftslers fort, der ungern auf seine Hypo- tesen verzichtet: „Ja, aber... dieses Zusammenstürzen und Sichauftürmen der Erbmassen ist ein langsamer Vorgang. In der Geologie sind Jahrtausende wie Tage... Es sei denn... Ja, vulkanische Ausbrüche... Plötzliche Untergänge, hervorgerufen durch Schaukelbewegungen..." Mit ruhiger Sttmme setzte Max logische Ursachen auseinander:„Eine vorübergehende Ueberschwemmung würde sich anders verhalten. Nach dem ersten Sinken würde das Wasser nicht wieder ansteigen; aber hier hatte ein Meer sich hingelagert, das den Gesetzen der fernen Ozeane unterworfen war."- „Ja,.., dann werden wir hierbleiben müs- sen solange wir leben", sagte der alte Mann. Max fügte leise hinzu: „Es wäre besser, sich keinen Täuschungen hinzugeben." Jammern und Weinen war die Antwort. Die Gruppe der Bäuerinnen hinter ihnen, die zuhorten ohne genau zu verstehen, hatten nur die letzten Worte aufgefangen: wir werden hierbleiben müssen solange wir leben! Sie waren in ein dumpfes Jammern ausgebrochen, das hie und da ein lauter Schrei zerriß. „Ja, dann... wozu..." wiederholte der Gelehrte, wie von einem Schwindel erfaßt. „Wozu unsere ganze Flucht? Wären wir doch lieber gleich umgekommenl" stöhnte Hubert. „Lästere nicht!" rief Max ihm zu. Und mit der Hand wies er auf die jungen Mädchen, welche ihre Tränen verbargen und sich mit Paulchen befaßten der, da er sich unbeobachtet sah, dicke Holzstücke inS Feuer warf. „Uns bleibt nur noch unser Leben, vollendete er, aber das ist das Kostbarste." Alles schwieg. Unwillkürlich blickte jeder um sich. Und unter der Mondsichel erschien ihnen das Susanfetal, als ob sie eS zum ersten Male sähen: Eingeengt zwischen den hohen, steilen, von mattschimmernden Felszinnen gekrönten Gipfeln, so lag es da, eine schmale Schlucht, am Fuße des Gletschers. Ihr Leben, ihr ganzes Leben... Wie die Tiere werden sie dahinleben. Ihr ganzes Sinnen und Trachten nur noch darauf gerichtet, sich Nahrung zu beschaffen, sich zu verkriechen, gegen die feindlichen Elemente zu kämpfen, gegen Kälte, Schnee und Sturm, und um Schutze gegen die Unbill der Elemente nichts als eine elende Hütte aus schlecht gefügten Steinen. Würden sie auch wirklich leben, sich wehren können, ohne Werkzeug, ohne Kleidung, bald vielleicht ohne Feuer, wenn das letzte Zündholz verbraucht sein wird. Werden sie da nicht hilfloser sein als der Urmensch, den kein nutzloser Kulturschatz, und keine Erinnerungen sund Gewohnheiten einer Zivilisation belasteten. Die glücklichste Aussicht, die ihre Lage gestattete, war die, nicht Hungers sterben zu müssen. Mit einem Schlage verwischte sich das Bild der Zerstörung der Welt, das bisher ihren Sinn getrübt hatte und entschwand, wurde nebensächlich. (Fortsetzung folgt) Bezugsbedingungen: Ber Zustellung inrHauS oder bei Bezug durcb die Poll monatlich Kü 17.—. vierteljähng Kd 51—, halbjährig KL 102.—.«anzjähria KL 204. Inserate werden laut Tarik billigst berechnet.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poll- u. Teleäraphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800;VII/198U bewilligt-(Kontrollvostarnt Praha 25.— Trucker«:.DrbiS". Druck«. Verlags« u. 8eirunaS-A.-G. D»a.