Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Rebatteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Mittwoch, 5. Oktober 1938 Aus dem Inhalt: Aufschub der exekutiven Räumung von Wohnungen Eingerückter Scharfe Kritik an Chamberlain Eine Frau in Berlin hingerichtet Daladier rechtfertigt sich Umfangreiche Regierungserklärung in der Kammer Paris, 4. Oftober.( Tsch. P.-B.) Heute vormittags traten nacheinander der Kabinetts. rat und hierauf der Ministerrat zusammen, die einmütig die Nachmittag vom Ministerpräsiden ten Daladier und dem Stellvertreter des Ministerpräsidenten Chantemps im Senat zu verlesende Regierungserklärung genehmigten. Der Ministerrat genehmigte ferner einmütig einen Geset entwurf, durch den die Regierung das Parlament um Erteilung einer außerordentlichen Voll. macht in finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten ersucht. Nachmittag um 15 Uhr Pa. rifer Zeit verlasen die Regierungserklärung Daladier in der Kammer und Chautemps im Senat. Die Erklärung der französischen Regierung Von der Berchtesgadener Zusammenkunft Tautet: In den Wochen, die wir eben durchlebten, fonnte die Welt mit Betlemmung fragen, ob sie nicht in einen Krieg hineingerissen werden wird. Heute, da ich komme, über unsere Tätigkeit Rechnung abzulegen, fann ich Ihnen sagen, daß wir in dieser Krise den Frieden gerettet haben. In der Testen Zeit habe ich wenig gesprochen, weil ich viel handeln mußte. Es wurde mir sogar borgeworfen, daß ich der schweigsamste Mann Frankreichs sei. In diesem Augenblick der kurzen Ruhe, die der Ausgangspunkt zu neuer Tätigkeit fein muß, will ich Ihnen schildern, welches die les ten Ereigniſſe waren und wie wir ihnen begegneten. Das sudetendeutsche Problem Als unsere Regierung konstituiert wurde, bestand das fudetendeutsche Problem bereits. Nach der Verwirklichung des Anschlusses hat es sich noch viel gen der Sudetendeutschen. Das Drama begann. Seit den ersten Tagen bemühten wir uns zu verhindern, daß uns die Ereignisse zu einem unwiderruflichen Schritt hinreißen. Ich habe damals einige Male den Standpunkt meiner Regierung öffentlich festgelegt. Wir waren von zwei gleich starken Gefühlen beherrscht. Von dem Wunsche, nicht zu einer militärischen zum Londoner Plan Die Option Von Dr. Egon Schwelb Nr 234 uns die Ansichten Lord Runcimans mit. Muß ich Ihnen fagen, mit welcher Bewegung wir erfuhren, daß der britische Beobachter in seiner Seele und feinem Gewissen zu der Anschauung kam, daß ein weiteres Zusammenleben der Tschechen mit den Sndetendeutschen unmöglich ist, während alle unfere In der ergreifenden Botschaft der Partei, die Bemühungen darauf beruhten, daß sich die Tsche- vom Parteivorstand erlassen wurde, als feststand, daß choslowakei in der Richtung zu einem Födera sich die Tschechoslowakische Republik dem Münchener 1ismus entwickeln könnte, der ihr ihre territo. Dittat fügen muß, wird auf die Verpflichtung der triale Integrität gewährleistet hätte? Partei verwiesen, alle zu tun, um jenen Mitkämpfern, die ihre Heimat Aber es war notwendig, den tatsächlichen Stand verloren haben, eine neue Sei der Dinge zu erkennen. Wir standen vor folgender mat zuschaffen. Alternative: Entweder auf die sudetendeutschen Die Fülle der Aufgaben, die dieser Vorsatz in Forderungen mit„ niemal 3" au antworten, die fidh begreift, ist heute noch unabsehbar. Das Pro tschechoslowalische Regierung zu einer unerschütter blem wird sicher nicht einheitlich und in einer Rich lichen Unerbittlichkeit und die deutsche Regierungutung gelöst werden können. Für viele unserer Geder Tschechoslowakei zur Folge gehabt hätte oder verbleibenden Gebiet der Republik gefunden werden Konflikt hervorzurufen, der die raiche Vernichtung verlassen müssen, wird eine Lebensmöglichkeit in dem einem Angriff zu treiben und einen bewaffneten noffen, die das an Deutschland abgetretene Gebiet bemüht zu sein, ein Kompromiß zu finden. müssen. Andere werden fremde, europäische und Wenn zur ersten Hypothese gegriffen worden außereuropäische Länder als neue Heimat erwählen. wäre, wer könnte behaupten, daß die territoriale Für beide Gruppen iſt es aber in gleicher Weise Integrität der Tschechoslowakei nach einem schred- lebenswichtig, daß sie nicht dem Schidial der Staa lichen Koalitionsfriege, wenn auch nach einem siegtenlosigkeit verfallen, daß sie nicht zum Spiel. reichen, erhalten geblieben wäre? ball hartherziger Grenz- und Polizeibehörden werden, fonfret gesprochen: daß sie die tschechoslowa Die Krise verschärft sich ische Staatsbürgerschaft behalten oder Als wir London verließen, hatten wir das Ge- toiedererhalten. Der moralische Anspruch unse fühl, daß unser Plan in Vrag erbitterte Protesterer, aus der fudetendeutschen Heimat vertriebenen Anfang September nach der Schlußrede Sitlers beim Nürnberger Parteitag und nach der Anfündigung Henleins, daß er die Verhandlungen mit der Prager Regierung abbreche, erschien die Lage zum ersten Male unwiderruflich bedroht. Die deutschen Forderungen nahmen gewaltsamen Charaks ter an. In der Nacht vom 13. zum 14. September berlain ein. Ich teilte ihm mit, wie nüßlich es trat ich in Verhandlungen mit Herrn Neville Cham wäre, Demarchen und Noten durch direkte Untermännern zu ersetzen. Der englische Premier war redungen zwischen den verantwortlichen Staatsder gleichen Anschauung und reiste nach Berchtes gaden. Das, was nach den Berchtesgadener Unter. redungen folgte, fennen Sie. In einem offiziellen Buch werden alle dokumente zusammengefaßt, alle Demarchen verzeichnet und alle Verhandlungen ge schildert werden. In seiner Unterredung mit Hitler konnte Gham. mehr verschärft. Die tschechoslowakische Regierung berlain die Tragweite der deutschen Forderungen hervorrufen und daß er in Berlin Zustimmung fin- Genossen, weiterhin die tschechoslowakische Staatsfündigte bereits das Nationalitätenstatut an und würdigen und abgrenzen. Bereits Sonntag, den 18. Henlein formulierte in acht Punkten die Forderun- September, berichtete er uns über feine Einbrüde, den werde. Die tschechoslowakische Regierung hat bürgerschaft zu behalten, bedarf wohl keiner näheren und über seine Erkenntnisse. Wir versammelten in ihrer her o ifchen Ergebenheit für Begründung. Ist es doch gerade die Anhänglichkeit, die Sache des Friedens den Plan ange Treue und Kampfbereitschaft für die Republik, die fie uns in London, wir erwogen, und wir beugten uns in Gefahr gebracht und zum Verlassen ihrer Hei über die Landfarten. Die britische Regierung teilte ( Fortschung auf Seite 2) mat gezwungen haben. Ein Zeuge, der wohl nicht ale zugunsten der deutschen Sozialdemokraten vor eingenommen gelten darf, Jiří Stříbrný, schreibt in seinem„ Nedělni list" vom 2. Oftober: Ich will nicht verschweigen, daß sowohl die deut iden Sozialdemokraten, als auch die Kom munisten sich in den schwersten Stun dengutverhalten haben, vielleicht ist selbst dies ein Ausdruck, der den Tatsachen nicht voll gerecht wird." Allerdings fügt er hinzu:„ Aber und der Organisation der Verwaltung, den Herrn das Semd ist näher als der Rock. In erster Linie Eisenbahnminister General Kaidos mit der Lei- muß es um die tschechische Bevölkerung, um unser tung des Ministeriums für Post und Telegraphen, Blut, gehen." den Herrn Minister für Sozinle Fürsorge Dr. Benfl mit der Leitung des Ministeriums für tion gezwungen zu werden und von dem Willen, niemals dem gegebenen Worte untreu au werden, wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllen sollte. Ende April schilderten der Außenminister Bonnet und ich der britischen Regierung in London unsere Sorgen, scwie, auf welche Weise wir beabs sichtigen, eine Beruhigung in Mitteleuropa zu er reichen. Es war uns eine Beruhigung, als wir feststellen konnten, daß die britische Regierung diesen Problemen gegenüber nicht gleichgültig ist. Gemeinsam seßten wir die Grundlagen der Zusam menarbeit fest. Es handelte sich uns nicht darum, mit Taten zu warten, bis wir vor eine vollendete Tatsache gestellt würden und bis es notwendig sein würde, sie durch unser Blut entweder zu unterdrüden oder sie in Schande schmerzlich zu ertragen. Es handelte sich darum, den Ereignissen zuborzufommen und zu versuchen, sie zu verhindern. Soj geschah es, daß wir im Augenblick der Krise am 21. Mai gemeinsam handeln konnten, von der ich hervorheben will, daß sie dank der wirksamen zu sammenarbeit und des guten Friedenswillens aller beteiligten Staaten überwunden wurde. Die neue Regierung ernannt General Syrový wieder Premier Prag. 4. Oftober. Der Präsident der Republik hat folgendes Handschreiben erlassen: Prag, den 4. Oftober 1938. Herr Vorsitzender der Regierung, ich nehme die Demission der Regierung an und enthebe Sie sowie die übrigen Mitglieder der Regierung vom Amte. Es ist also wichtig, von allem Anfang an dar öffentliches Gesundheitswesen und Körpererzie. auf zu dringen, daß der moralische Anspruch der hung und den Herrn Minister Dr. Bukovský mit deutschen Demokraten und Sozialisten, der Tichechen der provisorischen Leitung des Ministeriums für und Juden der an Deutschland fallenden Gebiete, die Dr. Bencé, m. p. Armec- Gen. Syrový, m. v. Schulwesen und Volkskultur. Prag, den 4. Oftober 1938. Herr General Syrový, Dr. Edvard Beneš m. v. Arm. Gen. Syrový m. p. tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zu behalten, auch zu einem Rechtsanspruch werde und die betroffenen Bevölkerungsfreise darüber zu belehren, daß sie dieses ihr Recht fristgerecht und derart aus. üben, daß es ihnen durch fleinliche Auslegungsfünfte und bürokratische Schifanen nicht verweigert werden ich ernenne Sie zum Vorsitzenden der Zu der Ernennung der neuen Regierung Regierung und betraue Sie gleichzeitig mit wird noch amtlich gemeldet, daß außer den beiden fann. der Leitung des Ministeriums für Natioilowakischen Ressortministern in den nächsten Das Münchener Abkommen enthält im Punkt 7 nal verteidigung. Tagen noch ein weiterer Minister für die flowafischen Angelegenheiten ernannt werden wird. 535: 75 für Daladier folgende Bestimmung: A „ Es wird ein Optionsrecht für den Hebertritt in die abgetretenen Gebiete und für den Austritt aus diesen vorgesehen. Die Option muß innerhalb yon fem& Monaten vom Zeitpunkt des ausgeübt werden. Ein deutsch- tschechoslowakischer Ausschuß wird die Einzelheiten der Option beftimmen, Verfahren zur Erleichterung des Austau fches der Bevölkerung erwägen und grundsätzliche Fragen flären, die sich aus diesem Austausch er. geben." Weiter ernenne ich die Herren: a. v. Gefandten und bevollmächtigten Minister Dr. František Chvalkovský zum Minister für auswärtige Angelegenheiten, den Landespräsidenten Jan Die Zeit oon Ende Mai bis Beginn Septem- ern zum Minister des Innern, den SetParis, 4. Oktober. Die Kammer sprach ber war eine Periode eines gewissen internationa- tionschef Dr. Josef Kalfus zum Finanzmini- der Regierung mit 535 gegen 75 Stimmen das len Waffenstillstandes, doch bereitete ein leidenschaft- ster, den ersten Präsidenten des Obersten Ge- Vertrauen aus. Drei Deputierte enthielten sich licher Gärungsprozeß in den Sudetengebieten neue richtshofes Dr. Vlad. Fain or zum Justizmini- der Stimme. Für die Regierung stimmten dem Ereignisse vor. Geleitet von freundschaftlichen Gester, den Universitätsprofeffor Dr. Imrich Karnach alle Abgeordneten mit Ausnahme der Komfühlen, rieten wir darum der tschechoslowakischen vas zum Industrie, Handels- und Gewerbe- munisten( 72 Abgeordnete) und drei weitere Regierung, den Sudetendeutschen bedeutsame, ge- minister, den Brigadegeneral Vladimir Kaj do Abgeordnete, unter ihnen de Rérillis. rechte und schnelle Zugeständnisse im Rahmen des zum Eisenbahnminister, den Divisionsgeneral Staates zu machen. Die Tätigkeit der englischen Karel Hufà ref zum Minister für öffentliche Vandervelde verläßt die Partel Regierung entwidelte sich gleichlaufend mit unserer Arbeiten, den Vorsitzenden der Tschfl. GetreideTätigkeit. aefellschaft Dr. Lad. Feierabend zum Mini- Paris, 4. Ottober. Die französischen Blät Die Mission Lord Runcimans in fter für Landwirtschaft, den Primator Dr. Peter ter bringen eine Nachricht aus Prüffel, derzufolge nationalen Kommission, die die MoPrag erwvedte die große Hoffnung, daß sie den diret- 3enkl zum Minifter für foziale Fürsorge, und der bekannte Sozialistenführer Vandervelde seistalitäten der Räumung festlegen, die Gebiete, wo ten Stontalt zwischen den tschechoslowafischen Staats- die Herren: Vorsitzenden des Wehrausschusses der nen Entschluß bekanntgegeben hat, aus der Par- abgestimmt werden soll, beſtimmen und die Grenzen männern und den Führern der Sudetendeutschen Organisationen für Körpererziehung Dr. Stani- tei auszutreten, und zwar zum Zeichen des Pro- endgültig festießen soll, streng zu unterscheiden. Der verwirklicht habe. Es muß jedoch festgestellt wer- flav Bukovský, den ehemaligen Gesandten testes gegen den neutralen Standpunft, den die mit der Regelung der Staatsbürgerschaft betraute den, daß niemals eine lebereinstimmung zwischen Sng. Hugo Vavrečka und Dr. Ivan Bár belgische Regierung sowie die belgische sozial- Ausschuß wird nur aus Vertretern der tschecho demokratische Partei, deren Mitglied der Vor- ilowakischen und der reich deutschen den Vorschlägen der tschechoslowakischen Regierung, fányi zu Ministern. die immer weitergehend wurden und den Forderun Gleichzeitig betraue ich den Herrn Justiz ſizende der Regierung und Außenminister Spaaf Regierung bestehen. Ich glaube, nicht daran zweigen der Sudetendeutschen erzielt wurde, die je minister Dr. Fajnor mit der Leitung des Mini- ist, in der tschechoslowakischen Frage eingenom- feln zu sollen, daß der deutsch- tschechoslowafische Auslänger, desto größer wurden. fteriums für die Bereinheitlichung der Gefehe men haben, schuß an die Bestimmung des Münchener Baftes ine Der deutsch tschechoslowakische Ausschuß, der die Einzelheiten der Option bestim men soll, ist von der bereits fonſtituierten inter Seite 2 Rechtsberatung Von morgen, Mittwoch, an, werden feben Mittwoch von 3 bis 4 Uhr nachmittags und an den übrigen Tagen von 9 bis 10 Uhr im Prager Parteisekreta riat Rechts auskünfte erteilt. sofern gebunden ist, als er niemanden, der nach dem Weünchener Pakt als optionsberechtigt anzusehen ist, bom Optionsrecht ausschließen darf. Die Münchener Bestimmung geht davon aus, daß jene bisherigen tschechoslowakischen Staatsbürger, welche zu dem ab getretenen Gebiet in einer bestimmten näheren Beziehung stehen, durch die Abtretung automatisch die reichsdeutsche Staatsbürgerschaft erwerben, diejenigen tschechoslowakischen Staatsbürger aber, die zu dem der Tschechoslowatischen Republik verbleibenden Gebiet in einer näheren Beziehung stehen, tschechoslowa fische Staatsbürger bleiben. Welches dieſe nähere Beziehung zwischen Person und Gebiet ist, die für die automatische Erwerbung der deutschen Staatsbürgerschaft bzw. für die Beibehaltung der tschechoflowakischen Staatsbürgerſchaft beſtimmend sein soll, ist im Münchener Abkommen nicht festgesetzt. Bei der Aufteilung der Bevölkerung der österreichischungarischen Monarchie auf die Nachfolgeſtaaten Grundlage genommen. Es wäre denkbar und wünschenswert, daß nicht auf die unmoderne, bloß formale Beziehung zur Heimatgemeinde, sondern auf den Wohnsitz abgestellt wird. wurde vor zwei Jahrzehnten das Heimatrecht zur bürger nun, die au dem abgetretenen Gebiete„ ge Diejenigen bisherigen tschechoslowakischen Staatshören", sollen nun ganz unbeschränkt das Recht haben, die deutsche Staatsbürgerschaft abzulehnen und tschechoslowakische Staatsbürger zu werden bzw. zu bleiben. Umgekehrt soll den zum nicht abgetretenen Gebiet gehörenden Bürgern, in deren Staatsbürgerschaft durch die Abtretung der Gebiete an sich keiner lei Aenderung eintritt, die Wahl freistehen, reichsdeutsche Staatsbürger zu werden. Eine derartige Erklärung, Option genannt, ist ein einseitiger Aft der betreffenden Person. Wenn bei ihr die Voraussetzungen der Option erfüllt sind, erwirbt sie durch die frift- und formgerechte Option ipso facto die gewählte Staatsbürgerschaft. Eine Bescheinigung der Behörde darüber hat nur sogenannt deklarative Bedeutung, d. H. die Behörde verleiht die Staatsbürgerschaft nicht, sondern stellt nur fest, daß die Partei durch ihre Optionsertlärung die Staatsbürgerschaft erlangt hat. Es ist nun notwendig, dafür zu sorgen, daß die Detailvereinbarungen zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland sowie deren Durchführung durch innerstaatliche tschechoslowakische und reichsdeutsche Gesetze nicht nur feinerlei Einschränkung dieses Optiensrechtes einführen, sondern daß darüber hinaus ein wirklich hinreichender Schutz der Freiheit der Option und der Optanten gewährt werde. Insbeson dere muß beſtimmt werden, daß die Optanten ihr Sab und Gut, von Reichsfluchtsteuern und derglei chen unbelastet und von devisenrechtlichen Vortvän den unbeschwert, mitnehmen dürfen. Falls sie zum Verlassen des Gebietes, gegen das sie optiert haben, verhalten werden, soll ihnen eine hinreichende Frist zur Besorgung ihrer Angelegenheiten und die Möglichkeit zur weiteren Wahrnehmung ihrer Interessen gegeben werden. Die Optionsfrist von sechs Monaten ist ziem lic, fura bemessen, da sie offenbar auch hinsichtlich des Plebiszitgebiets schon mit dem Abschluß der Münchener Vereinbarung( 80. September 1988) zu laufen beginnt. Um so wichtiger ist es, daß die bölferrechtliche und die gesetzliche Detailregelung mit aller Beschleunigung erfolge. SdP- ,, Ordner" plündern Mittwoch, 5. Oktober 1938 Die Wirtschaft beruhigt sich Baldige Freigabe des Zahlungsverkehrs Mr. 23 Nicht nur in Prag, sondern auch in der in nächster Zeit vollkommen befriedigt werden Provinz, in den Vorschußtassen, Sparkassen und wird. Banten ist ein sehr intensiver Rückfluß de: Alle diese Erwägungen wirken wahrschein Einlagen zu beobachten. Es wird ange- lich auf den großen Zufluß von Einlagen ein, der nommen, daß infolge der Mobilisierungsmaß- so bedeutend ist, daß wir im Laufe einiger Tage nahmen und des bargeldlojen Transfers über mit einer vo III om menen Frei Innenpolitisches die Bankfontis der Vorrat der im Umlauf be- machung des Zahlungsverkehres Slowakisches Problem. Neue Regierung. jeder Art, aber auch mit einer großen Belebung findlichen Zahlungsmittel, die in den HausPrag. Abgesehen von den Fragen, die die des Geldmarktes rechnen können. halten aufbewahrt wurden, auf drei Milliarden Die Versorgungslage unseres Staates ist Republik im Zusammenhang mit dem Münchenec Kč gestiegen ist. Dieses Geld würde in Kürze sehr gut und es besteht keine Gefahr, daß in Abkommen und der neuen Grenzziehung des Staain Form von Einlagen in den Geldinſtituten irgendeinem Zweige ein Mangel eintreten tes zu lösen hat, ſteht im Vordergrund der wieder erscheinen. fönnte. Die wichtigste Aufgabe ist, die Erntes Innenpolitit das slowakische Pros Zu dieser Bewegung hat auch die Erkennt und Saatarbeiten zu beenden und die Produktion blem. Es ist bekannt, daß der gegenwärtige nis beigetragen, daß sich das Preisniveau, ab wiederum in den normalen Gang zurückzubrin- Führer der Slowakischen Volkspartei, Abgeord gesehen von einigen Maßnahmen, in feiner gen. Es kann auch erwartet werden, daß bereits neter Dr. Tiso, mit dem Präsidenten der Republit verhandelt hat, wobei gewisse Grundlagen Weise wesentlich geändert hat und daß auch die im Laufe weniger Tage die Beziehungen mit dem tschechoslowakische Währung trok aller Stöße, Auslande und damit auch der Export werden wie einer Einigung zwischen Tschechen und Slowaken gefunden wurden. Das hat auch in einer Rundgesetzt war, unterschüttert geblieben ist. Der Kurs denen fie infolge der politischen Ereignisse aus der aufgenommen werden. Bezüglich der Forderungen und Zahlungen funtrede der Führer des radikalen Flügels dieser der tschechoslowakischen Krone hat sich nirgends zwischen dem abgetretenen Gebiet und unserem Partei, Abgeordneter Sidor, zugegeben. Um die im Auslande geändert. Der Goldvorrat der Na- Staate ist zu bemerken, daß diese Angelegenheit Annäherung zwischen der Slowakischen Volkspartei tionalbant hat sich nicht nur nicht verringert. Gegenstand der Verhandlungen der internationa- und der Regierung zu dokumentieren, wurde besondern ist durch den Ankauf von Gold und Delen Kommission in Berlin ist, und nach den Er- kanntlich auch ein der Volkspartei angehörender visen bei den Geldinstituten noch gestiegen. Nun fahrungen, die seinerzeit beim Plebiszit und der Staatsbeamter zum Minister ernannt. Als näch mehr wird unserer Wirtschaft die erste Nate auf eberleitung des Saargebietes gewonnen wurſter Schritt soll an die Errichtung eines eigenen Ministeriums für die Slowakei gedacht sein, was die englische Anleihe in der Höhe von ungefähr den, ist zu erwarten, daß es in dieser Richtung 1½ Milliarden Kč zur Verfügung stehen, was teine Schwierigkeiten geben wird, aber nur ein Anfang ist, denn die Konzessionen, alles nicht nur eine Garantie für die Festigkeit um in turzer Zeit alle diese Verhältnisse im die man den Slowaken machen wird, werden viel lift, Rohstoffbedarf für unſere Brobuftion glatt zu lösen.( CPB.) der Währung, sondern auch eine Gewähr dafür| Sinne der rechtlichen und finanziellen Ordnung weitgehender sein. Es ist anzunehmen, daß das Verlangen der Slowaten nach einer gewissen Autonomie im gemeinsamen Staat der Tschechen und Slowaken Erfüllung finden wird. Daladier rechtfertigt sich ( Fortschung von Seite 1) nommen. Aber in Godesberg formulierte Hitler in[ zurüd. Diese Antwort ließ sehr wenig Platz und seiner Unterredung mit Chamberlain und dann in Geiſt zur Beratung. Chamberlain erflärte im seinem Memorandum in der Gestalt von Durchfüh- Unterhaus, der deutsche Reichsfanzler habe den bris rungmodalitäten neue Forderungen. Und so famen tischen Mittelsmann ausdrücklich darauf aufmerksam die auf ein Kompromiß gerichteten Verhandlungen, gemacht, daß er entschlossen sei, bereits am nächsten die durch meinen und den Entschluß Chamberlains Tage, d. h. am 28. September um 14 Uhr einen direkten Kontakt mit der deutschen Regierung zu handeln. herzustellen, eingeleitet wurden, in der Nacht vom 28. zum 24. September plöglich zum Stillstand. Und in den folgenden Tagen wurde Europa in wahnwißiger Weise einem gewaltsamen Umbruch entgegengetrieben. Welches war also die Lage am 24. September, in dem Augenblid, da Neville Chamberlain Godes: berg verließ und in London eintraf? Wir schlugen vor, die Tschechoslowakei möge Deutschland das von mehr als 50 Prozent Deutſcheit bepoint as bot nach den ursprünglichen Modalitäten abtreten und es möge solange gewartet werden, bis eine internationale Kommission die Grenzen festseßt. Wir organisierten den Austausch der Bevölkerung, wir brachten der neuen Tschechoslowakei eine internationale Garantie, Was forderte Deutschland? Die unverzügliche Abtretung von Gebieten, die Bildung breiter Plebisaitzonen, ohne daß es tatsächliche Garantien für die Bevölkerung selbst geboten und ohne daß es der neuen Tschechoslowakei irgendeine internationale Garantie gesichert hätte. Es war möglich zu den fen, daß es sich für Deutschland, um eine Operation handelte, die alle Anzeichen und Folgen eines Eroberungszuges erhalten sollte, mit Ausnahme der Anwendung von Waffengewalt. München Wir hatten nur einige Stunden vor uns. Die undfunkrede Chamberlains machte die Welt auf den Ernst der Lage aufmertjam. Wir entschlossen uns, die größten Anstrengungen zu entwideln. Am 28. September um 11.15 Uhr wurde unser Botschafter Francois Poncet von Reichskanzler Hitler empfangen, dem er im Namen der französischen Regierung genaue Vorschläge vorlegte. Reichstanzler Hitler lehnte diese Vorschläge ab, behielt sich jedoch vor, dies selben schriftlich zu beantworten. Der britische Ministerpräsident schlug seinerfeits einen letzten Versuch vor, und zwar in München eine Busammenfunft der Regierungsoberhäupter der vier westlichen Großmächte zu verwirklichen. Musso lini unterstützte diesen Vorschlag mit all seiner Macht und mit Erfolg. Er erzielte ein positives Ergebnis, d. h. daß die deutsche Mobilisierung um 24 Stunden verschoben wurde. 3 Reichskanzler Hitler berief die Staatsmänner sofort nach München. Als ich diese Einladung an nahm so sagte Daladier, handelte es sich nicht darum, an irgend eine Prozedur zu denken und sich irgendwelche Gegenvorschläge vorzubehalten. handelte sich darum, den Frieden zu retten, von dem viele glauben, daß er schon definitiv vernichtet sei. Ich habe„ ia" gesagt und ich bedaure nichts. Ich hätte es vorgezogen, wenn alle interessierten Staaten hätten anwesend sein können, aber es war notwendig, sehr schnell zu handeln. Der geringste Aufschub hätte schicfalhaft sein können. Gleichzeitig gehen die Verhandlungen zweds Schaffung einer neuen Regierung vor jich. Die Koalitionsparteien beraten darüber intensiv. Es dürfte heute oder morgen bereits zur Bildung einer neuen Regierung fommen, wobei anzunehmen ist, daß die neue Regierung denselben Vorsitzenden haben wird wie bisher. Allerdings in der Zusammensetzung der Regierung dürften sich größere Veränderungen ergeben. Es wird daran gedacht, an die Spitze der Ressorts solche Männer zu berufen, die imstande sind, die in der nächsten Zeit an den Staat herantretenden großen Probleme zu lösen. An ein rein politisches Kabinett, wie es die Regierung Hodža gewesen ist, wird nicht gedacht. Ob und in welchem Ausmaß die politischen Parteien durch ihre führenden Ber sönlichkeiten in der Regierung vertreten sein wer den, weiß man zur Stunde noch nicht. Durch die Beibehaltung des bisherigen Vorsitzenden der Regierung wird zum Ausdruck gebracht, daß die Verbindung zwischen Armee und Regierung aufs rechterhalten bleibt, bzw. daß die Armee als wich tiger Bestandteil der Nation an den Regierungs geschäften teil hat. Tagung des Ministerrats Prag.( Tich. P.-B.) Der Ministerrat hielt am 3. Oftober 1938 nachmittags und abends die regelmäßige Sigung ab und genehmigte die Ergebnisse der Arbeiten der interministeriellen Komitees, die zur augenblicklichen Erledigung der mit den internatio nalen Aenderungen und den internationalen Verhältnissen zusammenhängenden Fragen errichtet wur den; hierauf setzte er die Direttiven für die weitere Arbeit fest. Auf dem Gebiete der Verordnungsgewalt der Regierung genehmigte der Ministerrat die Verord= nung, durch die Rechtsverluste verhindert werden, welche bei den Verfahren vor dem Obersten Verwal tungsgericht und Wahlgericht durch Friſtversäumnis Personen, die den Militärdienst ausüben, entstehen fönnten, ferner genehmigte er die Verordnung, mit der Auslandsreisen beschränkt werden, und die Verordnung betreffend Aufschub der egetu bei Personen, die den Militäre tiben Räumung von Wohnungen i en st angetreten haben. walische Gebiet allerdings verkleinert, doch fann die Das Münchener Abkommen hat das tschechosloTschechoslowakische Republik ihr freies Leben fort seßen und wir werden ihr helfen. Nur wenige Staaten haben im Verlaufe der Geschichte so harte wurde beschlossen, daß bis auf weiteres sämtliche Auf dem Gebiete der Personalangelegenheiten Opfer im Interesse des Friedens auf sich genommen. Personalverschiebungen, Ernennungen und Bestel Wir alle geben unserer großen Bewunderung über lungen von Angestellten der staatlichen Aemter und die eindrucksvolle Würde und den bewunderungswür Betriebe, die das Gebiet der Slowakei betreffen, digen Mut Ausdruck, mit denen diese Nation eine so soweit es sich um die Kompetenz der Bentralämier schmerzliche Prüfung ertrug. handelt, nur unter Zustimmung der slowakischen Mis nister durchgeführt werden, und daß besondere ent sprechend strenge Instruktionen für die Agenda auch den untergeordneten Behörden gegeben werden. fende Verwaltungs- und Wirtſchaftsanträge. Schließlich erledigte der Ministerrat einige lauFrankreich und die Diktaturen Die Disharmonie zwischen dem Londoner Plan und dem Godesberger Memorandum war also offensichtlich. Sie unterschieden sich gleichzeitig in der Form und in den Grundlagen. Im Laufe dieser Tage voll Beflemmung traten in unserem Lande awei Strömungen auf. Wir fanden sie beide innerPrag, 4. Ottober. In den nördlichen und halb jeder politischen Partei, innerhalb jeder poliwestlichen Randgebieten Böhmens bewahrt die tischen Tendenz und wir können auch sagen, daß sie Bevölkerung deutscher Nationalität Ruhe. Nach miteinander je nach der Entwicklung der Ereignisse einer Meldung aus Reichenberg bereitete auch in den Gedanken eines jeden Franzosen ransich die deutsche Bewohnerschaft auf eine Be= gen. Manche setzten ihre Hoffnungen in Verhandgrüßung der deutschen Truppen vor, da sie ans fungen, die übrigen in eine unnachgiebige Festigkeit. nahm, daß diese Truppen bis in die Mitte der Das nicht wieder Gutzumachende, das war ein deut Stadt einziehen würden. Die Bevölkerung ver- scher Angriff, dieser Angriff hätte nach dem Wort sammelte sich auf dem Stadtplaße, als aber der laut des Vertrages die Hilfeleistung Frankreichs not Bürgermeister der Bevölkerung erklärte, daß die wendig gemacht. Wir hätten von Ihnen gefordert, Zone der Vorrückung nur bis zur Gemeinde die Verpflichtungen Frankreichs zu erfüllen. Habendorf, einem nördlichen Vororte von ReiIn London berieten wir erneut mit der britis chenberg, reiche, zerstreute sich die Bevölkerung schen Regierung. Der Chef unseres Generalstabes, Die Achtung, die unser Vaterland in den letzten in Ruhe. In Mies bereitete sich die Bevölfe- General Gamelin, brachte technisch genaue Ver- diese Achtung, die auch auf der Erinnerung an die Lagen bei allen Völkern, die es umgeben, erwvedt, rung ebenfalls auf die Bewillkommnung der sicherungen über die Bemühungen mit, die wir auf- Stämpfe beruht, die uns gegen- oder nebeneinander reichsdeutschen Truppen vor. wendeten, sowie darüber, was wir tun würden, wenn stellten, diese Achtung, die ein ehemaliger FrontDagegen kommen aus dem Gebiete in Süd- uns die Umstände rufen würden. Engländer und fämpfer einem anderen ehemaligen Fronkämpfer westböhmen, das an jenes Gebiet grenzt, welches Franzosen, wir waren einig die einen wie die nicht versagen kann, möge die Farbe seiner Uniform von reichsdeutschen Truppen besetzt ist, Meldun- anderen entschlossen in unserem gemeinsamen während des Krieges welche immer gewesen sein, gen von einer ungefeßlichen Tätigkeit der Friedenswillen sowie in unserem gemeinsamen Wil- diese Achtung, die ein gleichzeitig mannhaftes und irregulären Ordnerabteilungen. So haben in len, uns einem Angriff entgegenzustellen. Am friedliebendes Volk erweckt, sind auch wir verpflich Bergreichenstein Ordner das Gericht, 26. September abends wurde in einer amtlichen Ertet, gegenüber jener großen Nation zu fühlen, die die Post und andere Amtsgebäude geplündert. Es flärung an die Presse in London präzisiert, daß unser Nachbar ist, die unser Gegner war und mit der tschechischen Studentenschaft, der einen Aufwurde eine starke Gendarmerieabteilung dahin Frankreich der Tschechoslowakei zu Hilfe eilen der wie wir hoffen wir einen dauernden Frie- ruf an die tschechische Deffentlichkeit verlautbart, entsendet, ferner Finanzwache und Abteilungen würde, wenn diese von Deutschland angegriffen den werden schließen können. Gewiß unterscheiden in dem es u. a. heißt: der Staatsverteidigungswache, um die Ordnung würde und daß Großbritannien und Sowjetrußland sich unsere Lebensanschauungen tief von den Lebenswiederherzustellen. Auf ähnliche Weise haben sicher an der Seite Frankreichs stehen würden. anschauungen, die das heutige Deutschland und das in Rehberg im Bezirk Schüttenhofen Ordner Inzwischen ertönie aus den Vereinigten Staa heutige Italien beherrschen. Aber andere Staaten, zwei Häuser demoliert. Eines davon gehört dem ten von Amerika die große, edle und vernünftige deren Lebensanschauungen ebenfalls andere sind, Trafikanten Majer, an dem die Ordner Nache Stimme des Präsidenten Roosevelt zu dem drin leben mit Deutschland in gutem Einvernehmen. nahmen dafür, daß er zusammen mit dem Post- genden Appell zu einer friedlichen Regelung der An- Mögen also die Formen des Regimes, die sich ein meister des Ortes ein Grundstück für die Finanz- gelegenheit. Neville Chamberlain richtete in voller Volf gibt, welche immer fein, alle hegen die gleiche verwaltung und für die tschechische Schule ver- Uebereinstimmung mit uns eine neue Mitteilung an Liebe zum Frieden. Worauf es also in der gegenfauft hatte. Die Frau Majers wurde geschlagen Reichsfanzler Hitler. märtigen Stunde ankommt, ist, alle guten und fried und floh mit ihren sechs Kindern in das Be- Am 27. September fehrte Sir Horace Wilson liebenden Willensströmungen in der Welt zu samzirksamt von Schüttenhofen. mit der Antwort des Reichskanzlers nach London meln. Tschechische Studenten für deutsche Demokraten chischen Blättern, die den deutschen Demokraten In wohltuendem Gegensatz zu einigen tiches wollen, steht die Haltung des Zentralverbandes dieses Staates jede Lebensmöglichkeit bestreiten Wir dürfen die mutigen und opferbereiten deutschen Demokraten, die für die Freiheit der tschechoslowakischen Demokratie gekämpft haben, nicht vergessen. In der Zeit, wo wir selbst ver raten wurden, muß für uns als höchftes moralisches Gesek gelten: verraten wir nicht die uns nicht verraten haben. Dieser Aufruf macht den tschechischen Stus denten Ehre und ihre Stellungnahme wird ihnen von deutschen freiheitsliebenden Menschen nicht vergessen werden. rkr.»St Mittwoch, 8. Oktober 1988 Lew 9 Deutschland und Jugoslawien Wirtschaftlich-politische Durchdringung Jugoslatvien und Deutschland basiert, welche- Jugoslawien alle- liefern kann, war er brauche. Deshalb biete Deutschland Jugoslawien ein langfristiges Wirtschaft» licheSAblommen an, dar die Preise, ferner die Möglichkeit der Besserung der Produktion,«ine Verbesserung der Wirtschaftsführung, eine Erweiterung der Straßennetzes und eine sustematische Erhöhung der mineralischen Produk« tion verlangt. Dr. Funk teilte führenden Faktoren mit, daß Deutschland in dieser Richtung Jugoslawien Hilfe gewähren könne, damit der Lebensstandard seiner Bewohner sich erhöhe.— Also eine wirtschaftliche und damit politische Abhängigkeit Jugoslawiens, wie man sie noch vor vierzehn Tagen nicht für möglich gehalten hätte — und damit ein neuer gewaltiger Schritt auf dem Wege zur tatsächlichen Beherrschung ganz SüdosteuropaS durch Deutschland! Das DNB meldet, daß in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten„Kommunisten", d. h. Gegner deS Nationalsozialismus, verhaftet worden sind. Enthaftung der Wiener Tschechen Wien, 4. Oktober. Die kürzlich in Haft genommenen Wiener Tschechoslowaken wurden gestern wieder freigelassen und haben sich größtenteils nach der Tschechoslowakei begeben. der pen schen Reich anzugliedern. Kampf, da die vier Weltgroßmächte Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien unS dazu in ultimativer Form gezwungen haben. Wir hatten zwischen zwei Dingen zu wählen: Entweder in einen Krieg«inzutreten oder unS unterzuordnen. Der Krieg hätte«inen Kampf mit drei unserer Nachbarstaaten ohne Unterstützung der Großmächte der Westen» bedeutet, der wahrscheinlich mit einer Vernichtung unserer Volker geendet hätte. Wir haben unr mit unaussprechlichem Leid im Herzen, aber auch mit dem Bewußtsein gefügt, daß unser Volk auch auf dem verstümmelten Gebiete seine Freiheit erhalten und sich seinen Weg in die Welt bahnen wird. Daß wir nicht fallen werden, daß wir leben und durch unsere Arbeit siegen werden. An unS liegt er nun, an den Arbeitern, Bauern, privaten und öffentlichen Beamten, an den Kreisen der Volk-Wirtschaftler, Industriellen und Finanzleuten, unS im gemeinsamen Streben gemäß den neuen Verhältnissen einzurichten, alle unfruchtbaren Ausgaben zu beschränken, sparsam zu wirtschaften und wirtschaftlich gesündere Verhältnisse zu schaffen als eS die bisherigen waren. Am werktätigen Volke liegt es nun, bei diesem Umbau nicht beiseite zu stehen, seine Interessen zu wahren und dabei mit größter Umsicht und Energie vorzugehen. Die deutschen Truppm besetzten da» gemischte Gebiet nach einem Plane, der aus der Münchener Konferenz der vier Großmächte festgesetzt wurde. Hier sind äußerste Anstrengungen notwendig, damit allen, die der Tschechoslowakischen Republik treu find, tri den Hunderttausenden von Familientragödien, die fich dort abgespielt haben, jede Fürsorge und jeder Schutz zuteil wird. „Der Dank des Vaterlandes** Wie man mit den Flüchtlingen umgeht Die„Lidovk Novintz" teilen mit, daß von den etwa dreitausend Flüchtlingen, die in Kladno untrrgrbracht waren, am Sonntag und Montag tausend direkt in die von den reichsdeutfchen Truppen schon besetzten Gebiete zurückgebracht wurden und bisher nur rin kleiner Teil in jene Gebiete, in denen voraussichtlich rin Plebiszit stattsinden wird. DaS ist ein Beweis mehr für unsere Behauptung, daß bei der Rücksendung der Flüchtlinge unmenschlich vorgrgangen wurde und daß man Hunderte dieser Unglücklichen den Rationalsozialiste» anS Messer lieferte. Die Nachricht der„Lidovs Novintz", daß Flüchtlinge direkt in daS Gebiet von Marienbad zurückgcfchickt wurden, wird auch vom"Eefkt S l o v o" bestätigt. DaS„Ceskt Slovo" berichtet auch, daß anS Pilsen Flüchtlinge in daS Gebiet von Marienbad, Plan und Eger zurückgeschickt wurden. Zwei Hinrichtungen in Berlin Auch eine Frau Berlin, 4. Oktober.(DRB.) Der am 24. Juni 1938 vom BolksgerichtShof wegen Landesverrat zum Tode und dauernden Ehrverlust verurteilte Ludwig M a r i n g e r auS Bon» ist heute früh hingerichtet worden. Der Verurteilte hat seit Jahren Spionageaufträge angenommen und ansgesührt. In den letzten Jahren ist Maringer für den Nachrichtendienst einer ausländische» Macht tätig gewesen. Durch seine gegen den Wiederausbau der deutschen Landesverteidigung, insbesondere einen RüstungSbetrieb gerichtete Ausspähungvtätigkeit hat Maringer den Schutz von Bolk und Reich aufS schwerste gefährdet. Ferner ist heute früh die am 19. Juli 1938 wegen LandeSverratrs von» BolkSgerichtshofe zum Tode und zu dauernde»» Ehrverlust verurteilte 30jährige Ehefrau Katharina K n e u p a»S dem Saarland hingerichtet worden. Hilfe für die Flüchtlinge! Eine Spende der britischen Arbeiterpartei Wie„A-Zet" meldet, hat der Nationalrat der britischen Labour Party der tschechoslowa- einen Betrag von zweitausend Pfund(Sterling— etwa 280.000 Kt— als erste Hilfe für die tschechoslowakischen Flüchtlinge auS dem Grenzgebiet überwiesen. Auch an verschiedenen anderen Orten in England ist eine starke Bereitschaft vorhanden, der Tschechoslowakischen Republik finanziell zu helfen. Wir hoffen, daß diese Nachricht den Tatsachen entspricht, noch mehr aber hoffen wir, daß die Flüchtlinge aus dem Grenzgebiet Gelegenheit haben werden, die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da» heißt, wir hoffen, daß man mit der rücksichtslosen siurücksendting der Flüchtlinge, besonder» der gefährdeten, aufhört. War würde die materielle Hilfe nützen, wenn dieSicherhei t deSLebe nS nicht mehr vorhanden ist und wenn die Flüchtlinge dem Hilfswerk entrückt sind? Seestadtl bleibt bei der Tschechoslowakei? „A-Zet" meldet, daß dar Seestadtler Elektrizitätswerk, das fast ganz Prag mit Strom versorgt, entgegen den bisherigen Befürchtungen nicht Deutschland zugeteilt werden wird, sondern in- Plebiszitgebirt fällt. Er wird angenommen, daß da- Seestadtler Werk als für die Tschechoslowakei unentbehrlich im Besitze der Republik bleiben und daß c» Prag auch ivciter» hin mit Strom versorge»» wird. würden die neue Republik so sicher gestalten, wie' cs die Schweiz durch so zahlreiche Generationen war. Wozu bemerkt werde» kann, daß die Schweiz sich sicher gefühlt hat nur solange, als in der Welt Verträge eine Geltung hatten. Jetzt verläßt sich auch die Schweiz eher auf ihre Befestigungen und auf ihr Militär. Denn daß ihr irgend jemand im Falle eines Angriffes zu Hilfe eilen würde, glaubt sie bestimmt nicht. Die englische Anleihe— 30 Millionen Pfund Alle Reden im Unterha»»s konnten an den harten Tatsachen nichts mehr ändern. Wertvoll für die Tschechoslowakei war jener Teil der Rede Ehamberlain», der von der Gewährung einer größeren Anleihe an die Tschechoslowakei sprach. Der Premierminister teilte mit, daß die tschechoslowakische Regierung durch ihren Londoner Gesandte»» das Ersuchen gestellt habe, ihr unter Garantie der britischen Regierung eine Anleihe von 30 Millionen Pfund zu gewähren. Die britische Regierung habe der tschechoslowakischen mitteiken lassen» daß sie bereit sei, sofort einen Vorschuß von zehn Millionen Pfund einzurichtrn.— Die englische Anleihe wird der Tschechoslowakei wenigsten- die größten Schwierigkeiten des durch die Abtretungen notwendig gewordenen staatlichen Umbaues erleichtern. Polnische lügen Prag, 4. Oktober. Das Polnische Presse- Büro verbreitete heute die Nachricht, daß sich in der Tschechoslowakei dir tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterpartei und dir kommuni- stischr Partei znsammrnschlirhen und so dir stärkste demokratische Gruppe im tschechoslowakischen Parlament bilden werden. Das Präsidium der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei erklärt, daß diese Nachricht in keiner Hinsicht auf Wahrheit beruht. Ausschreitungen gegen tschecho* slowakische Verbindungsoffiziere Prag, 4. Oktober.(Tsch. P.-B.) Die tsche- woslowakischen Berbi»»dungSoffiziere, die gestern mit dem Auto dienstlich zu Brrhandlungen mit den Funktionären drr reichvdeutschei» Armee nach Eger fuhren,»vnrdrn bei der Ankunft beim Egerer Flugplatz von einer bewaffneten starken Bande von Zivilisten, die ungefähr 30 Mann zählte, entwaffnet, aller ihrer Sachen beraubt und nach Eger verschleppt. Ans die zweisprachig ausgestellte Bollinacht wurde keine Rücksicht genommen. Erst nach drr Abreise des Reichskanzlers Hitler au» Eger wurden sie in da- ehemalige Polizeiamt gebracht, wo ihnen einige Sachen zurückgestellt wurden. Erst gegen 16.30 Uhr kamen zwei deutsche Generäle, aus deren Befehl hin den tschechoslowakischen Verbindungsoffizieren die Waffen z»»rückerstattet wurden. Die tschechoslowakischen Offiziere fuhren hierauf nach Marienbad, von wo sie nach Abschluß der Brrhandlungen durch reich»- deutsche Fahrzeuge in die Gemeinde Ober-Gram- ling gebracht wurden..Um 23 Uhr trafen sie in Stift Tepl rin. schung erzielte, aber der erste den Großmächten des Westens gegenüber aus solche Art erzielte, ihn erst recht iiicht ruhen lassen wird, daß er den Weg der Gewaltandrohung weiter beschreiten wird— und eines Tages wird es sich'um unmittelbare Interessen Frankreichs oder Englands handeln! Auf diese Befürchtungen gingen, obwohl sicherlich auch sie nicht von ihnen frei sind, weder Chamberlain noch der Schlußredner Sir Samuel Hoare ein. Hoare verteidigte Chamberlain- Politik wieder mit dem Hinweis darauf, daß man, wenn England mit Ultimaten gearbeitet hätte, Europa in einen Weltkrieg verwickelt hätte. Aber eben dadurch, daß man vor der Gewalt einfach zurückwich, vor der Drohung der Gewaltanwendung, hat man Hitler geradezu ermutigt, an dieser Politik, die sich für ihn bewährt hat, sestzu- balten. Hoare tröstete dar Hau- schließlich mit der Versicherung, die Garantien, die er im Sinne habe, würden bedeutend wirksamer sein als die im französisch-tschechoslowakischen oder im russischtschechoslowakischen Vertrag enthaltenen. Sie Die Arbeitspflicht In der landwlrtschaft Das Landwirtschaft-Ministerium macht erneut nachdrücklichst auf die Notwendigkeit aufmerksam, sich in den heutigen außergewöhnlichen Zeiten mir allen Mitteln Arbeitskräfte für die landwirtschaftliche Bearbeitung der Grundstücke, sowie für die Kartoffel« und Rübenernte zu sichern, damit für die Z»»lunst die Ernährung der Armee und Zivilbevölkerung gesichert ist. Dem Staat-Verteidigungs» geseh zufolge obliegt diese Fürsorge vor allem den Gemeinden. Die landwirtschaftliche Arbeiterschaft ist verpflichtet, auf ihre»» Posten zu verbleiben und soweit sie sich selbstherrlich entfernte, ist sie verpflichtet, so schnell al- möglich an ihre Arbeitsstelle zurückzukehren. Der Bahntransport für die Arbeiterschaft für die landwirtschaftlichen Herbstarbeiter erfolgt auf Bestätigung der Dezirk-arbeft-- amteS kostenlos. Landwirtschaftlichen Betrieben und Gemeinden, in denen Mangel an Arbeitskräften herrscht, weist im Sinne des StaatSverteidigungS- gesetzeS der Bürgermeister Arbeitskräfte zu, und zwar zunächst aus den Reihen der sich freiwillig meldenden und hierauf aus den Reihen jener geeigneten Personen, gleich ob dieselben vollkommen oder teilweise frei find, aus dem Fachgebiet der Landwirtschaft oder aus andere»» Fachgebieten. Die Pflicht zu persönlichen Leistungen im Sinne de« StaatSverteidigungtgesetze» ist eine allgemeine Ber- teidigrmgSpflicht ebenso wie die Wehrpflicht. Wenn allerdings jemand, ohne nach dem Staats- verteidigungSgesetz davon befreit zu sein, sich weigern sollte, bei den dringenden landwirtschaftlichen Arbeiten auSz'chelsen. so wird der Betreffende dazu nach dem Gesetz Verhalten werden. Der deutsche Wirtschaft-Minister Dr. Funke ist nach dreitägigem Aufenthalt in Belgrad nach Ankara weitergereist. In Belgrad war er sofort nach den Münchener Beschlüssen ein- getroffen. Sein Besuch in Jugoslawien hängt unmittelbar mit diesem großen Erfolg der deutschen Politik zusainmen. Er kam, wie er erklärte, nach Belgrad, um die Beziehungen zwischen Deutschland und Jugoslawien z»i konsolidieren, und zwar auch die politischen Beziehungen, denn er sagte:»Mein Besuch in Jugoslawien hatte keinen politischen Charakter, aber ich muß betonen, daß die Wirtschaftspolitik von der allgemeinen Politik nicht getrennt werden kann»md darf."— Die wirtschaftlichen Pläne Deutschlands werden in der Kundgebung des Reichsministers Funk angedeutet, demzufolge ein wirtschaftlich konsolidiertes Jugoslawien auf der Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen Demobilisierung der englischen Flotte London, 4. Oktober.(HavaS.) Wie Preß Association erfährt, wurde für die während der Krise einberufenen Marinereservisten der Ab- rüstungsbesehl erteilt, u. zw. sollen diese Reservisten womöglich noch im Lause dieser Woche auS dem Dienst entlassen werden. Sie werden jedoch angewiesen werden, fich auch weiterhin bereit zu halten, um einer neue»» Einberufung Folge zu leisten. Wie Preß Association in diesem Zusammenhang betont, darf diese Maßnahme jedoch nicht als eine vollständige Demobilisierung der englischen Flotte angesehen werden. kein Plebiszit In Brünn! Brünn, 3. Oktober.(Tsch. P.-B.) An Brünn verbreiten verdächtige Personen Gerüchte, wonach in Brün» rin Plebiszit durchgeführt werden oder daß Brünn ohne Abstimmung als Korridor an Deutschland sollen soll. Wir ersuchen die Bevölkerung, unverzüglich jeden der Polizei bekanntzugeben, der ähnliche Erfindungen verbreitet. Das Münchener Diktat und die englische. Politik Bne Proklamation der I tschechischen Sozialdemokratie DaS Präsidium der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei beschloß am DienStag«ine Proklamation, in der es u. a. heißt: Wir sprechen zu Euch in den tragischesten Tagen Tschechoslowakischen Republik. Deutsche Trup» rücken in unser Gebiet ein, um er dem Teut- ES geschieht diel ohne Lcharkc Kritik an Chamberlain Jeder der Redner, die In der UnterhauS- ßebattc das Wort ergriffen, spendete der Haltui^ der Tschechoslowakei reiche Anerkennung und i.i jeder Rede kehrte der Satz wieder, daß die Tsche-. choslowakische Republik schwere Opfer gebracht habe. Diese- Lob der Tschechoslowakei ist ganz sicher ehrlich genieint, die Bewunderung, die ihr gezollt wurde, ist aufrichtig und jedes Wort der Anerkennung für unseren Staatspräsidenten Dok tor Bene« so empfunden,■ wie e- gesprochen wurde. Aber es schwang noch ein anderer Ton l in all diesen Reden mit: der deS Empfindens, daß der Tschechoslowakei ein Unrecht angetan wurde! Und dessen schämt man sich. Der frühere Außenminister Eden sagte: »Nicht ein einziger von unS würde, wie ich an nehme, vorgeben wollen, daß diese Vorschläge (die deS Münchener Diktats) gerecht sindl" Und weiter:»Man muß sich erinnern, daß der Krieg nicht auf unsere Kosten oder auf Kosten einer an deren Großmacht abgewcndet wurde, sondern durch die schwere Ungerechtigkeit gegenüber einer klei nen und befreundeten Nation.— Die Tschecho slowakei wurde nicht einmal zur eigenen Verteidigung angehört!" Major Attlee, der Führer der Labour Party, erklärte,„er fühle die Erniedrigung: da war kein Sieg für die Bernunft und Menschlichkeit, sondern da»«ar ein Sie» der bruta le n M a ch t. Wir sahen rin« tapfere, zivili- sirrt» und demokraftsche Ration verraten und dem rücksichtslosen Despotismus ausgelirsert." Den Präsidenten Dr. Benes nannte Attlee einen gro ßen Europäer.„Er wurde von den deutschen Führern mit überaus schändlichen Worte» ge schmäht, er hat sich aber niemalS.zu einer Ant wort hrrabgelassrn. Sein Berhaltrn während der ganzen Zeit zeigte den Unterschied zwischen einem zivilisierten Manu und einem Gangster." Selbswecständlich bcinühte sich Ministerprä sident Chamberlain, seine Politik nicht nur zu rechtfertigen, sondern auch darzulcgen, daß sie die einzig mögliche war. Der Fortschritt der Mün chener Beschlüsse gegenüber dem Godesberger Me morandum bestehe darin, daß daS Memorandum mit sechs Tagen befristet war, das Münchener Ab kommen jedoch zum englisch-französischen Plan zu» .ückkehrte und die Bedingung festsetzte, daß die Durchführung diese« Planer unter der Berant- ivortung der vier Großmächte und unter inter nationaler Kontrolle erfolgen solle.» Chamberlain fand auch Worte der Verteidigung für Hitler! DaS HauS sollte erkennen, wie schwierig e» für einen Mann in seiner Stellung war, jene nach drückliche Erklärung zu widerrufen, die er abge geben hatte, und daS Hau» sollte anerkennen, daß der Reichskanzler, indem er einwilligte, mit den fjsche» Regierung Vertretern der anderen Mächte über Angelegen«—• heften, über die er bereits entschieden hatte, zu verhandeln, einen wirklichen und gewichtigen Bei trag für die Erhaltung des Friedens geleistet hat. Hitler wird sicher bereit sein, noch mehrmals solche Beiträge für die Erhaltung des Friedens zu leisten. Dar Rezept ist einfach: er„entschei det" und wenn seine Entscheidung die Welt in einen Krieg zu stürzen droht und England und Frankreich ihn beschwören, zu verhandeln, dann gibt er sich mit 99 Prozent seiner Forderungen zufrieden und rettet damit den Frieden! Aber daran, daß der jetzt gerettete Friede ein dauernder ist, glaubt auch in England niemand. Chamberlain selber ließ seine Rede in die War nung auslltngrn, niemand möge glauben, daß nach Unterzeichnung de» Münchener Abkommens die Durchführung dr» großen Rüstnngspro- g r a m m» eingestellt«erden könne! Eden for dert« größtmöglichste Beschleunigung der Rüstung. Und au» diesem ernsten Hinweis auf die Not wendigkeit dr» weiteren und sehr raschen Rüsten kann man schließen, daß eine der Ursachen der Politik Chamberlain» dir Befürchtung ist, Eng land sei für«ine große kriegerische Auseinander setzung doch nicht gerüstet genug. Alle oppositionellen Redner wiesen darauf hin, daß Deutschland seinen großen Erfolg durch Bluff und Prahlerei und Erpressung erzielte .(Duff Cooper), und immer wieder wurde fest gestellt, daß die Münchener Beschlüsse daS Pre stige England» und der Demokratie schwer schä digten. Attlee stellte unter dem stürmischen Bei fall der Opposition fest:.In den letzten Wochen erlitten Frankreich und England die größte poli tische Niederlage, die sie je betroffen hat." Und er fragte: War würde der Premierminister sagen, wenn Hitler jetzt Kolonien verlangte? Angenom men, er würde nur Belgisch-Kongo oder Hollän- disch-Sumatra verlangen— welcher wäre die Stellungnahme Großbritanniens? Der oppositionelle Liberale Sinclair sagte, die Politik Chamberlains bedeute ständige Konzessionen und sei eine Politik, auf welche nie mals ein dauernder Friede begründet werden könne.— Der Labour-Abgeordnete Professor Hugh D a l t o n meinte, nach Anschauung vieler wurde der Ministerpräsident allzusehr erniedrigt, er schreckt und von Hitler überlistet.„Mitteleuropa ist fertig, und wir werden nicht lange zu warten brauchen, bis Hitler dem Britischen Reich und der übrigen Welt diktieren wird.,'•■' Das GesÜhl, daß Hitlers Münchener Erfolg, picht der erste durch Drohung, Bluff, Ueberra« Seite 4 Keine übereilten Entschlüssel Prag. Der tschechoslowakische Rundfunk fendete gestern eine Erklärung folgenden wefentlichen Inhaltes: ihrem Vorteile ausnüßen. " Sozialdemokrat" Jagesneuigkeiten Bitteres Lob Mittmnd, 5. Oftober 1938. Mr. 234 Motorboot aus Kerbi ausgelaufen, während aus Wissenschaft, Geschichte und Kunst befunden wird. Dufa ein Zug Retter abbeordert wurde. Der Be Die Auswahl treffen die vier entsprechenden Abteis satzung des aufgefundenen Flugzeuges wurden die lungen dieses Ministeriums. erforderlichen Lebensmittel, ferner Medikamente und Das Wetter. Das Wetter in unseren Gegens Verbandszeng abgeworfen. Nach Möglichkeit werden steht nunmehr völlig unter dem Einfluß sehr ties den einige Personen mit dem Fallschirm abspringen fer Drudstörungen, die vom Ozean gegen das Feit und an den Landungsort auch eine Rettungserpe= land vorrücken. Bei auffrischendem Süftuvestwind dition mit einem Renntier- und Pferdegespann ab- fällt namentlich in Böhmen zeitweise Regen, im Kar geschickt werden, um raschestens die Flugzeug einzelne Gewitter auf. Besonders in Westeuropa ist pathengebiet, wo es wärmer ist, traten Dienstag bejagung abzutransportieren. ese sehr stürmisch mit zahlreichen Regenichauern. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Veränderlich mit Schauern. Temperaturen im ganzen wenig ver ändert. Im Karpathengebiet etwas fühler, nament lich in den böhmischen Ländern ſtarke Weſtwinde. Wetteraussichten für Donnerstag: Noch unbes ständig und windig. Unsere wichtigste Pflicht ist es jetzt, in die neuen Verhältnisse in absoluter Ordnung einzus treten. Wenn uns dies gelingen soll, müssen wir Keine französische oder englische Zeitung von jeder bei uns selbst Ordnung machen. Das be- einiger Bedeutung, die es in diesen Tagen verabs deutet: den Schmerz zu unterdrücken, der auf fäumt, die Tschechoslowakei in den höchsten Tönen uns einstürmt, unsere Nerven zu beherrschen und zu loben! Sein politischer Redner in Frankreich flar nicht nur unser Verhältnis zu den Probles und England, der es unterläßt, seine Freude Unfälle in Pardubit. Auf der Elbebrücke in men von heute, sondern auch zu unserer Um über das Münchener Abkommen oder seinen Tadel Pardubiz stieß Dienstag Nachmittag ein Motors gebung zu regeln. Das gilt insbesondere für an dieser Vereinbarung mit warmer Anerkennung rad mit einem Auto zusammen. Der auf dem jene Bürger, welche in dem Gebiete wohnen und der Tschechoslowakei zu verbinden! Motorrad sisende Josef Němec aus Svítkov wurde arbeiten, das an Deutschland abgetreten werden Ein fleines tapferes Land, eine zivilisierte schwer verletzt und ist noch bewußtlos, während wird, und in jenen Gebieten, in welchen wahr Nation, voll politischer Weisheit, fähig, ein der hinter ihm sitzende Josef Peňáz aus Milovice scheinlich ein Plebiszit stattfinden wird. Hier ist schmerzliches, aber notwendiges Opfer für den am Bein verlegt wurde. Glück hatten zwei harte Widerstandskraft und feste Entschlossenheit Frieden zu bringen ein Staat und eine Na Soldaten, die Dienstag auf dem Pardubizer vonnöten. Niemand darf überflüssiger Panit tion, die politisch weise handelte, selbstlos, groß- Bahnhof aus dem Zug sprangen, um Wasser zu verfallen. Um später nicht wieder gutzu mütig, edelach, man kann die rühmenden trinken. Als sie über die Geleise liefen, wurden machende Schäden zu vermeiden, dürfen jest Wörter aller Sprachen, die zur Windung von sie von einer vorüberfahrenden Lokomotive zu feine übereilten Entschlüsse gefaßt werden. Der Ehrenfränzen für die Tschechoslowakei benüßt Boden geworfen. Die Lokomotive blieb sogleich Besis darf nicht für lächerlich niedrige Preise werden, gar nicht aufzählen, ohne viele Spalten stehen und so kamen die Soldaten mit einer ganz veräußert werden. Lagt Euch nicht von gewissen zu füllen! leichten Verlegung davon. lojen Leuten ausbeuten, welche aus der Situa In der Tschechoslowakei nimmt man dieses Ein Baum stürzt auf einen Autobus. Bei fion Nuzen ziehen und Eure Verwirrung zu Lob mit wenig Freude zur Kenntnis, es ist einem Sturm, der Montag nachts über ganz fein Lob, das tröstet, feine Anerkennung, die England wütete, stürzte in der Londoner Vorstadt Die Regierung der Republik trägt durch freut. All die schönen Worte können nur Bitters Norwood ein Baum auf einen vorbeifahrenden ihre Beschlüsse für Ordnung Sorge. Sie schafft feit erweden. Sie helfen nicht hinweg über die Autobus, wobei zwei Personen auf der Stelle dadurch nicht nur Rechtsnormen, sondern große schmerzliche Enttäuschung, die der Tschecho- getötet und drei Personen so schwer verlegt wurauch praktische Instrumente für die slowakei gerade von den politischen Freunden, den, daß sie ihren Verlegungen nach furzer Zeit Rösung aller Fragen, welche durch die Aenderung denen sie jo fest vertraute, zuteil wurden, und sie erlagen. Außerdem wurden neun weitere Berder Verhältnisse für Euch alle entstehen werden. machen die Opfer, zu denen die Tschechoslowakei sonen verletzt. Es werden auch Sonderinstitutionen von ihren Freunden gezwungen wurde, nicht leichgeschaffen werden, die sich ausschließlich mit ter, sondern nur noch schmerzlicher fühlbar. Denn diesen Fragen befassen werden und welche praf- gerade die Ueberschwänglichkeit dieses Lobes zeigt, tisch jedem Bürger behilflich sein werden, seine daß sich die Lobenden sehr wohl dessen bewußt Entschließungen betreffs der Zukunft unter den sind, wie ungeheuer die Opfer sind, die sie der vorteilhaftesten Bedingungen durchzuführen. Tschechoslowakei auferlegten. Einen solchen Schuß habt Ihr heute nicht, wenn Nun, man erträgt auch das Lob, dieses bitIhr auf eigene Faust handelt. Denket daran, tere Lob, wie man alles ertragen muß, was diese daß nicht mehr zu reparieren ist, was Ihr, ohne Beit uns bringt. Eine spätere Zeit aber wird, jemand zu fragen, übereilt beschlossen habt. da die Geschichte ja nicht so sehr Worte verzeichnet Laßt Euch daher durch feine Gerüchte, als Tatsachen, nicht von den Freundeslobreden, durch keine Flüsterpropaganda verwirren, laßt sondern von den Freundestaten sprechen.. Sie Euch von unverantwortlichen Leuten nichts ein- sind es, die in die Bücher der Geschichte eingetrareben, lagt Euch nicht von unerfahrenen Winigen werden. Und wir fürchten, daß sie werden felratgebern raten, glaubet nur das, was eingetragen werden in die Liste der großen traamtlich verlautbart wird und wenn gischen politischen Irrtümer! Ihr einen Ratschlag braucht, wendet Euch an die berantwortlichen amtlichen Or gane der öffentlichen Verwaltung. Nur so werdet Ihr Euch vor überflüssigen Schäden bes wahren, nur so werdet Ihr dazu beitragen, daß der llebergang des Staates in das neue Leben nicht durch überflüssige, weil unüberlegte Aftionen Einzelner, die die Besonnenheit verloren haben, erschwert wird. Amtliche Erklärung Die russische Fliegerin gerettet? Bel Husten, Heiserkeit und Grippe vertrauen Sie Ihrem Arzte, welcher LUHAČOVICER VINCENTKAQUELLE empfiehlt. Überall erhältlich. liegt über ganz Estland dichter Nebel. Die AutoEstland im Nebel. Seit einigen Tagen mobile fahren auch bei Tag mit Licht. Die Schiffe treffen mit großen Verspätungen ein und der Luftverkehr mußte unterbrochen werden. Trager Zeitung Anmeldung der Mieter Ist Pflicht! Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß in Prag sehr viel in der letzten Zeit Zugereiste wohnen, die nicht polizeilich gemeldet sind. Die Anmeldung aller Personen ist jedoch Pflicht und die Polizeidirektion erwartet, daß die Bürger der Anmeldepflicht unverzüglich nachfommen werden. Die Verantwortung für die Anmeldung trägt auch der Hauseigentümer, resp. der Hausverwalter. Auch der vorübergehende Aufenthalt ist polizeilich zu melden. Schaffnerinnen in Prag Montag abends konnte man in den Prager Straßen die ersten Tramwayschaffnerinnen sehen. Zunächst wurden 35 Frauen in einem furzen Kurs ausgebildet. Bis zur Rückkehr der Reservisten werden noch drei weitere Surfe zur Ausbildung von Ersatzkräften durchgeführt werden. Die ärztliche Ueberprüfung der sich meldenden Frauen hat ergeben, daß 120 den Anforderungen entsprechen. Die Hauptverwaltung der Elektrischen Unterneh daß wenigstens so viel Angestellte der Elektrischen mungen hat von der Militärverwaltung gefordert, Unternehmungen aus dem Militärdienst entlassen werden, daß ein halbwegs genügender Verlehr aufrecht erhalten werden kann. Balfoneinsturz. Dienstag stürzte der Balfon eines Hauses ein, auf dem sich neun Personen Vorsichtig fahren! Die Verkehrsabteilung befanden. Zwei waren auf der Stelle tot, sieben der Polizeidirektion in Prag fordert die Lenker wurden schwer verletzt. Der Eigentümer und der aller Fahrzeuge, insbesondere der MotorfahrMoskau, 4. Oktober.( Taß.) Am Montag, den Verwalter des Hauses, die die Verantwortung zeuge, auf, in der gegenwärtigen ernſten Zeit, die 3. Oftober, startete eine Eskadre von Wasserflugs für das Unglüc tragen, wurden verhaftet. wir durchleben, vorsichtig zu fahren, ihre Nerven zeugen der Zivillufiflotte in Komsomolst, um nach Großfeuer in Wolhynien. In dem Dorfe absolut zu beherrschen und in jeder Lage Herren dem Flugzeug ,, Rodina" der Sowjetfliegerin Gri Lubifowcze in Wolhynien äscherte ein Großfeuer ihrer Fahrzeuge zu bleiben. Diese Aufforderung zo dubowa in einem Umkreis von 125 bis 200 150 Wohnhäuser mit zahlreichen Wirtschafts- ist durch das auffallende Ansteigen der ZuſammenKilometer zu forschen. Um 13.30 Uhr erblickte der gebäuden und wertvollem, lebendem und totem ſtöße begründet, das in den letzten Tagen beob Flieger Sacharow ungefähr 20 Kilometer füdwest- Inventar ein. Durch den Brand sind über achtet wurde. lich des Amutfit- Sees auf der Erde ein Flugzeug. hundert Familien, obdachlos geworden. Er ging niedrig herab und erkannte deutlich ein Spanischer zur Flüchtlingsfrage ateimotoriges Flugzeug, bei dem zwei Personen mit Oftober 1492 hat Columbus die mittelamerifaniſche per Columbus- Literaturpreis. Am 12. Brag, 3. Oktober. Die Flüchtlinge, Tsche einem weißen Tuch winften. Die gleiche Meldung Insel Guanahani beireten; die erste Ueberquerung then und Deutsche, die vorübergehend in eini erstatten die Flieger Burlakow und Romanow. Allen des Atlantischen Ozeans, von Europa aus westlich seit gen tschechischen Gemeinden untergebracht sind, Anzeichen nach fann angenommen werden, daß das den sagenhaften und damals ganz unbefannten brauchen unsere Hilfe. Es handelt sich um einige erblickte Flugzeug das gesuchte Flugzeug der Flie- Fahrten der Wifinger war gelungen. Anläßlich der Wochen. Die Regierung wird dafür Sorge tragen, gerin Grizodubowa ist. Die Regierungsfommission. Wiederkehr jenes historischen Tages hat der Unterdaß die Repatriierung sofort durchgeführt wird, die die Nachforschungen auf einem breiten Gebiet richtsminister der Republik Spanien einen alljähr sobald das besetzte und das Plebiszitgebiet ab- leitete, wo das Flugzeug hätte fliegen sollen, ord- lich zu verleihenden Preis gestiftet, der in einer gegrenzt sein werden. Sämtliche Behörden und nete den Ortsorganisationen in Komsomolst und in eigens geprägten Medaille und 25.000 pesetas beKorporationen werden ersucht, bei der Flücht- Kerbi an, sofort Vorbereitungen für Hilfeleistung steht und für einen spanisch- amerikanischen Autor belingsfürsorge geduldig und unparteiisch behilflich für die Besatzung des Flugzeuges einzuleiten. Zustimmt ist, dessen Werf als das bedeutendste in den zu fein. dem Ort, wo das Flugzeug erblickt wurde, ist ein! legten vier Jahren auf den Gebieten der Literatur, 27 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Sie hob überrascht den Stopf, da sie ihn nicht hatte fommen hören. Und Mar sah Tränen in ihren Augen. ... Oh! Mar, meine letzte Nadel habe ich zerbrochen! Was soll jetzt werden?" Er setzte sich zu ihr hin und sie zeigte ihm die mühsame, langwierige Flidarbeit. ,, Laß es gut sein, Eva... irgendwie werden wir uns schon fleiden." Er dachte an die Tierfälle, die der alte Hans sammelte und unter einem Felsen verbrag. ., Ich habe Kastanienholz schwimmen schen, mit der Hinde wird man vielleicht die Felle gerben fönnen... ,, Ach, Mar," rief sie ,,, wir werden ja wie die Wilden aussehen!" ,, Was liegt daran?... Hast du denn ge= glaubt, daß unsere Kleider ewig dauern werden?" Der Abendwind zerriß den Nebel. Man sah die Gipfel wieder auftauchen. Eine dumpfe Drohung ging von ihnen aus, und die Nebelschwaden umlagerten sie gleich tückischen Tieren. ten Toten. Der Wind stürzte sich über das Tal mit solcher Wucht, daß die Männer fürchteten, er würde ihre Hütten zerstören und die Steine über ihre Köpfe gleich welten Blättern umherstreuen. Wehrlos sahen sie sich den miteinander verschworenen Elementen preisgegeben. ,, Wie hatten es doch die ersten Menschen an= gefangen?" fragte plößlich Mar. Herr von Miramar zudte die Schultern. Diese Frage schien ihm eine Ironie. Was fümmerten ihn jezt noch die ersten Menschen, da er feine verlockenden Hypothesen mehr aufbauen vers mochte, da seine Notizen wertlos geworden was ren und sein Manusfript unveroffentlicht bleiben würde! Da fiel der Regen und es war wie eine EntSpannung. Ohne Unterlaß schlug er gegen den Felsen und flatterte nach allen Richtungen unter den immer wiederkehrenden Windstößen. Er Aus ihrer Verzweiflung heraus antwortete tropfte durch die undicht gefügten Steine in die Frau Andelot statt seiner: Hütten und rieselte über die Tannennadelstren. ,, Die bedienten sich des Feuersteins..." Sie brach ab und in einem plößlichen Freudenausbruch stieß sie hervor: ,, Aber wir haben ja Feuersteine!" Und da Herr von Miramar nicht zu verstes ,, Herr von Miramar," rief sie, Sie haben ,, Ganz wenige..." feufzte er. hen schien. Mar wollte hinaus um nach dem Feuer zu sehen, das man in einer Felsenniſche mit Asche bedeckt hatte. Staum war er aus der Hütte getreten, da warf es ihn auch schon zu Boden; eine mächtige Hand hatte sich seiner wie eines Spielzeugs bemächtigt. Gegen den Felsen gestemmt, fämpfte er gegen das herabstürzende Waffer. Um ia welche mitgenommen!" zur Hütte zurückzugelangen, mußte er auf allen Vieren friechen. Die Morgendämmerung erhellte endlich einen ruhigeren Himmel. Ein dünner Regen fiel. Besorgt trat Mar aufs neue ins Freie. Sein Verzweiflungsruf wedte die andern. ,, Das Feuer ist erloschen!" Ueber die durchnäßte Asche geneigt, suchte er bergebens nach einem Stückchen Glut. Er vergrub die Hand in seiner Tasche und brachte eine längliche prähistorische Art und einige dünne zugespiste Feuersteinplatten zum Vorschein. darum." Mitteilungen der Urania Masaryk Volkshochschule. Sprachfurse: Mittwoch halb 7 Uhr Französisch für Fortgeschrittene, Donnerstag halb 7 Uhr Tschechisch für Anfänger, Freitag halb 7 Uhr Englisch für Fortgeschrittene. Urania- Kino King Vidors Meisterfilm Der lette Alarm" in deutscher Premiere! 6, 49 11hr. Freitag: Goldfieber" in deutscher Premiere mit Clark Gable, Loretta Young, Jad Dalie! ..Wenn wir Papier hätten," rief Mar. ,, Wir brauchen nur eine tüchtige Flamme und das Holz fängt. Geologen: Da wandte Hubert sich aufs Neue an den ..Papier, Bater, du hast ja Papier... ein Blatt!" ,, Mein Manusfript!" widersprach Herr, von Miramar, nein, das nicht." Wozu dient es jest?" fuhr Hubert unerbittlich fort. Du wirst es ja hier nicht drucken lassen." ,, Wissen wir, was noch geschehen kann?"... stammelte der Gelehrte, indem er durchblicken ließ, daß er noch immer hoffte, eines Tages von hier fortzukommen, um irgendwo einen letzten Rest der Zivilisation wiederzufinden. ,, Mein Lebenswert!" fügte er hinzu mit dem herzzereißenden Schmerz eines Menschen, der sein ganzes vergangenes Leben tvertlos verden sicht.. eitle Forschungen, nuzlose Arbeit, das ist es ges wesen. Ach nein, das Manusfript nicht!" rief Frau Andelot, die als einzige diesen Schmerz voll und Diese nicht," sagte er, es ist schade ganz verstehen konnte. ,, Aber die Notizen, die Zets tel, die Vorarbeiten zur Fortseßung, denn die ,, Aber Sie bekommen sie ja wieder zurück, werden wir ja doch nicht mehr schreiben!" wir wollen ja nur einen Funken hervorbringen." Sie zupfte schon wieder Charpie aus ihrer Und womit soll er gefangen werden?" Bluse. Die anderen scharten sich um den Gelehr Die frierende Schar, die sich in der größeren fragte Mar, wir haben keinen Zündschwamm." ten, der mit hängendem Kopfe und zitternden Hütte in der der Frauen zusammengefunden hatte, Aber Frau Andelot zupfte schon am ausge- Händen über einem Stoß Blätter zögerte, die er verharrte in bestürztem Schweigen. Paulchen flap- fransten Rand ihrer Leinenbluse. Sie brachte eine seiner Ledertasche entnahm. Instinktiv wandte er Ich fürchte mich vor diesen Bergen", flü perte vor Kälte in ſeiner naſſen Wollweste. Sandvoll Charpie zusammen. Man legte sie vor sich seiner Frau zu, als erwartete er eine Untersterte vonne. Yvonne zerrte mit blassem, mitleiderregendem dem Eingang der Hütte zurecht. Ignaz schnitt stüßung von dieser Seite. War sie es doch gewesen, Während der Nacht brach der Sturm Yos. Gesicht, nervös an einem Taschentuchfeßen. Der ein paar dünne Zweiglein zu. Und nun schlug die immer seine Arbeit gegen die Uebergriffe der Zuerst war's eine unheimliche flagende Stimme, alte hans fluchte leise. Subert mit seinem Messer auf den Feuerstein und gesellschaftlichen Verpflichtungen und der Familie der andere Stimmen antworteten; es war, als ob ,, Also auch kein Gebirgstee mehr." stöhnte alle folgten in banger Spannung den auffprin geschützt hatte; alles Unangenehme hatte sie auf dieses öde Susanfe sich plöslich bevölkert hätte. Miz Maud. genden Funken, die einen Augenblick aufleuchte sich genommen und die Unverleßlichkeit seines Ars Das Heulen schwoll, hielt an, wuchs zu einem Hubert und Mar richteten ihre Blice auf ten und wieder erloschen. Und dann erhob sich ein beitsraumes gegen jedermann verteidigt. Er bes mehrstimmigen Crescendo. Man fühlte die Gegen- Innocente. Auf ihrem leblosen, totenblassen GSchrei wie aus einem Munde: Die Fäden hatten gegnete dem teilnahmslosen Blid, dem starren Ge wart eines schaurigen Etwas, das umherschlich sicht stand das Schicksal geschrieben, das ihnen Feuer gefangen. Allein die Flamme verlosch so sicht der Wahnsinnigen. Und er fühlte sich vereinund wehflagte. Und die Walliserinnen befreuzig bevorstand. Ein Winter in 2000 Meter Seehöhe gleich; sie war zu schwach, um das feuchte Holz famt mitten unter den Seinen. ten sich in Gedanken an die zahllosen, unbestatte- ohne Feuer, das war der sichere, baldige Tod. zu entflammen. ( Fortseßung folgt) Bezugsbedingungen: Bei Ruitelluna inshaus oder bei Beaua durch die Boit monatlich Ke 17. vierteljährig Kè 61-, halbjährig Kč 102, aanzjährig Kč 204.-- Inserate werden laus Tarif billiaft berechnet. Rüditellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarfen. Die Zeitungsfrantatur wurde von der Poſt- u. Telcarabbendireftion mit Erlak Nr. 18.800. VII/ 1980 bewilligt( Kontrollvoitamt Braba 25. Druderet: Orbis". Drud, Berlags- u. Beitunas-.- G. zaa -A