it Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erfcheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Donnerstag, 6.Oktober 1938 Aus dem Inhalt: Die Regierungserklärung London gegen die deutsche Rundfunk- Kampagne Neues Vertrauensvotum für Daladier Vor der Lösung des slowakischen Problems František Tomášek gestorben Nr. 235 6 3 Rücktritt des Präsidenten Prag. Der Präsident der Republik, Dr. Edvard Beneš, ist am 5. Oktober von seinem Amte zurückgetreten. Er teilte seinen Entschluß brieflich dem Vorsitzenden der Regierung mit und nahm in der Abendsendung des tschechoslowakischen Rundfunks in einer ergreifenden Rede an das Volk Abschied. Eine neue Ueberraschung und wie fast jede Ueberraschung der letzten Zeit eine schmerzliche: Staatspräsident Dr. Beneš ist zurüdgetreten Es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, daß die deutschen Demofraten ihn mit tiefem Schmerze von seinem hohen Amte scheiden sehen. Edvard Benes war und ist für uns eine Verförperung der tschechoslowakischen, mehr noch: der europäischen Demokratic. Wenn er auch in seiner Abschiedsrede im tschechoslowakischen Rundfunk sagte, er werde weiter mitarbeiten, als Patriot, der sich zu solcher Arbeit verpflichtet fühlt, so kann man sich doch nicht darüber täuschen, daß seine fünftige Arbeit, so wertvoll für Staat und Volf sie auch sein wird, doch wesentlich anderer Art als bisher sein wird. Der Rücktritt Dr. Veness das ist das Ausscheiden einer der markantesten, geachtet sten Personen aus der europäischen Politik. Gemeinsam mit Masaryk hat Dr. Erbard Beneš den tschechoslowakischen Unabhängigkeitsfampf geführt, gemeinsam mit Masaryk hat er den tschechoslowakischen Staat aufgebaut, wenn auch natürlich in Gemeinſchaft mit vielen anderen ber? dienten Mitarbeitern, und im Einvernehmen mit Masaryk und in seinem Geiste hat er die tschechoslowakische Außenpolitik von der Geburtsstunde des Staates an bis zur Wahl zum Staatspräsi denten geführt. Diese Außenpolitik war, getragen vom Vertrauen der übergroßen Mehrheit des Voltes, logische Fortseßung jener Politik, die die Gründung des Staates ermöglicht hatte, und bis vor wenigen Tagen erschien diese Politik als die zuverlässigste Sicherung der Unabhängigkeit und Integrität des Staates. Wir wollen in diesem Augenblicke es halten wie Dr. Beneš, der in seiner Rundfunfansprache erflärte, er wolle jezt keine Analyse versuchen und feine Refriminationen anstellen. Dazu wird in späterer ruhigerer Zeit, wenn die Neuordnung Europas, die jetzt im Gange ist, einigermaßen zu übersehen ist, noch Gelegenheit genug sein. Unter anderen Umständen wurde Dr. Beneš, tvorauf er selber in seiner Rede hinwies, zum Staatspräsis denten gewählt,- die Umstände haben sich seither, seit jenem 18. Dezember 1935, so sehr ge= ändert, daß Dr. Beneš es für unerläßlich hielt, zurüdzutreten. Das Opfer war politisch notwendig." Das Abdankungsschreiben Prag, 5. Oktober 1938. Der Präsident der Republik Dr, Edvard Beneš hat heute an den Vorsitzenden der Regierung, Armeegeneral Syrový, folgendes Schreiben gerichtet: ,, Prag, den 5. Oktober 1938. Herr Vorsitzender der Regierung! Die bewegten drei Jahre meiner Präsidentschaft gipfelten in den Ereignissen der letzten Tage, in Ereignissen, die für uns überaus traurig und für unseren Staat von großer Bedeutung waren. Sie zerfleischten unser aller Seele, Herz, Nerven und Verstand. Aber sie haben weder unseren Glauben, noch die Treue zu den Idealen unseres Volkes, der Nation und des Staates gebrochen, zu den Idealen, deren Träger das tschechoslowakische Volk stets gewesen ist und denen es treu bleiben wird. Diese historischen Ereignisse haben freilich die Bedingungen des weiteren Lebens und der weiteren Entwicklung unseres Staates beinahe in ihren Grundlagen verändert. Ich hatte an dem allen so großen Anteil, daß ich nicht umhin kann zu erwägen, was ich als Präsident der Republik in den neuen Verhältnissen tun soll. Ich wurde unter ganz anderen Umständen und unter wesentlich andersartigen Bedingungen gewählt und kann heute darüber nicht hinwegsehen. Die Verhältnisse haben sich so geändert, für die weitere Entwicklung sein könnte, an die sich nun unser Staat anpassen muß, ändert, Person als politische Person eventuell ein Hindernis namentlich auch vom internationalen Gesichtspunkt und mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, die Ruhe in unserer gesamten Umgebung und ein gutes Verhältnis und die Zusammenarbeit mit den Nachbarn herzustellen. Eben ist es uns gelungen, eine Regierung aufzustellen, welche in den neuen Verhältnissen eine Regierung der Ruhe und Ordnung, eine Regierung des Strebens nach wirtschaftlicher und sozialer Rekonstruktion, eine Regierung sein wird, die vor allem auf innere Arbeit, Umgestaltung und allgemeine Wiedergeburt bedacht sein wird. Ich glaube, daß ihre Arbeit erfolgreich sein wird. Selber aber erachte ich es für notwendig, für mich selbst aus der neuen Situation die Folgen abzuleiten und von meinem Amte zurückzutreten. Das bedeutet nicht, seiner Pflicht in schwerer Zeit untreu zu werden und das Deck des Schiffes im schweren Sturm zu verlassen. Ich will einfach die weitere innen- und außenpolitische gesunde Entwicklung des Staates und Volkes erleichtern. Darum lege ich mein Amt in die Hände der verfassungsmäßigen Faktoren und bitte Sie, als Vorsitzender der Regierung, nach den Vorschriften der Verfassung alles Notwendige anzuordnen. den. Ich will nur das fagen, was wir alle schmerzlich fühlen: Die Opfer, die von uns so nachdrück. lich verlangt wurden, sind un angemessen und find nicht gerecht. Die Nation wird dies nie. mals vergessen, auch wenn sie es mit Würde, Ruhe und Selbstbewußtsein trägt, die allgemeine Bewunderung erwecken. Darin sieht man die Stärfe der Nation und die moralische Größe ihrer Söhne und Töchter. Ich habe in dieser Zeit gemäß meiner Pflicht und mit aller Ergebenheit die Interessen unseres Staates und Volkes sowie unsere bisherigen Positionen in Europa verteidigt. Es irren sich diejenigen, die unsere Hunderte und Hunderte von Bemühungest und Versuchen um die Erhaltung des Friedens und die Herstellung einer friedlichen Zusammenarbeit um die Schaffung einer guten Nachbarschaft nicht ge fehen haben, die unseren wahrhaft guten Willen nicht gesehen haben, uns tatsächlich mit allen um uns zu verständigen. Die Kräfte, die gegen all dies waren, waren jedoch stärker. Ich glaube, daß es unter dieDr. Edvard Beneš m. p." fen Umständen gut ist, daß die neue Entwicklung und Ich danke Ihnen und Ihren Kollegen für alle Mitarbeit und wünsche Ihnen und allen anderen wahrhaften Erfolg in Ihrer weiteren Tätigkeit. Ich glaube fest und tief, daß bald wieder bessere Zeiten kommen werden, ruhige Zeiten wirksamer Arbeit und des Erfolges für den neuen Staat und unser ganzes tschechoslowakisches Volk. Das letzte Wort des Präsidenten Das Wirken Dr. Benešs bleibt untrennbar berknüpft mit der Geschichte der staatlichen Selbs ständigkeit des tschechoslowakischen Voltes. Auch Prag, 5. Ottober. Um 19 Uhr hielt der Präseine innerpolitische Tätigkeit wird unvergessen sident der Republik Dr. Eduard Benes im tschechobleiben, vor allem sein Bemühen um eine Ver- slowakischen Rundfunt folgende Ansprache: ständigung zwischen den Nationen. Dieser große Europäer, in dem mehr als in irgendeinem andeLabc. ,, Geschätzte Mitbürger, die neue europäische Zusammenarbeit von unserer Scite nicht dadurch gestört werden, daß es den Anfchein hätte, als ob ihr hervorragender Repräsentant durch seine persönliche Stellung dieser Entwicklung im Wege stehen könnte. Auf meinen heutigen Posten wurde ich zu einer wesentlich sche Republik war im Einvernehmen mit ihren Freun anderen Zeit gewählt, ich muß er. den lange Jahre ehrlich bemüht, dieses System zu wägen, ob ich unter den geänderten Verhältnissen unterstützen und es allmählich evolutionär zu ändern, auf diesem Poften bleiben follte. Da ich ein über. da dies ihr Interesse war. Die Ereignisse nah- sengter Demokrat bin, glaube ich, daß ich richtig men seit den letzten drei Jahren mit unerwarteter handle, wenn ich abtrete. Wir bleiben ren tschechoslowakischen Politiker das große Vers ich fandte eben dem Herrn Borfitenden der Regie: Geschwindigkeit ihren Lauf. Wir haben alle unfere allerdings weiterhin Demokra. mächtnis Masaryke fortlebt, Masaryks humani- rung ein Schreiben, mit welchem ich mein Präsiden- Kräfte in dem Augenblick angespannt, da diese Ent- ten, wir werden weiterhin mit täre Idee, liebt gewiß sein Volt heiß und innig. tenamt niederlege. Und ich wende mich an Sie, um wicklung bei uns den Ausdruck nationaler Kämpfe un feren bisherigen Freunden zu. Wie hätte er sonst mit solcher Hingabe an der mich von Ihnen als Präfident zu verabschieden, um erhielt, wir verfuchten aufrichtig, uns auch mit den fammenarbeiten, aber es iſt troubem notwentschechoslowakischen Unabhängigkeitsbewegung teil- mich von unseren politischen Mitarbeitern, von unfe- anderen Nationalitäten zu verftändigen, wir gingen dig, den Weg freizugeben, damit sich unser Staat nehmen können! Über Beness ſtarke und tieferen herrlichen erabattebent, mit beltent id als an die äußerste Grenze ber möglichen Konzeffio. und unfer Volk ruhig und ungefſtört im neuen Milien Biebe zur eigenen Nation iſt frei von Chauvinis- denjenigen zu verabschieden, mit benen ich als Bränen. Ausländische Einflüffe und die gesamte europä- entwickeln und fich den neuen Verhältnissen anpaffen mus und diese hohe Auffassung vom Wesen der fident in Berührung ſtand und zuſammengearbeitet ifche Entwicklung verursachten jedoch, daß sich die An- können. Das bedeutet, fich von den alten Freunden Ration und von der Liebe zur Nation befähigte nelegenheiten zu einem schweren internationalen Ron- nicht lossagen und rings um sich neue Freunde geihn, gerecht und objektiv auch die Bedürfnisse der Ich habe meinen Entschluß nach einer Beratung stift herauskristallisierten, in welchem wir unsere winnen. Ruhig, fachlich, loyal allen gegenüber, wie mit den politischen Kreisen, mit den verfassungs- Grenzen militärisch verteidigen sollten. ich selbst es immer gewünscht habe. Minderheitsnationen zu würdigen. Wir taten dies alle mit einer so großen Energie, Unser Staat hatte eine besondere nationals Mit dem Rücktritt Dr. Benešs von seinem mäßigen Kreisen und mit einer Reihe der übrigen hohen Amte schließt eine Epoche der tschechoslowa- Faktoren frei und aus meiner persönlichen Neberzeu Graebenheit und Selbstaufopferung, die faum ein Struktur. Jetzt ändern sich bedeutend die Verhästfischen Politik, vor allem der Außenpolitik, ab. aung gefaßt. Ich hatte die Absicht, dies gleich nach Beispiel hat und von jedem, Freund und Gegner, niffe. Eine Reihe von Ursachen für Streitigkeiten Die Stellung der Tschechoslowakischen Republit den Münchener Beschlüssen zu tun. Ich schob dies respektiert wird. Es war flar, daß daraus eine mit unseren Nachbaren verschwindet. Wir werden in Europa ist eine andere geworden. Dieser auf, um zunächst eine festere und dauerndere Megie- europäische und Weltkatastrophe entstehen fönnte. einen Nationalstaat, einen Staat der Tschechen und Bandlung der Position des Staates muß sich die rung zu sichern. Und ich glaube, daß dies unter den Sie wissen, daß unter diesen Umständen die vier Slowaken besitzen, wie im gewissen Sinne die Ent Großmächte zusammengetreten sind, fich untereinan- wicklung des Nationalitätenprinzips darauf hin. Außenpolitit anpassen. Sie wird andere Wege heutigen Umständen der richtige Schritt ist. Ich habe nicht die Absicht, die gesamte politische der über die Opfer geeinigt haben, welche sie von uns weist. Darin wird eine große Kraft unseres Staagehen müssen. Dem zurücktretenden Staatspräsidenten, zu Situation, die mich zu diesem Entschluß geführt hat, im Interesse des Weltfriedens forderten, und daß tes und des gesamten tschechoslowakischen Volkes liegen. Das wird ihm eine neue große schöpferische bem wir immer vertrauend und verehrend auf zu analysieren. Ich will nur kurz betonen, daß das wir gezwungen waren, fie anzunehmen. Ich will diese Angelegenheiten heute weder Kraft und eine starke moralische Grundlage vergeblickt haben, danken auch die deutschen Demos ganze nach dem Kriege gefchaffene System des europä fraten, danfen vor allem auch die deutschen demo- ischen Gleichgewichts sich feit einigen Jahren ständig detailliert analysieren noch fritifieren. Erwarten Sie leihen, wie es fie bisher nicht befas. Unfere natis. fratischen Arbeiter, für das Verständnis, das er geschwächt und in den letzten drei Jahren wesentlich von mir auch nicht ein einziges Wort der Rekriminale Kultur wird vertieft und gestärkt werden. Wir ihnen immer entgegenbrachte, sie danken ihm da- geändert hat. Es hat sich zu unseren und unferer nation nach irgendeiner Seite hin. All das wird find noch immer genug stark und genug groß an Freunde Ungunften geändert. Die Tschechoslowaki einmal die Geschichte beurteilen und gerecht entfchei- Bahl. Bliden wir daher mit Hoffnung auf unfere für, daß er Präsident war. Seite 2 nationale Sukunft. Die Tschechen und Slowaken find kraft ihres Ursprunges, ihrer ganzen Erziehung burch Generationen, alles cher als ein Volk von Ratastrophenmenschen. Wir sind ein typisch nich. ternes Volk und genau so wie wir in unserem Glück nicht übermütig geworden sind, so werden wir auch nicht in unferem Unglück den Kopf verlieren. Der Heroismus der Arbeit und der Selbstentsagung, die für uns jest eingetreten find, find um nichts geringer und um nichts würdiger als das Geldentum nuf dem Schlachtfeld. Die Krone des Baumes unserer Heimat ist zugeschnitten, aber die Wurzeln des Volkes ankern Donnerstag, 6. Oftober 1938 Die Mitteilung des Rücktritts Gegensätzliche durch den Rundfunk Nr. 285 Auffassungen Wie sehr es in den Köpfen der politisch den fenden Tschechen gärt und wie verschieden die Lehren sind, die man aus den letzten Ereignissen zieht, zeigt die Gegenüberstellung zweier Artifel. Wäh Prag, 5. Oftober. Heute um 17.45 Uhr| tschechoslowakischen Bürgers, mit dem tief aufrend im Leitaufiaß des„ Národni Osvobozeni" die verlas der Vorsitzende der Regierung, Armee gewühlten Herzen eines Legionärs und Kriegers Auffassung vertreten wird, sich nicht allzu sehr general Jan Syrový, im Rundfunk die Regie- erfülle ich jetzt eine der schwersten mit einer Neuorientierung zu übereilen, betont in rungserklärung, welche die Regierung der Repu- Aufgaben meines Lebens, indem ich den„ Lidové Noviny" Stanislav Mester die Notblik heute nachmittags in ihrer ersten Arbeits- Eud), Mitbürger, mitteile, daß der Prä. wendigkeit einer Aenderung der tschechoslowakischen ſigung beschlossen hat. Die Kundgebung des Vor- fident der Tschechoslowakischen Politif. feft in seinem Boden. Steigen wir zu den Wur- ſizenden der Regierung, Armeegenerals Syrový, ne publik, Dr. Edvard Beneš, sei-„ Národni Osvobozeni" schreibt: wurde von allen tschechoslowakischen Rundfunk- ne m Amte entfagt hat, wobei er auch Es würde uns nicht zur Ehre gereichen, wenn stationen gesendet. mit dieser Tatsache ein leuchtendes Beispiel der Nachdem die Staatshymne verklungen war, Selbstaufopferung bleibt. man in schwerem Augenblick ernstlich über irgend die nach der Kundgebung des Vorsitzenden der Das Gewicht der Entscheidung der Präfi- eine neue grundlegende Orientierung der tschechischen Regierung gespielt worden war, teilte der Vor- denten ist derart, daß Worte nur ein mattes Bild Nation und des tschechoslowakischen Staatsgebantens ißende des Radiojournals, Dr. Souret, den unserer Erregung und unserer Gefühlen wären. redete. Am ersten Jahrestag von Masaryks Tod Hörern mit, daß nach einer Pause von vier Mihaben wir uns doch wiederholt, daß diese Orienties nuten der Vorsitzende der Regierung eine weitere Die verfassungsrechtliche Situation rung gegeben ist durch die jahrhundertealte EntSundgebung verlesen werde. Schon aus dieser Durch die Resignation des Präsidenten der wicklung der Nation und allen höchsten Werten unses Republik, Dr. Edvard Beneš, ist ein Zustand gerer Kultur. Ihnen müssen wir gerade in den schwer geben, wie nach der Abdankung des ersten Prä- en Augenblicken die Treue bewahren, sonst würden fidenten der Republik, des Präsident- Befreiers vir uns auf sie mit Unrecht berufen und sie hätten Thomas Garrigue Masaryf. Nach der Ver- für uns feinen praktischen Wert. Die Grundsäße des fassungsurkunde geht nunmehr die Ausübung der richtigen Erkennens und richtigen Handelns dürfen Funktion des Präsidenten der Republik auf die nicht ein Rock fein, der nach Bedarf gewechselt wird Regierung über, welche ihren Vorsitzenden mit einzelnen Aufgaben dieser Funktion betrauen fann. zein herab, konzentrieren wir unfere alte Stammes. kraft in ihnen, genau so, wie wir es in unserer Geschichte schon so oft getan haben. Die Krone wird dann nach euter Zeit neue Aefte hervorsprießen laffen. Sind wir eingebent, daß das, was uns nach allen Opfern als Kern unserer Heimat, als jenes Erbe, das wir den fünftigen Geiserationen erhalten müffen, bleibt, noch immer ein Befits von ewigem Werte ist, und daß wir auch jest ein Staat, feines. falls einer der fleinsten, ein Volf mit Kultur blei ben, die der Kultur größerer Völker der Welt gleichkommt und die Kultur vieler Völker sogar übertrifft. Das alles verpflichtet und dazu, daß wir dieses unfer nreigenstes Erbe in ruhiger und fester and behalten. Liebe Mitbürger, Freunde! Am Schluß wende ich mich an Euch alle mit der innigen, aufrichtigen, vom Herzen kommenden Aufforderung: Die Heimat der Tschechen und Slowaken ist wirklich in Gefahr und sie würde in einer noch größeren Gefahr fein, wenn wir nicht in die fem Augenblick alle zueinander halten würden in Eintracht, in Einigkeit und in der vollen moralischen Kraft einander gegenseitig ergebener Menschen. Es ist vor allem notwendig, fich mit den Slowaken zu geben. einigen. Auch fie find in Gefahr. Heute kommt es nicht auf diese oder jene Konzession an. Wir müffen gegenseitig überall, wo es notwendig ist, nach Weiters wende ich mich an alle übrigen Kreise der Bevölkerung, an die Landwirte, Arbeiter, mittleren Schichten und an die Intelligenz: Wahret Ruhe und Eintracht, die Einheit und Ergebenheit sowie gegenseitige Liebe zueinander, denn- wie Masaryk zu sagen pflegte Heimat, Staat und Volk seid ihr alle, die ihr auf Enerem Heimatboden steht. Leget für eine Zeit alle Euere Streite und fleinen Tagesinteressen beiseite und vereinigt alle Anstrengung auf ein Ziel: Auf die gemeinsame Arbeit für Heimat und Staat. Bleibt alle gesund!" Der erste Ministerrat chung empfehlen heute viele, die Richtung unserer Art der Ankündigung einer weiteren Kundgebung des Vorsigenden der Regierung war es flar, daß der Vorsitzende der Regierung, Armeegeneral Syrový, der Bevölkerung der Republik eine sehr gewichtige Entschließung mitteilen werde. Niemand ahnte jedoch, als der frühere Held von 3borov mit fester, aber doch offensichtlich beweg Unter dem schmerzlichen Eindruck der Enttäus ter Stimme die ersten Worte gesprochen hatte, daß nationalen Anschauungen radikal zu ändern. Am er der Republik den bereits un um stößlichen meisten wird der rücksichtslose nationale Egoismus Entschluß ihres Präsidenten mit Die Verfassungsurkunde bestimmt weiter, teilen werde. Armeegeneral Syrový sprach mit daß binnen 14 Tagen die Nationalver- bern... Sier muß man vor allem zur Vorsicht empfohlen... Wir sollen es so machen wie die andenselben einfachen, jedoch bewegten Worten: sammlung zusammentreten und die Wahl des In den soeben vergangenen Tagen hat unser neuen Präsidenten der Republik für eine weitere eher am Anfang des Höhepunktes der europäischen raten. Sind wir doch noch nicht am Ende, sondern Staat und unsere Nation schwere Wunden er- Funktionsdauer von sieben Jahren durchführen halten. Die Nation hat während dieser Tage bei soll. Die Nationalversammlung stellt die gemein den Großmächten und aus dem unerhörten Rüsten Srise, welche aus der schweren Spannung zwischen aller Tiefe ihres Schmerzes eine musterhafte schaftliche Sißung des Abgeordnetenhauses und hervorgehen mußte. Es ist bisher noch nicht bes Disziplin gezeigt, die unsere Regierung in dem des Senates unter dem Vorsitz des Vorsitzenden wiesen, daß das Klügeln und der rücksichtslose Egois Glauben stärkt, daß es ihr gelingen wird, Nation des Abgeordnetenhauses dar. Die letzte Sißung mus fich am Ende auszahlen.... Schon heute än und Staat aus den heutigen Zeiten und Nöten der Nationalverſammlung, in welcher Dr. Edvard dern sich beispielsweise die strengen Urteile, welche 3 neuem Leben emporzuführen. Uns allen legt Beneš zum Präsidenten der Republik gewählt im ersten Augenblick nicht nur von den Regierungen, diese Aufgabe die höchste Verantwortung, voll- worden war, fand am Mittwoch, den 18. De- sondern auch von ganzen Nationen Westeuropas auss fommene Opferwilligkeit und äußerste Selbstver-| zember 1935, im Wladislaw- Saal auf der Pra- gesprochen wurden. lengnung auf. Mit dem Schmerze des bewußten ger Burg statt. ,, Heute beginnen wir ein neues Leben“ Die Regierungserklärung kundgemacht Zum Schluß sagt das Blatt, daß sich Anzeichen der Verkaltung der alten Formen der parlamentarischen Demokratie zeigen, aber das bedeute durchaus nicht das Ende der Demokratie überhaupt. Im Gegensaß hiezu stehen die Ausführungen des bekannten Militärschriftstellers Vester in den " Lidové Noviny". Er sagt: Der Vorsitzende der Regierung. Armeegeneral und zu ernähren. Darüber macht euch keine Syrový, trug am 5. Oftober im tschechoslowa- Sorge. Vielleicht werden wir etwas bescheidener Wir haben es elend gemacht ganz elend. fischen Rundfunt die Regierungserklärung vor, in leben. Die Republik besitzt alle Voraussetzungen für Das erste im Unglück ist die Erforschung des Gewiss der es heißt: ein wirtschaftliches Leben, wenn ihr alle deffen ein sens. Deutschland hat nach 1918 auch die Schuls gebenk sein werdet, daß der Reichtum der Nation und Vor der Lösung des slowakischen Problems Die vorderste Stelle bei den innerpolitischen Beratungen und Entscheidungen nimmt derzeit die slowakische Frage ein, deren Lösung eine Frage von Tagen, vielleicht sogar nur mehr von Stun Bürger, Besonders innig banke ich unserer glänzenden des Staates aus schöpferischer Arbeit erwächst. digen seiner Niederlage gesucht und ist hauptsächlich Armee. Ich habe ihr alle Augenblicke meiner Tä die Disziplin, die ihr in den vergangenen Tagen Bauern, Arbeiter, Gewerbetreibende und Industrielle Wege gegangen, welche zur Aenderung, zu neuen und tigkeit als Präsident gewidmet, ich bin mit ihr befundet habt, ist ein Beweis, daß ihr alle ohne fund und stark find, kann der Handel aufblühen. heldenhafter Selbſtverleugnung und Opferwilligkeit sind die Grundfräfte der Nation; erst wenn fie ge- besseren strategischen Voraussetzungen geführt haben. Schämen wir uns nicht, einen Fehler Fehler zu nen und ich werde sie nie vergessen. Ich glaube an ihre Unterschied dessen eingebenk seid, daß es jetzt unsere Führender Grundfat der Wirtschaftspolitik der nen sonst werden wir aus neuen Irrtümern und weitere erfolgreiche Entwicklung und an ihre Zu Aufgabe ist, den Staat umzubauen. Die neue Refunft. Suchen wir in gierung wendet sich deshalb an euch, Bürger, und Brot für alle! Sie wird sich mit allen Wlit- erster Linie ein besseres Verhältnis zu allen unsern Regierung wird die Devise sein: Arbeit und Katastrophen nicht herauskommen. Ich schließe mit dem Ausdruck der wirklichen euch, Soldaten, in diesen schweren Augenblicken im vollen Vertrauen, daß ihr dem Bemühen der Regie- teln fümmern, dem Wirtschaftsleben eine feste Grund- Nachbarn und lassen wir schon den ideologischen Reberzeugung, mit dem Ausdrud meines tiefen rung, das nationale Leben und den Staat in fei- age in einer geordneten und gesicherten Währung zu Meſſianismus, auf welchen unser Volk in der GeGlaubens an die ewige Kraft und Festigkeit unferes nem neuen Territorium zu organisieren, eure ergeben. Diesem Ziele widmet die Regierung all' ihr Bolles, an feine Energie, Zähigkeit, Ausbauer und gebene und treue Unterſtüßung gewähren werbet. Die Bemühen. Sie wird für die Dirigierung ber land. Ichichte einige Mal schwer daraufgezahlt hat. Seien hauptsächlich an feinen Glauben an die Jbeale der Regierung ruft euch zu dieser Zusammenarbeit alle wirtschaftlichen Erzeugung in der Richtung forgen, wir uns dessen bewußt, daß wir uns in diesen Tagen Menschheit, an die Ideale der Freiheit, des Rechtes ohne Unterſchied von Partei und Stand. Heute dark des ganzen Staates, feiner handelspolitischen Drien- obzwar wir uns gerühmt haben, daß wir die gründ daß sie den tatsächlichen Bedürfnissen und Interessen als der verlassenste Staat der Welt erwiesen haben, und der Gerechtigkeit, für die es so oft gekämpft und es feinen Unterschied geben in dem Eifer, eine neue, fierung und dem Bedürfnisse, das Gleichgewicht mit lichsten und mächtigsten Bündnisverträge haben, wie für die es fo oft gelitten und mit denen es immer gefunde und arbeitſame Tschechoslowakei aufzubauen. der Industrie zu bewahren, entsprechen wird. Zwed- fie je einem fleinen Staat zu schaffen gelungen find Die Regierung will die Entscheidung der vier wieder gefiegt hat. Auch ich habe für fie gekämpft. Großmächte in München loyal erfüllen, im Glau- mäßig und rationell werden wir neue unentbehrliche. Der deutschen Politik ist es in der Tai gelun Und ich werde ihnen treu bleiben. Ich werde auch ben und im Bestreben, die Lebensintereffen des weige der Induſtrie schaffen und uns bemühen, fie gen, uns militärisch vollkommen zu paralysieren. nicht das Schiff im Sturm verlassen. Ich glaube neuen Staates zu schügen und zu sichern. Die modern und vernünftig zu organisieren. Wir wer- Machen wir uns über diese Wahrheit schon feine vielmehr, daß in diesem Augenblick ein solches Opfer Grundfäße, nach denen sich die Regierung in ihrer den unser Kommunikationsnet ausbauen. In der Illusionen. Deswegen muß unsere Politik, ob wir Wirtschaftspolitik werden wir uns nach den Tatpolitisch notwendig ist, wenn es auch nicht bedeutet, Außenpolitik richten wird, laſſen ſich einfach so aus- fachen richten, wir werden auch weiterhin unsere Po- wollen oder nicht, schließlich ein gutes Verhältnis zu daß ich meine Pflicht, als Bürger und Patriot wet- brüden: ein freundſchaftliches Verhältnis zu allen, fitionen auf den alten Märkten befestigen, neue Ab- Deutschland finden, mit dem wir vielleicht schon ter zu arbeiten, vergessen würde. befonders zu den Nachbarn. Ein folches Verhältnis, das aus dem Bewußtsein ent- fuplätze suchen und neue, für unseren Staat nütliche längst eine Vereinbarung gefunden hätten, wenn der Ich wünsche allen, ich wünsche der Republik, ich springt, daß, wenn wir in Sicherheit und Zufrieden- Verbindungen anknüpfen. edle" Westen uns nicht ständig mit der Kündigung wünsche der Nation, daß sie bald beffere Tage er heit leben wollen, wir mit unseren Nachbarn 31- im Geiste ehrlicher, kompromißlofer, sozialer Gerechten gebraucht haben, war er gut. Dieses Wert der Erneuerung will die Regierung der Bündnisse gedroht hätte. Solange sie den Mohleben, daß sie lebe, wachse und wieder aufblühe als sammenarbeiten müssen. herrlicher Zweig des Menschengeschlechtes und als Die Grenzen unseres Staates ändern sich. Wir tigkeit ausführen. In ihr ficht fie den Schuß des eines der ebelften, schönsten europäischen Völker. werden auf einem kleineren Territorium leben, aber Staates gegen alle Erschütterungen, denn dort, wo es wird uns alle ernähren, wenn wir es verstehen, alle arbeiten, können mit ihren Familien stärkere, geunser Leben politisch, wirtschaftlich und sozial gut fündere und zufriedenere Generationen leben und zu organisieren und wenn wir Ruhe und Ordnung auch heranwachsen. erhalten. Deshalb wird die Regierung um eine Die Regierung will die nationalen Güter neue zweckmäßige Organisation der öffentlichen Ver- vermehren und feineswegs vermindern. Sie will, waltung Sorge tragen. Wir werden uns bemühen, daß auch der Anteil eines jeden von euch daran fich eben neuen Bedingungen und außerordentlichen vergrößere. Deshalb rufe ich euch auf zur Arbeit, Aufgaben anzupassen. Wir werden fie so organi- zur Ordnung und zur Disziplin. fieren, daß fie fich auf alle schöpferischen Kräfte bes Ich habe Ihnen einfach und klar auseinander- den, ist. Bei der Zusammenstellung der neuen Landes, auch auf die Slowakei und Karpathorußland gesetzt, was die Regierung für ihre Pflicht hält. Regierung, die zwei slowakische Minister auffrühen fann. Der führende Gefichtspunkt wird bei Ebenso aufrichtig erkläre ich Ihnen, daß wir alles weist, wurde die Ernennung eines dritten be biefem Werte nur das Bedürfnis des Staates und tun werden, um die berechtigten Forderungen sowohl reits angekündigt. Die Position dieses dritten bas erfolgreiche Funktionieren der staatlichen Organe der Slowakei, wie auch Karpathorußlands zu erfül fein. In dieser Hinsicht unter. len. Wir alle in der Regierung find uns bewußt, slowakischen Ministers dürfte ähnlich sein wie die streiche ich, daß die neue Regic daß das neue Leben der Republik einzig und allein des karpathorussischen Ministers Dr. Parkányi. rung bereits mit diefem feften auf einer Brüderschaft auf Tod und Leben zwischen Es wird nämlich an maßgebenden Stellen betont. Siele gefchaffen wurde. Tschechen, Slowaken und Karpathoruffen beruhen daß die Agenda dieser beiden Minister weit über Wir werden in diesem Geiste eine zweckmäßige muß. Diese Brüderlichkeit verstehe ich und alle, die das übliche Maß hinausgehen wird. Der slowas und breite Dezentralisation verwirklichen, hinter mir stehen, als Gleichheit. die auf der Zusammenarbeit der zentralen Staats- Heute beginnen wir ein neues Leben. Wir mehr als bloße Landsmannschaftsminister sein. tische und der karpathorussische Minister werden verwaltung mit den autonomen Landesorganen bewerben mit allen Kräften für das Wohl unserer ruht. Die Sendung der zentralen Staatsverwal- Nation und ihre nationale Kultur arbeiten. Fehler Sie sollen gewissermaßen die Brücke zwischen der tung fehen wir dabei in der initiativen Führung und dürfen wir keine begehen. Wir legen den Grund Regierung und den von ihnen vertretenen GeHarmonisierung der dezentralisierten Komponenten. für die künftige Tschechoslowakei, das Land der Tsche- bieten darstellen und in ihren Händen soll sich, soWir find uns bewußt, daß wir diese Aufgaben zu hen, Slowaken und Karpathoruſſen, die durch die weit dies staatspolitisch möglich ist, die Agenda Was die das Gebiet von Karpathorußland erfüllen inſtante fein werben, burd eine Moderni- Bande gegenseitigen Bertrauens und vollkommener ihres Landes vereinen, wobei sie von event. anfierung im Geifte wie auch in den Methoden der Gleichberechtigung verbunden find. In diesem Ver- deren Ministern ihres Gebietes unterstützt wer betreffenden Verschiebungen, Ernennungen und öffentlichen Verwaltung und auch in ihrer Ber- trauen und in brüberlicher gegenseitiger Ehrlichkeit den sollen. Bestellungen von Angestellten der staatlichen jüngung. werden wir alle gemeinsam vorwärts schreiten, auf Die Verwaltung des Staates, die Führung des dem Wege zäher und ficgreicher Kämpfe für ein Ueber die prinzipielle Art der Einigung mit Behörden und Unternehmungen anlangt, wurden Staates, hat der Organisierung des gemeinsamen neues Gefchid der neugestalteten Tschechoslowakei. den Slowaken herrscht bereits völlige Klarheit. die gleichen Richtlinien festgefekt, wie sie die Re- Lebens und der Entwidlung, ihrer Grundkomponen: Seute führt uns das Vaterland, ale when we stie tirb im Jahmin besatte: burger Vertrages erfolgen und die Eigenpersönlichkeit des slowakischen Volkes anerkennen. Wer gegen Daladier stimmte... Die slowakische Sprache wird als alleinige offizielle und Amtssprache auf slowakis neten, die heute in der französischen Kammer eines eigenen slowakischen Landtages wird im Paris, 4. Oktober. Von den 75 Abgeord- schem Gebiet anerkannt werden. Die Errichtung gegen die Regierung stimmten, sind 73 Kommu-| Rahmen des bekannten Regierungsentwurfes, der Unser La bift fähig, alle feine nisten, ferner von der Rechten der Abgeordnete die Errichtung solcher Landtage mit einer den Söhne und Töchter zu beschäftigen Kérillis und der Sozialist Pierre Bloch. Landtagen im österreichischen Teil der ehemaligen der neuen Regierung Prag, 5. Oftober. Der Ministerrat hielt seine erste Sigung in der heutigen Zusammensehung der Regierung am 5. Oftober 1938 ab. Zum Stellvertreter des Vorsitzenden der Regierung wurde der Innenminister I anterný gewählt. Es wurde die Regierungserklärung über das Programm der neuen Regierung genehmigt. Genehmigt wurde der Entwurf der Maßnahme des Ständigen Ausschusses zur Errichtung eines Obergerichtes für Karpathorußland in Užhorod. gierung vor zwei Tagen für das Gebiet der ten zu dienen. In diesem Dienst sieht die Regierung Wohl. Slowafei genehmigte. Der Ständige Ausschuß gemäß§ 54 der Berfassungsurkunde hält Montag, den 10. Offober 1938, um 3 Uhr nachmittags eine Sigung ab. (( KDMV.). die Sendung der Intelligenz, einer Intelligenz, die fich allerdings ihrer Verantwortlichkeit bewußt ist. Wenn wir diese Aufgabe bewältigen follen, miffen wir uns als eine Armee organisieren, in welcher eine jebe Komponente genau und vünktlich ihre Funktion erfüllt und die Garantie vollkommener Verläßlichteit bietet. «r. 23S Donnerstag, 6. Oktober 1038 «eite 8 Neues Vertrauensvotum Tür Daladier Nach heftigen Auseinandersetzungen mit der Linken hsterr.«ung. Monarchie ähnlichen Kompetenz vor« sieht, erfolgen. Gelvisse Schwierigkeiten bereitet vorderhand noch die Person des künftigen, beson« der- bevollmächtigten slowakischen Ministers. Es verlautet, das; auf beiden Teilen der Wunsch besteht, parteipolitische und persönliche Erwägungen beiseite zn lassen und sich auf einen wirklichen Fachmann zu einigen, der sowohl das Vertrauen aller politischer Strömungen der Slowakei, als auch der Regierung besitzt. Die Namhaftmachung dieses Mannes wird von den Beratungen ver slowakischen Parteien abhängen. Mittwoch kommen in Sillein die Vertreter der Slowakischen Volkspartei und der Slowakischen Agrarpartei zwecks gemeinsamer Beratungen zusammen; diese Beratungen werden am Donnerstag»»ter Hinzuziehung der Slowakischen Nationalpartei fortgesetzt und wahrscheinlich beendet werden.(DNB) FrantlSek TomäSek gestorben Gestern nach 8 Uhr früh verschied in Prag der Senator der tschechischen sozialdemokratischen Partei, Frantisck Tonuisek, der von 1818 bis 1928 zu den repräsentativen Persönlichkeiten des tschechoslowakischen politischen Lebens gezählt hat. Tomäsek stammte aus Kuklenh bei Königgrätz, wo er im Jahre 1868 geboren wurde. Nach Absolvierung des Gymnasiums bezog er die philosophische Fakultät der tschechischen Universität in Prag, beendete aber sein Studiunr nicht, sonder» begann schon als Student politisch und publizistisch zu wirken. Er redigierte zuerst eine studentische Zeitschrift, später die„Akademie", die wissenschaftliche Zeitschrift der tschechischen Sozialdemokratie. 1887 ging er nach Wien, wo er bis 1818 tätig war. Durch dreizehn Jahre, 1808 bis 1818, war er der leitende Redakteur der„Dklnickö Listy", des Blattes der tschechischen Sozialdemokratie in Wien. 2m Parlament deS allgemeinen Wahlrechts war er Abgeordneter für einen mährischen Wahlkreis und hat insbesondere die Interessen der Wiener tschechischen Arbeiter vertreten. Nach dem Umsturz wurde er nach Prag berufen, wurde Vorsitzender der revolutionären Nationalversammlung und behielt dieses Amt auch im erste» gewählten Abgcordnctenhause. Diese sieben Jahre waren die große Zeit seines Lebens. Er saß an der Seite MasarykS, als dieser seinen Einzug in Prag hielt und repräsentierte auch sonst sein hohes Amt mit Würde. Bei den letzten Wahlen im Jahre 1835 kandidierte er In den Senat, trat aber wegen Krankreit nicht mehr politisch hervor. Nun ist er, fast siebzigjährig, gestorben. Zusammenarbeit der tschechoslowakischen Jugend Mittwoch, den 5. Oktober 1088, traten die Vertreter der politischen Organisationen der Jugend in der Tschechoslowakischen Republik zusammen. Sie vereinbarten eine gemeinsame Organisationsgrundlage und«in ideologisches Programm. Die tschechoslowakisch« Jugend schafft keine völlige Vereinigung ihrer Organisationen, sie faßt aber die politischen Organisationen in einem politischen Ausschuß „Jednota mladsho Eeskoslovenska" zusammen, in welchem die einzelnen Organisationen durch zwei Delegierte vertreten sein werden. Das Hauptziel dieser Aktion ist, die jung« tschechoslowakische Generation im öffentlichen Leben unsere- Staate- mehr zur Geltung zu bringen, dessen geänderte Existenzbedingungen unbedingt neue, durch die Vergangenheit nicht belastete Leute erfordern. Ueber die Tätigkeit de- Au-schusseS wird die Oeffentlichkeit regelmäßig informiert werden. Die dritte Zone besetzt Prag, 5. Oktober. Bis 8 Uhr früh am heutigen Tag räumte» die tschechoslowakischen Militäreinheiten die dritte Etappe der 3. Okku- pationSzone in Rordwestböhmrn. Die Linie, die die Ostgrenze in diesem Gebiete Böhmens, die von deutschen Truppen beseht wurde, bestimmt, verläuft von der Staatsgrenze im Erzgebirge bei Einsiedel in südwestlicher Richtung gegen G ö r k a u, weicht Komotau aus, so daß diese Stadt außerhalb der tesrhtrn Zone bleibt, sie führt weiter über Burgstadtl(südöstlich von Kaaden), Radonitz, Mascha», Deutsch- R u st, weiter über Ludih, Worka nach Wasserau. Bon hier aus verläuft di« Linie in südwestlicher Richtung noch Ronsperg, welches außerhalb der Zone bleibt und biegt dann zur Staatsgrenze bei Haselbach rin. Die Gemeinden, die diese Grenze von Wafferau bestimmen, sind: Giersch, Blaschin, Zebau, Millikau, Prostibor, Taschlowitz, RonSperg und Haselbach. Die deutschen Truppen besetzten im Laufe deS gestrigen Tageö daS Gebiet, das ungefähr von folgender Linie begrenzt wird(vom Norden): Wiesenthal, Schlackenwrrth, Karlsbad, Petschau, Stadt Tepl, Wolfersdorf, Haid, Eisendorf. Heute um 8 Uhr überschritten die deutschen Truppen diese Linie und besetzten die dritte Etappe dieser Zone, wie sie oben abgrgrenzt wurde. Im Raum dieser dritten Etappe liegen neben den bereits angeführten, an der Grenzlinie liegenden Gemeinden u. a. folgende Städte, resp. größere Gemeinden: Weiprrt, Schmiedeberg, Preßnitz, Pürstein, Klösterle, Reischdorf, Niklas- darf, Kaaden, Deutsch-Kralup, weiter nach Süden Theusstng und Mutter-dorf. korrekter Verhalten der Reichswehr Prag, 5. Oktober. Die Modalitäten für die militärische Besetzung deS bisher tschechoslowakischen Gebietes werden von den Faktoren der Reichsdeutschen Armee genau«ingehalten. Die Paris, 5. Oktober.(HavaS.) DaS Abgeordnetenhaus ist heute um 2.38 Uhr in der Nacht neuerlich zusammengrtrrten. Der General- berichtrrstattcr teilte mit, daß die Finanzkommission im RegicrungSantrog nur eine einzige Abänderung durchgcführt habe, u. zw. daS Datum des 15. November durch daS Datum deS 31. Dezember erseht habe. Ter einzige Artikel drü Antrages ist folgend formuliert:„Die Regierung hat die Vollmacht bis zum 15. November 1838 in Form vom Ministerrat bcschloffenen und genehmigten Dekreten, Maßnahmen zur unmittelbaren wirtschaftlichen und finanziellen Erneuerung des Landes zu treffen. Diese Dekrete werden Gesetzeskraft haben und werden den Häusern der gesetzgebenden Körperschaften vor dem 1. Jänner 1938 zur Genehmigung vorgelrgt werden." Nach dem Eingreifen deS Ministerpräsidenten Dakadier, der die BertrauenSfrage stellte, genehmigte das Abgeordnetenhaus die Ermächtigung mit 331 Stimmen gegen 78 Stimmen. Bon der Gesamtzahl der 618 Abgeordneten beteiligten sich also an der Abstimmung nur 408. Stimmenent- haltung übten die Sozialisten und etwa 30 Mitglieder der Rechten. Die Kommunisten stimmten dagegen. Da da- Abgeordnetenhaus der Außenpolitik der Regierung das Vertrauen au-gesprochen hat, stieß die Regierungsvorlage, die die Ermächtigung in Wirtschaft-- und Finanzfragen forderte, bei den Abgeordneten der Linken auf bedeutende Schwierigkeiten. In einem Augenblick schien die Existenz de- Kabinett- wegen dieser Frage bedroht. Die Sozialisten, welche die an Zahl stärkste Parlainentsgruppc darstellen, entsendeten eine Abordnung zum Ministerpräsidenten, die weitere Zusicherungen, insbesondere in der Richtung forderte, daß das Parlament normal im November einberufen wird und daß das Gesetz über die 40- ,stündige Arbeitswoche und andere soziale Gesetze n. ä. nicht berührt werden. Die Aussprache der Abordnung mit dem Ministerpräsidenten hat den sozialistischen Klub nicht befriedigt, der den Beschluß faßte(87:43 Stimmen) gegen die Regierungsvorlage zu stiminen. Der Vorsitzende de- Abgeordnetenhauses berief nach Mitternacht beschleunigt eine Beratung deS Ministerpräsidenten Daladier, Leon Blum- und de- ehemaligen Sozialministers Serol ein. Bei dieser Beratung wurde eine Einigung erzielt. Die Sozialisten gaben da- Versprechen ab, nicht gegen die Regierung zn stimmen, sondern sich der Abstimmung zu enthalten. Nm halb 2 Uhr früh genehmigte der Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses die Regierungsvorlage mit 18 gegen 5 Stimmen(Kommunisten). Die Sozialisten enthielten sich der Stimme, zwei Mitglieder de- AuSschusse- Ivaren abwesend. Grenzübertritt ungarischer Truppen Prag, 5. Oktober.(Tsch. P.«B.) Heute früh haben kleinere Einheiten der ungarischen Grenz« tvachc eigenmächtig die tschechoslowakische Grenz« im Raume südlich von Feledince und R i« mavskä Seit überschritten und einen A n« griff a-uf unsere Einheiten der Staatsverteidigung unternommen. Die ungarischen Einheiten, welche einige Kilometer auf unser Gebiet cingedrungen waren, wurden aufgebalten. Die Einheiten kehren auf Anordnung de- ungarischen Militärkommando- auf ungarisches Gebiet zurück. Bessere Beziehungen Rom-London Rom, 5. Oktober.(HavaS.) Der britische Botschafter Lord Perth hatte heute vormittag- eine neue Unterredung mit dem italienischenAußen« Minister Grasen Eiano. DaS Gespräch dauerte über eine Stunde und war eine Fortsetzung der wichtigen Unterredung von gestern abend-. Es herrswt der Eindruck vor, daß dies« Unterredungen sehr rasch zu einer Besserung der tatsächlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Italien führen werden. Die halbamtliche Presse und Mussolini selbst haben schon die„Herzlichkeit" der italienisch-englischen Beziehungen erwähnt. Freilich ist belannt, daß das zu Ostern unterzeichnete Abkommen noch immer gewisse Bedingungen enthält, unter denen cS in Kraft treten kann und die jetzt ei» Hindernis bilden, daß diese Herzlichkeit offen zutage trete. Die letzten Ercigniffe ebenso wie die vermittelnde Tätigkeit Mussolinis in München ändern offensichtlich die gegenwärtigen politischen Verhältnisse. Deshalb meint man in gut informierten Kreisen, daß England und Italien fast schon die Formel gefunden haben, die da- Wirksamwerden deS italienisch-britischen Abkommen- vereinfachen Ivird, dessen augenblickliche» Ergebnis die Anerkennung des italienischen Kaisertum- seitens Englands sein wird. Verständigung Rom—Paris Paris, 5. Oktober. Außenminister George Bonnet hatte gestern abends mit dem Leiter der italienischen Botschaft in Pari-, Prunaso, eine Unterredung. Bei dieser Unterredung teilte der Außenminister dem italienischen Geschäftsträger mit, daß die französische Regierung binnen 48 Stunden die italienische Regierung um Erteilung deS diplomatischen Agreements für die Ernennung eine- ordentlichen Botschafters am Quirinal ersuchen wird. Als Botschafter in Rom soll in erster Linie der bisherig« französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, au-erschen sein, an dessen Stelle nach Berlin der gegenwärtige Botschafter in Warschau und ehemalige Gesandte in Prag, Lson Noel, kommen würde. Als Gesandter Frankreich- in Warschau wird Gabriel Puaüx btzeichnet, der bis zum Anschluß Gesandter Frankreichs in Wien war. London gegen die deutsche Rundfunk-Kampagne London, 4. Oktober.(Reuter.) Ehe da» Unterhaus die gestern begonnene Debatte fortsetzte, befragte der oppositionelle Labour-Abge- ordnete Grenfell den Ministerpräsidenten über die vom reich-deutschen Rundsunk durchgeführte Propaganda, deren Zweck die Trennung zwischen Slowaken und Tschechen und die völlige Verhinderung einer Beruhigung im tschechoslowakischen Staate ist. Der Interpellant fragte, ob der Ministerpräsident beabsichtige, mit Rücksicht auf die Garantien im Sinne des Münchner Abkommens bei der deutschen Regierung einzuschreiten. Ministerpräsident Chamberlain antwortete, daß da- Außenministerium bereit- amtliche Erhebungen angcordnet habe. Der Ministerpräsident fügte hinzu, daß der britische Botschafter in Berlin die deutsche Regierung bereit» daran erinnert habe, wie wünschenswert in der deutschen Presse und im Rundfunk Zurückhaltung wäre.„Ich denke," sagte er,„wir würden besser daran tun, einen amtlichen Bericht abzuwarteni ehe Ivir ein weiteres Einschreiten erwägen." Vie t&gllche Hinrichtung In Berlin Berlin, 5. Oktober.(DRB.) Der vom BolkSgericht-hof wegen Landesverrat in Tateinheit mit der Borbereitung eine- hochverräterischen Unternehmens zum Tode verurteilte 27jährige Wilhelm Sommerfeld aus Berlin ist heute morgen hingerichtet worden. Der Berurteiltr hat sich für de» ausländischen Spionagedienst fast eineinhalb Jahre gegen Entgelt betätigt und zahlreiche gegen di« deutsche Wehrmacht gerichtete AuSspii» hungSaufträge nusgeführt. Verlorene Ebrohöhen zurückerobert Barcelona, 4. Oktober.(Ag. EsP.) Im Ebro-Abschnitt haben die republikanischen Truppen in glänzendem Gegenangriff die Höhen 332 und 821 in dec Sierra Laball de la Torre zurückerobert. Die im Dienste der Invasion stehenden Truppen haben ihre Angriffe fortgesetzt. Hinter zahlreichen Tanks und mit Hilfe ausländischer Artillerie und Flugzeuge gingen sie unsere Stellung südöstlich deS Coll del Cosa an und e- gelang ihnen, die Höhe 282 zu besetzen, die jedoch die republikanischen Truppen in mutigem Gegenangriff zurückcrobertcn. Bei Ausgabe diese- Berichts dauert der heftige Kampf in diesem Abschnitt am E- ist für unser Schicksal ganz gleichgültig, wag in den beiden Häusern des englischen Parlamente- über die Tschechoslowakei gesprochen wird— es ändert nichts mehr. ES genügt also, kurz auf die wichtigsten dieser Reden zu verweisen. Bemerkenswert ist immerhin, daß sich sehr gewichtige kritischeStimmen erheben, ja, daß von Jubel über das„Abkommen" von München nichts mehr zu merken ist. Im Unterhaus gab der konservative Abgeordnete A m c r t> dem Gefühl der S ch a n d e und Erniedrigung über das Schicksal, welches die Tschechoslowakei betroffen hat, Ausdruck. Er sagte, daß auch die leidenschaftlichsten unter den Sudetendeutschen nur nach Autonomie, nicht nach Abtrennung schrieen. Bei Besprechung der Anleihe an die Tschechoslowakei fragte er, ob cS nicht schöner wäre, der Tschechoslowakei wenigstens soviel zu schenken, wie der Krieg für eine Woche kosten würde, der Krieg, von dem England auf Kosten der Tschechoslowakei verschont blieb. Dje neuen Garantien hätten sich schon am zweiten Tage Polen gegenüber als wertlos erwiesen. Im Oberhaus erklärte Lord Stra« bolghy, die Integrität der Tschechoslowakei hätte gerettet werden können, wenn nicht die herrschenden Männer in England und Frankrenv schwach gewesen wären.— Der Liberale Lord Samuel und Lord Baldwin lobten die Po- Oberhaus, Unterhaus und die Tschechoslowakei Den guten Namen verloren I Eine scharfe Kritik an Chamberlain London, 5. Oktober. In einem im„Dailh Telegraph" veröffentlichten Brief, der große- Aufsehen in politischen und diplomatischen Kreisen erregt hat, würdigt har führende Mitglied de- Oberhauses Lord Lloyd den aufrichtigen Friedenswillen und die darauf gerichteten Bestrebungen Chamberlain-, meint aber, diese schließe Irrtümer und Fehlleitungen in der Leitung der Außenpolitik nicht aus. Er sei unmöglich, ohne Scham und eS sei schwer ohne Zorn von dem zu sprechen, was England dem tschechostowakischen Volke getan habe. Dieses Voll habe fast allein die Fahne der Demokratie und Freiheit in Mitteleuropa vorangetragen, eS habe unter großen Opfern wichtige Beseitigungen im böhmischen Plateau gegen den HitleriSmuS aufgebaut und ist nun unter einem beispiellosen Druck der ohne Zweifel gegen eine im Unglück befindliche bekreundete Nation angewendet wurde, gezwungen, sich einem brutalen Ultimatum zu unterwerfen, wobei es innerhalb weniger Stunden in den abzutretenden Gebieten entweder alles im Stich lassen oder sich dem Dritten Reiche und allem, waS die- bedeute-, unterwerfen mülle. Lord Lloyd erinnert dann an DiSraeli- Worte:„England hat zwei große Aktiva— seine Flotte und seinen guten Namen". Heute müsse man sich damit trösten, daß ei noch seine Flotte habe. Lord Lloyd bezweifelt Aenderungen der deutschen Politik nach diesem Sieg über die beiden Weihnächte. Man werde zuerst versuchen, diese unter dem Vorwand eine- Abrüstung-Übereinkommen- zu entwaffnen. Verhandlungen der tschechoslowakischen Verbindungsoffiziere mit den deutschen Militärorganen verlaufen glatt und soweit vereinzelte Fälle eintreten, tvo beabsichtigte Aktionen untergeordneter OkknpationScinheiten im Gegensatz zu den von den höchsten Stellen beider Parteien genehmigten Richtlinien standen, nehmen die deutschen militärischen Faktoren die entsprechenden Hinweise von tschechoslowakischer Seite entgegen und respektieren sie vollkommen. Mit den tschechoslowakischen Parlamentären Verkehren die deutschen militärischen Befehlshaber so wie in den vorangegangenen Tagen korrekt. litit Chamberlains.— Eine Aussehen erregende Rede hielt Lord Lloyd, der fragte, warum man sich der Heuchelei in der Minderheitenfrage anschließe? Was tun wir zum Schuhe der deutschen Minderheiten in Polen und Italien? Sie liegen nicht in der Linie de- deutschen Vormarsche-, das ist der ganze Unterschied.— Lord Lloyd sagte, er sei tief beunruhigt über unsere (der Engländer) Ehre gegenüber der Tschechoslowakei. Ich habe Briefe aus Rumänien, aus der Türkei und anderen Balkanländern, in denen es heißt: Wie könntet ihr erwarten, daß sich die Balkanländer zusammenschliehen, wenn ihr alle ring- um euch verratet? Und eines Tage- werden wir um Kolonien ersucht werden und wir werden nicht ablchnen können, wenn wir nicht andere Länder zur Herausgabe ihrer Kolonien zwingen»vollen.> Der konservative Lord Cranborne sprach gleichfalls sckarf gegen die Münchner Vereinbarung, von der er sagte, daß sie kein hoffnungsvoller Beginn für eine neue Aera des Friedens und der Gerechtigkeit ist. Richtig beurteilt ist die- die-«ine der er niedrigst en Episoden unserer Geschichte. Der Vorsitzende Lordkanzler Maugham bezeichnete zum Schluß die Borwürfe gegen die Regierung al- unberechtigt, worauf die Sitzung vertagt wurde. Der Schreiber der Briese- wendet sich dagegen und tritt mit Nachdruck für die Einsühruna der mili- tärischenDi« ii st pflicht ein, denn diese sei notwendig, denn wenn die zu erwartenden deutschen Kolonialforderungen nicht befriedigt werden, dann könne Deutschland, da- sich eventuell gegen Frankreich und England wendet, auf die immensen Hilfsquellen an Menschen und Rohstoffen in Mittelund Düdosteuropa rechnen/ London über die FlOchtllngsfrage London, 4. Oktober. Die gesamte englische Presse berichtet auf daS Ausführlichste über dir Vorgänge und Bestimmungen in dem Abtrennungsgebiet. Die ungeheuere Problematik, welche die Zerreißung der politischen und wirtschaftlichen Einheit eine- durch Jahrhunderte vereinigten Gebiete- bedeutet, tritt dabei ebenso überwältigend zutage wie die sozialwirtschaftliche Frage der Flüchtlingsfürsorge. AuS allen Blättern geht hervor, daß ein großer Teil der Sudetcndeutschen über ihr Lo- eher betroffen als erfreut ist, daß da- Schicksal der nationalen und der Gesinnungsminderheiten in diesem Gebiete völlig ungeregelt ist und den Staat vor fast unlösbare Probleme stellt.. „Daily Telegraph" meldet aus Prag von einrr Delbstmordwelle unter den Flüchtlingen ähnlich dir in Oesterreich nach dem Anschluss«.— ES sei daS Bestreben, meint der Korrespondent deS Blattes, nur di« besonders Gefährdete» aus dem zu besetzenden Gebiet zu entfernen. So sei «in Flüchtlingszug, der von Komotau kam, in Kladno aufgehalten worden und wieder nach Komotau zurückgeschlckt worden. Hilfe für die Evakuierten DaS Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung hat gemeinsam mit dem Tschechoslowakischen Roten kreuz die beiden Weltzentralen des Roten Kreuzes in Genf und in Paris telegraphisch um die Einleitung einer »reit angelegten finanziellen Hilfsaktion zugnnsten einer Anleihe für di« auS dem Grenzgebiet unse- -es Staates evakuierte Bevölkerung ersucht. Seite 4 " Sozialdemokrat" Die neuen Männer der Regierung des Sentral Staatseifenbahnrates, des Staatlichen Gesandter Dr. František Chvalkovský ( Außenminister) mar hierauf Gesandter in Tofio von 1921-28, in Kohlenrates, des Staatlichen statistischen Rates usw. Er ist Mitglied vieler Klubs und Vereine und Be figer zahlreicher Orden. Jagesneuigkeiten Und ich hab' es doch ertragen! einer der ältesten tschechoslowakischen Diplomaten, wurde am 30. Juni 1885 in Jilové in Böhmen geboren. Nach seinen Gymnasialstudien studierte er Jus in Prag und promovierte zum Doktor der Rechte an der Karis llniversität 1908. Er war dann in den Jahren 1909-10 an der Handelshochschule in London und stand hierauf in Gerichts- und Advo fatenpraris in Prag, Krakau und Bozen. Bei Ausbruch des Krieges war er Direktor der Rechtsabteis Wieviel auf uns einstürmt! Auf die Ange= lung der Strafauer Filiale der Zivno- Bant. Wäh hörigen des tschechoslowakischen Staates. Auf das rend des Welirieges stand er im Militärdienst; nach ihm wurde er Versonaljekretär des ersten Ministers schechische Volf, aber auch auf die deutschen Demo des Innern der Republif, Antonin Svehla, und Par fraten. Wie viel! Was haben doch die Men laments referent der Revolutionären Nationalver- fchen dieser Zeit, die zugleich Bürger dieses Staa fammlung. Im Jahre 1920 wurde er Chef der polistes sind, also zu den am härtesten geprüften Zeittischen Sektion des Außenministeriums und wechselte genossen gehören, alles zu ertragen! dann zur diplomatischen Laufbahn hinüber. Er trat Die monatelange Kampagne gegen den Staat. als Chef der tichechoslowakischen Delegation bei der Die monatelang sich hinschleppenden Versuche des römischen Konferenz der Nachfolgeftaaten auf. Er Verhandelns mit der EdP. Das zerbrechen dies ashington von 1923-25. In die Politif zurüder Verhandlungen, die Nürnberger Rede, Berch baton bent 1925 zu Albacorbueten der Ma- tesgaden und das furchtbar schwere Sichabfinden fionalberjammlung für die Republifanische Bartei ac- mit dem englisch- franzöſiſchen Plan, dann Gowählt, fehrte jedoch 1927 zur Diplomatic zurück und desberg, die Mobilisierung und die Erhebung der wurde Gesandter in Berlin bis zum Jahre 1932. Soffnung, es werde doch möglich sein, den Staat Seither ist er Gesandter in Rom. unversehrt durch die Wirren dieser Zeit zu füh ren und dann das Münchener Diftat. Die ungeheuere Enttäuschung über England und vor allem über Frankreich). Das furchtbare Opfer der wurde im Jahre 1893 in Bylany bei Kremsier geibtretungen. Das Miterleben der Besetzung der boren. Im Weltfriege war er serbischer Freiwilliger Randgebiete. Ist es uns doch so, als hörten wir machte die Kämpfe in der Dobrudscha mit, worauf den Marschschritt der deutschen Soldaten! Dann er nach Rußland fam, wo er in die Legionen als Kommandant des II. Schüßenregiments Georg der raiche innenpolitische Szenenwechsel. Wann von Podiebrad" eintrat und den ganzen Zug durch ist es genug? Wann wird wieder ruhiger All Sibirien mitmachte. Nach dem Weltkrieg absolvierte tag sein? Und wie wird dieser Alltag sein? er die Kriegsschule, worauf er in den Stäben cinis Es ist nur oft Gesagtes wiederholen wir ger höheren Formationen tätig war. Später foms wahrhaft bewundernswert, wie tapfer das mandierte er das 40. Regiment in Wallachisch- Meischechische Volt alles das erträgt. Bei jeder neuen feritsch. Er bewährte sich als Kommandant und Attade gegen die Seele des tschechischen Volkes ist wurde in den Generalstab berufen, wo er Vorstand man zu glauben versucht: das geht über dieses der Organisationsabteilung wurde und in der ErWolfes Kraft! Und dann trägt es doch mit einer sparungsfommission des Nationalverteidigungs- Mis nisteriums tätig war. Im Jahre 1933 wurde er erstaunlichen Straft, mit der aus der gesunden weiter Vertreter des Generalstabschefs. Seele eines durch und durch lebensstarken und froß allen Schicksalsschlägen zukunftsgläubigen VolDivisionsgeneral Karel Husárek fes, alles, alles ihm Aufgebürdete. ( Minister für öffentliche Arbeiten). Aber fraget nur nicht, wie! Mit wehem wurde 1898 in Cehowice bei Progniz geboren und Herzen, zutiefit aufgewühlt, zuinnerst empört, studierte an der Technischen Hochschule in Brünn. voll Bitterfeit und Gram. Aber daß es alles Als der Krieg ausbrach, stand er im militärischen das erträgt es zeugt von der Seelenstärke diePräsenzdienst. Als Reserveoffizier war er in der ses Volfes! Divisionsgeneral Vladimír Kajdos ( Eisenbahnminister) Jahre trat er in die russische Legion, wo er zunächst Eine Hegersfrau ermordet In der mährischen Gemeinde Záříčí wurde am Mittwoch ein Mord aufgedeckt, und zwar an der 27jährigen Božena Rittichová, der Frau eines Hegers, der zur Zeit Militärdienst leistet. Frau Rittichová wurde früh von ihren beiden Töchterchen tot aufgefunden. Wie die Spuren verraten, hatte sie vor dem Tode mit dem Mörder einen zähen Kampf geführt. Donnerstag, 6. Oftober 1938. Nr. 235 Trager Zeitung Aus der Theaterkanzlei. Der Spielbetrieb des Deutschen Theaters beginnt in der Kleinen Bühne am 8. Of tober mit einer volfstümlichen Aufführung Mens schen auf der Eisscholle" von Wilhelm Werner. Sonntag, den 9. Oftober, volkstümliche Vorstellung„ Komödie der Irrungen". Dienstag, den 11. Oktober, volkstümliche Vorstellung„ Kabale Der Spielbetrieb im großen Hause wird im Laufe der nächsten Woche aufgenommen werden. Freigabe des Telegramm und Telephonverkehrs. Amtlich wird mitgeteilt: Der Tele- und Liebe". grammverkehr mit dem In- und Auslande ist fast vollkommen normal, zugelassen sind alle Arten von Telegrammen, sowohl voll bezahlte, als auch ermäßigte( Presse, Briefs, nichteilige und Glückwunschtelegramme), jedoch nur in offe= Die Arbeiten des Prager Denkmalschutamtes ner Sprache. Telegramme fönnen vorläufig noch nehmen ihren normalen Fortgang. Unter den leg, nicht telephonisch aufgegeben werden und gehen ten Beschlüssen der Kommiſſion iſt hervorzuheben, daß weiterhin auf Gefahr des Absenders. Auch der der ursprüngliche Plan, die Hungermauer beim private interurbane Telephon- Verkehr im Inland jezd niederzureißen und dort einen monumentalen ist freigegeben. Für internationale Telephon- Stiegenaufgang au errichten, fallen gelaſſen wurde; nespräche ist auch weiterhin eine besondere Bewil- es wird im Gegenteil dieser Teil der Sungermauer ligung notwendig. Näheres teilt die interurbane völlig refonstruiert und auch das angrenzende Ter Telephonzentrale in Prag mit. rain wieder in den ursprünglichen Stand versezt Frauen Flugrekord. Die internationale Flugs werden. Es wurde weiters Bericht erstattet über föderation hat als Weltreford für Frauen den Non- den Fortgang der Restaurierungsarbeiten im Süd. stopflug, den die Sowjetfliegerinnen Offipenfo, trakte des Altstädter Rathauses und der angrenzen Raskova und Lomalova am 2. Juli ausgeführt den Gebäude, die ohne jedwede Verzögerung weiter haben, registriert. Die genannten Fliegerinnen durchgeführt werden. durchflogen die Strede von Sebastopol nach Archangelst. Die Fliegerinnen absolvierten im Nonstopflug 2241 Kilometer 501 Meier in diretier Linie und 2371 Kilometer 990 Meter in der Kurve. Sieben Fischer ertrunken. Bei Tromsoe sind in schwerem Sturm drei fleinere Fischerboote gejunken. Von den insgesamt zehn Mann Besatzung dieser Boote sind sieben ertrunten. Aus dem heutigen Musikprogramm des Sen. ders Prag II. Heute Donnerstag, den 6. Oftober, singt um 18.00 bis 18.20 Uhr im deutschen Sender Prag II Adolf Fuchs Lieder von Jaroslav Křičla. Ulm 21.05 bis 22.00 Uhr übernimmt der deutsche Sender Prag II ein Orcheſterfonzert von Prag I, bei welchem Werke von Smetana, Dvořák und St. B. Jirát zur Aufführung gelangen. Die Solistin des Abends ist Marta Krásová. tion in Prag hat wiederum einen teilweisen Vers Der Autobus- Verkehr. Die Staatsbahndirek fehr auf der Autobuslinie Prag- Brandýs n. 2. Stará Boleslav eröffnet. Die Abfahrten von Prag Náměstí Republiky erfolgen: 6.45, 8.00, 9.10, 10.10, 13.45, 14.50, 17.00, 18.45 und um 20 Uhr. Die Abfahrten von Stará Boleslav erfolgen: um 5.40, 6.40, 8.30, 10.30, 11.30, 12:30, 16:35, 17.30 und um 20 Uhr. Das Oberkommando der CPO der Hauptstadt Brag gibi befannt, daß mit der Aufhebung der CPO- Bereitschaft auch der Dienst der CPO- Organe eingestellt wird, die mit Armbinden gekennzeichnet waren, sowie der Dienst der Verbindungsfahrzeuge, die mit Schildern mit den Buchstaben CPO versehen waren. Damit hört auch jedivede Berechti Fünf Minuten Aktuelles Allerlei". Der deutung zu einer weiteren Benüßung sowohl der Armsche Sender Prag II bringt ab heute wieder täglich binden als auch der Schilder für die Autos auf. in einer Fünfminuten- Sendung„ Aftuelles Allerlei", Deutsche Hilfsklaffe, Prag II., v Jirchářých 13: und zwar von 17.00-17.05 hr. In diefer Sen Unterricht wieder normal; es mögen alle Kinder wie dung werden die kulturellen Ereignisse, die neuesten derum erscheinen. Erfindungen, die Erscheinungen am Sternenhimmel und sonstige Attualitäten auf allen Gebieten besprochen. Die Morgen- Gymnastik des deutschen Senders Frag 11 findet im Nahmen der täglichen Morgensendung zu geänderten Zeiten statt. Die erſte Uebung wird von 6.30 bis 6.40 Uhr gesendet und die zweite Uebung von 7.50 bis 8.00 Uhr. Mitteilungen der Urania Mafary. Bolkshochschule. Sprachfurſe: Seuie Tschechisch für Anfänger halb 7 1hr. Freitag Eng lisch für Fortgeschrittene halb 7 Uhr. Urania- Kino österreichischen Armec bis zum Jahre 1916, wo er Dürfen wir in diesem Zusammenhange auch in ruffie Gefangenschaft en im folgenden von den deutschen ſozialiſtiſchen Arbeitern reden? technische Einheiten fommandierte und dann Stabs- Sagen, was sie zu ertragen haben? Es ist verchef der II. Schüßendivision wurde. Später wurde ständlich, daß die Tschechen in dieser Zeit, ganz mit er in den Generalitab der sibirischen Armee berufen. dem eigenen Leid ringend, diesen Deutschen nur Nach seiner Rüdfehr in die Tschechoslowakei fom enig Aufmerksamkeit schenken. Und doch sollten den daß ihre sapren 1924 bis 1926 abfolvierte er die Stricas- pensgefährten find: Biele hiefer Deutſchen haben hochschule in Paris, morauf er Stabschef des Lan- ihre Heimat verloren. Und da sie-ig, auch deskommandos in Breßburg wurde. Später befielim tichechoslowatischen Staat auch ihren fehligte er die Brigade in Miftet und in Biſet, wor- Staat sahen und ſehen, trifft alles Unglück, das auf er im Rang eines Divisionsgenerals zum ersten den Staat und das tschechische Volf trifft, auch Das Wetter. Die Störung, welche Dienstag Vertreter des Generalstabschef berufen wurde. fie Und dazu gefellt sich noch oft genug das vom Besten her in Begleitung, von Regenfällen über das Gebiet der Republif vorgedrungen war, iit nun schmerzliche Nichtverstandenwerden, das niederbrüdende Gefühl, nun im eigenen Lande von den genden hat sich das Wetter dabei gebessert und die Sprache! 6, viertel 9 Uhr. mehr nach Bessarabien abgezogen. In unseren GeLester Tag: Lester Alarm" in deutscher tschechischen Schicksalsgenossen als Fremde ange= Nachmittagstemperaturen friegen Mittwoch meist auf fehen zu werden... 16 bis 18 Grad an. Mit den vorherrschenden WestFreitag: Deutsche Premiere: Goldfieber", winden rüden jedoch vom Ozean weitere Drud mit Clark Gable, Loretta Young, Jad Dafie! Span förungen gegen das Feitland vor, so daß wahrschein- nend, humorvoll! lich der im ganzen unbeständige Witterungscharafter bestehen bleiben wird. Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Wechselnde, vom Besten her er Regen, mäßig warm, Südwests bis Westwind. neut verstärkte Bewölfung und strichweise etwas Wetteraussichten für Freitag: Allgemeiner Bits terungscharakter bei weſtlichem Winde noch unbe- 13.500/ VII/ 1930 bewilligt.( Rontrollpoftamt Braha 25). JUDr. Ladislav Feierabend( Landwirtschaftsminister) Oberdirektor ber Stooperativa". wurde am 14. Juni 1891 in Sostelec n. Orl. in Böhmen geboren. Er ftudierte am Gymnasium in Söniggräs. Jus in Prag Vielleicht lernt man auf tschechischer Seite doch und promovierie im Jahre 1915. Er absolvierte diese Deutschen, die bis zum letzten Augenblicke an hierauf Aurie an der Universität in Orford und der Grenze mit Einsaß ihres Lebens dem Staate in Neufchatel. Im Jahre 1917 wurde er Sefretär gedient haben, als Verbundene im Leid schäßen, der Zentralvereinigung der Wirtschaftsgenossenschaf als Menschen, denen das gleiche Unglück aufachirs ten in Brag und 1925 Direttor der Stooperativa, det wurde, die nicht minder schwer zu tragen haben Einfaufsvereinigung der Wirtschaftsgenossenschaften. Er ist Boriißender und Mitglied des Verwaltungs- als die Tichechen! Und die mit den Tschechen allen tates sahlreicher Birtichaftsorganisationen, insbeion- Widrigkeiten zum Troß an den Wiederaufstieg dere Vizevorfizender des Export- Instituts, Mitglied glauben und besten Willens sind zur Mitarbeit. 28 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Sich doch, wie es regnet!" hub May an. ..Und so wird es vielleicht Tage und Tage regnen. Wir können ohne Feuer nicht auskommen. Tun Sie's für Ihre Töchter, für Paulchen!" ,, Wir wollen Tee kochen," sagte Miz Maud. Innocente hatte sich der Feuersteinart bemächtigt und auf ihrem Daumen erprobte sie die Schärfe der geschliffenen Schneide. Da begann der Daumen zu bluten. ,, Das schneidet! das schneidet sehr gut..." rief sie den anderen zu.„ Wir sollten ähnliche Steine suchen und sie so zurechtschleifen. Ach ja!" sagte der Sirt mit strahlendem Gesicht. Ich habe schon oft daran gedacht, daß unsere Messer schartig werden... In der Nacht dente ich daran und ih sage mir: wenn wir nichts mehr zur Arbeit haben werden als unsere Hände, dann ist's aus mit uns... Aber Steine wie die da, hab ich schon oft gesehen." ,, Wird dieses Blatt da genügen?" fragte Herr von Miramar, ohne sich weiter zu wehren. ,, Das werden wir gleich sehen," sagte Hu Im Frühling," sagte Max ,,, wenn der bert erbarmungslos. ,, Weinst du nicht, Vater, Schnee weggeschmolzen sein wird, da werden wir daß es überflüssig geworden ist, zu erklären, wie auf die Suche nach harten Steinen gehen, viel Zivilisationen untergehen?" leicht finden wir Serpentinsteine oder Bergkristall." Und er nahm einen Bogen und knüllte ihn zusammen, er griff nach einem zweiten, einem dritten. Und, in sein Schicksal ergeben, leistete Herr von Miramar keinen Widerstand mehr. 3gnaz trat dazwischen. ,, Das genügt", erklärte er. Sicherlich erriet er dunkel den Kummer des Gelehrten, wenn er ihn auch nicht verstand. Und Im Frühling... Er machte Pläne... * fändig. Als Eva zum erstenmal diesen Kittel aus Biegenfell probierte, seufte sie tief auf. Ich habe es kommen sehen..., sprach sie vor sich hin. Wie die Wilden..." Und sie warf einen trostlosen Blick auf ihr lezzies nunmehr zerfetztes Kleid, das Kleid der Dame, die sie nicht mehr war. ,, Aber menigstens ist einem warm darin!" rief Yvonne. ,, Wir werden den Schnitt nach und nach vervollkommnen, versprach Frau Andelot. Und für Ihr Hochzeitskleid bekommen Sie noch einen Naninchenfragen! Das Hochzeitskleid..., ihre Hochzeit. Eva antwortete nicht. Sonderbar klang dieses Wort hier, an diesem öden Ort, wo es nichts gab, was Kirche und Standesamt erseßen konnte. Die Vision ihres weißen Crèpe de Chine- Kleides, des Spißenschleiers, der Atlasschuhe schwebte mit bitterer Jronie vor ihren Augen. Ach ja! Der Hochzeitszug... die Liste der Geladenen. und die Gegenwart ihrer armen geistesabwesenden Mutter... aus oder bei Bezug durch die Voit monatlich Kč 17.eaua bebinguna en: Bei Zustellung ins Ke 204.-- Inferate werben laut Tarif bigialt berechnet. bierteljährig Kč 51.-, baisjährig Kč 102 Rüdstellung von Manuftripten erfolgt mur bet Einsen. bung der Retourmarfen. Die Beitungsfranfatur murbe von der Post und Telegrabbendireftion mit Erlok Nr. Druderet ,, Orbis", Drud, Verlags u. Beitungs- A. G., Vraa | instand gesetzt..., die Möbel... Im Geiste sah sie die schwarzgoldenen Bezüge, die japanis schen Wandschirme, die Ruhebetten, die sie gewählt hatten, urd die schöne Wäsche, das Porzellan.. und ihr helles und doch geheimnisvolles Zimmer mit seinem geblumten Kreton. Sie seufte. Ach! Die Lieblosung frischen Leinens, die fließenden Gewänder, die Freude, sich für der Geliebten zu schrüden, und zu wissen, daß alle Dinge ringsum die Schönheit des Tages erhöhen, wie harmonisch zueinander abgestimmte Töne." Mar sprach immer weiter von seiner Hütte Frau Andelot würde sie mit einer Fellmatraße ausstatten. Und einen Herd würde es geben aus flach- n Steinen, mit einer Deffnung darüber und während der alten Nächte würde man ein Feuz, anzünden können. Eva hörte ihm zu, ein wenig verlegen, ges. rührt von seiner Sorgfalt um sie. Sie empfand etwas wie Reue. Sie fonnte sich nicht soweit be.. herrschen, um ihre Tränen zu verbergen. Sie. verglich das nadte Glück, das er ihr bot, mit dem eleganten lururiösen Leben, das sich ihr gerade hatte erschließen sollen und sie klagte die furchts. bare Katastrophe, die die Welt vernichtet hatte an, daß sie auch ihr Glück zerstört habe. Es kam der Tag, an dem May das Dach auf. Indessen war es Mar und Ignaz geglückt Eva wandte sich ab. Und da es zu dunkeln mit Kastanienrinde die Schaf- und Ziegenfälle begann, ging sie, wie jeden Abend, troß dem Regeschmeidig zu machen. Nach einigen Versuchen gen, Mag entgegen. Sobald Ignaz sie erblickte, war es ihnen gelungen, aus gedrehten Tierdär- trat er tattvoll beiseite. May warf seine Holzlast Herr von Miramar war außer sich vor Staunen, men dünne, widerstandsfähige Schnüre herzu ab, umarmte sie und füßte sie auf den Mund. jezte: Junge Baumstämme, die Ignaz behauen ſtellen. Frau sich aus Werk. Mit Sie überließ sich seinen sie war einem Taschenmesser stach sie die Felle durch und sich dessen wohl bewußt, daß zu jener Zeit, da Mar indem sie sich der Schnüre wie eines Zwirnfadens im Hauſe ihres Vaters um sie warb. sie die bebediente, verband sie sie fest miteinander. rauschende Lust derartiger Küsse niemals erfahren hatte. Seine Liebe verlieh ihr die Kraft, die harten Tage, die schwere Arbeit, alle Entbehrun gen zu ertragen. Wenn sie so in der sinkenden Dämmerung zum Lager zurückkehrten, berichtete er ihr von der Hütte, die ihm Ignaz etwas abseits von den anderen Hütten bauen half und die ihnen ganz allein gehören sollte. War sie einmal fertig, worauf sollten sie dann noch warten? Schafhirt, der faum lesen konnte, seinen Schmerz berſtand. Ein Funken sprang auf. Das Papier fing Feuer. Die Tannenzweiglein knisterten. Und das Bald richtete sie eine wirkliche Werkstatt ein. Feuer sandte seinen hellen, wärmenden Schein in Die Gouvernannte, die jungen Mädchen, die Walden düsteren, von Nebel und Regen getrübten liserinnen arbeiteten unter ihrem Kommando Tag. Ein Freudenschrei begrüßte die Flamme. Man stellte Deden und Säcke her, die man mit Lachen ericholl. Alle Sände streckten sich ihr ent- Schafwolle füllte. Nachdem Frau Andelot auf gegen. Sie erfuhren an sich wieder die seit Jahr diese Weise Matratzen verfertigt hatte, wurde sie tausenden entschwundene Freude der durchfrores noch lühner. Sie schneiderte ein Gewand zurecht, nen, lauernden. Leiber um ein helles Feuer. Und das über den Kopf zu ziehen und in der Mitte Subert fragte sich, warum ihr schmerzgepeinigtes mit einer Schnur festzubinden war. Es gelang ihr Fleisch denn um jeben Preis meiterleben wollte.. jogar auch Aermel anzusetzen. Das ist wahr, sagte sie. Jm Herbst wollten wir ja heiraten.... die Wohnung war schon Platten. An diesem Tage ging er nicht nach Portes- Neuves; er arbeitete in der Sütte bis zum Abend. Da es noch hell war, rief er Ev1, um ihr das vollendete Werk zu zeigen. Er ließ sie vor allem die Türe bewundern, die einen von innen zu schließenden Flügel besaß. Es war ein Brett mit Nägeln, das Ignaz aus den Fluten gefischt hatte. Die Nägel hatten sie blant ge scheuert, gehämmert und in Scharniere ver wandelt. In der Mitte der Fläche hatte Mar die Anfangsbuchstaben ihrer Namen eingeferbt. ( Fortsetzung folgt.),