Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Samstag, 8. Oktober 1938 ,, Mit gebundenen Händen und Füßen Deutschland hingeworfen" ,, L'Ordre" über die Tschechoslowakei Nr. 237 Paul Faure in der Minderheit 2,811.000 Deutsche und 725.904 Tschechen Um die Flüchtlinge Paris. Das Präsidium der sozialistischen Partei hat befchloffen, für den 5. und 6. November den sogenannten kleinen Parteitengreß und für die Weihnachtsfeiertage den ordentlichen Parteikongres nach Paris einzuberufen, der zu den inner- und außten wird. Im Laufe der donnerstägigen Sitzung des engeren Präsidiums brachte der Generalsekretär der Partei, Paul Faure, neuerdings seine Demission ein, als er sich bei der Abstimmung über die Haltung der Sozialisten gegenüber ben lehten außenpolitischen Ereignissen in der Minder= heit fah. Auf Drängen seiner Freunde nahm Feure schließlich von der Demission Abstand. Außenminister Georges Bonnet teilte mit, daß das Außenministerium demnächst ein Gelbbuch herausgeben wird, das alle diplo= matischen Alten betreffend die letzte Entwicklung des tfche ch of Io wakifchen Problems enthalten wird. Roosevelt über die Flüchtlingsfrage Washington.( Havas.) Aus amtlicher Quelle wird mitgeteilt, daß Präsident Roosevelt ein Telegramun an Chamberlain gerichtet habe, welches Vorschläge für die Lösung der FlüchtlingsFrage enthält, die nunmehr in der Tschechoslowafei aftuell ist. Hitler durch Blumen verletzt Berlin, 7. Oftober.( DNB.) Das Deutsche Nachrichtenbüro verweist darauf, daß erneut ein Verbot ergangen ist, Blumen und andere Gegenstände in den Wagen Hitlers oder feiner Begleitung zu werfen. Reichskanzler Hitler wurbe Heute von einem in den Wagen geworfenen Blumenstrauß im Gesicht verlegt. Hitler in Schlesien zum Dritten Reich... Nach einer Meldung der„ Prager Presse" aus Berlin beträgt die Fläche, die bis zum 10. Oktober von deutschen Truppen besetzt sein wird, in Böhmen und Mähren 28.291 Quadratkilometer und zählt 3,638.082 Einwohner, von denen 2,811.060 Deutsche und 725.904 Tschechen sind. Es handelt sich also um ein Gebiet vom mehr als halben Flächenausmaß Böhmens. Die Slowaken bei Syrový Rasche Lösung des ganzen Fragenkomplexes Prag, 7. Oftober. Der Vorsitzende der Re- Staates schnell zu arbeiten. Wenn wir in dieser gierung Armeegeneral Jan Syrový empfing heute Aufbauarbeit zu einem Erfolg gelangen sollen, vormittags furz nach 10 Uhr eine Delegation der müssen wir uns auf gegenseitiges Vertrauen ilowatischen Parteien, die gestern die Vereinba füßen. Der Vorsitzende der Regierung verficherte rung von Sillein abgeschlossen haben. Die Dele- dann der Delegation, er werde bestrebt sein, daß gation führte der Minister für die Verwaltung der alle Fragen zwischen den Tschechen und Slowaken Slowakei Dr. Josef Tiso beim Vorsitzenden der im Rahmen der technischen Möglichkeiten möglichst Regierung ein. Sie bestand für lintas fuwas schnell und definitiv geregelt werden. Die Regietische Volkspartei aus dem Generalsekretär Abg. rung erwartet bei diesem ihren besten Willen von Dr. Martin Sotol, Dr. H. Durčanský und der anderen Seite Verſtändnis für die schweren Prof. Matuš Černák, für die Republikanische Verhältnisse der heutigen Zeit, geduldige lleber Partei aus den Abgeordneten Paul Teplanlegung und Ruhe, die allein imstande sind, das th, Johann Ursini, Karl Rybári!, Jo- Gedeihen des großen Werfes des Staatsumbaues hann Vančo, Johann Petrovič und Johann zu ermöglichen. Lichner; die slowatische Nationalpartei war inh Ein Strom von Flüchtlingen ergoß sich in den letzten Tagen in das Innere des Landes: Tschechen, deutsche Sozialdemokraten und viele andere, die nicht im Dritten Reich leben wollen, verließen ihre bisherigen Wohnstätten, hoffend, daß sie nun im tschechischen Gebiet die Sicherhaben werden, eine neue Eristenz zu gründen. heit des Lebens verbürgt und die Möglichkeit Viele der Flüchtlinge, die ihre Wohnstätten aus Angst vor dem Kriege verließen, begaben sich wieder an ihre Wohnorte. Andere aber werden noch kommen. Es werden Abertausende sein, für die nun gesorgt werden muß. Ihr Schicksal ist gleich schrecklich und ihre Zukunft gleich ungewiß, ob es sich um Deutsche oder Tschechen handelt. Viele brachten nichts anderes mit, als was sie im Augenblicke der Flucht auf dem Leibe trugen, ihr Hab und Gut blieb draußen und über finanzielle Mittel verfügen sie nicht. Ihnen zu helfen, sie vor dem ergsten zu schützen, ist das Gebot der Stunde. Es ist eine schwere Aufgabe, die dem Staat da gestellt ist, dem Staate, der soviel verloren hat. Das begreift die Welt und überall regt sich die Hilfsbereitschaft. In England werden große Sammlungen veranstaltet, die schon nam hafte Beträge ergaben. Beim tschechoslowaki. schen Gesandten in London laufen ununterbro. chen Spenden ein, und Jan Masaryk hat in einer Dantesfundgebung ausdrücklich darauf burch Dr. Johann Bay I in both vertreten. Die slowakische Regierung aufmerksam gemacht, daß sich die Silfe nicht Minister Josef Tiso teilte dem Vorsitzenden Die Regierung der Tschechoslowakischen Re- allein auf die geflüchteten Tschechen beziehen der Regierung mit, daß die Slowakische Boltspartei, die Republikanische, die Slowakische Natio- publit hat( an Stelle des Präsidenten der Re- kann, sondern ebenso die deutschen Sozialdemo. nalpartei, die Gewerbe-, Nationalsozialiſtiſche public) geſtern vier Slowaken zu Miniſtern er- fraten und die Juden erfassen wird. In Schwe und Faschistische Partei sich geſtern über Vor- nannt, welche zusammen mit den bereits vor den ist eine starke Volksbewegung im Gange schläge zur definitiven Lösung der Stellung der gestern ernannten Dr. Tiso die Regierung der Slowakei im Rahmen der Tschechoslowakischen Slowakei bilden werden und gleichzeitig mit mit dem Ziele, dem Flüchtlingselend in der Republif geeinigt hätten, deren Grundlage der glieder der Prager Gesamtregierung sind. Es Tschechoslowakei zu steuern und auch in Franf. Neustadt( Oberschlesien), 7. Oktober.( DNB.) Verfassungsentwurf über die Autonomie der Slo- sind dies Matus Černá f. Professor an der reich wurden Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Meichsfanzler Hitler ist heute vormittags mit seiner watei bildet, welcher von der Slowakischen Volfs Staatsrealschule in Bratislava, welcher schon der Begleitung hier eingetroffen und hat nach kurzem partei dem Parlamente vorgelegt wurde. Mini- ersten Regierung Syrový angehörte und Mit Aufenthalt seine Fahrt zur ehemaligen Grenze fortiter Dr. Tiso ersuchte im Namen der an dem Sil- glied der Slinka- Partei ist, die beiden der Agrargefekt. Der Grenzübertritt Sitlers erfolgte in der partei angehörenden Abgeordneten Pavel Tevlanský und Jan Lichner und der Advokat Dr. Ferdinand Durčanský aus Bratislava, gleichfalls Mitglied der Slowakischen Wolfspartei. Von den fünf slowakischen Ministern gehören drei der Hlinfapartei an, zwei sind Agrarier. Nichtung Jägerndorf. Bei seiner Fahrt in das Sudetenland begab sich der Reichsfangler heute gleichzeitig mit den Truppen in die Bone IV, die erst seit gestern von der deut schen Wehrmacht besetzt wird. Es handelt sich bei diesem Abschnitt um das weitgedehnte Bergland, das im Westen von der Grafschaft Glazz und im Osten von dem Gebiet um Leobschütz und Ratibor um= fäumt wird. Die heutige Besichtigungsfahrt des Reichskanzlers galt dem östlichen Teil der Bone IV. Mit dem Reichskanzler nahm auch der Oberbefehls haber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, an der Fahrt teil. einer Abkommen Beteiligten, dieses Abkommen möge so bald als möglich ordnungsgemäß und voll verwirklicht werden. Weiter ersuchte er den Vorjizenden der Regierung, daß die Regierung der Republik beschleunigt die Ernennung weiterer vier slowakischer Minister vornehme und so bald eine dauernde Beruhigung der slowakischen öffentlichen Meinung herbeiführe. Tschechische Sozialdemokraten für slowakische Vereinbarungen Der Vorsitzende der Regierung Armeegene ral Syrový gab der Delegation namens der Regierung die Erklärung ab, daß er die Beschlüffe der Teilnehmer des Abkommens von Sillein zur Prag. 7. Oftober. Heute um 12.15 1hr Kenntnis nehme, und sprach seine auf- fand sich im Ministerratspräsidium beim Vorrichtige Freude darüber aus, daß die slowakische jizenden der Regierung Armeegeneral Syrový der Frage endgültig gelöst werden wird. Er gab der Cumann der tschechoslowakischen sozialdemokratiDas Freikorps als Hilfspolizel Delegation die Versicherung ab, daß die Regie- schen Arbeiterpartei Abg. A. Hampl ein, der Berlin, 7. Oftober. In das Sudetengebiet rung, wie er dies in ihrem Namen in den vergan- dem Vorsitzenden der Regierung mitteilte, daß die wurde bereits eine Polizeiabteilung aus dem Reich genen Tagen erklärt hatte, entschlossen sei, einen tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterdirigiert. Das" Sudetendeutsche Freikorp3" einheitlichen Staat auf der Grundlage der prat- vartei sich in vollem Maße dem Abkommen an surde dem Chef der deutschen Polizei Himmler tiſch vollkommenen Gleichheit der Tschechen, Slo- schließe, das am gestrigen Tage zwischen den flowakischen Parteien in Sillein vereinbart wurde, unterstellt. Die Mitglieder des Freikorps wur- waken und Karpathoruffen aufzubauen. den als Hilfspolizisten bereidigt. wie dies bereits gestern seine Freunde in der Slowalei erklärt haben. Plebiszit in Südwest- Afrika? Er erklärte, daß es notwendig sei, icht im Interesse der gesamten Bevölkerung unseres Nationalversammlung erst später Schwierigkeiten der Einberufung Es ist wahr, daß sich die Hoffnung aller unserer geflüchteten Menschen nun auf das Hilfswerk richtet, das der Staat mit Hilfe des Auslandes aufbauen wird. Sie freuen sich in ihrem tiefen Unglück auch über die kleinste tätige Befundung der Hilfsbereitschaft und Klammern sich mit jeder Faser ihres Herzens an die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Selber hel. fen können sie sich nicht; sie können nur hoffen, daß sie, die bisher alles Ungemad) gemeinsam mit ihren tschechischen Schicksalsgenossen ertrugen, in alle Hilfsaktionen so einbezogen werden, wie es die helfende Welt will und wie es zweifellos auch der Wille des tschechischen Vol. fes ist. Dabei sind sich die deutschen Flüchtlinge darüber klar, wieviel das tschechische Volk mit sich selber zu tun hat. Sie wissen, wie sduver das Ringen um die Arbeitsplätze sein wird, für die es auf dem verkleinerten Raum der Republik ein Ueberangebot geben wird, sie wissen auch, daß die sprachlichen Schwierigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, ihre Position noch verschlechtert. Immerhin sind sie davon überzeugt, daß getan werden wird, was getan werden kann, um auch ihnen im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten eine wenn auch bescheidene Existenz zu ver. schaffen. Viele der deutschen Flüchtlinge haben den heißen Wunsch, bei der Existenzfindung die Tschechoslowakische Republik zu entlasten und sich ins Ausland zu begeben. Die Möglich. feiten, die dafür vorhanden sind, dürfen nicht überschätzt werden. Das ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern hängt auch davon ab, ob es Länder gibt, die den Flüchtlingen ihre Grenzen öffnen. In dieſer Hinsicht hätten alle europäischen Länder eine große Verpflichtung, vor allem aber die beiden Westmächte, die für die Neuregelung der Landfarte verantwortlich sind. Es werden alle möglichen Versuche Windhuck. Die Organisation der südwestafrikanischen Vereinigten nationalen Parteien billigte einmütig eine Resolution, in der gefordert wird, daß das Mandat über die ehemaligen füdwestafrikanischen Kolonien aufgehoben und ein Plebiszit durchgeführt werde, durch das definitiv Prag, 7. Oftober. Mit Dekret des Präfi-[ diefen Gründen konnten bisher das Abgeordnetenund unwiderruflich entschieden werden soll, ob denten der Republik vom 15. September d. 3. haus und der Senat zur Herbsttagung nicht einSüdwest- Afrika der Südafrikanischen Union angeschlossen oder Deutschland wurde die Frühjahrssession des Abgeordneten berufen werden und konnten somit keine Blenarhauses und des Senates mit dem 16. September fitzungen stattfinden. Es trifft für dieselben der zurückgegeben werden soll. geschlossen. Gemäß der Verfassungsurkunde bezeit der Ständige Ausschuß der NationalverfammDer Freiwilligen- Rücktransport ruft der Präsident der Republik das Abgcord lung die unaufschiehbaren Maßnahmen. aus dem republikanischen Spanien netenhaus und den Senat zur Herbsttagung im Da der Präsident der Republik am 5. St. Genf.( Reuter.) Die neutrale Kommission, Laufe des Monats Oktober ein. Die infolge der toker fein Amt niedergelegt hat, ist die Ausübung welche den Rücktransport der Freiwilligen aus dem republikanischen Spanien zu überwachen Befehung des Grenzgebietes durch die reichs diefes Amtes auf die Regierung der Republik haben wird, wurde nun gebildet. An ihrer deutschen und polnischen Truppen eingetretenen übergegangen. Es ist mit Sache der Regierung, Spike steht ein finnischer General, dem je ein außerordentlichen Verhältniſſe machen für diese zu beſchließen, wenn es nach Bestimmung der unternommen, um das Flüchtlingsproblem auch britischer und französischer Oberst sowie zwölf Beit die unstrittige Feststellung unmöglich, wer neuen Grenzen möglich fein wird, die Rational- nach dieser für die Tschechoslowakei sicherlich Offiziere anderer Nationalitäten zur Seite von den für die gegenwärtig besetzten Gebiete versammlung sowohl zur Wahl des Präsidenten willkommensten Richtung zu lösen, und es darf stehen. Der Ausschuß wird wahrscheinlich schon in der nächsten Woche mit den spanisch- republika- gewählten Mitglieder der Nationalversammlung der Republik, als auch zur Herbfttagung einzu- wohl erwartet werden, daß das Land diese aufhört, Abgeordneter oder Senator zu sein. Aus berufen. zweckmäßigste Lösung nach Kräften unterstützt. nischen Behörden in Berbindung treten. Seite 2 Wir wollen bei den Flüchtlingen keine übertriebenen Hoffnungen wecken, ihnen aber sagen, daß die Auswanderungsfrage zur Dis. Fussion steht. Wir wollen es auch nach der Samstag, 8. Oktober 1938 London, Rom und Spanien Mr. 237 über den deutschen Delegierten einzunehmen. Man fühlt, daß sich avischen der Tschechoslowakei und dent Reich die Beziehungen festigen. Rom, 7. Oftober.( Havas.) Das Spanien-| mit dem republikanischen Spanien verstärkt werde. tschechischen Seite sagen und um Verständnis Problem bildet sich zum vornehmlichſten aktuellen Weiters würde Italien wünschen, daß die Hilfe für diese Lösung werben. Es werden sicherlich Plan Italiens aus. Die gegenwärtigen Verleistung für die nationalistischen Truppen feinen nicht allzu viele sein, die auf diese Weise eine Handlungen zwischen Rom und Abbruch erleide. Es scheint, daß der Meinungs- ben, heilen. neue Eristenz finden werden, aber beim Zu. London befassen sich im wesentlichen nur mit austausch zwischen Rom und London noch einige ſammenwirken aller vorhandenen Kräfte wird dieser Frage. Es scheint, daß London die ita- Zeit andauern wird, ehe man zu einem konkreten mandjes zu erreichen sein. lienische Regierung gern bewegen würde, unver Ergebnis gelangen wird. Das war wenigstens züglich den wesentlichen Teil der italienischen gestern abends die Ansicht gut informierter römiFreiwilligen aus Spanien abzuberufen, d. i. rund fcher Stellen. 16.000 Mann. Ferner würde London gern von Der italienische Rassismus den Italienern die Garantie einer weiteren EvaFranco gegen Waffenstillstånd fuierung der italienischen Legionäre erhalten. Burgos.( Havas.) Der Sprecher der na Am Donnerstag war der Große Rat des London erinnert an die Bereitwilligkeit Negrins, tionalen Regierung von Burgos erflärte: Nun, da Faschismus in Rom versammelt, um Beſchlüſſe die Freiwilligen aus der republikanischen Armee man von einer Zusammenkunft zwischen Mussoüber die Rassefrage zu fassen. Der Antisemitis- abzuberufen und bietet als Gegenwert die sofor- lini, Chamberlain und Daladier spricht, bei der mus erscheint dem Faschismus seit einigen Mos tige Ratifizierung der Römer- Abkommen und die das spanische Problem gelöst werden soll, hält es naten plötzlich als äußerst wichtig. Was mit der Anerkennung des italienischen Imperiums an. Festigung der Achse eng zusammenhängt. Begründet hat der Große Rat den Antisemitismus damit, daß das Weltjudentum antifaschistisch jei. Und er faßte nun die dem neuen Antisemitismus entsprechenden Beschlüsse. werden. ,, Mit gebundenen Händen und Füßen Deutschland hingeworfen" Le Journal" erklärt: Die Tschechoslowakei und Deutschland, die lange voneinander getrennt waren, werden nun zum größten Vorteil beider Staaten zusammenarbeiten fönnen. Die Wirtschaft wird die offenen Wunden, die von der Politik geschlagen tour. London, 7. Oktober. Der Prager Sonderbericht erstatter der Time 3" berichtet, daß die öffentliche Meinung über das Ausmaß der fünften Zone ver stört sei, die nach ihrer Ansicht selbst über das Gos desberger Memorantum hinausgehe. Die Zähigkeit und die stoische Ruhe des tschechoslowakischen Volkes habe sich aber nie flarer gezeigt wie innerhalb der 24 Stunden nach dem ungeheuren Drud von außen. Times" melden aus Berlin, es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Aktion zugunsten der Abtrennung der Slowakei von der Republik, die von Wien fonen ist und iebt aufhören wird. Die Frage betrieben wird, das Wert unverantwortlicher Vers der Zukunft der Slowakei, wird in Berliner offiziel len Streifen erklärt, interessiere Deutschland nicht. Die internationale Stommission, meint das Blatt jea doch, ist befaßt mit der ungarischen Haltung. News Chronicle" meldet: Man erwartet, bak die neue Tschechoslowakei in den deutschen Plänen der politischen und wirtschaftlichen Reorganisation des Donau- Raumes eine erhebliche Rolle spielen wird. Prag, 7. Oftober. Der Sachanzeiger des Ministeriums für Nationalverteidigung vom 5. Of tober 1988 bringt folgenden Armee befehl des Oberbefehlshabers der Wehrmacht, Armees generals Jan Shrový: Soldaten! Ueber unser Volk sind Tage tiefer Trauer hereingebrochen. Wir verlieren Teile unferes Staates. Die Regierung beschloß, Iohal bie Münchner Vereinbarungen zu erfüllen, um wenigs stens den Rest des Gebietes retten und darin bie Bedingungen eines neuen Lebens schaffen zu Können. die nationale spanische Regierung für notwendig, Italienischerseits wird sicherlich die cheste ihren Standpunkt zu betonen. Es scheint, daß Lösung des gesamten Problems gewünscht. man im Auslande an eine Regelung der spanerdings besteht natürlich ein Intereſſe dafür, nischen Angelegenheiten oder an eine Vermittlung daß Franco siege und es scheint, daß in Ita denkt. Die nationale Regierung könnte nicht ihre Tien gegen jede kompromi Bustimmung dazu geben, daß ausländische Mächte Einwandern dürfen Juden nach Italien Lösung Widerstand besteht. Anderer- versuchen, Spanien einen Waffenstillstand aufzu fünftighin überhaupt nicht mehr. Aber Juden, seits fordert Rom seinerseits Garantien, insbes nötigen. Diese Mächte tönnen im Gegenteil nur die über 65 Jahre alt sind und solche, die vor ſondere will es die Verſicherung erhalten, daß auf den ganzen Konflikt auf Spanien ſelbſt beschränEin Armeebefehl dem 1. Oktober 1938 eine italienische Mischehe die Abberufung eines wesentlichen Teiles der ita fen, und zwar dadurch, daß sie die ganze Halbeingegangen sind, werden nicht ausgewiesen lienischen Freiwilligen in Bälde die Abberufung insel absperren und eine rasche Entscheidung durch von Freiwilligen aus dem anderen Lager erfolgen die Waffen ermöglichen. Die nationalspanische Juden, die Familien Gefallener, Familien wird. Ferner wünscht man, daß Franco das Recht Regierung hat eine ausschließlich militärische ReKriegsfreiwilliger, Familien von Frontfämpfern einer friegsführenden Partei zugesprochen werde gelung im Sinne und beabsichtigt nicht, irgend und solchen Familien angehören, die im Kampf und daß die Kontrolle der Sees und Landgrenzen eine andere Lösung zuzulassen. für den Faschismus mit dem Kriegskreuz auss gezeichnet wurden, sollen nicht unterschiedlich bes handelt werden. Für alle anderen Juden gilt, daß sie keine Betriebe besitzen oder leiten dürfen, die mehr als hundert Personen beschäftigen, daß sie nicht mehr als 50 Hektar Land besigen dürfen, daß sie nicht militärisch dienen dürfen. Be sondere Bestimmungen sezen fest, wer, falls er aus einer Mischehe stammt, als Jude gilt. Die Freiheit des Glaubensbekenntnisses wird Paris. Die Pariser Presse veröffentlicht zu Juden zugesichert. meist nach de: Meldungen der Pressebureaus BeDen Juden sollen Volts- und Mittelschulen richte über die Abgrenzung der fünften Besetzungsbewilligt werden. Weiters schließt der Große one, wie sie die internationale Kommission beRat des Faschismus die Möglichkeit nicht aus, stimmt hat. Unter den Blättern, die ihre Empöin einigen äthiopischen Gebieten eine kontrollierte rung äußern, ist in erster Linie das große unabEinwanderung europäischer Juden zuzulassen. hängige Blatt Petit Parisien". Auch das unabhängige Blatt der Mitte Alle diese die Juden betreffenden Dispositionen diplomatischer Redakteur Lucien Bourgues schreibt, fönnen aufgehoben oder eingeschränkt werden, je daß das Opfer der Tschechen alle Grenzen über-' Ordre" beurteilt die Verhandlungsmethoden nach dem, welchen Standpunkt das Judentum schreitet". Herr von Ribbentrop und die deut- der Berliner internationalen Konferenz streng, die, dem faschistischen Italien gegenüber einnimmt. schen Fachleute haben Forderungen vorgelegt, die wie das Blatt schreibt,„ die Tschechoslowakei mit weit über den Grundsaß der Selbstbestimmung gebundenen Händen und Füßen Deutschland hinZieds Hebung der italienischen Raffe wurde hinausgehen, auf den sich Reichskanzler Hitler angeordnet: A) das Verbot der Eheschließung beim Anschluß der Sudetendeutschen an das Deutz geworfen hat". Das sei weder schön noch mutig, von Italienern und Italienerinnen mit Ange- sche Reich berufen hat. Unter dem Vorwand na- meint das Blatt. Wie weit sind wir von dem hörigen der Hansen, ja tieg in and are tonaler Forderungen wirfte er auf die Stommiſ entfernt, was in München entschieden und behamitischen, semitischen und anderen nichtarischen Rassen; b) das für Zivil- und Mission dahin ein, daß diese ein Programm annahm, stimmt wurde. Auch L'Aube" protestiert das litärpersonen, die im Dienste des Staates und das offensichtlich auf die vollständige öffentlicher Körperschaften stehen, geltende Ver- tvirtschaftliche und industrielle negen, daß Deutschland sich nicht mit der natiobot der Eheschließung mit Ausländerinnen jeder Des organisation der Tiche chonalen Grenze zufrieden gibt, sondern möglichst Rasse; c) die Ehe von Italienern und Italienes i Iowate i hinausläuft. Die Prager Regie viel günstige Wirtschaftspositionen erhalten will. rinnen mit Ausländerinnen und Ausländern, rung war unter dem Druck der Umstände neuerselbst arischer Rasse, bedarf der vorherigen Bus lich gezwungen, anzunehmen." Petit Parisien", stimmung des Innenministeriums; d) die Maß der auch die Handlungsweise Polens verurteilt, Berliner Storrespondent: Unferer Meinung nach ist Baris, 7. Oftober. Im Figaro" schreibt der fahr nahmen gegen Personen, die das Ansehen der verweist darauf, daß England ſeine Sympathien es für die Bulunft am wichtigsten, daß diesmal die Rasse in den Gebieten des Imperiums schädigen, zur Tschechoslowakei durch augenblickliche Gewäh- Vertreter der Prager Regierung zeigen, daß sie gemüssen verschärft werden. rung einer Anleihe von zehn Millionen Pfund willt sind, feinen ablehnenden Standpunkt gegenDas Mädchen mit den grünen Augen Von Peter Ferdinand Carus Unter all den Frauen, denen ich in meinem Leben begegnet bin, hat keine auf mich einen so großen Eindruck gemacht wie dieses Mädchen mit den grünen Vugen. Und dabei kenne ich weder ihren Namen, noch habe ich auch nur ein Wort mit ihr gewechselt, und alles in allem habe ich sie höchstens eine Viertelstunde lang gesehen. Und doch werde ich sie nie vergessen. " sich eine spürbare Benommenheit über den Raum. Sterling zur wirtschaftlichen Erneuerung des Staates geäußert habe und erklärt: Frants re ich, das ein Verbündeter der Tschechoslowakei war und sein Freund bleibt, sollte entschieden nicht weniger tun und es wäre moralisch anständig, wenn es mehr tun würde. Leffet daher alle Rekriminationen, Debatten, Meinungen und Anträge, mögen sie vielleicht gut gemeint sein, und konzentrieret Euer Streben und Euren guten Willen auf die Unterstützung der ienigen, die zum Neuaufbau des Staates berufen find; das Gebot der Stunde erheischt, daß wir mit allen Kräften die Sicherheit der neuen Grenzen, Ruhe und Ordnung im Innern des Landes sichern, Vergessen wir nicht, daß Unruhen und Wirren, die eintreten könnten, zu einem Eingreifen benüst werden könnten, das noch grausamer wäre und das wir nur durch unſere innere Zerſekung er« möglichen würden. Es bleibt nichts übrig, als sich mit dent Schicksal zu verföhnen und seine Pflicht zu tun. Unser Leitspruch sei Disziplin und Ordnung, Es fordert dies das Vaterland, das in Ges ist. Prag, den 6. Oftober 1988. Der Oberbefehlshaber der Wehrmachtt Armeegeneral Jan Syrový m. p. Das Wetter hatte sich unter Mittag aufgeklärt, eignet sich öfters, man macht nicht viel Aufs aber die Lawinengefahr war nach dem nächt- hebens davon. lichen Schneesturm um diese Jahreszeit groß. Der Mann zeigte nicht viel Lust, etwas zu unter- Auf dem Flur, auf dem mein Zimmer lag. nehmen, aber das Mädchen hatte ihn, wie über- lag auch das Zimmer des Paares. Ich hörte einstimmend berichtet wurde, auffällig dringend das wilde Weinen des Mädchens aus dem Zims bedrängt und bestürmt. Sie hatten endlich mer dringen. Ich blieb einen Augenblick stehen. beschlossen, zur Gletschermoräne vorzugehen Vor ihrer Tür hing ihr Lodenmantel. Von uns eine Tour von kaum einer Stunde, überdies ohne Bewußter Neugier getrieben, trat ich näher. Und jede Gefahr, da ein durch Stahltrossen gesicher- plötzlich sah ich aus der Manteltasche den ter Weg zum Gletscherabfall führte. Bipfel eines Briefes herausragen. Ich blidte Sie waren gegen 12 Uhr aufgebrochen und lichen Entschluß nahm ich den Brief an mich um mich; der Flur war leer. Mit einem plöts sein müssen. Aber erst gegen 7 Uhr abends war die Tür. hätten lange vor Einbruch der Dunkelheit zurüd ging in mein Zimmer und verschloß sorgfältig die Frau allein zurüdgefehrt, in einem Zustand, Nur sie selbst schien von dem Eindruck, den fie machte, nicht das mindeſte zu bemerken. Sie bewegte sich frei und ungezwungen, und nach dem das Paar an einem Tisch dicht neben mir Platz genommen hatte, sprach sie lebhaft und heiter auf ihren Begleiter ein, der nur einsilbige Antworten gab. Sie suchte ihn sichtlich zu zer streuen, aufzuheitern, sie war übermütig und fofett, während er in einer dumpfen Beklemmung verharrte. Es schien etwas auf ihm zu lasten, was sie nicht im mindesten beschwerte. Das Dienstmädchen brachte ihnen das Ich lam durch Nebel und Schneegestöber, Frühstück. Auf dem Tablett lag ein Brief totmüde nach dem ſtundenweiten Marsch, einem gleichen Augenblick, in dem sie den Brief der sich nicht beschreiben läßt. Ihre Kleidung es war der Brief von heute früh. Er war von Der Brief war vor zwei Tagen aufgegeben; Gipfelbesteigung und Gletscherwanderung hin- sah, veränderte sich ihr Ausdruck. Diese Ber war zerrissen, ihr Gesicht verschrammt. Sie be- Männerhand, die Schrift war groß, start, voll ter mir, zum Gasthof auf der Paßhöhe. änderung dauerte nur einen Moment, aber sie richtete, daß sie alsbald den Weg verloren hatten, Schwung. Es war ein ungestümer, leidens Es war im Spätherbst, und es waren nicht war so sehr auffallend, daß ich unwillkürlich zu dann einander aus dem Gesicht, daß sie allein schaftlicher Liebesbrief. Der Mann habe endlich viel Gäste im Gasthof. Ein paar verwegene sammenzudte. Ihr Gesicht erstarrte. Die Pustundenlang herumgeirrt, und endlich, mehr aufgespürt, wo sie sei. Er werde kommen. Sos Bergsteiger, die wie ich das Gebirge lieben, wenn pillen verengten sich. Aus dem Grün ihrer durch Zufall, die Paßstraße wiedergefunden fort, schon morgen würde er da sein. Er wiſſe es am einsamsten und rauhesten ist. Ein paar Augen schoß ein Strahl. Mit dieſem Blick, der hätte. Jekt liege fie oben, von der Wirtin be- sie sei nicht allein. Darum schreibe er ihr, bevor Führer, sonst saß niemand im Gastzimmer. wie ein Blitz war, bemächtigte sie sich des Bries Um so auffälliger war das Baar, das die fes. Und noch ehe das Dienstmädchen an den treut, in haltlosen Weinträmpfen, und es wäre Stube betrat, taum daß ich mich beim dampfen Tisch herangetreten war, sprang sie auf, rief dem nichts mehr aus ihr herauszubringen. den Tee etwas aufgetaut hatte. Der Mann Mann, der gerade zum Fenster herausblidte, zu, Ich beschloß sogleich, mich der Suchkolonne war städtisch gekleidet, eine dunkle, große, sie habe im Bimmer etwas vergeffen, lief durch anzuschließen. Der Himmel hatte sich aufgehelli, hagere Erscheinung, mit einem schönen, schmalen die Stube, riß den Brief an sich, verschwand. die Nacht war sterntlar. Wir hatten nicht sehr Kopf und eingefallenen Augen. In einem Das Ganze hatte keine Viertelminute gedauert; lange zu suchen. Wir fanden den Mann einige Literaten- Café wäre er mir nicht weiter auf es mochte, außer mir, niemandem aufgefallen hundert Meter weit vom Beginne des Gletschergefallen; hier, in diesem Berggasthof, war er sein. veges, ganz univeit der Troffen, an einer Stelle, durchaus fehl am Plaze. Er schien es auch an der die Steigung nicht steil war, der Weg selbst zu spüren, seine Bewegungen waren geganz gefahrlos. hemmt, sein Auftreten lintisch, sein Gruß unbeholfen. Das Mädchen aber an seiner Seite, das Mädchen hatte... grüne Augen. Ich kann mich an nichts weiter erinnern, weiß nicht, wie sic Am Abend des gleichen Tages- ich hatte Als sie nach wenigen Minuten zurückfam, war sie ganz ruhig, nichts war von der Veränderung mehr zu sehen, und sie erwähnte, während sie frühſtüdten, den Brief mit teiner Silbe. er fomme. Er gäbe ihr vierundzwanzig Stunden Beit, den anderen Mann fortzuschicken. Steine Minute länger. Morgen müsse sie allein sein. Morgen müsse sie frei sein. ivar. Ich starrte gebannt auf den Brief. Und plößlich stand vor mir ihr Blid, der Blid, mit dem sie sich des Briefes bemächtigt hatte. Und plößlich wußte ich: es war der böse Blick der Entschlossenheit, der giftgrüne Blid einer Baus berin. Und plößlich wußte ich, was geschehen Genid. Es wäre unmöglich gewesen, daß ein ich mein Wissen zugeben? Sollte ich einen Vers Wir fanden den Mann mit gebrochenem Jah zauderte. Was sollte ich tun? Sollte Mann, der nur die geringste Erfahrung im dacht aussprechen, der doch nicht zu beweisen ges Bergsteigen hätte, an dieser Stelle gestürzt svesen wäre? Und wieder stand vor mir das sonst aussah, ob sie schön war oder nicht, groß mich gleich nach dem Frühstück hingelegt und wäre. Aber bei dieſem nicht für die Berge aus Auge dieses Mädchens: abgrundtief grün, ges gerüsteten, nicht an das Vergsteigen gewohnten oder klein. Ich sehe nichts weiter vor mir als wie ein Toter den Tag durchgeschlafen- wedte Menschen war es kein Wunder. Jedenfalls war heimnisvoll und strahlend... weit aufgerissen, von einem unwahrscheinlichen Stimme, ob ich aufstehen könnte, es wäre ein läffiges Selbstverschulden vorlag. Die Berge tete, bis er verbrannte. Ich sammelte die Aſche Ich hatte den Brief beim Licht einer Kerze to die Meinung der Führer, daß hier fahr- gelesen. Ich hielt ihn über die stene, gdy mate Unglück geschehen. Ich warf mich in die Kleider. über den Schnee. Es ist schver anzunehmen, daß die Berg- Draußen fand ich die Bergsteiger und die Führer ließen nicht mit sich spaßen, und wer nicht in die und blies sie durchs Fenster, lammelte die off steiger und die Führer gleich mir die Seltenheit erregt und in hastigen Vorbereitungen zum die Meinung. Berge gehört, soll gefälligst fortbleiben. Das war Bei Tagesanbruch verließ ich den Gasthof. ihrer Erscheinung spürten, aber jedenfalls sentten Aufbruch. sich, kaum daß sie den Raum betreten hatte, dic Stimmen zu einem Flüstern, augenblicklich legte diese seltsamen Augen, grün wie ein Smaragd, mich lautes Pochen. Auf meine Frage rief eine Strahlen. Ich sah das Mädchen mit den grünen Augen nie Ich erfuhr, daß die fremden Gäste, iroß Das war auch meine Meinung, während wieder, und nie sah ich den Mann, der kommen Warnungen eine Tour unternommen hatten. wir den Toten zum Gasthof trugen. Derlei er- sollte. M Se im fü: CE all Ar ga fe be fot er tve fn fia 西 fic Ба I Ifc.«87 SamStag, 8. Oktober 1038 Seite 8 Die Okkupation Nordmährens AmtsUbergabe Im Czemln*Palals Prag, 7. Oktober. Heute vor Mittag Übergab ker zurücktreiende Außenminister Dr. Kamil Krofta im Tzernin-PalaiS sein Amt dem neuen Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. granti-ek, ghvalkovskh. Die Uebergabe erfolgte in Anwesenbelt aller Sektion»- und Abteilungschess mit einer kurzen Ansprache, in der Dr. Krofta dem Wunsche Ausdruck gab, daß die Schwierigkeiten erfolgreich überwunden' werden mögen, die die ernste Zeit dem Staate und der Nation aufgebürdet haben. Minister Dr. Thval- lovity antwortete mit einer kurzen Ansprache, wobei er dem zurücktretenden Minister dankte und die anwesende Beamtenschaft zur intensiven Mitarbeit aufforderte. Bon dem zurücktretenden Minister veabschiedete sich dann namens der Beamtenschaft der Präsidialchef Dr.' Rejholec. Dr. Krofta dankt« der Beamtenschaft für die ergebene Mtarbeit und verabschiedete sich von jedem einzelnen mit einem Händedruck. Labour-Beobachter nach Präs London.(Reuter.) Der britische Ratio» volarbeiter-Rat, der die Trabe Union- und die Arbeiterpartei vertritt, hielt gestern eine Sitzung ob, in der der Beschluß gefaßt wurde, bei der britischen Regierung sofort und energisch einzuschreiten und von der Regierung Hilfe für die wehrlosen Opfer dr-Münchener Abkommens zu fordern. Der nationale Arbriterrat beriet über die Lage, dir durch die Par- lamentSdebatte über die Tschechoslowakei entstanden ist und beschloß, Beobachter nach Prag zu entsenden, die die persönliche Fühlungnahme an Ort und Stelle aufnehmen sollen. Prag, 7. Oktober. Roch der gestrigen Räumung der ersten Etappe der nördlichen Zone Mähren-Schlesien- bl- auf die Linie Lindewiese— Freiwalda»—Olier-dorf zogen sich die tschecho- slowakischen Einheiten heute bi- um 8 Uhr früh auf eine weitere Demarkationslinie zurück, die tvon Westen nach Osten) bestimmt wird durch die Orte: Rieder-Lipka, Rieder, und Ober-Heidisch, Tschödrich, Rille-, Böhm.-Märzdorf, Reitendorf, Meikcr-dorf, Brandseifen, Rosendorf, die Straßenkreuzung in Rieder-Moftrau, Nieder.Wild grub. Schlesisch-Kohendorf, Mesiendorf, Woken> darf, Lichten, Pochmühl und Lobenstein. Unter- und Ober-Heidisch, Tschödrich, Böhm.. Märzdorf, Brandseifen, Rosendorf, Schlesisch- Kotzendorf und Mesiendorf bleiben außerhalb der okkupierten Zone. Die deutschen Einheiten haben heute um 8 Uhr früh die Linie, die sie gestern abend- im Norden erreicht hatten, überschritten. Im Raum« der zweiten, heute geräumten Etappe liegen folgende Städte bzw. Gemeinden: Altstadt, Goldeiistcin, HannSdorf, Adelödorf, Tho- ma-dors, Würbrnthal, EngelSberg, Freudenthal, Reu-Erber-dorf und Jägerndorf. Unterbrechung In Berlin Berlin, 7. Oktober. In der Plenarsitzung der internationalen Kommission wurde der Antrag de- militärischen Unterausschusses, durch den die Besetzung de- tschechoslowakischen Gebiete- am 8., v. und 10. Oktober bis zu den von der tschechoslowakischen Regierung angenommenen Okkupationslinien geregelt wird, angenommen. Die nächste Sitzung der internationalen Kommission wird nicht vor Montag stattfinden. Die Zwischenzeit soll zu direkten Fühlungnahmen der tschechoslowakischen Delegierten mit den zuständigen deutschen Stellen zweck- praktischer Lösung einer Reihe aus dem neuen Stande der Dinge sich ergebender Fragen benützt werden. -> Auslandlournallsten In Schlesien Mähr..Ostrau, 7. Oktober. Heute traf» im Flugzeug au- Prag kommend,«ine Gruppe von sieben Au-land-journalisten in Mähr.-Ostrau ein, die gekommen sind, uin die Berhältniffe im Grenzgebiet sowie in der von den Deutschen und Polen okkupierten Zone zu studieren. E- handelt sich um die Journalisten Knox(New- Chronicle, London), Frau Packard(United Preß, New Nork), Porter(Associated Preß, London), De« naher(Petit Parisien, Paris), Munol(Ber« lingske Tidcndc, Kopenhagen), Fran Mary Hawra(Washington Post) und Frau Bettie Wason(Tran-radia, New Jork). Nach dem Mittagessen besichtigten die Aus« land-journalisten die Witkowitzer Eisenwerke. Dann reisten sie nach Mtstek weiter, too sie sich über da- Problem der Flüchtlinge aus dem Te- scheuer Gebiet informieren liehen. Außerdem werden die Journalisten die Gebiete von Teschen und Troppau besuchen. Sie gaben ihrer Bewun- I derung über die Ruhe und Ordnung in diesem Gebiete Ausdruck. I London. Reuter.)' Da- Hauptquartier britischen Legion leite mit, daß Kontingent der Legionäre» welches für die »arte Kampfe In Fernost Hankau. Die langst des SüduferS des Jangtse vorrückenden japanischen Truppen unternehmen einen verzivelfelten Ansturm auf die Stadt Jang- sing. die al- Schlüsselstellung der 2. chinesischen Verteidigungslinie vor Hankau angesehen wird. Chinesischen Meldungen zufolge wurden die Angriffe zurückgeschlagen, doch sei es einer japanischen Abteilung gelungen, die Ortschaft Huatang unweit von Beischitjcheng zu erobern, wohin die Chinesen beschleunigt Verstärkungen Wersen. Aber da- wirkliche Haupt de- Krieges gegen England ist nach wie * Todesurteile In Palästina Jerusalem, 7. Oktober. DaS Militärgericht in Haifa hat heute wieder zwei Araber zum Tode und drei Araber zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die arabischen Eiscnbahnangestellten in Haifa sind deshalb heute in den Streik getreten. Der ZugSverkchr wird nur noch von Engländern und Juden ausrechtcrhalten. Die Bahnstation Lydda mit ihrer englischen Militärwache wurde heute wieder von arabischen Aktivisten angegriffen. Dabei wurden zwei Engländer durch Messerstiche verletzt. Auch die Oel-Linie ist heute wieder beschädigt und da- herauslaufende Oel in Brand gesteckt Ivorden. Auch die Telephonlinie Lydda— Jaffa wurde heute neuerlich zerstört. ber bas Tschcchoslowakri bestimmt ist, nicht, wie erwartet, deute abreisen wird, sondern wahrscheinlich erst Montag. Sympathie-Kundgebung der englischen Arbeiterjugend An die deutsche sozialdemokratische Jugend kam aus Portsmouth folgende-(von George Easton) gezeichnetes Schreiben: Die Jugend der Britischen Labour-Party unterstützt aus ganzem Herzen die Nachricht, welche Ihnen durch unser National Advisory Committee am 28. September übermittelt wurde. Wir versichern Sie, daß die Jugend Britanniens, die durch die sozialsstische Jugendbewegung repräsentiert wird, tiefe Bewunderung für die mutige Haltung de- tschechoslowakischen Bolles gegen die Nazi-Angriffe hegt. In den letzten Wochen kamen viele Leute zur Ueberzeugung, dah nur eine entschiedene Haltung der demokratischen Nationen Hitlers Kriegspläne durchkreuzen könne. Wir drücken unser Bedauern über dieAktionNeville Chamberlains aus, der die tschechische Demokratie durch den Vier-Mächte-Pakt verriet und versichern, dah wir selbst unermüdlich daran arbeiten werden— besonders unter der Jugend— eine Wiederkehr jener britischen Regierung zu erreichen, welche Frankreich, die Sowjet-Union und unser eigenes Land für den Kampf um die Freiheit vereinigen wird! Der Sozialismus— die Hoffnung der Welt! „Heiliger Krieg" in Palästina Der Hohe Kommissar IBBt frische Truppen kommen Ein intessanter rumänischer Vorschlag „Die„Pr. Pr." zitiert einen bemerkenswerten Vorschlag GafencuS im Bukarester„Timpul". Er stellt fest, dah die Rettung der ProduktionS- und Verkehrsmittel des neuen tschechoslowakischen Staates eine der wesentlichsten Fragen ist, die sich heute stellen. Bon der Lösung dieser Fragen hängt die friedliche und fruchtbare Entwicklung eines Volkes ab, welche-, wie das tschechoslowakische, soviel Beweise feiner Fähigkeit zur Arbeit, zur Organisation, zum Schaffen gegeben hat. Die wirtschaftlichen Verbindungen, welche der neue Staat mit seinen Nachbarn herstellen wird, werden sein Leben sicherlich weitgehend erleichtern und seine Möglichkeiten steigern. „Einen besonders bedeutungsvollen Beitrag, um so bedeutender, al- er au- tiefster Freundschaft entspringt, können", sagt Gafencu weiter, „wir, Rumänen dem neuen Tschechoslowakischen Staat leisten» indem wir an der Koordinierung seiner industriellen und wirtschaftlichen Ordnung durch-die ergänzenden Möglichkeiten unserer Wirtschaft teilnehmen und indem wir seine Verkehrswege durch die Gewährung einer Freihasen» zone in Braila oder in Galatz vervollkommnen. Wir sind überzeugt, daß eine derartige Zusammenarbeit, welche im Interesse des gesamten DonauieckenS liegt, in Westeuropa jede Unterstütz»»- finde» würde, daß sie aber andererseits niemanden besorgt machen kann mit Rücksicht auf die Ordnung-Mission, die wir in friedlicher Entschlossenheit an der Donaumündung erfüllt habe» und immer erfüllen werden. Nm aber diese Unterstützung leisten zu können, muß der einzige VerlehrSweg, welcher die Slowakei mit Rumänien über ruthenischeS Gebiet verbindet, in tschechoslowakischem Besitz bleiben, wie Heiligen _ vor Haj Emin el Hussein!, der ehemalige Großmufti von Jerusalem, der sich nach dem französischen Libanon geflüchtet hat. Er tut nicht-, um innerhalb deS französische» Territoriums die Beziehungen zwischen Arabern und Europäern zu stören, aber er hält mit Hilfe unsichtbarer Fäden die Verbindung zum Hauptquartier der arabischen Re« bellenarinee aufrecht und bleibt ihr geistiges Haupt. Nicht nur von hier aus aber wird der Kampf gegen England geschürt. Sehr bedenklich lauten auch die Nachrichten, die au- Aegypten eintreffen, wo die proarabische Agitation von Tag zu Tag wächst. Der Führer dieser Agitation ist der frühere Premierminister NahaS Pascha, Mitbegründer der Wasdistenpartei und seit jeher England feindlich eingestellt. Im Irak agitiert der Scheik El Maraghi für die Schaffung eines arabischen Nationalstaates, und in Bagdad ist es zu Unruhen gekommen. Diesen Gegnern Englands stehen freilich nach wie vor zwei mächtige Freunde gegenüber. DaS ist einmal Emir Abdullah, König von Transjordanien, und der junge, aber äußerst energische König Faruk von Aegypten. Die große Frage bleibt, ob Aegypten in der Lage ist, irgendwann einmal in Palästina zu intervenieren. Aegypten besitzt 10.000 Mann britischer Trtyrpen, einige Bombengeschlvader und ein ausgezeichnete» Polizeikorps mit allem modernen technischen Zubehör. DaS Oberkommando über diese Truppen und Polizcikräfte hat auch der Hohe Kommissär von Palästina. Bisher hat er noch nicht geglaubt, Truppen au- Aegypten zu Hilfe rufen zu müssen. Vielleicht genügen die 4000 Mann, die jetzt von England aus nach Palästina eingeschifft werden. Auf jeden Fall bereitet man sich auf«inen langen Kampf vor, einen Kampf, der noch sehr große Ueberraschungen mit sich bringen kann. MTP London. Trotz der gewaltigen mitteleuropäischen Krise haben die Londoner Blatter doch Plcch für eine fettgedruckte Nachricht gehabt, die besagt, daß beschlossen worden ist, unverzüglich 4000 Mann englischer Truppen nach Palästina zu schicken, da die Lage sich dort weiter verschärft habe. Die Welt hat sich daran gewöhnt— und zum Teil ist daran die Presseberichtcrstattung schuld— ihr Interesse jeweils auf«inen einzigen Punkt zu konzentrieren und zu glauben, daß nach Beseitigung dieses einen kritischen Punktes der Bau der ganzen Welt wieder in Ordnung gekommen sei. Nun, daS Palästina-Problem mag, trotz deS Hinweises von Hitler in seiner letzten Nürnberger Rede, nicht unmittelbar mit dem sudetendeutschen Problem in Zusammenhang stehen, indirekt aber beeinflußte eS zweifellos die Haltung deS britischen Kabinette» zu der allgemeinen Frage über Krieg und Frieden. In der Tat wächst sich da- Palästina-Problem zu einer ganz großen Gefahr für das British Empire aus. Das weiß man, seitdem Anfang August der britische Kolonialministcr Malcolm MacDonald unvermutet nach Palästina flog, sich dort mit dem Hohen Kommissar Sir Harold McMichael unterhielt, nach London zurückflog, dem Kabinett Bericht erstattete— und die britische Oeffentlichkeit kein Wort darüber erfuhr, was der Kolonialminister festgestellt und daS Kabinett beschlossen hatte. Wenn man in London schweigt, dann ist immer eine kritische Situation vorhanden, in der Tat: daS, was Sir Harold McMichael dem Kolonialminister mitteilte, war ernst genug, und die seitdem verflossenen Wochen haben zur Genüge bewiesen, daß daS Bild, das der Hohe Kommissar entwarf, nicht zu schwarz gefärbt war. WaS er dem Minister mitteilte, war die Tatsache, daß die Wirren in Palästina im Laufe der letzten Monate einen ganz anderen Charakter angenommen hatten alö ursprünglich, nämlich aus dem Kampf zwischen Arabern und Juden ist der Heilige Krieg der Araber gegen die Engländer geworden. Man braucht nur die Tatsache» aufzuzäh» len, sie sprechen für sich. Der Kampf geht um die Besreiung der arabischen Welt von der abendländischen Oberherrschaft; die Juden gelten nur al» ein Anhängsel der britischen Tyrannei. Palästina besitzt weder eine jüdische noch eine arabische Regierung, sondern einerseits den Obersten Moslem-Rat, andererseits die„Jewish Agency". lieber beiden steht der Hohe Kommissar und der Exekutiv-Rat. Vor einigen Wochen aber haben die Araber in Nordpalästina«ine provisorische Nationalregierung errichtet. Hinter diesem Namen verbirgt sich frellich noch nicht viel mehr al» ein stets wechselnder geheimer ZusammenkunftS» ort einiger Rebellenführer, aber ein„Generalhauptquartier der arabischen Armee Syriens" gibt bereit» Kundgebungen heraus, die in Form von Flugzetteln in ganz Palästina verteilt werden. In diesen Kundgebungen wird nur England angegriffen. Allah und daS Land verlangten alle Feinde zu vertreiben und eine eigene Regierung zu errichten.„Helft uns mit, den arabischen Nationalstaat zu gründen", so schließen im allgemeinen die Kundgebungen. Besonders rafsiniert ist einer der Führer dieser Banden, die im Namen eines künftigen Nationalstaat» kämpfen, der Araberführer Abu Dura, der seine Leute angewiesen hat, sich ebenso zu kleiden wie die sogenannten loyalen Arader, so mnoei, IN i]cqeuju|iuiuuu|iw:iii-vr,>p uiciucn, ioic daß nach außen hin ein Unterschied nicht zu Meres übrigens auch da» Abkommen von München len ist. Auf diese Weise gelangen die Rebellen Vicht anders vor hat."’ ungehindert in die Dörfer und Städte, Auf der Suche nach Trost Gibt e» wirklichen Trost im Leid? Wenn man allerschwerste» Leid ertragen muß? Wenn man einen sehr geliebten Menschen verloren hat? Tröstende Worte, auch die herzlichsten, können nur wenig helfen. Den schmerzlichsten Verlust muß man jedoch allein tragen, man muß ganz für sich allein den Kampf gegen die Gefahr, dem Leid zu erliegen, durchkämpfen. Aber um diesen Kampf bestehen zu können, bedarf es inneren Halte», den am ehesten eine klare, festbegründele Weltanschauung zu geben vermag. Wir haben Liebste-, Teuerste« verloren: unsere Heimat, und Schreckliche- erlebt: die Demokratie, für die wir bi- zur letzten Stunde käntpstcn. ist geschlagen worden, und die sudetendeutsche Arbeiterbewegung ist zertreten. Nur noch in der bescheidenen deutschen Minderheit, die im verstümmelten tschechoslowakischen Staate verbleibt, gibt cS letzte versprengte Teile der Partei. Der Kampf um den Sozialismus, der Kampf um eine sinnvollere Ordnung der Gesellschaft, ist in Mitteleuropa— nicht nur bei iin»I— vorläufig abgebrochen. Die Partei aber, nicht di« Organisation, aber der geistige Inhalt der Partei, war auch Inhalt unseres Leben». DaS Leben selbst, da» physische Leben, wird schließlich weitergefristet tverde» können, WaS aber, außer der Pflicht, für die Erhaltung de» LcbenS unserer Familien zu sorgen, so lange wir können,— waS gibt diesem Leben noch Licht? Die Heimat verloren, den Kampf verloren— wo finden wir Trost in solchem Unglück? Ist alle» für immer verloren? Blicken wir nach dem tschechischen Volle und denken wir an die Geschichte deS tschechischen Volkes I E» war drei Jahrhunderte lang unfrei. ES hat seine Freiheit wieder errungen, weil im Volk nie die Erinnerung an die große Vergangenheit erlosch, weil nie die Sehnsucht nach der Freiheit erstarb. Und versuchen Ivlr unS an der Tapferkeit, an der Seelengrößc, mit der da» tschechische Volk trotz der Größe seiner Trauer sich bereit macht für den Neuaufbau seines mißhandelten Staates.— versuchen wir an dieser wahrhaft unvergleichlichen Tapferkeit unü aufzurichten. Aber die sozialistische Bewegung! Ist der deutsche Sozialismus für immer tot? Wir habe» vor fünf Jahren dev fünfzigsten Todestage» von Karl Marx gedacht, und damals versucht, uns die Zeit zu vergegenwärtigen, in der ec starb. Als Marx seine Augen geschlossen hatte, da schien e», nun müsse man«inen Toten zu seiner toten Lehre in» Grab betten. Die Internationale Arbeiter-Assoziation, die Marx begründet hatte, bestand nicht mehr. Die deutsche Arbeiterbewegung schien den Schlägen de» Sozialistengesetzes erlegen zu sein. I» Frankreich war der Sozialismus nach der Niederlage der Pariser Kommune in seinem Blute erstickt. Die englischen Arbeiter hatten sich nach dem Zusammenbruche der Chartistenbewegung von aller Politik abgewandt. Eü gab keine sozialistische Bewegung mehr. Aber sieben Jahre später, 1880, trat in Paris eine Konferenz von Sozialisten vieler Nationen zusammen und gründete die neue Internationale— eö war jene Konferenz, die den ersten Mai zum Arbeiterfeiertag machtet Der totgesagte, der totgeglaubte Soziali»« »ms erhob sich wieder! Nun scheint er manchen— und nicht nur Gegnern, sondern auch Bekennern— wieder einmal völlig besiegt, niedergeworfen für immer— der Sozialismus in Mitteleuropa. Vielleicht ist er niedergeworfen für lange Zeit. Vielleicht! Die Geschichte, die jetzt so unglaublich schnell arbeitet, muß nicht nur gegen un«, sie kann auch Ivieder für un» rasch wirken. Aber nicht für immer niedergeworfen ist die Arbeiterbewegung, nicht fiir immer besiegt der Sozialismus! Weil die Arbeiter noch da sind, selbst in vorläufiger Ohnmacht immer noch die größte gesellschaftliche Klasse! Und weil die Idee weiterlebt. Und an die Idee glauben wir und in diesem Glauben kann uns nichts erschüttern, im Glauben an den schließlichen Sieg der Idee der Menschlichkeit. Und darin finden wir Trost! Wir können vergehen, ohne wieder da» Licht zu sehen. Wir— aber die Idee lebt weiter, denn: Sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Verunglückt» Offiziere Brünn.(Eigenbericht.) In der Prager Straße in Brünn stießen zwei Personenauto» miteinander zusammen. In dem einen Auto saßen drei Offiziere, die schwer verletzt wurden. E» handelt sich um den Oberleutnant Jaroflav H l i h, 718. in Gratzen, Böhmerwald empfiehlt ihre erstklass. Erzeugnisse Beachten Sie die Schutzmarke & Wohnung gesucht für 13jährigen Gymnasiasten aus Warnsdorf gegen Mietbeitrag. Angebote an die Verwaltung des Blattes. Augenblick den Duft einer Rose geatmet. Ach! das alles... das alles soll man nun sein Leben lang entbehren! gang der Zivilisationen, der hier wie ein Hohn Ein Datum... wie ein Keil drang dieses Datum| gegnung kein Schmerz erivächst: man hat einen prangte, hatte er mit Bleistift geschrieben: Am in sein schmerzendes Fleisch. 8. November nahm Max Dainville Eva von Miramar zur Ehefrau.". Darunter stand seine Unterschrift: François von Miramar, Professor an der Sorbonne, Mitglied des Institut". Frau von Miramar setzte gehorsam ihren Namen darunter, ohne zu wissen, was fic tat. Dann reichte der Vater den Bleistift dem jungen Paare, dann unterschrieben auch Hubert und Frau Andelot. Herr von Miramar stand aufrecht dabei, er tar tief bewegt und wollte einige Worte sprechen: ,, Ich gebe euch meinen Segen... Und nun erkläre ich euch als vermählt... Ach Gott," brach er ab:„, 3hr habt ja nicht einmal Eheringe..." Herr von Miramar zog den Arm seiner Frau In Gedanken versunken verfolgte Hubert die fester in den seinen und nahm seinen Spaziergang Szene. Da der Tag sehr heiß war, hatte das längs des Pfades wieder auf. May folgte ihm Brautpaar seine früheren Kleider angelegt. Sie nachdenklich. Auf der Schwelle der Hütte, die er sahen sehr herabgekommen aus mit ihren zermit seiner Frau und seinen Töchtern bewohnte, schliffenen, immer wieder nestopften und geflicten wandte Herr von Miramar sich nach Mar um. Lumpen. Aus ihren zerrissenen Schuhen lugten ,, Ich habe von einer Hochzeit sprechen hören, ihre Zehen vor. Von Strümpfen war schon längst die Elysée Reclus in seinem Hause, ohne Priester keine Rede mehr. und ohne Standesamt feierte. Ich behalte mir vor, Ihnen meinen Segen im engsten Kreise zu er teilen. Er verwendete, ohne sich dessen bewußt zu fein, die Redewendungen aus früheren Beiten. ,, Morgen... ist es Ihnen recht?" fragte der junge Mann. " Der 8. Oftober... der 8. Oftober... Nur givei Monate; jein ganzes Leben lag vor ihm. Er versuchte nicht mehr zu denken. Ein Schrei entrang sich ihm: ,, Das Notwendige zu entbehren, das ist gar unentbehrlich ist nur, was überflüffig ist!" nichts Zusammengebrochen liegt Hubert auf seinem Felsenlager. Im Angesicht der Kuppen, die ihn mit ihrer strahlenden Einsamkeit zur Verzweiflung bringen, wünscht er frei und allein zu sein, um sterben zu dürfen. habe genau einen Menschen erkannt, dort, auf dem ,, Ein Mensch!" schrie Janaz außer sich. Ich Croir de Culet. ,, Wo?" fragte Hubert, dem es in die Höhe gerissen hatte. Leidenschaftlich sehnte er sich nach einer ZiEin Geräusch von rollendem Gestein ließ ihn garette. Ach! ein wenig von diesem Rauch, der aufschrecken. Er hörte einen raschen Schritt. Da die Dinge weniger eintönig gestaltet eine Bei erhob er tung ein Glas mit irgendeiner Flüssigkeit auf ia, wahrhas fuhr mit der Band übers Gejicht es war naß. Er hatte noch einem Kaffeehaustisch... vorausgesetzt, daß die Beit, seinen Zügen einen gleichgültigen Ausdrud ses Kaffeehaus in einer von Menschen belebten zu geben, bevor der Schafhirt zu ihm trat. Straße lag. Er schließt die Augen. Er sieht den Menschenstrom aus beiden Richtungen auf dem Boulevard und das rasche Dahingleiten langer Autoreihen mitten durch die Menge; Dämmerung, schillernde Lichter, einander kreuzende Scheinwerfer, huschende Schatten, Stimmen, Rufen.. Ach, all dies Lärmende, Rollende, Auf- und Abwogende... ein Auto fährt vor, man steigt ein... und man hat Teil am Weltgetriebe. Das Leben... das Leben in der Zivilisation... Für So gingen fie fort, Seite an Seite, an den eine Stunde dieses Lebens, wie gern gäbe er alles Hütten vorbei und stiegen zum Paß hinauf. Und dahin, was ihm noch an Lebensdauer zugedacht ist. ihre beiden eng aneinander geschmiegten Körper Sine Stunde dieses Lebens, von dem er behauptet warfen nur einen einzigen Schatten. Hubert hatte, seiner bis zum Efel überdrüssig zu sein. folgte ihnen mit den Blicken. Ihre vereinte, durch Welche Lästerung! Unerbittlich bedrängen die Bildie Entfernung verkleinerte Silhouette schien der ihn weiter: ein Nachtlokal, blumengeschmückte plößlich riesenhaft zu wachsen, als wollte sie das öde Tal ausfüllen. Das ist ein Berg fenseits des Illieztales. Dort steht der Mann ganz allein auf einem HeiMan nennt ihn auch noch den Ahernefelsen.. nen Felsstück... Hubert wollte nun auch hinauf. Er wagte sich auf den nefährlichen, mit Geröll bedeckten Hang, trotzdem der Hirt ihn warnte: ,, Sie werden nichts sehen... Es ist ein Punkt zwischen den Felsen. Und in der Tat, er sah nichts. Er stand da Tische, Freunde, lockende Frauen; Helle Kleider auf dem geneigten Grat der Chaux d'Anthémos Ich habe noch niemals ein so nabes Das leuchten aus Belshüllen hervor; zarte Gerichte und fah angestrengt dorthin, wo einst das Tal von tum festießen gesehen..." seufzte der Gelehrte. Da wandte Hubert sich langsam von dem werden graziös auf dünnen, glatten Porzellan Illiez war, ein von einer winzigen Inseltette ums Allerdings dauert Ihre Brautzeit schon sehr Paare ab, das still hinaufwanderte ins Licht und ferviert. Richtig temperierter Burgunderwein ver- rahmte Fjord; wie schwimmende Inseln sahen die lange." in die Wärme, und begann den steilen Felshang wandelt die Kelche in dunkle Blumen mit Kristall- Inseln aus. Am nächsten Tage versammelte Herr von hinter den Hütten zu erklimmen. Er hoffte, diese stengeln. Und die angeregte Stimmung. Lächeln, Vergebens forschte sein Auge von einem zum Miramar in seiner Hütte seine Familie, Frau förperliche Anstrengung würde ihm von der sinn hinüber und herüber, ein Wörtchen fliegt durch anderen. Der durchdringende Blick des Hirten, der Andelot, die Gouvernante, Innocente, den alten losen Traurigkeit, die ihn plößlich überfallen den Raum und beim Dessert philosophiert man gewohnt war, die Bergflanken zu durchstöbern, Hans und Max brachte in Hirten mit. hatte, ablenten. Doch er mühte sich vergebens. blafiert. Mit Behagen genießt man diese tief- unterschied eine dunkle Form, die sich auf einem Der Gelehrte schlug die erste Seite feines Er ließ sich auf den harten Boden fallen, und sinnige Seiterkeit. Man liebt einen Abend lang dieser Regel bewegte. Manuftriptes auf. Unter dem Titel: Der Unters um sein Leid zu meistern, faßte er es ins Auge. und geht wieder; man weiß, daß aus einer Bech, daß a ( Fortsetzung folgt.) Inserate werden laut Beauasbedingungen: Bei Rustelluna insSaus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Ke 17. vierteljährig Kč 51.-, balbjährig Kč 102.-. ganzjährig Kč 204.Zarif billigst berechnet. Nüdstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten- Die Beitungsfrankatur wurde von der Post- u. Telearabbendirektion mit Erlak Nr. 13.800/ VII/ 1980 bewilligt( Kontrollpostamt Vraha 25. Druderei:..Orbis" Drud. Verlags- u. Reitunas- A.- G. zaa.