25 но er. " ד 1g e: Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 eller Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Sonntag, 9. Oktober 1938 Aus dem Inhalt: Neues ,, Parlament" in Italien Stufenweise Demobilisierung Ueber die Ueberläufer Die Meinung der tschechischer Presse Godesberg Nr. 238 Londoner Lordmayor kommt nach Prag und die fünfte Zone Hilfsfonds unter britischer Verwaltung Der ehemalige französische Gesandte in Prag, Couget, der Vorsitzende der Französisch schechoslowakischen Handelstammer in Paris, sandte dem Vorsitzenden des Verbandes der franzöſiſchen Preſſe und Direktor des" Journal des Débats", E. de Maleche, einen Brief, in welLondon, 8. Oktober.( Reuter.) Der Lordmayor von London hat be schloffen, am Montag um 8 Uhr 45 Minuten vormittags vom Flugplatz in Croydon nach Prag zu fliegen, wo er unter Leitung des englischen Gesandten Newton eine Organisation einrichten wird, die die Verteilung und Verwaltung der Mittel des Hilfsfonds des Lordmahors durchführen wird, um die bringendsten Bedürfnisse der Flüchtlinge, deren Zahl in die Hunderttauchem er auf die Situation aufmerksam macht, in sende geht, sicherzustellen. Dieser Fonds des Lordmayors von London be. trägt schon jetzt 20.000 Pfund Sterling. Dieser Betrag wurde in den ersten 24 Stunden erreicht und heute ist der Briefeinlauf so gewaltig, daß mit seiner Sichtung 27 Beamte beschäftigt sind. die Tausende von Flüchtlingen in der Tschechoflowakei geraten jind, die von ihrem Heim ver trieben wurden. Er erinnert daran, daß der Lordmajor von London bereits die Veranstaltung öffentlicher Sammlungen zugunsten dieser FlüchtParis und in der Provinz gleichfalls Aufrufe linge angeregt hat und fragt, ob die Presse in veröffentlichen würde, unter der Patronanz des reich Gammlungen ugunsten der unschuldigen Diese Nachricht ist geeignet, bei vielen bereitschaft und entbieten dem Lordmahar den Flüchtlingen aus dem sudetendeutschen Gebiet Gruf und den Dank der judetendeutschen einige Hoffnung zu weden. Die schon Flüchtlinge. sprechen einem Betrage von ungefähr drei Mil- Hilfsaktionen in Frankreich Borstandes des Pariser Munizivalrates in Frant lionen Kč und es ist damit zn rechnen, daß die- Paris.( Havas. Der Zentralausschuß fer Fonds noch gewaltig ansteigen wird. Zu des franzöfifchen Noten Kreuzes hat an Der Vorsitzende des Verbandes der Pariser diesem Fonds kommen noch die Sammlungen, die Deffentlichkeit den Appell gerichtet, zur Hilfedie von der Gewerkschaftsinternationale, in leistung für die in das Landesinnere evakuierten Presse hat diesen Brief der Tagespresse zur VerFrankreich, Schweden, Dänemark und anderen tschechoslowakischen Flüchtlinge Geldbeiträge zufügung gestellt. Der Brief wurde heute abends bereits von mehreren Abendblättern abgedruckt. Teiften. Opfer der brutalen Gewalt zu veranstalten. Der IGB tagt Abordnung nach Prag Ländern organisiert werden und die bei richtiger Verteilung und zwemäßiger Verwenbung nicht nur viel Not linders, sondern auch die Grundlage für neue Existenzen schaffen Lönnen. Es ist insbesondere zu wünschen, daß bie Frage der Auswanderung für fubetenbeutsche Flüchtlinge rasch und gut wird geläft werden können. Wir erwarten, daß bie britischen Komitees und die britische Regierung Paris, 8. Oktober. Das Präsidium des Internationalen Gewerk. auch diesem Problem ihre Anfmerksamkeit schaftsbundes, das unter dem Vorsitze W. Citrines in Paris eine Beratung widmen und die Auswanderung nicht nur abhielt, befaßte sich mit der internationalen politischen Lage, hauptsächlich finanziell, sondern auch durch die Beschaffung seit dem Münchener Abkommen. Es wurde beschlossen, unverzüglich eine von Aufiedlungsgebieten unterstützen werden. internationale Aktion zur Hilfeleistung für jene zu organisieren, die unter den Der Lordmayor von London vertritt die Folgen des Abkommens zu leiden haben. Weiters beschloß das Präsidium größte Stadt der Welt, die zudem eine sozia- auf Ersuchen der tch e choslowakischen Gewerkschafts, listische Berwaltung hat. Wir werten den Ent- kreise, binnen einigen Tagen eine Kommission nach Prag zu entfenden, schluß des Lezomayors und die Bereitschaft des die sich eingehend über den Gesamtstand der Angelegenheiten informieren englischen Gesandten in Prag, an der Errich- wird. Nach ihrer Rückkehr wird diese Delegation dem erweiterten Präfi tung und Verwaltung des Hilfsfonds mitzu- dium des Internationalen Gewerkschaftsbundes berichten, zu welchem wirken, als einen erfreulichen Beweis der Hilfs- Zwecke das erweiterte Präsidium eigens einberufen werden wird. Slowakische Regierung im Amt Uebergabe der Verwaltung Ressortverteilung Brag, 8. Oftober. In der am 7. Dktober Diesem ganzen Modus wurde von der Re1938 abgehaltenen Sitzung des Ministerrates gierung zugestimmt und der Vorsitzende der Rewurde das Uebereinkommen mit den slowakischen gierung ersuchte die beteiligten Regierungsmit Ministern angenommen, daß die Kompetenz in glieder, bei seiner Durchführung in aufrichtigem, flowakischen Angelegenheiten bis zur Zeit der de- gegenseitigem Vertrauen und Zusammenwirken zu finitiven verfassungsrechtlichen Regelung auf die fammenzuarbeiten. und deutscher Sprache forderte er von den Ange= hörigen dieser Minderheitsnationen Loyalität zum slowakischen Staat, versicherte aber gleich zeitig mit Nachdruck, daß die slowakische Regierung die Bürgerrechte der Deutschen und Ungarn wahren und schützen werde. Die karpathorussische Regierung horod, 8. Oktober. Kurz vor 20 Uhr beendeten heute im Regierungsgebäude von Uzhorob die Vertreter beider zentralen Nationalräte, ſlowakischen Miniſter übergeht und daft die Aus. Entsprechend dem Nebereinkommen der flo- des russischen und ukrainischen Nationalrates und übung der Kompetenz im Rahmen der Rechts- wakischen Mitglieder der Regierung über die am die parlamentarischen Vertreter Karpathorußlands ordnung und des Finanzgesetzes erfolgen wird. 7. Oktober 1938 vereinbarte Verteilung der ihre Beratungen, wobei sie eine Liste karpathoAusdrücklich wurde konstatiert, daß die in diesen Agenden wurde zwischen den einzelnen flowakischen russischer Minister nach slowakischem Muster ausGrenzen festgesetzte Kompetenz sich sowohl auf Miniſtern die Kompetenz folgendermaßen aufge- arbeiten. Die Beratungen, die vormittags von fachliche als auch Personal fragen bezieht. Die teilt: Entscheidungen der slowakischen Minister erfolgen nach ihrem Einvernehmen entweder individuell oder kollegial. Minister Dr. Tifo: Präsidium und Inneres. Minister Teplanfký: Landwirtschaft, Minister Černát: Schulwesen. In Personalangelegenheiten wurde beschlofMinister Dr. Durčanský: I u st i 3, Sv= sen, daß in Nefforts, wo ein ganzstaatlicher, foge= nannter Konkretualstatus besteht, entsprechend demi ale Fürsorge und Gesund heutigen fattischen Personalstand slowakische Sta- heit& wefen. tuffe mit eigener Systemisierung geschaffen werden, in deren Nahmen der slowakische Minister öffentliche Arbeiten, Handel freie personelle Disposition bei gleichzeitiger Be- und Finanzen. bachtnahme auf die Rechtsansprüche der Angestellten haben wird, wodurch allerdings das Recht auf eventuelle Versehung und Betrauung mit bestimmten Funktionen nicht berührt wird. Bei den Staatsbetrieben wird mit Ausnahme der Betriebe mit Monopol und Regalcharakter ( Tabakregie, Münzamt, Salzamt usw.) ein eigener flowalischer Verwaltungsausschuß gebildet werden. Die Modalitäten der a II m ählichen nebergabe werden immer im Einvernehmen des Ressortsministers mit den zuständigen flowafischen Miniſtern feſtgefekt werden. Falls es zu feinem Einvernehmen kommt, entscheidet die Negierung. Minister Lichner: Verkehr. Die slowakische Regierung an die Deutschen 10 bis 12 Uhr und nachmittags von 15 bis 20 Uhr andauerten, schlossen mit einem Abkommen, wodurch der Regierung folgende Kandidatenliste der karpathoruffischen Minister vorgelegt wird: Vorsitzender der Regierung und Inneres: Senator Dr. Bačinský, Minister für Schulwesen: Abg. Brody, Wirtschaftliche Angelegenheiten: Abg. Dr. Fencik, = Gefundheitswesen und so ziale Fürso: ge: Direktor Vološin, Verkehr: Abg. Revay, Just iz: Abg. Dr. Pješčat. Presburg. Im Rahmen einer großen Fest- Die Beratungen der Vertreter des russischen versammlung in Preßburg sprachen Samstag und ukrainischen Zentralrates und der parlamen abends die Mitglieder der slowakischen Regie: tarifchen Vertreter Karpathorußlands, die heute rung, die von der Menge begeistert begrüßt den ganzen Tag in Uzherod stattfanden, wurden wurden. gegen 20 Uhr beendet. Die farpathorussischen Der Vorsitzende der Regierung, Minister Wodurch unterscheidet sich nun, nach der Festsetzung der Staatsgebiete, die als fünfte Zone von den deutschen Truppen besetzt werden, die Vereinbarung von München vom Godesberger Memorandum? Im Grunde genommen nur das durch, daß die Räumung der abzutretenden Lans desteile nicht schon, wie Hitler in seiner Rede ges fordert hatte, am 1. Oktober vollendet ſein mußte, folgt. Das riag Herr Chamberlain als gewals sondern in einem Zeitraum von zehn Tagen ertigen Gewinn ansehen und Herrn Daladier mag es als großes Zugeständnis Hitlers erscheinenin der Tschechoslowalei wird man diesen Zeita unterschied nicht zu bejubeln vermögen. Der andere Unterschied: im Godesberger Abstimmungsgebiete festgesetzt und nun Memorandum hatte Hitler bestimmte Gebiete als bleibt das Picbiszit. Ist das ein Gewinn? Doch nur für London und Paris, wo man sich ein paar Wochen der Aufregung erspart. Die Liche= choslowakei aber verliert Gebiete, auf die im Falle eines Plebiszits gewisse Hoffnungen gesezt werden konnten. Das war eine der Begründungen, mit denen der Tschechoslowakei die Annahme des Dittats von München erträglicher gemacht werden sollte: daß man behauptete, wenn die Tschechoslowakei diese von den Großmächten vereinbarten Bedingungen annehme, werde die Durchführung der Beschlüsse nicht so hart sein, würden gewisse Erleichterungen möglich sein. Wobei man auf tschechoslowakischer Seite natürlich vor allem daran dachte, es würde bei den neuen Grenzfejtjesungen Rücksicht genommen werden auf Berfehrsinteressen, auf bestimmte wirtschaftliche Interessen und nicht zuletzt darauf, daß bei den Grenzregelungen darauf Bedacht genommen werde, daß nicht allzu viele von Tschechen be wohnte Gebiete an Deutschland fallen. Alle diese Erwartungen und Hoffnungen sind grausam enttäuscht worden. Auf keines dieser Bedürfnisse der Tschechoslowakei wurde Nüdsicht genommen und das Selbstbestimmungsrecht, auf das sich doch die ganze., tluge" Aktion der Großmächte stüßte, Man hat der Tschechoslowatet das ganze nordwestböhmische Braunfohlengebiet abgenom men, und gerade dort sind gewisse Landstriche sehr start mit Tschechen durchsetzt, so daß eine für die Tschechoslowakei günstige Lösung unschwer mit den nationalen Siedelungsverhältnissen hätte nicht die geringste Rücksicht auf die Hauptbahnin Eintlang gebracht werden können. Man hat verbindungen zwischen Böhmen und Mähren genommen, sondern sie an einigen Stellen durch schnitten. Und man hat, obwohl die Festseßung der fünften Bone mit Berufung auf die Nations zugehörigkeit der Bewohner dieser Gebiete er folgte, also mit Berufung auf das Selbstbestim mungsrecht, die Grenze nun doch so gezogen, daß sie mit der Sprachgrenze nicht zusammenfällt. Dabei denten wir natürlich nicht an die vielen im deutschen Gebiet eingestreut lebenden, mehr oder minder große Minderheiten bildenden Tschechen, sondern an Grenzorte mit starker tschechischer Mehrheit. Das gilt übrigens auch für die Abtretungen an Polen. Auch bei diesem Gebietswechsel wurden Grenzorte mit tschechischer Wehrheit an Polen abgegeben. So werden denn nach dieser Grenzregelung nicht nur schwere wirtschaftliche Wunden am Körper der Tschechoslowakei zurückbleiben, sondern auch nationale Wunden, die sehr schmerzen. Es ist teine Neuregelung, die von tschechischer Sette als einigermaßen gerecht angesehen werden tönnte, als gerecht selbst vom Standpunkte der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes aus, wenn von den 3,638.000 Einwohnern der abgetretenen Gebiete rund 725.000 Tschechen sind. Wie ist es dentbar, daß die Tschechen sich innerlich damit völlig abfinden? Die Tschechoslowakei wird sich, wir glauben davon überzeug sein zu können, wirtschaftlich aufraffen, sie wird ihre Lebensfähigkeit auch nach dieser Amputation erweisen. Und es mag sein, daß sich weil ja die Tschechoslowakei wirts schaftlich in hohem Maße von Deutschland abhängig sein wird, nachdem ihre politische Begeringer geworden ist wirtschaftlich erträg lidje, ja jogar gute Beziehungen zwischen Dr. Tifo, wandte sich in feiner Mehe nicht nur Bertreter werden Montag nach Prag kommen, um deutung, ihre außenpolitische Bewegungsfreiheit an die Slowaken, sondern auch an die ungari hier die von ihnen beschlossenen Anträge fchen und deutschen Mitbürger. In ungarischer unterbreiten. zu T: it f 3 Seite 3 Deutschland und der Tschechoslowakei herausbilden. Und das mag dann den Anschein erwecken, daß nun der europäische Friede wenig stens in diesem Teile Europas gesichert ist. Aber das dauernde Verhalten zwischen den Völkern entscheiden keineswegs die Wirtschaftsbeziehun gen allein. Es wird durch viele faum sichtbare, faum ins Bewußtsein tretende seelische Regungen, durch fast unwägbare Stimmungen, durch in den Tiefen schlummernde Erinnerungen, durch Gefühlsverletzungen, die nie mehr ganz über wunden werden, mitbestimmt. Die Friedensdiktate von Versailles und den anderen Orten, in die 1919 die Delegationen der besiegten Nationen zur Entgegennahme der Friedensbestimmungen gerufen wurden, wurden von den Besiegten als hart und ungerecht empfunden und es war eines ihrer blamabelsten Merkmale, daß sie nie als Verträge, die doch nur auf Grund von Verhandlungen zustande kommen fönnen, sondern als Dittate angesehen wurden. Können die Tschechen die Bestimmungen von München als etwas anderes empfinden? Können sie je anders als mit den bittersten Gefühlen an München zurüddenten und an diejenigen, die sie gezwungen haben, sich diesem Diktat zu fügen? Kann das tschechische Volk, das fähig war, die Erinnerung an die Schlacht am Weizen Berg und ihre fürchterlichen Folgen durch die Jahrhunderte zu tragen, an München anders denken als an die Schlacht am Weizen Berge? Sonntag, 9. Oktober 1938 Soziale Vereinbarungen Sicherungen für wichtige Unternehmungen mit Deutschland Mr. 238 schaft: Arbeit, Boden und Kapital. Die Arbeit vera richten Menschen. Wir haben fie, und alle find ents schlossen, zu arbeiten, viel zu arbeiten. Aber aur Arbeit sind auch Boden und Geld notwendig. Beis des brauchen wir. Wir müssen eine große Anzahl von Flüchtlingen aus den abgetretenen Gebieten Berlin, 8. Oktober.( DNB.) Auf Ver- ven, Elektrizitätswerke und chemischer Fabriken unterbringen. Wir müssen für sie Arbeit und Eria anlaffung des Ausschusses, der von der internatio- die Gefahr von Zerstörungen oder Beschädigun- stenz sichern. Wir müssen eine neue Erzeugung eins nalen Kommiffion zur Behandlung der sich aus der gen mit sich bringen kann, ist eine Verständigung richten. Bauten, Maschinen und andere Einrich Wiedervereinigung des Sudetenlandes mit zustande gekommen, wonach die Beamten und An- tungen schaffen. Wir müssen uns um unsere Fi Deutschland ergebenden wirtschaftlichen und finan- gestellten der in Frage kommenden Werke unter nanzen fümmern, eine feste Währung und das ziellen Fragen eingesetzt ist, sind am Samstag un- Suficherung ihrer persönlichen Freiheit und des Preisniveau erhalten. Es entsteht die Notwendig mittelbare Verhandlungen zwischen dem Reichs- Mechts der späteren freien Rückkehr nach der Tsche tent eines völligen wirtſchaftlichen Umbaues, und wirtschaftsministerium und dem tschechoslowakischen choslowakei auf ihren Posten verbleiben, bis eine dazu brauchen wir finanzielle Mittel. Wirtschaftsministerium aufgenommen worden. ordnungsmäßige Uebergabe der Werke und die erDas Ziel dieser Verhandlungen ist die Serbeifüh- forderliche Einarbeitung des Ersatzpersonals mögrung einer möglichst baldigen vorläufigen Rege- lich find. lung des gegenseitigen Wirtschaftsverkehres. Um die Weiterleistung der Zahlungen tschechoslowaki Wirtschaftsverhandlungen in Berlin fcher Sozialversicherungsanstal= ten an Bewohner der fudetendeutschen Gebiete herbeizuführen, hat Samstag eine erste Fühlungnahme zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und einem Vertreter des tschechoslowakischen Fürsorgeminifteriums stattgefunden. Da eine vorzeitige Zurückziehung der Beamten und leitenden Angestellten großer Betriebe, wie Stohlingens Berlin, 8. Oktober. Mit der Führung der tschechoslowakischen Wirtschaftsdelegation bei der Internationalen Kommission in Berlin wurde Gesandter Machath betraut, der heute an der Sitzung des Wirtschaftsausschusses bereits teilschusses wird am Dienstag stattfinden. ensummen hat. Die nächſte Sizung dieſes AusWas schreibt die tscheschiche Presse? Noch notwendiger als früher ist es für unsere im neuen Staatsgebiet verbliebene Lefer, die Strömungen im tschechischen Bolf, wie sie sich in der tschechischen Preffe offenbaren, aufmerksam zu verfolgen. Nachstehend eine Auslese aus der tschechischen Presse vom Samstag: Denen, die jetzt wieder so wie vor 19 Jahren ohne Befragen der Hauptbeteiligten die Landkarte Europas geändert haben, mag ihr Wert, eben das Wert von München, als eine ganz besondere Leistung erscheinen, und sie selber werden vielleicht die Wirkungen ihrer FriedensAus dem Körper herausgeschnitten macherei nicht mehr erleben. Aber wer nicht nur„ Národni Osvobozeni": Berrissen sind Gegen einen Scheinfrieden, sondern einen wirklichen, den, welche zueinander nicht nur geographisch und auf beiderseitige Zustimmung begründeten Fries wirtschaftlich, sondern auch durch die Zuſammen den zwischen den Völkern ersehnt, muß durch schung der Bewohner jahrhundertelang gehörten. diese Friedensstiftung" traurig gestimmt wer- Aus dem Körper der tschechoslowakischen Nation wurden, denn aus dem neuen Dittat fann so wenig den durch einmütigen und gemeinsamen Beschluß nur Gutes folgen wie aus dem Diktat von Ver- unserer früheren Verbündeten und unserer Nachbarn failles. Deshalb nicht, weil dieser Sieg der Ge- viele hunderttausend Leute herausgeschnitten. Und wvalt diejenigen, die über Gewaltmittel verfügen, diese Menschen lebten in der Mehrheit nicht auf na ermuntern wird zur weiteren Anwendung dieser tionalen Inseln von den Hauptgebieten der Nation Methode. Und auch deshalb nicht, weil die der abgetrennt. Im Gegenteil, es sind dies Tschechen Gewalt Erlegenen nie wirklich vergessen werden. in zuſammenhängenden tschechischen Gebieten. Die Größe dieses Ungewitters ist so, daß wir es uns schwerlich voll zum Bewußtsein bringen können. Wir haben nur das Gefühl, daß man Steine des Berg hangs abgetrennt hat und daß sie auf das Haupt von Menschen stürzen, welche das Land durch Jahrhunderte treu bebaut haben. Das deutsche Vordringen süge, ohne Stundgebungen, auch die Armee möge statt der üblichen Feiern zu Haus bleiben, an der Statue Böhmens, Mährens und der Slowakei, auf der Karls, brüde, am Fuße des neuen Chrill- und Method- Denk mals Dvořáfs mögen wir einen schwarzen Schleier niederlegen und uns mit schwarzen Armbinden verschen. Die Ursache des Unglücks Gegen die Schwächsten? In der Rechtspresse sind deutlich Strömungen zu bemerken, daß man irdgend eine Agitation gegen Deutschland nicht aulaſſen werde. Ventov":" Prag kann nicht der Mittelpunkt einer hezerischen Propaganda gegen das Ausland sein, die von fremden Elementen betrieben wird. Prag fann nicht weiter das Metta der Emigranten sein, welche uns mit den Nachbarn verfeinden würden." 2 In ähnlicher Weise schreibt Poledni List": ,, Am aktuellsten ist allerdings bei uns die Frage der jüdischen Emigration. Aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus sind viele deutsche Juden zu uns ins Inland geflüchtet.. Nationale und staatliche Pflicht rufen nach rascher Annahme eines Gesetzes, welches allen denjenigen, welche im Norden lebten, verbieten würde, hier Eigentum ohne Genehmigung der Behörde zu erwerben. Es ist notwendig, gegen über dieser gefährlichen Invasion die Gewerbe und die Kaufläden zu schützen. Es ist notwendig, mit Rüdwirtung alle Bewilligungen zu neuen Gewerben und Geschäftseröffnungen, auch für das sogenannte freie Gewerbe, an eine amtliche Bewilligung zu binden." Treuekundgebung Dr. Tisos Brünn, 8. Oktober. Die slowakische Regierung der Reise von Prag nach Preßburg. passierte heute nachmittags um 16 Uhr Brünn auf Vizebürgermeister P. Fanfrdle die slowakische Namens des Brünner Stadtrates begrüßte In der ,, Národní Politika" stellt der Außenpolitiker des Blattes, Rudolf Procházka, unter dem Titel Erdbeben eine Betrachtung an, der wir das Nachstehende entnehmen: Der Autor sagt, daß Katastrophen immer plößlich auftreten, nur ihre Regierung. Ursachen häufen sich langsam die allerdings nie- Der Vorsitzende der slowakischen Regierung man bemerkt. Als die Ursache des Unglüds stellt dankte namens der ganzen Regierung für die Be Procházka die Tatsache dar, daß Barthou 1934 den grüßung und betonte, daß er an die Brosserität unglücklichen Einfall hatte, sich gleichzeitig mit dem der Tschechoslowakei glaube. Die Lösung der floim Nahen Osten faschistischen Italien und Sowjetrußland gegen wakischen Frage werde der Republik sicher zum London, 8. Dtober. Die Abmachungen Deutschland zu verbünden. Hitler, der damals schon Guten und zum Erfolg gereichen. Der Vorsitzende des deutschen Reichswirtschaftsministers Funk in Keine einseitige Verpflichtung die Vereinbarung mit Polen hatte, konnte in ganz der flowakischen Regierung sprach weiter feine der Türkei, bei welchen eine Kreditgarantic in der Europa eine antibolschewistische Agitation entfalten, Freude darüber aus, daß diese gerade in Mäh Höhe von 150 Millionen Reichsmark beschlossen Lidové Noviny“: Neue internationale Bezie- welche unser Verhältnis nicht nur zu Belgien und ren zuerst begrüßt worden sei, zu dem die Slowa wurde, einer Summe, welche ungefähr 12.5 Mil- hungen wird nicht nur unser, Land anknüpfen. Dies lionen englischen Pfund entspricht, haben in Eng- merden auch die Großmächte selbst hun, wie aus dem land gelodert hat. As dann gegen Italien die Jugoslawien, sondern auch zu Frankreich und Enge feit feit jeher herzliche Beziehungen habe. land unangenehm überrascht. Die deutsche Ga- Bersuche der Aufnahme freundschaftlicher Beziehun- Santtionen des Völferbundes ergriffen wurden, Das ist Patriotismus! rantie bezieht sich auf Lieferungen von Kriegs- hungen zwischen Frankreich und England auf der hat es sich Deutschland und seiner antivolschewiſtimaterial sowie auf industrielle und wirtschaftliche einen, Deutschland und Italien auf der anderen Seite schen und antisemitischen Ideologie angewandt. Das Nationalverteidigungsministerium hat Bedürfnisse der Türkei. Bekanntlich hat England zu ersehen ist. Wir müssen uns davor hüten, daß Die Westmächte, das hat sich gezeigt, sind nicht fähig iene Firmen, die sich an den Arbeiten beim Bau vor ungefähr einem Jahre gleichfalls einen Kredit uns eine der Großmächte in einseitiger Verpflichtung in der Höhe von 16 Millionen Pfund zur Ver- au einer einzigen Großmacht finde. Für eine solchen Striege gegen Deutschland und Italien. Zum von Befestigungen beteiligt haben, aufgefordert, fügung gestellt. Ebenso hat die Erklärung Funks einseitige Beziehung ist Zeit genug, wenn wir uns schen Krieg unter Mithilfe des Sowjetverbandes den, die ihnen durch die Einstellung der Arbeiten Teil auch aus dem Grunde, weil sie einen ideologi- ihre eventuellen Schadenersazansprüche anzumel in einem Trinkspruch auf dem Bankett des tür- davon überzeugt haben, daß uns das europäische führen müßten. Dazu sind die konservativen Eles entstanden sind. Es ist erfreulich, daß sich firs fischen Wirtschaftsministers, daß die türkisch- Direktorium irgend einer Großmacht augeteilt hat mente, welche sich jetzt an der Regierung befinden, men gefunden haben, welche die gegenwärtige deutschen Wirtschaftsbeziehungen ständig enger- reden wir von diesen Dingen offen, wenn es auch nicht bereit. Die tschechoslowakische Frage nahm werden, in London verstimmt. beshalb in der Testen Beit ein Geficht an, wie die ienige der Barcelonaregierung. Der Westen hat die Tschechoslowakei aufgegeben und der Osten sie nicht aufgefangen, weil die Tschechoslowakei in Wirklich wistische Staat war, als der er von den Gegnern zum Osten nicht gehört hat und nicht der boliche feit ausgegeben wurde. Wirtschaftliche Hilfe noch ſo rauh klingt. Verlaffen wir uns nicht allzu sehr auf die Eifersucht der Großmächte. Jetzt wird Die deutsche Armee requiriert beispielsweise gemeldet, daß England die Reise des Nahrungsmittel und Getreide Reichswirtschaftsministers Funt in die Türkei, deren Bwved die Schwächung des englischen Einflusses dort Wie einigen Blättern aus Karlsbad berichtet ist, ungern sieht. Morgen können wir erfahren, daß wird, hat das deutsche Armeekommando einen England und Deutschland in der Türkei ihre InterErlaz herausgegeben, der bestimmt, daß ein essen untereinander geteilt haben. Wir müssen nach Drittel des Viehes und Geflügels in den besetzten der rauhen Lektion mit der Politik des Ratens und Gebieten Westböhmens der Militärverwaltung der Kombinationen aufhören und uns streng an die ,, Testé Slovo": Wenn die Welt nicht gerade abgeliefert werden muß. Gleichzeitig wurde Wirklichkeit halten. Wir haben gerade Augenblicke und offen alles sieht, was uns geschehen ist, müssen ein Erlaß herausgegeben, in dem es heißt, daß erlebt, da die europäische Situation für uns die undas geerntete Getreide sofort ausgedroschen und günstigste war. Um so mehr müssen wir daran den wir es selbst schen. Und wir müssen sagen, daß für die vom Staat festgesetzten Preise der Mili- ken, daß auch diese Situation Veränderungen unter- vor allem der Betrag von zehn Millionen Pfund, tärverwaltung abgeliefert werden muß. Die liegt, allerdings dürfen wir uns keine Veränderungen welcher uns als Vorschuß überwiesen wird, völlig Nichtbefolgung dieses Erlasses wird bestraft. vorgaukeln, wir müssen warten, bis sie durchgreifendungenügend ist und daß wir nicht einmal mit wei teren zwanzig bis dreißig Millionen Pfund Anleihe Das Militär hat auch begonnen, die Requirie- zum Ausdruck kommen. rung von Nahrungsmitteln in großen Bauerns gehöften durchzuführen. Die deutsche Bevölke rung ist, wie in dem Bericht gesagt wird, von diesem Erlaß sehr überrascht worden. Hitler in Schlesien Godesberg übertroffen schwere Lage des Staates vollſtändig begriffent haben und auf jedwede Entschädigung verzichten, auch wenn sie einen Schaden erlitten haben. Unter diesen Firmen befindet sich z. B. die Produktiv genossenschaft der Elektromonteure Vedka" in das Miniſterium für Nationalberteidigung ers Prag VIII, die in einem schönen Schreiben an tlärt, daß sie teine solchen Ansprüche stellen wird, weil sie sonst das Bewußtsein hätte, noch die Schwierigkeiten zu erhöhen, die heute auf die Republik eindringen. Das ist wahrhafter Patrios tismus, der an Stelle von Klagen bemüht ist. praktisch zu einer besseren Zukunft des Staates beizutragen. Tschechische Lehrer bleiben Im besetzten Gebiet die Sache als erledigt betrachten können. Es wird derjenige gesucht, der den Frieden gerettet hat. Viele Das Ministerium für Schulwesen und Volkskuĭs „ Lidové Listy": Das Berliner Diktat übersteigt daß den Frieden die Tschechoslowakei durch ihr un- land abgetreten werden, bestehen in rein tschechischen Namen werden angeführt, aber die Wahrheit ist die, tur meldet: In den Gebieten, die soeben an Deutsch noch das phantastische Memorandum von Godesberg, erhörtes Opfer gerettet hat. Rechnen wir nur ein Gemeinden oder in Gemeinden mit überwiegend tſchea welches in München nicht angenommen wurde. Das bißchen nach, wieviel durch unser Opfer nur die chischer Bevölkerung öffentliche Volts- und Bürgers Ledeutet, daß Chamberlains der Tschechoslowakei geDas Deutsche Nachrichten- Bureau meldet, daß gebenes Versprechen, die Godesberger Forderungen Westmächte erspart haben. Ein einziges Kriegsschiff schulen mit tschechischer Unterrichtssprache, die mate Reichstanzler Hitler Samstag früh den ersten Teil rürden gemildert werden, wenn die Tschechoslowakei fostet rund zehn Millionen Pfund, also so viel, als riell von der Schulgemeinde und bezüglich der perseiner Reise durch das Sudetengebiet abgeschloffen die Münchener Vereinbarung annehme, nicht eingewieviel solcher Schiffe wären durch den Krieg ver- Diese Schulen find für die tschechische Bevölkerung uns als Vorschuß auf die Anleihe gegeben wurde. Sonellen Seite vom Schulfonds erhalten werden. habe. Auf dieser Reise durch Südschlesien, das in halten wurde. Damals hat Chamberlain verkündet, die vierie Bone fällt, machte er einige Male halt. daß die Tschechoslowakei durch die Annahme des Min- nichtet oder wenigstens entwertet worden? Wieviel errichtet worden, es sind dies Schulen der tschechischen Vor seiner Rückkehr auf reichsdeutsches Gebiet ver- chener Diktats damit rechnen könne, daß die Bot- Handelsschiffe mit menschlicher und Warenladung Pevölkerung und können ihnen rechtens nicht abge abschiedete sich vom Reichskanzler der Reichskommis- schafterkonferens mäßiger fein werde, aber in Wahr- wären vernichtet worden? Nur die Schiffsverluste, sprochen werden. Diese Schulen bestehen weiter. Dis sar für das Sudetengebiet Konrad Henlein. heit hat sich das Gegenteil gezeigt. Deutschland hat welche England erlitten hätte, wären größer ge- Lehrer dieser Schulen mögen mit der tschechischen Bes nicht nur die Godesberger Forderungen durchgesetzt, wesen als die dreißig bis vieraig Millionen Pfund, völkerung auf ihrem Plak verbleiben und der tsches Göring in Freudenthal fondern weit größere Forderungen, welche über das welche uns geborgt werden sollen. Zwei, dreichischen Bevölkerung in dieser schweren Zeit aufrich Godesberger Memorandum hinausgehen. Fliegerangriffe auf London und englische Hafen- tige Ratgeber sein. Insbesondere mögen sie sie aur Berlin, 8. Oktober. Die deutsche Presse ist städte hätten einen größeren Schaden herbeigeführt aufrechterhaltung der Ruhe, Ordnung und Bedachts voll von Berichten, welche die fortschreitende Be- Der Ausgleich mit den Slowaken als es dreißig bis vierzig Millionen Pfund wären. samkeit anhalten. Es werden auch Maßnahmen ge setzung des sudetendeutschen Gebietes schildert. So wird aus Freudenthal gemeldet, daß FeldmarWo sind die Zehn, Hundertmillionen und Milliar- troffen, daß diesen Lehrern ihre Gehälter gesichert „ Lidové Novinh": Wenn es zu diesem Ausgleich den Pfund, welche ein Krieg gekostet hätte? Auch werden. schall Göring bei seinem gestrigen Besuche dort früher und nicht erst im Drange der Not gekommen die bloße Mobilisierung und der Eintritt Englands eine Ansprache hielt und betonte, daß die neuen wäre, hätte für Tschechen und Slowalen manches ges in den Kriegsstand hätten mehr gekostet als dieſe Staatsangehörigen des Deutschen Reiches für rettet werden können, was jeßt in Trümmern geht Auch deutsche Schulen in Teschen von den Seit Henleins Auftreten war auch dieser Aus- dreißig bis vierzig Millionen Pfund, welche uns ge- Polen gefchloffen. Wie das„ Rudé Právo" bes Deutschland auch arbeiten müssen, und zwar auch gleich eine Eriſtenzfrage des Staates. Dennoch ist borgt werden sollen. Wo sind die Kosten Frank- richtet, ist eine der ersten Handlungen der pols reichs, Rußlands, wo diejenigen ihrer Kolonien, der nischen Behörden nach der Besetzung von Teschen Neutralen, wo bleiben die Kosten der ganzen Welt? die Schließung aller tschechischen und deutschen Durch unser Opfer haben wir nicht nur den Frieden, Schulen in der Stadt gewesen. Unter den Deuts sondern Milliarden Pfund, Dollars, Francs gerettet, schen Teschens, die zumeist der SdP angehörenta von unseren Opfern nicht zu reden. Unsere Opfer hat das große Enttäuschung hervorgerufen, denn sind nicht durch den Verlust des Landes erledigt. Ga in der letzten Zeit sind die Teschener Deutschen entsteht da ein unerhörtes wirtschaftliches Hand in Hand mit den nationalen Polen vorProblem... Es gibt drei Grundsäße der Wirt- gegangen. im Rahmen des Vierjahresplanes. Falls es not wendig sein werde, müßten sie sich auch gemeinsam mit der ganzen Nation zum Kampfe bereit halten. Montag Ständiger Ausschuß. Der Ständige Ausschuß hält am Montag, den 10. Oftober 1988, um 3 1hr nachmittags eine Sigung ab. dies nicht gelungen. Der 28. Oktober 1938 " Právo Lidu": Der Tag des 28. Oftober 1988 hätte ein Tag der Freude sein sollen: Bwanzig Jahre Republik!" Aber kaum wird es jemanden unter uns geben, der sich freuen wollte. Veranstalten wir einen Tag nationaler Trauer. Ohne UmI Be ga en da be au go m bi to S d b Ur. 238 Sonntag, v. Oktober 1938 «eit, 8 Die Grenzziehung gegen Polen und Ungarn Verhandlungen mit Ungarn eröffnet Polnischer Vormarsch stockt— Mähr.-Ostrau, 7. Oktober. Die Mission deS DwisionSgeneralS HrabLlk gibt amtlich bekannt: Am 7. Oktober besetzten die polnischen Truppen den Raum von Dolni Domaslovice, womit die Polen die Ostgren« deS Bezirkes Friedel von Prostkedni Bludovice nach Süden erreichten. Ein weiteres Vorrücken wird hier nicht mehr erfolgen. Am 8. Oktober wird um 10 Uhr vormittags die Besetzung des vierten Abschnittes durch die polnischen Truppen beginnen, und zwar des Ost- zipfelS deS Bezirkes Freistadt bis zum Olsa-Fluß. Unter den zu besehenden Gemeinden befindet sich auch die Stadt Freistadt. Am v. Oktober tritt in der Besetzung eine Pause ein. Warschau, 8. Oktober.(PAT) Im Tesche» der Schlesien treffen heute zahlreiche Soldaten ein, die aus der tschechoslowakischen Armee entlasten wurden. In erster Reihe werden Polen entlasten, die in slowakischen und karpathorussi- schen Regimentern gedient haben. Ebenso sind früh, die ersten polnischen politischen Häftlinge eingetrofsen, die aus der Haft entlassen wurde». Budapest, 7. Oktober(MTJ). Die durch daS Münchner Abkommen angeregten tschechoslowakisch- ungarischen Berhandlungen werden auf Grund deS gegenseitigen lieberem- kommens der beiden Regierungen Sonntag, den 9. Oktober, um 7 Uhr abends in Komovn beginnen. Dir ungarische Regierung wird bei diese» Berhandlungen durch den Autzenministrr von tkanna und den Minister für Schulwesen und Bolköerzirhung, Grafen Teleki, vertreten sein, die von zahlreichen Fachleuten auS verschiedenen Ministerien begleitet sein werden. Gestern abendS hielt der ungarische Ministerrat eine Sitzung ab, in welcher über die Einzelheiten der Verhandlungen beraten wurde. Die ungarische Delegation wird für die Dauer der Berhandlungen auf dem Salondampfer„Zsofia" wohnen. Prag, 8. Oktober. Am Sonntag, den 0. Oktober, um 8.30 Uhr früh fährt die tschecho- i slowakische Delegation für die DelimitierungS- I konsercnz zwischen Ungarn und der Tschechoslo-1 wakei vom Wilsonbahnhof in Prag nach Komorn ab. Die Verhandlungen beginnen um 19 Uhr. Chef der tschechoslowakischen Delegation ist Dr. Joseph Tiso, bevollmächtigter Minister für die Verwaltung der Slowakei, Mitglieder der Delegation sind Dr. Ferdinand DurLanskh, Minister der siowakischen Regierung, Dr. Ivan Parkänyi, Minister ohne Portefeuille, General Viest, Dr. Ivan Krna, Gesandter und bevollmächtigter Minister und Sekretär der Kommission, sowie Anton Strala und Dr. Josef CiSker. Hultschln wieder preuBlsch Mähr.-Ostrau, 8. Oktober. Heute um 12 Uhr 45 Minuten wurde die Besetzung von Hultschln beendet. Deutsche Patrouillen zeigten sich schon am linken Odcruser, das Mähr.-Ostrau benachbart ist. Auch mit der Besetzung von PeterS- wald und Koblov ist begonnen Ivorden. Besetzt wurden auch die beiden Schachtanlagen der Wit« kcwitzer Gruben„Anselm" und„OSkar" in PeterSwald. Sie decken sich ein Mähr.-Ostrau, 8. Oktober. Die Bewohnerschaft der Gegend von Teschen, die von Polen besetzt ist, und die den Bezirken von Troppau und Hultschin, die von Deutschland beseht wurden, kauft in Mähr.-Ostrau mastenhaft Stosse, Schuhe, Fett, Zucker und andere Waren ein, von denen angenommen wird, daß in dem besetzten Gebiete bald Mangel an ihnen herrschen werde oder, daß sie.teurer sein werden. Bor den Geschäften stehen Schlangen von Menschen. Einige Läden sind fast auSverkaust. Die Lokalbahnen nach Karwin, Schonbrunn und Klimkovice können kaum die vielen Menschen mit ihren Taschen und Warenpaketen fassen. Ein Ausverkauf Ostraus droht nicht, da die Vorräte rasch ergänzt werden und sonst an Waren kein Mangel ist. In dem von Polen besetzten Teschen sind die Preise fast um 80 Prozent gestiegen. Zucker wird dort um 10.80 XL pro Kilo, Speck für 20 XL, Seife für 12 XL und Mehl für 4 bis 8 XL das Kilogramm verkauft. Stukenweise Demobilisierung Lins Kundmachung des MNO Prag, 8. Oktober. Der Rundfunk und die Zeitungen haben gemeldet, daß sofort zwei Jahrgänge der tschechoslowakischen Reservisten werden entlassen werden. Einge Blätter haben geschrieben, daß eS sich um die beiden ältesten Jahrgänge handelt. DaS Nationalverteidigungsministerium gibt zur Erläuterung folgendes bekannt: Die Militärverwaltung kann nicht pauschal ganze Jahrgänge entlasten, weil dadurch die Ordnung in den Formationen und die mit der Demo- bilisierung verbundene Arbeit gestört würden. Sie wird sofort so viele Reservisten entlassen» alS zahlenmäßig zwei Jahrgängen entspricht. Die übrigen. Reservisten werden ohne Rücksicht darauf, welchem Jahrgang sie angehören, sukzessive in der kürzesten Zelt entsprechend dem Fortschreiten der dringendste» DrmobllisierungSarbriten entlassen werden. Allen Reservisten wird empfohlen, sich sofort an ihre Ersatzkader Zivikklelder schicken zu lassen. Der Standort dieser Ersatzkader wird ihnen von ihren Kommandanten bekanntgegeben werden. Italien noch faschistischer Neue Kammer mit lauter ernannten Mitgliedern Rom, 8. Oktober. Der Große Rat deS Faschismus Hat in der-weiter. Sitzung seiner Herbsttagung zwei Gesetzentwürfe über die Bildung der Kammer der Fasel und der Korporationen sowie über die Reform deS Nationalrates der Korporationen angenommen. Die neue Kammer der Fasei und der Korporationen tritt an die Stelle der bisherigen Abgeordnetenkammer. Der Gesetzentwurf über die Bildung der Kammer der Fasei und der Korporationen besteht auS 21 Artikeln. Danach führen die Mitglieder dieser Kammer den Titel„Nationalrat"; sie müssen daS 28. Lebensjahr erreicht haben. Nach Artikel 2 deS Gesetzentwurfes hat die Kammer der Fasei und der Korporationen die Aufgabe, mit der Regierung und dem Senat die gesetzgeberische Arbeit durchzuführen. Die neue Kammer besteht aus den Mit- gliedern des Nationalrates der faschistischen Partei und den Mitgliedern deS Nationalrates der Korporationen, sofern sie nicht dem Senat oder der Königlichen Akademie von Italien angehören. Die Eigenschaft als Nationalrat wird durch ein im italienischen Amtsblatt zu veröffentlichende? Dekret des D u c e erteilt. Bor Uebernahme ihres Amtes werden die Nationalräte vor der Vollversammlung gemäß Artikel 49 der italienischen Verfassung vereidigt. Sie genießen alle Vorrechte der bisherigen Abgeordneten und erhalten eine durch Gesetz festzulegende jährliche Aufwandsentschädigung. Neben der rein gesetzgeberischen Arbeit habe» die neue Kammer und der Senat in ihren Vollversammlungen auf Grund der Berichte ihrer zuständigen Ausschüsse den Haushaltplan und die Rechnungslegung des Staates sowie der halbstaatlichen Betriebe zu erörtern und in öffentlicher Abstimmung zu verabschieden. Die von Kammer und Senat verabschiedeten Gesetze müssen an den Duce weitergeleitet werden, der sie dem Souverän zur Unterzeichnung unterbreitet und für ihre Veröffentlichung sorgt. In Kriegszeiten und bei dringlichen Finanz- und Steuerfragen tritt an Stelle des normalen Geschäftsganges die Regelung durch königliches Dekret. Ein Protest der Geistigen Die tschechischen und siowakischen Schriftsteller und Künstler wenden sich in einem Aufruf an die gesamte gebildete Welt, protestierend gegen daS Diktat von München. In diesem Aufruf heißt es u.'a.: Wir haben nie geglaubt, daß in der gebildeten Welt jemals eine so entsetzliche und himmelschreiende Gewalt das Recht ersetzen könne, so wie dies durch die Beschlüsse der vier Großmächte geschehen ist, die gefaßt wurden, ohne daß man uns gehört hätte und" die gegen uns gefaßt wurden. Wir haben auch nie geglaubt, daß in so verantwortungsloser Weise die internationalen Zusicherungen, Verträge und Verpflichtungen geleugnet werden könnten. CS geht nicht nur mn uns. Es geht um die ganze Zukunft der europäischen Menschheit und vor allem der kleinen Nationen, deren Existenz auf der Festigkeit der sittlichen Ordnung gegründet ist, Und darum appellieren wir heut« an das Gewissen all derer, bei denen sich bisher die Grundlagen der europäischen Kultur selbst erhielten: Werdet Euch bewußt, daß durch die Vergewaltigung deS Schwächeren» durch Verrat und Falschheit nie ein wirklicher, mannhafter, direkter und dauernder Friede erreicht wird. Wir, die Repräsentanten deS geistigen Lebens der Tschechen und Slowaken, erklären, daß wir niemals den Anspruch auf unseren historischen Boden, auf unser freies Leben auf ihm und auf die Möglichkeit einer erträglichen wirtschaftlichen Entwicklung»ttfgeben tverden, auch wenn uns die materielle Uebermacht äußerlich zur Anerkennung ihrer Forderungen gezwungen hat. An erster Stelle unter diesem Aufruf ist die Böhmische Akademie der Wissenschaften und Künste unterfertigt, eS folgen dann die Organisationen der Schriftsteller, der bildenden Künstler, Musiker und der darstellenden Künstler. Vie Abschwörer In den letzten Tagen konnte man manchmal in den sudetendeutschen Provinzzeitungen Zuschriften auS dem Publikum lesen, Zuschriften feltsamer Art. Nicht etwa solche, wie die Briefe an die großen englischen Blätter, Briefe mit Stel« lungnahinen zu den verschiedensten, die Oeffent« lichkeit interessierenden Fragen. Nein, sehr persönliche Briefe. Briefe, in denen Leute, die seit zwanzig und mehr Jahren Mitglieder der Sozialdemokratie waren und als Beauftragte der Partei öffentliche Funktionen bekleideten und die nun reumütig ihre rote Vergangenheit beflogen und ihre bisherige Gesinnung abschwören. Da und dort bekennt ein Lehrer, es bekennt ein Richter, es bekennt ein Lehrer, der zugleich Bürgermeister einer großen Stadt war, und es bekennt der Redakteur des„Glückauf", und es bekennen einige Direktoren von den Krankenkassen, daß sie sich erstens zwanzig Jahre lang geirrt haben und daß sie zweiten» eigentlich immer schon Nationalsozialisten waren. Diese Abschwörer hoffen, in letzter Stunde durch diese heroische Selbstverleugnung Gnade vor den Augen der neuen Herren zu erlangen. Werden sie sich nicht irren? Nicht jeder ehemalige Sozialdemokrat oder Konimunist kann das abgetretene Gebiet verlassen. Wer sich nicht sehr exponiert hat, soll eS nicht tun. Daß die Verbleibenden nun schweigen und sich anpassen müssen, ist verständlich. Wenn die Leute, die in letzter Stunde Deserteure wurden, sich aus der Oesfentlichkeit zurückgezogen und geschwiegen hätten— man hätte eß begriffen. Aber sie mußten ein UebrigeS tun: sie mußten abschwören, Reue bekunden, Irrtümer bekennen, den Marxismus, zu dem sie sich so lange bekannt, schmähen— sie mußten sich anbiedern um den höchsten Preis, den man zahlen kann, um den Preis der Selbstachtung! Zwanzig Jahre Irrtum! Aber wer hat diese Herren seinerzeit gezwungen, sich der Arbeiter« bcwegung anzuschließen? Wer hat von ihnen gefordert,„Bonzen" zu werden und als Bürgermeister, Kassenleiter und in ähnlichen Funktionen „Bonzengehälter" zu beziehen? Sie sind selber gekommen! Und sie sind gekommen, weil sie mit der Strömung schwimmen, nicht die Konjunktur versäumen wollten. Sie schwören ab» weil die Strömung eine andere geworden ist... Konjunkturritter! Also wahrhaft zeitgemäße Menschen! Sind sie so ganz zeitgemäß? Werden sie die erhoffte Gnade finden? Soviel Gnade wahrscheinlich schon» daß man ihnen, den Nutznießern der Partei, nichts tun wird, während die Kämpfer der Partei, die ehemaligen RW-Männer, in die Konzentrationslager kommen. Aber sie werden nicht Kassendirektoren bleiben und nicht Schulleiter werden, denn für jeden einigermaßen erstrebenswerten Posten stehen„alte Kämpfer" bereit. Die Abschwörer wird man nicht behelligen, aber selbst die Nationalsozialisten werden sie nicht achten. Und sie selber? Sie selber werden sich eine Ausrede für das eigene Gewissen zurechtzimmern, eine Lebenslüge, und werden nicht einmal verstehen, daß sie von den anderen verachtet werden. Neue Schnellzussverblndung Prag—Kaschau Auf der lUlfsstrecke Uber Iglau Prag, 8. Oktober. DaS Eifenbahnmini- sterium gibt bekannt: Mit Rücksicht darauf, daß Teile der Böhmen mit Mähren und der Slowakei verbindenden Eisenbahnhauptstrecken an Deutschland abgetreten werden, werden beginnend mit 9. Oktober für die angeführten Verbindungen für eine Uebergangs- zeit zwei FernschnelkzugSpaare auf der H i l f S st r e ck e über K o l i»— Jgla it— Brünn eingeführt werden. Der Schnellzug für die Verbindung Prag— Kaschau wird von Prag-Masarykbahnhof um 17 Uhr 45 Min. abfahren und auf der Rückreise in Prag-Masarykbahnhof um 10 Uhr 88 Min. eintreffen. Für die Verbindung Prag—Preßburg wird der Schnellzug von Prag-Masarykbahnhof um 6 Uhr abfahren und auf der Rückreise in Prag- Masarykbahnhof um 23 Uhr 18 Min. eintreffen. Auch die Zahl der Personenzüge wird auf den einzelnen Strecken nach Möglichkeit vermehrt werden. Näheres in den Kundmachungen der Eisenbahnstationen. Die Einäscherung FrantlSek Tomäieks Prag, 8. Oktober. Heute nachmittags fand im Prager Krematorium die Einäscherungsfeier für den verstorbenen Vorsitzenden der revolutionären Nationalversammlung und ersten Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, des Senators Fran- tiöels Tomäöck statt. Am Sarg wurden zahlreiche KräiPe niedergelegt, darunter vom Präsidium des Abgeordnetenhauses und des Senates, vom Präsidium der tschechischen sozialdemokratischen Partei u. a. m. Unter den Trauergästcn, die den ganzen Zeremoniensaal füllten, waren anwesend die Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und deS Senates, Abg. Malypetr und Senator Dr. Soukup, als Vertreter der Regierung Innenminister Jan Eernh und Finanzmini« ster Dr. KalfuS, zahlreiche Vertreter der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der deutschen Sozialdemokraten, viele Vertreter des politischen mrd des öffentlichen Lebens und zahlreicher Korporationen ufw. NamenS der Nationalversammlung, der sozialdemokratischen Partei, deS„Prävo Lidu" und zahlreicher Korporationen hielt der Vorsitzende deS Senates Dr. Soukup die Trauerrede. Sodann wurde der Sarg unter den Klängen der Staatshymne den Flammen übergeben. Große Streiks In USA und Mexiko Blutiges Streik-Ende In Franztfsisch-Westafrlk* New Aork. Die beiden Hauptwerke der Crysler- und Plymouth«Auto- Fabriken in Detroit sind infolge Streiks stillaelegt. 20.000 Arbeiter der radikalen Cic-Gewerkschaf- ten befinden sich im Ausstand. Sie fordern Einführung der 32-Stunden«Woche. * Mexiko.(HavaS.) 40.000 in der Textil« industrie(namentlich in der Baumwollindustrie^ beschäftigte Arbeiter sind in einen 24stündigen Streik getreten. Sie beabsichtigen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, den Gene« r a l st r e i I in der Textilindustrie zu verfluchen. Paris. Wie die Pariser Blätter berichten, kam eS am 27. Septenwer in Französisch-Westafrika in Gossah anläßlich eines Streike» des Syndikates der eingeborenen EisenbahnarbeUer, dessen Ursache bisher nicht ganz geklärt ist, zu tragischen Zwischenfällen. Die Streikenden drangen in die Werkstätten ein, um die noch Arbeitenden zu vertreiben. Es mußte Polizei und Militär zur Wiederherstellung der Ordnung eingesetzt werden, wobei es zu Zusanunenstößen kam und daS Militär von der Schußwaffe Gebrauch machte. Bei den Zusammenstößen wurden 80 d:r Streikenden verletzt und sieben getütet, während die Polizei und das Mllitäc 40 Verletzte zu beklagen hatten. Auch in der Eisenbahnstation Louga kam eS zu Zwischenfällen. Am 1. Oktober wurde zwischen dem Generalgouverneur Cop» pet und den Streikenden ein einstweiliges UÄer« einkommen abgeschlossen, demzufolge gegen die Streikenden keine Sanktionen ergriffen werden, kein Eingriff in das Koalitionsrecht erfolgt, die Familien der Opfer Entschädigungen erhalten und die Forderungen der Streikenden überprüft werden. Postsendungen ins besetzte Gebiet. Im Ministerium des Post- und Telegraphenwesens wurde entschieden, daß alle Postsendungen, die von tschechoslowakischem Staatsgebiet in das abgetretene Gebiet gehen, als Auslandssendungen zu deklarieren und zu frankieren sind. Diese Verordnung gilt für Briefsendungen, Wertbriefe, Wertpakete und Paketsendungen. Diese Bestimmungen beziehen sich auch auf jene Gebiete, die von den polnischen Truppen besetzt sind. Autobus- Verbindung Mährisch-Ostrau— Sillein. Die Direktion der Lokalbahn in Mährisch-Ostrau richtete eine Autobusverbindung Mährisch-Ostrau—Sillein ein, um die Verbindung zwischen diesen beiden Städten aufrechtzuerhalten, die durch die Besetzung de» Teschener Gebietes gestört wurde. Bekanntlich führt die Eisenbahn Mährisch-Ostrau—Oderberg—Sillein über nunmehr polnisches Gebiet. Bojta Benes in Amerika erkrankt. Der Vorstand der Tschechoslowakischen Vereinigung in New Aork gibt bekannt, daß der Bruder de» gewesenen Präsidenien der Republik, Bojta Benes, der sich auf ejner Propagandareise durch die Bereinigten Staaten befand, in Washington während eines Vortrages das Bewußtsein verlor. Er wurde in dir tschechoslowakische Gesandtschaft überge führt. Sein Instand ist'Shr ernst. Kundgebung für Dr. Benes. Die Akademie der geistigen und politischen Wissenschaften in Paris sandte von ihrer auf Vorschlag ihre» Mitgliedes des Professor» der Pariser Universität Strowski ihrem auswärtigen Mitglieds Dr. Benes ein Telegramm, in der ihm die Akademie ihrer kollegialen Sympathien und ihrer Dankbarkeit für das Opfer versichert, durch welches er zugleich mit dem tschechoslowakischen Volk zur Erhaltung des Weltfriedens beigetragen habe. Entlassungen in der britischen Luftwaffe. Das britische Ministerium für Lustfahrt meldet, daß daS Flugzeug-Hilfspersonal, da» in den Tagen der gesteigerten internationalen Spannung zur Dienstleistung einberufen worden war, vom morgigen Tage an entlassen werden wird. Deutsche Pässe von Juden— ungültig. Das „Reichsgesetzblatt" vom 7. Oktober veröffentlicht eine Verordnung des Reichsministers des Innern über Reisepässe von Juden. Danach werden alle deutschen Reisepässe von Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die sich in Deutschland aufhalten, ungültig und müssen innerhalb von zwei Wochen zurückgegeben werden.' Für Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die sich im Auslande aufhalten, beginnt diese Frist mit dem Tage der Einreise in daS Reichsgebiet. Die mit Geüung für das Ausland ausgestellten Reisepässe von Juden werden wieder gültig, wenn sie von der Paßbehörde mit einem vom Reichsinnenminister bestimmten Merkmal versehen werden. An die Steve , der ungültig gewordenen Jnlandpässe von Juden treten die durch Verordnung des Reichsinnens Cette& ministers über Kennfarten vom 22. Juli| 1988 eingeführten Kennfarten. Vermißt. Der ehemalige Intendant der Bundestheater in Wien, Schneiderhan, der sich in der letzten Zeit in Zell am See aufhielt, unternahm dieser Tage einen Ausflug in die Berge, von dem er nicht mehr zurückgekehrt ist. Alle Nachforschungen blieben bisher ergebnislos. " Sozialdemokrat" Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Banken Im neuen Staat Die Zeitschrift„ Die Wirtschaft" bringt Das Flugzeug„ Mercury" landete gestern eine Uebersicht über die Folgen, welche die Zie an der Mündung der Oranjeflusses. Die Strecke, hung der neuen Staatsgrenzen für einige Bandie es durchflog, ist 6000 Meilen lang. Werfen haben wird. cury" hat, obwohl es den Rekord auf der Strecke London- Kapstadt nicht gebrochen hat, doch den Weltrekord im Fernflug für Wasserflugzeuge geschlagen. Dieser Rekord wurde bisher von einem deutschen Wasserflugzeug gehalten, das 5215 Meilen zurücklegte. Das Grubenunglück in Yobari. Die Zahl der geborgenen Leichen beträgt 125, während 34 Arbeiter noch vermißt werden. Die Hoffnung auf Rettung ist jedoch bereits aufgegeben worden. Ende der Wiener Reichspost". Die Wiener „ Reichspost", das einstmalige Hauptorgan der chrichlichsozialen Partei und führende Regierungss organ in der Aera Dollfuß und Schuschnigg, hat dieser Tage sein Erscheinen eingestellt. Enthaftet. Alle verhafteten Wiener Tschechoslowaten befinden sich bereits in Freiheit. Gestern mittags, beziehungsweise nachmittags, wurden der Chefredakteur des„ Vídeňský dennít" František Just, der Chefredakteur der„ Vídeňské noviny" Bedřich Čepelta, der Obmann des Vercines„ Cesté Srdce" František Strnad und noch viele andere aus der Haft entlassen. Es waren insgesamt 24 verhaftet worden. Von der ur sprünglichen Absicht, alle an die tschechoslowakische Grenze zu bringen, wurde Abstand genommen. Sie können weiter in Wien bleiben. Klaffenlotterieziehung verschoben. Die Direktion der Staatslotteric in Prag gibt bekannt, daß die Bichung der V. Klasse der 39. Ziehung, die am 11. Oftober beginnen sollte, auf eine spätere Beit verlegt wurde. Die Auslosung dieser Klasse wird im vollen Umfange vorgenommen werden. Die Verlegung erfolgte, weil ein Teil der Spieler eingerüdt ist und nicht in der Lage war, sich rechtzeitig Lose zu verschaffen. Die Arbeiterunfallversicherung für Böhmen teilt mit, daß die Auszahlung aller Renten mit Rücksicht auf die außergewöhnlichen Verhältnisse und auf die große Zahl der vorübergehend geschlossenen Bostämter sich um einige Tage verzögern wird. Die Rentenempfänger mögen dies zur Kenntnis nehmen und von jeder Urgenz der Renten absehen. Heuer keine Staatspreise. Im Hinblick auf die hestehenden politischen und wirtschaftlichen Verhält nisse unterbleibt heuer am 28. Oftober die übliche Erteilung von Staatspreisen für Leistungen auf dem Gebiete der Stunft und Literatur. Gegebenens falls ſollen dafür im nächſten Jahre höhere Preise verteilt werden. So verliert die Böhm. Estompte bant und Kreditanstalt etwa 35 bie 40 Prozent ihres Filialgeschäftes und Filial neges. Etwa 60 Prozent des Geschäftes erstreckt fidh; auf das tschechische Gebiet, wo sich ein großer die Königshofer Zementfabrik, die Prager Teil des Industriekonzerns der Bank befindet. So Eisenindustriegesellschaft, die Poldihütte, die Spiritusinteressen und der Großteil der Zuckers industrieinteressen dieser Bank. Wegen der lleber nahme des im besetzten Gebiet befindlichen Filialnekes liegen bereits Angebote deutscher Banken eine bescheidenere, aber gesunde Existenz gewähr vor. Die Bank glaubt, daß ihr auch fernerhin Teistet ist. Die Böhmische Unionbank hat schon vor längerer Zeit gewisse Vorkehrungen getroffen. So ist eine Beamtenbesetzung vor genommen worden, durch welche eine Reihe von Personalfragen rechtzeitig geregelt wurde. Die Bant hat eine Reihe von Beteiligungen im beſetzten Gebiet, deren Abstoßzung aber ein Problem ist, das sich lösen lassen wird. Das Geschäft der Deutschen Agrar und Industriebant lag zum überwiegenden Teil im deutschen Gebiet, welchem Umstande weitgehend Rechnung getragen werden wird. Der größte Teil der Beamten dieser Bant dürfte für Deutschland optieren. nünftigen Standpunkt in dieser Frage einnimmt, indem sie schreibt: Es ist vor allem notwendig, daß überall dort, wo das Bedürfnis einer freiwilligen Emigration auftritt, wenn auch mit bedeutsamen Opfern jener, welche auswandern wollen, der Transfer möglich gemacht wird. Es ist besser, diese Probleme offen und legal zu regulieren, als sie nicht zu sehen, oder so zu tun, als ob wir sie nicht sehen wür den. Es ist dies im Interesse der Währung. Wir müffen mit einer aus den verschiedensten Gründen erhöhten Emigration rechnen und sie ist und wird in vielen Fällen für uns eher eine Erleichterung fein. Das heißt mit anderen Worten: es werden den auswandernden Emigranten jene Devisen bes fchafft werden müssen, welche sie zur Bezahlung ihrer Reise und für den ersten Aufenthalt in ihrem cuen Domizil brauchen werden. Warum nur 30 Millionen Pfund? Sonntag, 9. Oftober 1938 Nr. 238 Hochleistungs- Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke, Shaping- u. Hobelmaschinen Spannfutter in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnsdorf, 3898 ohne viel Lärm und viel Reklame wurde diese für die Wirtschaft des Staates wichtige Arbeit des Aufbaues einer neuen Industrie geleistet. Die Erzeugnisse dieser Industrie werden auch auss geführt, so daß auch die Vorteile des Erports dem Staat und der Bevölkerung zufallen. Handelsverkehr mit dem besetzten Gebiet Handelskreise haben die kompetenten Aemter aufgefordert, auf dem raschesten Wege durch Vermittlung der Presse die Oeffentlichkeit über die Möglichkeiten des Handelsverkehres mit den in den Die„ Hospodářstá Politika" kommt auf die Anbesetzten Gebieten verbliebenen Geschäftsverbin leihe zu sprechen, welche, wie aus der Rede des bridungen zu informieren. Eine rasche Oriens trichen Ministerpräsidenten im Unterhause hervor tierung ist vor allem notwendig, um dem inländis geht, der Tschechoslowakei gewährt werden soll. Diese schen Abnehmer für den Fall größerer Hindernisse Anleihe soll sich auf 30 Millionen Pfund Sterling die Möglichkeit zu geben, neue Bezugsverbindun belaufen, eine Summe, welche angeblich die tschecho- gen anzuknüpfen. Das gleiche gilt für Lieferunslowakische Regierung gefordert haben soll. Dazu schreibt das Blatt: Es ist die Frage, warum wir mit der Forderung um Gewährung einer Anleihe von bloß 30 Millionen Pfund gekommen sind, wenn nur die Kosten, welche mit dem Bau von Befestigungen und der Mobilisierung, die übrigens auf den Rat der sogenannten politischen Freunde erfolgt ist, Was die Bank für andel und Industrie, ehemals Länderbant, betrifft, von den Fachleuten auf zehn Milliarden Kč verrechnet man damit, daß vom Filialgeschäft etwa gaben, welche nunmehr für die Verwirklichung anschlagi werven. Rechnen wir dazu die Aus40 bis 50 Prozent verloren gehen. Der Konzern unserer wirtschaftlichen Rekonstruktion erforderlich der Bank wird nur zum Teil tangiert. Aus den sein werden, scheint es, daß eine Forderung und Filialen werden nur wenige Beamte nach Prag Gewährung einer vorteilhaften langfristigen Angehen, wogegen in umgekehrter Richtung vorausleihe in einer weit größeren Höhe als die verfichtlich etwas mehr Personen abgehen werden. Langten 30 Millionen Pfund eher den tatsächlichen Auch diese Bank hat bezüglich der Uebernahme des fapitalsmäßigen und finanziellen Bedarf der in: deutschen Gebiet gelegenen Filialneßes An- neuen Tschechoslowakei erfassen würde. Die Forgebote deutscher Banken erhalten. derung nach einer Anleihe von bloß 30 Millionen Bei der Hauptanstalt der Kreditanstalt der Deutschen in Prag hat das Finanzministerium einen Regierungsfommissär und einen Stellvertreter eingesetzt, welche bereits ihre Tätig feit begonnen haben. Die Živnostenská banka besitzt nur wenig Filialen im deutschen Gebiet, die ebenso übernommen werden dürften, wie es bei der Wiener Filiale dieser Bant geschehen ist. Diese Filiale wurde von der Merkur Bank übernommen, die in den Konzern der Dresdner Bank gehört. Das Wetter. Druditörungen, die vom Dean rasch gegen das Festland vorrüden, veranlassen sehr unbeständiges Better mit Schauern bei frischem bis starfem Westwind. Namentlich aus Deutschland wurden zahlreiche Gewitter gemeldet. Die Nach Devisen für Auswanderer mittagstemperaturen erreichten Samstag in unseren Gegenden meist 18 bis 15 Grad. Im Bereich hohen Wir haben bereits in unserem gestrigen Drudes fann nunmehr nur eine ganz vorübergehende Leitaufiak darauf hingewiesen, wie nüßlich es sein. Besserung erwartet werden; den britischen Insein wird, für einen Teil der demokratischen Sudeten nähert sich wieder eine weitere fräftige Depreſſion. deutschen, die Heimatlos geworden sind und nicht Wahrscheinliches Wetter Sonn die Möglichkeit haben, in ihre früheren Wohntag: Nur borübergehend verringerte Bewölkung und etwas ruhiger, nachts fühl, tagsüber mäßig warm. iße zurüdfehren, für die aber auch die Möglich Im Westen des Staates neuerliche Verschlechterung feit einer Eristenz in der neuen Tschechoslowakei nicht ausgeschlossen. Wetteraussichten zu finden gering ist, die Auswanderung zu be für Montag: Noch immer unbeständig, mäßig werkstelligen. Damit befaßt sich auch die Zeit fühl; Westwind. schrift Hospodářská Politika", welche einen ver31 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel it er allein?" fragte Hubert immer wieber. ,, Der arme Mensch. Das ist ja entfeßlich. Sie sind sicher, daß er allein ist?" men!" ,, Ganz sicher....". erwiderte Ignaz. ,, Und wir können ihm nicht zu Hilfe tomHuberts Blicke wanderten über die grau" gen in das besetzte Gebiet, da der Lieferant drin gend wissen muß, ob und unter welchen Bedingun gen er zu seinem Gelde fommen fann. Trager Zeitung Die Sparkaffen Groß- Prags( die Böhmische Weinberger Sparkasse) halien ab Montag, den 10. Sparkasse, die Prager städtische Sparkasse und die Oftober I. J.. ihre Schalter sowohl in der Haupt anstalt als auch in allen Erposituren wieder von 8 bis 13 1hr geöffnet. Kunst und Vissen fund ist offenbar aus der Uninformiertheit über Der Spielbetrieb der Kleinen Bühne wird erit die Folgen unseres Opfers für den Frieden ent- am Dienstag, den 11. Oftober, wieder aufges standen. Den neuen Staat aber wird man nicht nommen. Infolgedeffen entfiel auch die für Sam³mit bloßen Improvisationen oder mit unpassender tag angesetzte Vorstellung. Bescheidenheit, insbesondere dort, wo es sich um seine Grund- und Lebensfragen handelt, aufbauen können. Wie schafft man eine neue Industrie? Ein lehrreiches Beispiel: Die photochemische Industrie Mitteilungen der UraniaMasaryk- Volkshochschule Italienisch für An fänger und Fortgeschrittene( Prof. Finzi): Vorbes sprechung für beide Surie Dienstag, halb 7 Uhr. Urania- Kino Das„ Česté Slovo" veröffentlicht einen Artikel, der sehr aktuell ist und in dem sich das Blatt mit der Schaffung neuer Industrien beschäftigt. ,, Goldfieber", deutsche Premiere, mit Clark Das Blatt führt da das Beispiel der photo- able, Loretta, Young, Jad Datic, Bud dem Hund. chemischen Industrie an, welche geschaffen wurde, 2. 4, 6. 49 Uhr. obwohl die Konkurrenz induſtriell ſehr entwickelter Länder vorlag. Noch vor drei Jahren war die saus oder bei Bezug durch die poft monatlich Kč 17.Tschechoslowakei faſt völlig auf die Einfuhr an- vierteljährig Kč 51. halbjährig Kč 102. nonzjährig gewiesen. Seither hat sie sich durch die Entwicke Ke 204.nferate werden laut Tarif billigft berechnet. lung dieses Industriezweiges von der Einfuhr dung der Retourmarken. Die Zeitungsfranfatur wurde weitgehend frei gemacht. Dabei sind die tschecho- von der Roll und Telegraphenbirektion mit Erlak Dir. slowakischen Erzeugnisse in der Qualität sehr gut; Druderet ,, Orbis". Drud, Verlags- u. Seitunas A. G. Bras Es war an einem Sonntag. bede, und vor allem an die menschlichen Stim-| geworden, und durch sein Vorhandensein war men, die zu einander sprachen. Das Bild jenes irgendwie ein neues Hoffen entstanden. anderen Einsamen auf seinem Felsen, ohne Feuer, ohne Obdach, zitterte in seinem Herzen nach. Da empfand er, als er sich den elenden Hütten näherte, ein lang entschwundenes Gefühl des Wohlbehagens, ein Gefühl aus jenen Kindheitstagen, da er Angst vor der menschenleeren Straße und der sinkenden Nacht empfand, wenn er sich auf seinen Streifungen durch Feld und Wald verspätet hatte. VI. Menschen. Bon dienem Augenblicke an dachten die Begrüne, unbelebte Fläche. Wonach suchte er? Von wohner von Susanne an nichts anderes mehr als der hohen Barriere der Dents Blanches angefan- an jenen an seinen schmalen Felsen gebannten gen, bis zu den fernen, das Rhontal abgrenzenden Menschen. Jeden Abend erkundigten sie sich: ,, Lebt Spizen sah er nichts als die unendliche Einsamkeit er noch?" gnaz fletterte auf die Höhe der Chaug rings um dieses unsichtbare Wesen, das seinen d'Anthémoz, und wenn er bei seiner Müdkehr vereinsamen Leidensweg auf den gegenüberliegenden tündete:„ Er ist noch immer da, ich habe ihn ge= Felsen weiterging. sehen"... hob ein Seufzer der Erleichterung die Brust eines jeden. Von neuer Tragik erfüllt erschien ihm die verödete Landschaft seit dem Augenblid, da er erfuhr, daß auch andere menschliche Augen sie betrachteten. Manchmal sagte der Hirt mit vor Schrecken zitternder Stimme:„ Er rührt sich nicht mehr... Herr von Miramar führte genaue Rechnung über die Tage, indem er Striche in eine glatte Felswand rißte. Stillschweigend machten die Jungen es so wie die Walliserinnen und arbeiteten an diesem Tage nicht. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins - Rüdstellung von Manuskripten erfolgt nur bet Einfen. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.( Яontrollpostamt Praha 25). wächst wie eine Pflanze, die jeder Tag wohlgefäl lig aufs neue schmückt. Sie allein genügt, um das Herz mit immer erneuter Glückseligkeit zu erfül len. Ueber ihr nacktes Leben ergoß sich ein strah lendes, umso herrlicheres Licht, als es das ein3ige war. Eva fürchtete, Worte könnten dieses Gefühl der Ausgefülltheit schwächen und schwieg. ManchMay ging mit seiner Frau bis zum Rande mal aber sagte sie leise ein ganz kleines Wörtchen, des Susanfepasses. Er liebte die trostlose Größe das nur zeitweise ihr wundervolles Schweigen dieser Felsenlandschaft, die unbegrenzten Aus- brach. blicke auf den Dent du Midi, der seine langen, einförmigen Hänge gleich senkrechten Wüsteneien Gipfel." in die Höhe redte und an den Paß anschloß. Die Luft war mild, obwohl der Oktober zu Ende ging. Der Schnee hatte vergessen, daß er fällig war. Innocente und der alte Hans waren außer sich vor Staunen. Mar und Eva seßten sich auf die warmen leßte, was die Vegetation hervorzubringen verSteine. Sie sahen auf die Milzkrautbüschel, das mochte. Rotbraun und goldgelb lagen sie wic Flecken verstreut auf den Hängen und nahmen sich zwischen den Schatten wie verspätete Sonnenstrahlen aus. ,, May, mit dir möchte ich hinauf auf die Er lächelte in seiner Mührung, die er mit ihr teilte. Dann dachte er an die zahllosen Todesopfer jener versunkenen Welt und staunte, daß er in sich noch so viel Glücksfähigkeit fand. Er erwiderte seinerseits: ,, Ich bin immer gern im Gebirge herumStudienzeit..." geklettert. Ich erinnere mich, daß während meiner Heute Nacht tomme ich wieder hierher und Vielleicht schläft er aber... Vielleicht ist er..." in der Stille. Sie sahen zum Himmel auf; der einem Sonntag gegen Abend. Bei Morgengrauen zünde ein großes Feuer an, damit er es sicht", fagte der Birt. ,, Wozu", murmelte Hubert ,,, da er uns doch nicht erreichen kann..." Auf seinem Stoc gestüßt, ging er mühsam zu Tal, während Ignaz vorauslief. Der Abend brach an und verwischte die Gipfel. Er vollendete seinen Saß nicht. Aber bei Sonnenuntergang, sobald er von Portes Neuves heimkam, sah man ihn rasch den steilen Hang hinaufflettern. Und bald hörte man ihn jubeln, während er, von Geröll umrieselt, das sich unter seinen Schritten gelockert hatte, wieder herunterfam: ,, Ich habe ihn auf dem Felsen gesehen." Hubert fragte sich, aus welcher Quelle wohl Es schien, als ob das kleine Tal sich enger um die Feuer schloß, die vor den Hütten brannten. die leidenschaftliche Anteilnahme all dieser Leute Als Hubert näher fam, hörte er die Rufe der Kin- am Leben oder Sterben dieses Unbekannten floß. der. Im lühlen Abendwind erschauernd, dachte er da sie doch den Untergang einer Unzahl von Menan das Obdach, das ihn erwartete, an das warme schen miterlebt hatten. Von nun an war diese Betränt, an seine Matrake, an seine Biegenfelle unsichtbare Gestalt zum Mitbewohner des Tales Es ist ihm eine gewisse Wollust, sich nun in seiner vollentwickelten Mannestraft seiner Werdes jahre zu erinnern. Ein Tag tritt plastischer vor, Die beiden Menschen sannen wortlos vor sich nen Begebenheiten. Er sieht sich einen steinigen und dann ein anderer. Er prüft sie in ihren klei hin und ihre Träumereien durchdrangen einander Hang im Dauphiné hinunterspringen. Es ist an schien blauer als der Himmel des Mittelmeeres war er aufgebrochen. Von den Bergen nimmt er Schulferien gegeben hatte, die man dazu benüßte, im Herzen eine tiefe, unklare Sehnsucht. Es ist und sie dachten an jene fernen Zeiten, da es noch das Schauspiel der strahlenden Kuppen mit, und der Illusion der Freiheit hinzugeben, dieser Frei- Stadt. Aber er springt weiter, so oft es bergab an irgend einer Meerestüste oder im Gebirge sich wohl bedauerlich, daß er zurück muß nach der heit, deren rauhe Wonnen sie zu begreifen begannen. Eva sah Max an und lächelte. Was war aus ihrer achtlosen Seele, der Seele eines wunschlosen Mädchens, geworden. Jest wußte sie, daß Liebe Einsamkeit und Stille fordert: dann erst offenbart sie sich mit ihrem geheimen Antlitz und ihrem sich bis ins Endlose wandelnden Ausdrud. Sie geht und ist glücklich, daß er sich anstrengt und müht, daß er einen jungen, geschmeidigen, strapaz fähigen Körper besikt... wie jener, der gerade mit caſchem, sicherem Schwung hier herabtom. „ Jener!" ( Fortseßung folgt); b D J b b b 1