t F Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Rebatteur: Rarl Kern, Prag 18. Jahrgang Der Lordmayor von London und Sir Neill Malcolm in Prag Prag. Heute um halb 3 Uhr nachmittags ist auf dem Ruzyner Flugplak der Londoner Lordmayor Sir Harry Twyford zusammen mit dem Hohen Kommiffär für Emigrationsfragen Sir Neill Malcolm eingetroffen. Vor dem Abflug von London erklärte der Lordmayor dem Berichterstatter des Reuterbureaus: Ich komme Mittwoch zurück und ich reise ab, um die Verteilung des Flüchtlingsfonds durchzuberaten. Dieser Fond hat bereits einen Betrag von 30.000 Pfund Sterling erreicht." Hilfe aus Schweden Paris, 10. Oktober. Das Havas- Büro meldet aus Stockholm, daß der schwedische Gewerkschaftsverband, die sozialdemokratische Partei und die fozialdemokratischen JugendGebieten eingeleitet haben. Der Allgemeine Arbeitsverband hat 50.000 kronen gespendet. Dienstag, 11. Oktober 1938 Aus dem Inhalt: Die Meldung der Flüchtlinge Einjährige Gewerbesperre Arbeitslager vorbereitet Nr. 239 Schroffe Worte an England Hitlers Bedingungen an die britischen Staatsmänner Prag. Die in den vergangenen Tagen nur von leisen Zweifeln und wenigen kritischen tag durch die Rede Hitlers in Saarbrücken ihre erste schwere Erschütterung erlitten. Trok der Stimmen gestörte Zufriedenheit der Deffentlichkeit in den beiden großen Weststaaten hat SonnLobesworte, die Hitler Chamberlain und Daladier widmete, ließ es sich nicht überschen, daß der Ton seiner Rede England gegenüber anspruchsvoller war als es die Optimiſten in London und Paris gerade jetzt erwartet hatten. Daß keine vierzehn Tage nach dem gemeinsamen Diktat von München und den Worten von ewigem Frieden zwischen Deutschland und England Hitler verründet, was England tun müsse, um auf diesen Frieden rechnen zu können, entspricht sicher nicht der Vorstelling, daß in München der Friede gerettet wurde. Neue Befestigungen angekündigt verdeutung jener neuen Freundschaft zu unserem Lande, die Chamberlain aus München mitgebracht hat und die das Volk in Erwartung läßt, ohne die Beruhi gung derer gestärkt zu haben, die in der Uebernahme der Sudeten das Ende der deutschen Expanſivkraft fchen. Auch die ganze Pariser Presse stellt heute über die gestrige Rede des Reichskanzlers Hitler in Saarbrüden Erivägungen an. Im Jour" und im..Echo de Paris" schreibt Bilby: Die Entente- Staaten ma chen sich feine Illusionen über den Charakter des Münchner Abfommens. Dieser Friede wurde ihnen durch Druck und Drohungen, die in der Geschichte nicht ihresgleichen haben, auferlegt. Das sind die Gefühle der erlittenen Demütigung, die man den Die Erfahrungen der letzten acht Monate, an d: Es würde gut sein, wenn man in Groß- jenigen nicht verzeiht, die sie uns zugefügt haben. und sagte Hitler in dem bemerkenswertesten Teil britannien allmählich gewisse Allüren der Ver- Es ist auch feine Lust vorhanden, sie abermals zu era Frauen- Organisationen eine Sammlung zu seiner Rede, müssen Deutschland in dem Be- failler Epoche ablegen würde. Die gouvernan- leiden, Sitler würde sich sehr täuſchen, wenn er nicht gunsten der Flüchtlinge aus den fudetendeutschen schluß bestärken, vorsichtig zu sein und nie etwas tenmäßige Bevormundung Deutschlands ver Frankreich auf gleiche Weise wie England gegenüber der Erbitterung bolles Gewicht beilegen würde, die zu versäumen, was zum Schuße des Reidjes ge- trägt Deutschland nicht. Erkundigungen briti einem nicht au verteidigenden Vorgehen empfindet. tan werden muß. Deutschland steht Staatsmän- jcher Staatsmänner oder Parlamentarier über Man hat von einem Besuch des Feldmarschalls Gös nern gegenüber, die ebenfalls den Frieden wol- bas Schicksal von Deutschen oder von Reichslen. Allein sie regieren in Ländern, bei denen angehörigen innerhalb der Grenzen des Reiches es ihrer Konstruktion nach möglich ist, daß diese sind nicht am Blase. Deutschland kümmert sich Staatsmänner jederzeit von anderen abgelöst auch nicht um ähnliche Dinge in England. Die werden können, die den Frieden nicht so sehr im übrige Welt hätte manchesmal Grund genug, Auge haben. In England brauchen nach einem sich um internationale Vorgänge ebenfalls zu Chamberlain nur Duff Cooper, Eden oder bekümmern. Zur Zeit 3. V. um Vorgänge in Churchill zu kommen, so steht fest, daß das Ziel Palästina. diefer Männer wäre, fofort einen Weltkrieg zu beginnen. ringott. Et jolt beibe Staaten in Frieden laſſen und in Paris gesprochen. Das wäre ein grausamer Irrtümer, aber wir kennen auch das Mittel sie nicht provozieren. Wir fennen unsere Fehler und In der Epoque" ührt Abg. De Stérillis aus. daß das Deutsche Reich fünftig schon nicht imftande ist. Salt zu machen. Die Saarbrüdener Rede hat die offiziellen Persönlichkeiten in White- Hall traurig überrascht, die voll Vertrauen eine Annäherung an Deutschand vorbereiteten. Sie hat in der öffentlichen Meinung Entsetzen hervorgerufen und die letzten Bweifel derjenigen zerstreut, die noch nicht begriffen haben, daß das neue Deutsche Reich sich heute gegen das Britische Reich aufrichtet und zwar gegen dieses Paris. Das Linksblatt„ Co Spir", das als erstes von den franzöfifchen Zeitungen unter feinen Lefern eine Sammlung zugunsten der tsche choflowakischen Flüchtlinge eröffnet hat, fchreitet darin systematisch fort und veröffentlichte schon bie neunte große Spendenliste. Darunter befinden fich auch größere Gaben der Leserschaft und zum großen Teil aus Arbeiterkreisen. Die Gaben find oft von ergreifenden Sufchriften begleitet. Auch Deutschland überläßt das denen, die sich ber ,, Temps" nnb bas franzöfifche Rote Kreus for dafür auserschen fühlen, diese Probleme zu bern su Sammlungen auf. Sie machen gar lein Hehl daraus, ja sie lösen und beobachtet nur staunend, wie schnell fie Einige Blätter veröffentlichten ein Schreisprechen es offen aus. Das verpflichtet Deutschmit dieser Lösung fertig werden. Deutschland allein. ben des früheren französischen Gesandten in Prag land wachsam und auf des Reiches Schuß bedacht noch vielmehr mit der Lösung ihrer eigenen Pro- don wird die Hitler- Rede als eine beſtimmte Abmuß aber allen diesen Herren den Rat geben, sich Im Deuvre" schreibt Frau Tabouis: In Lon Couget, der dem Vorsitzenden des Syndikats der zu sein. Weiter lauert nach wie vor drohend jener bleme zu befassen und Deutschland in Ruhe zu schreckungsmaßnahme angefehen und als eine Vors Barifer Bresse bittet, daß die franzöſiſche Preſſe jüdiſch- internationale Weltfeind, der im Bolsche- lassen. Zur Sicherung des Weltfriedens gehört führung der Straft, bevor noch vom 1. sänner as bie Zeichnungslisten unterstützen möge. Die Blät vismus seine Ausprägung erfahren hat. Deutschter' Deuvre" und" Journal des Débates" land fennt weiter die Wacht einer internatio- auch, daß alle verantwortungsbewußten Staats- die Kampagne wegen der Kolonien mit England be= fügen für ihre Leser die Bemerkung hinzu, daß nalen Presse, die nur von Lüge und Verleumdung männer und Politiker sich um ihre Dinge befüm- gonnen werden wird. fie durch ihre Vermittlung Geldspenden einfender lebt. Angesichts dieser eigenartigen staatlichen mern und nicht fortgesetzt in die Probleme mögen. Heftige Anklagen der Labour Party London, 10. Oktober( Savas). Der Ab. geordnete Attlee hielt in Stone in der Grafschaft Stafferb eine Rede, in der er die britische Regierung beschuldigte, daß fie das Land allmählich an den Rand des Abgrundes führe. Die Quelle allen Uebels, fagte Attlee, iſt die Tatsache, daß Millio nen armer Menschen in England und in Amerika schlecht ernährt, gefleidet und schlecht untergebracht sind. Nach ihm sprach der Arbeiterabgeordnete Wedgwood, der erklärte, daß der Völkerbund nach dem verhängnisvollen Schlag, den ihm der britische Ministerpräsident versetzte, indem er ihn durch einen anderen Organismus, der ihm mehr zusagte, nämlich durch den Viererpakt, erfekte, zugrunde gegangen ist. In Besprechung der derzeiti gen Wirtschaftsverhandlungen zwischen Deutschland und der Türkei und anderen europäischen Staaten bemerkte Wedgewood, daß England langsam alle europäischen Märkte verliere. Schließlich wird uns, fagte der Redner, nichts anberes übrigbleiben, als mit Hitler eine Einigung herbeizuführen, um das zu erhalten, was von unserem Handel übrig bleibt. Hitler wird in einem folchen Falle verlangen, daß Großbritannien eine Regierung und einen Ministerpräsidenten nach feinem Geschmack habe. Die deutsche Expansion auf dem Balkan 3 stanbul, 10. Oftober. Reichswirtschaftsminister Funk und Gattin trafen heute in einem Sonderzug in Istanbul ein. Den ausländischen Journalisten wurde mitgeteilt, daß der türkische Wirtschaftsminister Resevir die Einladung zu einem Besuche in Deutschland angenommen hat. Die Reise des Führers der deutschen Arſcheine nach dem Beſtreben, Bulgarien in die Heitsfront Dr. Leh nach Bulgarien gilt, allem Anantisowjetrussische Front einzugliedern. Dr. Ley wurde in Bulgarien mit außerordentlichen Ehren begrüßt. Konstruktion der Umwelt und dieser treibenden Kräfte muß Deutschland vorsichtig sein. Jeder zeit zum Frieden gewillt, in jeder Stunde zur Abwehr bereit. Ich habe mich, so sagte Hitler, deshalb entschlossen den Ausbau unserer Befestigung im Westen mit erhöhter Energie, so wie ich dies in meiner Rede vor dem Nürnberger Parteitag ankündigte, fortzusehen und ich werde nunmehr die beiden großen Gebiete, die bisher vor un serer Befestigung lagen, nämlich das große Aachener Gebiet und das Saarbrückener Gebiet in diese Befestigung einbeziehen. Das wird zum Schute des Reiches getan werden. Deutschland ist jederzeit bereit, mit seiner Umgebung eine Politik der Verständigung zu betreiben. Deutschland kann das, denn es will ja von ihnen gar nichts. Nur etwas wünscht Deutschland und das gilt besonders für seine Beziehungen zu En g anderer Völker oder Länder hineinreden. Nur lich die Voraussetzung schaffen für den dauerhaf= eine solche gegenseitige Rücksichtnahme wird wirks ten Frieden, den niemand mehr tv ünscht, als das deutsche Volt. Traurige Ueberraschung Demonstrationen gegen Innitzer London.( Havas.) Der Korrespondent des Reuter- Büros in Wien meldet, daß am Freitag abends bei nazistischen Manifestatio nen in Wien die Fenster descrzbisch öf= London. Die Rede Hitlers hat natürlich einen großen widerhall gefunden. Die Blätter betonen die lichen Palais zertrümmert wur Notwendigkeit der Bereitschaft Großbritanniens zur den. Der Palast wurde umstellt und ein Teil der Selbstverteidigung.„ Daily Telegraph" bringt einen Möbel durch die zertrümmerten absolut notwendig für einen dauernden Frieden" und dert und verbrannt. Einige Parteigänger Artifel mit der Ueberschrift..Bewaffnete Stärfe ist Fenster auf die Straße geschleu= führt aus, daß; das Land von dem im nächsten Mo- des Sardinals wurden schwer mißhandelt. Der nat zusammentretenden Barlament die Zusicherung Kardinal selbst sei durch Glassplitter leicht vers erwartet, daß die notwendigen Schritte zur Behes wundet worden.( Diese Meldung wurde jedoch bung der Mängel getan werden und daß das Land vor Fliegerangriffen gesichert wird. Es sei zwar nicht amtlich bestritten.) möglich, daß der Schuß vollkommen sicher sei, notwendig aber sei, daß wir gegen die Gefahr eines fnod out in der ersten Woche des Strieges gesichert sind. News Chronicle" schreibt in seinem Kommen tar zur Rede Sitlers, daß sie wahrhaftig wenig verföhnlich war. Sie enthielt nur eine unmerkliche AnGestapo im besetzten Gebiet Das Sudetendeutsche Freikorps aufgelöst Berlin. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro, vorrückenden Wehrmachtsteilen sofort mit der meldet, sind zum sofortigen Einsatz im judeten Säuberung der besetzten Gebiete von marristischen deutschen Gebiet aus allen Gauen des Reiches Voltsverrätern und anderen Staatsfeinden begonKräfte der Ordnungspolizei und der Sicherheits- nen. Die Kräfte der Reichspolizei werden er polizei einschließlich von SS.- Totenkopfverbänden gänzt aus den Reihen des Sudetendeutschen zuſammengezogen worden. Die Verbände unter- Freikorps. stehen der Wehrmacht. Zur einheitlichen Lösung Die Ursache dieser Manifestation dürfte eine gewesen sein, wobei der Kardinal sagte:„ In den letzten Monaten habt Ihr fast alles verloren. Ihr habt Eure katholischen Zirkel und Eure katholischen Verbände verloren. Trotzdem Ihr aber all deffen verluftig gegangen seid, vereinigt Euch wieder mit Euern Priestern zu neuen Vereinen!" Das Berliner Propagandaministerium sagt, es hätten sich in den Wiener Straßen Halbwüchs sige im Alter von 15 bis 20 Jahren zusammenge rottet und eine drohende Haltung gegen Kardinal Inniger eingenommen. Das Propagandaministe rium stellt fest, daß die Partei energisch einschritt und rasch die Ordnung wiederherstellte. Reichstommissar Bürckel habe energische Maßnahmen gegen die Urheber der Unruhen getroffen, die vor Gericht gestellt und nach Abbüßung ihrer Strafe für ein Jahr ins Konzentrationslager gebracht werden sollen. Die amtlichen Kreise bemerken hie= aller der deutschen Polizei im Sudetenland er zu, daß es zu den Unruhen fam, als Kardinal Dr. wachsenden Aufgaben hat der Chef der deutschen Inniger nach einer Predigt im St. Stephans Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet aus Dom auf den Straßen von der katholischen Jugend Polizei, Himmler, in Dresden Sonderbefehlsstäbe errichtet, nach deren Weisungen die lebernahme Reichenberg: Der Reichskommiffar als Führer des aktlamiert wurde. Die Hitlerjugend antwortete der Polizeigewalt im Einvernehmen mit den Be- Sudetendeutschen Freikorps erläßt folgenden Be- darauf mit Gegenmanifestationen. fehlshabern der Wehrmachtsteile erfolgt. In den fchl:„ Mit dem heutigen Tage löfe ich das Sude- Wien. Die im Auslande verbreiteten Ges besetzten Städten und Ortſchaften wird ſofort zur tendeutsche Freikorps auf. Mit der Durchführung polizeiliche Streifendienſt aufgenommen. Gleichmänner in ihre Heimat beauftrage ich meinen Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit der diefes Befehls und der Entlassung der Freikorpszeitig haben wie das DNB. sagt innerhalb Stellvertreter Karl Hermann Frank. Hitler hat Henlein zum SS.- Gruppenführer der Sicherheitspolizei die Männer der Geheimen Staatspolizei in engster Zusammenarbeit mit den ernannt. Freikorps aufgelöst rüchte, daß Kardinal Innißer in Schuzhaft gedie Gerüchte über die Schließung von Kirchen nommen worden sei, sind falsch. Auch entsprechen nicht den Tatsachen. Berlin, 10. Oktober. Der Havasberichterstat ter erfuhr an Berliner amtlichen Stellen, daß es »eite 2 Dien-tng, 11. Oktober 1038 Luftkrieg in Spanien verschärft sich Furchtbare Zerstörungen durch Franco-Bomben der Wahrheit entspricht, daß da» Palai» de» Kardinal» Jnniher in Wien von Militär bewacht wird. Maßgebende Kreise erklären, daß die militärische Wache vor dem Palais de» Kardinal» nur deshalb aufgestellt wurde, um weitere Demonstrationen gegen den Kardinal hintanzuhalten. Die Stimme des Vatikans Stadt des Vatikan-, 9. Oktober(HavaS). Der Vatikan erfuhr nur von zweiter Hand, und zwar aus Pressemeldungen von den ernsten Ge- genmanifcstationen gewisser nationalsozialistischer Elemente in Wien gegen das erzbischöfliche Palais. Da der Heilige Stuhl sofort nach dem Anschluß seine» Vertreter aus Wien abbernfen hat, konnte er nur indirekt über die Ereignisse informiert werden, die sich in der ehemaligen Hauptstadt zugetragen haben, doch läßt sich jetzt bereits nicht der E r n st dieser Inzidente verbergen und eS wird daran erinnert, daß es nicht daerstemal ist, daß eS zu derartigen Exzessen im Reich gegen die Kirche und gegen Personen kmn, die ihre höchsten Mitglieder sind. ES wird daran erinnert, daß auch der Bischof von Rothenburg Gegenstand derartiger Gewalttätigkeiten war und infolge derselben sich genötigt sah, seine Diözese zu verlassen. Neue Demonstrationen London, 9. Oktober. Der Reuterkorrespon- dent meldet au» Wien: Heute abend kam e- in der Umgebung der TtephanSkirche zu neue» Zwischenfällen. Eine Menge von einigen hundert Mitgliedern der Hitler-Jugend überfiel die nach demAbendgotte-dienst ans derKircheKommrnden. Die Polizei vertrieb die Exzedenten und sperrte alle benachbarten Straßen ab. Später aber wurden d i e D e» monstrationen fortgesetzt. E- bildete sich ein Zug. der unter Abstngung nationalsozialistischer Lieder und unter Schmährufen auf die Geistlichen durch die Straßen zog. englischer Königsbesuch In Amerika? New Jork, 10. Oktober(HavaS). Die New Docker Presse meldet in sensationeller Form, daß das britische König-paar im nächsten Jahre Kanada einen Besuch abstatten werde und bei dieser Gelegenheit auch dem Präsidenten Roosevelt im Weihen Hau- einen Besuch abstatten werde. Die» wäre, schreiben die Blätter, da- schönste Symbol der die beiden Völker verbindenden Freundschaft und der Ausdruck tiefer Dankbarkeit Londons gegenüber Präsident Roosevelt für seinen an Hitler gerichteten Friedensappell. Zusammenstöße in Aegypten Kairo. 10. Oktober.(Reuter.) Wie gemeldet wird, sind gestern nachmittaq» bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten der frühere Ministerpräsident Naha Pascha, der Polizeichef Ruffel Pascha und der frühere Finanzminister Makrame Bey Pascha leicht verwundet worden. Die Ansiedlung von Juden In Palästina wird fortgesetzt Washington, 10. Oktober.(HavaS.) Auf Grund der Gerüchte» nach welchen die britische Regierung davon abzugehen beabsichtigt, daß Palästina auch weiterhin seinen bisherigen Ehü» rakter als israelitische» AnstedlungSgebiet behalte, wandten sich die amerikanischen jüdischen Organisationen mit einem Protesttelegramm an den britischen Kolonialminister Macolm MacDonald. Dieser erklärte, daß es„ungerecht und grausam toäre", die Ansiedlung der Juden in Palästina einzustellen. britische Verstärkungen nach Haifa Haifa, 10. Oktober.(HavaS.) Heute lief der britische Dampfer„VaSna" mit einen: Bataillon des Dedfordshire-Regiment- und zwei Kompagnien des Hampshire-Regiments an Bord im Hafen von Haifa ein. Die erwähnten Truppenichteilungen wurden nach Nazareth und nach Süd-Palästina dirigiert. politischer Nord In Sofia Sofia. 10, Oktober.(HavaS.) Nach fün Jahren wurde heute die bulgarische Hauptstadt wieder Zeugin eines politischen Mordes. Gegen 8 Uhr nachmittags begab sich der Generalstabschef der bulgarischen Armee, General Pejew, in daS Gebäude de» Kriegsministeriums. In seiner Begleitung befand sich der Leiter der kartographischen Abteilung Major Stojanow. Plötzlich sprang ein Zivilist gegen General Pejew und seinen Begleiter vor und schoß auf sie. General Pejew war sofort tot, Major Stojanow wurde verwundet. Der Attentäter beging sodann Selbstmord. DaS Motiv der Mordtat ist bisher nicht bekannt. chinesischer Sieg del Hankau London, 10. Oktober.(HavaS.) Mel dünge» aus chinesischen militärische« Quellen -«folge vernichteten chinesische Truppen westlich von Trhan an der Jangtse-Front zwei japanische Divisionen in der Gesamtstärke von 20.000 Mann. Die Stadt Hankau nahm diese Meldung mit großer Begeisterung auf. B a r r e l o n a, 10. Oktober.(HavaS.) Ein Fliegerangriff auf einen Persowenzug erfolgte SamStag in der Nähe der Station San Vicente EalderS: Der Angriff erfolgte um 20 Uhr und wurde von Wasserflugzeugen der Aufständischen unternommen. In den: Augenblicke, als de« Zug sich der Station Bieente Calder- näherte,>var- fr» die Wasserflugzeuge sechs 100 Kilogramm schwere Bomben auf die Strecke. Die Lokomotive und einige Waggon- mit Reifenden stürzten um >md gerieten in Brand. In der fürchterliche» 'Panik, die der Katastrophe folgte, versuchten diejenigen, die dem Tode entgangen waren, sich durch Flucht zu retten, doch fanden viele Personell den Tod. Im Dunkel der Nacht, bi- in die dritte Morgenstmide, dauerte da- Rettungswerk an. Die Aerzte leisteten den Verwundeten an Ort und Stelle Hilfe, während sie die Toten neben dem Geleise betteten. ES wurden 180 Tote und 300 Verwundete gezählt. bomben auf Cartagena und Barcelona Cartagena, 10. Oktober.(HavaS.) Heute vormittags bombardierten Franco-Flugzeuge zweimal Cartagena. Die Flugzeuge krefften in einer Höhe von etwa 8000 Metern und vernichteten durch die abgeworfenen Bomben zahlreiche Häuser. Man ist der Ansicht, daß daS BonBarde- ment viele Opfer forderte. Es wurden zwei Tote und 27 Verletzte gezählt. In den Mittagsstunden erschienen, von Mallorca kommend, neuerlich fünf Flugzeuge, die aus großer Höhe den Hafen bombardierten. Barcelona, 0. Oktober.(HavaS.) In der Nacht auf Sonntag gegen Mitternacht bonlbar« dierten zehn Franco-Flugzeuge Barcelona. Bisher wurden zehn Tote und vier Verletzte ermittelt, doch nimmt man mit Rücksicht auf die Heftigkeit des Angriff» an, daß die Zahl der Opfer weit größer sein wird. Heftige Rebellen-Angrlffe Barcelona, 10. Oktober.(HavaS.) Nach einein amtlichen Bericht des Nationalverteidi« gnngSministeriumS in Barcelona unternahmen die Truppen des General» Franco während de» ganzen gestrigen Tage» heftige Angriffe auf die Positionen bei Col de Coso an der östlichen Front. Die Angriffe wurden bi» gegen 18 Uhr abgePariS, 10. Oktober. Morgen Abend oder längsten» Mittwoch vorinittagS tritt unter dem Vorsitz de» Präsidenten Lebrun ein Ministerrat zusammen, der die Entscheidung über die Ernennung des Botschafters in Rom beim Quirinal treffen soll. Wahrscheinlich dürste der bisherige Botschafter in Berlin Francois Poncet ernannt werden. In diesem Ministerrat sollen auf Grund der Vollmachten, die die Regierung letzten Mittwoch im Parlament erhalten hat, die Regierungsdekrete zur wirtschaftlichen und finanziellen Stützung deS Lande» vorbereitet werden. Die uner- ireuliche finanzielle und industrielle Lage bereitet nicht nur der Regierung, sondern allen verantwortlichen politischen Persönlichkeiten Schwierigkeiten. Tw» Dudgetdefizit, welche» von den Blättern auf 80 Milliarden Franc» geschäht wird, die sehr erheblichen weiteren Auslagen, die mit der Mobilisierung verbunden sind, die ständig wachsenden Ausgaben, die die weitere Aufrüstung erfordert, rufen alle nach einer raschen Lösung. Dagegen zeigen die Arbeiterschichten, die mit der Regierungspolitik sowohl in außenpolitischer als auch in sozialer Hinsicht unzufrieden und wegen der steigenden Teuerung besorgt find, sehr geringe. Neigung, der Negierung DaladierS die Lösung ihrer dringlichen Aufgaben zu erleichtern. Der führende Mann des linken Flügels der radikalen Partei Minister für nationale Erziehung ZaY erklärte gestern warnend: Entweder wird daS demokratische Regime Frankreich in den nächsten Monaten retten, oder e» verschwindet und die Freiheiten mit ihm. Wegen dieses ungeklärten Berhältniffe» der Regierung zur Demokratie, scheint eS nicht wahrscheinlich, daß bereits in der nächsten Sitzung des Ministerrates der definitive Wortlaut der Regierungsdekrete wird verkündet werden können. Französische Gewerkschaftsberatungen Paris. 10. Oktober.(HavaS.) Heute vormittags ist der Nationalausschuß de» französischen Allgemeinen ArbeitSverbandeS unter dem Vorsitz des Generalsekretär» Leon Jouhaux zusammengetreten. In den Gewerkschaften stehen einander(nach der Darstellung des Tsch. P.-B.) zwei Strömun- gen gegenüber. Die erste Strömung fordert eine vollständige Entpolitisierung der Getverkschafts- bewegung und stellt sich daher gegen alle Kriegstendenzen, sie verlangt demgegenüber, daß die Arbeiterschaft in Ruhe ihrer Beschäftigung nachgehen könne. Der Repräsentant dieser. Richtung ist der Stellvertreter des Generalsekretärs Bel« wehrt. Nach einem neuen Angriff fielen zwei republikanische Positionen in die Hände der Nationalisten. Die republikanischen Abteilungen haben sofort einen Gegenangriff unternommen. Zur Zeit der Ausgabe des Kommuniques dauerte der Kampf noch an. Ueberflilsslge„Freiwillige** werden abberufen Bayonne, 10. Oktober. Aus Nationalspanien eingetroffenen Nachrichten zufolge werden Dienstag oder Mittwoch in Sevilla zwei Divisionen italienischer Freiwilliger, und zwar die Division de»„23. März" und die Division„Littorio" ein- geschifft und nach Italien transportiert werden. Den gleichen Nachrichten zufolge weiten die italienischen Abteilungen in Spanien einen Teil der JnfanterieauSrüstung, Artillerie und Flugzeuge zurücklassen. Ebenso werden die technischen Fachleute noch eine zeitlang in Spanien bleiben. Sie werden die Aufgabe haben, da» Kriegsmaterial und insbesondere die Artillerie an die spanischen Abteilungen zu übergeben. Auch einige Flieger werden in Spanien bleiben. Bei dieser Gelegenheit wird darauf verwiesen, daß bei den Kämpfen um Bilbao da- italienische Expeditionskorps vier Divisionen in der Gesamtstärke von 70.000 Mann zählte, und zwar die Divisionen„Schwarze Pfeile",„Blaue Pfeile", „23. März" und„Littorio". Gewissen bi-her unbestätigten Meldungen zufolge sind im Juni von diesem italienischen KorpS nach der großen Abberufung von Freiwilligen nach Italien nur noch 30.000 Mann in Spanien verblieben. Ferner betrugen die italienischen Verluste seit Beginn der Feindseligkeiten 4000 Tote und 9000 Verletzte, Kranke und Gefangene. Franco siegessicher BurgoS, 10. Oktober.(Reuter.) DaS Amtsblatt der nationalistischen Regierung veröffentlicht heute mit fetter Ueberschrift einen Artikel, der sich gegen jedwede Vermittlung im spanischen Bürgerkriege au-spricht. DaS Blatt schreibt:„Diejenigen, die bi» jetzt noch von ausländischer Vermittlung träumen, irren sich sehr, besonders heute, da die nationale Armee nahe dem Endsiege ist." lin. Die zweite Strömung steht unter starkem Einfluß der dritten Internationale. Ihre Repräsentanten Racemond und Frachon leiteten bi» vor kurzem den mit den Kommunismus fympathffie« rcnden Arbeitsverband, der sich vor zwei Jahren gleichzeitig mit dem Allgemeinen Arbeitsverband zu einem Einheitsverband zusammengeschloffen hat.« Der Generalsekretär des Allgemeinen ArbeitSverbandeS Jouhaux nimmt eine dritte zwischen den beiden Ströinungen vermittelnde Stellung ein. Für den 14. bi» 17. Noveniber ist der ordentliche Kongreß des Allgemeinen Arbeitsver- bandcs nach Nantes einberufen worden. Zerfall der Flandln-Partel Paris, 10. Oktober. Der JahrcSkongreß der Partei der demokratischen Allianz sollte Heuer im Herbst in Mülhausen stattfinden. Die Mitglieder der dortigen Organisation der Partei geben jedoch der Befürchtung Ausdruck, daß die Anwesenheit dc» Vorsitzenden ta Partei, Flandin, zu Polemiken und Kundgebungen der Unzufriedenheit unter den elsässischen Mitgliedern der Partei Veranlassung geben könnte. Darum wurde beschlossen, daß der Kongreß in Mülhausen nicht stattfinde» wird. Der prominente Führer der Partei, Lame» de Rothschild, Bürgermeister von Compiögne, hat bekanntgegeben, daß er auS der Partei FlandinS austrete. Der Senator und ehemalige Minister Reibel hat an Flandin ein Schreiben gerichtet, in dem er bekannt gibt, daß er gezwungen sei, au! seine Bizepräsidenten-Funition zu resignieren. Flandin war bekanntlich der hervorragendste Wortführer der Politik, die in München in Dala- dier ihren Vollstrecker gefunden hat. Französische Nachwahl Montpellier, 10. Oktober(HavaS). Bei den Senatswahlen in MonpeNier ist mit 482 Stimmen von 888 Stimmen der frühere unabhängige radikale Abgeordnete Pierre Masse zum Senator gewählt worden. „Heuchlerisches Denkmal" Pari-, 10. Oktober. Ein Mitglied der Pariser Stadtrates stellte vor einigen Tagen den Antrag, der„zum Märtyrer gewordenen Tschechoslowakei" für die Opfer» die sie für die Erhaltung des europäischen Friedens gebracht hat, in Paris ein Denkmal zu errichten. Im heutigen„Figaro" antwortet Jacques Patain auf diesen Vortrag in einein Artikel unter der Ueberschrift„Heuchlerisches Denkmal", in dem er schreibt.„Es ist un» Die polnische Opposition boykottiert die Selm-Wahl Warschau, 10. Oktober.' Der HavaS« Berichterstatter erklärt, daß die polnische Bauernpartei an den Parlamentswahlen, die am 6. und 12. November in Polen stattfinden, nicht teilnehmen wird. Die Partei begründet ihren Be- chluß damit, daß die Wahlen nach der alten Wahlordnung vom Jahre 1938 ausgeschrieben wurden, di« der Bauernpartei kein« Möglichkeit gibt, eine ihrer zahlenmäßigen Stärke entsprechende Vertretung in der Regierung zu haben. Auch die sozialistisch« und die nationpldeinokra- tische Partei hab« beschlossen, nicht in die Wahlen»l gehen. Neuwahlen In Jugoslawien Belgrad, 10. Oktober. Nach der heutige» Sitzung deS Ministerrates wird«in Dekret her- auSgrgrben werden, durch welches di« bisherige nationale Skupfchtina aufgelöst wird, und ei» zweite- Dekret, worin die Neuwahlen ausgeschrieben werden. Dies« werde» am 11. Dezember durchgeführt werden. Die neugrwählte Skupfchtina wird sodann zur ersten Sitzung.am 16. Jänner einberufen, für welchen Tag auch der Senat einberufen ist. reitig, daß da» heldenhafte Opfer der kleinen chechoslowakischen Nation verdient, gefeiert zu werden. Strittig ist aber, ob es gerade den Franzosen zukommt, die Anregung zu etwa» Derartigem zu geben. Die Tschechoslowakei, die dem Frieden geopfert wurde, hat sich mit Resignation ihrem Schicksal ergeben, um Millionen Menschenleben zu retten, aber uns Franzosen ist eS nicht erlaubt, zu vergeffen, daß die Tschechoslowakei damit rechnete, daß sie gerade in uns eher einen Verteidiger als einen Denkmalerrichter finden Iverde. Es wäre also unsererseits wirklich eine Heuchelei und sozusagen eine Unverschämtheit» wenn wir daS Opfer feiern würden, das der Tschechoflowakei für die Rettung der Welt, beginnend mit uns Franzosen, aufgezwungen wurde. Ein Denkmal, würde, auch wenn es ein Meister» tück wäre, keinen Loskauf bedeuten. Tagung des Ständigen Ausschusses Prag, 10. Oktober. Am 10. Oktober nachmittag» trat der Ständig« Ausschuß nach Paragraph 84 der Verfassungsurkunde zu einer Beratung zusammen. An der Sitzung beteiligten sich Ministerpräsident General Syrovy und Außenminister Chvalkovskh. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Malypetr hielt dieser zunächst dem verstorbenen Senator Frantiäek Tomäiek einen Nachruf, in dem er die Verdienste de» Verstorbenen um die Nation und den Staat in warmen Worten würdigte. Di« Zuschriften de» Vorsitzenden der Regierung über die Demission de» ersten Kabinett» Syrodh wurden zur Kenntnis genommen. Der Vorsitzende der Regierung, General Syrovh, gab ein« Erklärung ab, die sich mit der schon bekannten RegierungS- erklärung deckt. Die Darlegungen de» Außenminister» Chvalkovfly wurden al» vertraulich erklärt. Die Regierung legte einen Regierungientwurs über die Maßnahmen hinsichtlich de» staatlichen Un- terhaltSbeitrage» vor, de» weiteren einen Entwurf, in dem für Karpathorußland ein Obergericht und eine OberstaatSenwaltschast mit dem Sitz in UZHo, rod vorgesehen fft, außerdem Entwürfe über di« Reorganisation einiger Verhältnisse im Gericht», dienst, E» wurden die Referenten für diese Ent, würfe gewählt, de» weiteren zwei Subkomitee», denen u. a. auch Abgeordneter Taub angehört. Die Regierung legte de» weiteren die Regierungsverordnung vom 28. September 19P vor betreffend die Beschränkung von Auslandsreisen, sowie die Regierungsverordnung vom 28. Septem, her 1988, durch welche einige Bestimmungen über da» Kleingeldsystem und die Zettelbanken geregelt werden, ferner die Regierungsverordnung vom 1. Oktober 1988 Wer die Regelung einiger Bestim« mungen innerhalb der Verwaltung Karpathoruß- land». De» weiteren war Gegenstand der Berhand, lungen: die Regierungsverordnung über die Bezüge der Militärgagisten und Staatsbeamten für die Zeit der Wehrbereitschaft, die Verordnung über den Schutz der Geldanstalien und ihrer Gläubiger und die Verordnung vom 8. Oktober über die weitere Beschränkung der Auslandsreisen. Auch für diese Verordnungen wurden Referenten bestimmt. Auf Antrag MalypetrS und Dr. Soukup» wurde die parlamentarische Spar- und Kontrollkommission als permanent erklärt. Die nächst« Sitzung des Ständigen Ausschüsse» findet Dienstag, den 11. Oktober, statt. Sie wird sich mit den dem Ständigen Ausschuß heute vorgelegten Entwürfen befassen. Minister Dr. Parkänfi Gouverneur von KarpathoruBland Prag. Die Regierung der Tschechoslowakischen Republik hat den Gouverneur von Karpatho« rutzland auf seinen Wunsch von seinem Amt« abberufen und zugleich den Minister Dr. Ivan Par« känyi zum Gouverneur von Karpathorußland ernannt. Gouverneur Dr. Parlänyi hat das borge« schriebene Gelöbnis abgelegt. Frankreichs Schwierigkeiten Budgetdefizit von 50 Milliarden Francs ft. 889 Dienstag, 11. Oktober 1938\ Leit« S Gebietsübergabe an Unsarn Heute Besetzung von Öahy und Slov. N. Mesto Komärno. SaniStag um 19 Uhr wurden in Komärno die Verhandlungen zwischen der tschechoslowakischen und der ungarischen Abordnung begonnen. Ueber die Verhandlung wurde folgender amtlicher Bericht auSgegeben: Die ungarische und tschechoslowakische Abordnung begannen am 9. Oktober um 7 Uhr abends in Komärno die Verhandlungen. Nach der gegenseitigen Begrüßung nahmen die Abordnungen einzeln die vorläufigen Fragen vor. Die Vertreter der tschechoslowakischen Regierung gaben ihre Bereitwilligkeit in der Richtung kund, daß zum Zeichen deS Vertrauens auf einen gedeihlichen Erfolg der Verhandlungen die Tschechoslowakei am 11. Oktober um 24 Uhr den ungarischen Behörden die Eisenbahnstation von Slowakisch Aovk MSsto, die in tschechoslowakischen Händen ist, abtreten wird. Zur gleichen Zeit wird die Tschechoslowakei die Stadt Sahy Ungarn abtreten. Im Zusammenhang mit der Abtretung der Eisenbahnstation NovL Miisto ist die ungarische Abordnung dem Anträge der tschechoslowakischen Abordnung beigetreten, daß der tschechoslowaki sche Transitverkehr aufrecht erhalten werden wird. Nach diesem Abkommen schritten die Abordnungen zur Verhandlung über ungarische Forderungen, dir der Führer der ungarischen Delegation vorlegte. Zu ihrer Prüfung bat die tschechoslowakische Delegation um Zeit gebeten, so dah die weitere Verhandlung offenbar am Montag, den 10. Oktober, nachmittags erfolgen Ivird. Beide Delegationen geben sich der Hoffnung hin, daß der Anfang der Verhandlungen auch von der Oeffent- lichkeit beider Staaten mit Befriedigung ausgenommen werden wird und vor allem auch von der Bevölkerung der beteiligten Gebiete, die ruhig den weiteren Verlauf der Verhandlungen abwartet. Die beiden Abordnungen hielten am 10. d. M. um 14 Uhr eine weitere Beratung Wb, bei welcher die tschechoslowakische Delegation ihren Standpunkt gegenüber dem ungarischen Vorschläge mitteilte. Am Dienstag, den 11. Oktober, um 9 Uhr vormittags, halten die Sachverständigen der beiden Abordnungen eine Beratung. Die Abordnungen selbst sehen am Nachmittag um 15 Uhr ihre Verhandlungen fort. Was schreibt die tschechische Presse? Die tschechischen Zeitungen vom Sonntag befassen sich neben allgemeinen Erwägungen Über dir für Staat und Volk so tragische Entwicklung der letzten Zeit vor allem mit der Neugestaltmig der politische» Verhältnisse in der Slowakei und mit de» wirtschaftlichen Folgen der Verkleinerung de- Staate-. DI» Slowakei „Lidovä N o v i n y" befassen sich mit der Regelung der slowakischen Flage. Das Blatt schreibt: „Die volle Führung der slowakischen Angelegenheiten geht nun auf die Slolvaken selbst über. Sie werden vor viel« Schwierigkeiten gestellt, vor denen wir gestanden haben, und vielleicht werden sie uns nach gewissen Erfahrungen gerechter beurteilen. Ob stch die Slowaken nun, nachdem sie di« Selbstverwaltung erreicht haben, mit uns als ein Volk fühlen oder ob sie darauf bestehen werden, daß st« für eine von uns unterschiedliche Nation betrachtet werden, das wird, wie im Wesen bisher, einzig auf ihrem Willen beruhen und ihrer Beurteilung überlassen bleiben. Sie sind und bleiben zweifellos Slowaken, so oder so. Wir Tschechen können in dieser Angelegenheit nur unsere Wünsche und unser Bestreben haben, können, aber dürfen keinesfalls«ingreisen. E» ist vergebens, darüber zu diskutieren, welche wiffenschastllch.sichergestellte Kennzenchen eine Nation schaffen: Der Wille, eine selbständige Kation zu sein, ist es, der sie insbesondere schafft." Auch„Prävo Li du" wendet an leitender Stelle feine Aufmerksamkeit dem slowakischen Problem zu. Der ehemalige Justizminifter Dr. D i« rex schreibt darüber: „Nicht Doktrinen und Ideologien waren und sind bei uns die hauptsächlichen Dinge. Hauptsächlich ist das Leben und sind seine Bedürfnisse. Wir müssen den Leben-kern unserer Partei erhalten und ihn in den gesunden Lauf der neuen Entwicklung eingliedern. Der Kern unserer Partei war und bleibt der Bedanke des Schuhes der Interessen des arbeitenden Volkes. Diesen Kern werden wir um jeden Preis erhalten. Die Interessen der Arbeiter, Angestellten und Kleüchauern schützen, verteidigen und vertreten, da- war immer die Aufgabe unserer Partei, und diese Aufgabe wollen wir weiter verfolgen. Wir haben eine gut anSgebaute Gewerkschaftsbewegung, welche niemals politisiert hat, welche groß« fachliche, wirtschaftliche und soziale Erfahrungen hat und welche die beste Brundlage für«ine künftige gesunde Politik des arbeitenden Bolles ist. Unsere Politik wird sich also auf der Brundlage des Schutzes der Interessen der von uni vertretenen Schichten bewegen und muß in den neuen Rahmen de» Staates und der Nation als positives, schöpferische- und konstruktiver Element eingegliedert werden. Wie bisher werden uns auch fernerhin die Interessen des Staates und der Nation heilig sein." „Ost' Trotj gibt Mut“ Im„Senlob" erinnert dessen leitender Redakteur Rudolf Halit an die Katastrophe nach der Schlacht am Weißen Berge. Er sagt: „Vor dreihundert Jahren gab e- eine Tragödie. In diesem Lande blieben ein paar Hunderttausende von un» übrig, in einem entvölkerten, verwüsteten und ausgehungerten Lande. Eine Wüst« war da» Land, Hunger und Elend waren da zu Hause. Sie haben uns mit eisernen Ruten zerschlagen. Und doch sind wir zum Leben wieder erstanden. Die Beschichte wiederholt sich. Es war eine schrecklichere Wirklich» keit al- die heutige. Wenn unsere Urväter der Verzweiflung und dem Unglauben verfallen wären, wären wir nicht hier. Seien wir nur nicht weicher. Nur keinen Kleinmut. E» gibt einen Tod und eine Auferstehung. Geschrei imponiert nicht, Weinen ertötet, der Glaube gibt Leben, die Hoffnung gibt Kraft, der Troh gibt Mut. Wir wissen jetzt, woran wir sind. Wir zählen uns. Daß wir weniger sind? Ein Familienmitglied stirbt und das Geschlecht lebt. Ein Zweig der Nation vertrocknet und der Baum der Nation treibt aufs neue." 01« Innere kollektive Sicherheit „Närodni Osvobozeni": Die Sentimentalität und die innigste GefühlSerleichterung werden nich: selten. Die internationale kollektive Sicherheit ist zerstört, aber unsere innere kollektive Sicherheit hat sich bewährt und darf nicht versagen. Wir können un» noch nicht einmal gut vorstellen, was sie mit uns durchgeführt haben und wir wollen darüber gar nicht so sehr nachgrübeln. D-n schmählichen Frieden, der un» auferlegt wurde, fi^len wir grausam auf unserer Haut, aber e» hat keinen Sinn, erlittene Wunden noch zu reizen. E» wird sicher am besten sein, da» erlittene Unrecht nicht au» dem Sinn zu verlieren, aber davon so wenig al» möglich zu reden— jeder von un» weiß gut, worum«» geht. Dieser Standpunkt hat sich in der Geschichte nicht nur einmal gut bewährt. Heute müssen wir vor allem fest formulieren, wa» wir heute und morgen in dem verstümmelten Staate und in vielen restringierten Arbeitsbereichen tun sollen. Dae geteilte PoliSka Die ,Lidovk Lisch" berichten über die Grenzziehung bei Poliika: Die DelimitationSlinie teilt die Stadt Poliika in 2 Teile. In einem hauptsächlichen östlichen Teil, der'Deutschland zu fallen toll,"und in' «inen kleineren westlichen tschechischen. Der tschechische Teil begreift nur etwa hundert kleinere Häuser in sich. Bon den bedeutsameren Objekten sind die»: da» Theater, da» Brauhaus und der Friedhof. Im deutschen Teil sind leider auch die Munitionsfabrik, der Bahnhof und alle staatlichen Bezirks-, Gemeindeämter, private Unternehmungen und Kredit- Institute und alle Schulen. Unser Handel mit Deutschland Die„Närodni Politika" befaßt sich mit einigen wirtschaftlichen Fragen, die au» der neuen Grenzziehung und au» den neuartigen politischen Verhältnissen entstehen. Unsere Handelspolitll, so wird da gesagt, ist zu der Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit dem Nachbarreiche in den letzten Jahren in Gegensatz getreten. DaS war nicht nur die Folge einer verschiedenen Ideologie, sondern auch der Bestrebungen Deutschlands nach Autarkie, wodurch die Einfuhr von Fertigprodukien auf da» möglichst geringste Ausmaß eingeschränkt wurde. Dieser Zustand hat sich für die Tschechoslowakei infolge des Anschlüsse» Oesterreichs an das Deutsche Reich noch verschlechtert. Dennoch hat das Aktivum unsere» Außenhandels mit Deutschland seinschießlich Oesterreichs) in den ersten acht Monaten de» heurigen Jahres 301 Millionen llö von einem Gesamtaktivum von 1868 Millionen Ki betragen. Di« Ausfuhr hat 21 Prozent, die Einfuhr 10.2 Prozent unserer gesamten Ausfuhr bezw. Einfuhr betragen, Die Abtretung einiger Industriegebiete von unserer Republik bedeutet aber eine Zerreißung einer jahrhundertealten organischen Wirtschaftsentwicklung, welch« weder für Deutschland noch für die Tschechoslowakei von Vorteil sein wird, wenn die bisherigen Beziehungen plötzlich zerrissen und wenn in beiden Staaten nicht genug Verständnis für ihre Erhaltung wäre. In dem abgetretenen Gebiet gibt es eine Reihe Unwahrheiten Der„Beier" und der„ExpreS" behaupten, daß in der Nähe von Prag deutsche Flüchtlinge aus der Provinz und Flüchtlinge aus Oesterreich und Deutschland die Errichtung staatlicher deutscher Schulen verlangt hätten. Der„Beier" weiß sogar zu melden, daß die Flüchtlinge unter Vorantragung einer Standarte durch rein tschechische Dörfer bei Pkibram gezogen seien(I). Die Standarte habe die Aufschrift enthalten: „Wir ivollen deutsch. Schulen." Diese Nachrichten sind, wovon wir unö überzeugen konnten, vollkommen unwahr und stammen offensichtlich an- Kreisen» die sich mit Eifer bemühen, gegen die politischen Flüchtlinge aus dem stidetendentschen Grenzgebiet im tschechischen Volke Stimmung zu machen. von Industrien, welche mir auf den Absatz in der Republik angewiesen waren, welche ihre in Jahrzehnten aufgebaute Handelsorganisationen nunmehr verlieren, die sich im Nachbarreich in ganz neuen Verhältnissen befinden und der dortige» scharfen Konkurrenz ausgesetzt sein werden. Manchen dieser Industrien werden auch einige unserer Roh- und Hilfrstofse fehlen, genau so wie unserer Industrie manche Artikel und insbesondere Chemikalien abgehen werden, welche im bisherigen sudctendeutschen Gebiet erzeugt wurden. Zum Schluß befaßt sich das Blatt mit den in dem Bericht Lord Runciman» au Chamberlain vorgeschlagenen Präferenz-Zöllen zwischen der Tschecho« flowakei und Deutschland. Einer solchen Lösung werde man schwerlich ausweichen können. Kommunistische Partei In der Slowakei eingestellt Bratislawa. Die slowakischen Minister haben Sonntag die Tätigkeit der Komm»-. nistischen Partei in der Slowakei eingestellt.| Gleichzeitig ist den kommunistischen Zeitungen da» Postdebit in der Slowakei entzogen warben. Vorhut der Britischen Legion in Prag London.(HavaS.) Heute vormittagkurz vor 9 Uhr verlieh die Borhut der freiwilligen Abteilung der Britischen Legion, welche die .Ordnung in der Tschechoslowakei aus dem Gebiete, in dem ein Plebiszit stattfinden soll» den Flugplatz von Crotzdon. Diese erste Gruppe besteht au» dem Obersten Sir Alfred Mowat, Industrielle» aus Porkshire» dem Major Griffin. Sekretär der Legion, und A. Btzford auS dem KriegSministe- rium. Sie fliegen nach Prag, um gemeinsam mit den tschechoslowakischen Behörden die Unterbringung der Britischen Legion vorzubereiten. Verschleppte Lokomotivführer Prag. Bei der Okkupation de» Grenzgebietes wurden auch einige Lokomotivführer der tschechoslowakischen Staatsbahnen nach Deutschland verschleppt. Bisher lagen über deren Schicksal keine Nachrichten vor. Die Föderation der Lokomotivführer in der Tschechosiotvakischen Republik erhielt nunmehr ein Schreiben auS Magdeburg, in dem mitgeteilt wird, daß dortselbst folgende Lokomotivführer festgehalten werden: Franz Pochmann auS Böhm-Leipa, Franz Hrubcö au» Böhm.-Leipa, Karl Hamerflh au» Tetscheu, Jaroslav Jehliika au» Rumburg, Jaroslav Noväk au» NiedereinsiÄel. Josef Skoda auS Niedereinsiedel, Adolf Keßler au» Niedereinsiedel, Alois Koii aus Nicdereinsiedel und der Motorwagenführer Ladislav Tüma auS Rumbura. Die Familien der Genannten wurden nach Böhmen evakuiert. E»«wird ihnen Mitgetcilt, daß sich alle Genannten derzeit in Magdeburg befinden, daß sie gesund sind, ihre Familien grüßen und sich auf ein baldige» Wiedersehen freuen. Sofern ihre Familien Rat oder Hilf« brauchen, mögen sie sich an die Föderation der Lokomotivführer Prag-Zi.skov, Karlovä tr. 7, wenden. Vie Meldepflicht der Flüchtlinge P r a a. Der Landesvräsident in Prag erließ folgende Derordnungr Nach 8 11 des Gesetzes vom 14. April 1920, Zahl 390 Slg. d. Ges. u. Vdg. betreffend außerordentliche Maßnah» men im Sinne des Gesetzes vom 10. Juli 1933, Zahl 125 Slg. d. Ges. u. Ddg. und nach 8 2 der Regierungsverord» nung vom 17. September 1938, Zahl 177 Slg. d. Ges. u. Ddg. ordne ich anr Personen, welche nach dem 29. Mai 1938 auS dem von reichsdeutschen oder polnischen Truppe« besetzten Gebiet in eine hiesige Gemeinde zugewandert sind, sind verpflichtet, sich mittels amt» lichen Formular- binnen 24 Stunde« nach Affichierung dieser Kundmachung oder wenn sie später zugewandert find, 24 Stunden nach ihrem Eintreffen, zu melden. Diese Pflicht übt für die Fami» lienmitglieder der Haushaltungsvor» stand und für die unmündigen Perso» nen, die mit den Eltern nicht zusammen» wohnen, der Wohnungsinhaber aus. Personen, die die Anmeldepflicht be» trifft, dürfen ihren Wohnort nur mit Zustimmung der Behörde ändern. Der Zustimmung der gleichen Behörde» be» dürfen solche Personen auch zu feder Reise. Wenn sie in ihren früheren Wohnort zurückkehren, erhalten fie von der Behörde einen Ausweis, der ste zur freien Fahrt auf der Eisenbahn nach ihrem früheren Wohnort, gegebenenfalls zur Demarkationslinie berechtigt. Der Besitzer(Verwalter) des Hanse- und bei Personen ohne selbständige Wohnung der WohnungSlnhaber sind verpflichtet, Personen, die die Anmeldefrist betrifft, in der vorgenannte« Frist dem Meldeamt bekanntzugeben und den SicherhettS» und Kontrollorganen alle zur Konskription notwendigen Angaben mitzuteilen. Die Richtbefolgung dieser Kundmachung wird mit Geldstrafen biS zu 19.090 Krone« oder mit Gefängnis bi» zu einem Monate, eventuell mit beiden Strafe« geahndet. Wirtschaft maßnahmen der Regierung Einjährige Gewerbesperre Beschränkungen bei Grundstückgeschäften Prag. Der Vorsitzende der Regierung, Ar- meegcneral Jan Syrow) hat sowohl in der Regierungserklärung al» auch bei anderen Gelegenheiten die wirtschaftliche Erneuerung des Staates als Hauptaufgabe seiner Regierung bezeichnet, durch welche der Umbau des Staates in einen Staat der Tschechen, Slowaken und Karpathoruffen, der auf der vollkommenen Gleichheit aller drei nationalen Bestandteile beruht, ergänzt werden muß. Alle Bestrebungen der Regierung sind jetzt nach der Lösung des Verhältnisses zwischen Tschechen und Slowaken auf die Bereinigung der Fragen Kar- pathorußlands und auf die beschleunigte Stabilisierung der Verhältnisse in dem neuen Staatsgebiet konzentriert. Die Regierung widmet ihre Beratungen der Vorbereitung der wirtschaftlichen Erneuerung. Am Sonntag um 20 Uhr trat der Ministerrat zu einer Sitzung zusammen, in der er den Entwurf einer Regierungsverordnung über die zeitweilige Beschränkung der Veräußeru.ig und Verpachtung bestimmter Arten von Immobilien genehmigte. Durch diese Regierungsverordnung wird die Verpflichtung eingeführt, zum Verkauf oder zum Tausch landwirtschaftlicher Immobilien, von Immobilien mit Wohnhäusern oder Betriebsstätten und ebenso von Bauparzellen die Bewilligung der Bezirlsbehörden zu besorgen. Amtliche Zustimmung ist auch erforderlich zur Verpachtung von land- und forstwirtschaftlichen Unternehmungen für eine Zeit von mehr als sechs Jahren. Weiters genehmigte der Ministerrat den Entwurf einer Regierungsverordnung, durch die zeitweilige Beschränkungen in Gewerbe, und anderen Erwerbsunternehmungen eingefiihrt werden. Durch diese Maßnahme soll einem übereilten Zustrom von Gewerbetreibenden wie auch von Personen anS freien Berufen vorgebeugt werden, damit nicht eine Bedrohung der Existenz ganzer Stände eintritt. Diese Beschränkung wird für die Zeit eines Jahres eingeführt« Der Ministerrat genehmigte ebenfalls den Entwurf einer Regierungsverordnung betreffend die Entlassung tschechoslowakischer Staatsbürger deutscher Nationalität aus dem Militärdienst. Dieser Enwurf hängt mit dem achten Artikel de» Münchner Abkommens zusammen, der festseht, daß innerhalb von vier Wochen jene Sudetendeutsche, die darum ersuchen, aus den Militär- Arbeitslager Die Regierung hat beschlossen, in der nächsten Zeit in der Tschechoslowakei Arbeitslager ein- znrlchten, welche den Zweck haben sollen, Ar- beit-losen Beschäftigung zu geben. und Polizeiverbänden entlassen werden sollen. Der Entwurf ermöglicht die Erfüllung dieser Verpflicht tung und bestimmt, daß aus der Wehrmacht alle Personen entlassen werden, die fremde Staatsbürger werden. Die Entlassung ist mit dem Verluste aller Rechte und Ansprüche gegen den tschechoslowakischen Staat aus Gründen de» Militärdienstes verbunden. Neuorganisation der Glaelndustrle Unter den Industriezweigen, in denen große Veränderungen sich vollziehen werden, befindet sich auch die Glasindustrie, von der in der neuen Tschechoslowakei nur etwa ein Drittel der bisherigen übrig bleibt. Der Anteil ist bei den der», schiedenen Zweigen der Glasindustrie verschieden, insbesondere gering wird er bei Tafel» und Flaschenglas, in anderen Branchen wird er jedoch etwas größer sein. Das GlaSforschungSinstttut in Königgrätz hat bereits eine Aktion der Neuorganisierung der Glasindustrie in d«e' neuen Tschechoslowakei eingeleitet. Ceite 4 Tagesneuigkeiten Gerüchte und Tatsachen ,, Sozialdemokrat" erfers. Deutschen, die die Mitteilung machten, daß sie Strafe von fünf Jahren schweren Svinov und Umgebung besest haben und daß sie von der Station aus, die sie" Sudetendeutscher Sender Schönbrunn" nannten, in deutscher Sprache senden werden. Unsere Wachen patrouillieren auf dieser Seite an den Grenzen der Stadt Mährisch- Ostrau, Es kann geschehen, daß Gerüchte den Tat- in der Vorstadt Nova Ves am rechten Ufer der fachen vorauseilen, daß, wie eine vielgebrauchte Oder. Der Bugsverkehr ist auf der Redensart jagt, die Ereignisse ihre Schatten Hauptstrede von Svinov- Schönbrunn bis zur vorauswerfen". Dann wissen aber die Gerüchte Grenze e ingestellt. Die Züge aus Mähr.auch nichts Bestimmtes zu sagen, sondern das Ostrau fahren jest nach Frydek, Mistel, Frenštat, ihnen folgende Geschehen bestätigt nur allgemeine Valašsfe, Meziřiči, Mährisch- Weißkirchen, PřeAnnahmen. Da zum Beispiel einem Kriege polirov und in der Richtung nach der Slowakei über tische Spannungen voranzugehen pflegen, ist es Frýdek, Mistek und Valašské Meziřiči, wo sie sich nicht schwer, su sagen: Wir haben es vorausge- nach Vjetin und Puchov wenden. Die Oftrauer sagt, daß etwas geschehen wird! Und flugs tau- Straßenbahn fuhr Montag zeitlich früh noch zwei chen neue Gerüchte auf. mal über Svinov nach Klimkovice und fährt jetzt Gerüchte richten faſt immer Schaden an. nur bis zur Grenze an der Oderbrücke bei Svinov. Zumindest stiften sie Verwirrung. Und das ist schlimm genug. Ein Gerücht zum Beispiel, pie Sechs Säuglinge ermordet es in fritischen Zeiten fast stets aufzutauchen pflegt, daß bald Nahrungsmangel eintreten werde und man deshalb gut tue, sich einzudecken, fann tatsächlich vorübergehende Warenknappheit mancher Waren. Belgrad. Dieser Tage wurde in der Gemeinde Palešti Vrch bei Zilli in Slowenien das 18jährige Dienstmädchen Anna Vischner verhaftet, das sechs fleine Kinder ihrer verschiedenen herbeiführen und außerdem eine Verteuerung Arbeitsgeber ermordet hat, um sich auf dieſe Weise für die angebliche schlechte Behandlung. zu Noch nie hat es Zeiten politischer Spanrächen. Das letzte Verbrechen verübte sie in der nung gegeben, ohne daß Gerüchte aufgetaucht wären. Wir durchleben wieder kritische Zeiten, sehr kritische, sehr schwere Zeiten. Man darf wohl, ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, sagen, daß die Bevölkerung sie mit bewunderungswerter Ruhe, Fassung, Kraft und Geduld erträgt. Doch flattern, selbstverständlich, auch jezt allerlei Gerüchte auf. Harmlose und solche, die schädlich wirken fönnen. Gerüchte über das Stattfinden eines Plebiszites in Gebieten, die außerhalb der fünften Zone liegen, die zweifellos bei der Tschechoslowakei verbleiben, solche Gerüchte sind gewiß äußerst schädlich, weil sie die Bevölkerung beunruhigen. Ganz unbegründete Besorgnisse erwecken sie, eine Aufregung erzeugen sie, zu der kein Anlaß it. Gemeinde, in der sie zum ersten Male einen Mord verübt hatte und in die sie wieder zurückgetehrt war. Da jie große Liebe zu den Kindern vortäuschte und in keinem Falle die Morde ärztlich festgestellt wurden, fiel auf sie kein Verdacht. Ihr letter Arbeitgeber erinnerte sich an den rätselhaften Tod des Kindes seines Nachbarn und machte nach dem Tode feines eigenen Kindes die Gendarmen vertraulich auf die Vischner aufmerksam. Als diese gleich nach dem Morde den Dienst ver lassen wollte, wurde sie verhaftet und befannie sich bisher zynisch zu vier Morden. Die Kinder, die ihre Opfer wurden, waren noch Säuglinge. Sie ermordete sie in der Weise, daß sie sie soTange an sich drückte, bis sie erstickten. Ein radiotelegraphischer Höhenmesser Was man gegen diese Gerüchtemacherei tun fann? Vor allem: sie nicht glauben. Dann: die Gerüchteerzähler zurückweisen! Und aufklärend wirfen, den Gerüchten die Tatsachen entgegen New York. Die amerikanische Eelektrizitätsgee stellen. Und darauf bauen, daß gerade in der tri- sellschaft hat Sonntag die Erfindung einer radiotischen und gefahrreichen Zeit, die der Staat telegraphischen Höhenmessers bekanntgegeben, der durchlebt, die für das Staatsgeschick verantwort die Höhe eines Flugzeuges über dem Erdboden lichen Männer es gewiß nicht unterlassen wer- andauernd verzeichnet. Der Apparat wird in allen den, dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung alles Flugzeugen der United Air Lines einmontiert und Notwendige und Wichtige rechtzeitig erfährt. sodann der gesamten Flugzeugindustrie zur VerDenn es ist doch selbstverständlich, daß über nichts, fügung gestellt werden. was das Interesse von Staat und Volk betrifft, das Volk ununterrichtet gelassen werden kann. Ein neuer Schacht. Die Abtretung des Die Tatsachen, die in den letzten Tagen auf Braunfohlengebietes wird sich auf dem Kohlenuns eingestürmt sind, sind schlimm genug und es markt sehr ungünstig auswirken. Man sucht desfostet Selbstbeherrschung genug, sich mit ihnen hals neue Kohlenflöze. Die Anglo- tschechische abzufinden. Man soll die Tragödie, deren Reid- Steinfohlengesellschaft unternahm bereits Brobetragende wir sind, nicht noch durch verantwor- bohrungen in der Nähe des Bahnhofes Lužna tungslose Gerüchte verschlimmern. Und es ist Lisany, die guten Erfolg hatten. Es ist möglich, Verschlimmerung, die Seelenkraft der Menschen daß auch im Kladnoer Revier ein neuer Schacht durch das Ausstreuen von Gerüchten zu schwächen. eröffnet wird. ,, Sudetendeutscher Sender Schönbrunn" Der Todes Chauffeur der Morfová. Vor dem Kreisgericht von Sofia wurde jetzt der Prozeß gegen den Chauffeur Serfedžiebski eröff= net, der am 1. Juli 1936 ein Automobil Tentte, Mährisch- Ostrau. Sonntag um 18.17 Uhr in welchem die bekannte Sängerin Morfová, che= verstummte nach der Testen Sundgebung des Dis maliges Mitglied des tschechischen Nationaltheareftors des Radiojournals Thl die Rundfunkstas ters in Prag, nach Sofia zurüdfehrte. Bekannttion, deren Studio zwar in der innern Stadt, de- lich stürzte das Auto am Wege um und die Sän ren Sender aber in Svinov gelegen ist, das Sonn- gerin Morfová und zwei weitere Personen la tag von den deutschen Truppen besetzt wurde. Um men hiebei ums Leben. Der Staatsanwalt bes 14 11hr 11 meldeten sich aus Svinov schon die santragte für den angeflagten Chauffeur eine 32 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Mag hat sich plößlich aufgerichtet. Er weiß nicht, vielleicht träumt er noch? Er reißt die Augen auf, zweifelt an dem Geschauten. Im gleichen Augenblick hört er Evas erstickte Stimme: ,, Mag! Ein Mensch!" nen, zwei alte Freunde... sie kommen näher... Doch, diese Gestalt ist ihr nicht unbekannt. Sie hat Mar neben diesem hohen, schlanken Mann fchon irgendwo gesehen. Da erhebt auch sie sich und schreit: ..Jean Laborell Mein Gott! Das ist ja Jean Lavorel! Er... Sie verstummt. Sie spürt ein Schnüren im Hals, sie bekommt feine Luft. Da Taufen sie nun einer neben dem andern. Sie tom= men immer näher. Nun sind sie bei ihr. ,, Sie?... Sie?..." sagt eine Teise, gebrochene Stimme, die sie nicht wiedererkannt hätte. Sie haben sich alle drei hingesezt. Eva zivischen den beiden Männern. Sie schaut Jean Las vorel an. Sie ist ihrer Sprache noch nicht mächtig Mit einem Sab haben beide sich erhoben. Seine Wangen sind eingefallen, seine Augen Zuerst verharren sie reglos, den Blick auf die Ge- liegen tief in den Höhlen. Sein Gewand ist an stalt geheftet, die sich dunkel vom sonnenbeschiene- vielen Stellen zerrissen. Sie freut sich, daß May nen Felsen abhebt. Dann wollen sie ihm beide ents und sie selbst am heutigen Tage nicht Fellgewänder gegengehen. Da spüren sie aber, daß ihre Beine tragen... Sie schweigen... Zuviel hätten sie wanken und ihre Knie so sehr zittern, daß sie sich sich zu sagen. Und nun plößlich, wie im Strampf. sezen müssen. Eva gleitet an Marens Brust. beginnt Jean Lavorel unwiderstehlich zu Sie weint. Es ist nicht ganz sicher, daß er seiner schluchzen. Tränen Herr werden wird. Doch nein, Tränen verdunkeln den Blick und er will ja sehen; will den sehen, der da tommt. Und nun wird seine Ge= stalt deutlicher. Er trägt einen Rucksack und stüßt sich auf einen Eispidel. Nun hat auch er sie entz deckt. Er schwentt seinen Hut. Dann bleibt er stehen, so als ob auch ihm die Füße den Dienst bersagten. ., Lavorel...", sagt Mag liebevoll ,,,.. fafsen Sie sich doch... Zavorel..." Motorrad und Auto. Auf dem Hauptplatz in Bohdonec stieß am Sonntag ein Motorrad, das der Gefreite- Aspirant eines Dragoner- Regimen tes, Jes. Sturka, Tenkte, mit dem Personenauto des Ottokar Kobecký aus Třebechovice pod Orebem zusammen. Kurka wurde auf der Stelle getötet, der hinter ihm sitzende Oberleutnant Fr. Pleva aus Bohdaneč und der Lenker des Autos wurden leicht verlegt. Brag Deutschbrod- Brünn. Die Staatsbahndirektion gibt befannt: Im Hinblick auf die Unterbrechung der Strecke Üsti nad Orlici- Testá Třebová fährt seit gestern ein Sonderpersonenzug von Prag- Majarylbahnhof über Nolin, Deutsch brod, Tišnov nach Brünn. Abfahrt von PragMasaryk- Bahnhof um 17.50 Uhr, Antunft in Deutschbrod um 21.32 Uhr und Ankunft in Brünn um 2.35 hr. In Brünn Anschluß an die Personenzüge in die Slowakei. Der Zug hält von Prag bis Kolin in allen Stationen. Noch ein Frauen- Weltrekord. Die Agentur Taß meldet, daß die drei bekannten Sowjetfliegerinnen Ojipenková und ihre Genossinnen Grisogubova und Raschkova den Fraueniveltrekord für Bernflüge überboten haben. Sie starteten in Mos fau auf einem zweimotorigen Flugzeug des Typs Rodina" und landeten bei dem Dorfe Puti östlich des Amgun- Flusses ungefähr 170 Kilometer nordwestlich von Komsomolst, so daß sie eine Strede von 5947 Kilometer durchflogen. Das Militärreform- Realgymnasium in Mährisch- Trübau ist nach Uherské Hradiště übersiedelt. Eingestellte Schnellzüge. Die Staatsbahndiret. tion Prag teilt mit: Ab Montag, den 10. Oftober, verkehren auf der Strede Prag- Lužná und zurück die Schnellzüge 31 und 32 und auf der Strecke Prag Terezín- Bohušovice und zurück die Schnell züge Nr. 59, 60, 63 und 64 nicht. Fran Batter aus Tetschen a. E. soll der Redaktion ihre Adresse bekanntgeben. Sie wird von ihrem Mann, Ernst Vatter, gesucht. Dienstag, 11. Oftober 1938. Nr. 338, das Wetter demgegenüber schlechter und relativ füh Ier bei westlichem Wind. In Sachsen regnete es bei Wahrscheinliches Wetter 12 bis 13 Grad. Dienstag: Zunächst wechſelnd bewölkt und varm bei zeitweise frischem Südwestwind. Später fortschreitende Verschlechterung vom Nordwesten her nicht ausgeschlossen. Prognose unsicher. Wetters aussichten für Mittwoch: Unbeständig. Abküh lung, Westwind. Trager Zeitung Regelung der Verhältnisse in den Kliniken. Nach einem Bericht des ,, Expres" wurden die Verhältnisse im Allgemeinen Krankenhaus, die durch die Flucht einiger deutscher Professoren entstanden waren, vorläufig geregelt. Die größte Sorge bildete der Zustand in der Klinik Schloffer, die die höchste Anzahl von Kranken enthielt. Es wurde mit größter Gile neues Personal zugeteilt und durch das Verdienst der tschechischen Aerzte, die sich zur Verfügung stellten, wurden die ärgsten Salamitäten in den Kliniken rasch behoben. Die Kranten aus der Klinit Schloffer wurden zum größten Teil auf die Klinik Doktor Jirájet gebracht. Die Klinit Schloffer wurde ges schlossen. Nach der Durchführung der notwen digen Adaptierungsarbeiten wird sie eine neue Einrichtung bekommen und wieder eröffnet werden. Außer der Klinik Schloffer wurde vorübergehend auch die Klinit Bezecný gesperrt. Die Ausflugszüge der Staatsbahnen veran stalten eine Fahrt mit dem Autocar nach Zvikov und Orlit Sonntag, den 16. Oftober, für 85 Kč influ five Mittagessen, Nachtmahl und Eintrittsgeldern. Abfahrt um 7.30 Uhr früh vom Repräsentationshaus, Rüdfehr gegen 20 Uhr. Informationen und Anmeldungen im Referat der Ausflugszüge neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 383-8-5. Kunst und Wissen Die Prager deutschen Theater geschlossen Am vierten Jahrestag( 9. Oltober) des Attentates auf den jugoslawischen König Alexander I. in Marseille fand eine Gedenkfeier an der an der nur das einzige Wort„ Par"( Frieden) eingra Attentatsstelle angebrachten Gedenktafel statt, in die viert ist. An der Gedenktafel wurden Blumen niederters wird mitgeteilt: gelegt. Die Anwesenden wahrten zur Ehrung des Königs eine Minute Schweigen. Von der Kanzlei des Neuen deutschen TheaMit Hinblick auf Besprechungen, die gegenKohlenmangel in Japan. Ne- wärtig von Dr. Eger persönlich über die Situagierung hat beſchloſſen, yn die japanische Restion des deutschen Theaters geführt werden, lichen Sachalin, die seit vielen Jahren verlassen ben Wiederbeginn des Spielbetriebs auf einen wurde zwischen den beteiligten Stellen befchloffen, waren, wieder in Betrieb zu nehmen. Dieser Be- etwas späteren Zeitpunkt festzulegen. Japan erklärt. Die Gruben im Südteil der Insel schluß wird mit dem Mangel an Brennstoff in Sachalin können 900 Millionen Tonnen liefern. Mitteilungen der Urania Masaryk- Volkshochschule. Seute halb 7 Uhr Vorbesprechung für beide Italienisch- Kurie Ein Sonnenfled. Am 5. Oftober tauchte ant Oftrande des Sonnenballes ein großer Sonnenfled auf, der am 11. und 12. Oktober das Sonnensentrum passieren wird. Der Sonnenfled iſt ungefähr 170.000 Kilometer lang und ungefähr 75.000 Kilometer breit. Unter dem Einfluß dieses Sonnen-( Prof. Finzi). fledes sind vom 11. bis 14. Oftober magnetische Urania- Kino Gewitter, Störungen in der Radiotelegraphie und ,, Goldfieber"( nach Jad London) in deutscher im Rundfunk sowie Polarlichter zu erwarten, Po- Sprache mit Clark Gable, Loretta Young, Jad Dalie larlicht tritt gewöhnlich als roter Schein am nörd- und Buck, dem Hund! 6, 49 11hr. lichen Horizont auf und ist mitunter von verschie denfarbigen Lichtstrahlen durch wirkt. Rüdstellung von Manuftrivten erfolgt nur bet Einfen Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Das Wetter. In der Südhälfte Mitteleuropa3 aus oder bei Bezua durch die Poft monatlich Kč 17.-. bierteljährig Kč 51.-, halbjährig Kč 102. ganzjährig einschließlich eines großen Teiles der Republit, stieg Ke 204.-- Sferate werden laut Zarif binialt berechnet. Montag die Temperatur bei ziemlich heiterem Him mel und Luftzuflug aus niedrigen Breiten auf 18 bung ber Retourmarlen. Die Zeitungsfrantatur murbe bis 23 Grad an; Wien meldete nachmittags 25 bon der ofte und Telegraphendirektion mit Erlak Nr. Grad. Im übrigen Gebiete des Binnenlandes war| Druderei„ Orbis", Drud, Verlags- u. Seitungs-.- G., Bras Sie dachte an jenes verirrte Menschenkind auf dem Ahernefelsen, so nah und doch so unerreichbar... Lavorel strich sich mit der Hand über die Stirn, als wollte er einen bösen Traum verscheuchen. Später werde ich euch erzählen...", flü sterte er. ..Ich bin sicher, daß Sie hungrig sind, Lavorel", sprach May. Laßt uns nach Hause gehen!" Und Lavorel wiederholte leise, wie im Traum: ,, Laßt uns nach Hause gehen!" Schiefer stiegen sie den schmalen Steig hinab. Da brachen sie auf. Ueber dem gleitenden Da begann Eva: 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.( Kontrollpostamt Praha 25). über die Chaug d'Anthémoz erreichen. Wir wer den sie zusammen aufsuchen, Dainville!" ..Ja", sagte Mag, ich bin dabei". Eva durchschauerte es. Sie fand aber feine Worte, um sie von dem Unternehmen abzuhalten. Mit langen Schritten gingen sie talwärts Blöglich blieb Lavorel stehen. Er hatte die bes im schrägen Lichte der untergehenden Sonne. reits im Schatten liegenden Hütten erblickt, die sich vom Felsen abhoben. Rauch umhüllte sie. Man sah den Schein eines Feuers in der Ferne. Und ringsum erscholl Kindergeschrei. Hütten!", flüsterte er... Kinder!" Eine leichtfüßige Gestalt tam auf sie zu in einer plumpen Männerhose, aber unter dem roten Stopftuch erblickte man ein Frauengesicht. ,, Und da haben wir Innocente Défago! Ach! Frau Innocente, wollen wir wieder auf den Dent ,, Ihnen haben wir es cigentlich zu verAls wir nach einem Zufluchtsort in den Bergen danken, daß wir uns hierher gerettet haben.... du Midi hinauf?". suchten, da erinnerten wir uns an Champéry, dessen Namen Sie an jenem Abens... aussprachen; erinnern Sie sich?" " ,, An jenem Abend?", wiederholte Lavorel.. Ach ja, ich weiß... Ich werde es nicht sehen Und bald faßt sich Lavorel. Lächelnd und ... aber du, vielleicht...", fante er vor sich mit nassen Augen betrachtet er sie abwechselnd. hin, mit den Worten Louis Andelots ….„ Und Was müssen Sie gelitten haben!" stam- wißt ihr", begann er plöblich wieder,„ Elvinbjorg war in Champéry. Ich habe ihn einige Male geschen... vorher... Ich fann nicht glauben, daß ein Mann wie er sich nicht hat retten fönnen!" melt Eva. ,, Mehr als Sie sich vorstellen können...", murmelt er. Auf seinem abgezehrten Gesicht erscheint bei der Erinnerung ein Ausdruck der Qual. Und er fügt hinzu: Ja, ich könnte niederknien, um Ihnen zu banken, daß Sie da sind..." Nach einer Pause sagte er, als ob er seinen Augen nicht traute: Seine Erregung beherrschend, hat Mag sich erhoben. Eva sieht ihren Mann nach den Hang stürzen, ihn in großen Schritten erstürmen. Der andere läuft ihm nun entgegen. Sie fallen einander in die Arme. Dann verharren sie unbeweg= lich. Der Fremde ist größer als Mar. Eva sieht. daß er einen Sportanzug trägt: die Hose schließt unterhalb des Knies, er hat Widelgamaschen und Bergsteigerschuhe. Er ist blondhaarig. Nun tom= men fie herab, eng umschlungen, Man tönnte meis, auch Sie?" ,, Ach! Menschen, Menschen, wieder unter ,, Waren Sie denn allein?", hauchte Eva, Menschen sein!" bergen. Er lachte um seine Ergriffenheit zu vers ,, Einer von meinen Touristen...", rief sie überrascht aus. ,, Ach!", sagte Jean...., mit anderen Menschen zusammen zu leben, das ist ja das Paradies auf Erden." Am Abend, als Mar. Hubert und Frau Andelot mit Lavorel am Feuer allein geblieben waren, sagte Lavorel plötzlich: Ich war mit meinem Freunde, Maurice Coligny.... dort oben.... in der Gegend von Plan- Neve.... er ist gestorben.... vor drei Tagen...." ..Und wißt ihr", fuhr er in wachsender Erregung fort, die in einem seltsamen Gegensatz zu seiner soeben gewichenen Niedergeschlagenheit Teise: Es wurde still. Dann begann Jean wieder stand, es gibt noch andere Gerettete. Ich habe sie gesehen... heute beim Aufstieg auf den Dent Er hat sich umgebracht...." du Midi. Ich habe Menschen in Combe- de- Soir den uns das später erzählen... jetzt müssen Sie ... Lavorel", sagte Mag leise,...... Sie wers gesehen, es war mir aber unmöglich, zu ihnen zu sich ein wenig Ruhe gönnen!" gelangen... Dort steht eine steile Zinke neben der anderen... Da wollte ich nach Susanfe hinunter, um das Massiv herum, und wollte sie Aber Jean schüttelte den Kopf. ( Fortschung folgt.)