Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Eine überraschende Reise: Donnerstag, 20. Oktober 1938 Oberst Beck bei König Carol Tagesordnungspunkt: Die Regelung zwischen Ungarn und der ČSR würden. London. Die Times" schreiben, es beste hen Gründe für die Annahme, daß die englische gen unterstützen wird, die ausschließlich auf der Regierung nur diejenigen ungarischen Forderunethnographischen Idee beruhen. Die Regierung hoffe, daß sich beide Seiten in dieser Angelegen heit rasch einigen werden. Der Standpunkt der englischen Regierung fügt das Blatt hinzu, iſt aber ein vollkommen anderer soweit es sich um ungarische Forderungen handelt, die auf politis schen oder strategischen Erwägungen berühen. stimmten Vorschlägen nach Bukarest gefahren sei, die sich auf das Verhältnis Ungarns und Polens zur Tschechoslowakei beziehen. Zweifelsohne liegt Polens, die sich seit langem um eine engere Verdie Reise Becks im Zuge der konsequenten Politit bindung der osteuropäischen Völker bemüht. Allerdings ist es fraglich, sagt der Angriff", ob der gegenwärtige Anlaß diesen Konzeptionen förder= lich ist. Die Stellungnahme Rumäniens dürfte nicht nur von den Erwägungen diktiert werden, die sich aus den tschechoslowakischen Ereignissen ergeben haben, sondern auch von Momenten Bukarest. Der polnische Außenminister politischen oder strategischen Charakters beruhen Betrachtungen. Man glaubt, daß Bed mit beOberst Bed ist in Galaz eingetroffen. Gleichzeitig mit ihm traf der rumänische Botschafter in Warschau Franafovici ein, ferner der volnische Botschafter in Bukarest Graf Hac finski, der dem polnischen Außenminister bis an die Grenze entgegengefahren war. Unterwegs bestieg der rumänische Außenminister Comnen den Salonwagen des polnischen Außenministers, so das die Besprechungen noch im Zuge begonnen haben. Das Wesentliche des überraschenden Besuches Beds ist seine Audienz beim König Carol. Oberst Bed reiste noch abends nach Warschau zurüd. Berlin. Der Reise des polnischen Außenministers Beck nach Bukarest widmet die gesamte Presse der osteuropäischen Länder aufmerksame gründjäßlicher Art und jener betrachtenden Haltung zu solchen Dingen, an denen man keine diretten Interessen besitze. Flüchtlinge nach Übersee Flüchtlinge eine genügende Kapitals unterstügung haben, um sich als Farmer niederlassen zu können, keine ernsthaften Einwände dagegen beste hen. Flüchtlinge jedoch, welche sich in den Städten niederlassen wollen, feien unerwünscht, da sie nur die bestehende Arbeitslosigkeit vermehren würden. Neuseeland Paris. Die plötzliche Reise des polnischen Außenministers Bed nach Galab zu einer Zusam menkunft mit dem König von Rumänien Carol hat in Paris ein beträchtliches Interesse erweckt und wird als äußerst bedeutsam für die fünftige Regelung des ungarisch- tschechoslowakischen ProLondon, 19. Oktober. Die Be blems bezeichnet. Amtliche Stellen bewahren weis strebungen, sudetendeutschen Flüchtlin. terhin Zurüdhaltung. Das Außenministerium gen aus der Tschechoslowakei in Großaber läßt sich über die Ansichten der Regierungen britannien eine neue Heimstätte zu der einzelnen Staaten durch ihre diplomatischen schaffen, haben zu kleinen Anfangs Vertreter daselbst solvie durch die diplomatischen resultaten geführt. Die britische Regie Vertreter dieser Staaten in Paris eingehend in- rung ist Blättermeldungen zufolge, entformieren. Außerdem steht der Quai d'Orsay in schlossen, einer bestimmten Anzahl von dauerndem Meinungsaustausch mit dem britischen Flüchtlingen wenigstens für eine ge Foreign Office. wiffe Zeit die Niederlaffung in England Bon berechtigter Bariser Seite wird ange- zu gestatten. Die notwendigen Borbe deutet, daß die franzöfifche Regierung, ohne zu reitungen werde der britische Konsul in nächst in die eigentlichen Verhandlungen( zwischen Prag treffen. Man glaubt in London, London. ,, Daily Herald" melUngarn und der Tschechoslowakei) einzugreifen, daß von dieser Maßnahme etwa 300 det: Der Hochkommissär für Neusee vollkommen die Anschauung amtlicher englischer land in London Jordan erklärte Stellen teilt, welche die Erwartung hegen, daß Personen erfaßt werden dürften. beide unmittelbar interessierten Seiten, nämlich Aus Ottawa melden die ,, Times", Dienstag abends, Neuseeland könne Ungarn und die Tschechoslowakei, sich so einigen daß der Vorschlag, 5000 Flüchtlinge aus eine große Zahl von Flüchtlingen auf werden, wie das Münchener Abkommen feftfette, den fudetendeutschen Gebieten die Ein- nehmen. Wir haben für sie Arbeit auf nämlich auf gerechter und rein ethnischer Grund- reise nach Kanada zu gestatten, gün- einige Jahre und können Arbeitskräfte Inge. Die Pariser Blätter machen hiebei auf stig beurteilt wird. Die kanadischen Be aufnehmen, wenn wir geeignete Kräfte Grund autorisierter Informationen aufmerksam, hörden erklärten, daß im Falle die finden". baß der Standpunkt sowohl der britischen wie der französischen Regierung ein ganz anderer sein würde, falls Forderungen erhoben werden sollten, die zum Schaden des tschechoslowakischen von Nichtungarn bewohnten Gebietes auf Gelüsten Verlassene Wohnungen anmelden! Prag. Mittels Erlaß des Innenminifteriums vom 13. Oktober 1938, Zahl 85.6521938-14a wird eine Konskriptioit der verlaffenen Wohnungsein richtungen in dem von der reichsdeutschen und polnischen Armee besetzten Gebiete angeordnet. In diesem Zusammenhange fordert der Brager Polizeipräsident alle Personen auf, die in dem genannten Gebiete Wohnungseinrichtungen zurückließen und sich nun im Bereiche GroßBrags aufhalten, ihre Konstription sofort, spätestens aber bis zum 31. Oftober 1938 bei dem zuständigen Polizeikommiffariate abzugeben. Die Anmeldung soll enthalten: 1. Den Namen des Wohnungseigentümers, feine Beschäftigung und gegenwärtige Adresse. 2. Gemeinde, Gaffe, Konskriptionsnummer, Nummer der verlassenen Wohnung, Stockwerk, Größe der Wohnung. 3. Politischer Bezirk. 4. Nächste Eisenbahnstation. nimmt Flüchtlinge auf Tiso, Durčanský und Bačinský bei Ribbentrop Berchtsgaden. Der Minister für die Verwaltung der Slowakei Dr. Tiso, der Vorsitzende der flowakischen Regierung, der flowakische Justizminister Dr. Durčanský und der karpathorussische Minister des Innern Dr. Bačinský sind am Mittwoch vom Reichsaußenminister von Ribbentrop empfangen worden. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro hört, gibt der Tschechoslowakei führen wird. Der Besuch in der gegenwärtige Stand der Besprechungen, denen München wird hier als logische Fortsetzung der eine Anregung der Prager Regierung zugrunde Besprechungen zwischen Meichskanzler Hitler und liegt, zu der Hoffnung Anlaß, daß die von dem gewefenen ungarischen Ministerpräsidenten Deutschland und Italien eingeleitete Vermitt- Daranyi fowie zwischen dem italienischen Minilung bald zu einer endgültigen Bereinigung der sterpräsidenten Mussolini und dem Grafen Czafy noch schwebenden ungarischen Wolkstumsfragen in bezeichnet. Palästina in heller Rebellion " Aus dem Inhalt: Neuerliche Unterredung Hitler- Chamberlain? Nr. 247 Vor der Präsidentenwahl Prag. Amtlich wird mitgeteilt: Da die Verhandlungen mit den ausländischen Staaten über die Festschung der neuen Grenzen bisher nicht abgeschlossen werden konnten, ist es phy fifch nicht möglich, das Parlament in der von der Verfassung für die Wahl des Präst. denten festgesetzten Frist einzuberufen. Seit dem Rücktritt des Präsidenten Dr. Be es sind eben vierzehn Tage verflossen, innerhalb elcher Frist nach dem Wortlaut der Verfassung ollen. Wenn dies noch nicht geschehen ist, hat das in neues Staatsoberhaupt hätte gewählt werden feinen Grund teils in formaljuristischen, teils in lichen Zeitläuften aufgetaucht sind. politischen Schwierigkeiten, die in so ungewöhn Staatspräsidenten ist die Frage entstanden, von Gleich nach der Demission des früheren Nach der Verfassung sind zu dieser Wahl beide vem der fünftige Präsident gewählt werden soll. Häuſer der Nationalversammlung berechtigt, die zu diesem Zwecke zu einer gemeinsamen Sizung zusammentreten. Nun sind sowohl das Abgeord netenhaus als auch der Senat nicht nur unter ganz anderen politischen Verhältnissen, sondern sie sind auch von einem Gebiet gewählt worden, von dem ein Teil heitte faktisch zur Tschechoslos walischen Republit nicht mehr gehört. Die neuen Staatsgrenzen und die Grenzen der Wahlkreise überschneiden sich derart, daß es unmöglich ist, zu entscheiden, welche Abgeordnete in dem abgetretenen Gebiet und welche in dem neuen Staats gebiet gewählt worden sind, wer also für die Wahl des Präsidenten zuständig ist. Die Bes über diese Frage geführt worden sind, haben eine ratungen, die innerhalb der Kaolitionsparteien gewisse Zeit in Anspruch genommen und man fann wohl heute sagen, die allgemeine Ansicht ist die, daß der neue Präsident von der bisher is gen Nationalversammlung gewählt werden wird. Die Wahl des neuen Staatsoberhauptes ist aber naturgemäß vor allem eine politische Frage. Eine der Wirkungen der erschütternden Ereignisse der letzten Wochen auf das tschechische Volf bestand darin, daß ganz allgemein Bestres bungen auftauchten, welche die Zusammenfassung der nationalen Kräfte anstreben. Bezeichnend hie Presse im Gange ist, ob das bisherige politische für ist die Diskussion, welche in der tschechischen Parteiensystem aufrecht erhalten werden kann, bziv. ob nicht die Anzahl der politischen Parteien reduziert werden sollte. Auch innerhalb der Arbeiterschaft gibt es Einheitsbestrebungen, die sich vor allem auf die Schaffung einheitlicher Gewerks schaften erstrecken. Ebenso sind die Organisationen der Turner der verschiedenen Parteirichtun gen untereinander in Verbindung getreten, um gemeinsam zu arbeiten. Es liegt nun auf der Hand, daß dieses Bestreben nach Einheit und Einhelligkeit sich auch geltend machen muß in der Frage der Wahl des Präsidenten der Republik. Es wäre ein gar zu schreiender Widerspruch ge= wesen, wenn auf der einen Seite ununterbrochen der Ruf nach Einheit ertönt wäre, und gerade bei der Präsidentenwahl diese Einheit gemangelt hätte. Die Koalitionsparteien haben sich deswegen mit der Frage der Person des fünftigen Präsidenten beschäftigt und schon vor einigen Tagen grundsäßlich beschlossen, daß eine einheit liche Kandidatur aufgestellt werden soll. Das iſt nach der Lage der Dinge nicht nur eine Frage der Tschechen, sondern auch eine solche der Slovafen und Karpathorussen, denn der künftige Präsident muß nunmehr den dreiteiligen Staat, bzw. soll alle seine drei Teile repräsentieren. In der Slowakei und in Karpathorußland im beson deren gibt es selbständige Regierungen, deren Wille und Wamsch gerade bei der Wahl der Person des fünftigen Präsidenten nicht unbeachtet gelassen werden kann. Schwere Straßenkämpfe in Jerusalem Keine Teilung Palästinas? Jerufale m.( Menter.) In Ueberein. Während des Montag stand der hohe Komstimmung mit dem montägigen Befehl des Mili- missar für Palästina in ständiger Verbindung mit tärgouverneurs, Major O'Connor, ist Dienstag den kommandierenden Offizieren und den Chefs| Diese einheitliche Wahl bietet manchen Vorvormittags das Elitegarderegiment Cold- der zivilen Behörden. In der Altstadt dauerten teil. Es wird verhindert werden, daß eine Perstreams" in die Altstadt von Jerufalem einmar- den ganzen Tag über die Schießereien an. Die in son gewählt werden könnte, welche für einen Teil schiert und begann auf Grund eines einheitlichen guten Deckungen befindlichen Aufständischen be- der Nation untragbar wäre. Es wird also der strategischen Planes die Stadt von aufständischen schossen die britischen Truppen und die Polizei. fünftige Präsident der Ausdruck des nationalen Elementen zu fäubern. Willens sein, wie er gegenwärtig vorhanden ist. Flugzeuge warfen gestern über Jerufalem Beirut.( Reuter.) Der französische Hohe Das fünftige Staatsoberhaupt wird auch unbe 6. Verzeichniß der Möbel, Wäsche, Betten. Flugzettel ab, in denen die außerhalb der Altstadt Kommissar in Beirut hat der Regierung von Sy- lastet sein von der früheren Politik, das heißt, es 7. Andere nähere Daten( z. B. wem die wohnende Bevölkerung aufgefordert wird, im rien und Libanon eine amtliche Warnung zugehen ist nicht ein Mann, der aus der Reihe der bisher Wohnung oder Schlüffel anvertraut wurden, Sinblick auf die erforderlichen militärischen lassen, daß sie Bewaffneten den Grenzübertritt führenden Politiker des Staates genommen u. dgl.). Maßnahmen ihre Wohnstätten nicht zu verlassen. aus ihren Ländern nach Palästina nicht gestatten In den Mittagsstunden waren die Straßen in sollen. Jeder Verkehr aus diesen Staaten nach ganz Jerusalem beinahe menschenleer. Sie wur- Palästina auf der Uferstraße über Antara ist einben nur von Militärautos hurchfahren. gestellt worden, 5. Vorbereitet zum Abtransport( gepact oder nicht?). Die Anmeldung ist doppelt auszufüllen, auf einem besonderen Formular, das bei den zustänbigen Bezirkspoliscitommiffariaten erhältlich ist. werden wird. Allgemein wird auch die Ansicht ausgespro chen, daß der fünftige Präsident ein Mann mit wirtschaftlichen Erfahrungen sein müsse. Gerade Seite 2 Donnerstag, 20. Oftober 1938 Nr. 247 Der Auskauf des sudetendeutschen ( Vor einer neuerlichen Unterredung Gebletes Berlin. Der Reichsforstmeister hat ber stimmt, daß dem Verbot des Erwerbes und des Verbringens von Waren aus den fudetendent. fchen Gebieten nach dem übrigen Reichsgebiet auch Erika- Holz, Bleistiftholz, Nutzholz von Buchs baum usw. unterliegen. Der Abschluß von Waren aller übrigen Erzeugnisse der Forstwirtschaft und Man darf nicht einmal zulassen, daß das Mißtrauen der aus ihnen hergestellten Holzhalbwaren aus gegen den Kommunismus ein Hindernis der Erwei- den fudetendeutschen Gebieten wird in der Weise terung des Einvernehmens um eine fünfte euro- geregelt, daß der Erwerb und das Verbringen in päische Großmacht bildet. Es ist kaum anzunehmen, das übrige Reichsgebiet nur gegen Erteilung einer daß eine internationale Harmonie eintritt, wenn Devisenbescheinigung oder Unbedenklichkeitsbe. wir nicht ein Mittel zur Sicherung der Zusammen- scheinigung zulässig ist. Die Bescheinigung wird arbeit auch mit jenen Staaten finden, die Doktrinen regelmäßig nicht erteilt, soweit es sich um Erverkünden, welche von unseren Doktrinen absolut zeugniffe von Holz- und Holzhalbwaren handelt, die für die fudetendeutsche Bedarfsdeckung selbst verschieden sind. benötigt werden oder die von anderen Ländern, einschließlich des Gebietes der Tschechoslowakei zur Verwendung oder zum Gebrauch im fudetendent. fchen Gebiet erworben und dorthin verbracht Hitler- Chamberlain? auf dem Gebiet de. Wirtschaft liegen die großen Probleme des neuen Staates. Der wirtschaftliche Blutkreislauf muß dem neuen Organismus an gepaßt werden, der Staat ist kleiner geworden, und nicht nur das, er besteht nun aus drei Teilen, und dieser inneren Konstruktion des Staates muß ebenso wie seinem nunmehrigen äußeren London. Ministerpräsident Cham ,, Times" schreibt: Man darf nicht zulassen, daß Rahmen Rechnung getragen werden. Sowohl auf berlain hat durch seine Rückkehr aus Schott das Mißtrauen gegenüber dem Nationalsozialismus dem Gebiete der öffentlichen Arbeiten werden land die politische Herbsttätigkeit der englischen oder dem Faschismus das angestrengte Suchen nach Werke von großem Ausmaß unternommen vers Regierung eingeleitet. Nach einer halbstündigen der Möglichkeit der Zusammenarbeit verhindert. den müſſen, und auch im Bereiche der Privat- Aussprache, die er mit dem Außenminister Hali. wirtschaft wird es vieler Initiative bedürfen, fax hatte, und einer Besprechung mit dem Dodamit die öffentliche und private Wirtschaft an minienminister Wacdonald, der ihn über Pagekurbelt wird. Diese Wirtschaftsaufgaben sind lästina unterrichtete, fand die erste Sigung des von ausschlaggebender sozialer Bedeutung. Es englischen Ministerrates in der Herbstsession statt, gilt, die demobilisierten Soldaten ihren zivilen der im Laufe der Woche eine weitere Sigung fol. Berufen wiederzugeben. Es entsteht das große gen soll, die auf Grund wichtiger außenpolitischer Problem der öffentlichen Angestellten, die zu und gewiffer Ereignisse in England notwendig Tausenden aus den offupierten Gebieten zurück werden dürfte. strömen, so daß die Gefahr sozialer Spannungen nicht übersehen werden darf. Will man den Menſchen Arbeit geben und dadurch ihre Unzus friedenheit bannen, wird es der Großzügigkeit im Plan und in der Ausführung bedürfen und gerade deswegen hat man die Ansicht geäußert, daß der fünftige Präsident diese Wirtschaftspros bleme wird genau fennen müssen, daß es ein Mann von wirtschaftlicher Erfahrung und Weits blick sein muß. Er wird in die Lage kommen, das Tempo der gesamten Verwaltung im Hinblick auf die neuen Aufgaben beschleunigen zu müssen, er wird ebenso mit Energie wie mit Bedachtsam keit, mit Initiative und Zähigkeit die schwierigen Aufgaben lösen müssen, die an den Staat und an ihn herantreten werden. Wird der neue Mann sich diesen Aufgaben ge: vachsen zeigen, wird er mit Mut und Tatkraft an sie herantreten, dann wird die Bevölkerung ihm freudig helfen, weil alle den Ausweg aus der politischen Kriſe, aus dem wirtschaftlichen Notstand und der sozialen Spannung suchen, in denen wir uns befinden. Das Tschechoslowakische Presbüro erfährt aus informierten Kreisen, daß alle Nachrichten und Kombinationen, als ob in politischen Krelfen irgendwelche Richtlinien für die Präsidentenwahl oder für die Kandidatur bestimmter Versonen vereinbart worden wären, vollkommen hinfällig find. Tagung des Ministerrates Ministerpräsident Chamberlain führte einige„ Daily Expreß" erfährt, daß es das Biel Stunden nach seiner Nückkehr von Schottland den Chamberlains für die nächsten Wochen sein werde, Vorsiz in der Sitzung des Ministerrates, in wel die größten Anstrengungen zu machen, um eine all dhem, tie verlautet, eine ganze Reihe bedeu- gemeine Beruhigung herbeizuführen und einen neuen tungsvoller Fragen behandelt wurde. Es handelte Rüstungswettlauf zu verhindern. An diplomatischen worden sind. sich in erster Linie um die Lage in Palästina. Der Stellen herrscht die Ansicht vor, daß die Lage im Bericht der Woodhead- Kommission liegt zwar großen und ganzen günſtiger ſei, als es meist scheint. ,, Mein Kampf" in Karpathoruẞland noch nicht vor, doch ist seit der letzten StabinettsWelczek bel Daladier sigung eine bedeutsame Entwicklung der Ereig Die karpathorussische Negierung bewilligte nisse zu beobachten, über die, wie es heißt, Kolo Paris. Der deutsche Botschafter in Paris, die Errichtung einer deutschen Partei unter der nialminister Malcolm Macdonald dem Kabinett Graf Welczek, hatte Montag eine Unterredung Bezeichnung Deutsche Partei" und der Vertrieb berichtete. Sein Bericht stützt sich auf seine kürz- mit dem Ministerpräsidenten Daladier und traf von fünf deutschen Zeitungen auf dem Gebiete liche Unterredung mit dem Hochkommissär von Dienstag mit Außenminister Georges Bonnet zu Karpathorußlands. Auch der freie Verkauf des Palästina. Der Solonialminister wurde bekannt- fammen. Wie verlautet, betrafen die Unterre- Buches Mein Kampf" wurde genehmigt. lich Montag abends vom König empfangen und dungen mit dem deutschen Botschafter eine allfeitrat auch mit dem palästinensischen Parlaments- tige Regelung der französisch- deutschen Verhältausschuß in Verbindung. Der Kolonialminister niffe. Die franzöfifche Regierung ließ die deutsche Göring- Oberbefehlshaber nahm den Standpunkt, den ihm diese Deputation Regierung um ihre Zustimmung zur Ernennung darlegte, zur Kenntnis, ohne jedoch zur Zeit des bisherigen französischen Botschafters in Mos. irgendeine Erklärung über die britische Politit fan Coulond zum Nachfolger Francois- Poncet abgeben zu können. in Berlin ersuchen. Premierminister Chamberlain foll die Ab- Ueber die Person, die für Moskau ernannt ficht haben, nunmehr seine Außenpolitik mit werden soll, wurde bisher nicht entschieden. größter Energie weiter zu verfolgen. Seine näch- Außenminister Georges Bonnet hatte diesbezügſten Pläne ſollen, der Preſſe nach, eine neuerliche Lich Montag eine Unterredung mit dem SowjetAussprache mit Reichskanzler Hitler umfassen, botschafter Suric. um die Forderungen Deutschlands in lückenloser Weise kennenzulernen. Der britische Botschafter in Berlin, Henderson, der Dienstag zu mehrwöchigem Urlaub in London eintraf, soll bei den notwendigen Vorbereitungsarbeiten beratend Beistand leisten. London. Die Union von Cambridge( Verband der Universitäten) genehmigte nach einer langen Debatte mit 471 gegen 282 Stimmen den Entwurf für eine Mißtrauenskundgebung gegen die britische Außenpolitik der Regierung. Wie Italien sich aus Spanien ,, zurückzieht" " der Wehrmacht? Berlin. Amtliche Verliner Kreise demen tieren kategorisch die ausländischen Meldungen, denen zufolge einzelne deutsche Botschafter, ins. befondere in Buenos Aires, Washington und Nom abberufen werden sollen. Hinsichtlich der Nachrichten, daß Marschall Göring zum Oberbefehlshaber der gesamten dent. wird erklärt, daß derartige Meldungen vorder. fchen bewaffneten Macht ernannt werden solle, hand zu mindestens verfrüht seien. Tagung des Großen faschistischen Rates Rom. Der Große faschistische Rat, frat Dienstag unter dem Vorsiz Mussolinis zusammen. In dem ausgegebenen Bericht wird angeführt: Mussolini behandelte die innere Lage Italiens. Der Große Rat beauftragte den Minister für Wehrerziehung damit, in der nächsten Sizung fonkrete Anträge für eine Mittelschulen vorzulegen. Der Nat tritt am 25. November wieder zusammen. Visazwang für Frankreich Prag.( Amtlich.) Der Ministerrat hielt am 19. Oftober eine Sigung ab und beschäftigte sich nach Durchberatung der Referate über die außLondon.( Ag. Esp.) Zu dem italieni-| die britische Regierung Franco drängen, einen wärtige und die Innenpolitik mit der Festießung schen Verlangen, nun den Paft London- Rom in Waffenstillstand der Regierung anzubieten, von des Programms der dringendsten Regierungsar Straft zu sehen, weil ja 10.000 italienische Solda- dessen Bedingungen man als sicher voraussehe, beiten. Von den Entwürfen für den ständigen ten aus Franco- Spanien heimgeschickt worden daß Barcelona ablehnen werde, so daß England Ausschuß der Nationalversammlung wurde der sind, schreibt Vernon Bartlett im ,, News Chro- Francos Friedenswillen' und Barcelonas Entwurf einer Verfügung über die Ansprüche von nicle": Striegswillen' feststellen" könne... Personen, welche in die Arbeitsformationen ein-" Ich habe den Beweis, daß vor nur wenigen Barcelona wieder bombardiert gereiht sind, nach dem Geseze über die Sozialber- Tagen italienische Tanks und sonstiges Kriegsſicherung angenommen. Auf dem Gebiete der Re- material mehr oder weniger pfifen in Cabis aus- Barcelona. Der dienstägige Frühangriff gierungsverordnungsgewalt wurde eine Verord- geschifft worden find. Ein zufällig anwesender auf Barcelona wurde von zwei Eskadren Francos licht ein Verzeichnis jener Staaten, deren AngeParis. Das dienstägige Amtsblatt veröffents nung über die Regelung der Beschäftigung von Beobachter erhielt auf seine Frage die Antwort, unternommen. Der erste Angriff wurde durch hörigen die freie Einreise nach Frankreich ledigPersonen aus den Gebieten, die von einer frem- daß die Schiffe natürlich nicht leer von Italien Flugabwehrgeschüße abgeschlagen, der zweite lich auf Grund eines Reisepasses und ohne das den Macht besetzt sind, angenommen. hinfahren könnten, aber icht viele Schiffe zur wurde durch das Eingreifen republikanischer Visum eines französischen Stonsulats gestattet ist. Heimbeförderung tailienischer Soldaten nötig Jagdflugzeuge abgeschwächt, wobei ein Franco- Die Tschechoslowakei, die sich bisher auf Grund flugzeug abgefchoffen wurde. Im Hafen wurden eines französisch- tschechoslowakischen Sonderabs viele Menschen durch Bomben getötet. Die Mit- tommens unter diesen Staaten befand, steht jest glieber der internationalen Kommiffion, die den nicht mehr auf der neuen Liste. In Zukunft schen Freiwilligen an der Estremadura- Front der wollen, erlebten dabei den erſten Flugangriff. Bet hörige, die sich nach Frankreich begeben wollen, Barcelona.( Ag. Efp.) Die ausländi- Abgang der fremden Freiwilligen überwachen werden sich daher tschechoslowakische Staatsangerepublikaniſchen Armee, deren Zahl übrigens sehr dem Flugangriff wurden die zwei britischen den Sichtvermerk eines französischen Stonſulates sering iſt, find zurückgezogen worden, um gleich Dampfer Lake Halwill" und African Er- beschaffen müſſen. denen der anderen Fronten abzurüsten und Spa- plorer" von Bomben getroffen. nien zu verlassen, wie die Regierung der Repu Frontbericht vom Dienstag blik zum tiefen Bedauern der Freiwilligen wie ihrer spanischen Kameraden beschlossen hat. Ein Anschlag Flugverbindung mit M.- Ostrau Mähr.- Ostrau. Die Verbindung Mähr. Ostraus mit den übrigen Teilen der Republik hat nen führen mit 21. d. W eine direkte Autobusverbindung mit Brünn ein; Abfahrt von Mähr.strau um 5.45 Uhr, Rückfahrt von Brünn um 16 Uhr. feien." Dagegen... Barcelona.( Ag. Esp.) Am Ende des Mona tags haben die Republikaner einen Nebellenan= griff in der Ebrozone zurückgeschlagen. Der Feind mußte in seine Ausgangsstellung zurüd. Verfügungen gegen Ausländer In Frankreich In Mähr.- Ostrau ist Dienstag eine Kommission des Ministeriums für öffentliche Arbeiten unter Führung des Ministerialrates Ing. KancTer eingetroffen. Die Kommission beriet mit den zeiorganen eine verschärfte Kontrolle aller in Paris. Das Innenministerium hat den Polis Vertretern der Stadt und des Ostrauer Aeroklubs auf die spanische Republik Frankreich lebenden Ausländer und insbesondere über die technischen Fragen der Errichtung der London.( Ag. Esp.) Nach der Meinung Vier Heinkelflugzeuge versuchten Montag jener Fremden angeordnet, die nach Frankreich Fluglinie Ostrau Prag. Die Vertreter der Stadt autorisierter Londoner Streise schreiten die britisch- morgens Cartagena zu bombardieren, wurden fommen. In einem Kommuniqué des Innenminiund des Oftrauer Aeroklubs forderten, daß die italienischen Verhandlungen nur sehr langsam, aber von Jagdflugzeugen daran gehindert. Der steriums wird erklärt, daß die Regierung die Abs Luftverbindung bereits mit Beginn der nächsten um nicht zu sagen: gar nicht vorwärts. Italien Chef des deutschen Geschwaders, dessen Flugzeug jicht habe, namentlich Paris und Umgebung von Woche aufgenommen und der Abflug von Ostrau zeigt sehr wenig Entgegentommen und Ciano nicht getroffen wurde, mußte notwassern. Alle republi- gewissen Ausländern zu säubern. Für Paris und auf 8.20 Uhr und der Abflug von Prag auf die geringste Versöhnungsbereitschaft. Die britische faniſchen Maschinen kehrten unbeschädigt zurück. Umgebung werden in Hinkunft nur vorübers 14.20 Uhr festgesetzt werde. Der Flug würde Regierung soll bereit sein, die Heimsendung von Fünf Dreimotor- Savoia bombardierten vormita gehende Aufenthaltsbewilligungen erteilt werden, zwei Stunden dauern und die Flugzeuge müßten 10.000 Stalienern als genügend zur Ratifizie- tags das Hafenviertel von Valencia. Drei Was- während eine dauernde Niederlassung von Ausin Olmüz zwischenlanden. rung des anglo- italienischen Vertrags anzusehen, ferflugzeuge bombardierten gegen Mittag Denia, ländern nicht gestattet werden wird. Außerdem Italien aber die Anerkennung seiner Kontroll- zerstörten durch 30 Bombenabwürfe auf das Ben plant die Regierung weitere Maßnahmen zur rechte( dieser englische Ausdruck bedeutet einfach: trum fünf Gebäude völlig. Achtzehn Tote und 34 Sicherung einer strengen Stontrolle aller auf franHerrschaft) eventuell in der Form eines Man- Verwundete sind bisher zu beklagen. dats! über Mallorca und Ibiza verlangen. zösischem Boden eintreffenden Ausländer sowie auch Maßnahmen für einen weitgehenden Schuß Die italienischen 10.000 seien heimgeschickt worder französischen Volkswirtschaft vor fremden den, weil ihre normale 18monatige Dienstzeit er Elementen. füllt gewesen sei. Gewisse Kreise nehmen an, daß Ungarischem und deutschem Blatt in Preßburg die Kolportage entzogen. Wie gemeldet wird, wurde den in Preßburg erscheinenden Blättern ,, Esti Ujság" und dem„ Grenzboten" die Bewilligung der Kolportage entzogen. Einer der Gründe war das Material, welches man in einem der beiden Blätter bei einer Hausdurchsuchung gefunden hat. Der Unterricht am staatlichen militärischen 。 Oberst Villalba, der nach dem Fall von Malaga der Mitschuld an diesem Verlust angeklagt worden war, ist vom Obersten Gerichtshof freigesprochen worden. Italien weist amerikanische Juden aus Japan vor Hankau erfolgreich tabtteilen werden Menschen und Vieh sowie Vorstellungen Ameritas wegen der Ausweisung lassungen sind fast verödet. Aus den chinesischen mitteilt, hat die italienische Regierung auf die Japan vor Hankau erfolgreich Washington. Wie das Staatsdepartement Reformrealgymnasium beginnt Montag, den 24. Shanghai. Japanischen Nachrichten Einrichtungsgegenstände in die weniger gefährde amerikanischer Juden geantwortet, daß sie die Oftober d. I., um 8 Uhr im Gebäude der Mili- zufolge haben die Japaner am Dienstag an der ten Provinzen abgeschoben. tärakademie in Mähr. Weißkirchen. Santau- Front die beiden strategisch wichtigen Die Schüler des Gymnasiums, die vom Schulkom- Bläse Vanglin und Teian erobert. Yangfin liegt Chinesen etwa 25 Kilometer von Stanton entfernt zunehmen, abgelehnt habe. Sie schlage jedoch die Hongkong.( Reuter.) Man erivartet, daß die grundsäßlich von den Ausweisungsbefehlen auss amerikanische Forderung, amerikanische Juden mando Urlaub erhielten, werden aufgefordert, bis im Raum füdlich des Jangtse- Ufers und bildet die eine Verteidigungsstellung beziehen werden. Diese Einsetzung einer gemischten Kommission vor, die 22. Oftober d. J. in die Schule einzurüden. Das Schlüſſelſtellung zur Supehebene. Die Einnahme Vermutung wird auch durch die Tatsache beſtätigt, jeden Einzelfall prüfen soll. Eisenbahnministerium hat alle Bahnstations Dangfins ist die Folge einer ausgedehnten Um- daß große chinesische Truppenabteilungen aus der ämter der tschechoslowakischen Staatsbahnen gehungsbewegung. Teian ist ein wichtiger Punkt Proving Swansi ständig durch Stanton marschie= darauf aufmerksam gemacht, den Zöglingen des auf dem Wege von Kiukiang nach Nantschang. ren und an die südchinesische Front abgehen. EntKritisches Befinden Kemal Atatürks staatlichen militärischen Reformrealgymnasiums, Hantau. Ueber Nacht hat Hankau ein voll- lang der Bahnstrecke Kanton- Kaulung sind schät= die dieser Tag. mit der Vahn die Neise in die kommen verändertes Aussehen angenommen. Die zungsweise rund 100.000 chinesische Soldaten tischen Präsidenten Kemal Atatürks hat sich Istanbul. Der Gesundheitszustand des tür Anstalt in Mähr.- Weißkirchen antreten, bei Vor- Stadtverwaltung hat tausende Rickschakulis zur konzentriert. Vorläufig glauben die Chinesen an Dienstag nachmittags verschlechtert. Es wird er lage der Schülerlegitimation die Fahrpreis Silfeleistung bei der Räumung der zivilen Stadt feinen größeren Angriff der Japaner, da diese das vartet, daß die Krije mit jedem Augenblick eins ermäßigung ei.auräumen. tommandiert. Die Straßen der Fremden- Nieder- Eintreffen weiterer Verstärkungen abwarten. treten fann Nr. 247 Donnerstag, 20. Oktober 1038 Seite 3 Veränderungen behalten. Die Agrarier beabsichtigen, ihrer slowakischen Organisation volle Freiheit zu belassen. Die Führung der Partei ist dort auf jüngere Leute übergegangen, welche mit der Führung«in sechsgliedrige- Direktorium betraut haben. Die tschechische Volk-Partei ist in der Slowakei überhaupt verschwunden und hat sich mit der Slowakischen Volkspartei vereinigt. Die Kommunistische Partei in der Slowakei wurde eingestellt. Die slowakische Nationalpartei geht im Einvernehmen mit der slowakischen Volk-partei vor, behält ober ihre Selbständigkeit. In der slowakischen Regierung ist sie nicht vertreten. Ueber da- Verhältnis von Tschechen und Slowaken äußern sich die„LidovtNovin h": „Hat unser Osten heut« alle Voraussetzungen für eine gute Entwicklung, so ist die- vor allem da» Verdienst der Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren, von zwanzig Jahren Slowakei in der Tschechoslowa«] fei. Da» ist eine Tatsache, die nicht einmal durch die Fehler, welche in dieser Fest begangen wurden, ausgelöscht werden kann. Die Slowakei ist rasch gewachsen; diese Raschheit wird noch oft empfunden werden und wird verschiedene Schwierigkeiten verursachen, aber gerade dadurch wird da» Land lernen. Die schließliche Einigung zwischen Tschechen und Slowaken wird auch da» au-löschen, was wir un» an ungegenseitig— insbesondere die Slowaken den Tschechen gegenüber— auSgesetzt haben. Wir im Westen müssen begreifen, daß die» eine unaufhaltsame Entwicklung gewesen ist; unser Osten darf wieder nicht vergessen, das; dies« Entwicklung nur in der Tsche» chostowakei möglich gewesen ist. Dieses gegenseitig« Begreifen weist auch der weiteren gemeinsamen Politik der Tschechen und Slowaken den Weg, auf dem nunmehr besser die Konzeption geltend gemacht werden wird, welche die Slowaken in der heutigen Zeit als die günstige ansehen. In dieser Konzeption ist allerdings auch die einheitliche Zusammenarbeit für da» gemeinsame Vaterland enthalten. Was schreibt die tschechische Presse? Neuregelung der politischen Verwaltung genommen werden wird. Das Parlament soll einem Versprechen der Regierung zufolge Mitte November zu seiner Herbsttagung zusammentreten, zu welchem Zeitpunkt auch die außerordentliche Vollmacht in Finanz» und WirtschastSangele» genheiten abläust. Die Regierung hat sich weder in der Kabinetts- noch in der MinisterratSsihung mit der Frage ihrer künftigen Mehrheit im Parlament befaßt, noch mit einer eventuellen Erweiterung deS Kabinetts um einige Fachleute zum Zwecke der Vorbereitung der Regierungsdekrete auf finanziellem Gebiet und für die Konzentration der Waffenerzcugung. Bon den politischen Problemen, die in der tschechischen Presse vom Mittwoch, de» 10. Oktober, eine Erörterung erfahre», stehen im Vordergründe die Fragen der Zukunft der politische» Parteien, der Verfassung und der Präsidentenwahl, sowie die slowakischen Angelegenheiten. Tagung der Internationale In BrUssel Brüssel. Der Vollzugsausschuß der Sozialistischen Arbeiter-International« trat Dienstag abends in Brüssel zusammen. Die Konferenz begann die Aussprache Uber die nach dem Münchener Abkommen entstandene Lage und über, die Aufgaben der sozialistischen Parteien. Die Aussprache wurde am Mittwoch fortgesetzt. An der Konferenz nehmen Vertreter von achtzehn Staaten teil. welche den disziplinierten Ausdruck de» freien Volks- willcnS möglich macht und alle» Unvollkommene und Faule ausschlichen würde. Aber immer müssen wir im Sinne haben, daß die schönste Verfassung nichts wert ist, wenn sie nicht von fähigen und anständigen Menschen durchgeführt wird, waS da» Leitmotiv sein muß ebenso bei der Auswahl der Mitglieder des Parlaments, wie der Regierung und der Person des Präsidenten der Republik." Die Parteien In der Slowakei „N ä r o d n i L i st y" enthalten eine Ueber« sicht über die Veränderungen, welche in den politischen Parteien der Slowakei vor sich gegangen sind. Eine der Hauptforderungen der Slowakischen Volkspartei war die Auflösung der Filialen der tschechischen Parteien in der Slowakei. Dieser Forderung bemüht sich vor allem die Nationalsozialistische Partei nachzukommen, welche ihre Bewegung dreiteilig organisieren will, und zwar für die böhmischen Länder, für die Slowakei und Karpathorußland. In der Slowakei wird der Abgeordnete Lukäö sie al» selbständige Partei führen. Die Sozialdemokraten haben noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob ihre Organisationen in der Slowakei im selben Verhältnis zur Zentrale bleiben wie bisher. Die Nationaldemokraten werden ihren slowakischen Zweig ohne jung geben, daß eine gute Demokratie nicht durch i sc» und Anfang des nächsten Monates ihre Konschlechte Demokraten leide. Ein« solche Verjassung, I gresse abhalten, bei denen zu der Lage Stellung Neuer noch Auflösung der französischen Kammer? Paris. An politischen Stellen, in der Oes» fentlichkeit und in der Presse mehren sich die Debatten darüber, ob die Kammer nach der offenen Spaltung in der Volksfront imstande ist, ihre Aufgabe zu erfüllen und ob nicht noch im Herbst an eine vorzeitige Auflösung und Ausschreibung von Wahlen geschritten werden soll. Hierzu wäre zu bemerken, daß es in Frankreich nicht Brauch ist, die Kammer vor Ende ihrer vierjährigen Legislaturperiode aufzulösen. Die jetzige Legislaturperiode würde im Frühjahr 10-10 normal enden. Kammerpräsident Herriot soll sich entschieden gegen eine vorzeitige Auflösung der Kammer stellen. Zahlreiche politische Parteien verurteilen auch das Wahlshstem(das ein Mehrheits- und Bezirkswahlsystem ist) und schlagen vor, daß vor einer eventuelle» Auflösung der Kammer auf das Proportionalwahlsystem zurückgegriffen tverde. ES ist nicht ausgeschlossen, daß gleich nach den Senatswahlen der Ministerpräsident Beratungen mit den Parteiführern aufnehmen wird. Die Mehrzahl der politischen Parteien wird Ende die- den BczirkSbehörden P k e st i c e und Pilsen aufgeteilt. In den Wirkungskreis der Reste des Gebietes der ehemaligen Bezirksbehörde in Po« dersam teilen sich die BczirkSbehörden in Krä« lovice und in Rakovnik. Die Bezirksbehörde in Rakovnik übernimmt ferner den Rest des GerichtSbezirkcS Saaz, während die Reste des Gerichtsbezirkes Postelberg an die Bezirksbehörde in L o u n y fallen. In ähnlicher Weise wird der Wirkungsbereich der Bezirksbehörde in Lands« krön teils auf die Bezirköbehörde in Zamberk und teils auf die Bezirksbehörde in Leito- m i s ch l übertragen. In Mähren wird der Amtsbereich der ehemaligen Bezirksbehörde in Sternberg so ausgeteilt, daß. die verbleibenden Teile de» Bezirkes Mähr.-Neustadt der Bezirksbehörde in Lito» vel zufallen, während der Rest des Gerichtsbezirkes Sternberg von der Bezirksbehörde in Olmütz verwaltet wird. Auch die Reste des Bezirkes Mähr.-Kromau werden auf die Amtsbereiche der Bezirksbehörde in M ä h r.- B u d- witz und der Bezirlsbehörde Brünn-Land aufgeteilt. Die Bezirköbehörde Brünn-Land übernimmt ferner die Verwaltung eines Teiles des GerichtSbezirkcS Zidlochovice und eines Teiles des Gerichtsbezirkes Auspih, während der Rest des ehemalige» Bezirkes Auspitz der Verwaltung der Bezirlsbehörde in H o d o n i n zufällt. In zwei Fällen, in denen die Demarkationslinie Teile der Bezirke durchschneidet, war es notwendig, diese abgetrennten Teile von denen im übrigen verbleibenden Bezirk abzutrennen. Dies betrifft den Bezirk Neuhaus, dessen südwestlicher Teil unter die Verwaltung der Bezirksbehörde in T k c b o n(Wittingau) fällt und den Bezirk Novä Paka, dessen Teil der Bezirksbehörde in Jilemnice zugcteilt wird. Alle diese Maßnahmen haben interimistischen Charakter und sind von der Notwendigkeit diktiert, die Verwaltung in den Grenzgebieten zu erleichtern. Erst später, sobald die Staatsgrenze definitiv festgesetzt sein wird und die Verhältnisse sich llären werden, wiich an eine definitive neue Regelung der Amtsbereiche der BczirkSbehörden geschritten werden. Dia Notwendigkeit politischer Parteien Mit den Politischen Parteien befassen sich sowohl Blätter der Rechten wie der Linken, besonder» der„Venkov" und da»„Prävo Lidn". Der„B en» k o v" schreibt: Durch di« Demokratisierung de» Parlamentvach Einführung des allgemeinen Stimmrecht» hat der Staat Massencharakter angenommen. Und e» ergab sich bei der ungleichmäßigen Zusammensetzung der parlamentarischen Faktoren die Notwendigkeit, die Masse der Wähler organisatorisch zu erfasse». Dies« Aufgabe der Funktion de» Organisator» der öffentlichen Meinung bei der Schaffung der Staatsmacht siel den politischen Parteien zu... Diese politischen Parteien sind die Bedingung de» gesunden politischen Leben» der Nation freilich nur dann, wenn sie in ihrer Tätigkeit da» verfolgen, wa» dem Staat al» Ganzem und wa» dem öffentlichen Wohle dient... Die politischen Parteien werden und müssen al» gesellschaftliche Erscheinungen existieren, solange gesunde demokratische Elemente in der Leitung de» Staates erhalten bleiben sollen... Die Differenzierung im heutigen modernen Staat muß durchgeführt werden, und da», so daß sie der ständischen bzw. wirtschaftlichen Schichtung der Nation entspreche, und nicht so, daß sie im Geiste fremder Ideologien, welche die nationale Einheit und staatliche Ganzheit zerstören, geführt tverde. Im„Prävo Lidu" betont Josef Marti- n e k, nian müsse di« Frage der Reform de» Parteiwesen» kritisch betrachten. Er schreibt u. a.r Wenn man große Tiraden gegen da» politische Parteienwesen und da- Verwünschen alle- Parteiwesens liest, und wenn die- von Blättern vorgetragen wird, welche den unverwischbaren Rekord tragen, daß sie in den zwanzig Jahren der Republik mehr politische Parteien gegründet haben, al» sie die Nationen vom Jahre 1848 bi- in den Weltkrieg hatte, dann wird man dies« Jeremiaden sicherlich mit der größten Vorsicht aufnehmen. ,. Wenn man laute Stimmen hört, daß die Quell« und Haupiursache alle- nationalen Unglück-(da- faktisch durch Kräfte außer un- herbeigeführt worden ist) war und ist di« groß« Anzahl politischer Parteien bei un-, wird«» gut sein, daran zu erinnern, daß einem gleichen Schicksal, welcher unS betroffen hat, ja einem noch ärgerem, auch nicht der österreichische Nachbarstaat entgangen ist, der nicht erst im letzten Augenblick, sondern schon vier Jahre vorher alle- Parteiwesen radikal unterdrückt und«»»gemerzt, alle Parteien beseitigt und sich den totalitären Regime- und neuen Richtungen so angepaßt hat, daß er selbst ein totalitäre- Regime wurde, und daß ihm da- aller trotzdem nicht geholfen hat. Dfe Präsidentenwahl Mehrere Blätter befassen sich mit der neuen Verfassung und der Präsidentenwahl. Der„B e i e r" berichtet, daß alle Nachrichien der Presse, welche die Person de» künftigen Präsidenten und den Termin der Wahl betreffen, bloß« Kombinationen sind. Bisher sei di« Entscheidung, ob der künftige Präsident dem Wirtschaftsleben werde entnommen werden, oder ob cr ein Politiker sein werde oder eine andere öffentlich tätige Persönlichkeit, noch nicht getroffen. „PoledniLidovöListy" erinnern daran, daß am Mittwoch der neue Präsident hätte gewählt werden sollen, weil vierzehn Tage seit dem Rücktritt de» Präsidenten Dr. BeneS vergangen sind. Die Aenderungen im StaatSgefüge, insbesondere die Schaffung von Regierungen in der Slowakei und in Karpathorußland, haben die Situation durchaus" nicht vereinfacht und«s ist notwendig, im Einvernehmen mit diesen Regierungen vorzugehen. Rach der Information de» Blattes werde der künftige Präsident doch tvohl den Wirtschaftskreisen entnommen werden, weil die Aufgaben de» künftigen Staate- überwiegend wirtschaftliche sein werden. Jn„NärodniOsvoboz«ni" wieder wird da- Für und Wider einer baldigen Wahl de» Präsidenten abgewogen. Einesteils fei«s wünschenswert, da- Interregnum bald zu beendigen und«S könnte auch eine Person gefunden werden, welche die schwierige Aufgabe heute übernehmen würde, in einer Zeit, da die Grenzen de» Staate» ebenso, wie seine künftige Verfassung unbestimmt sind. Auf der anderen Seit« gibt e- heute eine Regierung, welch« für ihr« Funktion genau so ein« Stütze hat, wie«»«in Präsident hätte, der von der alten Nationalversammlung gewählt würde. Kein« Partei kann jetzt mit ruhigem Gewissen sagen, ob sie unter den heutigen Verhältnissen in der Nationalversammlung jene Vertretung erhalten werde, welch« sie bisher hatte. Di« bisher gewählten Abgeordneten haben den Boden unter den Füßen verloren, denn niemand könne von ihnen mit Sicherheit jagen, für welche» Gebiet er gewählt sei. An» allen diesen Gründen müsse man bezweifeln, ob jetzt die Zeit dafür günstig sei, daß da» Oberhaupt eine- Staate», dessen Umrisse sich noch unklar abzeichnen, auf sieben Jahre gewählt werden solle. DI» neue Verfassung „E e s k t S l o v o" beschäftigt sich im Leitartikel mit der neuen Verfassung und sagt darüber: „In jedem Falle müssen wir un» eine solche Berfas- politische Parteien, Verfassung, Präsidentenwahl Prag.(Amtlich.) Da manche Bezirke durch die Oktupationslinie entweder geteilt oder verkleinert wurden oder der Sitz der Bezirksbehörde in das besetzte Gebiet kam, hat die Regierung die vorläufige Maßnahme getroffen, daß solche Teile von Bezirken der Bertvaltung der benachbarten Bezirksbehörden zugeteilt werden. Diese übernehmen die gesamte Exekutive in jenem Gebiete, daunter der Oberhoheit und in der Verwaltung des tschechoslowakischen Staates verblieb. Darum übernimmt in Teilen der Bezirke Kaplitz und Böhm.-Krumau die Exekutive die Bezirksbehörde in B ö h m.- B u d w e i S; der Rest deS Bischofteinitzer Bezirkes fällt an den Bezirk D o- m a j l i c e(TauS), der Rest deS Bezirkes Bilin an Louny(Lgun), der des Bezirke- Leitmerih an Roudnice(Raudnih). Die Bezirksbehörde in M i I n i t übernimmt den Wirkungskreis der Bezirksbehörde in Dauba, die Bezirksbehörde in Tn r n o v(Turnau) übernimmt die Reste der Bezirke Böhm.«Leipa und Reichenberg, der Bezirk S e m i l Y vergrößert sich um den Rest des Bezirkes Gablonz a. N., die Bc- zirksbchörde in N ä ch o d übernimmt die Verwaltung der Reste der Bezirke Trautenau und Braunau, die Bezirksbehörde in Boskovice wird den Rest deS Mähr.-Trübaucr Bezirkes verwalten, die BczirkSbehördc in L i t o v c l den des Bezirkes Hohenstadt. Der Teil deS Bezirkes Wagstadt, der unter der Verwaltung der Tschechoslowakei verblieb, wird dem Mähr.»Ostrauer Bezirke angeschlossen, ebenso wird der verbleibende Teil deS Znaimer Bezirkes der Verwaltung des Bezirkes Mähr.«Budwitz und der Teil des Nilolsburger Bezirkes dem Bezirke Brünn- Land angeschloffen. In einzelnen Fällen war eS notwendig, die Reste der Bezirke unter die beiden benachbarten Bezirksbehörden aufzuteilen. So ist der Wirkungskreis der Bezirlsbehörde in Prachatice auf die Bezirksbehörde inPtsek, die Teile des Gerichtsbezirkes Netolice und des Gerichtsbezirkes Prachatice übernimmt, aufgeteilt, während der Rest des Gerichtsbezirkes Winterberg der Bezirksbehörde in Strakonice zugeteilt wurde. Ebenso werden die Reste des Bezirkes MieS unter des gesunden, kräftigen, sporttüchtigen Menschen. Schweden steht mit einem durchschnittlichen Kaffee-Verbrauch von 12 Kilogramm pro Kopf und Jahr an erster Stelle. Kaifee verleiht dem Körper Kraft und Ausdauer. MEINL-KAFFEE! Eine Hilfsaktion der sozial* demokratischen Frauen der Schweiz Die sozialdemokratischen Frauen der Schweiz haben sich an die Oeffentlichkeit ihres Landes mit einem Ausruf gewendet, der eine große Hilfsaktion für die Flüchtlinge aus der Tschcchoflovakci einleiten soll. Die Aktion begann am vergangenen Sonntag mit einem S u p p e n t a g in der ganzen Schweiz. Alle Schweizer Frauen waren ausgefordert, an diesem Tage den Ihren und stich nur eine Suppe zu Mittag zu geben und da- so Ersparte den Flüchtlingen der Tschechoslowakei zuzuwenden. Der„Prager Mittag** erscheint nicht mehr Gestern nahm der„Prager Mittag" nach etwa fünfjährigem Erscheinen von seinen Lesern Abschied. Das Blatt, das sich stets durch unerschrockene und kämpferische demokratische Haltung auSzeichnete, Ivar— übrigens nicht allein— in den letzten Wochen Zielscheibe arger Feindseligkeit, die sich durch die Hetze gegen die«Emigranten" volkstümlich zu machen sucht. Nun mußte der„Prager Mittag" dem von jener Seite stürmisch erhobenen Ruf nach„Einstellung" Rechnung tragen. Der„Prager Mittag" hat also, wie er in seinem MschiedSbrief sagt,„bi« Konsequenz gezogen, den Kampfplatz zu räumen. Nicht um das Ringen für die Ideen, die uns Lebensinhalt waren und sind, aufzugeben. Aber um dort zu verstummen, wo wir keine Möglichkeit mehr haben, zu sprechen." Wir vermögen di« tiefe Bitterkeit, mit der der„Prager Mittag" sich zurückzieht, voll nach- zuempsindcn. ES handelt sich da um eine von den unzähligen Teil- und Folgeerscheinungen jüngsten Politischen Geschehens, das tausendfältig schmerzlich sich anSwirkb. Zusammenstoß In der Luft London.(Reuter.) In einem Park von Dun- mow in der Grafschaft Essex sind nach einem Zusammenstöße in der Lust zwei Flugzeuge brennend abgestürzt. Bei der Katastrophe kamen insgesamt sechs Mann ums Leben. Beide Flugzeuge waren Bomber. Ein Augenzeuge erzählte, daß beide Maschinen wie zwei glühende Meteore zur Erde stürzte» und in wenigen Minuten seien die Trümmer in ein Flammenmeer gehüllt gewesen, so daß eS anfangs nicht einmal möglich war, festzustellen, von welcher Art die Flugzeuge waren. Glück im Unglück New Bork.(Havas.) In der Nähe von Monigomer» Im Staate Alabama mußte daS den Verkehr zwischen Neio Orleans und Atlanta versehende Flugzeug notlanden, tveil während deS Fluges die eine Tragfläche Feuer fing und ein Motor sich vom Rumpfe des Flugzeuges loSriß« Alle elf Passagiere kamen ohne Verletzung davon. Ebenso konnten sich der Pilot und dessen Gehilfe mit geringfügigen Verbrennungen rechtzeitig ans dem brennenden Flugzeuge retten. Das Flugzeug und die Post verbrannten. Die Ausschreibungen von freien Stellen für Lehrer, Direktoren, leitende Lehrer an öffentlichen Volksschulen im Lande Böhmen sind aufgehoben worden. Daher werden die Lehrer aufmerksam gemacht, keine Gesuche wegen dieser Stellen einznreichen. (Seife i „Sozialdemokrat", Donnerstag, 20. Oktober 1938. Nr. 247 AssentbüroS für Sndetendeutfche. Wie Ha« das aus Berlin berichtet, wurden in den Sude» tengebieten Assenlvüro» für die dortigen Deutschen errichtet, die in das ReichKhcer eintreten wollen. Die Bewilligung hiezu erhalten: 1. Sudetendeutsche, die noch im Jahre 1938 als Unteroffiziere oder Soldaten in der tschechoslowakischen Armee dienten; 2. solche, die noch keinen Militärdienst geleistet und in den Jahren 1914 bis 1929 geboren sind. Der Wiener Rundfunk brachte in seiner Relation am Montag abends die Meldung, daß die Gemeinden P o d o v i n und R a! v i c e in Südmähren um ihre Angliederung an das Deutsche Reich ersucht hätten. Die beiden Gemeinden verwahren sich auf daS entschiedenste gegen diese erfundene Nachricht, da sie rein tschechisch sind und an eine Angliederung an Deutschland überhauvt nicht denfen. Tag die erwähnten beiden Gemeinden an Deutschland angeschlossen werden, ist der Wunsch benachbarter deutscher Gemeinden, die durch ihre Lostrennung von der Tschechoslowakei sowohl in verkehrstechnischer wie in wirtschaftlicher Beziehung geschädigt wurden. Die Gemeinden Podivln und Rakviee wollen nicht an Deutschland angegliedert sein. Zu den Meldungen über Ausweisung von Tschechoslowaken aus Oesterreich wird ans Wien berichtet, daß lein Repräsentant und lein Mitglied der Wiener tschechischen Kolonie auSge- wiesen wurde. ES werden im Rahmen früherer Beschlüsse nur Juden deutscher oder ungarischer Nationalität auSgewiesen. Unter diesen befindet sich allerdings eine Anzahl tschechoslowakischer Staatsangehöriger. An der deutsch-holländischen Grenze kam man auf einen Schmuggeltransport von Devisen und Wertgegenständen, deren Wert eine Million Mark übersteigt. Im Zusammenhang mit dieser Entdeckung wurden ein Mann und eine Frau verhaftet, ferner deren Helfer in Holland; wegen Mithilfe wurden ungefähr zwölf deutsche Juden angehalten. Der viertgrösite Diamant der Welt, der die Bezeichnung„Präsident BargaS" trägt und'in Minas GeraeS(Brasilien) gefunden wurde» ist für den Betrag von 80.990 Pfund an eine holländische Firma verkauft worden. Er wurde nach Amsterdam gesandt, um dort geschliffen zu werden. Er wird wahrscheinlich nach England verkauft werden. Der jüngere Aeltere und der Mann ohne Geburtstag. Obwohl schon 14 Tage vorbei find, ist der Streit um die Erstgeburt in einem Falle von Zwillingen. die in der Nacht vom 2. zum 8. Oktober zur Welt gekommen sind, noch nicht entschieden und es ist vollkommen unklar, wie nach den äußerst frengen und unabänderlichen Eintragungbvorschristen juri- ftisch nachgewiesen werden soll, daß dar Kind, dar zuerst geboren wurde, auch wirklich da» Aeltere ist. Die Sache ist nämlich die, daß in dieser Nacht um 2 Uhr die Sooimerzeit zu Ende ging; zu dieser Stunde wurde er plötzlich ein Uhr nachtr. Ter erste Zwilling wurde nach Sommerzeit um 1 Uhr 45 Min. geboren; der zweite Zwilling kam eine halbe Swnde später zur Welt und die englisch exakten Uhren in der Klinik zeigten natürlich bereit» 1 Uhr. 15 Min. Ta» jüngere Kind wird darum, da die Eintragung unter kleinen Umständen gefälscht werden könnte und die genaue Uhrenzeit angeben muß, Zeit seine» Leben» da» ältere bleiben. Die Zeitungen, die diesen kuriosen Fall aufgegrifsen haben, haben natürlich sofort auch noch einen anderen Fall entdeckt, in dem e» sich darum handelt, daß ein Mann einfach amtlich keinen Geburtstag hat. Dieser Mann heißt Charle» Short und lebt in Normanton in gorkshire. So unwahrscheinlich e» klingt: er ist am 81. September 1889 geboren. E» gab zwar weder damals, noch gibt j 40 Vis mm Siniftut Roman von Noelle Roger Aus dem Franz«»l»chen übersetzt von Inna Rippe! Jean erhob sich und bemerkte am Eingang die andern Kinder, die sich neugierig in den Raum drängten. „Ihr da, ihr werdet hinauf auf die Moräne gehen und mir Eis hernnterbringen. Bringt soviel ihr nur könnt und macht fix! Er setzte sich in einen Winkel und wandte nicht den Blick von dem kleinest, allen Schrecken deö Schmerzen ausgelieferten Körper, der sich wand, sich verkranipfte und mit Füßen und Fäusten wild um sich schlug. Was Lavorel im Geiste sah, tvar ein tveißeS, grell beleuchtetes Zimmer; blinkende Instrumente auf einer Glasplatte; sich selbst sah er, über diese Kindergestalt geneigt, mit gespannten) Geist und geschickten Händen in ruhiger Sicherheit an dem Körper arbeiten: Eine Viertelstunde, zwanzig Minuten,.. und daS Kind war gerettet. . Durch das Geschrei dcS Kindes herbeigelockt, trat Max ein und zog Lavorel mit sich hinaus ins Freie. „Komm doch, du muht etwas essen» sie er- tvarten dich dort. Madame Andelot eilte ihnen entgegen: „Die arme Marie, flüsterte sie, waS ist's Mit ihrem Buben?" Sie, die niemals Mutter gewesen war, fühlte die alte Wunde sich wieder öffnen. Und daß Marie sich um ihr Kind sorgen durfte, schien ihr noch eine Bevorzugung. Jean antwortete nicht. Sie bemerkte seine Blässe. Da bekam auch sie 'Angst. Deutsche Diplomaten helfen Spionen New Pork.(Reuter.) In der montägigen Verhandlung in dem gegenwärtig hier geführten deutschen Spionageprozesse sagte der Angeklagte Rumrich über seine Beziehungen zu dem Agenten Schmidt und einen gelviffen, etwas mysteriösen Mister Wiegend aus, der ihm Geld gegeben habe und eine Photographie zeigte, auf der sich außer Wiegend auch der ehemalige deutsche Gesandte Dieckhof und Kapitän Wiederman, der damals die Bereinigten Staaten bereiste, befanden. Rumrich sagte weiters aus, daß er seine Verwunderung darüber geäußert habe, daß Diplomaten in so guten Beziehungen zu Agenten des Spionagedienstes stehen. Wiegend habe ihm darauf geantwortet, daß die Diplomaten heute anders als einst feien. Wiegend habe ihm dann aufgetragen, daß er sich mehr um Jndustriefragen bekümmere und e» beute, einen 81. September, aber die Eintragung ist fälschlicherweise so gemacht worden, und alle Eingaben, diese unmögliche Angabe abzuändern, sind bei sämtlichen Behörden fruchtlos geblieben, da e» keine Aenderungen der Matrikel in England gibt. Die Juden in Amerika. Die jüdische Bevölkerung der Bereinigten Staaten beträgt heute 4 Mill. 550.000 Seelen und stellt damit 8.5 Prozent der Ge» samtbevölkerung der USA dar. Die Einwanderung dieser Massen ist fast ausschließlich in den letzten 50 Jahrenerfolgt; 1880 gab es in den USA insgesamt nur 8000 Juden. New Dort kann als größte jüdische Stadt der Welt gelten; hier wohnen 1 Mill. 765.000 Juden: die jüdische Bevölkerung stellt etwa 25 Prozent der Gesamtbevölkerung New York» dar. Tie nächstgrößte jüdische Bevölkerung beherbergt Chicago mit 800.000, dann Philadelphia mit 245.000. In den meisten anderen Großstädten leben über 50.000 Juden, so vor allem in Baltimore. Boston, Cleveland. Detroit und Lo» Angele». E» ist interessant, daß die Juden im Gegensatz zu der allgemein verbreiteten Borstellung in Wall Street keineswegs die Nolle spielen, die ihnen nachgesagt wird; nur 18 Prozent der Bank- und Börsenfirnien sind in jüdischen Händen. Die beiden Berufe, die die Juden in New Mark monopolisieren, sind der Rauchwarenhandel mit 95 Prozent und da» Schneidergewerbe mit 90 Prozent. Im Möbelhandel sind die Juden in New Nock mit 40 Prozent beteiligt. Sowohl bei Aerzten, wie bei Anwälten stellen sie ein Drittel. Dagegen ist ihr Anteil an den hohe» Verwaltung»« stellen relativ gering. Im Obersten Gerichtshof sitzt nur ein Jude, Lewi» Brandeis. Im Kongreß sind nur zehn jüdische Abgeordnete. Der Brain-Trnst hat zwei jüdische Mitglieder, den Staat»sekretär für Finanzen Morgenthau und Felix Frankfurter, der Pro- seffor der Harvard-Universität ist. Sehr bedeutend ist der Anteil der Juden an der Filmindustrie; Fox, Zucker und Sani Goldwtm sind jüdische Produzenten, ebenso wie eine Reihe großer Filmstars Juden find. Sehr gering dagegen ist der jüdische Anteil an der Schwerindustrie. 200 Jahre Gasbeleuchtung. Man wird erstaunt sein zu erfahren, daß die Möglichkeit Ga» zu Be- leuchtungSzwecken zu benutzen, vor genau 200 Jahren entdeckt worden ist. Er ist zwar richtig, daß die Gasbeleuchtung erst eine Errungenschaft der zweiten Hälfte de» 19. Jahrhundert» ist, aber schon zwischen 1820 und 1850 sind in England acht GaSfabriken gebaut worden. Die Entdeckung selbst fällt aber in da» Jahr 1788. Sie wurde ganz zufällig gemacht. In der Nähe von Wigan in Laneafhire entströmten einem Kohlenbergwerk Gase. Sie entzündeten sich durch irgendeine Unvorsichtigkeit, e» kam aber nicht zu einem Brand, weil die Spalte zu schmal war. Man legte hier ein Rohr an, und nun brannte da» Ga» als eine helleuchtende Flamme. Die Sache sprach sich herum und Dr. John Clayton kam auf die hauptsächlich um Angelegenheiten, die mit dem amerikanischen Rüstungswesen in Zusammenhang stehen; um Dinge rein militärischen Charakters habe er sich weniger zu sorgen. Rumrich berichtete dann weiters über die Pläne Schmidts, die sich auf die Erlangung von Einzelheiten über die Kü« stenverteidigung der Bereinigten Staaten bezogen und daß er von Ihm aufgefordert wurde, 50 falsche Pässe für deutsche Agenten zwecks Reisen nach Sowjetrußland zu hesorgen. • Berlin. Die DienStag-AuSgabe der„Times" und einiger anderer englischer Blätter wurde in Deutschland beschlagnahmt. Es wird angenommen, daß die Beschlagnahme wegen Artikeln Uber den New Aorker Spionageprozeß erfolgte. Idee, da» Ga» zu destillieren. Er schuf im Laboratorium die erste reine Gasflamme. E» dauerte freilich über ein halbe» Jahrhundert, bi» diese Versuche, diesmal in Frankreich, wiederholt wurden. Anfang de» 19. Jahrhunderts war e» in England so weit, daß die Gasbeleuchtung bereit» in einem Werk eingeführt werden konnte, und zwar auf den Fabriken de» Schöpfers der Dampfmaschine, James Watt. Der Mann, der die Anlage baute, war der englische Ingenieur Murdoch, und er war es auch, der am 16. Juli 1816 durch ein im Parlament angenommene» Gesetz da» Privilegium erhielt, die Gasbeleuchtung für London anzulegen. 1823 hatte sich das Garlicht in England bereit» weitgehend durchgesetzt. Wo reist man am billigsten? Die neue französische Staatseisenbahngesellschaft hat soeben da» erste Heft einer offiziellen Zeitschrift„Notre Metier" herauigebracht. In dieser Nummer findet sich eine Zusammenstellung der Eisenbahnfahrpreise in den westeuropäischen Ländern, au» der e» sich ergibt, daß man in Frankreich tatsächlich weitau» am billigsten reist. In Franc umgerechnet beträgt der Fahrpreis für 800 km: in Frankreich 160 Fr», in Belgien 199,25 Fr», in Italien 227,70 Fr», in der Schweiz 274,55 Fr», in Deutschland 410,20 Fr», in England 430,65 Fr». Unberücksichtigt sind in dieser Zusammenstellung allerdings die sehr hohen Reduktionen, die namentlich in Deutschland und Italien bei den verschiedensten Gelegenheiten gewährt werden und für das AuSlandrpublikum durch die Möglichkeit der Benützung von Reisemark beziehungsweise Reiseliren noch eine weitere beträchtliche Perbilligung erfahren. Kältere Tage. Von den nordwestlichen Teilen deS Atlantischen Ozeans dringt nunmehr gegen da» Festland in Begleitung von leichten Schauern etwas kühlere Luft vor. Die erste Kältetvelle erreichte gestern bereits Böhmen, so daß die Nachmittagstemperaturen gegenüber'Dienstag um 4—6 Grad tiefer lagen.— Wahrscheinliche» Wetter heute: Veränderlich. meistens stärker bewölkt, Schauer, Abkühlung, frischer West» bis Nordwestwind.— Wetter- auSsichien für morgen: Noch unbeständig, mit Schauern, allmähliche» Abflauen de» Westwinde», mäßig kühl. Das Element 93 Der berühmte französische Physiker Jean Perri» hat vor kurzem in dec Akademie der Wissenschaften Mitteilungen über die Entdeckung eines neuen Elements gemacht, das man vorläufig einfach„Element 93" nach feiner Stellung im periodischen System nennt; ein endgültiger Name wird dafür noch gewählt werden. DaS Interessante an diesen Mitteilungen ist nicht die Tatsache, dah dieses Element, das zur Grupps der radioaktiven gehört, überhaupt entdeckt worden ist, sondern die Methode, die zu seiner Entdeckung geführt hat: es hat nämlich für die Wissenschaft schon vor seiner Entdeckung existiert, und zwar nicht nur theorethisch, sondern praktisch. Bevor man e» jetzt auf ziemlich üblfche Weise durch Spektralanalyse fand, ist es künstlich hergestellt worden. Und das allerdings ist ein Faktum, da» in der Geschichte der Naturwissenschaft erstmalig und einzigartig jst. Bei der Bombardierung des Uran und bei neuen Versuchen der Atomzertrüm.aerung radioaktiver Elemente ist eS vor einiger Zeit dem italienischen Physiker Fermi gelungen? einen neuen Stoff herzustellen. Er beschrieb genau seine physikalischen und chemischen Eigenschaften, aber er muhte sich dabei sehr beeilen, denn dieses neue Element, das er künstlich hergestellt hatte, existierte lediglich dreizehn Minuten und ging dann ebenso wie andere radioaktive Elemente in eine Uranverbindung über. Fermi konnte aber trotz der Kürze der Zeit angeben, welche Linien im Spektrum diesem neuen Element entsprechen muhten. Die Spektralanalyse auf der Suche nach diesem unbekannten, obwohl schon einmal im Laboratorium vorhandenen Stoff blieb aber völlig erfolglos. Es ist jetzt ein ultra-empfindlichc» Spektroskop konstruiert worden, durch das man Spektrallinien voneinander unterscheiden kann, wenn diese auch nur ein Zwanzigmillionstel Millimeter voneinander entfernt sind. Mit Hilfe dieses Spektroskops sind die Uranerze jetzt systematisch auf das von Fermi angegebene Element untersucht worden, und eü ist tatsächlich gelungen, vier Linien festzustellen, die genau mit den Fennischen Angaben übereinstimmen. Im wissenschaftlichen Sinne ist daS Element also gefunden, und man weih jetzt, dah eS tatsächlich in permanenter Form existiert. Hager Zeit»»- Die StaatSiahndirektion in Prag keilt mit: Ab Freitag, den 21. Oktober, wird der Verkehr auf der Automobilfrachtenlinie Prag—Stkchoviee—Novh Knin —DobkiS in demselben Umfang wie früher ausge- nommen. Die Linie wird an allen Werktagen mit Ausnahme Montag» in Betrieb sein. Uitteiümgeakl.-E., Prag „Welche Diagnose stellen Sie", fragte Herr! von Miramar. „Es ist eine akute Perityphlitis... eS müßte sofort operiert werden.. Mit einer Gebärde trostloser'hnmacht lieh Lavorel die Arme finken. „Ich halte den Fall für hoffnungslos..." „Entsetzlich, dieses Geschrei... wird daS noch lange dauern?" fragte Dobreman. „Sie brauchen eS ja nicht anzuhören, das ganze Tal steht Ihnen zur Verfügung", antwor- tete barsch der Arzt. Er lieh ihn stehen und kehrte zu dem Patienten zurück. Drei Tage, vier Tage des Kampfes mit dem Tode. DaS Geschrei hörte auf und begann dann wieder. Man wunderte sich, woher dieser Kinderkörper soviel Widerstandskraft schöpfte... Dann war'S nur noch ein Wimmern, das Wimmern eines ganz kleinen Kindes und schließlich wurde eS still. Und die Mutter schöpfte wieder Mut, weil daS Kind lächelnd-sagte:„Jetzt ist's gut." Es schien einzuschlafen. DaS Gesicht war entspannt, die Nase spitz, und plötzlich wurde eS.unheimlich blaß und alt unter dem dichten schwarzen Gelock. Und während der ganzen nächsten Nacht zerriß ein anderer Schrei die Stille; ES war der Schrei eines Weibchens, dem man fein Junges entrissen hat. Geduldig, indem sie einen Stein nach dem anderen aushoben, gelang es dem alten Hans und JorriS, ein Loch am Fuße des Felsens, am Hang über den Hütten zu graben. Rings um dieses Grab scharten sich alle Bewohner des Tales, um daS tote Kind auf ein Rhododendren- lager zu betten. Unter dem dünnen Laub sahen sie daS wächserne Gesichtchen verschwinden. Man legte Kies darüber, häufte dann größere Steine drauf. Die Klage der zusammengebrochenen Mutter schien jedem von ihnen die eigene zu sein. Reglos stumm standen sie da. Keiner hatte den Mut ein Wort zu sprechen. Sogar die Kinder hatte >er Schreck-erfaßt.. Ein eisiger Wind fegte durchs Tal und trieb Wolken vor sich hin wie eine Herde böswilliger Tiere. Der schwere Himmel lastete auf der Felslandschaft, die sich noch trostloser, noch unbarmherziger von der engen Nebelgrenze abhob. Alle fühlten sich wehrlos gegen die ständige Drohung der Krankheit, des körperlichen Schmerzes, die man nicht mehr zu mildern, gegen den Tod, den man nicht mehr zu bannen vermochte. Sie sahen die feindlichen Gewalten des Winters und der Berge sich entfesseln; sie errieten, daß noch andere Kräfte am Werke waren, die an ihrer Vernichtung arbeiteten. Tief in ihrem Fleische empfanden sie das Grauen der Verlassenheit. Ihr von allen Seiten bedrängtes Menschsein schlotterte vor Entsetzen im Angesichte dieses ersten Toten. Und da sie sich einem Fluche verfallen glaubten, beneideten sie beinahe diejenigen, die der Tod mitten aus dem Leben herausgegriffen hatte, und deren Körper hin und herrollten im Schoße dieses neuen Meeres, das sich über die Erde ergossen, hatte. „Latzt uns gehen", sagte Max plötzlich. Er fahte Eva am Arme; sie weinte an seine Schulter gelehnt, und langsam schritten sie talwärts. Frau Andelot neigte sich zur-Mutter hinab und hob sie auf. Ihre Augen waren starr; sie wußte nicht, was um sie herum vorging. Von Frau Andelot gestützt, ließ sie sich wegführen. Die anderen folgten mechanisch. Sie gingen mit hängenden Köpfen, wie von einer unchtbaren Last erdrückt.- *■ Dann mußte aber weitergeschafft werden. An diesem Tage stiegen FrangoiS von Miramar und Georges GrisolleS nach PorieS-NeuveS hinunter, zu den Jungen. Der erste Schnee hatte nicht standgehalten, aber der feindlichr Himmel drohte mit neuen Stürmen. Ein eisiger Wind blies durch das Tai; In der Ferne sahen sie den Baseler Lehrer Kräuter sammeln. „Der kann wenigstens seine Wissenschaft verwerten,"-seufzte der Schriftsteller. Sie stiegen hinab, bis zum Fuße der GraShangeS über dem Wasser und schauten den Männern zu, die mit dem Treibgut rangen. Zahlreiche Stämme stiehen und drängten sich auf der wogenden Fläche. AuS allen Wäldern waren ihre hundertjährigen Bewohner vertrieben worden, sowohl die toten, auf dem Mose ruhenden Bäume, als auch die hohen, vom Blitz gezeichneten Tannen. Und nun, ein Spiel der Wellen, waren sie zu gefügigen Wanderern geworden, die das Tal von Jlliez hinaufzogen, die einzigen, die je hier an diesen schweigenden Ufern vorbeikommen würden. Jede Flut schwemmte neue Bäume tn den dunklen Fjord, der einst die Schlucht von Bonavaux gewesen war. Ihre trockenen Zweige ineinander verflechtend, wurden sie zu schwimmenden Inseln und fingen alles auf, waS da trieb: Bretter, Balken,, den Holzvorrat der geplünderten» den Wellen apSgelieferten Holzmeiler. Mit einer langen Stange in der Hand stand JorriS über das Wasser geneigt da und hielt die vorbeitreibenden Bäume auf, während die anderen sich des Strickes wie eines Ankers bedienten. Dann wurden die Hölzer fest zusammengebunden/ und alle schleppten gemeinsam die Beute ans Ufer. Die Baumstämme häuften sich längs des Hanges und warteten, dah man sie auf einen geeigneteren Boden schaffte, wo sie zurechtgehauen wurden. „Por Dieben braucht man sich nicht zu ftlrchten, rief Fürst Orlinsky. Diebe gibt eS nicht mehr." Und jugendfrisch dröhnte sein Lachen. „Er denkt an seine geplünderten Güter-. wie fröhlich er ist l— meine GrisolleS." Max und Lavorel, die sich den Ankommenden zuwandten, antworteten gleichzeitig: „Nein! Fröhlich sind wir nicht.. Sie waren blaß, Max fügte hinzu: „Der Mann vom Ayernefelsen ist vcr- schwunden." '(Fortsetzung folgt.)j