E Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Rebaltion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Giegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Freitag, 21. Oktober 1938 Aus dem Inhalt: Japans Vorstoß in Südchina Eine Resolution der SAI Neue Bahnverbindungen Nr. 248 Einstellung der KPČ Becks Reise ergebnislos? Die Rolle der Armee auch in und Mähren Pr a g. Am Donnerstag wurde fol gende amtliche Meldung ausgegeben: Mit dem heutigen Tage wurde die Tätigkeit der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei( KPC) im Lande Böhmen und Mähren Schlesien be hörblich eingestellt. In Konsequenz des fen erfolgte auch die Einstellung der kommunistischen Tages- und periodi schen Preffe. Rumänien bleibt zurückhaltend Bukarest, 20. Oktober.( Havas.) In informierten Kreisen wird behauptet, daß der Standpunkt Rumäniens gegenüber den polnischen Vorschlägen betreffend die karpathorussische Frage sehr zurüdhaltenb fein wird, und zwar: 1. aus Loyalität gegenüber der Tschechoslowakei, 2. aus dem Wunsche heraus, mit diesem Lande die direkten Beziehungen zum Zwecke der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit aufrecht zu erhalten, 3. aus dem Willen heraus, die Stellung Ungarns nicht allzusehr zu stärken, 4. aus Steptizismus über eine allfällige Versicherung der ungarischen Regierung in Angelegenheit Siebenbürgens, 5. auf Grund des Beschlusses, einer Kombinationa aus dem Wege zu gehen, welche als deutschlandfeindlich bezeichnet werden könnte. Jerusalem wird gesäubertat, welche Karpathorußland unter die Aufsicht Ungarns stellen würde, doch kann man nicht aus In Bukarest zeigt man zwar viel Verständnis für das Interesse, das Polen an einer Lösung dem Auge verlieren, daß die Ungarn nach der Befehung Karvathorußlands eine strategische Posttion erlangen würden, welche die Verteidig ung Siebenbürgens und der Bukowina be brohen würde. Jerusalem, 20. Oktober.( Reuter.) Die britischen Truppen, die gestern die Altstadt von Jerusalem besetzt haben, setzten während der ganzen Nacht die Besetzung der muselmanischen Häufer fort, in denen nach Waffen und Munition geforscht wurde. Die Haussuchungen werden heute seit den frühen Morgenstunden fortgesetzt. Als gestern die britischen Truppen die Altstadt befet ten, wurden zahlreiche Bomben auf sie geschleudert. Sidor wartet auf Beck In der Krife, welche die Tschechoslowakei in der letzten Zeit durchgemacht hat, ist ihrer Armee eine wichtige Funktion erstanden. Sie hat nicht lischer Natur überwunden, die ihr erwachsen sind, nur die Schwierigkeiten militärischer und mora sondern sie ist auch zu einer politischen Aufgabe berufen worden. Zu dieser Aufgabe ist sie von der Geschichte vorbereitet worden, sonst hätte sie sie nicht erfüllen fönnen. Die tschechoslowakische Armee ist im Welts frieg zwischen 1914 und 1918 im Auslande ent standen. Seit den ersten Tagen des Weltkrieges hatten sich tschechoslowakische Staatsbürger, die in Frankreich, Italien und Rußland lebten, zum Heeresdienst in den Entente- Armeen gemeldet, die große Masse von Tschechen und Slowaken, die sich in den Gefangenenlagern des zaristischen Rußlands zusammengefunden hatte, hatte es möglich gemacht, einen tschechoslowakischen Truppenförper aufzustellen, eine Armee, die zum Schluß mehrere Korps zählte. Der Geist, von dem diese Armee erfüllt war, ging aus dem Zweck hervor, für den sie bestimmt war, es war der Geist der nationalen Unabhängigkeit. Es war Warfchhau. Der Abgeordnete der slowakischen aber charatteristisch für die tschechoslowakischen Volkspartei Sidor, wird bis zur Rückkehr Legionäre insbesondere in Rußland, daß sie danf Airßenminister Beds aus Galaß, der Donnerstag dem Einflusse Masaryks nicht nur den Kampf oder Freitag zurüderwartet wird, in Warschau um die staatliche Selbständigkeit der Nation, sonbleiben. Die Miffion Sidors erfordert eine dirette dern allgemein menschliche Aufgaben, insbeson Unteredung mit dem polnischen Außenminister. bere eine Neuordnung Europas als ihr Ziel anAm Mittwoch hatte Sidor lediglich eine kurze Be- fahen. Unter dieser Neuordnung verstanden sie ratung mit dem Stellvertreter des Außenministers Grafen Szambet. Im„ Europa- Hotel", in welchem Abg. Sidor Wohnung genommen hat, hat ich eine Menge polnischer und ausländischer Journalisten eingefunden, die bemüht find, Ein zelheiten über die Miſſion Sidors in Erfahrung zu bringen. Abg. Sidor hat jedoch jedwedes InParis, 20. Oktober. Der rumänische Ge-| König Carol auf dessen Yacht stattgefunden und fandte in Paris Cesian u stattete heute Außen- ungefähr 32 Stunden gedauert. minister George Bonnet einen Besuch ab, den er über die rumänisch- polnischen Beziehungen und insbesondere über die Unterredung des rumänifchen Außenministers Comnen mit dem polnischen Außenminister Oberst Be& informierte. In Die Verbindung mit Jerusalem ist erschwert, Paris ist bis in die Abendstunden über den Inhalt denn die Telegraphen- und Telephonlinien sind der Unterredungen von Galatz nichts Genaues vernichtet. Seit der Abenddämmerung war wäh- bekannt. Es wird jedoch angedeutet, daß, wie aus rend der ganzen Nacht der Verkehr auf den Stra- den übereinstimmenden Depeschen der Havasken infolge der Tätigkeit der terroristischen Ban- Agentur aus Bukarest und Warschau hervorgeht, ben so gut wie eingestellt. Heute wird eine Ver- der rumänische Standpunkt unverändert ordnung des britischen Hochkommissars herausge- blieb. geben werden, mit welcher gestattet wird, das immobile Eigentum von in Balästina oder im Ausland fiebelnden Personen, die bei Gewalttä tigkeiten oder Sabotage beteiligt waren, mitgeholfen oder zu denselben aufgeheht haben, zu befchlagnahmen, zu demolieren oder sonst irgendwie mit demselben zu verfahren. Am Donnerstag morgen hatten Flugzeuge Flugzettel abgeworfen, in denen mitgeteilt wurde, „ daß Truppen in die Mauern der Altstadt einzie hen werden. Es fei im Interesse der Bürgerschaft gelegen, die Dächer nicht zu betreten, sich den Fenstern nicht zu nähern und nicht auf die Straße zu gehen, da die Truppen den Befehl zum Schiefen erhalten haben. Die Bevölkerung wird aufgefordert, den Befehlen des Militärs zu gehorchen." Trotzdem wurden diese Weisungen nicht überall befolgt und das Militär mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Neun Personen wurden getötet nnd vier schwer. berleht. Die Verwundeten, unter denen fich auch der christliche Arzt Hanna Atalam befindet, wurden in das Regierungsspital gebracht. Die Delleitung in der Nähe von Beifan wurde erneut beschädigt und das herausfließende Del in Brand gestedt. Britisches Militär griff hiebei die Araber an. Es tam zu einem Gefecht, wobei zivei arabische Freischärfer getötet wurden. Italiens Hand in Palästina London. Die kritische Lage in Palästina, die in London große Besorgnisse erregt, verstärkt in Kreisen, die dem Premierminister Chamberlain nahe stehen, den Wunsch nach einer baldigen Ratifizierung des englisch- italienischen Pattes. Man glaubt, Anzeichen für eine weitgehende Unterstüt zung der arabischen Rebellenaud durch die Italien er zu besigen, und ist anscheinend der Ansicht, daß diese Intervention nach der Matifizierung des englisch- italienischen Pattes aufhören werde. Die Ratifizierung soll noch vor dem Busammentritt des englischen Parlaments stattfinben. Polen: Keine weiteren Forderungen Elne wichtige Partle Berlin. Der Bukarester Berichterstatter des Deutschen Nachrichtenbüros meldet: Der pol nische Außenminister Oberst Bed hat den Presse- terview abgelehnt. vertretern erklärt, daß Polen nach der Einverlei bung des Teschner Gebietes teine weite ren territorialen Forderun gen stellen werde. Die Beziehungen zu Prag follen nunmehr vollkommen normal sein. Nach den politischen Ereignissen der letten Beit habe es die Warschauer Regierung für ihre Pflicht gehalten, auch den Standpunkt anderer Länder, insbesondere Rumäniens, kennenzuleriteit. nicht nur eine politische, sondern auch eine soziale, ihnen erschien der Kampf um die nationale Selbständigkeit auch als ein solcher um eine gesellschaftliche Besserstellung der Menschen, so daß das Legionärtum von allem Anbeginn an von sozialem Reformgeist erfüllt war. Schließlich war bezeich nend für die tschechoslowakische Armee im Weltfrieg, daß sie nicht nur die für den unmittelbaren Stampf notwendigen militärischen Einrichtungen schuf, sondern auch Institutionen wirtschaftlicher und fultureller Art, jo daß die Armee insbeson dere in der Zeit der Auflösung aller staatlichen Ordnung in Rußland einen Staat im Staate In Mitteleuropa" Paris, 20. Oftober. Der Besuch der flowafischen Minister in München, die Unterredung Sönig Carols mit dem polnischen Außenminister bildete. Beck und das Verhältnis der Achse Rom- Berlin Nach der Rückkehr der Legionäre in ihre Problems stehen im Vordergrund des Interesses der man ein durchaus demokratisches Gefüge gab. zur Regelung des tschechoslowakisch- ungarischen Heimat schritt man an den Aufbau der Armee, der französischen Presse und sind Hauptgegen- Die volkstümlichen Traditionen des Legionär stand ihrer Erwägungen. Die Presse stimmt in tums halfen dabei. Es war von Anveginn an der Bukarest. Ueber den Aufenthalt des polni- der Ansicht überein, daß sich hier eine grundsäß- Wille der führenden Männer der Armee, dem schen Außenministers Oberst Beck in Galatz wurde lich wichtige Partie in Mittel Staate und feiner politischen Führung zu dienen, in den späten Abendstunden ein lakonisches Kom- europa abspielt, und sieht in deren Hinter- und die Tatsache, daß die Armee stets einem muniqué ausgegeben, welches mitteilt, daß Oberst grund den Kampf um den Einfluß in der Utraine. zivilistischen Präsidenten untergeordnet war, Beck und der rumänische Außenminister Petrescu Die Idee einer gemeinsamen ungarisch- polnischen fügte sie dem Staatswesen und seinen normalen Comnen eine freundschaftliche und vertrauens- Grenze und eines polnisch- ungarisch- rumänischen Aufgaben reibungslos ein. Ihr demokratischer volle Unterredung hatten und daß der polnische Blocks ist in Paris Gegenstand der verschiedensten Charakter war auch daraus ersichtlich, daß die Außenminister nachher von König Carol in Bermutungen und Ansichten, die von einer Scheidewände zwischen Offizierstorps und Audiens empfangen wurde. grundsäglichen Ablehnung dieser Möglichkeit bis zu einem neutralen Standpunkt oder der Billigung eines derartigen Blocks reichen. Wie man hiezu noch in Erfahrung bringt, hat die Audienz des polnischen Außenministers bei Sir Samuel Hoare: Chamberlains Nachfolger könnte auch anderer Meinung sein Mannschaft, wie sie in manchen Armeen bestan den und bestehen, nicht stark waren und daß auch zwischen Zivil und Militär kein C'egensatz be stand. Man hatte auch Gelegenheit, festzustellen. daß das Offiziersforps von feinem Eigendünfel getragen ist, sondern sich einfach als ein Instru ment des Staates auf einem bestimmten Gebiet betrachtet. Man kann unserem Offiziersforpe auch nachsagen, daß es stets bildungsbeflissen ge wesen ist und bemüht war, die Armee auf die Höhe der übrigen Armeen Europas zu heben. Ebenso fand die Bildungsarbeit in der Mannschaft ein reiches Feld der Tätigkeit: in jedem ( CPV) London, 20. Oftober.( Reuter.)[ Pflichten unserer Regierung ist es, das große Truppenförper wurde der Volksbildung AufMinister des Innern Sir Samuel o are sprach Korps der freiwilligen Mitarbeiter zu organisie- mertsamkeit zugewandt. So kam es, daß sich die heute in Clactonon Sea. Er erklärte, daß er an ren. Bei den geänderten Bedingungen der moder- Armee ein gewisses Vertrauen in der Bevöl die Friedensliebe Hitlers glaube, erinnerte jedoch nen Kriegführung sind nicht mehr Millionen von terung errang, das sich auch auf die Arbeiteran die Worte des Reichskanzlers in Saarbrücken Infanteristen, die auf dem europäischen Kon- schaft erstreckte, welche aus dem alten Desterreich über eventuelle Nachfolger des Premierministers tinente dienen würden, notwendig. Jetzt ist es gewohnt war, in der Armee ein Mittel gegen Chamberlain und fuhr fort: Hitler glaubt der notwendig, ein großes industrielles Land zu ihren sozialen Stampf zu sehen. Man erinnert jich Die englische Preffe weist darauf hin, daß das Friedenssehnsucht Chamberlains, fürchtet aber organisieren, damit es sich gegen den vernichten- daran, wie bei der letzten Arbeiter- Olympiade in alte arabische Wort„ Jerusalem müsse alle 20 Jahre jeinen eventuellen Nachfolger im Amt. Ich glaube den Schlag eines Fliegerangriffes schüben fönne. Prag die Armee mitwirfte und man konnte auch errobert werden" Kenner der Verhältnisse in Balästina befürchten, daß ebenfalls an die Friedenssehnsucht Hitlers, aber Wenn Großbritannien solcher Art organisiert sonst beobachten, daß das Offizierstorps soziales die Eroberung der Altstadt von Jerusalem lange Beit ebenso wie Hitler muß ich gewärtig sein, daß nach sein wird, daß es einen Erfolg diefes vernichten- Verständnis aufwies und so viel politische Bil in Anspruch nehmen wird, ba sich die Araber im Be- ihm ein Nachfolger kommt, der vielleicht andere den Schlages unmöglich macht, dann können wir bung besaß, um den Wert der Bestrebungen der fit der heiligen Stätten befinden und außerdem Ansichten haben wird, und daher übernehme ich mit der Gewißheit in die Zukunft blicken, daß Arbeiterschaft und ihre Mitarbeit am Staate ges die Losung Hitlers: Jederzeit bereit für den Fries den und zu jeder Stunde zur Vertei bigung bereit. weitverzweigte und unübersichtliche unterir dische Gänge beherrschen. 10 dänische Nazis verhaftet Die wahre Voraussetzung des Friedens ist die britische Stärke. Der Friede liegt im Inter Ropenhagen.( Reuter.) Behn Mitglieder der esse des britischen Reiches und unsere Stärte dänischen nationalsozialistischen Partei, darunter wird sicherlich auf die Waagschale des Friedens ein belannter Führer dieser Partei, wurden ver- geworfen. Steine friedliebende Nation braucht je haftet. Es wird ihnen zur Last gelegt, zahlreiche die britische Rüstung zu fürchten. Ferner jagte Sir Samuel: Eine der ersten jüdische Händler in Stopenhagen erpreßt zu haben. wir niemals geschlagen werden. Auslandspresse in Berlin beschlagnahmt bührend einzuschäßen. So geschah es, daß in einem Staat, der politisch auf dem Parteiensystem beruhte, die Armee als das einigende Band empfunden wurde, welches die Nation umschlang, und daß Berlin.( Havas.) Auch am Donnerstag die Armee zu ihrer Rolle heranreife, die sie in den wurden die" Times" und eine ganze Reihe weis fchweren Tagen des Jahres 1988 gespielt hat. terer englischer und französischer Blätter beschlag- Schon im Mai war das Bewußtsein vorhanden, nahmt, und zwar, wie man annimmt, wegen Ar- daß man sich auf die Armee verlassen könne und titeln über den Spionageprozeß in New Yort, die Mobilisierung im September zeigte die große Freitag, 21. Oktober 1938 Nr. 218 gen die japanischen Truppen nach Beseitigung des linie von Ki> chinesischen Widerstandes über Tschengshing in I stand leisten. Der Irrsinn dieser Zelt Wettrüsten bis zum wirtschaftlichen Ruin London.(Reuter.) Der amerikanische Bot» schafter Kennedy hielt Mittwoch abends auf einem Bankett der Flotten»Liga eine Ansprache und führte hiebei u. a. aus: Die kürzlichen Er» eignisse rufen zweifellos überall ein gigantisches Wettrüsten hervor. Wir haben immer geglaubt, dah eS für jeden Staat sehr schwer sei, eine Steigerung seiner Rüstungen fortzusehen. In Wirk» lichkeit können wir jedoch den Staaten, welche der Politik des Friedens aufrichtig ergeben sind, eine solche Aktion nur empfehlen. Die gegenwär» tige Weltlage stellt die Führer aller Staaten vor ein Dilemma: eine unzureichende Rüstung kann Eisenbahnmaterial an Deutschland abgetreten Berlin, 20. Oktober. Im Sinne der am 18. Oktober unterfertigten tschechoslowakisch» deutschen Vereinbarung begann gestern die Uebergabe des tschechoslowakischen rollenden Eisenbahnmaterials an die Verwaltung der deut» schen Reichsbahn für den Verkehr im besetzten sudetendeutschen Gebiet. Man kann erwarten, dah bei Uebergabe eines Teiles dieses rollenden Materials, was innerhalb einer Woche erfolgt sein wird, wiederum der regelmäßige Eisenbahn» verkehr zwischen der Tschechoslowakei und Deutsch» land wenigstens auf einigen Strecken eröffnet werden wird. Dr. Dfirer bleibt an der Spitze der«lovaklschen Sozialdemokratie Bratislava, 20. Oktober. Dr. Dkrer gab dem ExekutivauSschuh der slowakischen Landesorgani» sation der sozialdemokratischen Partei seinen Rück» tritt von der Funktion des Parteivorsitzenden in der Slowakei bekannt. Rach eingehender Debatte sprach der ExekutivauSschuh Dr. Dtrer einstim» mig das Vertrauen aus und nahm die Resigna» tion n i ch t an, betraute aber in Anerkennung der gewichtigen Gründe Dr. DirerS bis auf weiteres mit der Leitung der Angelegenheiten der Partei in der Slowakei den amtierenden Vizevorsitzenden Michael Korman sowie Jan Baöko und Ivan Frliö.• Volkstümlichkeit der Armee In allen Klassen der Bevölkerung. Wiewohl die Armee nicht Gelegen» beit hatte, ihre Leistungsfähigkeit nach der milk» tärischcn Seite bin voll zu entfalten, zeigte doch die Art, Ivie sie in den schlimmsten Tagen bestand, zeigte vor allem der geordnete Rückzug an die Demarkationslinie ihre Disziplin und Moral. Als die schilleren Bedingungen bekannt wurden, welche der Tschechoslowakei vorgeschrieben wur» den, und auf den Prager Gassen und Plätze» demonstriert wurde, da vereinigten sich, die Massen in dem Willen nach Berufung des populärsten Generals der Armee an die Spitze der Regierung. Und wieder zeigte sich das Charakteristische an der Armee und ihren Führern, dah sie nicht ehrgeizig die Herrschaft anstrebte», son» der» mit dem Volke verbunden die Zügel der Regierung ergriffen, nicht nm eine diktatorische Gewaltherrschaft aufzurichten, sondern das Staatsschiff durch die stürmischen Wellen hin» dnrchzusteucrn, in die cs geraten war, und es, ivenn auch noch nicht in den Hafen» so doch in ruhigere Wässer zu bringen. Es gelang der Regierung ohne drakonische Mahnahmen, eine ' gewisse Beruhigung der öffentlichen Meinung zu erzielen und der Welt den ernsten Willen zum wirtschaftlichen Neuaufbau des Staates zu zei» gen. An diesem Wiederaufbau nimmt die Armee durch einzelne ihrer Führer— in der Regierung allein sind drei Generale— teil und hilft somit die Grundlagen deS neuen Staatsaufbaues politisch und wirtschaftlich zu. schaffen. Man darf wohl sagen, daß die Rolle der Armee nicht aüsgespielt ist. Weder auf ihrem ureigensten, dem militärischen Gebiet, noch auf dem politischen. Ihre militärische Aufgabe wird darin bestehen, die Neutralität der Tschechoslowakei in einer waffenstarrenden Welt zu schützen. Ihre politische Aufgabe, dem Staat durch die schwerste Zeit hindurchzubringen. Die Geschichte wird der tschechoslowakischen Armee gewiß das Zeugnis auSftellen, dah sie in kritischer Zeit der feste Halt der Republik gewesen ist und dah ste mitgcholfen hat, den neuen Staat zu schaffen, dah sie das Beispiel einer wahrhaft demokratischen, mit dem Volk verbundenen Armee ist. Keine Zollunion Berkin, 20. Oktober.(Reuter.) Sn An« gelegenheit der Zollerleichterungcn, die, wie erwartet wird, Prag beim Warenaustausch mit betn sudetendeutschen Gebiete gewähren wird, erfährt die Reuter-Agentur, daß derartige Konzessionen nur die Wirtschaftsbeziehungen reguliereir und mit einer Zollunion nichts gemein haben werden, da so weitgehende Abmachungen nicht den Gegenstand der Diskussion»wischen Prag und Berlin bildeten. Kt In Paris fest Paris, 20. Oktober. Die tschechoslowakische Krone hat sich an der Pariser Börse wieder befestigt und erreichte beim heutigen Börscnschluh bei unverändertem Verhältnis des Francs zum englischen Pfund das beste diesjährige Verhältnis zum französischen Franc, und zwar 180 Francs für 100 Uö gegenüber 129.50 Francs der letzten Notierung. Atatürks Zustand äußerst ernst Istanbul, 20. Oktober. Obgleich das ärztliche Bulletin über das Befinden des StaatSprä» sidcnten Atatürk von Mittwoch abends eine leichte Besserung anzeigt, muh der Gesundheitszustand Atatürls auch weiterhin als äuhcrst bedenklich angesehen werden. Heute vormittags sind aus Ankara alle dort noch verbliebenen RegierungS- Mitglieder und der Präsident der grohen Ratio» nalversammlung Renda eingetroffen. Im Falle des Ablebens des Staatspräsidenten werden als mögliche Kandidaten für die Staatspräsidentschaft der frühere Ministerpräsi» dent JSmet Jnönü und der Chef des Grohen Generalstabes Marschall Fewst Cakmnk genannt. Der Marschall ist jedoch als aktiver Offizier nicht Abgeordneter und die Berfasiung schreibt vor, dah der Präsident der Republik au» den Reihen der Abgeordneten zu wählen ist. eine Hegemonie stärkerer Mächte oder Mächte» gruppen zur Folge haben, aber ein weiteres schnelles Ansteigen der Rüstungen bringt mög» licherweise allen Beteiligten derartige Wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie sie nur ein Weltkrieg imGe« folge habenkann. Die Rüstungen werden alle Staaten ohne Unterschied der Regierungsform in gleicher Weife beschweren und deshalb — so erklärte Botschafter Kennedy— wartet dar amerikanische Volk auf den Tag, an welchem die Nationen der ganzen Welt eine Beschränkung und Verminderung der Rüstungen vornehmen werden. Ilse aus München zurückgekehrt Bratislava. Der Vorsitzende der slowakischen Negierung Dr. T i s o und Minister Dr. Dur» ö a n s k h kehrten Donnerstag nachts aus München, wo sie Mittwoch nachmittags ReichSauhen« Minister von Ribbentrop empfangen hatte, zurück. Die slowakischen Minister hatten mit dem Reichs* auhenminister zwei Beratungen. Die erste fand Im Führerbau, di« zweite im Hotel„Bier Jahres» zeiten" statt. Die slowakischen Minister, welche inoffiziell Gäste der Reichsregierung waren, logierten während ihres Münchener Aufenthaltes im Hotel„Regina", Die tschechoslowakischen Industriellen über den Neuaufbau Der Zentralverband der tschechoslowakische Industriellen teilt mit; Am Donnerstag, den 20. Oktober, fand e.ine Präsidialsitzung des Ausschusses des Zentralver- bandeS der tschechoslowakischen Industriellen statt, in der Dr. Jaroslav Preih den Vorsitz führte. Unter einmütiger Zustimmung wurde der Bericht des Vorsitzenden Wer die Entwicklung der Ereignisse in der letzten Zeit sowie der Bericht des Sekretariat Wer alle Mahnahmen und Arbeiten zur Kenntnis genommen, die zu dem Zweck erfolgen, um einerseits neu und zweckmähig unsere Verhältnisse gegenüber dem AuSlande und speziell gegenüber Deutschland zu regeln, andererseits um auch im Innern die Jndustriewirtschaft nach den neuen Verhältnissen einzurichten. Auf Grund von Daten wurde konstatiert, dah das Land Böhmen keinen überwiegenden landwirtschaftlichen Charakter erlangen wird, sondern dah sich auch in den neuen Grenzen daS Verhältnis zwischen der landwirtschaftlichen und der industriellen und gewerblichen Produktion nicht wesentlich verschieben wird. Die Ernährung der Bevölkerung wird auch in Zukunft nur dann gesichert sein, wenn wir nicht nur unsere bis- herigen Industrie» und Gewerbebetriebe erhalten, sondern wenn,wir durch eine ordentliche Wirtschaftspolitik die weitere Entwicklung dieser Un- ternehmerzweige ermöglichen werden. Richtung Kanton vor. Sie erreichten bereits Tschang Kangtung, etwa 36 Kilometer östlich von Kanton. Wie die Agentur Domei meldet, haben hie Japaner Tsengsching und Scheklung erobert. Hongkong.(Reuter.) Er scheint, dah der japanische Vormarsch in Kwantung vorderhand zum Still st and gekommen ist. Kantoner Meldungen zufolge nehmen chinesische amtliche Kreise an, dah der japanische Hauptangriff bis» her nicht begonnen habe. Kleinere japanische Abteilungen beschränken sich bisher auf die Ver» nichtung der Verkehrsmittel. Chinesen melden Teilerfolge Hankau.(Reuter.) Chinesischen Meldungen zufolge haben die chinesischen Truppen die Gemeinde Schawo in Südhonan und die Ortschaft Wutschiotien nordwestlich von Sinian zurück» erobert. Auch der bekannte Badeort Kikunschan südlich von Sinian befindet sich noch in den Hän, den der Chinesen. Die Situation am Jangtse bei Hwantschikan ist ungellärt. Die Chinesen geben den Verlust von Jansin und Jansintschen zu, be» haupten jedoch, dah sie in Tehan an der Bahn« linie von Kiukiang nach Nantschang noch Wider- Lins Resolution 6er SAI Brüssel, 20. Oktober.(HavaS.) Der ExekutivauSschuh der sozialistischen Arbeiter-Inter« nationale hat am Mittwoch seine Arbeiten mit der Annahme einer Resolution abgeschlossen, in der es u. a. heiht: Die Delegierten der in der Arbeiter-Inter« nationale vertretenen Parteien haben Infor« mationen über die internationalen Ereignisse der letzten Zeit ausgetauscht. Die Internationale versichert, dah da» Münchener Abkommen von einer Konferenz ohne Fachleute auSgearbcitet wurde, die in keiner Weise einer Konferenz ähnelte, wie sie Präsident Roosevelt vorschlug. DaS Münchener Abkommen wurde unterzeichnet, ohne dah die Tschechoslowakei zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde. DaS bedeutet die Billigung eines Diktates, durch welches das Prestige und die Stärke eines Diktators erhöht und die europäischen Demokratien militärisch, wirtschaft, lich und moralisch geschwächt werden. Eine der Ursachen der unseligen Entwicklung der europäischen Ereignisse war die Schwächung der demo« Irakischen Kräfte. E» ist die dringende Pflicht der Tokio. Konteradmiral Noda, der Sprecher des MarincamteS gab die Erklärung ab, dah die Japaner ihren Vorstoß stromaufwärts von Hwangshihkang, das etwa 78 Meilen vor Han» kau liegt, weiter vortreiben. DaS Wasser des Uangtse sei bis jetzt noch nicht gefallen. Die japanischen Kriegsschiffe könnten daher ihre Fahrt stromaufwärts ohne. Schwierigkeit fortsehen. Durch Flugzcugerkundungen wurde festgestellt, dah die Chinesen in den Pearl-Fluh an mehreren Stellen Sperren legen ließen. Der Ernst der Lage der Stadt Hanlau kommt in einem Befehl an die chinesische Bevölkerung, die Stadt binnen drei Tagen zu verlassen, zum Ausdruck. Wie weiter gemeldet wird, soll in Hankau eine Sicherheitszone geschaffen werden. Man sei übereingekommen, dah alle bestehenden und ehemaligen Konzessionen in Hankau ent« militarisiert werden. Die Japaner haben deren Unantastbarkeit zugesagt. Diese Sicherheitszone soll auch einen Teil des chinesischen Stadtteiles umfassen. bereits L6 km vor Kanton Tokio. Wie das Hauptquartier meldet, drin« Data will die Deutschen nicht entlassen Im Werkfunk der Baka-A.«G. wurde diese» Tage von Dr. Jan Bata folgende Nachricht ver«. breitet:„Ich höre, dah 880 unserer Angestellten deutscher Nationalität, die in Zlin beschäftigt sind, durch Gerüchte beunruhigt werden, die da« von wissen wollen, dah wir diese deutschen Mitarbeiter in den nächsten Tagen zu entlassen gedenken. Diese Gerüchte sind unwahr. Vielmehr reflektieren wir auf diese unsere deutschen Mit« arbeiter auch weiter. Zwecks Ermöglichung dieser Mitarbeit soll gemeinsam mit dem Personal unserer fudetendeutschen Filialen eine Gesell« schakt gegründet werden, deren Aufgabe rS sein soll, den Verlaufsapparat unserer 800 sudetendeutschen Filialen zu erhalten. ES wird sich um eine gemischte Gesellschaft handeln, deren Aktien unseren Mitarbeitern sowie unseren Freunden in Deutschland, Holland, England und der Schweiz zugänglich sein werden. Wenn wir eS verstanden haben, zehn bis fünfzehn Jahre mit unseren deutschen Kollegen zusammenzuarbelten, müssen wir auch jetzt dafür Sorge tragen, dah keiner von ihnen um seine Existenz kommt, um so mehr, als un» zur Regelung dieser Angelegenheit sechk Monate zur Verfügung stehen.— Einen ähnlichen Standpunkt nehmen wir auch zu unseren Mitarbeitern ein, die anderen Nationalitäten angehören. Nach Abtretung gewisser ungarischer Gebiete, Wer die eben verhandelt wird, werden in Ungarn» 60 Verkaufsstellen und eine Fabrik In Komärno verbleiben. Auch unsere ungarischen Mitarbeiter werden die Möglichkeit zur Zusammenarbeit in unserer neuen ungarischen nationalen Fabrik haben." Das Dingen um Südost-Europa König Carol nach London eingeladen London. In Londoner diplomatischen Kreisen bat die Mittwoch am späten Abend verbreitete Mel» düng Sensation hervorgerufen, daß König Carol von Rumänien für Ende November zu einem Staats« besuch nach London eingeladen wurde. Ob« zwar von amtlicher Seite diese Nachricht, die der „Daily Expreß" heute in großer Aufmachung auf der ersten Seite veröffentlicht, vorerst noch nicht be» stätigt ist, bestehen wenig Zweifel an ihrer Richtig* keit. Wie bekannt, hatte König Carol schon im März de» Vorjahre» einen offiziellen Besuch in London geplant, der infolge der politischen Ereignisse abgesagt wurde. London.(Reuter.) Die Agentur Reuter meldet, dah bereits eine offizielle Ein« I a d u n g zum Besuche Londons an König Carol von Rumänien ergangen sei. König Carol soll die Einladung angenommen haben und in Lon« don werden bereits Borbereitnngen zur Be» grühung des Herrschers von Rumänien getroffen. srünülse atlantische Eskader der Vereinigten Staaten New Bork.„New Jork Times" melden aus Washington: Die kürzlich errichtete atlantische ESkader wird dauernd aufrecht erhalten werden. Ihren Kern bilden vier Panzerschiffe und sieben Torpedobootzerstörer, die einige Jahre hindurch Teile einer UebungSkadrr waren. Dir atlantische ESkader wird durch Kreuzerformationen au» der PazificrSkadre und auS Schiffen bestehen, die an der Ostküste der Bereinigten Staaten konstruiert wurden, sobald diese Marinebauten auSgeproit fein und UebungSfahrtrn absolviert haben werden. ES ist möglich, dass der atlantischen ESkadre einige weitere kleinere bisher an der Ostküste verteilte Einheiten zugrtrilt werden. 8S wird erklärt, daß die Errichtung der neuen ESkadre den Zweck hat, anderen Staaten daS Interesse zu beknnden, das die Bereinigten Staaten an dem Atlantischen Ozcan und an Südamerika Haien. Radlolnformatlonen für das abgetretene Gebiet? . An den Prager maßgebenden Stellen befaßt man sich mit dem Plan, im Rundfunk besondere Relationen für di« Einwohner der an Deutschland abgetretenen Gebiete in tschechischer und deutscher Sprach« zu senden. Auf diese Weise soll die Bevölkerung dieses Gebietes, soweit sie nicht die Absicht hat, die rrichSdentsche Staatsbürgerschaft zu erwerben» über alle Fortschritte in der Frage der Option, der UebersiedlungSmög- lichkeiten«sw. insormiert werden.(DND). in der Internationale vereinigten Parteien, ihre Einigkeitzu festigen. Die Inter» nationale fordert sie auf, bei ihren Negierungen klare und direkte Bemühungen zu fordern. Jeder Staat muh eine Bilanz feiner Verpflichtungen aufstellen und aufrichtig die Verpflichtungen ablehnen oder kündigen, die er nicht zu erfüllen be» absichtigt, und demgegenüber alle übrigen Ver« Pflichtungen in vollem Umfange erfüllen. DaS ist daS einzige Mittel, die Moral und Loyalität in den internationalen Beziehungen, diese unausweichliche Grundlage der kollektiven Sicherheit und der Friedens zu heben. Die Internationale appelliert hierauf an die Grohmachte, sich mit ihrer festen Solidarität gegen alles zu stellen, was das Verderben des Friedens und der internationalen Gerechtigkeit bedeuten könnte. Die Internationale beglückwünscht zum Schluß die spanische Regierung dazu, daß sie alle ausländischen Angehörigen von . ihrem Territorium abberufen habe, und fordert, I dah auch das nationalistische Spanien die gleiche t Maßnahme treffe. Generalsekretär Dr. Moudrh»urückgetretc». Der bisherige Generalsekretär der tschechischen Nationalsozialistischen Partei, Abgeordneter Dr. Moudrh ist, wie einige tschechische Blätter berichten, von dieser seiner Stelle zurückgetrctcn. Bor dem Abgang verheirateter Staats- beamtiniun. Durch die Verkleinerung des Staates ist auch die Verkleinerung seines Per« waltungsapparates notwendig geworden. Zwei Wege dazu werden vorläufig angegeben. Der eine ist die Herabsetzung der Altersgrenze für Pensionisten, der andere der Abgang verheirateter weiblicher Staatsangestellten. Das Problem wir) so gelüst werden, dah es möglichst wenig soziale Härten aufweist. Vorläufig soll es sich nur um verheiratete Frauen handeln, deren Männer gleichfalls im Staatsdienst sind. Viele von ihnen haben schon ihren Vorgesetzten die Absicht kundgegeben, freiwillig aus dem Staatsdienst scheiden. Bet den anderen, welche dies noch nicht getan haben,- herrscht eine gewisse Unruhe, die aber überflüssig ist, weil bei der endgültigen Lösüng auf die sozialen Bedürfnisse Rücksicht ge- Inommen werden wird.(„Veöernl Ceskä Slovo")j Klarstellung aller zwischenstaatlichen Verpflichtungen Japans Vorstoß in Hankau wird evakuiert M. 21« Freitag, 21. CKcftcr 1938 Was schreibt die tschechische Presse? Wiederaufbau der Wirtschaft- Pflege der Kultur Neben bett politischen Erörterungen finden in der tschechischen Presse breite» Raum alle Fragen, die mit der Reorganisation der tschechoslowakischen Wirtschaft zusammenhängen. Äusser der Notwendigkeit der wirtschaftlichen Arbeit wird auch jene im Bereiche der Kultur betont. Industrie und Moral Transport Ist Leben Unter diesem Titel finden wir in den„L i d o v t Noviny" u. a. folgende bemerkenswerte Betrachtungen: Ohne Transport steht unsere Industrie, unser Handel, ja auch unsere Landwirtschaft still. Den Transport zu sichern, ist die erste Bedingung unserer Existenz. Sollen wir tatsächlich Straßen bauen, sollen wir die Verbindung mit den abgeschnittenen Städten erneuern, und den Verkehr mit der Slowa- lei sichern, brauchen wir neue Verkehr-Wege.., Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie daganze Verkehrsnetz gegenseitig zusammenhängt und wie eine gute Straße, wie eine vollkommene Eisenbahn in gleicher Weise unentbehrlich sind. EI wären noch mehr Eisenbahnen und noch mehr Straßen notwendig gewesen. Da- gilt auch für die Zukunft. Beide Arten de- Verkehr- müssen noch mehr entwickelt werden. Werden wir etwa- zu trankportieren haben, wird sich sowohl die Straße all auch die Eisenbahn gut rentieren... Ebenso wie mehr Geleise und mehr Straßen notwendig sind, so sind e- auch noch mehr Automobile. E- genügt nicht, Verkehrswege zu bauen, man muß e- auch möglich machen, sie zu benützen. Da- Lastauto wurde eine- der seltensten Güter in den vergangenen Wochen, der Personenwagen da- sicherste Transportmittel. Zeitweise haben wir die Maßnahmen gegen den AutomobiliSmu- eingestellt. Sollten wir sie nicht für immer einstellen? Auch In dieser Richtung sollten wir unsere bisherige Politik ändern. Wir dürfen keine Arbeitslosen haben Im„V e n k o v" schreibt Universität-Professor Dr. Drachnovskh, der sich stet- durch den Blick für dar Notwendige ausgezeichnet hat, u. a.: Unsere erste politische Pflicht ist e-, keine Arbeit-losen zu haben. Weder die eingesessenen Inländer noch die aufgenommenen Au-wanderer dürfen arbeitslos sein. Sicherlich wird ei sich in erster Linie um die Beschäftigung im öffentlichen Dienst und bei öffentlichen und privaten Arbeiten und Unternehmungen handeln, sei es nach alter ArbeitSgewohn- heit, sei eS nach einer neuen Arbeitsweise, welche au» den neuen Aufgaben entspringt. Aber der Staat und die öffentlichen Korporationen müssen ungesäumt an die.Durchführung der. vorbereiteten Projekte schreiten. Daneben müssen die unterbrochenen Kommunikationen auf unserem Staatsgebiet wieder vereinigt und so aurgebaut werden, wie die» die neuen Verhältnisse erheischen. Sie müssen auch in ihrem Netz dort ergänzt werden, wo die bequeme Leichtfertigkeit der verflossenen zwanzig Jahre sich nicht in Bewegung zu setzen vermocht hat. Diese Arbeiten müssen entweder aus privaten oder öffentlichen Mitteln finanziert werden und wir müssen dran denken, daß das Geld, welche- zweckmäßig und wirtschaftlich angelegt ist, den Umlauf nicht belastet. E- können hiebei auch Abweichungen von der Situation langen Frieden- verantwortet werden. Im„P r ä v o L i d u" beendet Milot V a» n k k einen Artikel, den er die Moral der Unterdrückten nennt, folgendermaßen: Nur derjenige, welcher un» jetzt zu neuem Wachstum de- industriellen Aufbau- mit modernen Methoden fest und energisch führen wird, wird uns gut führen. Nur der wird gut führen, der begreift, daß man uns weiter wachsen lassen muß, wa- bei un» erst nach zwanzig Jahren reifen konnte und was wir durch Jahrhunderte nicht haben konnten: eine Moral freier, nicht unterdrückter Menschen. Unberührte Kultur Unter diesem Titel befaßt sich das„Eeskk Slovo" mit kulturellen Fragen. ES schreibt: Der Bösig liegt in Deutschland. Wir beginnen da- Unglaubliche zu glauben. Hirschberg mit dem See liegt auch in Deutschland. Wie lange Ist e» her/daß wir dort Karel H. MächaS gedachten? Zufällig öffne ich die Bücherei und greife in da- Fach, liegt dort noch MächaS„Mäj"? Welche- Glück! Wir sind um eine Gegend ärmer, um die Fläche des Wasser», in dem sich MächaS Szenerie spiegelt, aber unsere Lite- ratur konnte un- niemand nehmen. In einiger Zeit werden wir sehen, welche Wohltaten in der Kunst und im Geiste ruhen, der unangreifbar ist. Heute ist e» so, al- hätte man vergessen, daß Kunst, Literatur, die große Quelle nationaler Tradition, fast die einzige Sache ist, von der un- niemand etwa» wegnehmen kann. Von diesem märchenhaften Stück Brot kann man schneiden und schneiden— ei wird nicht weniger,... Leset, Leute, in den Büchern Eurer Schriftsteller, gehet in» Theater, höret unsere Musik — bald werdet ihr euch überzeugen, wie wir daalle» für unsere Belebung, je weiter, defw mehr, brauchen werden. Da» ist dal Bad, au» dem wir von unserer Skepsis, von allem Leid und aller Sorge gereinigt herauSsteigen werden. Niemand kann ausgeschlossen werden Im„Närodni Osvobozeni" schreibt Dr. Lev Sychrava über den Geist der Einheit. Er weist darauf hin, daß sich die großen Organisationen der Körpererziehung mit den Legionären zu einer allnationalen Organisation der zivilen Bereitschaft zusammengeschloffen haben, der es obliegen wird, die Arbeiten der Körper-, Wehr- und geistigen Erziehung zu vereinheitlichen und rasch soziale und gesundheitliche Arbeit zu leisten.„Au» dieser Arbeit kann und darf niemand ausgeschlossen werden. E» ist einfach unmöglich, daß man da heute noch parteimäßige, ständische oder gar persönliche Standpunkte zur Geltung bringt." Parteien und Massandisziplin Im„Prävo Lidu" kommt Josef Hudee nochmal- auf die Frage zu sprechen, ob die politischen Parteien im tschechischen Volke auch in Zukunft notwendig seien. Er sagt: Die politischen Parteien in unserem nationalen Leben sind lebende Organi-men, welche disziplinier- vir Grab der Ichthyosaurier Vor Hunderttausenden von Jahren sah eS bekanntlich auf unserer Erde wesentlich ander» au» al» heute. Wo jetzt Land ist, brauste da» Meer; wo jetzt Meer ist, gab e» Kontinente; wo heute nur Ei» und Schnee zu finden ist, gab e» früher eine blühende Vegetation, und die Felder, auf denen wir heute Weizen und Wein pflanzen, waren einst mit„ewigem" Ei» bedeckt. Auch die Gebirge formten sich erst teils durch Ablagerungen, teils durch vulkanische Au-brüche von ungeheurer Gewalt. Eines der interessantesten Gebirge in dieser Hinsicht ist der Jura. Es ist sicher, daß die ganze Gegend, in der sich heute das Jura-Gebirge befindet, an der Grenze Frankreichs, der Schweiz und Deutschlands, in Urzeiten ein großes Meer ivar. In der Nähe des kleinen württembergischen Nestes Holzmaden muß sich eine Bucht befunden haben, deren Wasser keine große Tiefe aufwie». Der Boden war mit einem Schlamm in tiefer Schicht bedeckt. Aus diesem Schlamm ist im Laufe der Zeiten da» Gestein getoorden, das wir heute in der Gegend finden und industriell auSnutzen, der Schiefer. Bei diesem Prozeß mögen sich giftige Gase gebildet haben, die alle Lebewesen, die in seinen Bereich kamen, töteten. Diese Lebewesen sahen ebenfalls wesentlich anders aus, als wir sie heute kennen. Es gab noch die längst ausgestorbene Art der Riesenechsen, Reptilien ganz großen Formates, unter denen die Ichthyosaurier besonders hervortraten. Die ganze Echsenart heißt Saurier, und die Ichthyosaurier habe» ihren Namen bekommen, weil sie in gewisser Beziehung einem Fisch ähnelten. Es ist denkbar, daß sich diese Niesentiere auf der Verfolgung von Fischzügen in die Ducht von Holzmaden verirrten. E» ist anzunehmen, daß sie oft und in großer Zahl dahin kamen. Da da» Wasser flach war, gingen sie den Fischen bis auf den Grund nach, kamen in den Bereich der ff» tigen Gase und fanden den Tod. Ihre Leiber sanken in den Schlamm. Da nun in diesem giftigen Schlamm keine Lebewesen sich halten konnten, gab es auch keine Krabben und andere Tiere, die gewöhnlich die auf den Grund gesunkenen Tierleichen fressen und zerstückeln. Die Leichen der auf der Jagd von den Giftgasen überraschten und getöteten Saurier blieben also unversehrt in dem Schlamm stecken und versteinerten mit ihm. Dies ist natürlich nur eine Hypothese, aber eine Hypothese, die sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich hat. Sie erklärt die sonst gänzlich unverständliche Tatsache, daß gerade im Schiefer von Holzmaden sich unzählige Skelette von Ichthyosauriern eingeschlossen finden. Da» auffallende ist, daß diese Skelette meist völlig intakt sind, das heißt, in ihrem natürlichen Zusammenhang wie beim lebenden Tier geblieben sind. Wären die Tiere normal gestorben und ihre Leiche» normal von anderen IvieereStieren vertilgt worden, dann wären die einzelnen Skelette verstreut und eben nur die einzelnen Knochen vorhanden. So aber sieht man im Schiefer nicht nur die ganzen Skelette, sondern deutlich auch die Konturen der Leiber. Reste von fossilen Sauriern findet man fast überall auf der nördlichen Halbkugel. Sie waren offenbar zu Wasser und zu Lande sehr verbreitet. Was die Gegend von Holzmaden vor anderen Fundstellen anSzelchnet, ist erstens die gute Erhaltung der Tiere und zweiten» ihre unwahrscheinlich große Zahl auf einem Haufen. E» werden bei den Ausgrabungen jährlich etwa" 180 bis 200 von Ichthyosauriern gefunden, außerdem noch Teleosaurier und Plesiosaurier. Die letzteren sind die aus Abbildungen und au» den zoologischen Museen hinreichend bekannten Riesenechsen mit dem unwahrscheinlich langen Schtvanenhal». Die Teleosaurier haben Aehnlichkeit mit ihren noch heute existierenden kümmerlichen Nachkommen, den Krokodilen. Die ersten Skeletteile von Ichthyosauriern wurden im Jahre 1708 in Deutschland von Jacob Baier entdeckt. Erst mehr als hundert Jahre später fand man in England ein vollständiges Skelett, und konnte daraus ungefähr rekonstruie-. ten Reihen von Hunderttausenden ihrer"Anhänger die Richtung weisen. Da» bedeutet, daß die politischen Parteien einen entscheidenden Einfluß in Hinsicht auf die Disziplin und Ordnung ihrer Anhänger au»- üben. Und da» nicht nur im Hinblick auf die parteimäßige Disziplin und Ordnung, sondern auch in Bezug auf die nationale, welche für un» so notwendig ist und von der unser gesamte» schwere» Vorgehen wie unsere ganze Zukunft abhängig sind. Dieser Einfluß der politischen Parteien, welcher von verschiedenen AuSgang»« punkten zu einem einheitlichen Ziel drängt, hat sich in den schreckensvollen Tagen, die wir durchleben, bisher außerordentlich bewährt. Die erhebenden Worte der führenden Organe der politischen Parteien in die eigenen Reihen wirken überzeugender und wirksamer, al» wenn sie von ander-wo ertönten, weil diese Organe von dem bisherigen Vertrauen getragen sind, welche- gleichzeitig auch eine moralische Autorität gibt. Ola zivile Funktion unserer Armee Darüber schreibt die„Pkitomnost": Bi» zum Oktober haben wir unsere Armee von ihrer eigentlichen militärischen Seite gut gekannt. Wir haben gesehen, daß sie eine der fähigsten und bestvorbereitetsten Armeen Europa- ist. Dem hohen Wert dieser Armee danken wir eS zweifellos auch, daß unser Rückzug auch die neuen inneren Grenzen ohne Ehao», wie die» in solchen Fällen sonst zu sein pflegt, geschehen ist. Wir haben auch auf dem Rückzug imponiert. Aber unsere Armee hatte auch ihr innere» Gesicht, welche» erst offenbar wurde, al» ihr ihr« erste Aufgabe genommen war. E» zeigte sich ihre zivile Fähigkeit der Rekonstruktion. Die» deswegen, weil die Erziehung unserer Armee von Anbeginn an nicht nur für den Krieg, sondern auch, und nicht weniger, sür da» Leben und ihre positive allgemeine Funktion im Staate besttmmt war. Wir haben im Offizier»- korp» unserer Armee Intellektuelle gewonnen, welche keine Voreingenommenheit gegen irgend eine bürgerliche Aufgabe haben, und dem vielleicht kein Bereich praktischer und geistiger Berufe fremd ist. Die» deswegen, weil unsere Demokratie keine spanische Wand zwischen Kaserne und Gaffe, zwischen Armee und bürgerlicher Welt errichtet hat. ES ist bezeichnend, daß e» in unserer Oeffent« lichkeit keine einzige Stimme gibt, welche der Armee ihr Recht auf die Teilnahme an der Leitung de» Staate» bestreiten würde. El kam die» von selbst, al» sich die Formen lockerten, durch welche unsere Demokratie den Staat bisher verwaltet hat. E» ist keine Beunruhigung unsere» Verwaltting-apparate- ob de» neuen Element» zu bemerken, welche» in seine Reihen getreten Man glaubt an die Unparteilichkeit de» Soldaten, an sein richtige» Interesse an einer positiven Arbeitsleistung, und man erkennt, daß unsere Soldaten in der Administrative auch einen aulgesprochen kultivierten sozialen Sinn haben. Der Begriff unserer neuen Arbeitslager für Arbeitslose beweist, daß unsere Soldaten von allem schroff Bureau- kratischen und davon entfernt sind, daß sie keinen Sinn für soziale Hilfe hätten. Wir dürfen sogen, daß unsere zivlle Demokratie nicht immer eine solche menschliche Auffassung der Dinge gehabt hat. Und seien wir gerecht: die gebildete Armee, welche in den Kanzleien der Administrative ebenso gut z» operieren versteht, wie sie für ihxe Operationen im Felde vorbereitet war, un» die letzten zwanzig Jahre erzogen haben, welche wir gern verdammen, in mancherlei Hinsicht mit Recht, aber in vielem mit Unrecht ren, wie da» Tier wohl ausgesehen haben mochte. Die Funde in Holzmaden, die nicht nur da» Skelett, sondern auch die Umrisse wicdergeben, find geeignet, das Bild zu vervollständigen. Dieser Saurier hat eine» fischähnlichen Körper und wird bi» zu vier Meter lang. Er hat vier starke Schwimmsüße und einen mächtigen Schwanz. Eine noch ungeklärte Einzelheit ist, daß bei allen Funden in Holzmaden dieser Schwanz etwa 40 bi» 80 Zentimeter von der Spitze entfernt eingeknickt ist. ES handelt sich sicher nicht uni einen nach dem Tode eingetretenen Bruch der Schwanzwirbelsäule, sondern um eine durchgängig vorhandene Verbiegung um 40 bis 48 Grad. Der Kopf de» Tiere» ähnelt etwa» dem eines Delphins. Da» Maul ist mit 200 spitzen Zähnen beseht. Besonder» auffallend sind in dem Schädel die riesigen Augenhöhlen, die einen großen Teil des Kopfe»«Innehmen. Im Innern eine» Tiere» wurde etwa ein Dutzend junger Tiere gefunden. Al» Erklärung für diese» Phänomen mußte man annehmen, daß entweder diese Reptilien zu denen gehörten, die lebendige Junge zur Welt brachten, oder daß die Alten ihre Jungen gelegentlich auffraßen. Diese Frage hat die Gelehrten sehr beschäftigt, ohne daß ein eindeutige» Ergebnis erzielt werden konnte. Wahrscheinlich treffen beide Annahmen zu. In den Geschichten der Eelefantenjäger spielen sagenhafte Elefantenfriedhöfe immer noch eine Rolle. Dort sollen die Elefanten, die heutigen kleinen Nachkommen einer anderen auSge« storbenen vorsintflutlichen Tierart, de» Mammuts, Hinwander», um zu sterben. E» ist nicht anzunehmen, daß diese Erzählung und Erklärung, die auch für die Elefanten eine Legende ist, für die Ichthyosaurier von Holzmaden zutrifft. ES ist viel wahrscheinlicher, daß besondere natur- hafte Gegebenheiten gerade an dieser Stelle der Erde zu einem massenhaften Sterben der Riesenechsen führten, die In dem die Leiber konservierenden Schlanun. der zu Schiefer wurde, ihr Grab landen. Dr. E. I. An alle Flüchtlinge I Prag.(Amtlich.) Personen, die einander beim Verlassen des besetzten Gebietes verloren haben, mögen ihre gegenwärtige Adresse beim Landesamt, Kanzlet!l, in Prag III., Snimovni 1, anmelden. Bei dieser Anmeldung sind der Name, der Vorname, der Tag, das Jahr und der Ort der Geburt, die-ei- matsgemeinde, der Beruf, der letzte dauernde Wohnort mit Angabe des politischen Bezirk- und der gegenwärtige Wohnort mit Angabe der letzten Post anzuführen. Die Adressen können schriftlich, persönlich und telephonisch unter Telephonnummer 419-81, Linie 339, angemeldet werden. Straßenbahnzusammenstoß: 50 Verlebte Mailand.(Stefan!.) Donnerstag früh kam e» in Mailand zu einem hefttgen Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, die mit Arbeitern überfüllt Ivaren, die zur Arbeit fuhren. Bei denr Zusamnienstoß wurde 80 Personen verletzt, von denen eine den Verletzungen erlag. Beide Straßenbahnwagen wurden völlig zertrümmert. Hitler in Südböhmen Linz, 20. Oktober. Reichskanzler Hitler trat heute vormittag» gegen 0 Uhr von Linz au»«ine Fahrt In da» sudetendeuffche Gebiet de» oberen Moldautale- an. An der Fahrt Hitler» nahmen u. a. teil: Generaloberst Ritter von Leeb, Konrad Henlein und Dr. Seyß-Jnguart sowie von der persönlichen Begleitung Hitler» Relch-pressechef Dr. Dietrich und Obergruppenführer Brückner. Die Insassen der Arbeitslager erhalten vom Ministerium für Nationale Verteidigung eine Arbeitskleidung; später wird ihnen eine AuSgang»- kleidung zugestellt werden. Für den Anfang werden die Arbeitsdienstpflichtigen ihre eigenen Ziviflleider und auf dem linken Aermel eine weiße Armbinde mit der Aufschrift„Arbeit»bataillon..." tragen. Jeder Angehörige einer Arbeitsgruppe ist verpflichtet, die Kleidung selbst in Ordnung zu halten und seine Wäsche zu waschen. Die Ar- bcitüdienstpslichtigen errichten sich dort, wo sie dauernd untergebracht sind, zum Schlafen hölzerne Pritschen, da» Bettzeug wird gleichfalls vom Nationalverteidigungsministerium- beigestellt. E» besteht au» einem Strohsack,einem Kopfkissen, zwei Leintüchern und zwei Decken. Die Militärpersonen im OfsizierSrang, die die Arbeitslager führen, werden»ach den militärischen Vorschriften befleldet und mit Pistolen betvaffnet. Freimaurerhaus wird Hlinka-Haus. Nach der Auflösung der Freimaurerlogen in der Slowakei wurde der Besitz der Logen beschlagnahmt, darunter auch ein Hau» in Prehburg. Diese» beschlagnahmte Logenhelm wurde„Andrej-Hlinka-HauS" genannt; in seinen Räumen soll ein Museum errichtet werden. Da» Bkevnover Kloster löst sich von Braunau. DaS Benediktiner-Kloster Btevnov, das bisher mit dem Benediktiner-Kloster Braunau unter einer gemeinsamen Leitung stand, wird infolge der territorialen Aenderungen vollkommen selbständig weitcrgeführt werden. Filme, die im September verboten wurden. Die Filmzeusurstelle de» Innenministerium» hat im September drei Filme verboten u. zw. den britischen Spionagesilm„Da» Haus der rätselhaften Lichter", den französischen Film„Eisenbahnpiraten", der in China spielt, sowie den deutschen Film„Jugend", der nach dem bekannten Drama Max Halbe» gedreht wurde. In Köln a. Rh. explodierte in einer Fabrik ein Aceton-Behälter, wobei drei Arbeiter den Tod fanden und einer schwer verletzt wurde. Die Ursache der Explosion konnte noch nicht ermittelt werden. Gegen Walter DeSney, den populären Autor und Schöpfer de» Filme»„Schneewittchen und die sieben Zwerge", haben Adrianne Caselotti und Harry Stockwell Schadenersatzansprüche beim Obersten Gerichte geltend gemacht, weil ihre Stimmen nicht nur bei der Kreierung der Nollen Schneewittchen» und de» Prinzen im Film verwendet worden waren, wie die» vertraglich festgelegt war, sondern weil auch verschiedene Arien au» dem Film ohne ihre Zustimmung auf Schallplatten ausgenommen Wurden. Adrianne Caselotti fordert 200.000 Dollar und Stockwell 100.000 Dollar Schadenersatz. Außerdem wurde DeSney auch von einem Musiwerlag auf 80.000 Dollar mit der Begründung gellagt, daß eines der Lieder au» dem Schneewittchen-Film plagiiert und vorher bereit» von einem Schweizer Sänger gesungen wurde, der überdies behauptet, daß DeS- netz einige seiner Melodien benützt habe. I 1 itr 4 Theaterzensur in alter Zeit In der guten alten Zeit, in jener, da in Oesterreich der Kaiser Franz regierte, erfreute sich das Theater eines ganz besonderen behördlichen Schußes. Eigentlich galt der Schuß dem PubliTum: es sollte davor bewahrt werden, an feiner Seele Schaden zu nehmen. Heute vermag man bei bestem Willen oft nicht zu verstehen, warum bestimmte Gestalten nicht auf der Bühne erscheinen, beſtimmie Worte nicht gesprochen werden durften. Wenn es sich durch: vegs um politische Verbotsgründe gehandelt hätte, würde man die obrigkeitliche Vorsicht eher begreifen. Aber viel fach galten Verbote, die uns überhaupt unverständlich erscheinen. Am strengsten wurde die Theaterzensur in Wien und hier vor allem am Burgtheater gehandhabt. Im Dialog waren alle Ausdrücke biblischer, katechetischer oder hierarchischer Herkunft verboten. Man durfte nicht sagen ,, alt wie Methusalem", sondern nur ,, alt wie Nestor", nicht ,, weise wie Salomo", sondern weise wie Salon", nicht ,, stumm wie Loths Salzsäule", sondern., stumm wie ein Fisch", nicht fett wie ein Dompropit", sondern fett wie ein reicher Pächter". Selbst ..Bileams Esel" war vom Theater verbannt! Heilige durfte es auf der Bühne nicht geben, nur Verflärte, und statt in den Himmel fam man nur in das Paradies. Man durfte nicht beichten, sondern nur bekennen, kein ,, Te Deum", sondern nur ,, Loblieder" singen, nicht in der Bibel lesen, nur in einem Buch. Für Aberglauben mußte man Irrwahn sagen, und an Dinge wie Aufklärung durfte man nicht erinnern. Selbst das Wort Sünde mußte durch andere Wendungen ersetzt werden. Für Todsünde sagte man schiveres Verbrechen". Aurufe Christi und der Heiligen waren streng verboten, und fromme Seufzer wie ,, allmächtiger ewiger Gott!" deshalb verpönt, weil dem Zuhörer gleich auch die Fortsetzung des Kirchengebes tes, Himmlischer Vater, usw. dabei einfallen" fönnel " Sozialdemokrat" Erweiterung des Bahnverkehrs Die Staatsbahndirektion in P r a g teilt mit: Nach dem Nachtrag zu den ausgehängten Fahrplänen der Züge auf der Strede Prag- Pilien und Prag- Protivín wird mit Gültigkeit vom 20.Oktober ein Motoreil aug von Prag Wilson- Bahnhof um 18.15, von Smíchov um 18.26 abfahren und in Beroun um 19.04, in 8bice um 19.15, in Příbram um 19.56, in Březnice um 20.18, in Piset um 20.59, in Ražice um 21.10, in Stratonice um 21.28 und in Horazdovice- Babin um 21.46 eintreffen, von wo ein Anschluß nach Klattau und nach Domažlice iſt. Mit Gültigkeit vom 21. Oftober verkehren Motore ilzüge: Von Horazdovice- Babin nach der Ankunft von Domažlice und Klattau um 6.48, von Strakonice um 7.05, von Ražice um 7.19, von Piset um 7.38, von Březnice um 8.21, von Příbram um 8.48, von dice um 9.22 und von Beroun um 9.33 Uhr, Ankunft Smíchov um 10.06, Ankunft WilsonBahnhof 10.15 Uhr. Von Prag Wilson- Bahnhof nach Domažlice um 6.45, von Smíchov um 6.48 Uhr, Anfunft in Beroun um 7.36, in Bdice 7.48, in Při bram 8.27, in Březnice 8.49, in Biser 9.30, in Ras ice 9.42, in Strakonice 9.57, in Horazdovice- Babin 10.15, in Schüttenhofen 10.38, in Slattau 11.21, in Kdyně 11.55 und in Domažlice um 12.08 Uhr. Von DomažliceAbfahrt um 17.52, von Kdyně 18.06, Saitau 18.42, Schüttenhofen 19.25, Horazdovices Babin 19.52, Strakonice. 20.09, Ražice 20.23, Pijet 20.40, Březnice 21.27, Příbram 21.50, 8dice 22.20 und Beroun 22.31 Uhr. Ankunft in Smichov um 23.06 und Prag Wilson- Bahnhof 23.15 Uhr. Ferner verkehren außerordentliche Personena üge auf der Strede Prag- Pilsen vom 21. Oktober folgendermaßen: 4.40 Uhr abgeht und in Smíchov um 5.45 Uhr eintrifft, wird nach Prag Wilson- Bahnhof verkehren, wo er um 6.12 Uhr eintreffen wird. Die angeführten Personenzüge halten in allen Stationen und Haltestellen. Auf der Strede Kolin- Ledečko wurden folgende neue Berfonenzüge eingeführt: Motorzug ab Stolin 7.45 Uhr mit Anschluß von Prag, an Ledečko um 9.00 Uhr mit Anschluß nach Bruč n. Sáz. und mit Uebersteigen nach Světlá n. Sáz. Ab Nolin um 21.10 Uhr mit Anschluß von Prag, an Ledeč n. Sáz. um 22.28 Uhr mit Anschluß nach Kácov.Retour ab Ledečko um 9.30 Uhr mit Anschluß von Čerčany und Kácov an Kolín um 10.58 Uhr mit Anschluß nach Prag. Ein zweiter Zug für Schuljus gend ab Ledečko n. Sáz. um 5.58 Uhr an Kolín um 7.27 Uhr. Res Strede Čerčany Světlá n. Sáz. Ab Ledečko n. Sáz. um 6,20 Uhr, an Světlá n. Sáz. um 6.56 Uhr mit Anschluß an den Schnellzug und an den Personenzug nach Brag und nach Mähren. tour ab Světlá n. Sáz. um 8.46 Uhr mit Anschluß vom Schnellzug aus Prag und an 8ruč n. Sáz. um 10.33 Uhr mit Anschluß nach Čerčany und in Ledečko nach Kolin. Retour ab Světlá n. Sáz. um 21.40 Uhr mit Anschluß vom Schnellzug und Personenzug von Prag und Mähren, Ankunft an Ledečko n. Sáz. um 22.15 Uhr.- Am Samstag ab Čerčany um 14.00 Uhr mit Anschluß von Prag( Bug 904) an Sacob um 15.87 Uhr. Strede Smichov- Slanh: Mit Mittwoch wurde auf der Strede Praa Wilson- Bahnhof- Slaný ein Personenzug eingeführt: Ab Prag Wilson- Bahnhof 12.08 mit Anschluß in Slaný nach Von Prag Wilson- Bahnhof um 9.17 Uhr, von Louny. Retour ab Slaný um 15.00 Uhr mit Anschluß Smíchov um 9.38 Uhr, Ankunft in Pilsen um 13.15 von Lounh an Prag. Wilsonbahnhof 17.06. Uhr. Von Prag Wilson- Bahnhof um 12.00, von Strede Prag Masaryk- BahnSmichov um 12.17 Uhr, Anfunft in Vilsen um 15.20 of: Roudnice- Teresin Bohušo Uhr. Von Prag Wilson- Bahnhof um 14.15, vonvice n. Oh i ab Samstag, den 22. d. M. Smichov um 14.31 Uhr. Ankunft in Pilsen um 17.26 werden einige Aenderungen im Personenverkehr ein Uhr. Von Prag Wilson- Bahnhof um 20.12 Uhr. geführt. Die eingeführten Personenzüge werden den von Smichov um 20.30 Uhr. Ankunft in 3dice um Bedürfnissen der Bevölkerung angepaßt, weshalb wir 21.48 Uhr. Von Prag Wilson- Bahnhof um 0.05, darauf aufmerksam machen, daß das reisende Publi von Smíchov um 0.24 Uhr, Ankunft in Beroun um fum über den Personenverkehr in den Stationen und Haltestellen informiert wird. 1.22 Uhr. Von Pilsen verfehren: Um Weiters führt die Staatsbahndirektion in Prag 10.35 Uhr, Ankunft Smichov um 13.33, Prag Wil für die Zeit der außerordentlichen Verkehrsverhältnisse fon- Bahnhof 13.50 Uhr. Von Pilsen um 13.55 eine Straßen- Autobuslinie Neus Uhr, Ankunft Smichov um 16.58, Prag Wilson- Bahn- ha u 3- Bra a und zurüd ein. Der direkte Autohof um 17.13 Uhr. Von Pilsen um 14.50 Uhr, bus dieser neuen Linie fährt über Pacov VlašimAnkunft Smichov um 18.37, Prag Wilson- Bahnhof Benešov und verkehrt am jeden Montag. Mittwoch, um 18.56 Uhr. Ab 3dice 4.53 Uhr, ab Beroun Samstag. Abfahrt von Neuhaus, Markiplay, um 5 5.12 Uhr, Ankunft Smichov 6.15 Uhr, Prag Wilson- Uhr, Ankunft in Prag, Wilsonbahnhof um 9 Uhr; Bahnhof 6.30 Uhr. Ab Beroun 6.30, an Smichov Rüdfahrt von Prag Wilson- Bahnhof um 17 Uhr. An7.33, Prag Wilson- Bahnhof 7.50. Uhr.- Ab funft in Neuhaus, Marktplab um 21 Uhr. Der Ber Dobřichovice 6.32 Uhr, an Smíchov 7.05 Uhr. fehr wird bereits am Samstag, dem 22. Oktober, Der Personenzug 24.02, der von Beroun aufgenommen. Die Räuber" in Wien Welche Schwierigkeiten ein in jedem Nerv so aufwühlendes Stüd wie Schillers ,, Räuber" in Wien zu überwinden hatte, ist leicht zu ermessen. Auf das Burgtheater tamen sie überhaupt erst 1850 durch Heinrich Laubes Energie; auf den fleineren Theatern hatte der Zensor sie gelegentlich schon früher passieren lassen. Aber in welcher Vermummung! Ihre Wiener Erstaufführung erlebten fie 1784, also zwei Jahre nach der Mannheimer Uraufführung, auf dem Kärntnertheater, wo terſtück nie in ,, sträfliche Anträge" willigen, höch-[ die mit Mätressen. Schon das Wort Ehebruch" sonst meist Hofoper, Ballett und Singspiel heistens scheinbar, um den Liebhaber zu beschämen, war verpönt. misch waren. Der Lustspieldichter Rautenstrauch und das Publikum mußte über diese pädagogische Verliebte mußten vor Ende des Stüdes hatte Schillers Erstling bearbeitet" und mit Absicht vom Dichter rechtzeitig beruhigt werden. stets gesetzmäßig" verbunden werden, und zwar Rüdjicht auf das vierte Gebot den Vater Moor Heurathsstifter und Unterhändler unsträflicher durch Notare; denn von firchlicher Trauung in einen Oheim verwandelt. Der Oheim- Liebschaften" aber, sagt der Zensor Hägelin, durfte nichts gesagt werden, da das Satrament mord", über den Karl Moor im vierten Att bei sind erlaubt ,,, nur auf die Pußhändlerinnen muß der Ehe als zu heilig für die Bühne galt. Oeffnung des Hungerturmes schaudert, muß eine Acht gegeben werden." Die Wiener Pußmacherin,, Ez lebe die Fröhlichkeit!" erschütternde Wirkung gehabt haben! Schwei- nen besaßen offenbar im„ Einfädeln" eine ganz zer, so ist noch kein Sterblicher geehrt worden, wie besondere Gewandtheit. In der Oper ,, Don Juan" waren seit der du: räche meinen- Dheim!" französischen Revolution die Verse: Schutz der Ghe! Es lebe die Freiheit, Die Freiheit soll leben! Freitag, 21. Oftober 1938. Nr. 248 Zita Kabátová und Jára Kohout in dem Film ,, Die Fran ahnt etwas" Prager Zeitung Ausflugszüge der Staatsbahnen: Autocarfahrt nach Sobotka und Burg Koff am Sonntag, den 23. Oftober Kč 85.- einschließlich Fahrpreis, Mittagessen, Nachtmahl und Eintritt in die Burg. Abfahrt mit dem Autobus um 7.30 Uhr früh vom Repräsenta tionshaus, Rückkehr um ca. 20 Uhr ebendortsebst. Anmeldungen und Informationen im Referat der Ausflugszüge der tschechoslowakischen Staatsbahnen neben dem Wilson- Bahnhof, Telephon 883-85. Urania- Kino Der spannende Abenteurerfilm aus verbotenen Ländern ,, Der Dämon des Himalaja" mit Guſtav Dießt, Erika Dannhof, Jarmila Marion, Profeffor Dyhrenfurth. Martha", Kurzoper mit Marcell Wittrisch. 6, 49 Uhr. Montag:„ Der ungetreue Edehard" undergeßlicher Filmschwank mit Roberts, Englisch, Hörbiger, Theimer! Kurt Doberer: Elektrokrieg Saturn- Verlag, gelesen zu kaufen gesucht. Preisangebote an die Administr. des Sozialdemokrat. Urania- Kino, Klimentská Fernsprecher 61623. Der Dämon des Himalaja Geheimaufnahmen aus Tibet. Dazu..Martha". Kurzoper mit Marcell Wittrisch! Montag: Unvergeßlicher Film Der ungetreue Eckehard auf allen österreichischen Bühnen von der Zensur berpönt; nur die genehmigte Variante durfte ge- Baus oder bei Beaua burch bie Bolt monatli Kč 17.—, fungen werden: Es lebe die Fröhlichkeit, Die Fröhlichkeit soll leben! Die Wiener Pukmacherinnen Chekonflikte, die nicht beizulegen waren, Ausdrücke, die ein sinnliches Laster" an- durfte es nach Vorschrift der Zensur auf Wiener deuteten, wie Suppler, durften auf der Bühne Theatern nicht geben; die Ehe mußte auch auf nur in., ernstem und strafendem Tone" fallen, der Bühne geschüßt werden, da ,, dem Staat an daher allenfalls im Trauerspiel, aber nicht im der Erhaltung rechtmäßiger Ehen und Geburten Lustspiel. Allen Gelegenheitsmachern war ihr viel gelegen ist..." Von, vilden Ehen" durfte Auf dem Hoftheater in Darmstadt ließ man Geschäft auf der Bühne gründlich verdorben, überhaupt nicht die Rede sein. Stüde mit Ehe- später statt der Freiheit" die Zufriedenheit" denn ein Frauenzimmer durfte in einem Thea- brecherinnen waren ebenso streng verboten wie| leben. 41 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Einen Moment schwiegen alle. Dann sagte Georges Grifolles: Darauf mußte man gefaßt sein... heute oder morgen... bei dieser Kälte. ,, Ach, rief Mag aus. Er gehörte schon zu uns. Das war lein alltäglicher Mensch... drei Monate standhalten... ganz allein. ... Nein." wiederholte Lavorel ,,, ein alltägTicher Mensch war das nicht." VIII. Bezugsbedingungen: Del Ruftellung ins bierteljährig Kč 51.-, balbjährig Kč 102.- ganajābrig Kč 204.-.- Inserate werden laut Zarif billigst berechnet. Südstellung von Manuftripten erfolgt nur bet Einfen. bung der Retourmarten. Die Reitunasfrankatur wurde bon der ofte und Telearabbendirektion mit Erlak Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.( Kontrollpostamt Braba 25). Druderei Orbis", Drud, Verlags- u. Beitunas-. G., Braa Er stand aufrecht und handhabte eine lange wie angewurzelt stehen. Ein Schrei entringt sich auf die schweigenden, ihr zugewandten Gesichter. Stange wie ein Ruder. Die Flut trieb ihn vor ihrer Stehle: Elvinbjorg...!" wärts. Wird sein elendes Fahrzeug, das durch alle seine Fugen Wasser säuft, bis zum Ufer standhalten? Wird er, ohne an den Felswänden zu zerschellen, an der einzigen zugäng lichen Stelle, am Grasrand von Portes- Neuves anlegen fönnen? ,, Bückt euch," befahl Jean leise ,,, Tenten wir ihn nicht ab, es wäre sein Verderben." Indessen näherte sich die Varke. Vorn an eine weiße Biege. Geschickt wich der Mann den der Spize sah man einen schwarzen Hund und sein totenbleiches Gesicht unterscheiden. Nun ge vorspringenden Felsen aus; schon konnte man riet er in das Feld der treibenden Baumstämme. Zwischen den Hindernissen manövrierte er sein Schiffchen, das bei jedem Nuderschlag auseinanderzufallen drohte. Ein sonderbares Gefühl noch drücdenderer Einsamkeit ringsum, noch vollständigerer HilfPlötzlich sah er auf und erblickte die vor losigkeit überfam ihn. Der Ayerneselsen hatte Aufregung verzerrten Gesichter. Lavoret, der ihm eine lebende Festung bedeutet; nun war er sein Schuhwert abaelegt hatte, hielt sich bereit, ein Grab, und sicherlich war jeder dieser zahl- ihm entgegen Init ber Sand und wandte wieder Tosen Gipfel, die strahlend im Neuschnee aus dem Meere herausragten, ein ebensolches Grab. ſeine ganze Aufmerksamkeit seinem Fahrzeug Sie gingen zurück zu den anderen und machten zu; er vermied die Gegenströmungen und die sich an ihre Arbeit. Wirbel, in welchen die Baumstämme sich drehten und jeden Zusammenstoß mit den treibenden Plöblich hoben Ignaz und Jean den Blick, richteten h auf und erstarrten: ,, Dort... dort... flüsterte Ignaz mit heiserer Stimme." Alle neigten sich vor und schauten gespannt in die Richtung seiner ausgestreckten Hand. Am Eingang der Schlucht auf einem trefbenden Holz war die Gestalt eines Mannes aufgetaucht. ,, Er."... stieß Jean hervor. „ Er ist's," stammelte Max, er ist von seinem Felsen losgekommen." Und nun verharrten sie alle stumm, atem los, unbeweglich, die Augen gebannt auf diesen Mann geheftet. Stämmen. Die Flut bildete eine Straße zwischen den Hölzern. Vorsichtig lenkt die überbelastete Barte dort ein, windet sich durch, artet, wenn der schmale Wasseriveg sich wieder schließt, erfaßt den Moment, in welchem eine neue Welle die Stäm me wieder auseinandertreibt; und dann mit einem Rud, unter welchem die Bretter endgültig zerschellen, strandet er auf dem Rasen. Da erhebt sich ein Schrei wie aus einer Kehle. Die Männer stürzen dem Manne entgegen, der da ruhig die Böschung hinaufklettert. hinter ihm die beiden an allen Gliedern zittern den Tiere. Aber plötzlich bleiben May und Jean Es wird gebaut. Schauen Sie dorthin," sagte das Mitglied der Académie francaise. Und mit der Hand wies er auf die trostlosen frierenden Gruppen vor den Eingängen der Hütten; auf den teilnahmslosen John Farlane, der je aufblickte, um einen gleichgültigen Blick auf aus seiner gewohnten, liegenden Stellung taum die neben der Wahnsinnigen tauerte; auf Yvonne, den Ankömmling zu werfen, auf Frau Andelot, die von Tag zu Tag bleicher wurde; auf Dobreman, der sich feindlich absonderte. ,, Sehen Sie, mein Herr, Sie glauben Menschen hier zu finden... geben Sie sich keinen Täuschungen hin, wir haben nur unsere Leiber gerettet... auch das war ein schwieriges Rettungswert... Unsere Leiber..." nachbentlichen Blid, ber die Menschen bis auf den geheimsten Grund ihres Bewußtseins zu durch forschen schien. Endlich sprach er: Elvinbjorg betrachtete jeden mit feinem ,, Unsere Seelen müssen wir auch retten." Und in seiner tiefen, melodischen Stimme flang eine Gewißtheit, die die anderen aufhorchen ließ. Es wurde still nach diesem Worte. Dann hörte man Dobreman höhnisch lachen: ..Ei, unsere Seelen..." An Frau Andelot gelehnt, wiederholte Yvonne zärtlich mit einem Lächeln, das plößlich ihr trauriges Geficht aufhellte: ,, Unsere Seelen..." Frau Andelot weinte leise vor sich hin. Sie hatten sich in der mittleren Hütte verfammelt, weil sie die geräumigste war. Baumstämme längs der Wände dienten als Bänke. Auf einem Herd aus flachen Steinen wurde ein Feuer unterhalten, dessen Rauch durch eine kaminartige Vorrichtung aus flachen Kalksteinen, die der alte Hans und Jorris gebaut hatten, aufgefangen wurde. Elvinbjorg lehnte das gebratene Fleisch ab und begnügte sich mit einer Schale Schafmilch. Steiner wandte ein Auge von ihm. berühmten Fremden so ähnlich zu finden, den sie Lavorel und Mag wunderten sich, ihn dem an einem Juniabend im Salon des Herrn von Miramar tennen gelernt hatten. Sein nur wenig abgemagertes Gesicht hatte den Ausdruck leuch tender Abgeklärtheit bewahrt. Sie hätten endlose Fragen an ihn richten wollen... Aber ein unbestimmtes Etwas in ihm, hieß sie ihre Fragen zurückhalten. Sicherlich hatte er es nicht nötig gehabt, au flüchten und zu kämpfen: sein Touristenanzug und seine schweren Bergschuhe waren unversehrt geblieben. Während seiner langen Einsamkeit hatte er sich wahrscheinlich ans Schweigen ge wöhnt. Mit Mühe gelang es seinen Gefährten, ihm stückweise die Erzählung seines Martyriums zu entreißen. Ich kann mir nicht erklären," sagte Herr von Miramar ,,, wie Sie Ihren Hund und Ihre Ziege ernähren konnten. Denn auf diesem schmalen Felsen war doch nichts vorhanden..." ..Haben Sie nicht bemerkt", antwortete ruhig Elvinbjorg, daß es auf den vom Waffer verschonten Stellen von Kleinen Nagetieren wima. Innocente, die etwas abseits die Mahlzeit melte, die sich beim Ansturm des Wassers dahin zubereitete, richtete sich auf und kam heran, um geflüchtet hatten. Mein Hund jagte... Die ersten ein Bündel Tannenreisin ins Feuer zu werfen. Tage fischt er auch. Ringsum auf der Oberfläche. Die zögernde Flamme knisterte, dann erhob sie sich des Wassers trieben tote, vom Salzwasser vergegen den grauen Himmel, von dem die Dämme- giftete Fische... Aber oft stöhnte er vor Leivrung bereits herabsant, und warf. ihren Schein schmerzen." ( Fortsetzung folgt.).