Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoſlowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller Rebattion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Rebakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Die Sammlungen in Frankreich Paris, 25. Ottober. Am Sonntag, den 30. Oktober werden in Frankreich unter dem Motto " Nationaler Tag für den Frieden" Sammlungen und Kundgebungen für den Frieden veranstaltet werden. Der ständige französische Delegierte füt den Völkerbund Senator Paul Boncour hat einen Aufruf erlassen, das Erträgnis dieser Sammlungen den obdachlosen Familien in der Tschechoslowakei, in Spanien und in China zu widmen, welche ihre Heimat verlassen mußten und in gro Her Not Icben. Blücher in Ungnade? Mittwoch, 26. Oktober 1938 Auch Hankau besetzt Freiwillige Räumung der Stadt durch die Chinesen 2ondon, 25. Oftober.( Domei.) Amtlich, von Hankau gelegenen Stadt, zurückziehen. Ridits wird aus Tokio gemeldet, daß die japanischen Trup deutet darauf hin, daß die Moral der zurückweichenpen und die mit ihnen gemeinsam operierende Ma- den chinesischen Truppen gebrochen wäre. rine heute Hankan besetzten. Nach den letzten, heute abends in London eingelangten Nachrichten scheint . Die Chinesen hatten bekanntgegeben, daß fic es, daß die chinesischen Armeen in Ordnung von Han- auch Hankau nicht verteidigen würden. Kriegswichtige fau sich gegen Schanfi, einer 100 Meilen westlich Objekte wurden vor der Räumung vernichtet. Keine Kammerwahlen, Seite 4: Die Auszahlung des Unterhaltsbeitrags Reform Nr. 252 des Transportwesens Eine radikale Maßnahme der Regierung Die Regierung ist bemüht, Schritt für Schritt das große Werk der Erneuerung des wirtschaftlichen Lebens der Republik zu verwirklichen. Eine Etappe in diesem Streben bedeutet der Bes schluß der Regierung, eine grundlegende Aende rung in unserem Transportwesen dadurch herbeis zuführen, daß dem Motorismus wesentliche Er leichterungen gewährt werden. Die Veränderungen, welche der Minister ratsbeschluß bringt, betreffen Fragen, welche seit in der Oeffentlichkeit, im Parlament, zwiMosta 1, 25. Oktober. Die Agence Havas melbet aus Moskau, daß über das Schicksal des den Gegenstand des ge Marschalls Bücher nichts ermittelt werden Die voraussichtliche nächste Phase der französischen Innenpolitik bildet haben. Die Drosselung des Automobilverfann. Sicher ist nur, daß er verschwunden fehrs, wie sie durch die bisherigen gesetzlichen Bes ist und in Ungnade gefallen sein dürfte. Die GeParis, 25. Oftober. Aus den Unter.( lich am Donnerstag, eine grundsäßliche Erklärung ftimmungen erfolgte, geschah im Interesse der rüchte, daß gegen den Chef des Protokolls Barkow, redungen, welche Ministerpräsident Dalabier in abgeben. Eisenbahnen. Durch Jahre hindurch wiesen gegen den hohen Beamten des Außenministeriums den letzten Tagen mit den Führern verschiedener Das Präsidium des Allgewerkschaftlichen unsere Eisenbahnen ein bedeutendes Defizit auf Beinberg und den Staatsanwalt des Leningrader politischer Barteien hatte, scheint hervorzugehen, der gegen die am Samstag getroffene Entschlie nur durch eine gewisse Vorzugsstellung, welche Arbeitsverbandes erließ eine Proklamation, in und die Eisenbahnverwaltung glaubte, daß hie Gouvernements Pozernow ein Prozeß eröffnet wurde, haben sich bisher nicht bestätigt. Es ist daß ein Einvernehmen darüber erzielt wurde, Bung der Regierung protestiert wird, derzufolge dem Eisenbahntransport gewährt wird, die Konauch nicht wahrscheinlich, daß zwischen Marschall vorläufig den Gedanken einer vorzeitigen Auf- die Arbeiter und die Personen streng bestraft furrenz mit dem Automobilismus aushalten Blücher und den genannten drei Berfonen tr lösung der Kammer aufzugeben und eine Art werden sollen, die die Ueberstundenarbeitszeit, könne. Allerdings hat sich auch innerhalb der gendwelche Beziehungen bestanden. Veinberg wird Konzentrationskabinett zu bilden, das die Par. vermißt. Bezüglich Barkow wird amtlich mitgeteien von der republikanischen Rechten bis zu den teilt, daß er in einer Miffion im Ausland weile, was noch nicht ein Beweis dafür ist, daß er in Sozialisten mit Ausschluß der Kommuniſten umUngnade gefallen sei. Was den Direktor des nörd- fassen würde. lichen Seeweges Dr. Otto Schmidt betrifft, so must bemerkt werden, daß er noch vorgestern im großen Theater bei der Eröffnung der OperSaison gefehen wurde. aber Regierungsumbildungen Miniſterien und berſchiedenen wo die Regierung sie im Interesse der National Eisenbahnverwaltung in der letzten Zeit die Erwerde. Der Allgetvertschaftliche Arbeitsverband zwischen Eisenbahnen und Autos notwendig ſei verteidigung anordnen wird, nicht einhalten fenntnis durchgesetzt, daß irgend ein Ausgleich befürchtet, daß die Arbeiterschaft von ihren Ar- und daß das Auto nicht eine Konkurrenz, sondern beitgebern vielfach entlassen werden wird. Er vielfach eine Ergänzung der Eisenbahnen sein fordert deshalb die Errichtung von besonderen könne. Die politische Krise, welche die Tschechonen entscheiden würden. Kommissionen, die über alle allfälligen Santtio- flowakei durchgemacht hat und die Folgen, welche für den Verkehr durch die Unterbrechung der Eisenbahnstrecken dadurch entstanden sind, daß sich Grenzen und Eisenbahnlinien überschneiden, daß tschechoslowakische Eisenbahnstreden durch deut iches Gebiet unterbrochen sind, haben eine Reform In den Flugzeugfabriken, wo die Regierung die erhöhte Arbeitszeit vorläufig um fünf Stun ben wöchentlich, also auf 45 Stunden angeordnet hat, hat die Arbeiterschaft überall die erhöhte Arbeitszeit eingehalten. habe sich aber sehr zurückhaltend über die MögDer Vorsigende der Rechten, Louis Marin, lichkeiten der dauernden Zusammenarbeit einer nicht homogenen Regierung ausgesprochen. Er ist der Anjicht, daß das gegenwärtige Hauptproblem Winterhilfe für- Spionage or allem in der Erneuerung des Vertrauens be New Yor 1, 23. Oftober. In Fortiehung ruhe. Die Regierung müsse wieder auf allen bes Spionage- Proseffes wurde am Montag wie Gebieten und in allen Zweigen der Staatswirts Nach dem kürzlichen Streit in der Automobilber der Angeklagte Numrich verhört, der weiter- schaft Autorität erlangen. Es erübrigt auch, ein fabrit Salmson, wobei die Arbeiter den Betrieb hin feine Mitschuldigen, insbesondere das ehe- gemeinsames Einvernehmen über die sozialen besetzten, ordnete gestern die Direktion die Entmalige Mitglied der amerikanischen Armee Glae- Maßnahmen zu erzielen. Ministerpräsident Da- lassung eines Delegierten sowie von rund 50 ladier will über diese Angelegenheiten auf dem Arbeitern an. Der Schiedsrichter erklärte, daß die Marsailler Parteilongreß, und zwar wahrschein| Entlassung der Arbeiter vollkommen berechtigt ist. fer, beschuldigte. Numrich zitierte weiters die Erflärung einer angesehenen deutschen Persönlichfeit, berzufolge das Geld für die Finanzierung des Spionagedienstes aus Sammlungen für bie Winterhilfe besorgt wurde. Diese Behauptung Numrichs rief bei den Hörern lebhafte Aufmerk samkeit hervor. Ribbentrop nach Rom baß der Neichsaußenminister von Ribbentrop Entschlüsse 252 beschleunigt, die unabweislich geworden war. Diese Reform besteht im wesentlichen in folgenden Verfügungen: Beseitigung der Motorsteuer Mit der Gültigkeit vom 1. Jänner 1939 wird die Steuer von Motorfahrzeugen aller Arten und Typen, sowohl alter als auch neuer, abgeschafft. Ursprünglich dachte man daran, nur die neuen Wagen von der Steuer zu befreien, um die Nachfrage nach neuen Autos zu beleben. Bei eingehender Erwägung gelangte man aber zu dem daß die Aussicht Entwicklung haben müssen, wenn eine tatsächliche der tschechischen Sozialdemokraten auf eine ftabile und dem Rotorismus günſtige Berlin, 25. Dktober. Das Deutsche Nach. Der Austritt aus der Internationale/ Zustimmung zur Parteienkonzentration Belebung in dieser Industrie eintreten soll. Gerichtenbüro bestätigt in einer amtlichen Meldung, Das Sekretariat der tschechoslowakischen Partei sich mit der Frage der Vereinfachung der rade die fleineren Unternehmer in Gewerbe und Landwirtschaft tönnen sich nicht einen neuen. Donnerstag abend zu einem kurzen Aufenhalt in 1ozialdemokratischen Arbeiterpartei stellt den Parteienverhältnisse befasse, was die notwendige fondern nur einen gebrauchten Wagen laufen und Folge der letzten Ereignisse und Gedankengänge würden also durch die Besteuerung der alten sei, die daraus erwachsen; er berichtete über den Wagen in ungerechtfertigter Weise belastet Antrag auf Austritt aus der Sozialistischen Internationale und erinnerte daran, daß dadurch Nom eintreffen wird. Blättern folgenden Bericht zur Verfügung: Der Zentralvollzugsausschuß der tschechoflowafischen Cozialdemokratie bielt Dienstag, den werden. Beschränkung des Betriebstransportes wird aufgehoben Drel Araber hingerichtet Jerusalem, 25. Oktober. Im Gerichts. 25. Ottober, eine ordentliche Sigung unter Zeil- die Partei in Zukunft nicht auf die Zusammennahme von Mitgliedern aus allen Teilen der arbeit mit dem arbeitenden Volk anderer Natios gefängnis in Jerufalem wurden geſtern 3 Araber Republit und Vertretern aller Bestandteile der nen verzichte, sondern dies auf anderer Grund- Bisher mußten Betriebe für ihre Fahrzeuge hingerichtet. Auf der Straße Jerufalem- Jericho Partei ab. Der Zentralsekretär Senator Dunde lage anstrebe. Nach einer Dehatte wurde einftim- eine höhere Steuer zahlen, wenn sie nicht mit der wurde gestern eine Brücke in die Luft gesprengt. teilte mit, daß dem Sekretariat zahlreiche Stund- mig der Antrag angenommen, daß die tschecho- Eisenbahnverwaltung einen Vergleich über die In der Altstadt von Haifa wurde ein arabischer gebungen für die Schaffung einer einheitlichen ilowatiſche ſozialdemokratische Partei aus der Benußung ihrer Wagen abgeschlossen hatten. Die Polizist erschossen. Partei des arbeitenden Volfes, für Wenderungen Sozialistischen Internationale austrete, und Eisenbahnverwaltung war nur dann verpflichtet. Gestern durchsuchten einige hohe Offiziere in der Konstruktion der Partei sowie Mundgebun zwar mit dem Hinzufügen, daß sie auch die Inter- diese Bereinbarung einzugehen, wenn sich der gemeinsam mit dem Distriktskommissär nach der Besetzung die Omarmoschee und deren Umgebung, Aen des Vertrauens zu der Partei eingegangen nationale der Jugend, der Frauen und der Stus Eigentümer verpflichtete, daß er seine Wagen auf jind. Der Parteivorsigende Abg. Hambl referierte denten verlasse wobei einige Risten ausgeschossener Patronen, darüber die leßten Ereignisse und erklärte. daß die unter zwei Risten auf dem Minarett gefunden wurden. Dies wird als ein Beweis dafür angesehen, daß die englischen Truppen auch von diefen religiösen Stätten aus beschoffen wurden. Vergebliche Franco- Angriffe Madrid, 25. Oktober.( Havas) Im Fronts abschnitt entlang der Straße von Aranjues nach Madrid und in der Zone von Guesta de la Reina unternahmen die Nationalisten einige Vorstöße, wurden jedoch in heftigen Stämpfen zurüdgefchlagen. Auf Vorschlag des Senators Dundr wurde sodann der Parteivorsitzende Abg. Sampl ermäds tigt, mit Beschleunigung alle mit der Schaffung der litauischen Regierung unterbreitet werden. Es eines neuen Gebildes zusammenhängenden Verfind insgesamt vier Buntte. 1. Bestellung eines handlungen zu führen, welches eine geeignete Bu Deutschen als Chef der Memeler Regierung. 2. fis für die Konzentrierung des tschechoslowakischen Einführung des deutschen Rechtssystems, einarbeitenden Volkes wäre. Zu diesem Zwede wurde schließlich der Nürnberger Gefeße in Memel. 3. eine Kommission gewählt, die den Antrag einer Garantierung der absoluten Freiheit der deutschen Neubenennung der Partei und ein Manifest ents politischen Organisationen. 4. Selbstverwaltung halten würde. Der Vollzugsausschuß stimmt der Anregung zu, eine einheitliche Partei des arbei für die deutsche Bevölkerung in Memel. teine größere Entfernung als auf 50 Kilometer benüßen werde. Diese Beschränkung fällt nun weg. Bedenkt man, daß viele Betriebe von der Benüßung von Lastautos völlig abgesehen haben, so wird man die Bedeutung dieser Erleichterung durchaus einzuschäßen wissen. Es wird dadurch der Absaß an Lastautos gesteigert, die Unterneh mungslust angeregt, der Transport erhöht werden. Erleichterung für den gewerbsmäßigen Autoverkehr Der bisherige gewerbsmäßige Autoverkehr In einem Leitartikel des gleichen Blattes tenden Voltes zu schaffen, welche die neue demo- wurde dadurch behindert, daß er bisher auf be= heißt es, England sei einer der Signatare des tratische Basis für die Buſammenfassung aller stimmte Rayons beschränkt war, die nach der verMemeler Statuts, in welchem die litauische Sous arbeitenden Menschen ohne Rücksicht auf ihre bis- schiedenen Tragkraft verschieden waren. Nun veränität über Memel anerkannt wird, und das herige Parteizugehörigkeit bilden würde. Der ge- werden die Rayons vollkommen beseitigt und der Der Streit um Memel gleichzeitig eine Selbstverwaltung für das Meme- wählten Kommiſſion wird auferlegt, überallhin gewerbliche Laſtentransport wird in bezug auf London, 25. Oftober. Die in einer Ronfeler Gebiet vorsicht. Vor zwei Jahren habe die die Berbindung anzuknüpfen, wo sie Bereitwillig die Entfernung nicht beschränkt. Einschränkungen renz in Königsberg gestern veröffentlichten Punkte britische Regierung Litauen dringend geraten, die feit für die Schaffung dieser neuen politischen bleiben nur in anderer Richtung. Es werben der Forderungen der Memel- Deutschen an Lifes Statut voll zu respektieren. Wenn die britische Basis der arbeitenden Schichten findet. Dem Par- Klassen von Wagen geschaffen: 1. Leichte Wagen tauen erinnern, wie der Danziger Korrespon- Regierung jest beabsichtige, hier etwas au unterteivorsitzenden Abg. Sanipt wird die Vollmacht bis zu einer Tragkraft von unter 3000 Stilebent des„ Daily Herald" berichtet, sehr an die nehmen, so sollte das rechtzeitig geschehen, ehe die erteilt, mit allen Bürgern in Stontakt zu treten. gramm, bei denen der Transport völlig frei sein acht Punkte Henleins. Die Forderungen werben Möglichkeit einer vernünftigen Einigung ge- die in Angelegenheit der Vereinfachung der Bar- wird. 2. Mittlere Wagen( der gebräuchlichste teienverhältnisse die gleiche Ansicht vertreten. Typ) mit einer Tragtraft von 3000 Kilogramm, bon Dr. Neumann, dem Henlein" von Memel, schwunden ist. Mittwoch, 2ti. Cftofrr 1!):;S Nr. 252 Kalendarium der großen Krise Beredter all alle Darstellungen, wirkungsvoller all Kviumentace, ist die Zusammenstellung -er wickttgsten Datei, dcr groben Krise, die Europa soeben durchlebt bat, und die es bi» an den Abgrund deS Krieges getrieben batte. Zuerst haben diese Daten noch gröbere Abstände; dann wird da» Tempo der Entwicklung immer schneller und schneller. zuletzt überschlägt et sich, und man mutzte nicht mehr mit Tagen, sondern mit Stunden rechnen. Erfatzt man die Atemlosigkeit des Geschehens, so ermißt man die Grütze der Gefahr dieser letzten ereignisreichen und solgenschlveren Tage. 13. Mürz: Anschluß Österreich» an Deutschland. 14. März: Göring versichert dem tschechoslowakischen Gesandten in Berlin, daß Deutschland die Integrität der Tschechoslowakei respektieren werde.— Frankreich und die USSR. versprechen der Tschechoslowakei ihren Beistand. 16. März: Lord Halifax erklärt im Unterhaus, das; Grotzbritannien Deutschland an daö Versprechen von Göring für gebunden halte.— Die Sude- tendeulsche Partei stellt die Forderung aus Autonomie auf. 23. März: Der französische Außenminister Paul-Bonronr bestätigt nochmal» das französische Versprechen gegenüber der Tschechoslowakei. 24. März: Grobe Rede Neville Chamberlain». Chamberlain verwirft.Prior guarantee»" lbedin» gungdlose Garantien) einer Wassenbilse für die Tschechoslowakei, warnt aber gleichzeitig Deutschland mit dem Hinweis, das; die Engländer unter gewissen Voraussetzungen kämpfen würden. 28. März: Die tschechoslowakische Regierung veröffentlicht da» Minoritätenstatut. 2. April: Henlein verwirft diese» Statut. Reise Henlein» zu Hitler. Verbot politischer Ver- sammlnngen in der Tschechoslotvakei. 1Ü. April: Negierung Daladier in Frankreich. 16. April: Unterzeichnung de» englisch-italienischen Volte».— Amnestie für politische Gefangene in der Tschechoslowakei. 24. April: Kongreß der Sudetendeutschen Partei in Karlsbad. Henlein proklamiert da» Programm der acht Punkte. 26. April: Die tschechoslowakische Regierung lehnt diese» Programm ab, erklärt sich aber zu Verhandlungen bereit. 8. Mai: Erste Demarche de» britischen und de» französischen Botschafter» in Prag. Die tschechoslowakische Regierung wird aufgefordert, bi» zur äutzersten Grenze zu gehen, soweit die» mit der territorialen Integrität der Tschechoslowakei vereinbar ist. 12. Mal: Henlein» Besuch in London. 21. Mai: Zwischenfall in Eger. Truppenzu« sammenziehungen in Deutschland. Mobilisierung von zwei Klassen in der Tschechoslowakei. 1. Juni: Beginn der Verhandlungen zwischen den sudetendeutschen und der tschechoslowakischen Regierung. 14. Juni: Die Regierung akzeptiert da» Henlein-Prag ramm und da» Minorttäten-Statut al» Verhandln ngäbasi».. 16. Juli: Kapitän Wiedemann besucht London. 26. Juki: Reue Liede Chamberlain» über .friedliche Beilegung". 6. August: Ankunft Lord Runeiman» in Prag. 13. August: Beginn der deutschen Manöver im Au»mas;e von anderthalb Millionen Mann. 27. August: Sir John Simon» Rede in Lanark. Grotzbritannien kann nicht untätig beiseite stehen, wenn die Tschechoslowakei angegriffen wird. 6. September: Letzter und endgültiger Vorschlag der tschechoslolvakifchen Negierung(der.vierte Plan"). Vorsichtsmaßnahmen Frankreich». Henlein reist nach Nürnberg. 7. September: Die.Time»" setzen sich für die Idee einer Abtretung der sudetendeutschen Gebiete ein. Sie werden formell vom Foreign Office desavouiert. 12. September: Hitler» Nede auf dem Nürnberger Parteitag. 18. September: Zwischenfälle im Sudetenge« biet; Ausnahmezustand in verschiedenen Distrikten; Ultimatuur der Sudetendeutschen Partei, da» von der Regierung nicht zur Kenntnis genommen wird. 15. September: Besuch Chamberlains in BerchieSgaden. 17. September: Erste Konferenz in London zlvischen Frankreich und England. 18. September: Triester Rede Mussolinis. Forderung der Plebiszite für alle Minoritäten. 2V. September; Prag nimmt unter Protest den englisch-französischen Plan an, der eine Abtretung der sudetendeuischen Gebiete und eine Garantie für die Tschechoslowakei Vorsicht. Die ungarische und die polnische Regierung verlangen hie Abtretung ihrer Minoritäten. 21. September: Rücktritt der Regierung Hodja. General Shrovh übernimmt die Regierung. 22. September: Chamberlain in Bad Godesberg. 23. September: Scheitern der Godeiberger Verhandlungen. 22..80 Uhr Generalmobilisierung in der Tschechoslowakei. 24. September: 4 Ukr früh Neservisten-Mobl« lisierung in Frankreich. Sicherheitsmaßnahmen und Teilmobilifierungen in Holland und Belgien. Ultimatum Hitlers mit Frist bi» 1. Oktober. 25., 26. September: Zweite Londoner Konferenz. 26. September: Offizielle Erklärung de» Foreign Office: Frankreich. England, Rußland werden für die Tschechoslowakei eintreten. Rede Hitler» in Berlin. 27. September: Scheitem der Mission Sir Harare Wilson». Neue» Ultimatum Hitlers. Erste» und zweite» Telegramm Roosevelt». Rundfunkkundgebung Chamberlain». Flottenmobilisierung. 28. September: UnterhauSsitzung. Ankündigung der Münchener Konferenz. 29. September: Konferenz in München. bei lvelchen der Transport gleichfalls frei sein wird unter der Bedingung, das; die Tarife dest Eisenbahntarifen angcpnßt werden. 3. Schwere Wagen mit einer Tragkraft von über 3000 Kilogramm können mir von der Eisenbahnverwal- lung betrieben werden, aber diesen Betrieb braucht die Eisenbahnverwaltung nicht direkt zu führen, sondern sie kann ihn auch durch Unternehmer besorgen. Diese letzten zwei Einschränkungen mutzten deswegen vorgenommen werden, weil die Eisenvahnverwaltung infolge der neuen Grenzziehung vor viele neue und komplizierte Aufgaben gestellt wurde. Es tvird z. B. notwendig sein, sich um die' Verbindung von Orten zu kümmern, welche voneinander durch die Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs getrennt wurden, eine Erleichterung aus den überlasteten Linien zu schaffen usw. Vielfach wird es sich da um Verbindungen handeln, welche nicht rentabel sein werden, aber von der Eisenvahnverwaltung im öffentlichen Interesse betrieben werden müssen. Wenn der schwere Lastenverlehr, tvelcher durch seinen Charakter ein Teil des Ferntransports der Eisenbahnen ist, ihnen nicht Vorbehalten bliebe, könnte die Eisenbahnverwaltung nicht den Ge« saintverkehr in der Republik planmäßig gestalten und ihr Tarisfhstem würde bis in den Grund erschüttert werden. Es wird auch notwendig sein, in die neuen Eisenbahnverbindungen große Summen zu investieren, aber man darf auf der anderen Seite das Defizit der Eisenbahnen nicht so sehr anwachsen lassen. Der getverbsmätzige Autoverkehr wird aus den getrossenen Erleichterungen Nutzen ziehen, auf der anderen Seite aber wird auch im Interesse der Gesamtheit und im Interesse der Gesamtwirtschaft den Eisenbahnen die Möglichkeit einer zweckmäßigen Durchführung des Transports gewahrt. So wird eine einheitliche Transportpolitik auf Grund der modernen technischen Errungenschaften möglich gemacht, Herabsetzung der Auto-Transportateuer Die Transportsteuer bei Massenbeförderung durch Autobusse wird von 20 auf 10 Prozent herabgesetzt. Außerdem wird das Finanzministerium ermächtigt werden, die Steuer unter Viesen Satz dort herabzusetzen, wo es sich um eine zweckmäßige Ergänzung der Eisenbahnverbindung und um Transporte handelt, die im öffentlichen Interesse gelegen sind. Diese Erleich- lerung erfolgt insbesondere im Interesse der Arbeiter, wo diese auf den AutobuStranSport bei der Fahrt in die Arbeit und aus der Arbeit angewiesen sind. Vorgang dol der Konzesslonsertellung Bisher war bei der Erteilung einer Konzession für Autobuslinien daS Eisenbahnministerium, welche» die Erteilung einer solchen Kon- zeffion verweigern konnte, maßgebend. Nunmehr entscheiden das Eisenbahnministerium und daS Handelsministerium gemeinsam, in strittigen Fällen fällt die Entscheidung der Regierung zu. Dadurch soll verhindert werden, daß die Eisenbahnverwaltung in Fällen entscheidet, wo sie selbst Partei ist und daher eine objektive Entscheidung nicht gewährleistet ist. Heino Verteuerung des Benzins Durch die Beseitigung der Steuer von Motorwagen verliert dec Straßenfond» eine» großen Teil seiner Einnahmen. Die finanzielle Erleichterung, welche daS Automobilwesen aus der Abschaffung der Steuer zieht, wird auf 80 Millionen XC jährlich geschätzt. Da aber eine Verminderung der Einnahmen deS Straßenfonds zu einer Einschränkung im Bau und In der Reparatur der Straßen führen würde, muß man die Einnahmen des Fonds auf andere Weise sicherstellen. DaS wird dadurch geschehen, daß der Zoll auf Benzin um 15 XL pro 100 Kilogramm und die Distributionskosten um 5 XL pro 100 Liter Treibstoff herabgesetzt wird. Gleichzeitig wird das Ilmsatzsteuerpauschale von Mineralölen um 20 XL pro 100 Kilogramm erhöht. Die Lasten werden also die Benzinraffinerien und der Den- zinverkanf tragen, während der Preis deS Treibstoffs unverändert bleibt. -» Die neue Maßnahme bedeutet eine radikale Veränderung unserer bisherige» TranSportpolitik. ES ist zu hoffen, daß durch die Beseitigung der Motorsteuer der Autoabsatz steigen und der Straßenverkehr dichter»»»erden wird. Wird schon auf diese Weise Arbeit geschaffen werden, so wird es noch mehr durch de» nottvendigen Ausbau de» Straßennetzes und den Ban von Autostrade» aus weite Entfernung. Die Maßnahmen, die getroffen »verden, sollen also vor alfem zu einer Erlach« terung auf dem Arbeitömarkte, zur Schaffung von Arbritögelegenheit, zur Verminderung de» Heereb der Arbeitslosen und zur Ueberwindung der sozialen Krise führen, in welche die Republik durch die politische» Ereigniffe der letzten Woche» gestürzt wurde. Kommunistische Partei auch in KarpathorußlanU eingestellt Prag. Gestern um 21 Nhr fand die vierte Sitzung der Regierung von Karpathorutzkaitd statt, in welcher die allgemeine politische Lage behandelt und unter anderem beschlossen wurde, die Tätigkeit der Kommunistischen Partei in Karpathoruß- land mit sofortiger Gültigkeit einzustellen. Dem Minister Bakinskh wurde aufgetragen, in dieser Richtung alle Maßnahmen zu treffen« Die Slowaken In Prag B r a t t s l a v a, 25. Oktober. Die Mitglieder der flowakischen Regierung mit dem Mini» sterpräsidenten Dr. Tiso an der Spitze sind heute früh nach Prag gereist, um an den Beratungen der Zentralregierung teilzunehmen. Vie ausländischen Beobachter sind zufrieden London, 25. Oktober. Die britische amtliche Radioagentur teilt mit: Britische Beobachter, die nach dem Münchener Abkommen in die Tschechoslowakei abgesandt worden sind, um die Ueber- leitung de» an Deutschland abgetretenen Gebietes zu beobachten, sind jetzt nach England zurückgekehrt. Die englischen Beobachter verbrachten in der Tschechoslotvakei eine kürzere Zeit, als ursprünglich beabsichtigt war, und zwar mit Rücksicht darauf, daß beschlossen wurde, vom Plebiszite abznsehen. Die englischen Beobachter versicherten, daß die Ueberleitung des Gebietes im freundschaftlichsten Geiste vor sich ging und daß Dank der Versöhnlichkeit, die auf tschechoslovakischer sowie auf deutscher Seite bekundet wurde, eS zu keinen ruhestörenden Zwischenfällen gekommen ist. Der Ständige Ausschuß hält am DonneStag, den 27. d. M. im Abgeordnetenhaus um 3 Uhr nachmittag, eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung steht die Regierungsverordnung Zahl 228, 1038 betreffend außerordentliche Verfügungen der Wohnungsfürsorge. A>n gleichen Tage um 10 Uhr vormittag tritt das für Behandlung dieser RegierungSverordnungSverfügung gewählte Subkomitee des Ständigen Ausschusses zusammen. Wirtschaftliche Erneuerung— nicht nuc auf Kosten de- arbeitenden Menschen. Der SmnStag und Sonntag in Prag tagende Zentralausschuß der Nationalsozialistischen Jugend sprach sich für die Konzentration aller Kräfte im Interesse des wirtschaftlichen Aufbaue» de» Staates aus, wobei hauptsächlich das arbeitende Volk berücksichtigt werden müffe. In dem Augenblicke, in dem neue Wege gesucht werden müssen, müssen auch die Personen de» politischen Lebens ausgetauscht werden. Der Zentralausschuß betont in einer weiteren Erklärung, daß alle ihre Sendung allein im Dienste für die Nation erblil- len müssen. Dies bedeutet, sich von den bisherigen inneren und äußeren Fehlern freizumachen. Die Vereinfachung der politischen Verhältnifle werde nur dann Erfolg haben, wenn der Aufbau der zweiten Republik neuen und fähigen Menschen, ' sowie solchen Kräften übertragen werden wird, ' welche genug Energie und Entschlußfähigkeit habest. Die erste und dringendste Aufgabe ist, jedem Bürger Arbeit zu sichern. Die wirtschaftliche Erneuerung darf allerdings nicht nur auf Kosten des arbeitenden Menschen erfolgen. In den schweren Zeiten werden alle entsprechend ihrer wirtschaftlicher Starke Opfer bringen müssen. Die nationalsozialistische Jugend kann selbständig vorgehen und handeln. Wenn es aber der Nutzen de» Staates erfordert, werde sie sich Verhandlungen über eine Vereinfachung der politischen Gruppierung nicht verschließen. Edens Blatt gegen anglo-ltallenlschen Vertrag London,„Aorlshire Post" glaubt, daß unier den gegenwärtigen Umständen keine Rede von einer Ratifizierung deS englisch-italienischen Abkommen» sein könne.»Die Bombardierung englischer Schiffe hat wieder begonnen und obwohl Mussolini eine gewisse Anzahl italienischer Frei» Ivilliger aus Spanien abberusen hat, hat er kürzlich ein Telegramm veröffentlicht, in dem er Franco versichert, daß er ihm bi» zum Ende des Bürgerkriege» behilflich sein werde. ES kann daher nicht behauptet werden, daß die Bedingungen, die Chamberlain im Parlament gestellt hat, erfüllt sind oder daß sie in Kürze erfüllt werden. Nicht» deutet außerdem daraufhin, daß die italienischen Truppen von den Balearen abberufen würden. In Spanien befinden sich noch viele italienische Truppen und italienische Munition, so daß gegenwärtig kaum an eine Ratifizierung de» englisch-italienischen Abkommen» gedacht werden kann." paSIcontrolle In Polen Mähr.-Ostrau. Einer Verfügung des polnischen Innenministers zufolge müssen sämtliche von den polnischen Vertretungsbehörden vor dem 20. Oktober 1088 ausgestellten Reisepässe zur Kontrolle vorgelegt und mit einer Klausel versehen werden, die ihre Gültigkeit bestätigt. DaS polnische Konsulat in Mähr.-Ostrau fordert deshalb sämtliche im Lande Mähren-Schlesien wohnhaften polnischen Staatsangehörigen auf, ihre Pässe -weck» Durchprüfung der erwähnten Kontrolle vorzulegen. Die mit der nunmehr vorgeschriebenen Klausel nicht versehenen Polnischen Reisepässe berechtigen nicht zum Ueberschreiten der polnischen Grenze. Der König von Griechenland fährt nach London Athen, 25. Oktober.(Hava») Die Blätter melden, König Georg von Griechenland werde Mittwoch abends über Pari» nach London reisen. Der König wird inkognito reisen und sich einige Wochen im Auslande aushalten, Vie Mängel In Frankreich Flugzeugindustrie Paris. Die Föderation der Metallarbeiter lud Pressevertreter zu einer Sitzung ein, bei der der Sekretär der Föderation Abg. C r o i s s a t über die gegenwärtige Lage der Flugzeugindustrie in Frankreich sprach. Er erklärte, in Deutschland seien bei einer Monatsproduktion von 500 Flugzeugen 200.000 Arbeiter beschäftigt, während in Frankreich bei einer Monatsproduktion von 62 Flugzeugen 40.000 Arbeiter"und Techniker beschäftigt sind. Abg. Croissat sieht die Ursachen der gegenwärtigen unerfreulichen Lage des französischen Flugwesens in einem Mangel an Kredit, in einer schlechtenBertei- lungderAufträge und in einer schlech« tenOrganisation der Erzeugung und der Zusaminenarbeit. Er wies auch auf den Materialmangel in einig»»: Fabriken hin, denen Rohstoffe oder einzelne Produktionsbestandteile fehlen.- Der Redner kritisierte streng die Art der Flugzeugbestellung und die- Arbeitsorganisation. Er erklärte, eine der Ursachen, die die französische Flugzeugproduktion beunruhige, sei die Konkurrenz zwischen dem Flugministerium und dem Finanzministerium. Die für die Flugzeugindustrie in Frankreich erforderlichen Kredite wurden zlvar genehmigt, aber sie wurden den zuständigen Gesellschaften nicht ausgezahlt. Abg. Croissat beantragte im Interesse einer Verbesserung der Flugzeugproduktion in Frankreich die Wiederöffnung und bessere Ausstattung einiger Fabriken. Es ist auch notwendig, in zwei Schichten zu arbeiten, damit die Zahl der Arbeitskräfte in der Flugzeugindustrie erhöht werde und Bestellungen garantiert werden, die eine ununterbrochene Arbeit in den Flugzeugfabrilen ermöglichen würden. Es ist auch notwendig, die in einigen Fabriken zur Erzeugung von Flugzeugen geübte Sabotage zu unterbinden Heute Hallfax-Rede London, 25. Oktober. Der diplomasischt Korrespondent der„Time»" meldet, daß sich Außenminister Lord Halifax bereit erklärt habe am Mittwoch über die internationale Lage im Rundfunk zu sprechen. Die Rede soll ausschließlich nach Amerika übertragen werden. Beunruhigung In Südafrika wegen den deutschen Forderungen Pretoria, 25. Oktober.(Reuter) Der südafrikanische Ministerpräsident Hertzog beriet mit dem Verwalter von SÜdwest-Afrika, Conradtze darüber, wie die nationalsozialistische Propaganda in Südafrika unterdrückt werden könnte. Nach dieser Beratung erklärte Conradye dem Reutervertreter: Südwestafrika ist durch da» selbstbewußte Auftreten der Deutschen insbesondere nach dem Münchener Abkommen ernsthaft beunruhigt. Südwestafrika verhält sich jedoch gegenüber dec Idee der Rückgabe der Kolonie an Deutschland kompromißlos ablehnend. Henderson berichtet dem König London, 25. Oktober.(Reuter) Der König empfing heute im Bulingham Palast den englischen Botschafter in Berlin Nevile Henderson und lud ihn zum Mittagessen ein. Chamberlain führte heute bereit» zum zweitenmal in dieser Woche den Vorsitz in einer Sitzung de» sogenannten engeren Kabinetts. Neben anderen Ministern nahm auch Außenminister Lord Halifax an der heutigen Sitzung teil. Man glaubt, daß die heutige Beratung der Lage in Mitteleuropa gewidmet war und daß auch die Perspektiven bezüglich der baldigen Ratifizierung deö anglo-iialienischen Abkommens erwogen wurden. Diese beiden Angelegenheiten werden Gegenstand des morgigen Ministerrates sein. Auch Bulgarien rüstet auf Sofia. Am Sonntag wurde eine außerordentliche Session des bulgarischen Parlaniems eröffnet. Die oppositionellen Abgeordneten begrüßten die Regierung mit de»» Rufen„Ab- treten!" Als das Sobranje durch Erheben voi: den Sitzen, das Andenken des ermordete»; Generalstabschefs Pejew ehrte, rief der Abgeordnete der Cankow-Gruppe, BoZucharow, die Regierung möge ehebaldigst die intellektuellen Urheber des Attentates ausfyrschen. Unter den Gesehesanträ« gen, die verhandelt werden sollen, sind die wichtigsten eine Anleihe in der Höhe von 4280 Millionen Lewa für die Bedürfnisse der Staat.» Verteidigung und eine Anleihe in der Höhe von einer Milliarde Lewa für Bedürfnisse der Eisenbahnen und Häfen. Unruhen In Lima Washington, 25. Oktober.(Häbaö) Nach amtlichen Anformationen au» der peruanischen Hauptstadt Lima beschränkte sich der Versuch eines Aufstande» in dieser Stadt auf einige Zusammen« stütze in der Umgebung der Kaserne von San Pedro. Im ganzen Kreis wurde die Zens«.: Angeführt. Der Führer der Aufständischen sei bereits verhaftet worden. Mittwoch, 20. Cffalfcr 10.18 Was schreibtdietschechische Presse? die der m teiapparat warfen. Dieser Wahlsystem hat unö insbesondere in Böhmen unmittelbar vor dem Krieg bis« den Der sichern, das eine weitere Wahlperiode des Präsidenten für sie bedeuten würde, hatte die Ber« waltung des Blattes eine Versicherung bei Lloyds in London aufnehmen wollen. Aber diese berühmte Gesellschaft, die gegen alles versichert, oder wenigstens beinahe gegen alles, hat dieses Mal abgelehnt und als Entschuldigung hinzugefügt, sie habe schon ähnliche Anfragen erhalten, die ebenfalls abgelehnt werden muhten. Wird also Frau Roosevelt Präsident von USA, dann treffen die Voraussetzungen weiterer Unlosten aus dem Pauschalpreis nicht niehr zu. Und wenn sie sich trotzdem manchmal mit ihrem tüchtigen Gatten über die Staatsgeschäfte unterhält, dann ist daS ihre eigene Angelegenheit. der«, wenn wir nicht alle passenden Industrien haben, welche das Ausland hat. ES ist notwendig, ständig zu denken und zu schaffen— daS Gute durch das Besser«, das Teuere durch das Billigere, das langsamere durch daS raschere, sicherere Tempo zu ersehen,— da auf chemischem, dort auf maschinellem Wege, oder durch bessere Organisation— aber immer mit gesundem, scharfem Blick. Nr». Roosevelt— Präsidentin der Vereinigten Staaten? New N-rk.(MTP.) Aber daS ist sie doch schon?— Nein, noch nicht ganz, vorläufig. Sie ist heute nur die Gattin des Präsidenten. Aber eS gibt in Amerika Stimmen, die den ernsthaften Vorschlag machen, nach Ablauf der Wahlperiode des jetzigen Präsidenten 1040 seine Gattin kandidieren zu lassen.„Mrs. Roosevelt", schreibt z. B. eine Zeitung In San Juan(Porto Rico), „ist«ine außerordentlich begabte Frau, die, auch abgesehen von der Achtung, die sie als Präsiden- tcngatttn gewonnen hat, zahlreiche Proben ihrer großen Fähigkeiten gegeben hat. Haben nicht schon viele Frauen eine überaus glückliche Regentschaft geführt? Katharina von Ruhland, Isabella von Spanien, Elisabeth von England, die grohe Vic», toria und, in unseren Tagen, Wilhelmine von Holland. Man kann durchaus keinen triftigen Grund dagegen anführen, eine Frau auf den Präsidentschastsstuhl zu sehen." Diese Anregung entspringt jedoch nicht nur, wie man zuerst annehmen könnte, dem Hirn überzeugter Feministen, sondern kommt vor allem aus den Kreisen, die den Namen Roosevelt und seine günstigen Einflüsse vier weitere Jahre über den Geschicken des Landes sehen möchten. Bis jetzt ist noch kein Präsident zum drittenmal gewählt worden. Diese Möglichkeit besteht aber dieses Mal. Eine Zeitung in Washington hatte nun aus Propagandagriinden einen Pauschalabonnementspreis bis zum Ende von Roosevelts PräsidentParteienkonzentration im Vordergrund In den Vordergrund der Erörterungen der tschechischen Presse ist am DienStag abermals das Problem der Parteicnkonzenlration getreten. Während manche Politiker, vor allem der Bor- sstzende der Agrarpartei» Beran, rasch zur Schaffung einer nationalen Einheitspartei, oder besser gesagt, einer einheitlichen bürgerlich-nationalen Partei gelangen wollen, warnen andere Blätter davor, die Dinge gar z« Mechanisch zu betreiben und zu überstürzen. Wunderkinder »Nein, Wunderkinder sind nicht glücklich, wenigstens nicht so wie die anderen. Ich erinnere mich, oft wie toll geweint oder gelacht zu haben, aber nie habe ich die kleinen Freuden, die vielfachen Vergnügungen gekannt, die die Kinder meines Alters selbstverständlich zu finden schienen." Der dies sagt, muh eS wissen, denn er ist selbst ein Wunderkind gewesen, der junge Geiger gehudi Menuhin. Eltern und Kinder, die der Vorführung elneS solchen AusnahmeßeschöpfeS beiwohnen, tun also gewi unrecht, neidisch oder bewundernd dazustehen. 2m Grunde gibt eS kaum ein traurigeres Schauspiel. Da zeigt sich so ein kleines Mädchen mit nackten Armen und Beinen, gelocktem Haar, blahblauem oder zartrosa Seidenkleidchen, Schatten um die Augen, mit ältlichem Ausdruck, selbstsicher, begleitet von einer redseligen Mama, die sich über das Genie des Töchterchens weitläufig verbreitet. Die Kleine fetzt sich ans Klavier und spielt automatenhaft irgend ein viel zu schwieriges Stück. Hinterher nimmt die Mutter Komplimente entgegen, stolz und immer wieder Anekdoten von den verblüffenden Erfolgen ihres Sprähling-, von seiner natürlichen Begabung erzählend. Was wird aus solchen bedauernswerten Kindern? Auf eineS, das wirklich begabt ist, kommen ...... neunundneunzig, die ihre ganze Jugend mit neuen Staates beschäftigen sich die„Närodni sieben und Vorspielen verschwenden, um dann bell i st h". Das Blatt schreibt: stenfallS in irgend einem Easino, einem Nachtlokal Der Reichtum unseres, wenn auch verkleinerten. als Begleiter zu enden. Lande» kann auch zwei, und dreimal so viel Leute, Meist ist die Eitelkeit der Eltern der Antrieb ernähren, wenn er von geistvollen und gebildeten zu solch ungesunder verfrühter Entwicklung. Sie Köpfen, sowie von flrihigen und geschickten Händen wollen daS Beste, aber sie sind unvernünftig, wis- auSgenüht wird. Allerdings darf kein einzelner, kein sen nicht, dah keine Pflanze künstlich aus dem Kapital und kein anderes Gut untätig sein. Auher. Erdreich gezogen iverden kann, dah mag sie pjel- Kelne mechanische Vereinigung So schreiben die„N ä r o d n i N o v i n h" r Dir wissen, dah die Verhandlungen über die Schaffung einer einzigen großen nationalen Partei au- einigen bisherigen Parteien nicht in einigen Stunden beendigt werden kann, soll eS sich nicht um eine blohe mechanische Bereinigung der Organisationen handeln, welche früher oder später sich al» wertlos erlveisen würde. Seit Anbeginn warnen wir vor einer bloh mechanischen Bereinigung, welche unsere inneren Verhältnisse nicht vereinfachen, sondern im Gegenteil noch komplizieren würde. Wir sind fest überzeugt, dah die Bereinigung aller nationalen und bürgerlichen Parteien in der heutigen Zeit einfach notwendig ist und wir hoffen, dah eS dazu kommen wird.. Agrarische Bemühungen um nationale Einheitspartei Der„B eä e r" teilt mit, daß der Vorsitzende ter Republikanischen Partei, Abgeordneter Beran, in den Verhandlungen über die Schaffung einer großen nationalen Partei fortschreite. Seine Bestrebungen finden, so schreibt da» Blatt, in weiten Kreisen Zustimmung. Die Beratungen können nicht lange hinauSgezogen werden. Man könne heute schon sagen, dah in der neuen großen Partei die Republikanische Partei, die Gewerbepartei,, die Nationale. Bereinigung und ein Teil der Natio« nalsozilaistischen Partei sein Werden. Die Aussprache BeranS mit dem Vorsitzenden der Tschechischen Volkspartei, Monsignore Staöek, habe ergeben, dah die Katholische Volk-Partei selbständig bleibe, aber im Rahmen der Neugrupplerung del tschechischen politischen Leben» aus» engste Mitarbeiten werde. Der„B e n k o v" glaubt, dah eS sich bei dem Projekt de» Abgeordneten Beran nicht um eine Bereinigung der alten Parteien, sondern um die Schaffung einer neuen Partei handle. Da» Blatt schreibt: „Der Weg zur Einheit ist nicht die Bereinigung der politischen Parteien; der einzig mögliche Weg ist die rasche Grundsteinlegung zu einer neuen, durchaus dominierenden nationalen Partei aller arbeitenden Menschen. Man muß die neue nationale Partei von rmten au» dem Bolle her begründen; ihr« Grundlage werden die Bauern und Arbeiter der Hand und de» Geiste» sein, alle Arbeitenden ohne Unterschied." Drei Parteien: Rechte, Zentrum, Linke »^llidovö Lisch" geben«ine Uebersicht über den Stand der Verhandlungen bezüglich der Vereinfachung de» Partrienwescn». Da» Blatt verweist darauf, dah e» schon am Sonntag geschrieben habe, eS Werde künftighin drei politisch-ideologisch« Strömungen im tschechischen Volk geben: eine katholische, eine sozialistisch-fortschrittliche und eine nationalliberale. „Gemäß diesen drei politischen Hauptgedanken und Richtungen, welche hier blieben, auch wenn wir alle Parteien auflösten, wird sich der sogenannte Verein-. fachungiprozeß im tschechischen politischen Leben vollziehen." E» würde also eine christliche Volkspartei bleiben, welche die politische Mitte darstellen■ würde, auf der Linken eine Arbeiterpartei und auf der Rechten ein« mue Partei, welche alle bürgerlichen Parteien und vielleicht auch die Nationalsozialisten umfassen würde. Auf der Linken sind die Verhältnisse so, daß die Kommunistische Partei verschwunden ist und die Sozialdemokratie sich in rin« Partei umwandeln werde, deren Namen noch nicht bekannt sei. Die Partei würde der englischen Ar- ' beiterpartei ähneln. Bei den Nationalsozialisten ist eine Strömung, welch« den Anschluß an die neue nationale Partei sucht(Abgeordneter Klapka), während eine andere für eine Vereinigung mit der Sozialdemokratie ist(Dr. Zenkl). Auf der Rechten bemüht sich die Agrarpartei, alle Pyrieien der Rechten, also Agrarier, nationale Vereinigung, Gewerbetreibende, Faschisten, Ligisten und«inen Teil der Nationalsozialisten, in einer neuen Partei zu- sammenzuschließen. Die Nachricht von einem Umbau der tschechischen Sozialdemokratie, welche die.Lidovö Lisch" bringen, wird bestätigt von einer Notiz de» „Prävo Lid u", in welcher da» Blatt schreibt, daß der HauptanSdnick de» Umbmi» der Partei werde die Wertschätzung und der Schutz der Arbeit fein. Legen das Mehrheits-Wahlrecht An einer anderen Stelle wendet sich da» „P r ä v o L i d u" gegen die Pläne, da» Proportional-Wahlrecht durch da» Mehrheits-Wahlrecht zu ersehen: „r-:_ 1.‘ den größten Schlag gegen das künftige vereinheitlichte Leben in der Republik jene Bestimmungen über die Durchführung der Wahlen, welche engere Wahlen vorsehen, betrachten. Wer einige Jahre vor dem Weltkriege politisch tätig war, kann«in« Chronik darüber erzählen, wie wlld die dmnaligen Wahlen gewesen sind, wenn zwei Kandidaten, welche die meisten Stimmen, aber nicht die absolute Mehrheit erhielten, in zweite Wahlen gingen. Mit Ekel gedenken wir jener Zeiten. E» waren insbesondere die Ergänzungswahlen nach dem Rücktritt oder dem Tod eine» Abgeordneten, da man nur in einem Bezirke wählt« und da die politischen Parteien oder Block» sich auf diesen Bezirk mit dem ganzen.Par-. I dem muß jeder von un» viel intenswer arbeiten. Dabei darf der gesunde Unternehmergeist nicht gedros selt, im Gegenteil er muß belohnt werden. Eine bereitwillige, einfache, nicht hemmende Verwaltung, die aber von Verantwortung erfüllt ist, muß rasch organisiert werden. Mit Verstand zu arbeiten und zu sparen muß unsere Richtschnur sein, denn nur so können wir Brot für alle auch heute gewinnen. ES bleibt nichts andere» übrig, als ständig wirtschaftlichere Arbeitsmethoden(chemisch« und maschinell«) zu suchen, billigere und gute Roh« und Ersatzstoff«, neue, bessere, ergiebigere, eventuell billigere Ma« .............. schinen und Hilfsmittel, neue Jndustrieartikel, inS- biS in den traurigen politischen Zustand geführt, in: besondere für den Export. Die Chemie und daS Modem die tschechische Politik in den Jahren von 1010! schinenwcsen können auch heute viel Hessen, inSbeson« bis Illlä war. Wir warnen! Besser wäre eS, große' Wahlbezirke zu schaffen und einfach als gewählt jene zwei Abgeordneten zu verkünden, welche meisten Stimmen erhalten haben." Der Name des neuen Staates Wir haben bereit» darüber berichtet, daß neue Staat auch«inen neuen Namen erhalten soll. Einen neuen Vorschlag macht im„N ä r o d n t Osvobozeni" Professor Dr. I. S la v i t. Er geht davon au», daß der bisherige Name nicht glücklich gewählt war. Slavik schreibt darüber: „Die bisherige Bezeichnung Tschechoflowakei entspricht nicht der Wirklichkeit. Sie hat ihr nie ent sprochen. Sie wurde während de» Weltkrieges ge schaffen, da man noch nicht wußte, daß Karpathoruß- land einen dmiernden Teil unsere» Staates bilden wird. Offen gesagt war die Bezeichnung Tschechoflo wakei nicht glücklich. Für un» Tschechen war da» kein neuer Terminus, aber seine Uebersehung(in» Lateinische, Deutsche, Französische, Englische usw.) war ganz neu und— gestehen wir e»— nicht sehr wohlklingend. E» ist also die Frage de» neuen Na men» wichtig und dringend. Wie soll man unseren revolutionär umgeformten Staat nennen?" Der Autor nimmt dann Stellung zu den her gemachten Dorschlägen, die dahin gehen, Staat Mittel- oder Westslawien zu nennen. Titel Mittelslawien ist absurd, weil eS sich nicht um einen Staat inmitten des Slawentum» handle. Es müßte eher Mitteleuropäisches Slalvien heißen, wa» aber eine zu lange und zu schwerfällige Bezeichnung Ist. Auch der Name Westflawien ist unlogisch, denn die Karpathorussen sind nicht West» sondern Ostfla« wen, während di« zahlreichste westflawlsche Nation, die Polen, in dem neuen Staat nicht leben. Slavik schlägt daher den Titel Neuflawien vor. weil e» sich um einen flowakischen Staat handelt, der ein neue» Leben gestalten will. Wie die Deutschen zur Tschechoslowakei kamen Im„P r ä v o L i d u" erzählt Senator Fr. Modrääek, er wäre anläßlich einer internatio nalen genossenschaftlichen Konferenz im Feber 1V1V in Pari» gewesen, wo er gemeinsam mit Josef Hu» der, der damal» Experte bei der Friedenskonferenz gewesen Ist, einen Besuch bei Dr. Benci gemacht hat. Modräiek hat dort in dem Gespräch Dr. Bene» ge-1 genüber seinen Befürchtungen Ausdruck gegeben, daß schäft festgesetzt. Um sich_gegen da» Risiko zu so viele Deutsche zur Republik kommen und ihn ge-'"'•—- fragt, ob c» nicht zweckmäßiger wäre, einige Grenz gebiete, die von Deutschen bewohnt sind, preiSzuge- ben. Darauf hätte Bene» erwidert, Wilson habe ge raten, einen größeren Teil der deutschen Gebiete ab zutreten, aber Kramäk, der kompromißlos auf dem Grundsatz der historischen Grenzen bestanden hab«, habe sich dagegen gestellt und für seinen Standpunkt Clemenceau gewonnen. Er sei für Bene» schwer ge- tvesen, einen anderen Standpunkt einzunehmen. Modrüiek glaubt, wenn Kramäk seine Auffassung nicht vertreten hätte, wäre Wilsons Antrag durch gegangen und die Grenzen de» Staate» wären schon 1018 mehr den ethnographischen Verhältnissen an gepaßt worden, als e» später geschah. ES wäre die Katastrophe von 1888 wenigsten» nicht in dem Aus maß gekommen. Man hätte Hunderttausende Tsche chen bei der Tschechoflowakei erhalten, und Milliar- denwerte, wie die Braunkohlenlager, wären dem Staat verblieben. „Wirtschaftshauptleute" „Lidovc Noviny" berichten in ihrem Leitartikel darüber, daß unlängst eine Beratung der mittel mährischen Industriellen ftattgefunden hat, in wel cher der Gedanke vertreten wurde, bei den Bezirks hauptmannschaften neben den die politische Berwal- tung führenden Bezirkshauptleuten sogenannte Wirt« schafi»hauptleute zu ernennen, wobei«r vielleicht möglich sei, daß ein solcher neuer Funktionär für da» Gebiet von mehreren Bezirken bestimmt wird. Begründet wird dies damit, daß die Agenda der Be« zirksbebörden«Ine ganz andere ist, als sie früher Ivar, und daß diesen Behörden eine Reihe wirtschaft licher Aufgaben zugedacht ist. Dazu ist auch die Be amtenschaft bisher nicht geschult genug. Bei den Be- zirkshauptmannschaften sind vor allem Juristen tätig, die keine so theoretische und praftische natio, nalökonomische Ausbildung haben, wie■ die» heute . notwendig ist. Auch Bata hat unlängst da» ungenü« ,_.,, I gende AuSmaß beklagt, welche» innerhalb der öffent. «5 0'"Eint da» Blatt,„daß wir al» Verwaltung für da» Unternehmertum vorhan- ' den ist. Die wirtschaftlichen Angelegenheiten werden zu sehr im Geiste de» alten ObrigkeittstaateS er ledigt. Wirtschaftliche Aufgaben Mit einigen wirtschaftlichen Aufgaben des Seite 3 Neun Jugoslawische Soldaten erfroren Belgrad. Eine 18 Mann starke Grenzschutz- Patrouille ist im jugoslowaisch-griechischen Grenzgebirge verunglückt. Während sieben Personen erfroren sind, haben die Ueberlebenden meist Erfrierungen einzelner Glieder aufzuweisen. Bon der jugoslawisch-griechischen Grenze sind in Belgrad Meldungen über die weiteren Opfer eingelangt, die der unerwartete Kälterin- bruch gefordert hat. Oberst KujundZiä, Leutnant Nilltoviä und der Soldat Azireviü unternahmen am 22. Oktober in Begleitung des Kapitäns Jliä und zweier weiterer Soldaten einen Jnspek« tionSgang durch unübersichtliches Gelände bei Djevdjelje. Auf dem Wege wurden sie von einein Schneesturm überrascht, der ihnen sowohl den Weitermarsch al» auch den Rückmarsch unmöglich machte. Sie muhten ein WachthauS aufsuchen. Am nächsten Tage wurden die inzwischen nach den Vermißten auSgeschickten Suchpatrouillen durch Schüsse, die ein Soldat aus dem Wachthause abgab, auf die richtige Spur gebracht. Oberst Kn« jundlö, Leutnant NikitoviL und zwei Soldaten wurden noch lebend aufgefunden und in das Krankenhaus nach Djevdjelje gebracht. Kapitän Jliä und der Soldat Aziroviä waren tot. 18 Todesopfer einer Plugkatastrophe Tidnrv, 25. Oktober. Wie da» Reuterbüro aus Melbourne berichtet, ist ein Personenflug« zeug, das von Adelaide aus den Dandenong« Berg überflog, 20 Meilen von Melbourne entfernt abgeftürzt. Dabei find 14 Passagiere und vier Mann Besatzung ums Leben gekommen. Unter den Getöteten befindet sich der frühere Handelsminister von Australien, Hawker. Sieben Leichen wurden neben den Trümmern des Flugzeuges gefunden, elf Leichen befanden sich in der Kabine vollkommen verkohlt. DaS Unglück ist auf dichten Nebel zurückzuführen. Hermine Hoffer gestorben. In Bohnitz ist, wie uns berichtet wird, Frau Hermine Hoffer aus Petschau gestorben. Die Verstorbene hat ein Alter von 57 Jahren erreicht und hat durch zwanzig Jahre in ihrem Wohnort in der sozialdemokratischen Partei gewirkt und verschiedene Funktionen gewissenhaft, treu und pflichteifrig belleidet. Alle, die sie kannten, werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am Freitag um v Uhr im Prager Krematorium statt. Simon Stark im Konzentrationslager. Wie die„Bohemia" berichtet, ist der seinerzeitige österreichische Abgeordnete, Gründer der Deutschen Freisozialen Partei und Bürgermeister von Falkenau, Simon Starck, nach Dachau gebracht worden. Die jüngere Generation wird seinen Namen kaum kennen. Starck war ursprünglich Sozialdemokrat, überwarf sich dann mit der Partei, gründete die sreisoziale Partei, welche die Sozialdemokratie auf da» schärfste bekämpfte. 1807 und 1811 wurde er zum Abgeordneten gewählt, da die bürgerlichen Parteien ihn gegen die Sozialdemokratie unterstützten, 1911 war sein Gegenkandidat der verstorbene Führer der Sudetendeutscken Bergarbeiter, Adolf Pohl. Nach dem Weltkrieg war er einige Zeit Bürgermeister von Falkenau. Redakteur Pfeiffer gestorben. In Rumburg ist Montag, den 24. Oktober, einer der bekanntesten sudetendeutschen Journalisten, der Herausgeber der«Runiburger Zeitung", Heinz Pfeiffer, gestorben. Pfeiffer hat sich zu einer Zeit, da die sudetendeutsche Presse vollkommen gleichgeschal- tet war, stets durch eine eigene Meinung ausgezeichnet und sich so die Feindschaft der Sudeten- deutschen Partei zugezogen. Die Aufregungen der mehr in Frieden wachsen lassen muh. Die kleinen werden in frühem Alter übermäßig bewundert; anstatt sie in Ruhe arbeiten und ihre Intelligenz sich normal entwickeln zu lassen, impst man ihnen eine falsche Eitelkeit auf eine angebliche Genialität ein. die sie an ernster Arbeit hindert. Vor jenen Begabungen, die mit allem fertig werden, die alles mit überraschender Leichtigkeit auffassen und behalten, sollte man eher Mißtrauen haben. Ein Kind, das nicht leickt kernt, aber fleißig und arbeitsam ist, flößt vernünftigen Eltern viel mehr Vertrauen ein. Neunmal von zehn wird gerade diese» Kind seinen Weg machen, während das andere unterwegs stecken bleibt, berauscht vom Erfolg oder geschwächt durch die für sein Alter zu große Anstrengung. Gewiß ist heute für die Wunderkinder besser gesorgt als kriiher. Sie haben, finanziert von geschickten Managern der Kunst und der Vergnügungen, Zeit genug, ein Vermögen zu sammeln, ehe man sie vergißt. Aber auf solche vagen Aussichten hin sollten die Eltern doch nicht irgend eine kleine Begabung übertreiben und auSzunnt- zen suchen. Biel wichtiger ist eS, sich um die Ge« sundheit. die anständige Gesinnung, die solide Bildung und gute Erziehung der jungen Menschen zu bemühen. Ein schlecht erzogener Mensch wird trotz mancher Fähigkeiten schwer vorwärtSkommen im Leben. Eine wirklich starke Begabung aber bricht sich immer Bahn, auch wenn ihr im Ent- wicklungsalter keine übertriebene Bedeutung bei- gelegt wird. DaS will natürlich andererseits nicht sagen, daß man eine offenbare Begabung unterdrücken soll. Nur der Mensch und sein innere» Werden ist, gerade im Jugendalter, wichtiger als die Ausbildung einer Spezialität. „Nein", sagt Nehudl Menuhin,„Wunderkinder sind nicht glücklich. Und man muß wünschen, daß eS jg wenig gebe tyie nur möglich." Lk'tc I Lozintdemokrnt Mittwoch, 20. Oktober 1938. Nr. 252 lebten Dine, insbesondere das Verbot seine» Blattes, welches von den deutschen Behörden ver» fiigt wurde, haben bei Pfeiffer einen Schlaganfall herbeigeführt, dem er erlegen ist. Vermehrung des Eisenbahnverkehr-. Die Staatsbahudiretlion in Prao teilt mit: Mit Gül* tigkeit vom 20. Oktober wird eine Vermehrung des Personenverkehr- auf der Strecke Peöky— Kvutim und Choccü—Litomy-l erfolgen; ab 27. Oktober erfolgt eine Vermehrung de- Verkehr- auf den Strecken Äralupy—Kladno, Kralupp— Podle-in—Slam) und Kraluph—Velvary. Dareifende Publikum wird aufmerksam gemacht, sich im eigenen Interesse über die Abfahrtszeiten der Züge auf diesen Strecken zu informieren. Gleichzeitig wird aufmerksam gemacht, daß vom 20. Oktober ab der von Dobkichoviee um 0.41 Uhr nach Smichov verkehrende Personenzug 2404 von Dobkichoviee nach Smichov durchfahren wird. Da- Mannequin al- Fackel. Mitten auf den großen Boulevard» hat ein Mannequin, da» im Schaufenster eine» großen Herrenklcidergeschäfte» stand, ein furchtbare» Schicksal erlitten: e» verbrannte bei lebendigen Leibe. E» kippte um, und verursachte einen Kurzschluß. Die Kleider fingen Feuer, da» Mannequin war bald eine weithin sichtbare Fackel. Dann schmolz e» einfach dahin— denn zum Glück handelte e» sich um eine Wachspuppe und die bald herbeieilende Feuerwehr fand die Angelegenheit nicht weiter tragisch und löschte den Braud. Wetterbericht. Unter dem Einflust eine» Ausläufer» de» über Rußland liegenden Druckhoch» hat die BetvöUung in unseren Gegenden gestern stellenweise abgenommen. In Mähren und in der Süd- westslotvakei stieg die Temperatur bei heiterem Himmel nachmittag» auf 10 bi- 11 Brad an, Größten- teil« behauptet stch jedoch stark bewölkte- und relativ kühle» Wetter. Mit Rücksicht auf eine stärkere Erwärmung in der Höhe, muh bei schwachem Wind mit verstärkter Nebelbildung in den Niederungen und Tälern gerechnet werden.— Wahrscheinliche» Wetter heute: Borwiegend bi» wechselnd bewölkt und stellenweise nebelig, im ganzen ein wenig wärmer, schwacher Wind, meist au» östlicher Richtung.— WetterauSsichten für vi o r g e n: Weiterer Temperaturanstieg. Drei Bergarbeiter getötet. In einer Grube dcS Bergwerks von Val Camoniea(Italien) ereignete sich eine Explosion, wobei drei Bergarbeiter umS Leben kamen. Unglück im Zoo. Im Freigelände deö Breslauer Zoos verbiß sich ein Malayenbär in die Hand einer Lehrerin, die mit ihrer Klasse den Zoo besichtigte und den Bären gefüttert hatte. Als die Angegriffene von Umstehenden zurückgezogen wurde, lieh sich der Bär mit über die Brüstung ziehen und griff dann die um das Gehege stehenden Personen an. Er packte eine Schülerin und zerbih ihr das Bein. Rur mit Mühe gelang es, die Zoobesucher vor dem rasenden Tier zu retten. Da alle Fangversuche mißglückten, mußte der Bär abgeschosien werden. Ganze Brücke in- Alteisen. In Deutschland wird jetzt Alteisen für staatliche Zwecke gesammelt. Da- Dorf Greben bei Münster hat für die Sammlung sogar die ganze Eisenbrücke über die Em- im Gewichte von 280 Tonnen zur Verfügung gestellt. Eine SA-Abteilung de- Ortes hat bereits in der vergangenen Woche mit der Abtragung der Brücke begonnen. Geflüchtete RevolutionSführer. Die in Abwesenheit vom Kriegsgericht zum Tode verurteilten Führer der Revolutionsbewegung in Kreta, die sich in die Berge geflüchtet hatten, sind jetzt von der Insel Kreta entwichen. Man vermutet, daß sie nach dem Dodekanes oder nach Aegypten entkommen sind. Geheime Alkoholerzeugung: IS Millionen Dollar Schaden. Bor dem Obersten Gerichtshof der Vereinjgten Staaten verantworten sich eben 44 Männer und eine Frau wegen der geheimen Erzeugung und des Schmuggels von alkoholischen Getränken, wodurch, den vorläufigen Schätzungen zufolge die Regierung um mindestens 18 Millio- nen Dollar geschädigt wurde. Die Bande arbeitete zwischen den Bereinigten Staaten und Kanada und erzeugte mehr als 180.000 Hektoliter Alkohol, der zum größten Teile unter der Hand in den Jahren von 1V81 bis 1237 verkauft wurde. USA-Tank fährt 180 Kilometer. Den Militärbehörden wurde ein neues Modell eines leichten Tanks mit einem Flugabwehrgeschütz vorgeführt. Dieser Tank besitzt eine Radioempfangs« und Sendestation, drei Maschinengewehre und ein Flugabwehrgeschütz, da- in der Minute 120 Schuß von 37 Millimeter Kaliber abschießen kann. Ferner vermag es auf einer Betonstraße die Stundengeschwindigkeit von 180 Kilometer und im unebenen Terrain eine Stundengeschwindig- leit von über 100 Kilometer zu entfalten. Die Auszahlung des Unterhaltsbeitrags Einige Blätter veröffentlichen Beschwerden aus den Reihen der Bevölkerung, daß manche Bezirksbehörden und manche Bezirksuntersu- chungSkommissionen bisher verschiedenen Reservisten noch nicht den gesetzlichen IlnterhaltSbeitrag auSgezahlt haben. Wir haben uns über diese ernste Angelegenheit an den kompetenten Stellen informiert und festgestellt, daß bereits der Ministerpräsident Armeegeneral Syrovh in der Regierung angeregt hatte) daß alle Amtshandlungen und Erledigungen von Gesuchen der Familien eingerückter Reservisten rasch und auf dem kürzest möglichen amtlichen Wege erfolgen. So wurden in Groß-Prag 20.000 Gesuche von Frauen und Familien eingerückter Reservisten um den Unterhaltsbeitrag eingebracht und bis zum heutigen Tage wurde bereits an 17.000 Gesuchs« steller der gesetzliche Unterhaltungsbeitrag überwiesen. Der Rest wird in einigen Tagen überwiesen werden. Die LandeSernährungSkommission führt auch in diesen Tagen eine Kontrolle in einigen Landes» bezirken durch, aus denen Beschwerden vorliegen, die Bezirksernährungskommissionen und Behörden möchten die Erledigung der eingebrachten Ansuchen rasch durchführen. Wir betonen allerdings, daß um den Unterhaltungsbeitrag jeder Gesuchsteller, sei es die Gattin oder die Familie des eingerückten Reservisten selbst ansuchen muß, weil die Behörden nicht wissen können, wer Anspruch auf den gesetzlichen Unterhaltsbeitrag hat oder nicht. Zollfreie Einfuhr sudetendeutscher Waren Prag, 28. Oktober. Die Regierung der Republik hat einen autonomen Beschluß gefaßt, demzufolge Waren sudetendeutschen Ursprung- bei der Einfuhr in die Tschechoslowakei zollfrei abgefertigt werden. Durch diese Maßnahme sollen Produktionsstörungen vermieden werden, die sowohl bei unS als auch im sudetendeutschen Gebiete eintreten würden, weil zahlreiche tschechoslowakische Betriebe und Unternehmungen einander gegenseitig Rohstoffe, Halbfabrikate und auch Produkte lieferten. Diese Maßnahme ist eine vorläufige. Der Zahlungsverkehr wird im Wege eine- besonderen Clearings erfolgen, das bereits zwischen den beiden Regierungen vereinbart wurde. Zum Zwecke der Evidenz der Einfuhr aus dem sudetendeutschen Gebiet, sowie auch der Ausfuhr, werden die erforderlichen administrativen Maßnahmen getroffen werden. Arbeltsklmpfe Im September Laut Mitteilung des Statistischen Staats« amtes gab es im September elf Streiks(tat August 23), in 83 Betrieben mit 1881 Arbeitnehmern. Insgesamt betrug der Verlust an Ar» beitizeit 13.940(21.274) Arbeitstage und der Lohnverlust 308.441(488.837) XL. Rach Gewerbellassen entfallen fünf Streiks auf die Baugewerbe(874 versäumte Arbeitstage), drei Streiks auf die Stein- und Erdenindustrie(4808), zwei Streiks auf den Bergbau (2000) und ein Streik auf die Holzindustrie (6200). Bei fünf Streiks wurde eine Lohnerhöhung verlangt(2001), bei drei Streiks waren sonstige Lohnforderungen(2887), bei zwei Streiks waren verschiedene andere Forderungen (8470) und eine Forderung ist bisher nicht bekannt(2240). Das Ergebnis war für die Arbeitnehmer in zwei Fällen ein voller Erfolg(801), in fünf Fällen ein Teilerfolg(2001) und in einem Fall ein Mißerfolg(2330) und in drei Fällen unbekannt (8410). Aussperrungen gab es im September nicht. Elbeverkehr wieder aufgenommen Hamburg» 25. Oktober.(DRB.) Die in der Elbe-Reederei-Vereinigung zusammengeschlossenen Schiffahrtsgesellschaften haben mit dem 25. Oktober 1238 den regelmäßigen Schiffsverkehr von und nach dem Sudetengau und der Tschechoslowakei wieder ausgenommen. Damit ist die Elbeschiffahrt in ihrem alten Umfange wieder voll in Betrieb. Dia Abriegelung gegen Fremde Pariö, 25. Oktober. Fünf Deputierte des Klubs der Republikanischen Föderation überreichten dem Präsidium der französischen Kammer einen Gesetzentwurf zum Schuhe des französischen Handels vor ausländischen Kaufleuten. Der Entwurf enthält folgende wichtigen Punkte: 1. In Frankreich darf in Hinkunft ohne vorherige Bewilligung durch das Ministerium für Handel und Industrie von einem Ausländer ein Handels«, gewerblicher oder Industriebetrieb nicht eröffnet 45 9ie mm iudfhut Roman von NoSlle Roger An« dem Fran>0«lechen tlbersetit von Irma Rippe! Sie fuhren auf dem Hange nach Susanfe ab und zeichneten lange Zickzacklinien in den Schnee. Ihre Skier wirbelten Schneewolken auf. Jean sah Elvinbjorg dahingleiten. Seine Gestalt wiegte sich je nach den Unebenheiten der Hänge, verlangsamte die Fahrt an flacheren Stellen, stürmte wieder dahin, und in diesem geräuschlosen Gleiten kam ihm selbst der Sinn der Schnelligkeit und der Zeit abhanden; er vermeinte weite Himmelsräume am Rande weißer runder Wollen zu durchfliegen. Er hätte endlos weiterfliegen wollen, immer in der leichten Spur dessen, der ihn mit so klarer Sicherheit führte. Als der Schnee zwischen den breiter gewordenen Schatten rötlich zu schimmern begann, dachte er „Schon I... ist es wirklich möglich, daß dieser Tag schon vorbei ist?" Der Geologe und der Schriftsteller spazierten, wie sie cs immer an sonnst n Nachmittagen taten, vorsichtigen Schrittes den Pfad entlang, den Max vom Schnee freigemacht hatte. Sie istützten sich auf Knotenstöcke, um nicht auSzu- gleiten. Sie freuten sich des kurzen Sonnenscheins, den die länglichen, kalten Schatten allzu- ibald verlöschten. Als sie an der Haupthütie vor- beikamen, hörten sie darin die Stimmen der Frauen, die mit dem Präparieren und Aneinandernähen der Felle beschäftigt waren. Dann drang zeitweise auch Lachen bis zu ihnen. Ignaz, Max und Paulchen übten sich im Skilauf. ««Die scheinen zu vergessen," „So bald..., sprach wie zu sich selbst Gri« solleS." „Ja, so ist es, mein Freund," seufzte FrangoiS von Miramar,„die müssen wohl von vorne anfangen." Sie gingen einer hinter dem anderen, zwischen den sich schon färbenden Schneemauern. Manchmal hielt Georges GrisolleS, der voranging inne und wandte sich um und sie wechselten melancholische Worte, denn plötzlich fühlten sie sich ganz vereinsamt, sie, für die eS so schmerzlich war, sich von der Vergangenheit l«S- zureißen. »Lebten wir nicht wie im Schoße einer geheimnisvollen Welt, die nach und nach ihre Schleier lüftete? Man sagte: in zwanzig Jahren, in fünfzig Jahren, werden wir uns vielleicht mit den anderen Planeten verständigen können..., wird es keine unheilbare Krankheit mehr geben..., wird man das Leben zu verlängern verstehen..., dieses oder jenes Problem gelöst zu haben... Hier giütS keine Geheimnisse mehr, hier unter Eis und Fels." „Ja, gab der Gelehrte zurück, man war auf einem Punkte angelangt, von dem aus die Erfindungen sich aneinanderketten und immer zahlreicher werden mußten... Aber, dann ist's, als ob eine neidische Macht den menschlichen Geist zum Stillstand zwingt: bis hieher und nicht weiter.. Da glitt der Schriftsteller auf einer vereisten Stelle aus. Sein Freund fing ihn noch rechtzeitig auf. „Achtung nur keinen Beinbruch I" Sie kamen ans Ende des gebahnten Wege! und standen vor den unberührten Schneemassen, auf welchen die allerletzten Reflexe des Lichtes nach und nach verloschen. „Haben Sie bemerkt, wie schwer eS uns jetzt fällt, den Ausdruck kür das Abstrakte zu finden?", fragte GrisolleS.„Plötzlich fehlen einem die Worte..., auch das wird uns ab« Händen kommen." „Unser letzter Luxus.. seufzte Herr von Miramar. „Achi", rief nach einem längeren Schweigen der Schriftsteller,„mein süßes, kleines Enkelkind trat manchmal zu mir in meine Schreibstube... und ich schickte'< 1 Kind wieder zu seinen Spielen zurück... Und um dieses eitlen Geschreibsels willen habe ich mir seine Küsse entgehen lassen, habe ich auf seine süße Umarmung verzichtet. Das ist ei» Schmerz, für den eS keinen Trost gibtl „Ja..., ja..., murmelte FrangoiS von Miramar, der an sein jüngstes Töchterchen dachte, daS an jenem furchtbaren Tag in den Abgrund gestürzt war. Dann schwiegen sie wieder. Der schneidende Abendwind fiel sie an. Ganz langsamen Schrittes gingen sie den Weg nach ihren Lütten zurück, ständig bedacht, im harten Schnee nicht auszugleiten. Und manchmal hoben sie den Blick zu den flammenden Firnen, welche die bläuliche Schale des SusanfetaleS umringen. Mit veränderter Stimme sagte der Schriftsteller: «Seitdem ich nicht mehr nach seltenen, psychologischen Fällen suche, nach außergewöhnlichen GefüblSanalnsen, um die Nerven der Les-r auszuveitschen, erscheinen mir die Menschen ganz anders in der Vselfältigkeit ihres Seins; jetzt interessieren sie mich nicht um des zu schreibenden Buches, sondern um ihrer selbst willen. Ich beobachte sie mit wohlwollendem Interesse und ich staune über das Gefühl der Liebe, das ich dabei emvfinde: Ich sehe Hubert, in dem Berbitteruna wüblt. Mar und Eva, den Hirten, dieses zarkempfindende Naturlind; Jnnocente mit ibr-r rauben Mütterlichkeit, diesen eigenartigen La» vorel. der nur kür die anderen lebt, diesen rätselvollen Elvinbjorg, der so wenig von sich preiSI werden. Die Bewilligung kann erst nach einem Gutachten der zuständigen Handels« oder Gewerbekammer und nach Anhörung der zuständigen Abteilung de» Nationalen WirtschastSrateS erteilt werden. Diese Bewilligung wird sofort außer Kraft gesetzt, wenn der Unternehmer verurteilt wird oder falliert, 2. Durch besondere Dekrete wird in den einzelnen Fachgebieten entweder für ganz Frankreich oder für bestimmte Bezirke erneut die Anzahl der ausländischen Kaufleute festgesetzt. 8. Für den Minister für Handel und Industrie werden jene Fälle maßgebend sein, in denen die oder jene Handels- oder Gewerbckammer und der Nationale Wirtschaftsrat eine derartige Festsetzung wünschen. Im Falle die Zahl der bereits ansässigen ausländischen Kaufleute die auf diese Weise festgesetzte, bewilligte Anzahl überschreiten würde, werden deren Betriebe, beginnend mit den jüng, ten Unternehmungen bis zur Erreichung de» Kontingents allmählich geschlossen werden. Hager Zeitun- Die AuSflugSzüg« der TtaatSiahnen veranstalten vom 28. bis 80. Oktober eine Exkursion nach dem Böhmisch-mährischen Höhenzug und dem Mährischen Sibirien für 205 KL, einschließlich Unterbringung und Berpsiegung, am 80. Oktober einen eintägigen Ausflug nach Sobotka und der Burg Kost für 88 KL, einschließlich Mittagessen, Nacht« mahl und Entree auf der Burg. Anmeldungen und Informationen im Referat der AuSflugSzüge im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 88888, MitteittUUML--Urania» Volkshochschule. ErnShrungS-Hhgiene» Ausstellung, Dr. Gerhard Färber, mit Vortragen und Führung am Donnerstag, den 27. d. M, täglich 4 bis 0 Uhr.— Damenkleider« Zuschneiden: Dienstag, den 1. November, 8 Uhr abends.— Einführ ungindie Kosmetik:(Dr. Ellh Popper) Donnerstag, den 8. November, 7 Uhr abends Einführungsvortrag. Urania-Kino Der sensationelle SpannungSfilm«Dämon de» Himalaja" mit Dießl, JarmilaMarton. Prof. Dyh- renfurthl Geheimausnahmen au» Tibetl"»Martha" mit Wittrischl 0,%0. Freitag: Alleinpremiere de» Lach-Operei- tenfilm»„Line von allen" mit Friedl, Czepa. Hal- map, Dumcke, Schott-Schöbinger, Feileri Regie: Karl Heinz Martini Musik BeneSl Dazu.Nordseeküste"k SamStag, 4 Uhr: Volkstümliche Vorstellung zum Einheitspreise von 2 KL. Da» gesamte Programm! 22 jähr, junger Mann Matura; Maschtaschreiber u. Stenotypist, Kammer?. Kenntnisse u. Sprachen, bittet dringend um Betätlgungsmögl. jeder Art Chiffre„Auch Nachhilfe u. au palr“ an die Verw, d. Bl. B«»uqSb»dinguna»n:Bei KulUlluna Ui» Hau» oder del Bema durL die Dali monaiUid Ni 17.—. vierielläbrig Xi»I.—, balbiigrla Kl 102.—, qan»Iibr>» Kl 20».—.— Inserate werden laut Laris bininli terechnet. — Mckgellunq von ManuNrlvten«rsolat nur bei Linien, duna der Retourmarken.— Di« lleitunqilrankaiur wurde von der Bott- und Lekeqravliendlrektlon mit LclaK Sir. 13.800/VII/1030 bewiMat. tltontrollvoltaml Broda 2»).— Druckerei„OrbiS", Druck-, Verlaa»- u. Ueitunn»-A. B., Draa albt und ohne den wir heute nicht mehr leben könnten.. GrisolleS wandte stch um und stand seinem Freunde gegenüber: „Ich beklagte mich über diese nüchternen Felsen. Ich hatte unrecht. Nichts ist nüchtern, überall ist geheimnisvolle Poesie. Wo immer ein Mensch atmet, entsteht ein zarte- Geheimnis." Mit geneigtem Kopfe, unempfindlich gegen die Kälte stand der Geologe da. „Elvinbjorg hilft uns leben, weil in ihm die Hoffnung lebt," sagte er endlich. „Mehr als die Hoffnung lebt in ibm: er ist, als bätte er eine Gewißheit. Daß er diele Gewißheit sich gewahrt hat, da» ist das Wunder," murmelte Grisolle«. Er ließ den Blick über die vereiste Schnea« fläche gleiten, unter welcher die Felsen verschwunden waren. «Ach. wie ärmlich erscheint mir heute metae sogenannte Wissenschaft des MenschenberzenS, die man in meinen Romanen rühmte. Ich alaube beute, daß eine neue Ordnung sich offenbart... Ich beginne Liefen zu erschauen, die ich niemals geahnt bätte.. Sie setzten ihren Weg schweigend fort. Unter ihren Schritten knirschte der Schnee Allein weder den neurathenischen Engländer. noch die Wahnsinnige vermochte Lavorel»n heilen. Wenn Frau von Miramar ihren leeren Blick auf ibn heftete und hie und da ein Schein de- Bewußtseins über ihre Züge huschte, rief ihr Mann: „Wenn Sie sie uns doch wiedergeben könnten>" Dann, aber besann er sich: „Wozul Sie heilen, daS hieße sie dem Leid zuführen..." „Bleibt ihr denn nicht genug, woraus sich Glück schöpfen läßt?" fragte Jean, .(Fortsetzung folgt.),