Sozialdemokrat tzentralorgan der Deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Grscheiut mit Ausnahme de» Manta,»glich früh F Ginzelpr-i» 7V Heller Redaktionu.Verwaltung: PragXII.,Fochova«2- Telephon 5S077- Herausgeber: Siegfried Taub- Duantworüicher Redakteur:«art Kern, Prag 18. Zahrqang Sonntag, 3V. Oktober 1S38 Aus dem Inhalt: Der Eisenbahnminister über aktuelle Verkehrsfragen 15 Todesopfer des Marseiller Brandes Nr. 256 „Böswillige Beschuldisunsen“ Scharfe Sprache dfr Gewerkschaften gegen Daladier Abgeordneter Brödy verhaftet Der abgehetzte Ministerpräsident von KarpathoruBland Prag. 29. Oktober.(Amtlich.) Der ständige Ausschuß der Nationalversammlung hat in seiner letzten Sitzung seine Zustimmung zur Strafverfolgung deS Abgeordneten Andrei Stil b V wegen schwerer Delikte gegen die Sicherheit deS Staates erteilt. Infolgedessen ist Abgeordneter Brödy verhaftet und In die Haft de» KreiSstrafgerlchteS in Prag ringeliefert worden. Unterhaus Uber FlUchtlinssprobleme London. Der parlamentarische Korrespondent der„Time»" berichtet, daß daS Unterhaus auf Initiative drrLavourparteiin der kommenden Woche daS Werk der Internationalen Kommission in Berlin, die mit der Grenzfestsetzung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei betraut ist, sowie dir Lage brr Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei eingehend erSrtem wird. Venn In Afrika ein Krieg ausbricht... 1 Bedeutsame Trinksprüche In Lissabon Lissabon, 2V. Oktober.(HavaS.) Auf dem Bankett» daS zu Ehren deS in Lissabon weilenden KrirgSminister der Südafrikanischen Union, P i r o w, veranstaltet wurde,«rklSrt« dieser auf den Trinkspruch de» portugiesischen Mniflerprä» sidrnten Salazar: „Ich erlaube mir die Hoffnung auSzuspre- chen, daß, wenn elneS Tages in Afrika ein Krieg zum AuSlruch kommt, die portugiesisch» Armee Seit« an Seite mit der Armee der Südafrikanischen Union stehen wird." Minister Pirko wird wahrscheinlich auch mit General Franco und den übrigen Repräsentanten der spanischen Nationalregierung zusammentreffen, um mit ihnen, tvie verlautet, die Bedingungen einer modernen Kriegführung und namentlich die Erfahrungen bei Luftangriffen gründlich zu studieren. Arbitrage über die magyarischen Gebiete durch Deutschland und Italien Prag.(Tsch. P.-B.) Der ungarische Gesandte in Prag Graf W e t t st« i n de Westerheim stattete SamStag nachmittag Außenminister Dr. llhvalkovskh einen Besuch ab und übergab ihm die Antwort der ungarische» Regierung auf die Note der tschechoslowakischen Regierung. Die ungarische Regierung teilt in dieser Antwort mit, daß sie sich an die Großmächte gewendet Hot, damit diese die Arbitrage in der Angelegenheit der territorialen Acnderungrn zwischen Ungarn, der Slowakei und Karpathorußland übernehmen. Die tschechoslowakische Regierung hat ihrerseits die beiden Großmächte Deutschland und Italien ersucht, in dieser Sache die Arbitrage z« übernehmen. 1 Rom, 29. Oltober. Heute von 18 Uhr bihalb 17 Uhr fand die letzte Unterredung des ReichSaußenminister Ribbentrop mit dem italienischen Außenminister Grafen T k a n o statt. Nach 17 Uhr empfing Außenminister Graf Ciano den tschechoslowakischen Geschäftsträger Dr. Vladimir Brauner. Um 19 Uhr verläßt Ribbentrop Rom mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug, um zur Berichterstattung nach München und Berlin zurückzukchren. Ribbentrop erklärte den deutschen Pressevertretern in Rom, daß die Aussprachen mit Mussolini und Eiano, in denen alle gegenwärtigen aktuellen Probleme dec europäischen Politik besprochen worden seien, im herzlichsten Enwerneh« men jtattgefunden hätten.> Pari», 29. Oktober.(Tsch. P.-B.) Da» Präsidium de» Allgemeinen ArbeitSvertande» erklärt zu der donnerstägigen Rede de» Ministerpräsidenten Daladier, daß die in der Rede deö Ministerpräsidenten enthaltenen Drohungen nicht der Arbeiterklasse, sondern vor allem denen gelten, welche die ihnen zum Ausbau dr» französischen Flugwesen» zur Brrfügung gestellten Milliarden nicht für die Landesverteidigung zu verwenden vermochten. Da» Präsidium de» allgemeinen ArleitSver- Marseille. Die außenpolitisch, Debatte auf dem Kongreß der radikalsozialistischen Partei war am Freitag Nachmittag durch den großen Brand im Warenhaus Nouvrllr» Gottrie» plötzlich unterbrochen worden. Außenminister Bonnet hielt daher erst-m SamStag feine große Rede, die im AuSzug schon am Freitag auSgrge» ien und in der Presse veröffentlicht worden war. Bonnet gab eine eingehende Darstellung der letzten europäischen Krise bis zum Münchener Abkommen. Er erklärte u. a., dar Schicksal der Tschechoslowakei sei von der Widerstandsfähigkeit Frankreichs abgehangen, da» an und für sich durch die große Entfernung in feinen AktionSmöglichkeiten stark beengt gewesen sei. Eine wirksame Unterstützung hätte Frankreich nur mit englischer'Hilf« leisten können. Schließlich sei Frankreich nicht» anderes übrig geblieben, al» sich den Schlichtunglvor» schlagen Lord Runciman» zu beugen. Frankreich, da» den Grundsatz de» SelbftbestimmungSrechte» in seiner Geschichte so oft verteidigt hatte, konnte dessen Anwendung nicht verweigern, wenn ein Schlichter, den da» Land angenommen hatte, die freie Ausübung de» Selbstbestimmung-rechte» empfahl... Wir haben uns für territoriale Konzessionen entschieden. Wir wollten aber auch, daß die Tschechoslowakei für das schmerzliche Opfer, in wel, che- sie einwilligen sollte, eine Garantie Englands für ihre neuen Grenze n erhalte. Nicht ohne Schwierigkeiten haben wir dies von England erreicht. ES bedurfte langer und schwieriger Beratungen der britischen Minister, die sich von den Beratungen entfernten und untereinander darüber diskutierten, ob sie auch Großbritannien in dieser Hinsicht verpflichten könnten oder nicht. Der französisch-englische Plan wurde von der Prager Regierung angenommen. Für dir Tschechoslowakei selbst war eS klar, daß dieser Plan das einzige Mittel bedeutete, um zu verhindern, daß Deutschland zur Gewalt greife. Nicht weniger klar war cS, daß eine Ablehnung dieses Planes England dazu gebracht hätte, das Interesse an der tschechoslowakischen Frage zu verlieren. Bonnet schloß den historischen Teil seine» ExposöS mit der Feststellung, daß durch daS Münchener Abkommen der Friede gerettet wurde. Der Außenminister wandte sich sodann der künftigen Politik deS Landes zu und sagte u. a.: Der Grundstein der Friedenspolitik ist zunächst die französisch-englisch» Entente, die Freundschaft Frankreichs und Wie oon unterrichteter Seit« verlautet, gehört zu diese» aktuelle» Problem«, der europäische» Politik auch daS von Ungarn und der Tschechoslowakei an Berlin und Rom gerichtet« Angebot, die SchiedSrichterrolle in der zwischen Budapest und Prag schwebenden Streitfrage zu übernehmen. Eine negativ« Stellungnahme zu diesem bereit» seit Tagen tu der Oeffentltchkeit ventilierten Angebot wird in unterrichtete» Kreise» ausgeschlossen, vorausgesetzt, daß beide Par- teien sich im Vorau» zur Annahme de» deutschitalienische» Schiedssprüche» verpflichten. Di« Verhandlung«, dürsten sofort auf diplomatischem Wege weitergeführt werden, um dem von Buda pest wie von Prag geäußerte» dringlichen Wunsch einer rasche» Lösung entsprech»» zu können. iandcö kann aber die verschiedene» böswilligen Beschuldigungen in der Rede de» Ministerpräsidenten gegen die Arbeiterklasse nicht ohne Protest lassen. ES geschieht zum erste» Male in der Geschichte der dritten Republik, heißt e» in der Rote, daß ein Ministerpräsident solche Worte gegen die organisierten Arbeiter vorbringt. DaS Präsidium lehnt derartige Pauschalverdäch- tigungrn der demokratischen Arbeiter ab und sagt, daß solche Methoden nurineinemfaschi- stischenRrgime zulässig sind. Englands. Wir müssen diese Freundschaft in Zukunft weiter entwickeln und festigen. Aber jen« eit» dieser traditionellen Freundschaft mit England ist daS Problem unserer Beziehungen zu den andern Ländern gestellt. ES ist nicht möglich, daß die Böller Europas weiter im gegenwärtigen Zustand der Unsicherheit leben. Wir wünschen zwischen Deutschland undFr ank- reich da» Entstehen einer aufrichtigen Zusammenarbeit und wir wünschen, daß für beide Völker die Furcht vor einem Konflikt auSgeschaltet werde. Zwischen Frankreich und Italien werden soeben normale Beziehungen«.»geknüpft. Wir freuen uns darüber. Wir wünschen weiter, daß die europäische Entspannung sich auch auf Spanien aurdchnen möge. Wir sind überzeugt, daß eine Regelung de» Konfliktes, der da» Nachbarvolk zerreißt, an dem Tag möglich sein wird, wo alle ausländischen. Freiwilligen zurück« gesendet sind und die Spanier allein einander gegenüber stehen. Dann wird in wirksamer Weise eine Schlichtung unternommen und der Friede wiederhergestellt werden können. Die» sind die großen Linien des Planes, auf dem sich unsere Diplomatie aufbauen muß. In einer solchen Konzeption ist nichts enthalten, was mit der Verbundenheit Frankreichs zu allen seinen Sondersreundschaften unvereinbar wär«, mit der Sowsetunion insbesondere, ebenso wie mit Polen, Rumänien, Jugoslawien und mit Belgien. Vertrauensvontum für Daladier Marseille, 29. Oltober. Der radikale Kongreß hat heute abend» um 18 Uhr seine viertägige Tagung abgeschlossen und mit allen gegen zehn Stimmen die Schlußresolution angenommen, in welcher e» heißt: Rach den tragischen Ereignisse», welch« daS Land durchlebt hat, bringt der Kongreß dem Ministerpräsideuten und der Regierung sein volle» Vertrauen und seine Ergebenheit zum Ausdruck. Er billigt voll ihre Außenpolitik eine« Frieden» in Würde und ihre Innenpolitik in republikanischer Ordnung. Er billigt voll ihr mutige» Streben nach Erneuerung der Arbeit »nd der Achtung vor ihr. Er bedauert, daß diese» für da» Heil der Ration unerläßliche Werk de» Frieden» und der Arbeit durch den Standpunkt der Kommunisten, durch unbesonnene Gesten sogenannter Nationaler und durch gewalttätige Angriffe offener Gegner der Republik bedroht»der erschwert wurde. Er konstatiert, daß die kommunistische Partei durch ihre Agitationen im Land« und durch die Schwierigkeiten, welche sie allen Regierungen feit dem Jahr, 193« bereitete, sowie durch ihre aggressive Opposition und durch die Schmähkampagne in den letzten Monaten die Solidarität, welche sie mit den übrigen Parteien der Bolls» gemeinfihaft verband, gebrachen hat. Der Komteß beauftragt seine Delegierten in der Sitzung per' BolkSgemrinkchast diese Trennung bekannt zu geben. Der Kongreß empfiehlt ferner, fein» bisherige Mehrheits.Wahlsystem zu ändern und durch da» System der verhältnismäßigen Vertretung zu ersetzen. Der Kongreß erwartet, daß die Regierung verschiedene Maßnahmen zur Besserung der wirtschaftlichen und finanzielle» Lage de» Lande» in demokratische» Geiste durchführe» wirb. Rückzug hinter die Maginot-Linie Der gegenwärtig in Marseille ftattfindciidr Parteitag der Radikalsozialistischen Partei Franl- eichs, dessen Ablauf durch eine» Ricsenbrand gekört wurde, hat Aufmerksamkeit nicht nur innerhalb der Partei und de» Landes, sondern weit über Frankreich hinaus erweckt, weil die dort gehaltenen Referate ebenso die Politik der Radikal« sozialistischen Partei wie diejenige Frankreich» icstimmen. Gehört doch der französische Mini- kcrpräsidcnt der Partei ebenso an wie die wich« iigsten Ressortminister und die Tatsache, daß die Radikalsozialisten nur eine Minderheit in der ranzösischen Kammer sind, beeinträchtigt die Be-, deutung der Verhandlungen de» Parteitage» von, Marseille nur wenig, weil e» der Regierung Daladier bisher— vor allem nach den Münchener Vereinbarungen— gelungen ist, sich für ihre Politik die Mehrheit der Kammer zu sichern« Die Referenten auf dem Parteitag haben sich sowohl mit der inneren, wie auch mit der auswärtigen Politik Frankreichs beschäftig:. Den Schlüssel zur französischen Innenpolitik liefert augenblicklich die Lage der französischen Staatsfinanzen. In dieser Hinsicht war, wa» der französische Ministerpräsident Daladier in seiner Marseiller Rede vorgebracht hat» ebenso aufklärend, wie es für alle Freunde Frankreich» erschreckend war.- Wie der Ministerpräsident sagte, betragen die StaatSauSgaben de» Landes ür das nächste Rechnungsjahr 102 Milliarden Francs, welchen Ausgaben Einnahmen von nur üü Milliarden gegenüberstehen, so daß sich ein Fehlbetrag von öS Milliarden ergibt. Wa»«ine Ausgabenziffer von 102 Milliarden bedeutet, geht erst daraus hervor, daß das gesamte Bollseinkommen Frankreichs 220 Milliarden beträgt» so daß die Ausgaben eines Jahres fast die Hälfte de» gesamte» Nationaleinkommens beanspruchen. Da» ist sicher auf die Dauer ein unmöglicher Zu- tand und e» bleiben nur zwei Wege offen: entweder werden die Ausgaben kleiner oder da» Nationaleinkommen wird größer, das heißt, entweder schränkt Frankreich radikal seine Ausgaben ein und reorganisiert seine Verwaltung oder-S muß mit allen Kräften bestrebt sein, die Ergiebigkeit seiner Wirtschaft zu fördern. Das erfordert schon die Rücksichtnahme auf die Währung— bei der bekannten Sparsamkeit des Durchschnitts- ftanzosen ist die WährungSsrage von großer Bedeutung, eine Erschütterung der Währung würde eine Gefährdung der Lage der französischen Sparer bedeuten, wa» von unabsehbaren politischen Folgen begleitet sein könnte. Die großen Ausgaben nun, Ivelche Frankreich aus dem Gebiete der Staatsfinanzen und seiner Wirtschaft gestellt sind, werden in ihrer Durchführung auch sonst von sozialen Folgewirkungen begleitet sein. Die Negierung Blum hatte insbesondere in ihrer ersten Amtsperiode ein großes Gebäude sozialer Reformen aufgebaut und das nachgeholt, was bürgerliche französische Regierungen durch Jahrzehnte versäumt haben. Die Herstellung des Gleichgewichte» im französischen Staatshaushalt Ivird naturgemäß die bürgerlich orientierte Negierung Daladier und die französischen Rechtsparteien dazu verleiten, den Gesundungsprozeß in einem Abbau der Sozialpolitik zu suchen, das heißt in einer Beseitigung sozialer Reforme.,, einer Verlängerung der Arbeitszeit und einer Herabsetzung der Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung. Da» kann soziale Kämpfe zur Folge haben, welche nicht ohne innerpolitische Auswirkungen bleiben können. Die französische Sozialdemokratie würde, wenn die Regierung Daladier die sozialen Reformen des Jahres 198« abzubauen versuchen sollte, diesem Bestreben entgegcntreten, was einen j Bruch mit der Radikalsozialistischen Partei und da» definitive Ende der Volksfront bedeuten würde. Das Bündnis zwischen Radikalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten, welche» zu dem großen Erfolg bei den letzten Wahlen geführt hat, ist ja ohnehin schon durch den Trennungsstrich, welcher auf dem Marseiller Kongreß zwischen den Radikalsozialisten und den Kommunisten gezogen wurde, ins Wanken geraten. Was dieauSwärtigePolitik Frankreichs betrifft, so wird man e» verstehen, daß der Ministerpräsident ebenso wie der Außenminister den Vertrag von München verteidigt haben. Diese Rechtjertiggng tzex jravzöjischen Außenpolitik in Der deutsch-italienische Schiedsspruch Ribbentrops Verhandlungen in Rom beendet Bonnets Rechtfertigung Berufung auf Runcimans Schiedsspruch Sonntag, 30. Cffoßer 1033 9tr. 250 ihrer jüngste» Phase wird jedoch nicht im gering» ne» die Folgen beseitigen, die sich trotz der Ver- sickierung DaladierS, daß Frankreich bei der Ent» scheidnng in München völlig gleichberechtigt war, ergeben werden. Frankreich ist heute in Mittel» europa eine andere Stellung, als sie da» Land in den ersten anderthalb Jahrzehnten nach dem Versailler Frieden gehabt hat. Man braucht sich nur an den Einfluh Frankreichs, den es noch vor einigen Jahren in Oesterreich, in der Tschecho« slowakei, in Polen, in Jugoslawien, in Rumänien und ans dem ganzen Balkan gehabt bat, zu erin» nern. Die Machtverschiebungen, die sich da voll» zogen haben, sind Wohl auch den Teilnehmern de» Marseiller Kongresses, ohne dah es ihnen von Daladier und Bonnet gesagt wurde, zum Be- lvuhtsein gekommen. Die französische Politik hat sich von Ost» und Mitteleuropa nunmehr nach Westeuropa und nach Afrika verschoben, wo Frankreich ein bedeutendes Kolonialgebiet hat— eine Verschiebung, mit der man für die nächst« Phase der europäischen Politik rechnen muh. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dah der französische Auhenminister in seiner Rede ausdrücklich gesagt hat, dah Frankreich auf die mit dem Sowjetverband abgeschlossenen Verträge nicht verzichtet. Formal mag da» französischrussische Bündnis ja wohl noch ebenso bestehen wie I im Jahre 1035, al» es geschlossen wurde, aber ob sein Effekt für die europäische Politik heute »och derselbe ist wie vor drei Jahren, kann doch wohl bezweifelt werden. Auch da» Bestehen dieses Bündnisses ändert wenig an der Tatsache, bah Frankreich den Rückzug hinter die Maginotlinie angetreten hat, bah e» für die nächste Feit keine andere Absicht hat, als die, sein wirtschaftliches und innerpolitisches Leben, geschützt durch seine Befestigungen im Osten, in Ordnung zu bringen. Es wird auch bereit» in der europäischen Presse die Frage nach ber Zukunft de» französischenglischen Bündnisses aufgeworfen. Wohl hat sich hier noch weniger geändert al» an dem Bündnis Frankreichs mit ber Sowjetunion. Ob aber nicht auch der Inhalt der englisch-französischen Allianz in der kommenden Gestaltung der europäische» Politik ein anderer sein wird, da» steht noch dahin. England braucht Frankreich, aber eS braucht ein starkes Frankreich. Und ob Frankreich stark genug ist, der englischen Politik jene Stütze zu bieten, die dessen Politik in allen Erdteilen braucht, dawird die Zukunft lehren. So kommt man zu dem Ergebnis, dah trotz der Berücksichtigung besten, was man für den festen Punkt und ruhenden Pol der europäischen Politik hält, nämlich da» Zusammengehen der beiden Westmächte, doch in der europäischen Politik alles in Bewegung ist. Hinterlassene Wohnungseinrichtungen im besetzten Gebiet Die deutsche Gesandtschaft hat dem tschechoslowakischen Außenministerium mitgeteilt, daß die reich-deutschen Polizeiämter mit dem Oberkommando der Wehrmacht dafür Sorge tragen werden, daß die beweglichen Gegenstünde, die von tschechoslowakischen Staatsbürgern im besetzten Gebiet-urüchgelassen wurden, sichergestellt werden. Die Sicherstellung ist allerding- nur in dem Zustande mSg- llch, in welchem die Gegenstände an Ort und Stelle bei der Aebernahme durch die deutschen Behörden vorgefunden wurden. Weiter- hat die deutsche Gesandtschaft mitgeteilt, daß in der nächsten Zelt ein Abtransport dieser Gegenstände Einzelpersonen noch nicht ermöglicht werden Kan«. Ein gemeinsamer Abtransport der Wohnungseinrichtungen und Bedarfsgegenstände au- dem besetzten Gebiet wird gegenwärtig durchberaten und die Oeffent- lichkeit wird sofort informiert werden, sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind. Sensation In Tokio Plötzlicher Wechsel Im Außenministerium Tokio, 29. Oktober. Auf Vorschlag deS Ministerpräsidenten Kanone wurde der frühere Außenminister Hachiro Arita zum Außenminister und H a t t a, früherer Vizepräsident der südmandschurischen Eisenbahn,»um Kolonialminister ernannt. Zu der Aenderung im Außenministerium wird erklärt, daß diese vollkommen unerwartet kam und in politischen Kreisen große Sensation verursacht hat. China denkt nicht an FrledenschluB Washington, 29. Oktober.(HavaS) Der neue chinesische Botschafter Huhisch übergab gestern dem Präsidenten Roosevelt seine Beglaubigungsschreiben. Rach der Audienz erklärte er zu Pressevertretern: Alle Gerüchte über Friedensverhandlungen zwischen China und Japan sind leicht zu widerlegen, da gegenwärtig ein gerech» ter Friede nicht zu erreichen ist. Ich habe gute Gründe, um überzeugt zu sein, dah die chinesische Regierung und daS chinesische Volk den Vertei- digungSkrieg bis zu jenem Zeitpunkt fortsehen werden, wo eS sicher sein wird, dah sie einen g e» rechten und ehrenvollen Frie» den erlangen. Am Schluffe sagte der neue Botschafter, daß ühina nicht zu sehr auf die Hilfe der Sowjetunion baue, da diese voll von Sorgen um die innere Politik ist. Ola Judenausweisunsen aus Deutschland Berlin, 29. Oktober. Die Verhandlungen zwischen Polen und Deutschland in Angelegenheit der Ausweisung der Polen aus Deutschland schreiten fort. Bisher konnte keinEinverneh- m e n erziet werden. Die Ausweisungen der polnischen Juden aus Deutschland gehen weiter. Heute nachmittag überschritten die polnische Grenze bei Radzionki in Oberschlesien 2500 jüdische polnische Staatsangehörige, die aus Wien und Lundenburg ausgewiesen wurden. Un» 1er ihnen befinden sich auch Frauen und Kinder. I» den Grenzstationen sind Mitglieder der jüdischen Hilfsorganisationen eingetroffen, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Vorläufig eingestellt Berlin.(JNB) In der Frage der Behandlung der in Deutschland lebenden polnischen Staatsangehörigen ist SamStag nachmittag zwischen der deutschen und der polnischen Regierung ein Einvernehmen dahin erzielt worden, dah zu Beginn der nächsten Woche Verhandlungen darüber in Warschau stattfinden. Jnfolgedeffen sind die beiderseitigen Mahnahmen der Ausweisungen von Polen au» Deutschland und von Deutschen au» Polen e i n g e st e ll t worden. Flach 18 Jahren Kriegszustand in Litauen auf gehoben Kowno, 29. Oktober. Wie amtlich gemeldet wird, hat die litauische Regierung den Kriegszustand vom 1, November ab aufgehoben. Damit wird, wie das Deutsche Nachrichtenbüro meldet, eine der dringendsten Forderungen deS Memelgebiete» erfüllt. Der Kriegszustand bestand in Litauen seit dem Jahre 1929 und im Memelgebiet seit 1920. „Mein Kampf“ erlaubt Und neun reichsdeutsche Zeitungen Prag, 29. Oktober. Die morgige Ausgabe deS„Amtsblattes" veröffentlicht folgende Kundmachung: DaS Ministerium de» Innern in Prag hat im Einvernehmen mit dem Ministerium deS Aeuheren das Verbot der Beförderung und Ver» breitung folgender ausländischer periodischer Zeitschriften widerrufen: 1.»Der Angriff", Berlin. 2.„Berliner Bor» senzeitung", Berlin. 3.„Berliner Tageblatt und Handelszeitung", Berlin. 4.„Frankfurter Zeitung", Frankfurt. 5.„Münchener Neueste Nachrichten", München, 6.„Nationalzeitung", Effen. 7.„Neue Freie Preffe", Wien. 8.„Neues Wiener Journal", Wien. 9.„Völkischer Beobachter", Erscheinungsorte: München, Berlin, Wien. Unter einem widerruft da» Ministerium de» Innern das Verbot der Beförderung und Ver» breitung der reichsdeutschen nichtperiodischen Druckschrift„Mein Kamps", Hlinka-Garde— einzige Wehrorganisation der Slowakei Das Amtsblatt der slowakischen Regierung vom 29. Oktober veröffentlicht eine Verordnung, durch welche alle halbmilitärischen Webrorganisa» tionen mit Ausnahme der Hlinka-Garden, die als einzige Wehrorganisation auf dem Gebiet der Slowakei zugelaffen wird, aufgelöst werden. Un» ter den aufgelösten Organisationen befindet sich die Nationalgarde, der Verband der SicherheitS» wache, die natwnale Schützenvereinigung, die bewaffneten Formationen de» Sokol, der Arbeiterturnvereine, des Orel, der Bauernresterei, der Donauwache und andere ähnliche Organisationen. Die aufgelösten Organisationen bezw. ihre Mitglieder haben ihre Waffen unverzüglich den lokalen Militärkommando» bzw. den Sicherheitsbehörden abzuliefern. Einzige Wehrorganisation in der Slowakei bleibt die Hlinka-Garde,. welche ihr Organisationsnetz auf dem Gebiete der gesamten Slowakei aurdehnen kann. Dir Verhandlungen der deutschen Bank mit der Böhmischen Unionbank sind nunmehr soweit abgeschlossen, daß die Deutsche Bank die sude« tendrutschen Filialen der Böhmischen Unionbank in Kürze tn ihr Filialnetz einbezieht. Die Filialen der Böhmischen Unionbank nehmen bereits jetzt alle Aufträge für die Deutsche Bank im Sude- tengebiet entgegen Bemerkungen zu. einigen aktuellen Rechtsfragen Von Dr. Egon Schwelb Das Abkommen von München, die Besetzung von Gebietsteilen der Tschechoslowakischen Republik durch deutsche und polnische Truppen, die Räumung von Gebietsteilen an der slowakischungarischen Grenze sind politische Tatsachen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Vom Standpunkt der tschechoslowakischen innerstaatlichen Rechtsordnung sind die Gebiete» um die e» geht, zivar besetzt und geräumt, sie haben aber..vorläufig nicht aufgehört, rechtlich zur Tschechoslowakischen Republik zu gehören. Die Zugehörigkeit zur Republik wird rechtlich erst auf- hören, bis die auf die Abtretung und ihre Konsequenzen Bezug habenden Staatsverträge ge« schlossen und die dazu nottvendigen Gesetze erlassen sein werden. Die Verfügungen de» Ständigen Ausschusses und die Regierungsverordnungen, die in den letzten Wochen erlassen worden find, bringen diesen Rechtsstandpunkt llar und eindeutig zum Ausdruck. In den Verfügungen über die provisorische oder dauevnde Organisation der Gerichte, Finanzbehörden, Handelskammern und Advokatenkammern wird teils von Ärenzveränderungen gesprochen, die(in Zukunft!) erfolgen werden, teil» vom besetzten und geräumten Gebiet, niemals von vollzogenen Grenzveränderungen oder von einer bereit» erfolgten Gebietsabtretung. Wa» die Staatsbevölkerung der gerämnten Gebiete anlangt, so geht au» der Verordnung vom 9. Oktober 1988 Slg. Nr. 217 über die Entlassung tschechoslowakischer Staatsbürger deutscher Nationalität vom Militärdienste ausdrücklich hervor, datzderzeitnochalle Bürger der Tschechoslowakischen Republik in ihren ursprünglichen Grenzen alstschechoslo- wakische Staatsbürger anzu- e h e n sind. Die Verordnung spricht von der Entlassung von Personen, welche eine fremde Staatsbürgerschaft nach den Vorschriften erlangen würden, die zur Durchführung des Münchner Abkommens erlassen werden. Nach der au» dieser Verordnung llar hervorgehenden Rechtsauffassung wird der Verlust der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft der zu dem an Deutschland abgetretenen Gebiet gehörenden Bürger erst eintreten, sobald die Vorschriften zur Durchführung de» Münchener Abkommens erlassen sind. Allerdings haben die in den letzten Wochen erlassenen Verfügungen des Ständigen Ausschusses und Regierungsverordnungen bereits in vielfacher Hinsicht eine Sonderbehandlung, nämlich eine Schlechterjtellung der zu den abgetretenen Gebieten gehörenden Bevölkerung im Vergleich mit der Bevüllerung der übrigen Gebiete des tschechoslowakischen Staates vorgenommen. Hier ist zunächst auf die Kundmachung des Landespräsidenten in Prag vom 9. Oktober 1938 Slg. Nr. 229 und die Kundmachung des Landespräsidenten in Brünn vom 8. Oktober 1938, Slg. Nr. 248, zu verweisen, durch welche auf Grund de» Gesetzes über die ausserordentlichen Ber- sügungen jenen Personen, die nach dem 29. Mai 1938 aus den von deutschem oder polnischem Militär besetzten Gebiet zugewandert sind, eine besondere Meldepflicht auferlegt worden ist. Wie bekannt, war die Meldepflicht in vielen Fällen mit dem Auftrage verbunden» den Aufenthaltsort in dem tschechoslowakisch verbleibenden Gebiet zu verlassen und an den früheren Wohnort zurückzukehren. Die Verordnung vom 9. Oktober 1938, Slg. Nr. 219, über zeitweise Einschränkungen auf dem 'Gebiete gewerblichen und anderen auf Erwerb gerichteten Beschäftigungen, die sogenaimte Gewerbesperre, richtet sich ihrem Wortlaute nach nicht nur gegen die Bevölkerung der besetzten Gebiete, sondern gegen jedermann, der an einem anderen Orte als dort wo er vor dem 31. Juli 1938 den ordentlichen Wohnsitz gehabt hat oder schon eine Erwerbsbeschäftigung betrieben hat, ein Gewerbe oder eine andere aus Erwerb gerichtete Beschäftigung betreiben will. Praktisch trifft diese Verordnung, dies ist ja auch ihr Sinn und ihr Zweck, die Bevölkerung des besetzten Gebietes, soweit sie die Absicht hat, im verbleibenden Staatsgebiet selbständig erwerbstätig zu sein. Durch die Verordnung vom 19. Okrober 1938 ,Slg. Nr. 244, wurden wesentliche Einschränkungen für die Beschäftigung in unselbständiger Stellung(im Dienstverhältnisse) erlassen. Nach dieser Verordnung haben die Dienstgeber alle Angestellten zu melden, die sie seit 1. Mai 1988 ausgenommen haben, wenn die Angestellten am 1. Mai 1988 oder später den ordentlichen Wohnsitz oder das Heimatsrecht auf dem besetzten Gebiet hatten. Der Dienstgeber mutz um Bewilligung zur Beschäftigung dieser seit 1. Mai ausgenommenen oder in Zukunft in seine Dienste tretenden Angestellten ansuchen. Die Behörde entscheidet über da» Gesuch nach freiem Ermessen. Diese Verordnung ist sehr hart. Sie beantwortet nämlich provisorisch die noch ungelöste Frage, ob bei der endgültigen Regelung der Staatsbürgerschaft das Heimatrecht oder der Wohnsitz matzgebend sein wird, vorläufig gegen die Betroffenen und unterwirft den Beschränkungen alle Personen, die e n t w e d e r infolge ihre» Wohnsitzes in der entscheidenden Zeit o d e r infolge de» Heimatrechtes zum besetzten Gebiete gehören. Unter die Verordnung fallen also Arbeiter und Angestellte, welche nach dem 1. Mat 1933 i ihre Dkenstpossen gewechselt haben oder wechseln, falls sie im besetzten Gebiet heimatberechtigt sind, selbst dann, wenn sie seit vielen Jahren oder Jahrzehnten ihren ordentlichen Wohnsitz auf dem unbesetzten tschechoslowakischen Gebiete haben. Die Verordnung steht also auf dem Standpunkt: im Zweifel gegen die Zulässigkeit der Anstellung, fast möchte man sagen: in dubio e o n t r a reum. Ist einer, der nach dem 1. Mai 1938 im besetz- jen Gebiet gewohnt hat, im unbesetzten Gebiet heimatberechtigt: es nützt ihm nicht», er darf nur mit Bewilligung der Bezirksbehörde beschäftigt werden. Ist er seit Jahren oder noch länger ununterbrochen im rein tschechischen Gebiet an, sässig, eS nützt ihm auch nichts, wenn er im besetzten Gebiet das Heimatrecht hat. mag er auch zu seiner Heima(gemeinde keinerlei reale Beziehungen haben, ja sie überhaupt nicht kennen. Postabkommen mit Deutschland DaS Ministerium für Post« und Telegraphenwesen teilt mit: SamStag kurz vor Mittag wurde in Berlin ein Abkomme» zwischen der tschechoslowakischen und reichsdeutschen.Postverwaltung unterzeichnet, welches eine ganze Reihe von Fragen, die durch die Besetzung des sudetendeutschen Gebietes auf dem Gebiete des PostverkehreS sowie des Telegraphen- und Telephonverkehres entstanden sind, regelt. Einzelheiten, die aus diesem Abkommen sich ergeben, werden der Oeffentlichkeit zeitgerecht mitgeteilt werden. « In der Vereinbarung wird betont, daß die bisherigen Abkommen hinsichtlich de» gegenseitigen Post», Telephon- und Telegraphenverkehrs, insbesondere soweit e» sich um eine Herabsetzung der Postgebühren handelt, unverändert in Geltung bleiben. Hinsichtlich der Beförderung von Postsendungen wurde vereinbart, datz die Postbeförderung sowohl zwischen Deutschland al» auch der Tschechoslo- wakei sowie der Transit-Begleiwerkehr für andere Staaten eröffnet werden wird, sobald die Eisenbahnbeförderung fteigegeben werden wird. Zum Zwecke der Erzielung«ine» einwandftelen gegenseitigen Telegraphen- und Telephonverkehr- wurden Grundsätze vereinbart, deren zufolge da» Telegraphen« und Telephon-Netz an den neuen Grenzen geregelt wird. Auch in anderen Fragen, welche da» gegenseitige Verhältnis der beiden Poswerwaltungen betreffen, wurde eine Einigung erzielt. Um die Selbstverwaltung Mährens Brünn. Gestern fand im Sitzungssaal der mährisch-schlesischen Landesvertretung eine Sitzung der Abgeordneten, Senatoren, Landesvertreter und LandeSauSschustbeisitzer unter dem Vorsitz von Senator Dolansky statt. Abgeordneter Langer und LandesauSschussbeisiher Drobnh berichteten über' die Vorsprache einer Abordnung des Landes beim Ministerpräsidenten General Syrovh und Innenminister Dr. Eernh, welchen der Wunsch der mährischen Bevölkerung» die Selbstverwaltung des Lande» zu behalten, verdolmetscht wurde. Die beiden Minister erklärten der Abordnung, daß die Gerüchte über eine Einschränkung der Selbständigkeit deS Landes nicht der Wahrheit entsprechen. Die Abordnung überreichte bei dieser Gelegenheit ein Memorandum, in dem die Forderungen des Landes enthalten sind. Die Berichte wurden von der Versammlung einstimmig zur Kenntnis genommen und daS Vorgehen der Deputation wurde gebilligt. Die Versammlung nahm eine Manifestationskundgebung an, in der die Ueberzeugung auögedrückt wird, datz die Selbstverwaltung des Lande» erhalten bleiben wird. Der Ausschuss der mährischen Abgeordneten, Senatoren, Landesvertreter und LandeSauSschuhbeisiher wird ermächtigt, alle diesbezüglichen Fragen weiter zu verfolgen und darüber in einer neuen Sitzung zu berichten. Die Versuche, Teile des Landes Mähren abzutrennen, wurden einmütig und energisch abgelehnt. Weitere Verwirklichung der slowakischen Autonomie Wie die„Prager Abendzeitung" meldet, hat die siowakische Regierung eine Reihe von Massnahmen getroffen, durch welche die Autonomie der Slowakei weiter auSgebaut wird. So werden die Agenden der Zivil-Luftschiffahrt und des Auto- mobilismuS, die bisher vom Ministerium für öffentliche Arbeiten in Prag zentral betreut wurden, auf das Wirtschaftsministerium in Bratislava übertragen. Dasselbe Bestreben der Verselbständigung zeigt die slowakische Regierung im Hinblick auf die Pensionsversicherung der Ana-- stellten, eS stzll der auf die Slowakei und Kar- paihorussland entfallende BermögenSanteil der Peusionsanstalt auSgesondert werden, was wohl den Anfang der völligen Selbständigkeit der Pensionsversicherung für die beiden Länder bedeutet. Bemerkenswert ist auch, dass die slowakische Regierung bei einzelnen Zeitungsbetrieben Regierungskommissäre eingesetzt hat, und zwar sowobl bei den agrarischen als auch bei den sozialdemokratischen, und ebenso bei den beiden deutschen Zeitungen, die in Bratislava erscheinen. Dass in wirtschaftlichen Institutionen wie in der Handelskammer und im Verband landwirtschaftlicher Vorschusskassen schon frühere derartige Regie- rungSkommiffäre eingesetzt wurden, haben wir bereits gemeldet. Seite 3 SoitMtnn, 30. CftoSet 1038 Was schreibt die tschechische Presse? Ideologische Unklarheit Während man vor einigen Tagen noch glaubte, eS werde schlagartig zu einer völligen llmstellung des tschechische» PartrienwesenS kommen, scheinen die Verhandlungen nunmehr ein wenig zu stocken. Allgemein kann man sagen, daß ein gewisses Streben nach Bereinsachung drS Parteienwesens zu bemerken ist, und daß dies allgemein gewünscht wird, das? man sich aber über die ideologischen und programmatischen Grundlagen der neuen Parteien, insbesondere der geplanten bürgerlich-nationalen Einheitspartei, nicht klar ist. Halbe Versuche So schreibt der„Venlo v":„Die mechanische Bereinigung ist leine schöpferische Tat. Die mechanische Bereinigung ist ein Zusammenzählen von Ziffern und ein Versuch der Erhaltung der politischen Nacht. Wir haben überhaupt zu mechanisch gelebt und unser politisches Leben war zu sehr von der Kalkulation durchsetzt. Träger neuer Dinge müssen Gedanken und Menschen sein. Eines ohne das andere genügt nicht. ES gibt junge Leute mit alten Gedanken und alte Leute mit jungen Einfällen. Man kann nicht eine Bewegung der Anständigen und Nichtan- ftändlgen machen, der Name verdeckt nicht den Geist und ein Wechsel der alten Terminologie verwirrt nur für eine Zeit; da die Zeit in rascherem Tempo fortschreitet als man bei uns denkt, sind wir die Zeugen halber Versuch«. Die Parteien können einander nicht selbst ein Zeugnis geben, ob ihre Politik richtig war oder nicht, sie können auch nicht ihre Stelle bestimmen. Diese wird enttoeder durch die Entwicklung bei der Liquidierung bestimmt werden, oder werden dies die Parteien nicht verstehen, dann wird dies ohne sie bestimmt werden. Die gestrige Erklärung zweier Parteien, daß sie von vornherein ihre Stelle bestimmen, ist unserer Ansicht nach ein solch unvollkommener Versuch, der die Entwicklung für einige Tage zurückhalten, aber sie nicht aushalten kann. Oie Wahlen werden entscheiden I In der„N ä r o d n i Politika" äußert sich zur Reform des ParteiwesenS Antonin Roiek: „Es ist wahr, wir können vier Parteien haben, aber wir müsse» nicht das alte Parteiwesen haben. Und um das Parteiwesen handelt es sich vor«Nein. Diese- ist bei unS aus der schlechten Wahlordnung erwachsen und kann daher auch nur mit einer neuen Wahlordnung beseitigt werden. CS handelt sich also nicht darum, wieviele Messiaffe sich nun bei der Schaffung eines neuen politischen Lebens melden, sondern wie viele von ihnen unser« Wähler bestätigen werden. Und dazu ist«ineS notwendig: dem Wähler bolle Freiheit zu geben, nicht unter Parteien, sondern unter Personen auszusuchen. Vom Kegen in die Traute „L i d o v ö L i st y" kritisieren daS Bestreben gewisser Kreise nach Schaffung einer Ständeordnung, wag mit Rücksicht auf die jüngste Rede del slowakischen Ministerpräsidenten Dr. Tiso bemerkenswert ist. Dar Blatt schreibt: „Manche stellen sich die künftige Ständeorganisation so vor, daß den ständischen Parteien ganz einfach die Grundlage zur Uebernahme und Durchführung der Wirtschaftsorganisation jenes Standes, den sie bisher vertreten haben, übertragen wird. Dadurch würden wir aus dem Regen in die Traufe kommen. Die Politisierung der ständischen und wirtschaftlichen Interessen wär« die ärgste Medizin für unser Wirtschaftsleben und nur die Fortsetzung des bisherigen Uebels. Erinnern wir uns nur daran, wie sellifwerständliche Dinge nicht durchgeführt werden konnten, weil durch diese oder jene Maßnahme die Interessen wirtschaftlicher Gruppen der einzelnen politischen Parteien in Mitleidenschaft gezogen wurden! Erinnern wir unS nur daran, wie wir in der dirigierten Wirtschaft daraufzahlen mußten, weil man vielfach nur zugunsten parteipolitischer Unternehmen planwirtschaftliche Maßnahnien eingefiihrt hat,.. Ein solche- Ständewesen muß entschieden verschwinden. Studentische Aufgaben In den ,^Lidovö Noviny" schreibt F. R. Trävniöek über die Aufgaben der Hochschulstudenten.„Auch da wird der künftigen Arbeit der Studentenschaft keine ideologische Grundlage gegeben, sondern nur die Nottvendigkeit ihrer Einheit betont. Der Berfaffer sagt:„ES ist dringend notwendig, daß die Studentenschaft als Ganzes nicht geschwächt werde, daß sie daS suche, was sie verbindet und daß sie daS auSmerze, was sie in ihrem Ber- einSleben spalten oder atomisieren könnte. Die Parole der gesamten Nation:„In der Einheit liegt die Kraft" muß auch jene der Studenten sein. Die Studentenschaft kann nicht politisch leben, sie könnt« nur Politikastern, aber zu ihrem und der ganzen Nation Schaden. ES gibt nicht wenige Fragen, welch« daS LebenSintereffe der Studentenschaft betreffen; das Interesse für sie, die Versuche zu ihrer Lösung können nicht nur den Studenten selbst, sondern dem ganzen Staat und der ganzen Nation Vorteil bringen. Nicht nur Einheit, sondern auch Freiheit! Im„Präbo Lidu" schreibt Josef Martine! über die Bildung der Nationalpartei der arbeitenden Volkes:„Im Arbeiterlager hat sich eine beispielgebende Bereitschaft gezeigt, den nationalen Ruf nach der Vereinfachung der Parteienverhältniffe entgegenzukommen und eS entstehen alle Voraussetzungen für die völlige Konzentration alles staatlich, national und demokratisch führenden arbeitenden Volkes. Der erste Schritt zu einer solchen Vereinheitlichung ist und muß sein, daß alle Prestigefragen beseitigt werden. Deswegen ist es notwendig, daß die größte Partei anfange, und der größte Faktor so liquidiere, daß alle übrigen Parteien und Gruppen die Garantie haben, daß es sich nicht um ein mechanisches Ankleben des Schwächeren an den Stärkeren handelt. Daß«r sich nicht um die Veränderung der Firma, sondern tatsächlich um«inen neuen, von neuem Geist erfüllten Organismus handle. Alle PartikulariSmen müssen beseitigt werden, damit dar große Werk der Einheit organisch erwachse. Deswegen hat die größt« Arbeiterpartei der Republik, die Sozialdemokratie, auf ihren Rainen, den sie sechzig Jahre getragen hat, auf ihre organisatorischen Einrichtungen und auf ihre Doktrin verzichtet, damit sie die Hindernisse beseitige, welch« die Konzentration der breitesten Schichten des arbeitenden Volkes in einer großen Nationalpartei des arbeitenden Volke! verhindern könnten... Die Entstehung neuer großer Parteien wird weder bei der bürgerlichen Partei, noch bei jener des arbeitenden Volkes völlig einfach sein, aber man kann nicht übersehen, daß man im Arbeiterlager viel ernster, bereiter und disziplinierter vorgehr, während im bürgerlichen Lager in dem Maße, als die Verhandlungen fortschreiten, die auseinanderstrebenden und partikularistischen Elemente zu Worte gelangen... Bei den Verhandlungen und Besprechungen über die Vereinfachung der politischen Verhältnisse tritt, je weiter, je mehr, ein« rrfreulich« Sache zu Tage, nämlich: daß in den breiten Massen in den Städten und auf dem Land« keine Begeisterung und kein Boden für eine totalitäre Bewegung vorhanden ist. Sehr gut und richtig fühlt man bereits, daß das Volk nicht nur Einheit, sondern auch Freiheit braucht. Keine Geschichtsfälschungen Im„Närodni Osvobozeni" schreibt Dr. Lev S>) ch r a v a, einer der führenden Funktionäre der Legionärgemeinde, gegen die Versuche, die Geschichte der letzten Jahrzehnte umzufälschen:„Alle Geschichtsklitterung unserer Befreiung, welche den Ausschluß der Legionen und unseres engen Verhältnisses zu den Verbündeten beinhaltet, ist völlig unsinnig und genau so nutzlos, wie bas Gerede verschiedener Faktoren, welch« heute behaupte», daß sie schon längst eine Politik des Ausgleich! mit den Deutschen und mit Deutschland wollten. Die Deutschen wissen besser als manche unserer Historiker der Befreiung, wie daS im Kriege mit der Entstehung unserer Republik gewesen ist und sie wissen auch gut, wie eS mit unserem Verhältnis zu Polen war, welches uns stets auSgeseht hat, daß wir nicht seine Politik machen wollen. DaS wird sich bald zeigen. Für unS wird sich deswegen sowohl in der auswärtigen, wie in der inneren Politik bald am meisten die Sachlichkeit, die Wahrheitsliebe und daS Stützen auf die eigene Arbeit aulzahlen." Frankreich ein Staat des Westens Einige tschechische Zeitungen befassen sich auch mit der auswärtigen Politik, wobei unS bemerkenswert erscheint, was«in guter Kenner der auswärtigen Politik innerhalb der Prager Journalistik, Rudolf Prochäzka, in den„Närodni Lysti" schreibt:„Er weist zunächst daraufhin, daß, obzwar England und Frankreich direkte Teilnehmer der Münchener Bereinbarungen sind, und sich auch formell da! letzte Wort zu allen Angelegenheiten, die Ma r s e i l l«, 20. Oktober. Soweit bis heute nachmittag bekannt tvurde, beträgt die Anzahl der Opfer, die die katastrophale Fmcerü- brunst in Dlarseille forderte, 13 Tote, von denen bei vieren die Identität nicht festgestrllt werden konnte, 25 Verwundete und 38 Vermißt«. Der Sachschaden wird»lindesten- auf 30 Millionen Franc- geschäht. Erst am heutigen Nachmittag tounte niit der shstematischen Suche in den Trümmern des Gebäude- der NouvelleS GalaerirS begonnen werden, wo bis,heute Mittag da» Feuer in den Kellern weiter brannte. Das Feuer hat deshalb einen solchen Umfang angenommen, weil»S von einem starken Wind gefördert wurde und in Marseille nicht genügend Löschgeräte zur Hand waren. DaS von dem Großbrand heimgesuchte Warenhaus hat eine Frontbreite von mehr als 30 Meter und mehr als 70 Meter Tiefe. Das fünfstöckige Gebäude des Warenhauses wurde iwch von einer 80 Meter hohen Kuppel überragt. Neben dem brennenden Warenhaus befindet sich auf der einen Seite ein Kino, auf der anderen Seite ein sechsstöckige- Wohnhaus. Diese beiden letzten Gebäude sind nicht sehr beschädigt worden, da sie zieinlich geschützt werden konnten. Zur Zeit als der Brand auübrach, war das Warenhaus von Kauflustigen überfüllt. Einige Käufer und Verkäufer sprangen durch die F e n st e r auf die Gaffe. Aus dem Warenhaus schlugen vom ersten Augenblick« hohe Flammen empor, welche der heftige Mistral-Wind über den breiten Boulevard auf die gegenüber liegenden Hotels und Banken übertrug. Um 15 Uhr 43 stand bereits das Hotel„Noa illeS" in Flammen, in welchem Ministerpräsident Daladier, Außenminister Bonnet und die meisten der dem radikal-sozialistischen Kongreß beiwohnenden Journalisten wohnen. Ein Publikum von 100.000 Personen sah dem Brande zu. Die dort verbandest wurden, Vorbehalten haben, di« Vermittlung in dem tschechoslowakisch-ungarischen StreN nur drn Mächten der Achse, Deutschland und Italien, überlassen bleibt.„In der Pariser und Londoner Presse erweckt daS", so sagt Prochäzka wörtlich. „Aufmerksamkeit und«» werden unS auch da und dort Vorwürfe gemacht, daß wir unS Deutschland und Italien ausliefern. Anderswo wieder sieht man darin Material zu neuen Angriffen auf die Schöpfer der Münchener Kapitulation. Aber das alles ändert nichts an der Tatsache selbst, welche die Regierungsfaktoren in Paris und London nicht nur nicht überrascht, sondern, wie man sagen kann, direkt befriedigt, oder ihnen wenigstens selbstverständlich erscheint. Auf dem Kongreß der Radikalen Partei in Marseilles erklärt nun der Referent über die auswärtig« Politik, Abgeordneter Berthold, ganz offen Frankreich als einen westeuropäischen und afrikanischen Staat, welcher, ähnlich wie eS von der Entstehung de» deutschen Kaiserreiche» bi» zum AuSbruch des Weltkrieges dec Fall war, sich der Sorge nm seinen großen Ueberser« und Kolonialbesitz widmet, statt„in der undankbaren Ausgabe eine» Gendarmen und möglicherweise auch Bankier» fortzuschreiten". Wir haben nicht da» Recht, Frankreich den Bereich der Interessen, welche e» zu besorgen hat, auszumessen, und nach den fertigen Ereignissen wäre«S vergebens, darüber zu wehklagen, oder Rekrimina- tionen darüber anzustellen. Uns bleibt nicht» andere» übrig, al» zur Kenntnis zu nehmen, daß Frankreich— und um so«her England, unter dessen Einfluß Frankreich gerade diese ganze Entwicklung durchgemacht hat— sich heute auf die Verteidigung seiner eigenen nationalen Wohnung und seine» nationalen Reichtümer beschränkt. Der Schutzwall der Maginotlinie und die Wüsten und Eingcborenen- Formationen Afrikas(und vielleicht auch noch Asiens?) werden künftighin die Grundelemente der französischen Kraft lein." Ole Zukunft des englisch-französischen Bündnisses Auch da»„G e f t i S l o v o" wendet der französischen Politik seine Aufmerksamkeit zu:„Ein Frankreich, wie eS heute ist, innerlich uneinS und wirtschaftlich geschwächt, hätte für Großbritannien als Verbündeter keinen großen Wert. England will Frankreich nicht verlassen, aber es will auf dem europäischen Festlande«inen starken Verbündeten haben, auf den eS sich verlassen könnte. Deswegen will e»«in innerlich konsolidierte» und festes Frankreich haben, deswegen würde«» mit Begeisterung«In Kabinett der nationalen Einheit und«inen mehr oder weniger rechten Kur» begrüßen. Die Zerschlagung der Volksfront und das AuSeinandergehen der Radikalen mit den Kommunisten, welche» vermutlich bald endgültig sein wird, ist schon mehr oder weniger eine Folge dieser Politik. Man kann erwarten, daß der Ministerpräsident Daladier auf diesem Wege noch weitergehen wird. Allerdings, mit welchem Erfolge, kann man noch nicht voranSsehen. England behält gegenüber der heutigen Situation in Frankreich eine große Reserve und erwartet, wie sich die Dinge in Frankreich weiter entwickeln." Ole vernachlässigte junge Generation „PraZskh Beker" kommt, wie die» jetzt in der tschechischen Presse öfters geschieht, ans die Rolle zu sprechen, welch« bisher die Jugend in der Politik gespielt hat. Das Blatt sagt:„Ohne eigene Schuld ist die junge Generation, di« keinen Anteil daran hatte, tva» geschah. Sie wurde nirgend» zur Entscheidung berufen, und soweit sie zu Worte gelangen konnte, vermochte sie nur dann z» sprechen, wenn je« Feuerwehrleute, die leichte Brandtvundcn oder Rauchvergiftungen erlitten, wurden in den umliegenden Apotheken behandelt. Um 16 Uhr 10 stürzte die Kuppel des Warenhauses und gleichzeitig das Dach des Hotels»NoailleS" ein. Die Glut Ivar so stark, daß sich die Feuerwehrleute mindestens 100 Meter von der Brandstätte entfernt halten mußten. In den umliegenden Straßen wurde der gesamte Verkehr eingestellt. Die Feuerwehren schöpften das Wasser zum Löschen bi» vom alten Marseiller Hafen. Um 18 Uhr war von dem ehemaligen Warenhaus NouvelleS Galleries nichts mehr übrig geblieben als die Eisenkonstruktionen, ein Haufen von Eisenstücken und Trümmer, auS denen immer noch hohe Flammen emporschlagen. Um halb 7 Uhr abends wurden auch die Gebäude auf dem Boulevard Dougom- miüre vom Feuer erfaßt. Nach einer amtlichen Feststellung ist der Brand um 14 Uhr 13 Minuten entweder im Erdgeschoß oder im ersten Stockwerke bei der Durchführung von Reparaturen ausgebrochen. Die Teilnehmer des Radilalsozialistischen Kongresses, welche in den voin Feuer erfaßten Hotels„NoailleS",„Grand-Hotel"und„Asto- ria" gewohnt hatten, wurden, da in den übrigen Hotels von Marseille kein Platz mehr war, für die Nacht auf zwei Schiffen im Hafen untergebracht. Der Brand wurde Samstag gegen Morgen vollkommen lokalisiert. Feuerwehren aus der ganzen Provence arbeiten jedoch, unterstützt von Soldaten, ununterbrochen an der Beseitigung der Trümmer. Bisher haben 17 Personen beim Polizeikommissariat gemeldet, daß Mitglieder ihrer Familien, die in der Nouvelle GalikreS arbeiteten, nicht zurückgekehrt sind. Außerdem heißt eS, daß Im Teeraum, der sich im dritten Stock der Nouvelle GalkricS befand, zur Zeit des Brandes ungefähr 30 Personen anwesend waren. ma»d— starb. Sie trat an die Stelle, die ihr gebührte, nur dann, wenn diese Stell« durch Tod frei wurde. Sonst war nirgend» da» Bestreben vorhanden, die jüngere Generation zur Entscheidung heran« zuziehcn und ihr Anteil an der Macht zu gewähren. Alle» Streben der Jungen nach Teilnahme am öffentlichen Leben wurde so erledigt, daß man klugerweise ein oder zwei Leute versorgt hat, damit der frontale Vonnarsch der Jungen zur Seite gedrängt wurde." A-esneuigLelten- Wieder direkte Verbindung Prag—Paris Ab 3. November 1938 wird der regelmäßig« Verkehr des internationalen Schnellzuges Prag —Pilsen—Eger—Nürnberg—Straßburg—Paris und zurück ausgenommen werden. Dieser Schnellzug wird auf der Strecke Prag—Paris und zurück einen Schlafwagen führen und einen Speisewagen auf der Strecke Prag—Pilsen und zurück. Die erste Abfahrt von Prag Wilsonbahnhof erfolgt am 8. November um 10.66 Uhr. Der Schnellzug aus Paris trifft in Prag Wilsonbahn- hof um 19.06 llhr ein. Ab Montag, den 81. Oktober, wird der durchlaufende Schnellzugsverkehr auf der Strecke Prag Wilson-Bahnhof zu Suchdol n. LuZ.—Wien durch ein SchnellzugSpaar ausgenommen werden. Abfahrt Prag Wilsonbahnhof 6.80 llhr. Ankunst Wien Franz-Josephs-Bahnhof 12.82 Uhr und retour Abfahrt Wien 7.26 llhr und Ankunft Prag Wilsonbahnhof 18.43 Uhr. Außerdem werden zwei Paare von Pcrsoncnzügen auf der Strecke Vcseli-Mezimostl—Ccskä Velenice(Gmünd) verkehren. Bei den Schnellzügen findet die tschechoslowakische Zoll- und Paßrcvision während dec Fahrt von Mczimosti nach Suchdol und umgekehrt, bei den Personenzügen in Suchdol statt. Die deutsche Zoll- und Paßrevision findet bei allen Zügen nur in Gmünd statt. Die StaatSbahndircltion in Prag keilt mik. daß auf Ansuchen dec Reisenden, ab 81. Oktober d. I. der Autobuö der Staatsbahnen um 6 Uhr von Rakovnik abfahrcn und in Prag Näm. Ncp. um 7.45 llhr ankommen wird. Die Abfahrt erfolgt von Prag um 16 Uhr, die Ankunft in Rakovnik um 17.45 Uhr. Die gegenwärtigen Auto- buSverbindungen der Straßenlinie der tschechoslowakischen Staaisbahncn Prag—Rakovnik werden mit diesem Tage aufgehoben. ein blutiger Streik Pari». In AchireS bei Paris streiken bereits seit 14 Tagen die an der Wasserklärstation, die Paris mit Wasser versorgt, beschästigten Arbeiter. Die Ursache des Streiks bildet die Entlassung mehrerer Arbeiter. In der Nacht auf Samstag benützten die Arbeiter die Abtoefenheit der Mobilgarde, um eines der Wächterhäuschen in Brand zu stecken. Ferner banden die Streikenden eine Fähre los und ließen sie in die Strömung de« Flusses. Samstag früh überfielen die Streikenden die zum Arbeitsantritt erscheinenden Arbeiter. Bei diesem Zusammenstoß gab es mehrere Leichtverletzte. Einer der Angreifer wurde verhaftet. In Hinblick auf diese Zwischenfälle wurden besondere Wach« und AufsichtSvor« kehrungen an den Baustellen getroffen. Auf der Suche nach einer Schlange London.(HavaS) Die Polizei des westlichen und südwestlichen Londons ist auf der eifrigen Suche nach einer riesigenPython« schlänge begriffe», einem beinahe drei Meter langem Tier, das aus dem Privat-Terrarium des Sohnes des berühmten englischen Schriftstellers Conan Doyle entwichen ist. Die Schlange gehörte zu den geliebtesten Tieren ihres Besitzers. Freitag wurde bekannt, daß die Schlange am Gitter des Hydeparks gesehen wurde, wo sie einen Hund, der sie angegriffen hatte, schwer verwundete.. Hingerichtet Berlin. Der am 12. August 1038 vom Volksgerichtshof wegen Landesverrats zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 84jährige Hugo Zappe aus Dresden ist Samstag morgen hingerichtet worden.— Zappe soll sich als angeblicher sudetendeutscher Flüchtling in eine deutsche Vertrauensstellung eingeschlichen und umfangreiches Geheimmaterial verraten haben. Pari». In der südfranzösischen Stadt Car- peniras wurden Samstag früh zwei ausländische Gefangene hingerichtet, die heuer Ende Juli einen Gefangenenaufseher in Avignon überfielen und fast erwürgten. Rudolf Wünsch gestorben. Donnerstag, den 27. Oktober, ist im städtischen Krankenhause in Prag auf der Bulavka der ehemalige kommunistische Redakteur und Abgeordnete Rudolf Wünsch gestorben. Der Verstorbene, der ein Alter von 47 Jahren erreicht hat, litt jahrelang an Tuberkulose und ist nun einem Blntsturz erlegen. Wünsch war nach dem Umsturz Redakteur in Reichenberg, später In Komotau und in Aussig, und einige Jahre einer der führenden Funktionäre der deutschen 15 Todesopfer des Marseiller Brandes Seite 4 Kommunisten in der Tschechoslowakei. Später überwarf er sich mit der Partei und näherte sich wieder der Sozialdemokratie. In der leßten Zeit ging es ihm schlecht, sein Leben hat er nun als Flüchtling beendet. " Sozialdemokrat" Sonntag, 30. Oftober 1938. Nr. 256 ihnen nichts anhaben kann. Von dieser Feststellung| geben viele Wenig?" eine Sendung am 4. Novem- der Verwaltung werden die bisherigen Einrich bis zur Ausübung des Berufes eines professionellen ber zwischen 11.10 Uhr und 11.40 Uhr für die Sta tungen noch eine Zeitlang mit Liquidierungs Erhängten war nur noch ein fleine Schritt, aber tionen Prag und Brünn senden. Außerdem wird arbeiten beschäftigt sein, aber schon in den näch im regelmäßigen Rundfuntfenster Sonntag, den sten Tagen wird es zur Vereinfachung im Eisenauch ein genialer Einfall. 30. Oftober, um 19.10 Uhr auf den Weltspartag bahnministerium tommen. Gleichzeitig wird die Errichtung eines einheitlichen Verkehrsminis aufmerksam gemacht werden. weiteren Ausbau des Staates anwenden werden. Weltspartag. Am 31. Oftober, der in der gans Auf dem Flugplatz in Mähr.- Ostrau- Hra zen Welt der Sparidee gewidmet ist, wird auch in bůvka wurden Samstag die Bauarbeiten an der der Tschechoslowakischen Republik, wie alljährlich, Peilstation beendet. Die Installation stand unter auf die Bedeutung des Sparens hingewiesen werden. Die Sparsamkeit hat durch die jüngsten Ereignisse der Leitung des Vorstandes des Forschungsamtes ihre Bedeutung nicht nur nicht verloren, sondern wird beim Poſtministerium Dr. Raus. Die Station im Gegentei eines der Mittel ſein, daß wir beim arbeitet sehr gut und korrespondierte bereits mit allen Peilstationen in der Republik. Im Früh- Montag, den 31. Oktober, abends 20.40 wird von jahr des nächsten Jahres soll auf dem Ostrauer der Station Prag und Brünn ein Zwiegespräch aus Flugplatz ein Landungsleuchtturm errichtet wer- der Tschechoslowakischen Nationalbank übertragen. den. Der Schulrundfunk wird unter dem Motto„ Was Prof. Dominois in Amiens begraben. Der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des Profesfors Dominois wurde Freitag im Vereinsraum der sozialistischen Föderation in Paris ausge stellt. Samstag nachmittag fand das Begräbnis in der Geburtsstadt des Verstorbenen Amien 3 statt. Ein rumänischer Hochverratsprozeß. Das Militärgericht in Ezernowit verhandelte in geheimer Verhandlung einen Prozeß gegen fünf rumänische Staatsangehörige bulgarischer Ab" Das Wetter. Unter der Einwirkung einer Teichsteriums und die Neugliederung der Eisenbahnten Störung, deren Kern Samstag nachmittags über verwaltung in Böhmen und Mähren vorbereitet. Böhmen lag, fällt an zahlreichen Orten Regen. Die Es scheint, daß den heutigen Verhältnissen am Temperatur liegt dabei jedoch meistens über dem Starpathorußland wurden Samstag um 14 1hr 17 mehreren fleinen Betriebsverwaltungen entſpreNormalwert. In der ungarischen Tiefebene und in besten das System einer Generaldirektion mit bis 20 Grad verzeichnet. Wahrscheinliches Wetter chen wird. Man kann aber den Ergebnissen der Sonntag: Vorwiegend bewölft, seitweise Regen fachmännischen Untersuchung nicht vorgreifen. oder Sprühregen, mild, leichte Winde aus östlichen Auf die fünftige innere Organisation wird das Richtungen. Wetteraussichten für Montag: Eisenabhnabkommen mit Deutschland, das am 27. Keine wesentliche Aenderung, etwas fübler. Oftober unterschrieben wurde, nicht ohne Einfluß bleiben. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Schließlich erwähnte der Minister die Neuregelung des Verhältnisses zwischen Eisenbahnund Kraftfahrtransport und sprach die Ueberzeu gung aus, daß die harmonische Zusammenarbeit beiden Verkehrsmitteln und vor allem der Gre neuerung des Staates dienen kann. ,, Gines möchte ,, Es wäre nicht gut, wenn im Rusammenhang mit Vorbereitungen zum Bau einer Magistrale Magistrale ich ausbücklich feſtſtellen", ſaate der Miniſter. stammung, die des Hochverrates beschuldigt wa- 28. Oktober beschlossen, daß im Einvernehmen mit ren. Die Angeflagten wurden zu Strafen bis zu der ſlowalischen und karpathorussischen Regierung ren. Die Angeklagten wurden zu Strafen bis zu die ersten technischen Vorbereitungsstudien für drei Jahren Gefängnis und 18 Monaten die Führung einer großen Automobilstraße vom Zwangsarbeit verurteilt. Im Fluge. Ein neues Bombenflugboot der Besten nach dem Osten durch die ganze Republik USA- Marine legte die Entfernung von Santiago hindurch durchgeführt werden. Diese Autobahn USA- Marine legte die Entfernung von Santiago soll an die Autobahnen und großen Straßen der in Kalifornien nach Washington in 13 Stunden Nachbarstaaten angeschlossen werden. 55 Minuten zurück. Bei diesem Flug handelte es sich um den ersten transkontinentalen Ohnehalt flug eines Wasserflugzeuges dieser Größe. Das 24 Tonnen schwere Flugboot ist mit vier Pratt und Whitney- Vierzehnzilindermotoren, die je 900 PS entwideln, ausgerüstet und hat einziehbare Schwimmer. im Sudetengebiet Die Regierung hat in ihrer Sihung vom Für das Projekt der Autobahn und für die den Erleichterungen für den Motorismus wieder Vermessungen im Terrain werden ebenfalls die von dem nabenden Ende der Eisenbahnen aenotwendigen Mittel flüssig gemacht werden. Die sprochen würde. Unsere Oeffentlichkeit hat in die einschlägigen technischen Studien wurden bereits fer Frage schon einmal Fehler gemacht, und wir eingeleitet. Man rechnet damit, daß die unerläß wollen diese Fehler nicht wiederholen. Den lichen legislativen Arbeiten und technischen und Eisenbahnen fällt auch weiterhin eine bedeutsame organisatorischen Vorbereitungen im Winter ab- Aufgabe zu." geschlossen werden könnten, so daß mit dem Bau bereits am Anfang des kommenden Jahres begonDiese Autostrada, die nur für Motorfahrenen werden könnte. Man schäßt, daß der Bau der Reichsdeutsche Devisenordnung Autostrada etwa die Zeit von fünf Jahren ers fordern wird. Die Anzahl der Kräfte, die beim Bau ständig beschäftigt würden, würde von der anfänglichen Ziffer von 50.000 allmählich auf 100.000 steigen, abgesehen von der Beschäftigung der Industrie, die die Materialien liefert. Diese Bahl von Arbeitskräften in der Industrie kann nach Erfahrungen in anderen Ländern auf das Doppelte bis auf das Dreifache geschätzt werden. Der Bau der Autofernbahn wird auch die Mög lichkeit einer grundsäßlichen Reform des Systema der Arbeitslosenunterſtüßung ermöglichen und durch eine gesündere Form ersetzen, und zwar durch Schaffung einer allgemeinen und ständigen Arbeitsgelegenheit. zeuge bestimmt sein soll, hätte eine Gesamtlänge von über 1000 Kilometer. Die Stadien sollen be ichleunigt durchgeführt werden, damit sobald als möglich die Unterlage für die ordentliche gesez liche Regelung des Projettes erreicht wird und Gin, Internationaler Verband der Film- damit auch eine baldige weitreichende Erhöhung archive" ist in New York ins Leben gerufen wor- der Beschäftigung insbesondere mit Hilfe der den. Ihm gehören an als Gründungsmitglieder: Arbeitsformationen. Damit aber für die Arbeits Das Reichsfilmarchiv in Berlin, die National Ri- losen schon jetzt in der Wintersaison Arbeit bebrary in London, die Cinematheque francaise in sorgt wird, hat die Regierung gleichzeitig beParis und das Museum of modern Art Film Liſchloſſen, unverweilt solche Straßenbauten, deren hrary in New York. Eine Beteiligung weiterer dringliche Notwendigkeit sich aus der Grenzver Länder wird erwartet. Der Verband bezweckt vor änderung ergibt, oder deren Projekte bereits ferallem die Erhaltung wertvoller Filmwerke als tig sind, durchzuführen. Für diese Projekte be wichtige soziale und historische Dokumente aus Ge willigte die Regierung die notwendigen Mittel genwart und Bergangenheit auf nichtkommerziel als Busaß zu dem regulären Budget. Die ArbelTer Grundlage. Zum ersten Verbandspräsidenten ten sind auf alle Länder aufgeteilt. Man rechnet wurde der Amerikaner John Abbott gewählt. Das damit, daß bei diesen Bauten, mit denen schon im Verwaltungsbüro soll in Paris eingerichtet wver fommenden Monat begonnen werden wird, etwa Verwaltungsbüro soll in Paris eingerichtet wer 40 Arbeitsformationen zu 1000 Mann, also etwa Die Londoner ,, Times" wurden am Sams- 40.000 Arbeitskräfte beschäftigt werden sollen. tag zum fünften Male in den letzten zehn Tagen Deutschland Diesmal den. Die Regierung wird unverzüglich die Vers handlungen mit der slowakischen und Karpatho russischen Regierung betreffend eine beschleunigte russischen Regierung betreffend eine beschleunigte Vorbereitung der Durchführung dieses Planes aufnehmen. eine Stiftels über die Spionageaffäre der DeutDer Eisenbahnminister über aktuelle Verkehrsfragen schen in den Vereinigten Staaten. Der Mann, der fich erhängen kann. In einem Prag. Eisenbahnminister Brigadegeneral wird das zweite Geleise am ersten Jänner 1939 Zirku? in New York wird im Augenblid ein schauer- Vlad. Kajdoš besprach gestern mit den volkswirts dem Betrieb übergeben werden. Mit dem Bau liches Schauspiel vorgeführt: ein Mann erhängt sich schaftlichen Redakteuren der Prager Zeitungen die eines Rangierbahnhofs in Deutsch- Brod wurde nach allen Regeln der Kunst, und es passiert ihm wichtigsten Fragen des Eisenbahnverkehrs nach schon begonnen, mit dem Ausbau der Strede nichts dabei. Der Mann heißt mit seinem bürgerli- der Bejeßung unserer bedeutsamsten Verkehrs- Deutsch- Brod- Tischau- Brünn zu einer zweis chen Namen Obotto und stammt aus dem Staate wege durch Deutschland und Polen. Er erklärte, geleifigen, wird im Frühjahr des nächsten Jahres Ontario. Er war lange Zeit arbeitslos und hatte daß für uns jetzt die Verbindung von Böhmen begonnen werden. Ferner wird der Bau des eines Tages beschlossen, seinem Leben in Ende zu mit Mähren am beschwerlichsten geworden ist, auch zweiten Geleises aus Brünn bis Trenčanitá Tepla machen. Seine Frau fand ihn erhängt ror, schnitt wenn man nunmehr nach dem Abkommen mit beendet werden müssen. ihn ab und war maßlos erstaunt, als er ohne jeden Deutschland wieder über Böhmisch- Trübau fah- Im Westen ist die wichtigste Forderung die weiteren Schaden alsbald aus der Bewußtlosigkeit ren kann. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit Ersatzverbindung im Raume Nezvěstice- Přeštice. erwachte. Dvotto dachte lange über sein Glüd im Un- bleibt trotzdem der Ausbau einer neuen Eisen- Der Minister erwähnte die Verwendung der glück und begann nun zu experimentieren, warum er bahnachse Prag- Kolin- Deutsch- Brod- Brünn Arbeitsformation für die Erdarbeiten bei den nicht gestorben war. Er stellte fest, daß seine Hals-- Trenčanstá Tepla. Bis Čáslav ist diese Strede Eisenbahnarbeiten und sprach dann über die Neumuskeln ſich automatiſch so verhärten, daß der Strid schon zweigleisig, im Sektor bis Deutsch- Brod organisation der Verwaltung des Betriebes. In 49 Die neue Sintflut Roman von Noëlle Roger Aus dem Französischen übersetzt von Irma Rippel Aber nein, da, in Reichweite... Und wenn's um ein Becherlein weniger ist, wem würde es wohl schaden? " Was soll geschehen?" fragte Herr von Mis ramar." Dieser Mann hat ein Verbrechen begangen. Berlin, 28. Oftober.( DNB.) Durch Ver ordnung ist jetzt die gesamte deutsche Devisen. gesetzgebung in den judetendeutschen Gebieten ein schließlich der der Ostmark vorgelagerten Gebiete des Subetengaues eingeführt worden. Damit iit die Devisengrenze zwischen dem bisherigen Reichsgebiet und dem Sudetengau vollständig gefallen. Für Reisen nach den sudetendeutschen Gebieten dürfen Reichsmarkbeträge in unbeschränkter Höhe dorthin verbracht werden. Das Erfordernis ber Einreisegenehmigung bleibt jedoch noch bestehen. Trager Zeitung Die Universitätsbibliothek in Prag wird zur Ersparung von Heizmaterial vom 31. Oktober bis 2. November geschlossen sein. Die Rückgabe von Büchern fann an diesen Tagen im Ausleiheprotokoll bon 8 bis 18 Uhr erfolgen. Urania- Kino Seute 2, 4, 6, 49 Uhr: ,, Eine von Allen", Premiere mit Friedl Czepa, Halmah. Regie: K. H. Martin. Montag: Walzer um den Stefansturm" ( lnvergeßlicher Film) mit D. Tschechowa, G. Huber, L. Slezak, W. Albach- Retty. eau asbedingungen: Bet Ruftellung ins Haus oder bet Bezug durch die Bost monatlich Kč 17vierteljährig Kč 51.-, balbjährig Kč 102. ganalabria Ke 204.-- Inferate werden laut Zarif billiaft berechnet. bung ber Retourmarlen.- Die Zeitungsfrantatur wurbe von der Roft. und Zelegrabbendirektion mit Erlak Nr. Druderei..Orbis". Drud, Verlags- u. Beitungs-... Braa Rüdstellung von Manuftrivten erfolgt nur bet Einsen 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.( Sontrollpostamt Braha 25). " Oh! warf Jean Lavorel ein, solange wir das Geld nicht wieder einführen"... " „ Es geht nicht immer um Geld", sagte Georges Grisolles, da ist auch noch die Liebe"... Er betrachtete die vor ihm stehende Gruppe Hans folgt ihr leisen Schrittes. Diesen| denn das möglich, wiederholt der alte Führer im-[ tönen, wie einstens, wenn in einem Salon ein Mann, der sich da über das Fäßchen neigt und mer wieder. respektvolles Schweigen sich um ihn bildete. die Hand an den Spund hält, erfennt er sofort. Und nun mischt sich der Himmel auch noch" Wir dürfen keinen gefährlichen PräzedenzEr stürzt sich auf Dobreman, faßt ihn an den hinein. Einen Tämmerschein sendet er herab. fall schaffen... Wir müssen unsere beginnende Schultern. Ein kurzer, sofort erstickter Ausruf, Was, es wird schon Tag? Die anderen werden Gesellschaft vor jedem Uebergriff der Gewalt und die beiden Körper umschlingen einander, rin bald da sein... und dieses entsetzliche Gesicht, schüßen. Die Zeit des guten Einbernehmens, in gen schweigend im Dunkeln. Dobreman macht eine das er überall sieht, dieses Gesicht des Ermordeten der wir jetzt Teben, wir, die wir verbunden sind Bewegung, wie um etwas aufzuheben. Ein Bliß wird dem ganzen Susanfétale verkünden, daß der durch das gemeinsame Erleben des Schreckens, den zuckt im schmalen Mondstreif. Hans errät die alte Hans, der gute, rechtschaffene alte Hans, cin immer nahen Tod und der Notwendigkeit des dünne Klinge des gezückten Messers. Er lacht mit Mörder ist. gegenseitigen Vorhandenseins, wird nicht immer leidig. Seine beiden knorrigen Hände umkrampfen währen. Der Haß wird wieder erstehen!" Dobremans Hals und die Waffe fällt flirrend auf Hätten Jorris und er das Fäßchen nicht den Stein. Noch kräftiger packt Hans zu, mit stähirgendwo im Gestein verbergen und für sich allein lernem Griff. Die rohe Straft der Urväter ist in Lehalten können?... Doch nein, solche Sachen ihm erwacht, tocht in seinem Blute, härtet seine macht ein Bergführer nicht, denn auch er war ein- Muskeln. Er erkennt jene grimmige Freude wie mal früher Bergführer gewesen. Der alte Ge- der, die einſt ſeine Kräfte verzehnfachte, wenn er meinschaftsinstinkt erwacht in ihm: Der Schnaps im Walde einen Baum unter den Hieben seiner ist für die Stranken... auch er fann eines Tages Art fallen sah. frant sein... Nein, er wird vom gemeinsamen Diese todbringenden Hände umflammern den Gute nichts entwenden. Soll er denn sein ganzes Hals, fester und fester; er zergeht ihm zwischen anständiges Leben verleugnen? Sein Lebtag den Fingern. Hans grollt: hatte er nichts anderes getan, als Menschen ge= Wart nur, du! Branntwein willst du, du führt, gestüßt, gerettet, jene, die sich ihm anver- Nichtstuer, der nur zuschaut wie die andern traut hatten. Er sieht sich wieder auf einem Glet- schuften..." scher als Führer einer Expedition, wie er im Der Körper hat aufgehört sich zu bäumen. Chaos der höchstenSpißen nach verirrten Touristen Nun ist er überwältigt, jest wird er um Gnade sucht, wie er sich an einem Strid in eine Gletscher- flehen.... Hast du noch nicht genug!... Und spalte hinabläßt, um irgendeinen Verunglückten zu Sie fühllose Slammer schließt sich wieder. Plößbergen, in dem vielleicht noch ein unten Leben lich läßt Hans los. Dobreman fadt zu seinen brummte Ignaz. qlimmt. Diese Erinnerungen geben ihm eine Füßen zusammen, wie eine tote Puppe. Plötzlich ,, Er wagt sich nicht mehr in unsere Nähe," innere Genugtuung. Er denkt: In meinem Ve- überfällt den alten Führer eine eisige Stälte. Er fügte Jorris hinzu. " Da wir aber noch keines haben, plädierte rufe habe ich meine Pflicht nach bestem Wissen wird starr, unbeweglich, als ob er gerade erwachte, Dieser Alte hat ein langes, ehrenbolles Jean Laborel, so mag der Geist des Gesetzes dieund Gewissen getan... er weiß nicht, was geschehen ist... Er wartet. Leben hinter sich!" rief Lavorel aus." Ununter- sem Manne zugute fommen". ob der andere sich rührt... Doch, nein, nichts. brochen hat er für uns geschafft. Die Hütten hat Alle folgten dem Blicke Lavorels und wandten Dobreman ist nur noch eine leere Hülle, da zu sei- er uns gebaut, jeden Tag, bei Portes- Neuves sich um. nen Füßen... Kein Hauch... Sollte er... feste er sein Leben aufs Spiel.... während nein, das ist doch nicht möglich... so... und Dobreman..." fchnell padt Hans seinen Feind, schleppt ihn hin- Er verstummte. Auf dem Felsen war Elvinaus aus der Hütte, betrachtet ihn prüfend im bjorgs Gestalt aufgetaucht. Miondlicht.... Die Minuten verrinnen. Dobre- Währenddessen sprach der Schriftsteller in man rührt sich nicht. Er faßt es nicht. Wie ist wohlgesetzten Worten weiter, ließ seine Stimme hätten ihn heute zum ersten Male gesehen. Der alte Hans entfernt sich langsamen Schrittes mit trockenen Lippen und rotem Kopf. Aber da bleibt er plötzlich wie angewurzelt stehen. Er hat etwas gehört. Seine scharfen Augen mühen sich im Dunkeln zu sehen. Er hat sich n... t geirrt. Vorsichtig kriecht eine Gestalt über die els sen, schleicht sich zur Hütte, öffnet behutsam die Tür, verschwindet im Finstern, " In der Haupthütte beraten die Gestrandeten, die sich hier versammelt haben. Durch den Türspalt fah man die gebeugte Gestalt des alten der Walliser, starte Männer mit ihren Armen Hans, der wie von Sinnen um die Hütte irrte. gleich ruhenden Hebeln, ihren nadten, breiten Wenn die Menschengeseze untergegangen Oberförpern, ihren langen Haaren. Im Geiste sah sind, so bleibt das Gottesgeset. Du sollst nicht er sie des Nachts um die Hütten der Frauen töten..." sagte das Mitglied der Akademie und ichleichen. Er dachte an den Tag, an welchem die zitierte hiemit untvillkürlich einen Baffus aus Brunst diese verwilderten Menschen gegeneinander einem seiner Romane, in welchem er sich bemüht heben würde. hatte, die Seele eines Mörders zu analysieren. Herr von Miramar ergriff bedächtig das Wort: Was sich heute Nacht zugetragen hat, beveist, daß ein Statut errichtet werden muß, dem sich alle zu unterwerfen haben. Gerechtigkeit darf nicht als persönliche Rache geübt werden... Sätten wir ein Gesez, müßten wir es wohl seinem Wort laut nach anwenden. " Die Haltung des Schuldigen ist ganz fonterbar", sagte Fürst Orlinsfy. Nicht ein Wort hat er zu seiner Rechtfertigung gesagt, man tönnte fast glauben, daß es ihn nicht einmal reut." " Heute morgen wollte er sich umbringen", Elvinbjorg hielt den alten Hans umschlungen und ging neben ihm her. Ein krampfhaftes Bittern erschütterte die vorgeneigten Schultern des Alten. Als die beiden sich umwandten, sahen sie Elvinbjorg ins Gesicht und sie alle vermeinten, sie 9