3 Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller Redaktion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Rebatteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 18. Jahrgang Schreckliches Unglück in einem Brünner Magazin Zwel Tote und ein Schwerverletzter Brünn.( Eigenbericht.) Montag gegen 15 Uhr ereignete sich im Magazin der Firma Viche in Brünn, Zeile 28, ein außerordentlich schweres Unglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. In dem Magazin waren die Arbeiter Ernst Mottitschka und Wilhelm Křensky sowie der Angestellte Anton Mrhač beschäftigt. Plötzlich stürzte ein riefiges mit einigen Tonnen Eifen belabenes Regal ein und begrub die brei Beschäftigten unter ungeheuerem Getöße. Auf der Unglücksstätte erschienen die Feuerwehr und die Rettungsgefell. schaft, denen es erst nach breiviertelstündiger Be mühung gelang, die Verunglückten zu bergen. Mottitschka wurde mit schweren Verlegungen ins Spital eingeliefert, während die beiden anderen nur mehr als Leichen geborgen werden konnten. Nach einer provisorischen Untersuchung wurde festgestellt, daß das Regal überlastet war. Die Untersuchung wird weitergeführt. Die polnischen Wahlen Regierung meldet Erfolge Wars cha u. Von mehr als 17 Millionen Wählern fanden sich bei den fonntägigen Wahlen in den neuen Sejm etwa 12 Millionen, also 67 Prozent, an der Wahlurne ein. Bei den vorangegangenen Wahlen haben sich 46 Prozent der Wähler beteiligt. Sie brachten nach den bisher vorliegenden Meldungen den Kandidaten des Lagers der Nationalen Vereinigung einen ftar fen Erfolg. Von der Gesamtzahl von 208 Abgeordneten gehören 161 Abgeordnete diesem Lager an, das fomit im neuen Seint eine erbrückende Mehrheit besitzen wird. Starken Eindruck rief in politischen Kreisen der Umstand hervor, daß der Schöpfer der gegenwärtig in Polen geltenden Wahlordnung und einer der Hauptautoren der April- Verfassung, der ehemalige Ministerpräft dent und zuletzt Sejmmarschall, Oberst Slavit, der in Warschau kandidierte, bei der Wahl durch gefallen ist. Trotz des unleugbaren Erfolges des Lagers der Nationalen Vereinigung wird sich im neuen Sejm eine namhafte Gruppe von unabhän gigen Abgeordneten befinden, die allgemein als Anhänger der oppofitionellen Parteien, besonders der Oppositionellen Bauernpartei, angesehen werben. Paul Faure wiedergewählt Wahlerfolg der Sozialpartei in Paris Charolle. Der Generalsekretär der sozialistischen Partei Faure wurde zum Deputierten des Bezirkes Charolle( Dep. Saone et Loire) mit 8505 Stimmen gegen den Radikalſozialisten Morin gewählt, der 7918 Stimmen auf sich ver einigte. Es handelte sich um die Besetzung des Mandates, das nach dem Sozialisten Labille frei war. Paris. Sonntag wurde zum Deputierten des 9. Pariser Bezirkes 3 Wa II i n von der franzöſischen Sozialpartei( de la Rocque) mit 5602 gegen 3889 Stimmen, die der Radikalsozialiſt Orh auf sich vereinigte, gewählt. Es handelte sich um die Besetzung des Mandates, das nach dem Tode des Pastors Souliers, eines Mitgliedes der Republikanischen Vereinigung, frei geworden war. Moskau reinigt die Marine Smirnow verhaftet Dienstag, 8. November 1938 Hitler gegen Churchill Kein Fortschritt der Verständigung Weimar: In seiner sonntägigen Weimarer| daß das deutsche Volk dafür sorgen wird, daß die Rede wandte sich Hitler vor allem gegen die eng- sen Herren ihre Pläne nie gelingen, genau so lische Opposition. Er sagte u. a.: das weiß ich wird das italienische Volk dafür sorgen, daß sie nicht gelingen. Churchill antwortet „ Ich bin auch bereit zu verhandeln," sagte der Reichskanzler, aber ich lasse teine Zweifel darüber: Das deutsche Recht lasse ich weder auf dem Verhandlungswege noch auf einem anderen Wege fürzen." Es sei ſehr ſchön, von internationalem Frieden und internationaler Abrüstung zu reden." Allein, ich bin mißtrauisch gegenüber der Abrüstung der Waffen, solange man nicht einmal im Geiste abrüstet." Aus dem Inhalt: Attentat auf deutschen Botschaftssekretär Für Spanien gilt München nicht Hitler gegen Churchill Der Wahlsieg der schwedischen Sozialdemokratie Nr. 263 Neuaufteilung der Erde Durch die Entscheidungen von München und Wien sind die neuen territorialen und damit auch Machtverhältnisse in Mitteleuropa festgelegt wor den. Ob das Nationalitätenprinzip, welches bei der Festsetzung der Grenzen zur Richtschnur ges nommen wurde, auch noch in anderen Teilen Europas zur Veränderung der Landkarte führen wird, bleibe unentschieden, was aber doch als London. Lord Churchill übergab der wahrscheinlich angesehen werden kann, ist die Breffe eine Mitteilung, in welcher er auf die Kri- Tatsache, daß es in anderen Erdteilen gleichfalls tik des Reichskanzlers Hitler in feiner Weimarer in Asien, wo Japan sich anſchickt, Einfluß über zu Bejizveränderungen kommen wird. Nicht nur Rede antwortet. Churchill wundert sich vor allem, daß das Haupt eines großen Staates fich über ein weite Gebiete des Festlandes zu gewinnen und über Barlamentsmitglied ärgere, das keine amtliche schen, wie es Wandschukuo beherrscht, sondern vor einige Teile Chinas zum mindesten so zu herra Es habe sich so fuhr Reichskanzler Hitler Stellung besitzt und nicht einmal Vorsitzender fort in der Welt eine gewisse Gepflogenheit einer Bartei ist.„ Ehe dieser große Mann irgend des Stillen Ozeans. In seiner Nürnberger Rede allem in Afrika und vielleicht in der Inselweit herausgebildet. Es gebe sogenannte autoritäre eine Beschuldigung vorbringt, daß jemand, sei es und es gebe demokratische Staaten. In den auto- wer immer, den Krieg will, möge er sein Gewisbat der deutsche Reichstanzler versichert, daß die ritären Ländern sei natürlich eine Striegshebze un- fen erforschen. Die Völker des Britischen Reiches Abtrennung der judetendeutschen Gebiete von der ſtatthaft, denn diese Regierungen seien ja ver- und der Französischen Revublik wollen aufrichtig Tschechoslowakei seine letzte territoriale Forde pflichtet dafür zu sorgen, daß es in ihren Völkern im Frieden an der Seite Deutschlands leben, sind rung in Europa darstelle. Darin war schon indi feine Kriegshebe gebe. In den demokratischen Län- aber aufrichtig entschlossen, ihre Rechte und ihre reft die Aufrollung der deutschen Kolonialfrage dern aber hätten die Regierungen nur eine alte Stultur zu verteidigen." angekündigt und das Deutsche Nachrichten- Bureau Pflicht: die Demokratie zu erhalten, d. h. die hat am 23. Oftober 1938 die Forderung nach der Rückgabe der 1919 Deutschland weggenommenen Kolonien erhoben. reiheit, wenn notwendig, auch zum Kriege heten zu dürfen. Herr Churchill habe ganz offen erklärt, er sei der Meinung, daß man das heutige ReFrankreich unklar Paris. Die Weimarer Rede des ReichslanzDeutschland hat vor dem Kriege eine Reibe aime in Deutſchland beseitigen müßte unter Bu- lers findet auch in der Pariſer Abendpreſſe ein von Kolonien besessen. Es waren das in Afrika hilfenahme innerdeutſcher Kräfte. Wenn Churchill lebhaftes Echo und zahlreiche Kommentare. Togo, Kamerun und Ostafrita, Südwestafrita weniger mit Emigrantenkreisen, d. h. mit vom" Temps" bezeichnet sie als abwartende Rede" würde als mit den Deutschen, dann würde er den gewesen. Es wird erwartet, daß von dieſer PoleAusland bezahlten Landesverrätern verkehren und sagt von ihr, sie sei vor allem eine Polemik ganzen Wahnsinn seines Geredes einsehen. Ich mit bald zu einer fruchtbareren Periode übergefann diesem Herrn, der auf dem Monde zu leben gangen werden wird. Vorderhand läßt jedoch die gibt es in Deutschland nicht, die sich gegen das bestehen, was das Münchener Abkommen für die ſcheint, aber eines versichern: Eine solche Straft Weimarer Rede vollkommene Unklarheit darüber heutige Regime wendet. Es gibt in Deutschland Zukunft Nüßliches bringen werde und ob es zu nur eine Straft, die Straft der deutschen Nation in irgendwelchen wertvollen Ergebnissen führen wird.nnegionen verbunden sei, wurden dieje KoloFührung, in Gefolgschaft und in ehernen Waffen. England verdutzt Deutschland habe natürlich lein Recht, etwa zu verlangen, daß die anderen Völker ihre Versowie einige Besitzungen in der australischen Inselwelt und Kiautschau in Ostasien. Im Para Graph 119 des Versailler Friedensvertrages und Ansprüche in bezug auf seine überseeischen wurde Deutschland gezwungen, auf seine Rechte Bejigungen zu verzichten. Da nun aber Wilson den Wunsch hatte, daß der Frieden mit keinen nien formal nicht an die Sieger abgetreten, sondern es wurden sogenannte Mandate geschaffen. die der Völkerbund einzelnen Mächten zur VerLondon. Die Rede Hitlers in Weimar gibt waltung hätte übergeben sollen. Das geschah aber fassungen änderten.„ Ich habe nur die Pflicht, als Chamberlains Friedenspolitik nach Ansicht der ge- nicht, sondern Großbritannien, Frankreich, Belmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, zu berüd- Daily Telegraph" hebt hervor, daß sich die Rede der Kolonien untereinander ohne Völkerbund ge Führer der Deutschen diese Verfassungen und die mäßigten Londoner Kreise wenig Förderung. aien und Japan haben sich über die Verteilung sichtigen." Wenn vor wenigen Tagen der Stell- zum großen Teile mit Angriffen auf die Demo- einigt. Die Mandate wurden in drei Klassen vertreter des Führers der englischen Opposition tratien, auf Churchill respektive Greenwood be- geteilt. Erstens solche, die von der betreffenden im Unterhaus erklärt, er wünsche, daß Italien faßte, aber keine Antwort auf den fürzlichen Ap- Macht solange zu verwalten wären, bis sie selb und Deutschland vernichtet würden, dann lönne vell Chamberlains auf eine Annäherung zwischen ständig werden könnten, was sich aber auf feine natürlich nicht verhindert werden, daß dieser Demokratien und autoritären Staaten gab. Der der ehemaligen deutschen Besibungen, sondern Mann vielleicht auf Grund der demokratischen Ton der Rede lasse vermuten, daß Hitler den wei- nur auf ehemalige Gebiete der Türkei, wie MesoSpielregeln mit seiner Partei tatsächlich in ein teren Bestand der Redefreiheit in den demokrati- potamien, Syrien und Palästina bezog. Zweitens oder zwei Jahren zur Regierung komme.„ Das schen Staaten als unerträglich erachte. Die Rede in solche Mandate, deren Verwaltung mit geaber," so sagt Adolf Hitler, kann ich ihm ver- fei die bisher weitestgehende in der Richtung einer wissen Verpflichtungen für die neuen Herren ver sichern: Ich werde verhindern, daß er Deutsch- Erklärung, daß solange die Demokratien bleiben, bunden war( Togo, Kamerun und Ostafrika) und land vernichtet. Genau so wie ich überzeugt bin, es keine Freundschaft mit ihnen geben könne. schließlich in solche, die den betreffenden Staaten, die sie verwalten, als integrierender Bestandteil eingegliedert werden, was mit den deutschen Kolonien in Ozeanien der Fall war. Leon Blums Resolution angenommen Die Forderung Deutschlands nach Mückgabe der Kolonien stellt ihre gegenwärtigen Besitzer vor schwierige Probleme. So sind einige dieser Kolo Der Kleine Parteitag für Regierung der nationalen Einigung nien, wie Kamerun und Togo, zwischen England Paris. Der Kleine Kongreß der soziali- der Erhaltung des Friedens. Wie sie erklären, und Frankreich aufgeteilt worden, das ehemalige ſtiſchen Partei hat mit 6755 Mandatsstimmen mar die Tichechoslowatei bereits bei ihrer Schaf- Deutsch- Ostafrika ist mit der engliſchen Koloni Kenya verbunden, ein kleiner Teil an Belgien ab. die Schlußresolution Leon Blums gegen 1241 fung fehlerhaft und die Sudetendeutschen hatten Stimmen angenommen, die auf die Linksreso- das volle Recht auf ein Leben in Deutschland uno getreten worden. Für England ergibt sich noch die lution Zyromsti entfielen. Der Text der ange- die freie Entscheidung, wie dies die übrigen fran weitere Schwierigkeit, daß die Bahn, welche der Einigkeit der Volksfront der Linken, spricht zwar insbesondere zu der Zeit, da in Deutschland Kapstadt, durchquert und deren größter Teil durd nommenen Resolution betont die Notwendigkeit zösischen Sozialisten bereits früher glaubten, und Afrika vom Norden bis Süden, von Kairo nach ich gegen den Abbruch der Beziehungen der Nadi- die Sozialisten am Ruder waren. Einige Redner englisches Gebiet läuft, auf einer langen Stred kalen zu den Kommunisten aus und verlangt, daß kritisierten scharf die gegenwärtigen Verhältnisse auch durch das ehemalige Deutſch- Oſtafrika gebt. im Intereffe der Erhaltung der Freiheit und in der Tschechoslowakei. Das Münchener Abtom. Ob England so leicht geneigt sein wird, auf dra Demokratie desbalb neue Erwägungen angestellt men, sagten die Redner, hat der Welt eine ziem Beherrschung dieser Bahn zu verzichten, ist werden. Die Resolution spricht sich weiters gegen liche Erleichterung, wenn auch vielleicht nicht die Frage. Ebenso würde der französische Kolonial jedwede Berlängerung der Bollmacht an die Ne- beste Lösung gebracht. Sie empfehlen eine Stevi, besit in die Nachbarschaft deutscher Besitzungen gierung aus und empfiehlt die Bildung einer sion der Verträge, eventuell des Sowjetvertrags. geraten, was in Frankreich durchaus keine Freuss Regierung der französischen Einiquna. Die Anhänger der zweiten These erblicken in der hervorrufen wird. Moskau, 6. November.( Taß.) Das Präsi In der Debatte über die Außenpolitik stießen Tschechoslowakei das Opfer eines demokratischen Attuell ist übrigens in den letzten Tagen das dium dez Oberſten Sowjets von USSR ernannte zwei Grundiäße scharf aufeinander, und zwar auf Staates, der der deutschen Expansion im Wege Kolonialproblem auch durch die Reiſe des füd. Frinovský zum Volkskommissär für die Kriegs- der einenseite der sozialistisch- pazifistische Grund- stehe. Das Münchener Abkommen habe nach ihrer afrikanischen Verteidigungsministers Pirow marine. Frinovstý tritt an die Stelle Smirnows, faz um jeden Preis, auf der anderen Seite der Ansicht den Frieden in Europa nicht gerettet, son, worden. Dieser Staatsmann bereist gegenwärtig der vom diesem Amte enthoben wurde und sich, der Anhänger des Widerstandes eventuell auch mit dern die Stellung Mussolinis und Hitlers bes einige Länder Europas und hat das Anrecht wie aus gut informierten Quellen verlautet, in den Waffen. Die Vertreter der ersten These, die festigt. Sie befürchten, daß die Lage für Frant. Deutschlands auf Kolonien grundsäßlich anerHaft befindet. Smirnow, von dem erklärt wird, in der Partei die Mehrheit besiben, sind insbeson reich jetzt ärger sein wird." fannt. Allerdings macht Pirow in der Pragis eine daß ihm der gegenwärtige unbefriedigende Stand dere die jungen sozialistischen Deputierten der Sowjetmarine zum Vorwurf gemacht wird, ist' Seveder, Lazurick, Philipp, Le Troquer. der nicht ein, sondern erklärte nur beim Abschluß Deutsch- Südwestafrita, nicht hergeben will. PiBlum griff in die außenpolitische Debatte Land, dessen Minister er ist, zusteht, nämlich Ausnahme, indem er gerade das Mandat, das dem der dritte Kommissär dieses Ressorts seit Oktober Stellvertreter des Generalfekrtärs der Partei dieser, daß die Franzosen eine starke Nation sein cow ist bereit, alles herzuschenken, nur das nicht, Severac und andere. Die Anhänger der zweiten These sind u. a. Byromiti, Brade, Louis Lévy, müssen und um einen Strieg zu verhindern, fünf was seinem Land gehört. Es ist der Gedanke aufLoch u. a. Die tschechoslowakische Frage und die tighin diesen Krieg faktisch zu riskieren den Wils getaucht, Deutschland nicht seine ehemaligen KoloSeptember- Strise in Europa waren ebenfalls Gelen haben müssen. Im Hinblick auf die ziemlichen nien zurückzugeben, sondern das Land lolonia! genstand dieses Jdeen- Kampfes. Die pazifistischen Differenzen in der Partei, hat sich die Schluß auf andere Weise dadurch zu entschädigen, daß Sozialisten erklärten, daß der Sozialismus im resolution des Kongresses über die auswärtige man ihm Teile des belgischen Kongos und des Striege die Lösung nicht erblide, sondern eben in Politit nicht geäußert. portugiesischen Angola geben will, was in Bels 1937. Francois Poncet in Rom Paris. Der frühere französische Botschafter in eBrlin Francois Poncet als Botschafter an seis nen neuen Wirkungsort als Botschafter beim Qui rinal abgereift Crite 2 Dienstag, 8. November 1938 gien und Portugal naturgemäß eine gewisse Be[ wird, wenn von England aus ein gewisser Drud| unruhigung hervorgerufen hat. ausgeübt wird, ist zu bezweifeln. Es ist also sehr leicht möglich, daß in der allernächsten Zeit be reits die Kolonialfrage, bzw. die Verteilung der folonialen Besitzungen insbesondere in Afrika aufgeworfen werden wird und die in den letzten Wochen auf Grund der Betrachtung der euros päischen Politik gewonnenen Erfahrungen sprechen eher dafür, daß es auch in anderen Erdteilen und vor allem in Afrika zu einer Neuverteilung von Territorien und damit zu einer weiteren Aenderung der Machtverhältnisse kommen wird. Die englische Regierung hat sich zu den deut schen Kolonialwünschen noch nicht geäußert. Das französische Kabinett zwar auch noch nicht, aber auf dem radikalsozialistischen Songreß in Mar seille, auf welchem der Ministerpräsident und einige Minister gesprochen haben, hat man er klärt, daß Frankreich nicht gewillt sei, die deut schen Kolonialwünsche zu befriedigen. Ob Frank reich auf diesem Standpunkt weiter verharren Für Spanien gilt München nicht Zäher republikanischer Widerstand Barcelona.( Havas.) Bei der Zwei-| Barcelona und andere Küstenorte. Im Luftkampf jahresfeier der Verteidigung Madrids erklärte schossen die Republikaner über Tarragona ein Außenminister Del Vayo: Spanien ist nicht ge Messerschmidtflugzeug ab. Das Vorgehen und die Methoden von München find in Spanien nicht anwendbar. ,, Nichts Lebensfähiges könnte von einem Konferenztisch kommen, bei dem nicht derjenige ist, der am Schlusse das Wort hat: die spanische Nation," ſagte Del Bayo. Er erklärte noch, daß eine neue italienische Division ,, der grünen Pfeile" in Spanien angekommen ist. Barcelona.( Ag. Esp.) Die außer ordentlich heftige Schlacht hat während des ganzen Sonntags in der Zone Bonifamet im Ebro abschnitt angehalten. Die Invasionstruppen, denen etwa 100 Tanks und motorisierte italienische Truppen vorausgingen, griffen mit italienischdeutscher Artillerie- und Flugunterstützung die Stellungen an und es gelang ihnen, in Breite und Tiefe etwas vorzurücken. Die Eindringlinge und ihr Rebellengefolge erleiden sehr hohe Verluste. Die republikanischen Fluggeschwader operierten mit sehr großer Wirksamkeit und belegten wiederholt die feindlichen Linien mit MG- Feuer. Salamanca. Der Berichterstatter des Neuterbüros an der Ebrofront teilt mit: Nach einem heftigen Kampfe den ganzen Sonntag hindurch, haben die Francotruppen ihre Positionen befestigt. Die Regierungsabteilungen verteidigten jedoch andauernd in zäher Weise Mora de Ebro. Troßdem die Francotruppen bereits vor dem Dorf standen und durch die Rauchschwaden die zerschossenen Häuser sahen, durften sie auf Befehl der Armeeleitung sich in keinen Stampf in den Straßen einlassen. Die Truppen konnten erst in das Dorf eindringen, als die Verteidiger durch ein Umfassungsmanöver aus der Ortschaft hinausge drängt worden waren. Nr. 263 Tschiangkaischek glaubt an Endsieg Vorbereitung der Entscheidungsschlacht im Binnenlande Prag. Die chinesische Gesandtschaft stellt den Hauptgrundsäßen beruhe: 1. auf einem Tangan Blättern folgenden Bericht zur Verfügung: dauernden Widerstand, 2. auf dem Widerstand Marschall Tschiangkaifchek berichtete in den let der ganzen chinesischen Nation und 3. auf einent ten Tagen eine große Kundgebung an die chinesi Kampf, in welchem sich die chinesische Armee die fche Nation, in der er seiner festen Entschlossenheit Initiative in den Operationen erhält. Er fügte Ausdruck gab, den Kampf gegen Japan fortzu- hiezu, daß auch wenn die wirtschaftlichen und führen und das Volk aufforderte, vertrauensvoll triegerischen Quellen Chinas erschöpft wären und an den Endsieg der chinesischen Truppen zu glau- die Blokade fortgesetzt sowie alle internationalen ben. Ueber den Rückzug erflärte Verbindungen gestört würden, China den Kampf Marschall Tchiangfaischet dem doch bis zum Endsieg fortsetzen werde. Japanischer Vormarsch gleich zu Beginn der chinesisch- japanischen Feind feligkeiten ausgearbeiteten Operationsplänen die Operationsbasis für die Tätigkeit der chinesischen Tokio. Japan geht gegen Tschangschu in drei Truppen nicht die Küstengebiete waren, wo sich die Richtungen vor: Seine Marineeinheiten haben Japaner bank ihrer besseren Ausrüstung im Über- schon Kiajn erreicht, das halbwegs zwischen Hansewicht befinden, sondern daß es das Ziel der chin Kiain erreicht, das halbwegs zwischen Hans und Jotschau gelegen ist. Die Landtruppen nesischen Strategic gewesen sei, die japanischen gehen im Süden längs der Eisenbahn von Han Truppen in das Landsinnere zu loden. Die chi lau her vor und haben Putschi erobert. Eine ans 32 Francoflugzeuge abgeschossen nefische Strategie hat nicht damit gerechnet, daß dere Kolonne der Landtruppen hat Tjunjanu, Barcelona.( Ag. Efp.) Im Laufe der bei der Stadt Hantan eine Entscheidungsschlacht ferner Hwaschau und Liutij erobert, die sämtlich vergangenen Woche hat die republikanische Fluggeschlagen werden sollte. Ihr Ziel war es, dem etwa 15 Meilen südöstlich von Putschi gelegen waffe 24 Fiat- Jagdflugzeuge, fechs Messer- Feinde in diesem Abschnitte die schwerstmöglichen sind. schmidt- Jagdflugzeuge, zwei Dornier- Zweimotor- Berluste zuzufügen und Zeit für die VerteidiBomber abgeschoffen. Diesen 32 Flugzeugver- gungsarbeiten im Inneren des Landes, vestlich Englands Botschafter luften der Invasion stehen fünf republikanische der Stadt Hankau zu gewinnen. gegenüber, wobei alle Flieger bis auf einen fich Nach dem Falle Kantons und der Unterbreretten konnten. Weitere drei Fiat, zwei Meffer- chung der Eisenbahnverbindung Kantons mit schmidt und ein Heinkel konnten schwer beschädigt Santau hat diese Stadt ihre Bedeutung verloren entkommen, ihr Absturz ist kaum zu bezweifeln. und darum wurde der Befehl erteilt, sie zu räuEin Savoia- Marchetti- Bomber wurde durch das men. Der Rüdzug erfolgte in absoluter Ordnung. republikanische Flatfeuer an der katalonischen Marschall Tschiangtaischet betonte ferner, daß der Küste schwer beschädigt und mußte notlanden. Plan des chinesischen Widerstandes auf drei Seit dem Beginn der sechsten Ebro- Offensive der Rebellen, also seit dem 15. September d. J., verlor die Invasionsflugwaffe mindestens 111, wahrscheinlich aber 117 Maschinen, die Repu blik dagegen nur 20. Die Besatzung von zehn dieser Flugzeuge ist gerettet. Ein Rechtspolitiker gegen Franco Madrid.( Ag. Ejp.) Das Blatt ,, El Diluvio" meldet, daß Francisco Cambo, der vor dem Generalaufstand als Vertreter der Rechten Minister Klub der deutschen Nationalsozialisten in der ČSR bei Tschiangkaischek London.( Reuter.) Nachrichten aus Londo ner amtlichen Kreisen zufolge bestätigt es sich, daß der britische Botschafter in China fürzlich eine Zusammenkunft mit Marschall Tschiangtaischet hatte. Wo diese Zusammenkunft stattfand, ist nicht bekannt. Palästinensisches Wochenende Brandstiftungen am laufenden Band Prag. Der parlamentarische Klub der ehe Jerusalem. Auch dieses Wochenende war in maligen Sudetendeutschen Partei gibt befannt: Palästina wieder infolge zahlreicher Zusammen Unter Vorsitz des Abgeordneten Ernst Sundt fand stöße blutig und außerdem kam es zu zahlreichen cine Sigung jener Parlamentarier der ehemali Brandstiftungen. Im Zollgebiet des Hafens von gen Sudetendeutschen und Karpathendeutschen Haifa ging ein großes Lagerhaus in Flammen Partei statt, welche ihren Wohnsiz innerhalb der auf. Der Sachschaden beträgt 50.00 Pfund. In neuen tschechoslowakischen Grenzen haben. Als Nablus wurde durch Feuer eine Seifenfabrit zerwar und durch seine Millionen den Aufſtand ge- Ergebnis der Aussprache gab Abg. Ernst Kundi stört. Bei Nathania im Bezirk Haifa wurden die fördert hat, daran iſt, ein Buch gegen Franco und dem Präsidium des Parlaments die Selbst Gebäude der dortigen Orangengärten durch Feuer seine Herrschaft zu veröffentlichen. Einer fran auflösung des parlamentarischen Klubs der zerstört. Aus der Paketabteilung des Postgebäu zöſiſchen Persönlichkeit hat Cambo erklärt, daß er Abgeordneten und Senatoren der SdP und dß des in Paifa wurde von arabiſchen Aktiviſten ein nicht an einen Triumph Francos glaube und die bekannt. Gleichzeitig teilte er mit, daß die Abge- Goldbarren im Werte von 775 Pfund Sterling ſem nur die militärische Fähigkeit eines schlechten ordneten Ernst Stundt, Ingenieur Starmasin, entiendet. Die Attivisten hielten die Postbeamten Generalstabsmajors zuerkenne. Ingenieur Kraliček, Dr. Lotscha, Professor Mayr- mit der Waffe im Schach. In mehreren Dörfern Harting sowie die Senatoren Braß, Professor des Bezirkes Jaffa wurden zahlreiche Araber im Hilgenreiner und Senator Keil den parlamen Verlauf einer militärischen Durchsuchungsaktion Madrid. Bei der Belagerung von Madrid, tarischen Klub der deutschen nationalsozialistischen verhaftet. In dem Dorf Agraba( Gebiet von Nabdie jetzt schon über zwei Jahre andauert, sind Abgeordneten und Senatoren in der Tschechoslo- lus) wurden 100 araber, in alhuj bei Jeruſabisher bei Angriffen von Fliegern oder durch wafischen Republik gegründet haben. Zum Vor lem 81 Araber festgenommen. Bei Yibua( Bez. Wieder britische Schiffe getroffen Artillerie 1176 Bivilpersonen getötet worden. ſizenden des neuen Klubs sowie als Vertreter von Gaza) wurden drei Araber vom britischen Die republikanischen Flatbatterien von Car- Nur der dritte Teil der Hauptstadt bildet einen gegenüber dem Präsidium des Abgeordneten Militär erschossen. In Jerusalem wurde außer= tagena trafen am Morgen des 5. November eines Teil der Kriegszone. Bis zum Oktober d. J. Hauses wurde Abgeordneter Ernst Kundt, zum dem wieder ein Araber vom dortigen Militärgeder Invasionsflugzeuge, die die Stadt angriffen; wurden diejenigen Madrider Viertel, die nicht in richt zum Tode verurteilt. Die britischen Bchördie Maschine geriet in Brand und stürzte ins der Kriegszone liegen, von 9197 hocherplosiven den in Palästina ordneten aus Strafgründen die Meer. Vergangene Nacht und Sonntag bombar- Bomben oder Artilleriegeschossen getroffen. Fast Sprengung einiger Häuser in der Hauptstraße von dierten ausländische Flugzeuge Almeria, wo sie zwei Fünftel aller Gebäude wurden vollständig Haifa an. die britischen Schiffe Margret- Rose" und zerstört, davon 15.000 in der Kriegszone und Portbrout" beschädigten, Cartagena, Tarragona, 5100 außerhalb derselben. Madrid im dritten Kriegsjahr Direkte Verhandlungen Prag- Budapest Die Ungarn besetzten die dritte Zone- Einzug Horthys in Komorn Vra g. Das Wiener Schiedsgericht hatte| feierlichen Empfang waren alle Mitglieder der bestimmt, daß sämtliche Fragen, die mit der Ab- Regierung mit dem Ministerpräsidenten Imredy tretung des Gebietes zusammenhängen, durch an der Spize anwesend. Der Reischverweser direkte Verhandlungen zwischen der Tschechoslo- wurde vom Ministerpräsidenten und vom Bür wafei und Ungarn gelöst werden sollen. Diese germeister begrüßt. Nach der Antwort des ReichsVerhandlungen beginnen Dienstag in Budapest verwesers auf die Begrüßungskundgebungen nahm zwischen dem tschechoslowakischen Gesandten und er den Vorbeimarsch der Truppen ab. der ungarischen Regierung. Zu den Verhandlungen reisten aus Bratislava als Experten General Das Ungarnproblem Viest, der Chef des technischen Dienstes Ing. Janšák, der Vorstand der Staatsbahndirektion Ing. Viest, der Postdirektor Ing. Kudlák und der In Jugoslawien akut? Paris. Einer Information des" Matin" zuVertreter gegenüber dem Präsidium des SenatProfessor Hilgenreiner gewäbit. Nach der Sigung unterzeichneten die genannten Parlamentarier im Sinne der jüngsten Verfügung das verfassungsmäßig festgelegte Parlamentarier- Gelöbnis. Dieses präjudiziert die Fragen des Optionsrechtes sowie die Fragen der Staatsbürgerschaft der betreffenden Barlamens Die Senatswahlen In Frankreich tarier in feiner Weise. Die Abgeordneten Doktor In jedem dritten Jahr wird ein Drittel des Hans Neuwirth und Dr. Peters sowie Senator Strezal aus Brünn haben ihr Mandat nieder- französischen Senats neu gewählt. In der zweiten gelegt, da sie in das Gebiet des Sudetengaues Oktoberhälfte wählten die Departements von Ain übersiedeln. Als nächste Aufgabe sehen die im bis Gard und drei Stolonialdepartements ihre parlamentarischen Klub der deutschen national Senatoren. sozialistischen Abgeordneten und Senatoren vereinigten Parlamentarier die Obsorge für das Deutschtum innerhalb der neuen Staatsgrenzen sowie die Mithilfe bei einer entsprechenden Neuregelung der innerstaatlichen Verhältnisse überhaupt sowie im besonderen der notwendigen neuen Beziehungen zivischen dem deutschen Volke einerseits und den Tschechen, Slowaken und trainern andererseita. an deutsche Schulen Generalsekretär des Industriellenverbandes Ing. folge, die von der" Daily Mail" übernommen Keine tschechischen Lehrer Dr. Zaffo und aus Prag Legationsrat Dr. Nie- wurde, soll Sonntag der ungarische Außenminiderle ab, der Chef aller bisherigen handelspoliti- ster von Kanya unweit von Szeged mit dem juschen Vereinbarungen zwischen der Tschechoslowa- qoslavischen Ministerpräsidenten und Außenmi fei und Ungarn. nister Dr. Stojadinovič zusammengetroffen sein Budapest. An der Spiße der ungarischen und mit ihm über die definitive Negelung des Truppen ist Sonntag nachmittags der Reichsver- Problems der ungarischen Minderheiten in Nuweser Horthy in Komorn eingezogen. Bei dem mänien und Jugoslavien gesprochen haben. England kauft 600.000 Tonnen rumänischen Weizen Italien und Deutschland umwerben Südosten Die Wandlung der öffentlichen Meinung kommt bei den Senatswahlen taum zum Ausbrud. Das mittelbare Wahlrecht bei den Senatswahlen dient wie ein Damm gegenüber dem allgemeinen Wahlrecht. Wähler bei den Senatswah len sind die Abgeordneten, die Generalität, die Gemeinderäte, wobei die kleinen Dörfer gegenArrondissementsräte und die Wahlmänner der über den Großstädten bevorzugt sind. Auf diesen Umstand ist es zurückzuführen, daß z. B. im groBen Departement Ain die Abgeordneten zu den Linksparteien, die Senatoren jedoch zu den Stedtsparteien gehören. Auch keine deutschen Parallelkurse Mit Berücksichtigung dieses Wahlverfahrens an tschechischen Schulen und mit Hinblick darauf, daß die Departements, Prag. 6. November. In der Tagespresse er- die gewählt haben, mit der Ausnahme von Marschienen Nachrichten, daß das Ministerium für ſeille und Breſt, ſaſt nur ländliche Gegenden um Schulwesen und Volksbildung die überschüssigen fassen, ist als ein Erfolg zu buchen, daß die franLehrer aus tschechischen Volksschulen deutschen zösische sozialistische Partei die Zahl ihrer SenaSchulen zuteilen wolle. Diese Informationen be- toren um eins und die Zahl ihrer Wähler um Petroleum und Goldfelder in Transylvanien, son- ruhen nicht auf Wahrheit. Das Ministerium für 25.5 Prozent vermehren konnte. Die ausscheidendern auch Eisen im Banat und Kupfer in der Schulwesen kann Lehrer, welche die Lehrbefähi- Gard und Léon Bon in Bouches du Rhône, wurden sozialistischen Senatoren Bruguier im Dobrudscha. Die Korrespondenten wollen wissen. gung für tschechische Schulen besißen, nur tschechis daß Deutschland ein Angebot zum Ankauf der schen Anstalten und keineswegs deutschen Schulen den neugewählt. Valette in Drôme fiel zwar rumänischen Weizenernte für die nächsten zwei zuteilen. Das Ministerium hat keine Verfügung durch, aber der Bürgermeister von Marseille, Jahre gemacht habe. Eine italienische Wirtschafts- ähnlichen Charakters getroffen und auch nicht we Tasso, und der gewesene Innenminister Marg delegation fei gleichfalls in Rumänien gegen- gen Aufhebung deutscher Schulen oder Errichtung Dormoy haben zwei neue Siße erobert. Eine wärtig zu Besuch. von deutschen Parallelklassen an tschechischen Schu- tommt der Wahl von Dormoy in Allier zu, da nicht zu unterschäßende politische Bedeutung len erwogen, worüber gleichfalls in der Presse. fein radikalsozialistischer Gegner Marcel ég= Nachrichten erschienen ſind. London. Der britische Kauf von 600.000 Tonnen rumänischen Getreides zu einem Preis von drei Pfund pro Tonne ist, wie die Blätter Montag früh aus Bukarest laut Informationen aus verläßlichen britischen Quellen melden, ab- Eisenbahnabkommen mit Polen geschlossen worden. Die Lieferung wird in zwei Teilen erfolgen. Der erste Teil umfaßt 200.000 Paris, 6. November.( Havas.) Das HavasTonnen, der zweite Teil 400.000 Tonnen. Es bureau meldet aus Warschau, daß soeben vier Abwird berichtet, daß eine deutsche Wirtschatfskom kommen über den Eisenbahnverkehr, der das che= mission gegenwärtig in Bukarest weilt, die ein malige tschechoslowakische Gebiet mit Polen und Angebot auf Einräumung einer zehnjährigen Deutschland verbindet, abgeschlossen wurden. Diese Konzession an Deutschland für alle Bergwerks- Uebereinkommen, welche nach der gleichen Quelle und Petroleumgiuben gemacht hat, für welche auch noch sämtliche Fragen der polnisch- tschechoDeutfchiand bereit ist, in Devisen zu bezahlen. Die slowakischen Verkehrsbeziehungen regeln, sollen Blätter meinen, Rumänien besite nicht nur bereits am 10. November in Gültigkeit treten. Schweizer Arbeiter gegen Auslandspropaganda Bern. Mehrere schweizerische politische und Berufsverbände, darunter der schweizerische Metall- und Uhrenarbeiterverband mit 70.000 Mitgliedern, haben Resolutionen zur Verteidigung der demokratischen Ideale und zur Ablehnung der ausländischen Propaganda angenommen. nier, gewesenes Mitglied des Laval- Kabinetts, ein heftiger Gegner der Volksfront ist. In Ain und in Doubs wurden die sozialistischen Stimmen ver doppelt, in Ariège fast verdreifacht. Die rechtszentristische Marin- Gruppe unters stüßte die volksfrontfeindlichen radikalsozialistifchen Senatoren und bekämpfte die volksfrontfreundlichen. Die Marin- Gruppe verzeichnet acht Gewinne, die radikalsozialistische Partei drei Verluste. Nr. 263 Was schreibt die tschechische Presse? Dienstag, 8. November 1938 Noch keine innenpolitische Klärung Die tschechische Preffe befaßt sich mit der außen- und innenpolitischen Lage, wie sie fich nach der Festsetzung der Grenzen der Republik ergibt. Innenpolitisch sind die Dinge noch immer nicht geflärt, wie die Gestaltung des Parteienwesens im neuen Staat sein wird, steht noch nicht fest. 1918 und 1938 Antonin Ro ček vergleicht in der„ Národni Politika" die Situation des Staates von heute mit jener von 1918, und schreibt: Es ist nicht notwendig, zu verzweifeln. Als wir Ende 1918 nach Hunderten von Jahren im eigenen Hause begannen, war die Situation für uns eigentlich viel schwieriger. Es war knapp nach einem vierjährigen Strieg, welcher zwar nicht über unser Gebiet hinweggegangen ist, aber doch bei uns schwere Spuren hinterlassen hat. Der lange Krieg zehrte unsere Vorräte auf, brachte die Währung ins Wanten, hai das Nationaleigentum wesentlich vermindert, wäh rend heute sowohl unsere Landwirtschaft als auch unsere Industrie trotz der großen territorialen BerIuste auf europäischer Höhe steht, unsere Lager mehr als genügend gefüllt sind und ebenso unser nationa Ies Eigentum unvergleichlich größer ist als nach dem beendigten Krieg. Und wenn wir damals nicht geschwankt haben, ist kein Grund, jetzt zu schwanken, da trotz aller Schwierigkeiten der Zeit unsere Aussichten nicht so schlecht sind, daß wir sie nicht für uns, für unsere eigene Stärfung, für eine bessere Bufunfi auszunüßen verstünden. Woran sind wir? Allgemeine Erwägungen ähnlicher Art finden wir im česté Slovo", dessen Chefredakteur K. 3. Klima u. a. schreibt: sind und in welchen Grenzen wir unser neues natio ist, für den Staat auch ihre ernste wirtschaftliche Seite hat. Wir wollen hier mit Absicht nicht raten, wie diese Frage entschieden werden soll. Wir wollen nur darauf aufmerksam machen, daß sie so oder so entschieden werden muß, wenn unser WirtschaftsGebieten wieder in wir Erite 3 Jagesneuigkeiten 30 Tote bei einem Atelierbrand bracht Leben in gen die Unternehmungsnung ge Gebieten nicht gehemmt werden soll. Soviel sollten I und der Wortlaut hauptsächlich ber unseren uit missen, daß die Gemmung der Unternehmungsfrüheren Proheute mit großen Rijiko berbun Oslo. Bei einem Atelierfest in dem Osloer gramme, über die Leute ungehalten waren, welche den ist, mit einem größeren, als jemals früher, und Photographenatelier Anderson entstand Samstag Gewisse Parolen aus früherer Zeit hat man der heu- führen kann. Ich verlange nichts mehr, als daß man leben zum Opfer fielen. Die Katastrophe hat sich nicht das innere Leben unserer Partei gefannt haben. daß von da ein direkter Weg zu Armut und Hunger nachts ein furchtbarer Brand, dem 30 Menschentigen Partei ständig vorgeworfen, ohne Rücksicht dar- den jüdischen Unternehmern bei uns flar sagt, ob sie in wenigen Minuten abgespielt. Die einzige aus auf, daß sie nicht einmal mehr in den neueren Pro- arbeiten können oder nicht. Wird man es ihnen nicht dem Atelier führende Tür auf die Hintertreppe grammen waren und daß sie auch ausdrüdlich auf fagen, werden Unternehmungen, an deren Spike sie war durch Möbel versperrt, während eine zweite den Kongreffen richtiggestellt wurden. Tatsache ist, stehen, in bestimmter Weise und in bestimmtem Grade Tür nur nach innen zu öffnen war. Diese Tür daß unsere Partei schon im Weltkrieg und dann lahm liegen. Das aber können wir uns nicht er- versperrten die in der gräßlichen Panik sich vor hauptsächlich beim Aufbau des selbständigen Staates eine tiefe Wandlung durchgemacht hat... der Tür zusammendrängenden Personen. Das ganze vierstödige Gebäude brannte nieder. Alle Festteilnehmer, mit Ausnahme der Gattin des Atelierbesitzers, die sich früher zurückgezogen hatte, sind verbrannt. Die Ursache konnte noch nicht geflärt werden. Der Abtransport, der bis zur Un kenntlichkeit verbrannten Leichen dauerte bis zum Nachmittag. Die Unglücksstätte liegt nur einige hundert Meter vom königlichen Schloß entfernt. Der Brand ist der größte, der sich in den letten hundert Jahren in Oslo ereignete. Alle 30 Toten find Norweger. Der wirtschaftliche Charakter der Judenfrage In den„ Lidové Noviny" vom Sonntag schreibt Ferdinand Peroutka über die. Judenfrage u. a. folgendes: Nur aus Feigheit könnten wir verschweigen, daß die Judenfrage, welche für einige Leute und Beits schriften nunmehr zum Thema der Themen geworden lauben, Osuský Wie die ,, Národní Novinh" melden, hat der Pariser Gesandte der Tschechoslowakei, Dr. Ste fan Ofsustý, der Sonntag in Prag eingelangt ist, feine schon schriftlich erhobene Forderung wiederholt, es möge gegen alle Schuldigen in der auswärtigen PoTitif, welche durch ihr Vorgehen und ihre Richtlinien die Katastrophe verhindert oder zu ihr beigetragen haben, die Untersuchung eingeleitet werden. Die Gebiets- und Menschenverluste durch Wien 587.558 Ungarn und 439.345 Andersnationale Man vermutet, daß die Festgesellschaft vor dem Auseinandergehen an der geschlossenen Ausgangstür photographiert werden sollte und daß dabei Magnesiumpulver zur Belichtung verwendet wurde, das die leicht entzündbare Ausschmüdung in Flammen feste. Ein unmittelbar neben dem Atelier wohnender alter Mann fonnte Prag. Nach den Ausweisen des Staatlichen deutscher, 503.980 ungarischer, 26.151 Personen sich im letzten Augenblick retten, weil er durch das Statistischen Amtes in Prag tritt die Tschechoslo- jüdischer, 14.617 anderer Nationalität und Bellen feines Hundes geweckt wurde. walische Republit in der Slowakei und in Karpa- 26.005 Personen fremder Staatszugehörigkeit. thorußland 11.823.53 Quadratkilometer mit In Starpathorußland wurden an Ungarn In Marsellle noch 18 Vermißte find flowaliſcher une tschechischer Nationalität Einwohnern abgetreten. Davon sind flowvatischer unter den Trümmern 1,026.903 Einwohnern an Ungarn ab. Davon 1523 Quadratkilometer Landgebiet mit 178.233 288.611, Personen, russischer Nationalität und tschechischer Nationalität 16.466 Personen, 35.250 Personen, deutscher Nationalität 13.481 russischer 33.453 Personen, deutscher 4534 PerPersonen, ungarischer Nationalität 587.558 Per- fonen, ungarischer 83.578 Personen, jüdischer sonen, jüdischer Nationalität 51.578 Personen 25.427 Personen, anderer Nationalität 930 Peranderer Nationalität 15.547 Personen und aus- sonen und 8863 Personen fremder Staatszügeländischer Staatszugehörigkeit 34.868 Personen. hörigkeit. In der Slowakei wurden an Ungarn 10.309,27 Quadratkilometer Landgebiet mit lebten 571.888 Ungarn; nach der Wiener EntAuf dem bisherigen Gebiete der Slowakei 853.670 Bewohnern abgetreten. Sievon sind scheidung verbleiben in der Slowakei 68.008 und 272.145 flowakischer und tschechischer Nationali- in Karpathorußland von den bisherigen 109.472 tät, 1825 Personen russischer, 8947 Personen bloß 25.894 Ungarn. Jetzt endlich nach den langen vier Wochen Qualen und vergeblicher Hoffnungen wiſſen wir, woran wir nales Leben einrichten können. Es ist dies ein araufamer Nüdzug vom zwanzigjährigen Nuhme, an den wir in Zukunft traurig als an eine Zeit denken were den, da uns vom Schidjal gegönnt war, die Wünsche ganzer Generationen erfüllt zu sehen. Nach dem Kriege, in welchem wir auf der stärkeren und siegrei chen Seite gestanden hatten, bekamen wir mehr, als wir dauernd ertragen konnten. Wir haben uns ge wöhnt, im Siegesrausche von einem Tag auf den an dern zu leben... Masaryk hat einmal gesagt, daß wir auf den Berg gekommen sind und daß wir uns bemühen müssen, uns auf dem Berge zu erhalten. Wir haben uns nicht gehalten, der deutsche Wirbelsturm, der rascher fam, als wir uns und die anderen es gedacht haben, hat in Europa mehr mitgerissen als uns. Ohne Krieg haben sich Frankreich und EngTand, die Hauptsieger und Signatare des Bersailler Friedens, alle ihre Trümpfe allmählich entwinden Taffen. Wir waren vorläufig der Teste Fall, bei wel chem das neue Deutschland noch Frankreich und England so oder so ber ücksichtigen mußte was Pari 8. Montag vormittags brang ein nachfolgen wird, wird ohne sie gehen. Im übrigen Fremder in das Gebäude der deutschen Botschaft, war es schon in unserem Falle nur der Schein des und zwar in das Burcan der dritten LegationsWiderstandes, den Frankreich und England zu sekretärs von Rath, und gab auf ihn zwei Reunseren Gunsten zeigten, und im Wesen ging volverfchuffe ab. Das erste Geschoß durchschlug dem es nur um die Prozedur, wie man nachgeben Legationssekretär die Schulter, das zweite drang foll. Zum Schluß hat man dies mit dem heuchleri- in die Gegend der Leber ein. Der Verwundete schen Ruhm bedeckt, daß der Friede gerettet tor- Legationssekretär wurde sogleich in eine Klinik geden fei. bracht. Autoritäre Demokratie Im ,, Venkov" äußert sich dessen Chefredakteur Rudolf Halit über die Demokratie folgendermaßen: Die Demokratie wird erhalten werden. Die Blätter, welche heimtüdisch von der Totalität schreiben, mögen schweigen. Die Grundlage des nationalen Geistes und des Nationalcharakters ist demokratisch. Jene, welche im Schmerz nach der Diftatur rufen, würden sie verfluchen, wenn sie ihr Glüd versuchten. Werden wir fünftighin das Wort Demokratie aus sprechen, dann werden wir das Wort anders verstehen. Das Wort wird einen anderen Begriff, einen anderen Inhalt und eine andere Praris haben. Spre chen wir von der autoritären Demokratie, ift die nicht eine Maske antidemokratischer Bestrebungen. Das Parteienproblem stätte des Marseiller Warenhauses befinden sich Marseille, 6. November. Auf der Brandnur mehr wenige Trümmer und der Direktor des Technischen Polizeilaboratoriums Dr. Beroud glaubt, daß es nicht möglich sein werde, die rest lichen 18 Leichen zu finden, die sich noch unter nommen, daß bei dem Brande die Temperatur den Trümmern befinden sollen. Es wird anges 1500 bis 2000 Grad erreichte. Dies bedeutet. daß manche der Leichen so verbrannt wurden, dak nichts von ihnen übrig blieb. Der Fernflug Attentat auf deutschen Botschaftssekretär der englischen Bomber geglückt Aus Rache für die Ausweisung der polnischen Juden Deutschland ausgewiesenen Glaubensgenossen rächen wollte. Bei der Polizeibehörde sagte er aus, daß er Herschel Seibel Grynszpan heiße und am 29. März 1921 in Hannover geboren sei. Die deutsche Botschaft hat beim französischen Außenministerium strengste Durchführung der Untersuchung verlangt und zugesagt erhalten. Der Zustand des Botschaftssekretärs von Nath ist sehr ernst. In der Klinik wurde dem Nach einem Bericht der deutschen Botschaft Verwundeten das eine Geschoß aus der unmitbesitzt der Angreifer die polnische Staat stelbaren Nähe des Rückgrates entfernt. Das anbürgerschaft und hatte einen Paß bei sich, dere Projektil traf in der Nähe des Herzens. den der polnische Generalkonsul in Paris ausgestellt hat. Im Berichte der Botschaft wird weiter angeführt, daß der Angreifer offensichtlich für seine Tat verantwortlich ist, wenn er auch ein Fanatifer zu sein scheint. Der Angreifer war Montags in der Botschaft erschienen und hatte verlangt, zu dem dritten Sekretär geführt zu verden. Nath empfing ihn und der Pole begann sofort zu schießen. Als er über die Beweggründe befragt wurde, gab er an, daß er seine jüdischen aus Ueberblick über die letzten schwedischen Wahlresultate Die Národni List y" wenden ihre AufEine Uebersicht über die Gemeindewahlen in merksamkeit den innerpolitischen Verhältnissen zu. Schweden zeigt, daß die Sozialdemokraten einen reinen Gewinn von 304 Sißen zu verzeichnen, die So schreibt Jan Soufenfa im Leitartikel: Die Wahl des Präsidenten wird der Ausgangs- Kommunisten einen solchen von 27, während die punkt zu Veränderungen sein, zu denen es mit Not- bürgerlichen Parteien 240 und die Sozialistische wendigkeit kommen wird. Bu diesen Veränderungen Partei 61 Sike verloren haben. Das Gesamterbereitet man sich auf vielen Seiten langsam und zögebnis der Gemeindewahlen ist dieses: gernd vor und dennoch gibt es kein Ausweichen. Alles, was um uns geschieht, erlaubt nicht, daß die Vers hältnisse so sein werden, wie sie waren. Und insbe= Rommuniſten. Die Polizeibehörden haben bisher feinen Vericht über das Verhör mit dem verhafteten Täter veröffentlicht. Sonntag hatte er sich in einem Hotel auf dem Boulevard de Straßburg in der Nähe des Ostbahnhofes einquartiert, wo die Polen zu wohnen pflegen. Er hatte keine Dokumente vorgelegt. Wie auch die Pariser Blätter meinen, scheint es, daß es sich nicht um die Aftion irgend einer Gruppe, sondern um die Tat eines vereinzelten Fanatikers handelt. Diktatur In Estland verschärft sich Die einzige sozialistische Zeitung Estlands, „ Rahva Söna", wurde Ende September verboten und der Redakteur Ioona& aus Tallinn aus gewiesen. Die Regierung begründete das Verbot mit der Behauptung, daß die Zeitung die Außenpolitik der Regierung schädige und sich der Bildung einer Volkseinheit widmete. Ueberdies, so wurde den Vertretern der Zeitung mündlich gesagt, bringe die Zeitung Zivist in die Arbeiter Zahl der Size Verlust oder Gewinnschaft. + % 1984 1988 + 14 304 94 88 61 65 72 10 27 88 18 Total 8556 8588 301 881 79 56 sondere wird dies nicht mit unseren politischen Par- Bürgl. Parteien 1718 1478 240 teien gehen. In dieser Hinsicht treten ständig Ver- Sozialdemokraten 1677 1981 fuche auf, die alten Organismen unter allerlei Vor- Sozialisten... wänden zu erhalten. Und doch ist die Situation völ= lig klar. Wir brauchen eine große Partei, welche den Staat gemäß den heutigen Verhältnissen verantwirtlich führen wird. Wer nicht zustimmt, muß Die endgültigen Ergebnisse der schwedischen außerhalb der Partei als Opposition verbleiben. Ver- Kreiswahlen vom September 1988 find die fol• steht sich, als staatsbildende Opposition, der nicht ers Taubt sein wird, die Tätigkeit der Regierung zu unterhöhlen. Nationalpartei genden: Rohva Söna" war in der letzten Zeit tatsächlich das Organ der Gewerkschaften, um die sich die vereinigten Sozialisten geschart haben. Die Regierung ist sichtlich bestrebt, die Gruppe Johanson- Metslang gegen die Sozialisten auszuspielen und unterstüßt die Heße gegen die Sozialisten in der amtlichen Zeitung der Arbeiterkammer. Im Parlament haben die Sozialisten Gu stabs on und Ruus gemeinsam mit dem bür gerlichen Demokraten önisson einen schar fen Stampf gegen die Regierung und für eine demokratisch orientierte Außenpolitik und tolletZahl tive Sicherheit vor allem für die Wiederherstelder Siße oder Gewinn lung der von der Regierung vorenthaltenen Bürgerrechte geführt. Verlust 1984 Sozialdemokraten Bauern 120 1988 508 685 212 175 37 279 194 85 128 + 127 8 12 9 2 10 14 6 des arbeitenden Volkes ..Právo Lidu" bringt einen Leitartikel aus Stonservative der Feder Professor Dr. Josef Macets, der über Liberale. das Wesen der tschechischen sozialdemokratischen Bar Sosialisten tei in den letzten Jahren schreibt: Kommunisten Geist und Praris der bisherigen Partei waren schon längst andere als ihre ursprüngliche Theorie( • Tuka und Sidor nicht nach Budapest Bratislava. In Bratislava verbreiteten sich Montag aus unbekannten Quellen stammende Ges rüchte, daß Vojtěch Tufa und der Abgeordnete Kaa. rol Sidor nach Budapest abgereist seien. Diese Zotal 1140 1149 182 141 Nachrichten sind unwahr. Port Darwin, 7. November.( Reuter.) Zwei der britischen Bombardierungsflugzeuge vom Typ Vickers- Wellesley, und zwar Nr. 1 und 3 sind heute um 4 Uhr 02 und 4 Uhr 05 Greenwicher Zeit, 48 Stunden nach ihrem Start in Ismailia, gelandet. Sie durchflogen insgesamt 7962 Meilen, womit sie den Sowjetrekord von 6036 Weilen Mostau- Sant Jacinte in Kalifornien geschlagen haben. Das Flugzeug Nr. 2 ist in Sinojpang auf der Insel Timor gelandet und beschloß sofort den Weiterflug fortzusetzen. Zwei von den drei Flugzeugen Typ WidersWellesley, die an diesem Fluge teilnahmen und mit Bristol- Pegasus- Motoren ausgestattet sind, landeten um 4 Uhr nachmittags in Nordaustra lien, so daß sie vom britischen Flugplatz in Ismailia ab eine Gesamtstrede von etwa 7162 englischen Meilen zurückgelegt haben. Das dritt: Flugzeug war in Stoepang niedergegangen, nachdem es 6600 Meilen zurückgelegt hatte. Der bisherige Weltrekord von 6306 Meilen wurde von russischen Piloten gehalten und ist jetzt durch den erfolgreichen Flug um etwa 300 Meilen von dem einen Flugzeug und um weitere 856 Meilen von den beiden übrigen Flugzeugen geschlagen worden. Arbeiterdemonstrationen in Bombay Bombay, 7. November.( Reuter.) Im hie sigen Spinnereienbezirk ist es zu Demonstratios nen gekommen. Die Polizei mußte einschreiten, wobei ein Demonstrant verwundet wurde. Die Spannung in der Arbeiterschaft brach aus nach einem eintägigen Proteststreik gegen die gesetzlich Maßnahme, wonach bei allen Arbeitskonflitten ein Sci Schiedsverfahren in Anspruch genommen werden muß, bevor man zu Streits oder Aussperrungen schreitet. Obwohl an zahlreichen Stellen Streifposten aufgestellt sind, sind von 62 Spinnereien nur acht geschlossen. Die Demonstranten bewars fen gestern das Automobil mit Steinen, in wel= chem der Innenminister der Kongreßregierun Wunschi und der frühere Präsident des Kongresses Patel saßen. Der Wagen wurde beschädigt, die Insassen aber blieben unverletzt. um 19.15 Uhr im Rundfunk über Schul- und Minister Dr. Bukovstý wird heute Dienstag Kulturbedürfnisse sprechen. starb Samstag im Alter von 78 Jahren. Der Der Prager Verleger Josef Richard Bilímek Verstorbene war Chef des belannten Prager Verlages, in der ein beträchtlicher Teil der tschechi schen Belletristik und verschiedene Jugendschrif ten erschienen. Weitere Befferung im Frachtverkehr. Am Montag, den 7. November 1938, sind weitere Einschränkungen im Transport von Warensenbungen für Waren aller Art von Böhmen nach Seite 1 Sozialdemokrat DienStng, 8. November 1038. Nr. 283 Mähren und Schlesien und in umgekehrter Richtung aufgehoben werden. Zwei Brüder verunglückt. Gestern mittag» fuhren die Brüder FrFanz und Heinrich Bilitz in Novä Bilä bei Mähr.-Ostrau mit einem Motorrad gegen einen Baum, wobei Franz Bilih getötet und Heinrich Bilih schwer verletzt wurde. Heinrich Bilih wurde in das BctriebSkrankenhau» in Witkowih gebracht. Er hat bisher da- Bewußtsein noch nicht wiedererlangt. Fernautobusse Ostrau—Brünn eingestellt. Wegen Wiederaufnahme des regelmäßigen Verkehrs auf den Strecken der Staatsbahn wurden die Fernautobuffe zwischen Mährisch-Ostrau und Brünn und zwischen Mährisch-Ostrau und Ba« lässlL MejikiLt eingestellt. Der FernautobuS zwischen Mährisch-Ostrau und Zilino verkehrt in beiden Richtungen weiter. Belgischer Gewerkschaftsführer gestorben. Montag starb im Alter von 59 Jahren Eduard de Vlaeminck. der Vorsitzende des belgischen Allge« werkschaftlichen ArbeitSvcrbandeS. Der bekannte rumänische Flieger Alexander Papana ist in den rumänischen Karpathen in einen Schneesturm geraten und nur durch einen Zufall vor dem Tod durch Erfrieren gerettet worden. Hauptmann Papana war bis vor kurzem in Nord- amcrika, wo er einen Flug nach Bukarest unternehmen wollte, der aber schon nach der ersten Etappe scheiterte, da daS Flugzeug beim Landen in Los Angeles in Trümmer ging. Bor einigen Wochen starb auch seine Gattin in Bukarest bei der Geburt eines Kindes. Beide Ereignisse deprimierten den Flieger, der vor kurzem nach Rumänien zurückg-kehrt- war, und eS scheint, daß er den Aufstieg in die Berge unternommen hatte, um den Tod zu finden. In Fliegerkreisrn herrscht Befriedigung darüber, daß Hauptmann Papana gerettet werden konnte. Mit dem Fallschirm in die Kaserne. Samstag landete zum ersten Male eine Kompagnie eines JnfanterieüataillonS Fallschirmspringer auS Stendhal vor der Kaserne der neuen Garnison von Braunschweig. Sin Mann nach dem anderen sprang vom Flugzeug ab und fiel langsam zur Erde nieder. Die Mannschaften traten dann in Reih und<9Iieb vor dem zahlreich versammelten Publikum an, das ihre Fallmschirm« sprünge mit großem Interesse beobachtete. Tokio von Erdbeben bedroht. Domri meldet, daß das Erdbeben, das die östlichen Gebiet von Japan heimsuchte, auch Tokio und Yokohama bedrohte. Die Telephon« und Eisenbahnverbindungen. sowie die elektrischen Leitungen zwischen den beiden Städten sind schwer beschädigt. In Mailand ereignete sich gestern ein Zusammenstoß zweier Wagen der elektrischen Straßenbahn, wobei 29 Personen, darunter einige von ihnen schwer, verletzt wurden. Wirbelsturm am Libanon. Nach Meldungen aus Beirut ist bei dem schweren Wirbelsturm über dem Libanongebiet auch der Palast des französischen OberlommissarS beschädigt worden. Dadurch sollen beträchtliche Schäden verursacht worden sein. Zahlreiche Personen seien verletzt worden. Lichtspieltheaterrinsturz. Einer Meldung auS Liverpool zufolge stürzte in einem dortigen Lichtspieltheater eine Estrade herab, wobei 85 Zuschauer, in der Mehrzahl Kinder, verletzt wurden. Das Wetter: Ueber Mitteleuropa hat sich von Südwesten her ein Hochdruckkern verlagert und infolgedessen hat sich der Himmel stellenweise aufgehei- iert. Die Temperaturen stiegen dabei in den Niede rungen bis über 15 Urag an und auch auf den Bergen ist es verhältnismäßig warm Das milde Herbstwetter wird bei uns anhalten. Ueber dem Ozcan westlich von Schottland bilden sich zwar bereits Störungen aus, aber ihre Eiwvirkung dürfte vorläusig nur auf Westeuropa beschränkt bleiben.— Wahr- Bon jeher war ei der Traum der Menschheit, die Elemente, aus denen sich unsere ganze schöne Welt zusammensetzt, umzuwandeln. DaS Bestreben, aus unedlen Metallen Gold zu machen, hat nicht wenige Köpf« im Verlaufe der Jahrhunderte beschäftigt. Nicht immer waren es Betrüger und Schwindler, die sich der Goldmacherkunst widmeten. ES wurden eine große Zahl mittelalterlicher Goldmacherrezepte einer eingehenden Prüfung unterzogen und dabei herauS- gefunden, daß die gutgläubigen Forscher des Mittelalter» oft von ihren eigenen Tinkturen irregeführt wurden. Bei den mangelnden chemischen Methoden dieser Forscher konnte der Nachweis«ine- Jrrwml manchmal nur sehr schwer geführt werden.Wundersam sind die Rezepte, die man im Mittelalter zum Goldmachen aufstellte. Seltene Pflanzen müssen da zu ganz bestimmten Stunden in der Nacht, an ganz bestimmten Orten gepflückt werden. Die schwierigsten Formalitäten mußten dabei beachtet Iverden. Die Verfasser all dieser Rezepte schworen auf die Richtigkeit ihrer Annahmen. Ging die Sache schief, so war der Aulführende und nicht der Rezeptverfertiger am Mißerfolge schuld. Bis zum Ende de» 17. Jahrhundert» glaubte man, mit Hilfe der Rezepte der Alchimie Blei oder Eisen in Gold verwandeln zu können. Manch geldhungriger Fürst mußte seine Begierde nach Gold mit schweren finanziellen Verlusten, wenn alle Versuche fehlschlugen, bezahlen. So mancher Goldmacher fand«in unrühmliches Ende am Galgen. Die moderne Nawrwiffenschaft ging an da» Problem der Stoffumwandlung mit ganz anderen Mitteln heran al» die mittelalterlichen Alchimisten. Gewiß auch sie hatte manche Fehlschläge zu erleiden. So behaupteten zum Beispiel die beiden deutschen Gelehrten Stamm und Dtiehe im Jahre 1925, Quecksilber in Gold verwandelt zu haben. Jedoch bei der wiederholten Nachprüfung ihrer Versuche zeigte sich, daß ganz winzige Mengen Golde», die im Quecksilber enthalten waren, sie getäuscht hatten. 1919 machte der kürzlich verstorbene berühmte englische Physiker Rutherford eine epochemachende Entdeckung. Ihm gelang e» damals zum ersten Male, Atome in andere Atome zu verwandelnd Die Welt wurde von einer Welle der Genugtuung ergriffen. Man glaubte, den Stein der Weisen, die Goldmacherkunst, gefunden zu haben. Bald kam allerding» merklich Wasser In den Freudenwein. Bi» zur Erfüllung de» alieu Traume» der Menschheit wird e» noch ein schöne» Stück Wege» bedürfen. Rutherford verwendete al» Geschosse zur Zertrümmerung de» Kerner die natürlichen Alphastrahlen, die sich bei der Selbstzersetzung de» Radiums«r- fchetnlicheS WetterDienStag: Vorwiegend bi» wechselnd bewölkt, Frühnebel, an der Nordostgrenze de» Staate» noch Regenschmier. mild, Westwind.— Wetteraussichten für Mittwoch: Noch Andauern deS gegenwärtigen Witterungscharakter»; etwa» kühler. geben. Die Alphateilchen der Alpha-Strahlung sind unvorstellbar klein. Jedoch besitzen sie eine außerordentlich hohe Geschwindigkeit, sie sind elektrisch positiv geladen. Man kann sagen, sie verhalten sich zu einem Stecknadelknopf etwa so, wie der Stecknadelknopf, wa» seine Größe anbelangt, sich zur Sonne verhalten würde. Man kann sich leicht einen Begriff davon machen, wie schwierig e» ist, mit einem solchen Geschoß nach einem»Gegenstand", dem Atomkern zu zielen, der an für sich schon so klein ist, daß wir ihn nicht sehen und auch niemal» werden sehen können, selbst wenn wir un» der feinsten Instrumente bedienten. Dies war die eine Schwierigkeit, die andere liegt beim Nachweis der Umwandlung eines Elemente». Die sogenannte Wilsonsche Nebelkammer, wo die Trümmer eine» zerschlagenen Awmkern» in einer mit Wasserdampf übersättigten Atmosphäre «ine sichtbare Nebelspur hinterlassen, machte e» möglich, den Vorgang der Atomzertrümmerung einwandfrei zu beobachten. Mit Hilfe künstlich erzeugter Wurfgeschosse ist man heute in der Lage, die verschie« denstcn Atomzertrümmerungen vorzunehmen. Doch wie ist mm der praktische Ruhen all dieser schönen wissenschaftlichen Erkenntnisse bisher gewesen? Auf eine Million au»gesandter Geschosse kommt ein Treffer etwa. Die Kosten eines mit den bisherigen Apparaturen geschaffenen Goldes würden sich nach Vorausberechnungen für 1 Gramm auf etwa 1 Milliarde KS belaufen. Eine andere Seite de» Problem» steht deshalb zur Zeit mehr im Vordergrund de» Interesse». E» ist die eventuelle Gewinnung der bei einer Awmzertrümmerung freiwerdenden ungeheuren Energien. Diese Energien sterben bisher gewissermaßen kurz nach ihrer Geburt, sie haben, wie man sagt, keine oder nur sehr geringe Kettenwirkung. Die Wissenschaft arbeitet unermüdlich an derErweiterung ihrer Erkenntnisse auf dem Gebiete der modernen Atmophysik. Diese Erkenntnisse können der Menschheit noch manchen Traum der Stoffumwandlung vielleicht schon in naher Zukunft ver« wirklichen helfen. Noch wichtiger ist die gelungene Verwendung der bei der Atomzertrümmerung, bei der Atomumwandlung, freiwerdenden Energien, die eine vollkommene Umwandlung unserer Kraftversor- gung bedeuten kann. Jng. Martin. Stokowskl lind das Publikum führten, wiederholt angeschnauzt, die Musik abgebrochen usw. Eine» Tage»— er war damals Dirigent der Symphonie-Orchester» in Philadelphia, und es war da» letzte Konzert der Saison— gab er deut Publikum«ine drastische und unvergeßliche Lektion« vermutlich in Erinnerung an Haydn»„Abschiedssymphonie"(bei der die einzelnen Mitglieder de» Orchester» nach und nach in aller Stille zusammenpacken und verschwinden, so daß die Musik schließlich wehmütig und immer dünner werdend verlischt). Al» die ersten Zuhörer eintrafen, merkte maa dem Saal kaum an, daß eine Veranstaltung stattfine den sollte; offensichtlich waren keinerlei Vorbereitungen getroffen. E» lungerten zwar zwei oder"drei Platzanweiser herum; aber da» Podium war noch leer und unbeleuchtet. Al» programmgemäß da» Konzert beginnen sollte, erschien ein Saaldiener und schleppte nach und nach die Notenständer herein, um sie geräuschvoll aufzustellen. Nach einer Weile kämen zwei der Musiker und singen an, ihren Teil vor sich hin zu spielen. Bon Zeit zu Zeit schlenderte vom Rest de» Orchester» der und jener herein, stimmte sein Instrument, rückte mit Stuhl und Notenständer herum und mischte sich schließlich in» Spiel. Der Eintritt jede» Manne» war von allerhand Unruhe begleitet: man hustete, räusperte sich, stolperte, ratterte mit den Instrumenten usw., kurzum, das Ganze stellte ein Gegenstück zum Eintritt des zu spät kommenden Publikums in den Konzertsaal dar. Der .Nach jeder Mahlzeit,* ’ nach Kaffee und Wein -- nimm stets VincentkaqueHe ein, LuhaSovicer Vmcenfkaquelle überall erhältlich'. mittlere Teil de» Programm» wickelte sich ordnungsgemäß und ohne Störung ab. Aber bei der letzten Nummer wiederholte sich da» Schauspiel der ersten halben Stunde, nur lief e» diesmal rückwärts ab: Bald hörte der, bald jener Musiker auf zu spielen, klappte geräuschvoll fein Instrument zusammen, packte e» ein und drängte sich, mit Trampeln und Stolpern, zwischen den Notenständern hindurch zum AuSgang. So verkieselte da» Orchester allmählich unter beträchtlichem Lärm, und zurück blieb nur Stokowfli und bot dem wütenden Publikum feine Stirn. Aber die Lektion hatte gewirkt: beim ersten Konzert der nächsten Saison war nicht nur■ jeder Platz besetzt, sondern die Zuhörer kamen auch pünktlich vor Beginn und warteten ängstlich, bi» auch der letzte Ton ganz verklungen war, bevor sie wagten aufzustehen und hinauSzugehen. M. B. Mstteitun-en, cler»Urania» Volkshochschule. Kalte Platt«. Neuer ÄurSbeginn ab 14. November. Urania-Kino „Gräfin Malewska". Garbo. Deutsch. S«zuaSb»dtnauna«n:Bet lvillellun» tn» Sau» oder bet Deiua durch die Bolt monatlich KE 17.—, dlerleliShrla KB El.—, baldlUrla KE 103.—, aaniiwria KE 201.—.— Inserate werden laut Tarts biMalt berechnet. — Rückstellung von Manuskripten ersolat nur bet Einsen, duna der Relourmarken.— DI« lteltunaskrankatur wurde von der Polt- und Telenravbendlrellton mlt Erlab Rr. 13.800/ÄI/1030 bewllltat.(Nontrollposlamt Draba 25).— Druckerei„VrbtS», Druck-, Verlaub- u. Zellunab-A. ü>.. vra» Aus der modernen Alchlmisten-KQche Da» Atom besteht au» einem allerkleinsten, sehr festen Kern, der von einer großen an Masse leichten Wolke,dem Elektron oder den Elektronen umgeben ist. Der eigentliche Träger der Stoffeigen« schäften deS Atom» ist der K«rn.Die Schutzhülle,' der Leo Stokowfli, der Dirigent, mit dessen Beziehungen zu Greta Garbo sich die Presse mehr als nötig, interessant und anständig ist, beschäftigt hat, ———,— ist in den Bereinigten Staaten seit langem berühmt Mantel, die diesen Kern umgibt, läßt sich verhält-\ und gefürchtet. Gefürchtet deshalb, weil er einer niSmäßig leicht zetrvmmern. Doch dann bleibt im«; jener Musiker ist, die die Unerzogenheit de- mer noch der Kern übrig, die Nuß, die man knacken Publikum» nicht geduldig hinnehmen. Er hat die muß, um ein Element in ein anderes umzuwandeln. Besucher seiner Konzert«, wenn sie geräuschvoll zu Erst wenn der Kern selbst getroffen ist, bildet sich, spät kamen oder während de» Spiel» Unterhaltungen ein neuer Stoff. 55 Ifa MM SMftul Roman von Noelle Roger Aas dem Französischen übersetzt von Irma Hippel Der Amerikaner maß die Truppe mit den Blicken und antwortete: „TromaS AtkinS, Bankier aus New Aork." Und schwerfällig beiseitetretend gab er den Weg frei. „Sie, meine Freunde", fügte er hinzu, indem er sich an Hans und JorriS wandte,„gehen dorthin,. Sie werden die Schwemme fürs Personal schon finden.". „Sie gestatten", trat Elbinbjorg dazwischen, in einem J&m, der keinen Widerspruch duldete, „wir bleiben beisammen." Der Amerikaner machte eine Gebärde verdächtiger Zustimmung und ging den Fremden durch die Halle voraus. Bei Licht sahen sie, daß sein Smoking voller Flicken war. Die Halluzination dauerte an. Ihre Augen blinzelten in der blendenden Helle der elektrischen Lampen. In einem Scheibenverschlaz saß ein Mann über ein dickes Buch geneigt, und hob den Kopf als sie vorübergingen. Durch eine offene Tür sah man unter den Lustern einige Reihen Tische, auf welchen Kristall- und Silbergefässe wie nach den beendeten Mahlzeit ungeordnet standen. Sie traten in den Salon, in dem ihr Eintreten unter der zahlreichen Menge der Anwesenden eine Bewegung des Staunens hervorrief. .Einige Frauen erhoben sich von ihren Schau» kelstühleu, die Gruppen der Plaudernden traten auseinander. In einem Augenblick waren die Spieltische leer und die Ankömmlinge fühlten ver» blüffte Blicke aus zahlreichen Augen auf sich gerichtet. Alle Männer waren im Smoking und frisch rasiert, die Frauen in Hellen dekolletierten Abendkleidern. Auf den ersten Blick hätte man sie für eine elegante Gesellschaft gehalten. Dann aber fielen sonderbare Mängel auf. Jede dieser Toiletten bestand aus disparaten Teilen, als hätte man aus mehreren verschiedenfarbenen Roben eine zusammengestellt. Auf Seidenüberwürfen machten freche Flicken sich breit, und die Tanzschuhe sahen aus wie vertretene Pantoffel. Die weißenHemdbrüste der Herren und ihre Abgetragenen Anzüge trugen die Spuren zahlreicher Reparaturen. Man bemerkte englische Matronen mit rosigem Teint und Spihenhäubchen, schien« kerige Misses, hübsche Französinnen mit bemalten Lippen, schmuckbeladene Levantinerinnen. Einige Frauen hielten sich abseits und bildeten sozusagen ein fremdes Element. Als der. erste Augenblick des Staunens vorüber war, traten alle heran und drängten sich um diese sonderbaren, in Tierfelle gehüllten Wesen. Gin Namen ging gedämpft von Mund zu Mund. Sie kommen aus dem Susanfetale... ein Arzt ist unter ihnen ... ein Arzt.,, Fragen schwirrten ihnen entgegen Ob«S im Susanfetale viele Ueberlebende gab?... ein Hotel... Lebensrnittel? Eine schrille Stimme überschrie die anderen und fragte: »Ist die Sterblichkeit groß im Susanfetale?" Mit einer Handbewegung gebot Thoma» AtkinS Schweigen. Jean Lavorell bemerkte mit Staunen, daß einige von den Männern sich ringv um sie aufgestellt hatten, wie um die anderen von ihnen abzuhalten. Atkin» nannte nacheinander Namen au- aller Herren Länder. In seiner Benommenheit verstand Jean sie kaum. Er sah einen Japaner mtt halbgeschlossenen Augen neben einem Deutschen mit gutmistigem Gesicht, er sah zwei Franzosen, der eine von massiver Gestylt, der sich in vielsagende» Schweigen hüllte und der andere schlank und geistvoll, und er hüte zwei Namen: Latronquiire, ehemaliger Minister und Rabuteau, Schriftsteller. Rabuteau, derselbe, der einst Blut und Revolution gepredigt hatte. Dann war da noch Sir Robert Croydon mit seinem weißen, hoheitsvollen Kopf und der harten Stirn, der die Leute zu beherrschen schien. Mehr al» einmal hörte Jean Titel: Hofrat, Doktor.... was dirigierten, wen berieten sie noch? Ein Schwindel erfaßte ihn. Ihm warS, als pendelte er im Zeitraum. Man sprach wie einst ... gebärdete sich wie einst... doch waS er sah war nur das Gespenst einer Zivilisation: diese Vergoldung, diese Spiegel, diese zerrissenen Smokings, diese jetzt verstummte, elegante Gesellschaft, dieser Menschenhaufen, der ihn in seiner unbegreiflichen Passivität umringte. Unter den verschiedenen ihn anstarrenden, aufmerksamen, neu belebten, sich an ihn heftenden. Blicken fühlte er in dieser Stille ein Unbehagen.in sich ausjteigen. Und plötzlich sah er, daß alle Gesichter bleich und verstört waren, daß sie gezeichnet waren mit dem Ausdruck sterbend« Tiere. Er hätte sich ihnen nähern wollen, zu ihnen sprechen, ihre Fragen beantworten. Aber Atkin» Freunde schloffen ihn in ihren unentrinnbaren Ring ein. Eine Frau durchbrach aber doch den magischen Kreis, trat auf Lavorel zu und berührte ihn am Arm. Starre» Entsetzen lag auf ihrem totenbleichen, von schwarzem Haar umrahmten Gesicht. Bei jeder Bewegung umflatterte sie der zu schmalen Streifen zerschlissene Taft ihrer schäbigen Toilette. „Mein Herr, sagte sie'leis«, stirbt man auch viel bei Ihnen im SusaNsttäl?"' Jean konnte ihre Frage nicht beantworten. Ein Arm hakte sich in den' feisten' Und zog ihn hinter seinen Gefährten sott.'' Man hieß sie alle sechs an einem Tische Platz.nehmen, und mit kindlichem Staunen sahen sie sich um. Ein Tischtuch, Brot, Speisen, versiegelte Flaschen, wie einst, die ihnen befrackte Diener auf Aktins Befehl vorsehten. Derb lachend füllte der Deutsche di« Gläser, indem er immer wiederholte: „Die kleinen Borrechte der Direktoren." Jean sah ihn an und plötzlich wußte er eS: diese Jovialität war eine schlecht fitzende MaSk«. Trotzdem ihm der Kopf ganz wirr war, sah er die Züge all dieser eigentümlich beleuchteten Gesichter scharf hervortreten und bemerkte ihre unter hastigen Worten schlecht verhehlte Besorgnis. Er sah den Stiernacken deS einstigen Ministers, sein unbewegtes, ans Befehlen gewöhntes Herrschergesicht... Was sagte er eigentlich? Er sprach mit der Routine deS Politikers und Lavorel hört« immer dieselben Worte wiederkehren: „DaS Hotel ist gut verproviantiert.... in Voraussicht eines Streiks vielleicht... unser» Inventur... unsere Rationen... unser Recht als erste Besitzergreifende... ein Jahr... Ein Jahr können wir uns halten... bei entsprechender Rattonierung... ein Jahr noch als Kulturmenschen leben..." Und dann hörte er Elbinbjorg fragen: „Und was dann?" Dann? Das wußte keiner. Man bemühte sich an den Termin nicht zu denken. Ein Jahr.' Bi» dahin wird das Meer vielleicht in sein alte» Bett zurückgekehrt sein «Ein Jahr... e» kann noch länger dauern», säuselte der Japaner, dessen rätselhaftes Lächeln intensiver wurde. „Wer weiß? Bis dahin können ein paar unnütze Mäuler verschwunden sein." DaS hatte der Deutsche gesagt mit einem sonderbaren Blick ins Leere. Jean erschauerte. „Unter der Bedingung, daß es uns gelingt, uns daS gusammengelaufene Hirten- und Führergesindel vom Leibe zu halten, daS fordern kommt, daß wir Mit ihnen teilen." .(Fortsetzung folgt.)^