Ur. 181. Abeimements-Zedingungen: SbonnemenlS- Preis pränumerando: «Zierteljährl. Z�o Ml., monall. 1,10 Ml.. wöchenllich 2S PIg. frei ins Hau». Einzelne Nummer ö Psg. SonnlagS» Nummer mit illuliricriec Sonntag»- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post» Nbonneinent: ZLO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für IVS» unter Et. 7B20. Unter Kreuzband für Deutlchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheittk täglich augtr Monlag». Vevltnev Volksblalt. 16. Jahrg. Die Insertion--Geiiühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jede» Wort S Psp. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormiltag» geöffnet. Fernsprecher: Sml I, Er. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorialdemosiral Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Kedasttivn: L�s. 19, Bonth-Straste 2. Sonnabend, den 5. August 18�9. Expedition: SW. 19, Veutlz-Strahe 3. N ieder mit dem Recht! Das Organ für Staatsstreich, Belagcinngszustand, Rechts- bruch, Frömmigkeit und Brotwucher, die„ K r e u z z e i t u n g", bcschäfligt sich in einem langen Artikel mit dem Urteil des Berliner Gerichts über die Spruchpraxis des sächsischen Oberlandesgerichts. Seitdem der ehemalige Chefredacteur, Herr v. Hammer- stein, wegen des bißchens Wechselfälscheils ein Opfer der formalen Rechtsprechung geworden, die keinen Unterschied macht oder doch machen soll zwischen einem verdienten Bor- kämpfer sür Religion, Ordnung und Sitte auf der einen und einem Umstürzler auf der anderen Seite, betrachtet das Blatt den Buchstaben des Gesetzes mit tiefeni Mißtrauen. Die Justiz ist nicht dazu da, gleiches Recht für alle zu sprechen sondern sie muß sich den praktischen, will sagen, politischen Bedürfnissen des Lebens, will sagen, der herrschenden Klassen anpassen— das ist der Grundgedanke der„Kreuz-Zeitungs"- Betrachtung. Das Recht muß zu Grunde gehen, damit die Welt der Reaktion bestehen könne. Darum nennt das Edelsten- Organ unsere Genugthuung über das gerechte Urteil der Berliner Strafkammer einen„neuesten Trick der socialdcniokratischen Propaganda". Es fürchtet nämlich niit Recht, daß bei der Lektüre jener von uns veröffentlichten Urteilsbegründung im Volke die Begeisterung für die Gc rcchtigkcit noch verstärkt werden würde und damit die Bc strcbungcn für Einführung des Raubritterrcchts. das in dem Recht nur ein Werkzeug der Gewalt sieht, gclähnit werden könnten. Wo aber der Weizen der„Kreuz-Zeitungs"-Manncn blühen soll, muß das Recht geschändet werden. Die Richter nach dem Herzen des fromnien Blattes sollen zwar nicht wie in den wilden Ländern— nach dem Gcldbxutel, aber (was noch schlimmer ist) nach der politischen Gesinnung der Angeklagten urteilen. h* nicht ganz leicht, sich durch die vcrschwollcncn Ausführungen des Blattes durchzustnden, dem taumelnden Verfasser auf feinen Jrrgängcn der Antilogik zu folgen, aber wenn man den Grundgedanken„Nieder mit dem Recht!" ein mal erfaßt hat, so lvird es doch möglich, den Sinn würdigen. Die„Kreuz-Zeitung" erkennt an, „daß es dem angeklagt gcivcscneii Nedacicur in seiner Verteidigung gegluckt ist, eine Gerichtsentscheidung herbeizuführen, die wenigstens die k o n s e r v a t i v e n Bestandteile gebildeter Kreise ans das leb- haftcste befremden muß. Die Urteilsbegründung ist durchaus geeignet, dasjenige Aufsehen zu erregen, mit welchem die Social- dcmokratie die Thatsache der Freisprechung ihres RcdacteurS propa gandierte. Mit Stauneil muß man sich fragen: ist denn dies Urteil wirklich der Niederschlag lebenswarinen RcchtSverständ- mffcs oder stehen wir vor weltfremder Bcgrrffsjnrisprudenz? Der Haß gegen die formale Rechtsprechung ist eine Leidenschaft aller Anarchisten, namentlich der Anarchisten der reaktionären Willkür. Tic Eindeutigkeit, Bestimmtheit, Unbcugsanikeit begrifflicher Feststellungen ist denen ein Greuel, die wünschen, daß der Richter, statt im Geist der Rechts glcichheit objektiv zu urteilen, sich durch die dunklen Triebe des Klassenegoismus leiten lasse. Ein Brausewetter, der in der Umnachtung progressiver Paralyse nicht mehr sähig war, rechtliche Unterscheidungen ruhig zu erwägen, sondern sein krankhaftes Temperanient zum obersten Gesetz machte, ist diesen Anarchisten das Musterbeispiel eines mit „dem Niederschlag lebenswarmen Rechtsvcrständnisics" durch tränkten Richters. So gab Bismarck gern die„Geheimräte" dem Hohne preis, deren geordnetes Wissen und intellektuelles Gewissen die Einfälle seiner regellos, von selbstsüchtigen Interessen gelenkten Brntalitätspolitik hemmten. Die „Praxis des Lebens" wird inimer von denen mit tückischeni Eifer wider die„dürre Theorie" ins Feld geführt, die wissen, daß ihre schmutzigen Begierden nur in dem Nebel ungeklärter Meinungen Nahrung zu finden vermögen, während die klare vernünftige Einsicht und das zielbewußte Wollen theoretisch geschiilter Massen und Parteien ihr Todfeind ist. Die schöne lebcnswarme sächsische Rechtspraxis spielt denn auch die„Kreuz-Zeitung" gegen die Berliner Rechts- Theoretiker aus, indeni sie zu der Urteilsbegründung bemerkt: »Das ist cs also, was die juristische Zergliederung aus dem ciligaiigs gedachten, von AZ u t sprühenden'Angriff des„Vorwärts" gegen die sächsische Rechtsprechung im allgemeine herauslesen zu sollen meinte. So spiegelte sich im Auge des Richters harnilos und fast liebenswürdig der Kampf wieder, der in Sachsen zwischen den Organen des Rechtes und seineil W i der sachern ailsgcfochten wird. Aber das zeigt eben die Gefahr einer abstrakten Rechtsprechung, die sich an den Buchstaben des gesprochenen Wortes oder gc- schriebenen Satzes hält, statt h i n e i n z u g r e i f e n in den Zusaminenhung des vollen, vielbewegte n Lebens selb st." Ter„von Wut sprühendefAngriff" ist der inkriminierte Satz des„Vorwärts":„Und wohlbekannt ist die Spruchpraxis des höchsten sächsischen Gerichtshofes, der oft ohne Umschweife d•' Angehörigen der Arbeiterpartei als minderen Rechtes er- klärt hat, denn andere Staatsbürger. Inmitten aller dieser UntcrdrückunMbcstrebungeii aber schritt die Arbeiterklasse voran... Eine schöne Anerkennung der„Kreuz-Zeitung" für uns. daß wir selbst in„sprühender Wut' uns so maß- voll und ruhig äußern! Aber nichtsdestoweniger ist jener Satz beleidigend: „Bekanntlich gicbt kein Gesetz eine VcgriffSbestiminung dafür, was den Thatbcsiaud einer Beleidigung ausmache. Beleidigung kamt alles, braucht nichts sein. Wie sich ein Schimpfwort zum Koseiinmen wandeln niag, so lann mi Einzelfalle auch eine an sich richtige Behauptung durch die Art und den Zweck ihrer Wiedergabe eine Kränkung und hämische Ehrvcrlctzung darstellen sollen und darstellen." Da haben wir die Sehnsucht nach dem äolus eventualis, den man sonst zumeist nur bei Majestätsbeleidigungen heranzuziehen wagt, �ur Beleidigung nach§ 186 gehört aber nun einmal eine„nicht erweislich wahre Thatsache", und der formale Bcleidigungsparagraph 183 bedarf einer beleidigenden Form. Die„Kreuz-Zeitung" aber ist entrüstet, daß das Gericht nicht einfach— beweislos— die Absicht der Beleidigung an nimmt, weil cs sich eben um den„Vorwärts" handelt, und noch niehr empört ist sie, daß das Gericht— bei einer Anklage aus§ 186!!— den Wahrheitsbeweis zugelassen hat: „Statt daß nun das Gericht sich darauf eingelassen hätte, zu prüfen, was bezweckte der Angeklagte mit seiner inkriminierten Behauptung— erhob cs über die angegriffene Art der Rechts- sprcchung des Dresdener OberlandeSgerichts durch Verlesung von sechs seitens des Angeklagten beigebrachten Erkenntnisseil BeivciS. Mit anderen Worten, es vcrstattctc dem Angeklagten den Wahrhcits' beweis, daß das ObcrlaiidcSgcricht die Anhänger der Arbeiterpartei für minderen Rechts erklärt habe denn andere Staatsbürger und an den auf Nutcrdrilckling dieser Partei gerichteten Bestrebungen teil- genommen habe. Die sächsischen Originalurteile liegen nicht vor." Wir lassen es ans sich beruhen, daß die„Kreuz-Zeitung" mit dem letzten Satz schwindelhaster Weise den Anschein zu erivecken sucht, als ob nicht die„Originalurteile" dem Er- kcniitnis zu Grunde liegen, während es sich doch in Wahrheit auf die vom Berliner Gericht e i n'g cforderten Akten des sächsischen OberlandeSgerichts gründete. Feststellen aber wollen wir, daß die„Kreuz-Zeitung" hier eine Art„administrativer Verurteilung" empfiehlt, ohne Verhör und Verteidigung des Angeklagten; denn darauf läuft cs hinaus, wenn die Abschncidung des Wahrheitsbeweises vcr- langt wird. Das ist die„Icbenswarmc" Rechtsprechung der „Kreuz-Zeiwng", eine Justiz aus wüstester Barbarcnzcit. Indessen, wenn man selbst diese Ungeheuerlichkeit zugiebt, wenn eS sich nicht nlchr daruni handeln soll, ob eine Behauptung falsch oder wahr ist, wenn man sich mit dem§ 183 begnügen will, so muß doch die„Kreuz-Zeitung" wenigstens den Nachweis zu erbringen suchen, daß die vom„Vorwärts" behauptete Thatsache, gleichgültig ob wahr, ob falsch, geeignet sei, das Oberlandesgericht in der öffentlichen Meinung herab- zusetzen. Was aber schreibt die„Kreuz-Zeitung"? „In der That ist die Vcrönentlichung dieses Erkeniltnisjcs ein vorzüglicher Schachzug der Socialdcmokratie. Sic glaubt von ihrem Gesiibtspuiikte aus, damit nicht mir ihren Angehörigen gegenüber den Beweis zu liefern, im Gegen- satz zu sächsischen Gerichten von preußischen Behörden ausdrücklich als loyale II n t e r t h a n c n- Partei mit voller G l e i ch b e r e ch t i g n n g anerkannt zu sein, sondern sie hetzt auch im Striche die Sachsen gegen die Preußen und sucht die oberste Grundlage aller Gcrechligkcit zu verwirren, daß nicht die Th a t, sondern der T h ä t c r bestraft wird. Sie mag damit einen Augenblickserfolg crziJeii. Dauernden Nutzen wird sie nicht davon haben, denn einerseits hat das eine Urteil einer Berliner Strafkammer, wie es mühsam alles mögliche zu dem einzigen Zwecke, eine Freisprechung begründen zu können, zusammenträgt, keine andere, als ephemere Bedeutung; andererseits werden die Deutschen auf- gerüttelt werden, daß sie sich nicht zu leben S'l o s e n S ch e in c» im Dienste einer unfruchtbaren Objektivität hcrabdrückcn lassen dürfen, sondern mit Hellem Blicke gegenüber der Socialdeniokrntie wachen, um deren inneren Kern, das social- revolutionäre Anstürmen gegen Ordnung und Gesetz zu erkennen. In tziescni Sinne wird auch der ueueste Trick der socialdcnio- kratischen Propaganda ini Euöcrsolge sich gegen die Socialdemv- kratie selbst kehren." Der„oberste Rcchtsgrundsatz" der„Kreuz-Zeitung", daß der Thätcr, nicht die That zu beurteilen sei, bedeutet dasselbe wie der Schönstcdtsche oberste Rcchtsgrundsatz— der in Wahrheit ein Komödienvers ist—: wenn zwei dasselbe thun ist es nicht dasselbe. Die„Kreuz-Zeitung" rühmt also die zweierlei Rechtspraxis des sächsischen Gerüchts gegenüber der unfruchtbaren Objektivität und den lebensloscn Scheinen der Berliner Justiz. Demnach haben wir mit jener Kritik das sächsische Oberlandcsgericht nicht beleidigt, sondern vor- herrlicht; wir haben ihm die Huldigung angedeihen lassen, daß es eine Pflegestätte der wahren, der lebenswarmen, von unfruchtbarer Objektivität freien Rechtspflege sei. Die„Kreuz- Zeitung" könnte sonach erst dann behaupten, wir hätten das ächsische Oberlandcsgericht beleidigt, wenn wir ihm den Vorwurf unfruchtbarer Objektivität entgegen geschleudert, wenn wir von ihm gesagt hätten, daß cs auch die Social- dcmokratie als gleichen Rechts erachtet. Wir haben diese Schmähung nicht uusgestoßen, sondern tvir haben dem Gericht gerade jene lebenswarme Rechtspraxis nachgesagt, die der„Kreuz-Zeitung" als die einzig richtige erscheint. Wahrlich, die„Kreuz- Zeitung" erreicht mit ihrer Auf- lösung des Rechts gleich das letzte mögliche Ziel: Social- deinotraten müssen auch für die Handlungen verurteilt werden, die sie gar nicht begangen haben. Damit hat das Recht allerdings den letzten Rest un- fruchtbarer Objektivität verloren, dann ist es reinste„f r u ch t- bare Snbjektivitä t".— Z�olikifche Mebevjuszt» Berlin, den 4. August. Tante Voss über Schulze und Lassallc. Während sich der„Vorwärts" bemüht hat, heute am EnthüllungS- tage des Schulzc-Delitzsch-Standbildes alte politische Gegensätze zurücktreten zu lassen und das Wirken des sogenamitcil„Vaters der Geiiosseuschaftcn" unbefangen und sachlich zu beurteilen, ein Bc« streben, das vielleicht den Verfasser sogar zu einer kleinen lkeberschätzung Schulzens verleitet hat— benutzt die„gelehrte" „Vossische Zeitung" den Anlaß, um ihre Verherrlichung Schulzens mit gehässigen Ausfällen gegen Lassalle und die„socialdcmokratische Dcinagogie" zu verbinden. „Heute", so erklärt sie,„wo der Kampf gegen den Umsturz von Parteien gepredigt ivird, deren Wortführer einst ivie Herr Hermann Wagener von den„modcmeu Ranb- rittern hinter den hohen Schornsteinen" ganz iin Stile Ferdinand Lassalles redeten, darf man sich mit Genugthuung erinnern, daß Schulze-Delitzsch, unterstützt von der Fortschrittspartei, den Kampf gegen Socialdcmokratie und StaatSsocialismus mannhaft führte, als der preußische Ministerpräsident noch dem Wahne huldigte, „die Kanaille gegen die Rotüre" verwenden zu können, und mit Lassalle freundschaftlich verkehrte„wie mit einem geistreichen Gutsnachbarn". Welche gehässigen Pamphlete schleuderte nicht der Führer der Socialdemolralie gegen„Herrn Bastiat-Schnlze v. Delitzsch I" Wie leidenschastlich warf er nicht ihm gegenüber daS„eherne Lohngesetz" ans. das heute von der Socialdemokratie als Thorheit verleugnet ivird' Wie prieS er nicht als Allheilmittel seine Produktivgcnossenschast mit Staats- krcdit an. die ebenfalls schon vor einem Vierreljahrhundert von Karl Marx als durchaus verwerflich und demoralisierend verivorfcn wurde!" lind weiter unten: Lassallc hatte eine Rechnung aufgestellt, wonach die Arbeiter Sä v. H. der Bevölkerung ausmachen. Es bedürfe also nur der Einführung dcS allgemeinen Wahlrechts, um ihnen die Herrschaft über die Gesetzgebung zu sichern, dann würden sie sich nach Wohlgefallen Geld oder Kredit zu Genossenschaften bewilligen. und damit iväre die sociale Frage cudgiltig gelöst. Schulze-Delitzsch lächelte zu solchen Phantastereien. Er stand weit eher ans den nüchternen Standpunkt Benjamin Franklins, der dem Arbeiter zu- rief:„Wer Dir sagt, Du könntest anders reich tverden. als durch Fleiß und Sparsamkeit, von dem ivcndc Dich ab, der ist ein Gift- mischcr." Bald nach Lassalles Tode wurde das allgemeine Wahlrecht eingeführt, aber unter IVO Abgeordneten imReichstag sitzen noch immer nicht 95 Arbeiter, und die sociale Frage ist noch immer nicht gelöst. Ob Lassallc an seine eigenen Heilmittel geglaubt hat? Der Verfasser dieser Erörterung ist selbst heute noch nicht bis zu jener Stufe nationalökonomischen Wissens vorgedrungen, daS * chulzcs„ Arb ei tc rka tech i S MUS" bietet. Wo hat denn Marx die Pro- duktivgciiosscuschaften als„dcnioralisicrcnd" verworfen, und wo hat Lassallc gesagt, daß mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts die Arbeiter sich„nach Wohlgefallen Geld oder Kredit zu Genossen- schaftcn bewilligen" würden, womit dann die sociale Frage cndgiltig gelöst sei? Die Frage, ans welchen politisch-ökonomischen Gründen Marx eine andere Stellung zum sogenannten„ehernen Lohngesctz" und zu den Produktionsgenossenschaften mit Staatshilfe einnahm, als Lassalle, kann hier nicht erörtert werden. Sicherlich aber sind cs nicht die Gründe Schnlzes, über dessen ivisseiiichaftliche Qnalisikation als Nationcilökonomen Marx seiner Lehre nach noch viel abfälliger urteilen wußte, als Lassallc: ivenii er auch wahrscheinlich sich nicht dessen heftiger Ausdrücke bedient hätte. Wer von beiden der geistig llcberlegenc war, Schulze oder Lassallc, kann heute nicht mehr zweifelhaft sein. Selbst die fortschrittliche„Volks- Zeitniig" gesteht in ihrcni heutigen Morgcnartikel zn, daß die Antwort, die Lnssalle seinem Gegner im„ökononiischcn Julian" erteilte,„sachlich richtig" ist: ihre Eimvcndnng richtet sich mir gegen die Form der Lassellc'schen Polemik, eine Form, die sich übrigens zum Teil ans den schamlosen Angriffen des damaligen Berliner' Fort- schritts ans Lassallc erklärt. Selbst heute kann ja die verehrte fortschritt- liehe Kollegin nicht umhin, an der politischen Ehrlichkeit Lassallcs zu zweifeln. Es ist begreiflich, wenn heute die„srcifiiiiiige? Presse das An- deiiken Schnlzes feiert, wen sie die unbestrittene Lauterkeit seines Charakters, sein in gewissem Sinne gemeinnütziges Wirken, sein ehrliches Streben hervorhebt, nur sollte sie sich von der Geschmack- lvsigkcit fernhalten, in Schulze den überragenden Mann zu feiern. ivie dies die werte„Vossin" verflicht. Damit erledigt sich auch die Fortsetznng, welche die„Voss. Ztg." ihrer Morgcnbetrachtiing ini Abendblatt gicbt. Wir nehmen cS ihr nicht übel, wenn sie nicht begreift, daß man auch einem Gegner gegenüber unbefangen zn urteilen bestrebt sein kann. und wenn sie daher die Motive unseres Lest- artikcls in einer Gcsinmmgswnndlniig sucht. Wer die gcmciiiiiützige Thätigkeit cines Schulze- Delitzsch auch nur vergleicht niit dem großen grundsätzlichen Kamps der Socialdeinokratie, die eine neue Welt»ach ihrer ivisiciischaftlichen Erkenntnis gewaltig auf- zubauen strebt, dem verlvischen sich freilich alle Ilickcrschiede, der sieht zwischen einem Jffland und einem Shakespeare nur die Differenz einer— Mauserung._ Fällt daS Centrum nm? Die„Germania", das Berliner Centrumsorgan, bemerkt zn der Agitation der Großindustriellen für die Zilchthausvorkage: „Die Herren köniitcn sich die Mühe sparen. So wenig eS gif» lengnet werden kann. daß in vielen Fällen, wie wir iviederholt hervorgehoben haben, der Terrorismus der Social- demokraten ein ganz unerträglicher ist, so enthält doch der vorliegende Gesetzentwurf„zum Schutze der Arbeits- willigen" so inauche«»haltbare Bestimmnnge», daß er in der Form, wie er vorliegt, nicht angenommen werde« kam». Wir gestehen der„Germania" zu. daß sie von Anfang an eine sehr zweideutige Stellung zur Znchthaiisvorlage eingenoimnen hat. Nach der Lieberschen Erklärung im Reichstag aber noch die Mög- lichkeit offen lafsen, daß der Entwurf bei A b 8 n d e r u n g der »manchen unljaltbaren Bestimmungen"' annehmbar sei, ist geradezu eine DeSavouierung des Centrumsführers. Lieber hatte im Reichstag als Vorbedingung jeder Straf» berfchürfung gefordert:„aus dem Boden dcS gemeinen Rechtö gemeine Koalitionsfreiheit für alle, die dem deutschen Ncichörcchte unterstehen, gemeine Koalitionsfreiheit für alle Zwecke, zu denen sich deutsche Reichsbürger vereinigen wollen." Der Führer des Centrums forderte also vor jeder Dis» kussion der Zuchthausvorlage u. a. die Ausdehnung des Koalitions- rechts auf die Landarbeiter und das Gesinde; und da die Regierung der Zuchthausvorlage für solche Forderung niemals zu haben ist, so bedeutete Liebers Erklärung eine Verweigerung jeder neuen Strafbestimmuna, jeder Zuchthausvorlage in jeder Form. Jetzt lätzt die»Germania" mit sich handeln. Sie hat nur noch Bedenken gegen die Form einzelner Bestimmungen. Ist das nicht lediglich die unverbindliche Meinung des Blattes, so würde die Lleutzerung den Anfang des üblichen CentrumsumfallS bedeuten. Eine Warnung mehr, die Widerstandskraft der bürgerlichen Parteien zu überschätzen, den Reden der ersten Lesung allzu sehr zu vertrauen I— *•* Deutsches Weich. Die Zuchthausvorlage alS Roman. Wir hatten neulich auf Grund einer Buchhändler-Anzcige die Vermutung ausgesprochen, daß ein Roman»Der Streikbrecher" der Agitation für die Zuchthausvorlage dienen solle. In einem Anfall poetischen Ahmmgs Vermögens hatten wir der Dichtung des uns unbekannten Oskar Linden gleich die folgenden Kapitelüberschriften ab- oder richtiger angelauscht: „Was den Inhalt deS Kunstwerkes anlangt, so ahnen wir u. a folgende Kapitelüberschriften:»Im Heim des Frommen.— Die Verschwörung in der Budike.— Der Fusel-Dämon.— Im Palast des Hetzers.— Champagner und Arbeitergroschen.— BlutI— Die geschändete Jungfrau oder das Opfer des Agitators.— Der frivole Streik.— Der Arbeitswillige.— Der Ileberfall in der Rovembernacht.— In taufend Wunden verröchelnd.— Die ge schändete Jungfrau rächt den Vater.— Die neue Jungfrau von Orleans oder auS arbeitswilligem Stamme.— Die Hetzer auf der Flucht.— Der Geist des ermordeten Streikbrechers.— Sieg der Tugend.— Auf ewig vereint oder die Hochzeit des Fabrikanten mit der geschändeten Tochter des ermordeten Streikbrechers.— Socialer Frieden.— Der erste Junge, oder das Geschlecht der Arbeitswilligen stirbt nicht ans.— Der Hetzer in der Hölle.— Deutschland, Deutschland über alles!" Jetzt erhalten wir nun aus München folgende Berichtigung, die sich auf den§ 19(I) des PreßgesetzeS beruft, weil OSkar Linden diesen Paragraphen, der Strafbestimmungen enthält, offenbar für wirksamer hält als den BerichtigungSzwangS-Paragrapheu 11: »Die Zuchthausvorlage als Roman?" Unter dem nebenstehenden Titel brachten wir in unserer Sonntagsnummer vom 30. Juli 1899 eine Kritik des in der Münchener Verlagsbuchhandlung Philipp Freund u. Comp, demnächst erscheinenden Roman: „Der Streikbrecher". Unser Redaeteur, der, ohne den Roman ge- sehen, geschweige denn gelesen zu haben, eine Kritik übte und auch den Verfasser des genannten Romaues, den Schriftsteller Oskar Linden, dessen Romane und Novellen, als:»Im Sarg- macherhause",»C i r k u S h u in o r e s k e n",„Wien und die Wiener",„Touristen-Liederbuch" ee. in ungezählten Auflage» bisher erschienen, in litterarischer Unkenntnis angriff, giebt hiermit zu, daß sich in der betreffenden Notiz manche lounialisti- scheu Fehler einschlichen und erklärt: 1. Es ist unwahr, daß der Roman„Der Streikbrecher" jene Kapitelüberschriften enthält, wie solche in der betreffenden Notiz angeführt find. 2. ES ist unwahr, daß Herr OSkar Linden eine im litterarischen Leben Deutschlands unbekannte Persönlichkeit ist. S. Wahr dagegen ist, daß wir uns mit der in Rede stehenden Notiz einen Ulk mache» wollten und daß Herr OSkar Linden die Sache auch in dieser Weise ausninimt." Ich wünsche, daß diese Berichtigung im vollen Wortlaute auf- genommen wird und erwarte daftir den Beleg. OSkar Linden, Schriftsteller und Redaeteur. München, Löwengmbe 6. Da uns Herr Oskar Linden liebenswürdigerweise gleich all die zerlnirfchten Geständnisse in den Mund legt, die wir über uns selbst zu äußern haben, so bekennen wir gern, daß jene Kapitel- Überschriften unwahr sind. Aber was unwahr ist, kann darum doch wahr werden. Zu diesem Zwecke biete» wir Herrn Oskar Linden den Ankauf der von unS ersonnenen Ueberfchriften für sein Kunst- werk an. Damit ist ihm gedient, und wir sind dann der Wahrheit nur ein wenig vorausgeeill. Daß Herr Linden keine unbekannte Persönlichkeit ist, geben wir ebenfalls zu, mit der einen Hinzufügung:feit unserer Notiz! Noch eine Absage? AuS Karlsruhe wird uns geschrieben: Anläßlich der bevorstehenden Kaisermanöver sollten in unserer Stadt mit Rücksicht auf die Uebungen, welcke in der Nähe geplant waren, mehrere Regimenter einquartiert werden. Wie heute die Militärverwaltung dem Stadtrat mitteilte, finden die vom 12. bis 27. August in Aussicht genommenen Einquartierungen nicht statt. Diese Thatsache giebt zu der Annahme Veranlassung, daß die Kaifermanöver abgesagt find. Ist diese Vermutung richtig, so müßte man irgend einen bisher unbekannten Grund annehmen für die verschiedenen plötzlichen Aenderungen des kaiserlichen Sommerprogramms.— Ein„Strcik-Anrcizer" in Herne verurteilt. ES handelt sich um den 23 Jahre alten Bergmann Klüsener aus Baukau. Die Beweisaufnahme ergab folgendes: Der Angeklagte war an: 26. Juni zur Mittagszeit auf die Zeche„Julia" gegangen, woselbst er früher schon gearbeitet hat, und wo sein Vater und Bruder noch arbeiten, um angeblich beim Betriebsführer um Arbeit anzufragen. Das Comptoir des Betriebsfiihrers befindet sich neben' der Lampenbude. Als der Angeklagte dorthin kam, waren vor der Lampenbude ein größerer Trupp Bergleute, etwa ztvanzig bis vierzig Mann, versammelt, die aus Aushändigung ihrer Lampen warteten. Die Anklage behauptet nun..daß K. einem Bergmann die Lampe ab- genommen und die Versammelten aufgefordert habe, nicht anzufahren. K. bestreitet das. Der Lampenwärter sagte auS, daß K. die Lampe abgegeben. Ob der Angeklagte die Versammelten zum Nichtansahreii aufgefordert habe, konnte er nicht sagen, bestätigte aber, daß der Betreffende sich nachher die Lampe wieder- geholt habe und angefahren sei. Von diesem Vorfall erfuhr alsbald ßer Betriebsführer, der einen Steiger nach Gendarmeriehilfe schickte. Während dessen hielt der Steiger Buschmann den Anaeklagten fest. Als dieser den Gendarmen kommen sah, riß er sich los und vcr- suchte zu flüchten, wurde aber wieder ergriffen und zu Protokoll vernommen. Wegen öffentlicher Aufteizung und wegen Hausfriedensbruches wurde er unter Anklage gestellt. Das Gericht nahm nur HauS- friedensbruch an und verurteilte ihn zu 1 Monat Gefängnis. Das Gericht erklärte, Hausfriedensbruch liege schon vor. wenn der An- geklagte wissen mußte, daß sein Aufenthalt innerhalb des Zechen» gebietes nicht geduldet werden würde. Außerordentlich hoch ist die Strafe auf jeden Fall.— Zahlreich. AuS Köln wird uns geschrieben: Die Berliner „Germania" redet in dem ersten Blatt ihrer Nr. 174 von einer „zahlreich besuchten Versammlung", die im Saale der Bürger- gesellschast in Köln am Rhein tagte und einberufen war,„um zu der wichtigen Frage der Besteuerung der Warenhäuser Stellung zu nehmen"; und sie giebt„bei der enormen Tragweite des Gegenstandes" einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Versammlung an leitender Stelle wieder. Die Darstellung entspricht nicht den Thatsachen. Zum Besuch der Versammlung war zwei Wochen vorher schon durch redakttonelle Notizen in den hiesigen Blättern aufgefordert worden. In fast allen Blättern standen fast täglich große Inserate. Die Reklame für die Versammlung hatte emen geradezu warenhausartigen Charakter. Man versäumte auch nicht, nach dem Borbilde der großen Bazare»Lockvögel" auszustellen. So hieß es in den Einladungen:»die hervorragendsten Parlamentarier auf diesem Gebiete' hätten ihr Erscheinen zugesagt. Und waö war das Ergebnis? Ganze hundertundfünfzig Personen hatten sich in dem großen Saal der Bürgergesellschaft eingefunden.— Ausland. Frankreich. Die Dokumente dcS„Matin". Infolge eines Ansuchens deS Regier» ngskommiffars Carriöre hat der Cheftedaeteur des „Matin" dem Berichterstatter des Pariser Kriegsgerichtes drei Dokumente übermittelt: nämlich einen Brief Esterhazhs vom 4. Juni 1899, in welchem derselbe erklärt, daß er das Bordereau im Jahre 1894 aus Befehl deS Obersten Sandherr geschrieben habe ferner das Foesimile des Bordereaus selbst, welches der Sach verständige Teysonnier dem„Matin" 1896 zur Veröffenttichnng über gab und endlich das Originalmanuskript des vom„Matin" ver öffentlichten Artikels Esterhazh's. in welchem dieser seine Beziehungen zu den Generalen Boisdeffre und Gonse erzählt. Der„Matin" hebt hervor, daß der Berichterstatter des Pariser Kriegsgerichtes von der absoluten Gleichheit der Schriftzüge dieser drei Dokumente betroffen gewesen sei. Russisch-Französisches. Die nationalistischen Blätter sprechen die lleberzeugung aus, daß die Abberufung deö russischen Militärbcvollmächttgten, Barons von Fredericks, mit der Treyfus Angelegenheit zusammenhänge: auch die Petersburger Reise Del eassss sei durch diese Maßnahme der russischen Regierung veranlaßt Die nationalistischen Blätter protestieren dagegen, daß de» als Zeugen vorgeladenen Offizieren besohlen sei, die Namen der fran- zösischen Spione im Auslände nicht zu nennen und nichts zu sagen, was die auswärtigen Beziehungen Frankreichs betreffe. Neue Opfer der amerikanischen Expansionspolitik. Nach einem Telegramm des Bureau Herold hat der neue KriegSminifter beschlossen, die Armee des General Otis auf den Philippinen auf 49 000 Mann zu verstärken.— Belgien. Zur Krlsis. DeSmet deNayer erklärte, es sei mög lich, daß das neue Kabinett nicht vor Sonntag, vielleicht erst am Dienstag im„Amtsblatt" publiziert werden wird. Wie verlautet, ist der Grund der Schwierigkeit zur Neubildung des Kabinetts darin zu suchen, daß König Leopold absolut die Militärfrage, namentlich die persönliche Wehrpflicht, zur Erledigung bringen will. England. Transvaal-Angelegenheit. Im Unterhause erklärte heute Chamberlain im Laufe der Debatte, die Transvaal vorgeschlagene gemeinschaftliche Untersuchung werde auf die Einzelheiten der Re formen beschränkt werden, welche erforderlich seien, um den Uit- landers eine sofortige wesentliche Vertretung zu geben. Das„Reutersche Bureau' meldet ans Aldefrshot: 69 Subaltern Offiziere und Mannschaften des Sanitätskorps werden sich in 14 Tagen mit der Bestimmung nach Südafrika einschiffen.— Finnland. der Zar. Ter„Voff Ztg' wird auS Hel Finnland und stugsfors berichtet: In der Frage des Vereinsrechtes für Finnland hat Kaiser Nikolaus eine Enischeidung gefällt. Senat und Generalgouverneur lvaren über die Genehmigung der Satzungen einer Anzahl neuer Vereine in Finnland verschiedener Meinung, und die Satzungen wurden daher durch den Ministerstaalssetretär dem Kaiser zur Genehmigung vorgelegt. Tiefer schrieb über eigenhändig folgenden Bescheid auf das Schriftstück.»Unter den g e g e n w ä r l i g e n Verhältnissen sehe ich in dem Vorhandensein von Vereinen keinen Nutzen für das Volk. ?llle Eingaben betreffend Genehmigung von Statuten sollen von jetzt ab bei mir eingereicht werden, jedoch nicht eher, als im Jahre 1991.1 Die Maff'enpetition der Finnländer an den Kaiser macht dem Gouverneur fortführend schwere Sorgen. Schon früher hatte er den Senat ausgefordert, wegen der Urheber eine Untersuchung einzuleiten, aber Bobrikow erhielt den Bescheid, daß die Petition nicht gegen finnisches Gesetz verstoße. Mit diesem Bescheid nicht zufrieden, hätte Bobrilolv weitere Erklärungen oerlangt, aber der Senat tam in seiner letzten Sitzung wiederum zu dem Schluß, daß er in der Sache nichts thu» könne. Serbien. Serbische Justiz. Der„Köln. Ztg.' wird von ihrem Kor refpondenten aus Belgrad berichtet: Während zur bevorstehenden Schlußverhandlung im Attentatsprozesse allerlei Vorbereitungen ge- troffen ivurden, begann das Standgericht zur allgemeinen Ucber raschung eine ganze Reihe von»Verbrechen und Vergehen" zu ver- handeln, die seil der Verhängung des Belagerungszustandes begangen wurde». Nicht weniger als 39 solcher Fälle stehen bisher aus dem Ichwarze» Brett verzeichnet, und so wird es erst jetzt bekannt, daß außer den der Teilnahme an dein Attentat Verdächtigten noch massenweise allerlei Leute eingesperrt und angeklagt ivurden, weil sie sich Majestätsbeleidigung und öffentliche Geivaltlhätigkeit haben zu schulden kommen lassen. Der Ministerialsekretär Milan Drobnjak tvnrde vor kurzer Zeit, wie es heißt, uubegründeterweise, verhaftet, tveil auS seiner Kanzlei im Kriegsministerinm verschiedene geheime Akten verschwunden waren. Aus der Untersuchungshaft schrieb er an seineu Vorgesetzten und bat ihn, die Sache zn beschleunigen. da er sich unschuldig fühle. Ten Brief schloß er mit der Be- merkung:„Wir haben zwei Verfassungen, und das Land befindet sich im gesetzlosen Zustande: wir haben auch zwei Könige, und uiemalld werß, ivelcher der richtige sei." Wegen dieser Bemerkung lvurde der Mann vom Standgericht zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Kaufmann Michael Zwetko- witsch war in Semlin und erzählte den Neugierigen am Stamm- tische, was alles in den ausländischen Blättern— hier werden sie insgesamt konfiseiert— über Serbien und Milan zu lesen stehe. Ein Geheimpolizist hatte die Sache mit angehört und sorgte dafür, daß Zwettowitsch gleichfalls vors Standgericht kam und unbarmherzig wegen Majestärsbeleidiguiig zu anderthalb ta h r e n Kerker verurteilt wurde. Der Schuster Denieter chiskowitsch hatte sich gleichfalls über die Belgrader Vorfälle ab- fällig geäußert. Dies Höne ein Polizist. Er Ivollte den Schuster sofort verhaften, lvurde aber von diesem aus der Bude, die seine Werkstatt war, hinausgeivorfen. Das Standgericht erkannte aus sechs Jahre schweren Kerkers. Eine ganze Reihe von jungen Leuten lvurde seither wegen Verbreittma von allerlei Flugschriften verhaftet, die verschiedene verfängliche Aufschriften tragen, wie:»Der Dämon Serbiens",»Der Sohn der Marie Katardst"(Milans Mutter war eine geborene Katardji),»Zwei Fremdlinge'(Milan und Wladau Georgewitsch, der bekanntlich ein Zinzare ist). Mögen in all' diesen Fällen immerhin die Verhafteten die Absicht gehabt haben, Milan und damit seme Dynastie zu schädigen, so find doch anderseits die Strafen derart, daß sie, mit dem Maßstabe gemessen, der in einem auf eine gewisse Civilisiertheit Anspruch erhebenden Staate angelegt werden muß, als barbarisch erscheinen, zumal wenn man bedenkt, daß es sich meistens um unüberlegte Redensarten handelt, die beim politischen Klatsch oder in der eigenen Häuslichkeit leichtfertig hin- geworfen find.— Amerika. Ausstand auf Santo Domwgo. Einem Telegramm au? Kap Hartien zufolge ist in La Bega auf Santo Domingo ein Aufstand ausgebrochen, der bezweckt, Jimenez die Präsidentschaft zu verschaffen. Auch in Santiago auf Santo Domingo haben sich 599 wohlbewaffnete Mannschaften unter General Pacheeo erhoben. Zu ihnen stießen mit ziemlich erheblichen Streitkräften General Reyes und andere Generale.— DieSocialisten und dieDreyfus-Affaire. Die jüngsten Ausführungen des Genossen Liebknecht über die Dreysus-Affaire, die in der bourgeoisen und namentlich in der generalstäblerischen Presse Frankreichs(mit Rocheforts Blatt an der Spitze) so fteudig gegen den französischen Soeialismus ausgeschlachtet werden, zeigen aufs deutlichste, wie sehr es not thut, zur richtigen Beurteilung des französischen Parteistreites das objektive Thatsachenmaterial so eingehend wie möglich heranzuziehen. Ich will daher die Thatsachen sprechen lassen, die ich die ganze Zeit hindurch aus nächster Nähe und mit voller Aufmerksamkeit beobachtet und studiert habe. Zunächst die Vorbemerkung, daß auch Liebknecht erstens den Parteistreit als die Folge der ganzen Drehsus-Krise betrachtet und zweiten? die taknsche Regel des Kommunistischen Manifestes in Bezug auf das Verhalten der soeialistischen Partei gegenüber den demo- kratischen Schichten des Bürgertums anerkennt. Aber er verwirst die aktive Einmischung der Soeialisten und bestreitet die Anwendbar- keit jener taktischen Regel des Kommunistischen Manifestes in der Dreh suS-Krise. Sehen wir nun zu, ob die objektiven Thatsachen diesen Stand« Punkt rechtfertigen. Die in die Augen stechende Besonderheit der DreysuS» Affaire, wodurch sie sich»von den hunderttausend anderen Affairen socialer und politischer Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit" gründlich unterscheidet, besteht darin, daß sie von den ersten Anfängen an aus einem gewöhnlichen RechtSsall zum Mittelpunkt eines akuten und allumfassenden politischen Konflikts wurde, in welchem alle latenten Gegensätze der Bourgeoisrepublik auseinanderplatzten: klerikale Militärgewalt wider republikanische Civilgewalt, militärische Unsehl- barleitsanmaßungen Wider das Recht der fteien Kritik, chauvinistischer Armeenklütus wider demokratische Rechtsgarantien, endlich— als Zu- fanlmenfassimg des ganzen und im Fortgang des Konflikts— alle reaktionären Blasien wider die Demokratie. Und zwar waren es die reaktionären Elemente, die die� Angreifer spielten und damit den Konflikt entfesselt haben. Zu allen Zeiten und in allen Ländern gab es Justizirrtümer oder Justizmorde. Aber noch niemals und nirgends hat ein Justiz- irrttnn auck, nur im entferntesten in solchem Grade das ganze politische Leben beherrscht, wie der Fall Dreyftls. Und warum? Weil noch niemals und nirgends die ganze Staatsgewalt im Bunde nnt allen social- und spezifisch national- reaktionären Elementen sich so hartnäckig und mit so empörenden Mitteln gegen die Revision eines so offenkundigen Justizirrtums gesträubt hat, weil noch niemals und nirgends die reaktionären Parteien ihre Interessen mit der Auftechterhaltung eines Justizirrtums so total verknüpft haben. Der im vorrevolutionären Frankreich spielende Fall Calas.deS unschuldigen protestantischen Opfers deS katholischen Fanatismus, verhält sich zum Fall DreyfuS, wie etwa ein Zweikampf zu einem Bürgerkrieg. Ich meine: Voltaire ist in seinem individuellen Kampfe für CaloS nicht auf den hunderttausendsten Teil der reaktionären Widerstände gestoßen, die den Kämpfern um die Dreyfus- Revision immer und immer wieder in den Weg ge» worfen wurden. Und doch gehört der Fall Calos zu den geschicht- lich bedeutendsten Kämpfen um§ Recht. Genosse Liebknecht bettachtet freilich die Revisionisten als daS Karnikel, das angefangen hat. Die Thatsachen zeigen uns mit aller Deutlichkeit das Gegenteil. Der allererste Revtsionist, Bernard Lazare, begann im Herbst 1896 mit dem rein technischen Nachweis, daß das„Borderau" nicht von Dreyfus geschrieben wi. In seiner Broschüre findet man keine Spur rrgend- .velcher Angriffe„aus den ganzen Generalstab" oder auch nur auf das kriegSmilitärisckie Spionagebureau. Seine Broschüre oerhallte aber mirftingslos, da eben damals der Fall DreyfuS als eine x-beliebige Privatangelegenheit galt, der dazu das Odium eines besonders niederträchtigen Verbrechens anhaftete. Ebenso wirkungslos verhallte Bernard Lazares zweite, etwa ein Jahr später veröffent» lichte rein technische Broschüre über das Bordereau. Der Verfafier heimste nur von allen Seiten in der Presse die infamsten Ver- leumdungen ein... Die eigentliche DreyfuS-„Campagne" beginnt mit dem Eingreifen S ch e u r e r» K e st n e r S, deS gemäßigten Vieepräsidenten des Senats, dem eS bereits gelungen war, den wahren Schuldigen, Esterhazy, zu ermitteln. Was thut nun Scheurer» Kestner? Greift er etwa«den ganzen Generalstab' oder auch nur irgend einen einzelnen militärischen Würdenträger an, oder veranlaßt er solche Angriffe in der Presse? Mit nichten I Er ivendet sich oertrauensselig a» seinen„alten Freund', den Melineschen KriegSminifter Billot, dem er seine Beweise gegen Esterhazq fEnde Oktober 1897t vorlegt. Er bittet den General, im Namen der„Annee-Ehre" die Revision amtlich m Angriff zu nehmen, damit die Ehre der Revision dem Generalstabe zufällt. Billot vcr» spricht, erbittet sich 15 Tage Zeit zur Untersuchung, unter oer Bedingung, daß Scheurer- Kestner bis dahin olles geheftn halte. Während nun letzterer das Geheimnis wahrt, ver- anstaltet der Kriegsminister in der ganzen Presse(revifions» freundliche Blätter gab eS damals noch gar nicht) eine gewissenlose Hätz gegen seinen„alten Freund" und natürlich gegen DreysuS. Das ist der Beginn der generalstäblerischen Preßhetze� v.e man nur den Preßhetzen in BürgerkriegSzeiten an die Seite tellen kann. Wohlgemerkt, Scheuer-Kestner hat dem Generalstab nichts neues entdeckt. Ö b e r st P i e q u a r t hatte schon im Herbst 1896, ein Jahr zuvor, auf Grund des Rohrpost-Briefs Schwartzkoppen-Esterhazy dem ganzen Generalstab, dessen Chef de Boisdeffre- und dessen ilnterchef Gonse, Esterhazhs Schuld nachgewiesen. Piequart, der in Ausübung seines Anites als Chef des Spionage« burcaus dem Ivahren Verräter auf die Spur � kam, trotz einer'klerikal- antisemitischen Vo- urteile gegen Dreyfus, wurde aber wegen seiner Pflichterfüllung in aller Stille nach Tunis versetzt, wo obendrein vom Geueralftabe ans gegen ihn ein mißglückter Urias-Brief an den kommandierenden General Leclere abging, der ihn den Kugeln der Wüstenstämme aus- liefern sollte... Aber von Ansang an war es der ganze Generalstab, der iv i d e r b e s s e r e s W i s s e n sich gegen den Un- schuldigen mit dem ihm selbst als Landesverräter bekannten Esterhazy verschwor und„identifizierte" l Die„Identifizierung" stellt sich ans Grund der erwiesenen Thatsachen in solgender Reihe dar: Das Spionogebnreau identifizierte 'ich, nach der Maßregelung Piequarts, mit dem seither geselbstmordeien Henry, dem Komplicen Esterhazys, der Piequarts Nachfolger wurde; der ganze Generalstab indentifizwrte sich mit dem Spionagebureau, die ganze Hocharmee mit dem Generalstab, die klerikal-freundliche Regierung Melincs, alle reaktionären und chauvinistisch-demagogischen Elemente und die„ganze Armee' mit der Hocharniee. Das ist der t h a t s ä ch l i ch e Hergang. Es war also keine.Ungeschicklichkeit' der Revisionisten, sondern eine ihnen aufgezwungene Notwendigkeit, wenn sie die vollendete Thatsache der Jdenttfizierung der„ganzen Armee" mit den Schuldigen konstatierten und aus dieser Thatsache prineipielle a n t i m i l i t a r i st i s ch e Schlußfolgerungen zogen. Ueberhaupt die Angriffe auf die„ganze Armee" haben thatsächlich keinen anderen Sinn, als die Aufdeckung der tieferen Wurzeln der in der Dreyfus- 'ache bloßgelegten militärischen Fäulnis. Kein einziger Revisionist var so verrückt, die„ganze Armee" im Sinne der sie zusammen- 'etzenden Soldatenmasse oder auch nur des gesamten Offizierkorps anzugreifen. Im Gegenteil, es ist die Generalstabs- Presse, die böswillig der Masse vorspiegelte, die Revisionisten bekämpften die„ganze Armee" im materiellen Sinne des Wortes. Dieses prätorianische Hetzargument wurde von den Revisionisten innner und immer wieder aufs schärfste zerpflückt, indem sie gerade die Unterdrückung der Soldatemnasse und der iemofrotifdjoTlnibliffmlffficn Elemente de« Offizierkorps durch die klerikal-monarchistische Mililäroligarchie nachwiesen und betonten.") Welcher Socialist aber wird es für eine.Ungeschicklichkeit" er« klären, daß die äußerste Linke der Revisionisten— in Ueber« emstimmung mit den Tbatsachcn— die militari st ischen Ein« r i ch t u n g e n als des Uebels Wurzel bekämpften? Seit wann denn müssen sich Socialisten auf die oberflächliche und zufällig-individnelle HülledcrErschcinungenbeschränken.ohne bis zu deninnerenUrsachenvor- zubringen? War es denn nicht die Pflicht gerade der Socialisten, für die vriucipielle Aufklärung der Masse zu sorgen? War es nicht ihre doppelt gebotene Pflicht in einem Lande wie Frank- reich, wo der chauvinistische Armee-5iultus viel mächtiger als anders- wo dem proletarischen Besreiungskanrpfe im Wege steht? War es nicht eine Verkennung der Klassenintercficn des Proletariats, wenn die socialistischcn Gegner der Jauresschen Taktik Enthaltungspolitik trieben— unter fccin Vorwand, es handele'sich angeblich nur um einen Osfizicr, um einen.Gcneralstabs-Osfizier", um einen.reichen" Offizier?... Ich habe absichtlich jede ideologische Erwägung über die Pflicht der Socialisten, in jeder Rechtsfrage als solche Stellung zu nehmen (was Karl KautSky übrigens mit Recht in seinem auch im„Vor- wärtS" abgedruckten Brief an James betont) beiseite gelassen, um Genossen Liebknecht streng auf dem Boden seiner Argumentation zu folgen, um desto zwingender den Nachweis zu führen, daß das ur- eigen st e Interesse der sociali st ischen Partei ein aktives Eingreifen in die Dreysus-Ärise erforderte. Die Drcyfus-Affaire mußte allerdings zur.Parteisache" gemacht werden, weil die socialistische Partei das größte Interesse an der Nicderkämpfung der klcrikal-militärischen Reaktion hat. Und eS ist ein erfreuliches Zeugnis für die reifende Einsicht des Ilasicnbewußtcn Proletariats, daß es schließlich, trotz aller entgegenstehenden mächtigen Vorurteile, trotz dcS höchst ungünstigen Anlasses der Krise und sogar trotz der Passivität hervorragender socialistischer Führer, in den Kampf eingriff. Daß die socialistische Thätigkeit, genauer— die Thätigkeit der socialistischcn Presse und Agstntionsredner namentlich seit einem Jahre sich um die.Achse" der Drehfus-Krise drehte, ist durchaus begreiflich und bedarf nach dem Gesagten gar keiner Rechtfertigung. Das. ganze öffentliche Leben Frankreichs drehte sich ja um dieselbe Achse. Wie wahr das ist, zeigt schon der Umstand, daß die dem DreystlS-Kampf fcriigcbliebcucn Socialisten nicht im stände waren, ihre Muße für die Schaffung einer anderen„rein focialistischen" Achse, der Parteithätigkcit auszunutzen. Ucbrigens muß die Thatsache festgestellt werden, daß Jaurös neben seiner auf- reibenden Drehfus-Agitation bedeutend mehr agitatorische Thätigkeit auf dem eigentlichen Parteigebictc entfaltet hat, als die sich cut- haltenden Socialisten. Ich erwähne nur seine Campagne für die Einigung der Partei.... In einem Punkt haben die EnthalwngStaktikcr allerdings recht. 5>>tle sich alle Welt vor dem verlogenen Sprüchlein des Kriegs- Ministers Billot(.Drcysus wurde gesetzlich und gerecht verurteilt") gebeugt� und zu.der Preßhatz des Gcneralstabcs Ja und Amen gesagt, dann gäbe ei bis heute keine.Drehstis-Afiairc", wie es Meline noch im Dezember 1LS7 auf derKammertribüne unter dem stürmischen Beifall der ganzen Kammer verkündete, um die vom Generalstab herauf« beschworenen Geister los zu werden. Aber dieses schön» Idyll scheiterte an dem Eingreifen der bürgerlichen Ideologen. Der Kampf war nun einmal entbrannt, mochten es die Socialisten wollen oder nicht. Die Dreyfus-Affaire war da. Ucbrigens haben die Enthaltungstaktiker lange genug die Thätigkeit von JaurvS und Genossen gelähmt, indessen der Kampf immer gewaltigeren Umfang annahm, so daß zuletzt den Socialisten keine andere Wahl blieb, als entweder durch ihre Neutralität den S t ä r k e r e n— die klerikal- militärische Reaktion— zu stützen, oder aber aktiv zu Gunsten der weitaus schwächeren Vorkämpfer der Demokratie einzugreifen. In einem früheren Artikel(„Vorwärts" Nr. ift)) habe ich die rein theoretischen, m. E. sektiererischen Gründe der Enthalwngs- taktiker analysiert. Jetzt sollen aber auch wieder einmal die .praktischen" Gründe der Enthaltungstaktik gekennzeichnet werden. Unzweifelhaft haben opportunistische Rücksichten aus die chauvinistische Stimmung der verhetzten Masse in hohem Grade die Euthaltungstaktik mit diktiert. Opportunistische Rücksichten im schlimmsten Sinne des Wortes, denn die d au e rn d e n Klasseninteressen des Proletariats, die die Be- kämpfung des Chauvinismus erfordern, wurden den Augenblicks- interessen hintangestellt. Die bekannte Abstimmung der Socialisten über den Maueranschlag der Cavaignacschen Rede mit den Fälschungen. Henrys— 12 Guesdisten stimmten für, die übrigen focialistischen Abgeordneten enthielten sich— und die noch bezeichnendere Mundtotmachung des socia- Iistischen Abgeordneten Fourniöre mit Hilfe der Socialisten, um ihm die Möglichkeit zu nehmen, Eavaignac über die Fälschungen zu interpellieren,— diese Thatsachcn zeigen deutlich genug, was es mit einer„Enthaltungs"taktik, die dem Gcneralstab gelegentlich sogar direkte Dienste leistet, auf sich hat.... Aber das„Ergebnis" der Jaurösschen Taktik? Hat denn die ganze Dreyfus-Kampagne. nicht mit einem. M i n i st e r i u m G a l l i f f e t" geendet? Dieses neueste Hauptargumcnt der Eni- Haltungstaktiker— das übrigens als ein bedeutsames, mehrfach vorgekommenes Zusammentreffen von den R o ch e f o r t und D r u m o n t in? Feld geführt wird— hat den kleinen Fehler, den Galliffet der blutigen Maiwoche mit dem Galliffct des republikanischen, die Civilgewalt durch mutige Handlungen bekräftigenden Ministeriums zu idcnti- stzieren. Man darf wirklich das bekannte Goethcsche Wort auf den gegebenen Fall in veränderter Form anwenden:.Wo Gründe fehlen, da stellt sich zur rechten Zeit ein Name ein." Jetzt, nach der kaum fünfwöchcntlichcn Regicrungszcit des Kabinetts. ist wohl jedermann klar geworden, was von vornherein feststand, daß Galliffet im Ministerium nicht als die„häßlichste, brutalste und gefährlichste Vcrkörpei-ung des Militarismus und... zugleich der personifizierte JesuitismuS" wirkt, sondern vielmehr als das bloße Werkzeug der Republik gegen die rebellische jesuitische Hocharmee. Und daS Argument wird gewiß nicht beweiskräftiger. wenn man das Ministerium auf den Namen Galliffct tauft. Im Gegenteil, diese polemische Umtaufung zeigt erst recht, daß das ganze Argument an einem Namen hängt. Im übrigen hat der Verfasser des„Vorwarts'-Artikels„Auacn- blickS-Kartelle" treffend das Galliffet-Argunicnt zurückgewiesen. ES sei nur noch die enorme polemische U e b e r t r e i b u n g qe- kennzeichnet, die aus Galliffet den Kommuncschlächter xwr excellence, den„Schlächter von 35 000 Socialisten" machen möchte. Man braucht nur die Listagaraysche Geschichte nachzusehen, um zu ersahren, daß Galliffct nicht im entferntesten die Rolle des Juni- diktators und Junischlächters Eavaignac spielte. Er war einfacher Brigadegeneral und als solcher ausschließlich fiir die Blut- thatcn einer einzigen Brigade veranttvortlich. Der Kommuncschlächter war Thiers und den Oberbefehl über die Versaillcr Armee führte Mac-Mahon. Galliffet war nur eines der sehr zahlreichen untergeordneten Werkzeuge der Oberschlächter Thiers und Mac-Mahon, wenn auch vielleicht das blutigste Werkzeug, aber nicht der Zahl seiner Opfer nach, sondern nur seiner Lbschlachtungsmethode nach. Ferner nennt Liebknecht das derzeitige Ministerium„das reaktionärste, welches die französische Republik seit Mac- Mahon ") LieWtecht macht noch die Revisionisten für die Pariser Korrespondenzen der deutschen BourgeoiSprcsse verantwortlich. Ich verstehe nicht, wieso die Revisionisten die Thätigkeit der Korrespon- deuten hätten verhindern können. Oder meint Liebknecht, daß die Korrespondenten im Auftrage der Revisionisten ihre Artikel »lancierten"? Offenbar ja, denn er schreibt:„... begannen die Verteidiger des Dreyfus eine sehr heftige und die gesamte bürger- liche Presse nnifasscnde Campagne im— Ausland". Diese Annahme, die allerdings von der Gencralstabspresse Iveidlich ausgebeutet wurde, bedarf wohl keiner weiteren Widerlegung,— ebensowenig wie die „Existenz" des famosen„deutsch-jüdiich-protestantischen' Verrats- syndikatS" einer Widerlegung bedarf.... gehabt hat". Wiederum bloß infolge der zwei Namen: Waldeck«' Rousseau und Galliffet. Ueber Galliffet wurde daS nötige bereits gesagt. WaS aber gar Waldeck-Rouffeau betrifft, so ist er der U r- Heber der für die Arbeiterklasse wertvoll st en Reform der dritten Republik, deS KoalitionS- gesetzes von 1884. Und wenn er unter demMinisterium Meline, d. h. dem— nicht seines Namens, sondern seiner ganzen Thätigkeit wegen— reaktionärsten Ministerium seit Mac-Mahon für das klerikal« opportunistische Ordnungskartell wirkte, so hat ihn das Anwachsen der klerikal- militärischen Gefahr wieder eines Besseren belehrt und an seine alten republikanischen Traditionen erinnert. Er gehört zu den wenigen tapferen Paria- mentariern, die das rechtbrechcnde Ausnahmegesetz der Kriminal- kammer auf der Tribüne bekämpften. UebrigenS wozu tzieitcre persönliche Details, da die ganze Thätigkeit des Ministeriums es in Wirklichkeit als das erste fett vielen Jahren rein republikanische, für die Republik und nur mit Republikanen: regierende Ministerium kennzeichnet und als das erste republikanische Ministerium schlecht- hin, das die militärische Oligarchie thatkrästig unter das Gesetz zu beugen wagt. Demgegenüber kommt der Hinweis auf Waldeck- Rouffeaus „Socialiftenfrcsserei" ebenso Ivcnig in Betracht, wie z. B. die socialistenfrcsserischen Broschüren Eugen Richters beweisen köiinen. daß dieser der Socialdemokratie nicht näher stehe als König Stumm. Damit fällt auch das einzige Argument Liebknechts gegen die Anwendbarkeit der Taktik des Kommunistischen Manifcsts in Be- zug auf das Ministerium Waldeck-Rousseau. Ucbrigens wäre es ja merkwürdig, daß sämtliche Reaktionsparteien Frankreichs von Meline bis und mit dem Grafen de Mun(beiläufig einem eigenhändigen Schlächter der Kommunards) durch die Bank so verblendet sein'sollten, gerade „das reaktionärste Ministerium seit Mac-Mahon" aufs heftigste zu bekämpfen, während umgekehrt sämtliche demokratische Parteien ihrerseits so verblendet sein sollten, für das.reaktionärste" Ministerium leidenschaftlich einzutreten!... Und warum hat denn kein einziger socialistischer Abgeordneter gegen das„reaktionärste" Ministerium gestimmt, während die Hälfte der focialistischen Fraktion sogar für dasselbe stimmte?... Nach alledem erübrigt es sich, auf den Vergleich zwischen Eavaignac und Galliffct bezw. zwischen dem Verhalten der Socia- listen gegenüber den beiden Kricgsministern einzugchen. Eavaignac war das Werkzeug der Hocharince. während Galliffet daS Werkzeug der republikanischen Civilgewalt ist. Die Sache liegt also ziemlich einfach. DaS vorläufige Ergebnis der Drehfus-Affaire ist also, trotz des Namens Galliffet, durchaus im Interesse der Demokratie ausgefallen. Die große Mehrheit der Socialisten, die mit der Enthaltungs- taktik gebrochen, kann zufrieden sein auch in Hinsicht auf das gouvernementale Ergebnis des Kampfes. Was aber die andern viel wichtigeren und dauernden Ergebnisse des Kampfes zum Vorteil der socialistischen Partei betrifft, so wurden sie in ineinen früheren Artikeln ausführlich dargelegt, ohne daß sie von irgend einer Seite bestritten worden wären. Paris, 1. August. B. K r i t s ch e w S k y. *•*" Da der vorstehende Artikel dcS Genossen Kritschcwcly nichts enthält, was mir nicht bekannt und gegenwärtig war, als ich meine Erklärung schrieb, so habe ich nur einige Bemerkungen zu machen. Falsch ist— und diesen Irrtum begeht auch Kautsky—, daß die Gegner der Dreyfus-Campagne für eine Politik des Nichtsthuns, der Enthaltung gewesen seien. Wer war denn für Enthaltungs- Politik? Ist Vaillant, der 1371 als Mitglied der Kommune gegen die Thiers, Galliffct und sonstigen„Ordnungsbcstien" kämpfte, der seit seinen Studienjahren in Deutschland unablässig für den SocialismuS wirkt, ist er für politische Enthaltung? Ist Guesde, der seit 20 Jahren und mehr unablässig für die Ver- breitnng der socialistischen Lehre arbeitet und im Dienste der Partei seine Gesundheit zerstört hat, etwa ein Mann der politischen Enthaltung? Werfe man doch nicht mit solchen Schlagworten um sich! Der von unserem Pariser Korrespondenten bevorzugten Politik haben sie sich „enthalte n". Und zwar mit Recht, wie der Erfolg zeigt, der in Fragen der Taktik oberster Richter ist. Wohlgemerkt, ich sage nicht, daß Gnesdc, Dcvillc, Vaillant zu Anfang des Drcyfus-Skandals richtig operiert haben. Sie hätten sich meines Erachtens von vornherein klipp und klar für die Revision aussprechen und für sie wirken sollen. Dann wäre der Partei viel- leicht manche Unannehmlichkeit erspart worden. Allein sie kannten die Elemente hinter den Coulisscn der Drehfus-Affaire, und daß sie von manchen derselben, wie auch von Manchem in der Führung der„Campagne" nicht erbaut waren, kann ich wohl begreifen. Doch mit dem DreyfuS-Handcl will ich mich jetzt nicht beschäftigen. Das ivcrde ich thnn, so�ild der Prozeß in RenneS beendigt ist. Was ich denke, erhcUt�ur Genüge aus meiner Cr- klärung, von der ich kein Wort zurückzunehmen, kein Wort zu mildern habe. Im Gegenteil! Aber ich will den Gegnern der Revision kein Vergnügen bereiten, obgleich die Revision über jeden Zweifel gesichert ist. Daß die Roche fort, D r u m o n t und Konsorten sich über meine Erklärung gefreut haben, macht mir zwar keine Freude, aber auch keinen Schmerz. Als ich meine Erklärung abgab, wnsste ich, daß sie manchem Freund mißfallen, manchem Feind gefallen würde, indcß das konnte mich an der Erfüllung einer Pflicht nicht hindern, zumal der Sache der Revision kein Schade mehr gethan werden konnte. In der Politik muß man sich an alles gewöhnen, auch an das Lob der Feinde. Und schließlich ist es nicht schlimmer, von einem Rochcfort cinnial gelobt, als von der gesamten bürgerlichen Presse als guter Socialist, Staats- niann und Wissenschaftler' ersten Ranges' gepriesen z» werden, wie das etliche meiner Parteigenossen tagtäglich erdulden müssen. Eine Taktik, welche den Militarismus dadurch erschüttern und stürzen will, daß sie die Jmmornlität und die Verbrechen einzelner Militärs aufdeckt und brandmarkt, ist überhaupt an sich verkehrt— ebenso verkehrt wie die von gewissen Organen des flachen Liberalismus be- folgte Taktik, gegen den Katholizismus die Unsittlichkeiten einzelner Priester ins Feld zu führen. Diese Art des Kanipfcs überzeugt keinen vernünftigen Menschen, erbittert aber die Mitglieder des angegriffenen Standcs.dicsich mit den gcbrandmarltenSnbjekicn in einen Topfgcworfen sehen. So bat die„Campagne" dann auch thatsächlich zur Stärkung statt zur Schwächung des Militarismus geführt. Da war die Agitation der Guesde, Vaillant usw. viel geschickter, denn sie richtete sicli gegen das Wesen des Militarismus und wies dessen Gemein- schädlichkcit nach. Man sollte meinen, wenn man die Verteidiger der Jaurös-Millerand-Taktik hört, vor dem Dreysushandcl habe' es keine socialistische Agitation gegen den Militarismus gegeben. Nun, vor genau 31 Jahren hielt ich— auf dem Nürnberger Partei« tag meine erste Programmrede gegen den Militarismus, und seit zlvölf Jahren stellen die Socialisten in der französischen Kammer regelmäßig Anträge auf Abschaffung der stehenden Heer«, der Militärgerichtsbarkeit� und anderer Giftfrüchte des Militarismus. Wäre man von dieser guten bewährten Taktik nie abgewichen, so hätte der französische Milita- rismuS nie den Triumph erlebt, daß sein strammster Vertreter jetzt in der französischen Regierung als Kriegsminister sitzt und von Socialisten— auch vom Genossen Kritschewsky— verteidigt werden muß. Auf den Scherz, die Ermöglichung eine? Kabinetts Galliffet und der Eintritt eines Socialisten in diese? Kabinett ent- 'preche den Forderungen des Kommunistischen Manifestes, gehe ich natürlich nicht ein. Was Marx von Galliffet, der zwar die 35 000 Kommunarden nicht eigenhändig geschlachtet hat— in diesem Puntt gebe ich seinem Verteidiger recht— ober bei dieser entsetzlichen Schlächterei die Hauptrolle spielte— was Marx von Galliffet hielt, das hat er in seiner unsterblichen Denkschrift über die Kommune der Welt mitgeteilt. Marx ist jetzt tot und kann also nicht Verwahrung einlegen. allein so wie ich ihn kenne, zweifle ich nicht, er wurde den Socialisten. der den Eintritt eines Socialisten in ein Kabinett Galliffet befürwortet oder gebilligt hätte, ohne Umstände zur Thür hinausgeworfen haben. Ich will bei dieser Gelegenheit bloß nochjj erwähnen, daß die Frage Millerand-Galliffet von der„Campagne" nicht zu trennen ist, wie KautSky cS zu thun versucht hat. Ohne„Campagne" lein Kabinet Waldeck-Rousseau-Galliffet und lein Eintritt Millcrauds in dieses Kabinett. Ueber die Taktikfrage werden wir ja noch weiter reden. So für heute nur noch den Wunsch, Genosse Kritschewsky möge durch Parteinahme gegen Männer wie Vaillant und Guesde das Einignngs- werk nicht stören. Jaurös, der diese Gegner feiner Taktik als Freunde und hochverdiente Genossen behandelt, sei ihm in dieser Hinsicht ein Beispiel. Berlin, 4. August 1839._ W. Liebknecht. Die Berichtigung unseres Pariser Korrespondenten bedarf in allen Punkten der Berichtigung. Falsch ist, daß L a f a r g u e und D e v i I l e seit Jahren für die Partei nfcht mehr thätig seien. Lafargue hat politisch nie anders als für die Partei gearbeitet, entlvickelt in der gegenwärtigen Krisis eine sehr große, unserem Pariser Korrespondenten allerdings wohl kaum angenehme Thätigkeit; und auch Deville, der beiläufig 18L7 die entschieden beste socialistische Rede in der französischen Kammer gehalten, und als Uebcrsetzcr von Marx und Verfasser einer vor- trefflichen Schrift gegen den Anarchismus sich dauernde Verdienste um die Partei envorbcn hat, ist zwar durch Krankheit längere Zeit air öffentlichem Auftreten verhindert gewesen, arbeitet aber fortwährend für die Partei und hat z. B. für die letzte Nummer deS„Socialiste" von Bordeaux einen sehr guten Artikel geschrieben. Unter Krankheit hatte auch seit dem Stuttgarter Kongreß, dem er als Gast beiwohnte, unser Genosse Guesde viel zu leiden gehabt. Er war im Begriff, zur völligen Wiederherstellung seiner Gesundheit auf einige Zeit nach Westiudien(Guadeloupe) zu gehen, wurde aber durch die Krise innerhalb der Partei nach Paris gerufen. Was die Ziffern der bei den Wahlen des Mai vorigen Jahres erlangten Stimmen betrifft, so widersprechen die Angäben oeS Pariser Korrespondenten den nach de» Wahlen gemachten und damals von niemand bestrittenen Anklagen. Doch ich überlaste es den französischen Genossen, diesen Punkt richligzustellen. Was über die„spccifisch-guesdistische Eigentümlichkeit" gesagt wird, keimzeichuct sich selbst. Die Animosität gegen Guesde und die Guesdisten, d. h. die konsequentesten Vertreter des Socialismus in Frankreich, spricht ans jeder Zeile dieser„Berichtigung", und beweist. daß es. sich in diesem Kampf um die Taktik allerdings um die P r i n c i p i e n handelt. Und daß in Bezug— ist nicht mehr eine Taktik für socialistische Principien. Hier handelt e» sich nicht mehr um eine Frage der Taktik, sondern um eine Principien frage. Die veränderte Taktik bedeutet hier ver- ändcrteS Princip.' v.Berlin, 8. August 1809. W. Liebknecht. Poltl-ilich--. Serichkliche» nsiv. ~ Ein sehr wenig gesetzeskundiger Herr scheint der Amts- Vorsteher Baron Lükwitz in Mittelsteina(Grafschaft Glatz) zu sein. Unter eine VcrsammlungSanmcldung schrieb er:„Hierdurch erkläre ich, daß ich diese mir gemeldete Versammlung nicht gestatte." Zu gestatten hat der Herr gar nichts, sondern er hat einfach die erfolgte Anmeldung zu bescheinigen. Verboten kann eine Versammlung nur werden unter bestimmten, gesetzlich geregelten Voraussetzungen. --- Furchtbar gefährlich muß dersächsischen Polizei der dänische Genosse Olsen erscheinen, der gekommen war, die sächsischen Arbeiter über die Lage der Ausgesperrten in Dänemark zu unterrichten. Allenthalben hat sie ihm nicht nur verboten, zu sprechen, sogar daS bloße Erscheinen in den Versammlimgen wurde ihm unter der An« drohung der soforttgen Ausweisung verboten. Die Verbote ver« fehlten natürlich ihren Zweck vollkommen, denn die veranstalteten Versammlungen waren überall außerordentlich> stark be- sucht und kür die Aufklärung der Erschienciien sorgten "nbcre Ncdner, denen mnn leidet nicht mit der Ans- Weisung drohen konnte. Noch inehr hat die Polizei in Pirna in den Wind gehauen, denn Genosse Olsen lieh sich dort nicht hindern, in der Versammlung zu erscheinen und die Polizei konnte gar nichts dagegen thun, weil sie leider nicht die Ehre hat, Genosse Olsen von Angesicht zu Angesicht zu kennen. Die Polizei hat nun die Lacher nicht auf ihrer Seite. Das ist immer die Folge solcher zwetfloscu Maßregel»._ GemevKpchAf tliches. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Maurer von Berlin und Um- gegeud. Die Achtzehner-Kommission für das Maurcrgeiverbe, be- stehend aus 9 Arbeitern und 9 Unternehmern, welche nach den Vereinbarungen vor dem Einigungsamte die Aufgabe hat, alle strittigen Punkte zu regeln und insbesondere die einheitlichen Arbeits- dedingungen festzusetzen, hat nunmehr in mehreren Sitzungen den Entwurf der Ausfnhrungsbeftimmnngen zu§ 4 des Einignngs- vertragcs vom 24. Juni 1899 fertig gestellt. Der Entwurf hat folgenden Wortlaut: Arbeitszeit. Vom 1. März bis 39. September: Anfang 7 Uhr, Frühstück'/s 9 bis 9, Mittag 12 bis 1, Vesper 4 bis 4V2, Feierabend 6 Uhr, Arbeitszeit 9 Stunden. Vom 1. Okiober bis 1ö. Oktober: Anfang 7 Uhr, Frühstück V29— 9. Mittag 12—1, Vesper 4— 4V2, Feierabend 51/» Uhr, Arbeitszeit 8>/2 Stunden. Vom 19. Oktober bis 15. N o v e m b e r: Anfang 7 Uhr, Frühstück 1/29— 9, Mittag 12— 1, Feierabend 5 Uhr, Arbeitszeit 8Va Stunden. Vom 16. N o- v c m der bis 39. November: Anfang 71/4 Uhr, Frühstück Vz9— 9, Mittag 12— 1, Feierabend 48/4 Uhr, Arbeitszeit 8 Stunden. Vom 1. Dezember bis 31. Januar: Anfang 7V2 Uhr, Frühstück 1/20— 9, Mittag 12— 12'/z, Feierabend 4,/2 Uhr, Arbeitszeit 8 Stunden. Vom 1. Februar bis 15. Februar: Anfang Vl2 Uhr, Frühstück>/s9— 9, Mittag 12—1, Feierabend 5 Uhr, Arbeitszeit 8 Stunden. Pom 16. Februar bis 28. Februar: Anfang 7 Uhr, Früh- stück Veü— 9, Mittag 12— 1, Vesper 4— 41/2, Feierabend öVa Uhr, Arbeitszeit 8Va Stunden.— I n jedem Falle wird nur die wirklich geleistete Arbeitszeit bezahlt. An den Sonnabenden ist in der Zeit vom 16. Februar bis 15. Oktober abends eine Stunde früher Feierabend söhne Vesper); vom 16. Oktober bis 15. Februar ist an den Sonnabenden eine halbe Stunde früher Feierabend. An den Tagen vor den hohen Festen wird eine Stunde früher als an jedem anderen Sonnabend Feier- abend geniacht. Der Lohn ivird bei allen drei Abstufungen für den vollen Tag ausgezahlt, soferit thatsächlich bis zu Feierabend ge- arbeitet wurde? war dieses nicht der Fall, so wird nur die wirklich geleistete Arbeitszeit bezahlt. Lohnzahlung. Die Lohnauszahlung findet an jedem Sonnabend sofort nach Schluß der Arbeit mit Einbehaltung für Sonnabend auf dem Bau statt. Gesellen, welche am Sonnabend entlassen werden und solche, die am Sonnabendabend Feierabend nehmen wollen und dies bis spätestens Sonnabcndvorniittag 19 Uhr dein Arbeitgeber oder dessen Vertreter erklärt haben, erhalten den Lohn unter gleichzeitiger Ans- händigung des Krankenkassenbuchcs und der Jnvaliditätskarte für Sonnabend ntitausgezahlt. U e b e r st n n d e n. Ueberstunden sind zu vermeiden. Wo solche aber nicht zu um- gehen sind, werden sie mit einem Lohnzuschlag von 25 Proz. cnt- Ichädigt. Bei den Rüstungsgesellen ivird für die erste Ueberstunde morgens oder abends kein Lohnzuschlag berechnet. Fordert eine Arbeit voraussichtlich für eine längere Dauer die Uebcrschreilung der jciveilige» Arbeitszeit, so ist die Arbeit in ztvci Schichten einzuteilen, deren jede die zur Zeit maßgebende Arbeitszeit nicht überschreiten darf. Die Stunden der Nachtschicht werden den Ueberstunden gleich- bezahlt. Auf jedem Bau muß jemand bestimmt sein, welcher die not- wendigen Lebensmittel herbeischafft. Ein Zwang, in einem bestimmten Lokale zu verkehren, ist nicht statthaft. Baubude. Zum Schutze gegen Witterungscinflüsse und Diebstahl, sowie zur Erholung und zuni Einnehmen der Mahlzeiten, muß auf jedcin Bau eine Baubude zur Benutzung vorhanden sein. Dieselbe nmß aus einem trockenen Räume bestehen, im Winter heizbar und so groß sein, daß bis zu 29 Mann fiir jeden ein Raum von.mindestens 9,75 Quadratnieter und darüber hinaus für jeden weitecrn Mann 9,59 Quadratmeter zur Verfügung steht. Genügend Tische und Bänke, sowie eine der Größe und Lage der Bude entsprechende Anzahl Fenster, ivelche zum Oeffncn eingerichtet sind, sind er- forderlich. Ferner muß die Baubude dichte Seiteuwände, ivelche iin Winter miitdcstcns aus doppelten Schalbrettern rcsp. mit Pappe beschlagen oder atls gespundeten Brettern sein müssen, ein wasserdichtes Dach und einen hölzernen Fußboden haben, welcher mindestens 19Ccntimetcr über der jeweiligen Terrainhöhe des Hofes liegt, und eine verschließbare Thür besitzen. Baumatcrialien dürfen in derBanbude nicht gelagert werden. Zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen ist es not- wendig, daß ein Kasten mit Verbandsmaterial an einer zugänglichen und staubfreien Stelle aufgestellt ivird. A bort. Der Abort muß mit Pisioiranlage versehen sein und ist möglichst abseits von bewohnten Räumen resp. der Baubude aufzubauen: sollte hierzu kein Platz vorhanden sein, so ist Gelegenheit zur Wasserspülung zu schaffen. Für 29 bis 39 Arbeiter müsse» mindestens 2 Sitze und darüber für jede weiteren 29 Arbeiter wiederum ein Sitz mehr bis zur Anzahl von 6 Sitzen vorhanden sein. Die Sitze sind aus vollständig abgedeckten und ausgeschnittenen Brillen herzustellen. Die Seitenivändc müsscu dickt und zugfrei inid das Dach wasserdicht sein. Für die notivendige Erhellung des Ab- ortes miiß ebenfalls Sorge getragen werden. Sind keine Thüren vorhanden, so muß. die Aussicht durch eine Schutzwand versperrt sei». Für wirksame Desinfektion, besonders in den wärmeren Jahres- zeitcn, ist unter allen Umständen«orge zu tragen. Dieser Entwurf der Kommission wird nun von den einzelnen Organisationen der Arbeiter und der Unternehmer beraten werden, und falls derselbe, was sehr wahrscheinlich ist, die Zustiinmung der Beteiligten findet, sollen die Besfimmunge» in Plalatform auf allen Bauteil zuni Aushang gelangen und nach jeder Richtung streng beachtet werden. Die Maurer der lokalen Richtung haben sich in der öffentlichen Versammlung am Donnerstag bereits eingehend mit dem Entwürfe beschäftigt und sich im wesentlichen, außer einigen Punkten, über die voraussichtlich noch eine Verständigung in der Kommission herbeigeführt wird, mit den Bestimmungen einverstanden erklärt. Zur Lohnbewegung der Steinarbcitcr Berlins. Die Ber- lincr Steimctzinnung verlangt eine vierjährige Lehrzeit der Lehr- Ii, ige doch gewiß nur, weil sie glaubt, daß eine so lange Zeit notwendig ist, um das Stcinmetzhandwerk zu erlernen. Aber nach dem alten Sprichwort:„In der Not frißt der Teufel Fliegen" handeln auch die sonst recht zünftigen Steinmetzmcisler. dte gerne die übernommenen Arbeiten liefern nivchten, aber die verhältnismäßig minimalen Forderungen der Gesellen nicht bewilligen wollen und Streikbrecher aus den Reihen der Stein- metzen, ivie sie gehofft, nicht erlangen konnten. Uns lvird berichtet, daß nicht nur jugendliche Lehrlinge zu den schwersten Arbeiten an Stelle der Ausständigen, sondern auch ungelernte Arbeiter als Stein- metzen verwandt werden. Unter anderem beschäftigt die Firma W i m m e l u. Co., Lchrterstraße, drei ungelernte Arbeiter als Steinmetzen und Versetzet auf den Bauten. Wenn auch zugegeben sein mag. daß es keiner besonderen Kunst bc- darf, so steht doch fest, daß zu dem Versetzen der schweren Sandsteine auf den Bauten jahrelange Erfahrung und Hebung uii- bedingt notwendig ist. Bei diesen Arbeiten besonders wird sonst ein Steinmetz mit der Leitung betraut, der anderseits bei vor- kommenden Unfällen auch zur Verantwortung gezogen wird, wie cS ja schon geschehen ist. Will man denn nun etwa die mii die, er ~ Verantwortlicher Ncdaclcur: Robert Scknnidt in Berti Art Arbeit, Ivobei nicht selten Menschenleben gefährdet sind, nicht vertrauten Arbeiter für etwaige Unfälle verantworlich machen, oder wird man die wirklich Schuldigen, die llntcrnchmer zur Rechenschaft ziehen? Daß die Berufsgenossenschaft oder die Baubehörde gegen die nicht fachgemäße Arbeit Einspruch erhebt, ist nach den gemachten Erfahrungen kaum zu erwarten. Vielmehr wird es Sache der Bauarbeiter sein, derartige Arbeiten zu verweigern bczw. diejenigen Arbeiter, die diese Arbeiten als Nicht- fachleute überiiehmen wollen, auf die Gefahren für ihr Lebe» und ihre Gesundheit hinzuweisen. Die Dienstboten- Bewegung hat bereits bedeutende Dimen- sionen angenommen. Wie in einer neuerlichen Versammlung am Donnerstag in den Victoriasälen mitgeteilt wurde, zählt der Verein in Berlin schon 699 weibliche und 183 männliche Mitglieder und außerhalb Berlins 3999 Mitglieder. Die Vereinigung erstrebt ein menschenwürdiges Dasein für die Dienstboteitz gute Behandlung, gute Schlafräume und Kost, abgekürzte Arbeitszeit, richtige Ein- teilung der Arbeit, genügende Erholnngszeit. Einsetzung eines nn- parteiischen Schiedsgerichts bei Streitigkeiten, Abschaffung der Ge- sindcbücher und der Gesinde- Ordnung von 1819, und Stellen- Nachweis. Auch die Schaffung von Diskuiicrklubs wurde in Anregung gebracht. Deutsches Reich. Tie Holzarbeiter von Forst haben am Donnerstagabend be- schlössen, am Sonnabend den Arbeitgebern die Forderung der wöchent- lichcii 59stü»digen Arbeitszeit bei den bisherigen Wochenlöhne» zu unterbreiten. Außerdem fordern dieselben einen Mindestlohn von 14 M. Sollte diese bescheidene Forderung nicht bewilligt werde», dann werden diejenigen Arbeiter, ivelche keine Kündigung haben, am Montag die Arbeit niederlegen und die übrigen sofort kündigen. Zuzug ist daher fernzuhalten. Die Vertrauensleute der hiesigen Textil- arbeitet haben sich dahin geeinigt, den am Freitag statt- findenden zwei Textilarbeiter-Versanunlungeu folgende Vorschläge in Bezug auf die an die Unternehmer zu stellenden Forderungen zu unterbreiten: 19stllndige Arbeitszeit, eine halbe Stunde Frühstücks- pause, der Wochcnlohn bleibt derselbe ivie bisher, Bezahlung der Ueberarbeit und der Wartezeit bei den Accordarbeitern, Einführung von Schußzählern, Lohnbüchern, und Aushängung der Lohnlisten in jedem Arbcitssaal, gutes Trinkivasicr, Beschaffung von Wasch« und Ankleideräumen, wöchentliche Reinigung der Abortes!), Humaue Behandlung durch die Vorgesetzten. Achtung, Maurer vou Halle! Da der Streik zu unseren Gunsten beendet ist und es jetzt an Arbeitskräften am Orte mangelt, ersuchen ivir alle sich ausivärts befindenden Kollegen, besonders ver-� heiratete, sofern sie Lust dazu haben, wieder nach Halle zn kommen.' Die Lohnkommission. Die Steinsetzer in Halle a. S. beabsichtigen, in die Lohn- bcivegung einzutreten. Sie ivollen den Unternehmern die Forderung ans 59 Pf. SMndenlohn unterbreiten. Gleichzeitig haben sie der Jnnling erklären lassen, daß sie sich an den ihnen im Frühjahr durch Maßregelungen und schwarze Listen abgepreßten Revers: in diesem Jahre keine Forderung auf Lohnerhöhung zu stellen, nicht mehr gebunden erachten. Es ivird um Fernhaltung des Zuzuges gebeten. Ist, Wittenberge haben die Steinsetzer am Montag die Arbeit niedergelegt.! iveil ihnen die dortigen Meister auf den schon im Frühjahr vorgelegten Lohntarif trotz ivicderholter Anfragen bis heute keine Antwori gegeben haben. Sämtliche Streikende sind sofort in andere Arbeit getreten. Der Zuzug von Steinsetzern nach den Städten Perleberg. Pritz- walk und Wittenberge ist fernzuhalten, desgleichen auch von Dresden. Rostock und Fürstenberg i. Mecklenburg, in letztere» beiden Orten sind nur die Bauten des Unternehmers E. Pleß gesperrt. Zum Streik der Stuttgarter Flaschncrgchilfcn. Schon die elfte Woche stehen die Flaschnergehilfen sKlempner) Stuttgarts behufs Einführung der 9'/2 stiindigcn Arbeitszeit im Streik und noch ist das Ende desselben nicht abzusehen. Woche fiir Woche Iverdcn in hiesigen Zcitnngcn und im Meisterorgan 59 bis 69 Gesellen gesucht. Die Laiidmeistcr der Umgebung werden aufgefordert, den bedrängten Flaschncrmcistern in ihrer Not beizustehen. Dieselben Leute, die sonst immer klage», daß ihnen alle größeren Arbeiten ihres Orts von den Stuttgarter Meistern ivcggeschnnppt werden, sind jetzt„ein Herz und eine Seele" mit ihren in jeder Beziehung überlegenen Konkurrenten. Wie sehr sich unser Kampf zu einer Machtfrage zugespitzt hat. zeigt am besten der Umstand, daß die Meister nur dann mit uns verhandeln wollen, wenn die Forderung auf Einführung der 9'/sslündigcn Arbeitszeit fallen gelassen ivird und die Gehilfen den Leiter des Streiks von den Bcrhandlungcn ausschließen. Kollegen allerorts! Unterstützt uns in diesem Kampf dadurch, daß ihr den Zuzug ebenso streng als bisher fernhaltet. Das Gebahrcn der Meister ist protzenhafr und muß entschieden zurück- gewiesen werden. Der Stunimschc Geist der Alleinherrschaft iveht durch ihre Beschlüsse und Bekanntmachungen. Selbst eine etwaige Verhandlung mit den Gehilfen, unter dem Vorsitz des Stadt- schultheißenanits, soll nur unter bestimmten Voraussetzungen er- folgen. Noch ehe sie beginnen, sollen wir unsere Hauptforderung fallen lassen. Darauf einzugehen, verbietet sich vou selbst. Der Kampf wird also weitergeführt. Die Lobnkommissio» der Flaschner und Jnstallatcnre. Adresse: Stuttgarter Gewerlschaftshaus. Kellnerstreik ans dem Brocken. Vor einigen Tagen stellte» sämtliche Kellner des Brocken- Wirtshauses früh die Arbeit ein. Unter dem Drucke der nach Bedienniig verlangenden zahlreichen Gäste kam aber schon am Mittag eine Einigung zwischen Personal und Verwaltung zu stände und die Arbeit wurde wieder auf- genommen. Wegen Streikvcrgehcn wurde vom Landgericht in Dresden abermals ein Arbeiter, der 21 Jahre alte Maurer Lcnschner, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. L. schloß sich anfangs Juli mit noch zehn auf dein betreffenden Bau arbeitenden Maurern dem Maurerstrcik au. Einem andern Maurer gegenüber, der weiter arbeiten wollte, äußerte er:„Wenn ich Dich wieder auf den« Bau hier erwische, breche ich Dir das Genick." Es handelt sich dabei wieder um eine jener in der Sprache � der Bauarbeiter gang und gäben groben Redensarten. Wäre sie nicht einem Arbeitsivilligen gegenüber gefallen, würde kein Hahn darüber krähen. Ausland. Zur Maffenanösperrnng in Dänemark. Die Meldung des Wölfischen Telegraphenbureaus über die Unterzeichnung von Friedenspräliminarien zwischen den Leitern der kämpsciidcn Parteien, die wir leider nicht sofort kontrollieren konnten, erweist sich als ebenso unwahr ivie die von uns bereits aus ihren wahren Wert zurückgeführte frühere Meldung des„Berl. Tage- blattcs". Es handelt sich bei diesen Meldungen anscheinend um Manöver von Unternchmcigcite, um dadurch die Samm- lungen im Auslande ungünstig zu beeinflussen und so die Position der Ausgesperrten in den schwebenden Verhandlungen zu schwächen. Ueber die wirkliche Sachlage geht uns folgender Bericht aus Kopenhagen vom 3. August zu: Nachdeni der Unternehmerverein Ende voriger Woche be- schlössen hatte, die Aussperrung mit 15- bis 29 999 Mann zu erweitern, schritt er sofort zur Ausführung dieser Drohung, da wir erklärt hatten, daß ivir uns dem Ultimatum weder beugen wollten noch könnten. Es wurde beschlossen, die Erweiterung mit sämtlichen Schneidern, den Cement- und Zicgelofcnarbeitcrn über das ganze Land zu beginnen; diese drei Branchen beschäftigen allein über 19 999 Arbeiter. Darauf sollten die Textilfabriken ihre Arbeiter auf die Straße werfen. Nach den Tcxtilfabrikantcn oder auch gleichzeitig mit ihnen sollten dann noch eine Reihe anderer Branchen in die Aussperrung mit einbezogen werden, z. B. die Schuhmacher und die Schuhwaren« Fabriken, welche ebenfalls eine außerordentlich große Anzahl Arbeiter beschäftigen. Sviit h-n tünkerateuteil verantwortlich: Th. Glocke iii Berlin. Druck und Inzwischen unternahmen e? einige einflußreiche Einlvohner der Stadt, eine Grundlage für Verhandlungen zum Abschluß der Aus- spcrrung zuweeje zu bringen. Ehe ivir uns jedoch auf irgend ctivas in dieser Beziehung einlasscu ivolltcn, verlangten ivir bestimmt, daß eine jede Er>v eiter un g der Aussperrung aufgegeben werden solle. Der Untcruchmervcrcin ging darauf ein, die Ausdehnung der Aussperrung bis nach Bc- endigung der eventuellen Verhandlungeii auszusetzen. Es ist diese Aussetzung, welche den Anlaß zu dem Gerücht gegeben hat, daß die Aussperrung beendigt oder doch ihrem Ende nahe sei. Keines von beiden ist jedoch der Fall. Die Ans- s p e r r u n g b e st e h t noch in ihren, vollen Umfange, und eine E r>v e i t e r u n g w i r d e i n t r e t e», wenn eine Einigung über die Beding ungeil für ihren Ab- s ch l u ß nicht zu stände kommt. Anfangs dieser Woche erhielten ivir von den erwähnte» Herren einen Vorschlag zu einem Uebcrcinkommen niit dem Unternehmer- Verein. Diesen Vorschlag haben wir untersucht und gründlich dis- kutiert, wir haben jedoch nicht weitergehe» können, als ihn a l s eine Grundlage zu Verhandlungen mit dem U n t e r n e h m e r o e r e i n zu betrachten. In der Folge haben wir Aendernngen zu dem vorgeschlagenen Uebercinkommeu beantragt, welche angenommen werden müffen, ehe wir auf Unlcr- Handlungen eingehen können, und»un sind ivir wegen den Acndc- rungcn sowie lvegcn dein Vorschlage überhaupt mit dem Unter- nchmerverein in Unterhandlung gctrclcn. So steht die Sache also für den Augenblick. Inwieweit ein Uebcreinkommen, auf welches wir eingehen können, ge- troffen werden ivird, ist bis jetzt noch sehr zweifelhaft, weshalb wir unsere Brüder im Auslände bitten müssen, uns auch noch ferner nach Kräften beizustehen. Denn ivürde unser Widerstand jetzt geschivächt, würde unsere Stellung den Unter- nehmern gegenüber im höchsten Grade schivierig werden. Die Unternehmer würden uns dann Bedingungen stellen, auf welche ivir unmöglich eingehen könnten, ohne unsere Organisation zu rninieren. Helft uns deshalb, so viel Ihr könnt, damit wir unsere Stellung in dem schweren Kampfe behaupten können. Mit brüderlichem Gruß namens der Ccutralisiertcn GcwerkschastS» verbände in Dänemark: P. K u u d s e n. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die 5999 M., welche die Buchdrucker für die Ausgesperrten bewilligt haben, nicht von der Gewerkschaft, wie wir irrtüinlich schrieben, sondern vom Verbände der Buchdrucker herrühren. Paris. In Anbetracht der zahlreichen Aufforderungen um Bc« schaffung von Arbeit, ivelche uns aus Anlaß der Welt-Ausstellung von 1099 zugchen, hält es der unterzeichnete Lcscklub für seine Pflicht, darauf aufmerksam zn niachen, daß cS hier infolge des un- geheueren Zuzuges vou Arbeitskräften für die herannahende Welt- Ausstellung, noch in allen Industriezweigen viele Arbeitslose giebt, daß also die Hoffnung, hier leicht Arbeit zu finden, eine trügerische ist. Wir halten es für angebracht, diese Warnung zu erlassen. Der deutsche s o c i a l d e in o k r a t i s ch e L e s e k l u b. D. 8. Alle Partciblätter werden um Abdruck dieser Notiz gebeten. Nnternehmcrnoblessc oder Ente? Das Dcpeschen-Bnrcau „Herold" meldet anS Antwerpen vom 4. August: Eine hiesige Reederei hat den Hafenarbeitern eine Summe von einer Million Franks zur Verfügung gestellt, un, einen selbständigen Hafenarbeiter- Verband zu gründen, wodurch die Vermittelung der Stauer be« itigt lvird. Ter Stand der finnischen Zlrbeitcrbcwegnng. Die Be- ivegnng ist stärker unter den sinnisch sprechenden Arbeitern, als unter den schwedisch sprechenden, weil die crsteren eine bessere Bildung haben. Die schivedischen Arbeiter sind noch zu sehr in alten Vor- urteilen befangen. Die Zahl der organisierten Arbeiter beläuft sich auf ca. 19 999. Mehrere der Hauptgciverke haben F a ch v e r b ä n d e, so die Schuh- macher, Maurer, Typographen, Schneider, Holzarbeiter, Zimmer- leutc, Eisenarbeiter, und die Stcinarbeiter sind im Begriff, einen zu begründen. Fast alle diese Verbände gehöre» dem „Finnischen Arbeiterverein" an. Der Jahresbeitrag bei den Ver- bänden beträgt nur 3 finnischn Mark(2.59 M. deutsch): die Hälfte hiervon wird an den„Arbeiterverein" abgeführt, der den Verbänden Versainmlungslokale in seinen, Hause giebt. Die meisten Fachvcrbände in Hclsingfors sind nicht alt, aber der älteste, der Typographcnverband 15 Jahre, der der Maurer 11 Jahre, die übrigen sind weit später entstanden. Den cigentlichen Aufschwung nahm die Arbeiterbewegung nach 1896. nach einem allgemeinen Streik im Baufach. Er endigte mit der Niederlage der Arbeiter: im folgenden Jahre streikten nur einige Fächer der Bauarbeiter und siegten. Ain besten organisiert sind die Maurer', ihre Abteilung in Helsingfors umfaßt 459 Mann, nur 59 sind nicht Mitglieder des Ver- bandes. Die Typographen gehören nicht dem„Arbeiter- verein" an, da sie sich nicht zu den„Arbeitern" zählen. Bc- wegungen für Lohnerhöhung und Herabsetzung der Arbeitszeit sind bei ihnen im Gange, auch die Bildung einer Streikkasse ist geplant. Zn dicscin Zweck soll der Beitrag auf das doppelte erhöht iverdcn, auf 1 Mark inonatlich. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 1999. Die Bäcker haben eine Lohnbcwcgnng, die zun, Streik führen dürfte, wenn nicht die Meister sich der öffentlichen Meinung beugen, die den Arbeitern recht giebt. Sie wünschen Abschaffung der Nacht- arbeit und zehnstündige Arbeitszeit. Die Rohrleger werden ivohl in den Streik eintreten müssen. Sie hatten Lohnerhöhung verlangt und sollten bis zum 15. Juli Antwort erhalten, dann ist aber der Staats», genicur nach Schweden gereist, um neue Arbeiter anzuwerben. Den Z i m m e r l e u t e n ist auch eine verlangte Lohnerhöhung abgeschlagen worden und sie haben daher in HelsingforS Streik bc- schlössen. 239 von ihnen gehören dem Fachvcrcin an. Auch den Maurern ist ihre Lohnforderung von 59 Penni(etwa 49 Pf.) Mininiallohn abgelehnt. Ihr Streik beginnt iin September, nllS nicht bis dahin die Meister ihre Forderungen bewillige». Netzke MschviMen und Depeschen. Karlsruhe, 4. August.(B. H.) Wie der in Ettlingen er- scheinende„Badiscke Landmann" meldet, tritt in Pforzheim der TyPhuS epidemisch auf. An einen, Tage waren 19 Erkrankungen zu verzeichne». Im Krankeuhause sollen sich bereits 29 Typhuskranke befinde». London, 4. August.(W. T. B.) Nach einer weiteren Depesche aus Pcnsacola(Florida) ist durch den Orkan in der Nacht zn», Mittivoch der größere Teil der Stadt Carabele zerstört wodden. Auch an anderen Orte» Floridas wurde beträchtlicher Schaden an- Lcrichtet. Man glaubt, daß eine Anzahl Menschen unigekoinmei, ist. Brüssel, 4. August.(B. H.) Der neue Müijstcrpräsidciit erklärte dem König, die offizielle Liste seiner Kollegen wahrschcinlicy erst am Sonntag überreichen zu können. Weitersagteer, erhoffe, daß dieDebatten über dieWahlvorlagc nicht länger als 8 Tage dauern würden, sodaß am Ende des Monats die Vertagung derKammcrstattfinden könnte. Brüffcl, 4. August.(W. T. B.) Am 2. d. M., abends 11 Uhr. wurde auf dem hiesigen Nordbahnhof ein Brieffack, welcher nach Herbcsthal bestimm, war und Geld und eingeschriebene Briefe ür Deuffchland enthielt, in den, Augenblick gestohlen, als er zu», Zuge gebracht werden sollte. Der leere Brieffack wurde heute früh in, hiesigen Botanischen Garten gefunden. Die Polizei hat die Gewißheit erlangt, daß es sich im, eine internationale Gaunerbande handelt, welche seit einiger Zeit auf der Linie Lstende-Brüsscl ihr Wesen treibt. In der letzten Zeit wurden auf dieser Strecke mehrere beveutendc Diebstähle begangen. Rom, 4. August.(B. H.) Ras Makonncn, der Bicekönig von Tigris und ein großer Freund Italiens, liegt in. Sterben. Sein Tod düifte von erheblichem Einfluß auf das Verhalten des Negus gegenüber Italien sein. t-erlag von?.'!ar Badina in Berlin. Hierzu 1 BeilareT- sr. 181. i6 mm Keilllge des„UmMs" Kerliller DlksdlM. 5. m. Parteigenossen Berlins nnd der Provinz Brandenbnrg! Der diesjährige Provinzial- Parteitag findet Sonntag, den 17. September, in Berlin, im Lokale des Herrn Stechert, Andreasstr. 21, statt. Beginn mittags 12 Uhr. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht der Agitations-Kommission. 2. Der Gesetzentwurf zum Schutz dcS gewerblichen Arbeitsverhältnisses. 3. Agitation und Organisation. 4. Anträge. Die Delegicrtenwahlen sind in öffentlichen Parteiversammlungen bezw. KrciSlonferenzen vorzunehmen; jeder Reichstags-Wahlkrcis ist berechtigt, 3 Delegierte zu entsenden. Den Gewählten ist ein Mandat Auszustellen. Kein Kreis darf unvertreten sein. Wo Hinderungs gründe vorhanden, teile man uns dieselben sofort mit. Eventuelle Anträge sind bis spätestens den 10. September an Unterzeichneten einzusenden. Die aus der Provinz kommenden Delegierten fahren am besten bis«chlesischen Bahnhof, da das Lokal in unmittelbarer Nähe des selben gelegen ist. Mit Parteigruß I Die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg. I. A.: Carl Dimmick, Berlin S., Luisen-Ufer 11. Uolrsles. DaS Siiugcrfcst in Weiße,»see. Alle Volksfeste, welche aus den Reihen der organisierten Arbeiterschaft veranstaltet werden, tragen den Charakter oer Zusammengehörigkeit der Teilnehmer in sich. Zu diesen Festen zählen auch die Sängerfcste des Arbeiter- Sängerbünde» von Berlin und Umgegend. Denn dort, wo das freie Lied erklingt, findet das Proletariat nach des Tages Last und Mühen den liebsten Aufenthalt. So werden wiederum, wie alljährlich. Taufende das niorgen stattfindende große Sänger-Volksfest besuchen. Wenn auch die Räumlichkeiten von..Schloß Wcißensee" großen Bolksmaffen gegenüber nicht ge- »lügend zu sein scheinen, so ist doch seitens der Arrangeure alles ge- than worden, um jedem Festteilnehmcr den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Alle zur Verfügung stehenden Parkanlagen sind eigens zu diesem Feste nnt Tischen nnd Bänken reichlich ver- sehen worden. Die Musikkapellen find derart verteilt, daß es auch an den entferntesten Stellen des großen Gartens an Unterhaltung nicht fehlen wird. Daß in der Hauptsache die Sänger bemüht sein werden, ihr Bestes zu leisten, steht zu erwarten. Das Koinitee. Achtung, Parteigenosse»? Am 12. August veranstalten die Arbeiter der Allgemeinen Elektricitgtsgesellschast,.Ackerstraße, Saal 11, eine Dampferpartie und zwar nach Rauchfangswerder fRutkowski.) Bekanntlich steht der Arbeiterschaft das Lokal nicht zur Verfügung. Die beteiligten Genossen werden ersucht, hiervon Notiz zu nehmen. Die Lokalloinmission. Daö Denkmal für Schulze- Delitzsch ist am Frcitagvorniiltag enthüllt worden. Es war eine stattliche Festversammlung, die bei der tropischen Sonnenglut ans dem Kreuzungspunkt der Köpnicker-, der Neuen Jakob- und der Insel- straße zusammengekommen war. Neben dem imnicr noch un- bestätigten Oberbürgermeister Kirsch ner waren die sänttlichen Mit- glicdcr des Magistrats, soweit sie in Berlin anwesend sind, in, Schmucke ihrer schweren goldenen Amtskcttcn erschienen, ebenso eine große Zahl der Berliner Stadtverordneten. Bon sonstigen bekannten Persönlichkeiten seien Theodor M o m m s e n, Rudolf B i r ch o w und Rektor W a l d e y e r von der Universität genannt. Die Rc- gicrung, die wohl Herrn Schulze aus Delitzsch immer noch für einen grausen Revolutionär und Republikaner hält, hatte es nicht über eine Vertretung durch eine Reihe von Geheimräten gebracht. Durch Geheim- räte waren nämlich der Reichskanzler und der Finanzminister vertreten, sogar die Reichsbank und das Polizeipräsidium hatten sich in der- selben diplomatischen Weise aus der Affaire gezogen. Die Mehrzahl der Festteilnehmer bestand wohl ans den Delegierten des gegenwärtig hier versammelten deutschen Genossenschafts tages. Nach dem Gcsangsvortrag einer Hymne und einer kurzen, die Geschichte des Denkmals bcriihrcnden Ansprache Virchoivs stieg ans der niedersinkenden Hülle das weiße Marinorbild des Gefeierten hervor. Das imposante Denkmal ist vom Bildhauer H. Arnoldt ge- schaffen. Auf hohem braunem Granitsockel steht in ganzer Figur aus weißem Marmor Schulzc-Delitzsch; die rcchre Hand ist in belehrender Weise etwas nach vorn gestreckt, und er scheint zu einem um ihn versammelten Menschenkreis zu reden. Am Fuße rechts und links rieben dem Sockel versinnbildlichen Bronccgrnppen die Arbeit in Stadt nnd Land und die Volksbildung. TaS Ganze ist von einem schönen schmiedeeisernen Gitter umgeben. Nach der Enthüllung folgten eine längere Reihe von Ansprachen. Virchow übergab das Denkmal dem Oberbürgermeister und sprach den Wunsch aus, daß cS auf manche gute That Herabschanen möge. Darauf bestieg Herr K i r s ch n e r daS Rednerpult, übernahm namens der Stadt das Denkmal und feierte Schulzc-Delitzsch als ein Muster von Bürgertugcnd und— indem dieser sein Genossen- schnflcverk schon vor Begründung des Deutschen Reiches als ein deutsches bezeichnet habe— als Mitbegründer des Deutschen Reiches. Die folgende lange Rede des Dr. Crüger, AnlvaltS der deutschen Gcnoffcnschaften, der einen historischen Abriß dcS Genossen- fchaftSwesens gab, hätte wohl der Hitze geopfert werdcit dürfen. Daun folgten noch kurze Widmungen der mir kostbaren Kränzen aus dem In- und Ausland crschienencn Deputationen. Das Denkmal steht nun draußen im arbeitsreichen Berlin 0. Aber wie es dahin gekommen ist. das ist charakteristisch für die städtischen Behörden, wie auch für die Regierung. Die bedeutenden Geld- Nuttel waren schon bald nach dem 1883 erfolgten Tode S chulzes zusammen- gebracht ivordcn. Aber die„Platzfrage" machte gar zu große Etiqnctteschivicrigkcitcn. An den alten Kaiser mik'dcr Sache heran- zutreten, hatte sich der damalige— freisinnige Oberbürgermeister Forckcnbcck gar nicht erst getraut, weil er eine Ablehnung für sicher hielt. So wurde das erste Gesuch im Jähre 18Ü1 eingereicht. Man bat u,n den Alexandcrplatz. 18S2 kam ein ablehnender Bc- scheid mit dein Hinzufügen, daß der Aufstellung auf einem „weniger bedeutsamen" Platze nichts entgegenstände. Das zweite Gesuch datierte vom 10. Februar 1833 und wünschte den Hausvoigtei- platz als Standort. Auch dieser wurde verweigert, die ablehnende Annvort svom Minister Grafen Ciilenbnrg) erfolgte erst nach t8 Monaten. Ein günstigeres Schicksal erfuhr endlich das dritte Ge- such unter dem Minister des Innern von Koller; er genehmigte schon nach wenigen Monaten lJanuar 1896) die Aufstellung auf dem Treffpunkt der"Köpnicker-, Neuen Jakob- und Jnselstraße. Nach dieser voin loyalen freisinnigen Bürgertum abgelegten Geduldsprobe konnte endlich 1836 ein Ausruf an die Künstler erlassen werden, und von den eingelieferten 43 Modellen hat das des Bildhauers Arnoldt den Preis davon getragen.__ Dicnstbotcubcwcgung und Sommerhitze. Die Ursache der Dicnslbotenbeweguiig wird in der ,Staatsbiirgcr-Ztg." aus folgende verblüffend einfache Weise erklärt:.ES ist neuerdingS dahin ge- kommen, daß die Dienstmädchen christkich-deutscher Abstammung sich weigern, in jüdischen Häusern Stellung anzunehmen und jüdische Frauen, die ein Dienstmädchen in den Gesinde-Lcrniietungsbureaus suchten, erhielten mehrfach die Antwort von den Mädchen: »Zu Juden ziehe ich nicht!" Dieser Umstand scheint nun in gewissen Kreisen die Erkenntnis bestärkt zu haben, daß es angebracht sei. den Dienstmädchen, die sich weigern, zu Juden zu ziehen, nun auch das Dienen in ch r ist Ii ch-deutschen Häusern zu verleiden, und so ist plötzlich in der stillen Zeit der sauren Gurke eine Dicnstboten-Bewegung in Scene gesetzt worden, die, trotzdem ihr mancherlei Lächerliches an- hastet, gleichwohl ihre nicht zu unterschätzende ernste Seite hat." Die nicht zu unterschätzende ernste Seite tritt in mancher Er- scheinung und nicht zum unbedenklichsten darin hervor, daß sie im Verein mit der starken Hitze auf das so wie so nicht sehr stoßfeste Gehirn gewisser Urgermanen geradezu ruinös einwirkt. Einer bekannten Gattung von Frauenrechtlerinnen werden in der„B. Z." wie folgt die Leviten gelesen:„Ein hiesiger Hausfraucnverein hat in der Dienstbotenfrage schon früher den Standpunkt vertreten, daß die polizeiliche Kontrolle über die Dienst- mädchen nach Möglichkeit verschärft werden ncüßte, ein Verlangen, mit dem die Damen vom Polizeipräsidium allerdings scharf zurück« gewiesen worden sind. Eine der Leiterinnen dieses Frauen- Vereines fehlt auf keinem Frauenkongreß und sie führt jedesmal das große Wort, wenn eS gilt, für die Fraucnrcchte einzutreten. Die Haltung dieser Dame den Frauen gegenüber, die sich als Dienst- mädchen ihr Brot verdienen, zeigt, was von ihren Worten zu halten ist. Die Leiterinnen der Frauenbewegung sollten sich doch einmal die Frage vorlegen, inwieweit denn eigentlich gewisse Damen, die heute in der Bewegung eine große Rolle spielen, zu dieser Rolle legitimiert sind." Die Agitation eines hiesigen FrauenvereinS gegen die neue Organisation, tuelche darin besteht, daß die Herrichaften durch Cirkulare ersucht werden, ihren Mädchen den Besuch der B e r- s a m tn l u n g e n dcS neuen Vereins zu verbieten(I), wurde in der vorgestrigen Dienstboten-Vcrsammlung mit der gebührenden Heiterkeit begrüßt. Mit der Wciterführunz der elektrischen Hochbahn an der Bcllealliancc-Brnckc wird jetzi endlich Ernst gemacht. Bekanntlich haben lauge Zeit Verhandlungen darüber stattgefunden, in welcher Weise die Üeberführung der Bahnanlage über diese besonders schwierige und verkehrsreiche Stelle auszuführen sei. Infolgedessen konnte auch der Viaduktbau ans der schon ziemlich fertigen Oststrecke der Hochbahn nicht weiter nach Westen zu ausgedehnt werden, sondern mußte am Scdan-Ufer vorläufig sein Eude finden. Jetzt soll nun an der Bellcalliancc-Brücke eine sehr stilvolle, den Verkehr in keiner Weise hindernde Üeberführung errichtet werden, für deren Bau ua der Ostseite der Brücke, an der Gitschinerstraße mit den Aus« schachtuligsarbeitcn zur Fundierung der Pfeiler bereits begonnen worden ist. Dasselbe geschieht auch westlich von der Brücke, dort, Ivo daS Hallcsche Ufer in die Königgrätzerstratze einmündet. Hier muß zu diesem Zwecke ein Teil des schönen Promenadenwcgcs, der sich am Landwehrkanal hinzieht, gänzlich beseitigt werden. Tie Feuerwehr alS Photograph. Branddirektor Giersberg hat neuerdings den photographischen Apparat in den Dienst der Feuerwehr gestellt. Er ist dabei von der Voraussetzung aus gegangen, daß eine nachträgliche sachliche Prüfung der vcmerkens� wertesten Momente bei Explosionen, hervorragenden Bränden oder Unglücksfällen, bei denen die Wehr helfend eingriff, ivescntlich er leichtert und gesichert wird, lvcmi die wichtigsten Einzelheiten sofort durch den Apparat auf der Nnglücksstelle fixiert und im Bilde fest gehalten werden. Es ist auch nicht zu verkennen, daß das Stridium solcher Aufnahmen den Feuerwehr-Offizieren manchen nützlichen Fingerzeig geben kann. Neben verschiedenen Offizieren haben auch Oberfcueriuanner und Löschmannschaften Unterricht in der Hand habung des photographischen Apparates erhalten. Tie Berliner Unfallstationen sind im Monat Juli d. I. in 3785 Fällen gegen 2645 im gleichen Monat des Borjahres für die erste Hilfe in Anspruch genommen worden und zwar 3194 Mal bei Unfällen und 531 Mal bei plötzliche» Erkrankungen. In den Stationen wurden 3502, außerhalb derselben 288 Personen be- handelt. Mit den Krankenwagen der Unfallstationen wurden im ver- floffenen Monat 146 Transporte ausgeführt. Die Zahl der polizci- lichcrscits den Stationen übergcbenen, teils bewußtlosen Personen betrug 155, die uueutgcltliche Inanspruchnahme von Eis bei Krank heitsfällcn geschah in 270 Fällen. Von den Verunglückten, die Ende Juni auf dem Baugelände der Charit ö Puter den Trümmern eines zusammengebrochenen Gerüstes begraben wurden, ist jetzt wieder einer geheilt aus dem Krankenhaus entlafien worden. Es ist der Zimmermann Leopold Haberstroh ans Charlottenburg, der sich einen Arm- und Fußbruch zugezogen hatte. Einer der Verimglückren konnte schon vor längerer Zeit in seine Behausung zurückkehren, die beiden anderen bedürfen noch weiter dcrjAustaltsbchandlung, der am schivcrstcn Verletzte wohl noch auf Wochen hinanS. Im Monat Juli fanden in Berlin 74 332 Fremde Unterkunft, davon entfielen aus Gasthöfe 53 972, auf Hotel garnis und Chambre garuis 4111 und auf sonstige Anstalten zur Beherbergung Fremder 10 303 Personell. Tic schwarze Tänzerin Cor« Hill, über deren Festnahme berichtet wurde, ist jetzt auS dem Frauengefängniß in der Barnim- fräße in eine Heilanstalt übergefiihrt worden.' Die zwanzigjährige Amerikanerin wurde früher mich in Hamburg, wo sie ebenfalls Tänzerin ivar, schon einmal aufgegriffen. Man hat bei ihr An- zeichen von Irrsinn gefunden, cS fragt sich aber, ob man es Ivirklich mit Geisteskrankheit oder nur mit Verstellung zu thun hat. Eine längere Beobachtung deS Geisteszustandes soll darüber Gewißheit geben. Tic Untersuchung gegen den Hauptmann a. D. Wendt- land zieht sich außerordemlich in die Länge, da besonders die Ver- nehmungen der Zeuge» erhebliche Schwierigkeiten verursachen. Eine große Zahl der zu Vernehmenden ist in Provinzialstädten ansässig imd müssen diese Zeuge» infolge dessen kommissarisch verhört werden. Die Untersuchung dürfte kaum vor Ende dieses Jahres zum Abschluß gelangen können. Mehrere Pferde sind gestern infolge der Glühhitze ans den Straßen der Stadt zusammengebrochen. Sechs Pferde tmirdcn so stark vom Hitzschlage getroffen, daß sie durch die Wagen der Abdeckerei abgeholt werden mußten. Besonders schwer erkrankte Nachmittags in der Bellevuestratze ein vor eine Taxamcter-Droschke gespanntes Pferd. ES stürzte plötzlich auf dem Asphalt nieder und blieb unter heftigen Zuckungen dort liegen. Ein Schutzmann wollte daS Thier endlich von dem heißen Asphalt auf den Hof eines der Häuser schaffen und es dort bis zur Ankunft des Abdcckerciwagens ruhen laffcn. Verschiedene Portiers aber weigerten sich, das Thier aufzunehmen, bis der Verwalter des einen HauseS endlich das kranke Thier auf den Hausflur bringen ließ, wo dxr Wagen der Abdeckerei es abholte. Das leidige Anfspringen. Auf dem Wege nach dem Geschäft wurde gestern morgen die 20jährige Verkäuferin AgneS Hoffmann aus dcr'Pappel-Allc'e schwer verletzt. Das junge Mädchen wollte in der Schönhauser Allee auf einen in voller Fahrt befindlichen elektrischen Straßenbahnwagen der Linie Schönhauser Allee— Nixdorf aufspringen, glitt jedoch aus und stürzte zwischen Haupt- und An- hängcwagcn zu Boden. Die Räder des letzteren gingen derH. über die Hände, so daß das Mädckwn, welches außerdem noch eine schwere Kopfverletzung erlitt, dem städtischen Kranlenhaus zugeführt werden mußte. Eine Blutvergiftung zog sich der bei einer KonfektionSfirma in der Niederwallstraße beschäftigte Lehrling Fritz W. dadurch zu, daß er entgegen dem Verbot seiner Chefs bei der Expedition der tost, um Zeit zu sparen, zum Anfeuchten der Briefumschläge die unge benutzte, die er sich an dem scharfen Rade eines derselben verletzte. Der junge Mensch schenkte der an sich unbedeutenden Ver- letzung anfangs keine Beachtung, bald schwoll aber die Zunge und der Gaumen unter den heftigsten Schmerzen derart an, daß die ge- ängstigte Mutter noch in der Nacht einen Arzt herbeiholte. Dieser konstatierte hochgradige Blutvergiftung und ordnete die Üeberführung des Patienten ms Krankenhaus am Urban an, da ein schwerer operativer Eingriff erforderlich ist. Einmal eine angenehme Vorladung. Eine erfteuliche Ueber- raschung wurde gestern dem Maurer B. zu teil. Anfang vorigen Jahres hatte B. das Glück, ein kleines Päckchen, das 500 Mark in Papier enthielt, zu finden, das von ihm bei der Polizei abgeliefert wurde. Seit dieser Zeit hatte der Maurer von der Angelegenheit nichts mehr gehört und in der Annahme, daß der Verlierer sein Eigentumsrecht geltend gemacht, jedoch Fmderlohn nicht gezahlt habe, kümmerte er sich nicht weiter um das Fundobjckt. Dieser Tage er- hielt B. eine Vorladung nach dem Polizeipräsidium und eS wurden ihm dort die 500 Mark eingehändigt, da der Eigentümer derselben nicht zu ermitteln war. Wegen einer Reihe Unterschlagungen, die er in seiner Stellung bei der Firma Wulf u. Rosenzweig in der Ritterstraße 30 begangen hat, ist der Buchhalter Maron gestern vormittag von der Kriminalpolizei in dem Augenblick verhaftet worden, als er sich von seiner in der Oranienstraße belegenen Wohnung nach dem Bahnhof begeben wollte. Bei einer Spazierfahrt durch den Tiergarten kam die Frau dcS Kaufmanns D ö p m a n n aus Grödnitz bei Riesa in Sachsen ums Leben. Das durchgehende Pferd eines Brcaks rannte gegen die Droschke, in der Frau Döpmann mit ihrem Manne saß. Dabei ist sie aus der Droschke gefallen, oder vielleicht auch au? Angst herausgesprungen. jedenfalls wurde sie durch das Break über- fahren, eine Strecke weit mitgeschleift und so schwer verletzt, daß sie nach drei Stunden im Krankcnhause starb.— Gestern mitlag gegen 1 Uhr ging in der K ö n i g st r a ß e da? Pferd der Anzeigerdroschke 970 durch und raste die Straße nach den Kurfürsten-Brücke zu entlang. Kurz vor derselben stieß die Droschke von hinten gegen eine» vorausfahrendcn Wagen der Firma Rudolph Hcrtzog. Durch den Anprall wurde der neben dem Kutscher dieses Wagens sitzende Mitfahrer von seinem Sitz herab vor die Räder seines Wagens geschleudert, ohne indessen erheblichen Schaden davonzutragen. Das Droschkenpferd, durch den Zusammenstoß noch wilder gemacht, stürmte über die Brücke hinweg und rannte mit voller Wucht gegen den vor der PerseuSgruppe des neuen Marstall- gebäudes befindlichen Bretterzaun. Das Pferd kam zu Fall, die Droschke überschlug sich seitwärts, der Kutscher flog gegen den Zaun und kam unter die nachstürzende Droschke zu liegen. Ein in der Droschke befindlicher Herr stürzte auf den Bürgersteig, ohne jedoch Verletzungen davonzutragen. Der Kutscher wurde besinnungslos aufgehoben und mußte nach der Unfallstation in der Brüderstraße gebracht werden. Das Pferd hat an den Füßen schwere Be» tctzungcn erlitten, die Droschke ist stark beschädigt. Selbstmord im Tiergarten. Eine SchutzmannSpatrouflle hörte gestern morgen um 7 Uhr im Tiergarten einen Schuß fallen und fand bald darauf in der Nähe des Goldsischteiches einen Mann liegen, der sich aus einem Revolver ganz kleinen Kalibers eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt hatte. Der Verwundete, ein Mann von etwa 26 Jahren, lebie noch und wurde von den Be- amten mit einer Droschle nach der Charitee gebracht. Hier starb er jedoch eine Stunde nach der Aufnahme, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Geld und Ausweispapiere fanden sich bei der Leiche nicht vor. Heer vr. ms». Hanser teilt un? mit, daß seine Poliklinik) Johaimisstr. 14/15, für kranke Kinder vom 6. August bis 10. Sep» tember geschloffen ist. Die Urania in der Taudenstrafte mit dem Wissenschaftlichen Theater wird heute, Sonnabend, wieder eröffnet. Für kurze Zeit wird nocy daS Ausstatt wigsstück,„Da« Land der Fjorde, eine Nordtandöfahrt von Hamburg bis zum Noidkap", zu« Aufführung gelangen und wird dann durch«inen neuen sceiiischen Vortrag des Hcrm Professor Dr. C. Koppe auS Braunschweig,„Der Sieg dcS Menschen über die Natur", abgelöst werden. Auf der..Treptow- Stornwarte" spricht Direktor F. S. Archenhold Sonntagnachniittag 5 Uhr über„Bewohnbartett der Welten" und um 7 Uhr über„Die bevorstehenden Stcrnschnuppenfälle im August und November" unter Vorführung zahlreicher Licht- und Drehbildcr. Die Planeten und Nebelgestirne erscheinen in den jetzigen mondschetnlosen Nächten besonders tlar und deutlich im Rtesenrefraktor, der von 2 Uhr nachmittags bis IS Uhr nachts von de» Besuchern der Stemwarte benutzt werden kann. Paffagc- Panoptikum. Wenn daS Volk von Lippe in der Aeußeruug hannloser Lebensfreude auch nur halb so talentvoll ist, wie die Abordnung, die hier gegenwärtig unter dem Namen Bückeburger B ä uern-Ensemble den Ruf ihres Vaterlandes zu Ehren bringt, dann wird cS begreiflich, warum um den Vorzug, ein solches Land niit dem GotteSgnadenwm zu beglücken, mit jener aus der Weltgeschichte deS vorigen JahreS bekannten Energie gekämpft wurde. Die Bückcburger„Bauern" in ihren originalen Kostümen sind wirkliche Künstler von einer sich über daS Alltägliche weit erhebenden Vielseitigkeit. Ob sie als talentierte Musiker eine Ouvertüre zu Gehör bringen, ob einer aus ihrer Mite sttk) als Violinvirtuose produziert oder ob sie im Ensemble in ihrem eigent- lichcn Fach, der humoristischen VortragSkunst auftreten, immer zeigen sie sich als Säuger und Musiker von gleicher Vollendung und führen den Beweis, daß es auch beim absoluten Mangel an der in Berlin vielfach für unentbehrlich gehaltenen Frivolität möglich ist, selbst ein anspruchsvolles Publikum angenehm und interessant zu unterhalten. Die Bückeburger im Passage-Panopttkum verdienen m jeder Hinsicht mit Respett genannt zu werden und wir zweifeln nicht daran, daß sie sich namentlich unter den Freunden guten Quartcttgesanges zahlreiche Verehrer erobern werden. AuS den Nachbarorten. Der Fnnd zweier Zkinderlcichcn im Mühlgraben von Span« dau, über den wir berichtet hatten, hat seine Aufklärung gefunden; eS ist festgestellt, daß die kleinen Wesen totgeboren waren. Die Eltern, die dem Arbeiterstande angehören, haben sich der toten Körper einfach entledigt, indem sie diese in den Graben warfen, weil die Geburtshelferin gesagt hatte, eine Beerdigung sei nicht geboten. Der Bater hat die der Behörde erwachsenen Kosten zwar er- stattet, dürfte aber noch nach§ 367 des Straf-GcsetzbuchcS bestraft tverden. Die Verheerungen im Havellaudc, welche durch Unwetter angerichtet worden sind, werden Staatshilfe zur Unterstützung der Geschädigten erforderlich machen. Der Landrat des Wefthavel- ländischen Kreises, von Löbell, hat sich von dem ungeheueren Um- fang der Verwüstungen persönlich überzeugt und seine Mitwirkung zur Erlangung von Beihilfen aus Staatsmitteln in Aussicht gestellt. Die niedergegangenen Wassermaffen haben nur in unmittelbarer Nähe deS Großen Grabens Abfluß gefunden; auf den weiterhin be- legene» Ländereien steht heute noch Wasser; in der Gegend von Pesfin und Paulinenaue sind viele hundert Morgen Rüben-, Kartoffel- und Getreidefelder vollständig verdorben; wo das Wasser ich zurückzieht, bleibt ein übelriechender Schlamm zurück. Die privaten Verkaufsstellen von Beitragsmarken der Alters« und Jnvaliditätsversichcrung. welche die Versicherungsanstalt der Provinz Brandenburg zu errichten beschlossen hat,' sind jetzt in Charlotten bürg eingerichtet. Cs sind deren zunächst vier. Sie befinden'sich Blcibtreustr. 41. Luthcrstr. 48/49, Savignyplatz i und Kantstr. 111a. Die Verkaufsstellen sind durch ein Schild ge kennzeichnet. Der Stralancr Fischzug<24. August) wird in diesem Jahre wegen des Umbaues der Dorsitraste in Stralau ausfallen. Berlin- Charlottenburger Straßenbahn. Nachdem die Verkehrsdeputation der Gesellschaft die widerrufliche Genehmigung für Einführung des elektrischen Betriebes auf sämtlichen nach Berlin hinübergreifenden Linien erteilt hat, hat nunmehr auch das Polizei vräsidium die Genehmigung zur Einfühnmg des gemischten elektri scheu Betriebe? auf der Hauptstrecke, sowie auf der Linie Charlotten burg-Moabit erteilt. Auch ist die Erteilung der Genehmigung für die noch allein übrig bleibende Strecke Hardenbergstratze-Itürfürsten damm-Lützoivplatz demnächst zu erwarten. Die' behördlichen Ge nehmigungcn sind für die Berlin-Charlottcnburgcr Straßenbahn von weittragendster Bedeutung. Der Zusammenstoß zweier Dampfer auf dem Flakensce Versetzte die Bewohner von Woltersdorf in große Ausregung. Einer der den See bcfahrendcn Vcrgnügungsdnmpfer war eben dabei. mit„Schraube rückwärts" von letztgenanntem Orte abzulegen, als der von Erkner kommende Tourdampfcr in Sicht kam. Dieser hielt direkt KurS auf das mit Passagieren besetzte Schiff und änderte auch seine Richtung nicht auf das von dem Vcrgnügungsdampfcr mehrmals ab- gegebene Warnungssignal, versuchte vielmehr durch ein Glockenzeichen. das niit Vlaschine rückwärts arbeitende Schiff zum Stoppen oder zur Borwärtsbewegnng zu veranlassen. Sicherlich wäre eS beiden SchiffSführcrn, bei der Länge der Entfernung ein leichtes gewesen, durch ein einfaches Manöver eine Kollision zu venneiden. Ein jeder schien aber auf seinem Kopf bestehen zu wollen und so erfolgte unter weithin hörbarem Krachen und lautem Angstschrei der Fahr güste der Zusammenstoß beider Dampfer, dergestalt, daß das Äcr gnügungsboot mit seinem Heck den Tourdampfcr an der Steuer bordscite traf und ihm eine Platte einbog. Ein schon seit geraumer Zeit bestehender Haß der Kapitäne dieser Dampfer soll die Vcr- anlassung zu der von jeder Seite mit so großer Beharrlichkeit innc- gehaltenen verhängnisvollen Fahrrichtung gewesen sein. GevuLzks�eikuttg.- Ein ganzer Turnverein auf der Anklagebank. Vor den» Schöffengericht zu Äalkberge-Rüdcrsdorf hatten sich vorgestern 19 Mit- glicdcr des Turnvereins zu Herzfelde wegen sträflichen Vcr- gehenS gegen Polizeivorschriften zu verantworten. Dieselben harten sich erkühnt, einen Ausflug mit Musikbegleitung ohne polizeiliche Erlaubnis zu veranstalten und waren wegen dieses turnerischen-Leichtsinnes mit je drei Mark Polizeistrafe belegt worden. Sämtliche also Bestraften hatten einmütig hiergegen Widerspruch erhoben und führten nun im gerichi liehen Termine zur Entlastung an. daß sie bei dem fraglichen Aus finge unter dem Kommando ihres Turnwartes gestanden hätten. daß dieser sie versichert habe, daß bezüglich der polizeilichen Meldung alles ffeiue Nichtigkeit habe und daß dieser die Strafe für seine Vcr- sehlung jw gezahlt habe, sie also unverantwortlich wären und gr handelt hätten. Das Schöffengericht bestätigte indessen die über die 19 SllNdcr verhängte Polizeistrafc. indem' es diesen klarmachte, daß cs im Polizeisiaate Pflicht jedes einzelnen von ihnen gewesen wäre, sich davan zn überführen, daß den bestehenden Polizei« Vor« schriften Genüge geschehen sei! Unter den Namen eincS BaronS von Könncritz und v. Gutzmerow beging vor etwa drei Jahren der damals beschäftigungslose Kaufmann Nobiling eine Anzahl Wechselfälschungen und Betrügereien, worauf er nach London flüchtete. Bor einigen Monaten kehrte er nach Berlin zurück. Das gegen ihn eingeleitete Strafverfahren hat indcffcn wieder eingestellt iverden müssen, da Nobiling inzwischen als geisteskrank in einer Irrenanstalt hat unterl gebracht werdeit müssen., Vom �tcucrfiskuö. Eine Witwe hatte sich vertraglich vcr- pflichtet, ihren beiden Töchtern bei deren Großzährigkeit je isovo M. auszuzahlen. Die Zinsen dieser Summe sollten bis dahin der Frau verbleiben. Später verzichtete letztere mündlich zu Gunsten der Mädchen auf die Zinsen. Inzwischen ivar sie eine zweite Ehe eingegangen. Ihr Gatte, ein Herr Schaper, gab nun in der Begrllnduiig seiner Berufung gegen eine Heranziehung zur Steuer jene Zinsen nicht niit an. Durch diese Unterlassung soll er sich nach Meinung der Behörden gegen den§ 66 des Eiitkommcnsleucr- Gesetzes vergangen haben. Es wurde deshalb gegen ihn Anklage erhoben, indem geltend gemacht wurde, daß'Sch. trotz des mündlichen Verzichtes seiner Frau jene Zinsen als Teil seines Ein- kommcns hätte angeben müssen. Der Beschuldigte berief sich demgegenüber darauf, daß er wegen des Verzichtes der entgegengesetzten Meinung gewesen sei. Er wurde denn auch in der zweiten Instanz freigesprochen, weil er nicht wissentlich gehandelt und nicht beabsichtigt habe, Steuern zu hinterziehen. Die Staatsanwaltschaft legte Sie- uision ein und verwies auf die Rechtsprechung des Kammer- gcrichts, wonach falsche Angaben über Einkommensverhältinsse ue Bcrnfungsschriftcn je. auf Grund des§ 66 Absatz 2 des Ekn- kchnmcnsteuer-GesctzesalS strafbare Handlung auch dann verfolgt werden köstnthn, wenn eine unrichtige A u S I�r g u n g des Gesetzes vorliege. Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Der Strafsenat' bleibe Nach wie vor bei der vom Staatsanwalt bc- tonten Auslegung des§ 66 Absatz 2. Hier handele cs sich aber gar nicht um eine Unkenntnis der Bestimniungcn des Ein- k o m m e n st e u e r g e s e tz e s oder um eine falsche Auslegung des- selben, sondern um die Auslegung einer civilrechtlichen Nonn, nämlich des mündlichen Vertrages, durch den dicGattin des Angeklagten auf die fraglichen Zinsen verzichtete. Komme aber nur die falsche A nf fass u ng.vvn den c i v i lrechtlich en Wirkungen einer solchen mündlichen Abrede in Betracht, dann sei Sch. nicht st r a f b a r und eine Anwendung deö z 66 Absatz 2 des Einkommen- fleuer-GesetzeS ausgeschlossen. Dcvfnttttnl ungrn. Die Maurer Berlins und der Umgegend(lokaler Richtung) hielten am Donnerstag eine gut besuchte Ver- sammUmg in den Borussia-Sälen ab, um zu dem Arbeitsregulativ dcxLlchtzchncr-Konnnission lSiche Gewerkschaftliches) und dem Arbeits- Nachweis des iArbeitgehcr-BundeS Stellung zu nehmen. Nachdem Fr. Kater den Konimissionsentwurf in eingehender Weise erläutert und auf die hisber, gepflogenen Verhandlungen mit den Unter- nchmcrn hingewiesen haue, entspann sich über einzelne in dem Ent- wurf enthaltene'Bestimmungen eine lebhafte Diskussion, an der sich Schach, Wirte, O�Panser, Baiersdorf, Scheel und andere beteiligten. In der Hauptsache wurde die Bestimmung bekämpft— die übrigens nur seitens der Unternehmer, ohue Zuthnn der Arbeilervcrtreter in den Entwurf eingefügt ist— daß an den Sonnabenden, an welchen" Stunde bezw. 1 Stunde früher Feierabend' gemacht wird, nur dann der volle Tag ausbezahlt iverden soll, wenn thatsächlick bis zur festgesetzten Feierabendzeu gearbeitet worden ist. Durch diese Bestimmung, die- den Unternehmern einen zu weiten Spielraum läßt, würden die Arbeiter in vielen Fällen Nachteile erleiden' und insbesondere dann einen Lohnausfall von mehreren Stunden zu verzeichnen haben, wenn zum Beispiel an den Sonnabenden die Arbeit wegen ungünstiger Witterung am Nachmittage früher eingestellt werden muß. Mehrere Redner ivaudten sich- mich gegen die weitere Bcstimmnng, wonach der Lohn für den Sonnabend cinbchalten werden soll: Einig war sich die Versammlung auch darin, daß den so- genannten RüstuligSgesellen unter keinen Umständen mehr als eine Ueberstimde zu arbeiten gestattet ist und zwar soll dafür ein Lohn- Zuschlag nicht berechnet iverden. Eine längere Arbeitszeit für die RüstuligSgesellen zuzulassen, sei in keinem Falle notwendig. Alle Redner, die sich hierzu äußerten, traten für die Errichtung eines ge meinsamcn, paritätischen Arbeitsnachweises ein, da durch den ein- fcitigen der Unternehmer die getroffenen Vereinbarungen unter Uni standen leicht illusorisch gemacht werden können und eventuell eine Handhobnng der Ärbcitsvcrmittlung nach dem Muster der Kllhnemannschen Maßregelnngs-Anstalt Platz greifen würde. Bis zur gewünschte» Regelung dieser Frage soll der früher gefaßte Beschluß, den Arbeitsnachweis zu meiden, in Geltung bleiben. Ebenso soll auch in Zukunft die Accordarbcit, auf die das Arbcitsregulativ bisher noch nicht Bezug genommen hat, in allen Fällen ver- weigert werden. Mit allen gegen drei Stimmen wurde schließlich folgende Resolution angenommen: Die in den Borussia-Sälen tagende öffentliche Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend erklärt den Entwurf deS Arbeit- regulativ anzunehmen, wenn die Wünsche der Maurer in Punkt II letzter Absatz, betreffend die Lohnzahlung für die Sonnabende und Punkt IV, betr. die Ucberstniidenarbeit der Riistnngsgescllcn, von der Kommission berücksichtigt werden und die betreffenden Bestimmungen klarere und annehmbarere Fassung erhalten.— Bezüglich des Ar- beitsnachwciscs stellt sich die Versämmlung auf den Staiidpunkt, daß ein Arbeitsnackiweis für das Berliner Maurcrgewcrbe segensreich wirken kann, jedoch nur dann, wenn derselbe zu gleichen Teilen von den Gesellen und den Unternebmern gemeinsam verwaltet und kein Geselle resp. Arbeiter auf der Baustelle direkt eingestellt wird. Einem einseitigen Arbeitsnachweise stellen sich die Berliner Maurer streng ablehnend gegenüber und versprechen, von einem solchen niemals Gebrauch machen zu wollen. Hierauf berichtete Metzle über die Verhandlungen und über die nach dem neuen Abstimmunasmödus geschaffenen Verhältnisse in der Berliner GewerkslbaftSkommission. Nach einer kurzen Debatte, in der die Vorkommnisse, die sich in letzter Zeit gelegentlich der Vcr- Handlungen über den AbstimmnngSmodiiS abgespielt haben, einer lebhaften Kritik nnt-rzoge» wurden, wurde einstimmig beschlossen: Die am 3. August tagende öffentliche Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend beschließt, da in der Gcwcrkschnftskommission für uns nach den letzten Vorgängen keine Rechtssicherbeit nichr bc- steht, worauf zu bauen wäre, daß alio Willkür an Stelle des Rcchtszustandcs getreten ist. einen Delegierten in die G e w e r k s ch a f t s k o ni ni i s s i o n nicht mehr z u wählen. Der bisherige Delegierte ivird beauftragt, schriftlich oder in der nächsten Versammlung mündlilb den Ausschuß der GewcrkschaftS- kömmifsion von diesem Beschlüsse in Kenntnis zu setzen. Die dadurch notwendigen Maßnahmen für die lokalorganisierten Maurer sind von der GeschäftSleiUmg der durch Vertrauensmänner centralisicrtcn Gewerkschaften zu erledige», und sollen von nun ab anch leine Beiträge an die Gcwcrkschaftskommission geleistet werden. Wie sodann mitgeteilt wurde, hat der bisherige 1. DertrancnSmann K n ö p p ch e n feine öffentlichen Aemter niedergelegt. Von der Versammlung wurde die Amtsniederlegung anerkannt und von mehreren Rednern das Verhalten Knöppchcn's während der Lohn- bcwegung der Fliesenleger entschieden verurteilt. Die Wahl eines ersten Vertraueiismamies und die eines Hilfskassiercrs für den Osten soll in der nächsten Versammlung, die Mittwoch den 9. August statt- findet, vorgcnomnien werden. In dieser Versammlung wird die Ab- rcchnnng gegeben und Beschluß über die Abstempelung der Streik- karten gefaßt iverden. In einer Versammlung der Einsetzer am Donnerstag wurde über die schon in früheren Versammlungen angeregte Lohnfrage verhandelt. H o f f m a n n cnipfahl in längeren Ausführungen den von der Kommission ausgearbeiteten Tarif, dessen Durchführung unter den gegenwärtigen günstigen Verhältnissen bald zu erlangen ei. S ch r c ck e n b e r g äußerte sich in demselben Sinne und wünscht, daß man hierbei auch die vom Holzarbeiter.- Verband aufgestellten Bcdingnngcn berücksichtigen möge. R o s e n b a n m, Lehmann, M a r q u a r d. I a k o b s e n, KokowSky und andere sprachen 'ast übereinstimmend die Erwartung ans, daß man alle persönlichen und principiellen.glreitigleiieit über die OrganisationS- onn unterdrücken und sich zu raschem, aber geschlossenem Vorgehen entschließen möge, che die günstige Konjunktur vorüber sei. Der neue Tarif müsse seitens der Koiiunission den Unternehmern unverzüglich vorgelegt und zur Bcivilligung cmvfohlen iverden. Nach Besprechung von Mißständen auf einigen Arbeitsstätten gelangte ein Antrag S ch n e ck c n v c r g c r: die Tarifköimnission zu beauftragen, den neuen Tarif der Ortsverivaltnng des Holzarbeiter- Verbandes zu unterbreiten, damit diese auf Grund dessen mit den Unternehmern unterhandeln lönne, zur einstimmigen Annahme, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Tie Bauarbeiter hielten am Donnerstag eine öffentliche Vcr- ämmlung in„Cohns Saal" ab. Zunächst wurde ein Vorschlag der Lohnkonimiffion angenommen, welcher dahin geht, daß jeder, der erst jetzt mit den Beiträgen zum Streikfonds beginnt, 16 Wochen vom Tage des Beginns zurückgerechnct bezahlen muß, falls er An- Spruch auf Unterstützung erlangen will. Hierauf berichtete N o a ck über die erneuten Verhandlungen, welche' die Neuner- konimission der Bauarbeiter mit der Kommission der Unter- nehmer wegen der Lohnforderungen gepflogen hat. Der Redner sagte, cS habe erst' den Anschein gehabt, als ob die Unternehmer den Arbeitern nicht cntgegcnloinmen wollten. schließlich sei aber doch nach langen Debatten ein Resultat zu lande gekommen, mit dein die Arbeiter zufrieden sein könnten. Die Unternehmer seien anscheinend nicht abgeneigt, den Lohnarbeitern 49 Pf. Siundenlohn zu zablen, jedoch wollten sie sich das Recht vorbehalten, mit minder teistungsfäbigen Arbeitern besondere Ab- machungen zu treffen. Den mit Rüsten und Wasscrtragen be- chäfllgten Arbeitern sollten 45 Pf., den Stein» und Mörlelträgern im Keller 50 Pf., in den höher gelegenen Etagen 60 Pf. Stundenlohn zugebilligt werden. Die Accordlöhnc, welche die Arbeiter in ihren urfprünglichcn Forderungen aufgestellt haben, hätten die Unter- nehmer nach längerem Hin- und Herredcn anerkannt. Ferner sei zugestanden: für Etagen, die höher als 4.30 Meter sind, eine Zu- läge von 25 Pf., und wenn das Material weiter als 35 Meter von der Arbeitsstelle entfernt ist, eine Zulage von 50 Pf. pro 1000 Steine, owie ein Zuschlag von 25 Proz. flir Ueberftnnden. Bon dem Ver- langen, bei Aceordarbeiten 25 Pf. pro 1000 Steine vom Lohn ein- zubehalten bis zur Fertigstellung der Arbeit, seien die Unter- nehmer nicht zurückgegangen, r Das habe ja, meint der Redner, gegenüber sicheren Firnien keine Bedenken, wenn man aber mit un- icheren Bau-Unlernehmern zu thun habe, könne man nicht aus diese Forderung der Unternehmer eingehen. Die Einrichtung von Bau« buden sei den Arbeitern gleichfalls zugesagt worden. Die nach- 'olgenden Redner waren im allgemeinen mit den Zugeständnissen der Unternehmer einverstanden, es wurden aber Einivciidungcn ge- macht gegen die Einbehaltung eines Teils des Accordlohnes, solvic gegen den PassuS, der die Möglichkeit offen läßt, daß ein geringerer Lohn als 40 Pf. gezahlt werden kann. Dadurch würden Klaffenlöhne eingeführt und dem müsse man entgegentreten. R o a ck betonte in 'einein Schlußwort, daß die Kommission ebenfalls gegen Klassciilöbne owie gegen die Einbehaltung einer Kantion sei, einstweilen ließe sich aber in dieser Hinsicht nicht mehr erreichen, das Weitere müsse der Zukunft überlassen bleiben. Folgende Resolution wurde angenoinmen: Die Bersänimlung erklärt' sich niit den Verhandliiilgen der Neunerkommission der Bauarbeiter mit der Neunerkommission der Uiitcriichmer vollständig einverstanden, sie ersucht die Neuner- koilimissioii der Arbeiter, dahin zu wirken, daß alle bisher noch nicht geregelten Fragen in Zukunft geregelt iverden. Der Lohnkommission wurden 1000 M. überwiesen zur Ueber- Mittelung an die ansgesperrteii Arbeiter Dänemarks und an die 'treikendcn Steinarbeiter Deutschlands. Tie Schuhmacher hielten am 2. Anguft eine gut besuchte Generalversammlung ab. Nach dem Bericht, den der erste Bcvoll- mächtigte gab, haben im vergangenen Quartal ernste Differenzen nicht vorgelegen. Die Hanptagitalion fand durch Fabrit- und Werkstattkonierenzen statt. Die Zahl der Konferenzen, zu denen Borstandsnürglieder hinzugezogen resp. anf Veranlassmig deS Vorlandes stattfanden, beträgt 22, welche von 420 Personen besucht waren. Außerdem fanden 6 Vertrauensmäiiner-Sitzilngen und 21 Ver- sammkungen statt. Der Mitgliederstand ist von 932 anf 1033 ge- stiegen. Die Abrechnung der Berliner Verivaltung schloß mit 1383,34 M. ab, wovon 1059,30 M. an die Hauptkasse gesandt wurden. Die Brandenburger Kommission hatte für die Agitation im 1. und 2. Quartal 546.1'l M. verausgabt, von dieser Summe fallen auf Berlin allein 451,75 M. Zum Schluß erstattete Herrmann noch Bericht über den Stand deS Tackschen Boykotts. In letzter Zeit habe eine Firma Max Tack aus Strausberg mehrere Verkaufsstellen eingerichtet und sind im„Vorwärts" Inserate dieser Firma erschieucii. Infolge dessen sind aus der Reihe der Arbeiter viele Anfragen gekommen, ob diese Firma mit der Firma Conrad Tack identisch sei resp. ob beide Firmen im Zusammenhange ständen. Um die Sache anfzuklären.� hat sich der Vorstand mit der Firma Max Tack in Verbindung gesetzt und hat dieselbe nachfolgende Erklärnng abgegeben: „Wir stehen mit der boykottierten Firma Eonrad Tack u. Co. weder direkt noch indirekt in irgend ivclchen Bezichungeil. Seit Be- stehen unserer Firma. 1896, sind noch niemals Differenzen zwischen n»s und unseren Arbeitern entstanden. Die Parteistellung unserer Arbeiter. ebenso wie die Zugehörigkeit zu einem Verein oder einer Gewerk- schast ist uns gleichgüliig. Commanditgesellschaft Max Tack. Um einer Schädigung ihrer geschäftlichen Interessen vorzubeugen, ersucht die Firma, obige Erklärung in der Generalversammlung bekanntzugeben. Um Mißverständnissen seitens der Arbeiterschaft vor- znbcngcii, wird durch die in einigen Wochen abermals ftattfindende Flugblattverbreitung der Unterschied beider Firmen hervorgehoben iverden. Arbeiter> Bildniigsschule. Beginn der neuen Kurse für daS vierte Quartal am Montag, den 16. Ottober, im„Englischen Hof", Neue Rosiitratzc 3: die Bibliothek wird vom 9. August ab bis aus weiteres geschlossen. Zahlstellen für Beitrage und Neu-Aufnahmen: G o t t f r. Schulz. Adnuralstraße 40a, R eul, Barliimstratze 42, Schiller. Roienthalerstrabe 57, Julius Krause(früher Gleiuert), Müller- "'Nr�ircligiösc Gemeinde. Sountag, den 6. August, vorm. 8>/z Uhr, im oberen Saal des..E n g l i sefi e n Gartens", Aleranderstrahe 27o, Bersamiillung: Freireligiöse Borlesung.— Um 10'/, Uhr vormittags eben- dalelbst Bortrag des Herrn E. Bogtherr:„Die Idee» iiieiischlicher Grübe." Gäste. Damen und Herren sehr willkommeil. Social demokratischer Agitatioiisverein für den Wahlkreis Stralsuild-Fraiizbiirg-Nügei,. Sonntag, voruiittags 10 Uhr, bei Mörschel, Jüdenstratze 35/38: Sieung..,_ Verein der Buchdrucker und Schriftgletzcr für Nixdorf> Britz. Sonntag, den 6. August, nachm. 1 Uhr: Bereinsversammlung. verbunden mit T rucks achen-Aus stellung in den Bictoria-Sälen, Hermamistrabe(kleiner Saall.., Ter Centralverei« der im Stdressciiwesen und verwandten Branchen Beschäftigten hält am 5. August bei Fielitz, Blumeustrabe 3, eine Versammlung ab. VevmilÄztcs. Eisenbahnnnfall. Die Eiseubahn-BetriebSdirektion Dresden teilt mit: Am 8. d. M. fuhr der 1 Uhr 33 Minuten iiachmittagö fällige Tharandter VorortSzug bei der Einfahrt in die Mittclhalle des Persouen-Hauptbahnhofes in Trcsden-Altstadt sofort an den Glcis-Endpnffcr an, daß dieser und die Zugmaschine leicht beschädigt wurden. Von den Znginsaffcn erlitten durch den Anprall drei weiv- liche Personen geringe Kontusionen am Kops. Eine Betriebsstörung trat nicht ein. Die Erörterungen über die Ursache des Unfalles sind im Gange. In Stcrnbcrg. Mecklenburg, ist die Faßstäbefabrik von Tiedemann und Lohrmann niedergebrannt. Der Schaden beträgt über 100 000 M. 130 Arbeiter sind durch die Brand- katastrophe brotlos geworden. Ter Typhus in Sachsen. Auch in Naimdorf bei Zeitz sind schwere Typhnserkrankuilge» aufgetreten. Mehrere Bergarbeiter- Familien liegen darnieder. Die Ursache soll, wie in Löbtau, in den schlechten Trinkwasserverhältnisseii liegen. Die Epidemie greift in beängstigender Weise um sich. Ob die sächsischen Behörden, die sich bisher mit saurem Schweiß der Ärbcitcrvcrfolgung Hingaben, ihr Teil thlm werden, um die Ursachen der Epidemicir zu beseitigen? Eine ruchlose That vollführten junge Burschen in dem an der Brölthalvahn velegencn Orte Krautscheid. Sic übersielcn einen Rivalen, ermordeten ihn und schleppten'den Leichnam auf das Bahn- gclcisc, woselbst er von einem heranfahrcndcn Zuge zerstückelt wurde. Ei» Mädchen war Zeuge dieses Verbrechens und verlor seine Kopfbedccknng, die znm Verräter wurde. Mehrere in die Mord» that verwickelte Burschen wurden bereits verhaftet.— Cpsct des Alpcn'ports. Aus Zürich wird dem„Berliner Tageblatt" gemeldet: Am Schreckhorn stürzte gestern nachmittag der engtlslbe Tonrist Bcrguc mit zlvci Führern, Jossy und Acrgencr von G'rindelwald. ab. Das Unglück gcsckiah etwa 50 Meter tief: alle lvaren schwer verletzt. Bergue und Jossy vermochten noch selbst zur Schwarzhornhiille zu kriechcit. Ter am schwerste» verletzte Bergcner wurde von einer späteren, an die Unglücksstellc abgegaiigenen Erpcdilion dorthin transportiert. In der letzten Nacht wurden alle drei nach Grindclwald überführt, wo Bergcner inzwischen gestorben ist. Die beiden anderen scheinen außer Lebcusgefahr zu sein. Ueber die gemeldete Feiicrtoerkct-Explosion in Neapel erhält die„Frankf. Ztg." folgenden vom 31. Juli datierte» Bericht: Zu Ehren der Madonna dcl Carmelo fand gestern Abend, wie jedes Jahr, auf der Piazza del Mcrcato ein FcnerivcrkS-Wettkainpf statt. Um den Siegespreis rangen zwei der berühmtesten neapolitanischen Fcnerwerkskiinstler und ein gewisser Giampaolo Olivieri ans einem Städtchen der Abruzzen. Eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge füllte die weite Piazza dcl Mercato und ivar selbst in den für die FeuerwerkSkünstler abgesperrten Raum ciilgcdruiigcn. Das Schauspiel begann gegen 9 Uhr. Die beiden neapolitanischen Fcncrivcrker zeigten unter allgemeinem Beifall ihre bengalischen Künste und ließen ihre Raketen steigen. Danir ging Giampaolo Olivieri. der Abruzzcse, an die Arbeit. Er hatte eine ganze Batterie von Böllern aufgestellt, die Leuchtkugel» seiner eigenen Ersind Ung hoch in die Lüfte schleudern sollten. Der erste Böller that seine Schuldigkeit und die Zuschauer ließen es an Beifall für die prachtvolle Lcnchlkilgel nicht fehlen. Beim zweiten Böller stellte sich schon eine Unzuträglichkeit heraus Die Lenchl- lugel explodierte nicht in der Luft, sondern fiel mit oller Wucht ans die dichtgedrängte Menge nieder, traf den Arbeiter Maznchelli in den Rücken, zerbrach ihm den rechten Arm il»d sügte ihm eine lcbcnsgesährlicke Gehirnenchütterunfl zu. Man ver- brachte den Unglücklichen nach dem Lorero-Hoipital. Ivo er nach einigen Stunden starb. Die Menge ließ sich durch diesen Zwischen- fall nicht stören»nd die Polizei fand eS nicht für geboten, die Fortsetzung des Feuerwerks zu hindern. Der FeuerwerkSkünstler legte also die Lunte an den dritten Böller. Da erfolgte ein furcht- bares, donnerähnliches Krachen. Eine Ranchwvlke wälzte sich über den Play hin. Herzzerrcißcildcs Geschrei, gellende Hilferufe lvurdcn laut. Der Böller ivckr geplatzt. Seine Bruchstücke tvareir wie Kanonenkugeln in die dichtgedrängte Menge hineingeflogen nnd 36 Personen wurden verivundcl. Dem Schuhmacher Biondini balle ein Stück des Böllers den Leib ansgerisjen, so daß ihm die Ein- gewcide herausquollen und er alsvatd den Geist ausgab. Einem 13jähtigcil Knaben wurde der Hintere Teil des Schädels zertrüminert, so daß der Knabe nur noch wenige Sttinden am Leben blieb. Mehrere andere Personen trugen schwere Wunden am Kopf und an der' Brust davon. Die große Menge der Zuschauer hatte Übrigens durchaus nicht die Kaltblütigkeit verloren, und als die Toten und Berlvundeten fortgeichafft ivaren, verlangte das Pnbliknm die Fortsetzung des Feneriverls. Aber der Feuerwerker Olivieri war nicht mehr aufzufinden und seine Kollegen wollten eS nicht wagen, die noch übrigen Böller anzuzünden. So mußte die endgültige Austragung des Feucrivcrkwelltampscs unterbleiben. Im Lembergcr GcfäugniS hat sich der wegen Betruges angeklagte Sparlaffen-Direkror(z-raiiz Zima vergiftet. Nn Bord des am letzten Sonnabend aus New Dork in Qucenstown eingetroffenen Tampfers„Umbria" befand sich eine 10S jährige Dame, die die anstrengende Reise von Amerika nach England ohne nachteilige Folgen zurückgelegt hat. Mifc Alice McManu ist in Irland geboren und ging vor gerade 69 Jahren nach Amerika. Sie muhte die Reise damals in einem Segelschiff an- treten, das erst nach 11 Wochen sein Ziel erreichte. Miß Mann. deren einziger Wunsch es ist, in ihrer Heimat zu sterben und bei ihrer Familie begraben zu werden, befindet sich im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Sie berivaltete bis in die letzte Zeit ein kleines Landgut, dessen Ertrag ihr ein vollkommen sorgenfreies Leben gestattete. AuS Jackfonbille, Florida, wird berichtet, daß 13 Schiffe während eines C y k l o n s bei Carabelle teils zertrüinmert, teils an das Land geworfen sind. Daö grlbe Fieber. Aus Hampton fVirginia) lauten die Nach- richten iibcr den Stand des gelben Fiebers besser. Es sind weder neue Erkrankungen, noch neue' Sterbcfälle vorgekommen. In Clcveland, Ohio. wurde Donnerstagabend von einer aufrührerischen Menge ein Straßenbahirwagcn mit Nitroglycerin in die Lust gesprengt. Es wurde niemand verletzt. Ucbcr die Ursache des gemeldeten Vorgehens wird nichts berichtet. Briefkasten der Redaktion. Tie tnrlftilche Sprechstunde wird Dienstags, Donnerstags nnd Freitags abends t>»» 6 bis 8 Ilbr nbgelialte». Spcrlingslnst. Ein Monat Gefängnis dauert von dem Datum des Eintrills bis zum gleichen Datum des folgenden Monats Ein Monat Gefängnis beträgt also, je nach der Länge des MonatS, 31, 30 oder lim Februar) 28 Tage, in welch letzterem Fall also„vier Wochen Gefängnis" ebenso lang wären wie„ein Monat". ®. W. 100. In dem am 11. Juli 1807 ausgestiegenen Ballon bc- fanden sich Andrce, Strindberg und Frankel. P L.. Atalcr. Wir sind bereii, uns Ihrer Beschwerde anzunehmen, doch ist es erforderlich, dag Sie sich zunächst bei der Direktion beschwtteu und dereit Antwort abwarten. R. K. Johamiisbecrwein wird wie folgt bereitet: Johannisbeeren, rote oder weihe, auch beide gemischt, werden sauber von den Stielen gepflückt und zerdrückt, doch dürfen die Kerne nicht zerguetscht werden. Den Saft läßt man durch ein Haarsieb lausen und rechnet auf 2 Liter desselben S Liter Waffer, auf S Liter dieser gemischten Flüsfigkeit 1»/, Kilogr. Zucker. Auf ein Fast gefüllt, muh dieser Saft drei Wochen stehen, um zu gären, dann wird er hcrausgegoffen und das Faß mit reinem, kalien Waffer tüchtig ausgespült. Nun giebt man auf 30 Liter der Flüssigkeit 35 Gramm Haufenblasc und 3 Kilogramm Zucker hinzu, füllt den Wein in das Fah zurück, lägt ihn abennals drei Wochen stehen, gicfjt auf 30 Liter Wein einen Liter guten Branntwein auf, schlicht das Faß und läht es bis zum Abziehen dcS Weines wieder sechs Monate liegen. C, S. Köpenick. Ein Grund zur Aufbebung dcS Vertrages liegt nach ihrer Schilderung nicht vor. Wegen der Beleidigung können Sie die Be- Icidiguiigsklagc erheben. Wegen der Reparatur sordcrn sie den Wirt auf, innerhalb längstens 3 Dogen dieselbe auszuführen, widrigenfalls Sie die- selbe auf seine Kosten ausführen laffcn würden Nach fruchtlosem Ablauf der Frist thun Sie, was Sie androhten.— Franz Jankc. Mit einer Klage wegen des Rcjsegcldcs würden Sic nicht durKdungeii.— O. 1. Ihre Frage ist bereits im„Vorwärts" vom 29. Juli mit„Ja" bcantworict.— N. ft. Sie können schriftlich bei Gericht bcan- tragen, Sic als Nebenkläger zuzulaficn.— 100 Mantcnffclstraste 10. 1. Ja. 2. Das hängt von den Umständen des Falles ab. — L. D. 1. Ihr SchadcnScrsatz-Anspruch gehört zu den Forderungen, die bei der Leistung des Eides mit angegeben werden müffcn. 2. Ja: nach dem 1. Januar 1900 hört die Alimcntationsvflicht der Geschwister auf. 3. Die Forderungen müssen noch in diesem Jahre eingeklagt werden. Bsftirr»-.ngSiibersick>t vom 4. August lKOS. niorgcuS 8 Nhr. o fc � s Nationen! i 52 e 5 S« Swincmdc.! 164 NNO Hamburg\ 764StiU Berlin 763 D Wiesbaden 762 NO München. 764 W Wie»! 762 Still Wetter 1 wolkig — sheiter 2 wollig l wolkenl 3hciter — wolkenl öS ö-s Stationen Haparauda Petersburg Eork Aberdce» Paris 7sJnNW 760W 766, S 760, OSO Wetter öS s- "fej «1 2'hlb.bed. Iwolkig 3 bedeckt 1 wolkenl Wetter-Prognose für Tonnabend, den L. August 18VS. Warm und zeitweis« heiter, vielfach wollig bei schwachen nordöstliche» Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. Marktpreise von Berlin am 3. Austust 1899 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. )Weizen chNoggcn Fnitcr-Gerste- Hafer gut „ mittel, ,. gering. Richtstroh. Heu. f)Erbscn. s-sSpeisebohnen ilLinlen, Kartoffel», neu« Rindfleisch, Keule lüg do, Bauch„ ') Erniittelt pro 16,- 15,- 13,60 15,60 14,90 14,30 4,40 6,40 45,— 50,— 70,— 10,- 1,60 V Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse lüS 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 2,00 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1.40 12,- 1,- t 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,10 0,80 2,- 14,70 13,80 13,- 15,. 14,40 13,80 4,- 4,- 25,- 25,- 30,- 5,- 1,20 1,- von der Centralslelle der Prenh. Landwirt- fchaslskammer- NottenmgSstclle—' und umgerechnet vom Polizeipräsidinm jür den Doppcl-Ccillnrr. ff) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 4. August. Getreide eröffnete in fester Haltniig, da die mehrfach in Aussicht genommenen gröberen Zufuhren nicht eingetroffen find, Roggen blieb dauernd behauptet, Weizen unterlag mittags infolge der flauen Meldungen ans New Aorl nnd Chikago und starkem Angebot, besonders aus Argentinien, einem leichten Rückgänge und war etwa 50 Pf. billiger als gestern zu haben. Haser war infolge des vor- züglichen>saaienstnndes ebenfalls billiger angeboten,— R ü b ö l lag still, behauptet,— Am S p i r i t u s m a r l t war die Tendenz matt auf guten Sland der Kartoffeln, Am Markte waren nur 3000 Liter 70 er loco, welche mit 42,50 M.(— 0,10 M.) gehandelt wurden. Termine waren auf Reali- sationcn gedrückt. Kartofsclfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg, brutto inkl. Sack— M, Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg, brutto inkl. Sack und Mehl 10,30 M. Snpra trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. — M, do. Sekunda 00,00—00,00 M. Prima Kartoffrlmchl per 100 Kg. 19,30 M., do. Snpra- M., do. Sekunda 00,00-00,00 M,- Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Siedariio» dem Publikum grgcuüber keinerlei Berautivortuiig. tEhvQtv«. Sonnabend, den 6. August. Neues Opern- Theater. Die Fledermaus. Anfang l1/, Uhr. Lcffiug. Die Erziehung zur Ehe. Die sittliche Forderung. Anfang 7V, Uhr. Weste». DaS Nachtlager von Granodo. Hierauf: Die schöne Galalbec. Anfang 7 Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Hierauf: Abichiedssoupcr. Ansang 8 Uhr. Tchiller. Die weihe Dame. An- sang?>/, Uhr. Eentral. Der HeiratSmarkt. Anfang 8 Uhr, Friedrich- WilhelmstädtlfcheS. Charleys Tante, Ansang 8 Uhr, Aletauderplatz. Nana. Ansang 8 Uhr. Ostend. Maria Stuart. Anfang 7�/2 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr Velle-Alliance. Specialitäten-Vor- ftellung. Ansang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Vorstellung, Ansang 8 Uhr. Retchshallen. Stetiiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage< Pauoplikuin. Specials- lälen-Vorstclluug. Urania. Jnvalideustr. S7/VS. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. CchillttThellttt tWallner-Theaterl. Sonnabend, abends?»/, Nhr: Vorletztes Gastspiel Hvlilvlvl» «ittol: vi« Dame. S 0 n n! a g, nach m 3 U h r bei halben Preisen: Hai-tlu» oder: Der Markt za Eichmond. Sonntag, abends 7»/, Uhr: . Gasumel!!»lme«n l-axavtl: Dl« Montag, abends 7»/, Uhr: Abschieds- Vorstellung Heinrich BOtel. Der Postilloa von Lonjameaa. D i e» S t a g, abends 7»/, Uhr: Neu einstudiert: Dell. Giobe Oper in 4 Alien von Rossini. Wtijj- Thtlittr. Gr. Frniitsurterslraste 1S<. Vorletztes Gastspiel der russischen Hof- schauspielcrin lllisadotk Gorewa. M«viol Skuttrk. Trauerspiel w 5 Allen von Fr. v, S ch i l l e r. Ansang?»/, Uhr, VvrzugsbiUeiS haben Äültiglett. Sonntag: Letztes Gastspiel. Adricnne Leconvreur. Montag, zum erstenmal: Die Kubanerin. Altuellco Schauspiel in 7 Bildern v. Olonlawsky. Heute im Garten: Sommernachts- fest. Neues August-Programm. Ans. b'/, Uhr, Saisonlarlcn haben Gültigkeit Apollo-Iliöiiiki'. mit dem l.nl'thallett » lltto Lentter» um Urania Taiibcnntraane 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalidcnatr. 57/««: Tägl. Sternwarte. Nachmittacs täglich 5—10 Uhr. Passaye-Paiiopiicum Geöffnet von 9 Uhr früh biS 10 Uhr abends. Zienl Nen! Das urkomische Bückeburger Lauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. 04374118 � IPANOPTICÜM Die aensationcllen lebenden-vc [Photographien! In-.ebensgrösse. Die russische Uinnnn(i Damenkapelle.,I»I»fiI9iI In moskowltlschen Kostümen. Viele neno plaatische Gruppen unil Fijjnreu. Crntvnl Tlirnter Direktion: Josä Ferenczy, Luftsplel-E»seinble(Frl.ItIlNy Krause vom kgl. Schanipiclhauö, Herr Dtto Nahlau vom Schiller-Thcater, Herr Mch. llwalä vom Thalia-Theater als Gäste,) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v, G, Okonkowski. Anfang 8 Uhr, Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung, Aetropol Tlieater. Behrenstr. 55,57. GrUsstcr Saisou-Krfoljj!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu; Neues Sper.laiil.-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe. Wemer-Amoros- Company etc. etc. A n Ta 11 g 8 U h r. <» l>ebuts � Garten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich nnTheater und beim„Künstlerdank", Unter den.Linden 09. R. Ballschmieders „Kastanienwäldclien" Koilzertgarttil u. Prachtsiile Backstr. 16. Cesunckhrunnen. Backstr, 16. Täglich: Gr. Promciiaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elitc-Streich-Konzert. Sonntags: Grotzer Ball im nenerbantcn Saal. Empfehle meine Säle z» allen Fest- lichkciten. R. Balltchmieder. Pr a t er-Thea t er Kastanien-Allee 7/e. Täglich: Dorns Reut. SoIfSflftck mit Gesang u. Tanz v, Hugo Schulz, Musik von A Kerstcn, Kastümsoubreltc Fränl, luole Sarow. Gebr. Mllardo, Grot, Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz, Die 8 Schönbrunns, humoristisches Bilderbuch, The4Flashe*, Epccntrics, Ballettgeiellschosl Döring. Vendaro-Trio, Eperciticn am Hand- Trapez Daniel-Tnippe, Pantomime. iXf Konzert und Ball.-PW Eintritt Sonntags und wochentags litt PI, niim, Platz 5N Pf. Kaldo. Neichshaktei». Garten rcap. Saal täglich: Stettiner Säuger tMelilel, Pielra, Brittou. Sicidl, Ztrone. « 1 r ch in(i y c r. Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Solintags 7 Uhr. Vorher: Komeeet. Entree 50 Pf,, Vorverkauf für die Wochentage 10 Pf, Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. Jeden Freitag: Neues Programm. Verband der in Buchbindereien, der Papier- iilid Leder- Gusniiteriewurell-Judustrie beschilft. Arbeiter und Arbeiterinnen Dcntschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 8. August 1,899, abends 8Us Uhr, in Feuersteins oberem«aal, Alte Jakobstr. 73: Ausserordentliche General-Versaminlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kouiiiiisslon in der Zlngelcgcnheit Thristiau kontra Brückner. 2. Neuwahl der gesamten OrtSvcrwaltnng und des Bureau- bcanitcn. 3, TrgänzungSwahlen zum Ganvorstand und zur BibliothckS-Kommiision. 4, Neuwahl der Rcchtsichutz-Kommiiiivu, 25/1 5, Verbandsangclcgenheitcii und Verschiedenes. In Anvetracht der hochwichtigen TaneSvrdnung erstichcii wir lämt- lidic Mitglieder, vollzählig und pünktlich in dieser Versammlung zu erscheinen. KV Mitgliedsbuch legitimiert.-WE Die Versamuilnng wird Punkt Uhr eröffnet. KV Es wird dringend gebeten, die BilletS vom Sommerfcst baldigst abzurechnen. _ Die Ortgvci'M'ftltnnt;._ Verband der Möbelpolierer. Montag, den 7. Slugnst 1809. abends 8>/, Ilhr i in Rixdorf, Hermannstrahe Nr. 107. Tages- O'r d 11 u n g: 1, Vortrag des Genoffcn A. Körsten über die Gewcrbcgerichtc, 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sonntag, den 13. August, Besichtigung der BercinSbrauerei in Nixdorf. Treffpunkt daselbst früh 8 Uhr im Garte». Bei der Dampfcipartte sind noch ei» Kindcrhul und eine Mütze, sowie ein Ball nebst Netz gefniideii worden. Die Eigcnlümcr können diese Gegen- stände morgen vormittag bei H. Schulz, Memelerstr. 60a, erhalten, 147/12 Der Veeitanci. Victom-Braukrei Lntzowstrahe 111/118. Im IVatnricartcn oder 8aal Tä�Uch Humoristische Soiree der NonMelitLdien Sänger (Fuhrmann,, Horst, Walde), ß Alis. Sonntags' präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree Sv Pf, Vorverk. 1« Pf. Familienbillets _ 1 M, Sonntag und Donnerstag nach der Vorstcuniig Tran�Itrjsnaoiien. K-ix Kliems Sommer-Theater Haaenhvide 14— 15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Tiiglich: Eroßes Gllrttn-Aonztrt. Auftreten des gesamten Schauspiel- u. Spccialitäteu-Perionals. IW Nur erstklasstge tirnfte.~9Q Georg Fischer(Liedersänger), Ernst KUhne(Charakter-Komiker), Frltzl Verri (Kostüm- Soubrette), Floetz Carella-Troupe(Mclangc-Ätt), Klara und Paul Clemens(Transsormations- Duo 1, ling-Fulng(Chinesische Akrobaten), The Cecvas(Original-ExcentricS). l'aniiiien- Programm."VQ Kntrce: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. Grosser Ball."MW � »'"gbch't für Arbeiter- und Bolks- vilduiigsvereine. Soeben erichien Nr. 7 mit solgendem Inhalt: Soll das Volk Goethes 150. Geburtstag feiem? Von Manfred Witti»,— Eine Gefahr für die Arbeitervereine. Der Bund der Arbeitervereine. Die Grundlage der socialen Wcttanschauung. Berichte zc. Bczugsdcdiiiguiigen bei poriofreier Zuienbung: Stück: 1 10 100 1000 10 Pf. 50 Pf. 3 Ml. 20 Mt. Expedition: Dtt« dannen, Leipzig. Alexandcrstrahe 21. parterre. Zkene» gediegene», llntree: Wochentags 2» Pf. Numerierter Platz 40 Pf Anfang des Kemerts täglich 4 Uhr. In den Festsäle»! Die Kaffeeklidie ist geöffnet. Verband der Van-, Erd- und gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands ('Zahlstelle Berlin I). Sonntag, de»<5. Angnst, vorm. 10V2 Uhr, in Fenersteins Festsälen, Alte I a k 0 b st r a h e Nr. 75: AUi t�xl iSÄrr- Vrr«« rn in K,i iZK. TageöiOrdnung: 1. Wie fönnen die Arbeiter die sociale Gesetz- gebnng ausnützen 2 Res.: Gcnosse Hübsch, 2, Diskussion, 3. Verbands- Angclegcnbeiien, 45/2 Die Mitglieder werden ersucht, di» Billets vom Stift ungsfest in der Versainulluiig abziircchncii,_ Die OrtSvcrwaltnng. Allen Frenndeii zur Mitteilmia, daß mein lieber Mailii, unser guter Vater, A. Kogge, im 55. Lebensjahre sauft ciitichlaseu ist. 17l9b Die tleftrauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonnabend- nachmittag 5 Uhr vom Simeons- Kirchhof, Maricndorf, auö statt. Centrill-Krililkeil-\i Sterbe- lasse der Tischler 11. anderer gewerblicher Arbeiter. Ocrtliche Verwaltung Berlin K. Montag, 7. August, abends 8Uhr, im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18c: Mitglieder-Bersaiilialllllg. TageS-Ord» 11 ng: I. Abrechnung vom 2. Onartal 189!). 2. Berichterstattung über die General- Versammlung in Nürnberg, 3, DiS> kuffion. 4, Verschiedene Kaffcii- Ab- anaclcgcnhctteu. Das Mitgliedsbuch lcaitimiert! Um zahlreiches Erscheinen ersucht 181/9 Die Ortsverwaltuiig. Ccutral-Krailkeil-». Sterbe- der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. Eingeschr HilfStaffe Nr, 3(Hamburg). Ocrtliche Verwaltung Berlin G. Montag, den 7. August, abds, 8 Uhr, bei Wille, Andreasstr. 26: Mitglitder-Persaiiimtllilg. T a g e s- O r d n>1 11 g: 1. Saffenbericht vom 2, Quartal 1899. 2. Bericht des Delegierten von der Ccncralversammlung m Nürnberg. 3. Verschiedene Kassen- Angelegen- Helten. Mitgliedsbuch legitimiert, Die Sprechstunden fallen an diesem Abend aus. Beiträge werden in derBersammlung vom Kassierer entgegengenoinmen. Um zahlreiches Erscheinen der Mit- glicdcr ersucht l 84/14 Die Ortoverwaltung. Achtung! Bauarbeiter. Achtung! Sonntag, den 9. August, vormittags 11 Uhr, bei Oran-, Badstr. 12: Mitglieder-Uersammlnng der Bau-, Erd- und gcwcrbl. Hilfsarbeiter Deutschlands, Zablsiellc Berlin III. 45/11 Tages-Ordnung: Vortrag, Verbands- Angelegenheiten und VerlchiedeucS, Um regen Besuch bitter Die Ortsverwaltuiig. I A,: Schmidt. freireligiöse Keweiiiliö öerlio. 8<>nntag, den 13. Angnst 1800: Grosses 8onimerfe@t in H'ernans Garten und Festsälen, Schwedterstr. lö3/K4, bestehend in Vokal- und Jnstriinieiital-Kouzert, Theater-Aiifführung und Tan». Herren, die am Tanz teilnehinen, zahlen 50 Ps. nach. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeekuche ist von 3 Uhr an geöffnet, Programme a 25 Pf. find bei folgenden Komiteemitgliedern zu haben: O. Jänicke, Rirdorf, Renterstr. 24, Seitenfl, 4 Tr,; G, Bohne, Bnmnenftr. 141, H, 2 Tr,: Elmami, Schuitdftr. 34, pt,■, F. Braun, Bartelftrahe 13, 2 Tr.; Joerz, Gr. Franksurterstr. 15, pt.; E, Kornetzkq, Fürsien- walderstrabe 11, v. 3 Tr.; P, Kuhirte, Prenzlauer Allee 204, H, 4 Tr.; Frau Kohlhardt, Alexandrinenstr. 41, H. 1 Tr.: Kowalszyk, Bernauerstr, 79, 3 Tr.; SB. Mohs, Am Oberbaum 2; H. Peege, Rüdersdorferslr. 48, Ouer- gebäude 2 Tr.; anherdem in allen bekannten Verkaussstellen und im Saal, 1699b Das Komitee. Schweiber- Garten Am Königsthor(Niilgbahn) Am Friedrichshatn. Täglich: Theater- und Spetlalttäten-Vorstellnng. 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