Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 1. 1] Freitag, den 1. Januar. ( Nachdruck untersagt.) Bei den Schneidemaschinen. Roman von M, A, Šimáček, Autorisirte Uebersetzung aus dem Czechischen. I. 1897. Hurych, der Bruder der besprochenen Veruna, setzte auf diese Ansprache hin den Hammer ab. " Ah was! Er macht ja nur Spaß. Ich mein', wenn's ihn nicht zur Veruna hingezogen hätt', er wär' noch geblieben. Konut' ja bis heut' in Prag das Leben genießen." Und er begann wieder zu klopfen. Ich hab's eben bis daher gehabt," meinte Hradil selbstbewußt. Was ich ihnen die Köpfe verdreht hab', war schon nimmer schön." " Und Dir hat keine den Kopf verdreht?" fragte von seiner Höhe Kucharz. Mir? " Nein." Also giebt's doch eine, die's Dir angethan hat?" " Mir feine, also auch Veruna nicht. Deshalb kann ich aber doch gern haben." Hat's Dir teine angethan, dann wird's noch kommen. Mert' Dir das!" meinte Kucharz. Ueber wen, meinst Du, wird's fommen? Ueber mich? Da irrst Du." " Hradil sagte es ruhig und nahm wieder die Feile zur Hand, als wollte er einen ganz und gar müßigen Streit beenden. Brauchst Dich nicht so aufzublasen," spottete Kucharz. Was ich gesagt hab', drauf nehm' ich Gift. Das ist keine Liebe zu einem Mädel, wenn man sich anderwärts amüsirt und daheim noch Dummheiten macht. Das, mein' ich, hat Veruna von Dir nicht verdient." " Im Jahre 1881 trat in der Rzepowitzer Zuckerfabrik, da bis Mitte September alles zum Beginn der Kampagne vorbereitet werden sollte, bereits Anfang August die Nothwendigfeit der Sonntagsarbeit ein. Es war daher kein Wunder, daß am Tage Mariä Himmelfahrt von innen wuchtige" Haben Sie gehört, Hurych? Am End nimmt er auch Hammerschläge ins Freie drangen, und vier Schlosser in ge- Ihre Schwester nur wegen der Hütte." waschenen blauen Blousen und ein Taglöhner in der„ Ueber die red' ich überhaupt jetzt nicht. Mit Beruna Nähe der Werkstätte fleißig hantiren mußten. Außer bin ich aufgewachsen, das ist was andres!" wehrte sich Wenzel diesen war in der Fabrik nur noch der Oberheizer gereizt. Springer anwesend; doch der arme Teufel steckte weit hinten im Melasseraum, wo er in diesen schönen Sommertagen den kleinen Kessel auf konstant 35 Grad Reaumur heizen sie mußte. Aber manchmal kam er doch auf einen Sprung zu den Schlossern, denn einem allein war es dort in der Gluth und in der Sirupausdünstung verteufelt ungemüthlich, auch wenn man von Zeit zu Zeit zur Erquickung an die frische Luft tritt, den blauen Himmel, die strahlende Sonne und die reglos ausgespannten Schwingen der segelnden Schwalbe sieht. Man muß, um nicht am Leben zu verzagen, auch andere Menschen an so einem Feiertag schuften sehen. Und selbst dann noch ist man dem widrigen Geschick nicht sonderlich grün. Es ging an die siebente Morgenstunde. Von den Beamten war noch niemand zur Stelle, denn an Sonn- und Feiertagen pflegen die Herren zu so früher Zeit noch mit süßem Behagen der Ruhe im Halbschlummer; blos der Maschinist Sturma sah ab und zu nach seinen Knappen. Auch ihm ging dieses Fackeln vor der Kampagne wider den Strich; übrigens wußte er, daß er sich auf seine Leute verlassen konnte. Waren aber auch tüchtige Jungens! Stattlich, hurtig, eine Freude, fie anzuschauen, wie sie rumorten. Und dabei voller Scherz, pfiffig, munter, fidel; seitdem Wenzel Hradil aus Prag da Wenn's einen angeht, dann Hurych. Und der red't war vor nicht ganz zwei Monaten war er heimgekehrt, nichts," begann Hradil von neuem. Nimm Dir ein Beispiel gab's ein ganz neues Leben bei ihnen. Der hatte zwei Jahre an ihm." in einer Prager Maschinenfabrik gearbeitet, vordem auch in Kucharz befolgte den Rath. Er schwieg, warf nur einen Prag drei Jahre bei der Artillerie gedient, er war schlank zornigen Seitenblick auf Hradil. Doch das beachtete niemand. und hoch wie eine Tanne gewachsen, hatte gelocktes braunes Haar, Nach einer Weile, als wäre nichts vorgefallen, kam Hradil feurige schwarze Augen, einen hübschen, wohlgepflegten Schnurrbart| wieder auf das Mädel zurück, das so tanzen konnte, daß einem und einen selbstbewußten, ja einigermaßen stolz verwegenen Ge- alles übrige Wurst war. Keiner störte ihn auch nur mit einem fichtsausdruck. Ein anstelliger junger Schlosser hat in der Fabrik Wort, nur das Lachen der Kameraden ertönte mehrmals hübschen Verdienst, er tann sich anständig tragen und bei jeder während der Erzählung. Musit aufspielen lassen, und wenn er obendrein noch sauber ift, dann friegt er an jedem Finger Eine, wenn nicht mehr. lich Nesbeda. Es war also verständlich, wenn Wenzel's Kameraden glaubten, er habe in Prag so manches erlebt. Ueberdies erzählte Hradil alle seine Abenteuer in einem so überzeugenden Zone, daß er jeden Zweifel von vornherein besiegte und ausschließlich Bewunderung erweckte. So war er auch heute seit fünf Uhr früh am Schraubstocke mit dem Feilen von allerhand Zubehör zu Ventilen beschäftigt, überaus redselig. Nicht weit von ihm auf einer Leiter stand der Schlosser Kucharz und schraubte Rohre zusammen, der Schloffer Hurych schlug in ein abseits gelegenes Reservoir eine runde Deffnung, und der Schlosser Nebesda, der bei der Bohrmaschine stand, bohrte Schraubenlöcher in Eisenblech. Der Taglöhner Spurny drehte das Rad. 01 " In Prag sollte man heut sein, das wär' ein Leben am Nachmittag," begann Hradil nach längerer Pause. Da geht man nach Nusle oder nach Wrschowitz und tanzt fein die ganze Nacht. Voriges Jahr um diese Zeit hatt' ich ein Mädel Bruder, ich sag weiter nichts. Die hat tanzen können, daß einem alles audere Wurst war." Möcht' aber wissen, wie Du dazu kommst. Sie red't nich, ihr ist's recht, und Du willst mich vielleicht ausfragen? Geht Dich die Sach' was an?" Kucharz antwortete nicht. Er zog oben die Schraube mit dem Schlüssel so heftig an, daß er das Gewinde überdrehte, und die Mutter klirrend zu Boden fiel. Und wie seid Ihr auseinander gekommen?" fragte plötz Wie denn? Kam halt' ne andre, war auch nicht von Pappe." " Was meinte die erste dazu?" Erst hat sie geschrieen, dann gebeten, gedroht, ges meint. ... pah, Weiberthränen! Das fonnt' fie doch wissen, sie wird nicht die letzte sein... Dem Herrn Ingenieur hat sie aufgepaßt, sollt' mir um Gotteswillen zureden, und die Mutter ist zu ihm, und Gott weiß, was die noch alles ge trieben haben." " Und der Ingenieur?" ' s geht mich nichts an, hat er ihnen gesagt. Wenn sie ein Recht auf mich haben, sagt er, dann sollen sie mich hindern. Dann ist er zu mir gekommen und hat gelacht und gesagt, die haft Du ganz verrückt gemacht." Und nicht zugeredet?" " Ift ihm nicht eingefallen. Lustige Bursche hat er leiden mögen und meint' nur, bei einem Frauenzimmer geht die Lieb' mit den Thränen über Nacht und kommt eine neue. Hat aus Erfahrung gesprochen. So ein gemeines Mädel, so ein armer Teufel! Wollt' halt einen Schloffer haben, das ist's, den kriegt man nicht alle Tage." Auch Veruna... was?" meinte Nesbeda. Na, die hätt' mir grad' Sorgen gemacht! Daß die mir nicht davonrennt und auf mich wartet, hab' ich ja gewußt." Und sagen wir jetzt, sie grämt sich doch, oder nimmt sich Wer weiß, wenn die es hier so getrieben hätt' wie am Ende das Leben, wir haben ja Beispiele au hinterDu in Prag, ob's Dir recht wär'? Hurych, was meinst Du?" I gangenen Mädeln," meldete Kucharz sich wieder zum Worte. Dieses Unterhaltungsblatt erscheint vom 1. Januar 1897 ab fünfmal wöchentlich. 2 " Kommt auch vor, aber ein Unsinn ist's. Daß ich nicht| Möchtest halt aufheben. Wissen auch warum. Meinst, lach', wie der Doleschal da drüben vom Kessel sich wegen ich hätt' keine Augen? Ich hätt' nicht gesehen, wie Du selbst eines Mädels aufhenkt, und just vor ihren Fenstern am auf Veruna spiz'st? Du vergönnst sie dem Hradil nicht, daher Birnbaum." der Haß." Hat die aber nicht gelacht! Geht noch heut herum als wie ein frankes Huhn." Desto mehr zeigen auf sie die Leut'." " Und wenn sich Deinetwegen ein Mädel was anthät'?" " Dann sag' ich, sie ist verrückt, und dent' nicht weiter dran." Und wenn umgekehrt Veruna Dich abbligen läßt und einen anderen liebt?" Die Antwort lag Hradil nicht auf der Zunge bereit. Es fiel ihm ein, daß er vor dem Bruder der Beruna einen gewichtigen Beweis seiner Liebe liefern müsse. Eine leichtsinnige Bemerkung könnte ihm schaden, und ein Häuschen- nein, das hat nicht jede. Es fiel ihm aber kein einziges energisches Wort ein, und lange überlegen durfte er nicht. Veruna... mich abbligen lassen? Wo denkst Du hin?" lentte er ab. " Ich sag' ja nur, wenn." " Ich weiß, daß ich was Fürchterliches thät'. Kann sein, fie täm' mir nicht lebend aus." Die Schlosser lachten, selbst Hurych stimmte ein. Nur Kucharz nahm die Sache ernst. Meinst, Du hättest ein Recht dazu?" " Kommst mir aber alleweil mit Deinen Ausfragereien! Daß ich mich rächen thät', das steht fest. Ich bin nicht einer, der sich verkriecht und winselt. Jawohl, rächen thät' ich mich. Dazu hätt' ich ein Recht, wenn sie mir gefällt und sie sich in wen anders verliebt." " So Du hättest also das Recht, und' s Mädel nicht?" " Ich bin ein Mann.' 3 Mädel weint sich aus, und gut ist's wieder." " " Aber nicht jedes Mädel." Die möcht' ich kennen, die's einem vergelten wollt," begann Hradil hochmüthig von neuem, sichtlich zufrieden mit ſeinen Abfertigungen. Dieser Kucharz wird ihn nicht immerfort anrempeln. Warum aber hat er's nur so scharf auf ihn? Er wird ihm die Keckheit schon heimzahlen. Er und Kucharz ein Mensch, der nirgends war, so ein Bauer! Er würde anders reden, hätte er fünf Jahre in Prag gelebt und die Prager Mädel kennen gelernt. Er würde sehen, wie viel Verehrer im Jahre sich jede aufzwickt. Zwar liest man hin und wieder in den Zeitungen, daß eine aus unglücklicher Liebe ins Waffer gegangen ist oder sich zu Tode gegrämt hat, aber das war sicher eine verrückte Urschel. Er weiß auch, daß manche sich gerächt hat, aber von tausenden ist's eine, die's zu stande brachte. Die Dummheiten würde er einem Mädel schon austreiben." So raisonnirte Hradil vor den Kameraden, und nicht ein einziger wußte etwas einzuwenden. Er redete sich um alles herum und überzeugte jeden. Er lieferte heute einen neuen Beweis davon, und dabei sahen alle, besonders auch Hurych, daß er Veruna gern hatte und was er im stande wäre. Sie mußten anerkennen, das ist ein Kerl, der duckt sich nicht. Und so feilte er denn wohlgemuth weiter und fuhr fort zu er zählen, ohne daß Kucharz ihn noch ferner unterbrach. Dieser gab ein paar Triller von sich, um seine Niederlage zu verbergen. Bald darauf stieg Hradil hinauf, um die Spillen zu probiren. Den Moment benutzte der Dreher Spurun, um seine Meinung zu äußern, denn in Gegenwart Hradil's wagte er nicht zu mucksen, weil er von ihm schon einige Mal, selbst wegen zutreffender und wohlmeinender Bemerkungen, zurechtgewiesen und gründlich zum Schweigen gebracht worden war. Solch rücksichtsloses Auftreten, weit entfernt, Spurny zu beleidigen, denn er war durch dieses Hundeleben schon ganz abgeſtumpft, erweckte im Gegentheil bei ihm Respekt vor Hradil; wenn er unter seinen Kameraden sich befand, zögerte er nicht, demselben in Worten Ausdruck zu geben. " Nur was wahr ist, ein bischen stolz ist der Hradil, aber er hat's im Kopf und ist nicht von heut. Den Weibs leuten gönn' ich lauter solche; sollen den Mann kennen lernen." Eine Großschnauze ist er, weiter nichts!" versetzte Kucharz mit scharfer Betonung. Und so viel weiß ich, meine Schwester dürft' so ein Mensch nicht kriegen." Das war eine offenkundige Herausforderung Hurych's. Dieser legte den Hammer auf die Bank, nahm Kucharz, der auf der Leiter schwebte, aufs Rorn, und ein eigenthümliches Lächeln spielte um seinen Mund. " " Das ist nicht wahr!" wehrte Kucharz mit erhobener Stimme ab. Ich weiß, Veruna mag ihn gut leiden, und ich will niemand ausstechen. Aber Veruna sieht nicht, was in ihm steckt, er hat's weg, sich als lieb Kindchen aufzuspielen, das tann er, Honig ist nichts dagegen, aber sonst ist nichts an ihm. Solltest, mein' ich, der Schwester einen Merks geben." Was weißt Du Schlechtes über Hradil?" " 1 " Am Ende ist das gar nichts, wie er von den Mädchen spricht? Die sind, meint er, nur eben solche Kreaturen, gut zum Tanzen und Verludern. Das wär' alles. Weiß er denn, was ein Weib ist, was ein Weib oder ein Mädel im stande ist, zu ertragen? Hat er denn Gefühl? Rönnt' er so reden, wenn er eins hätte?" Woher, sag' Du mir, hast Du solche Finten?" " Das will ich Dir sagen, woher. Mein Alter ist im Steinbruch zu Schanden geworden. Und vielleicht hab' ich Dir schon mal erzählt, wir waren unser sechs Kinder. Vier ältere Mädeln und ich und ein Bruder. Und die Mutter hat allen zu essen gegeben, auch dem Krüppel von Vater. Die älteste Schwester, ein Mädel von kaum sechzehn, bildsauber, rackerte mit ihr von Morgen bis Abend, mich hat sie aufgezogen und den Bruder, und wir waren gewohnt, sie für mehr zu achten als für unsere Schwester. Nun hat sie heirathen sollen, da ins Nachbardorf hinein, sie mochte ihn leiden, aber weil wir anderen noch klein waren, blieb sie daheim und half der Mutter beim Durchfretten. Und wie dann die zweitälteste Schwester sie schon hat ersetzen können, ließ sie lieber diese heirathen und entsagte ihrem Liebsten zum zweiten Male. Und niemand, nur ich einmal zufällig, sah sie weinen. Sie war ein einfaches Mädel, so eines, daß Hradil sie viel leicht garnicht angeschaut hätt', daß er von ihr höchstens ge= sagt hätt', auch so eine Nocken, aber ich hab' sie geschäßt, kann sein mehr als die Mutter. Und die Schwestern sind ihr nachgerathen. Und da kommt so ein Prager Früchtel daher und denkt sich was über die Dorfmädeln, daß sie kein Gefühl haben, weil er teins hat, daß sie dem Mann nur darum auhängen, weil sie geheirathet werden und es besser haben wollen als im ledigen Stand, erhebt sich über sie, wie wenn sie tief unter ihm wären, redet so daher, daß es kein Verschulden ist, eine zu benügen und dann sigen zu lassen, er hat ein Recht dazu, er, der im ganzen Leib nicht so viel Ehr' hat, was sie im kleinen Finger! Und Euch blenden seine Worte, seine Manieren, und Ihr seid auf seiner Seite, weil er Euch vielleicht mal im Wirthshaus freihält. Und wenn man ihm reinen Wein einschänkt, meint Hurych da, ich wär' gegen ihn aus Eifersucht. Wahrhaftig, fällt mir nicht ein. Aber leid thut mir Veruna." Nach diesen Worten, wiewohl sie ihre Wirkung gewiß nicht verfehlt hatten, sprach lange niemand. In manchem tochte es bei den Beschuldigungen, die Kucharz vorbrachte. Sie fühlten jedoch deren Wahrheit, und bewußt gegen die Wahrheit aufzutreten, das trifft nur ein verdorbener Haderlump. Verdorben aber war niemand von ihnen. Erst nach einer Weile ließ Hurych sich vernehmen. " Du siehst alles viel zu schwarz. Hradil wird wohl mehr schwefeln, als was wirklich dran ist. Er ist im ganzen eine gute Haut und hat ein Gefühl im Herzen, denn was sonst hätt' ihn zur Veruna zurückgeführt?" " Stimmt," bemerkte Nesbeda. Rucharz ist gereizt meint, Hradil hätt' vielleicht auf seine Schwestern angespielt." ,, Nein, mein Freund, nicht deshalb. Möcht' ihm auch nicht gerathen haben. Uebrigens sind sie, die Aelteste ausgenommen, verheirathet. Ich hab' geredet, so wie ich's meine. Und hab' ich Unrecht gethan, um so besser für Veruna." ,, Aber zugeben wirst Du, es war doch ein Tropfen Eifersucht dabei," sagte Hurych und lachte beschwichtigend. ,, Nein, lieber Kamerad!' s ist nur der Umstand, ich möcht' nicht, daß Veruna ins Unglück kommt. Wär' ich eifers süchtig, thät ich ihr vielleicht direkt abrathen von Hradil, so magst aber versichert sein, sie kriegt von mir kein Wort zu hören, selbst wenn sie mich ausfragt." Da tam schon, ein Liedchen trällernd, Hradil zurück; bald darauf öffnete sich die Thür, und den Korb am Arm, trat Veruna ein und, ihr folgend, Bieta, Kucharz' älteste Schwester, beide mit dem Frühstück für ihre Brüder. Veruna befand sich heute das erste Mal in der Fabriin Bis jetzt hatte noch immer die Mutter, später die Schwägerk. das Essen für Hurych gebracht. Ausdrücklich verbat sich dieser eine solche Gefälligkeit von Veruna. Jezt aber war Wenzel hier, und der Bruder sowohl wie die Mutter willigten ein, daß sie zu Zeiten fomme, um ihren Auserwählten mit ein paar Worten zu begrüßen. War ihr aber auch anzusehen, ihre liebe Brautschaft! Das neue seidene Kopftuch glänzte, die steifen Rittel rauschten, und um den Hals an einem schwarzen Sammtband hing ihr kleines funkelndes Goldkreuz. Die Wangen eine einzige Gluth, die großen blauen Augen voll Schimmer, der Mund nicht im stande, ein Lachen zu verbergen, und unter dem rothen Mieder ein wogender Busen. Es war eine von Gesundheit und Kraft stroßende Erscheinung, der tiefe Blick der strahlenden Augen machte einen förmlich stutzen, und man mochte unwillkürlich denken, so ein Blick stünde eher einem mehr zarten und träumischen Wesen an als der schlanken Gestalt dieses Mädchens. Im Nu hatte Wenzel sich an sie herangemacht, er schüttelte ihr lachend die Hand, während Hurych dem Korb einen Topf Kaffee und Brot entnahm. Bieta setzte sich etwas weiter weg, neben ihrem Bruder auf die Bank, und kam auf irgend eine Geschichte zu sprechen. ( Fortsetzung folgt.) ( Nachdruck untersagt.) Die Andvarr- Scharbe." Von Jonas Lie. Draußen vor Andvaer( Entenwehr) liegt eine Bogelinsel, an der niemand anlegen kann, wenn das Meer auch noch so ruhig ist. Solch eine Brandung bildet um sie der Wogengang. An schönen Sommertagen glänzt es durch den Seerauch, als läge dort ein großer, goldener Ring. Und seit alter Zeit haben die Leute gemeint, dort fände sich ein Schatz von einer Art Seeräuberschiff her. Im Sonnenuntergang steigt dort bisweilen ein Fahrzeug mit Hinterkaftell empor und blinkt mit einer altmodisch hohen Gallerie. Es liegt wie in hartem Wetter und gräbt sich hinab in die schwere, weißschäumende Brandung. Auf dem Riff entlang sigen die Scharben in schwarzen Reihen und spähen nach dem Kohlfisch. Aber es gab eine Zeit, da sich immer eine ganz bestimmte Zahl darauf fand. Es wurden niemals mehr oder weniger als zwölf, und auf einem Stein draußen saß die dreizehnte im Seerauch, sodaß man sie nicht sah, außer jedesmal, wenn sie sich emporschwang und davonflog. Die einzigen, die außerhalb der Fischzeit, im Winter, auf dem Wehr wohnten, waren eine Frau und ein Mädchen im Backfischalter. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie damit, daß sie die Fischtrockengestelle vor Raubvögeln und Raben bewachten, die so böse waren, die Stricke entzweizuhacken. Das Mädchen hatte dichtes, kohlschwarzes Haar und ein paar Augen, die die Leute so wunderlich anguckten, daß man fast hätte sagen können, sie ähnelte den Scharben da draußen. Und viel anderes hatte sie auch nicht zu sehen bekommen. Denn wer ihr Vater wäre, wußte niemand. So lebten sie, bis das Mädchen erwachsen war. Da geschah es, daß die jungen Bursche im Sommer, wenn die Yachten zum Wehr hinaus mußten, getrocknete Fische holen, einander zu unterbieten begannen, um dort hinausfahren zu können. Einige verzichteten sogar sowohl auf Antheil als auf Heuer, und es wurde in den Dörfern über Aufhebung von Verlobungen geflagt. Die Ursache hierfür war aber das Mädchen dort draußen mit den sonderbaren Augen. So schlecht sie gekleidet und so wenig sauber sie war, hatte sie eine Art und Weise, daß diejenigen, mit denen sie plauderte, in eine Berzückung geriethen und meinten, sie könnten ohne sie nicht mehr leben. Im ersten Winter freite um sie ein Bursche, der Hof und Seebot besaß. Wenn Du zur Sommerszeit wiederkommst und mir den rechten Goldring giebst, will ich mich mit Dir verloben," sagte sie, so daß wohl etwas daraus werden kann." Und wer zum Sommer wiederkam, das war der Bursche. Er hatte viel Fische zu holen. Und den Goldring konnte sie so schwer und echt haben, als sie nur wollte. Der, den ich haben will, liegt unter dem Henkel des eisernen Rastens draußen auf der Vogelinsel," sagte sie. Es fragt sich, ob Du mich so lieb hast, daß Du ihn zu holen wagst." Aber da erblaßte der Bursche. " Er sah, wie der Meeresrand gleich einer weißen Schaumwand dort draußen an dem flaren, warmen Sommertag sant und stieg. Und auf den Klippen saßen die Scharben und schliefen in der Sonne. Aus:„ Nordische Meisternovellen". Berlin. Schuster 1. Loeffler." Der nordische Johannistag entspricht unserer deutschen Walpurgisnacht, es ist der Tag, an dem alle Unholde los find. 3 " Sehr liebe ich Dich," sagte er, aber das würde eine Leichenfahrt und keine Hochzeit." Und in diesem Augenblick erhob sich die dreizehnte Scharbe von bem Stein im Gischt und flog davon. war seit zwei Jahren um ihretwillen unglücklich umhergegangen. Im nächsten Winter freite der Steuermann einer Yacht. Er Und er bekam denselben Bescheid. " Kommst Du wieder zur Sommerszeit und giebst mir den rechten Goldring, will ich mich mit Dir verloben, sodaß wohl etwas daraus werden kann." Um die Johanniszeit kam er wieder zur Wehre hinaus. Als er aber hörte, wo der Goldring lag, saß er und weinte den ganzen Tag und Abend, bis die Sonne nordwestlich im Meer zu tanzen begann. De erhob sich die Scharbe und flog davon. Im dritten Winter gab es ein furchtbares Unwetter. Da tenterten viele. Und auf einer Bootwölbung, die an getrieben wurde, hing ein ohnmächtiger, junger Bursche an seinem Messerriemen. Aber man konnte kein Leben in ihn bringen, was sie auch mit ihm anstellten und wie sie ihn drinnen im Boothause rieben. Da tam das Mädchen hinzu. ,, Das ist mein Bräutigam," sagte sie. Und sie nahm ihn in ihren Schooß und saß die ganze Nackt und wärmte ihm das Herz. Als der Morgen tam, schlug es. " 1 Mir war es, als saß ich zwischen den Schwingen einer Scharbe und hielt den Kopf an ihrer Daunenbrust," sagte er. er Der Bursche war blond und hübsch, mit gefräufeltem Haar, und konnte seine Augen von dem Mädchen nicht losreißen. Er nahm Arbeit auf dem Wehr. noch so früh oder noch so spät war. da Da erging es ihm, wie den andern. Aber er mußte zu ihr hin und mit ihr plaudern, wenn es auch er abfahren sollte, freite er um sie. Er meinte, er könne ohne sie nicht leben. Und an dem Tage, " ,, Dich will ich nicht zum Narren halten," sagte sie.„ Du hast an meiner Brust gelegen, und könnte ich Dir das Leid ersparen, gäbe ich gern mein Leben hin. Bekommen kannst Du mich, wenn Du den Verlobungsring an meinen Finger steckst. Aber mich behalten darfst Du nicht länger, als der Tag währt. bis der Sommer kommt." Und ich will warten und nach Dir mit Grauen bangen, Um Johanni fam der Bursche allein in seinem Boote dort hinaus. Klippe holen müßte. Und da erzählte sie von dem Ringe, den er draußen auf der mich auch wieder dort draußen hinlegen," sagte der Bursche.„ Ohne " Hast Du mich von der Bootwölbung aufgenommen, kannst Du Dich kann ich nicht leben." ihm in das Boot hinein und setzte sich auf die Hinterbank. Sie war Als er aber die Ruder ergriff, um hinauszurudern, stieg sie zu so bleich und sonderbar. Es war schönes Sommerwetter und das Meer ging in langem, blankem Wogenzuge. Der Bursche saß nur und sah sie an und ruderte ganz hinaus, bis dort, wo die Brandung um die Klippe donnerte und prasselte, und die mächtigen Sturzwellen und der Schaumgischt thurmhoch emporſpritzten. " Ist Dir Dein Leben lieb, so kehre Du nun um", sagte sie. ,, Dich habe ich lieber, als das Leben," antwortete er. Als aber der Bursche meinte, der Bordersteven bohrte sich hinab, und der Tod gähnte ihm entgegen, wurde es plöglich blinkend still, so daß das Boot anlegen konnte, ohne daß sich ein Wellchen erhob. Auf der Klippe lag ein alter, verrosteter Schiffsanker halb aus der See hinauf. " In dem eisernen Raften, der unter dem Anker liegt, befindet Trage ihn in Dein Boot. sich meine Mitgift," sagte sie. Und stecke den Ring, den Du siehst, an meinen Finger. Dadurch verlobst Du Dich mit mir. Dann bin ich Dein, bis die Sonne heut' Nacht nordwestlich draußen im Meere tanzt." Es war ein goldener Ring mit einem rothen Steine, und er steckte ihn an ihren Finger und füßte fie. Auf der Klippe in einer Spalte war ein grüner Rasenfleck. Dort setzten sie sich. Und sie wurden in einer Weise bedient, die er nicht begriff und über die er auch nicht nachsinnen mochte vor übergroßer Freude. " Brautbett." Der Johannistag ist schön," sagte sie, und ich bin jung, und Du bist mein Bräutigam. Und nun gehen wir in unser Als die Sonne draußen im Meer gegen Nacht zu tanzen begann, füßte sie ihn und vergoß Thränen. ,, Der Sommertag ist schön," sagte sie; und der Abend ist noch schöner. Aber nun dämmert es." Ihm war es mit einem Male, als würde sie älter und älter und schwand gleichsam dahin. Als die Sonne am Meeresrande unterging, lag nur ein Häufiein zerfallenes Linnen vor ihm auf der Klippe. zwölf Scharben hinaus auf das Meer.... Still war die See und in der lichten Johannisnacht flogen Kleines Feuilleton. 1 Bosheiten.( Aus: Aphorismen. Gedanken und Mein ungen von Emanuel Wertheimer. Stuttgart. Deutsche Verlagsanstalt.) Wer den Gesprächen Vorübergehender lauscht, hört zwei Worte am häufigsten:„ Ich“ und„ Geld". Wie stolz wären die Menschen erst, wüßten sie, wie tief fie fränten können. Im Testament giebt selbst der Geizhals so viel wie er tann. Ter Stil ist der Mensch? Giebt es so wenig gute Menschen? Spott ist Selbstlob. Origineller Unsinn findet immer seine enthusiastischen Apofteľ: Dummköpfe, denen es schmeichelt, das zu verstehen, was Kluge nicht verstehen. Die Geschmacklosigkeit hat sich zu allen Zeiten den Begriff des Modernen beigelegt; im wesentlichen giebt es aber ebensowenig eine Manches Talent geht verloren, weil es aus dem Staunen über sich nicht herauskommen kann. moderne Kunst, wie eine moderne Natur. Literarisches. Einen Wandkalender auf das Jahr 1897, der sich sowohl durch Eigenartigkeit des Entwurfes, wie durch vortreff liche technische Ausführung auszeichnet, versandte der Berliner Buchdruckereibefizer Otto v. Holten an seine Geschäftsfreunde und an die Presse. Das Figurenmaterial der interessanten Arbeit ift einem mittelalterlichen Kalendarium entnommen, von dem der Prof. Ad. M. Hildebrandt in Berlin eine genaue Kopie besitzt. 4 von dem Blitz geschmolzen werden kann. Danach entspricht die von einem Blitz geleistete Arbeit durchschnittlich 7000 Pferdekräften in einer Sekunde. - Wie entstand das Petroleum? Auf diese Frage sind schon die verschiedensten Antworten erfolgt. Diejenige, welche den meisten Anklang gefunden, besagt, daß die großen Erdölvorräthe an verschiedenen Stellen der Erde nicht, wie die Braun- und Steintohle, pflanzlichen, sondern thierischen Ursprungs sind. Aus irgend einem Grunde starben große Mengen von Säugethieren, Vögeln und namentlich Fischen in einer ziemlich abgegrenzten Meeresbucht, und im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich aus dem Seewaffer und den in den verwesenden Thierleibern vorhandenen großen Kohlenmengen jene Roblenwasserstoffe, die wir heute als Naphta, Erdöl, auch als Naturgas kennen. Untlar ivar bis jett, welche Ursache dieses maffenhafte Absterben der Meeresbewohner herbeiführen fonnte. Eine neuere Beob Raspischen Meer befindet sich der Karabugasbusen, der, früher achtung scheint auch hierüber Licht zu verschaffen. eine Art Binnensee bildend, erst jetzt wieder durch einen schmalen Kanal mit dem Kaspischen Meer direkt verbunden ist. Früher nun batte der Binnensee weder Zu- noch Abfluß, und da das nie erneuerte Waffer beständig verdunftete, so wurde es schließlich sozitsagen zu einer Salzlauge eingedickt, und die Thiere, die jetzt durch die inzwischen entstandene natürliche Verbindung aus dem Kaspischen Meer in den Karabugasbusen gelangen, müssen in dessen übermäßig salzhaltigem Waffer sterben, sie sinken zu Boden, und hier bildet sich ein neues Petroleumlager der Zukunft, Wahrscheinlich ist es, daß auch die jetzigen Erdölstellen in gleicher Weise entstanden sind, indem Meereslagunen durch Verdunsten des Wassers sehr salzhaltig wurden, wodurch, wenn das nagende Meer sich einen Weg zu ihnen gebahnt hatte, die mit dem Meer hereinkommenden Thiere vergiftet wurden. " Humoristisches. -Sophia". Tausend Rezepte für Küche und Haus, Gesundheits- und Körperpflege. Berlin 1897, Verlag von Franz Lipperheide. Ein nicht ganz unbeträchtlicher Theil vom Inhalt des handlichen und geschmackvollen Büchleins dürfte für unsere Leserinnen nur einen problematischen Werth haben, da sie Der Bürgermeister auf der Schau". Ein reichs. faum in die Lage kommen werden, ihre Gatten z. B. mit Ananas- ländisches Blatt erzählt: Der Ziegenbockhalter der Gemeinde... Grême in Marzipan- Croustade zu ergögen. Mit gutem Nutzen sind sah sich genöthigt, den dringenden Wunsch zahlreicher Ziegenaber außer manchen gewöhnlicheren Küchenrezepten die in den Ab- befizer zu erfüllen, sich einen neuen Bock anzuschaffen. Ein wahres schnitten Haus" und" Gesundheits- und Körperpflege" gegebenen Brachtstück in seiner Art war es, das er nun faufte. Jedermann Rathschläge anzuwenden. Für alle möglichen Fälle finden sich da wollte ihn sehen, was dem Besizer viel Zeit und Umstände machte. Auskunftsertheilungen. Er fiel daher auf den flugen Gedanken, den schönen Bock Die, Leichenkammer" des Théâtre Français auf die Schau" zu führen. Auf ein großes Papier fezte ist um die Jahreswende wieder einmal geräumt worden. Bei der er nun in möglichst großen Buchstaben folgendes: Zuwissen ersten Bühne Frankreichs laufen alljährlich eine große Menge allen Burgern unserer Gemain, main Bock will sich den Theaterstücke ein. Wird nun eines dieser Stücke vom Lesekomitee Leiten zeichen, und wird gehn durch die Straß morgen zurückgewiesen, so erhält der Verfasser ein Schreiben, in dem er Uhr. Buwissen er ist ein figlich Stückvieh, sol ihn niemand anrüren höflich aufgefordert wird, sein Manuskript wieder abzuholen. Von oder heten." Stolz ob seiner Fertigkeit im Schreiben, trägt unser zehn Autoren holen aber neun ihre Arbeiten nicht wieder ab. Zuerst Bauer den Zettel, nachdem er ihn auf der Rückseite tüchtig mit bewahrte man die zurückgewiesenen Stücke in dem Bibliothekzimmer Leim bestrichen, zum Wirth, an deffen Haus derselbe angeklebt des Theaters auf. Im Laufe der Jahre schwoll die Zahl dieser Manuskripte so hoch, daß man ihnen ein besonderes Zimmer, die fogenannte„ Leichenkammer", einräumen mußte. Jetzt scheint auch diese zu klein geworden zu sein. Vor einiger Zeit machte die Direktion des Theaters befannt: Die Manuskripte, die bis zu dem und dem Tage nicht abgeholt sind, werden verbrannt. Wie viel Arbeit und Mühe, Schweiß und Gehirnschmalz ist da in Rauch aufgegangen! Geographisches. Rannten die alten Chinesen Amerita? Seit früher Zeit, seit der Dynastie der Kaiser aus dem Hause" Thfi", wird in der chinesischen Literatur ein Land Fu- Sang" genannt, von dem man bisher nur wußte, daß es östlich vom asiatischen Festlande liegen sollte. In neuerer Zeit hat ein französischer Forscher die Ansicht geäußert, dieses Fu- Sang sei eine Bezeichnung für Amerika gewesen, so daß also die Chinesen bereits viele Jahre vor uns den neuen Welttheil gekannt hätten. Kürzlich nun ist dieser Ansicht von berufener Seite widersprochen worden. Gustav Schlegel, Profeffor der chinesischen Sprache in Leiden, hat die chinesischen Texte und auch eine chinesische Karte des Oftmeeres untersucht und danach festgestellt, daß das Land Fu- Sang westlich vom Kuro- Shiwo, bem großen warmen Meeresftrome, welcher von der Ostküste von Japan nach Kalifornien hin verläuft, gelegen, war. Danach ist es unmöglich, daß das Land eine Bezeichnung für Amerika gewesen sein sollte. Auch Cordier, einer der ersten Kenner der alten chinesischen Geographie, hat sich der Ansicht Schlegel's angeschlossen. Trotzdem wird feineswegs bestritten, daß die Chinesen eine Renntnis von der Eristenz Amerika's thatsächlich besessen haben, es wäre auch eigentlich nur wunderbar, wenn das anders wäre, da die äquatorialen Meeresströmungen heute alljährlich chinesische Dschunken an die Westküste Amerika's treiben. Auch finden sich unter den amerikanischen Völkern zahlreiche Spuren, welche auf eine chinesische Berührung schließen laffen. Der Zeitpunkt der ersten Entdeckung Amerika's durch eines der Völker der alten Welt rückt also immer weiter in das Alterthum zurück und läßt sich wärtig noch nicht bestimmen. Naturwissenschaftliches. gegen neun werden sollte, und läßt sich einen Schoppen geben, um sich von feiner Arbeit zu erholen. Das Papier legt er inzwischen fein säuberlich auf die Bank. Kaum hatte er dies gethan, da sieht er den Herrn Bürgermeister herbeikommen, mit dem er auf Kriegsfuß steht. Flugs packt er seinen Schoppen und flüchtet damit in die Hinterſtube. Der Herr Bürgermeister tritt gravitätisch ein, läßt sich ohne weiteres auf die Bank nieder und verlangt ein Gläschen „ Rothen". Ueber dem„ Rothen" diskutirt er eifrig über die Kreistagswahlen, die nicht nach seinem Geschmack ausgefallen sind. Endlich erhebt er sich, merkt aber nicht, daß auf seiner Hinterfassade das mit so vieler Mühe fabrizirte Plakat prangt. Feierlich schreitet er seiner Wohnung zu, die am andern Ende des Dorfes liegt, vorbei an dem tief grüßenden Gemeindediener. Die Leute bleiben topfschüttelnd stehen, eine Anzahl Jungens treiben sich nahe hinter dem Gemeinde- Oberhaupt her und studiren den Zettel. Beim Eintritt in die Stube erst wird die Frau Bürgermeister den schmählichen Fleck gewahr. D Jesses, Güstel, wia tummscht denn Dü dohare!" Nicht allzu zärtlich wird der Gemeindediener angefahren:„ Warum haben Sie den Zettel mir nicht abgenommen, Sie. Ja," erwiderte dieser erschrocken:„ Es stand ja darauf: Niemand soll ihn anrühren oder hetzen." " be= - Von einem Bayer, der Salz und Brot aß, damit ihm der Trunk schmecken sollte, erzählt Jörg Wickram's im Jahre 1555 zum ersten Mal gedrucktes Einmal fuhr ein mächtig Schiff auf Rollwagenbüchlein": dem Meer, mit großem Gut und Kaufmannsschatz laden. Es begab sich, daß ein großer Unfall und Sturm an sie tam, also daß sich männiglich gefaßt machte, zu sterben und zu ers trinken. Auf dem Schiff war ein grober Bayer; als er von allen hörte, daß sie sich darauf gefaßt gemacht, zu verfinken und zu ers trinken, ging er über feinen ledernen Sad, nahm daraus eine gute, große Schnitte Brot, rieb ein gut Theil Salz darauf, hub an und aß das ganz gemüthlich in sich hinein, indem er andere Leute beten ließ und Gott und seine Heiligen anrufen. Als nun zuletzt der fragten sie den Bayer, was er mit seiner Weise gemeint hätte. Der Sturm verging und alles Volk auf dem Schiff wieder zur Ruhe kam, gute Bayer gab auf ihre Fragen Antwort und sagte:" Dieweil ich von Euch allen hörte, wie wir untergehen und gar ertrinken sollten, aß ich Salz und Brot, damit mir ein solcher großer Trunk auch schmecken möchte." Die Arbeit eines Blisstrahles fann in der Weise gemeffen werden, daß man bestimmt, eine wie große Menge Eisen Berantwortlicher Redakteur: Angust Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.