Ur. 182. AbomiemtNis-Kedtngungcn: »«Prel» pränumerando: vierleljährl. 3,30 Ml,, monatl, l.lvM!., wöchenllich 2S Pfg.>ret WZ Hau». Einzelne Nummer s Plg. Sonnlagt- Nummer mtl tllustrierier Eounlagt- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Singelragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für Ivso unter Ztr. 7080. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. 1«. Jahrs. Erscheint täglich»uljer Montag». Vevltnev VolksdlAkt. ■S/"- SU InftrtioilS'Vedühr beträgt für die sechtgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Aiiscigen" jede» Wort 5 Psg. snur das erste Work fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derErpsdition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» ö Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Dr. 1200, Telegramm-Adresse: „Sorialdrmokrat verlin" Centraiorgan der sorialdemokratischen Partei Deutschtands. Lrdalttion: LW. 19, Veulsz-Skrcche 2. Sonntag, den 6. Angnst Expedition: 3�. 19. Ventlt-Skrahe 3. Zttm kommunalen Wahlrecht. Tie Berliner Stadtverordneten-Versanimlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung abermals mit der Frage zu be schäftigen haben: sind Schlafburschen, die die sonstigen Er sordernisse des§ 5 der Städtc-Ordnung erfüllen, wahlberechtigt? Diese Frage ist früher von dem Magistrat und der Stadt verordneten Versammlung unter Berufung auf eine angeblich in diesem Sinne von dem Obcr-Verwaltungsgericht getroffene Entscheidung vom 8. Oktober 1886 verneint worden. Sehr niit Unrecht: weder die erwähnte noch irgend eine Ent scheidung des Ober-Vcrwaltungsgerichts besagt, daß Schlaf burscheu, weil sie Schlafburschen sind, das konimunale Wahl recht nicht besitzen; eine dahingehende Entscheidung wäre auch mit dem Gesetz selbst unvereinbar. Wie ist die Rechtslage? Nach§ 5 der Städte-Ordnung vom 3». Mai 1823 ist jeder „s e l b st ä n d i g e Preuße" kommunalwahlberechtigt, der seit einem Jahre 1. Einwohner des Stadtbezirks ist, 2. keine Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln empfangen, 3. die ihn betreffenden Gemeinde- Abgaben gezahlt hat und ferner entweder: ein Wohnhaus im Stadtbezirk besitzt oder ein stehendes Gewerbe als Haupterwerbsquellc betreibt oder zur klassifizierten Einkommensteuer veranlagt ist, oder an Klassen steuer einen Jahresbetrag von mindestens 4 Thalern ent richtet. Durch das Gesetz vom 23 Mai 1873 ist der Betrag von 4 Thalern auf 2 Thaler herabgesetzt, durch das Einkommen steuer-Gesetz vom 24. Juni 1891 ist an Stelle des Klassensteuer satzes endlich die Einschätzung zu 660 bis 900 M. getreten. Es entsteht nun die Frage: wer istselbständiger Preuße? Das Gesetz selbst antwortet hierauf:„als selbständig wird nach vollendetem 24. Lebensjahre ein jeder betrachtet, der einen eigenenHausstand hat, sofern ihm nicht das Verfügungsrecht über sein Vermögen oder dessen Verwaltung durch richterliche Erkenntnis entzogen ist." Diese Definition löst nickt die Zweifel, sondern vermehrt sie. Denn was ist „ein eigener Hausstand?" Soll danach nur ein Verheirateter. nur ein mit Kindern gesegnetes Familienoberhaupt, nur ein Inhaber eines eigenen Herdes, nur der Inhaber einer eigenen Wohnung oder auch Inhaber cincS -möblierten Zimmers und ein Schlafbursche„selbständig" sein? Bezieht sich„selbständig" auf die Familienqualität, auf die Jnhabung einer Wohnung oder auf die wirschaftliche Selbst ständigkeit? Die Praxis der Berliner Stadtkollegicn nehmen in vermeintlicher Anlehnung an die angezogene Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichts an,„selbständig" sei nur, wer über einen Wohnraum als Eigentümer, Mieter oder Ehambre garnist verfügen könne, nicht aber ein Schlafbursche. Tu erwähnte Entscheidung besagt dies aber keineswegs und hätte dies auch nicht ohne Verletzung des Gesetzes besagen können. Die Entscheidung spricht in einem Fall, in dem ein Bürger rechtsgeld-Drückeberger seine Steuerfreiheit daraus ableiten wollte, daß er nicht wahlberechtigt und daher nicht bürgcr rechtsgeldverpflichtet sei, da er nur eine Ehambre- garnie Wohnung habe, mit Recht aus, daß auch der Ehambregarnist einen eigenen Hausstand noch iin Sinne der Städte-Ordnung hat. Aber darüber, ob auch ein Schlafbursche einen eigenen Hausstand habe, spricht die Entscheidung sich nicht aus. Mit Unrecht beruft sich daher der Magistrat für die Wahlentrechtung der Schlafburschen auf diese Entscheidung. Was ist„eigener Hausstand" im Sinne der Städte Ordnung? Bei Beratung der Städte-Ordnung stellte der Abg. Dcgenkolb den Antrag, statt„der einen eigenen Haus stand hat" zu setzen:„der keinem fremden Hausstand an gehört", der nur deshalb abgelehnt wurde, weil er nichts iveiter als die jetzigen Gcfctzcsworte besage und nicht deutlicher sei. Die jetzige Fassung cutstammt der Gemeindc-Ordnung vom 1l. März 1830. Damals hatte der Rcgierungscntwurf die Wahlberechtigung von keinem Census abhängig gemacht, aber die„Selbständigkeit" des Wählers verlangt. Die erste Kämmer stellte das Erfordernis eines Census. Dadurch er- übrigte sich das Erfordernis der Selbständigkeit. Aber der StaatSminister von Manteuffel erklärte, daß er auf die Bei- behalütug des Erfordernisses der Selbständigkeit Wert lege, damit nur solchen ein Wahlrecht zustehe, die„ein wahres, durch ihr eigenes Verhältnis bedingtes höheres Interesse an der Sache haben(Sten. Ber. S. 2619). Es sei allerdings schwierig, eine durchgreifende Definition des Wortes„selbständig" zu finden. „Es bleibt aber," führte der Minister ans,„nichts übrig, als diese Begriffsbestimmung auch an ein äußeres Kriterium an- zuschließen und in dieser Beziehung gicbt der Betrag, den jemand als Steuer entrichtet. > neu Anhalt. Ich glaube, die Kommission der ersten Kammer hat sich nicht geirrt, wenn sie annahm, daß der aller- niedrigste Steuersatz die Vermutung begründet, daß der, lvelcher ihn zahlt, sich in der vollen Selbständigkeit befindet, die erforderlich ist, um an dem aktiven Wahlrecht teilzunehmen." Wahlberechtigt dürfen nur sein:„wer auf eigenen Füßen steht." Die zweite Kammer nahm daraufhin gleichfalls die Einführung eines Census an. Nun sprachen sich eine Reihe Abgeordneter(Graf von Villers, Wülffing, von Scckcndorff, Beseler, Reichcnspergcr) dafiir aus, daß die Bestimmung in Wegfall komme, doch zur Selbständigkeit ein eigener Haushalt gehöre. Diese Bestinlnmng, durch die Einführung deö Census überflüssig ge- worden, sei überdies außerordentlich unklar und schaffe die Gefahr, daß selbst Chambregarnisten wie z. B. Alexander von Humboldt das Wahlrecht entzogen werde. Es sei durch- aus unzulässig, einem eigenen Herd,„der Küche, einen politischen Charakter oder einen politischen Wert beizumessen." Im Laufe der Diskussion äußerte der 3lbg. von Seckendorff: „Dem geehrten Abgeordneten ist bereits entgegnet ivorden, daß ein Schlafbursche, der Steuern bezahlt und alle-übrige» Bestimmungen des Z4 erfüllt, ebenso s e l b st ä n d i g in j c d e r B e d e u t n n g des W o r t e s ist. auch niit Recht an den Gcmciiidcivahlcn teilnehmen darf." Und der Minister von Manteuffel führte wörtlich aus (S. 2624, 2625 stcuogr. Ber.).: „Der Begriff eines Hansstandes knüpft sich, wie ich glaube, nicht wohl an die Küche. Wenigstens ist man bei Handhabung des Klassenstciier-- Gesetzes sehr wohl ini stände gewesen, den Begriff eines Hausstandes zu definieren. Man hat eine große Kategorie von Leuten, welche nicht einen eigenen Herd haben, dennoch zu einer Hnushaltnngs-Stcncrstiffe herangezogen, und zwar mit Recht. Und so wie man die Uiiterschcidimg da gefunden habe, so glaube ich, wird man sie auch bei Handhabung der Gemeiiide-Ordniing finden können. Daß solche Leute, die in Schlaf st elle liegen, durch die Bestimmung der 300 Thalcr Einkommen anSgeschlossen sind, möchte ich bestreiten. Ich glaube, daß es in Berlin eine sehr große An- zahl von Leuten giebt, die mehr als 300 Thalcr jähr- lich haben und dennoch' in Schlafstelle sich befinden." Die Folge dieser Interpretation des„Hausstandes" war, daß der auf Streichung solcher Voraussetzung gerichtete Antrag mit 136 gegen 120 Stimmen fiel. Diese Entstehungsgeschichte des§ 3 der Städteordnuiig zeigt klar, daß die Behauptung, Schlafburschen seien, weil sie nicht über ein Zimmer selbständig verfügen können, nicht wahlberechtigt, unhaltbar ist. Zu demselben Resultat zwingt der Wortlaut des§ 5 und die Tendenz des gesamten Gesetzes. Es sollte nur derjenige wahlberechtigt sein, der bestimmte ökonomische Voraussetzungen erfüllte nnd überdies selbständig ist, das heißt: seinen Unterhalt ohne fremde Beihilfe selbständig bestreitet. Es bedeutet einen Eingriff in das Wahlrecht, wenn der Magistrat oder die Stadtverordneten den Schlafburschen das Wahlrecht entziehen, weil sie Schlafburschen sind. Am kommenden Donnerstag wird sich zeigen, ob die Stadtverordneten- Versammlung noch so viel„Selbständigkeit" besitzt, um den Eingriffen in die kümmerlichen Rechte der Selbst Verwaltung aller Bürger durch ungerechte und willkürliche Einengung des Wahlrechts entgegenzutreten. politische Aebevfichk. Berlin, den 5. August. Liegt das Zuchthauögcsctz im Interesse des deutsche» Unternehmertums? Diese Frage ist, so schreibt man uns, in den Diskussionen über das Gesetz zum Schutze der„Arbeitswilligen" viel zu stiefmütterlich bisher behandelt worden. Auch die Unternehmer, welche bemüht sind, niedrige Löhne der in den eigenen Betrieben thätigen Arbeiter mit allen Mitteln zu erhalten, haben ein lebhaftes Interesse an einer allgemeinen Steigerung der Lohnhöhe; die Arbeiter bilden für die überwiegende Mehrzahl der Produkte die größte Anzahl von Konsumenten, ihre erhöhte Lebenshaltung steigert somit die Nachfrage nach Produkten, schafft so die Möglichkeit einer Ausdehnung der Produktion und da mit gesteigerte Gewinne für die Unternehmerklasse. Deshalb muß ein Gesetz, daß die Erkämpfung höherer Löhne und die Abwehr geplanter Lohnverminderungen verhindern soll, das Unternehmertum in seinen eigensten Interessen schädigen, bedeutet es doch ein Unterbinden des Absatzes. Würde das uchthausgcsetz angenommen werden und die von seinen intern und Gevattern ersehnten Wirkungen zeitigen, so würden viele Unternehmer bald zur Einsicht gelangen, daß sie sich niit ihrer Zustimnmng zu diesem Ilntcrnehmerfchutz Gesetz stark ins eigene Fleisch geschnitten haben. Nichts liegt nun näher wie die Frage, wannn eine so einfache Argumentation von den Unternehmern und den- jenigen, die für sie zu denken haben, ihren Redacteurcn, Generalsekretären und anderen litterarischen Kommis, nicht auch gemacht wird. Die Erlärung liegt vor allein in dem Umstände, daß die rasche Entwicklung unseres Exportes die Chefs unserer Industrie berauscht hat. daß sie alles nnt Rück- icht auf die Exportentwicklung beurteilen und so zu einer verhängnisvollen Unterschätzung des einheimischen Konsums gckomnicn sind,— ein Beweis trauriger Kurzsichtigkeit, da der inländische Konsum, von vereinzelten Ausnahmen etwa abgesehen, die Bedeutung der Ausfuhr gewaltig überwiegt. Diese Ucberschätznng des Exports birgt auch eine chwerc Krisengefahr in sich; ist doch die Ausdehnung des Exports bei dem allgemeinen Wettbewerb auf dem Weltmarkte nicht so ausdehnungssähig wie der in- ländische Verbrauch, der bei der leider noch sehr niedrigen Lebenshaltung der Arbeiterklasse innerhalb der eigenen Grenzen außerordentlich steigerungsfähig ist. Während die Niederhaltung der Arbeiterklasse schon in ihrer Wirkung auf die Konsumkraft der eigenen Bevölkerung knlwrschädlich und wegen der einseitigen Spekulation auf den Weltmarkt Gc- ahren aller Art mit sich bringt, wäre eine allgemeine Stei- gerung der Lebenshaltung der Arbeiterklasse, die durch eine gesunde Socialpolitik, vor allem gurch die Einräumung völlig unbeschränkter Koalitionsfreiheit, sehr gefördert werden könnte, ein direkter Vorteil für das gesamte Unternehmertum wie für die Arbeiterklasse; eine Politik dieser Art wäre ein kultur- fördernder Faktor ersten Ranges, sie wäre in der That „nationale Wirtschaftspolitik" I Die Unternehmer sehen in Deutschland in der Arbeiter- klaffe nur einen die Produktionskosten steigernden Faktor, erkennen aber nicht ihre Bedeutung als Konsumeutenmasse, die die Produktion durch ihre ständige Nachfrage nach Ware» im Gange zu halten hat. Die Trennung des Unternehmer'- tums von der Konsumentenniasse durch eine Unzahl von Zwischenpersonen, wie Großhändler, Agenten aller Art, Tctailhändler rc., die eine der charakteristischen Er- scheinungen des modernen Wirtschaftsprozesses ist, macht das Unternehmertum blind für seine eigensten Interessen. Endlich muß auch darauf hingewiesen werden, daß die encrgischtcn Befürworter der Zuchthausvorlage, die rheinisch- westfälischen Eisen- und Kohleubarone und die Unternehmer im Baugewerbe, mit den Arbeitern als Konsumenten über- Haupt oder bloß ganz indirekt zu rechnen haben und daß der kolossale Aufschwung unserer Produktion die Unternehmer vergessen läßt, daß auf die fetten Jahre auch die mageren folgen werden. Erwägt man aber alle Umstände in Ruhe und rein vom wirtschaftlichen Standpunkte, dann muß man sich sagen, daß eine kurzsichtigere Unternchmcrpolitik als die der Scharf- machcr überhaupt nicht ausgedacht werden kann. Es fehlt' auch in Deutschland nicht an einsichtigen Unternehmern, die dies einsehen, die anscheinend widerspruchsvolle Haltung der natioualliberalen Partei ist ja ein Beweis für die Nichtigkeit unserer Auffassung, aber die lautesten und einflußreichsten Vertreter der deutschen Großindustrie sind als Exportfanatiker Befürworter einer Knebelung der deutschen Arbeiterklasse. Danüt bei dieser Tragödie auch das Satirspiel nicht fehle, beteuern sie, daß sie die wahrhaft nationäten Poli-' tikcr sind. In Wahrheit schädigen sie nicht nur das Ansehen des deutschen Volkes, sondern sie verbauen sich selbst die Möglichkeit einer gesunden und dauernden Fortentwicklung unserer Produktion. Wenn sie zur Einsicht gekommen sein werden, dann wird es zu spät sein.— Aus der diplomatischen Dnukelkammcr. Delcassss, des französischen Ministers des Acußeren Reise nach Rußland beschäftigt angelegentlich die Presse.„Steele" hatte angekündigt, die Fahrt sei von größter politischer Be- deutung. Besonders fällt die merkwürdige Begrüßung auf, welche die offiziöse„Nolvoje Wremja" dem französischen Minister widniet. Das russische Blatt nieint, seit das Ministerium Waldeck» Nousscaii zur Rcgicrniiq gelangt fei, habe sich manches er« eignet, ivaS die Abgabe von mündlichen Erklärungen äußerst wünschenswert mache. Das Blatt begreift vollständig, daß Deleassö am Vorabend deö seusationcllcu Prozesses die Notwendigkeit empfindet, in Petersburg Erklärungen abzugeben undmemt, die vom„Siäcle" betonte Bedeutung der Reise sei in gewissem Sinne ein« scitig. Herrn Deleassö erwarte selbstverständlich ein fijui« pathischcr Empfang, jedoch werde die Reise schwerlich irgend etwas anderes veranlasfeii, als die sclbstdcrstäudlichc Anfmcrk- famkeit für solchen Gast mit sich bringe. Für Rußland würde es ohne ernstliche» Belang sein, wenn der französische Minister noch einige Zeit mit der Erwiderung des Besuches deö Grafen Murawjew gezögert hätte und zur Zeit auf feinem Posten verblieben wäre, sei es auch nur. um einige seiner, mit Rußland wenig bekannten Kollegen auf die Lügenhaftigkeit gewisser Gerüchte auf« merksam zu machen, von der Art derjenigen, welche Deleassö kürz- lich nach Meldungen der„Agcnce Havas" widerlegt habe. Das klingt ebenso geheimnisvoll wie unfreundlich. Es läßt darauf schließen, daß irgend etwas am russischen Hofe sich verändert hat. Die„Times" haben eine sensationelle Lösung des Rätsels zur Verfügung. Der Zar habe es satt zu regieren und wolle abdanke». Deleassö reise nach Petersburg, um Väterchen von dem Gedanken abzubringen. Dazu dürfte denn doch der Minister nicht der rechte Mann sein. Ist es wahr, daß der Zar— aus irgend welchen! Grunde— nicht mehr regiert, so würde die Reise Dclcassös höchstens den Zweck haben können, mit den neuen Herren zu unterhandeln. Wenn der Geschäftsinhaber wechselt, drängen sich die Reisenden mit ihren Offerten. Von Petersburg wird die ganze Times- Meldung als Erfindung bezeichnet— womit ebenso wenig etwas bewiesen ist. wie mit der Behauptung des englischen Blattes. Der Entschluß zur Reise Delcassös soll ganz plötzlich er- 'olgt sein. Ein Diplomat der Wiener„Neuen Freien Presse" hat ausfindig gemacht, Deleassö wolle den Grafen Murawjew interpellieren und seine Meinung einholen über die Vorschläge des Fürsten Hohenlohe, die dieser bei seiner Anwesenheit in Paris der französischen Regierung betreffs einer deutsch-französischen Annäherung gemacht habe. Man glaubt, daß auch Oestreich-Ungarn der Sache nicht ganz 'ern steht. So schwirren die Gerüchte, und die Geheimniskrämer und Entenzüchter haben gute Tage. KoilfiSkaiiotM«. Man toi 6t uns aus Sien: . Wenn man jetzt eine halbwegs radikale Zeitung zur Hand tunimt, so hat man ein merkivürdiges Bild vor sich: Weite Stellen, ja gau,',e Spalten sind leer»nd auf der weißen Flache steht nur das eine Wort: KonfiS eiert! An einem einzige» Tage hat das Amtsblatt C8 gerichtliche Erkenntnisse über Berbote von Zei- tungen veröffeittlicht; selbst die kleinsten und harmlosesten Wochen« und Fachblätter werden jetzt beschlagnahmt. Ein solches Anschwellen der 5koufiskationen ist in Oestreich das untrügliche Zeichen eines MinisterstnrzeS; je kritischer der Zu- stand einer Regierung wird, desto kritischer und nervöser werden ihre Staatsanwälte. Die östreichische Preßfreiheit ist überhaupt ein eigentümliches Ding; wir haben nur scheinbar keine Zensur mehr, in Wirklichkeit stehen die Zeitungen noch wie im Bormärz unter der Fuchtel des Zensorenwillen. Nach österreichischem Recht können nämlich Druckschriften, periodische und»ichtperiodische, wegen je o.z Delikts konfiseiert werden. Die Beschlag- nähme ist nicht an einige, besonders schwere strafbare Handlungen gebunden, sondern sie kann selbst wegen Dinge ausgesprochen werden, auf die eine kleine Geldstrafe gesetzt ist. Da das öst- reichische �Strafgesetz in seinem politischen Teile vollständig veraltet ist— stammt es doch aus de», Jahre 1803— »mb die_ Zeitungen zur Hinterlegung von Pflichtexemplaren an so ziemlich alle Behörden verpflichtet sind, kann praktisch genommen der Staatsanwalt in jeder Zeitung das konfiscieren, was e'' will, und jede etwas oppositionelle Zeitung unterdrücken, wie oft er will. Das eigentlich Groteske an diesen' Konfiskationen gt aber, daß sie sonst keine weiteren Folgen haben. Wen» nämlich die Beschlagnahme vollzogen ist. setzt das sogenannte objektive B erfahren ein. Der Staatsanwalt unterbreitet nämlich dem Gerichte den Autrag, daß eS erkenne, es sei in der Druckschrift dieser oder jener strafbare„Inhalt" enthalten und die Druckschrist werde deshalb verboten. Das Gericht giebt dem Antrag Folge und damit ist der Prozeß zu Ende. Gegen daL objektive Erkenntnis— so genannt, weil es nur das Objekt, die Zeitung, tristt— giebt es wohl ein Einspruchsverfahren, aber die Aufhebung einer Beschlag- nähme gehört zu den größten Seltenheiten. Das ist auch ganz natürlich, denn tven» es das Gericht nicht mit Bt e» s ch e n zu thnn bat, sondern lediglich einen gleichsam theoretischen Ausspruch fällt, so verliert es jedes Verantlvortlichkeitsgefühl. Dazu kommt noch, daß von der gerichtlichen Entscheidung die Schadenöersatzpflicht des Staates abhängt— wird die Konfiskation aufgehoben, so muß der Staat der Zeitung sämtliche Kosten ersetzen und die betragen leicht- hin mehrere hundert Gulden—: es ist also nur natürlich, daß sich das Gericht fast durchgängig auf die Seite der Staatsanivälte stellt. Riem als findet aber eine Verfolg ung des Thäters st a t t. Preßdelikte gehören nämlich in Oestreich zur Kompetenz der Schwurgerichte, und bei dem Haß, der jeden Oestreicher gegen sein sogenanntes Vaterland beseelt, ist an eine Verurteilung wegen politischer Delikte vor Geschworenen absolut nicht zu denken. DcS- halb kann man sich in Oestreich ohne jede Sorge als Verfasser einer Druckschrift bekennen, in der nach gerichtlicher Entscheidung die schwersten Verbrechen, auf denen Strafen von fünf bis zehn Jahren schweren Kerkers stehen, begangen worden sind; es passiert einem nicht das geringste. Wenn die„Arb.-Ztg." konfiseiert wird, so wird dem Gerichte ausnahmslos der Verfasser bekanntgegeben— obwohl das gar nicht notwendig ist—, aber seit Jahren hat der Staatsanivalt, seine formale Preßklage abgerechnet, zu einer subjektiven Verfolgung nicht die Eonrage gefunden. Wie man sieht, ist es in Oestreich absolut ungefährlich,„Ver- brechen" durch die Presse zu begehen. Man steht eben unter Censur, nur daß man nicht vor der Druck- legung um Bewilligung ersuchen muß. sondern nach dem Drucke konfiseiert wird. An Würde, innerer Kraft und sittlichem Emst gewinnt die Presse bei dieser Polizei« lichen Kontrolle, unter der sie wie die Prostitution steht, allerdings nicht; die Waschlappigleit ans der einen und Demagogie der öftreichischen Journalistik aus der andern Seite ist vorzugsweise dem Umstände geschuldet, daß hier kein Mensch ver- antworten muß, waS er geschrieben. Zudem trifft dieses Shstern die anständigen Blätter materiell sehr hart. Sie sind es, die konfiseiert werden— denn die Schmutz- Blätter sind von Natur aus zahm— und sie sind arme Zeitungen. Da nun die Konfiskation eines Tageblattes auf vier- bis fünfhundert Gu lden zu stehen kommt— muß doch auch für die eingestampften Blätter der Zeitungsstempel bezahlt werden!— so ist das Konto für die politische Anständigkeit, fnr die Konfislationen. bei jedem Oppositionsblatt das höchste. Daß bei diesem System die Kon- fiskationen keine rechtliche Thätigkeit darstellen, sondern einfach politische Verwaltungs Maßregelungen sind, ist ein- leuchtend. Die Regierung Thun läßt.nun einfach über ihre saubere Wirtschaft die Kritik unterdrücken, weil sie ihr unbequem ist. Die Gesetze ermöglichen in Oestreich jede Tyrannei; man erträgt sie nur, weil deren Handhabung in ruhigen Zeiten durch Schlamperei ge- mildert wird.— «» m Deutsches Zieich. Die ernsteste Beachtung verdient eine Rechtsauffassung, die, wenn man dem neuesten Bericht der rheinisch» westfälischen Hütten« und Walzwerks- BenifSgenoffen« schaff Glauben schenken darf, neuerdings beim ReichS-Ver« sicherungSamt zur Geltung kommt. Es wird darin betont, »Ivie die Berufsgenossenschaften in der Durchführung der Unfall« verhütungL-Vorschriften eine recht wirksame Unterstützung dadurch erhalten hätten, daß baS RetchS-Verfichernngsamt Reuten- anspriiche abgelehnt habe, sobald sich der Verletzte durch sei» Verhalten«nd durch Nichtbeachtung der UnfallverhiitungS« Vorschriften„außerhalb deS Betriebes" gesetzt oder fich iu eine„selbstgeschaffene Gefahr" begeben habe. Ist diese Darstellung richtig— unS sind Fälle dieser Art bis jetzt nicht bekannt geworden— dann hätten wir eS hier mit einer durchaus willkürlichen Konstruktion zu thun, die im Wortlaute deS Gesetze» nicht die geringste Begründung findet, seinem Geiste völlig widerspricht und die geeignet ist, den geringe» Vorteil deS gegenwärtigen gesetzlichen Zustande» gegenüber dem früheren vollends wegzuinterpretieren, den nämlich, daß die Frage der Berschuldnüg für die Entschädigung von Unfällen ohne Einfluß ist. Nach dem alten Hastpflichtgesetze spielte die Verschuldungsfrage eine Rolle, das bestehende Unfallversicherungs-Gesetz weiß nichts von einer Verschuldung, lediglich absichtliche Selbstverletzung ist zu berücksichtigen und in diesem Falle die Entschädigung ausgeschlossen. Es muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß man nicht einmal mehr von einer, wenn auch noch so gezwungenen Auslegung de» Gesetzes reden könnte, sondern daß es geradezu ein neues Gesetz schaffen hieße, wenn das ReichS-Versicherungsamt so entschieden hätte; deshalb können wir es auch noch nicht als ganz so sicher annehmen. Dem reaktionären Scharfmachertume ffeilich ist so etwas, sofern eS nur den Rechten der Arbeiter Abbruch thut, gerade recht und Herr Schweinburg nennt da» einen ganz korrekten Standpunkt. was in Wirklichkeit die zimi Gesetze erhobene Willkür bedeutete. Verhält eS sich so, wie der Bericht der Benifsgenossen- schaff mitteilt, und sollte das Grundsatz der Rechtsprechung des Reich»- VersicherungSamtes werden, dann lväre e» dringend nötig, hier einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben.— Die Censur„befriedigend" stellt die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in einem offiziösen Gerede dem Haager Diplomaten« Kaffee-Klatsch aus. Von Bedeutung in dem Artikel ist, daß unumwunden anerkamtt wird, daß SchiedSaerichte für die deutsche Regierung— Lust seien. Das permanente Bureau sei mir zur Erledigung von Formalitäten da, die Festsetzungen trügen nur einen fakultativen Charakter, kein Staat sei gezwungen, sich der Einrichtung zu bedienen: „Die Arbitragekonvention wird bei be s o» n e n e r und maßvoller Anwendung in manchen Fällen Gutes zu stiften im stände sein, tuen» ihre Wirkung auch bei großen Lebensfragen der Völker in der Regel versagen wiro. Es wird eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe der Regierungen sein, darüber zu wachen, daß die über VerMittelung und Arbitrage neu ge- schaffene» Bestimmungen nicht durch mißbräuchliche Anwendung gerade die Gefahren' heraufbeschwören, welche sie zu bannen be- stimmt sind." Das offiziöse Blatt ist also deshalb mit der Konferenz zufrieden, weil sie— nichts erreicht hat. Ganz besonders verdienstvoll findet eS das Organ der Berliner Regierung, daß der Kongreß.die Un- Möglichkeit einer Abrüstung bewiesen hat: � „Wenn die über die Frage einer Einschränkung der Steigerung der Kriegsrüstnngen, insbesondere zur Herbeifühning eines Stillstandes in der Vervollkommnung der Kriegswaffen gepflogenen Beratungen ohne ein eigentlich positives Ergcbniß geblieben find, so lag dies in der Natur der gegebenen Verhältnisse. Es ist aber als ein nicht geringes Verdienst der Konferenz anzuschlagen, daß durch ihre von ernstein Bemühen erfüllten Erörterungen die Unniöglichkeit klar gelegt gelegt ist, ans diesem Ge- biete zu einschneidenden Vereinbarungen zu gelangen." Mit blusigerem Hohn kann man das FriedeiiS-Manifest des Zaren nicht gut behandeln. Das Verdienst des Kongresses ist die— Widerlegung der Zaren-Botschaft I Diese norddeutsche- allgemeine Würdigung der Veranstaltung steht ganz auf der satirischen Höhe der Entsendung eines Stengel. Die Soeialdeniokratie hat von Anfang an. gegenüber den bügerlichen Ileberschwänglichkeiten. das Fiasko vorausgesagt. Die Welt des Kapitalismus ist«nfähig, Ideale der Vernmift und Humanität z» erfüllen. Der Haager Kongreß ist im wahrsten Sinne die Todeserklärung für den bürgerlichen Idealismus. Die offieiösen Leichenredner über den Haager Kongreß geben sich jetzt nicht einmal mehr die Mühe, den Schern de? Auslandes zu wahre». Sie geben den possenhaften Schwindel zynisch zn. Für Uns bilden hinfort das Zaren-Manifest und die Haager Faree vernichtende Waffen in der Bekämpfung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.—_ Der Kampf um Lippe uiip der langsame Staatsanwalt Vor einiger Zeit berichteten wir, daß dem alten Gothaische» Hofkalender in einem Jahrbuch des hohen Adels plötzlich eine Kon- turrenz geschaffen worden ist. weil eS gegen da« Gewissen der Hof- kalender-Redattion ging, die Kinder des Grafregenten von Lippe zu streichen und damit ihre Ebenbürtigkeit zn leugnen, lieber diese höfische Sittenkomödie berichten nun die„Dresdner Nach- richten"— der König von Sachsen war der Borsitzende des Schieds- gerichts, das zn Gunsten des Aiesterfelders gegen Den Schwager des Kaisers entschied— noch folgende Einzelheiten: „Wen» die Redaktion' des Hofkalenders die Stelle eines am 17. Februar 1898 an sie gerichteten Briefes:„event. werde ich unter meine» Freunden die Herausgabe eines modisieierten genealogischen Taschenbuches anregen", mit dem Erscheinen deS„Jahrbuches des hohen Adels" Mitte Dezember 1898 zusammenhält, so wird sie vielleicht nicht fehlgehen, wenn sie den Schreiber des Briefes, der übrigens im Artikel Lippe des .modisieierten" Jahrbuches des hohen Adels zu finden i st, für den geistigen Urheber de? famosen Mach« Werkes hält. Daß dasselbe ein buchstäblicher Abdruck der beiden ersten Abteilungen des Hofkalenders ist, wurde schon dargelegt. Vielleicht interessiert eS aber, zu erfahren, wie unglaublich naiv der Verfasier des Jahrbuches abgeschrieben hat. Von dem doch «igeiitlid) nicht ganz unbelannten Prinzen Heinrich von Preußen weiß der Verfasser nur das zu melden, was er in semer Vorlage, dem Hoflalcnder für 1898 fand u. s. w. Danach wird niemand sich darüber verwundern, daß das Jahrbuch von den 17 dem Hof- kalender während des Jahres 1898 bekannt gewordenen Geburten nnS der zweiten Abteilung— nicht eine einzige angiebt. Ebenso sind ihm eine Menge November 1897 bis Oktober 1898 geschlossene Ehen und die meisten Todesfälle unbekannt geblieben. Natürlich ist am Anfange dieses Jahres die Klage Weyen Nachdruckes eingereicht tvorden; ob dieselbe von dem betreffenden Staats- a n w a l t in Berlin angenommen worden ist, blieb der Redaktion des Hofkalenders bisher unbekannt." Für uns hat es— abgesehen von dem Einblick in gewisie „höhere" geistige Strömungen I— ein ganz besonderes Interesse, zu erfahren, daß die Gothaische Redaktion zwar ivegen des offenbaren groben Nachdrucks Klage eingereicht hat, daß sie aber bis zum heutigen Tage von der Berliner Staatsanwaltschaft keiner Antwort gewürdigt worden ist. Da hat eS Herr v. Stumm besser. Kaum hatte der.Vorwärts" Ende Februar die Terrorismus-Bricfe Stumm» veröffentlicht, da war der Staatsanwalt sofort bei der Hand: es regnete Haus- snchmigen. Ein paar Monate später hatten wir bereit» die Anklage- schrift wegen Nachdrucks in Händen, obwohl es sich um gar keinen Eingriff in fremdes geistiges Eigentum handelte, vor vier Wochen sind wir von der Anklage freigesprochen worden, und kurz darauf war sogar schon ein Gesetzentwurf fertig, ind em litterarisch- wertlosen Briefen geistiger EigentumSwert willkürlich zuerkannt wurde. Die Gothaische Redaktion wird nachweislich um ihre geistige Arbeit widerrechtlich gebracht— die angerufene Staatsanwaltschaft läßt auch nach einem halbe» Jahr noch nichts von fich hören. Der .Vorwärts" veröffentlicht rechtmäßig ein paar Briefe, eine Anklage wird künstlich konsttuiert und im Galopp das Verfahren abgewickelt. Die Staatsanwaltschaft, die so schnell geistiges Eigentum er- kannte, wo keines vorhanden war, verniag sich anscheinend auch in tiliem halben Jahr noch nicht darüber klar zu werden, ob die mühsame Redaktion eines genealogischen Kalenders geistige Arbeit darstellt.—_ Die �Krcuz-Zeitnug" bemerkt zu unserer gestrigen Kenn- Zeichnung ihrer Rechtsanschauungen:.Clownsprünge und Tobsuchts- anfülle wechseln bei ihmv s k i rief am 28. Juni in der Nähe der Zeche.Friedrich der Große" einem von der Schicht heimkehrenden Kameraden zu!:.Heute hast D u noch eine Schicht gemacht, gehst D n morgen hin. dann be« kommst Du was." Wegen versuchter Nötigung erhielt er neun Monate Gefängnis. Dieselbe Strafe traf den Bergmann Gustav O p a l l a. der»eben versuchter Nötigung sich auch an einem Kameraden, der nicht mitstteiken wollte, thätlich vergriffen hat und deshalb noch der schweren Körperverletzung angeklagt war. Wie nnser Korrespondent erfahren hat, ist es sehr schwer für die Angellagten, Entlastungszeugen aufzutreiben, denn die Leute fürchten, daß sie auch noch in die Prozesse mit verwickelt werden. Von der Zeche.Julia" sind vorigejWoche noch lO�junge Coaksarbeiter.'die in „ungestümer" Weise nachträglich noch Lohnforderungen stellte», gefesselt an das hiesige Landgericht eingeliefert worden. Die Gruben« barone sorgen dafür, daß die Ferieiistrafkammer reiche Ferien- arbeit hat. Die„Herrschast". Welche Unverschämtheiten man sich Dienst« boten gegenüber erlaubt, dafür lieferte eine Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht in Dresden, wie man nnS von dort berichtet. einen Beweis. Die 38 Jahre alte„Haustochter" einer hier wohnenden feinen Familie war wegen E rp r e fsu n g angeklagt, weil sie— die Haustochter führt das" Regiment im Hause— da» Dienstmädchen durch Drohung genötigt haben soll, einen Zettel z» untei schreiben, nach welchem dies« nach Ablauf des von ihr selbst gelündigten Dienstverhältnisses auf den ihr rechtmäßig znstcheudcn Lohn ver- zichtcte. Diese Thatsache tvurde nun bor Gericht auch.erwiesen, nur erachtete das Gericht nicht völlig festgestellt, daß die Unterschrift durch eine Drohung erzielt war. Es schien vielmehr, als ob das Mädchen sie nur gegeben habe, um aus dem Dienst wegzukommen. Es erfolgte daher F r e i s p r e ch.u n g. Zur Sprache kam aber durch eine Reihe Zeugenaussagen die geradezu niederträchtige Behandlung des Dienstmädchens. Es wurde fortwährend mit den gemeinsten Schimpswortcn bedacht, ihm vorgeworfen, daß es im Schweinestall erzogen sei, wohin es gehöre. Die Kost war un- genügend und schlecht. Man verlangte von dem Mädchen, daß es früh zwei bis drei Stunden arbeite, ehe es einen Bissen zu essen bekam, und solcher Dinge mehr. So ist es auch nicht zu vcrlvundern, daß die Dienstboten dieser sauberen.Herrschaft" alle Augenblicke wieder davonlaufen und lieber den Lohn fahren lassen, als zu bleiben. Daß solche Herrschaften dann ein großes Klagelied über den Dienstbotenmangel an- stimmen, ,st sehr begreiflich, hat aber meistens den Grund in solch' unwürdiger Behandlung. Tnrch wen der Kaiser beleidigt werden kann. Nicht weniger als 38mal, darunter LOmal wegen Bettelns und Land- streicherei vorbestraft ist der 27jährige ledige Bäcker Paul Wilhelm Nvlsch aus Stuttgart, zuletzt Insasse des ArbeitshausesVaihingen a. E. Dort entwich er am 28. Juni und gelangte nach Weil, wo er schon am folgenden Tage verhaftet wurde. Er leistete jedoch dem ihn verhaftenden Landjäger mit Händen und Füßen Widerstand, schimpfte auf Kaiser und König und auf den Landjäger, spuckte diesen an und biß ihn in den linken Zeigefinger. Der Angeklagte wurde wegen doppelter Majestätsbeleidigung, Widerstands, Körperverletzung, Ve- leidigung und Unterschlagung zu insgesamt zwei Jahre n Ge- fängnis verurteilt. Ausland. Zum socialistischen Parteistreit in Frankreich. Paris, 4. August. e Parteileitung eine össcutliche Aufforderung, entweder als Bundcsanwalt wieder zurückzutreten, oder auf den Posten eines thurgauischen Ständeratcs zu verzichten, da beide Aemter nach der Bundesverfassung unvereinbar miteinander sind, allein Herr Scherb ließ sich dadurch in seiucr Doppelstellung nicht irre machen und seine. die mächtige radikale Partei unterstützte ihn hierbei. Die Bundesanwaltschaft resp. politische Polizei unter ScherbS Leitung hat schwere Fehler gemacht, den schwersten offenbar mit der im vorigen Jahre erfolgten Auslieferung von 2S0 Italienern an die italienische Soldateska und man begreift daher, wenn alle wahren und freigesinuten Republikaner von dieser unrcpublikanischen' Institution, Zdie ein imponiertes fremdes monarchisches Gewächs ist, angewidert sind und immer wieder aufs neue ihre Abschaffung fordern. So schreibt der„St. Gallcr Stadt-Anzeiger" in einem Leitartikel über Scherbs Rücktritt unter anderem:„Unter dem Eindrucke der Buudesfeiern vom 1. August, da zu Ehren der alten Schweizcrfreiheit die Glocken im ganzen Schweizcrlande ge- läutet wurden, auf den Höhen Freudenfeucr ins Land hinaus- leuchteten, liegt der Gedanke besonders nahe, die Stelle eingehen zu lassen, welche dem wahrhaft freisinnig und fortschrittlich denkenden Schwcizerbürger von jeher wie ein Geßlerhut erschien, der auf unseren freien Boden verpflanzt wurde, u m der Despotie die Reverenz zu machen. Der Artikel schließt:„Es wird der schweizerischen Alpcnrepublik nur zum Ruhme gereichen, wenn sie die Bismarcksche Polizeischöpfung nicht mehr ins neue Jahrhundert hinübcrnimmt, denn die Bundesauwalffchaft gehört nicht einmal ins Landesmuseum I" Achulich äußern sich andere demokratische Blätter und auch die gesamte socialdcmokratische Presse. Die„Glarner Nachr." fordern die Ersetzung der Bundesanwaltschaft durch eine Unterabteilung des eidgcn. Justizdepartements. Der Bundesrat bat aber gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Scherbschen Demission den Posten zur Neubesetzung ausgeschrieben und da er mit 10 000 Fr. besoldet wird, so wird sich mehr als ein„radikaler" Politiker darum bewerben Scherb war ein dickhäutiger und brutaler Obcrpolizist, man wird gut thun, im Hinblick auf seinen Nachfolger anzunehmen: eS kommt nichts besseres nach I—_ Oestreich-Ungarn. Der Kampf gegen die Erhöhung der Zuckersteuer. In Ocstrcich nimmt die Agitation gegen die verfassungswidrige Au- Wendung des berüchtigten§ 14 und die auf Grund dieses Paragraphen regierungsseitig dekretierte Erhöhung der Zuckersteuer immer größere Ausdehnung an. Nicht nur unter den Arbeitern. auch in den Kreisen der Liberalen herrscht heftige Erregung. die in der Presse und in den stark mit Ausfällen gegen die Ne- gicruug gewürzten Reden der Volksversamnilungen einen deutlichen Ausdruck findet. Selbst der Wiener Gemeindcrat unter Führung des Herrn Lucgcr hat dem Druck der? öffentlichen Meinung nachgegeben und sich dem Protest gegen die Handhabung des Z 14 und dessen Anwendung auf die Ausgleichs- und Steucrgesetze angeschlossen, allerdings nicht aus eigener Initiative, sondern nachdem ihn die liberale Minorität dazu gezwungen hatte. Zweimal erst mußte Herr Lucgcr gemahnt werden, bevor er sich dazu verstand, die außerordentliche Sitzung einzuberufen, in welcher der Protest be- schlössen wurde. Die Regierung hilft sich gegen die Opposition, die ihr Vorgehen erregt hat. damit, daß sie die Versammlungen auflöst und die opponierenden Blätter konfisciert. Berichte über Unruhen, welche in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch in Gablouz entstanden, stellen fest, daß nach Auf lösung einer Versammlung Demonstrationen gegen den§ 14 stall fanden, an denen sich etwa 6000 Pcsonen beteiligten. Die Gen darmcrie ging mit gefälltem Bajonett vor und zerstreute die Volks menge. Es wurde niemand verletzt, 16 Personen wurden wegen Auflaufes zur Anzeige gebracht. Nach einer Vcrcinsversammlung des deutsch-nationalen Salz bnrgcr Volksvcrcins fanden Straßcndemonstrationcu statt, welche sich zunächst gegen die Redaktion der.Salzburger Chronik" richteten. Als Polizei einschritt, fielen mehrere Schüsse: auch wurden Steine au' die Beamten geworfen. Hierbei wurden mehrere der letzteren ver- wundct. Die Polizei niachte von der Waffe Gebrauch und ver- wundete mehrere. Später wurde Militär herbeigerufen, das jedoch keinen Anlaß mehr hatte, mit der Waffe einzuschreiten. Frankreich. Zur Affaire. Der„Figaro" stellt fest, daß Kriegs- min ist er Galliffet auf viele ihm gegenüber dem Kriegs- gerichte in Reimes zustehenden Rechte verzichtet habe, die in ähu- lichen Fällen von seineu Vorgängern stets ausgeübt worden seien, z. B. auf die Vorlegung der Zeugenliste uud einer Abschrift der Anklageschrift des Regierungs-Kommissars. Man habe in ihn ge drungcn, den Sitzungssaal des Kriegsgerichtes in Reimes zu Ivcchiclii: er habe dies aber abgelehnt. Sein Haudeln beschränke sich auf die Uebcrmittelung des Urteils des Kassationshofes unter Beifügung einer pflichtgemäßen Note, welche die durch das Kassationsnrteil vorgeschriebene Begrenzung des Verfahrens beim Kricgsgerichl feststellt. Dem„Cri de Paris" zufolge beabsichtigt der socialistische Deputierte Viviani beim Wicderzusammentritt der Kammer den Antrag zu stellen, daß angesichts des bedenklichen Geisteszustandes, welchen Bcaurepaire seit langer Zeit zeige, sämtliche Prozesse, bei welchen er als Staatsanwalt die Anklage vertreten habe, revidiert iverdcn sollen. Die nationalistischen Blätter greifen heute den früheren Präsi deuten der französischen Republik Casiiilir Perier heftig an. Sie beschwören die Generale, rücksichtslos alles zu enthüllen und das ftühcre Zeugnis Casimir Pericrs zu entkräften.— Millcrand als Handelsministcr. Der„Köln. Ztg." wird au? Paris geschrieben: Vielfach gepriesen wird die Thatkraft, womit der söcialiftischc Handelsministcr Millerand es in den fünf Wochen seiner Amtsführung verstanden hat, die Einrichtung seines Ministeriums vollständig umzugestalten. Bisher bildeten die industriellen und Arbeiterfragen nur ein Anhängsel, da? vor zehn Jahren dem Handel beigegeben wurde. Millerand hat nun die Abteilungen seines Ministeriums genau den Beschlüssen der Kammer, die verschiedene Sonderausschüsse für die socialen Fragen ernannt hat, angepaßt. Die Zahl der Einzelbureaus im Ministerium ist dadurch allerdings venuchrt worden, aber dem Budget erwächst daraus keine Erhöhung, weil Milleraud gleichzeitig vier hoch besoldete Direktorstellen aufgehoben hat. Verhalten der revisionSfeindlichen Presse.„Nichts als eine wörtliche Wiedergabe", so wird der„Voss. Ztg." aus Paris berichtet, „könnte eineu Begriff von dem Tone der Aufsätze geben, welche die Nationalistenpresse dem übermorgen beginnenden Prozesse in Ren nc s widmet. In dem Maße, wie das Schicksalsdatum herannaht, steigert sich ihre Wut zu toller Raserei. Heute erzählen diese Blätter, Graf Münster habe gestern eine lange Unterredung init Waldeck-Rousieau gehabt, uud sie fügen hinzu:«Der Gegenstand der Unterhaltung war natürlich der Remiesprozeß und die Forderung des deutschen Bot- schasters, daß man ihn gegen das Ausplaudern der militärischen Zeugen schütze" ll— Belgien. Die Ministerkrisis ist beendet und setzt sich das neue Ministeriuin wie folgt zusammen: Smet de Naher: Vorsitz und Finanzen; de Trooz: Inneres' de Favereau: Aeußeres; Libaert: Handel; Vandcnheuvel; Justiz; jde Volksberghe: Landwirtschaft; General d'Alkemadc: Krieg. Das Eisenbahuministerium wird bis auf weiteres der Handelsminister interimistisch übernehmen. Es ist noch hinzu- zufügen, daß das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten, das bisher niit dem des Handels vereinigt war, Vandenbouge übernimmt. Ueber die Lage selbst schreibt der im allgemeinen gut unter« richtete Berichterstättcr des„Hamburger Korrespondent": „Der Gencralrat der socialistischen Arbeiterpartei hat gestern abend zwei wichtige Beschlüsse gefaßt: Die socialistischen Deputierten dürfen nicht für das von dein neuen Miliisterimn zu erwartende Wahlgesetz, das das proportionelle Wahlshstem einführt, stimmen, bevor nicht vorher die Wählerschaft gefragt worden ist. Sie haben in der Kammer die VerfassungSrevision zu beantragen. Art. 47, der das Mehrstimmensystem feststellt, soll dahin abgeändert werden, daß das einfache allgemeine Stimmrecht eingeführt wird. Diese socialistischen Beschlüsse sind außerordentlich bezeichnend. Die klerikale Mehrheit denkt nicht daran, daS Land zu befragen, und zur Annahme der Verfassungsrevision sind zwei Drittel aller Deputiertenstimmen erforderlich, die gar nicht zu finden sind. Die klerikale Mehrheit will weder eine neue Berfassungsrevision noch die Beseitigung der Mehrstimmen. Darin stimmt sie auch mit der gemäßigt- liberalen Partei überein, die von dem einfachen allgemeinen Stinimrechte— ein Mann eine Stimme— nichts wissen will. Die Socialistenpartei macht durch ihre Haltung zugleich einen dicken Strich durch das antiklerikale Bündnis und lehnt im voraus die Annahme jedes Wahlgesetzes ab. Diesen Mitteilungen haben wir hinzuzufügen, daß die socio- listische Partei einig und geschloffen dasteht. Es ist über diese und jene Möglichkeiten' diskutiert worden, eine ernsthafte Differenz hat aber nicht stattgefunden, und wird voraussichtlich auch nicht stattfinden. Insbesondere herrscht vollständige Einigkeit zwischen den Abgeordneten und der Parteileitung.— Finnland. Väterchens Fürsorge für Finnland. In unserer gestrigen Nummer brachten wir eine Mitteilung der„Voss. Ztg." über die widerrechtliche Aufhebung des Vereinsrechts in Finnland, heute er- halten wir von unserem eigenen Korrespondenten folgenden näheren Bericht: Man hat von russischer Seite das möglichste gethan, um die Presse in Finnland zum Schweigen zu bringen, jetzt scheint die Reihe an das Vereinswesen gekommen zu sein. DaS uralte Recht des Volkes, Vereine zu gründen, ist nach den letzten Nachrichten stark gefährdet. Bis jetzt hat ein neugegründeter Verein gemäß dem Gesetze des Landes nur die Pflicht gehabt, seine Statuten an den finnländischen Senat zu senden, der dieselben bestätigt, nachdem er den Zweck und das Programm des zukünftigen Vereins geprüft hat. vor einigen Wochen aber, als die Statuten einiger neuen Bildungs- Vereine dem Senat eingereicht wurden, lehnte Herr B o b i ck o f f, der jetzige Generalgoubemeur Finnlands, die Bestätigung ab, indem er behauptete, daß Vereine in Finnland während der gegenwärtigen Periode ganz unnützsind. Dasein Verfahren sowohl gesetzwidrig als gegen den einstimmigen Beschluß des Senates war, ivurde die Sache an das finnische Staatssekretariat in Petersburg gesandt, um dem Zaren vorgelegt zu werden. Auf die' zur Bestätigung eingereichten Statuten hat der Zar jetzt mit eigener Hand geschrieben:„Unter den jetzigen Verhältnissen sehe ich keinen Nutzen in dem Vereinswesen für das Volk. Was die Bestätigung der Vereinsstatuten in der Zilkuuft betrifft, so müssen alle Gesuche von jetzt an an mich persönlich gerichtet werden, doch nicht vor dem Jahre 1901." Mau merkt die Absicht und wird nicht verstimmt, aber empört. Die Absicht ist: jeden kulturellen Fortschritt, jede freiheitliche Regung des Landes zu hindern, um das finnische Voll auf das traurige Niveau des russischen Bauern herabzuziehen, der Hungers stirbt, weil er in seiner Unwissenheit und Verknechtung nicht die Jnititative nehmen kann, seine Lage zu verändern.— Aber man bemerkt noch weiter, daß der Zar nur ein Echo seiner Finnland feindlichen Rat- geber ist, ein Werkzeug in den Händen seiner Sa« t r a p e n." Daß„Väterchen" auf die öffentliche Meinung«pfeifen" würde, das war vorauszüseheu. Die Finnländer werden noch manches er- fahren. Einstweilen haben sie wenigstens eins gelernt: daß die selbstherrlichen Monarchen sehr schwache Sterbliche sind, bloße Werk- zeuge ihrer eigenen— männlichen oder weiblichen— Kreaturen.— Afrika. Die Transvaal- Angelegenheit will noch immer nicht zur Ruhe kommen. Wenn Männer wie Chamberlain, Rhodes und Konsorten, die über ungeheure Kapitalien verfügen und an der Klinke der Gesetzgebung sitzen, sich in eine politische Spekulation ein- gelassen haben, bei der es sich um ungezählte Millionen handelt, da»» ist es schwer, diesem Treiben Einhalt zu thun. Immerhin ist das Konsortium doch wesentlich zurückgedrängt und zu ruhigerem Handeln gezwungen worden. Der bekannte Vorschlag einer„ge- mischten Kommission" war entschieden ein Zurückhufen, allein Herr Chamberlain versucht doch wieder alle möglichen Advokatenkniffe, mn eine gütliche Beilegung zu verhinderii, oder tveiligstenS in die Länge zuziehen. Man darf nicht übersehen: je länger die Ilngewißheit dauert, desto länger kann das Publikum durch Börseuspekulationen in Unruhe gehalten uud ausgeplündert werden. Das klingt sehr hart. Wenn man aber bedenkt, daß Chamberlain notorisch uud eingestandenermaßen in afrikanischen Papieren spekuliert, daß er überführt ist, den Jameson- scheu Raubzug mit organisiert zu haben, daß Rhodes, sein Kompagnon, einer der skrupellosesten Gründer des Jahr- Hunderts ist, und daß eine große Anzahl der gewissenlosesten Spekulanten zweier Weltteile mit beiden gemeinsame Sache machen, so klingt der Ausdruck nicht z u hart. Jetzt geht das Treiben des Konsortiums dahin, die„Gemischte Kommission" den Boeren unaimehmbar zu machen. Die Kommission habe, heißt es, bloß zu eiitscheiden, ob die Wahlreform der Boeren den englischen Forderungen entspreche. Diese müßten unter allen Umständen angenommen iverden. Wenn die Dinge so stünden, hätte die Kommission gar keinen Sinn. Da Chamberlain lesen kann, wird er ohne Konunission die vom Volksraad angenommenen Maßregeln beurteilen können. Zu solch gemeinem Spiel kaun die englische Regierung sich nicht hergeben. Eine Eiitscheiduug ist jedenfalls in Prätoria noch nicht erfolgt. Wie es scheint, ist der Vorschlag so undeutlich nach Prätoria tele- graphiert— oder chiffriert— worden, daß niemand daraus klug werden kann, und erst wieder in London angefragt werden muß. Wohl auch ein Chamberlainscher Kniff, um die Sache hinaus- zuziehen. Die Regierung deS verbündeten Oranjefreistaatö soll gegen Annahme der Gemischten Kommission durch die Transvaal- regienmg sein.— Asien. Italiens Stellung zum„Himmlischen Reich". Dem Reuterschen Bureau" wird aus Peking von heute gemeldet: Der italienische Gesandte erklärte gestern im Tsung-li-Aamcn, Italien wünsche mit China herzliche Beziehungen zu unterhalten. Die italienische Regierung werde deimiächst gewisse Vorschläge machen, welche, wen» China sie aimehinc, in zufriedenstellender Weife die durch den Zwischenfall wegen der Sanmunbai hervorgerufenen Schwierig- leiten beilegen würden. Der Gesandte äußerte sich jedoch nicht darüber, wie diese Vorschläge beschaffen sein würden. Das Tsnng- Ii- Uamen erwiderte, China werde miter keinen Umständen irgend welchen Vorschlägen zustimmen, jdie darauf hinausliefe», seine Jnter- essen zu berühren. Erfolge per amerikanischen ExpanstonSpolttik auf den Philippinen. Nach einem bei Lloyds Agench eingegangenen Tele- gramm aus Manila haben die Filipinos in San Fernando(Luzon) zeu amerikanischen Dampfer„Saturnus" genommen und verbrannt. „Regierende" Socialdemokraten. Aus Zürich wird uns geschrieben: In dem Parteistreit über den Eintritt deS Genossen Millerand in das französische Ministeriuin Waldeck-Rousseau darf auf die Thatsache aufmerksam ge« macht werden, daß in zwei schweizerischen Kantons« regierungen, nämlich in denen von Zürich und Genf, neben je sechs Bürgerlichen je ein Socialdemokrat sitzt: im ersten Kanton G enosse Ernst, im andern G eno s s e Th i e b a u d. Ernst war früher Sekundarlchrer und sodann Stadtrat(Magistrat) von Winterthur; Thiebaud war früher Uhrenarbeiter, zuletzt Re- dacteur des socialdemokratische»„Peuple" in Genf. JnbeidenKantonenfordertenunsere Genossen ihren Anteil an der Regierung, den in Genf die Radikalen ohne Weiteres anerkannten, wahrend die zürcherischen Genossen sich ihn in hartem Kampfe erobern mußten. Die socialdemokratischcn Grundsätze sah hierbei niemand engagiert, sie wurden von niemand 'fit der geforderten Vertretung in der Regicnnig irgendwie in Zru sammenhang gebracht; man sah die Forderung als eine Sache der Parteitaktik an, worüber aber keinerlei Meinungsverschiedenheit bestand. Man hatte eben die große Macht der Behörden erkannt und als aufstrebende Partei, welcher die Zukunft gehören soll, es als not- wendig erachtet, sich den entsprechenden Einfluß in diesen Behörden zu erkämpfen und zu sichern. Im Kanton Zürich z. B. würden die Socialdeniokraten den Liberalen und Deniokraten keinen größeren Gefallen erweisen können, als auf ihre Vertretung in den Vcrwaltungs- und Justizbehörden zu verzichten; haben diese Parteien doch stets einen großen Vorrat an streberischen und ämterhungrigen Kandidaten auf Lager, die der angenehmen Versorgung harren. In Genf sind die Genossen über die ministerielle Wirksamkeit Threbauds geteilter Meinung, während in Zürich Regierungsrat Ernst nach wie vor die Achtung aller Genossen und seine amtliche Wirksamkeit alle Anerkennung besitzt. Er ist ein fähiger, charakter- grundsatzfcster Mann von selbständigem Urteil, der sich auch im Schöße einer bürgerlichen Regierung nicht von seinem, durch Pflicht und Ehre vorgezelchneten Weg abbringen läßt. Durch seine Minister- schaft hat also der Socialdeniokrat Ernst nicht gelitten und die socialdcmokratische Partei keinen Schaden genommen, aber es ist der Beweis für die Regierungsfähigkeit der Socialdemokratie praktiich geleistet wo-den,_ Pavfci-HsufrtirijU'tu Partcilittcratur. Wie uns der Verlag Vi. Ernst, München, mittellt, erscheint die Nummer 17 des„Süddeutschen Postillon" als Goethe-Nnmmer. Dieselbe wird an illustrativein Schmuck u. a. eine künstlerisch hervorragende doppelseitige Allegorie zu Goethes Pro- »netheus enthalten. Aus dem Texte wird hervorgehoben ein Artikel über Goethe von M. Wittich und eine interessante Abhandlung: Goethe in der Karikatur(mit Illustration) von Ed. Fuchs. Die Nummer dürfte nach alledem bedeutsam werden. GemevkfiltzÄfttMzes. Vcrlin und Ningrgend. . Die Reunerkommisfion der Zimmerer hat am Freitag in einer gemeinschaftlichen Sitzung mit der Neunerkommission der Unternehmer über die Forderungen der Zimmerer verhandelt. Nach- den? die Vertreter der Unternehmer die bekannten Gründe dargelegt hatte», ans denen sie ein Erscheinen vor dem Einigungsamt für nicht angebracht hielten, erklärten die Vertreter der Arbeiter, daß ihnen die direkten Abmachungen mit der Kommission der Unternehmer genügen, wenn ihnen die Garantie gc- boten werde, daß die Vereinbarungen ebenso unvcrbrüch- lich gehalten werden, als ob sie vor den: Einigungsan:t fest- gelegt worden wären. Die Arbeitervcrtreter forderten nun zunächst, daß schon von jetzt an ein Stundenlohn von liö Pf. bewilligt werde. Demgegenüvcr erklärten die Vertreter der Unternehmer, daß sie durch die Beschlüsse des Bundes gebunden seien und den Zimmerern nicht mehr zugestehen könnten wie den Maurern. Darauf beantragten die Vertreter der Arbeiter, ihnen wenigstens vom 1. Oktober ab einen Stundenlohn von(!2Vs Pf, gu bewilligen. Die Vertreter der Unternehmer erklärten, auch dieser Forderung im Hinblick auf ihr gebundenes Mandat nicht zustimmen zu können. Sollten die Arbeiter auf ihrer Forderung beharren, dann müsse erst die Gcneralvcrsamni- lung des ArbeitgeberbundeS zu derselben Stellung nehmen und die weiteren Verhandlungen müßten bis dahin verschoben werden. Um nun die Verhandlungen nicht gänzlich scheitern zu lassen, erklärten sich die Arbeitervertreter, nachdem sie unter sich darüber beraihcn hatten, daniit � einverstanden, daß den Zimmereni hinsichtlich des Lohnes dasselbe bewilligt wird, was den Maurern zugestanden worden ist.(Jetzt 60 Pf, vom 1. Januar n. I. ab «LVe Pz. rmd vom 1. Oktober n. I. an 65 Pf.) Eine längere Debaite veranlaßte auch der in den Abmachungen mit den Maurern enthaltene Passus, wonach es den Unternehmern gestattet ist. mit Arbeitern, die infolge von Unfall, Alter oder Invalidität minder leistungsfähig sind, besondere Löhne zu vereinbaren. Die Vertreter der Zimmerer beantragten, dem genannten Passus die Bestimmung anzufügen, daß in Fällen, Ivo über eine init dem Alter des betreffenden Arbeiters begründete gcriiigcre Lohnzahlung Meinungsverschiedenheiten cutstehen, die Achtzchner kommission entscheiden soll. Die Vertreter der Unternehnicr ivider- sprachen zwar der Aufnahme einer solchen Bestimmung in die Einigungsbedingungen, erklärten sich jedoch bereit, Streitsälle der bezeichneter Art der Kommission zur Entscheidung zu unterbreiten. Die übrigen Punkte der mit den Maurern getroffenen Vereinbarungen wurden ohne wesentliche Debatte angenommen Der am Mittwach stattffndendcn Versanmilung der Zimmerer bleibt es nunmehr überlassen, zu den von ihren Beauftragten getroffenen Abmachungen endgültig Stellung zu nehmen. Der Streik der Schmiede i» Charlottcuburg ist beendet, Erreicht sind die Forderungen nur teilweise. Der Umstand, das; die Meister von dem Arbeitsnachweise der Berliner Innung Arbeitskräste in Massen zugelvicsen erhielten, so daß es bei der geringen Zahl der Streikenden nicht möglich war, den Zuzug abzuhalte», zwang zur Aufhebung des Streits. Außerdem waren auch von den Streikenden 3 Mann wankend geworden, und gaben sich zu Strcikbrcchcrdieustcn her, so daß die Zahl der Arbeitswilligen schließlich hingereicht hätte, den Kamvf hinzuziehen, bis wieder eine schlechtere Konjunktur eintrat, die dann unnötige Opfer erfordert hätte. Immerhin dürften die ge stellten Forderungen über kurz oder lang dennoch erfüllt sein, bis dahin ersuchen wir jeden denkenden Kollegen, den Charlottenburger Werkstätten fernzubleiben. Deutsches Reich. Zur Tcxtilarbcitcr-Brtvcgung i« Forst. Die Textilarbeiter, die am Freitag irr zwei Versammlungen über Forderungen au die Unternehmer verhandelten, haben die gestern bereits mitgeteilten Vorschläge ihre Vertrauensmänner einstimmig gcnchniigt, und eine Kommission beauftragt, den Unternehmern diese Fvrdernngcn vorzulegen. Die Bewegung der Friseurgehilfen im Rhcinlaude um Verkürzung der Arbeitszeit(Einführung des Neunuhr-Ladenschliisses) ist in Elberfeld, sowie in Barmen zu Gunsten der Gehilfen ausgc fallen. Die Sperre ist deshalb aufgehoben. In Düsseldorf, der Künstlerstadt, hat die Arbeiterschaft den Druck wie im Wuppcrthal auf die Geschäfte noch nicht ausüben können, und es wird am 12. August zum nnvenneidlichen Ausstand kommen. Es wird also dringend gebeten, den Zuzug nach Düsseldorf fem- ziihalten. Der Vertrauensmann Ad. Löffler, Elberfeld, VogelSauerstr. 10. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Der Manrerstrcik in Dresden beschäftigt fortgesetzt dortige Gerichte. Jetzt wurde vom Schöffengericht wiederum ein Maurer Eichler wegen Vergehen gegen ß 1b£i der Gewerbe- Ordnung zu einem Tag Gefängnrs verurteilt. Man muß sich wundern, wie man solche Anklagen fertig bringt. In diesem Falle kam ein böhnnscher Maurer auf einen Neubau, wo er sich dein Polier zur Arbeit für den alten Lohn an- bot, während die anderen Maurer gerade um Lohnerhöhung streiken. E. machte den böhmischen Arbeitswilligen mit aller Vor- ficht und Ruhe auf das Unschickliche seines Betragens aufmerksam. und ließ dabei das Wort Streikbrecher fallen, aber ohne direkten Bezug auf den Betreffenden. Auf Gnmd dieses einen Wörtchens, das ohne den geringsten beleidigenden Zusammenhang ausgesprochen wurde, erhob man Anklage. Der böhmische, un- gebildete Maurer sollte«ehrverletzt' sein. DaS Gericht mußte selbst die völlige Grundlosigkeit der Sache zugeben. Strafe mußte aber doch sein, wenn auch die geringste. Es wäre ja sonst schade um die Anklage gewesen. Bei der Wahl deS GescllenausschusseS der Bäckerinnung in Dresden wurden die Kandidaten der Gelverkschaft mit großer Mehrheit gewählt. „Lump und Streikbrecher" soll der Maurer Witte. Mitglied deS? Streikkomitees, während des Bauarbeiterstreiks in Bremerhaven auf öffentlicher Straße den arbeitswilligen Maurer Schulze mit drohend erhobenen Fäusten genannt haben: Er hatte sich deswegen in der heutigen Schöffengerichts-Bcrhandlung zu verantworten, da von feiten der Staatsanwaltschaft Anklage wegen Vergehen gegen den famosen 8 123 der Reichs-Gewerbc-Ordnung, diesen Hort undZSchutzengel der„für den Staat so nützlichen Elemente' erhoben worden lvar. Der An- geklagte stellt entschieden in Abrede, den Schulze bedroht zu habe» Er habe ihn vielmehr aufgefordert, sich vom Streikkomitee eine Bc- scheiniguiig ausstellen zu lassen, daß er zum Arbeiten berechtigt sei. Schulze sei nämlich Invalide; er habe einen doppelten Bruch und könne schlecht sehen und hören, außerdem könne er den rechten Arm nicht erheben, so daß das Streikkomitee aus der Er- wägung heraus, daß der Mann, wenn er sich dem Streik anschließen würde, nach dessen Beendigung nirgends am Orte wieder Arbeit erhalten würde und auch den Streikenden in ihrem Kampfe keinen Abbruch thun könne, sich entschlossen hatte, ihm eine Bescheinigung auszustellen, durch die er sich seinen Kollegen gegenüber als zum Arbeiten berechtigt legitimieren könne. Da Schulze nicht gut höre, so müsse er ihn gänzlich falsch verstanden haben, sein Kollege, der sich in seiner Begleitung befunden, könne bezeugen, daß er nur in der angegebenen Weise mit Schulze gc- sprachen habe. Letzterer erklärte als Zeuge unter seinen; Eid— bei dessen Ablcgung er seinen rechten Arm durch den linken stützen mußte— daß Witte jene Worte thatsnchlich zu ihn; gesagt habe. DaS Gericht, und selbst der die Anklage vertretende Polizeikommissar Luchterhand, schien von den durch den augenfälligen körperlichen Zu- stand des Zeugen bestätigten Erklärungen des Angeklagten überzeugt, verurteilte ihn aber angesichts der bestimmten eidlichen Anssage des Schulze zu 10 Tagen Gefängnis. Der Genosse Witte wird Berufung gegen das Urteil einlegen. Bon der Anklage eines Vergehens gegen die reichö- ländischc» Vereins- und Versammliingsgcfctzc ist der Stein- Hauer M. in Metz freigesprochen worden. M. hatte in Metz eine Zahl- stelle des Verbandes der Maurer und verwandter BernfSgenossen ins Leben gerufen und bei der zuständigen Behörde un; die erforderliche Genehmigung nachgesucht, die ihn; jedoch verweigert wurde. Der neugcgründcte Lokalverein löste sich nach diesem abschlägige;; Bescheid natürlich sofort wieder auf, die Mitglieder desselben blieben jedoch Einzel Mitglieder des Hauptvcreins, und der Stcinhauer Dt. wurde zu ihrem Bevollmächtigten ernannt. Hierin erblickte nun die Mctzcr Polizeibehörde ein Vergehen gegen das Vereinsgcsctz und, nachdem die von M. von Zeit zu Zeit einberufenen Privat- Versammlungen seiner Bcrufsgenossen zn verschiedenen Malen seitens dcr Polizei-Lrgane aufgelöst worden waren, erhob schließ lich die Staats- anwaltschaft gegen M. die Anklage wegen Abhaltung polizeilich nicht genehmigter Versammlungen und Zugehörigkeit zu einer vcr- botenen Vereinigung. Die erstere Anklage wurde jedoch noch vor der Eröffnung des' Hauptvcrfahrens fallen gelassen, während die zweite mit der Freisprechung des Angeklagten endigte unter Aufbürdung der sämtlichen Kosten des Verfahrens auf die Staats- kasse. Diese Entscheidung der Metzer Strafkammer ist für die gcwerk- schaftliche Bewegung der in Elsaß-Lothringen durch nmnnifache polizeiliche Knebelungssnche niedergehaltenen Arbeiterschaft von Iveit- tragender principieller Bedeutung. Für die ausgesperrten Zlrbeiter Dänemarks gingen bei der e r l;;; e r G c w e r l s ch a f t S k o u; m i s s i o n folgende Beiiräge ein: L. K., Wasierthorstraße, 9,—. Filzschuhfabrit von Silb erstem jun. 16,65. Perlurnttarbeitcr von Abraniowöä 6,35. lNe.viaturfabrik von Sühring, Elisabeth-Ufer 16,25. Tischlerei von Kieslivg, Waldemarpraße, 7,56. National-Zeitnng 7,85. Jversen 6,36. Möbelfabri! von Szvmanzig, Landsberger Allee, 13,36. Tapezierernieriffatt von Fort u..tlretschnicr, mit. Ausnahm« von einem 36,—. Pianofabril von Nieder u. Eo. 19,15. Leskau, Allg. Baugesellschaft, Wriezcnerstr. 8,96. Maschinenfabrik v. Malik Walkows 13,35. Tischlerwerlstatt v. M. Schulze u. Co.. Elifabeth-Ufer Bicrprozente 25,26. Tischlerei v. Wegener, Bellc-Alliancestr. 16,56. Tischlerei v. Ä. Müller, Äoppensu. 86 7.—. Pianofabril Bechstein, JobanniShr. 41,50. Arbeiter, Ben ecke, Mittelsir. 13,55. Werkstatt Lukcrt, Dieffrnbachstr. 19,50. A. Simon, Slalitzcrstratze 8.26. Tischlerei v. Schulz, Rüdersdoricrstr. 16.10. Tischlere; v. Neumann;;. Bunar, Manteusselsiraste, 36,—. Tischicrwcrlftatt v. Ucrtichat, Fruchtstratzr, 6,—. Freie Bereinigung der Civil-Brrufsmusikcr 36,—. Piauosebrik von Otto, Lieguitzerstroste, 26,85. 5 Kollegen von Kreuz- bcrgcr;;. Sieverö 2,56. Tischlerei vom ollen ehrlichen Seemann 7,— Pleßner, Thaetstraste, 2,—. Tischlere; von Höhne u. Krämer, 2. Rate, 8,65. Tischler von Kurth. Lioscnslraszc, 3,75. Ben Seilen; des Textilarbeiter- Verbandes, Filiale V, 5,—. L. Schuhmacher- Buchdnlckerci 2. Rate 9,95. Tischler v. A. Jahuke, Reichenbergerstrahe 2,35. tabrik v. Roscnow u. Eiincr 2,—. Posamcinirre, Tresdenerstr. 85 3,75. Inkguhwaren-Fabrik von Rabe, Dieffcnbachstrahe 4,86. Die Roten vom Kranienhaus« Weihensce 6,70. Fr. Bergmann 11,06. Arbeiter Bildungövcrein Schüncbcia 56,—. Zink- und Bronzewareu-Fabrik von Hrnnpcrt 5, 90. Buchdniclcrei von Paß u. Walcp 18,35 Tischlerei von Nöäler u. Schmidt, Gr. Franlsurtcrstraße, 16.65. E. N. 31.—. Maschinisten u. Heizer 34,66. Petersen 5,35. Tischlerei von Feld mann, HagelSbergerstrahe, 2. Rate 7,35. Buchdnukcret von Otto Drewitz 5,—- Tap ezierer v. I. C. Pfass., anßer einigen Schlauen 13,25. Parkettfußbodenleger von E. Schramm, Charlvttenburg 17,55. Scltersabrik 3,—. Dampferpartie, Eesangverciil„Sanges-Echo', Namiynslraße, 13,—. Buchdruckerei(Personal) von Zacharias 7,56. Bnchdniclerei Hayns Erbe;; 13,10. Rauchklub Phönix Schöneberg 16.—. Tapezierwerkstatt v. Platow u. Primer 16.—. Drechslerei v. Pape, Palli�adenstr. 4,36. Tischlere; von Siein, Gr Franlsurterstr. 16,86. Knopfsabrik von Manasse 8,65. Schuhsabrik Gräf, Markuöstr. 7—. Einsetzer bei einer amerikanische;; Auktion. 3.—. Maurer, Belle- Alliancestr. 22, 5,75. Tischler von Müller. Schönhauser Allee, 12,56. Schuhfabrik von Jalobi Brunnen str., 9,75. Pianofabrik von Knabe u. Thal 6,86. Tapezierer von Eberhardt mit Ansnahme von 4 Kollegen 5,56. Holz- und Bretter- träger 8,56. SkatNud„Einigkeit", Stallschreiberstraße, 5,—. H. Jahns, Bucht ruckeret-HilfSarbeiter, Vorschuß auf Liste II Rate 166,—. I. C. Psats, Saal III, 13,35. Maurer, central, durch W. Schulz auf Liste;; 88,46. T. Rcichardt, Porzellauarbeiter 6,90. Dittmar, Möbelfabrik 16,—. Hilss arbciter der Firma Mrchcn iio. 7,—. Ktaviaturfabrik von Buchholz 11,55. Liste Humanität 28,45. Tischlerei H. Schmidt, Manieufselsnabc 6, Hennann Weiß 11,56. Zigarrculaden Zorudorscrstraße 4 3,76. Arbciter der Finna Bollgvld u. Sohn 15,35. Graveure der Firma R. Auer- dach 16.26. Grauert 4,65. Skatklnb 56 15,—. Buchdruckerei von Grcve 7,55. Möbelfabrik von Klug, Fruchtstraße 41,14). Möbel- sabrik Egnitz, 7. Rate 7,20. Möbclsabnk von Barth, Fruchtstraße 26,35. Tischlere; von Höchstem, Admiralstraßc 6,85. Turnverein Fichte, 8. Ab- thcilrmg 12,-. Bon Mitgliedern der Krankcniasie der Wagenbauer, Berlin 4. Bezirk 36,—. Tischlere; von Thürlein u. Söhne 9,45 Hulmacher, Svittelmarkt Streich 9,— Durch Ehristenfen darunter Bau Rietzmer, Hagclsbergerstr., 36,45. Piauofabrik von Ouaudt, darunter 1,— ron Bach, 26.56. Tischlerei von I. Metzner Ulit Budiker und Stepperin, Dresdenersir., 13,—. Von der Buchdruckerei„Dieses Blatt gehört der Hausfrau" 6,65. Arb. der Möbelsadrit von Hülsebcck, Kroll u. Co., 3. Rate 47,55. Tischlew Anders, KLnigsbcrgerstr., 10,20. Bau Elisabeth- Ufer 29, 3,—, Arb. der Eiseninöbelsabrik v. Vogler u. Ringmann 5,46. Ttfidlerei, Schirrmeister 6,25. Bautischlere; Heinrich, Bergmann str 16,95. Möbeltischlerei v. Hovp, Admiralstr. 12,50. Ntcolaud 3,—. Buchbinder bei Bestchtignng der Patzenhaser Brauerei 7,—. A.-E.-G., Ackerstraße, Saal 22, 20,35. Tischlerei Borsutzki u. Hartman;; 7,16. Handelöhilssarb. d. UtheS, lokal 34,55. Mitglieder des Verbandes deutscher Buchdrucker in;.Vonvärts' 56,-.„Aorwärts'-Setzcr Ueberschuß 1,05. Tischlerei E. R. Pfahu- low, Orailienstraße, 4,60. Sigualbau Zimmermann u. Buchlow 4,10. Rauchklub Pappel 7,50. Arbeiter und Arbeiterinnen, Kastanien- Allee 79 23,—. H. R. 5,—. Filzschuhsabrik, Eartenstr. 34 5,36. Bildhauer und zwei Tischler von Professor Riegelmann. 2. Rate 13,05. Buchdruckerei Gebrüder 11., 3. Rate 5,85. Skatklub Herzenaß 5,-. Gcsangvrrrii;„Unverdrossen- 15.—. Centraiverband der Bureau-Angestellten Berlins 16,—. Dr. B. 5.—. Unbeianut 2,—. Tischler und Poliere von Neumann u. Biedock. Schönhauser Allee 9,26. Skatklub Tournä, Cuvry- straße 25 15,—. Org. Patienten der Kuranstalt EberSwalde 2,36. Tischler Alschmer u. Hagen 3,36. Buchbinder und Buchdrucker von Müser 5,-. Tischlerei von Kraft, Fürsienstraße 3,25. Maler- werkslatt von Storu; u. Rosrnberg, Charlotlenburg 12,60. Bantischlcrei von Wolf, Waldemarstraße 5,50. Pf. Bauer, Zimmerstraße 3.—. Klempner der Blcchemballagefabrik Gebr. Koppe, Reichenbergersiraße 5,20. B.C., Arzt 3,—. Graveure von O. Flenier durch Streicher 6,30. H. Bernhardt, Großbcerenswaße 2,50. Tischlerei v. Langcmann. Zosscnerstraße 10,20. Lager v. Eyck n. Straßer(dar. v. K. B. 1,—) 5,—. Landpartie b. Schoh 6,—. Unter- stützung ssonds der Glasarbeiter Stralau 50,—. Ritzau 5,35. Möchte christliche Liebe den; christlichen Recht zun; Siege verhelfen 5,—. Genossen' von Greiz, Wahlkreis Neuß 100,-. Gesammelt von Jakob Bock, Grünau 5,—. Reinickendorscr-Straße 10,—. Tischlerei Union, Marlinickenfelde 38 16. Kollegen von Biedermann;;. Czarnikow 8.45. Arbeiter-Gesangverew Bruderbund", Usedomstraße. 8,25. Setzer der„Berk. Morgenpost" 4,26. Weitere Beiträge werden im Berlmer Gewerlschaftsbnreau, Annenstr. 16, I, vormittags 9-1 Uhr, nachmittag» 6-8 Uhr entgegen ge. Nammen. Der Ausschuß der G ew er ks ch aftS-K o m m i s st o u. SociolleÄl. Ueber die Einrichtung und den Betrieb der Roßhaar- spinnereic», Haar- und Vorstcnznrichtercicn, sowie der Bürsten- und Pinsclinachcreicn haben der Minister für Handel und Gewerbe, der Kultusminister und der Minister des Innern zu den am 1. Juli d. I. in Kraft getretenen Bc- stimmungen des Bundesrats eine Ausführungsanweisung erlassen. Danach erfolgt die in den Bundesratsbcstimnumgen vorgesehene Befreiung von dem Desinfcktionszwaugc nur ans Antrag des Unter- nehmers. Der Antrag ist schriftlich bei dem Landrate anzubringen, der ihn mit einer Begutachtung dem Regierungspräsidenten einreicht. Die Prüfung und Entscheidung, ob der Betriebsuuternehiuer den Nachweis erbracht hat, daß er das Material in vorschrifts- mäßig desinfiziertem Znstande bezogen habe oder daß das Material nachweislich bereits im Auslände eine Behandlung erfahrci; habe, welche als der vorschriftsmäßigen inländischen Tesinfeklio;; gleichwertig anzusehen ist, erfolgt, wenn erwiesen werden soll, daß die Desinfektion innerhalb des Deutschen Reiches erfolgt ist, durch den Landrat, wenn erwiesen werden soll, daß die Desinfektion des Materials in; außerdeutschen Auslände erfolgt ist, durch den Regierung»- Präsidenten. Der vor den; Landrate zu führende Nachweis gilt in der Regel als erbracht, wenn der Unternehnicr die an;t« liche, schriftliche Bescheinigung einer deutschen Staats- oder Kommunalbeporde darüber beibringt, daß das nach Herkunst, Menge, Beschaffenheit und Verpackung, durch Frachtbriefe oder eine andere amtliche Nachweisung der Person des Verkäufers odcr Absenders und des Käufers oder Empfängers sowie des Datums des(impf. n;es festgestellte Wareuquantum an einen; bcstin;mten Tage emer ccn betreffenden Vorschriftci; entsprechende;; Desinfektion unterworfen worden ist. Mit Rücksicht auf die Verschiedcnartigkeit der Gesetz- gebung und VerwaltiuigSeinrichtungcn der ausländischen Staaten, aus denen die hier in Betracht kommenden Rohstoffe eingeführt werden, lassen sich einheitliche Vorschriften darüber, wiederNachweis einer in; Auslände ausgeführtei» der vorschriftsmäßigen, iuländischen. gleichwertigen Desinfektion zu führen sei, nicht aufstellen. Die Regicruugs- Präsidenten haben daher in jeden; Falle sorgfältig zn prüfen, welchen Wert sie den voi; dem Unternehmer etiva beigebrachten Belegen bei- messen dürfe;;. In der Regel und falls nicht jeder Zweifel an der ordimngsmäßig erfolgten Desinfektion völlig anSgeschlosten erscheint, ist die beantragte Befreiung von; Dcsinfektions-Zwange von den Ergebnissen einer durch geeignete Sachverständige auszuführenden Kontrol» Untersuchung deS Materials abhängig zu machen. Die durch die Unter- silchnng entstehenden Kosten fallen den; Unternehmer zur Last. Das der Kontrollnntcrsnchung unterworfene Material gilt so lange als milz- brandverdächtig und somit als desinfektionspflichtig. als nicht die zuständige Behörde auf Grund des Ergebnisses der Untersuchung die Befreiung von; Desiufeftiouszwange entschieden hat. Socialreform im Eisenbahnbctricbc. Eine sonderbare Be« kanulmachung erläßt die Eisenbahudirektion Halle: Nachdem ueuerdings auch in Halle und Kottbus der Dienst für das Raugierpersonal auf 12 Stunden ausgedehnt worden ist, setzen wir voraus, daß diese Anordnung nunmehr für samt- liche Bahnhöfe, auf denen bisher ein achtstündiger Rangierdienst eingerichtet war, durchgeführt ist. Sollten trotzdem noch Abweichungen bestehen, so sind diese sogleich zu be- seitiaen oder etwaige Hiuderuugsgri'mde eiuzuberichten. Weiter machen wir darauf aufmerksam, daß eine demnächst etwa für not- ivcndig zu erachtende Abkürzung der Dieustdauer nur im Rahmen der vorgesehenen Kopfzahl und nur nach diesseitiger vorheriger Genehmigung geschehen darf." Eine Erhöhung der Arbeitszeit von 8 auf 12 Stunden in einem taarsbetriebe ist in der That eine recht moderne Socialreform. Gevi�zks"Rettung. Ehrenhafte Leute zu Zuchthaus verurteilt. Unser Nürn- bcrgcr Partei-Organ meldet: Welche entsetzlichen Folgen der sogen. 5kiippelc;-Paragraph nach sich zieht, bestätigt wieder nachstehender Fall. Der Stiefsohn der Korbsiechters-Ehelente H. brachte am Abend des 2. und 3. Mai l. I. seine Geliebte in die elterliche Wohnung und behielt sie bei sich über Nacht— ob mit odcr ohne Einwilligung der Eltern, ist nicht erwiesen. Der Zufall führte am 4. Mai den Schutz« mann Dürrbcct in die Wohnung und kam so die Sache auf. Da» Urteil für die unhcstraftcn Leute lautet auf 1 Jahr Zuchthaus bei 2 Jahren Ehrverlust. Ter Vorsitzende selbst gab den Leuten den Rat, den Gnadenweg zu betreten. Eine Lcichcuflcddcrci unter erschwerenden Umständen wurde dem Arbeiter Karl N e u m a n n zur Last gelegt, welcher gcstcn; der neunten Ferieu-Strafkammer des Landgerichts I vor- geführt wurde. Am Spätabeude des 23. Mai wollte der Ver- sicherungsinspektor St. den schönen Frühliugsabend noch etwas ge- nieße;;. Er begab sich nach dem in der Nähe seiner Wohnung ge« legenen Friedrichshain und nahm dort auf einer Bank Platz. Die laue Lust üble bald eine einschläfernde Wirkung auf ihn aus. Es währte nicht lange, bis verdächtige Gestalten ihn umschlichen und beobachteten. Dann nahmen zu beiden Seite;; voi; ihm je ein Mann Platz. Es wurde vorsichtig gefühlt, in ivelchcr Tasche der Schlafende sein Porte- moniiaie trug. Sodann nah»; der an dieser Seite Sitzende vor- sichtig das Portemonnaie ans der Tasche und reichte es hinter dem Rücken des Schlafenden seinem Kumpan. In diesen; Augenblicke sprang ein Mann, der das Gebahren der beiden Diebe von einem Gebüsch verborgen beobachtet hatte. hervor und ergriff bcherz:er Weise den einen. Der andere, welcher im Besitz deS Portemonnaies war, nah»; Reißaus. Andere Personen kmnen hinzu, denen es erst nach längerem Bemühen gelang, den Schlafenden zu wecken. Dieser folgte uusicherci; Schrittes zur Wache, so daß man annahm, er sc; etwas betrunken. Aus der Wache erklärte der Bcstohlene, daß er keineswegs unter den; Einflüsse de» Alkohols stände, er empfinde aber ein eigentümliches dumpfes Gefühl in; Kopfe und glaube sicher, daß er betäubt worden sei. Diese An- nähme gewann an Wahrscheinlichkeit durch die Thatiache, daß Neu- mann bereits eiimml wegen Leichenfledderei unter Anwendung von Betäubungsmitteln bestraft worden ist. Der Gerichtshof hielt auch in diese»; Falle den Angeklagten, der seinen Komplicen nicht kennen wollte, für überführt und verurteilte ihn zu einer Zucht- Haus strafe von vier Jahren, Ehrverlust und Polizeiaufsicht._ Uetzke Nttchvirlxken und Depeschen. Kopenhagen, ö. August.oo die Dinge ähnlich wie bei uns liegen, beide Augen zudrückte, hört man auS Bayern die Flöhe husten. Auch der' kunstgerechte Eiertanz»inferes principientrcuen Genossen Singer um das Kompromisscln bedeutet dasselbe in Grün. Er sagt:„Wer die Wahl eines Centrmms- oder liberalen Kandidaten, nachdem wir bei der Hauptwahl unterlegen sind, als ein Kompromiß ansieht, dem ist nicht zu helfen. Ein Kompromiß wäre nur dann vorhanden, tvenii die Parteien vor den Wahlen Abmachungen in dieser Richtung getroffen hätten. Dies ist meines Wissens nirgends geschehen. Wenn wir in der Stichwahl zivischen einem Junker' oder Stummling für einen Centrumsmann oder Freisinnigen stimincn, so ist dies ein G e- bot der politischen Klugheit und ganz etwas anderes, als wenn wir etwa auf die Aufstellung eigener Kandidaten in einem verzichten und sofort einen Gegner in dcrHauptwahl wählen, umi» einem anderen Wahlkreise dafür ebenfalls bei der Hanptwahl Ccntrnmß- oder Freisinnsstimmcn einzuheimsen." Wie Figur zeigt, ist auch der Genoffe Singer auf der abschüssigeil Bahn des„Gebotes der politi- scheu Klugheit" angelangt. Wer kann wissen, was er morgen für politisch klug hält? Aber wozu denn uns einen Vorwurf machen, wenn wir um keines Haaresbreite von dem abgewichen, was uns unsere Partei-Obersten zu erlauben geruhe»? Wir haben— ich habe hier den Wahlkampf in der Pfalz im Auge— mit Ausnahme des Wahlkreises Kaisers- lauter», wo unsere Genossen im Einverständnis mit dem Gauvor- stände eiil Kompromiß mit den Demokraten abschlössen, einen reinen, von keinem Schielen nach irgend einem gegnerischen Lager bccin- flnßtcn Wahlkampf geführt. Schon seit einem Jahre tvaren wir unermüdlich thätig, ivir haben das Ccntrum ivic den Liberalismus. den Bund der Landwirte eingeschlossen, den auf unseren Parteitagen gefaßten Beschlüssen aufs strengste entsprechend, bekämpft. Da wo wir Aussicht aus Erfolg und Wahlmänner hatten, haben ivir solche sowohl gegen die Liberalen tvie auch gegen i a 8 Ccntruui aufgestellt. Wir glaubten auch alle Ursache zu haben, unseres Fortschritts uns zu freuen. Während wir in der ganzen Pfalz vor l! Jahren nur 3 Wahl- mämier durchbrachteil, rückten wir jetzt mit 143 Mann auf den Plan. Das Ergebnis der ll r w a h l e n war das P r o d u k t unserer eigenen Kraft. Wir alle freuten uns über den durch riesige Arbeit errungene» Sieg; denn von einem solchen zu reden, glaubten ivir Ursache zu haben. Nun kamen die Abgeordnetcnlvahlen aus Grund unseres miserablen Wahlgesetzes, das die absolute Sti m ,nen Mehrheit voraussetzt und keine Stich- tvahlen kennt. Im ersten Wahlkreis tvaren 243 Wahlmänncr gewählt, davon fielen 88 aus uns, 48 auf das Ccntrum, 28 auf die Nationalliberalen and etwa 75 auf den Bund der Landwirte. Nach dem Berliner ck.-Genosscu wäre nun die Wiirde der Partei durch uns damit gelvahrt worden, daß wir unsere 88 Stimmen den 28 Liberalen zur Verfügung gestellt hätten; aber das hätte die Majorität noch nicht ergeben, es mußte der Bund der Landwirte noch hinzu, erst damit wäre es möglich gewesen, das Ccntrum kalt zu stellen. Aber die Bündler verlangten von den Liberalen die Wahl von zivei Vollblutagrariern, die von den Bundesführern Lücke. Rösicke und jkonsorten geprüft waren. Wir glaubten,„ein Gebot der politischen Klugheit" zu begehen, von dieser Gesellschaft uns fernzuhalten. Nun war nach Liebknecht und Singer noch ein anderer Weg gegeben, unsere Stimmen einfach auf unsere Kandidaten zu vereinigen. Das Centrum würde dann, vorausgesetzt, daß es nicht mit den Liberalen, oder, was wahrscheinlicher war, mit den Büiidlcrn einen Kuhhandel abgeschlossen hätte, gleichfalls für seine.Kandidaten gestimmt haben, die Folge wäre mm gewesen, daß keiner der Kandidaten die absolute Stimmenmehrheit auf sich vereinigt hätte. Damit aber hätte die Wahlhandlung so lange crnencrt werden müssen, bis auf die zn wählenden vier Abgeordnete» die absolute, d. h. 123 Stimmen ge- fallen wären. Nach Liebknecht und Singer war es nun das einfachste. sich an weiteren Wahlhandlungen nicht mehr zu beteiligen; möchten doch die genannten Genossen sich das bayrische Wahlgesetz, das sich ein klein wenig von dem Rcichstngs-Wahlrccht unterscheidet, ansehen I Nach diesem Gesetz müssen mindestens zwei Dritteile der Wahlmänncr der Wahl- Handlung anwohnen; unser Fernbleiben hätte sonach eine weitere Wahlhandlung unmöglich gemacht, was ja an sich nicht schlimm ge- Wesen wäre.' Indessen unsere Wahlmänncr wären zugleich v e r« urteilt worden, die Kosten des Erscheinens für die anderen W a h I in ä n n e r z n tragen, und zwar so oft sich der Wahlakt wiederholt hätte. Aber auch eine mehrfache Wahl wäre uns eine recht kostbare Spielerei gewesen, denn die Wahl findet in Speyer statt, was mit ganz erheblichen Kosten für die Wahlmänner verbnndcn ist. Im Wahlkreis Pirmasens Ivar die Sachlage etwas anders. Dort wurden 3 Abgeordnete dnrch 215 Wahlmänner gewählt, es entfielen davon 103 aus die mit dem Bund der Landwirte geeinigten National- liberalen und 102 Stimmen auf das Centnini. Unsere mit großer Mühe durchgebrackiten Genossen hätten sich dortselbst um die Wahl- Handlung drücken könncil, und es wäre ein sogenannter Liberaler und zwei Bündler gewählt worden. Sie hätten auch mit ihren zehn Stimmen für ihren Kandidaten demonstrieren können, beides lväre aber der Wählerschaft, ivie jedem vernünftigen Menschen unverständ- lich gewesen. Sic haben mit ihren 10 Stimmnn einen Sitz für den Landtag verlangt, und das Centn»», welches die Stimmen zum Siege haben mußte, hat ihn gewährt. Auch in Pirmasens ivar die Wahl frei von jedem K o in p r o in i ß. Die„ Sächsische Arbeiterzeitung" bemäkelt ebenfalls das Konipromiß und hegt die Befürchtung, daß„bei allein guten Willen die Bekämpfung einer Partei, niit der iiiaii eben eine gemeinsame Aktion durchgeführt hat, nicht niit der früheren Schneid, und der früheren Schärfe bewirkt werden könne." Sic»nag sich mit der Versicherung triistc», daß keinerlei iveitere Vereinbarungen als die vor der Abgeordnetenwahl getroffen wurden, die bezweckten, die Mandate gegenseitig zn sichern. Es lag nahe, die gegnerischen Kandidaten wenigstens ans die Einfiihning des allgemeinen Wahlrechts zu verpflichten, aber wir wollten auch nach der Wahl nach jeder Richtung hin frei und ungebunden sein, ivir ivollten kein Komproiniß, welches uns irgend welche Rücksichten für die Folge auferlegt hätte. Wir werde» den Kampf wie gegen den liberal-büiidlcrischcn Mischmasch, so auch in der seitherigen Weise gegen das Ccntrum weiter führen, um im nächsten Wahlkampfc selbständig zu siegen. Soviel steht fest, unser Eingreifen hat dem seitherige» miserablen Wahlrecht den Todesstoß versetzt. Die da glaubten, es wäre gnt genug, den Landtag vor einer Mehrung der socialdcmo kratischen Eiiidringliiige zu schützen, sehen heute ihren Irrtum ein. Ter nächste Landtag wird uns ein anderes Wahlrecht bringen. Sollte der„Kuhhandel"'keine weiteren für iiiiS günstigen Folgen haben, so iväre er als Triebkraft zu cincin andercn Wahlrecht nicht zu teuer. Wie dargcthan, waren wir gezwungen iiiiS nach einer Seite zu entscheiden. Wohl trennt utis eine ganze Welt vom Centrum. aber mehr noch ist fiir uns ein Zusamniciigchen mit d c in Ratiouab libcraliöinus. ivic er in der Pfalz schon seit Jahrzchiiten an der Herrschaft ist, unmöglich. Unseren Wählern wäre es unverständlich, eine Partei zu unter stützen, deren Organe bei jeder Gelegenheit nach einem neuen Ausnahmcgcsctze rufen, dse das Zuchthausgesctz für das Minimum dessen erkläre», womit sich die Regierung zufrieden geben solle und könne; die verlangen, daß den Socialdemokrate» das passive Wahlrecht entzogen, daß sie im Reichstag und in den sonstigen öffentlichen Körperschaften ans den Kommissionen geworfen werden. Dieser Gesellschaft den Garaus zu machen, dahin ging Wollen und Empfinden der Wählerschaft und unserer Parteigenossen. Wie seit Jahren. werden wir auch ohne die schulmeisterliche Aussicht, getreu unseren Grundsätzen, unsere Pflicht erfüllen. Daß die Berliner Schablone nicht auf alles paßt, das ist nicht i nse.e Schuld. Will man die Frage vor den nächsten Parteitag bringen, uns kann cS um so mehr recht sein, als wir glauben, uns so tvenig in principiellcr als in taktischer Hinsicht über unser Verhalten einen Vorwurf machen zu müssen. Ludwigshafen, 31. Juli. F. I. E h r h a r t. Lassalte und Schulze-Delitzsch. Die loyale Art, womit der„Vorwärts" sich in seinem vor- gestrigen Leitartikel über Schul�c-Dclitzsch ausgelassen hat, ist von der„Vossischen Zeitung" sofort mit illoyalen Quertreibereien, im Interesse des Kapitalismus beantwortet worden. Der„Vorwärts" hat darauf bereits in gebührender Weise geantwortet und dabei die redaktionelle Meinung geäußert, das Bestreben, sachlich und»übe- fangen zu urteilen, habe den Verfasser des Leitartikels in Nr. 180 des'„Vorwärts" vielleicht sogar zu einer kleinen Ucberschätzung chulzes verleitet. Diese Einschränkung wird vielen Lesern des„Vorwärts" sehr willkommen gewesen sei». Man ver- meidet heutzutage, wo die polemische Selbstkritik innerhalb der Partei zn einer etwas üppigen Blüte gediehen ist, gern jede nicht unbedingt notwendige Auseniandersetzung; nachdem aber schon eiw getreten ist,>vas nicht vorauszusehen war, nachdem einzelne Redc� Wendungen des Leitartikels in Nr. 180 in perfider Weise gegen Lassalle und die Socialdemokratie ausgebeutet worden sind, scheint cS mir eben doch unbedingt notwendig zu sein, diesen kapitalistischen TrickS von vornherein einen Stiegel vorzuschieben. Deshalb möchte ich niir einige ergänzende Bemerkungen zu jenem Leitartikel er- lauben. Von vornherein gebe ich dem Verfasser zu, daß der heutigen Socialdemokratie, um rbrcr cigencn Würde willen, nicht erlaubt ist, über die historische Wirksamkeit Schnlzcs mit einigen heftigen Rede- Wendungen abzuurteilen, die Lassalle in seiner Polemik gegen Schulze gebraucht hat. Von demselben Gesichtspunkt aus. wenn auch mit mannigfach anderen Resultaten, habe ich, ehe»och der Leitartikel in Nr.' 180 veröffentlicht wurde, eine historische Würdigung Schulzes in der„Neuen Zeit" versucht. Hierüber also besteht kein Streit, wohl aber liegt auch kein Gnmd vor, gegen Lassalle ungerecht zu werden, um ja gegen Schulze gerecht zu sein. Die Worte Lassalles. die den Ber- fasser des Leitartikels„befremden", habe» nichts Befremdendes für den, der die historischen Akten kennt. Sie waren in der Form die notgcdrungcne Abwehr geradezu infamer Verleumdungen, die gegen Lassalle geschleudert wurden, weil er in großer Weise für die große Sache des Proletariats kämpfte, und sie waren in hrem Inhalt nichts als die nackte, schlichte Wahrheit. In der That, wenn Lassalle in seinem„ Bastiat- Schulze' schrieb: In dem Augenblick, wo ich dieses Werk in die Presse gebe, können Sie sich für tot betrachten, und in dem Augenblick, wo es einige Tausend Leser gestuiden hat, auch für begraben", o ist diese Prophezeiung wörtlich eingetroffen. Was zunächst Lassalles polemische Form anbetrifft, so ist er da ja allerdings in einer üblen Lage, wenn auch aus keinem anderen Grunde, als weil er mit seiner sachlichen Polemik einen überwältigenden Erfolg gehabt hat. Lassalles Schriften leben noch heut, sie sind weit über die Kreise der Partei hinaus bekannt, während die Schimpfereien seiner Gegner seit dreißig Jahren einer— an und ür sich gewiß wohlverdienten— Vergessenheit anheimgefallen sind. Wer liest denn heute noch SchulzcS„Arbeiterkatechisnuis" oder gar die damalige fortschrittliche Presse? Wir hören noch das Echo, das aus dem Walde herausschallt, aber wir hören nicht mehr den Lärm, der in den Wald hineinschallte. Klingt das Echo für sittsame Gemüter „befremdend", nun wohl; aber der unparteiische Historiker wird sich zunächst an den Lärm halte», der das Echo hervorrief. Hätte der Ver- fasser deS Leitartikels in Nr. 180 erst die damalige fortschrittliche Presse geprüft, so würde ihn Lassalles polemische Form schwerlich„befremdet", er würde sich.vermutlich mit der Bemerkung begnügt haben: Gewiß hat sich Lassalle mit dem leidenschaftlichen Stolze gewehrt, der dem Vorkämpfer einer großen Sache wohl anstand, aber er ist nie in die Tiefe bübischer Gemeinheit gesunken, womit ihn seine fortschrittlichen Gegner tagtäglich überhäuften. Es sei nur an die Volksversammlung vom 19. April 18ö3 er- innert, in der die damalige Fortschrittspartei ihr erstes großes Vehm- gericht über Lassallc hielt' Der von ihr bestellte Referent Haase, ein Beamter Borsigs, führte aus, Lassalle habe in jungen Jahren eine Kassette gestohlen, was ihm wegen seiner pfiffigen Rabulisterei von den Gerichten freilich nicht habe' nachgewiesen werden können, und übrigens sei noch keineswegs aufgeklärt, ob Lassalle nicht in den Raubmord vcrivickelt sei. der damals in der Nähe seiner Wohnung an einer Frau um 25 Thaler willen begangen worden war. ES ist wahr: diese anmutige Kampfmethode ging wenigstens eine m Fort- schrittlcr über die Hutschnur: Ludwig Löwe erhob sich und sagte, man möge Lassalles Argumente so scharf bekämpfen, wie man wolle, aber man solle nicht Waffen gebrauchen, die nur den cnt- würdigten, der sie führe. Aber Ludwig Löwe wurde unter dem er- hebenden Schlachtruf: Haut ihn! und Schmcist ihn raus! nieder- gebrüllt. Und diese Scenc pst nur ein Item aus dem Hexensabbat, der tagtäglich in den fortschrittlichen Blättern und Versammlungen gegen Laffalle tobte. Der Inhalt aber von Lassalles„befremdenden" Sätzen ist einfach historische Wahrheit. Die Verdienste Schnlzcs uni das Ge- nosscnschaftswcsen habe ich in der„Neuen Zeit" nach historischen Gesichtspunkten fcstznstellen gesucht und will mich hier nicht wieder- holen; ich hebe nur hervor,' daß nicht Lassallc. sondern der ebenso eifrige wie sachkundige Genossenschaftsmann Albert Lange schon in SchnlzeS Blütezeit das Urteil fällte, Schulze habe seine Genossen- schaften doch nur in„ilcinbürgcrlich-philiströser", in„ängstlicher" und„einseitiger" Weise zn organisieren verstanden. Lassalle erkannte vielmehr diese Verdienste Schulzes, wie immer es sonst um sie bestellt sein mag, von vornherein ohne alle kleinliche Mäkelei und in vornehm-ritterlicher Weise an, wie es der Leitartikel in Nr. 130 ja auch hervorhebt. Nur freilich sind diese Sätze LassallcS so wenig das historisch erschöpfende Urteil über den ganzen Schulze, wie spätere polemische Nedewendungen Lassalles ein solches historisch erschöpfendes Urteil sind. Schulze erwiderte Lassalles ritterliche Slb- sage in sehr nnritterlicher Weise; nicht als praktischer Genosscnschafts- ninnn. sondern als wissenschaftlicher Theoretiker suchte er Lassalle wie einen dreisten Halbwisser und thatsächlich wie einen unwissenden Demagogen zu zerschmettern. Demgemäß rechnete Lassalle nicht mit dem Genossenschaftsmann, sondern mit dem Theoretiker Schulze im„Bastiat- Schulze" ab, und dieser Theoretiker war tot, als der„Bastiat-Schulze" erschien, und er war begraben, als der„Bastiat-Schnlzc" einige Tauscnd Leser gefunden hatte. Wenn daher der Leitartikel in Nr. 180 sagt, daS heutige Urteil der Socialdemokratie laute„niehr im Sinne" des Urteils, das Lassalle über den Genossenschaftsmann Schulze gefällt hat, so kon- strnicrt er Gegensätze, die historisch nicht bestanden haben und nicht bestehen. Gewiß, zieht man von jenem Urteil Lassalles das ab, was ihm sein ritterlich-vornehmer Sinn gegen einc» Gegner an- gab. dem er ehrliche Fehde ansagte, so bleibt cS wirksam; daß Schulze gewisse Verdienste um das dcuische Genossenschaftswesen besitzt, die im einzelnen festzustellen Sache der historischen Forschung ist, läßt sich nicht bestreite». Ebenso wenig läßt sich bestreiten, daß Laffalle im„Bastiat-Schnlzc" den Theoretiker Schulze ein- für allemal tot- geschlagen hat. Man prüfe die damalige Littcratur, und man wird finden, daß der Theoretiker Schulze einfach von der Bildfläche weg- gewischt war, was selbst die„Deutsche Arbeiterzeitung" in Koburg aiicrkannte, dasjenige Organ der Fortschrittler und Nationalverciiiler, das die kapitalistische„Selbsthilfe" den deutschen Arbeitern schmack- Haft machen sollte. Weist man etwa darauf hin, daß der Theoretiker Schulze gelegentlich noch in den StedaktionLränmcn einiger kapitalistisch besonders verbohrter Organe, tvie der„Vossischen Zeitung" und der„Freisinnigen Zeitung" als Gespenst rumore, so vermag ich daraus nur zu folgern, daß dieser Theoretiker nicht nur längst tot und begraben, sondern inzwischen auch schon verwest ist. Der Theoretiker Schulze war aber die Verkörperung der vulgär- ökonomischen Bourgeoistiradcn, Ivomit die damaiigcn Arbeiter über alle ihre Lebensinteressen verdummt werden sollten, iliid diesen geistigen Bann dnrch seinen„Bastiat- Schulze" gesprengt zn haben, war unter de» historischen Thaten Ferdinand Lassalles wahrlich nicht die geringste, die Ivir den heutigen Arbeitern dnrch weinerliche Betrachtungen über SchulzcS„tragisch verhängnisvolles" Los doch lieber nicht verdunkeln wollen. UebrigenS vermag ich fiir die vorstehenden Bemerkungen einen sehr klassischen Gewährsmann anzuführen, keinen Geringeren, als Herrn Friedrich St ephany, Chefredakteur der„Voss. Ztg.". Wie oft hat er sich, als er noch Socialdcinokrat war, in ähnlicher Weise ausgclasseir, nur mit einer fenrigcn und glutvollen Bcrcdtsamkeit, von der meine arme Feder auch nicht die entfernteste Vorstellung zu geben vermag! Man lese nur im„Socialdemokcaten" der sechziger Jahre, wie trefflich der vierzigjährige Stephany den Herrn Engen Züchter hcrnnterzupntzcn wußte wegen desselben abgeschmackten Gefasels über Lassalle und die Socialdemokratie, womit heute der siebzigjährige Ehren- und Jubelgreis Stephany hausiert I Damals war Stephany noch nicht der Kulitreiber eines reichen Geldprotzen und mit Berliner Bankhäusern machte er auch noch keine lukrativen Prcßgeschäfte. Gleichwohl ahnte Lassalle im„Bastiat- Schulze' auch ihn voraus, als er aus Goethe c'ticlte' Das Zeitungsgeschwister, Wie mag sich's gestalten, Als um den Philister Zum Narren zu halten? F. Mehring. Nmmniutalvs. Der RnSschnff der Stadtverordnete»- Versammlnng zur Vorberatung über die gegen die Gültigkeit der Gemeindc-Wähler- listen erhobenen Einwendungen hat unter Vorsitz des Stadt- verordneten Justizrats Meyer' gestern beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, von den gegen die Nichtigkeit der Gemeinde-Wähler- isten erhobenen 67 Einsprüchen 24 als begründet anzuerkennen und die betreffenden Beschwerdeführer nachträglich in die Wählerlisten einzutragen, dagegen die übrigen 43 zurückzuweisen. Aufgenommen sind sämtliche Chambregarnisten, während alle Schlafstellen-Jnhaber principiell abgewiesen worden sind. Diese Zurückweisung der Schlaf- burschcn ist, wie an anderer Stelle des ausführlichen dargelegt ist, mit dem Gesetz nicht vereinbar. Es wird wohl amZ Donnerstag eine lebhafte Debatte über diese Frage entbrennen. Ebenso sind ab- gewiesen 3 Einsprüche, weil sie nur zu 2,40 M. Steuer veranlagt sind, 1 wegen noch nicht erreichter Wahlsähigkeit, 5 weil sie noch nicht ein Jahr m Berlin wohnen, 6 wegen nichtgezahlter Steuern und 9 wegen verspäteter Einreichung des Einspruchs.— Uolrnles. zur den Nachricht, 13. d. M. Achtung 1. Wahlkreis! Den Parteigenossen daß die Mitglieder des Wahlvereins am Sonntag, einen Ausflug nach Pferdebucht machen. Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof vormittags 9,10, 9,45, 10,45 und 11,45 und nachmittags 12,32 und 1,20 Uhr bis Köpenick, von dort zn Fuß nach Pserdebucht. Kaffeekochen. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Achtliug, Parteigenossen; Am Sonnabend den 12. August veranstaltet die Gesellschaft„Gambriims" eine Mondscheinfahrt ver- luinden mit grostem SommernachtSball, und zlvar in Ncptunshain. Wie bekannt.' steht der Arbeiterschaft genanntes Lokal nicht zur Verfügung. Da versucht wird, in Arbciterkreisen Billcts umzusetzen, so wollen die Genossen hiervon Notiz nehmen. Lm ferneren weisen ivir auf die am 16. Juli erschienene Lokal- liste hin. Es ist umsomchr die Pflicht der Parteigenossen, alle nicht auf der Liste stehenden Lokale zu meiden, als dafür gesorgt ist, dast der Pnrrcigenosseiischaft eine in jeder Beziehnng genügende Anzahl von Lokalen zur Verfügung steht. Die Lokalkommission. Der bekannte Turnverein„Fichte" veranstaltet auch in diesem Jahre ein großes S o in m c r s c st, das am kommenden Sonn- abend in der„Neuen Welt", Hasenhcidc 106/111, abgehalten wird. Das Programm, das außer den turnerischen Aufführungen Konzert, Spccialitäten- Vorstellung, Kinderbelustigungen und Ball auszählt, ist von vielseitigem und interessanten Inhalt und wird die zahlreichen Freunde des Vereins in jeder Hinsicht befriedigen. Der billige Preis von 25 Pf. für die Eintrittskarte ermöglicht es der Arbeiterschaft, sich rege an diesem Fest des Turnvereins„Fichte" zu beteiligen. Der socialdeniokratische Wahlverein für de» zivelten Wahlkreis hält am Dienstagabend 8 Uhr im KönigShof, Bülow- straße 37, eine Versammlung ab, auf die wir die Parteigenossen über Welthandel und K'olonial- Genosse Jahn spricht hinweise». Politik. Am Sonnrag, den 13. August, nachmittags 4 Bestchtigung der Treptower Sternwarte. den Zahlstellen zu haben. Uhr, erfolgt eine BilletS sind in Im Dienst der Kirche stehen zur Sonnnerszcit eine nicht unbedeutende Zahl von Arbeitern denen auf den Bcgrnbnisplätzen die Pflege, insbesondere das Bc> gießen der Grabhügel obliegt. Wer zur Zeit einen Kirchhof besucht und diese Arbeiter bei ihrer Thätigkeit beobachtet, wird finden, daß die Arbeitsleistung derselben' keine leichte ist. Während sonst überall in Gärten und Parkanlagen daS Begießen mittels eines au einen Hydranten angeschraubten Schlauches ausgeführt wird, fehlt auf den Bcgräbnisplätzen der Kirchen� gemeinden diese moderne Einrichtung noch gänzlich. Viel leicht weniger deshalb, iveil ja die Kirche nieist eine geborene Feindin jedes Fortschritts ist, als vielniehr wegen des Kostenpunktes, der bei der Einrichtung einer Wasserleitung und dem Verbranch von Leitungswasser in Frage kommt. Wie in der„guten alten Zeit", so müssen die Kirchhofsarbeitcr noch heut mittels einer auf die Schultern gelegten Trage und daran hängenden großen Eimern das Wasser vom Bruuncn nach der Stelle, wo es verbraucht wird, heranschleppcn. Jedem Arbeiter ist ein bestimmtes Revier zugeteilt, in dem durch- schnittlich 100 Grabhügel liegen, welche der Arbeiter nachmittags zu begießen hat. Vormittags werden andere Arbeiten ausgeführt: nur bei sehr großer Hitze wird auch akn Vormittag gegossen. Die Kirch- bofsarbeitcr habe», abzüglich der Pausen, eine tägliche Arbeitszeit von 11 Stunden und bekommen dafür in den weitaus meisten Fällen einen Tagelohn von 3 M. Gewiß ein bescheidener Lohn für die anstrengende Arbeit. Die Kirchcngcmcinden wären wohl in der Lage, etwas mehr zu zahlen, denn sie erzielen durch die Thätigkeit der Kirchhofsarbeitcr einen nicht unbedeutenden Gewinn, wie folgendes Rechenexcmpcl zeigt: Die Kirche läßt sich für das Gießen eines Hügels(für die Zeit vom 15. April bis 15. Oktober den hohen Preis von 6 M. zahlen, das macht also für 100 Hügel, welche ein Arbeiter zu gießen hat, 600 M. Da also baS Gießen nur dcS Nachmittags Ivährcnd der 6 Monate erfolgt(das sind 180 halbe' � Tage a 1,50 M.), so zahlt die Kirche für das Begießen von 100 Grabhügeln an Arbeitslohn 270 M. Sie erhält für diese Arbeit 600 M., so daß ihr also an einem einzelnen Arbeiter ei» Untcrnchniergclvinn von 330 M. bleibt, wovon allerdings eine Kleinigkeit für Abnutzung von Brunnen und Geräten abzuschreiben wäre. Damit nun den Kirchcngcmcinden auf diesem einträglichen GcschäftSgebict keine Konkurrenz erwachse, so haben sie verstanden, sich das Monopol für die Pflege der Grabhügel zu sichern. Am Eingang der meisten Lsirchhöfc prangt cm« Tafel, deren Jnschnftdie Interessenten unterrichtet, daß lnutÄonsistorial- Ordnung vom Jahre 1848 das Gießen der Grabhügel nur den An- gehörigen der Verstorbenen oder deren Dienstboten gestattet ist, daß aber, wenn das Gießen gegen Vczahlnng ausgeführt wird, dies Geschäft niemand anders als der Kirchhofsverwaltung übertragen ivcrdcil darf. Die Befolgung dieser Vorschrift ivird mit äußerster Strenge kontrolliert. Wehe dem Kirchhofsarbeitcr, der eS wagen würde, eine Kanne Wasser auf einen von den Angehörigen gepflcgtcil Hügel, wenn diese selbst einmal verhindert sind, zn gießen. Das christliche Gebot, daß man seinem Nächsten„förderlich und dienstlich" sein soll, hat in diesem Falle, Ivo der Profit in Frage kommt, keine Gültigkeit. Der betreffende Arbeiter Ivird mit sofortiger E n t I ajs s u n g bestraft. Ein für die Kirche ebenso ein- trägtiwes Geschäft, wie das Gießen, ist das Belegen der Grabhügel mit Rascn. Fünf Arbeiter belegen zusammen a» einem Tage 25 Hügel. Das macht an' Arbeitslohn 15 Mark. Die Kirche bezieht aber für da? Belegen eines HügcIS durchschnittlich 5 M.. also für 25 Hügel 125 M. Rechnet man die Kosten des hierzu erforderlichen Rasens mit 10 M., so bleibt der Kirche bei einer Tagesleistung von 5 Arbeitern ein Unternehmergelvinn von 100 M., oder an jedem einzelnen Arbeiter ein täglicher Profit von 20 M. Man sieht, daß die Kirche, die ja stets eine» gute» Magen hatte, sich im Zeitalter des Kapitalismus auch trefflich auf daS Einsacken eines anschulicheii Uutcruehmergeivinncs versteht. Zur Erhöhung der Fcuerstcherhcit in Theatern,' Waren- Häusern und Schaufenstern sind im letzten Jahre seitens der Feuer- Wehrverwaltung wirksame Anordnungen getroffen worden, die sowohl zur Beruhignug des Publikums, wie auch zur Verringerung der Brände wesentlich beitrugen. Was die Zahl der Schaufenster- brande anbelangt, so bleibt dieselbe ihrer Höhe nach weit zurück hinter derjenigen früherer Jahre. So erregte das fast gänzliche Fehlen von Schaufcnsterbrändcn während der lctztvcrfloffcncn Weihnachtszeit in eingeweihten Kreisen geradezu Aussehen. Zurückzuführen ist dieser erfreuliche Rückgang zweifellos ans die von dem Branddirektor GierSbcrg angeordneten periodischen Revisionen der Geschäftslndcn durch Öberfeuer- »nänner, wobei den Ladeninhabern aufgegeben wurde, etwaige Mängel in der Beleuchtungsanlage schleimigst zu beseitigen. Wo letzteres nicht gutwillig geschah, griff auf erstattete Anzeige hin die Polizei ein und erzwang die Abstellung der Mißstände. Bei den neu zn erbauenden großen Waren- und Kauf- Häusern wird feuerpolizeilicherseits jetzt ei» Hauptgewicht darauf gelegt, daß die Beleuchtung»- und Heiznngsanlagcn, sowie nameut- iich auch die Treppen und die Ein- und Ausgänge nach ganz bc- stimmten Normen angelegt werden, die die Gefahr für Mcnichen- leben beim Ausbruch eines Feuers möglichst abschwächen.� Aber auch bei den bereits bestehenden großen Warenhäusern, die meistens bereits ihre eigene ausgebildete Haus- Feuerwehr haben, haben nachträglich im Interesse der Feucrsicherhcit mancherlei bau- liche Mängel beseitigt, bezw. Ncuanlagcn vorgenommen werden müssen. Hauptsächlich aber wurden die auf jenen Grundstücken an- gelegten Hydranten und Wasserleitungen, sowie die vorhandenen Schläuche in kurzen Zwischenpansen auf ihr ordnungsmäßiges Funktionieren hin von der Berufs-Feucrwchr geprüft. Bezüglich der Theater sind im letzten Jahre zur Erhöhung der Feuc'rsicherheit Einrichtungen geschaffen, die teilweise einen völligen llinbau der Bühne oder de» ganzen Theaterraums erforderlich machten. Hierher gehört m erster Linie die schon seit Jahren von der Polizei geforderte R e g e n V o r r i ch t u n g, die es ermöglicht, bei», Ausbruch einen BiihncnbrandcS binnen wenigen Seknnden die Bühne unter Waffcr zu setzen. Diejenige» Theater, die l isher ans Sparsamkeitsriicksichten die Herstellung d.. er Regen- vor. i/ timg von einem Jahre zum anderen verzi. meu, yabeo sich mm dem erforderlichen Geldopfer bequeme« miiiicu. Die Berliner Feuerwehr besteht nach dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht des Branddirektors aus 21 Offizieren, dem Brand direltor Giersberg. 6 Brandinspektoren und 14 Brandmeistern. 86 Obcrfeuermäniiern, Obermaschinisten zc. und 740 Feuer« und Spritzmänncrn. Das Bureau- und Telegraphenpersonal umfaßt 52 Beamte. Ueber die Hilfeleistungen der Feuerwehr im letzten Verwaltungsjahre bringt der Jahresbericht nachfolgende Angaben Im ganzen wurde die Feuerwehr 2465 mal alarniiert, darunter 35 mal in böswilliger Absicht. Großfeuer wurden S2 gemeldet, Wasserrohrbrüche 6, zur Befrei»' von Menschen oder Thieren auS einer Notlage wurde die Feucriveyr 3 und 78 mal, bei Wasser» gesahr und bevufs Samariterhilfe 52 und 84 mal alarmiert. Die meisten Alannierungen(25) an einen, Tage fanden bezeichnendem weise am 2. September v. I.(Sedanfest) statt, ohne Alarinierung verliefen nur zwei Tage. Kapitalistische Ethnographie. Sehr erbauliche Enthüllungen giebt einer der Leiter der verflossenen Ausstellung am Kur f ü r st e n d a m m, Herr Dr. Max Ohnefalsch-Richter über die Griiiidnug und Leitung dieses Unternehmens zum besten. Die Ausstellungen Transvaal 1897 und Indien 1898� sind be kanntlich so elend verkracht, daß eine Million Mark dabei verloren gegangen sein soll und den Gläubigern nur 6 pCt. ihrer Forderungen aus der Liquidationsmasse gezahlt werden konnte. Die Aktiva (Gebäude), die mit 744 168 M. zu Buch standen, hat man jetzt für 37 000 M. auf Abbruch verkauft. Herr Dr. Max Ohnefalsch-Richter schreibt in der von Herrn Hans Land herausgegebenen Wochenschrift„Das neue Jahrhundert": „Die tollsten Sachen sind vorgekommen. So haben Lieferanten ihre Wagen mit Baumaterialien zu einem Thore hinein, zun, andern wieder, unabgeliefert, hinausfahren lassen und sind dann ein zweites Mal mit derselbe» Ware, die schon als abgeliefert gebucht war, wiedergekommen I" Das Hauptrestaurant der Ausstellung ist dem Restaurateur Schaurts überlassen worden. Interessiert es uns auch weniger, was der Verfasser über die auffallend günstigen, für die Gläubiger aller« dings ebenso nachteiligen Bedingungen schreibt, unter denen die Be- wirtschastung Herrn Schaurts übertrage» wurde, so verdienen umso mehr die Kiagen über gewisse Einrichtungen des Restaurants gelesen zu werden: „Die ebambres separeos, die ein Heidengeld durch ihre mehr als üppige Einrichtung verschlungen hatten, wurden, wie voraus zusehen war. beinahe gar nicht benutzt, weil die Herren mit ihren M a i t r e s s e n nicht durch ein oft dichtgedrängtes Aus stelluugspublilum Spießruten laufen mochten. Um die Lebe und Halbwelt dieser Spießrutenpromenade nicht länger auszusetzen, bckan, einer der Verwaltungsräte im zweiten Jahre die kapitale Idee, für die ebambres sepärees von der Straße her eine Entreo söparee durch mein DircktionSzimmer durchzubrechen. E» hat Mühe gekostet, diesen hochmoralischen Plan zu hintertreiben." Eeinen, Mitdirektor macht der Verfasser, dem wir natürlich die Verantwortung für seine Darstellungen überlassen müsse», den Vom Wurf, daß für ihn das ethnographische Mäntclchcn nur da war, um die von ihm, dem Mitdirektor geübte Methode des Gcldverdieuens zu maskieren.„Meine Art, die Ausstellung vorzubereiten, war ihn, viel zu solid." Herr Dr. Ohnefalscfc-Richter hatte persönlich in Süd- afrika Schritte untenionimen, um die Goldproduktion auf der Aus> stellung vorführen zu können. „Ich war gerade im Begriff, Säcke zu kaufen und das Golderz verladen zu lasic», da erhielt ich von meinem Mitdirektor nnd dem Berwaltuugsrate per Kabel ein langes Telegramm. Ich sollte wohl den K a p w e i n und die K a p n, ä d ch e u mitbringen, aber nicht das Golderz, da die Polizei das Aufstellen des Pochwerkes im Westen nicht gestatte." Der Verfasser schließt seinen Artikel:„Ich bedauere heute von ganzen, Herzen, alles eingesetzt zu haben für ein Untenichmeu. bei dem nur der Geldbeutel und auch der noch nicht einmal in richtiger Weise, sondern kurzsichtige Krämerpolitik zur Geltung kam, die den Erfolg einer Ausstellung in erster Linie in der verschwenderischen Pracht von„cbamdres separees" für die Lebemänner der Oberen Zehntausend" und in der Konzessionierung einer Goldgräbcm schenke für das üb,-ige Publikum erblickte, in der der höhere Blödsinn des„Groben Gottlieb" von Alt-Berlin in neuer aufgewärmter Auf läge seine» bombastischen Einzug hielt." Der geschäftSsühreude Ausschuß der in Berlin ansässigen Gesellschaft ftir Volksbäder ladet die Architekten und Ingenieure Deutschlands ciu, sich an einem gemeinnützigen Wettbewerb zur Er langung mustergültiger Pläne für die Errichtung einfacher aber ein- ladender Volksbäder zu beteiligen. Zu entwerfen ist eine große Anstalt für 200 Badende in einer Stunde und eine lleine für 40 Badende, und zwar in je zwei Lösungen für einen freiliegenden und einen von Nachbargebänden eingeschloffenen Bauplatz. Die Bc- Werber können die Aufgabe im ganzen Umfange bearbeiten oder sich nur mit je einem Plane oder je zwei Plänen für eine große oder eine kleine Anstalt beteiligen. Zur Erteilung von Preisen ist der Betrag von 3000 M. ausgesetzt, der so verteilt werden soll, daß für die besten Entwürfe zu einer großen Anstalt zwei Preise von je 900 M„ zu einer kleinen zwei Preise von je 600 M. gewährt werden. Die Entwürfe find spätestens bis zum 31. Dezember d. I., abends 6 Uhr, an die Geschäftsstelle der Gesellschaft in Berlin Karlstraßc 19, einzusenden. Die näheren Bedingungen des Weit bcwerbs sind von der Geschäftsstelle der Gesellschaft kostenfrei zu bezichen. Die Allgemeine �e.liuer Quinibus- Aktiengesellschaft hat die städtische Verkehrsdepulmion dabo» in KeimtiiiS gesetzt, daß sie im Laufe des Monats September die probeweise Einführung dcS elektrischen Betriebes für Straßenomnibusse vorzunehmen beabsichtigt. Zunächst sollen zur Bedienung der internationalen Motorwagen-«usstelluna vier Wagen regelmäßig in der Zeit von morgens 9 Uhr bis abends 9 Uhr vom Anhalter Bahnhof durch die Hcdenianu-, Wilhelm-, Neue Wilhelm-, Luisen«, und Karlstraße nach der gciiamiteu Ausstellung verkehren. Nach Schluß der Ausstellung ollen acht Wagen in Berricb gesetzt werden und zwischen Anhalter und Stettincr Bahnhof regelmäßig verkehren. Heilgehilfen- Ordnung. Die durch Erlaß des Medizinal. minister» vom 17. Juli d. I. geuchnngte Heilgchilfcn-Ordnuiig für die Stadtkreise Berlin und Charlotteuburg wird durch den Polizei- präsidcutci, veröffentlicht. Den, nach stcheu die Heilgehilfen und Masse, iscu unter Aufsicht des von, Polizeipräsidenten hierfür be- 'telllcn Medizinalbcamtcn und sind, unbeschadet der durch besondere polizeiliche Anordnungen und sonst anserlcgtcu Verpflichtungen, ge. halten: a) sieb bei Ausübung ihre» Berufes genau nach dem vom SanitätSrat Dr. Granier in, amtlichen Auftrage herausgegebencu „Lehrbuch für Heilgehilfen und Masseure(Berlin bei Richard Schoctz, Luiscnstr. 36) und den dasselbe abändernden und ergänzenden Bestimmungen des Polizeipräsidiums zn richten: d) ein Tagebuch zu führen, aus welchen, der auifichtsführende Medizinalbeamte jederzeit den Rainen und die Wohnung der Patienten, die Natur der Krankheit, Datum. Preis und Art der Ver- richtling. ferner den Namen des behandelnde» Arztes bezw. Zahn. arzteS ersehen kam»: o) im Besitze der vom auffichtSführcnden Mediziualbcamten zu bestimmenden, stets in sauberem Zustande zu erhaltenden Instrumente und Gerätschaften, sowie der hierzu und zur einfachen Wundbehandlung erforderlichen DeSinsektionsnüttel und dcS zu a) genamitcn Lehrbuches zu sein. Besondere Sprechstunden (Ofstcincn) zu halten. sind sie nicht vcrpfliihtet: jedoch sind die den Patienten zugänglichen Räume stet» in sauberem Zustande zu halten: 6) sich aus Verlaugeii des mifsichtSführenden Medizinal- bcamten jeder Zeit einer Revision der zu c) genannten Räume und Gegenstände und einer Nachprüfmig zu unterziehe». Die Heilgehilfen find die Gehilfen des Arztes und haben dessen Weisungen bei Ausübung ihres Berufes unbedingt Folge zu leisten. Es ist ihnen untersagt, an den Berufshandlungeu von Aerzten Kritik zu übe», einen Arzt vor den anderen vorzuschlagen oder in anderer Weise die Patienten in der Wahl eines Arztes zu beeinflussen. Die Heilgehilfen und Masseure sind endlich, auf ausdrückliche Anordmmg der Aerzte, zur vornahm« derjenigen Verrichtungen verpflichtet, auf die ihr Befähigungszeuguis lautet. Andere Verrichtungen anzu- nehmen ist ihnen auf ausdrückliche Anweisung des Arztes erlaubt, sie sind dazu aber nicht verpflichtet. Die selbständige Vornahme oder Anpreisiiiig von Kuren, die Abgabe und Anpreisung von Medi- kamentcn, die selbständicse Anwendung schmerzstillender narkotischer Mittel und deren Anpreisung sind ihnen untersagt. Der Micterbercin schreibt unS:„Nene Mietsvertrags-For- mulare nach den Bestimmungen des neue» Bürgerlichen Gesetzbuches bilden gegenwärtig den Gegenstand allseitiger Nachfrage, besonder? bei de» Mietern, welche zn», 1. Oktober d. I. oder zum 1. April n. I. neue Mictsverträge abzuschließen genötigt sind. Die von den einzelnen Hausbesitzer- Vereinen herausgegebenen Mictsvertrags- Fornmlare wollen nun, den Wünschen der Hausbesitzer entsprechend, alle Rechte, die da» neue Gesetz den Mietern giebt, und alle Pflichten, die es den Hausbesitzern auferlegt, beseitigen. Sie verlangen vor allen Dingen die Mituiiterschrift der Frau, während das neue Bürgerliche Gesetzbuch gerade dahin strebt, daß die Frau nicht vertraglich durch einen liederlichen Manu mit verpflichtet werden darf. Die von den Haus- besitzcrvereiuei, herausgegebenen Mietsverträge scheiden also samt und sonders aus, wenn man einen nach dem neuen Recht sich richtenden Vertrag haben will. Da auch andere Mietsverträge mehr die Juteressei, der Hansbesitzer als die gesetzlichen Rechte der Mieter berücksichtigen, so bleibt als einzig verwendbare» Mietsvertrags- Forinular nur da» vom Verein Berliner Wohnungsmietcr heraus- gegebene übrig. Dieses ist im Verlage der Druckerei von W. Röwcr, Elsasierstr. 5, erschienen und daselbst, sowie im Vereinsbureau, SolmSstr. 30 I, zu haben." Unter dein ZuchthanSkurS verdient die folgende Reporter- Meldung, die eine» lomischcn Anstrichs nicht entbehrt, einige Beachtung: Ei» Mißverständnis verursachte Freitagnachmittag in der C h a r i t ö einige Aufregung. Gegen 1 Uhr kamen im Eilschritt sieben Schutzmänner unter der Führung eines Wachtmeisters in das Krankenhaus gelaufen mit der Meldung, sie seien durch den Fernsprecher gerufen worden, um bei einem Auf st and unter den G e i st e s k r a n k e n in der neuen Charitö Hilfe zu leisten. In der Charitö selbst aber lag alles im tiefsten Frieden, es war auch nicht die geringste Störung vorgekommen und die Ver- waltung hatte gar nicht daran gedacht, die Polizei zu rufen. Man glaubte zunächst an einen nichtswürdigen Streich, aber bald hat sich der Vorgang anders aufgeklärt. Auf dem Neubau der Nerven- Heilanstalt bekundeten mehrere Steinträger ihre Unzufrieden- hcit mit ihrem Lohn, verlangten 50 statt 45 Pf. die Stunde und legten, als man ihre Forderung abwies, die Arbeit nieder, während der andere Teil weiter arbeitete. Als nun die Ausständigen gegen die Arbeitenden Drohungen aus- stießen, fürchtete die Bauleitung, daß es zu Ausschreitungen kommen könnte und wollte für alle Fälle Polizei in der Nähe haben. Nachdem das Polizeipräsidium die Verbin- duug mit der Wache des 5. Reviers hergestellt hatte, meldete» sich drei' Reviere zu gleicher Zeit. Infolge dessen war daS Gespräch wohl schwer verstandlich, ein großes Aufgebot eilte statt nach dem Baugelände nach dem Krankenhause und meldete sich bei der Direktion statt bei der Bauleitung. Ob die Bauleitung, die ihren Willen haben wollte, nachträglich noch durch daS Erscheinen des SchutzmannSaufgebots beglückt worden ist, wird nicht berichtet, doch darf man solches wohl für selbstverständlich halten. Ebenso selbstverständlich ist es natürlich auch, daß daS eilige Herbei- rufen der in solchen Dingen immer willfährigen Polizei einer jener ganz gewöhnlichen Unternehmertricks war, durch die man den Arbeitern m plumper, haßerregender Weise zu imponieren hofft. Am Unter- nehniertun, liegt es wahrlich nicht, wenn Gewaltthättgkeiten vor allem unter organisierten Arbeiten: eine so seltene Erscheinung find, daß die Bearbeiter jener bekannten Denkschrift dem Reichstage meist nur ei» zur Heiterkeit stimmendes Material vorsetzen konnten. Durch einen Sturß aus dem Fenster getötet hat sich gestern morgen um 5 Uhr die 28 Jahre alte Frau Emma des Hut- fabrikantc» Hermann Lange auS der Gartenftraße 41. Frau Lange, die seit drei Jahren verheiratet war, hatte sich eine Krankheit zu- gezogen, und war infolge dessen tiefsinnig geworden. Während der vergangenen Nacht stand sie mehrmals auf und ging in daS Vorder- zimmer ans Fenster, kehrte aber jedesmal bald in daS Schlafzimmer zurück und legte sich wieder zu Bett. Um 5 Uhr morgen? erbob sie sich wieder und sprang nun, nur mit dem Hemde bekleidet, unversehens aus dem Vorderfenster der im vierten Stock gelegenen Wohnung auf den Bürgersteig hinab.„Adieu Hermann!" rief sie ihrem Manne zu, und einen Augenblick später lag sie mit zer- schmetterten Gliedmaßen auf dem Pflaster. Der Tod trat auf der Stelle ein, wahrscheinlich infolge eines RückgratbrucheS. Lange kam feiner Frau an daS Fenster nachgestürzt und streckte ihr noch beide Hände hinaus. Hieraus entstand in der Nachbarschaft daS Gerücht, er habe seine Frau hinabgeworfen. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begründung. Eine Tragödie aus dem Arbeiterlebe«. Freitagabend wurde der Stcinträger B. plötzlich in der Bülowstraße von einem Starrkrampf betroffen und blieb regungslos mitten auf der Promenade liegen. Mehrere Arbeiter und ein Schutzmann bemühten sich um den Erkrankten. Man legte ihn zur Seite auf den Rosen und flößte ihm verschiedene stärkende Gelränke ein, jedoch ohne Er- folg. Eine Zeitungsfrau, die vorüberging, erkamtte zu»hrem Eni- setzen in dem wie leblos Daliegenden ihren Mann. Wie sie erzählte, war dieser erst vor 14 Tagen aus dem Krankenhause entlassen worden und seitdem auch arbeitslos. Da keine Besserung eintrat, schaffte der Schutzmann mittels Droschke den Kranken in seine Wohnung. Die bedauernswerte Frau konnte ihren hilflosen Mann nicht einmal selbst nach Hause begleiten, da sie die Abendzeitungen pünktlich bei den Abonnenten abliefern mußte. Nach Berübung von Nnterschlagunge», Betrug und Urkundenfälschungen in mehr als 20 Fällen flüchtig geworden ist der Handlungsreisende B. Der in einem Abzahlungsgeschäft angestellt gewesene B. erwie» sich als ein recht flotter Verkäufer. Ganz besonders setzte er Uhren, Ketten und sonstige Goldsachcn um, und wenn auch die Anzahlungen, die die meisten Kunden leisteten nicht sehr bedeutend war, so war der Chef des B. doch mit den Lcistinigcn seines Reisenden sehr zufrieden. B., der auch die Ab- zahlniigsraten einkassierte, trat Anfang dieser Woche eine Urlaubs- reise an, und als nun die Kunden des Abwesenden durch einen Kasscnboten besucht wurden, stellte sich heraus, daß viele der augeb- licheu Besteller überhaupt nicht existierten. B. hatte nichl nur die Bestellscheine, sondern auch die Kaufverträge gefälscht und die Wert- 'achen verschleudert. Wie sich ferner herausstellte, hatte der unter- nehinungSlustigc Handlungsreisende von Konkurrenzgeschäften seiner finna Wohnungseinrichtungen auf Abzahlung bezogen und gleich« alls zu Geld gemacht. Der Flüchtige soll sich zur Zeit in Schweden aufhalten. Veim Baden vom Schlage gerührt wurde in Grünau der Weiuhäiidler Julius Sorge aus Berlin. Der im 59. Lebensjahre 'tehcnde Herr weilte seit emiarn Tagen bei einem dorttgen Pianoforte« ubrikanten zu Besuch. Er hatte gerade in der Dahme ein Bad ge- nommen lind war ini Begriff, sich anzuNeiden. als ihn ein Unwohl- ein befiel. Wenige Minuten daraus machte ein Schlaganfall seinem Leben ein Ende. Durch einen Sturz von der Treppe ist gestern, Sonnabend- nachmittag um 3'/» Uhr der 80 Jahre alte Aroeiter Engen Mukow aus der Warschauerstr. 4 lebensgefährlich verunglückt. Mukow wollte im Schlachthause des städtischen Viehhofes eine Treppe reinigen, glitt aus und fiel zwölf Stufen hinunter. Der Ver- zog sich mehrere Nippenbrüche und schwere innere Ver- zu und wurde in hoffnungslosem Zustande mit einem Rettungswagen in das Krankenhaus am Friedrichshain nnglückte letzungen Lücksche» gebracht. RahrungSsorge» haben den 66 Jahre alten Handelsmann Hernlan» Bube aus der Frankfurter Allee 178 in den Tod getrieben. Der Mann bezog mit kleinen HauShaltungSsachen die Märkte der Bororte, gab aber vor vier vierzehn Tagen den Handel auf, weil er keinen Absatz mehr fand. Er wurde tiefsinnig und wußte nicht mehr- was er anfangen sollte. Am Freitag vor acht Tagen legte er seine Uhr auf den Tisch, sagte seiner Frau, sie werde dafür wohl noch 15 M bekommen, und verließ dann seine Wohnung. Seitdem war er verschwunden, bis man ihn vorgestern in Plötzensce als Leiche aus dem Kanal landete. Aus einen Zettel, den man bei der Leiche fand, hatte der Unglückliche Angaben über seine Person ge- macht. Eine nette Bescheerung fand gestern, Sonnabendmorgen, der Hauseigentümer, Wcingroßhändler und Lotteriekollekteur Emil Giese ans der Alten Jakobstr. 22. Giese. der das Lotteriegeschäft durch feinen Schwager führen läßt und für die Weingroßhandlung einen jungen Buchhalter hatte, befand sich seit einiger Zeit mit seiner Familie auf Sommerwohnung in einem westlichen Vororte. Er pflegt morgens nach Verlin zu kommen und abends wieder hinaus- zufahren. Als er gestern Morgen sein Geschäft aufsuchte, fehlte der Buchhalter. Nachforschungen ergaben, daß mit ihm 7000.Mark verschwunden waren. Der Behälter, in dem sich das Geld befunden l.:te, war mit einem Stemmeisen erbrochen worden, man fand ihn leer im Keller liegen. Der durchgebrannte Buchhalter fragte am Freitag anscheinend harmlos den Kellermeister, ob er wohl ein Stemmeisen besitze. Der Kellermeister dachte sich auch nichts weiter dabei, konnte aber mit dem gewünschten Werkzeuge mcht dienen, weil er keins besaß. Der Buchhalter muß sich denn ivohl anderswo eins gekauft habe». Nachdem der Schivager Gieses das Lottcricgcschäft geschlossen hatte und ivcggegangen war, schickte der Ungetreue die Angestellten der Weinhandlnng unter allerhand Lorwändcn weg und benutzte dann die Zeit, in der er allein lvar, den Behälter zu erbrechen und sich da» Geld anzueignen. Die Fest- nähme des Flüchtigen, dessen Namen der Bcstohlene nicht nenne» will, lvar bis gestern abend noch nicht gelungen. Möbclschwittdclcicn hat hier eine angebliche Offizierswitwe. die sich Lucie Conradi nennt, mehrfach verübt. Sie gab an. soeben voil auswärts zu kommen und sich neu einrichte» zu wollen, zahlte den illlöbalhändlern einen Teil der Kaufsunnne an und ließ dann nichts mehr von sich hären. In den»leisten Fällen sicherten sich eie Händler, indem sie ihre Fordcnmgen alsbald geltend machten und die gelieferten Möbel versiegeln ließen, einen der Lieferanten aber, den Mvbclhändler Krüger aus der Mauerstraße, hat die Schivindlerin dennoch um 1700 M. geschädigt, indem sie die ver- siegelten Möbel verkaufte und mit dem Erlöse verschwand. Zuletzt wohnte die Hochstaplcrin in der Steinmetzstraße Nr. 33. SittlichkcitSverbrcchen. Das Opfer eines Verbrechens ist die elfjährige Tochter des Grünkramhändlers E. aus der Stephanstraßc geivordcn. Sie wurde, als sie die Wäsche bei einer in derselben Straße, wohnhaften Familie abholte, von deren Schlafburschen, dem L.> jährigen Arbeiter G., einem herabgckommencn Menschen, in ein Zi.nmer gelockt und dort vergelvaltigt. Als das arme Kind zu sich tum, raunte es nach Hause und brach an der Schwelle der eltcr- Iichcn Wohnung bewußtlos zusammen. Der Zustand des schwer er- krankten Mädchens ist sehr kritisch. Der Thäter wurde verhaftet und alsbald in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Der Droschkenkutscher Gruminski, der, wie wir mitteilten. infolge ScheuwerdenS feines Pferdes auf dem Schloßplatz ver- nngliicfte, � ist auf der Unfallftaiion in der Briiderstrajje gestorben ehe sich die Aerzte mit ihm beschäftigen konnten. Ttrasjcnspcrrungen. Die Brücken-Allee. vom Großen Stern ms zur Handelstraße wird zur Ausführung von Kanalisationsarbciten vom 7. August ab für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. An demselben Tilge tritt die gleiche Sperrung für die Schlegelstraße, von der Ehausscesiraße bis zur Borsigstraße, ausschließlich der Krcuzdämme. cur. Der Verlorene Weg, von der Virchowstraße bis zur Elbinger siraße ausschließlich der Kreuzdämme, ist vom 3. August ab behufs Neupflasterungen gesperrt worden. Ein junger Kaufmann, der gestern nachmittag in der König straße am Rathaus vorbeiging, sah plötzlich aus der Höhe einen Gegenstand vor sich niederfliegen. Bei näherem Zusehen fand er, daß es eine dickleibige Brieftasche war, die, wie ein anderer Passant bemerkt hatte, aus emem Fenster des Rathauses hinausgefallen lvar. Bald darauf ertönten denn auch von dem Fenster her lebhafte Zw rufe, und nach kurzer Zeit stürmte ein Herr zum Nathans heraus, der fem Eigentum freudestrahlend in Empfang nahm. Erst jetzt er- fuhr der Handlungsgehilfe, einen wie wertvollen Fund er gemacht Witte: eS befanden sich 4000 und einige Hundert Mark'in der Ta>che. Als Lohn erhielt der Finder einen Hundertmarkschein. Wie der Herr erzählte, war er nach der Besichtigung der Rat hausjale an em offenes Fenster getreten, wo er seinen Reisemantel neben sich auf das Fensterbrett legte. Beim Weitergehen warf er den Mantel über den Arm, und dabei wurde die Brieftasche, die sich in einer inneren Tasche des Kleidungsstückes befand, zum Fenster hmausgeschleudert.>• o o i Ju eJncm atnfolle von Geistesgestörtheit hat sich gestern Nachmittag die 84 Jahre alte Nentnerin Witwe Mann, die Besitzerin der Grundstücke Brunnenstr. 19 bis 21, aus dem Fenster auf den Hos hinabgestürzt. Sie wurde in das Lazarus-Krantenhaus gebracht. ®rcn Dlenelschen Orgelvortrag in der Marienkirche am Miilwoch den v. August, mittags 12 Uhr. uuterstlitzen Frl. Betsy Schot, Herr Er»st Otto Nodnagel, Herr Willy Haber»nd Herr Paul Heuer. Es werden. aufgeführt' Das G-ckur-Präludiuin von Bach, der erste und zweite Konzertsatz von Diencl, ein Andante von Guilmant, sowie Eesangs- und Violin-Konlpvsitioncn. Der Eintritt ist frei. «m,®cute. Sonntagabend, wird im Schiller-Theatcr (Mvrivttz-Oper) die mit so groyem Beifall aiifgenommeiie„Jüdin" wieder- holt, nachmittags 3 Uhr bei halben Preisen:„Martha". Montag verab- schiedet sich Hcmrich Böte! und Dienstag kommt zum crstenmale Rossinis Große Oper„Wilhelm Tell" zur Aufsührug.- Das Alexa n d e rp l a tz- a. he at e r wird unter der Direktion Bausenwein u. Emmerich am 1. September mit dem Pariser Schwank„Die weiße Henne" eröffnet werden.— � Im Ostend-(Carl Weiß) Theater tritt Elisabeth Gorcwa heut zum letzten Male aus»nd zwar als Adricnne Lccouvrenr; ditse Abschieds- Vorstellung ist der Gastin von der Direktion als Benestzoorstellung bewilligt worrcn. Am Montag geht daS aktuelle Schauspiel von OkankowSky„Die Enbancrin" zum erstenmal in Sccne.- Das Thalia-Theater hat imilineyr seinen neuen Leiter. Der bekainitc Berliner Pofsenschnfisteller Herr Jean Kren hat das Theater auf ii Jahre gepachtet und wird, nachdem ihui am■i. August die Konzession zum Betriebe der Bühne vom hiesigen königlichen Polizeipriisidium erteilt worden ist, sich ausschließlich der Pflege der Berliner Posse widmen.- Das Apollo- -r.heatcr feiert am Dienstag, den». August, die 100. Auf. fuhruiig der zugkräftigen Operette„Frau Luna",»nd hat die Direktion Neranstaltnngcii getroffen, den Abend ans das Festlichste zu be- flfljcit. Der Komiker Otto Rcutter wird einen selbstv-rsaßten hninorisrischen Prolog sprechen und sonst wird die Burleske mit neueil aktuellen KupletS bereichert werden.— Die Direktion wird den Besuchern ein reizendes Sonvenir in Form eines Luna-Postkarteu-Albiimö m künstlerischer Ans- sllhrniig überreichen lassen. Alis den Nachbarorte». Der Kampf unserer Spandancr Parteigenosse« mit der Pichelsdorf er Brauerei scheint größere Diniciisionen an- zunchnicil. Wie bereits erwähnt ist, hat die genanilte Brauerei den organisierten Arbeitern cincii zu ihren Ungniisteii veränderten Lohn- und LrbcitStarif zur Uiiterzcichmmg vorgelegt, in welchem nicht nur eine geringere Bezahlung, sondern auch eine Verlängerung der Arbeits- zeit enthalten war. Diesem Aiisimien konnte natürlich von sciten der Arbeiter nicht Folge geleistet werden, und sie verlveigerten sämtlich die Unterschrift. Von den 27 organisierten Brauern wurden 17 Familienväter«md 7 Iliivcrheiratcte am 29. Juli anfs Pflaster geworfen. Drei von den organisierten Brauern blieben auf cnie noch unaufgeklärle Weise dort. Diese Maßregelung der betreffenden Arbeiter ist der beste Beweis, daß eS der Brauerei nicht nur um die Verweigermig ihrer Lokalitäten an unsere Parteigenossen zu thiin war, sondern hauptsächlicki darum, die Vorteile, die sich die orgallisicrtcn Brauer errungen hatten, zu Schanden zu mache». An- gesichts dieser Vorkominilisse appelliert die Lotalkom Mission an die gesaniie Arbcircrschaft von Spandau und besonders von Berlin, diejenigen Lokale zu meiden, wo PichelS- dorfer Bier v erfch änkt wird. In nachstehenden Spandauer Lokalen wird dasselbe verzapft: Sager, Pichelsdorferstr. 42. Thumcrt, Pichelsdorferstr. 33. Tahrler, Pichelsdorferstr. 29. Riech Pichelsdorferstr. 05. Tüllner, Pichelsdorferstr. 24. Miehricke, Picheis dorfcrstr. 14. Dorn, Pichelsdorferstr. 03. Klinisch, Pichelsdorfer straße 103*. Golz, Pichelsdorferstr. 108*. Feuerherd, Scharfe Laute" Steffen, Adamstr. 4. Schulz, Adamstr. 44. Lenz, Klosterstraße Adami, Seeburgerstraße. Erdinann, Staakenerstraße. Berger. Staakenerstraße. Kretschmer, Seegefeldcrstratze. Bahnhofsrestauration Bulow, Schürstraße. Dahin, Schürstraße. Kowald. Breitesiraße. Berger, Breitestraße. Otto, Potsdamerstraßc. Kuhloiv, Bürinckcr straße. Kantine des Feuerwerks- Laboratoriums(Eiswerder Hewald, Bchiiitz. Bolz, Neuendorferstraße. Nadtke, Neucndorfer� straße. Redzeivskh, Nenendorferstraßc. Gnrki, Lutherplatz. Steinte. Neumeisterstraße. Erdmann, Schönwalderstraße. Voigt, Müller- straße. Handle, Götelstraße. Teßnow, Hakenfelde. Löbell. Hakenfelde. Freund, Pichelswerdcr.*) Voigt, Pichelsdorf. Reinsberg, Pichelsdorf. Schloßpark, Pichelsdorf. Kreikamp. Pichelsdorf. Merten, Pichelsdorf. Kötenbncher, Weinmeisterhorn Hcubcck, Sechserbrücke. Schröder, Schildhorn. Daberkow, Bocks- selbe, von Gerlach, Weinberge. Altendorf, Weinberge. Die mit* bezeichneten Lokale befinden sich noch auf der L o k a l l i st e. Weiter wird das Publikum dadurch irregeführt, daß das Pichelsdorfer als Radeberger bezeichnet lvird. Dielelbe i t nur eine Filiale der Pichelsdorfer Brauerei. Ferner ist versucht worden, Pichelsdorfer Bier in Gefäße mit falscher Firma zu füllen und dasselbe in solcher Weise an den Mann zu bringen. Ferner wird vom heutigen Datum ab auf dem königlichen Feuer werks-Laboratorium Pichelsdorfer Bier verzapft I Fritz W e rner, Obmann der Spandauer Lokalkommission. Schöneberg. In der Montagabend 3 Uhr bei Obst, Grüne lvaldstr. 110, stattfindenden Versammlung des Arbeiterbildungsvereins spricht O b st über den Wert der politischen Organisation. Schmargendorf. Die nächste Versammlung des Arbeiter Bildungsvcreins findet am Dienstag, abends 8V» Uhr, im WirtS- haus Schmargendorf statt. Zur Gratisberteilung an die Mitglieder gelangt die Broschüre„Die Socialdemokratie im Wahlkreise Teltow- Beeskow". Zahlreiche» Besuch erwartet Der Vorstand. Pankow. Der nächste Leseabend des Socialdemolrätischen Arbeitervereins findet am Dienstag, abends>/s9 Uhr, bei Störr. Mühlenstr. 24, statt. Genosse Schocke! wird über das Unfall- versicherungs-Gesetz referieren. Schöneberg. Hinsichtlich der Mi litä r- E rs a tz g e sch ä ft e wird die Städt Schöneberg vom 1. Februar 1900 an einen eigenen Anshebungsbezirk bilden. Der hiesige Polizeidircktor Dr, Hanimacher ist ersucht worden, die Geschäfte des Civilvorsitzenden für die zu bildende Ersatzkommission zu übernehmen.— Die Polizeidirektion der bekanntlich auch die Gesundheitspolizei untersteht, ist damit beschäftigt, Bestimmungen für eine durchgreifende Milchkontrolle zu treffen. Die M a r k t kontrolle ist noch Sache des Magistrats. wahrscheinlich aber nur bis 1. Oktober.— Zur Einführung von Schulärzten an der Mittel« und den Volksschulen, die nach dem Beschluß der städlischen Körperschaften bereits am 1. Oktober d. I. er- folgen soll, hat jetzt der Magistrat eine öffentliche Ausschreibung der mit je 800 M. JahreSgehalt zu dotierenden Stellen erlassen. Bon den Belverbern sollen in erster Reihe diejenigen berücksichtigt werden. lvelchc seit mindestens 5 Jahren approbiert sind und seit mindestens zwei Jahren ununterbrochen ihren Wohnsitz hicrselbst haben.— Der seit dem 1. August er. eröffnete städtische Arbeitsnachweis erfreut sich bis jetzt keines besonderen Zuspruches. Während bei den männlichen Personen das Angebot von Arbeit größer als die Nach frage ist, hat sich für das iveibliche Dienstpersonal fast noch keine Vermittlung ergeben. Es liegt dies wesemlich in der Neuheit der Einrichtung dieser Vermittlung und andererseits daran, daß die meisten„Herrschaften" sich im Bade oder in der Sommerfrische befinden. Zivangsiiinuug für das Töpfergrwcrbe. In einer von einem Komitee einberufenen Versammlung von T ö p f e r m e i st e r n aus Schöneberg, Friedenau, Zehlendorf, Gr. Lichterfelde, Steglitz, Halensce, Wilmersdorf ze. wurde die Gründung einer Zwangsinnung beschlossen. Der anwesende Slegicrungsvertrcter gab Aufklärungen über die Vorteile(?) der Zwangsinnung gegenüber einer freien Innung und bemerkte u. a., daß auch die Mitglieder der Zwangs- innung gemeinschaftlich das Arbeitsmaterial einkaufen können. Der Kamps, den der Amtsborstchcr von Oppen vor allem gegen die Gastivirte Lindenhahn und Schmauser in der aus- geiprochenen Absicht führt, sie wirtschaftlich zu vernichten, niinmt fortgesetzt schärfere Formen an. Die erdrückende Mehrheit der Bevölkcrurg jener Vororte, über die v. Oppen das Regiment führen darf, gehört der s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Partei an, und da an dieser Thatsache nun einmal nichts zu ändern ist, will der Amtsvorsteher wenigstens dje Gastwirte, die trotz aller, sich oft in ungesetzlichen Formen beivcgenden Maß nahmen ihre Säle nicht nur den paar«Ordnungsstützen", sondern auch der Arbeiterschaft zu Versammlungen hergeben,„abschlachten >vie er sich in Zeuaengegcuwart offen ausgedrückt hat. Daß iir zahlreichen Gerichtsverhandlungen über die Gesetzwidrig ketten des Herrn v. Oppen der Stab gebrochen worden ist, kümmert Herrn Oppen nicht im geringsten; weiß er doch, daß seine Ungehörig leiten durchaus der Maxime entsprechen, die unter dem Zuchthauskurs von derihr eigenes Grab grabenden Reaktion für staatsrettend und ordnungs 'tützend gehalten werden. Desgleichen macht Herr v. Oppen die Hoffnung jener gesetzlicbeiidcn Bürger zu Schanden, die öffentlich in Bersammliingen den Amtsvorsteher grober Gesetzwidrigkeiten bezichtigt haben, in der immer noch nicht erfüllten Erwartung, daß er sich durch das sonst so sehr beliebte Mittel der Beleidigungsklage bor den schwersten Vorwürfen, die man einem preußischen Beamten machen kann, rechtfertigen würde. "Wo derartige Zustände möglich sind, erwächst der social demokratischen Arbeiterschaft als der Vertreterin von Recht »nd Orb» u n g die Pflicht, die schiver bedrängten Gastwirte in ihrem Vertcidigunzskampfe gegen die Maßnahmen des Herrn v. Oppen zu u u t e r st ü tz e n und im eigenen Interesse dafür zu sorgen, daß die wirtschaftliche Vernichtung' jener Männer nicht zur Thatsache werde. Bei V e r e i n s a u s f I ü g e n wie bei privaten Landpartien wollen die Arbeiter vor allem die beiden genannten Männer, Lindenhayn in Grünau und S ch m a u s e r in AdlerShos be- rücksichtigen. Ueber die amtlichen Maßnahmen, die letz�rer am vorigen Sonntag auszustehen hatte, haben wir am Dienstag berichtet. Das Aufgebot von Gendarmerie und Polizei, welches den Auftrag ausführte, Thüren und Musik Instrumente zu versiegeln, erfolgte nicht, nachdem etwa in dem im zanzen Orte als das solideste und anständigste bekannte Lokal die onst ans Tanzsälen vielfach üblichen Raufereien vorgekommen waren, onder» als ein Arbeiterverein, der den Saal gemietet hatte, be- gönnen hatte, sich mit seinen Gästen in harmloser Weile beim Tanz zu amüsieren. Bemerkt sei noch, daß das Polizet- Aufgebot mit denselben Formen, die es am Sonntag anwendete, am Montag den Saal des Herrn Schmanser betrat und gegen dessen aus bestimmten Gründen eingelegten Protest die Siegel wieder ent- fernte. Friedenau. Verschwunden ist seit eimgen Tagen der OVsjährige Knabe Ludwig Raadoler, dessen Eltern Moselstr. 11 wohnen. Der Junge soll einer Compagnie Soldaten mit Musik, welche durch den Ort zogen, bis nach Schöneberg hinein nachgelaufen sein, ist aber bis heute nicht nach Hause zurückgekehrt. Alle Nachforschungen der sofort benachrichtigten Polizei sind bis jetzt fruchtlos geblieben. Der Knabe hat blaue Auge» und hellblondes Haar; er war bekleidet mit blauer Hose und brauner Jacke, ging barfüßig und trug weder Hut noch Mütze. Etwaige Wahrnehmungen erbitten die besorgten Eltern. Reinickendorf. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung erläuterte der Vorsitzende einen von Herrn Ingenieur Smreter vorgelegten Bericht über die Erbauung des Wasserwerkes, aus welchem hervorgeht, daß dasselbe nach Bedarf jederzeit er- weiterungsfähig ist. In dem Bericht ist erwähnt, daß die geologischen Verhältnisse es nicht gestatten', die Wasser- gewiniiung in Reinickendorf anzulegen; man' sei infolgedessen genötigt gewesen, in der Tegeler Bauernheide Bohr- versuche anzustellen. welche auch ein äußerst günstiges Resultat ergeben hätten. Ferner ist noch erwähnt, daß der Betrieb der Wasserpnnipen nicht durch elektrischen Antrieb, sondern mit den billigeren Dampfmaschinen erfolge; Herr Smreker wurde beauftragt, die erforderlichen Maschinen und Eisenrohre zu bestellen. Der mit dem Ingenieur Rothe abzuschließende Kanalisationsbau- Vertrag sowie die Neubegründung zweier Bureau-Assistenten-Stellen wurde von der Gemeindevertretung genehmigt. Eine neue Nadfahrerfalle. In Spandau ist, der„Rad- Ivelt" zufolge, neuerdings der Fußgängerweg der Eisenbahnbrücke über die Havel für Radfahrer verboten worden, d. h. das Rad darf auch nicht über die Brücke geschoben werden. Leider ist das Verbot weder durch eine Tafel noch in anderer Weise kenntlich ge- macht, so daß fast täglich eine ganze Anzahl von Radfahrern wegen der Uebertretung festgestellt und in Strafe genommen werden. Ein Berliner Fahrraddicb ist in Spandau dingfest gemacht worden. Vor einigen Tagen kaufte ein Fabrikarbeiter m der Seege- felderstraße zu Spandau von einem Fremden ein Fahrrad für 00 M., worauf er 30 M. anzahlte. Nachträglich kam ihm die Geschichte ver- dächtig vor und als der Verkäufer sich am Freitag einstellte, um das Nestkaiifgeld in Empfang zu nehmen, veranlaßte er die Verhaftung des Fremden. Dieser, ein„Kaufmann" namens Gamelin aus Berlin, hatte, wie das Berliner Polizeipräsidium alsbald feststellte, das Fahr- rad iu Berlin gestohlen. Auf einer Radtour sckftver verunglückt ist bei A d l e r S h o f gestern nachmittag der Gemeindeschullehrer Sommerfeld aus Köpenick. Derselbe befand sich auf der Heimfahrt von Alt-Glienicke. Kurz vor dem Bahnhof Adlershof mußte er, dem Gebot des Amtsvorstehers zufolge, absteigen. Jedenfalls überhörte er das Herannahen eines Berliner Brauerwagens auf der Asphaltchausiee, denn plötzlich lag Sommerfeld unter den Pferden, und der Wagen rollte über ihn hinweg. Da die Verletzungen in einem Rippenbrnch und einem Knöchclbruch bestanden, müßte der Verunglückte per Wagen nach Köpenick gefahren werden. Der neue Vorortbahnhof Lankwih-Viktorlastrahe wurde gestern dem vollen Verkehr übergeben, aus welchem Anlaß die jetzt in allen Teilen fertigen Stationsbauten mit Fahnen und Guirlanden geschmückt waren. Die märkische Tabakcrnte verspricht in diesem Jahre eine recht gute zu werden. Namentlich im O d e r b r u ch e und in den Oderranddörfern haben sich die Tabakfelder bei der feucht-ivarmen Witterung voll und kräftig entwickelt. Ihr Stand ist zur Zeit recht gut und berechtigt zu den besten Erntehoffnungen. Dem Umfange nach ist aber der diesjährige Tabaksanban an mehreren Orten be- deutend zurückgegangen. Die nur wenig befriedigenden Preise des letzten Jahres haben manchen Pflanzer davon abgeschreckt, größere Flächen mit Tabak zu bebauen. Gev ichks-Je ikrntg. 9(15 eil, kleines Vorspiel zn dem großen Prozeß.� der gegen den H a u p t in a n n a. D. W e n d l a n d t zu erwarten ist, kann die Verhandlung bezeichnet werden, welche gestern gegen seinen lang- jährigen Buchhalter Paul Schladitz vor der vierten Straf- kammer des Landgerichts I stattfand. Der von Wendlandt begründete Deutsche Bankverein,„G. m. b. H.", befand sich im Herbst 1897 in Liguidation und waren Wendlandt und der Angeklagte zu Liquidatoren ernannt worden. In einer vor dem Kammergericht schwebenden Prozcßsachc. den die genannte Gesellschaft angestrengt hatte, wurde das Zeugnis des Buchhalters Schladitz für erforderlich erachtet. Bei seiner Vernehmung erklärte er, daß er zur Sache„ohne Interesse" sei. Erst später erfuhr das Kammergericht, daß Schladitz Mitliqnidator der Gesellschaft und deshalb als Mitkläger nicht hätte ver- eidet werden dürfen. Da er erklärt hatte,„ohne Interesse zur Sache zn sein", wurde hierin ein fahrlässiger Verstoß gegen die Eides- Pflicht gefunden. In einem anderen Prozesse, wobei die ebenfalls von Wendlandt begründete Pankower Terraingesellschaft mit dem darauf befindlichen„Kurhans für Erholungsbedürftige" in Frage kam. sollte Schladitz eine wissentlich falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben haben. In letzterer Beziehung war der Angeklagte ge- standig. Was den fahrlässigen Meineid betraf, so behauptete der Angeklagte, daß er thatsüchlich kein Interesse zur Sache gehabt habe. Nur der Form nach sei. er Mitliquidator gewesen; Direktor Wendlandt habe das Heft in Händen gehabt und in allen Punkten allein verfügt, ohne dessen Genehmigung habe der Angeklagte nichts thnn dürfen. Zu spät habe er eingesehen, daß er von Wendlandt gemißbraucht worden sei. Der Staats« anwalthielt denAngeklagten in allen Fällen fürüberführt und beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten, der Gerichtshof olgte aber den Ausführungen des Verteidigers, Llechtsanwalts Dr. Ibers, die darin gipfelten, daß der Hauptmannn a. D. Wend- landt der Spiritus rector der vom Angeklagten abgegebenen falschen eibesstattlichen Berstcherung gewesen sei und erkannte für dies Ver« jehen auf zwei Monate Gefängnis. Von dem Vergehen zes fahrlässigen Meineides wurde der Angeklagte freigesprochen. Ueber die Auslegung des Begriffes der persönlichen Freiheit hat das Reichsgericht der„Tgl. Sidsch." zufolge folgende, "m Polizeistaat beinahe befremdliche Entscheidung gefällt:� Wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt war ein Bürger vom Landgericht zu 30 M. Geldstrafe verurteilt worden. Der An- geklagte sollte das Geführt eines Kaufmannes durch überschnelles Fahren geschädigt, auch eine Frau überfahren haben. Der Kaufmann oerfolgte den Thäter und veranlaßte einen Schutzmann zum Ein« 'chreiten. Der Beamte gebot dem Angeklagten Halt und kletterte chließlich hinten auf den' Wagen. Mit Hilfe eines anderen Schutz- manns wurde der Angeklagte nach der Wache gebracht. Das Land- gericht nahm an, daß der Schutzmann sich in berechtigter Amts- ausübung befand, als der Angeklagte ihm Widerstand leistete. Es heißt im Urteil:„der Schutzmann sei nicht verpflichtet gewesen, die Sache sofort zu untersuchen, er habe verlangen können, daß dies auf der Wache geschehe." Die Revision des Angeklagten bestreitet dieses. Angeklagter habe sich legitimieren können, zn seiner Verhaftung habe kein genügender Grund vorgelegen. Der Reichsanwalt trat der Auf« assung des Vorderrichters bei. Wenn ein Straßenjunge sich weigere. mitzukommen, so habe nach I 181 der Strafprozeß-Ordnung die Zolizei das Recht, den Zeugen, wenn die Sache keinen Auf- chub dulde, zu fistieren. Ein Beschuldigter könne danach erst recht oerhaftet werden. Wo die Untersuchung stattfinden solle, das zu be- timmen, habe im Ermessen des Beamten gelegen. Er habe sich also in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes befunden. DaS Reichsgericht hob jedoch das Urteil deS Landgerichts auf und wieS die Sache an letzteres zurück mit folgender Begründung:„Die Z§ 112ff. St.-P.-O. und§ 0 des preußischen Gesetzes zum Schutz der persönlichen Freiheit seien nicht genügend berücksichtigt worden. Der Schutzmann habe sich nicht in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befunden.§ 161 St.-P.-O. greife nur Platz, wenn nicht andere Bestimmungen schon vorliegen. Im Band XV S. 305 der Entscheidungen des Reichsgerichts sei ausgeführt, daß die§8 1 bis 5 des preußischen Personenschntz- Gesetzes durch das Reichsgesctz außer Kraft gesetzt seien. Nur§ 12 der St.-P.-O. sei maßgebend, wenn die persönliche Freiheit eines Verdächtigen aufgehoben werden olle zum Schutz der persönlichen Freiheit eines anderen. Selbst die höheren Polizeibeamten hätten nicht daS Recht, sich Verdächtige, die nicht freiwillig kämen, zwangsweise vorführen zu lassen. Nur ur Feststellung der persönlichen Identität dürfen engen festgenonmren werden, nicht zur Feststellung des That- b e st a n d e s. Der Zeuge könne sich jederzeit befteien, wenn er seinen Namen nenne. DaS Fahrrad vor dem grAnen Tisch. Der neueste Beitrag zu diesem unerschöpflichen Kapitel ist folgender: Auf Veranlassung des deutschen Radfahrerbundcs wurde ein Rechtsstreit vor die oberste Instanz gebracht, welcher gegen einen Baumeister Schulze anhängig gemacht worden ivor Schulze sollte gegen eine Ober-Präsidial- Verordnung, die für Sachsen und andere Provinzen mit fast gleichen Bestimmungen ergangen war, verstoßen haben, die u. a. bestimmt, daß jedes Fahrrad nach eingetretener Dunkelheit mit einer Latern e versehen sein soll, die Helles Licht unbehindert nach vorn wirft. Baumeister Schulze fuhr eines Abends Rad und führte eine Papierlaterne(Lampion) bei sich. Gegen einen Strasbefehl beantragte der Radfahrer gerichtliche Ent- schcidung und wurde schließlich von der Strafkammer zu einer Geld- strafe verurteilt, indem eine Papierlaterne nicht als ausreichend an- gesehen wurde; eine Papierlaterne kann nach Auffassung des Land- gerichts nicht als eine Laterne im Sinne der Oberpräsidial-Ver- ordnung betrachtet werden. Auch das Kammergericht erkannte m demselben Sinne. Vetmrifchkes« Ein schwerer Eiseubahnunfall hat sich Sonnabendmorgen auf dem Bahnhofe zu L a u b a n zugetragen. Ein von zwei Ma- schinen gezogener Personenzug, der leer von Görlitz kam, um in Lauban Fahrgäste aufzunehmen, lief dort mit voller Geschwindigkeit in den Bahnhof ein und stieß auf einen Rangierzug, der sich ebenfalls in Bewegung befand. Die drei Lokomotiven. vier Personenwagen und zwei Güter- wagen wurden vollständig zertrümmert, fünf oder sechs andere Wagen aus dem Gleise geworfen und stark beschädigt. Der Zug- führer Haake aus Görlitz wurde auf der Stelle getötet, ein Lokomotivführer und zwei Heizer schwer verwundet. Die beiden anderen Lokomotivführer und der dritte Heizer retteten sich durch Abspringen. Ein großer Trümmerhaufen unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude sperrt die Geleise. Die nicht ganz zertrümmerten Wagen sind in- und übereinander geschoben. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht erhalten. Das Unglück ist wahrscheinlich auf einen Fehler an der Bremse des Personenzuges zurückzuführen, der infolge dieses Fehlers mit uii- geminderter Geschwindigkeit einlief. Ucber de» Eisenbahnunfall wird amtlich luS Breslau gemeldet'• Heute gegen 3 Uhr früh fuhr auf dem Bahnhofe Lauban ein von Görlitz kommender leerer Zug mit einem Rnugicrzugc zusammen. Der Zugführer des leeren Zuges Haake ist tot, ti weitere Fabrbenmtc sind schwer verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Ursache des Unfalles ist Ucberfahren des Haltesignals. Untersuchung »st eingeleitet. Wie weiter amtlich gemeldet wird, kann der Betrieb einstlveilen nur auf der Strecke Görlitz-Lichtenau aufrecht erhalten werden. Die von Görlitz nach Lauban Durchreisenden werden über Kohlfurt befördert. Der Dampfer„Lahn" vom Norddeutschen Lloyd, der seit Donnerstag in New Uork fällig ist, ist dort noch nicht eingetroffen. Wie das Bureau des Norddeutschen Lloyd mitteilt, hat der Dampfer einen kleinen Maschinenschaden erlitten, den er aber unter Ablehnung der Hilfe anderer Schiffe selbst repariert hat. Die„Lahn" wird voraussichtlich heute in New JJvrl eintreffen. Ein großer Waldbrand brach am Mittwoch in dem könig- lichen Forst bei Lubolz(unweit Lübbe»») aus. Vom Jögcrbataillon rückten 100 Mann nach der Brandstelle ab, denen es auch gelang, den Flammen Einhalt zu thun. Etwa 7 Morgen älterer Waldbestand sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Erdbeben. A»ls Völkermarkt(Kämthe»») wird depeschiert: Heute früh um 8 Uhr 22 Minuten wurde hier ein vier Sekunden währendes Erdbeben wahrgenommen. Die Häusermauern weisen vielfach Risse auf. Von den Dächern fielen Ziegel herab.— Aus Raposvar(Ungarn) meldet ein Tclegra»»m: Heute früh wurde hier ein heftiges, mehrere Sekunden andauerndes Erdbeben verspürt, Ivelches von dumpfem Getöse begleitet>var. Den Radfahrer Bourilloi» aus Paris hat der Deutsche Renn- fahrer-Verband Ivegen verschiedener in Hamburg begangener Un- geHörigkeiten auf die Dauer von sechs Wochen in Verruf erklärt. In dieser Zeit darf kein Verbandsmitglied gegen Bourillon starten. Karl Neufeld, der bekai»ntlich von dem Mahdi im Sudan viele Jahre in Gefangenschaft gehalten wurde, trifft in diesen Tagen bei seiner Mutter und seinen Geschwistern in Kl.-Rohdau ei>», um sich von den langjährigen Strapazen i»» Kreise seiner Angehörigen zu erholen. Einen tödlichen Sturz that in A b e r d e e n(Schottland) der Amatcurradwettfahrer Alexander P e t e r s o n. Derselbe stieß mit einem Kameraden zusammen, stürzte, erlitt einen Schädelbruch und verschied an» nächsten Tage, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Ein mit zwei Offizieren beinannter Ballon deS Geniekorps stürzte, wie aus Antwerpen depeschiert Ivird, in die Scheide ab. Die Offiziere. welche in Gefahr waren, zu ertrinken, wurden durch ein Dampfschiff gerettet. Bei dein Wirbclsturn» in Carabelle, über den wir berichtet haben, sind nur neun Häuser stehen geblieben, zweihundert Familien sind obdachlos. Fünfzehn Schiffe sind gescheitert. Der Schaden über- steigt eine Million Dollars. Marktpreise vou Berli« am 4. August 1899 nach Ermitteliingei» des kgl. Polizeiprästdinuis. D.-Etr.--------'''---- �Weizen »)Rogaen Futtcr-Gerfle„ Hafer gut „»Nittel, .. gering Nichtstroh, Heu f)Erbscn, DSpeifeßofiiien„ �Linsen Kartoffeln, neue Riudffeisch, Keule 1kg do. Bauch, *) Ermittelt pro l- 1- 1,- 2,- 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,10 0,80 2,- 15.90 14,70 Schweinefleisch 1 kg 1,60 14,90 13,80 Kalbfleisch„ 1,60 13,60 13,- Hammelfleisch. 1,60 15,60 15,- Butter„ 2,40 14,90 14,40 Eier 60 Stück 4,- 14,30 13,80 Karpfen 1kg 2,00 4,50 4,- Aale„ 2,80 6,20 3,90 Zander„ 2,60 40,— 25,— Hechte„ 2,40 50,- 25,- Bar-che, 1,80 70,- 30,- Schleie. 2,50 10,- 5,- Bleie. 1,40 1,00 1,20 Krebse per Schock 12,- 1,20 1,- Tonne von der Centralflelle der Prenff. Laiidwirt- schastSlauiuier— Nolierungsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centner. f) Kleinhandelspreise. Prodnktenmarlt vom 5. August. Der Umsatz in Getreide war sehr gering. Für Weizen war daS Angebot ziemlich bedeutend, be- gegnete jedoch nur minimaler Kanslust. Roggen»var auö dem Jnlande so gut»vie gar nicht, aus Ruffland nur zu unrentable»» Preisen offeriert, so dasi Abschlüsse nicht zu stände kamen. Beide Artikel waren au» Frühmarkt je 1,50 M. billiger zu haben. Die Tendenzmeldungen aus Nordamerika lauteten wiederum unentschieden und blieben ohne Einfluß auf den hiesigen Markt. Haser und Rüböl lagen still und wenig verändert.— Am Spiritus markt wurden 10 000 Liter loeo 70er mit 42,30 M.(— 0,20 M.) gebändelt. Termine»varen bei stillen» Berkehr behauptet. Berlins Getreide« und Mehlzn fuhren zu Wasser vom 4. August mittags bis 5. August inittags betrugen 240 Tonnen Weizen, 150 Tonne» Roggen. 64 Tonnen Haser, 10 Tonnen Erbsen, 441 Tonne» Mais, 1550 Doppel-Centner Weizenmehl. Städtischer Schlachtviebinarkt. Sonnabend standen zum Verkauf: 3380 Rinder, 1364 Kälber, 18660 Schafe, 7313 Schweine. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtivertes, höchstens 7 Jahre alt 62—66, b) junge fleischige, nicht aus- gemästete und ältere ausgemästete 57—61, e) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 55—56, ck) gering genährte jede» Alters 50—54.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtivertes 58—63, b) mäßig genährte jüngere nnd gut genährte ältere 54—57, c) gering genährte 47—52.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 00—00, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 53—54, c) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut entwickelte jüngere 51—52, ck) mäßig genährte Kühe nnd Färsen 48—51, s) gering genährte Kühe und Färsen 43—46.— Kälber: a) feinste Mast-(Bollmilch- niast)»ind beste Saugkälber 68—70, b) mittlere Mast- und guie Saugkälber 62—66, o) geringe Saugkälber 56—60, ck) ältere, gering genährte(Fresser) 42— 50.— Schafe: a) Mastlämmerund jüngere Masthaimnel 63—65, d) ältere Masthammel 58—62, o) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merz- schase 50—55, ck) Holsteiner Niederungsschafe(Lebendgeivicht) 27—32,— Schlveine: a) vollfleischige, kernige Schweine feinerer Nauen und deren Kreuzungen, im Alter bis zu l»/« Jahren 50— 51, b) Käser 00— 00, e) fleischige Schweine 49—50, ck) gering entioickelte 47—48, e) Sau�i 42—43.— Verlauf und Tendenz: Das Rilldergeschäft wickelte sich ganz ruhig ab. Es Hinte.- läßt Ueberstand. Der Kälberhandel gestaltete sich langsam. Bei den Scho'.» »vurde Schlachtware ziemlich ausverkauft. Bei Mageroieh dagegen bleim etivas Neberstand. Der Schweineinarkt verlies ziemlich glatt, sette Ware, besonders schwere, war ganz vernachlässigt. Briefkasten der Redaktion. Die snristische Sprechstunde wird Dienstags, Donnerstags und Freitags abends von G bis 8 Uhr abgchallc», F. Z., Treskowstraste. Das„Entfesseln Sie die Bestie nicht!" ist oft gegen Schulze-Delitzsch in dem Sinne citiert worden, als hätte er damit die Arbeiter gemeint und jede selbständige öffentliche Bcthäiigung derselben. Das ist ein Irrtum, aus den man heute, nach mehr wie 30 Jahren, ruhig verzichten kann, Schulze hat ei» paar Jahre später, als ihm der Konservative Wagener die Aeußernng abermals entgegenhielt, die Sache im Norddeutschen Reichstag richtig gestellt(Sitzung vom 14. Okt. 1367). lieber die Rolle Schulzes in der Koalitionsbeivegung vergl. jetzt die..Neue Zeit", die letzten Nr, 29—32: Max Schippet, Beiträge zur Geschichte deS KoalitionSrechtes in Deutschland. W. F. Nur aufnahmefähig, wenn Sie den Name» des Betreffenden ausstndig machen, &. D. 31. Schlagen Sie im Adreßbuch nach unter Lehm»lS, Link» straße, und unter Tiburtius, Potsdamerstraße. WitieriiiigSübersicht vom 5. August 1899, morge»« 8»Hr. Stationen Swineinde. Hamburg Berlin Wiesbaden München W:eii Witter 764 NO 763Still 763 OSO 762910 765 W 763!® tili 2heiter — wolkenl 2jiuolfen[ livolkenl Iheiter — Iioolfcnl öS B» 1" W" Stationen yaparanda Petersburg Cort Aberdee» Paris 760 NW 759 ONO 767SSO 760 NO Wetter �wolkenl 4,Regen 3!bedeckt 2heiter T »a? |u g a WS, Wetter-Prognose für Sonntag, den G. August 1899. Vielfach heiter und sehr warm bei schwachen südöstlichen Winden ettvaS Neigung zu Ge>v!tter», Berliner Wetterbureau. 12 18 14 23 und .5 Ffenniff. Jedes Woj t. 2»rr(/ da.t ernte Wort fett, Worte mit mehr als J6 Buchstaben zählen doppelt, fCIeine ßnzQigen. Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 2 Uhr, in der Ha u p texp ed ition Beuthstr,S bis 4- Uhr angenommen, Tete Jk rden M lin M Schankgeschäft sofort zu verkaufeil, Näheres Schü�enstraße 32(Grün- kramkeller), 16966 Parteilokal straffe 20. verlauft Mnnteuffel- +34 Flaschenbier-Hairdlung, flott gehend, ist zu verkaufen. Näheres der Bock, Rcichenbergerstraße 10, im Keller. Ein gut gehendes Material- und Borkostgeschäst in Wilmersdorf. Zu erfragen Ludwig, Kirchplatz in» Restaurant 11. 1761b Mehl- und Borlost- Geschäft mit Rulle preiswert zu verkaufen. Billige Miete. Halensee, Ringdahnstrahe 115. Gemüscgeschäft, viel Kohlenumsatz, sofort verläuflich. Grai:deiizerstraße 6. Cigarrengeschäft muß Kraiilheits- halber verlauft»verde». 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Jcrusalemcrstraße 19/20. 1739b ~ Hemdblusen. Tücht Arbeiterinnen auf Hemdbllisen, die bei sauberster Auö- führung Posten liefern können, finden dauernde Beschäftigung zu guten .Arbeitspreiscn. Meldungen»nter Vor- läge von Probearbeit bei Orgler u. Fidslmann, Kurstraße 47/48, III. Jackett-Aibeiterinnen äußern» Hause verlangt Davidson, Grünenvcg 27. Rumiilelsburg, Thürrschniidtstrabe 20, II, iinks._ 16916 100 Mamsells auf Jacketts, Seide zun» Steppen gratis, Rumpf 1 Mark, auch Verlchniirerinnen verlangt Schulstraße 2 III.__ 17516 Stepperin, geübte, gegen hohen Wochenlohn sucht Gericke, Schlegel- straße 23. 1750b Näherinueu auf Manschetten und Oberhemden iin Hause werden sofort verlangt. Böhm& Wolfsohn, Straß- burgcrftraße 53/54._ 96/17 Plätterinnen auf Umlegekragen und Oberhemden finden bei unS lohnenden und dauernden Verdienst. Böhm Sc Wolssohn, Sttaßburgcr- straße 53/54._ 96/15 Tüchtige Versilbcrin auf Kanten nnd Shlipfe verlangt LundcrShauicn, Prinzensttaße 99. 1741b Kartonarbeiterin verlangt Gib schinerstraße 04, auch außer den» Haufe. Karton- Arbeiterinnen, geübte, werden verlaugt Kommandanten- straße 15._ 1685b Lchrmüdchcn, 14 bis 15 Jahre alt, verlangt die Karwnfabrik Grüner- weg 104. chlö* Ilnisonst erlernen junge Mädchen die Neuplätterei von Kragen, Man- scheiten, Serviieurs und Oberhemden. Kurze Lehrzeit. Dauernde Beschastt- gung. Böhm& Wolssohn, Straß- burgerstraße 53/54. 96/16 Iin Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 4V Pf. pro Zeile. Dekorateure, welche auch in feiner Polstcrarbeii firm sind, finden dauerndes Engagement bei 17386 O. IdUmke, Möbelfabrik, Posen. Offerten erbitte nebst Photographie. Für Stettin sofort 1 Goldarbeiter, der gravieren kann, aus kl. Neuarbeit und Trauringe. 25 Mark Gehalt. Dauernde Stellung. 71/6 Arbeitsnachweis Holzmarktstr. 8. 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Für diesen ist nachstehendes Schriftstück bestimmt: Der Nationalrat an die uns zugehörigen(adberauts) Verbindungen, Agglomerationen. Gruppen und Syndikate(Ge- werkschaften). Genossen l Wir mußten auf die Tagesordnung des Kongresses in Epernay setzen: «Einen allgemeinen, außerordentlichen, fran- zosischen Socialisten- Kongreß, zu dem Zweck. festzustellen, ob derKlassei: kämpf, der dieGrund- läge des Socialismus ist, den Eintritt eines Socialisten in ein Bourgeois- Ministerium er« l a n b t." Es ist der Eintritt Millerands in das Ministerium Waldeck- Ronsscau-Galliffet, der uns diese Frage gestellt und aufgezwungen hat(pase et impose). Dieser Eintritt stand in Widerspruch nicht nur mit allen Pnueipien und aller Taktik der französischen Arbeiterpartei, einer Klassenpartei und folglich revolutionären Partei, sondern auch in Widerspruch mit der socialistischcn Kanunergriippe. die während der letzten. Legislaturperiode, noch bevor sie die Grundzüge ihres Pro- gramms entwarf, einstimmig darin war, ihren Mitgliedern jede Be- Werbung um Ouästorcnämter") zu untersagen, die mau als ein Rad un Getriebe der Exekutivgewalt der Bourgeoisie betrachten muß. Dieser Eintritt geschah außerdem, ohne daß vorher die socia- liituche Kammergnippe oder das socialistische Einig, mgskonritee oder sonst eine der fünf verbündeten Organisationen befragt worden waren. Wenn also die socialislische Einigung, die uns den Weg zur Einheit ebnete, gescheitert ist. so sind w i'r nicht Schnld daran, die wie allen Ucbcrlicfcrmigcn und dem gemeinsamen Gesetze der Partei trcn blieben. Die Spaltung, die hervorgerufen zu haben mau uns ,o heftig anklagt, ist das Werk— und das alleinige Werk rT Derjenigen, die ihre llnabhäiigigkeit so weit getrieben haben, daß sie den gemeinsamen Boden, auf dem wir geschlossen kämpften, den Boden der socialistischcn Opposition, verließen, um zur Macht zu gelangen als Minister oder Ministerielle. Indem wir dem arbeitenden und focialistischen Frankreich diese neue Thntsache aufdeckten, welche eine neue Politik gleichzeitig kenn- zeichnete und einweihte, wollten wir niemanden, was man auch darüber gesagt oder geschrieben hat, persönlich treffen oder gar ans> stoßen, wobei wir natürlich von de» Unabhängigen, die sich bloß au ihr Gewissen oder ihre Wähler berufen, ganz absehen. Wir haben nichts weiter gcthan, als die socialistische Theorie und Praxis verthcidigt, so wie sie immer und überall anerkannt und bekräftigt worden sind. Wir haben nichts weiter gethan, als die Partei auf dem Boden des Klassenkampfes und der revolutionären Opposition fe st gehalten, wohin alle unsere nationalen und iuteriiationalen Kongresse sie gestellt hatten. Kameraden! Wir konnten unmöglich anders handeln, wenn wir nicht das Vertrauen, mit dem Ihr das Mandat in n»scre Hände legtet, mißbrauchen wollten; denn nach den Partei- Staluten hat der Nationalrat die scharfbegrenzte Rolle, über die Vollstreckung der Kongreßbeschlüsse zu wachen ii»d alle Maßregeln zu ergreifen, welche die Umstände erheischen können."**) Er muß von eincin Kongreß zinn anderen dafür sorgen, daß die Arbeiterpartei in ihrem Pro gramm ilud ihrer Taktik keinen Schaden erleide. Indem der Nalionalrat mit dem Verwaltlingsnlisschnß der revolutionären socialistischen Partei nnd mit dem Sekretariat der komm, mistischcn Allianz den Anfruf veröffentlichte, den man jetzt gegen uns ausbeutet, weil wir der Gewohnheit nach die Ilnterschrift der in der Minderzahl befindlichen abwesenden Mitglieder darunter setzten, hat er nur seine Pflicht gcthan. An der Partei ist eS jetzt, die ihre zu thun. Unsere Verantwortlichkeit läuft mit der Eröffnung des Kongresses ab i die Eurige beginnt, da«die Leitung der Partei ausschließlich der jährlich in einem Kongreß versammelten Partei selbst gehört." Ihr werdet in der Ausübung EnreS SelbstbestimmungsrechteS sage», ob Ihr fernerhin nicht nur im Rate», sondern auch in Thaten eine Partei des Klassenkanipfes bleiben wollt, in dem alle Proletarier geschlossen gegen die verschiedenen b ü r g e r- lichen Parteien stehen, oder ob eS Euch, in. Ein- vernehmen mit der angeblich fortgeschrittenen Fraktion der fei n d l ich» Klassen, gefällt, bis zu einer direkten Mitarbeit mit dieser Klasse in ihrer Gesamtheit z» gehen unter der Form einer Teilnahme an der politischen Gewalt. Ihr werdet sagen, ob Ihr bereit seid, in einen ministeriellen oder gou Verne mentalen Socialismus a b z u- schwenken, der nur ein Rückfall in den einstimmig auf allen internationalen Kongressen verurteilten Stnatssocialismus ist— oder ob Ihr vielmehr die politische und ökonomische Elitcignnng der Kapitalistenklassen auch in Zukunft als Euer oberstes Ziel bc- trachten werdet, wie sie auch die»otivendige Bedingung für jede Emaueipation der Arbeit und der Gesellschaft ist. Allein bevor Ihr Euch aussprecht, laßt uns, damit Ihr Euch in voller Keiintiiis der Sachlage aussprechen könnt, einige der Sophismen beseitigen, mit denen»ian Euch überrunipeln ivill, und Euch die Konsequenzen der Regierungspolitik zeigen, für die Ihr gewonnen werden sollt. Man hat Euch gesagt und wird cZ wiederholen, daß die Annahme eines Portefeuilles durch einen Socialisien nur eine Folge, wem, nicht gar der T r i u m p f unserer Politik der Eroberung der öffentlichen Macht ist, einer Politik, die unsere Partcimethode ist, ivar und bleiben wird. Wenn wir schon Bürgermeister, Gencralräte, Abgeordnete haben, weshalb sollen wir dann nicht auch Minister haben? Einfach, weil die Mimicipalitäten, Gencralräte, die Kammer— und selbst der Senat Körperschaften, die, aus Wahlen hervorgehend, sich von außen öffnen unter dem Druck der Arbeiter, ihrer Zahl und Organisation, nnd uns so erlauben, als Feinde ein- ziidriiigen,— e t iv a s wesentlich anderes sind als Ministerien, die sich nur von innen öffnen, je nachdem ihre bürgerlichen Inhaber ein Interesse daran haben, einen der Unseren als Mitarbeiter. Werkzeug, oder als Deck- m a n t e I einzuführen. Die Sprache selbst protestiert gegen die Zweideutigkeiten, die man zn schaffen sich bemüht., Erobern ng der politischen Gelv alt" schließt an sich den Gedanken aus, ein Stück, einen Brocken der Staatsgewalt anzunehmen oder zu fordern. Nicht mit der Bourgeoisie, sondern gegen sie erkämpfen wir uns und werden wir uns weiter erkämpfen mit der Waffe des Wahlrechts alle Stellungen in der Gemeinde, dem Departement und dem Staate, von denen aus wir sie aus nächster Nähe und am tätlichsten treffen können, indem wir den nnauS» bleiblichen revolutionären Schnlterstoß(coup d'öpaule) erwarten. Aber wie eS früher, als der Bürgermeister noch nicht wählbar war und Staatsbeamter, uns Socialisten verboten war, ein solches Amt anzunehmen. das sie nur in Agenten des Bourgeoisstaates ver- wandelt hätte, so kann es auch jetzt Socialisten nicht gestattet sein, ein Portefeuille anzunehmen, das sie nur zu Helfershelfern der Bourgeoisie und ihrer Interessen macht. *) Quästorcu heißen die Beamten, welche in der Kammer die Ordnung aufrecht zu erhalten und das Kassenwesen zu besorgen haben. <#) Artikel 5 Absatz 3. Weiter sagt man Euch, daß die Anwesenheit eines Socialisten in einem Mintsterium— selbst an der Seite des Kommuncschlächters— unsere Propaganda erleichtere, indem sie den Massen die Illusion, wenn nicht den Beweis der Macht liefern, die unsere Partei schon erlangt hat. Vielleicht für heut; aber morgen? Habt Ihr an die unvermeidlichen Enttäuschungen gedacht, die folgen müssen, an den Bankrott, in den wir geraten, wenn nach einigen Monaten oder Jahren der Beteiligung an der Regierung die Proletarier der Fa briken und des flachen Landes, da sie keine Besserung ihrer— in der kapitalistischen Wirtschaft unverbesserlichen— Lage bemerke» und sich an uns wenden, um Rechenschaft von uns zu verlangen' Das Schicksal der radikalen Partei, die der opportunisti schen Republik Rcgierungsmänner lieferte, sollte uns als warnendes Beispiel dienen! Nicht nur ist es der radikalen Partei unmöglich gewesen, die paar rein politischen Reformen, die ihr Programm fordert, durchzusetzen, sie ist auf dem Wege zur Macht den sie schrittweise unter Floquet, Lockroh nnd B o u r g e o i zurücklegte, gestorben, ohne gelebt zu haben, ohne haben leben zu können... Nachdem wir diese Lebensfrage, soweit es unsere Partei betrifft, entschieden haben, müssen wir uns mit dem außerordentlichen General-Kongreß der französischen Social- demokratie beschäftige», auf welchem wir in llcbereinstimmung mit der revolutionären, socialistischen Partei und der kommunistischen Allianz diese Frage zur Beratung stellen wollen. Ihr werdet über die Grundlagen entscheiden, auf denen der Kongreß zn berufen ist, und über Beibehaltung oder Ausdehnung seiner ursprünglichen Tagesordnung. Um zu bekunden, daß wir mit den besten Absichten bereit waren. diesen Kongreß zu beschicken, hat Euer National-Rat erklärt, sich dem Vorschlage von I a u r ö s anzuschließen, den er vor einem Jahre machte und der so lautete: «Zwei Delegierte für jeden Wahlkreis, in dem die socialistische Partei bei den letzten Kammerwahlen den Kampf aufgenommen bat. Außerdem noch einen Delegierten für jedes Tausend socialistischer Stimmen, das über 3000 bei der Hauptwahl errungen ward, ohne daß indessen die Zahl der Delegierten fünf übersteigen darf." Es genügt, daß dieser Modus der Zusammensetzung, indem er auf die in den einzelnen Organisationen gewonnene» Stimmen Rück- ficht nahm, zu einer gewissen proportionellen Vertretmig führt, um ihn uns annehmbar zu machen. Aber wenn wir das Recht haben, Euch vorzuschlagen, w habt Ihr die Macht, zu entscheiden. Dieser Punkt wird, wie die übrigen, vor Euren in Epernay versammelten Delegierten zur Beratung kommen. Und namentlich habt Ihr die Frage zu entscheiden, ob der Generalkongrcß im September ein konstituierenderKongreß sein, und als solcher zur Vereinigung aller socialisti- schen Kräfte schreiten soll— und unter welchen Be- d i n g u n g e n und Formen. Weit entfernt, um keinen Preis, wie man nnS nachgesagt bat diese Einigung zu wollen, die früher oder später sich einer zur'politi scheu und revolutionären Partei organisierten Klasse aufzwingen muß, gehören wir vielmehr zu denen, welche die Einigung immer herbei- gesehnt und nichts versäumt haben, um sie möglich zu mache n. Gewiß, wir haben nicht die famose Versammlung im T i v o l i V a u x- H a l l gebilligt, in der jeder Beliebige, stand er dem Socialismus auch noch so fern, für 60 Centimes be- rufen sein sollte, Organisationen mit taufenden von Mitgliedern, die sich seit Jahren bewährt und seit der Kommune dem socialistische» Strom das Bett gegraben hatten, ihre Halrung vorzuschreiben, ihre Aufgabe und Taktik vorzuzeichnen. Diese Methode, das Organische durch daS U n o r g a n i s ch e, d a s O r g a n i s i e r t e durch das Unorganisierte zu beherrschen, und den Zufällen einer, Jedem ziigänglickicii öffentlichen Versammlimg die Summe des socialistischen BcwutztsciuS und der socialistischen Thätigkeit, die wir auf Kosten großer Anstrengung erreicht haben, zu überliefern, das schien uns — und scheint uiis noch jetzt— wirklich ein unerträglicher Zustand. Unsere Partei hat daraus kein Hehl gemacht, indem sie freiwillig zur Seite trat. Aber, so sehr wir uns auch weigern, zu Gunsten einer künstlichen Einigkeit, die nicht lange dauern könnte, die großen bestehenden Organisationen zu zertrümmeni, die«als Pro- dukt der Zeit, als Ergebnisse einer freien und überlegten Auswahl, indem sie ihre Kräfte' aus dem gegenseitigen Vertrauen der Gruppen und der diese bildenden Mitglieder schöpfen, verschiedenen Zuständen socialistischcn Geistes. Verhaltens, man könnte sagen Empfindens entsprechen, deren Mannigfaltigkeit nicht auf Befehl verschwinden kann"— so haben wir stets nnd eifrig***) hingewirkt, anfangs zu einem Frieden, zu einer V e r st ä n d i g u n g und schließlich zu einer gemeinsamen Arbeit der verschiedenen socialistischen Fraktionen, indem wir uns auf diese Weise allmählich und sicher der endlichen Einheit näherten. Sollen wir noch an den Einigungsvorschlag erinnern, der im vergangenen Jahre unserem Nationalkongrcß in Moutln?on unterbreitet wurde, und wie wir die ersten gewesen sind, Mittel zu suchen und zu finden, um den Unabhängigen ihren Platz in einer gemeinsamen Centralvertretung anzuweisen, zn einer Zeit, als andere es von vornherein ablehnten? Waren es nicht wir, die im November mit dem Wachsamkeits-AuSschuß ein vereintes socialistischcs Frankreich schufen ohne innere Partei- grenzen? Waren es schließlich nicht wir, die, nachdem wir so viel wie jeder andere zur Errichtung eines socialistischen Einigimgs- komiteeS beigetragen hatten, das uns die Organisation dcS inter« nationalen Kongresses von 1900 ermöglicht, dem Gedanken eines allgemeine n Kongresses derfra n zö fische n Social- demokratie feste Gestalt verliehen, indem wir durch unseren Brief an daS Nationalkomitce des Bundes der französischen Arbeiter daS baldige Zusammentreten dieses Kongresses erwirkten? Parteigenossen! Mit einer solchen Vergangenheit werden wir niemals einer Bewegung hindernd entgegentreten, die einen neuen Schritt auf dem Wege der Einigung bedeutet. Diesen Schritt zu thun ist nun Eure Aufgabe, sei es. daß Ihr an der Central- V e r e i n i g ii n g-f) festhaltet, die Ihr im verflossenen Oktober ein- timmig beschlösset und die als Vertretung der großen Organisationen »ach Maßgabe ihrer gegenseitigen Stärkeverhältnisse mit Entscheid durch einfache Mehrheit eine gemeinsame Thätigkeit gestatten würde, wie sie heute im Einigimgskoniitee von der Einstimmigkeit abhängt; ei es. daß Ihr den Augenblick gekommen glaubt, bis zum äußersten zu gehen: zu verschwinden. Euch aufzulösen als eigene Organisation ***) Alle Versuche, die seit vierzehn Jahren gemacht worden sind, nm die Kräfte der zu ihrem Klassenbewußtsein erwachten Proletarier zusammenzufassen, haben zu allen Zeiten bei der„flaii- zösischcn Arbeiterpartei" die lebhafteste Unterstützmig gefunden, von dem Feldzuge der Arbeitslosen 1334 und der socialistischen rcvolutio- närcn Koalition 138O an bis zur socialistischcn Kanunergriippe 1893—98 — ganz davon zu schweigen, daß wir, nachdem wir uns freiwillig 'cit fünf Jahren jeder Kandidatur gegen die siegreich aus der Wahl hervorgegangenen Socialisten anderer Organisation enthalten, auch in diesem Jahre durch Ausruf des Nationalrats die Abgeordneten der anderen Fraktionen unterstützten, die sich ihren Wühlern vor- kellten.(Cirkular des Nationalrats vom 1. Juli 1393.) f) Die Vertretung dieser Vereinigung wird gebildet durch eine Delegation einer jeden der fünf zugehörigen Organisationen. Diese Delegierten, deren Zahl für jede der Organisationen der Stimmen- zahl entsprechend ist, die sie bei den letzten Kammerwahlen erhalten hat, sollen sich jedesmal versammeln, sobald ein plötzliches Ereignis im politischen oder ökonomischcn Kampf eine gemeinsame Ent- cheidung oder Aktion erfordert.(Bericht des Kongresses von Montliitzon, Seite 23, 24.) in dem Unbekannten einer gemeinsam aus allen Teilen zu schaffen- den Organisation. Was Ihr auch immer beschließen werdet, Euer Wille wird erfüllt, denn er kennt keine andere Schranke, als Eure Verantwortlichkeit gegenüber dem arbeitenden Frankreich, dessen mächtigster und ziel« bewußtester Ausdruck Eure Partei bis jetzt gewesen ist. Was aber unter allen Umständen nötig ist, und was Ihr zur Ehre der Arbeiterpartei fordern werdet, ist dies: mag es sich um Vereinigung oder V e rs ch m e l z u n g handeln, dieser Prozeß muß sich nicht hinter oder neben, sondern a u f dem Boden des revolutionären Klassenkampfs vollziehen, auf dem wir immer standen, mit der Vergesellschaftlich iiiig des Eigentums und der Produktion als Ziel und der kapitalistischen Enteignung als Mittel. Außerdem ist noch wichtig, daß Ihr nicht, unter dem Vorwande, Euch von Euch selbst zu emanzipieren, das organisierte Prole- t a r i a t dem Gutdünken einer unabhängigen Presse über- laßt, sondern dafür sorgt, daß alle s o c i a l i st i s ch e n Blätter unter die direkte Kontrolle oder in die Hand der ver- einigten oder geeinten Partei gebracht werden. Für den Nationalrat: Die Sekretäre: Jules Guesde. Paul Lafargue. Sociales. Eilt Schularzt ist seit vorigem Jahr in Gießen angestellt. Derselbe hat jetzt zum erstenmale Bericht erstattet. Seite für Seite werden Thatsachcn mitgeteilt, die die unbedingte Notwendigkeit ärztlicher Kontrolle der' Volksschulen in hellstes Licht rücken. Alle Kinder wurden zweimal untersucht, das erstemal im Herbst 1893, das zweitemal im Frühjahr 1899. Die Untersuchungsresultate wurden in eine Karte eingetragen, die jedes Schulkind durch alle Klassen hindurch bis zur Schulentlassung begleitet und so eine genaue Kontrolle über die körperliche Ent- Wickelung eines jeden Kindes gestattet. Die Untersuchung erstreckte sich auf Größe, Gewicht, Gesicht, Gehör, Mund, Reinlichkeit und allgemeinen Ernährungszustand der Kinder. Waren die Resultate in den erstgenaimten Punkten der Untersuchung schon hochinteressant und wurden dadurch viele Eltern in die Lage versetzt, für ärztliche Behandlung ihrer Kinder zu sorgen, von deren Gebrechen wohl die meisten gar keine Ahnung hatten,— bei zwei Mädchen wurde z. B. beginnendes Nierenleiden, bei einemKindTuberkulose im erstenStadium konstatiert, andere wurden herzkrank, wieder andere mit Mittel« Ohreneiterung'behaftet gefunden—, so verdient der Bericht des Schularztes über den E r n ä h r u n g s- Zustand der Kinder die weiteste Verbreitung. Hören wir Herrn Dr. Tjadden, dessen Bericht wirklich mustergültig ist, selbst: «Abgeschätzt wurde die Ernährung nach der Entwicklung dcS Fettpolsters und der Muskulatur des Oberkörpers. Während im Herbst bei den Knaben 44,8 und bei den Mädchen 50,3 Prozent als gut bezeichnet werden konnten, sind es im Frühjahr 71,3 resp. 73,5 Prozent. Die schlecht genährten(Fehlen jeglichen Fettpolsters und schlaffe, welke Muskulatur) Kinder machten im Herbst bei den Knaben 5,3 Prozent, bei den Mädchen 4,3 Prozent aus, im Frühjahr dagegen 1,4 resp. 1,5 Prozent. Zu der wesentlichen Verminderung der Zahl der als schlecht bezeichneten Kinder trug ohne Frage das aus der Konrad Koch- Stiftung diesen gewährte Frühstück mit bei; ein großer Teil dieser Kinder nahm im Winter nicht allein seinen Altersgenossen ent- sprechend, sondern über dieselben hinausgehend zu. Das Frühstück. bestehend aus abgekochter, warmer Milch und Brötchen, konnte 70 Schülern gereicht werden. Die Auswahl derselben wurde derart bewerlstclligt, daß die Lehrer eine größere Zahl bedürftiger Kinder dem Schularzt vorstellten, aus welchem der letztere die schlechtgenährten und kränklichen hcrausinchte. Die auch schon in früheren Jahren geübte Ver- abreichuug des Frühstücks wirkte so ausgezeichnet, daß es zu bedauern ist, daß ans Mangel a n M i t t e I n diese Wohlthat nicht einer größeren Zahl von Kindern gewährt werden kann." Weim in der Folge irgendwo Socialdemokraten auf die Be- rechtigung ihrer Forderimg, den Kindern in den Volksschulen Früh- stück zu verabfolgen, hinweisen, und den Nachweis führen, wie absolut notwendig die Änstellung von Schulärzten ist, dann werden wir nicht vergessen, auf den Bericht des Gießener Schularztes hin- zuweisen. Socialhygienische Fragen von großer Wichtigkeit werden auf der Anfang September in Brüssel stattfindenden internationalen Konferenz zur Bekämpfung der Syphilis und der venerischen Krank- heitcn behandelt werden. Wir heben die folgenden Verhandlungs- gegenstände hervor: Haben die zur Zeit bestehenden Reglementations- ysreme einen Einfluß auf die Häufigkeit und die Ausbreitung der Syphilis und der venerischen Krankheiten gezeigt? Ist die derzeitige Organisation der ärztlichen lleberwachimg der Prostitution ver- besserungsfähig? Ist es vom rein ärztlichen Staiidpuiike aus zweck- mäßiger, Vordelle zu gestatten oder dieselben zu unterdrücken? Ist die ad- minis'trativcOrganisälionderpolizeilicheiilleberwachnngderProstitution verbcsscrungsfä'hig? Durch welche gesetzlichen Maßnahmen kann die 7ahl der durch die Prostilution ihren Lebensunterhalt suchenden ./rauenspersoncn verringert werden? Welche allgemeine Maßnahmen können— abgesehen von der Frage der Prostitution— zur wirksamen Bekämpfung der Syphilis und der venerischen Krankheiten ergriffen werden? Von den übrigen Referaten ncinien wir noch: Die sociale Gefahr der Syphilis, des Trippers, welchen Anteil hat die Prostitution an der Verbreitung der Syphilis und der venerischen Erkrankungen. welchen Anteil haben, abgesehen von der Prostitution, die anderen Arten der Verbreitung der Syphilis und �der venerischen Er- krankungen?_ Die Versammlung der Norddeutschen Sohllcder-Gerber am 4. d. M. in Hamburg bestätigte die vorläufigen Beschlüsse vom 23. Juli, wonach bei einer Konventionalstrafe von 20 000 M. die Reduktion der Fabrikation um mindestens 25 Proz. und eine Preis- erhöhung für Sohl- und Vacheleder um 5 Pf. und für Brandsohl- leder um 3 Pf. pro 1/2 Kilo festgesetzt wurde. Diese Beschlüsse sind für ein Jahr bindend, nnd sollen in einer binnen kurzem in Berlin stattfindenden Verjammlung weitere Maß- nahmen erörtert werden. Zu dieser Versammlung haben bereits alle maßgebenden deutschen Lederfabrikanten ihr Erscheinen zugesagt undfsich bereit erklärt, der obigen Vereinbarung beizutreten. Sociale Nechkspflege. Unfall beim Wecke» ciucr Dicnstmagd alö Betriebs- Unfall. Die Ehefrau des Landwirtes Dreines, eines Kleinbesitzers, wollte eines Morgens ihre Dienstmagd wecken. Hierbei stolperte sie über die Thürschwclle und brach sich den Oberschenkel. Ihr Anspruch auf eine Unfallrente wurde von der hannoverschen landwirtschaft- lichen Berufsgenossenschaft mit der Bcgründimg abgewiesen, daß das Wecken eines Mädchens nicht zu den landwirtschaft- lichen Arbeiten gehöre. Frau D. legte Berufung ein und machte geltend. das Dienstmädchen hätte die Kühe melken ollen.' Das Schiedsgericht verurteilte darauf die Berufs- gcnosieiischast zur Rentcugewährung, indem es ausführte: In kleinen Landwirtschaften, wo mir ein weiblicher Dicnstbote gehalten werde. würden die häuslichen Arbeiten gewöhnlich von der Frau verrichtet, während das Biädchcn die schwereren landwirtschaftlichen Arbeiten zu machen habe. Wemi nun hier das Mädchen geweckt werden sollte, damit es an die Arbeit gehe, dann habe diese Handlung dem landwirtschaftlichen Betriebe gedient. DaS Reichs- Verstchenmgsaint wies den hiergegen eingelegten Rekurs der Bcmfsgcnossenschaft als unbegründet zurück. Die höchste Instanz ging davon ans. dajj die Magd die Kühe habe me.'cii sollen, und nahm an, das; ein landwirtschaftlicher Betriebsunfall vorliege, iveil das Melken der Kühe und das Wecken dazu dein landwirtschaftlichen Betriebe zuzurechnen sei. Selbständiger Gewerbetreibender oder landwirtschaftlicher Arbeiter? Der Schmied Hartermaun war in einem landwirt- � schaftlichen Betriebe verunglückt, als er dort den Pferden die Hufe beschnitt. Er verlangte deshalb von der landwirtschaftlichen Berufs- gcnossenschaft eine Uufallrcnte; man wies seinen Anspruch jedoch mit der Begründung ab, daß die Thätigkcit, die den Unfall vcr- ursacht hatte, innig mit dem nicht versicherten Schmicdegewerbc zusammenhänge. Das Schiedsgericht erkannte dann in dem- selben Sinne, worauf H. beim Reichs-Versicherungsamt den Rekurs einlegte. Der Kläger betonte besonders, dasi er ja nicht in seiner Werkstatt, sondern auf einem fremden Hofe verunglückt sei, wo er für einen Tagclohn, also als Arbeiter des Bauern thätig gewesen wäre. Das Rekursgcricht wies indessen das Rechtsmittel zurück und führte aus, der Kläger sei ein selbständiger Gewerbe- treibender im Schmiedebcrufe und könne auch für die Zeit, während welcher er auf dem Hofe des landwirtschaftlichen Besitzers gegen Tagcsbezahlung arbeitete, nicht als Arbeiter im landwirtschaftlichen Betriebe angesehen werden. Vevfsnnnlttngrn. Mit dem Verhalten der Branrrci Pichelsdorf den Gast- Wirten gegenüber beschäftigte sich eine starll besuchte Versammlung des Bereins soci aide m akratischer Gast-undSchank- Wirte, die am Freitag bei Mierke, Schönhauser Allee, tagte. DaS einleitende Referat hatte der Gastwirt F. Ewald übernommen, der in seinen Ausführungen auf die Vorkommnisse hinwies, die sich zwischen der Leitung der Pichclsdorfcr Brauerei und der Arbeiterschaft abspielte»' und sodann die unangenehme Lage derjenigen Gastivirte schilderte, die vertragsmäßig gezwungen sind, Bier' von dieser Brauerei zu entnehmen. Eine ganze Anzahl von Gastwirten hat Verträge nüt der Brnucrci abgeschlossen, die zu lösen nicht gelungen ist, so daß infolge des Kampfes viele Gastwirte in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Die Vorstellungen seitens einer Kommission des Vor- standes bei der Brauereidirektion haben ein positives Resultat nicht gezeitigt. Statt die Gastwirte, deren Existenz durch den von der Brauerei heraufbeschworenen Kampf auf dem Spiele steht, wenigstens bis zur Beilegung desselben von den Verträgen zu cut ""....... binden, ist die Fällen rücksichtslos vor- trektion bereits in einigen Fä gegangen. Einigen Gastwirten ist die Aufforderimg zur Zahlung der Konventionalstrafe zugegangen und gegen anderes die in Rück- ficht auf ihre Gäste auf die Lieferung dcS Bieres verzichten, ist die Klage auf Zahlung von beträchtlichen Konventionalstrafen anhängig gemacht worden. � Die Verträge selbst, welche die Brauerei mit denjenigen Gastwirten abschließt, die eine finanzielle Beihilfe erhalten, wurden als außerordentlich rigoros geschildert und be- hauptet, daß kaum eine andere Brauerei' als die Pichelsdorfer der- artig inhumane Verpflichtungen auferlegt. Nicht nur, daß für das aufgenommene Darlehn, sowie für das eventuell erhaltene Inventar K Proz. Zinsen bezahlt werden müssen, haben die Betreffenden auch noch die Verpflichtung, eine ganze Reihe von Jahren nur das Bier der Pichelsdorfcr Brauerei zu entnehmen und zwar natürlich auch dann, wenn der Wirt die erhaltene Summe längst beglichen hat. Für jeden Hektoliter Bier, der anderwärts entnommen wird, ist eine Konventionalstrafe von 100 M. festgesetzt. Während die Brauerei aber die genaue Jnnehaltung des Vertrage« von den Wirten in jeder Hinsicht verlangt, hat sie ihrerseits wiederholt die Bedingungen nicht erfüllt. Von allen Diskussionsrednern wurde da» Gcfchäftsgcbahren der Pichelsdorfer Brauerei, insbesondere aber ihr gegenwärtiges Verhalten gegenüber der Arbeiterschaft, durch die sie allein nur ein recht rentables Geschäft in den letzten Jahren erzielt hatte, einer recht herben Kritik unterzogen. Auch über die Qualität des BiercS wurde vielfach Klage geführt und darauf hingewiesen, daß es nur im Interesse der Brauerei liege, wenn sie sobald als möglich Frieden mit der Arbeiterschaft schließe. Die antvesenden Vertreter der Brauerei, die Herren Hey- mann und Weber, polemisierten gegen die verschiedenen gemachten Ausführungen und stellten in Aussicht, daß die Ursachen der Differenzen, insbesondere die Saalfrage, die Lohn« und Arbeitsverhältnisse der Vrauerei-Arbcitcr und die VertragSangelegenhciten in näckister Zeit schon eine friedliche Erledigung finden iveroen. Demgegenüber steht allerdings, daß der in der Brauerei tonangebende Herr Sternberg, wie ausgeführt wurde, erklärt hat, daß der Saal der Brauerei der Socialdcmokratie nicht zur Verfügung ge- stellt wird und � die Brauerei reich genug wäre, um den Boykott ruhig aushalten zu können. Nach langer Diskussion wurde schließlich die Wahl einer Kommission abgelehnt, weil man allgemein der Meinung war, daß die von der Vraucreileittmg gewünschten Verhandlungen mit den Gastwirten so lauge keinen Ziveck haben, bis die Brauerei sich mit der Arbeiterschaft wieder verständigt hat und die Ursachen, die den Boykott veranlaßten, beseitigt sind. Beschlossen wurde sodann von der über das Verhalten der Pichelsdorfer Brauerei recht erbitterten Versammlung, daß in allen Fällen, in denen die Brauerei gegen Vcrcinsmitglicder auf Zahlung der Konventionalstrafe klagt, die Widerklage erhoben bezw..Berufung bei einer etwaigen Verurteilung eingelegt werden soll. Ver- schiedene Redner und auch der Herr Rechtsanwalt Dr. Schöps gaben der Meinung Ausdruck, daß die Verträge der Pichelsdorfer Brauerei in mehreren Punkten anfechtbar sind und eine Venirteilung der Gastivirte zur Zahlung der Konventionalstrafe vorläufig mindestens sehr zweifelhaft sei. Gold- und Silberarbeitcr. Am 31. Juli fand im Dresdener Garten die Mouatsversnmmlung der hiesigen Zahlstelle statt. Kollege Brückner gab zunächst einen Bericht über den Streik der Nürn- berger Kollegen und die gegenwärtige Lage unseres Verbandes. Er legte dar, wie durch diesen Streik die Organisation in eine sehr mißliche Lage gekommen ist, da dieser Streik iin Verhältnis zu unserer geringen Mitgliedcrzahl große Summen gekostet hat und noch kein Ende abzusehen wäre. Doch ist er und beinahe alle Tis- kusstonsredner der Ansicht, daß von einem Mischlusse an den Metall- arbeitcrvcrband keinerlei Vorteil für unsere Berufsgenosscn und die fernere Agitation zu erwarten sei. Es wurde sodann auf Antrag beschlosseii, Ende nächsten Monats die Gencralversaminlung abzuhalten, die sich des näheren mit dieser Sache beschäftigen wird, und ersuchte der Vorsitzende die Kollegen, für regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Der Ccntralverband der Handels-, Transport- und Ver- kchrsarbcitcr hielt Dienstag, den 1. August, bei Pintkowski in Rummelsburg eine Versammlung für die Angestellten der Norddeutschen Eiswcrke ab. Schumann referierte über die llebel- stände in den Eiswerken. In der Diskussion nahm auch der Direktor des Betriebes, der mit seinem ganzen Beamten- stabe erschienen war, das Wort. Redner bestritt, daß Nebel- stände vorhanden seien, er sei gerne bereit, den Wünschen seiner Mitarbeiter entgegenzukommen und würde, wenn möglich, für Abhilfe sorgen. Zwischenruf„Zum Thor hinaus". Der im Betriebe verunglückte Kutscher Richter sei nicht infolge der langen Arbeitszeit aus Nebermüdung, sondern weil er betrunken gewesen, unter seinen Wagen gekommen. Hätte Richter eine Familie gehabt, so hätte schon die Nnfallvcrsicherrmg für diese gesorgt, und auch die Eiswcrke hätten ihren Teil dazu'beigetragen.(Richter hat aber that- sächlich eine Familie und 2 Kinder, nur war er mit seiner Frau nicht getraut.) Man möge den Frieden, der bisher zwischen den llntcnichmcrn und Arbeitern auf den EiSwerkcn geherrscht habe, nicht so frivol stören. Eine Aufbesicrung der Löhne sei nicht möglich, weil die Dividende durchschnittlich bisher nur 2 Proz. betragen habe.(Voriges Jahr laut Kursbericht 7 Prozent.) Die Angestellten selbst traten dieicn Ausführungen entgegen und dasselbe geschah seitens des Referenten. Schlietzlich ließen sich 23 Anwesende in den Verband einzeichnen. Der Partei- Vertrauensmann Gebauer er- klärte noch, daß, nachdem man vor einer vollendeten Thatsache stehe und die Angestellten sich dem Centralverbande an- geschlossen hätten, keine Zersplitterung der Bewegung von lokaler Seite unterstützt werde. Als Vertrauensmann der Handels-, Transport- und Vcrkchrsarbeiter für Rumelsburg, Stralau, Lichten- berg und Friedrichsberg wurde Karl Brüschke, Friedrichsberg, Pfarr- ftraße 42 gewählt, an welchen alle Beschwerden und Mitteilungen zu richten sind. Der Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter und Arbrtterinncn, Zahlstelle Berlin, hielt am 27. Juli seine Mitglieder- Versammlung ad. Der Kassierer gab den Kassenbericht vom zweiten Quartal. Es war eine Einnahme von 653,46 M., eine Ausgabe von 278,38 Pf. zu verzeichnen, waS von den Revisoren bestätigt wurde. Dem Kassierer wurde darauf die Dcchargs erteilt. Zu Verbands- angelegenheitcn teilt Funk mit, daß Schumann den Posten als erster Bevollmächtigter niederlegt. Funk wurde an dessen Stelle als erster Bevollmächtigter gewählt und an Funks Stelle Rühle als Kassierer, und an Stelle Rühles welcher Schriftführer war. wurde B r e ß l e r gewählt. Sodann machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß am 13. August die Besichtigung der Sternwarte stattfindet. Eine gut besuchte Versammlung der Bautischler in Char« lottenburg beschäftigte sich Montag, den 31. Juli, mit den nächsten Aufgaben der Bautischler. Das Referat hatte Kollege F e n d e l- Berlin übernommen. Er schilderte die Lage und Arbeitsverhältnisse der Bautischler und bezeichnete eS als notwendig, jetzt, wo die Geschäftskonjunkttlr eine günstige ist, auch für uns etwas heraus- zuschlagen. Hierzu sei aber vor allen Dingen eine starke Qrgani- satiön nötig. Die Versammlung wurde sich darüber einig, daß eine Accord- und Lohnerhöhung von 10 Proz. und eine Abschlag- zahlung von 27 M. die Woche zu fordern wäre. Die weitere Behandlung der Sache wurde einer späteren Versammlung überlassen. Wilmersdorf. In einer gut besuchten Versammlung de? socialdemokratischcn Vereins, die am 27. Juli im„Seeschlößlbcn" tagte, hielt F a b e r einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Staats- und Vaterlandsfeinde. Sodann wurde Genosse G l a d i o w als ftellvertretender Kassierer und Schulz als stellvertretender Schriftführer gelvählt. Die nächste Versammlung findet am 16. August in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40, statt. Steglitz. Hier tagte am 2. August eine Versammlung der Bautischler, die sich mit' der Lohnbewegung der Berliner Bautischler beschäftigte. Das Referat hielt Tischler Bleek und stimmte die Versammlung in einer Resolution seinen Ausführungen zu. Ter Arbeiter- Bildungsvcrei» für Mariendorf und Umgegend hielt am 1. August eine Versammlung ab, in der Dr. Wey! über den Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose fprach. Redner fand für seine Darlegungen regen Beifall. Nixdorf. Am 30. Juli fand hier eine gut besuchte Versamm- lung der Kutscher, Mitfahrer und Hausdiener in den Apollosälen statt. Rein hielt einen gut aufgenommenen Bortrag über Koalitionsrecht und die Zuchthausvorlage. An der Hand zahlreichen Materials wies der Referent nach, wie den Unternehmern manches gestattet wird, wofür den Arbeitern schon jetzt die schwersten Strafen auferlegt werden. Referent kam zum Schluß dahin daß es Pflicht der Arbeiter wäre, sich zu organisieren und in Massen gegen das neue Gesetz zu protestieren. In diesem Sinne ge- langte eine Resolution zur Annahme. Nach einer Aufforderung, den dänischen Arbeitern nicht die nötige Hilfe zu versagen, und den Bc- schluß der Spandauer Arbeiterschaft zu beachten, wurde die Vcr- sammluug geschlossen. Johannisthal. Am Donnerstagabend tagte hier in Senftlcbens Volksgarten eine öffentliche Versammlung. Dr. Friedeberg gab ein übersichtliches Bild über die Ergebnisse und die Bedeutimg des stattgefundcnen Tuberkulose-KongresscS. Betonend, daß in der heutigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung an eine rationelle Bekämpfung der Schwindsucht wenig gedacht werden könne, erklärte er es doch für notwendig, daß jeder Arbeiter sich, ebenso wie auf politischem und gewerkschaftlichem, auch auf dem Gebiete des KrankenkassenwesenS organisieren muß. Nach einer kurzen, lebhaften Diskussion mächte der Vertrauensmann bekannt, daß in der nächsten Zeit die KreiSlonferenz stattfinde, wozu heute Delegiette gewählt werden müßten. Als solche wurden die Genossen Mann, ClauS und Weber einstimmig ernannt. Hierauf schloß der Vorsitzende die Ver- sammluug. Samnriter-Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends v Uhr, UebungSstunde in der Centrale Komiliaiidanten- ftraße SO: Vortrag über:„Vcrgiftunaen, Erstickungen, verschiedene Formen der Bewußtlosigkeit." Nachher praktische Uebungen. Briefkasten der Redaktion. -Die inristischc Spreckisinnde wird Ticnötags. TonnerStag» lind Freitags abends von k bis 8 Uhr abgehalten. F. ft. 43. Wenn der Vater sich nicht nachttäglich freiwillig mit Zahlung oder der ErziehuiigSübernahme einverstanden erklärt, so besteht ihm gegenüber lein Siecht,- M. Z. Sil. Sie müßten sich an das Bezirks- kommaiido und dann an daS Polizeipräsidium wenden.— F. I. 84. i. Ja. 2. Nein. 3. Nein.- ffi. M. 25. Sie sind im Irrtum. Hur Zwangsinnung gehören sämtliche„Gewerbetteibcnde, welche das gleiche Handwerk oder verwandte Handwerke ausüben".— Jesuit. Der Mieter hastet für die ganze Dauer deS Vertrages, wenn er eins der gcbräiichlichen BertragSfonnulare unterschrieben hat.— A. V. Nein.— L. D. Nein, -(£. O.. 30. Stein.- Bialow. Briefliche Antwort erteilen wir nicht. Ein Nückwrdeningsrecht steht Ihnen in Ihrem Falle nicht zu.— (». Z. 84. Soweit ohne mündliche Rücksprache und ohne Einsicht m die Klage ersichtlich, ist der Kläger im Recht- K. H. Habel, l. u. 2.: Ja, 3. Von Seiten deö Lehrlings kann da« LchrverhällniS gelöst werden, wenn der Lehrherr sein Recht der väterliche» Zucht mißbraucht. Dies Recht der väterlichen Zucht ist dem Lehrherrn eingeräumt und bei der letzte» Hand- Werkernovelle nur der Zusatz durchgesetzt: Uebervläyige und unanständige Züchtigungen sowie jede die Gesundheit des Lehrlings gefährdende Be- Handlung sind verboten.— H. Tch.» Britz. Legen Sie Berufung ein. — Heirat, l. Die Einwilligung der Mutter, des Vormunds und des Vor- mundschaftsgcrichts ist erforderlich. 2. Die Unterschrift unter eine Urkunde kann nur iu Gegenwart des Unterschreibenden beglaubigt werden. 3. Die Brautleute. 4. Zwei Wochen, b. Ja. G. und 7. Beschwerde ist dann zu- lässig. Köln. 1. Berufung innerhalb eiueS Monats»ach Zustellung dcS Urteils wäre zulässig, aber aussichtslos. 2. und 3. Ja. A. D. B. 71. 1. Die Frage ist streitig. Nach zutreffender Ansicht ist sie zu bejahen. Tie PraxiS steht auf dem gegenttillgen Standpunkt. 2. Das Aewerbegcricht ist zuständig Für die zahlreichen Beweise herz' llcher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter l?I4»v Dcrda geb. Lletzko w sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere Hrn. Th. Mehner für die ttostteichen Worte am Grabe, sowie den Herren Zuschneidern und Schneidern des Verbandes d. Deutsch. Post- und Telegraphen- Asststcnten unseren innigsten Dank. 172öb Earl Derda nebst Kindern. Bereinigung der Maler, Lackierer te. Filiale IV. Den Kollegen zur Nachricht, daß miser Mitglied 1730b Emil Müller am 1. d. M. plötzlich gestorben ist, Die Beerdigung findet ain Sonntag, den 6. d. M., nachmittags!>>/, Uhr, von der Leichenhalle der Heiligen Kreuz-Gemeinde in Martendorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet Ter Vorstand. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung nieincö lieben Mannes sage ich den Kollegen des Beerdiguugs- Vereins der Berliner Zimmerleute meinen innigsten Dank. 175Sb Witwe Schulze nebst Tochter. Kentral-Krailktn- n. Sterbe- kajse der Tischler ». anderer gewerblicher Arbeiter. Verwaltung Berlin F. Montag, den 7. d. M., abends 8 Uhr b. Bergmann, Pasewalkerstr.3, Mitglieder-Versmmlung. Tages-Ordnung: I. Abrechnung vom 2. Quartal 1899. 2. Berichterstattung von der General- Versammlung in Nürnberg. 3. Innere Kaffenangclegenheiten. 17S4b AWf" Zur Beachtung! Sprechstunde nndet an diesem Abend nicht stattt. Mttgliedsbuch legitimiert! Tie Ortsvrrwaltung. auf Teilzahlung. J. Kellermann, Prlnzenstr.ÖT, partorrc, Eingang vom Flur.[* Schloss Weissensee. Sonntag, den 6. August 1899; Grosses Singer- veranstaltet vom Arbeiter-Sängerbund Berlins u. Umgegend 200 Gesangvereine. 4 Musikkapellen. Sängerfestzug. Massengesänge. Yolks- und Klnderbelustigungen aller Irl. 16/17 Brillant-Wasser-Feuerwerk. Die Kaffeeküchen sind den geehrten Damen von früh 8 Uhr geöffnet. Von nachmittags 4 Uhr ab in beiden Sälen IV 56 gegen Nachzahlung von 50 Pfennig. Laut kontraktlicher Vereinbarung steht der grosse anschliessende Nehenpark den Festteilnehmern zur Verfügung. Billets vorher 20 Pf., an der Kasse 80 Pf. Anfang 8 Ubr vormittags. Fahrgelegenheit: Vom Königsthor bis Schloss Weissensee Pferdebahn 10 Pf., Kingbahnzüge, sowie Kremser und Thorwagen je nach Bedarf. Bülets sind zu haben bei den Vorstandsmitgliedern: Otto Hasche, Mariannenstr. 23(Cigarren-Geschäft); Hob. Meyer, Mariannonstrasso 2(Blumen-Geschäft); Ad.(Keuniann, Brunnenstrasse 150(Restaurant); Ad. Httbncr,"Wilhelmstr. 134, Hof I., sowie bei allen Bundesvereinen und in den mit Plakat belegten Handlungen. Abgabe der Billets an Vereine nur gegen Vorzeigung der Vereins-Bundes-Mitgliedskarte bei obigen Vorstands-Mitgliedern. Der Vorstand. Behufs dringender persönlicher Mitteilung wird ersucht, über den Schuhmacher Isidor Baß, 23Jahre alt, aus Ribeck in Ungarn, Nachricht sub.„H. 105" an die Exped. d. Bl. gelange» zu lassen. 1720b Den Parteigenoiicn, Frcunbcn und Bekannte» zur Nachricht, daß ich das frühere Weist- und Bnyrisch-Bier- Lokal von Irilttelwltt wieder neu eröffnet habe. Um güligen Zuspruch bittet J. KicschkoVvskI, Falcke»stci»str. 7. Zwei Vereinsziininer, 25 u. 40 Personen fassend. 1732b M Micliow, SmÄ Goldene Medaille und Staatspreis für hervor- ragende Leistungen in der Kanaricnzilcht, der ss. Harzer Hohl- und Klingelroller, Vor- schläger von 10— 20M. Licderpfeifend« Dompfaffen, gut sprechende Papageien, in- und aus- ländlkche Sing- t:r.d Zugvögel. 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Hierauf: AbschiedSwuper. Anfang 8 Uhr. Montag: Die Trutzige. Westen. Das goldene Kreuz. Hierauf: Die schöne Galathee. Anfang 7 Uhr. Montag: Die Zaubcrstöte. Schitter. Die Jüdin. Ans. 7l/z Uhr. Nachm. VzZ Uhr: Martha oder: Ter Markt zu Richmond. Montag: Der Postillon von Lon- jnmeau. Central. Der Heiratsmarkt. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WilhelmftndtifcheS. Charleys Tante. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstelluttg. AlexanderplaN. Nana. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostend. Adrienne Lecouvreur. An fang 7>/, Uhr. Montag: Die Kubanerin. ?NetroPol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Montag: Dieselbe Borstellung. Vcllc-Zlliiancc. Specialitäten-Vor- stellung. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Luna. SpectalitStm Vorstellung. Anfang 7»/, Uhr. Rmchshalle». Stettincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage> Panoptikum. Specials täten-Vorstellniia. Urania. Jnpalidenstr. Biklliier Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schndowstr. 14 Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pf. Eeichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. Urania Tnnbensitraose 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde Montag: Dasselbe. Iiivalidenstr. S7/0S: Tägl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Täglich abends Sternwarte. »?/«!? von 5—10 Uhr Cljiller Theilter «Wallncr. Theater). ZlorvitN-ttper. Sonntag, nachm. 8 Uhr bei halben Preisen: Zlartlia oder: Der Macht zu Eichmond. .Sonntag, abends 7V, Uhr Gastspiel Simeon Lngarti: Die Jüdin. Montag, abendö?'/, Uhr: Abschieds- Vorstellung Deinvioi» Düte!. vor Postillon von Lonjumeau. DiiNStag, abends 7t/, Uhr leii. Grosse Oper in 4 Akten von Rossini. Mittwoch, abendS 7»/, Uhr Volhstllmllolie Opern-Vorstellung bei halben Preisen: Der EreiaelKÜtr. SjtoiMiitl Wtij- Theater Gr. Franksurterstrafte IZI. AbschiedS-Benefizvorstellung der ruff. f Hofschauspielerin Elisabeth Oore�a. Zum letzten Mal«: idrienne Lecouvreur. Drama in 5 Akten von Scribe. MT Anfang 7»/, Uhr."VH Montag, zum erstenmal: Die Kubancri». Aktuelles Schauspiel in 7 Bildern v. Okonkowskp. Heut« im Garten: Sveclalitäten und Thcnter>Vorstelluilg. 27 Nummern. Neues August-Programm. Anfang 4, Uhr. Dienstag: Benestz für Helstng und Free. Volks-Sominerfest. Direktion: Joss Ferenczy, fiistspiel.EnseinblelFrl.Klllly Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto kakla» vom Schiller-Theater, Herr kllcd. Etvald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der.Heiratsmarkt. Schwank in 8 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die selbe Vorstellung. NettopvI-l'dkAtkr. Behrenstr. 85 57. Grüsater Saitson-Erfolg!!: Berlin lacht! und das reizende Presse�Ballett. Hierzu; Neues Spectallt-Prograrnm. U.a. Robinson Baker-Trio. Japanesen fuhushlrnn Truppe. Werner-Arnoros- Company etc. etc. Anfangs Uhr. Apollo-Theater. Fi*aiiLuiia mit dem Luftbnliett „Origolatis". « Otto Reutier« UP O I>ebuts Kassen-Erööhung 6 Uhr, Garten-Konzert«>/, Uhr. Anfang der Vorstellung 71/, Uhr. Blllet-Vorverkauf tSfiHch im Theater lind beim„KUnsUerdank", Unter den Linden 69. Passage'Panoplicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wen! ÄTeu! Das urkomlschs Böckeburger Bauern- Ensemble. Ansang der Vorstellung 6 Uhr abends. CXStkKS IPANOPTICÜMI Die sensationellen w lebenden-ve [Photographien! In Lebensgrösse. Di« russische Mifinnn(( Dsmenkapelle siHliyilUll In moskowitlschen Kosttimen. Viele nene plastische Gruppen and Eignren. Euhlmanns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lchmann, Schönh. Allee 148. Kastan.-Allee dl/90. Täglich: Konzert, Theater n. Specialitäten-Vorstellang. Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9, Täglich: Dorns Kcsi. BolkSstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Seiften. Kostiimsoubrctte Fräul. Lud« Sarow. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartstt, Gesang und Tanz. Dlo 3 Sohöndrunns, hu- moristtfcheS Bilderbuch. The 4 Flashes, Exceutrics. Ballettgcsellschaft Döring. Vsnäaro-Trio, Sxercitien am Haitd- Trapez. Dsnl«!-Trupps, Pantoiuiine. Sftf Konzert und Ball. Eintritt Sonntags und wochentags 30 Pf., mim. Platz 80 Pf. Kalho. Reichshallen. Garten resp. Saal täglich: Stettincr Sänger tivicpscl, Pietro, Britto«, Sieidl, Krone, K irchmayer. Schneider und Schräder). M«It Hchchid- IK'M nnabend, den 12. August: Großes Sommerfest Sommmilllllts-DM SismM 108-114 Sonnabend, den 12. Au verbniide» mit veranstaltet vom Tuvn-Vevetn„Lsickike" Grostes Garten- Konzert. Auftreten des gesamte» Künstler- Personals. Groste turnerische Mafsen-Aufführungen, ausgeführt von den Damen-, Männer- und Lehrlings- Abteilungen des Vereins. Jedes Kind erhält 2 Bons giltig für eine Stoiklaterne, Karussell oder Rutschbahn. Bei eintretender Dunkelheit grosser Fackelzug der Kinder. Die Kaffceküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Verfügung. MW- Anfang deö Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 5 Uhr, des Balles 6 Uhr. Herren, welche am Tanz teil- nehmen, zahlen 50 Pf. nach.— Entree Ä8 Pf., a» der Kasse 30 Pf. Billcts sind in allen mit Plakaten belegten Lokalen, sowie bei sämtlichen Mitgliedern des Vereins und an der Kasse zu haben. 268/10 Zu freundlichem Besuch ladet ergebenst ein Das Komitee. Böhmisches Brauhaus Telephon; Amt VII, 5088 Landsberger Allee 11/13 offeriert seine als vorzüglich bekannten Biete Telephon: Amt VII, 5088 helles und dunkles Lagerbier, Xepomnkbrän, Pilsener Art, Gamhrlnnshrän, Münchner Art, unter den coulantesten Bedingungen. 2S0gL' Illax Rliems Sommer-Theater Hnaenheide 14-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz U? Täglich: Großts Arteil-Kollzert. V Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Specialitäten-Personals. DM- Nur erstklassige Kräfte."MOJ Georg Fischer(Liedersänger), Emst Kühne(Cbarakter-Komiker), Fritil Verri (Kostüm- Soubrette), Floctz Carella-Troupe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(TranSformationS- Duo), Ling-Fuing(Chinesische Akrobaten), The Cowas(Original-ExcentricS). W- Vcucs gediegenes Eauiilien- Erogramm Entree: Wochentags 30 Pf.| Entree: Sonntags 25 Pf. Numeriertet Platz 40 Pf 1 Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts ttgllch 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr, In den Festsäleu: SÄF»' Grosser Ball."Vffi Die Kaffecküche ist geöffnet. Ma» Kllem. Schweizer-Garten Am KäuigSthor(Stingbahu) Am griedrichShai». Täglich: Theater- und Specialitäten-Vorstellnug- Jede» Ätittwoch: GroHes �nniilirn� und Vinderfepk. Auttreten des neuen KUnstler-Ensonibles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität! Ober-Bonze von Klautscliou. AuSstattungS-BurleSke mit Gesang in 3 Bildern von I. Etsner.— Musik von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: BsB» Victoria-Brauerei-Ausschank Stralau. Jeden Tottlitag: Crojes Cllrttnkoitztrt, Theater«. Speciltlitätenvorstellung. Im Saale: lZnossvn Boll. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. lg47L»1 Hochachtungsvoll Um recht regen Zuspruch l Karl Mittag, Oekonom. bittet Uhr. Anfang wochentags 8 Uhr, SviiiitagS 7 Vorher: Konzert. Entree 50 Pf., Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. biS S M. Jeden Freitag: Neues Programm. Victoria-Brauerei Luvowstrasse 111/112. Im Xatnrgarten oder Saal: Tätlich Hnmortstischc Soiree der Norddeutsclieii Sänger (Fuhrmann, Horst, Walds). Ans. Sonntags präc. 7, wochentags S Uhr. Gntrce 50 Pf. Vorverk. 40 Pf. Familienbillets 3= 13», Souutag uub Donnerstag«ach der Aorsteüung Tauzkranzchen. /V IL. von den Abteilungen Wedding, Oranienburger Vorstadt und Gesundbrunnen statt. Die Abfahrt wird noch bekannt gegeben. Die Genossen der Schönhauser Vorstadt besuchen die Sternwarte am SO. August und sind noch Billets bei den Bezirksführern zu haben 247/12* I>er'VorMtnnd. Ifrlinn WkitklmtMer-Umm Geueral- Versammlung am Dienstag, den 8. August 189», abends 8V- Uhr. bei Buske Grenadierftr. 33. Tages- Ordnung: I. Bericht des Borstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Neu- Wahl des Borstandes. 3. Bericht aus den amtlichen Nachrichten. 4. Ver schiedencS. IM" Mitgliedsbuch legitimiert. b3/9 Der Torstand. NB. Die Mitglieder werden dringend ersucht, ihren etwaigen Wohnungs Wechsel dem Kassierer oder Vorsitzenden anzuzeigen. yei'lmiil! deutscher �clmeider u. Schneiderinnen __(Filiale Berlin). Menstaq, den 8. August, abends 8-/- llhr, in den Armin-Hallen, Kommandantenstraste 39: Dersnunttlung. TageS-Ordnung: 162/11 1. Wie stellen sich die Militärschneider zu einer Lohuregelung der neuen Monticrungsstücke. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom II. Quartal 1899. 4. Verschiedenes. Verein deutscher Schnhinacher. Montag, den 7. d. U., abends S'/j Fltr: Zwei NtttgUeder-UersammUmgett In Moabit, Klrchstr. 37, Sprcchallen; 1. Vortrag. 2. Wahl der Berzirkslcitung; In Rlxdorf, Zlcthenstr. 69 bei Pressier: Vortrag. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 1'9/1_ Die OrtsYerwaltnng. Tapezier er! Dienstag, den 8. August 1800, abends SV, Fhr, Uli Louisenstildtlschen Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37; Kombinierte Versammlung der Ulilllm Berlins nni> der Umgegend. Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Kollege» zu einer Lohnbewegung? 2. Bericht über die Enquete. Die Kleber sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen Anmerkung: Die regelmäßigen Filial-Bersammlungenffallen c Tage aus. an diesem 178/1 Oeffentliche Versammlung der mt WlzbkMkitungs-MWtll lielMiM Meiter Berlins nnd der Umgegend, »m Montag, den 7. August 1800, abends 81/z Tlbr, int Englischen(«arten, Alexanders tr. 37c". Tagesordnung: 1. Abrechnung des Vertrauensmannes vom ersten Halbjahr 1899. S. Die letzten Vorkommnisse in der Berliner Gewerkschafts-Kommission, und welche Stellung nehmen wir hierzu ein? 3. Gewerkschaftliches. 82/19 Kollege»! In anbctracht der außerordentlich wichtigen Tagesordnung ist es notwendig, daß Ihr alle Mann erscheint und zwar pünktlich! Der Vertraucnsniann: Horm, laeck, 80., Oppclnerslr. 44, Ouergcb. III. Central-Verband der Zimmerer Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Sonnabend, den 12. August 1899: 16. Sistnngs Fest in Louis Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. Konzert, Tlzeater, Gesang, unter Mitwirkung der Theater-Gesellschaft Strzelewlcz und deS Gesangvereins„Froh Hoffnung".[255/1 Die Musik wird von dem„Neuen Berliner Konzert-Orchester" unter Leitung des Dirigenten Herrn Tletz ausgeführt. Um l Uhr: Kasseepanse. Während derselben: Festrede. Während des Konzerts im oberen Saale: Tanz. Vach dem it r rf- 1 1 Herren, die daran teil- Konzert:«»UAA/JltSll» nehmen, zahlen 30 Pf. Anfang 8 llhr. Garderobe 13 Pf. Entree 3» Pf. Recht zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Billets sind in allen Bezirks-Zahlstellen, bei folgenden Komitcemit- gliedern: Rich. Schröder, Tilsiterstr. 78; Karl Schütz. Forsterstr. 44; August Wirth, Zossenerstr. 43; F.Schulz, Glcditschstr. 28; Emil Rennau», Stephau- straßc 39; Hermann Sopard, Kleine Hamburgersir. 10/11; Gustav Bnumgart, Burgsdorfstr. 6; Alb. Flügge, Schliemannstr. 46; Willi. Lenz, Georgcukirch- straße 56; Alb. Wrubbel, Straßniannstr. 13; Fr. Olrich. Gräfcstr. 78; Max Zülcke, Weidenweg 71, und im Bureau, Stralauerstr. 48, zu haben. Ferner die Mitteilung, daft teNl Pichelsdorfer Bier ver- ,apft wird. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Achtung, Bautischler! Morgen, Montag, den 7. August, abeuds 8Va Uhr, bei Cohn, Beuthstr. 20-21: Vertrauensmänner-Versammlung der Bautischler. Kollegen, sorgt dafür, daß jede Werkstatt vertreten ist. Achknnq!"MU flßtT Achtung! Baudrechsler n. Berufsgenossen. _ Dienstag, den 8. August, abends 8 Uhr,. SV* im„Englischen Garten", Alexanderstraste 27c; 9U Oelfentl. V ersammlung aller der in Treppcngeländer-Fabrikc» beschäftigten Arbeiter, als Drechsler, Stellntseher, Tisohler etv. lgcs-Ordnung: Bleeck. 2. Diskussion. Ta 1. Vortrag des Genossen. 3. Die äußerst günstige Geschäftskonjunktur in den Treppengeländer- Fabriken und welche Vorteile gedenken die betreffenden Arbeiter aus dieser zu ziehen? 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es notwendig, daß sämtliche Kollegen der betreffenden Werkstätten erscheinen. Die Kommission. I. A.: Faul Btinte, Stralauer-Allee 25. Nertranensmattner-NerfammUmg füv Fviedvichsbrrg am Dienstag, den 8. August er., Punkt 8 Uhr, bei Helnlcke, Friedrich Karlstrafte 11. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Die Werkstellen, welche am 1. August nicht erschienen waren, sind besonders eingeladen. Bezirksversammlung der Bezirke und Süd-Osten _ am Montag, de» 7. August, abends 8 Uhr,_ SV im„MUrhlschen Hot", Admiralstraste 18c.'WssZ Tages-Ordnuna: 1. Vortrag des Genossen Mestner über:„Zwangsinnungen". 2. Diskussion. 3. Bcrbandsangelegcnheiten. NichtMitglieder und Frauen haben freien Zutritt. MUing! imUfBÖinD Uinselmcher Berlins und Nmgegcnd. Kollegen! Der Gesellcunusschuß der»Freie» Innung der Bürsten- und Piuselmacher" hat sich bereits konstituiert; die Kollegen werden daher ersucht, sich in JnnungSangclegenheiten an Franz Bauer, Swinemünder- straße 49, park., zu wenden. 198/8s Die Ortsverwaltung. Kirdorf. SmMm.Berm„VWlirts". ilstag, de« 8. Angilft er., abeilds 8�2 Uhr: Mitglieder-Versammlung in„Peters Salon", Knesebeckstraße 113. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Obst über: „Die politische Organisation". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. In dieser Versammlung find auch Billets zur Treptow- Sternwarte zu haben. 232/8_ Der Vorstand. Schrimdendreher Mittwoch, den S. August, abends 7 llhr, in Stecherts Salon, Andrcasstr. 31: Grotze öffentliche Berfammlnng aller in der Zlhraiibettbrllitdje besthiistigteit Arbeiter tntd Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl des Vertrauensmannes. 2. Bericht der Agitationskvmnllssion und event. Bestätigung derselben. 3. Verschiedenes. 1l6/6 Alle Kollegen, die Interesse an der Bewegung haben, müssen unbedingt serscheincn, keiner darf in dieser Versammliillg fehlen. ver proviaorleche Vertrauensmann; Hugo Fellenberg, Soranerstr. 8. Alhtiiiig! Töpfer. Achtung! Dienstag, den 8. August 1800. abends K llhr: Geffentl. Uersammlmtg der Töpfer Berlins und Umgegend im Fugllseheu Garten(oberer Saal), Alexanderstr. 27c, Tages-Ordnung: 1. Die Verbesserung unserer Tarisvorlage. 2. Bericht der Kommission über die Vorarbeiten zur Lohnbewegung. 3. Gewerkschaftliches. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollege», in dieser Versammlung zu erscheinen. 193/9 I. A.; B. David, Vertrauensmann der Töpfer Berlins. Central- Kranken- nnd Sterbekaffe der Zimmerer. (Ortsverwaltung Berlin). Den Mitgliedern der Zablstclle VI zur Nachricht, daß in der General- Versammlung am 25. Juli bei Stcchert Albert FKiggc, Schliomann- »traste 46, Seitensl. III, zum Kassierer gewählt winde. Zahlabend an folgenden Tage»: Sonnabend von 8—10 Uhr abends und Sonntag von M/z— 12 Uhr vormittags in der Weißenburgerstr. 35 bei Kaasch. 259/3 Der Borstaud. A. Grnse. Kindcrwageli. 6, 8,Gummiräd.12M., vcrnirtcltlö.KVMk. Kinderbettstell. von 3 Mk., Ktnderklapp- stühle, Sport- und Puppenwagen, bill. Preise, nur- Priiizeiistr. 55, Ecke Dresdenerstr. Gast. Finke. Kinderwagen-Kuhlleke Neue Königslr. 53 (am Alexandcrplatz) u. Jnvalidenslr. 5. Kindervagen 8-, 12,- zc. Vummlr-lder>5, Bettstelle» 6,-, 8,-, 12.- usw. Sportwagen. Riesenauswahl wie nirgends. Gefellschaftshans Swiueinünderstr. 43. Säle 150—809 Personen fassend zu Versammlungen und Festlichkeiten zu vergeben. Flübner. sl667L» Achtung! Vereine! Engiizeder Garten Alexanderstr. 37 c. Neu renoviert! 2 grosse Parkettsäle sind noch einige Sonnabende und Sonntage der Herbst- --aison zu vergeben.' 22Z8L» C. Hoffniann. Fnhrräber, Teilzahlung, coulante Bedingungen. l2Z00L" Oranlenstrasse 33. 11. Wasieren5Pf. Wo? 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Pflicht eines jeden zielbewußten Arbeiters ist es, für diese Versammlung zu agitieren, damit der alte Schlendrian, der in letzter Zeit bei uns eingerissen ist, wieder verschwindet. Gleichzeitig machen wir die Kollegen darauf aufmerksam, daß am Sonn- tag, den 13. August, eine Herrenpartie nach Birkenwerder- Lehnivsee stattfindet, und wird zahlreiche Beteiligung drwgend erwünscht. Treffpunkt vonnittags 9 Uhr, Bahnhos Gesundbrunnen. Für Nachzügler mittags 1 Uhr, Bahnhof Birkenwerder. 179/4 Mit kollegialischem Gruß Der BertrauenSmann. Derlinev Genokfenl'chÄfts�DäckeVei (Eingetr. Gen. m. be>chr. H.) Sonnabend, den 10. Augnst 1800, abends S'/s Fhr, Im Comptoir, Aeue Bochstr. 18; Anßerordrntliche General- Uerfammlnug. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes über GeschäftSerweitemng. 2. Neuwahl eine« Vorstandsmitgliedes. 3. Verschiedenes. 22bSb Berliner Genossenschatts-BUekerel (Eingetragene Genossenschaft mit befchränlter Haftpflicht.) Der Vorstand. Richard Kelm, Kassierer. Karl Petersohn, Geschäftsführer. Heute, Sonntag, den 6. Angnst 1890, veranstaltet der Ftanchclnb„Arkona", mit Anschluß des MusikvereinS„Künstler- heim" einen 23919 Ausflugs nach Orüliau bei Lindenhayn. Freunde und Bekannte werden eingeladen. Der Borstaud. Meinen Kollegen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich Zimmerstrasse 64 einen Ausscbank der Brauerei Germania, Akl-Ges. eröffnet habe. 17286 Va Liter Bahrisch 10 Pf. 1 groste Weifte 15 Pf. Buchdrucker Heinrich Endors. Ungar-Wein med. Va Ausbruch a Liter M. 2,—, 5 Literkorbflasche M. 3,75. •lohannlsbcersvcln, weiß u. rot, herb u. süß. 19 Liter M. 8,—, 199 Liter M. 75,—, a Flasche 75 Ps., 19 Flaschen M. 7,—, 59 Flaschen M. 39,— exil. Wermut- Wein für Diabetiker, gesetzlich geschützt, Brom beer- Wein, a Flasche M. l,—. Stonsdorfer Liisär per Liter M. 1,29, per 5 Liter M. 5,59, p:r 19 Liter SN- 19,-. Himbeersaft anerkannt vorzüglich. a Literflasche M. 1,49. Lugen Neumann& Co. 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Wenigstens vorläufig noch sind die Aussichten für eine Weitcrentwickelung in gleichem oder gar schnellerem Tempo in jeder Beziehung günslig, denn noch liegen weite Gebiete der Thätig- kctt offen, wie z. B. die Versorgung der kleineren Industrie mit elektrischer Bctricbskraft und vor allem der elektrische Bahnbetrieb, auch der Betrieb der Voll- und Fernbahnen. Zum großen Teil ist diese Entwicklung zweifellos deutscher Untcrnehmnugslust zu danken, dennoch würde kaum die deutsche Elektricitätsindustrie den Vorsprung, den sie vor anderen europäischen Ländern erreicht hat, gewonnen haben, wenn nicht die großen Elcktricitätskompagnicn bei Banken und Bankgrnppen eine ganz besondere finanzielle Unterstützung gc- fnndcn hätten, die ihnen ermöglichte, mit der Einrichtung großer elektrischer Anlagen nicht so lange zu warten, bis das Bedürfnis nach solchen Anlagen an sie herantrat, sondern gewissermaßen das Bedürfnis selbst aufznsnchen. Dadurch, daß die mit der Elektricitäts- firma verbündete Bank resp. die von dieser ausgehende Finanz- gruppe die Finanzicning des als aussichtsvoll erkannten Unternehmens übernahm,'fiel für die Elcktriciläls-Gcsellschast die Beschaffung des bedeutenden Anlagekapitals fort, das sonst ein derartiges Vorgehen erfordert hätte. Natürlich haben dabei auch die Banken kein« schlechten Geschäfte gemacht; zur bloßen Hebung der deutschen Industrie haben sie sich nicht nnt den Elektricitäts- firmen koaliert. Eir.mal stellten sich die Kosten der elektrischen An- lagen dadurch, daß die ausführenden ElektricitätS-Gescllschaftc» völlig nach ihrem eigenen Ermessen verfahren konnten, wesentlich billiger; dann aber hielten die Banken die von ihnen übernommenen Anteile der zum Betrieb der nenentstandencn Unternehn.ungen (z. B. einer Straßenbahn) gegründeten Aklien-Gcsellschaftcn so lange zurück, bis sich für sie die Gelegenheit eines profitablen Abstoßes a» da., spekulierende Publikum bot. Mögen diese Transaktionen auch manchmal noch so sehr auf Plnomacherci angelegt gewesen sein, das Aufblühen der ElektricitätSindustrie haben sie entschieden gefördert, und es ist begreiflich, daß nencrdingS aus Auslassungen französischer Jndlistrieblätter ein gc- tvisser Neid auf die starke Beteiligung der deutschen Banken an industriellen Anlagen hcransklingt. Allerdings hat diese Verbindung wischen den Banken und der Jndiistric auch ihre Gefahren, ou sellistverftändlich unter solchen Umständen im Fall imer industriellen Krise das Finanzkapital noch weit stärker in Mitleidenschaft gezogen wird, alS sonst. Dazu kommt noch in;,ocikes, daS spcciell für die ElektricitätSindustrie gilt. '?ci. der �ziinchm den Vorliebe des spekulierenden Publikums für Eleliricitärswerte geraten die mit den ElektricitälSgesellschaftcn der. bundeuc» Bank.» und Fiiiauzgruppeu leicht in Versuchung. di„ Auf fHdmng günstiger Gelegenheiten für neue A-.lageu i.t frnciert- speknl.iliver Weise zu betreiben, d. h. auch dort llnternchnriingcn zu begiüntc», ,oo zwar deren dauernde Rentabilität �usgesch. offen er- scheint. über eine günstige Ausnahme der Aktien seitens ieZ Publikums zu erwarten ist. Wenn auch heilte in An- betrocht dcS blühenden Zuftandes der Elektricitätsindustrie derartige Befürchtungen noch verfrüht erscheinen, so sind doch die Ansätzc zn Rückschlägen entschieden vorhanden, mag auch.nnchcm Verteidiger nnscrer heutigen Wirtschaftsordnung' der Himmel so voller Geigen Höngen, daß er unter Hinweis auf die Prosperität der lctz.'cn Jahre schon alle Kriscngefahren für die Zukunft über wnnd.n sieht. Doch da? sind Fragen, die hier keine Erörterung finden können. Es handelte sich mir darum, auf einen Faktor hinzuweisen, der wesentlich dazu beigetragen hat, daß gerade in Deutsch- land die Elektricitäts- Jndnstrie im letzten Jahrzehnt so »nächtig anfgoschassen ist. Wie mächtig dieser Anfschwnng sine d.c früy...n Jahre noch»an ein erhebliche«. Neu in Betrieb gcronnileii sind im vergangenen Jahr 1l4 Werke, so d.iß u.a 1. März 1899 im Deutschen Reich 489 ElektricitätSwcrke vorhanden ivare» gegen 37ö im Vorjahre. Von den in der Statistik als noch in» Bau befindlich angeführten Werken find inzwischen weitere IS Merke in Betrieb gesetzt, die Gesamtzahl aller gegenwärtig im Betrieb befindlichen Werke beläuft sich demnach auf Sl)4. Von diesen sind 486 Werke in» Laufe des l.tztcn Jahrzehnts, die übrige» vor Ende dcS Jahres 1888 er- richtet worden. Von Interesse ist, mit diesen» schnellen Fortschritt in» Bau eleltrffchcr Centralen die Entwicklung der GaSanlagc» in D.ritichland g», vergleichen. Die Geschichte der Gasanstalten in Deutschland blickt ans einen Zeitraum von ungefähr 7S Jahre», diejenige der elektrischen Centralen auf einen solchen von etwa 15 Jahren zurück. In der langen Zeit von drei Viertel Jahr- Hunderten sind 616 Gas- Centralen errichtet worden. dagegen in anderthalv Jahrzehnten 504 Elektricirätswerke, Von Ende 1805 bis Ende 1896 betrug die Zunahme der Gasivcrke 62, die der EIcktricitätSwerke 261. Der Gleichstrom wird in 394, also in 89 Proz. aller Werke, angewendet; 33 Werke haben Wechsel- und Drchstrom, 2 monozyklische Generatoren, 27 gemischte Systeme. Von den erstgenannten 394 Werken arbeiten 361 mit nnd 33 ohne Akkmnulatoren. Als Betriebskraft kommt bei 299 Werken Dampf zur Anwendung; 55 Werke haben Wasser-Betriebskraft, 21 Gas. je ein Werk Druckluft, Elektromotor und Drehstrom- Gleichstro»»»- Um- folincr, 117 geinischte Systeme, davon 193 Wasser und Dainpf. Was die Leistung anbetrifft, so besitzt noch immer die Hälfte aller Werke ivenigcr als 199 Kilowatt Gesamtkapazität; 184 haben eine solche von 191 bis 599, 29 von 591 bis 1999. 23 von 1991 biS 2999, 13 von 2991 bis 5999 und 4 von 5991 bis 12 999 Kiloivatt. Das größte Elektricitätsivcrk Deutschlands sind gegenwärtig die Kraft- übcrtragungswerke Rhcinfelden init 12 999 Kiloivatt; dann kommt die Centrale Zollvcrcinsniederlage in Hamburg mit 7933, Centrale Span- dallcrstraße Berlin mit 6798, Centralen Mauerstraße nnd Schiffbauer- dämm Berlin mit 5486 nnd 4828, Frankfurt a. M. mit 4152, Straß- bürg i. E. mit 3829, Dresdener Lichtwerk mit 3589, Centrale Post- stratze Hamburg mit 3159, Oberspree Berlin mit 3999 Kiloivatt»c. Die Zahl der im ganzen angeschlossenen Glühlampen stellte sich in» letzten Jahre auf 1 949 744 ffüorjahr 1 429 691), der Bogenlampen auf 41 172(32 586), Elektromotoren auf 68 629(35 867) Pferde- stärken. Der Außenhandel Deutschlands im ersten Halbjahr 1899. Wie die soeben veröffentlichten AtlSlveise für die ersten sechs Monate 1899 ergeben, nimmt auch in diescin Jahre der Außenhandel Deutschlands eine anffteigeude Richtung: eine Er- scheinung. die übrigens auch bei anderen Industriestaaten zu konsta- tieren»st. Nach den vorläufigen Wertberechnungen waren die Gesamtziffern(ohne Koirtanten) im Vergleich zu denen der beiden letzte» Vorjahre folgende: Einfuhr Ausfuhr in 1990 Mark Erste Hälfte 1899 2 547 689 1 912 814 . 1898 2 493 923 1789 617 „ 1897 2 289 858 1 762 485 Es betrug in 1999 Mark also der Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr Erstes Halbjahr 1899... 634 866 ., 1893... 794 396 1897... 518 373 Demnach hat sich also der Einfuhrüberschuß im laufenden Jahr gegenüber den» Vorjahr verringert. Die Abnahine der sogenannten „passiven" Handelsbilanz zeigt, daß wir einen relativ größeren Teil unserer Bezüge von» Anslaitde init ausgeführteil Waren gedeckt haben als 1893. Damit stimmt auch das nachgewiesene Ergebnis der Kontantenbewcgung überein. Es stellte sich nämlich bei den Edeli»»ctallcn das Verhältnis der Ein- zur Aussuhr folgendermaßen: Einfuhr Ausfuhr in 1999 Mark Erstes Halbjahr 1899 127 159 73 995 „ 1898 139 826 121419 1897 54 122 58 412 DaS Resultat ist ein äußerst günstiges. Während in» ersten Semester des Jahres 1897 die Edelmetall- Ausfuhr die Einfuhr un» 4 299 999 M. überwog und sich in» vorigen Jahre der Einfuhr- Ueberschuß nur auf rund 18 416 990 M. stellte, hat er in diesem Jahre eine Höhe von über 54 Millionen Mark(genau 54 055 090 M.) erreicht. Die Wareneinfnhr im ersten Halbjahr dieses Jahres hat gegen über der Einfuhr in» gleichen Zeitraum des Vorjahres nur»im 41 981 909 M. zngcnomincn; dagegen beträgt die Differenz gegen 1897: 339 850 999 M. Von dieser Steigerling entfiel auf nachstehende Waren der Hauptanteil: Droguen und Farbewaren.... Kautschuk und Guttapercha..,. Seide und Seidenwaren.... Steinkohlen. Braunkohlen. Coaks zc. Tiere und tierische Produkte.., Wolle und Wollenwarcn..... Tie Zunahme der Warenausfuhr bclicf sich im ersten Halbjahr 1899 gegenüber 1898 auf 74 882 990 M., gegen 1897 auf 165 912 909 M. Hier entfällt die Steigerung vornehmlich auf folgende Artikel: in 1090 Mark Baumwolle nnd Bamuwollwarcn Drogen imd Farbewaren... Eisen und Eiienivaren.... Instrumente. Maschinen, Fahrzeuge Wolle und Wollenwarcn...., 1899 124 791 177 618 292 381 115 799 143 968 1893 116176 163 170 183 223 97 196 123 565 Ausfuhrt I.Halbjahr 1. Halbsahr Größtenteils kommt die Steigerung der Ausfuhr auf den Ver- kehr mit europäischen Ländern, zun» Teil auch auf die Bereinigten Staaten von Nordamerika: ein Beweis, daß unsere Fabrikation sich immer mehr technisch vervollkommnet und heute schon in manchen Zweigen selbst mit den entwickeltsten Jndustricländem auf deren einheimischen Märkten die Konkurrenz aufzunehmen vermag. Zu- gleich spricht diese steigende Produktion sogenannter„Qualitätsware" für die Getchicklichkeit und industrielle Befähigung unserer Arbeiter, denn diese haben wesentlich zu den» Ergebnis beigetragen. Betrachten wir nun noch die Ein- und Ausfuhr der beiden für die Ernährung unseres Volkes wichtigsten Artikel: Getreide und Fleisch. Der Wert der verschiedenen ein- inid ausgeführten Getreide- arten bet'lig in 1999 Mark für: Einfuhr Ausfuhr Weizen. Roggen. Hafer.. Gerste Mais.. Weizenmehl Roggenmchl Dem Gewicht nach berechnet, betrug die Ein« und Ausfuhr in Doppeleentner»: Einfuhr: 1. Halbjahr I.Halbjahr Weizen... Roggeu.. Hater... Gerste... Mais.... Weizenmehl Roggcnn.ehl Die vorstehenden Zahlen zeigen, wie weit die Einfuhr die Ans- fuhr übertrifft und wie ivenig demnach Deutschland, trotz alles GcrcdcS nnscrer Agrarier, in der Lage ist, seinen Bedarf an Getreide selbst decken zu können. Zu einem gleichen Resultat führt auch die Betrachtung der Zahlen des Vieh- und Fleischiniports. Er octrug in 1990 M. für: Er st es Halbjahr: 1890 1898 1897 Kühe........ 8 765 9 379 19 132 Stiere........ 1966 739 869 Ochsen....... 11 563 8 992 9 289 Jungvieh...... 5 792 6 547 7 699 Schweine....... 2 780 2 973 3 592 frisches Rindfleisch... 8 915 4 767 1 133 „ Schweinefleisch.. 5 223 6 499 3 937 zubereitetes Rindfleisch.. 892 724 836 Schweinefleisch 4 826 3 758 1 528 Schweineschinkcn.... 2817 3242 1 729 Die Schwankungen erklären sich tciliveise durch Grenzspcrr-Maß- regeln. Benierkensivert ist die Abnahme der Viehcinfnhr»nid die Zunahme d«S Imports von frischen» Rind- und Schiveinefleisch. Schiffsverkehr auf dem Dortmund-Ems-Kaiial. Der„Hamb. Börsen-Halle" wird über den Schiffsverkehr in» Dort- munder Hafen ein Bericht eingesandt, der heute, wo von hüben und drüben über die wirtschaftliche Bedeutung des projektierten Mittel- land-Kanals gestritten wird, ein gewisses Interesse hat. � Der Bericht lautet: Der Dortmund-EmS-Kaiial wurde an» 17. April auf der ganzen Strecke, die eine Länge von 271 Kilometer hat nnd auf der die Schiffe in der 4tägigen Reisezeit 19 Schleusen und daS Schiffshebewerk bei Hcnrichenburg durchfahren müssen, dem vorläufigen Betriebe übergeben. In dem bis jetzt abgelaufenen ersten Betriebs-Vierteljahre sind im Dortmunder Hafen 195 Schiffe ein- und 186 Schiffe ausgelaufen. Die Schiffe waren teils Güter- und Schleppdampfer bezw. Kähne der„Westfälischen Transport-Aktieii-Gesellschaft" zu Dortmund, teils sog. Einspüuten von der Ems. Die Gesamtladung der ein- gehenden Schiffe betrug 11 289 Tonnen, die Ausfuhr aus den» Dort- minider Hafen war 9165 Tonnen und der Gesanttnnischlag betrug demnach 29 445 Tonnen. Zu den Haupteinfuhrartikcln gehörten schwedische Erze, Sand ans dem Münsterlande, Gruben- und Bau- holz ans Schweden. An Getreide ist in diesem Zeitraum weilig eingegangen, es waren nur 590 Tonnen. Die eingeführten Erze, etwa 8990 Tonnen, waren für das Eisen- und Stahl- werk„Union" bestimmt, welches am sogenannten Südhafen ein großes Gelände von der Hafenverwaltung gepachtet und auf demselben eine Schiffswerft und ein Erzlager errichtet hat. Die Ausfuhr bestand zum größten Teile ans Erzeugnissen der Eisenindustrie, als Träger, Eisenbahnschwellen, Stabeisen zc., Bruch- und Ziegelsteinen, Basalt- und Schlackcnkleinschlag. An» geringsten war dic'Kohlcnausfnhr in diesen» ersten Vierteljahr; denn sie betrug nur 299 Tonnen. Der Hauptgrund fiir diese geringe Ausfuhr dürfte wohl darin liegen, daß das„Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat", wie auch in dein Jahresbericht der„Westfälischen Transport-Aktien- Gesellschaft hervorgehoben wurde, für den Kanalverkehr fast keine Kohlen abgiebt, obwohl von vielen Zechen am Kanal die nötigen Vorbereitungen für den Versand auf dem Wasserwege bereits getroffen sind. Erst Ivenn Kohlen zur Rückverfrachtuug nach der Nordsee zugelassen werden, wird der Verkehr sich gewaltig heben. Stellt man die Gesaintcin- und ausfuhr nach den drei Tarifklassen. die die preußische Siegicrung eingeführt hat, zusammen, so ergiebt sich folgender Umschlag in den» Probevierteljahre: Klasse III(Erze, Kohle», Kleinschlag, Sand, Steine) 16 710 Toimen „ II(Gruben und Bauhölzer, Erzeugnisse der Eisenindustrie).......... 2 395 r Klasse I(Fische, Getreide und Mühlcnfabrikate,, 1 439„ 2. Die diesjärige Getreide-Ernte. Soweitbisjetzteine Ucbersicht über den Ausfall der diesjährigen Gctreide-Erute möglich� zeigt sie. daß sie zu einen» großen Teil hinter der vorjährigen zurückbleibt und daß es in Europa hauptsächlich Rußland und die Balkanländer, von den außereuropäischen Ländern die Vereinigten Staaten es sind, deren Ernte-Ergebuisse nicht befriedigen. In Ungarn, Europas Haupt-Weizenkamincr, ist die dies- jährige Ernte besser als die vorjährige war. Die Anbaufläche blieb für alle Gctreidc-Artcn fast unverändert und umfaßto an Juch- arten für: Weizen Roggen Gerste Hafer 1899 5 515 990 1841 900 1783 999 1685 900 1893 5 515 990 1849 090 1 987 990 1 853 990 1897 5 239 990 1 743 999 1698 990 1516 990 Demnach war nur für Gerste und Hafer die bebaute Fläche in diesem Jahre etwas kleiner— für crstere un» 290 999, für Hafer um 163 999— als im vorigen Jahre, dagegen größer als 1897; letzteres gilt auch für die Weizen- und Roggenfläche. Der Erute-Ertrag wurde geschätzt in Doppelceutnern t Ende Juli 1899 Ertrag 1393 Ertrag 1897 Weizen. Roggen. Gerste. Hafer. 36 673 990 11 719 990 12 259 900 19 949 990 34 899 000 11 799 999 12 489 990 11429 900 24 473 090 8 923 999 9 939 990 8 546 990 Danach würde die diesjährige Ernte zum Teil nicht unerheblich von der vorjährigen abweichen. Die Weizenernte würde um rund 2 Millionen Doppelcentner größer, die Roggenernte die gleiche wie im Vorjahre sein, während Gerste und Haler geringer sein würden. ersterc nur»in ein weniges, letztere aber um 199909 Doppelcentner. Die Schätzungen pro E»ide Juli 1899 rühren von» ungarischen Acker« bainninisterium her, sie sind jedenfalls zu niedrig, wie noch jedes Jahr das Verhältnis der Schätzungen zum deftnitiven Ernte-ErgebniS gezeigt hat. Von privater Seite»vird im Gegensatz zu den Schätzungen des genannten Ministeriums der diesjährige Weizenertrag auf 38 bis 40 Millionei», also nicht unerheblich höher geschätzt. Jin vorigen Jahre schätzte das ungarische Ackcrbauministerinn» Ende Jmri den Weizenertrag auf 33,47 Millionei» Doppelzentner, das definitive Ernte-Ergebnis aber betrug 34,89 Millionen, um fast IVs Millionen Doppelzentner mehr. Qualitativ soll der diesjährige hinter dem vorjährigen Weizen zun» Teil zurückbleiben, zum anderen Teil jedoch befriedigend sein. Das gleiche gilt auch von den übrigen Getreidcarten. In O e st r e i ch betrugen die vorjährigen Ernte-Ergebnisse'an Weizen 12,7, Roggen 29,3, Gerste 13,3 und Hafer 18,7 Millionen Doppelzentner und die heurige Ernte verspricht den gleichen Ertrag, nur soll auch hier die Qualität teilweise geringer sein, als die vor- jährige war. Die Getreide-Ernte in Deutschland scheint nach den vor- liegenden amtlichen Berichten gut bis sehr gut auszufallen, so daß die Preise für Weizen und Roggen in den letzten Wochen wiederholt zurückgingen. Der Saatenstandsbericht des statistischen BurcauS in München lautete Ende Juli: Wintergetreide gut bis sehr gut. Mit der Roggencrnte wurde bereits begonnen, besonders in den südlichen Landcstcilen. Das bisher in der Entwicklung zurückgebliebene Sommergetreide, vorzüglich die Gerste, hat sich durch den Regen in» ganzen gut erholt. Auch der Hafer hat sich noch gebessert. In Frankreich erhofft man im allgemeinen das gleiche Ernte-Ergebnis wie 1898, wobei allerdings zu berücksichtigen, daß die angebaute Weizenfläche mit 6 869 999 Hektaren um 399 990 Hektar größer ist, als sie in» Vorjahr war. Das Ernte-Ergebnis wird auf 125 biS 135 Millionen Hektoliter geschätzt. Der Ueberschuß würde ca. 20 Millionen Hektoliter betragen, wovon etwa die Hälfte für die Aussaar Verwendung finden würde. lieber den Saatcnstand in Rußland ist im„Vorw." im Laufe der letzten Monate wiederholt berichtet worden. Nach amtlichen Be- richten von Ende Juli find die Wintersaaten in den südlichen Gou- vernemcntS unbefriedigend, in Chcrson und Bessarabien schlecht, in den Gouverncnicnts der nordwestlichen und mittleren Wolga nicht vollständig befriedigend, in Kasan gut, in den übrigen Gouvernements befriedigend. Tic Sommersaaten in den südlichen Gouvernements sind unbefriedigend, in Bessarabien schlecht, in Cherkow, Pnltawa und auf dem rechten Düna- Ufer unbefciedigend, in Kasan gut, in den übrigen Gouvernements unbefriedigend. Äonlöglich noch ungünstiger lauteten den Sommer hindurch die Berichte über den Saatenstand in R>» in ä n i e n. Nun aber, da die Weizenerute beendet ist, stellt sich heraus, daß das Ergebnis gar nicht so schlecht ist. Wurde voriges Jahr nach der Ernte der für den Export disponible Ueberschuß auf 19 bis 12 Millionen Hektoliter ge- schätzt, so gegenwärtig auf 4 bis 5 Millionen Hektoliter, also uin mehr als die Hälfte weniger wie 1898, aber immerhin noch ein nicht unansehnliches Quantum, das nach früheren Berichten»ficht zu ex- warten war. Dabei wird aber die Qualität des neuen Weizens in, allgemeinen als sehr günstig bezeichnet, so daß der Wert der dies- jährigen Weizenerute trotz des um reichlich 4 Millionen Hektoliter geringeren Quantums dem der 1898er Ernte gleich kommen dürfte. Leider sieht es auch in den Vereinigten Staaten schlecht aus. Nach den dortigen Berichten wird die heutige Weizen- «rntc die kleinste seit langen Jahren sein. Der harte Winter, der kalte Frühling und zu allem Ueberflusse noch das Auftreten der .Hcssenflicge" haben den Saaten schivcren Schaden zugefügt, so datz mancher Farmer kaum das Saatgetreide ernten wird. Im vorigen Jahre betrug der Weizenüberschust der Vereinigten Staaten Kl 20�! 000 Hektoliter. Der diesjährige Ucberschust wird Voraussicht- lich ein weit kleinerer sein. Im umgekehrten Verhältnis steht die Ernte in Argentinie n. Während es lKSK eine fast schlechte Ernte hatte, hat es heuer eine gute. Die Anbaufläche hat sich gegen- über dem Vorjahr fast nicht verändert und beträgt 2 308 000 Hektar. DaS Ergebnis der Weizcncrnte wird auf 18 400 000 Tounen ge- schätzt, wovon ca. l'/a Millionen(= 15 Millionen Doppelccutncr) für den Export frei sein würden, während die vorjährige Weizen- ausfuhr nur S Millionen Doppclccntner betrug. Aus den Übrigen La Plata-Staaten, Kanada, Indien und A u st r a l i e N liegen infonnative Uebersichten nicht vor, so daß man einen Gesamtüberblick über die diesjährige Welt- Getreide- Ernte noch nicht gewinnen kann. Im Jahre 1808 betrug sie insgesamt 705 Millionen Doppelccntner an Weizen, 337,8 Mill. Doppclcentner an Roggen, 215,2 Millionen Doppclccntner an Gerste, 430,3 Millionen Doppelcentner an Hafer und 666,5 Millionen Doppelcentner an Mais, zusammen an allen Getreide- Arten 2355 Millionen Doppelcentner. Die Ein- und Ausfuhr Deutsch- lands an Getreide betrug 1898 in Doppelccntncrn an: Einfuhr: Ausfuhr: Weizen.. Roggen. Gerste.. Hafer.. Weizenmehl Roggcnmehl 15 811688 8 915 032 11 604 221 4 908 249 308 959 17 086 3 308 377 1 433 661 293 221 1 027 585 420 404 960 542 Im sechsjährigen Durchschnitt 1891/97 betrug die jährlich Getreide-Einfuhr Teutschlands 11749 536 Millionen Doppelcentner an Weizen. 7 107 688 an Roggen, 8 691 994 an Gerste und 2 644 993 Millionen Doppelccntner an Hafer, so daß die 1898« Einfuhr erheblich über diesem Durchschnitt stand. Im laufenden Jahre dürfte sie bei gutem Ernte-Ausfall etwas geringer als 1898 sein. Tb die heutigen normalen Gctreideprcise, die seit bald Jahresfrist mit geringen Schwankungen in fast gleicher Höhe sich bewegen, eine erhebliche Acndcrung nach aufwärts oder abtväris erfahren werden, läßt sich auf Grund der bisherigen Ernte- Uebersichten nicht sagen. Immerhin scheint unS trotz der ungünstigen Ernten in Rußland sind den Vereinigten Staaten eine Gefahr für teueres Brot angesichts der günstigen Ernte in ganz Mitteleuropa und der großen, noch vorhandenen Welt- Getceidevorräte nicht zu bestehen. Hocbstsr Preis. Goldene Medaille Carl Zobel Berlin SO., Köpniekerslr. 121, Ca M M am j Eck« Michaelkirch-Strasse. Hepreii- und Knulben-�arderolbeu in reicher Auswahl und in allen Grüften. - Die Preise sind streng fest»nd an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt.- Ich verpflichte mich, jeden Zlrtikel i» besierer Ausführung und bedeutend billiger zu liefern, als die sogenannten Höebster Preis. Goldene Medaille Ausverkaufe und Reklamegeschäfte. B E Ü 8 S E L. *4/ II f 4 v• Anerkannt nur gute Arbeit, eigene Fabrikation, elegante Fnyon, tadelloser Sitz.— Für Bestellungen nach Mast reichhaltigste Auswahl der neuesten und besten StolTe ans dem In- und Ausland.— Jeder Auftrag wird iu kürzester Zeit erledigt.— Werkstatt im Hause. 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