Nnterhaltlmgsblatt des Horwärts Nr. 19. Mittwoch, den 27. Januar. 1897. tNachdruck untersagt.) Das Gxrfihmts jmn hungvigen Xamnt. Von Hans Röder. Es war ein regnerischer Septembertag. Die Dorfuhr schlug gerade elf, da fuhr ein Lohnfuhrwerk aus der Stadt vor dem Herrenhause in Schnierkow vor. Ihm entstieg ein schlanker, etwas hagerer junger Mann. „Halten Sie sich bereit, spätestens in einer Stunde fahren wir zuriicf", rief er dem Kutscher zu. Dann wandte er sick an ein Zimmermädchen, das ihm im Hausflur entgegenkam. „Hier haben Sie meine Karte, ich bin Gotthilf Nanck aus Berlin, melden Sie mich dem Herrn Amtsrath." „Des is ivufl ein neuer Boluutier," meinte eine Magd, die diesen Borgang vom Hofe aus beobachtet hatte, zu der Mamsell, die neben ihr stand.„Der ficht sehre spillerich aus, der wird wohl nischt haben," fuhr sie fort und lachte. „Ach was, Rieke, paß' auf Deine Schanerei auf," ent- gegnete die Wirthschasterin unwirsch,„Du solltest doch wahr- haftig endlich mal klug werden und nicht ewig mit den Augen hinter den Mannsleuten her angeln, dabei kommt doch nichts Vernünftiges'raus". Tie Rieke schlug die Augen nieder und fuhr emsig in ihrer Arbeit fort. Ihrer Obhut war das Jnspektorenhaus an- vertraut, sie hatte die Zimmer der Inspektoren, Lehrlinge und Volontäre in Stand zu halten. Dabei verdiente sie dann wohl gelegentlich mal ein gutes Trinkgeld, besonders von den Herren Volontären, die es ja dazu hatten. Es war also kein Wunder, daß die Rieke ihre Augen offen hielt und sich ihre Gedanken machte, sobald einmal wieder ein neuer Stern in dem veränderlichen Sternbild der Volontäre ani Schmerkower Himmel aufzutauchen schien. „Also Sie sind Herr Dc. Nanck", sagte der Amtsrath Keck, indem er dem jungen Manne, der im Vorzimmer Platz genommen hatte, entgegenging.„Ihren Brief habe ich erhalten, es freut mich, Sie zu sehen. Uebrigens erinnere ich mich auch noch ganz deutlich Ihres Herrn Vaters. Er ist ja wohl schon vor längerer Zeit dahingegangen?" „Ganz recht, Herr Amtsrath," entgegnete der junge Mann, „es sind jetzt zehn Jahre". „Ja, ja, ich erinnere mich, es war im Jahre 82, als ich von seinem Tode hörte. Es war ein charmanter Herr, sehr gescheut, ivas er anfaßte, das glückte ihm auch. Und Sie wollen sich jetzt also der Landwirrhschast widmen?" fuhr der Amtsrath fort. „Jawohl, die Stubenlnft sagte meinen Nerven auf die Daner nicht zu; da rieth mir nun mein Arzt im vorigen Jahr kategorisch: ich miiffe hinaus anfs Land, frische Luft athmen und mir Bewegung machen. Und das war das Richtige. Wie ich Ihnen schrieb, Herr Amtsrath, bin ich nun ein Jahr in der Uckermark gewesen und habe mich mit den Anfangsgründen der Landwirthschast praktisch vertraut gemacht. Ich möcktc die Sache nun aber auch von einem höheren Gesichtspunkt aus und in dem großen Stil, wie Sie es hier thun, öelreiben. Allerdings verhehle ich mir nicht, daß gewissermaßen Muth dazu gehört, wenn man sich heutigen Tags so in die Land- wirthschaft hineinstürzen will." „Sie haben nicht ganz unrecht, Herr Nauck," erwiderte der Amtsralh, der den jungen Mann inzwischen mit Polizisten- blicken zn erforschen sich bemüht hatte,„wir Landwirthc sind wahrhaftig jetzt die geplagtesten Menschen der Welt. Ich weiß keinen andern Beruf, der ein solches Maß von Wissen und Können erfordert. Da ist vor allem die Wissenschaft, mit der jeder denkende Landwirth sich jetzt ernstlich beschäftigen muß. Wir müssen aber auch Techniker, Kanflcnte und Praktiker sein. Da lernt man nie aus; doch das wäre alles zn ertragen, aber wo bleiben die ErWge? Bei den Preisen, wie wir sie heute haben, kann kein M nsch auf die Dauer bc- stehen. Sie sollen sehen, die Güter werden in einigen Jahren ganz unverkäuflich werden. Für die jungen Leute, die dann kaufen wollen, ist das ja sehr vortheilhaft; aber wir Alten, wir kommen dabei an den Bettelstab." „Es ist geradezu unerhört," fuhr der Amtsrath in lebhaftem Tone fort,„ich baue z. B. durchschnittlich 800 Morgen Kar- toffeln; meine Brennerei ist die bedeutendste hier im Kreise, aber wo soll man mit dem Spiritus hin? Die Händler thun gerade schon so, als ob sie uns einen Gefallen thätcn, wenn sie die Waare überhaupt abnehmen. Mit der Wolle ist es nicht anders. Und auch das spielt eine Rolle, wenn man, wie ich, zirka 4000 Schafe hält und halten muß auf dem leichten Boden. Nur mit den Schafen und der Brennerei habe ich das Schmerkow wieder in die Höhe gebracht. Sie hätten mal sehen sollen, wie erbärmlich es hier aussah, als ich die Pachtung vor zwanzig Jahren von meinem Vorgänger über- nahm, der hier fertig geworden war. Da habe ich alles erst wieder schaffen müssen. Ich war damals in ihrem Alter, fünf- undzwanzig Jahre." „Pardon, Herr Amtsrath, ich bin bereits siebcnund- zwanzig." „So, so, hätte ich nicht gedacht; kurz und gut, Sie werden das ja alles kennen lernen, wenn sie entschlossen sind, nach Schmerkow zu kommen." „Gewiß, Herr Amtsrath, das bin ich, sonst wäre ich heute ja nicht gekommen, um mich Ihnen zuvor persönlich vorzu- stellen; Herr Professor Quärker in Berlin sagte mir, eine intensiver betriebene und intelligenter geleitete Wirthschaft als die Ihrige, gäbe es kaum." „So, so," machte der Amtsrath,„Sie kennen den Herrn Professor? Ein charmanter Herr und dabei ein Mann von ganz hervorragender Befähigung, eine Zierde unserer Agrar- Wissenschaft. Es ist der Schwager meines Bruders, des Ge- heimrathes in Berlin im Eisenbahnministerium." „Näher kenne ich den Professor Quärker nicht, ich habe ihn nur gelegentlich in einer Gesellschaft getroffen." „Wenn Sie länger hier sind, werden Sie ihn noch näher kennen lernen. Er besucht mich öfter, vielleicht kommt er sogar nächstens schon, um nieine neuen Kartoffelsorten zu besichtigen. Ich habe hier nach seinen Anweisungen Versuchs- feldcr anlegen lassen und eine Koutrollstatiou für neue Kartoffel- sorten. Das ist sehr interessant, wir fangen ja jetzt gerade mit der Kartoffelernte an." „Nun, Herr Nauck, wie denken Sie sich ihren Aufenthalt hier?" gab der Amtsrath dem Gespräch plötzlich eine andere Wendung, wie er immer zu thun pflegte, wenn er etwas Bestimmtes erfahren oder eine bindende Erklärung von jemand erzielen wollte.„Ich nehme es mit der Ausbildung meiner jungen Leute sehr ernst und bekümmere mich ganz speziell darum. Ich würde Sie also nach und nach in alle Wirthschastszweige einführen, aber dazu gehört Zeit." „Ich dachte, am I. Oktober zu Ihnen zu kommen und dann zunächst den Winter hier zu bleiben." „Ja, aber die Frühjahrsbestellung und die Ernte, Herr Nauck, das ist die Hauptsache in der Landwirthschast; ich habe es bisher immer so gehalten, daß wir uns gegenseitig auf ein Jahr verpflichten; wenn Sie dann meinen, können Sie auch noch länger bleiben, meine Wirthschaft ist ja groß und vielseitig." Nauck schien durch diese plötzliche Wendung des Gesprächs unangenehm berührt, er sah den Amtsrath forschend an und sagte dann etwas kurz:„Nein, Herr Amtsrath, es ist gegen meine Gewohnheit, mich auf längere Zeit zn binden, darüber kann man ja sterben. Bis zum 1. April, länger zunächst nicht; dann können wir ja weiter sehen." Der Amtsrath stutzte einen Augenblick, aber er faßte sich gleich wieder und entgegnete zuvorkommend:„Nun, ich werde bei Ihnen eine Ausnahme machen, weil ich ihren Herrn Vater gekannt habe, und dann sind Sie ja auch bereits in den Jahren, wo Sie selbst einsehen werden, was für ihre Ausbildung in der Landwirthschast nöthig ist. Hier haben Sie meine Hand, die Sache ist also abgemacht. Sie kommen zum 1. Oktober. Noch eins, Herr Nauck, ehe ich es vergesse," fügte er dann hinzu, „es ist Usus, daß die Pension im Betrage von 000 M. pro Vierteljahr pränumerando bezahlt wird. Sie bringen das Geld dann wohl zum I. Oktober mit." „Bitte sehr, Herr Amtsrath, das Geschäft können wir gleich abwickeln," versetzte Nauck, holte seine Brieftasche hervor und legte einen Tausend-Markschein auf den Tisch. Dabei bemerkte der Amtsrath mit Wohlgefallen, daß der junge Mann noch mehrere von diesen braunen Scheinen in seinem Portefeuille zu stecken hatte. „Richtig bei Ihnen spielt das Geld ja keine Rolle", ver- setzte er lächelnd, legte den Schein in seinen Geldschrank und zahlte 400 Mark zurück. Dann sagte er:„Kommen Sie, ich werde Sie gleich mir meinen Damen bekannt machen. Sie werden hier ganz mit uns in der Familie leben; wir nehmen außer dem Kaffee alle Mahlzeiten gemeinsam ein; es giebt bei uns eine einfache, aber gesunde und kräftige Hausmanns- kost. Gelegentlich werde ich Sie dann auch in die Nachbar- schaft mitnehmen, sowie in den Landwirthschastlichen Verein und zu Versammlungen." „Ja, aber ich bitte, Herr Amtsrath, daß Sie mir eine Quittung über die Pension geben." „Ach, das ist doch nichl nöthig unter Ehrenmännern wie wir, das habe ich noch nie gethan. und das hat auch noch kein Volontär von mir erbeten", entgegnete der Amtsrath etwas überrascht. „Das mag sein, Herr Amtsrath, aber ich bin das so ge- wohnt und ich muß sie deshalb bitten, es zu thun." Ter Amtsrath sah den jungen Mann groß an, als er aber merkte, daß es demselben damit ernst war, sagte er:„Na, wenn Sie durchaus wollen, mir soll es recht sein." Dann setzte er sich hin und schrieb. Der Amtsrath Keck schien etwas betreten, was ihm sonst nur höchst selten passirte, als er den jungen Mann mit den Worten: Herr Dr. Nauck aus Berlin, unser neuer Volontär, meine Frau und meine Tochter Käthe, vorstellte. Da Nauck nicht blos in Berlin geboren war, sondern auch ein echtes Berliner Mund- werk besaß und schon viele Reisen gemacht hatte, so entwickelte er bald eine sehr lebhaste Unterhaltung mit den Damen. Ganz gegen seine Gewohnheit betheiligte sich der Amtsrath nur wenig an dem Gespräch; er schien nachdenklich und verstimmt zu sein, wie er es zu sein pflegte, wenn der Spiritus im Preise fiel. In Wahrheit aber ärgerte es ihn, daß er durch das gewissermaßen überrumpelnde, sichere und selbstbewußte Auftreten dieses jungen Menschen von den alten, er- probten Gepflogenheiten in feinen Abmachungen mit den Volontären sich hatte abdrängen lassen. In- stinktiv fühlte sich der Amtsrath dadurch in seinen Herrenrechten gekränkt. Das war ihm peinlich, denn Nachgeben war"sonst nicht sein Fall, besonders nicht jungen oder gar ihm untergebenen Personen gegenüber. Freilich andererseits hatte er sich auch dieses Geschäft nicht entgehen lassen wollen. Herr Nauck war ein gebildeter, sehr vermögender, ehemündiger junger Mann und er hatte eine heirathssähige Tochter. Kurz, das waren alles Gesichtspunkte, die überlegt sein wollten. Und das überlegte sich der Amtsrath, während die andern sich unterhielten. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck untersagt) Erzählung von Jonas L i e. Einzig autorisirte Uebersetzung ans dem Norwegischen von E. Brausewetter. „Nein, aber er kann kommen und uns und den Kindern das Haus über'm Kopf wegnehme»!" „Kann er das?... Na, dann müssen sie aber sehen, was sie mit uns anfangen!" „Es ist wobl am besten, doch dem Lensmann zu Willen zii sein, Malvina! Er ist Eigenlhümer des Bodens wie des Hauses." Aber nun wurde Martha Malvina wild. „Höre Du, Tobias! Bon wem bekommst Dn Mehl und Hering für all' diese offene» Mänler hier? Vom Landhändler oder vom Lensmann? Ich meine. Dn würdest nicht fett von dem werden, was uns der Lensmann giebt. Oder können wir vielleicht die Hütte anbeißen, oder die kahlen Wände?" Sie stand aufrecht da wie ein Licht und focht mit dem einen Arm. den sie vom Kinde frei halte, herum.„Nein, laß ihn seine Schweine und auch seine Schlachtkuh mästen, bis Dn bei dem fertig bist, der uns das Essen borgt! Sonst geht es nur für Abzug an der Schuld d'ranf. wie voriges Mal! So ein netter Mann, wie der Landhändler! Es wäre Sünde und Schande, ihn zum Narren zu halten! Er hat ja Dein Messer und auch Dein erstes Ver- sprechen, Tobias!" Das waren ivirksame Argumente. Tobias saß noch eine Weile und blickte grübelnd zu Boden. Er mußte zum Laiidhändler, da sie dem Essen so viel Gewicht beilegte. Aber der Lensmann lag ihn» doch schwer im Magen. Es war wie ein Stachel. Ihm gehörte nun einmal das Haus!... Hätte Tobias, während er so dasaß und seine Mütze hin- und herschob, hätte er von all' der Feindschaft gewußt, die zwischen dem Lensmann und dem Landhändler herrschte, und was es heißen wollte, daß der Landhändler mit dem Schlachten früher fertig wurde, als der Lensmann— dann hätte er sein Segel in anderer Richtung ausgesetzt. Aber das kann man dem nebeligen Fjord nicht ansehen! ** * Fluth nnd Ebbe brauste gleich einem wilden Strom zwei Mal am Tage in den engen Sund draußen vor der Kjerik aus und ein, und ans den Klippen nutten darin saß die Scharbe, der Alte- Gabriel, mit schwarzen und verwirrten Federn und spähte nach Fischen. Es waren nun eine Weile nur Tintenfische zwischen dem Tang nnd den Alge» hin- und zurückgeschwommen. Aber nun ging die Ebbezeit zu Ende: und daZ war gut. dann gab es Kochfische für die Seinigen zu Hause, während Tobias sich bereit machte, aus den Fischfang hinauszugehen. Er lag nun den letzten Morgen auf dem Fischgrunde im Fjord draußen außerhalb des Sundes und angelte kleine Dorsche. Sein ältester Junge, der zehn Jahre zählte, war mit ihm im Boot, nnd sie hatten bereits das halbe Hintertheil des Schiffes voll kleiner Fische. Sie zogen sie nun um die Wette aus, und die Fische bissen in dem schönen graue» Vormiltagswetter so eilig an, sobald sie nur die Angel hinunterbrachten. Er saß mit der Hand ans der Reling, als er plötzlich sich unter- brach und hiuansblickte. Er zog die Angelschnur so heftig hinein, als hätte ein richtiger Großfisch angebissen. „Hinauf mit der Schnur, Junge!" drängte er. Und er saß be- reits am Ruder und ruderte mit aller Kraft landeinwärts, bevor der Junge noch feine Schnur hereinbekomme» hatte. Er halte drinnen im Fjord ein Boot entdeckt, das er wohl kennen sollte; es war kein anderes als der Achtruderer des Lens- manns, der dort mit dem Segel schräg bei Wind nach der Kjerik zu lag. Und was er dort zu thun halle, das war ihnen doch zweifellos klar. Nun sollte er gerupft werden! Und da galt es in aller Eile zu bergen, was noch vor der Plünderung geborgen werden konnte. Er befestigte das Boot an den Steinen am Landungsplatz und schritt mit so lange» und flinken Beinen hinauf, als er nur ver- mochte. Martha Malvina gehörte nicht zu denen, die bei der ge- ringsten Kleinigkeit eine rathlose Miene zeigen. Gleich bei der Nachricht vom Lensmanns-Boot legte sie schnell den Säug- ling ins Bett und griff uiit beiden Händen zu, nm das, was fori sollte, hinunterzufchaffe» in den Sechsruderer. Sie hatte ihre Gedanke» immer schnell beisammen, und es dauerte nicht lauge, bis das Boot dort mit der guten Felldecke, der Holziidr, dem Kaffeekessel, den Angelschnüren und andere» kleinen Geräihen im Hintertheil dalag, bereit davonzufliegen. Er hatte nur noch gerade einen Angenblick Zeit, auf Martha Malvina zu warten, bis sie kam und den Mathias, das Schwein, am Ohr zum Wasser hinnnlerzog! Das Schwein stemmte sich mit den Füßen dagegen und schrie, als würde es gestochen. Aber ins Boot hinein mußte es; es ging mit einem Schub, eine Hand am Ohr und die andere an seinem natürlichen, schwungvoll gedrehten Tau- ende hinten— niemand fragte es um Erlaubniß. Tobias legte ans und verschwand— dank der Strömung, die so flott den Kjerik-Fjord hiuunlerstürmte. gerade hinter der einen Land- zunge, als hinter der andern das Segel des Lensmanns-Bootes auftauchte. Nun galt es für die Frau, sich unschuldig zu stellen, als wenn sie im Hause überrascht worden wäre, und den Kindern einzupauken, sie sollte» antworten:„Vater wäre schon vorige Woche auf den Fischfang hinaus." Kaum hatte sie sich auf den Schemel gesetzt, mit dem Kleinen an der Brust und ihn zum Sauge» gebracht, so öffnete sich die Thürs und ein langer, schwarzer, kahlköpfiger Mann mit einer Nase, die dem Schnabel eines Fischadlers glich nnd ein paar Augen, die mit einem Blick die ganze Stube überflogen, steckte den Kopf herein: „Ist der Tobias nicht zu Hause? Ich sehe sein Boot nicht." „Der Vater— „Der Vater ist schon— „Der Vater ist fchon vorige Woche auf Fischfang aus!" Nur der Aelteste bekam es ganz heraus; aber eS hörte sich an, als wenn sie wie aus einem Munde antworteten. „Ach, ist ein Fremder heut' draußen ans See?" kam es nun ruhig von Martha Malvina. während sie innerlich fror und gleichsam durcheist war. Sie that, als machte sie sich mit dem Kleine» zn schaffen, und setzte ihn dann zu Andres hin. „Nein, der Tobias ist draußen auf Fischfang!" Der Mann war in der Thüre stehen geblieben, kam jetzt aber ganz herein. Er hatte einen rothen Shawl, eine Ledertasche an einem Riemen über der Schuller nnd ei» blaues Tintenfaß mit einem Llork darin in der Hand. Dicht auf den Hacken folgten ihm zwei Männer. Im Boot hießen diese drei: der Lensmann mit seine» Knechten; hier hießen sie aber, wie Martha Malwina nur zu bald zu hören bekommen sollte, der Exekutor mit zwei Zeugen. Das Protokoll wurde auf dem Stückchen Tischplatte, das fest an der Wand angebracht war. zurechtgelegt, nnd die drei Männer setzten sich aus die Bank daneben. „So, der Mann ist also nicht zu Hause?" sagte der in dem langen Rock uud mit der wollenen Schärpe;„das ist aber lchlimin". Er begann zu schreiben. »Ja sehr schlimm!" seufzte sie. „Aber dann ist Deine Kuh wohl zu Haus«.. „Ja. wenn's nur so wäre, aber wir haben keine Kuh mehr. Eie stürzte im vorigen Frühjahr!' Sie sagte das mit erwachender bitterer Schadenfreude. Er sah sie erstaunt und zweifelnd an. als wollte er sagen: „Aha, steht die Sache so!" Ader dann fügte Johann schnell hinzu: „Da seht Ihr ja das eine Horn davon.' Er zeigte ihm das Wurmhorn, das an einer Schnur neben der TKür hing. Das war nun eine Enttäuschung! Ter Exekutor hatte Ordre anszuräume», so daß der Landhäudler die Stube ordentlich aus- gelehrt fand, wenn er kam, um das Seinige einzutreiben. Und erhalte sich darauf eingerichtet, die Knh im Vordersteven mit sich heimzuführen; er hatte»och ein Paar alte Auktionsgegenstände da- zu, drei Ziegen und einen Knpferkessel. Der Lensmann sah sich in der Stube um; hier war nicht grade viel zu holen; das»»eiste»vareu zerlumpte Ueberbleibsel und total werthloses Gerüinpel! Das sah mißlich a»»s; hier»var schon vor- her„ansgcsegt"»vorden. „Ein Sechsruderer»nit dazu gehörenden Rudern, Segeln und Geräthschaften" schrieb er in sein Protokoll. „Tobias'sens Boot!'— hohnlachte die Frau mit funkelnde» Auge»,„mit den» er»veit draußen aus den» Meer segelt. Das»verdet Ihr wohl nicht kriegen!' „Der Arn» des Gesetzes reicht weit, Frau!'— Er schrieb und schrieb. Endlich»var das Exekutionsgeschäft z» Ende. Es»var, als »ven» ein Mühlstein von Martha Malviua's Brust fiel. Dann räiisperte sich der Lange mit dem Wollshaivl und erhob sich, und die beiden Zeugen erhoben sich mit ihm. Er nahin ein Papier ans dem Protokoll heraus. Sie faltete andächtig die Hände, so lange er vorlas; aber »vas es»var, begriff sie eigentlich erst, als er darauf zur Verbeut- kichung und Erklärung bega»»: „Das heißt so viel, als daß Ihr Euer» Kontrakt gebrochen habt n»d zum Ziehtag ausziehe» müßt. Infolge mangelnder Erlegung der Packt»» dritten Jahr," fügte er mit stärkerer Stimme hinzu, da sie keine Antlvort gab. Ihr»vurde in den Knien schivach, so daß sie sich auf de» Scheine! setzen mußte. Die Stube begann»in sie zu tanzen; es»var, als»venu sie im nächsten Augenblick alle zusammen draußen auf den» Schneehügel sitzen»vürden!— Ihr Herz begann laut in ihrer Brust zu klopfen,»vie das eines Thieres, das das Messer sieht und ge- schlachtet»verde» soll. Ab und zu glühte es in ihren Augen auf; sie biß die Zähne znsaninien, um nicht überzukochen und loszubrechen; denn es fragte sich noch, ob sie die Ziegen mitnehmen»vürden. Andres faß mit dem Kleinsten abgewandt an der Mauer und »veinte,»md allmälig legten auch die andern, der Reihe nach, los. Plötzlich erhob sie sich. Sie stand»nit zusammengepreßtem Munde da und sah zu. Als der Exekutor das Tintenfaß vom Tisch nahm, brach sie in ein Hohngelächter aus: „Worüber lacht Ihr, Weib?" Sie»vollte»visseu, rief sie,»vie weit sie den Mensche» treiben könnten! Und ob es nicht Recht und Gesetz gäbe— außer für den Lensmann und Landhäudler? „Recht und Gesetz!... Seid Ihr die Summe vielleicht nicht schuldig?" „Ha, ha. ha! schuldig?' schrie sie außer sich.„Den Eidervogel plündern sie nur dreimal aus... Nehmt uns doch gleich auch das elende Leben!' „Still, still. Frau! Redet nicht irre! Damals, als Ihr Euch gleichsam in die Armenkasse hinein verheirathet hattet, da klang«Z nicht so! Ihr hättet Euch vorsehen solle»,«he Ihr in das Unglück hinausivatetet!" Als der Lensmann von» Landungsplatz abfuhr, ragten zivei von den Ziegen mit ihren Hörnern hoch in» Vorderschott hinaus und nieckerten nach den» Lande hin. Die dritte, die sie zurückgelassen hatten, meckerte»vieder auf den» Berge zu ihren Kameraden hinüber. » �» Wenn es ein wahres Wort ist, daß es dünne Weihnachten in» leeren Hans giebt, dann»vurde es nun so für Tobias de» langen fchtvarzen Winter hindurch. Einen Ausiveg mußte es ja geben, daran zweifelte er nicht. Aber gester» hatte auch nicht ein Fisch draußen vor der Kje- spitze augebissen und so hatten sie denn davon gelebt, daß Malvina etwas Mehl und Salz im Tops zusammenrührle, und ein paar Schluck Ziegenmilch den drei Kleinste» gab. Tobias lag in dem oberen Bett, das fest an der Wand stand. mit einem kleinen dreijährigen, unruhigen, schivarzäugigen Mädchen im Arm... Die ganze Nacht grübelte er darüber nach, daß er sieben Kinder unter allerhand Felldecken und Ueberkleidern ringsum in der Hütte herumliegen hatte und die elende Frau mit ihr«»» Säugling a» der Brust! Die Kleine schob sich immer wieder mit den» Rücken an seiner Brust empor. Aber»ven» sie nun an» Morgen erivachte.»ven» die ganze Schaar erivachte, und die Frage nach Essen entstand— von der armen Martha Malvina, die dort lag und halb im Traun» das Kleinste zu beruhigen suchte, bis ans all' die Große»— ja,»vas sollte dann geschehen?...(Fortsetzung folgt.) Vlvinvs Fieuillekon- — Bildung»md Besitz in» Wiener Gemeinderathe. In der„N. Fr. Pr." findet sich eine Zufainineiistellung von Ans- sprüche» früherer und jetziger Gemeinderaths-Mitglieder. Die Rede- blüthen stammen von Liberalen und Antisemiten, von wohlhabenden, reichen»nid sehr reichen Leuten. Hier sind sie: Nennen»vir die Gasse„Petrarcagasse". es is ja so nur a ganz a elendiges Gassei. Was liegt denn dran?— Was? Tillygasse »vollen Sie die Gasse nenne»? Und Sie»volle» liberale Bürger sei»? Wissen Sie den» nicht, daß dieser Tilly der Urheber der siziliaiiischen Vesper gewesen ist?— Diese Frage liegt wie ein erotischer Block schon seit vielen Jahren in der zweite» Sektion.— Ich sag' Ihnen, meine Herren, diese Akten durchzustudireu»var eine»vahre Biechsarbeit. Nur ein Fachmann hat sie beivältigen könne».— Wenn die Schulen erst in der Neuzeit gut geivorden sind und die Kinder erst in de» letzten paar Jahre» »vas Ordentliches gelernt haben, dann sind Sie ja lauter Esel! — In Gott's Namen! Wenn Sie auf das Desinfizire»»vas halten, so schütten Sie halt a paarmal hunderttausend Gulden in die Kanäle. Nutzt's nichts, so schadt's nichts!— Und »venn ich auch damals nirgends dabei»var, stolz bin ich doch darauf, daß ich ein Achtundvierziger bin.— Meine Herren! Ich sag' es»och einmal, daß die bestehenden Leichenkammern »inzurechnungsfähig sind.— Der Mann hat sich durch todesverächt« liche Tavferkeil ausgezeichnet, und als er starb, seine Frau als Wittwe hinterlassen.— Es hat so viel Deprimirendes, die Armen- büchsen einzusammeln, auch findet»na» oft den Schlüssel nicht dazu. —Die Wage» fahren dort nicht nur her und hin, sondern auch hin und her.— Wie kau» ein Referent Anträge stelle»,»venu er nicht nniforniirl(informirt) ist? Wir haben das Recht, zu verlangen, daß ein Referent doch mindestens nniforinirt sei.— Das Eine müssen Sie»venigstens zugeben, meine Herren, daß die Beschorner'schen Särge die gesündesten sind.— Unser Pflaster ist so schlecht, daß ei» Loch dem anderen die Hand reiche» kau».— Welchen Nachtheil das vorzeitige Schlachten fih- die jungen Kälber hat, brauche ich nicht auseinanderzusetzen.— Meine Herren, in einer vierstöckigen Schicke »st es ebenerdig viel finsterer, als in einer dreistöckigen. Wir haben Fälle erlebt, daß es in vierstöckigen Schulen so finster»var, daß die Schüler Brille» aufsetzen mußten, uu» lesen zu können.— — Eine Tr. Eisenbart- Kur. In eine», alten holländischen Medizinbüchlein aus dem 1ö. Jahrhundert finde» sich,»vie man der „Tägl. Rnndsch." schreibt, die folgende» lliezepte: Sobald ein Mensch durch einen tollen Hinid gebissen»vorden ist, muß man ihn in ein volles Wasserfaß»verseil, in welche»» man zuvor vier Hände voll Salz herunigerührl hat. Man taucht den Gebissenen neun Mal so tief unter, daß man nichts mehr von ihn» sieht und»väscht ihn schließlich gut ab. Alsdann»vird er nicht toll»verde». Oder»na» läßt den Gebiffenen einen Eierkuchen essen, in welchen ein Stückchen Papier einaebacken iü, worauf die folgenden Worte stehen:„Y Ram Qvi Eam Cafram Cafratrem Cafratrosque".— Schnlznstäudc in Portugal. Als vor einige» Monaten ein Regierungskommissar das Schulgebände von Junqueira, in» Such- spiel von Oliveira de AzemeiS, inspizirte, berichtete er darüber, daß der Ziuiinerboden vollständig durchnäßt und verschimmelt sei, da das Dach keine» Schutz gegen den Regen gcivähre, daß die Wände nicht geiveißl und voller Löcher feien». s. w., und verlangte schließ- lich schleunigste Reparatur, damit das Gebäude seinen Zweck er- füllen könne. Trotzdem scheinen sich die Schulverhällnisse nicht gebessert zu haben; denn neuerdings»nacht ei» Schreiben des unglücklichen Lehrers die Runde durch die Presse, in dein»vir de» Schick»»«»»« mit den» Regenschirm beivaffnet Klasse halten sehen,»vährend seine Schüler sich in den lande-üblichen Strohmänteln präsentire», nu» den Hu- bilden der Witterung Trotz bieten zu können. Der Klageruf des Lehrers schließt mit den Worten:„Während ich diese Zeilen nieder- schreibe, ist alles in der Schule mit Wasser bedeckt. Der Regen, von, Stunne gepeitscht, geht mit gleicher Geivalt im Innern des Gebäudes nieder»vie iu> Freien, und»venu ich versuchen»vollte, diesen Brief in» Schulraum zu schreiben, dürfte sich dies als»niuög- lich eriveise», da nicht»nr die Stühle und der Tisch vollständig durchnäßt sind, sonder» auch überhaupt lein trockenes Plätzchen im ganzen Hans zu finden ist. Trotzdem habe ich morgen mit»»einen 74 Schülern fünf Stunden lang Klasse zu halten".— Der Schul» patron scheint ei» Agrarier zu sei».— Theater. Das Ga st spiel der französischen Schauspieler hat in» Lessing-Theater an» Montag begonnen. Es ist nu» nichts Neues mehr, daß französische Schanfpielertrnppen Berlin be° suchen. Herr Antonie hat den Anfang gemacht und diesmal steht Herr Antoine, der Gründer der Freien Bühne in Paris, geistig tvenigstens in» Mittelpunkt der Gesellschaft. Die Rundreise der ranzosen betitelt sich freilich nach Madame Marcelle Josset, einer ranzösin, die i» Petersburg»virkt; allein Antoine hat als Regisseur die Proben geleitet und das Ensemble geschaffen. Und aus das Ensemble muß ma» diesmal achten. Denn es sind nicht Künstler ersten Ranges, Schauspieler von besonderer Qnali- sikation, die z» uns herübergekommen sind. Auch Frau Jossel, der „Stern" der Gesellschaft, ist keine Schauspielerin großen Stils. Aber die französischen Durchschnittsbegabungen sind so tüchtig erzogen, daß insbesondere die Aufführung von Maurice Donnay's „IlmmilS" durch Lebendigkeit und frische Grazie zu fesseln nmüte. Dounay's Komödie mußte vor eineni geladene» Publikum gegebe» werden. Tue Polizeizensur hält das Stuck nämlich für höchst un- sittlich. Die Franzosen sehen in Donnay einen eifrig strebenden, klugen Dichtersmann. Jedenfalls ist er ein witziger Kopf und ein sehr sauberer Arbeiter; imd iveun das Leben in einer bestimmten Grsellschastsklasse frei behandelt ist, so dient auch die Freiheil im Ausdruck, die freche Grazie, wenn man will, einem k ü n st- lerischen Grundzweck. Und am Ende müßten die Frommen froh- locke». Denn Claudme, die sich kaum zur Klosterfran berufen fühlte, hat noch einen letzten Licbessturm in ihrem Herze» durch- gekämpft uud ist dann mit ivehmülhiger Resignation in den Stand der Ehe getrete». Clandinchen ist aus der halben in die ganze Welt emporgestiegen. Ein alternder Aristokrat reicht ihr die stützende Hand. Und Claudine wird brav werden und vielleicht wird sie«inuial Palrouesse von Wohlthätigkeilsbazaren. Was wollen die Fromme» mehr? So lange Frau Jofsct im lebhaften Plaudertone bleiben durfte, so interessirte sie dadurch, wie selbst das geivagte Wort mit Amnuth uud ohne zu verletzrn von ihren Lippen floß. Es gehört fester schauspielerischer Takt dazu, und den bewährte auch ihr Partner Herr D u m ö n y. Im sentimentalischeu Pathos verfällt Frau Josset leicht in die französische Spielmanier, die eine getragene, steife Deklamation liebt. Uns kommt solche Tragik auf Stelzen nicht gerade natürlich vor.— Was mit Takt und Verstand schau- spielerisch gewonnen werden kau», bewies auch Herr Jean E o q u e l i n(nicht identisch mit de» berühmten Coqnelins). Er gab den alternden Lebemann, der einen Stich ins Komische hat. Doch wurde die Komik nie so aufdringlich, so dick unterstriche», daß man etwa einen Hausivurst vor sich zi» sehen glaubte. Herr A u t o i n e selbst spielte nur«ine kleine Episodenrolle. Am Montag Abend traten die Franzosen in Meilhac- Halevy's .Fron-Fron" auf. Fron- Fron ist eine Virtuosenrolle reisender Schauspielerinnen gewesen. Die Pariser Gäste waren wohl er- schöpft. Sonntag Abend spielten sie in Köln, Montag Nachmittag traten sie in Donnay's„Komödie" auf und am Abend wieder in „Krou-Frou". Das ist eine nnkünstlerische Hetzjagd(vielleicht trägt der Impresario, ein gewisser„de" Glaser, daran die Schuld). Die zäheste» Nerven halten das nicht aus. Ein so guter und verständiger Sprecher, wie Herr Duineny, wurde müde. Frau Josset halte mancheu lebhaft packenden Moment; aber es war nicht, wie wenn eine Schauspielerin von hervorragender Individualität eine Sensalionsrolle plötzlich mit nenein Gehalt erfüllte. Man muß dabei nicht gleich au Er- scheinunge» denken wie die Duse ist.— Knllur-Geschichtllchcs. v. Schwarze Register, A ch t b si ch e r oder Blut- b ü ch« r nannte man in den mittelalterlichen Städte» die Verzeichnisse der Geächteten und Flüchtlinge, welche sich drohender Bestrafung entzogen. Sladtvcrwiesen lonnte einer werden auf bestimmte Zeit oder für Zeit feines Lebens; das letztere wurde gewöhnlich aus- gesprocher? als Acht„auf 101 Jahr". Rückkehr des Aechtlings vor Ablauf dieser Zeit hatte sofortige Todesstrafe zur Folge. Ein Kölner Statut vor? 1437 setzt für einen„ans seinen Hals ver- zellten" Mann Enthauptung, für ein Weib Lcbcndigbegraben als Todesart fest. Das I3l7 angelegte Achlbuch von Koblenz giebt als Zweck dieses Verbrecheralbums an, daß die darin Verzeichneten „von? guten Bürger unterschieden und man ihnen das,?vas sie ver- diene??, seinerzeit zi?ko????neu lassen könne". In diese??? Buch sii?d hinler de?n Raine?? der Verbrecher ihre Verbrechen kurz angeführt, und bei de??en,?velche in? Betrugssalle Todesstrafe zu gervärtigen hatten, ein Krenz gernacht. Mit diese?? schivarzen Registern?v?lrde oft grober Mißbrauch getrieben, inden??i?an?vcge» ga??z geringer Vergehen leicht in ein solches Register komrnen lv????te, und es in jedem Falle uiißlich?var,„an den Brief gesetzt" zi? sein,?vie inan sagte, z. B. wei?n man einer nc??en Anklage verfiel u. s.?v.„Auf den Hals verzellei?"?var schoi? bei unglaublich geringfügigen Ver- gehe?? üblich,?vegen BierverschSnke??s,?vcge>? Gebrauchs verbotener Messer.?vegen Rufens nach Wasser,„daß die Le?ite erschrocken s???d m?d rvolltei??ueiuen, es?väre Feuer".(Freiberger schivarzes Re- gifier, angelegt 1423.) Ans dem Thierlebe». — Die Fische in? N o r d- O st s e e- K a n a l. I»? La?>fe des So???i??crs?v?lrde in? Nord-Ostsee-Kanal zu rviederholtei? Male?? «ine Bers?lchsfisch«rei a??gestellt, um z?? er?>?ilt«ln,???elche?? Einfluß das in d«?n Kanal eindringende Se«?vasser auf den Fischbesta?>d aus- geübt hat. Das Ergebniß geht dahin, daß die Süß?vasserfische infolge des ei??strö»?endei? Salzrvassers eingehen und an ihre Stelle Heringe, Sprotte, Dorsche, Str?lfbutte und andere Salz?vasserfische grtret«?? sind. Die Lebensbedingungen skr diese letzteren schei?>en vollstäudig vorhanden zn sein. Anch ist anzunehinen, daß Heringe im Kanal gelaicht haben. Der Aalbestand ist gut und wird wahrscheinlich eher zu- als abnehmen. Ob die Salzrvasserfische den früher«?? Bestand an Süß?vafserfische?? vollständig ersetzen?verde??, läßt sich z?lr Zeit noch??icht mit Sicherheit bellrtheilen.— Huuioristisches. — Ein vielseitiger Bahnwärter. In de?? ersten J?llitagei? hatte der Klapperstorch über Nacht seine» Einzug in ein einsames Bahnwärterhaus der Linie Basel-Olten gehalte?,. Das?var nun au sich nichts Besonderes, da man die Bekanntschaft dieses kosmopolitischen Vogels schon früher ge?nacht hatte. Was den Bahn- rrwrler diesmal in Verlegenheit brachte, war der U?nstand, daß seine eben?ieu???elke?id gewordene Milchquelle, ei??e etwas eigensinnige zimperliche Ziege, die Entleerung ihres Euters??je?nand weiter gestattete, als der Frau ,Bahn?värterin". die aber aus de??? oben angedeuteten Gru??de dem Ziegei?stalle„bis auf weiteres" fer?? bleiben?unßte. J??deß,„ein Schlaukopf darf nicht dum??? sein." dachte schließlich der Bahn?värlcr, schlüpfte in Rock?l??d Jacke seiner das Bett hütenden Gattin, hüllte sein kurz geschnittenes Haar in ein dickes,?volle??es Kopftuch??nd kroch, den Melkei???er in der Hand, in den niederen düsteren Ziegenstall. Und siehe da, die Be?vobnerin desselbe?, merkte nicht de?? ihr ge- spielten Betrug. Doch plötzlich— dem bei der u?r» ge?vohnten Arbeit Sch?vitzenden gerann schier das Blut in de?? Adern— drang, ein schriller Pfiff z?? den Ohren des Bahnivärters; der letztere hatte bei den Melk- Präliininarien ganz ?r??d gar vergessen, daß ein Z?tg fällig?var, dem die ,�Ho?>neurs" gemacht tverdei? mußten. Den halb gefüllten Milche????er bei Seite setzen, ins Freie eilen und sich a?? der mit kunstgeübter Hand im Nu herabgelassenen Barriere ausstellen, war das Werk eines Augenblickes; als der Zug vorüber gebraust?var, sah der Bah?i?värter erst, daß er noch im Hausfrauen- Kostüm war. Z?vei Tage später traf«in dienstliches Schreiben ein, in- Halts dessen der Bah???värter So?indso auf Posten Nr. 3k. einen Verweis erhielt dahin la??tc??d, er habe vorgestern seine die??stlicheu Obliege??heiteu versäumt?l??d?verde,„tvenn seine Fra?? noch ei?????al den Außendienst versehen???üsse", wie an? ge- dachten Tage, in eine Ord??ul?gsstrafe verfallen; für dies?nal wolle man noch G??ade für Recht ergehen lasse??;c. Unser Bahnwärter benutzte de?? ersten dienstfreien Tag, um sich bei seinen Vorgesetzten zu ineldei? und diesen den Sachverhalt ?vahrheitsgetreu zu schildern. In dein betreffe?ide?? Bureau, in de?n sonst stets feierlicher Ernst herrschte, soll inan an diesem Tage und noch lange nachher äußerst vergnügte Gesichter gesehen haben.— Vermischtes vom Tage. — Der T y p h?? s ist>?? R u d y- P i e k a r, Kreis Tarnoivitz in Schlesien, ausgebrochen.— — An? Montag hat es in Köln ivährend eines Schneetreibens geblitzt und gedo?>nert. Werden??lanche alte Weiber in ihren Kitteln und Hosen gezittert haben.— — In? Sauerlande liegt der Schnee Vjt Meter hoch. Und noch imitier schneit es.— — D?? r ch e i?> H ü?? d ch e n ums Leben gekommen ist in Deggendorf(Bayern) die Frau eines Kaufmanns. Sie pflegte ihren Hilitd abztlküsscn u??d zog sich dabei de?? Bandivurm zu.— — Der Pfarrer von Großgu?tdertshaitsen (Bayern), welcher z?vei Bauern ein Kirche?, geldknpital gekündigt hatte, wurde von diesen im Pfarrhof ausgesucht und. als es zn Auseiuaildersetzuiigen kau?, von ihnen nnt Stöcken und Stieselhölzern tvindeliveich geschlagen.— — Weil?? es de??, München er Magistrat nach geht, sollen künftighin die Gebäude nicht über 18 Meter hoch gebaut, verde». iveil sonst die Aufsteigleitern für die Feuerivehrlente zu viel Geld kosten. Die Müncheiier Bankoininissio?? ist anderer Meinung. Bei ihr heißt es: Sobald ein Gebäude böher als 18 Meter wird, m ü s s e n von außen mehrere Aufsteigleiteri? angeinachl, verde?,.— Nacht- schivärmer iverde?, für den ztveiteu Vorschlag stinnnen. Seine An- nahnie und Ausführung erspart ihnen den Hai,sschlüssel.— — Karlskrona. Auf der schivedischen Korvette„Balder", die sich a,n 21. Januar bei Alexaudria befaud, zersprang beim Salutschießen eine Kanone. Ztvei Matrosen wurde,» gelödtet, mehrere a?idere verwundet. — Harboöre(Jiitland). Ein Rettungsboot, lvelches ain 25. Januar a?isgefahren war, um zive» Fischerboote aufzusuchen, kenterte in der Nacht bei der Rückkehr. Die ganze ans 12 Mann bestehend« Besatzung ertrank. Zehn der Verunglückten»varen Familienväter.— — Samara(Rußland). Am Sonntag Abend entgleiste auf der Linie Santara-Slatoust bei der Station Jllino ein ans Tscheljabinsk nach Samara abgegangener Eisenbahnzng. Elf Wagen wurden zertrümniert, zwei Insassen getödtet und gegen 20 verletzt.— — Moskau. Vor«inigen Tage,? hat sich ein junger Mann von» Thür?» des Jivan Welcki in die Tiefe gestürzt.— — Der italienische König soll nicht blos alte Stiefel flicken, sondern auch neue machen können.— De?» französische?» Emigranten am Ende des vorigen Jahrhunderts ka?n das sehr zu stallen, iveitn sie ein Handwerk verstanden.— — B o st o n(Nordamerika), Sechs Personen, die kürzlich bei einer spiritistischen Sitzung einen auf die Erde zitirten„Geist" er- griffen und festhielten, bis alle Anwesenden gesehen hatten, wessi Geistes Kind er war, sind im Polizeigericht um je 50 Dollars ge- straft worden, weil sie„eine religiöse Versammlung gestört" hätten.—_ Verantwortlicher Redaklenr: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berli?».