2] Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 20. Donnerstag, den 28. Januar. Das Gasthaus gum hungrigen Lamm. Von Hans Röder. 1897. ( Nachdruck untersagt.) am Altar ja gesagt, hat er nie mehr gethan, was ich will. Zwar verdankte der Amtsrath den Grundstein zu seinem Glück in der Hauptsache dem Vermögen seiner Frau; indessen das war kein Grund für ihn, seiner Gattin dankbar zu sein. Das Wort Dankbarkeit tam überhaupt in seiner Grammatik nicht vor. Nichtsdestoweniger war die Frau Amtsrath ihrem Gatten mit wahrhaftiger Liebe zugethan; sie blickte mit Bewunderung zu ihm empor, denn sie fühlte, daß er ihr und den anderen Menschen, die sie kannte, geistig weit überlegen war. Die Damen hingegen schienen von dem Eindruck, den der neue Volontär auf sie machte, durchaus befriedigt, jedenfalls war es ihnen anzumerken, daß sie sich frenten, in ihm einen gewandten Unterhalter zu finden und einen Mann, der überdies von der Welt schon manches gesehen hatte. Die Frau Amtsrath bat den jungen Mann, das Mittagbrot Der Amtsrath Reck war einen halben Kopf kleiner als mit ihnen einzunehmen. Judessen Nauck lehnte dankend seine Frau. In jungen Tagen hatte er deshalb sehr hohe ab und empfahl sich bald bis auf den ersten Oktober, da er Absätze an seinen Stiefeln getragen; jetzt war er über solche noch mehrere Geschäfte zu erledigen und deshalb mit dem Thorheiten längst hinaus. Seine Eitelkeit war vollständig nächsten Zuge nach Berlin zurückfahren wollte. befriedigt, wenn er am Ende des Quartals die „ Ein interessanter junger Mann," sagte die Frau Amts- Contocurrentrechnung seines Bankiers in Berlin nachrechnete rath zu ihrem Gatten, nachdem sich Nauck empfohlen hatte. vor seinen Geldschrank trat und die Scheine seiner Der Mensch, Willy, der Dir gefällt und etwas recht machen kann, soll auch noch erfunden werden," gab die Frau Amtsrath zurück. Ein richtiges Berliner Revolvermundwerk hat er," ant- Depofiten durchging. Er war auch erhaben darüber, wortete der Amtsrath etwas unwirsch, außerdem ist er mir wenn sein Haus gelegentlich wohl in der Nachbarschaft das auch zu selbstüberzogen, aber man wird ja bald sehen, wes Hotel Keck genannt wurde. Das war ja doch nur der blasse Neid, Geistes Kind er sonst noch ist." weil er es verstand, auch aus seinen Volontären ein schönes Stück Geld heraus zu schlagen. Er blieb trotzdem der königliche Amtsrath, der er war, und außerdem ein gemachter Mann, der jedes Jahr seine 30 000 Märtchen auf die hohe Kante legte und nebenbei noch ein heidenmäßiges Geld für sich selbst verpulvern konnte, wenn er so allein in Berlin war und den lieben Gott einen guten Mann sein ließ. Mochten also die andern über ihn deuken und auch reden, was sie wollten, das ließ ihn falt. " „ Ach was, das verstehst Du nicht," sagte der Amtsrath ärgerlich und abweisend, wie er meist zu seiner Frau sprach, wenn keine Fremden zugegen waren. Die Menschen sind nicht so, wie sie sich geben, man muß fie erst näher kennen lernen, wenn man darüber urtheilen will. Du weißt doch, was wir schon alles mit unseren Volontären durchgemacht haben." Uebrigens ist es auch mein Wille, daß dem Dr. Nauck von unserer Seite in jeder Beziehung freundlich entgegen gekommen wird. Unsere Käthe ist achtzehn Jahr, es wird nun Zeit, daß wir uns allmälig nach einem passenden Mann für das Mädel umsehen." " Woran Du auch immer gleich denkst", wandte die Frau Amtsrath ein, das hat doch noch Zeit." So, die gebratenen Tauben fliegen nicht in dieser Welt herum; man muß bei Zeiten Anstalten treffen, wenn man etwas erreichen will im Leben," fuhr der Amtsrath fort. Wozu plagen wir uns denn mit den Volontären herum, doch nicht etwa zu unserm Vergnügen? Du weißt doch, wie anspruchsvoll und unverschämt diese Menschen mitunter werden?" „ Ach, Willy, Du hast doch den wenigsten Merger mit Ihnen," wandte die Frau Amtsrath ein. Wie oft bist Du denn zu Hause? Du fährst dann nach Berlin, und ich muß alles allein ausbaden und in Gang halten." Der Amtsrath lachte:" Ja, und wenn Du die Karre festgefahren hast, muß ich kommen und sie wieder' rausschieben. Das kennen wir doch, liebe Amalie. Es ist mir übrigens vollkommen ernst damit, daß wir die Käthe bald verheirathen; fie ist groß und stark und ihre ganze Natur ist so beschaffen, daß es besser ist, wenn sie einen Mann hat. Das ist nie gut, wenn die jungen Mädchen lange allein bleiben, da kommen sie blos auf dumme Gedanken; man sieht es ja an den Frauentongressen und was die Frauensleute jetzt sonst noch für verrückte Geschichten aufstellen." Mit seiner langen, spißen Nase, seinen listigen Augen, sowie den unruhigen, sprunghaften Bewegungen seines Körpers erinnerte der Amtsrath lebhaft an den Meifter Reinicke, der den furchtsamen Hasen nachstellt und jeder Gans, der er nur irgend habhaft werden kann, rücksichtslos die Gurgel durchbeißt. Herr Keck war ein hervorragender Rechenkünstler; aber neben der schneidenden Kälte des rücksichtslosesten Egoismus besaß er ein großes theatralisches Talent und die Fähigkeit, im Umgange mit seinen Mitmenschen ganz nach Belieben eine geradezu bezaubernde Liebenswürdigkeit zu entwickeln. Er war wie ein Schlangenmensch biegsam und glatt. Mit seiner liebenswürdigen Schmiegsamkeit wickelte er sich um die Menschen, diejenigen aber, denen gegenüber er sich stark genug fühlte, erdrückte er erbarmungslos, wie die boa constrictor ihre Opfer erdrückt. Die Geriebenheit des Amtsraths Keck in Schmertow war so groß, daß sämmtliche Handelsleute der Neumark sich fürchteten, mit ihm ein Geschäft zu machen. Aber auch bei seinen näheren Nachbarn war er nicht sonderlich beliebt, weil er diese ebenfalls in früheren Jahren, als sie ihn noch nicht so genau kannten, bei Viehkäufen und anderen Geschäften oft schwer hineingelegt hatte. Trotzdem wagte niemand offen gegen ihn aufzutreten, vielmehr gingen alle mit einer gewissen scheuen Hochachtung um ihn herum; hatte er doch verstanden, sich mit den Jahren in den Ruf eines großen Landwirths vor dem Herrn, einer Zierde und Leuchte seines Berufs zu bringen. Seine Meinung galt etwas bei den maßgebenden Persönlichteiten des Kreises. Außer in Geschäften war er ein bequemer und umgänglicher Mann und auch in Berlin unterhielt er einflußreiche Beziehungen. Das rieb er seinen Freunden „ Und dann," fuhr der Amtsrath fort, habe ich Dir doch und Feinden mit einer ftaunenswerthen Unverfrorenheit von jeher gesagt, daß mein letzter Gedanke bei der ganzen Ge- gelegentlich immer wieder unter die Nase, und deshalb schichte mit den Volontären immer der war, daß wir auf diese hüteten sich alle, es offen mit ihm zu verderben. Freilich Weise unsere Töchter am besten versorgen können. Du kannst heimlich zischelte man oft über ihn und hatte ihm doch nicht verlangen, daß ich mit Euch auf den Heirathsmarkt den Spitznamen der Bruder Geheimrath" beigelegt, weil nach Berlin ziehe. Erstens wird das zu theuer und zweitens, die Worte, mein Bruder, der Geheimrath in Berlin" wenn ich nach Berlin fahre und meinen Kopf voller Geschäfte schließlich zu einer stehenden Redensart in seinem Munde geund Sorgen habe, dann kann ich mir nicht noch die Nächte worden waren. Einer der Keck's, ein verstorbener Onkel, hatte mit Euch auf Gesellschaften um die Ohren schlagen, dann muß es als Paragraphenschieber sogar bis zur Exzellenz gebracht, und ich meine Ruhe haben und allein sein. Du weißt nun, was ich auch diese bedeutsame Thatsache verfehlte der Herr Amtsrath denke und was ich will und so wird es gemacht." Er drehte nicht, unermüdlich wie er war, dem Gedächtniß der Mitwelt sich um und ging. zu erhalten. Die Frau Amtsrath schwieg, sie hatte in ihrer zwanzig- Wenn nun auch der Amtsrath Keck in Schmerkow weit jährigen Ehe Schweigen gelernt. Pflegte sie doch in naiver und breit für einen hervorragenden Landwirth galt, und jahr Offenheit gelegentlich selbst zu sagen: Als wir Brautleute ein, jahraus zahlreiche Volontäre und und Lehrlinge nach waren, hat mein Willy alles gethan, was er mir nur an den Schmertow wallfahrteten, um sich daselbst in die GeheimAugen absehen konnte; aber von dem Augenblick an, wo ich nisse der Landwirthschaft einweihen zu Lassen, als - 78 Landwirth war er streng genommen doch nur eine mittelmäßige Figur. Die eigentliche Landwirthschaft interessirte ihn auch 3] faum. Das überließ er im großen ganzen seinen Beamten, zumal ihm nicht wohl war, wenn er von den 365 Tagen des Jahres nicht an mindestens der Hälfte der Tage fern von Schmerkow den Lauf der Welt beobachten konnte. Bedeutend dagegen war er als Geschäftsmann, und sein Talent, mit Menschen umzugehen und umzuspringen, war geradezu hervor ragend. ( Nachdruck untersagt.) Schlächter- Tobias. Erzählung von Jonas Lie. Einzig autorifirte Uebersetzung aus dem Norwegischen von E. Brausewetter. nach der Blechtasse hin, welche dort mit dem letzten Milchreft für Die Gluthen im Schornstein leuchteten schwächer und schwächer das Kind stand, und erloschen schließlich, so daß es in der Stube stockdunkel wurde. Aber Tobias hörte alle Athemzüge und wußte, von wem sie herrührten, und welches von ihnen stöhnte oder im Schlaf sprach. Bünktlich am 1. Oktober, wie verabredet war, stellte sich Naud in Schmerkow ein. Die Dorfuhr hatte gerade wieder 11 Uhr geschlagen, als er mit demselben Lohnfuhr- Er hatte schon mehrmals früher gefunden, daß es ihm gerade werke wie bei dem ersten Besuche an seinem neuen Aufenthalts- in folch' stillen Nachtſtunden zwischen all' den Athemzügen am orte antam. Er erhielt sein Quartier in einer Giebelstube des leichtesten fiel, etwas ausfindig zu machen, wenn die Verhältnisse so Herrenhauses angewiesen, obwohl gerade nur ein Volontär waren, daß er sich in der ärgften Klemme befand, und alles nur an außer ihm sich in Schmertow der Landwirthschaft befleißigte. einem Faden hing. Aber heute Nacht war es, als fiele es ihm recht schwer. Die gewöhnlichen Auswege waren alle verSonst war es Sitte, daß auch die Volontäre, falls ihre braucht und einmal nach dem anderen ertappte er sich Zahl nicht vier überstieg, im Inspektorenhause auf dem Hofe darüber, das Ganze aufzugeben, aufzugeben, zum Küster hinunter zu untergebracht wurden. Das hatte auch mit Herrn Nauck ge- rudern und ihn um eine fleine Unterstützung aus der schehen sollen; aber noch in letzter Stunde war auf ausdrück- Armenfasse zu bitten. Doch nein, so weit war es nun doch wohl lichen Befehl des Herrn Amtsraths die Volontärstube im Herren noch nicht gekommen! hause für ihn zurecht gemacht worden. Der Grund dafür lag Wenn nur der Angelfischfang nicht so plöhlich aufgehört darin, daß der Amtsrath noch am Abend vorher auf seine Erkundigungen in Berlin eine sehr günstige Auskunft über die Vermögensverhältnisse Naud's erhalten hatte. Der neue Volontär hatte von seiner Reise einen gesunden Hunger mitgebracht, als er um 122 Uhr mit seinem Kollegen, den Inspektoren und Lehrlingen zusammen, im ganzen acht Mann hoch, in dem großen Speisezimmer zu Tisch geladen wurde. An dem einen Ende der Tafel hatte der Amtsrath seinen Platz, am anderen ein Lehrling. In der Mitte faß Fräulein Käthe, die älteste Tochter des Hauses, und ihr gegen: über wurde Nauc plazirt. Das junge Mädchen hatte das Mittagbrot täglich mit dem Gebet:" Herr, habe Dank für Speise und Trant, Amen", zu eröffnen. Sie sprach diese Worte derartig, daß Nauck sich auf die Lippen beißen mußte und nicht recht wußte, ob das Herr" sich auf den lieben Gott oder den Herrn Amtsrath beziehen sollte. Es schien fast, als ob sie das letztere ausdrücken wollte. Bei den jungen Leuten, die nach Schmerkom tamen, bildete fich regelmäßig nach kurzer Zeit die Meinung aus, daß diese Danksagung eigentlich recht überflüssig waren, da die Genüsse, die hinterher geboten wurden, nicht der Art waren, daß sie überhaupt einen Dank verdienten. Der Amtsrath machte indessen bei den Worten immer ein sehr feierliches Gesicht, obschon der Gott Mammon der einzige Gott war, an den er überhaupt glaubte und zu dem er täglich inbrünstig betete. Trotz dem hatte er es erfolgreich verstanden, sich in den Geruch eines frommen Christen zu bringen. Er that das, weil es gerade Mode war und er es für zweckmäßig hielt, solche Moden mitzumachen. Darum verfehlte er auch nicht, gelegent lich mit wohlgebügeltem Zylinder an Sonntagvormittagen die Schmertower Dorfkirche aufzusuchen und dort seiner Andacht zu pflegen. Das geschah sogar regelmäßig, wenn er am Sonnabend Abend besonders lange Whist gespielt, besonders viel Mosel wein getrunken und besonders schlecht geschlafen hatte. hätte! Verlegenheit wegen des Essens, seitdem sie im Frühjahr die Kuh Jedesmal, wenn die Kochfische ausgingen, waren sie immer in verloren hatten. Das war eine Sie hatten sie so lang, wie möglich, mit Tang und Algen am Leben erhalten und hatten schließlich nur das reine flare Seewaffer und Blut gemolfen. Dann eines Nachts, gerade wie sie ihr zum Abend eine Schüssel Roggenmehl gegeben hatten, so schwer es ihnen auch fiel, diefelbe zu entbehren, stürzte sie. Portion Effen für die ganze Familie, denn auch damals war keine baran dachten, das Eingeweide und anderes zu verwerthen und die Elbogenlänge bis zum Grunde der Mehltonne. Und als sie dann großen Stücke in der Stadt zu verkaufen, war alles nur Knochen und blanke blaue Sehnen, und das Fleisch hart wie Holz, so daß für nichts anderes als für die Haut Geld zu bekommen war. Aber dafür gab es dann ein Herrenleben mit Braten und Fleischsuppe, so lange es reichte, für die acht Mäuler und außerdem für Martha Malvina! In seinen Gedanken tauchte vor ihm in der Luft ein blankes indem es wie eine drohende Waffe über einem Haupte schwebte, Schnigmesser mit Messingscheide auf; es verschwand und kam wieder; das sanft in der warmen Asche schnarchte. Das war Mathias, das Schwein Es war nun ein halbes Jahr alt und die Freude des ganzen Hauses. Verhätschelt und vertraut mit jedem von den Kindern, wie ein Bruder oder eine Schwefter, lief es dort rund und schwarz herum und drückte sich zwischen ihnen umher. Es nun zu schlachten, anderem gefüttert war vom ersten Augenblick an, gab es doch nur würde ihm schwer fallen. Da es nur mit Fischen und nichts Fischspect. Der augenblicklichen Gefahr entging so das forglos schnarchende Haupt des Mathias. Tobias lag und dachte und dachte. Es nühte nichts, seine Besitzthümer zu mustern; was irgend verkäuflich war, hatte man bis aufs letzte Stück gepfändet. Er legte das fleine Mädchen behutsam in die Felldecke, stieg leise vom Bett herab und guckte zum Fenster hinaus. Es war pechschwarze Winternacht, die so dicht um die Hütte herumſtand, wie eine Mauer. Da sagte einer der Jungen, der vermuthlich wach gelegen hatte, ganz leise: Das Hauptgericht in Schmerform war seit undenklichen" Vater, glaubst Du, daß wir heute auch nichts zu essen beZeiten Hammelfleisch und Kohlrabi, Rohlrabi und Hammel- fommen?" fleisch. In dieser lieblichen Folge wechselten die Speisen zu- Mutter auf!" Tobias öffnete leise die Thür zum Flur und ging hinaus. ,, Ach, es wird schon bald Nath werden. Wecke nur nicht meist von Woche zu Woche. Das unerschöpfliche Material zu dieser Delikatesse stellten die drehkranken Hammel, und im war schwarz und naß bis zum Hausdach hinunter. Das kleine Da stand er eine Weile und blickte ins Freie. Der Himmel Frühjahr, wenn das Futter nicht zureichte, die verhungerten Boothaus unten am Fjord war nicht zu unterscheiden, auch der Lämmer und Mutterschafe. Zuvor gab es gewöhnlich eine Hügel nicht, noch die Steinplatte, auf der er stand nur ein Suppe, die sich durch eine ungeheure Durchsichtigkeit und einen gleichmäßiges Brausen der See und des Wetters und dann einige fabelhaften Mangel an Fettaugen auszeichnete. Die Suppen- dumpfe Laute unten vom Fjord von einem Felsstück, das tief unten teller waren immer bis an den Rand gefüllt, der Fleischstückchen auf dem Grund lag und unaufhörlich unter der Macht der dagegen habhaft zu werden, war schwer, nicht nur weil die Strömung wackelte und sich hin und her bewegte. Ab und zu schrie selben von den Zwergvölkern Afrika's abzustammen schienen, der Uhu gräßlich draußen in den Bergen. sondern auch weil die Gabeln immer wieder an den glatten Knochen abrutschten. Nauck hatte eben den bescheidenen Theil des ausgekochten Hammelfleisches, der auf ihn entfiel, heruntergeschluckt und fah sich erwartungsvoll im Saale um, der Speisen harrend, die nun noch kommen sollten, denn er hatte großen Hunger. Plötzlich stand der Herr Amtsrath auf, sagte Mahlzeit", und damit war das lukullische Wahl beendet. Es war das reine Attordessen gewesen, die ganze Geschichte hatte kaum eine Viertelstunde gedauert. ( Fortsetzung folgt.) Wonach er ausschaute, war, ob es nicht draußen auf dem Fisch grund leuchtete. Nur ein kleiner Schimmer, denn dann gab es wieder Fische! Aber draußen war und blieb es schwarz und lichtlos. Und er fonnte nichts anderes thun, als daß er beim Landhändler einen Versuch machte! Und in der Morgendämmerung ging es hinaus mit Mathias, der mit einer Laufschlinge um den Leib an der Ruderbant bes feftigt war; und der Vorderschott war mit Schweinsblafen angefüllt, die vom letzten Schlachten am Haken im Verschlag zu fammengebunden hängen geblieben waren. Auch sie konnten einen Schilling einbringen. Die Jungen folgten über die Felsknollen nach, soweit sie den Mathias nur sehen konnten. -79 Es war heute eigentlich fein Fahrwetter, da es nach Schnee-| mit dem Mikroskop sichtbares kleinstes Lebewesen von stäbchens gestöber und Sturm aussah; aber schließlich sah es zu Hause doch förmiger Gestalt, welches außerhalb des menschlichen Körpers gezüchtet noch schlimmer aus, wo der Hunger an den Pfosten zu nagen be- werden fann und nach Ueberimpfung auf Thiere ein der Pest durchgann. aus ähnliches Krankheitsbild hervorruft. Aber... nicht einen Hering, nicht eine Schöpffelle voll Mehl wollte der Landhändler ihm jetzt borgen, nachdem der Lensmann all' sein Eigenthum mit Boot und Geräth mit Beschlag belegt hatte; und für das dünne, blaue Fischschwein, das er da anbot, wollte er nicht eine Rolle Tabat geben!" Das war der Bescheid, den er heute am Ladentisch des Landhändlers bekam. Und darüber grübelte Tobias, während er in seinem Boot saß und ab und zu dem beweglichen Mathias einen unglückverkündenden Blick zuwarf. Dieser wühlte unterdessen im Vordersteven in einem alten Malterfack herum, in dem Mehl gewesen war, und glozte dazwischen mit seinen milchblauen Augen seinen Herrn und Gebieter an. Es spritzte bisweilen bis in die Augen und dann bis zur Brust. Aber es war nichts zu machen für seine nahrungslose Familie. Man mußte direkt zur Armentasse hinfahren! Und nun war es ganz aus, da der Landhändler nichts mehr von ihm wissen wollte und ihm nichts mehr borgte. Tobias hatte schon viele Male die nackte Noth vor sich grinsen gesehen, aber noch niemals so schrecklich. Dieses Mal sah er feinen Rath, jeder Ausweg war versperrt. Er wäre am liebsten hingegangen und hätte sich über Seit' gebracht, wenn nicht die Seimka und der Anders und der Johann und die kleine Marja und Anna und alle die andern gewesen wären. Sie mußten geborgen und vertheidigt werden, so lange noch ein Fünkchen Leben in ihm war. Aber das Leben war schwer zu ertragen! Sein Haar stand borftig aus der zurückgeschobenen Müße hervor, so daß er und Mathias beinahe ähnlich sahen. Er saß und starrte auf das Kielbrett hinab. . Leg' beffer mit Deinem Boot an! Siehst Du denn nicht, daß das Mehl in die See geht!" Es war der Verladungsmeister, der vom obersten Speicherraum zur Thüre hinaus rief. Ueber sich in der Luft sah Tobias einen Sack von einer Halbtonne mit Mehl im Windetau hin- und herschweben. Es galt das Boot gerade lothrecht darunter zu halten, während der dort oben es herunterließ, wenn der Sack nicht in die See gehen follte. Und so antwortete Tobias:" He!" und schob das Boot um das Stück, das noch fehlte, weiter hinunter. ( Fortsetzung folgt.) Die Peff. Die Wunden, welche die Cholera den europäischen Staaten geschlagen hat, sind kaum vernarbt, und schon wieder muß sich unser Erdtheil rüsten gegen den Einfall einer aus Asien stammenden Seuche ebenso gefährlicher oder vielleicht noch gefährlicherer Art: der Pest. Unter dem Namen Best verstand man noch im Mittelalter, nach einer von Galen( berühmter Arzt aus dem zweiten Jahrhundert nach Chrifti Geburt) gegebenen Erklärung des Wortes, jede Krankheit, welche an einem Orte nicht nur viele Menschen befällt, sondern auch viele von diesen tödtet. Daher wurden unter diesem Namen die verschiedenartigsten Krankheiten zusammengefaßt. Wenn wir heute von Best reden, ver stehen wir darunter nur eine ganz bestimmte Krankheit, welche mit erweitertem Namen auch als Beulen oder Bubonenpest( Bubo gleich Lymphdrüsenanschwellung) bezeichnet wird. Diese Krankheit hat ihre Heimath wahrscheinlich in Indien wo sie auch zur Zeit in großem Umfange wüthet- und in China. Hier bestehen große Bezirke, in welchen dauernd vereinzelte oder gehäufte Pefterkrankungen vortommen, während in den andern Ländern die Krankheit in Form von sogenannten Epidemien auftritt, d. h. plötzlich von außen eingeschleppt wird, längere oder fürzere Zeit herrscht, um dann wieder gänzlich zu verschwinden. Die größte Pestepidemie in Europa, welche sicher als solche nachweisbar ist, war die unter dem Namen des schwarzen Todes" befannte. Sie begann im Jahre 1347 und dauerte bis in das fünfzehnte Jahrhundert hinein. Die Gesammtzahl der in dieser Epidemie Verstorbenen wird auf 25 Millionen, d. h. den vierten Theil der damaligen Bevölkerung Europa's geschätzt. Auch nachher traten, bis in unser Jahrhundert hinein, in Europa Pestepidemien auf, anfangs häufiger und umfangreicher, später seltener und in kleinerem Maßstabe. Deutschland ist seit 1720 von der Pest verschont geblieben, und in den außertürkischen Gebieten Europa's sind seit 1880 nur zwei weniger umfangreiche Epidemien vorgekommen. Die letzte von diesen herrschte in den Jahren 1878 und 1879 in Rußland am rechten Ufer der Wolga und forderte etwa 600 Opfer, ein Drittel der Erkrankten. Schon der Umstand, daß in der Regel gleichzeitig massenhafte Erkrankungen vorkamen, sprach für den ansteckenden Charakter der Beft. Jeder Zweifel daran wurde endgiltig beseitigt durch den Erfolg von Uebertragungsversuchen, welche im Anfang unseres Jahrhunderts theils an zum Tode verurtheilten Verbrechern, theils zum Zwecke der Schuhimpfung an anderen Personen angestellt wurden. Ju neuester Zeit ist es zwei Forschern- Dersin und Ritasato auch gelungen, den Erreger der Krankheit und damit ben Träger der Ansteckung zu entdecken; es ist das ein nur Die Krankheit führt ihren Namen Beulenpest daher, daß in ihrem Verlauf in der Regel starke Schwellung und Entzündung der sogenannten„ Lymphdrüsen" bald am ganzen Rörper, bald nur in einzelnen Rörpergegenden auftritt, welche meist schnell zur Bereiterung führt. Das Allgemeinbefinden ist dabei erheblich gestört, es besteht hohes Fieber, Kopfschmerz, Mattigkeit u. s. w. In anderen Fällen kommt es auch zu tiefgreifenden Geschwüren in der Haut, sog. Karbunkeln. Gerade in den allerschwersten Fällen fehlen die Drüsenschwellungen meist, dagegen finden sich neben den Karbunkeln Blutaustritte in der Haut oder Blutungen innerer Organe. Wie bei anderen Krankheiten hat man auch bei der Best beobachtet, daß die schweren Erkrankungsformen dann am häufigsten auftreten, wenn eine Epidemie ein bis dahin verschontes Gebiet frisch befällt, daß daher auch in der ersten Zeit einer Epidemie die Sterblichkeit am häufigsten zu sein pflegt, um im weiteren Verlauf allmälig abzunehmen. Eine verschiedene Empfänglichkeit der einzelnen Rassen für die Beft wird heutzutage nicht mehr für wahrscheinlich gehalten, trotzdem . B. auch bei der jetzigen Epidemie in Indien die Europäer fast völlig verschont bleiben; so wurde kürzlich aus Bombay gemeldet, daß bisher nur vier Erkrankungen von Europäern vorgekommen seien. Diese Erscheinung, die vielleicht noch deutlicher bei der Cholera in Indien hervortritt, wird ungezwungen dadurch erklärt, daß die Europäer dort durchweg in besseren sozialen Verhältnissen leben, als die große Masse der Farbigen. Wirthschaftliche Gründe geben auch auf diesem Gebiete den Ausschlag. Die wirthschaftliche Noth zwingt die Menschen dazu, sich in engen Räumen zusammenzus drängen, erschwert damit Reinigung und Lüftung und erleichtert so die Uebertragung der Krankheitsfeime. Auf der andern Seite macht die ungenügende Ernährung häufig genug traten, wie jezt in Indien, Pest und Hungersnoth gleichzeitig auf Körper empfänglich für die Ansteckung und unfähig, die Krankheit zu überwinden. Unter dem Proletariat, gleichgiltig welcher Hautfarbe es ist, kommt es daher in jeder Epidemie zu einer unverhältnißsonderer Bösartigkeit sind. mäßig großen Zahl von Erkrankungen, welche meist auch von bes den wo Hauptwerth auf Maßregeln gegen die weitere Verbreitung gelegt Bei der Bekämpfung der Krankheit ist von jeher mit recht der worden, namentlich auf die Absperrung gegen die verseuchten Länder. In früherer Zeit verwandte man hierzu militärische Postenketten sogenannte Grenzkordons durch welche rücksichtslos jeder Ver fehr von Menschen und Waaren abgeschnitten wurde; ein solcher Versuch wurde z. B. noch 1878 in Rußland gemacht, angeblich um das ganze Gouvernement Astrachan eine Postenkette gezogen wurde, innerhalb dieser eine zweite um das Gesammtgebiet der ergriffenen Ortschaften und in dieser eine besondere um jeden einzelnen befallenen Ort. Die riesige Entwickelung des Verkehrs läßt jedoch in heutiger Zeit eine derartige Maßregel im Landverkehr taum ausführbar erscheinen, zumal Handel und Wandel dadurch ungeheuren Schaden erleiden. Man beschränkt sich daher in der Regel auf eine Musterung der Reisenden an der Grenze und auf die Fernhaltung von solchen Waaren, welche erfahrungsgemäß am häufigsten Träger von Ansteckungsteimen find, es sind das namentlich ge= brauchte Wäsche und Kleidungsstücke. Dagegen hat man die Absperrungss maßregeln im Geeverkehr in Form der sogenannten Quarantänen beibehalten. Schiffe, die aus feucheverdächtigen Ländern ankommen, müssen auf den Quarantäne- Stationen abgelegenen Stellen in der Nähe des Hafens, meistens Inseln eine bestimmte Anzahl von Tagen, jetzt meistens etwa vierzehn, bleiben; erst dann, wenn in dieser Zeit an Bord feine verdächtige Erkrankung vorgekommen ist, wird ihnen Landung und Löschung gestattet. H Ist die Pest trotz dieser Maßregeln in ein Land eingedrungen, so ist die möglichst strenge Absonderung Isolirung der Erkrankten nothwendig. Diese Jfolirung geschah, während der schwarze Tod" in Deutschland wüthete, vielfach in der unmensch lichen Weise, daß man die Erkrankten in ihren Häusern einschloß und sie dort ohne Hilfe zu grunde gehen ließ. Durch Veranstaltung von Wallfahrten und Bittgottesdiensten, an denen natürlich auch solche theilnahmen, die bereits den Reim der Krankheit mit sich herumtrugen und ihn auf andere übertragen konnten, trug man dabei gleichzeitig zur weiteren Ausbreitung der Seuche bei. Heutzutage fann, wenigstens in den Städten, als Jfolirungsmaß. regel allein die Ueberführung der Erkrankten in eigens dazu bestimmte Krankenhäuser in Frage kommen. Im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege wird damit eine Absonderung und Ueberwachung der nicht oder noch nicht erkrankten Hausgenossen in besonderen Räumen verbunden werden müssen, trotzdem eine solche Maßregel den davon betroffenen hart und grausam erscheinen wird. Gleichzeitig mit der Jsolirung der Kranken wird ferner eine Abtödtung der Krankheitsteime Desinfektion in den bisher von dem Kranken bewohnten Räumen und an den von ihm benutzten Gebrauchsgegenständen vorzunehmen sein. Die Einzelheiten des dabei anzuwendenden Verfahrens zu erörtern, ist hier nicht der Plaz. Hauptsache ist, daß die betreffenden Maßregeln möglichst von geschulten Personen und jedenfalls unter sachverständiger Leitung vorzunehmen sind. c. f 80 Kleines Feuilleton. deffem Brennpunkte schmolzen die Sonnenstrahlen fast augenblicklich alle Metalle und Mineralien, felbst die schwer nur Kalt Aus und Magnesia widerstanden. Eine Volks- Bibliothek ist jetzt auch in Stuttgart er schmelzbarsten; nur öffnet worden. Der Bürgerverein des Stadttheils Ostheim hat seine diesem oft wiederholten Versuche schließt Cerasky, daß die Bibliothek unter Beihilfe des Vereins für das Wohl der arbeitenden Mindesttemperatur der Sonne 3500 Grad betragen müsse, denn Klassen zu einer Volks- Bibliothek mit täglich abends geöffnetem, dieser Wärmegrad werde im Focus des Brennspiegels erreicht und jedermann zugänglichem Lesesaal umgewandelt. Es fragt sich es sei theoretisch unmöglich, daß dort durch Addition ein höherer nur, was für Bücher in dieser Bibliothek stehen. Wärmegrad gewonnen werde, als ihn die Sonne selbst besitzt. Im Gegentheil müffe auf viel böhere Wärmegrade in der Sonne ge schlossen werden, denn als die Strahlen eines Voltaïschen Bogens, beffen Wärme bekanntlich ungefähr dieselben Wärmegrade( 3500 Gr.) erreicht, von dem Spiegel in einer Entfernung aufgenommen wurden, daß sein Winkel- Durchmesser demjenigen der Sonne gleich wird, o wurden im Brennpunkt nur 100 bis 105 Grad erhalten, obwohl in diesem Falle alle Vortheile auf Seiten des Voltaïschen Bodens waren, dessen Strahlen nicht der starken Absorption in der Atmosphäre unterlagen, wie diejenigen der Sonne auf ihrem weiten Wege. Da nun hierbei also im Brennpunkt nur eine unvergleichlich geringere Wärmemenge ausstrahlte, so schließt Cerasky, daß die Sonnenwärme unvergleichlich höher als 3500 Grad sein müsse. Prometheus". Der Passagier- Verkehr auf den englischen Eisenbahnen hat sich, wie man der„ Köln. Volksztg." schreibt, in 22 Jahren mehr als verdoppelt. 1874 betrug die Zahl der Fahrgäste auf den Eisen bahnen des Vereinigten Königreiches 447 000 000, 1896 ift fie auf 929 000 000 gestiegen. Der durchschnittliche Preis einer Reife aber ist von 1 Sh. 1 Pence auf 91/2 Pence per Fahrgast gefallen. Vor 21 Jahren schaffte die Midland Eisenbahn, welche von London nach Birmingham, Liverpool und weiter nach dem Norden fährt, die zweite Klasse ab, andere Eisenbahnen, die Hull und Barnsley, die Cambrian, die London, Tilbury und Southend und die Manchester, Sheffield und Lincolnshire sind ihrem Beispiele gefolgt. Diese Auf hebung der zweiten Klaffe hatte zur Folge, daß die dritte Klasse eine weit bessere Ausstattung erfuhr. Die Abtheilungen dritter Klasse sind geräumig, mit Polstern versehen und als solche auch zu Nachtfahrten wohl geeignet. Unerfahrene Reisende, welche schon Fahrkarten erster Klaffe gelöst hatten und die Einrichtung der dritten Klasse zum ersten Mal sahen, haben öfter ihre Karten umgetauscht, was an einem englischen Schalter nicht soviel Schwierigkeit toftet und kein so faueres Geficht mit sich bringt als anderwärts. Gegenwärtig ift beabsichtigt, die Fahrpreise für die zweite Klasse auf den damit noch versehenen Bahnen herabzusehen. In Schottland giebt es über haupt keine Eisenbahnwagen zweiter Klasse mehr. " Theater. Sudermann's Morituri" sind in Karlsruhe auf Betreiben des Kommandeurs des XIV. Armeekorps, v. Bülow, verboten worden. Der General erklärte, falls" Frischen" aufgeführt werde, verbiete er den Militärpersonen den Besuch des Theaters. Daraufhin verfügte der Großherzog von Baden das Berbot. Kunft. Der vom Kaiser für die Ergänzung der tanzenden Mänade" ausgesetzte Preis von 3000 M. wurde keinem der 32 Bewerber zuertheilt. Für die drei besten Arbeiten wurden den Berliner Bildhauern Hans v. Glümer, Ernst Herter und August Kraus je 1000 M. angewiesen. Die drei Künstler sollen zu einer engeren Konkurrenz veranlaßt werden. Als Aufgabe für das laufende Jahr wurde die Ergänzung des fehlenden Kopfes der in den Museen befindlichen Bronce Knabe aus der Sammlung von Sabouroff" gestellt. Der Preis beträgt 1000 M.- In Venedig findet vom 22. April bis 31. Oktober eine internationale Kunstausstellung statt. Ein Rund schreiben theilt nun mit, daß von der Gemeinde der Stadt Benedig für die besten in den ersten Monaten nach der Eröffnung der Ausftellung zu veröffentlichenden kritischen Arbeiten über die Ausstellung drei Preise( zu 1500, zu 1000 und zu 500 Lire) ausgeworfen sind. - Das riecht auf zehn Schritte nach Bestechung. Aus dem Thierleben. - Nervöse Hunde. In der letzten Sihung der Academie de médecine hielt Herr Megnin einen Vortrag über die PseudoTollwuth der Hunde. Er führte an, daß der Hund, dessen Gehirn das am meisten entwickelte aller Thiere ift, ähnliche geistige Störungen, wie der Mensch, aufzuweisen hat. Auch er habe unter ben sozialen Mißständen zu leiden und Entbehrungen, Hunger, Durst u. f. w. zu ertragen. Dieser Thatsache und ferner der Sucht nach Raffenvervollkommnungen, die die seltsamften Zuchtarten und Blutvermischungen herbeigeführt hat, ist es zuzufchreiben, daß man jekt viele nervöse" Hunde findet. Die Krankheitserscheinungen, die fie zeigen und die als Pseudo- Tollwuth zu bezeichnen sind, bestehen in uns erwarteten Wuthanfällen, denen häufig epileptische Symptome vor: ausgehen und die stets von der Beißsucht begleitet sind, die sich vorzüglich gerade den Personen gegenüber fundgiebt, denen die Hunde am meisten zugethan sind. In den Intervallen zwischen den einzelnen Krankheitsanfällen ist der Hund vollständig gesund und ißt und trinkt in normaler Weise. Herr Mégnin bekämpfte heftig die allgemeine Tendenz, in diesen Hunden sofort die Tollwuth zu vermuthen und sie zu tödten. Herr Weber trat dieser Ansicht bei und bewies, daß die jetzigen Tollwuthsstatistiken völlig irrig feien, da in ihnen zahlreiche ,, nervöse", als tollwüthig verdächtige Hunde mit aufgenommen seien. Es müßte mit mehr Methode bei diesen Fällen vorgegangen und die verdächtigen Hunde isolirt, in Käfige gesperrt und beobachtet werden, um die wahre von der PseudoTollwuth zu unterscheiden. Physikalisches. Humoristisches. " - Wo wohnt Genosse Lassalle? Dem Berliner Tageblatt" wird aus Rom geschrieben: Bei der Auflösung eines sozialistischen Vereins in Genua fiel den dortigen Polizeibeamten mehrmals der Name eines gewissen, wie es scheint, überaus verdächtigen Genoffen Lassalle" in die Augen. Die Polizei von Genua sucht seitdem, allerdings noch vergeblich, nach der Behausung dieses Genossen, um ihn auf Numero Sicher zu bringen. " - Gin Uta 3. Die russische Regierung befahl einst einem Gouverneur, innerhalb acht Tagen die Raupen des Kiefernspinners in feinem Gouvernement auszurotten. Der Gouverneur berichtete alsbald der Regierung, daß er den Befehl mit Erfolg ausgeführt habe. Er habe den Ukas sämmtlichen Riefernspinner- Raupen seines Gouvernements vorlesen lassen, und diese hätten sich darüber todtgelacht. Vermischtes vom Tage. Mainz, 27. Januar. Im Gebäude der Reparaturs werkstätte der Hessischen Ludwigsbahn brach infolge einer Gasexplosion Feuer aus, bei welchem der Jugenieur Zulauf ver= unglückte. Fünf Mark für eine Frau. In dem Blatte der deutschen Bühnengenossenschaft verspricht ein Stettiner Bierwirth dem vielen Dank und Erstattung der Auslagen bis zu 5 M., der ihm den Aufenthalt eines bestimmten Operetten- Tenors und seiner durchgegangenen lieben Frau mittbeilt. Pleß. Der dritte Mörder des Bantiers Cohn, ist noch nicht ergriffen. Der Polizei- Agent", der ihn gefaßt haben wollte, hat geschwindelt. Er hat sich von den Verwandten des Ermordeten einige Male Vorschuß geben lassen. Jetzt ist er verduftet, ein Steckbrief hinter ihm her. Bei dem Pariser Bankhause Le Hideur sind 800 000 Frants unterschlagen worden. In Chiasso Der versiegelte Passagier. ( Schweiz) tam unlängst ein mit einem Bleisiegel verschlossener Eisenbahnwaggon an. In demselben befand sich ein aus Indien tommender Engländer, der sich der Quarantäne entzogen haben soll. Da der Bahnhofsvorstand troß seiner Anfrage aus Bern feine Weisungen erhielt, sandte er den Wagen ungeöffnet wieder nach Mailand zurück. Chur( Schweiz). Am 25. Januar riß eine Lawine zwischen den Galerien auf der Südseite des Berninapasses einen Postzug mit mehreren Schlitten, den Pferden und dem Postillon in die Tiefe. Der Postillon wurde getödtet, ein Schlitten und ein Pferd gingen verloren. In Rameignies bei Mons( Belgien) wurde eine 75jährige Bäuerin, ihre schwachsinnige Tochter und ihre Nichte ermordet aufgefunden. Sie waren mit einem Hammer erschlagen worden. Das Armenhaus in Transtory bei Nybro( Dänemark) ist niedergebrannt. Zwei alte Frauen kamen in den Flammen um, mehrere andere wurden schwer verwundet. von - Fürst Naso von Bulgarien ist in fürchterlicher Angst vor einem„ stambulowistischen Geheimbund". Fast täglich gehen ihm Drohbriefe zu. Zusammengestoßen find in der Nähe Dungeneß( Südküste von England) der Dampfer France" und das englische Kriegsschiff Blenheim"." France" erlitt bedeutende Havarie. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika famen im vergangenen Jahre 131 Lynchmorde vor; 122 Personen wurden gefeßmäßig" hingerichtet. " In Philadelphia( Nordamerika) sind durch eine Feuers brunst 30 Gebäude vernichtet worden. Dad Die Zemperatur der Sonne. Professor Gerasky, der Direktor des Moskauer Observatoriums, beschreibt in den von diesem Institute herausgegebenen Jahrbüchern( Band III der neuen Halifax( Kanada.) Ein Zug der Kanada Pacific- Bahn Reihe) einige merkwürdige Versuche mit einem großen Brennspiegel ist entgleift. Zwei Reisende wurden getödtet, eine Reihe anderer von meterweiter Deffnung und gleichem Focal- Abstand. In Personen, darunter ein kanadischer Minister verwundet. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin.