Mnterhaltungsblatt des Horivärts Nr. 26. Freitag, den 5. Februar. 1897. (Nachdruck verboren.) 4) Jakob der ITetzke. Eine Waldbauerngeschichte aus unseren Tagen. Von Peter Rosegge r. Die Kirchengeher stellten sich rings um ihn, und die Tullerl war besonders begierig, den kleinen Sänger zu sehen. Der Luschel-Peterl langte mit dem Arm sorgfältig in den zu- sammengefalteten Schirm hinein, der Vogel kreischte, der Peterl mußte ihn gefaßt haben, als dieser nun aber den Arm langsam wieder zurückzog und den Schirm auseinander thal, war kein Vogel da. Obzwar es bekannt war, daß der Luschel-Peterl mit einem Blatte, das er auf die Zunge that, allerlei Voaelstimmen täuschend nachzuahmen verstand, saßen sie ihm doch fast allemal auf, wenn er in guter Laune seine Kunst übte. „Jetzt ist er mir auskommen!" murmelte der Alte mit weinerlichem Gesichte, spreitete die Finger aus und starrte iu die Luft. Hierauf wandte er sich an die Dirnlein, und mit zwinkernden Augen sprach er die Vermuthung ans, eine oder die andere werde den Vogel in der Tasche haben. Jede leugnete es. aber untersuchen ließ sich kehre. Weit hinter diesem munteren Dölklein ging eine Gruppe von Männern, darunter der Sepp in der Grub, der Rodel, der Stiudcl im Stein, der Oberstöckel und der Jakob. Sie waren für einen solchen FrüHsommemorgeu fast zu ernsthaft. Sie führten in langsamem Takt ein angelegentliches Gespräch. Auch der Jakob redete. Er pflegte sonst außer Hause nicht viel z» sprechen, er stotterte ein klein wenig, aber mau horchte doch, wenn er den Mund aufthat, es war allemal der Mühe werth. „Es darf nicht sein," sagte der Jakob,„wir müssen eS abwenden." „Wir müssen dem Guldeisncr zureden, so viel wir können, er darf nicht verkaufen!" so auch der Stindel im Stein. „Seid Ihr einverstanden, Nachbarn?" fragte der Jakob, „daß wir heute Abend, iveun wir von Sandeben heimkommen, miteinander zum Guldeisner gehen und ihm die Sache vor- stellen? Es darf und es darf nicht sein. Wenu der Guld- eisner losgeht, dann wird alles rutschend in Altenmoos." „Hingehen kann man", meinte der Oberstöckel,„ob's was hilft, ist eine Frage. Ja, wenn das viele Geld nicht war'!" „Das Geld und zetzt auf einmal das Geld!" rief der Jakob � völlig aufbrausend.„Haben wir Alteuinooser jemals nach Geld so viel gefragt? Haben wir ein's, ist's gut, habeu wir kein's, leben wir auch so, arbeiten vielleicht lieber und schlafen besser. Was wir brauchen, das wächst aus unserem Grund: das Brot auf dem Feld, Milch und Butter auf den Wiesen, die Leinwand auf dem Flachsacker, die Wolle auf den Schafen und das Leder auf den Rindern." „Ist so, ist eh so," stimmten die anderen bei. „Wollen wir Fleisch," fuhr der Jakob fort,„wir haben es in den Schweinen, Eier legen uns die Hühner. Die Hand- wcrker haben wir im Haus. Salz, Tabak und sonstiges Klein- zeug, auch den Stcnergulden zahlen wir von dem Erlös der paar Stückeln Vieh, die wir verkaufen, oder vom Hafer. Was brauche ich denn sonst noch?" „Wohl wohl, ist eh so," sagten die anderen. „Und die Leute jetzt alleweil nur Geld, mehr Geld, viel Geld! Verkaufen ihr Heu, ihren Wald und gar noch ihre Häuser und Hosen um's Geld. Mir graust!" „Wirst recht haben, Nachbar, wirst recht haben," sagte der Rodel und machte eine Bewegung mit der Hand, als wollte er etwas in der Luft fangen. Wenn er diese Geste that, da wußte mau schon, er hat was GescheidteS zu sagen. Und dumm war er nicht, der schlanke, hagere, etwas gebückte Mann; obgleich ein- Lugig, sah er doch manches klarer und richtiger, als viele andere mit zwei Augen.„Verkaufen auch ihre armen Seelen!" rief er aus,„es ist eine verdammte Sach', es ist gerade, als ob das Geld ansteckend wäre." „Rodel, das wird nicht wahr sein," redete der Bauer Klachel drein.„Bei rtiiinem Nachbar Klatsche! sind seit vier- zehn Tagen zwei Tausender gelegen. Wenn Geld ansteckend wär', so hätt' ich davon kragen müssen. Ich Hab' mich nicht ausräuchern lassen und auch sonst kein Gegenmittel an- gewendet."'- Der Rodel that, als habe er den Witz nicht gemerkt, faßte den Klackel am Rockflügel, blieb mit ihm stehen und sagte:„Die Anderen haben meine Red' verstanden, Dir sag' ich's deutlicher: Die Geldgier steckt an. Dagegen magst Dich wohl brav räuchern lassen mit Wachholderstauden und Johanneskraut." „Da laß ich mich lieber mit Tausendguldenkraut räuchern!" erwiderte darauf lachend der Klachel. Hat denn dieser Kampelherr gar so viel Geld?" fragte der Stindel. „Gotteslästerlich viel soll er haben," antwortete der Rodel, „ich Hab' gehört, wenn der seinen Reichthum in lauter Zehuerbaukuoten hätte und thät' nach einer gnten Mahlzeit anfangen, die Zehuerbaukuoten zu zählen, und schnell zählen, und nichts als zählen, und keinen Bissen essen, ehevor er mit dem Zählen fertig wär', so müßte er bei seinem Geldzählev verhungern." „Verdammter Kerl!" knurrte der Sepp in der Grub. „Wer ist er denn eigentlich, dieser Kampelherr?" fragte der Stindel im Sleiu. „So viel ich gehört habe, soll sein Vater ein ungarischer Kornlieferant oder Sauhändler, oder so was gewesen sein," wußte der Rodel zu berichten. „Und was hat der Sohn für ein Geschäft?" „Kein schlechtes," sagte der Rodel,„der Sohn ist Millionär. Von Staatsschuldbriesen Papierschnitzel abschneiden ist das einzige Handwerk, das in Wahrheit einen goldenen Boden hat. Früher hat er Geiverkschaften besessen, der Kampel- Herr, und eine ganze Eisenbahn soll er gehabt haben. Aber weil die Zeiteil unsicher werden, so hat er die Sachen verkauft und will sich jetzt rechtschaffen breit auf Grund und Boden hinsetzen. Grund und Boden kann nicht zerstört werden und nicht davonlaufe». Und kostet auch nicht viel, man läßt Wald wachsen und braucht keine Leute dazu und zahlt für Wildniß nicht viel Steuerzulden. Der Staat verliert dabei, aber das macht nichts. Einmal wird der Wald doch was werth. Kurz und gut, es ist ein sicher angelegtes Geld. Dazu das Jagdrevier, macht auch Spaß. Anschicken können sie sich's, die Herren!" „Du kannst Dir's halt ausdenken, Rodel," zollte der Sepp iu der Grub dem Sprecher sein Lob. Wissen möcht' ich's doch, wie er ausschaut, so ein Millionär," meinte der Klachel. „Ist zu sehen," belehrte der Sepp,„zu Sandeben beim Fleischhacker soll er sich jetzt anfhalten." „Was gilt's!" rief der Klachel,„was gilt's, ich meld' mich heut' bei ihm! Kosten thut's nichts. Vielleicht schenkt er mir was." „Schenken!" lachte der Rodel,„Narr, wenn der schenken thät, wär' er kein Millionär geworden." „Einen Hunderter kunut er mir schon schenken," meinte der Klachel,„ein Hunderter ist bei so einem gerade so viel, wie bei unsereinem ein Groschen, wenn man ihn dem Bettel- mann schenkt. Vergelt's Gott! sag' ich gern dafür. Und wirft er nnch hinaus, so wacht's nichts, denk' mir halt: bin eher auch draußen gewesen." „Klachel, Du bist ein Wichtling!" rief jetzt der Jakob, „wäij doch eine Schand', wenn sich em Altenmooser Bauer von so einem fremden Herlaufer bei der Thür hiuausioerfen lassen thät! Was geht uns der Kampelherr an!" „Man wird doch reden dürfen," brummte der Klachel. „Wenn Du glaubst, mein lieber Klachel," sagte der Rodel,„der Kampelherr selber sitzt draußen beim Fleischhacker, so bist wieder auf dem Holzweg. Der Kampelherr weiß sich was besseres, als in einem Dorfwirthshaus tagelang zu warten aus die Gimpel, die ihm zufliegen sollen. Der da draußen. daS ist nur sein Unterhändler, niußt Du wissen." „Unterhändler oder Kampelherr!" rief der Klachel und schlug mit den Armen um sich, als wollte er in der Luft an- saugen zu schwimmen,„ist mir alles eins, wenn er nur Geld hat." Unter solchen Gesprächen waren sie hinausgekommen durch den Steppenwald; dieser gehörte nicht mehr zu Alten« moos, sondern der Herrschast Rabenberg, was mau schon den schönen schlanken buschigen Bäumen ansah, die keinem Bauern wirthschaften helfen mußten. Als unsere Kirch- gänger zur Hirschenklamm kamen, wo au beiden Seiten die 102 Wände aufsteigen, mußten sie still sein. Hier führte die Mußt ihm's nicht verübeln. Ist ihm halt auch langSandach das große Wort. Sie war da schon ein stattlicher weilig geworden drin bei den Waldbären. Ist mir gestern Fluß, sie rauschte in ihrem wilden Bette, und das Rauschen nachgelaufen und hat sich hinten auf den Wagen gesetzt. Er hallte in den Wänden so sehr, daß keiner sein eigenes Wort geht nimmer heim, sagt er." verstand. Der Jakob war deß schier froh, ihm hatte das Gespräch schon lange nicht gefallen. " Alsdann werden wir ihn heimtragen," sprach der Jakob. " Da wirst Du ihm wohl früher die Knochen zerschlagen Weiter hin begegnete ihnen der Rabenberger Waldförster| müssen." mit der Büchse. Der Klachel rückte vor ihm den Hut, der Waldmann dankte herrisch und schritt vorüber. " Das ist mir auch Einer!" sagte der Sepp in der Grub, an so einem Tag, wenn der Christenmensch in die Kirche geht, steigt er im wilden Wald um. Jetzt möcht' ich erst fragen, was der Wald, wenn er wachsen soll, nothwendiger braucht, den Förster mit der Büchsen oder den Segen Gottes!" Das ist Derselbige," wußte der Rodel zu erzählen,„ der vor furzem im Steppenhaus gesagt haben soll, die Bauern müßt' man todtschlagen. Wo ein Bauer wär', kunnt' sein Lebtag kein schöner Wald wachsen." " Ich bin auch für den schönen Wald," versetzte der Jakob, ,, und weiß recht gut, daß der Wald für den Menschen da ist, und nicht umgekehrt. Ich zügele den Wald, daß ich ihn schlagen tann. Mein Vater hat's auch so gemacht. Aus Uebermuth wird auf meinem Grund kein Baum geschlagen, und der Rent hof wird's beweisen, daß Bauer und Baum recht gut neben einander stehen können." " Go ist's!" stimmten die Anderen bei. Schlagen werden wir nicht. Er soll herauskommen." Nicht lange hernach, und aus der Hausthür des Knatschel schoß der Jackerl. Als er den Vater sah, stuzte er und duckte sich an die Wand. Die langen Haare hingen ihm wüst über das Gesicht, den Blick ließ er ein paar Mal wild auf den Vater springen, die Fäuste hatte er geballt so stand er da und stemmte den Kopf seitlings an die Wand. Der Vater trat zum Knaben und sagte freundlich: Jackerl, wir gehen jetzt heim." Der Junge rührte sich nicht. Der Jakob wollte ihn am Arm nehmen, den riß er aus und kreischte:" Ich mag nicht!" vor " Sei nicht störrisch, Kind!" " Ich mag nicht heimgehen!" " So sage mir, warum Du nicht heimgehen willst!" Weil Ihr mich einsperren werdet!" stieß der Knabe herund begann laut zu weinen. " " Aber Du zwingst mich ja, Dich zu strafen," sagte der Bater, Du könntest es so gut haben wie der Friedel, der folgt in Güte. Du haft mir schon viel Kummer gemacht; ich foll Dir's garnicht sagen, Rind, wie wehe es mir thut, daß ich Dich strafen muß. Jackerl, schau, gieb her die Hand, ich hab' Dich lieb. Und wie kannst Du Deinen Eltern davonlaufen! Deine Mutter hat die ganze Nacht geweint". Große Thränen rannen dem Jungen über die Wange, er schämte sich ihrer, stampste den Fuß in den Erdboden Nein! Nein! Nein!" Endlich lichteten sich die Berge, es kam der erste Holz rechen der Sandach. Hinter einer grünen Höhe, die sich als Ausböschung des Berges ins Thal hineinbog, reckte ein ziegelrother Riesenzwiebel seine Spize in die Luft. Das war der Kirchthurm zu Sandeben. Das Dorf steht auf einer sachten Anhöhe, denn der Thalgrund ist ein graues Sandmeer, über das sich die Sandach in zahlreichen Bächlein ergießt. Ueber den Sand hin sind Holzrechen gezogen, um das aus und schrie: den Steppenwäldern hervorgeschwemmte Holz aufzufangen. Am jenseitigen Gelände stehen rauchende Kohlenstätten, die ihr Rauchen und Rußen freilich auch an diesem Frohnleichnams tage nicht unterbrechen konnten. Vom Kirchthurme der Pfarre zum heiligen Michael flangen jetzt drei Glöcklein so hell und luftig, daß der Klachel den Spaß fagte:„ Schau, schau, der heilige Michel jodelt uns schon entgegen." " „ Also nicht?" H Nein!" " Hast Du es Deiner Mutter nicht versprochen, daß Du ihr heut' Haushüten helfen wirft? Und Du willst nicht freiwillig mit mir gehen?" Ich werde gehen, aber allein. Ich laß mich nicht treiben!" Gut, versprich mir's, Jackerl, daß Du heute, abends daheim sein wirst." Der Knabe schwieg. Die Dorfgasse war zu beiden Seiten mit frischen Birkens reisern geschmückt, das Kirchhofsthor mit einem Tannenkranz geziert. Die Treppe hinan war schwarz von Menschen, darüber wehten rothe Fahnen, und auf schwankenden Stangen ragten brennende Laternen. Vom Steinbühel her knallten Böller. Ich brauche jetzt keine Gewalt, mein Rind", sagte der Unsere Altenmooser schlossen sich der betenden Gemeinde an. Bater mit gedämpfter Stimme. Ich will Dir vor aller Am Frohnleichnamstage bittet der Bauer um ein fruchtbares Lent' Augen teine Schmach anthun. Aber versprich mir, daß Jahr und um Abwendung schwerer Gewitter. Was dem Du heimgehft!" Vater das Kind, das ist dem Bauer das grünende Kornfeld eine zitternde Freude. Nach dem Gottesdienste kam der Stindel im Stein zum Jakob, der eben auf dem Kirchhof am Grabe seiner Vorfahren eine stille Andacht verrichtet hatte, und fragte ihn, ob er nicht mitgehen wolle zum Fleischhacker- Wirth, dort wären heute alle Altenmooser beisammen. " Sollen sich nichts abgehen lassen," antwortete der Jakob furz." Er dachte sich's nun, warum ihrer heute so viele aus Altenmoos nach Sandeben gekommen waren. Nicht die Kirchenfahnen hatten so sehr gewinkt, als vielmehr die Tansender des Knatschel, die gestern vorausgegangen. Ein Kirchgang nach dem Gelde. Das werde ich!" stieß der Knabe heraus und stampfte die Erde. So find wir jetzt miteinander fertig," sagte der Jakob, dann ging er seines Weges. Er hatte ja auch an anderes zu denken an diesem Tage. Der Junge blieb noch eine Weile lehnen an der Wand und schloß die Augen und schloß die Fäuste. Plöglich lief er die Dorfgasse hinab und davon. Aus dem Fleischhacker- Wirthshause, wo heute die Altenmooser zusammengekommen waren, um zu sehen, wie ein Millionär ausschaut, hörte man einen Gesang: Was hat mein Vater' dacht, Daß er fan Herrn hat g'macht! Wia wär das Ding so fein, Wann ih a Herr kunnt sein, Geld in mein Beutel hätt', Bratel zum efsen hätt', Trinken tunnt Wein." Und der Chor: Ter Jakob sollte aber an diesem Tage auch einen anderen Merger zu verwinden haben. Trat der Knatschel aus seinem weißgetünchten Holzhäuslein, das er eben erfto, 659 bezogen, ging auf den Reuthofer zu und sagte, das wäre schön vom Jakob, daß er auch einmal hervorkrieche aus dem ödweiligen Graben. Er, der Knatschel, könne heute zwar noch keine Einladung machen, es sei alles drunter und drüber und das Gesuch zum Weinausschenken fange erst an, beim Amt zu liegen. Aber einen guten Bekannten, wenn er sehen wolle, der Jakob! Er solle ein wenig mitkommen! " Ein guter Bekannter?" fragte der Jakob, mag ja sein. Soll sich zeigen, wenn er was will von mir." " Wird nichts wollen von Dir, denke ich," versetzte der Knatschel. Wir haben ihn einsperren müssen, sonst wäre er gleich, wie er Dich vom Fenster aus gesehen hat, davongelaufen. Und einholen wirst Du den nicht; Du hast zwar längere Füße, aber er jüngere." „ Solltest von meinem Buben reden?" fragte der Jakob, ist er bei Dir?" Widl, widl, widl, Geldel bätt'! Widl, widl, widl essen hätt'! Widl, widl, wid! Wein." Bewegungen im Pflanzenreiche." In der Bewegung, der willkürlichen Veränderung des Ortes, scheint auf den ersten Anblick der wesentlichste Unterschied zwischen Pflanze und Thier zu bestehen. Das Thier sucht im allgemeinen feine Nahrung auf, wodurch seine willkürlichen Bewegungen und feine Sinnesempfindungen, vermittels deren es die Nahrungsstoffe aller Art erkennt, unmittelbar bedingt sind; die an den Ort gebundene *) Nach einem von Professor Kny in der Urania zu Berlin gehaltenen Bortrag. 103 im Thierreiche. Cala Maria # Eine Pflanze dagegen nimmt feine festen Nahrungsstoffe auf, sondern er-[ fagt man: glännern oder ruscheln, bei Dresden: fladerietschen, im hält aus dem Boden und der Luft alles, was sie zu ihrem Leben Erzgebirge: tschindern, schenschern, in der Laufit: helseln, braucht. Um möglichst reichhaltig ihre Nahrung zu finden, entfaltet gefcheln, schindern, tschullern, tfchunnern sullen, in Thüringen: sie eine ungeheure Oberfläche; im Boden theilt sich die Wurzel in zeschen, in Halle: glandern( wie auch im Mecklenburgischen), verschiedenartiger Weise, von jedem Theil gehen Unterabtheilungen im Harz: glandern oder schlickern, im Braunschweigischen: aus, bis eine Unmenge fleiner Wurzelfasern sich überall innig dem schlickern oder gliefecten, im Roburgischen: züschern, in Franfen: Erdreich anschmiegen; ebenso theilt sich der in die Höhe strebende schleimern oder hätscheln, in Westfalen: schlindern, in Aachen: Stamm in Aefte und Zweige, von denen eine Fülle grüner Laub- Bahn schlagen, in Jüterbogt: schüttern, in der Provinz Preußen: blätter in die Luft hinausragt. So sicher aber auch die höheren schorren, in Niedersachsen: schlittern, schlitschen, slidern, in der Thiere von den höheren Pflanzen durch die selbständige Bewegung Pfalz: flennen, im Elsaß: rutschen, rütschen, schlimern, flandern, in unterschieden werden, so wenig bildet diese einen durchgreifenden Schlesien: tschindern, tschintschern, fascheln, in Desterreich: schlifezen, Unterschied zwischen beiden Reichen, wenn man die niederen schleifen, schurren, glitschen, in Luzern: schlifen, in Basel: schliffe, Formen betrachtet, bei denen eine weitgehende Theilung der ver- und in Siebenbürgen: schwünzeln. Der Franzose nennt es glisser, schiedenen Lebensfunktionen unter einzelne Organe noch nicht ein- der Engländer slide und der Holländer glijden oder sullen. getreten ist, sondern dasselbe Organ verschiedenen Funktionen dient. Aber auch bei den einzelnen Lebensthätigkeiten der höheren Pflanzen, Nr. 19 des Unterhaltungsblattes abgedruckten Notiz: Noch ein Rezept gegen die Tollwuth. Zu unserer in der Ernährung, der Athmung 2c. ist die Verkettung von Be wegungen, die wir eben als Leben bezeichnen, genau dieselbe, wie Dr. Gisenbart- Kur" schreibt uns ein Leser Folgendes: Ich erinnere mich, daß ich im Nachlaß meines vor 30 Jahren verstorbenen Vaters Der Körper jedes lebenden Wesens baut sich auf aus. a. auch ein Rezept fand, das ebenfalls gegen Tollwuth helfen fogenannten Bellen, deren wesentlichster Bestandtheil, der eigent follte und folgendermaßen lautete: liche Träger des Lebens, das Protoplasma, ein Gemenge eiweißartiger Stoffe von noch nicht völlig genau ermittelter Zu sammenfegung, ist. Meistentheils ist, wenigstens im Pflanzenförper, der Plasmaleib von einer festen Membran, der Zellwand, unischlossen. Bei zahllosen Zellen ist das Protoplasma in ständiger Bewegung; es schließt sich eng an die Zellwand an, während das Innere von dem 3elltern, der wahrscheinlich der Träger der Erblichkeit und von Hohlräumen angefüllt ist. Die lebhafte Bewegung des Protoplasma ist in ihrer vollen Bedeutung für das Leben noch nicht aufs geklärt; wahrscheinlich unterstützt sie die Ernährung. Oft hat man Gebrauchsanweisung: Bon dem spitzen Ende au( auf Papier ihr Auftreten auch erst nach einer Verlegung der Pflanze bemerkt, geschrieben) zwischen Butterbrot zu verzehren. Ich bemerke noch, Rösliner Bezirk wo sie denn wahrscheinlich eine raschere Beförderung der heilenden daß mein Vater in Hinterpommern Stoffe erreicht. Sehr eigenthümliche Plasmabewegungen bemerkt und gestorben ist, als Fracht Fuhrmann aber einen großen Theil man bei manchen Algenarten, z. B. bei der Vancheria sessilis; in Deutschlands gesehen hat. dem schlammartigen Ende der Belle sammelt sich Plasma an, das fich als besonderes Klümpchen von dem übrigen absondert; es durch bricht dann die Zellwand und tritt aus ihr aus, eine neue Belle, eine sog. Schwärmspore bildend. Bei diesem Austritt ist die Bewegung eine rotirende, sodaß jeder Punkt des Plasmaklümpchens eine Amazonengebietes stammenden Sorte, von 5600 auf 20 000 Tonnen Schraubenlinie beschreibt. Prof. Unger, der diese willkürlich scheinende Bewegung zuerst beobachtete, war so überrascht, daß er die Pflanze als im Moment der Thierwerdung begriffen be zeichnete. Cala Mari Cala Mar Cala Ma . Cala M Cala Cal Ca C - geboren Das Vorkommen des Kautschuks. Die Gummireifen der Fahrräder sind die hauptsächlichsten Objekte für die vermehrte Anwendung des Kautschuks in der letzten Zeit gewesen. Seit 25 Jahren ist die Ausfuhr von Para- Gummi, der besten, aus den Wäldern des gestiegen, zugleich aber der Preis des Kilogramms von 4 auf 6 M. Hunderte haben sich mit seinem Ersatz schon beschäftigt, aber man hat etwas Aehnliches noch nicht finden können. Der Kautschuk tommt in unendlichen Mengen auf der Erde vor, freilich Die merkwürdigste Bewegung im Pflanzenreiche zeigen die aber in Gegenden, die nur unter den größten Schleimpilze, die früher zu den Bauchpilzen gerechnet wurden, Schwierigkeiten zu erreichen sind, und Deren feuchtheißes jest jedoch häufig als eine gesonderte Gruppe aufgefaßt werden, Klima dem Weißen höchst verderblich ist. Ein Kautschuks die auf der Grenze zwischen Thiers und Pflanzenreich steht. vorkommen von einigermaßen günftiger Lage wirft sehr hohen Ber= Auch bei ihnen bilden sich Schwärmer, deren Bewegung jedoch dienst ab, wie beispielsweise das bei Lagos entdeckte im Jahre 1895, in ein amöbenartiges Kriechen übergeht: sie senden Fortsätze das während desselben Jahres schon 2200 Tonnen im Werthe von über aus, die sich wieder zusammenziehen und dadurch den ganzen 5 Millionen Mark geliefert hat. Ganz bedeutende Schäße sind in Plasmaleib nach sich ziehen. Auch dienen diese, wie Fangarme, zum den Urwäldern Zentralafrikas aufgehäuft und warten auf ihre AusHeranholen felbft fefter Nahrungsstoffe, so daß diese Pilze that beutung. Die indische Regierung bat, wie„ Spectator" mittheilt, fächlich freffen. Dadurch und durch Verschmelzung mehrerer Zellen jeht den ersten Bersuch einer forstmäßigen Anpflanzung von wachsen sie zu einem mehrere Zentimeter in allen Richtungen Rautschutbäumen gemacht, indem sie in Assam, woselbst tollofjale messenden Schleimkörper, dem sog. Plasmodium, das in lang: Theeplantagen bestehen, 200 Quadratmeilen( englische) mit Rautschukfamer friechender Bewegung begriffen ist. Natürlich ist zu dieser bäumen besetzt hat. Die Bäume sind mit zwanzig Jahren ertragsintensiven Lebensäußerung eine gewisse Wärme, sowie Licht und vor fähig. allem die wahre Lebensluft, der in der Atmosphäre enthaltene Sauerstoff nothwendig. Ist es dauernd zu heiß oder zu kalt, so muß das Leben erlöschen, nud der starre Tod tritt ein. Das Licht beeinflußt pit die Richtung der Be wegung; bei manchen grünen Algen tanu man beobachten, wie fie 811 startes Licht fliehen, bei richtiger schwächung deffelben dagegen in ihrer Bewegung geradezu Rehrt machen und sich dem Lichte zuwenden. Wie nothwendig bei jeder Lebensthätigkeit der Sauerstoff ist, durch dessen Vereinigung mit anderen Stoffen bei der Athmung ja erst die wahre Lebenskraft, die Wärme, geliefert wird, leuchtet ohne weiteres ein. Für das Plasmodium der Schleimpilze hat es sehr einfach und deutlich Prof. Kühne in Heidelberg gezeigt. Ein mit ausgekochtem, also fauer ftofffreiem Waffer gefüllter Glaskolben, in dem sich noch ein Kort mit Plasmodium befand, wurde umgekehrt, mit dem Boden nach oben, auf eine Platte gestellt. Der Kort war natürlich nach oben gegangen, und das vom Sauerstoff abgeschlossenene Plas. mobium zeigte teine Spur von Bewegung. Ließ man nun einige Luftblafen in dem Gefäße aufsteigen, so begann sofort die kriechende Bewegung des Plasmodiums. AbSo sehen wir überall bei den einfachen Lebewesen die Bewegung des Protoplasmas, das bereits ein hoch organisirter, sehr komplizirt zusammengefegter Stoff ist; aus diesen einfachen Wesen haben sich allmälig die höheren Formen gebildet, in deren Leben aber die Bewegung des Plasmas ebenfalls eine hervorragende Rolle spielt. Kleines Feuilleton. Literarisches. h. s. Mehr Kenntnisse! Weniger Zeit! Ein Bor schlag zur Neubildung unserer Schule. Von Arthur Schulz. Berlin 1897. Verlag von Richard Heinrich. 47 Seiten. 60 Pf. Das ansprechend geschriebene Büchlein enthält eine Anzahl gesunder und theilweise neuer Jdeen über die Reform des heutigen Schulwejens. An die Stelle des öden Mechanismus und des systematischen Formalismus will der Verfasser einen lebenswarmen, Herz und Gemüth und besonders die Sinne bildenden Unterricht, der nicht in der freien Natur abgehalten und an ihre Erscheinungen an dunftigen, staubigen Klassenzimmern, sondern in geknüpft werden soll. Abgesehen davon, daß der Verfasser mehrfach gehörig über das Ziel hinausschießt, besonders, sobald er auf die Realisirung seiner Pläne zu sprechen kommt, verdient seine Kritik des heutigen geist- und gemüthtöotenden Unterrichts in mehrfacher Beziehung volle Anerkennung. Eine Schwäche erblicke ich darin, daß der Autor trotz seiner sonstigen Vorurtheilslosigkeit in religiöser Beziehung einen engherzigen Standpunkt einnimmt. Er erachtet die religiöse Ueberzeugung nicht für des Menschen heiligstes Recht, denn sonst müßte er den Religionsunterricht nach dem Beispiele vieler moderner Pädagogen aus dem Lehrplan der Volksschule streichen. Er behält ihn jedoch bei, nicht ohne dadurch eine günstige Rückwirkung auf die von gewiffenlosen Verführern" beeinflußte urtheilslofe Menge" zu erhoffen. Frau Hermine von Preuschen- Telmann, die Wittwe des vor einiger Zeit in Rom verstorbenen Schriftstellers Zelmann, ersucht uus mitzutheilen, daß ihr Mann auch im bürgerlichen Leben den Namen Konrad Telmann und unr diesen amtlich und zu Recht und Geset" führte. Theater. Das Schuffeln oder Zuscheln, Schuscheln bildet neben dem Schlittschuhlaufen und Fahren auf Handschlitten das Hauptwinter vergnügen unserer Jugend. Für dieses Dahinrutschen auf einer Eisfläche giebt es fein überall verstandenes hochdeutsches Wort; Jm Bolls Theater ging es gestern Abend gar thränen jede Gegend hat dafür ihren besonderen Ausdruck. Im Vogtlande rührend her. Es gilt in maßgebenden" Kreisen als Glaubensfah 801 104 daß alles, was nicht zu Berlin W oder C gehört, meilenweit in macht er die Polizei unter den Dorfhühnern, und wenn diese sich moderner Weltgefittung zurück sei und als Offenbarung selbst solche Schlachten liefern, tritt er dazwischen und schlichtet energisch und Bühnenwerte ansiaune, die von anderen Leuten schon vor einem erfolgreich den Streit. Als man ein vor einen Wagen gespanntes Menschenalter belächelt worden sind. Solche Einschägung zeugt Pferd unbeaufsichtigt ließ, machte sich sofort der Reiher daran, es eigentlich nur von der unbeholfenen Naivität und Ueberhebung zu bewachen. Sobald das Roß auch nur einen Schritt that, war derer, die da meinen, daß es ihnen allein gegeben sei, in Sachen der Vogel da und versetzte ihm mit seinem langen Schnabel einige der Kunst zu binden und zu lösen. Die Herrschaften übersehen, daß empfindliche Nasenstieber. Eines Tages, als das Vieh zur Weide in einer Bevölkerung, deren untere Schichten sich bemühen, geführt wurde, entwischten ein paar junge Kälber und liefen über den Gesetzen der ökonomischen Entwickelung auf die Spur zu kommen, zwei Meilen weit. Sogleich war der Reiher hinterher, und da er auch die Kunst im realen Leben wurzeln muß, wenn sie einfah, daß er die Ausreißer nicht zurückzutreiben vermochte, blieb von diesen Schichten als genießenswerth betrachtet werden soll. So er solange in ihrer Nähe, bis man fie suchen fam. So erzählen blieb es denn nicht aus, daß das alte Müller'sche Rührstück, Von englische Blätter. Es mag aber doch die Frage erlaubt sein, ob das Stufe zu Stufe", das vor 25 Jahren als Kaffenmagnet des Geschichtchen nicht für den 1. April bestimmt war.ht Wallner Theaters gegölten hat, sich bei seiner gestrigen Neubelebung d dlsite im„ Volts- Theater" gar manche steptische Bemerkung gefallen laffens Humoristisches. in mußte. Als im ersten Att die zwischen Tugend und Laster am- Naffreddin, der türkische Eulenspiegel, Scheidewege stehende Näherin sich auskleidete, um in ihrem jung- hörte eines Tages einem Prediger zu. Einer aus der Versammlung fräulichen Bette einen drei Akte währenden schweren Traum zu gab dem Prediger ein Billet. Der Prediger las das Billet und ents durchkosten, und endlich unter fortwährendem Geflenne und Ge- nahm hieraus, daß die Frau des Ueberreichers sehr jähzornig und jammer schlafen ging, da fiel im Parterre mancher taustische bösartig war. Ihr Mann wandte sich hoffnungsvoll an den Prediger Wit ob so viel Sentimentalität, und die Stimmung glich auf mit der Bitte, ihren Charakter zu ändern. Der Prediger richtete an ein Haar derjenigen, die zur Zeit allabendlich im Parodie- Theater die Versammlung die Worte:„ Bersammelte, wer von Euch mit seiner zum Ausdruck kommt. Zum Glück hatte die Direktion hier und da Frau nicht zufrieden ist, der erhebe sich." Bei diesen Worten stand für eine Politur des Lebensbildes" gesorgt; Koupletstrophen be die ganze Versammlung gleichzeitig auf. Nur Naffreddin konnte handelten den Reichstag und den Schillerpreis, und besonders nicht aufstehen. Zwischen ihm und dem Prediger entspann fich glücklich wirkte eine Dekoration, welche die neue Mühlendamm folgendes Gespräch: Gardhur dasid un pus big asid Brücke darstellte. Die Aufführung hielt sich in bescheidener Mittel- Prediger: Herr, das soll heißen, Ihr seid mit Eurer Frau zu= mäßigkeit; lebendig und eindrucksvoll wirkte der dritte Aft, der frieden?"& sinddal si ein Zingeltangel zweifelhaften Rufes vorführt. bon shamed te Dibunzde Musik.deling Naffr- ed- din: Im Gegentheil!" di te rabunis ja sen la bil Prediger: Wenn dem so ist, warum seid Ihr nicht auf geftanden sd panels( bulk di Die Pariser Oper bereitet eine neue Oper Naffe- ed- din:„ Infolge Eurer Worte zittern meine Kniee vor von Bruneau vor: mestoße Dp Der Text, ein Originallibretto, Furcht. Darum."- men schimb ftammt von 3ola. Die Handlung spielt im letzten Jahrhundert in einem Goldwäscherdorf der Pyrenäen. Der Goldgewinn macht die Leute so unglücklich, daß sie von selbst zur Bestellung ihrer Felder Vermischtes vom Tage. zurückkehren. et dus labinot ad grads his - In Obra( Schlesien) sind drei Personen durch Rohlendunft and Sud Kunst. noe du sid erflict. In Paris wird gegenwärtig die Gemäldegallerie In einem Verein zu Gramsch üb( Schlesien) war bei der Henry Vever 3 versteigert. Die Sammlung enthält Meister Wahl der Vorstandsmitglieder ein Zettel abgegeben worden, auf werke der Kunſtſchule von 1830 und die beste Cammlung der dem zu leſen ſtand:" Ihr seid alle Gjel." Folge: Großes Geſchrei, Impreffionisten. Der erste Auktionstag trug 770 000 Franke ein. heftiger Lärm. Mehrere Mitglieder erklärten ihren Austritt. Den höchsten Preis erzielte eine Flußlandschaft von DauIn Ostrit( Kgr. Sachfen) fam ein Arbeiter mit der Hand bigny. Ein Amerikaner bezahlte dafür 78 000 Franks. in den Kalander( Appreturmaschine), wodurch der Arm und schließlich Nicht weniger als 12 Corot, größtentheils Landschaften gelangten der ganze Körper zwischen die Walzen hineingezogen wurde. unter den Hammer, darunter mehrere der kleinen Ansichten aus der Umgebung von Rom, die man auf der Weltausstellung von 1889 in dem Saale der Meisterwerke des Jahrhunderts" sehen konnte. dann aber auch Erzeugnisse der späteren Epoche. Für eine Tränke" wurden 32 000, einen„ Steilen Weg" 27 800, Ville le d'Avry" 35 000 Frants bezahlt. Ein Frühstück" von Meiffonier, ein 16 cm hohes und 12 cm breites Panneau erreichte die Höhe von 72,000, ein„ Rekognoszirender Offizier" 94 100 Franke. Der Kazin waren ebenfalls mehrere vorhanden. Obwohl der Künstler noch lebt, wurden feine Landschaften zu hohen Preisen erstanden. Weniger gut erging es den Stulpturen von Rodin, Carries, Dalou, Barye, die fast alle unter dem geforderten Preise zurückblieben. " Ide Ein schweres Schwungrad zersprungen ist in dem in Kalt bei Köln gelegenen Bandeisen- Walzwerk von Felser ut. Ko. Die Eisenstücke durchschlugen das Dach und verwundeten mehrere Personen. Zwei Arbeiter wurden durch ausströmenden Dampf schwer verbrüht. Bei dem Brande der Mineralöl- Raffinerie in Czechos wi( Desterreichisch- Schlesien) wurden 31 Personen theils schwer, theils leicht verlegt; eine Person wurde getödtet, zwei werden vermißt. Schlieben Rotenburg verhaftet. Er hatte in Desterreich ( Karlsbad) in Zeitungsgründungen gemacht und geschwindelt. Zwei Araber fanden in der Nähe des Schießplages von Oran( Algerien) eine Granate und wollten sie öffnen. Das Geschoß explodirte und zerriß die Leute in Stücke. Schlie Bürich burde ber ehemalige beutfche Difizier von 350 1819 Kunstgewerbe.de Orientalische Fayence Industrie. Man schreibt der„ Nordd. Allg. 3tg.": Ju Kutaia, einer von Konstantinopel eine Ju Cantazaro( Italien) stürzte bei einer Leichenfeier Lagereife entfernten Station der Anatolischen Bahn, arbeitet seit plößlich der Fußboden ein. Von den 100 Anwesenden wurden undentlichen Zeiten die Fayence- Industrie in einer durchaus voll- drei Frauen getödtet, mehrere andere Personen verwundet. endeten Weise. Die Erzeugnisse sind die schönsten des Orients, leider Eine Pferdebahn wird jezt auch zu den Pyramiden aber verschwinden diefelben immer mehr vom Markte, und die im gebaut. Orte ansässigen Handwerker vermögen der Nachfrage von Kunst- Das Kind seiner Tochter und seine Frau angeschossen liebhabern nicht mehr zu genügen, da sich die Zahl geschickter Ar- und dann sich selbst die Gurgel durchgeschnitten hat in Eter beeck beiter täglich verringert, und, weil die wenigen, welche fich noch( Belgien) ein Stellmacher. Grund: Familienzwiftigkeiten. mit dieser Industrie befaffen, in der Farbenzusammenstellung- Ju Lodz( Russisch- Polen) wurde eine Engelmacherin" nicht mehr den feinen Geschmack bekunden, wie dies früher bei in Haft genommen. Es war eine Hebamme. Sie hatte in den älteren Erzeugnissen der Fall war. Wie Kenner dortiger Verhält legten drei Jahren zehn Kinder, die ihr zur Erziehung übergeben niffe behaupten, würde sich ein Vermögen erwerben lassen, wenn worden waren, verhungern lassen. E man wieder Gegenstände herstellen könnte, wie sie fich z. B. als„ alte Rutaïas" in Ronia allerdings sehr spärlich vorfinden, aber durch ihre Größe wie Ausführung imponiren. Erst kürzlich gelang es einem franzöfifchen Kunstliebhaber, an Ort und Stelle einen Fayence- Ofen heimlich für 20 000 Franks zu erwerben. Alle Vorbedingungen für 20000 erwerben, abe bie weitere Entwickelung dieser Industrie sind vorzüglich, und das in und um Kutaïa vorhandene Material geftattet die Herstellung geradezu unzerstörbarer Erzeugnisse. Noch heute findet man in Kleinafien Provenienzen aus Rutaia in den bizarrsten Formen, die feit Jahrhunderten vollkommen unversehrt geblieben sind. In Uruguay( Südamerika) richteten die Heuschrecken ungeheueren Schaden an; 20 bis 50 pet, der Weizenernte sind ver Loren.io Amerikanischer Ton. In einem New- Yorker Blatt lesen wir: Ur- Monster( Ungebeuer) Molt ziert immer noch die Hallen der Justicia. Es ist ein Gaudium, mit anzusehen, wie dieser ausgedorrte Puritaner, deffen richterliche Entscheidungen au höheren Wahnsinn grenzen, überhaupt noch frei herumläujt. Es wäre zu wünschen, daß auch er seine Weisheit im bekannten gepolsterten Zimmer von sich giebt." " Wollte seine Seele aushauchen". In Mel bourne( Australien) wollte sich einer einen Bahn ziehen lassen. Der Arzt gab ihm Kokain. Daraufhin wurde dem Mann so dufelig, daß er zum Schloß des Gouverneurs pilgerte, um, wie er sagte, in deffen Armen seine Seele auszuhauchen". Es soll ziemlich lange gedauert haben, bis er auf der Polizeiftation wieder nüchtern Aus dem Thierleben. distin Einen sonderbaren Gemeindehirten besitzt eine englische Ortschaft in einen alten, zahmen Reiher. Der Vogel führt ganz allein das Vieh in die Ställe zurück, wie der beste Schäferhund. Aber nicht genug damit, ist er von früh bis spät in bie Macht eifrig mit allerlei ähnlichen Verrichtungen beschäftigt. So wurde. Berantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin. 390