Anterhaltungsblatt des Vorwärts 5) Nr. 27. Sonntag, den 7. Februar. ( Nachdruck verboten.) Jakob der Lehte. Eine Waldbauerngeschichte aus unseren Tagen. Von Peter Rosegger. Franz, bleib' daheim! Die Schirmbäume am Guldeisnerhof warfen ihre Schatten; sie warfen solche über die Felder hinab und sogar eine Strecke jenseits der Bergblöße wieder hinan, denn es war schon am späten Nachmittage. Drei Männer stiegen den Feldweg herauf gegen den Hof. Es waren der Sepp in der Grub, der Rodel und der Jakob vom Reuthofe. Sie waren der Verabredung nach zusammengekommen und heraufgegangen, jetzt wollten sie sehen, ob sie Glück hätten. " 1897. mürfelt, das bemerkt ein Bauer nicht. Die alte langweilig tickende Wanduhr hinter dem massigen Kachelofen zeigte schon die siebente Abendstunde. Von den gegenüberliegenden Waldbergen leuchtete das Sonnengold noch so hell zurück und zu den Fenstern herein, daß in der Stube eine grünliche Dämmerung war. Jest tam von der Küche herein eine runde Magd mit feingeflochtenen" Haarzöpfen, freundlichen Augen und milder Gesichtsfarbe. Sie bedeutete den Männern, wenn sie etwa bei dem Guldeisner was zu schaffen hätten, so sollten sie so gut sein und ein klein wenig warten, dann möchten sie ins Stübel kommen. Er sei just aufgestanden. Als die Magd hernach wieder zu ihrem prasselnden Herdfeuer hinausgegangen war, schmunzelte der Sepp, und sein Schmunzeln sagte mehr, als sein Wort: Das ist sie gewesen." Schau einmal zum Fenster hinaus," sagte der Rodel und tastete in die Luft hinein, dort beim Brunnen steht auch Eine!" ,, Richtig!" versetzte der Sepp. Eine säuberer, wie die andere. Diese schwarzen Augen! Die sind schwärzer wie der Teufel!" Und leicht auch gefährlicher!" meinte der Rodel. Und im Garten dort steht auch noch was!" sagte Der Hof bestand in zahlreichen Gebäuden, Ställe, Scheunen, Schoppen, Dreschtennen, Fruchtkästen und zwei Wohnhäuser, alles stattlich und in bestem Stande erhalten. Das eine kleinere Haus, welches schier versteckt unter Kirschbäumen stand, war das Ausgedingstübel, welches jetzt keine Insassen hatte, weil keine Ausnehmer, keine Alten" vorhanden waren. Das andere große Haus, welches faft mitten in dem Krauze der Gebäude stand, aber doch so, daß es mit seinen vielen Fenstern frei in die Gegend aussehen konnte, trug an einer seiner Wände weiße der Sepp. Schußscheiben mit weißem Zentrum; der Guldeisner pflegte auf Scheiben zu schießen, wenn im Revier kein Reh war; und die Scheiben mit den Meisterschüssen nagelte er sich selber zu Ehren an die Wand. Vor diesem Gebäude bleiben die drei Männer stehen, um sich auszuschnaufen und hinzuschauen in das weite Land. Bon teinem Hause in ganz Altenmoos hatte mau eine so weite freie Aussicht, als vom Guldeisnerhof. Ueber die Waldbäume hinweg, die unten den Gesichtskreis engten, konnte von hier aus das Auge auf ferne blauende Berge fliegen, die mit ihren weichen Linien in der Fremde draußen standen. Wenn dort die Sonne aufging, war es ihr erstes, daß sie dem Guldeifuer zu den Fenstern hineinleuchtete in sein Bett, oder in die Kaffeeschüssel, wenn solche schon auf dem Tische stand. So gut hatten es die tiefer unten liegenden Häuser nicht: der Reuthof hatte gar keine Kaffeeschüssel, und ihre saure Milchsuppe mußten die Leute dort des Morgens im Schatten essen, während hier schon der goldene Sonnenschein lag. „ Ein schöner Platz ist's, der da heroben," sagte der Sepp. " Das Getreide wird halt doch um acht Tage später zeitig, als unten bei uns," entgegnete der Rodel. Hingegen ist es schwerer im Körndl", meinte der Jakob. ' s ist alles fester und körniger, was da heroben wächst. Wär's mein, das Gut, ich wollt's nicht verkaufen." Gegenüber dem Hause, am Holzschoppen- Kobel, stand mit versilbertem Halsbande geschmückt, der große schwarze Kettenhund. Er riß nicht an seiner Kette, er teifte und bellte nicht aufgeregt, wie die kleinen Kläffer, die an anderen Häusern hingen, er rasselte nur ein wenig und ließ in gemessenen Zwischenpausen ein würdiges Knurren hören. Die Männer traten nun in das Haus und ohne viel Umstände in die große Stube. Da war niemand. Sie setzten sich an die Wandbank, und der Sepp und der Rodel stopften ihre Pfeifen an. Der Jakob rauchte nicht, er schaute für sich in der Stube umher und dachte: Schöner, als die meinige, ist sie nicht. Aber größer ist sie. Tische stehen hier zwei, weil einer für die vielen Leute zu klein wäre. An der Stubenecke sind die Heiligenbilder nicht anders, wie bei mir. An der Wand bei den Tischen in Lederheftlein herum stecken die Löffel nicht anders, wie bei mir. Nur ihrer viel mehr. Sechsundzwanzig Löffel, und große! Das braucht was, jeden Tag in so einem Haus! Sechsundzwanzig Löffel! und was sie erst mit der Gabel essen! Und mit den Fingern! Und was sie trinken! Schlecht, hört man, wird nicht gelebt beim Guldeisner. Er selber versteht's und seinen Leuten gunut er auch was. Soll unter seinem jungen Gesinde ja viele nahe Verwandte haben, der Guldeisner. Nu, ist recht. " Meiner Seel'!" rief der Rodel, das ist erst die schönste! Salat begießen thut sie. Herrschaft, bei der ihrem Begießen muß es gut wachsen sein!" zu " Ihre Kittel tragen da heroben die Weibsbilder nicht alllang." " Macht aber nichts, haben keine zerriffenen Strümpfe an." " Haben halt gar keine an." " Der Guldeisner hat's gern so, essen mögen seine Weibers leut', so viel sie wollen, aber mit dem Gewand sollen sie sparsam sein, sagt er." Thut's eh leicht, wenn's schön warm ist." Go tratschten sie, auch Männer können es, wenn sie Langweile haben. Der Guldeisner war unverheirathet, wußte die fleißigsten und frischesten Dienstboten in seinem Hof zu versammeln, und so ging die Arbeit allzeit munter von statten. " Das ist halt das Schlimme!" sagte nun der Jakob mit einem schwermüthigen Athemzug. " Was meinst, Nachbar," fragte der Rodel, der Sparsamteit mit dem Gewand wegen?" Wenn er Kinder that' haben, der Guldeisner, rechtmäßige Kinder, er wäre festgenagelt an fein Haus und Grund." So der Jakob. Dann kam die Magd wieder: Jezt könnten sie schon ins Stübel gehen. Jm Gottesnamen!" fagte der Rodel und zwinkerte mit dem einen Auge, das er hatte, packen wir ihn an." Und sie gingen in das Nebenstübel, das voller Sonnenlicht war, weil das große blanke Fenster gegen Sonnenunter gang hin stand. Und wie vornehm eingerichtet! Am Fenster rosenrothe Vorhänge, die an einem Eisenspänglein zum Verschieben waren. An den Wänden, über alten kunstvoll ge= schnitten Schränken, Porzellanfrüge und Teller, gegenüber der Thür ein Spiegel übergeneigt an der Wand hängend, so daß die Eintretenden darinnen ihre eigenen Füße wie über einen schiefen Fußboden herabsteigen sahen. Ferner an der Wand ein paar vielgabelige Hirschgeweihe, ein Schießgewehr und ein Waidmesser. Auf Bett und Stühlen war die grauenhafteste Unordnung, und der Guldeisner saß in Hemd und Unterhose an dem unbedeckten braunen Tischchen und schlürfte just seinen Morgenkaffee, wobei er das Gesicht in die Schale steckte, so daß die Eintretenden von seinem Kopfe nichts sahen als den schwarzen wirren Haarwust. „ Geht's nur her, Nachbarn!" rief er mit schnarrender Als er Stimme noch zuhalb in das Kaffeegefäß hinein. dieses endlich pfusternd auf den Tisch gestellt hatte, sah man den Altenmooser Großbauer von Angesicht zu Angesicht. Auf breiten Achsel saß kurz und dickhalsig ein runder Kopf. Ueppiges verfilztes Haar, blaffes kleines Geficht mit stark So waren sie da und dachten ihr Theil und warteten vorstehenden Wangen- und Backenknochen, buschige Augenin der geräumigen düsteren Stube. Alle Fenster waren ge- brauen, große schwarze und unruhige Augen, plumpe Stumpfschlossen, und daß die Luft in solchem Raume etwas| nase, an der sich die Nüsternflügel weit aufzogen, wenn 106 er in Erregung kam. Das Einzige, was an dem Manne um Regen, zur Mahdzeit um schön Wetter, zum Krautsezen wohlgepflegt war, mußte wohlt der Schnurrbart sein; der wieder um Naß, nachher um Wind, daß das niedergeweikte war so kohlrabenschwarz, daß man ihn für gefärbt hätte Rorn wieder aufsteht; und blüht das Korn, soll Windstille sein, ist halten können, war so dicht und kurzgeschnitten und mit dem der Schnitt, soll die Sonne scheinen, ist im Herbst das WinterScheermesser scharf abgegrenzt, daß es aussah, als hätte der torn im Reim, soll gleich Schnee drauf fallen, ist's im Guldeisner zwischen Mund und Nase ein wulstiges Filzlein Winter zum Holzschleifen, will man Schlittenbahn haben geklebt. Alles übrige war sorgfältig rasirt, was an der sonst alleweil ganz und gar abhängig vom wetterwendischen Herrungefügen und verwahrlosten Gestalt das einzige Anzeichen gott! Ein Narr müßt einer sein!" gab, daß der Mann fein gewöhnlicher Waldbär sei. Er war in der That ein ungewöhnlicher. " Geht's her, geht's her!" schnarrte er mit seiner breiten fast schmetternden Stimme; man merkte gleich, der Mann war gewohnt, scharf in die Welt hineinzureden, ohne die Worte viel zu mustern. " Man tennt sich frei nicht aus," bemerkte der Sepp in der Grub, stehst erst auf, Nachbar, oder gehst schon schlafen." Er stand freilich erst auf, und ein Guldeisner kann die Tageszeiten umkehren wie er will, darüber hat er niemandem Red nschaft abzugeben. Er überhörte also die Bemerkung. Sie sollten die Hosen, Leibeln und Pfaiden von den Stühlen werfen und sich selber drauf setzen, war sein Rath, den die drei Männer sofort auch befolgten. Hierauf griff er, ohne sich von seinen Size zu heben, mit einer langen Hand ins Wandkastel, nahm einen Thonpluzer hervor, schenkte daraus drei Glasstämpchen voll und rief:" Mögt's ein' Schnaps?" " In der Hitze seiner Rede trank er das zweite Gläschen aus. Was Du da sagst, das ist freilich wahr," gab der Jakob bei, vom Herrgott ist der Mensch allemal abhängig." Wenn ich nachher draußen in meinem Schlössel size und Koupons abschneide, da kümmere ich mich den Teufel um Wind und Wetter!" rief der Guldeisner. " Der Rodel neigte sich ein bischen vor:" Darf man fragen, wie viel er Dir geben will?" " Ist kein Geheimniß," versetzte der Guldeisner kurz und bestimmt. Wie es liegt und steht dreißigtausend Gulden fugelrund." Die Bauern schauten sich an. Guldeisner," sagte hernach der Rodel, jetzt hab' ich keine Schneid mehr, daß ich Dir abrathe. Es ist viel Geld!" Ein Narr müßt einer sein!" " Es ist verflucht viel Geld!" Der Jakob legte seine Hand auf den Arm des Guldeisner hinüber und sagte:" Ich rathe doch ab. Nachbar bedent's. Du kannst Dir's halt anschicken, da heroben," sagte nun Wenn Du von Deinem Hochwald einen frischen Lärchbaum der Rodel einlenkend, nachdem er ein paar Mal mit der Hand versehest hinaus ins Thal, mitsammt der Wurzel versetzest, in die Luft gefahren war, als wollte er Fliegen fangen, Du und ihm dort die beste Erden giebst und ben fettesten laßt Dir nichts abgehen auf Deinem Berg, und recht haft. Ich Dung, und Naß und Sonne wie Du willst der Lärch that's auch an Deiner Stell', gunn' Dir's. Du kannst besser leben, baum geht zugrund! Ein Gebirgsbaum laßt sich nicht als wie etwan so ein Kampelherr, der im Land umfährt, um sein versetzen, wenn er ausgewachsen ist, schon gar nicht. Ein Geld loszukriegen, sich damit wohl Bauernhäuser kaufen kann, Gebirgsmensch auch nicht." aber nicht das Ansehen und die Altgesessenheit vom Guldeisnerhof!" " Hei, der Kampelherr!" schmetterte der Guldeisner lachend hervor. " Der Sepp blies von seiner Pfeife rasch nacheinander Rauch aus. Die neueste Lug'," sagte er dann und paffte wieder, die in Altenmoos umgeht, hast sie schon gehört, Nachbar? Wird Dir Spaß machen." " He, Lug? So!" schnarrte der Großbauer. Ja, ja! Sie sagen, der Guldeisner wollt' sein Haus vertaufen, sagen fie." ,, Sagen fie das?" lachte der Guldeisner laut. " " Es wird nicht wahr sein," versetzte nun der Jakob. Warum soll's nicht wahr sein?" schnauzte ihn der Großbauer an. Morgen laß ich einspannen und fahr' nach Sandeben zum Kampelherrn. Ein Narr müßt einer sein!" ,, Nachfahren?" sagte der Sepp, nachfahren wollt' ich ihm nicht. Wenn ich Guldeisner wär, schon gar nicht. So viel ich weiß, ist der Guldeisner noch keinem Bauern und feinem Herrn nachgefahren. Wenn der Herr was will, so wird er schon selber kommen." " „ Ein Guldeisner weiß, was sich schickt," sagte der Groß bauer, erfaßte eines der Gläschen, die er für die Gäste vollgeschenkt hatte und goß dessen Inhalt in seine eigene Gurgel. Jest nahm der Jakob das Wort und sprach:" Nachbar, Du machst Spaß. Deinen Hof verkaufst nicht. Wenn unfereiner Kleinbauer sein klemmiges Gütel weghaben wollt' Gott hüt' mich vor dem Gedanken! es wär' zu begreifen. Aber Du, der in diesem Gebirg seit altersher angestammt beffer und freier lebt, als wie ein Graf, den alle gern haben weit um, dem alles nach Wunsch und Willen geht, vor dem fich ich möcht' sagen jeder Baum voll Achtung neigt und jeder Stein schier selber aus dem Weg springt Du Dein Gut verkaufen, auswandern! Nein, Guldeisner, das ist nicht. Das ist nicht." " " Das ist nicht?" fragte der Großbauer und trommelte mit den Fingerknöcheln auf dem Tisch. Es wird wohl doch schier sein. Ein Bauerngut mag noch so gut stehen, es macht Sorg' und Aerger. Was soll ich mich sorgen und rackern im Gebirg? Ich hab's nicht noth. Ich zieh' mich ins Freifingthal hinaus, hab kein Scherereien mit den Dienstboten und Nachbarsleuten, wo doch alle Augenblicke Einer betteln fommt, der Eine um Holz, der Andere um Kornsamen, der Dritte um Heu oder Stroh, der Vierte um Fuhrwerk, der Fünfte um Handwerker, was weiß ich! Und die Blackereien mit dem Steueramt alle Jahr anders, alle Jahr mehr ohne Ziel und End'. ,, Larifari!" lachte der Guldeisner. Vom Schlechten aufs Beffere, das hat der Mensch noch allemal ertragen. Wenn unsere Buben Soldaten werden und gehunzt von den Obristen, da gefällt's ihnen freilich nicht draußen, das glaub' ich. Der Holzknecht Simon ist auch vierzig Jahre alt geworden zu Altenmoos; jetzt ist er Werksverwalter in der Krebsau. Der verdorrt gar nicht dorten wie ein versetter Lärchbaum, der wird dick und fett und verlangt sich nicht mehr zurück ins Altenmoos. Ein Narr müßt' einer sein!" ,, Wer sich's besser machen kann," sagte der Rodel achselzuckend ,,, ein jeder thut's. Aber gefährlich ist's. Wohl überlegen, Nachbar, wohl überlegen!" ,, Wenn der Guldeisnerhof eine Herrenhube sollt werden, dann möcht's traurig ausschauen zu Altenmoos," sagte der Jakob nicht ohne Beklommenheit. Darauf antwortete keiner etwas. ( Fortsetzung folgt.)] Sonntagsplandevei. So oft wie in diesen Tagen sind schwerlich je zuvor die Worte des sterbenden Attinghausen aus dem„ Tell" zitirt worden. Wohin man blicken mochte, vom Memeler„ Dampfboot" bis zu den liberalen Blättchen im Schwarzwald, überall tauchte ein würdiger Attinghausen auf und predigte mit salbungsvoll beweglicher Stimme:„ Seid einig, einig, einig!" Aufruf. So viel pomvöse Würde, so viel hochgeschwelltes Bathos Ein Stück bezwingender Komik liegt in diesem warmgemeinten und so viel föstliche Illusion. Die Legende spricht von Heerführern und Königen, die auf das Schlachtroß geschnallt wurden, trotzdem sie halb leblos waren und trotzdem man ihre welken Wangen roth färben mußte. So sollten sie noch den Feinden Achtung gebieten und die Ihrigen anfeuern. Ein gleiches faft wagt jetzt der aufs gezäumte Liberalismus. Aber die Zeiten sind vorüber, da derlei Paradeaufzüge auf eine gläubige Menge wirkten. Man lacht über das Greisenhafte, das sich mit jugendlichem Buzz behängt; man lacht über die guten Leutchen, die so thun, als produziren sie hertulische Rünste, während sie mit Hundertpfündern aus Pappe in der Luft herumfuchteln. Wie graufig schön nimmt es sich aus, wenn der alte, bemooste Liberalismus als das mahnende, nimmermüde Gewissen der Bolksfeele dargestellt wird. Auch er ist eine Glocke, die für eine Zeit lang versant. Aber sie beginnt wiederum zu flingen, so meinen wenigstens die armen Meergreife, die den Klöpfel rühren; immer lauter und lauter wird das Klingen, bis es mächtig zufammendröhnt. Jedoch die verstockte Welt von rechts und links vernimmt feinen Sterbenslaut und je emfiger die Glöckner am Werk sind, um so befremdlicher ist ihre müßige Geschäftigkeit, und statt des Respekts, den sie erwarten, wird ihnen Gelächter zum Lohn. Das ist ein niederdrückendes Bewußtsein für einen Rämpfer, Und fortweg die Kümmerniß: im Frühjahr wenn er es erleben muß, daß man ihn feines fraftvollen Haffes 107 Es ist herrlich weit gefommen seit einem Vierteljahrhundert, bei Siegern und bei Besiegten. Und dabei stöhnt man hüben wie drüben über das fulturfeindliche Massenaufgebot der Sozialdemokratie. Alpha. Kleines Feuilleton. mehr würdigt. Was nützt die jugendlichste Renommage, was das und Herr Chauvin schreit sich heiser. Die Herren Bonn mühsamste Bestreben, den Gegner zum Gegenschlag zu reizen? Da und Lothar werden auf einmal Personen von Bedeutung; freilich stehen die weisen Weißbärte bei einander und sprechen zu den weiß Herr Lothar, zudringlich von Natur, von einer Pariser Be tapferen Mannen, die ihnen geblieben waren:" Seht nur, wie sie rühmtheit zur andern zu pendeln und also die Aufregung fünftlich fich aufregen über unsere Einigkeit. Schon werden die Sozial zu erhalten. Die Wortführer der deutschen Kolonie in Paris demokraten puterroth im Gesicht vor Zorn. Hoho! die sollen uns jammern, man möge den bourgeoisen Pöbel von Paris nicht unnüt kennen lernen! Bor Angst versagt ihnen bereits die Stimme!" reizen, und das alles darum, weil ein Schauspieler das dringende Ein tindliches Vergnügen! Gerne mag man es ihnen gönnen! Sie Bedürfniß in fich fühlt, sich zu blamiren. find stets mit Juusionen, statt mit wahrer Waffenmacht ins Feld gezogen. So war es vom Anbeginn bis zum Ende. Die Reaktion saß ihnen auf dem Nacken, und umflammerte fie mit ehernen Fäusten. Sie meinten, das wäre eine figliche Geschichte; das müsse man nicht zu tragisch faffen, daßwerde rasch vorübergehen. So verschwand ihre Daseins berechtigung immer mehr und mehr; und heute flammern fie fich an die vage Hoffnung, die ungezählten Mitläufer" der Sozial demokratie ins allein seligmachende Lager des Liberalismus zurück zu geleiten. Wenn man sich nur entschlöffe, so tuten die Fortgefchrittenen", zur rücksichtslos scharfen Tonart zu greifen. Das führe der Sozialdemokratie die Tausende von Anhängern" zu, die noch nicht Bekenner" seien. Ja, wenn das Wenn und Aber nicht wär', wär' mancher Bauer ein reicher Herr! Welche sonderbare Logit! Man träumt von Einigkeit, die bis in die Reihen der zartesten Wadenstrümpfler reicht, und empfiehlt zugleich rücksichtslose Opposition. Bon trockenen Schleichern erwartet man befeuerten Schwung. Bon bedächtigen Mattern ein scharfes Drauf gängerthum! Drollige Räuze, die Töne vernehmen, die sonst niemand vernimmt, und Dinge nicht sehen wollen, die alle Welt fieht. " " " g. b. Künftlerelend." Sehr gute Freunde waren sie gewesen und dann waren sie Schriftsteller geworden. Der eine aus Anlage und Neigung, der andere aus mangelnder Begabung. Der erste baute troßig auf eigene Kraft und verkam, ging au grunde in tausend kleinen Widerwärtigkeiten. " Der zweite fand bald eine Menge gleichbeanlagter Genossen und wurde, als die Reihe an ihn fam, der ehrwürdigen Sitte jenes Kreises gemäß unter schallendem Tusch der Reklametrompeten auf den Schild gehoben. Nach Jahren als er schon lange der berühmte" Mann war traf er zufällig feinen alten, lieben Freund. Der Aermste war taum noch ein Schatten seines früheren Sch's, geistig wie körperlich Wohl eine Stunde unterhielt sich auf offener Straße mit dem Unbekannten der Berühmte. Und dann ging er tief gerührt Heim und schrieb seine herrliche Novelle: „ Künstlerelend". gebrochen. Seit Jahren schon ist das öffentliche Anklägeramt an die Wortführer der Sozialdemokratie übergegangen. Wo Ueberhebung sich vergriff, wo Unrecht geübt ward, wo die Korruption ihre gierigen Schmußfinger ausstreckt, da flüchtet man in den Schutz der Sozialdemokratie. Was der Liberalismus hier verscherzt. das bringt ihm keine Ewigkeit zurück. Jeder neue Zag bringt hierfür ein neues Beispiel. Ist das nicht ein- Die Hirsche des Fürsten von Plek. Eine im Januar merkwürdiges Symptom, daß selbst Staatssekretär Marschall vorgenommene Wildzählung ergab auf einen Waldbestand von im Parlament das Bekenntniß abgab: wäre er nicht gegen die 11 000 Hektaren: an Hirschen 416 Stück, an Wild 441 Stück, im Unter den Hirschen Machenschaften der Tausch und Lüßow von der politischen Polizei ganzen also einen Wildbestand von 857 Stück. eingeschritten, so hätten nach einer Weile die Sozialdemokraten das befanden sich 2 3wanzig- Ender, 5 Achtzehn- Ender, 15 Sechzehn tompromittirende Material in die Hände bekommen. Diese persön- Ender, 48 Vierzehn- Ender, 65 Zwölf- Ender, 69 Zehu- Ender, 77 Achtliche Annahme eines Ministers ist mindestens sehr charakteristisch. Ender, 49 Fünf- Ender, 5 Gabler und 81 Spießer. Unter dem Wild Der Minister ist überzeugt, daß alle Heimlichkeiten über kurz oder befanden sich 207 Altthiere, 81 Schmalthiere und 153 Kälber. Zum lang der Sozialdemokratie offenbar werden. Ein Rompliment, das Abschuß tamen in den fürstlich Pleß'schen Forstrevieren im Jahre man sich gefallen lassen kann. 1896: an Hirschen 55 Stück, an Wild 74 Stück, im ganzen also 129 Stück. Unter den erlegten Hirschen befinden sich 2 ZwanzigEnder, 5 Achtzehn- Ender, 3 Sechzehn- Ender, 15 Wierzehn- Ender, 43wölf Ender, 6 Zehn- Ender, 3 Acht- Ender, 7 Sechs- Ender, 2 Gabler und 8 Spießer. Unter dem Wild waren 9 Altthiere, Beim Gabler hat jede Geweih 29 Schmalthiere und 36 Kälber. stange zwei Erden. Das Geweih eines Spießers besteht aus zwei einfachen Stangen ohne Rosen. = Wie wird nun der dreimal einige Liberalismus über die Einrichtung, die uns die Normann- Schumann und Tausche schuf, weiter denken? Als durch den Prozeß Leckert- Lützow der grimmige Kampfesmuth erregt war, weil die Agenten der politischen Polizei sich in die Geschäfte der bürgerlichen Presse drängten, da scholl es aus tausend Leitartikeln wieder: Fort mit der politischen Polizei! Man jubelte über die Aufklärung des Herrn v. Marschall, das Auswärtige Amt habe schon seit mehreren Jahren sich der politischen Polizei Ehescheidungs- Fabriken. In Nord- Dakota( Nordamerika) nicht bedient. Im übereifrigen Optimismus glaubte man schon, besteht ein Gesetz, wonach Ehescheidungen auch solchen Personen nun tönne es nicht mehr fehlen, nun habe das Sterbeftündlein dieser bewilligt werden, die nicht eigentlich Bürger des Staates find, Institution geschlagen. Da erleben dieselben Leute, die vertrauens sondern sich wenigstens 90 Tage in dem Staat aufgehalten haben. selig sind, weil sie zu energischer Abwehr zu matt geworden, Jufolge dieses Gesetzes, das die Erlangung der Chefcheidungen be abermals eine Enttäuschung. Sie bleibt uns erhalten, die politische günstigt, hat sich eine förmliche Ehescheidungs- Industrie entwickelt, Polizei. Was sich sonst ändern möge, der Kurs bleibt die für die dortigen Rechtsschmaroßer und Gasthofsbesitzer sehr der alte. Was immer aus der Thätigkeit feiler Agenten vom gewinnbringend ist, da aus allen Staaten, in denen die Erlangung Schlage der Normann- Schumann und ähnlichen Gelichters bekannt von Ehescheidungen erschwert ist, ganze Rarawanen ehemüder Pergeworden fei, am System wird nicht gerüttelt. Die Stüßen der Ge- sonen nach Dakota pilgern. Auch der Staat New- York stellte bisher sellschaft können nicht ruhig leben ohne das fürforgliche Walten der seinen reichlichen Zuschuß zu diesen Freiheitskandidaten. Jetzt hat politischen Polizei, und die eifrigsten Vorfämpfer dieser Gesellschaft ein Richter des Staates New- York entschieden, daß derartig erlangte haben sich bei Leibe nicht über den Schmutz empört, der im Prozeß Ehescheidungen in New- York nicht anerkannt werden könnten. des Lützowers vorkam; sie haben nur über die Schädigung des AnTheater. sehens der politischen Polizei gejammert, und im Reichstag dasselbe Klagelied vorgebracht, Sie werden erleichtert aufgeathmet haben als es hieß, das System selbst bleibt erhalten. Sie ist unser, die politische Polizei. Mutterrechte," heißt ein neues Schauspiel von Amalie Weber, das am Freitag im Berliner Theater zum ersten Male aufgeführt wurde. Das Stück ist Frauenarbeit im schlimmen Unsere übernervöse Bourgeoisie hat in ihren wehen Schmerzen Wortsinn, verlogene Novellistik aus dem Familienblatt aufs menigstens einen Trost: Sie hat Leidensgenossen allüberall. Der Theater gebracht. Die Handlung spielt in Westpreußen. Da giebt Zug fürs Große, fürs Wesentliche geht verloren; und tausend es noch Müllergesellen, die für ihre Herrschaft" durchs Feuer Kleinlichkeiten schaffen den nervös Ueberreizten Bein. Es ist manch- gehen; da giebt es sonnige Frauen"," die wie Feen durchs Leben mal verblüffend, um welche Albernheit die Bourgeoisie in Aufregung tänzeln, und ihnen fliegt die Liebe der Menschen nur so zu. Widrig geräth. Die Chronik der Thorheiten verzeichnet ihr jüngstes Stück ist dieser Liebessyrup, den Frau Weber uns dickflüssig bot. lein in Paris. Dem ehrgeizgeplagten und reklamewüthigen Dagegen giebt es liebesfarge Weiber, die müssen ewig in der Ecke Schauspieler Ferdinand Bonn fällt es ein, im Verein mit stehen und auf Erbsen knieen. Solch' Weib ist die Müllermeisterin, einem schlechten Musikanten, dem Schriftsteller Rudolf die Döre. Deren Schwester, Evchen, Schön- Evchen" genannt, hat Lothar in Paris ein Winkeltheater zu pachten, um den einst Dören's Gatten für sich gewonnen und als Schön- Evchen zu Parisern deutsche Dramen vorzuführen und die glorreiche Falle tam, hatte Döre deren Kind zu sich genommen und für das Kunst Ferdinand Bonn's hell erstrahlen zu lassen. Man ihrige ausgegeben. Evchen mußte aber in die Fremde, und Döre's follte meinen, über derlei Dinge zerbrächen sich leidlich ver- Gatte hatte sich aus Gram im Teiche ertränkt. Nach 16 Jahren nünftige Menschen nicht den Kopf. Ja, wenn die Bourgeoisie fommt Schön- Evchen zurück und sieht ihr natürliches Kind wieder, Empfindlichkeit nicht wäre. Die macht aber aus einem Unter das die Sonnennatur geerbt hat und Tanz- Elschen heißt. Im Nu nehmen, wie das der Herren Bonn und Lothar, eine Hauptaktion. fliegt des Kindes Herz der wahren Mutter entgegen, und die PlegeStatt die beiden eitelgeschäftigen Leute mit einem Lächeln abzu- mutter unterliegt in ihren Rechten. Warum ist sie auch keine Sonnenfertigen, entbrennt eine große langwierige Erörterung darüber, ob natur? " = es angebracht sei, daß eine deutsche Schauspielertruppe nach Paris Der efle Brei gefiel außerordentlich, und Frau Weber durfte ginge, oder ob das nicht als Provokation aufzufassen sei. Ernste sonnig lächelnd sich vielfach vor dem kongenialen Publikum vers Männer gaben in Leitartikeln hierüber ihre Meinung, in beugen. in beugen. Die taube Döre spielte Frl. Pofpischill, die neckischen literarischen Zeitschriften von Ansehen wird darüber debattirt, Bauberweibchen wurden von Frau Prasch- Grevenberg und Frl. 108 Kunstgewerbe. Schroth gegeben. Schade um den Mann, der sich in diese Frauen-| einer Schiene hinauf- und herunterbewegt. Die Passagiere siten in gesellschaft mengte. Es war Herr Kraußneck, dessen kernige einer Gondel, durch die ein Seil geht, das mit der Laufvorrichtung Schauspielernatur wenigstens einen gefunden Ton in dies Zirpen, in Verbindung gebracht ist. Die Gondel hat in der Mitte eine Piepsen und Greinen brachte. große runde Deffnung, sodaß, wenn der Ballon seitswärts zu stehen tommt, immer noch die Gondel senkrecht unter dem Ballon hängt. Die Führung der Laufvorrichtung, an die der Ballon gefesselt ist, ist - Farbenphotographie. Von zwei Seiten, so wird derart konstruirt, daß sie sich niemals von der Schienenleitung der„ Boff. 3tg." geschrieben, wird gemeldet, daß es endlich gelungen treunen kann. An dieser Laufvorrichtung befindet sich eine Doppelsei, den Stein der Weisen der Photographen, die Farbenphotographie bremse, welche bei Berg- und Thalfahrt genau funktionirt und den zu entdecken. In der Dezember Nummer des Optical Lantern Ballon überall auf eine geringe Entfernung zum Stehen bringen Journal" giebt ein Artikel Auskunft über die von W. Bennetto fanu. Um ein größeres Hin- und Herschwanken zu verhindern, in New Quay, Cornwall, gemachte Erfindung, die es ermöglicht, bekommt der Ballon einen starken Auftrieb. Die Kraft der mittels einer gewöhnlichen Laterna magica auf ein Zuch farben- Luftströmungen wird bis auf ein Zehntel reduzirt da reiche photographische Bilder- Landschaften, Seebilder, Fische, durch, daß erstens der Ballon rund ist und zweitens sich Vögel, Laubwert 2c. zu werfen. Die gegen das Licht gehaltenen um seine eigene Achse drehen kann, weil der Wind strichPhotographien zeigen deutlich schon die natürlichen Farben. Sie weise weht, also nicht überall den gleichen Druck ausübt. Hierzu wurden nur 1/2 Minuten lang dem Licht ausgesetzt, und die im tommt noch die Auf- und Abbewegung durch die Spannung und Frühjahr aufgenommenen nur 16 Sekunden. Das Verfahren ist die Pendelbewegung. Auf der Laufvorrichtung befindet sich ein natürlich noch ein Geheimniß, aber da eine Gruppe von Finanz Wasserbehälter, der während der Fahrt durch den Aeronauten ge= männern die Erfindung gekauft hat, darf man annehmen, daß es öffnet werden kann, falls der Ballon mehr Auftrieb gebrauchen wenigstens kaufmännischen Werth hat. Ueber ein zweites von sollte, was auch nothwendig ist, da die oberen Luftschichten Villedieu Chassagne in Paris entdecktes Verfahren giebt immer dünner werden. Der Ballon selbst ist nicht vollSir Henry Trueman Wood in einer Zuschrift an die„ Times" Aus- ständig mit Gas gefüllt, da abnorme Witterungs- Ver. funft; zwar ist es ihm nicht möglich, über die Zusammensetzung der hältnisse eintreten fönnen; außerdem besitzt der Ballon ein Salze, mit denen die Gelatinplatte behandelt wird, Mittheilung zu Sicherheitsventil, das bei stärkerem Drucke sich von selbst öffnet und machen, denn das ist ein Geheimniß. Das Positiv, das genau wie das Gas entweichen läßt. Ferner befindet sich vor den Augen des eine gewöhnliche Aufnahme aussieht, wird mit drei farbigen Lösungen, Aeronauten ein Manometer, das den ständigen Gasdruck anzeigt, blau, grün und roth, gewaschen und nimmt der Reihe nach die was ersteren in die Lage versezt, im Nothfalle ein separates Ventil passende Farbe an. Das allgemeine Aussehen des Bildes ist das zu öffnen. Neben dem Manometer befindet sich noch ein Krafteiner bemalten Photographie, aber wenn man es unter einem starken meffer, der die Kraft des Auftriebes genau angiebt. Die eifernen Vergrößerungsglas betrachtet, sieht man, daß die Farben den Traversen, auf denen die Laufvorrichtung fährt, find solid im Felsen Umrissen in einer Weise folgen, die Handarbeit ausschließt. Herr verankert oder je nach den Terränverhältnissen durch kundige Fach Chassagne hat im Rings College eine Probe seines Verfahrens ge- leute befestigt. Die Thalfahrt wird durch die Beschwerung des geben, in Gegenwart des Sir H. T. Wood, des Professors Thomson Wasserbehälters bewirkt. und weniger eingeladenen Gäste. Trotzdem daß das Licht außer ordentlich schlecht war, wurden ein Blumenstrauß, eine bemalte Vase und ein indischer Metalltopf aufgenommen, und Sir Henry bezeugt, daß die erzielten Bilder die Färbung mit völliger Genauigkeit zeigten, drückt sich aber über den wissenschaftlichen Werth des Ver fahrens behutsam aus. Astronomisches. Humoristisches. Panzerschiff und Hebamme, wie reimt sich das zufammen? Nun, in Dänemark ist unlängst eine der flugen Frauen" durch ein Panzerschiff herangeholt worden. Auf dem Inselchen Bogö im Kleinen Belt bedurfte eine Frau dringend einer solchen Helferin. Der Weg nach der nächsten Stadt, Assens auf Fühnen, woher Madame" fommen sollte, war aber durch Eis ver sperrt. Was thun in dieser Verlegenheit? Man telegraphirte an das Marineministerium in Kopenhagen, und dieses willigte ein, daß das in der nahen jütischen Stadt Kolding liegende Panzerschiff sich nach Affens begebe, um der unentbehrlichen Frau den Weg durch das Eis nach Bogö zu bahnen. Vermischtes vom Tage. - Schön gesagt. In der Budgetkommission sprach neulich ein Redner, den wir aber lieber nicht nennen wollen davon, daß auch bundesrathfeitig mit staatsrechtlich ungewohntem Waffer getocht" werde. -Die Forstbeamten im Riefengebirge sind mit norwegischen Schneeschuhen, Sti's, ausgerüftet worden. Manche Wild- und Holzdiebe verstehen aber auch schon, mit diesen Dingern - Der abendliche Sternenhimmel. Man schreibt der Franks. 3tg.". Der abendliche Sternenhimmel bietet gegen wärtig einen herrlichen Anblick und die feltene Gelegenheit, drei der großen Planeten zu gleicher Zeit zu sehen. Um 8 Uhr abends hat man Venus mit ihrer blendenden Helligkeit gerade im Westen, wo sie bis gegen 10 Uhr zu sehen bleibt. Wendet man gegen Venus den Rücken, so erblickt man ihr gegenüber in etwa derselben Höhe im Osten einen fast ebenso hellen Stern, den Planeten Jupiter, dieser ist eben aufgegangen und bleibt für die ganze Dauer der Nacht sichtbar. Er steht im Sternbilde des Löwen und der rechts von ihm befindliche Stern erster Größe ist dessen Hauptstern Regulus. Stellt man sich nun so, daß man Venus zur Rechten und Jupiter zur Linken hat, also gerade nach Süden sieht, so findet man auch wieder in derselben geringen Höhe einen Stern, der nun wieder ein wenig schwächer als Jupiter ist, aber die Sterne seiner Umgebung doch weit überstrahlt. Dies ist indeß nicht der dritte zu laufen. der am Himmel fichtbaren Planeten, Mars, sondern der hellste Stern des Fixsternhimmels, Sirius. Um auf Mars selbst zu tommen, erheben wir jetzt den Blick durch das große und reiche Sternbild des Orion, das die Form eines Kreuzes in seinen 5 hellsten Sternen darbietet, nach rechts oben. Dort finden wir nicht weit von einander zwei Sterne, die nicht in der weißen Farbe der anderen Sterne leuchten, sondern roth find. Der Stern rechts ist der Hauptstern im Sternbild des Stiers, der Aldebaran, der links stehende aber der Planet Mars. Wer von Abend zu Abend den Sternenhimmel betrachtet, wird legteren als planeten auch bald daran erkennen, daß er sich nach links in Bewegung befindet. Es find genügend helle Fixierne in der Näbe, gegenüber denen sich die Bewegung des Planeten gut verfolgen läßt. Bergbau. Das älteste Bergwerk der Welt befindet sich nach den Forschungen des französischen Gelehrten de Morgan in Afien, und zwar auf der Halbinsel Sinai. Nach den Angaben des genannten Forschers befinden sich im Sinai- Gebirge Kupferbergwerfe, die noch vor 3000 Jahren in Betrieb gewesen sind, nachdem sie etwa 4 Jahrtausende lang ausgebeutet worden waren. Ihre Ab tenfung fällt ungefähr in das sechste Jahrtausend vor Chrifti Geburt, weshalb diefe Kupferminen mit recht als das älteste Bergwerk der Welt anzusehen sind. Nach den von de Morgan mitgebrachten Erzproben konnte festgestellt werden, daß die Hüttenvorgänge behuss Metallgewinnung zu jener Zeit den heutigen ganz gleiche waren, und daß ferner der Kupfergehalt der Sinai- Erze sehr gering war. Technisches. Gine aerostatische Bergbahn haben die Grazer Ingenieure Brackebusch und Volderauer erfunden und konftruirt. Dieses Bergbahnsystem besteht in einem Ballon eaptif, der sich auf - Ein Post beutel mit 40 000 art ist in Sig= maringen abhanden gekommen. Fromme Wirthe. Die 32 Wirthschaftsbesitzer in der Fichtelgebirgs- Pfarre Marienweiher haben dem dortigen Pfarrer thatsächlich die Zusage gegeben, an Sonnabenden oder VorChristbaumverloofungen u. f. w. mehr abhalten zu lassen. abenden von kirchlichen Festtagen feine Bälle, Konzerte, Kränzchen, Marien weiher ist Wallfahrtsort, der Pfarrer vermag die Wallfahrergroschen su dirigiren. Daher die Frömmigkeit der Wirthe. 1 Hat Muth. Fräulein Dr. med. 3ürcher, die bereits in Bern und in Dresden praktizirt hat, siedelt nach Abessynien über. - Belgrad( Serbien). Der Haiduk Crkitsch, der wegen zahlreicher räuberischer und politischer Morde angeklagt war, ist zu= gleich mit fünf Gendarmen entflohen. Die südafrikanischen Diamantengruben haben im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte Edelsteine im Werthe von 379 Millionen Dollars ergeben. Davon sollen sich zur Zeit noch in Händen der Minenbefizer und Juwelenhändler Steine im Werthe von 80 Millionen befinden, sodaß für rund 300 Millionen Dollars„ unters Bolt" gekommen sind. Von den Chinesen. Den hohen chinesischen Beamten Zivil sowohl wie Militär follen 30 Prozent vom Gehalt als Beisteuer zur Abtragung der Kriegsschulden abgezogen werden. werden nicht so leicht mehr zum Kriege rathen. Hungersnoth in Indien. In den Zentralprovinzen effen eine Menge Leute das rohe oder nur theilweise gefochte Fleisch der Thiere, die europäische Sportleute erlegt haben. Wie ein Bericht sagt, fämpfen die Leute wie Raubvögel um die Leichen dieser Thiere. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin.