Mnterhaltungsblatt des Horwärts 3tr. 29. Mittwoch, den 10. Februar. 1897. iNachdrucl virboten.) 7) dev Uctzte. Eine Waldbaueriigcschichte aus uuseren Tcigcn. Von Peter Roseggcr. „Ihr Nltenniooser Bauern seid Trotteln!" mit diesem schönen Wort grüßte er den arbeitenden Mann. „Auch so viel, Herr Waldmeister!* dankte der Dreisam. „Gescheiter iväre es freilich, alleweil im Feiertag' umzugehen mit der Büchsen und sich das Futter von anderen Leuten bringen zu lassen, als selber sein Brot mit harter Müh' aus dem Boden zu graben." „Korn batien, das ist dumm," belehrte der Waldmeister, „seit durch's Land draußen die Eisenbahn geht, könnt Ihr Berg- dauern im Getreidebau mit den Ungarn und Kroaten nicht mehr konkurrireu." „Die Kroaten wollen wir auch nicht kuriren," verdrehte der Dreisam,„wir wollen unseren Magen kuriren." „Viehzucht!" rief der Waldmann,„Viehzucht müßt Ihr betreiben." „Ja, und Ihr versagt uns dafür die Hochiveiden!" „Ten Pflug in Scherben schlagen. Das Korn kaufen. Brauchst keine Dienstboten. Das Gras wächst von selber aus dem Boden." „Schau", meinte der Bauer so halb für sich und stützte sich breit ans seinen Haustiel,„das wissen meine Ochsen besser wie der Herr Waldmeister. Die Ochsen wollen kein Gras fressen von einer Trift, die jahraus jahrein nicht umgebrochen wird mit dem Pflug, und nicht manchmal Hafer oder 5korn darauf angebaut. Die Ochsen sagen, so ein Ocdgartgras wäre sauer und voller Moos. Nun, dem Herrn schmeckt's vielleicht besser." „Mein lieber Bauer", versetzte der Waldmeister nun in sehr höflicher, aber sehr überlegener Weise,„wenn Ihr über Landwirthschaft mit m i r reden wollet, da müßt Ihr ein wenig weiter in der Welt herumgekommen sein, als von Altenmoos bis Sandeben. Ein wenig weiter, meiit lieber Bauer!" „Glaub's schon," versetzte der Dreisam,„daß der Herr recht weit gelaufen ist." „Gott sei dank, ja. Ich bin an einem einzigen Tag weiter gekommen, als so ein Waldbauer sein Leben lang springt!" Dachte sich der Dreisam: Mit dem ernsthaft zu streiten, ist mir zu dumm. Er schaukelte sich auf seinem Haustiel und warf plötzlich das Wort hin:„Weiter, als der Herr Wald- meister au einem Tag laufen kann, weiter ist mein Bart schon gewachsen." Wie das gemeint sei? „Nicht schlecht. Wetten wir eins miteinander, Herr, mein Bart ist länger gewachsen, als er an einem Tag laufen kann!" „Ist ein Unsinn!" sagte der Waldmeister. „Gilt's?" rief der Bauer.„Abgemacht. Am Sonntag beini Steppenwirth unten nicssen wir. Mit Zengcnschaft, Herr Waldmeister! Zehn Maß Unterländer, wenn's dem Herrn nicht zu viel ist?" „Zwanzig Maß!" schrie der Waldmeister,„abgezapft muß er einmal werden. Euer Uebernmth." „Vielleicht zapfen wir auf dreißig Maß," meinte der Treisam. „Gut, ans dreißig? schrrr gut!" schnarrte der Oberförster. „Am nächsten Sonntag beim Steppenwirth. Und jetzt adieu, Bauer. Es thut nur eigentlich leid." „Was thut leid?" fragte der Dreisam. „Leid thut es mir, daß ich das Geld wieder davontrage, welches ich für Euch im Sack Hab'. Bielleicht mag's der Nach- bar Renthofer." „Ja, ist schon recht," sagte der Bauer und grub emsig weiter. Der Oberförster ging davon. Fast nnmuthig packte er einen Fichlenbaum, schüttelte ihn, daß dürre Zapfen herabfielen und knirschte:„So muß man es schütteln, dieses Altenmoos. Was reif ist, fällt, was heut' nicht fällt, fällt morgen. Fest anpacken."— Er ging gegen den Reuthof. Der Jakob war eben dabei, seinen Angerzann, der das Gehöfte umfriedete, auszubessern. Er trieb frische Stecken je zu zweien in den Boden, legte lange Querstangen dazwischen und befestigte sie mit Weidcnbändern. Er rüttelte nun an einem solchen Steckenpaar und sagte:„Halten mußt!" Da stand der Waldmeister vor ihm. Dieser reichte ihm sogleich biedermännisch die Hand, m welche der Jakob die seine ohne viel Gegendruck legte. Zaun machen, das könne der Reuthofcr, lobte der Ober- förster, indem auch er einmal und mit Kennermiene an den Stecken rüttelte. Und er denke, der Renthofer würde auch in anderen Slücken klüger sein, als manch' anderer Altenmoos- Bauer. „Ja," sagte der Jakob„ich will's probiren und gleich die Gelegenheit beim Schopf packen." „Recht hast," entgegnete der Waldmeister rasch und griff nach seiner Geldtasche. „Ah na," sagte der Jakob abivehrend,„zahlen iverd' schier ich müssen. Um die Viehweide auf der Breitalm, wenn ich wieder bitten dürfte." „Mit dem besten Willen nicht, Renthofer," versetzte der Waldmeister.„Es ist unglaublich, ivas die Vieher de» jungen Baumpflanzungen schaden." „Ich treibe ja keine Ziegen und keine Schafe hinauf," sagte der Jakob,„und die Rinder rühren kein Bänmel an, wenn sie Gras haben. Ehrlich sein, Herr Waldmeister. Er hat's ja selber schon gesagt, daß wir der Hirschen wegen ab- gewiesen werden." „Nun, wenn Du's weißt, wozu noch anfragen?* lachte der Oberförster.„Es ist so, die Ochsen sprengen uns den ganzen Wildstand. Können nichts mehr verstatten. Sei klüger, Steinrcuter, wie Dein Nachbar, der Dreisam, der Narr hat mich mit dem Geldc wieder davongehen lassen. Mußt wissen, ich habe Geld bei mir!" Er solle es nicht verlieren, meinte der Jakob. Ob er es nicht da lassen dürfte? fragte der Waldmeister. „Bedank' mich schön," sagte der Jakob,„wir brauchen keiu's." Der Waldmeister stutzte. Er begriff nicht, wie auf der weiten Welt ein Mensch leben könne, der kein Geld brauche. Ja nicht einmal welches haben wolle! Das müsse doch schon eine ganz verkommene Kreatur sein. Für den Kampelherrn gehe er um, erklärte der Förster. Vorhin sei er auch beini Klachel- Bauer gewesen. Der sei ein kluges Köpsel, der Klachel, und verstehe seinen Vortheil. Dem habe er das Haus abgekauft. „Der Renthof ist nicht seil. Behüt' Gott!" Mit diesen Worten des Jakob war der Mann abgefertigt, der nun kopfschüttelnd wieder seines Weges ging. Ging diesmal aber nicht weit, ging nur ins Hans hinein, wo Maria, die Bäuerin, am Herde stand und das Mittagsmahl kochte. Zum Vorwand nahm er, daß er am Herd eine Zigarre anbrennen wolle, sagte hierauf der Bäuerin einige Artigkeiten über ihr junges gesundes Aussehen. Es wäre erstaunlich, schon so große Kinder nnd noch so glatt beisammen! Na, draußen auf der Ebene erst, wenn sie von harter Arbeit frei wäre nnd sich nichts abgehen lassen müsse, da würde sie erst sehen!— Sie, die Fra«, würde diesmal hoffentlich ver- nünftiger sein als der Manu, der sich eben einmal in den steinigen Boden hinein verbissen habe. Ter Jakob würde sich noch alle Zähne ausbeißen, nnd es sei schade drum. „Bei so was red' ich nichts drein," sagte die Maria,„er wird schon selber wissen,>vas ihm taugt oder nicht." Es seien andere Zeiten, fuhr der Waldmeister unbeirrt fort. Vieh und Hafer werde von Tag zu Tag billiger, Holz habe gar keinen Preis, besonders nicht im entlegenen Alten- moos, die Dienstboten seien kostspieliger und ungeberdiger als je. Früher habe Haus und Grund den Besitzer von dem Soldatenlebcn befreit, das sei nicht mehr. Früher habe ein Bauerngut beisammenbleiben müssen, und härten die Kinder des Hauses ihr Lebtag daran ein Heim gehabt; heute dürfe jedes Bauerngut zerrissen werden, wie man einen Papierwisch zerreißt, der nichts mehr gilt. Dazu die hohen Steuern, nnd wer sie rechtzeitig nicht zahlen könne, dem lasse der Staat das Haus verganten ohne Barmherzigkeit. Früher sei der Bauernstand ein Ehrenstand geivesen, heute mache sich über den Bauern Jedermann lustig, weil er ja wahrhaftig ein Thor war', wenn er es nicht einsehe, daß für ihn die Zeit aus ist. Wenn der Reuthofer— fuhr der Waldmeister in seinen Auseinandersetzungen fort— sein Gütlein verkaufe, so könne er das Geld in die Sparkasse oder auf Werthpapiere anlegen und davon alle Jahre seine Fexung machen ohne Müh' und Sorge. Wolle er sich nebenbei'was erwerben oder wollen es die Kinder, so stünden Eisenwerke und hundert Fabriken in der Welt, wo der Mensch glänzenden Verdienst 'finde. Der Kampelherr meine es nur gut mit den Leuten und gebe ihnen Gelegenheit, das Glück zu ergreifen. Er wolle einen größeren Fleck beisammen haben und zahle die Häuser besser als gut. Das möge sie— die brave Frau— ihrem Manne begreiflich machen. Komme der Kauf zu stände, so lege er, der Oberförster, ihr extra zehn nagelneue Dukaten auf die Hand. „Sagen will ich ihm's schon," entgegnete die Maria,„aber bestechen laß ich nnch nicht." Damit war der Oberförster auch hier fertig. Uebcrlaut ein munteres Liedcl pfeifend, insgeheim über den„dummen Bauernstolz" knirschend, so ging er von hinnen. Als er hinter dem Gehöfte am Moosbarren vorüber- schritt, hörte er sich rufen. Aus der Fensterluke schaute ein schöner, aber verwilderter Knabenkopf. „Lieber Herr Waldmeister!" rief derselbe,„lasse mich aus. Sie haben mich dahier eingesperrt!" Der Oberförster blieb stehen.„Was?" fragte er,„ein- gesperrt? Was hast Du nur angestellt?" „Fort will ich. Bleiben mag ich nicht mehr in diesem Altenmoos. Die Welt will ich sehen. Deswegen haben sie mich eingesperrt. Geh', laß nnch aus!" „Da hört sich doch alles ans!" murmelte der Waldmeister. „Die Jugend versteht ihre Zeit. Mit Gewalt aber wird sie gesangen gehalten in Gebirgswinkeln. Mit Gewalt! Alsdann bleibt sie freilich hocken und rostet ein. Und das nennen sie Heimathsliebe! Hundsfötter sind's!— Bist Du dem Reut- hofer sein Sohn, Kleiner? Gut ist's. Ich will den Kerl so lange würgen, bis er Dich ausläßt." „Mein Vater ist kein Kerl, und dem wirst Du nichts thun! rief der Knabe,„auslassen sollst mich." „Habe ich den Schlüssel?" „Geh nur um die Ecke herum, dort ist die Thür. Die ist auswendig mit einer Kette angehängt. Die Kette mußt Du abhakeln, sonst hast Du nichts zu thnn." Der Waldmeister kam dem Auftrage nach, wie ein Knecht dem Befehl des Herrn. Als er das Kcttlcin los- gehäkelt hatte, wurde die Thür von innen aufgerissen, der Knabe fuhr heraus, rannte dem Oberförster den Kopf an die Beine und lief gegen den Wald hin. Der Herr Oberförster-Oberjäger-Waldmeister war durch den plötzlichen, so unvorhergesehenen Anprall zu Boden ge- siürzt. Als er sich fluchend erhob, um den wilden Knaben zu züchtigen, war dieser freilich schon verschwunden in den Strüppen der Waldschlucht. Ucbrigens ward dem Manne für die Unbill, die er an diesem Tage von den Altenmooser Leuten erfuhr, eine Genug- thuung, noch bevor die Sonne überging. Er war ärgerlich seinen Wäldern zugeeilt und seinen Rehböcken, Hirschen und Anerhähnen. Die lieben Thiere, die sich so brav hegen, jagen und todtschießen lassen!„Und diese kreuzverwindirten Bauern wollen hocken bleiben in den Waldbergen und möchten leben. Wollte man so einem einmal seinen Laufpaß ans den Buckel brennen, was das für ein Geschrei wäre! Wollte nur ich einmal ein Gesetz machen! Ausgepeitscht müßt' es werden, das ganze Bauerngesindel, ans der Gegend, wenn's nicht frei- willig ginge! Bauernwirthschaften! Das könnt' mir ein- fallen! Wie soll da der Wildstand aufkommen! Kostet ohne- hin genug. Anstalt Hirschen— Ochsen, anstatt Jäger— Wildschützen! Das wäre sauber! Glanben denn diese Poppcl, der Herrgott hat die Welt für die Bauern erschaffen? Das wollen wir ihnen anders beweisen, Gott sei Dank!" Solche Gedanken der Entrüstung wurden unterbrochen durch ein Geschrei, das aus dem Waldstuberhäusel drang, an welchem der Waldmeister eben vorübergehen wollte. Die Waldstubcrleute bestanden ich acht Personen, welche an dem kauni zwanzig Joch großen Gütel leben mußten. Da war der Waldstuber und sein Weib, so viel als der Altknecht und die Altmagd, da waren die zwei ältesten Kinder, die schon Jungknccht und Jungniagd abgeben mußten. Das dritte, ein achtjähriges Mädchen, hegte und pflegte die drei jüngsten Kinder, welche im Waldstuberhäusel so recht die Herrschaft spielten, die alles umsonst hatten und thun konnten was sie wollten. Die Waldstuberleute hatten kein gutes Jahr gehabt. Ihre Aecker, die hoch ans dem Berge am Waldrande lagen, waren dem frühen und späten Schnee und dem Hirschenhunger ausgesetzt. Die Kartoffeln, die von solchen Plagen über der Erde geschützt waren, verfielen unter derselben der faulenden Krankheit, der Kohl wurde auf dem Stengel von den Würmern gefressen. Da die Kinder keine Schuhe hatten, so liefen sie barfuß umher draußen im nassen oder bereiften Grase, sie wurden krank, und der Arzt kostete mehr, als die Schuhe gekostet hätten. Die Sache war aber die: der Schuster konnte nicht borgen, der Arzt gab die Medicinen ohne Geld, schickte aber nach Verlauf des Jahres einen drohenden, Zahlung heischenden Brief. So war viele Bekümmerniß im Waldstuberhäusel, aber nun konnte es besser werden. Die junge Feldfrucht stand sehr hoffnungsvoll, die Kinder waren wieder frisch und munter, und ein Holzkohlengeschäft hatte einen größeren Geldbetrag abgeworfen, den zu bolen der Waldstuber eben in Sandeben gewesen war. Froh gestimmt kam er heim, brachte den Kindern Wecken mit und dem Weibe ein Glas Wein mit Zucker und zeigte ihr schmunzelnd auch die mit Fünfguldenscheinen gespickte Brieftasche, welche Scheine nun alle Sorgen dämpfen sollten. Es waren nicht weniger als vierzig Gulden darin. Vor Ver« gnügen knickte der Waldstuber seine Knie ein und duckte sich zusammen, so daß der ohnehin kleine Mann noch kleiner wurde. Znr selben Stunde trat ein„herrisch gcwandeter" Mann in die Stube. Als der Waldstuber ihn sah, fühlte er urplötzlich eine Herzbeklemmuug, denn für den Bauer ist es nie ein gutes Zeiche», wenn ein„Herr" in sein Haus tritt. Der Fremde grüßte kühl, zog den schwarzen Hut vom Kops und trocknete sich mit dem Taschentuch die Stirne, weil ihm heiß geworden war den Berg hinauf. Es war im ganzen Wesen des Mannes etwas wie ein Vorwurf gegen die Wald- stuberleute, derentwegen er an diesem Tage so sehr in Schweiß gcrathen>var. Es währte gar nicht lange, so zog er einen Papicrpack aus dem Sacke und löste von demselben mit kundigen Fingern einen grauen, länglich gefalzten Bogen. „Michael Waldstuber, nicht wahr?" fragte der Fremde leichthin, man wußte aber nicht, fragte er den Genannten oder den Papierbogen.„Für den Waldstuber habe ich etwas." „So," antwortete der Waldstuber,„wär' nur schon recht, wenn ich was lhät' kriegen." Die Kinder, die auf dem Fletz umherkrochen, machten lange Krägen auf den Tisch hin! Die Bäuerin ging in die Küche hinaus, sie ahnte schon, was das kommen würde. (Fortsetzung folgt.) tNachdruil verboten.) *1 Verlassen. Von K. B a r a n l s e w i t s ch. Aulorisirte Uebersetzung. Prov ging ans der Kirche nach Hause. Die schlechte Pelzmütze hatte er in die Stirn gedrückt. Die Augen blickten zu Bode». Seine Kinder konnten ihm nur mit Mühe folge». Pelka, der erst vier Jahre alt war, wäre mehr als einmal zurückgeblieben, hätte ihn seine siebenjährige Schwester Paraguka nicht vorwärtsgezerrl. Sie war selbst' fast auüer Athem, so»lüde war sie, aber sie trippelie noch immer lebhaft weiter, aus Furcht, zurückbleiben zu können. Der Baier achtele auf seine Kinder gar nicht; die Dunkelheit brach herein, es fror stärker, der Wind pfiff unb heulte i» den beeisten Zweigen der Fichte» und Buche». Das Entsetzen und die Angst wuchs mit der Nacht; zeitweise süllle» dicke Thräuen die Augen des kleinen Mädchens und flössen langsam auf die Wangen herab. Diese Thräuen galten der Frau, die sie eben für immer ver- lassen. Armes Mütterchen! Man bat ihre bleichen, mageren Hände im Kreuz über ihre Brust gefallet, hat sie in ein Leichentuch gehüllt, hat ihr eine kleine Krone aus den Kopf gesetzt und sie auf dem Kirchhof begrabeu.�Die gefrorene Erde klang so traurig aus dem Deckel des Sarges! Sie wird sich nie wieder erheben! Sie wird nie wieder zu ihrem Kindchen kommen! Sie wird Paraguka nie wieder herze» und küssen! Sie wird ihr kein hübsches Band mehr schenken und ihr kein Brot mehr geben. Paraguka konnte sich nicht mehr hallen und fing an zu weinen. „Na, was giebt's denn wieder?" grollte die rauhe Stimm« des Vaters. Sie kannte diese groben Laute nur zu gut. Paragnka trocknete schnell die Thräuen mit ihrem Acrmel und ging schneller. „Todt! was bedeutet das: todt?" Diese quälende Frage schoß ihr fortwährend durch den Kops. „Mauika" hatte über Schmerzen geklagt und sich in ihrem Bette unruhig hin und hergeworfen.„Meine lieben Kleinen! meine lieben Kleine»!" hatte sie gerufen; dann hatte sie plötzlich die Augen geschlossen, als wenn sie schliefe und war ganz still geworden... Aber Mamka schlief nicht, sie war todt. Sie wird nie wieder erwachen und sich nie wieder erheben.-- An der Lichtung des Waldes kam ein Muschik in einem Leiter- wagen an ihnen vorübergefahren. Er fuhr langsam, dann drehte er sich wie zufällig um, hielt sein Pferd an und wartete auf Prov und die Kinder. „Du kommst vom Kirchhof, Prov „Ja. vom Kirchhof!" „Sie ist begraben?" „Ja, begraben!" „Die Aermste!... Setz Dich! Ich werde Dich nach Hause fahren!" Unentschlossen blieb Prov stehen. Dann hob er Petka in die öhe, setzte ihn in den Wagen und nahm selbst nebe» Paraguka latz. Das Pferd zog an. „Welch schreckliches Unglück!" rief der Muschik, sich den Hals kratzend und die Mütze über die Augen ziehend; dann peitschte er auf das Pferd los, ohne zu wissen, warum. Prov schwieg und blickte mit düsterer Miene um sich. „Ja, Bruder, es ist Gottes Wille!" sagte der Muschik von neuem und schob mit einer Haudbewegung die Mütze zurechl. „Du willst Hol, hole», Sila?" „Ja, ich will Reisig sammeln. Der Winter ist zu hart, man braucht viel Feuerung." Er steckte seine Pfeife an, that ein paar Züge, spie ans und gab sie dann Prow. „Was seblte ihr?" „Sie hatte es innerlich." „Meine Frau ist auch krank gewesen. Vor ungefähr einem Monat. Ich bin zum Apotheker gegangen, und er hat mir ei» kleines Fläschche» gegeben, davon ist sie gesund geworden." Prov wandle sich ab.„Was erzählt er da?" stand i» seinem Gesicht geschrieben; als wenn der Apotheker dazu etivas könnte!" „Die Kinder sind daran schuld!" sagte der Muschik. „Wieso?" „Wegen der Kinder, sage ich, sind die Babas(Frauen) krank." Prov schmieg.„Es ist wohl eher der Hunger," dachte er bei sich. Sie hatten die Mitte des Waldes erreicht. Rechts und links breiteten große, niit Schnee bedeckte Fichte», ihre Zweige aus. Der Schnee ging dem Pferde bis zum Bauch; und der Wagen sank mehrmals ein. Auf einem kleinen Hügel erschien eine alte, halb zerfallene Jsba. Prov stieg vom Wagen herab, nahm Petka herunter und wandte sich der Jsba zu, nachdem er dem Muschik «inen flüchligeu Gruß zugerufen. Paraguka folgte Hinterdrei».-- Es war düster und traurig in der Jsba. Rur mit Mühe drang das Licht durch das einzige Fenster; in kleine» Strahle» fiel es auf die kleinen Holzstückche», die von dem Sarge abgefallen waren und aus der Erde lagen; an zwei Haken hing eine Wiege.— in der ein einjähriges Kind weinte. Paraguka wiegle das Kleine, doch das Kind schrie noch immer. Die Schatten wurden düsterer. In dem entgegengesetzten Winkel bemerkte man an einem schlecht zusauimengehauenen Tische die hohe Gestalt Prov's. Er saß da, die türme ans den Tisch gelehnt und mit den Fingern in seine» dichten, schwarzen Haaren ivühlend. Sei» langer, schwarzer Bart zeichnete sich deutlich von der weißen Oberfläche des Tisches ab. Seine großen, boshaften Augen waren ziellos in das Leere gerichtet. Woran dachte er? Aus seinem düstereu Gesicht konnte man schwer etwas heraus- lesen. Wer den Waldhüter kannte, konnte ihn sich nicht anders vor- stelle». In der Umgegend nannte»m» ihn: den Manu der Wälder. Und in der That verdiente er nach seinem Lebe», das er fast voll- ständig im Walee verbracht hatte, ohne jemanden zu sehen, diesen Titel mit recht. Alle beklagten die arme PraSkovja, als sie ihn heiratbele und alle prophezeiten ihr ein ebenso kurzes als Unglück- liches Dasein. Und so kam es auch; die junge, kräftige Frau wurde plötzlich, ohne Ursache, krank und starb. Prov war ein großer Trunkenbold; man behauptete, daß er im berauschten Znstande seine Frau dänsig schlüge, und jeder wußte, daß Prov kräftige Fäuste halte. „Schla— a— f, mein Kindlein schlafe!" summte Paraguka und bemühte sich, Waßjuia einzuschläfern. Das Kind schrie»och immer. Prov schlug mit der Faust auf de» Tisch. „Stecke ihm doch etwas in den Mund. Wo ist der Lutsch- beutet?" Paraguka suchte de» Lutschbeutel und fand ihn bald. „Es ist kein Brot mehr darin." Prov zog die Schublade des Tisches auf. nahm ei» letztes Stück Brot heraus und warf es seiner Tochter zu, die sich beeilte, das Brot zu kauen, es in den Lutschbeutel legte und diese» dem Kinde in den Mund steckte. Man hörte i» der Dunkelheit«in gieriges Lutschen. Das Kind schwieg. Paraguka setzte sich aus ihren Scheinet neben der Wiege; das war ihr geivöhnlicher Platz, seitdem die Mutter sich ins Bett gelegt hatte. Pelka legte sich in einem Winkel bei dem Ofen nieder. Tiefe Stille herrschte. Mau hörte nur noch das Knabbern der Mäuse und den Wind, der im Schornstein heulte. Endlich erhob sich Prov, richtete sich zu seiner vollen Höhe auf und warf einen Blick auf die Wiege. Alles ivar ruhig auf dieser Seite. Paraguka schlief jedenfalls; Petka that das gleiche. Nur ging er in den Winkel und nahm den Sarafan(Mantel) seiner Frau, der dort an einem Nagel hing. Der Sarafan war noch nicht allzu schäbig; auf jeden Fall gab man ihm einen halben Liter dafür; ja, er hatte schon lange Durst, und zwar großen Durst. Trinken! Ja, trinken! Daran hatte er schon auf dem Kirchhofe gedacht, aber er hatte kein Geld; jetzt brauchte er nur den Sarafan zu verkaufen, und die Frage war schnell und einfach gelöst. Das waren Prov's Gedanken, als er den Sarafan prüfend hin- und herwandte. Plötzlich schoß ihm etwas unangenehmes durch den Kopf, gerade, als wenn das Gewissen in ihm gesprochen hätte. Er erinnerte sich an die Kinder, die vor Hunger umkamen. Schnell that er eine Bewegung, um den Sarafan wieder an seinen Platz zu hängen; aber sofort kehrte er wieder zu seiner erste» Absicht zurück; rasch, mit einer dumpfen Wuth machte er ein Packet und steckte dasselbe in die Brust. „Aber Brot! es ist ja kein Brot da!" sagte er sich von neuem, als er schon auf der Schwelle stand. Rasch kehrte er um, bückte sich und zog unter der Bank die Schuhe seiner Frau hervor. „Das ist für Brod!" lächelte er in sich hinein. Auf jeden Fall kann sie keiner mehr tragen. Wer braucht sie denn jetzt?... Und die Nacht gehört mir... Es sind drei Werst von hier bis zum Dorfe; die habe ich bald zurückgelegt... Ich will trinke»! Ja, ich will trinken! Aber tüchtig!... Ach, was kümmert mich alles andere!... Doch, ich muß die Kinder einschließe», damit ihnen nichts zustößt!" Er fand das Vorlegeschloß, verließ die Jsba, verschloß sie zwei- mal, und ging, von dem Gedanken, er werde trinken, entzückt, durch die düstereu Schatten der Fichten dem Dorfe zu.--- Ein Strahl des Mondes fiel durch das Fenster. Die Leinen- decke, die über die Wiege gebreitet war, erschien wie ein weißer Fleck. In dem Schweigen der Nacht vernahm man das regelmäßige Athmen der Kinder. Plötzlich fing der Kleine zu weinen an. „Paraguuschka!" rief— so kam es dem kleinen Mädchen im Schlafe vor— die schwache Stimme der Mutter—„Paraguuschka, wiege das Kind!" Paraguka erwachte, setzte sich auf und lauschte... Das Kind weinte. Man hörte nur sein Schreien; kein Husten. keine Seufzer... Sie streckte die Hand nach dem Ueberbett aus und betastete dasselbe; es war leer. Nun eriinierte sie sich... Mamka im Grabe, die Kirche, die Kerzen, der Dust des Weihrauchs, der alte, kleine, graue Pope mit den mageren Händen, und dies gräßliche tiefe Loch... „Todt!" Einen Augenblick fühlte sie sich wie niedergeschmettert, aber der Schmerz war stärker, als der Schreck. Ihre Auge» füllte» sich wieder mit Thränen, und das salzige Naß floß ihr die Wange» herab. Aber vor Furcht, der Vater könnte sie hören und wieder ausschelten, verbarg sie ihr Gesicht in dem Bettstroh und weinte, weinte lange Zeit... Dabei schaukelte sie aber mit einer Hand die Wiege, denn das Kleine schwieg noch immer nicht... Vom Weinen müde, verfiel sie endlich in einen liefen, schweren Schlaf, in dem rasch aus einander folgende Träume sie schreckten. Vl eines Feuilleton. — Aus Kant:„Zum ctvigc» Frieden!"„Daß Könige philosophire». ober Philosophen Könige würde», ist nicht zu er- warten, aber auch nicht zu wünschen, weil der Besitz der Gewalt das freie Urtheil der Vernunft unvermeidlich verdirbt."— ~—„Schiinhcitöbädcr". Reiche, faule Weiber haben in Paris einen Klub gegründet, um ihre Schönheit zu konserviren. Dieter Klub ist eigentlich«in Badeklub. Die Bäder sollen»ach alten, be- rühmten Rezepten hergestellt werden, z. B. aus Eselsmilch, in der sich die Königin Jsabella von Bayern mit Vorliebe badete. Dem Saft von Melonen, Rosenwasser, Mekka- Balsam, den man in die Bäder giebl, rühmt man einen sehr wohlthuenden Einfluß ans die Haut nach, da er diese zart und sammetweich mache. Aromalische Kräuter mit Salz vermischt, � wie es Marie Antoinelte liebte, auch«ine Zusammenstellung von Majoran, Thy- mian. Reis und Gerste, wird man zweifellos im neuen Badeklub zu bereite» verstehen. Gewisse Frauen sind in der Wahl ihres Bades von jeher inehr oder weniger exzentrisch ge- wesen. Marie Czewertinowska. die„Freundin" Kaiser Alexanders I. von Rußland, ließ� jeden Morgen ein Faß Malagawein in eine silberne Wanne schütten; das Bad der Niuon de l'Enclos bestand aus Milch, lauwarme», Regenwasser, Soda, Salz und drei Pfund Honig, und die Madame Tallien, die wührnd der groben Revolution eine hervorragende Rolle spielte, ließ ihr Bad aus 20 Pfund Erd- beeren und zwei Pfund Himbeere» herstellen, die zu einem Brei zer- drückt und dann mit Wasser und Milch gemischt wurde». Diese Bäder werden nun wieder Mode und sollen den Mitglieder» des Klubs je»ach Wunsch geliefert werden.— — Endlich»»ter die Erde gekommen ist die Leiche des HevzogS von Croy. Der Herzog war der Oberfeldherr der Rnsfen in der Schlacht bei Narwa(!70C>). Er wurde gefangen und von dem Schwedenkönig Karl XII. nach Reival geschickt. Hier starb er schon »ach zwei Jahren. Da man auf die Mittel zu seiner„standes- gemäßen" Beerdigung und zur Bezahlung seiner Schulden wartete, wurde der Leichnam in einer Kapelle der Nicolaikirche beigesetzt. Die Leiche wurde Jahrzehnte hindurch als Schaustück gezeigt: sie erschien stets»nvenvest. Der Boden, auf dem die genannte Kirche steht, hat nämlich die Eigenschaft, Leichen in der Weise aus- zutrocknen, daß die äußere Gestalt des Tobten gar nicht verändert wird.— Wie viele Fabeln mögen über diesen„unverwesbareu Herzog" verbreitet worden sein?— — Unterseeische Kabel giebt es auf der ganzen Erde 1300. Jbre Länge beträgt 162 000 Seemeile». Sie haben 800 Millionen Mark gekostet. Drei Viertel der Summen sind vom britischen Kapital aufgebracht worden. Zur Reparirnng der Kabel werden 41 Telegraphenschiffe gehalten.— Theater. —«Die gerechte Welt", Tragikomödie in vier Akten von Neuling gelangt Ende März im S ch i l l e r- T h e a t e r zur ersten Ausführung.— Kunst. — Von Michael M n n k ä c s y, dem unzarischen Maler, den man vor«inigen Tagen als Tobsüchtigen in eine Irrenanstalt gebracht, ist im Nhrsaale der königlichen Akadamie ein Gemälde: „Ecco homo- ausgestellt. Das Bild läßt trotz der vielen Figuren vollständig kalt. Wir glauben nicht, daß der Veranstalter der Ausstellttiig, der so feinfühlig auf das Mitleid spekulirt, das man einem todlkranken Künstler entgegenbringt, auf seine Rechnung lonunen wird.— Geschichtliches. m. rv. ,,E i» s o gefess eltes und beaufsichtigtes Parlament, ohne Rath und ohne Freiheit erweitert, festigt und bestätigt beispiellos, schrankenlos, bedingniigslos die Vorrechte der Krone, anstatt sie zu beschränken. Aber wenn auch das englische Hans der Genieinen in so schimpflicher Weise das Bewußtsein seines Einflusses ans die Verfassung verloren, wenu es ganz und gar seine früheren Käinpfe und Triumphe in der großen Sache der Freiheit und Humanität vergessen hat, wenn es gleichgiltig geworden sein sollte gegen die ursprünglichen Ziele und Interessen, denen es seine erste Gründung verdankt,— so hege ich doch das Vertrauen, daß der diesem Lande charakteristische Muth einem solchen Versuche gewachsen ist, ich hege �as Vertranen, daß das eng- tische Volk ebenso wachsam gegen heimüche Becinflussnng als über offene Vergewaltigung erhaben ist, ich hege das Vertrauen, daß es ebenso bereit ist, seine Interessen gegen fremde Beraubung und Be- schimpfnng zu vertheidigen, als es bereit ist, diese geheime Ver- schwörung gegen die Verfassung zu bekämpfen und zu vernichten." So sprach Fox als englischer Premiermiuister.— Geographisches. — Ein wanderndes Kap ist das Kap Canaveral an der Ostkütze der Halbinsel Florida. Es besindet sich in einer langsame», aber stetigen Beivegung, deren Liichtung und Geschwindigkeit durch fortgesetzte hydrographische Messungen sestgestellt wurden. Es ist ein ständiges Vorgebirge, dessen Gestalt durch die Einwirkung zweier Meeresströmungen, die dort einander begegnen, bestimmt ivird. Da die Stärke dieser Strömungen ivechselt, so unterliegt das Kap, diesem Wechsel entsprechend, gewissen Aenderungen der Form, die oft beträchtlich sind und stets die Tendenz zeigen, das Vorgebirge»ach Süden zu verschieben. Man hat geglaubt, feststellen zu löimen, daß sich das Kap seit der Zeit seiner Bildung bereits um nicht weniger als 50—60 Kilometer nach Süden verschoben hat. Es würde aller Wahrscheinlichkeit nach sich noch heute ans seiner ursprünglichen Stelle befinden, wenn nicht die Ansführnng von Arbeite» an der Küste, welche die Erleichterung der Fortspülnng des Sandes durch die Meeresströmung bezweckten, den Lauf dieser letzteren verändert hätte, wodurch zunächst eine Wanderung des Kaps um etwa 30 Kcko- meter nach Süden erfolgte. Eine neue Aenderung in der Genalt der Küste hat nun kürzlich, wie man dem„Hamb. Korr." schreibt, auch eine Wiederholung der Wanderung veranlaßt, und zwar hat sich das Kap dieses Mal in derselben Richtung nach Süden um weitere 15 Kilometer verlegt, und diese letzte Wanderung scheint ihr Ende noch nicht erreicht zu haben. Das Vorgebirge schreitet noch immer langsam, aber unaufhaltsam südwärts vor.— Aus dem Thierleben. — Die Zucht einer neuen Hühncrrasse beschreibt die französische Zeitschrift«Eleveur". Der betreffende Züchter besaß eine Henne von der Gatinais-Rasse, ganz weiß, mit einfachem Kamm und rosa Füßen, daneben hatte er mehrere Hennen und Hähne einer gewöhnlichen Zwergrasse, die ihm dazu dienten, Rebhnyneier ans- znbrülen. Unter den letzteren befand sich ein Hähnchen mit dopveltem Kamm und blauen Füßen, sonst ganz von weißer Farbe. Dieses paarte er mit der Galinais-Henne. Das Ergedniß war eine bald zwerghafte Nachkommenschaft, die theils blaue. theilS rolhe Füße nnd theils einen doppelten, theils«ine»«infachen Kamm besaß. Der Züchter wollte aber eine Rasse habe», die ebenso klein sein sollte wie zene Zwerghähne, die aber einen einfachen Kamm und rosa Füße besitzen sollte wie die Gatinais. Er paarte nun in der Folge natürlich immer solche Hähne und Hennen mit einander, welche diesem Ideal ain nächsten kamen. Im vorigen Jahre war er schon so weit gekommen, daß die blauen Füße verschwunden waren, und seit diesem Jahre fehlte der Zucht auch bereits in allen Fällen Verdoppelte Kamm. Die gewünschte Spielart war also erreicht und wird bei weilerer Verpflanzung sicher eine fest bestehende neue Hühner-Rasse werden.— Humoristisches. — Bekehrt. Es war einmal ein Bauer. Der konnte sich in der Arbeit nicht genug ihnen. So geizig war er. Wenn die anderen Bauern mit ihrem Vieh schon lange wieder unter Dach und Fart, waren, rackerte der Knicker noch immer draußen umher bis in die sinkende Nacht. Und nicht einmal dem Wetter ging er ans dem Wege. Einmal zog ein schweres Gewitter herauf. Als es zn blitzen und zn donnern begann, jagten all die anderen Bauern nach Hanse, mein Emeran aber blieb auf dem Felde und ackerte ruhig weiter. Da fuhr der Donnerkeil hernieder und erschlug ihn» die beiden Ochse». Jetzt kam ihm allerdings das Zittern, nnd er lief, als hätte er Feiier unter der Mütze. Von der Zeit ai»»var der Emeran vorsichtiger; der große Verlust hatte ihn zn tief getroffen. Im nächsten Jahr ackerte mein lieber Emeran»vieder. Alle fünf Minute» schaute er zun» Himmel empor, ob er noch schön blau sei. Auf einmal bemerkte er droben beim Walde etivas Schwarzes. Und es wuchs und»vuchs, bis es eine schivarze, drohende Geivilterivolke »var. Und schon begann es leise z» brummen. Da fuhr der Zorn in den Bauer. Breitspurig stellte er sich hin, schüttelte die Fäuste der Gewitterwolke entgegen und schrie: „Hau?! Schmeckeil(riechest) halt»vieder a Paar Oechsla? Ich iverd' Dir»vas pfeifen!" Und mit einem Ruck warf er den Pflug hernin und raste nach Hanse.— Vermischtes vom Tage. — Was ,v i l l d e r M a n n sagen. In einem rheinischen Blatt findet sich folgende Anzeige:„Oeffenllichen Dank meine» Lebensretter» Herren.... hier, ivelche mich gestern Abend durch einen unglücklichen Fehltritt in den Mühlenteich von dem sichern Tode des Ertrinkens in so überaus thalkräftiger Weise errellet haben und»»ich zugleich nach so liebevoller That in ineine Wohnung brachten..." — Von einem ,v ü t h e n d e n Stier»vlirde in B ü l o>v ein Ackerbürger aufgespießt nnd gelödtet.— — Eine schöne Sitte herrscht in O b e r b a y e r n im Ge- birge. Jede Woche spannt ein anderer Bauer in der betreffenden Gemeinde seinen e-chlitten an, Holl alle Kinder, reiche und arme, ivelche zur Schule»nüsse», zusanune», und fährt sie hin und zurück.—. — Geht mit der Zeit. In der Stadtpfarrkirche zn Frei« sing(Bayern)»vnrden Plakate folgenden Inhalts angeheftet:„Tie rechtsseitigen Chorstühle sind nur zum Gebrauche für B-amle. Offiziere nnd deren Frauen zu benütze»», eventuell muß sofort Platz gemacht»verde»."— Früher»var bei» katholischen Pfarrer» jeder Kirchgänger recht, jetzt aber scheinen sie aus den Pastoren-Geschinack zu kommen.— — Ein Theil der K l e o p h a s- G r n b e(Kattowitz)»vnrde durch schwimmendes Gebirge verschlännnt. Verunglückt ist niemand.— — Budapest zählt gegenwärtig 612 000 Einwohner. Vor sechs Jahren»vare» es 106 000 weniger gewesen.— — Zermatt(Kanton Wallis, Schweiz) ist durch Schnee- auhäusungen vom Verkehr gänzlich abgeschnitten.— — I» Paris stehen 20 Diebe vor Gericht; in ihren Woh- »unge» hatte man Werthpapiere und Schmucksachen im Werthe von 1 200 000 Franks gesilnden.— — Auch ein Vergnügen. In Bordeaux bat einer unlängst in einen» Theater 60 Stunden lang Guitarre gespielt. Um nicht vom Schlaf« übermannt zn»verde», halte der„Künstler" auf dem Kopfe einen Schwamm, der von Zeit zu Zeit von einem halbe» Dutzend Kellner befeuchtet»vnrde.— — Am 1. Februar ist der Beschluß der Stadtväter Brüssels, der de» Dame» in sämmtlichen Theatern der Hauptstadt das Trage» der Hüte fernerhin untersagt, in kraft getrete».— — Der Nordpolfahrer Nansen sprach in L o n d o n in einer Versammlung von 10 000 Personen. Er erhielt eine speziell für ihn geprägte goldene Medaille überreicht.— — In London regnet es feit einigen Tagen ununterbrochen. Die Themse ist ans ihren Ufern getreten.— — Von der Pest. Der österreichische oberste Sanitäts- rath beschloß, iin Ministerium des Innern die Ausdehnung des Verbot? der Ein» und Durchfuhr gewisser Waaren mls Südasien auk thierische Rohstoffe jeder Art vorzuschlagen.— Der Vize» k ö» i g von Indien hat sein« Genehmigung dazu erlheilt, daß Theilnehmer an der Pilgerfahrt nach Mekka von Madras abreisen. Die Bürger von Madras haben indessen Einspruch gegen diese Ent- scheidung erhoben.— Beranlivortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.