Anterhaltimgsblatt des Worwärts Nr. 40. Donnerstag, den 25. Februar. 1897. (Nachdruck oertoten.) 18] Itakob dev Eine Waldbauerngeschichte aus unsere« Tagen. Von Peter Rosegge r. Als der Jakob nun ans die Hochbloße kam. wo man in die Gräben des Altenmoos hinabsiebt, stand er still. Ueber ihm rauschten die Bäume und über den Banniivipfeln flogen Wolkenfetzcil hin. die uianchmal an die Gipfel, manchmal an die Erde strichen, so daß der Wanderer für Äugenblicke im Nebel stand, durch welchen der Vollmond gar nicht oder als eine kupferfarbige Scheibe zu sehen war. Plötzlich wieder heiterer Himmel, blitzartig blinkte das Licht, scharfe Schatten werfend, bis der Mond neuerdings hinter Wolken flog. Uitd so war es bei diesem vom Winde getriebenen Licht- und Schattenspiel, daß über die dunklen Berge und Thal- gründe niilchige Tafeln flogen, und wo sie einen Fels trafen, oder ein reifes Kornäckcrlein, oder ein Wasser, dort blitzte es ans, bis wieder die Nacht der Wolken lag in der Sommernacht. Ter Jakob stieg durch Lärchenanwachs hinab; wo dieser junge Wald stand, ivar einst des Saudlcrs bestes Kornfeld gewesen. Der alte Sandler ist gestorben draußen zu Krebsan in einem Bretterschuppen. Seine Kinder? Man hört nichts mehr von ihnen. Vom Berge her leuchtete grell ein weißer Punkt. Das war die Ofenmauer, die als letzter Ueberrest vom Guldeisner- Hof stehen geblieben. Dem Guldeisner soll es freilich gut ergchen draußen auf seinem Herrensitz. Ter Jakob kam an die Stelle, wo das Wcgererhans gestanden, hier lagen noch einige modernde Zimnierbäumc, die in der Nacht erneu bläuliche» Schimmer gaben. Der Wegcrer hatte sein Gut um ein Ge- ringcs verschleudert und sich damit getröstet, daß es ihm halt so aufgesetzt geivesen. Jetzt war er zur Sommerszeit Almhalter oben im Rabenbergischen, im Winter litt er Hunger. Er lhnt es seufzend,„es ist ihm halt so aufgesetzt".— Jakob stolperte über einen mit Hollerbusch und Brenuesseln bewucherten Stein- Haufen. Da war des Nachbars Knatschcl Haus gestanden. — So war's in Altenmoos, junger Anwachs, wo Felder und Wiesen gewesen; Steinhaufen, wo die Höfe gestanden. Der Jakob schritt über einen großen Friedhof. Als er endlich zu seinem pause kam, war es schier Mitter- nacht. Es ivar ihm auf einmal fast märchenhaft, daß dieses Haus noch unversehrt dastand, wie vor zwanzig Jahren, als er es von seinem Vater überkommen hatte. Der Ketten- Hund bellte. Der Jakob wunderte sich darüber, denn das Thier erkannte ihn sonst schon von ferne. Als er um die Hausecke bog, sah er, daß ail der Wand der Kammer, in welcher seine Tochter, die Augerl, schlief, ein schwarzer Schatten stand. Der Jakob blickte um sich, welcher Bauuistruuk denn diesen Schatten werfen konnte, doch dieser Schatten bedurste keines Baumstammes, jetzt huschte er vom Fenster weg und davon. — Es gicbt nicht zu wenig, es gicbt am Ende noch zu viel Leute in Altenmoos, dachte sich der Bauer, trat ins Haus, verriegelte diesmal die Thür und ging in die Knechtekammer. Der Luschel-Peterl saß noch auf seinem Bette und besserte bei einer Kerze ein Kleid aus; seine Gicht im Bein, meinte er, sei ihm nun auch schon ans Beinkleid gekommen. Ter andere Knecht lag lang hingestreckt ans dem Strohsack und schnarchte. Nur das wollte der Jakob wisse», dann ging er in seine Stube. Anl nächsten Morgen früh erschien er in der Schlaf- kammer seiner Tochter. Diese war ein liebliches, eben aus- blühendes Wesen. Just im Begriffe aufznsteben, zog sie noch- mals die Decke bis an den Hals heran, strich die dichten schwarzen Haarsträhne aus dem Gesichtlein und blickte mit ihren großen klaren Augen den Vater befremdet an. „Vor mir brauchst Dn Dich nicht zu fürchten", sagte der Jakob,„ich will nur einmal nachsehen, ob Du nicht Zugluft hast vom Fenster her. Nichts ungesunder bei Nacht, als Fcnsterluft! Werden auch ein Gitter machen lassen müssen." „Die Zugluft geht ja auch durchs Gitter'." lachte das Mädchen. .„Aber der Dieb nicht", setzte der Vater rasch dazu. „Ich fürchte mich gar nicht", versicherte die Angerl. „'s ist nicht mehr so wie früher zu Altenmoos", sagte der Vater und thal harmlos,„vor Zeiten haben wir freilich kein Fenstergitter gebraucht, oder eher fürs Hinaus-, als fürs Hereinsteigen." Die schlaue Angerl that auch harmlos und sagte:„Wenn ich im Stübel bin, wer kann denn was stehlen?" Der Jakob sagte nichts mehr. Er hielt dafür, daß man in solchen Dinge» mit den jungen Leuten eher zn wenig als zn viel rede. Er hatte um seine zwei wohlgeartetei» Kinder manch heimliche Sorge. Das Mädel ist allzu sauber ge- worden, man kann's keinem verübeln, wenn's ihm gefällt. Und der Friede!! Schlank und frisch, wie der aufwächst! Der ivächst schnurgerade in des Kaisers Rock hinein. Des Kaisers Rock wäre ja keine Schande und das Heimathland muß Sol- baten haben, daß es sich hüten kann. Aber fortmüssen! So höllisch weit in die Fremde fortmüssen! Den Gedanken konnte der Jakob nicht ertragen; immer hatte er ihn sonst mit einer raschen Handbewegung verscheucht: Dauert noch lange drauf, wer weiß, ob wir's erleben.— Nun war die Zeit knapp vor der Thür und schon rief sie gleichsam: Nenthofer, Du er- lebst mich. Da bin ich. Deinen Friedet will ich baden! Viel muthiger hatte die Bäuerin, die Maria, dieser Zeit entgegen gesehen, denn es ivar ihr unmöglich zu denken, daß es je so weit kommen könne: ihr blonder Friedet im fremden Land unter den martialischen Soldaten! Wenn's aber so weit kommen sollte, so geht sie— das hat sie sich vorgenommen— zun» Kaiser und kniet vor ihm nieder und steht nicht früher auf, als bis er ihr den einzigen Sohn frei- gegeben hat. Daß es außer der größten Macht im Reiche auch noch andere und gefährlichere Mächte giebt, den Sohn der Mutter abspenstig zn machen, daran hatte das gute Weib freilich nicht gedacht. Eines Tages— an einem kleinen Bauernfeiertage— war der Friedet nach Sandebcn geschickt worden, um im Ge- meinde-Amt die Jahres-Grundstcucr zu hinterlegen: denn der Jakob hielt auch in dieser Sache aus Ordnung, obwohl in letzterer Zeit her die Ordnung schwer wahrzunehmen war, denn die Steuer wuchs von Jahr zu Jahr, wurde unregel» niäßig vorgeschrieben und die Posten Haltes allerhand neue Namen. Es waren an diesem Tage auch andere Personen aus Altenmoos auf dem Wege, Mauas- und Weibsleute, aber der Bursche hatte sich ihnen nicht angeschlossen, er ging lieber allein. Die Leute neckte» ihn gern, der Dirndeln wegen, wie das schon so Brauch ist, wenn ein Bauernsohn in die Jahre kommt, wo er an Liebschaften, ja vielleicht gar ans Heiralhen denken kann. Dem Friedet waren solche Neckereien zuwider und er war auch nicht schlagfertig genug, um die Hänseleien gesalzen zurückzugeben, und einen Tappel(ein- faltigen Menschen) wollte er nicht vorstellen. Heule aber hatte er niit seiner Einsamkeit kein Glück. Als er sich auf den Heimweg machte und unterwegs an einem abgepflückten Stetnuclkenstiel kaute, was ihm lieber war, als Tabakrauchen und Schwatzen, wurde er von hinten her angerufen. Die Furchenbauernlochter aus Sandcben. Ein Mädel, frisch wie der Fisch ini Wasser und lustig wie das Vöglein m den Lüften. Gar groß war sie nicht, aber fein rundlich; jener Zimmermann mit dem losen Maul hatte nicht unrecht, wenn er sagte:„Bei der Furchenbäuerischen ist alles mit dem Zirkel gezogen: Das Gesichterl, das Acngerl, das Eöscherl, das Armerl, das Basal."„Wenn nur das Herzerl nicht allzu kugelrund ist," meinten andere,„daß es nicht ctwan von einem zum anderen rollt!" Es wird sich ja zeigen, ob diese Befürchtung gerechtfertigt ist. Der Name, den sie trug, war auch rund,— Jdcrl hieß sie.— Ein feines Mädel! Sie hatte einen weißen Strohhut auf und trug einen Handkorb. Als der Reuthofer-Friedel vor ihr seine Schritte beschleunigen wollte, rief sie ihn an: Was er denn gestohlen habe zu Sandeben, daß er so lause? Da blieb er stehen und schaute freundlich auf das Mädchen her. Insgeheim war ihm: daß es gerade d i e sein nniß! mit der weiß ich schon am allcriveuigste» was zu reden. „Was sagst?' fragte sie ihm zu. Ihre Stimme>var hell wie eui Glöckleiu. „Ich habe nichts gesagt," antwortete er. „Jetzt habe ich geglaubt. Du hast ,vas gesagt," lachte sie, na also gehen wir Zwei einmal miteinander." — 15« „Wo gehst denn hin?" fragte er sie bcscheideutlich. „Nach Attenmoos, wenn ich kunnt," versetzte sie. „In Altenmoos ist's halt nicht mehr lustig," sagte er und faute an seinem Blumenstiel, daß dieser vor der Nase langsam hin und her schlug. '„Muß sein, weil mehr Leut' heraus- als hineingehen. entgegnete das Mädel.„Mußt Dich aber nicht fürchten, daß ich weit mit Dir geh'. Nur bis zum Rechensteg, dort thnt mein Vater holzen und dem trag' ich das Mittagsmahl nach." Dem Friede! war's recht, daher schwieg er. Sie ging keck neben ihm her. „Ist recht," sagte er nach einer Weile. „Na, wenn's nur recht ist," gab sie zurück. Er schielte ans ihren Korb und fragte:„Was hast denn drinnen?" „Ein Guterl," antwortete sie,„ein gutes Gntcrl! Ja heute bring' ich dem Vater sein Lieblingsessen, Schwammsnppe und gesottene Krebsen. Wir haben eine böhmische Teichgräberin und die kann Krebsen sieden." Dem Friede! war auch das recht, daher schwieg er. „Was hast denn Du für ein Guterl(Licblingsspeisc)?" fragte sie den Burschen. «Ich?" fragte der Bursche entgegen.„Weiß nicht." Und schlug mit den Lippen den Blumenstiel in die Höhe. „In Altenmoos muß es ja viel Krebsen geben," sagte das Dirndel,„in Altenmoos gefällt's mir. Dort sollen noch lustige Leut' sein, gelt ja! In Altenmoos möchte ich Bäuerin sein. Aber einen munteren Bauern müßt' ich haben, der kein Stummerl ist. Sonst thät' mir die Zeit lang werden. Gelt, Du meinst auch so?" In der Weise plauderte sie heiter neben dem schweig- samcn Burschen dahin und er dachte: Wenn sie nur immer so fortplaudern möchte, man hört ihr gern zu. Hört sie auf, so muß i ch anfangen und ich weiß nichts. Daß ich bei den Weibsbildern doch gar so dumm bin. Endlich ivaren sie am Rechensteg, wo ein paar Arbeiter mit langen Stangen die Holzscheiter lossticßcn, die vom Ge birge hergcflößt sich in den Rechen geklemmt hatte» und den selben gefährdeten. „Deinen Vater suchst Du?" rief einer der Arbeiter dem Mädel zu,„der ist nicht nichr da, ist mit einem Holzhändler über den Lärchensteig nach Haus gegangen. Dich mögen wir aber schon." „Wenn ich Euch nur auch möchte!" gab sie zurück. Tann blieb sie stehen, schaute den Friede! an und sagte:„Der Vater ist nicht da. Jetzt, was thn' ich mit der Schwammsuppe und mit den Krebsen?" „Die Krebsen gehen eh gern rückwärts," schallte der Friede!. „Wieder heimtragen? Nein, da wird alles kalt und kalter ist's nimmer gut. Ich weiß was. Komm, Friedet, essen wir's miteinander. Jetzt ist's noch hübsch warm." Sie gingen noch eine Strecke fürbaß und dort, wo unter einer senkrecht aufspringenden Felswand der grüne Rasenplatz ist und ein schöner Ahornbauinschatten, dort setzten sie sich nieder und das Mädel packte den Korb aus. «Du hast eh gewiß noch nicht Mittag gegessen, greif' zu!" so lud sie den Friede! ein. „Ah na," sagte dieser gedehnt,„werd' schon daheim was kriegen." „Laß Dich nicht ehren und iß!" sagte sie, jetzt da ist einmal der Schwammsuppcntops, wart', ich halr' ihn auf dem Schooß und klemm ihn ein, daß er nicht umkippt. So, Friedet, da ist der Löffel." „Nachher hast ja D u keinen Löffel," bemerkte er artig. „Das macht nichts, wenn Du genug hast, nachher lang ich zu." «Wenn ich Dir aber nichts übrig lass'," sagte der Bursche und blies endlich einmal seinen Blumenstiel von sich. „Ist Dir wohl vergnnnt. Du brauchst Stärkung ans den weiten Weg." Ter Friede! aß, erst nach einem Weilchen entgegnete er: „Stark wär ich eh." „Und schmecken thut's auch." setzte sie bei. Er leckte den Löffel säuberlich uiit der Zunge ab, gab ihn dem Mädel und sagte:„Jetzt iß aber auch Du." Als sie solchergestalt mit der Schwammsuppe fertig ge- worden waren, that sie den Teller aus dcni Korb, der mit einem weißen Tuche verhüllt war. „Jetzt paff' auf", sagte sie,„jetzt kommt die verdeckte Speis'." Er machte erwartungsvolle Augen und als sie den Teller enthüllte, rief er:„Hundsrothe Krebsen!" „Pack' an!" sagte sie. „Ah na, so Krebsen, die mag ich nicht." „Hast ihrer schon einmal gegessen?" „Na, ich mag' sie nicht." „Lapperl Du, wenn Du ihrer noch nie gegessen hast, wie weißt es denn, ob Du sie magst oder nicht! Geh, probir's, zwick' drein, sonst zwicken sie drein." Sie hatte ihm eine Schere losgelöst, er biß wacker drein. „Je!" rief er,„das Zeug ist ja steinhart!" Sie gab ihm die Anweisung, wie man Krebse ist. Mit den Fingernägeln zerbrach sie die Schale, nahm ein Stück Mark zwischen die Finger, hielt es dem Friede! an den Mund:„Da, Vogel, schnapp' oder stirb!" „Ah nah, sterben nit," schmunzelte der Friede! und schnappte. „Was sagst?" fragte das Jderl. „Gut ist's," sagte er. Hierauf aßen sie mit einander das Krebsenpaar. Als sie damit fertig waren und nur mehr die zerrissenen Schalen herumlagen, wischte sich das Mädel mit der Schürze den Mund und rief:„So, jetzt Hab' ich einmal mit dem Reut- hoscr Friede! aus Attenmoos Krebse gegessen," „Vergelt's Gott!" sagte der Bursche. Sie blinzelte ihn an.„Vergelt's Gott, sagst gleich und fragst nicht, was Du schuldig bist?" „Ich zahl's auch, weil» Du willst!" versetzte der Friede! und griff in seine Tasche. „Wirst doch einen Spaß verstehen, Tschappcrl!" rief sie und zog seine Hand von der Tasche zurück.„Das heutige Krebsenessen wirst mir ganz anders bezahlen, mein Lieber. Heirathen mußt mich." Sie lachte bei diesen Worten, aber er wurde so roth, wie die umher liegenden Schalen waren. Allmälig neigte sich sein Haupt gegen sie und er flüsterte:„Jderl. Dich mag ich schon."_(Forts, folgt.) Münz- Mamen.*) Woher stammt die Bezeichnimg Mark für ein Geldstück? In alter deulscher Zeil ivurde das Geld, d. h. das, woinit man eine erworbene Waare regelt, nicht gezählt, sonder» gewogen. Das mit einer Marke, einem Stempel, einem Zeichen versehene Gewicht hieß „Marl". Später nannte man ei» halbes Pfund Edelmetall eine „Mark" und schließlich bezeichnete man zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orlen mit dem Worte ganz verschiedenartige Münzen. Eine Mark rechnen wir heute ,» 100 Pfennige», und wie viel hundert Mal sprechen wir das Wörllei» P fennig aus und wissen nicht, was es bedeutet! Auch diese Bezeichnung ist uralt. Sie ist so eingebürgert im Vollsgebrauch, daß ie in zahlreichen Znsammcnselzungcn. Redensarien und Sprichwörtern gleichbedeutend mit Geld überhaupt geworden ist, wobei man nur an Bettelpfennig, Nothpfennig, Zehrpfennig, Peterspfennig, gemeinen Pfennig und dergleichen zu denke» braucht. Die Gelehrten sind aber noch nicht so recht einig darüber, woher das vielrollende Wörllei» stamme. Die eine» sagen, es stehe ur- prünglich im Zusammenhang mit„Pfand", die andern meine», es komm« von dem Aussehe» des frühere» Pfennigs, das einem„Pfänn- lein" ähnelte, her, wieder andere glaube» ivohl gar, mau habe der- einst nicht nur den Namen, sondern auch die Pfennige aus kupfernen Psäunlein oder wenigstens in Pfännlei» gemünzt, wie der gemeine Mann die schwarzen Sechser von 170ö„isesielsechser" taufte, weil er meinte und scherzte, die feien ans alte» Kesseln gemünzt, an denen ivohl auch viel uralter Ruß gewesen. Je nach den Münz- und Her- kunfts- und anderen Zeichen gab es dann gar vielerlet Pfennige. Es gab einen„Gontzenpsennig", benannt nach Herzog Gontzo von Schwaben, einen„A-",„Bock-".„Drachen.",„Händlern.",„Kamm-". „Krenz-",„Löwen-".„Posthörnlein.',„Rad-".. Rappen-".„Rauten-" Pfennig»lud mag leicht ein paar mehr gegeben haben. Der genannte„Händlein-Pfennig" war der ursprüngliche Name ur„H ä l l e r". Ueber den Namen bat man auch lange gestritten. Das ältere Geschlecht der Sprach-Gelehrten. das noch nicht so ireng die sprachlichen Formen zurückverfolgen konnte an der Hand der Urkunden und sonstigen Sprach-Denkmnle, wollte ihn durchaus von„halb" ableiten, weil ja so ein Häller wirklich ein halber Zfeuuig war, die man auch„Hälblinge" nannte. Aber es ist jetzt icher, daß bereits seit 1300 ein Häller so viel war als Pfennig von pall. Die Haller Einwohner bekamen nämlich schon früh als rührige Salz- Händler ein Münzrecht, nnd sie prägten die nach ihnen benannten nnd in aller Herren Länder herumkommenden Pfennige doppelseilig. Born ist das Zeichen der kaiserliche» Mstnz. berechtigung. die Schwurhand(Händels- oder Händleins.Psennig). �") Stach einem Artikel der„Köln. Volkszeitung" rückseitig zeigt sich das Ankerkrenz. das mit der Schwurhand»och heule vas Wappen von Schiväbisch-Hall bildet. Aehnlich ist es mit den,„ T h a l e r" gegangen. Das»var ursprünglich eine in Joachimsthal in Böhme» geprägte und ans- gegebene Münze, die dann von anderen Münzstätten ebensalls, naiürlich ohne den Ortsnamen, geprägt wurde. Es giebt aber auch hente noch verschiedene Thaler-Werlhe und Thaler-Nainen. De» bayerische» Bauer» ist ihre„Kronenthaler- Zeil" immer noch als eine Art verlorenen Paradieses in Phantasie lind Gedächtniß, der„bayerische Thaler" war ihnen auch noch recht, weniger befreundeten sie sich schon mit den„Vereins-" und„Konventionslhalern", die sie gleich den heutige» Dreimark- stücken gleichviel welcher Herkunft„Prenjjenthaler" hießen und heiße». Alte„Bergsegensthäler" von Mansfeld, vielleicht auch alte vom Augsburger Bischof, nicht von der Stadt ausgegebene„Ulrichs-", oder„Marienlhaler" ans dem 17. Jahrhundert, liabe» sie vielleicht einmal i» der Hand gehabt, kaum aber einen„Brillenthaler" des Herzogs Julius von Brauuscknveig, oder einen„Treifaltigkeitsthalcr" von Reuß, oder einen französischen„Laubihaler", oder einen Kölner „Ursulathaler", vielleicht nichl einmal einen„Zieichsthaler" aus dem alte» Reich. Ter Name„Heckthaler" wie.Heckpfennig" ist da und dort noch geläufig und man versteht darunter eine„heckende", immer neues Geld bringende Münze. Weniger geläufig ist. beilänsig bemerkt, daß der amerikanische„Dollar" und der deutsche„Thaler" sprachlich sehr nahe verwandt sind. Ter„ G n I d e»" ist süddeutschen Ursprunges. Das Wort hieß so viel als„gülden Pfennig", bezeichnete also ursprünglich eine Goldmünze, und erst jpäler, als man de» Sin» des Wortes nicht mehr faßte, unterschied man Silbergulden und Goldgulden. Auch davon gab es verschiedene Arten, je»ach dem Münzbilde:„Marien-",„Kaisers-",„Horn-",„Räder". Gulden, den„Schwertgulden"(eine kursächsische Münze mit den Kür- schwerter»), den kölnischen„Raddergulden", den vom Volke sogenannten„Coselgulden" von 1706 und 1707 u. s. w.— Das Zeichen für einen Gulden war bekanntlich Fl. Die Sladt Florenz prägte nämlich zuerst diese Münze armo 1252. Auf der einen Seite war Johannes der Täufer, auf der andern eine Lilie mit der Inschrift ITIonzntia. abgebildet. Von diesem Florenti» oder von flore lilii kam daS Zeichen. Man hieß diese tiorirri ä'oro auch AiAlisti, in deutscher Uebersetzung„Liliengulden". Wer den Gulden oder Thaler nicht vermochte, hatte doch noch einen„Groschen" oder„Dreier". Das Wort kommt her vom mittellateinischen Wort xroiisus»nd heißt Dickmünze. Vom II. bis 14. Jahrhundert halle man»ämlich die sogenannten Brakleaten. Das waren nur auf einer Seite gestempelte und so dünne Münzen, daß sich die Fugen des Stempels hier ein-, dort ausgebogen er- wiese», weshalb mau sie auch Hohl-, Schlüssel» und Blech- münzen nannte. Der Student spricht hente noch von„Blech" und „blechen". Im 13. Jahrhunderl prägte die Sladt Tours eine Silbermüuze, den xros toumois, der ganz genau dem römischen Denar, dem täglichen Solde der römischen Fußsoldaten, enlsprach. AuS diesen ging der Groschen hervor, der die Hohl- und Blech- münzen verdrängte. König Wenzel führte sie bei uns ei», indem er in Prag solche prägen ließ, die man dann böhmische Groschen hieß. Auch davon gab es eine Menge Abarten: Engelgroschen, Horngrosche», Johannisgroschen. Judengroschen, Mariengroschen, Nengrosche», Silbergrosche». Hoffentlich habe» sie alle in besserem Rufe gestanden als die E-Grofche» und ihre schlechten Käme- rade», die E-Sechser, die, aus Coburg stammend, um die Milte unseres Jahrhunderts berühmt waren wegen ihrer Nichtswürdigkeit. In der Schweiz nennt man auch heute»och die kleinste Theil- münze eines Franken einen„Rappen". Der Name war aber ursprünglich mchl schweizerisch. Freiburg i. B. prägte im 15. Jahr- hundert Pfennige und andere Scheidemünzen, die man wegen des Rabenkopfcs„Rappen"»annle, denn im Schwäbische» und Alemanni- scheu spricht man Rappe oder eigentlich Rabb« für Rabe. Auch der Name„Batzen" bat sich lange erhalten, und es giebt Gegenden, wo man die Eier noch„batzenweise" verkauft»nd „Halbbahen" schwitzt. Wer denkt bei dem Batzen a» den Berner Bären, obwohl uns der Personenname Betz und der Wirthshansname Betzenwirlh schon auf den rechUn Weg leite» könnte? �Um 1500 Nämlich gab Bern eine geringe, vier Kreuzer werthe Münze aus, die sich nach und nach in ganz Ober- Deutschland verbreitete und auch in anderen Gebieten diesen Namen trug, obwohl da der Bär fehle» mußte. Andere freilich leiten die Bezeichnung von pezzo, piece(Stück) her, von noch iveiterschweifenden Ableitungen zu schweigen.! Die„Weißpfennige", auch„Albus", genannt kamen im 14. Jahr- hundert am Rhein auf. Später nannte man sie„Räder-Albns", als die drei geistlichen Kurfürsten eine gemeinschaftliche Münze aus- gaben, die sie mit einem Kreuz im Zirkel verzierten, daß es einem Rad ähnlich sah. Bon solche» Kreuzen haben dann die„Kreuzer" ihre Name», wie die Sechser, Zwölfer u. s. f. von den entsprechenden Ziffern. In„Dukaten" bezahlte man in der klassischen Zeit die Sckriftsteller-Honorare. Der Normnane Roger II.. Herzog von Apnlien, prägte um 1140 eine Goldmünze mit dem Bildnisse Christi»»d der Ilmschrisl Sit Tibi, Christc, datus quem Tu regis iste ducatus. AuS dem letzten Wort dieser Umschrisl sei dann der Name«»l- standen und auck auf die allenthalben gleichartig geprägte» Münzen übergegangen. Bon den verschiedenerlei Dukaten will ich nur einen der allerkurioseslen hervorheben, den„Sophienkinderdreifaltigkeits« dukaten," den die Kurfürstin Sophie von Sachsen 1616 prägen ließ, mit der Ueberschrist:„Wohl dem, der Freude an seinen Kindern erlebt". Im Markus-Evangelium wird von der armen Wittwe ge- sprachen, die ibr„ S ch e r s l e i n" als Opfer brachte. Wie viel Mal ist dies Wort in eigentlicher und namentlich bildlicher Be- deutnng angewandt worden!„Scherf", zusammenhängend mit Scherbe und ursprünglich einen Bruchtheil bedeutend, bezeichnete schon eine geringe Münze, eine» halben Pfennig oder Häller, um wie viel geringer muß dann erst das„Scherfleii," angenommen werde»! Eine andere geringwerthige Scheidemünze des später» Mittel- alters ivar der„ S ch i n d e r l i n g". Herzog Ludwig von Bayern- Landshut ließ sie prägen»m 1453, und niemand wollte sie an- nehme». Das Wort aber soll nicht etwa davon herkommen, daß der Bayernsürst Land nud Leule damit hätte„schindern" wolle». sondern von„schindern", gleiße», klirren. Auch der„Schilling". dessen Namen wir noch aus älteren Zeilen in Zusammensetzungen ivie Bauschilling, Kansschilling u. s. w. bewahrt haben, ist keine große Münze gewesen, eben ei» Groschen, ein«didus, ein sou; der Name soll herkomme» von„schallen". Die„Landmünze" gehörte eben- falls nicht zum Grobgeld. Es war eine nur für das Land selbst nach geringerem Münzfuße geprägte Münze. In Bayern hatte mau z. B. öfters deren und in Norddeutschland gab es eine Scheidemünze„Landwitt", die auch nicht weit ab von„Landmünze" sich befunden haben wird. Doch waren beide immerhin besser als etwa die„Nothmllnzen". die man bei eintretendem Geldmangel z. B. in einer belagerten Stadt zu einstweiligem Gebrauche aus geringem Metall oder auch aus Leder prägte; besser auch als der„Deut", eine kleine niederländische Kupfermünze, deren acht ans einen „Slüber" gingen, oder der„Tanles", die beide sprichwörtlich für etwas recht Geringes geworden. Im Spanischen heißt„Dante" die Spielmarke und das mittelhochdeutsche„Taut", daS bayerische „ T a n t e r l i» g", mit dem Tändler und tändeln zusammenhängen» stecke» in dem„TanteS" oder„Dantes". Die oberdeutschen Stämme hatten eine Münzsorte, die sie „ S a i g e n"(».aigae) nannten. Man liest manchmal in Geschichts- bücher» diesen Namen, und er ist vielleicht noch nicht einmal ganz im Volke erloschen. Es war eine Silbermünze, deren zwölf eine» Goldsolidus ausmachten, wie wir aus den Gesetzbüchern der Ata- mannen und Bayern wisse».„Seige" heißt aber das Aichzeichen, die Visirnng. und„Seiger" die Waage, besonders die zur Prüfung der Münzsorten bestimmte. Daraus wird wohl auch der Name zu erkläre» sein.— Vlrinvs Fieuillekon. Zur Geschichte dcö Bieres. In einem Artikel der Münchener „Allgemeinen Zeitung" sagt L. Karell über'„altdeutsche" Biere: Früher trank man statt Gersten- Weizensafl. I» einem Briefe, den Wallenstein am 2. Juli 1623 a» den Feldmarschall Arnim nach Stralsund richtete, heißt es:„Dieweil ich das Gerstenpier nicht trinken kann, bitt, der Herr thuevie Anordnung, ans daß von Barth auf Anklam vor mich Weizcnpier gebracht wird." Im Anfange brauten blos die Klöster, später bemächtigte» sich auch die Städte dieses ein- trägliche» Unternehmens. Jeder größere Ort hatte sein eigenes Erzeugniß. Diese zahlreichen Produkte der Gährung wurden mit den ver- schiedenflen Namen belegt, die thcils ihre Wirkung,«Heils ihre Her- kuuft andeuteten. Manche Orte waren besonders reichlich mit „Biernamen" bedacht. So hatte Jena eine»„Dorfteusel", einen „Maulesel", einen„Klotsch" nnd ein„Menschenselt". Frankfurt hatte eineir„Büffel". Leipzig ein„Rastrum". Erfurt einen „Schlunz" und Schöninge» einen„Todtentopf". Der Breslauer „Schöps", die Braunschweiger„Mumme" und die Goslarer „Gose" waren nebst dem schon erwähnte»„Einbecker" ehedem die süfsigste» Biere. Bei manchen sungirte der Volkswitz als Taufpalhe, denn in Corvey hieß der braune Gerstensaft „Hund", weil er im Leibe Knurren machte. In Ostvreußen wurde„Jammer", in Osnabrück„Bürste" und in Lützerode„Auweh" getrunken. In Delitzsch ergötzte man sich an dem„Kuhschwanz", dessen Genuß friedfertig, aber auch zugleich beweglich und wackelig machen sollte. Die sich am„Alten KlanS" in Brandenburg de- zechten, sollten betagten, stillen Betbrüdern gleichen. Der„Kater" von Stade hieß so, weil er des morgens demjenigen, der davon zu- viel getrunken, wie ein Kater im Kopfe schnurrte. Dem„Mord und Tod" von Köpenick und Eislebe» stand der„Zlzenille" von Nauen ebenbürtig zur Seite, den» von dem letzteren hieß es: „Zizenille, Zizenille, Wer dich trinkt Liegt drei Tage stille." — Wo kommt der Saffrau her? Die„Acrztl. Rundschau" berichtet: Aus Koustantinopel wird gemeldet, daß der dortige Sanilälskonseil die Wallfahrten von Persien und Indien nach 5therbela verboten habe. Khcrbela ist das Reich der Schiiten. Es ist gebräuchlich, die Leichname reicher Schiiten aus Indien in Kar.» wanen nach Khcrbela zu überführen. Die Leichname werden mit vielem Saffrau in Teppiche eingenäht n»d dann in Kherbela beer- digl. Die Teppiche und der Saffrau iverdc». wenn sie diese» Dienst geleistet, au europäische Händler verkauft. Der größte Theil des in Europa verbrauchten Safsrans ist solchen Ursprungs. Literarisches. n. C a st e l h u n. Friedrich Karl:„Gedichte." Verlag der Buchhandlung des Schweiz. Grütlivereins in Zürich und der Freidenker-Publishing Co. in Milwaukee«Nordamerika) lS96.— Auf den Ruhm des Dichters macht der Verfasser, wie er in einem kurzen Vorworte selbst sagt, keinen Anspruch; er will lediglich seine» Freunden verkünden,„wie er geschwärmt und geträumt". Ob deren Urtheil gerade sehr günstig ausfallen wird, selbst wenn man einem alten Bekannte» manches nachsieht, bezweifeln wir. Denn die Verse lasten unendlich viel zu wünschen übrig, und die„Schwärmereien und Träumereien" erheben sich nie über ein ganz bescheidenes Durch- schnittsmaß. Eins muß man dem Vcrfaster indesteu lassen: sein Herz schlägt warm für die Arbeiterklasse, und aus den lueisleu seiner Gedichte bricht eine begeisterte Liebe zur Freiheit hervor. Schade nur, daß bei ihm die Form fast allen Inhalt ungenießbar macht.— Kunst. — Ueber Max Klingers Leben und Werke wird am Sonn- tag. den 28. Februar, nachmittags fünf Uhr, der Knnstschriftstcller Fritz Stahl im Theatersaal der alten Urania(Jnvalidenstraße) sprechen.— — Di« verstorbene Lady Walace hat ihre Gemäldesamm- lung, deren Werth auf 1000 000 Lstrl. geschätzt wird, der englische» Station vermacht. Die Sammlung enthält fünfzehn Meissonier, einige der besten Gemälde von Josua Reynolds, Gainsborough und Turner und ist besonders reich an Walteans.— Ans dem Thierleben. — Der Friedhof eines ausgestorbenen Riesen- vogels wnrde in der Umgebung der Stadt Jnveicargill an der Eüdküste der Südinsel von Neu-Seeland von dem Verwalter des Canterbury-Museums enldeckt. Der Vogel ist der berühmte Moa lDivomis maximus), das aufgefundene Lager von den Ueberrcsten dieser riesigen Vogelart ist das größte und reichste, das bisher bekannt geworden ist. Wahrscheinlich liegen hier die Knochen von nicht weniger als achthundert Vögeln, welche sämmt- lich zu ansgestorbenen Arien gehöre». Für die Wissen- schaft ist dieser Fund deshalb von besonderem Werthe, weil aus demselben eines der seltenen Moaskelette gewonnen wnrde, welches vollständig von einem imd demselben Exemplare stainmt. Bisher niußlen die Skelette des Vogels meist ans den Ueberresten verschiedener Individuen zusammengesetzt werden. Von solche» ganzen Skeletten gab es bisher höchstens drei oder vier anf der ganzen Welt. Das neueste Exemplar aus dem nenenldeckten Lager erreicht die Höhe von fast 10 Fuß und ist in den Besitz des britischen Museums übergegangen.— Astronomisches. — Ein tausendjähriger Komet. Dem„Hamb. Korr." schreibt man: Ueber einen im Jahre ISS1 entdeckten Kometen hat kürzlich I. Riem eine sehr bemerkenswerthe Untersuchung gemacht. Der Komet ist nach seinem Erfinder Tebutt genannt und wurde am 22. Mai 1881 in Windsor in Nwi-Süd-Wales in der Nähe von Sydney anfgefunde». Er war einer der hellsten Kometen der letzten Jahrzehnte und über 5 Monate lang mit bloßem Auge zu sehe». Riem bat jetzt die Bahn dieses Kometen nach sämintlichen znverlassige» Beobachtungen berechnet und ist zu dein Schlnsse gelangt, daß seine Umlaufszeit 2429 Jahre umfaßt. Dieses Resultat soll bis auf einige Jahrzehnte genau sei», sodaß die Periode dieses Gestirns mit der runden Zahl von 2V« Jahrtausenden ziemlich richtig angegeben> verde» kann. Dayach müßte derselbe Komet sich zum letzten Male im sechste» Jahrhundert vor Christi Geburt am Himmel gezeigt habe». Der Forscher hat nun die Mühe nicht gescheur, die alten ckinesischen Berichte daraufhin zu stndiren, ob sich etwa eine Notiz über einen Kometen in jener Zeit findet, dessen Beschreibung auf den Kometen Tebutt zutreffen könnte. Es kommen da vier in den chinesischen Berichten genannte Kometen be- sonders in Frage, ans den Jahren«12, ö13, 524 und 481 v. Chr. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Komet vom Jahre 612 mit dem genannten von 1881 identisch ist. Danach würde die Umlaufs- zeit desselben genau 2433 Jahre betragen. Dies wäre übrigens der erste Fall in der astronomischen Wissenschast, daß vor einem Kometen mit einer Umlanfszeit von Jahrtausende» bereits eine zweimalige Beobachtung festgestellt werde» konnte. Uebrigens hat es einen tieferen Grund, daß in China ans so alter Zeit ge- nanere Berichte über Erscheinungen von Kometen vorhanden sind. Die Chinesen theile» nämlich ihren Hinnnel in eine Anzahl von Bezirken ein, von denen jeder einzelne in Beziehung zu einer Provinz des„himmlischen Reiches" gebracht wird. Die Erscheinungen am Himmel von guter oder böser Vorbedeutung werden von den chinesi- scheu Astrologen auf diese oder jene Provinz des Reiches gedeutet, je nach dem Himmelsbezirke, in dem sie beobachtet werden. Die Kometen spielten natürlich von Anfang an dabei eine besonders wichtige Rolle, daneben die Meteore.— Technisches. — B r i ck« t ts aus Qnebrachoholz. Quebrachoholz kann, wenn die ihm innewohnenden Gerbstoffe herausgezogen wurden, noch weiterhin benutzt werden, und zwar als Brennholz. Nach der Auslangung kommen die Hölzer in einen Trockenofen, in dem ihnen der Wassergehalt bis auf etwa Vso entzogen wird. Pressen mit einem Druck von mehreren hundert Atmosphäre» bringen die ge« trockneten Spähne in Brickettform. Die Bricketts zeigen eine feste Masse mit glatten Oberflächen, brennen mit Heller Flamme und halten die Glnth so lange wie Kohlen.— — Die Verwendung der Elektrizität zur Beleuch- tung und Kraftübertragung auf Schiffen nimmt ebenso stetig zu wie die anf dem Lande. Auf dem jüngst vom Stapel gelaufenen britischen Schlachtschiff erster Klaffe Prince Georg befinden sich sechs Scheinwerfer, um das Nahen von Torpedobooten zu bemerken, drei- hunderlundzehn Glühlampen von je fünfzig und sechshundertzwanzig von je sechzehn Kerzen zur Erleuchtung des Inneren. Auch werden die vier zwölfzölligeu Drehkanonen durch elektrische Kraft bewegt. Im ganzen sind allein achtundvierzig Kilometer Lichtleitungen an Bord des Schiffes verlegt.— Humoristisches. — Ein Schwerhöriger. Vor einigen Tagen gegen Abend lud ein Fuhrmann einen Automaten, der einen Italiener mit Leier- kästen darstellte, in einem Lokale der Stadt Gera ab.- Ter„Mann" wurde einstweilen ins Waschhaus gestellt. Bald hatte ihn die Jugend entdeckt. Und da sich der„Kerl" nicht rührte, krachten nach kurzer Zeit Steine, Besen, alte Töpfe an das Waschhaus. Als eine Frau hinzukam, die nicht in das Waschhaus hineinzugehen wagte, wurde ein Straßen- Vorarbeiter herbeigerufen, der dein stummen Italiener von außen her den Standpunkt wegen seines nngehörigen Anfenthalts klar inachte. Da sich der Eindringling aber garnicht regte, eilte der erboste Vorarbeiter anf die Polizei, die schließlich. nachdem alle Vorsichtsmaßregeln gegen das Entweichen des frechen Italieners getroffen waren— das Räthsel löste.— — Das genügt. Ein Breslaucr Steuerpflichtiger mar von der Steuer-Einschätzungskominissio» zur Vorlegung seiner Bücher ausgefordert worden. Er erschien anf dem Amte und verlangte de» Vorsitzenden der Kommission persönlich zu sprechen. Das wurde ihm nach einigen Umständen gestattet. Und nun erschienen drei Dienst- inänner anf dem Plan, jeder schwer beladen mit Büchern und'Akten» stücken, die sie zu Füßen des Herrn Regiernngsraths niederlegten. Der gewissenhafte Steuerzahler hatte zur größeren Sicherheit seine säinmllichen Bücher und Belege seit— de» sechziger Jahren zur Stelle geschafft.— Vermischtes vom Tage. — Ein schwerer I u st i z i r r t h n m wird der„Breslauer Ztg." a»S Ostpreußen gemeldet. Am letzten Freitag verstarb i» Dunge», Kreis Osterode, der Besitzer Schareina, nachdem er dem Geistlichen gebeichtet, daß er an einem Schulmädchen vor über 20 Jahren einen Lustmord begangen habe, wegen dessen der damalige Ortslehrer zu 15 Jahren Zuchthans verurtheckt wnrde, die er auch verbüßt hat.— — In der Brannkohlengrube Schönow bei M e s e r i tz sind acht Bergarbeiter verschüttet worden.— — Stralsund. Beim Einholen des Netzes schlug ein Fischerboot nm. Ein Vater erlrank mit zwei Söhnen.— — In Lübeck sind die Mnllcr und Schwester des Knnst- inalers Jürgens infolge Einalhmnng von Kohlendunst erstickt.— — Bremen. Die Rettungsstation Kolbergermünde tele- graphirt: Am 24. Februar wurden von dem bei Bodenhagen ge- strandeten, mit Kohlen vo» Leith nach Kolberg bestimmten deutschen Dampfer„Stadt Leer", Kapitän Jäger, 12 Personen durch das Rettungsboot.Reichstelegraph" gerettet.— — Für den neuen Kölner Hauptbahnhos sind bis Ende September 1896 31 014 141 M. ausgegeben worden. — Bei M ü h l h e i m hat ein Bergrutsch eine Strecke von 1»/, Quadratkilometer verwüstet.— — Vom Neubau �>er Stadthalle in Barmen sind zwei Dach- d e ck e r abgestürzt. Sie waren auf der Stelle todt.— — Der Schriftsteller Kuhn veröffentlicht in München er Blättern«ine Erklärung, laut welcher er öffentlich auf den„ihm vollständig werthlos erscheinenden" Titel: Reservelieutenant fortan verzichtet. Die„M. N. N." hat die Aufnahine des Inserats ver- weigert.— — In Norwegen sind durch Schneestürze zahlreiche Unglückssälle verursacht worden. In Baldan wnrde eine Mühle ins Wasser gespült, wobei drei Personen erlranken.— — In der Kaserne der Genietruppen in Nancy(Frankreich) «xplodirten mehrere Zünder. Sechs Mann wurden verwundet.— — Die Bank von England ist einer großen Banknoten- f ä l s ch u n g ans die Spur gekommen. Nachgeahmt wurden Zehn- psnndnoten und zwar ungewöhnlich täuschend. Di« falschen Noten wurden in Wien gedruckt und von ihnen 1000 Stück in Paris an einem Tage i» Umlauf gesetzt.— — Durch«ine in den Nobel'schen Werken bei I r v i» e(Schott- land) vorgekommene heftige Dynamitexplosion wurden sechs Arbeiter getödtet.— — Ein Dampfer besährt jetzt den Jordan von Jericho bis Tiberias.— ce. Der künstige Kriegsminister der Bereinigten Staaten von Nordamerika, Alger, ist im Bürgerkriege vor der Schlacht feige da- von gelausen. Als die Sache aufkam, schied er damats, vor 33 Jahren, „freiwillig" ans dem Heeresverband«.—__ Verantwortlicher Redakteur: Augnst Jacobcy in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.