Unter! altuttgsblatt des vorwärts Nr. 46. Freitag, den 5. März. 1897. 24J Jinkob dev Uetzke. Eine Waldbauerngefchichte aus unseren Tagen. Von Peter Ros egger. Auch die letzten ziehen fort. Stirbt gack» da liabsti Mensch hinaus. Z'erst schreit ma laut, daß's gellt in Hans Ast»voant nia still, sa long as lind Da küahli Brunn von Augna» rinnt. Ast geht ina starr und stumm daher Und ivoant nit inebr und locht nit mehr. Und's Herz is g'spirt mit G'schlost«nd Bond — Da Schlüssel ligt in Gotleshond. So war's wohl auch bei unserem Jakob. Der Schlüssel, der in Gottes Hand liegt, war ihm die Arbeit. Und als er wieder auf seiner Scholle haltete und der kühle Erdgeruch um ihn emporthaute, da ward ihm leichter und er gewann ueuen Muth und neue Kraft. Eines Tages, als er in der Wasserstube seiner Kornmühle sas:, uni das schadhaft gewordene Rad auszubessern, schaute ihm dabei der Pfarrer von Sandeben zu, ohne daß er es merkte. Im Rauschen des vom Floße niederstürzenden Wassers hatte er die Schritte des Nahenden nicht gehört. Der Pfarrer von Sandebeu pflegte in Hänser zu gehen, wo das Unglück eingekehrt war, falls mau von ihm Trost oder Rath heischte. Bei den Glücklichen ist der Priester nicht immer willkommen, aber in der Berrübniß thut ein milder Svrnch, sei es nun Gottes- oder Mcuschenivort, wie Balsam wohl. Mit befriedigtem Kopfnickeil schaute der Priester dem Jakob zu, welcher voller Ruhe und Belmglichkeit damit be- schäfligt war, ein paar locker gewordene Taufeln des Wasserrades festzunageln. „Gott grüß' Euch, Renthofer!" sprach ihn der Pfarrer endlich au.„Ihr seid halt immer recht fleißig." Als der Bauer sah, wer dastand, richtete er sich auf und zog den Hut vom Kopf.„Der Herr Pfarrer!" sagte er,„das ist was Seltsames. Wir kriegen den Herrn nicht gar oft zu sehen in Altenmoos." „Wäre gerade kein schlechtes Zeichen," entgegnete der Pfarrer lächelnd.„Wenn Arzt und Priester viel in der Gegend umgehen, so bedeutet das nicht viel Gutes." »Ist so, ist so," sagte der Jakob. „Und kann mau ivohl einmal eine Ausnahme machen und auf einen kleinen Plausch zusammen kommen." „Es gefreut mich," sagte der Jakob.„Ein ivenig ab- rasten!" Vor der Mühle war eine Bank, auf welcher, wenn drinnen die Räder dröhnten und das Brünulein des Kornes gleichmäßig in den Hals des Mühlsteines rann, der Jakob gerne saß und hinausschaute über die grüne Wiese und hinan zu seinem still und behäbig auf der Anhöhe liegenden Hof, der sein Stolz und seine Freude war. Auf diese Bank setzten sie sich nun zusammen. Der Pfarrer brannte sich eine Zigarre an und»vartete auch dem Bauer eine auf. Obivohl der Jakob kein Raucher war, so paffte er sie aus Häflichkeit an dem Streichholze an, das ihn» der Pfarrer entzündet hatte. Er nebelte sehr heftig, weil er glaubte, sonst gehe das Feuer aus. Der Pfarrer blies mir von Zeil zu Zeit bedächtig ein Wölklein los und man hätte ivohl inerten mögen, daß er mehr an etwas anderes, denn ans Rauchen denke. „Wird Euch nicht die Zeit lang, Reuthofer!" fragte der Pfarrer. „Eher zu kurz, Herr Pfarrer. Nur bei der Nacht geht's mir zu langsam und freue ich mich schon allemal aufs Licht- werden, daß ich zur Arbeit komme." „Fehlt Euch nach des Tages Last denn der Schlaf?" „Manchmal ist er geschwind da, kaum ich ins Bett falle," sagte der Jakob.„Wenn er aber die ersten fünf Minuten nicht komnit, dann gcrathe ich ins Nachdenken über Allerlei, und aus ist's." „Ich kann mir's denken, daß Ihr Euere Sorgen haben werdet, da herinnen," entgegnete der Pfarrer,„und doch stemmen sich die Reuthoferleute immer noch fest in Altenmoos." „Das kann man just nicht sagen," antwortete der Jakob, „zu theil tragen wir sie hinaus und zu theil gehen sie aus den Füßen davon." »Ist gescheiter, man geht auf den Füßen davon, als man wartet auf das Hinausgetragenwerden," so der Pfarrer. Der Jakob starrte in die Luft und paffte viel Rauch von sich. „Meint Ihr nicht, Reuthofer?" fragte der Pfarrer. „Ich meine," sagte der Bauer,„ich werde wohl aus das Hinausgetragenwerden warten." Der Pfarrer legre seine Hand, die Zigarre zwischen den Fingern, aufs Knie.„So viel ich sehe," sagte er,„wird Euch der Wald bald über den Kopf zusammenwachsen." „Ist schier nicht anders," versetzte der Jakob mit einem trüben Auflachen. »„Das ließe ich mir nicht gefallen, wenn ich Bauer wäre," sagte der Pfarrer.„Der Kornhalm braucht Sonnenlicht und der Mensch muß in den freien Himmel aufschauen können." „Wir Altenmooser sind nicht schuld daran, wenn's finster wird um uns." „Jakob Steinrentcr," sprach jetzt der Pfarrer und schaute dem Bauer freundlich ins Gesicht,„jedes Blenschen Recht, ja Pflicht ist es, sein Dasein zu verbessern, wie er kann. Die meisten Eurer Nachbarn haben das auch eingesehen. Man kann nicht sagen, daß es ihnen gut gehe draußen in den srilchtbaren Gegenden, aber es geht den meisten von ihnen doch erträglich und jedenfalls besser, als wenn sie in Alten- moos geblieben wären. Die Zeit hat einen anderen Lauf ge- uommen. Die entlegenen Berggegenden müssen wieder Wildniß werden. Altenmoos wird's auch." „Und so gelassen, so gleichgiltig kann der Herr das sagen?" versetzte der Jakob. „Wenn man es seit Jahren kommen sah, mein lieber Reuthofer!" „Hört man immer, daß der Leute zu viel würden in unseren Ländern, daß»ie auswandern müßten nach Amerika, nach Bosnien, was weiß ich wohin, und mit harter Plag Wildnisse ausrotten. Und die alte Heimath lassen sie zur Wildniß werden. Ich verstehe das nicht, ich verstehe es nicht." So der Jakob. „Offen gesagt, ich verstehe es auch nicht," versetzte hier- auf der Pfarrer.„Im Bienschengeschlechte vollziehen sich die Aendcrnngen mit elementarer Geivall, gleichsam wie der Wechsel der Jahreszeiten, wie Ebbe und Fluth auf dem Meere, wie das Vorwärts-» oder Rückwärtsgehen der Alpenglelscher, wie das Beben der Erde und»vie die Vulkanausorüche. Man kau» wohl fragen, ob es zum Gute» oder zum Schlechten sei, aber man muß es geschehen lassen, weil man es nicht hindern kann." „Nicht hindern können!" murmelte der Jakob vor sich hin.„So ist aller gute Willen umsonst und alle Lehr'. Mein Vater hat oft gesagt: Was die Leute nie und nimmer wollen, das geschieht nicht unter ihnen. Es geschieht nicht." „Ja, wenn alle denselben nnwandelbaren Willen hätten!" sprach der Priester.„Manchmal jedoch heben Btenschen, ent- gegen ihren eigentlichen Absichten, ans Vorwitz and Ueber- mnth etwas an, worunter sie hernach zu gründe gehen müssen." „Davor müßte beständig gcivarnt werden," sagte der Jakob. „Was jetzt geschieht: Dem Herrn Pfarrer kann's doch uu- möglich recht sein, daß Attenmoos zn grund' geht. Es ist ja ein großer Schaden für die Pfarre, für die Pfründe, für Sand- eben, ivenn Altenmoos erstickt wird." „Mein lieber Reuthofer, sagte der Pfarrer,„wie sehr habt Ihr da Recht, wie sehr habt Ihr Recht! Ja, ich sehe noch mehr Schaden. Ich sehe den Schaden, den die Leute nehmen, wenn sie ihre Hcimständigkeit aufgeben, gleichsam vom Schiffe hinausspringen ins hohe Meer. In der Fremde werden sie Werkzeug, Waare, man nützt sie ans und wirft sie dann weg. Ich sehe den Schaden für die Religion, die nur in dem sestgeschlossenen Bauernthum ihren sicheren Hort hat. Ich sehe den Schaden für den geschichtlichen Staat. Wenn im Volke das Patriarchenthum zu gründe gerichtet wird, wie soll es im Staate sich halten?" „Und doch ist ein in unserem Lande vor kurzem ans- gearbeitetes Jagdgesetz zum Schutze des Bauernstandes vom Landesvater nicht unierschrieben worden," bemerkte der Jakob. „Wie gesagt, es nimmt seinen Lanf und ist nicht zu andern," sprach der Pfarrer.„Vor Jahren, als die ersten Bauerngüter locker zu werden begannen, habe ich den Allen- moosern gerathen, um Gotteswillcn heimständig zu bleiben, habe sie gewarnt vor dem Davonziehen. Heute muß ich das Gegentheil thun." „Euer Hochwürdcn werden wissen, was zu thun ist," ver- setzte nun der Jakob.„Ich dürfte nicht Pfarrer sein zu Sandebcn, ich nicht. Wenn ich sehe, daß es schlecht ist, wenn die Bauern abfallen von ihrem Grund und Boden, so rede und predige ich dagegen, so lange ich Athem habe in der Brust. Wird doch auch sonst allerhand besprochen auf der Kanzel, was mit Reden nicht anders wird. Warum im Gotteshaus kein lautes Wort, wenn das Unerhörte geschieht, wenn die Leute ihrer Heimath untreu werden. Den Bauernabstiftern wollte ich das Gebot Gottes deutlich genug sagen: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut! Und den Bauern wollte ich Sonntag für Sonntag zurufen: Du sollst deines Vaters Boden ehren und nicht verlassen.— Die Heimständigkeit, die Seßhaftigkeit, wenn diese Heften auslassen, dann geht alles aus Rand und Band, ich sage es Euch." „Wie möchte ich wünschen, daß Ihr Unrecht hättet. Reut- hofer!" seufzte der Pfarrer. „Ich auch, ich auch, Herr Pfarrer." „Und wollte wünschen, daß Ihr unter der Thatsache, die Ihr seht, nicht zu gründe gehen möchtet.— Reutyofer! Ihr seid ein vernünftiger Manu. Ich ehre Eure Anhänglichkeit an der Väter Boden, sie ist an sich eine schöne Tugend; aber sie ist keine niehr, sobald sie anderen nicht nützt und Euch selber schadet. Bleibt Ihr da sitzen so fest und so lange Ihr wollt, ihr werdet Altenmoos nicht mehr halten. Ihr werdet verlassen sein, Ihr werdet verkommen und der letzte Jakob auf dem Reuthofe wird ein seiner Vorfahren unwürdiges Ende nehmen. Nein, Freund, der Mensch gehört zu Menschen. Es ist ver- mesten, die kalte Erdscholle mehr zu lieben, als die Lebens- genossen. Die Menschenbrust ist unsere Heiniath, sonst haben wir keine auf dieser Welt. Jakob! Lasset diesen Boden, den Ihr so sehr lieb habt, lasset ihn rasten. Lasset Wald darauf wachsen, lasset ihm Feiertag sein auf ein Jahrhundert. Dann werden wieder junge, frische Menschen kommen und reuten, und hier glücklich sein. Der Weltlauf geht so. Kommt heraus, Bauer, aus dieser auswucheruden Wildniß, wo Ihr ja doch schon allein seid, kommt niit zu Euren Kindern!" „Alle sind sie mir noch nicht davon, gottlob," sagte der Jakob.„Der Florian, die Angerl." „Ihr werdet sie schwer vermissen." „Sie bleiben in Altenmoos," sagte der Jakob. „Renthofer, Ihr wißt es ja wohl?" versetzte der Pfarrer. „Wisset Jhr's nicht, daß der Hüttenmauser sein Gut verkauft hat? Es war für ihn nicht mehr möglich, sich zu behaupte». Seit der alte Hütteumauser todt, ist das Verhältnis niit den Leuten des Kanipclherrn noch schlechter geworden, jetzt hat sich Euer Schwiegersohn in der unteren Gemeinau ein Gütcl gepachtet." Der Jakob war ausgestanden, war an der Wand der Mühle mit langsamen Schritten hingegangen, dann umgekehrt und fragte nun den Pfarrer:„Ist das wahr, daß der Hütten- mauser verkauft hat?" „Daß ich es offen gestehe, Renthofer, er hat mich ersucht, Euch die Neuigkeit zu überbringen. Es ist ihnen bitter hart. Sie wollen Euch nicht allein lassen im Gebirge." Nach diesen Worten des Pfarrers murmelte der Jakob: „Also die auch!— Meine Angcrl geht auch."— Dann rief er ans:„Es macht nichts; sie gehört ohnehin nicht mehr mein. Es macht nichts." Dabei hatte er die Zigarre, die, obzwar ansgclöschet, noch zwischen seinen Fingern stak, zcr- quetscht. Als er das merkte, legte er sie auf den Wand- schrott:„Das soll sich einmal einer in die Pfeife stecken. Wir Altenmooserleut' können mit dem Steugelrauchen nicht umgehen." Hernach kroch er langsam wieder in die Nadstube und begann zu hämmern an den Tanfeln. Ter Pfarrer ging kopfschüttelnd seines Weges. Als er noch hinaufblickte zu dem Hose, der in anheimelndem Frieden hier zwischen den Wäldern stand, und als er daran dachte, mit ivelcher Unrast draußen in der Welt gejagt, gehetzt und im Kamps ums Dasein verziveifelt gerungen wird, voller Gier nach Geld und Ehre, oder in heißer Angst vor dem Unterliegen, da war es ihn,: der Mann hat doch recht, wein« er lni Gottcsfrieden seiner Berge leben und sterben ivill.— Bon diesem Tage an konnte der Jakob nichts anderes denken als: die wollen auch fort? die auch?— Schade, daß der Pfarrer ein Ehrenmann ist, eS müßt' erlogen sein, was er gesagt hat!— Zum wenigsten war er nicht gut berichtet. Der Florian wird gesagt haben: Hart ist's wohl jetzt, in Altenmoos. Verkaufen das Haus und draußen in der Gemeinau oder wo etwaS pachten, wär' das beste. Kann es so gesagt haben und heißt's nachher gleich: er hat verkauft, er hat gepachtet. Es wird ja allemal alles übertrieben. Da kamen eines Tages der Florian und die Angerl, um Abschied zu nehmen. Sie hatten Aerger und Kummer darüber, daß der Vater so eigensinnig in Altenmoos verkommen wollte und sie hatten sich vorgenommen, ihm ihre Meinung darüber zu sagen. Es ging aber umgekehrt. „Ist recht," sagte er voll tiefer Bitterkeit,„ist schon recht, daß Ihr auch geht. Ist mir schon lang verdächtig ge- wesen, daß Ihr allein die Braven sein und bei mir aushalten wollet. Glaub' Euch's ja, daß auf dem Hüttenmauserhof kein Bleiben mehr ist, aber ich vermeine, auf dem Renthos hättet Ihr Platz gehabt und mir Hausen helfen mögen. Mit mir laßt's nach, seit mein Weib fort ist; hält' Euch gern gesehen unter diesem Dach. Na freilich, Euch ist um das Davonlaufen so gut wie den anderen. Das Herrsein ans eigenem Boden ist Euch nicht recht gewesen, gut, jetzt seid Ihr Knecht aus fremden,." „Weil es halt jetzt schon einmal so ist, Vater," sagte die Angerl ausweichend,„und Ihr mit dem Reuthof dieweilen auf niemanden zu warten braucht— der Friede! wird ihn ja eh nicht wollen, wenn er ausgcdichnt hat—" „Wer sagt das?" rief der Jakob. „Ist einer einmal bei den Soldaten gewest," setzte der Florian bei,„dann hat er zur Bauernarbeit keine Lust mehr." „So hätte ich gemeint, Vater," fuhr die Angerl fort, „Ihr solltet halt in Gottesnamen auch verkaufen und mit uns gehen." „Gemeint ist's gut," antwortete der Jakob,„mit Euch gehen. Gemeint ist's gut. Nur weiß ich jetzr nicht, ladet Ihr mich oder das Geld." Wie nach einem Stoß auf die Brust, so zuckte die Angerl vor diese», Worte zurück.„Auf das—" versetzte sie tonlos, „auf das kann ich nichts mehr sagen." Und Hub zu weinen an. „Noch keine," sprach nun der Jakob,„ist fortgegangen ans Altenmoos, ohne daß sie geweint hätte. Geweint hat jede und fortgegangen ist sie doch.— Wein' Dich aus, Angerl, ich wünsche, daß es das letztemal ist. Es soll Euch gut gehen, ich wünsche es Euch. Vergesset mir die hart' Red. Wenn Ihr einmal recht arm werden solltet und recht müde, so kommt nur wieder. In diesem Haus wird Platz sein. Jetzt geht nur, ist schon recht, geht nnr!" Rascher als es sonst seine Art war, hatte er sich um- gewendet und ließ die beiden Auswanderer allein stehen. „Von, Grab," schluchzte die Angerl,„vom Muttergrab bin ich nicht so schwer ivcggcgangen, als von diesem Haus, wo der Vater allein zurückbleibt. Alles Einöde, und sein Haar wird weiß..." „Was sein ninß, muß sein," sagte der Florian und führte sein Weib ans dem Heimathshaus. Und führte sie fort fünf Stunden weit bis in die Gcniciuau. Dort halten sie ein Häuschen gepachtet, vorläufig nur auf ein Probejahr.„Sehe ich, daß Ihr brave Leut' seid," hatte der Eigenthünlcr gesagt,„nachher schließen wir auf länger ab." Als die PächterSlcnte nnn mit ihren Habseligkeiten an- gerückt kamen und auch zwei Ziegen bei sich hatten, klatschte der Eigenthümer des Gütels mit beiden Händen an seine Oberschenkel und rief:„Scht! fort mit diesen Ungethümen! Gaißen leid' ich nicht. Solche Rabenäser möchten mir die Wiesen und Sträucher sauber zernagen, daß nachher eine halbe Ewigkeit nichts mehr drauf thät wachsen. Ich Hab' einen höllischen Respekt vor diesen Rindviehern!" Die Augerl kicherte:„Bei dem sind die Gaißen Rind- vicher." «Ist's Euch nicht recht, so sind wir wieder ledig!" setzte der Eigenthümer bei. So»inßten sie es bald erfahren, daß ein Unterschied ist, ob man aus eigenem Boden sitzt, oder in Pacht. (Forlsetznttg folgt.) «Nachdruck verboten.) Ein Miirk�rev dvv HViy'enMAft. Humoreske von Axel W a l l e n g r e n. Autorisirte Uebersetzung. Der ehrsame Herr Persson faß im Kreise seiner Familie und entwickelte beim häuslichen Lampenschein seine mehr oder minder allgemein bekannte» Theorie» unter Berücksichtigung des Inhaltes der Abendzeitung. Frau Persson strickte rolhe wollene Strümpfe; Onkel Hans trank Grog und nickte beifällig, und die Tochter Anna war mit ihrer ewige» Handarbeit beschäftigt, von der es»u» bereits zwei Winter hindurch hieß, das würde» einmal ein Paar Pantoffel für Papa. Alle lauschten achtungsvoll auf die Aussprüche des Hansherrn. Selbst der Skeptiker der Familie, der junge Johann, schien den Worten des Vaters Beifall zu schenken, was um so bemerkens- werther und werlhvoller war, als Johann sich bereits in dem kritik- lüsternen Alter von fünfzehn Jahre» befand. „Das hier," sagte Herr Persson und legte die Zeitung auf sein Knie,„das hier gefällt mir. Hier steht, ein Franzose habe einen lenkbaren Luftballon erfunden, den mehrere Professoren an- erkannt haben. Es ist rein merkwürdig, was die Menschen jetzt alles erfinde»! Die Erfindungen werde» immer großartiger und bringen immer größere Bequemlichkeiten für die Mensche» mit sich. Wenn diese Notiz hier wahr ist— und ich habe keine» Grund, das Gegentheil zu glauben, iven» es ein so anständiges Blatt schreibt — so wird man bald durch die Lust zum Monde segeln können. Was meinen Sie, meine Herrschaften: Bis zuni Monde!" »Nein, ans was die Menschen alles kommen!" sagte Frau Persson, ohne von ihrem rothen Strickstrumpf aufzusehen. Onkel Hans»ahm einen Schluck Grog, nickte und sagte leise etwas, das wie„Ja, Ja!" klang. „So was!" rief Ainia und legte ihre ewige Arbeit fort. „Ja denkt Euch nur, bis zum Mond!" wiederholte Herr Persson und sah sich so stolz um, als wäre es seine Erfindung ge- iveseii—„dann kann endlich der Streit geschlichtet werden, ob der Mond bewohnt ist oder nicht. Man fährt einfach hin, sieht sich um und sagt: IIa, hier sind Menschen!— oder: Ja. da sind keine Menschen! Und dann fährt nia» wieder nach Hause." Johann sah von seinem Enklid auf. „Nein, Papa," sagte er mit geistreichem Lächeln,„man weiß ja bereits, daß der Mond nicht bewohnt ist". Der Vater sah ihn mit etwas verächtlichem Lächeln an: „So! Woher weiß ma» das?" „Ach, es giebt keine Luft auf dem Monde!—" und der junge Gelehrte fügte ein herzlich verächtliches:„Ja, Ja!" hinzu, ohne den warnenden Blick zu bemerken, den ein Mutterauge ihm über die Lampe hin zuwarf. Herr Persson antwortete mit noch verächtlicherem Lachen: „So! Was Du zu erzählen weißt! Es giebt keine Luft auf dem Monde! Woher weiß man denn das? frage ich noch einmal." „Ja, das hat man längst ausgerechnet, das haben wir schon in der dritte» Klasse gelernt." Eine verdächtige Röthe färbte Herrn Persson's väterliches Ant- litz. Er fuhr in erhöhtem Tone fort: „Vielleicht möchte mein gelehrter Herr Sohn seinem dummen Vater erklären, w i e man denn„ausrechnen" kann, daß es auf dem Monde keine Luft giebt!" „Das machen die Astronomen." „Dein Vater ist natürlich tausendmal dümmer, als so ein „Asternom"." „So sagte ich nicht, sondern ich sagte: Astronom!" erwiderte Johann, dessen Wange» sich ebenfalls geröthel hatte». „Schweig, Junge! Ich weiß wohl, was Du sagtest!" schrie Herr Persso». Onkel Hans nahni einen tiefe» Schluck aus seinem Grogkglase, indem er den Kops schüttelte und clums murmelte wie:„Solch' ein Junge!" Die Frauen tauschten erschreckte Blicke aus. „Ich weiß ivohl, ivas Du sagtest, ohne daß Du mir wie Pfeffer in die Nase zu steche» brauchst! Aber so sind die Jungens heutzutage!" „Aber wen» es wahr ist, daß es keine Luft dort giebt, dann—" wandte der eigensinnig« Johann ein. „Ach, Unsinn, wie sollten die Leute denn dort athmen können." „Es giebt dort ja keine Leute; das hat der Herr Lehrer selbst gesagt." „Ha, ha! Nur immer weiter!" „Und der muß es doch wohl besser wissen, als Du Papa—" „Du sagtest?" Keine Antwort. „Was sagtest Du?" Die Antwort kam widerstrebend, aber ziemlich laut: „Ja. daS muß der Herr Lehrer doch wohl viel besser wissen, als Du." „So, das ist ja nelt. Er ist tvohl überhaupt viel besser, als Dein schlechter Papa? Aber ich iveisi schon ein Mittel, Dickt etwas zu lehren, ivas D«>» gelehrter Herr Magister Dich nicht gelehrt hat. Wenn ich es nur sind«» kann. Daö Mittel saud sich. Es war alt und staubig, denn es hatte lange unberührt zwischen dem Schrank und der Wand gestanden; aber es war anderthalb Ellen lang und vom besten Haselstrauch geschnitten, der jemals seine geschmeidigen Zweige im milden Glanz der Sonne gewiegt hat.--- •» Der Rest des Abends verlies'lautlos still und so ungemüthlich, wie man es in einem Familienkreise erwarten kann, der aus einem mürrischschweigsamen, zeitunglcsende» Vater, einem wortkargen Onkel, der wehmüthig ein leeres Grogkglas betrachtet, und eine», wülhendschweigenden, rothäugigeg Sohn besteht, der starr in den Euklid stiert, bis die wichtigsten Buchstabe» darin Polka tanzen, sodaß cad zu cba wird, wodurch es absolut unmöglich ist, die Aufgabe zu einer vernünftigen Lösung zu bringen. Das Vovlinev itimjflc&cn fließt zur Zeit ziemlich träge hin und es bleibt nur bei Anregungen. Ein reges Schauinteresse war eigentlich nur für die Gemälde von Werestchagin vorhanden; und dies Interesse war nicht rei» künstlerisch.— Die allgemeine Freudlosigkeit wird von Zeit zu Zeit durch mächtige Faiisarentöne unterbrochen; besonders seit ditz Atelier-Ausstellungen bei uns Mode geworden sind. Aber in der Regel hat das blecherne Reklame-Getute nicht viel zu be- deule». An sich wäre gegen die Sltelier-Ausstellungen gewiß nichts einzuwenden. Wenn ein Mann, der was zu sagen hat, sein„Werk" in der eigenen Werkstätte ausstellt, damit es dort zu reinerer Wirkung komme, als im Sammelsurium großer Ausstellungen, so kann das dem Kunstfreund sicherlich willkommen sein. Nur soll eben der Mann etwas zu sagen haben. Bei uns kam es neulich vor, daß ein dilettireuder Jüngling die„Herren Vertreter der Presse" zu seiner Atelier-Ausstellung lud. In Paris, wo die Kunstpflege doch so sehr zentralisirt ist, daß die»»serige dagegen kindisch armselig erscheint, wird die Atelier-Ausstellung eine größere Nothwendigkeit sei», als hier. Aber Tradition und ver- feinerter Geschmack sorgen dafür, daß dort im allgemeinen nicht der Erstbeste es wagen wird, zu thnn, was nur dem zu thun ziemt, der etwas Besonderes zu verrathen hat.- Die neuesten Fanfarenklänge galten einem Triptychon von L e s s e r U r y, einem dreigetheilten Gemälde, das den Menschen in seiner Jugend, als Mann und Greis sym- bolisirt. Noch als das Bild im Atelier Ury's zu sehen war, ging der Tamtam von befreundete» Atelierbesuchern unter de» Zeitungs- schreibern schon los, er verstärkte sich, als das Triptychon vor kurzem bei Gurlitt aufgestellt wurde. Lesser Ury hat in karger, un- gewöhnlich harter Jugendzeit ehrlich gerungen. Das ist aller Ehren werth und macht den Menschen sympathisch. Nur muß man darum noch nicht zu monumentalen künstlerischen Thaten berufen sein. Als im Vorjahr Lesser Ury's„Jerusalem" erschien, war man auch rasch mit Hosiannarufen da. Was den ersten Meistern aller Zeiten nur in Weihestunden gelang, die monumentale That, das soll nun Lesser Ury mit jedem Wurf gelinge»? Man nützt dem Talent nicht, wenn man es zu grandioser Genialität auf- zubauschen versucht Den wüsten Zeitungsschreibern geht eines Tages der Athen, ans. Ury ist ein feines, für landschaftliche Ein- drücke sensibles Talent. Das hat er auch in seinem Triptychon be- wiesen. Aber vom Athen, einer großen Menschheilstragödie wird man wor seinem Bilde nicht berührt. Eher erscheint es gesucht bizarr, als einfach groß- monumental. Ein sorgloser Jüngling räkelt sich im jungen Frühlingsgrün und lauscht dem Vogelgezwitscher. In diesem Theil seines Gemäldes ist der Künstler noch am wahrsten und schlichtesten geblieben. Im zweiten Theil ist das Wollen weitaus stärker als das Können. Ein Mann reckt sich wie im prometheuischen Trotz empor. Kolossale Muskeln. ein Athletenschädel, nur eins fehlt, der Ausdruck vergeistigter Energie. Der Man», der de» Schaffensdrang versinnbildlichen soll, geberdet sich doch zu sehr, wie ei» Herkules der Arena. Wie ein Häuflein Elend kauert der stnmpssinnige Greis ans dem letzte» Theil des Triplychons. Es ist Nacht geworden; und trübe beschcint der Mond den Jammer. Die Ausstellung der„Elf" bei Schulte bringt diesmal nichts, was man nicht schon von früheren Ausstellungen her kannte. Der Künstlerklnb der Elf dient keiner besonderen Kunstrichtung. Es haben sich eben elf Künstler, die einander vielleicht gesellschaftlich habe standen, zu Sonder-Ausstellungen zusammengesunden. Ihre hervorragendsten Namen sind Max Liebermann. L. v. Hosmann und Franz Skarbina. Aon, Phantasten Hofmann sind ein paar bereits bekannte Studie» zu sehe». Lieberinan» bleibt seinem strengen herben Naturalismus treu. Von den jüngere» unter den„Elsen" sticht Waller L e i st i I o w, der sinnende Landschafter, hervor. Ein Hauch träumerischer Poesie geht von seinen Landschaften aus und verklärt selbst eine Grnnewald-Szenerie.— Vleines Feuilleton — AlS der Philosoph Dcmonax— er lebte um das Jahr Ivo nach Christi— einst bemerkte, daß ein Vornehmer sich auf den breiten Purpnrstreis seines Kleides viel zu gute that, neigte er sich zu seinem Ohr, faßte sein Kleid und sagte, darauf hinweisend:„Vor Dir trug es ein Schaf und war— ein Schas."— Dem- selbe» Philosophen erzählte cinmal ein Dichter, immens Admet, daß er auch sich selber ein Epigramm in einem Verse versaßt und in ftinem Testament verordnet habe, daß es anf seine Grabsäuke geschrieben werden solle.«Ks lautete:„Nimm, o Erde, die Hülle Admets. er selbst stieg zn Gott ans.' Als Temonax es hörte, sagte er lachend:„Es ist so scvön, lieb« Admet, daß ich es schon an seinem Platz zu sehen wünschte."— Literarisches. n. Donnelly Ignatius:„Atlantis, die vor- s i n t f l n t h l i ch e Well." Leipzig, Verlag von Siegbert Schnur- pfeil. Wifscnschastlich« Volksbibliothek. Nr. 31— 38.— .Der Verfasser— vielen unserer Leser bekannt als Autor von „Cäsar's Denksäule"— will in dem vorliegenden Buche den Nach- weis führen,„daß einst inmitten des Atlantischen Ozeans, gegenüber der Äusmiindung des Millelländischen Meeres eine große Insel existirte, die der Welt des Alterthums unter dem Namen: Atlantis bekannt ivar". Er geht noch weiter. Von Atlantis ans soll sich die Kultur über Europa, Afrika, Amerika und auch Asien verbreitet habe». Atlantis war das, Paradies", die Wiege des Menschengeschlechts und die Beherrscherin der vorsintfluthlichen Welt. Durch ein furchtbares Naiurereigniß. die Sinlfluth, wurde Atlantis vernichtet. Die Insel versank»>it� fast allen ihren Bewohnern in das Meer. Donnelly hat ein riesiges Material zusainmeugetragen, um seinen Beweis zu führen, und um dieses lehrreichen Materiales willen verdient fem Werk Beachtung. Im übrigen wird man auch nach dem Lese» seines Buches so klug sein wie zuvor. Daß im Atlantischen Ozean vor viele» Jahrrausenden ein Festland exiftirt hat. kann man gern als wahrscheinlich gelten lassen. Wie- viel Veränderungen hat die Oberfläche der Erde nicht schon durch- gemacht! Daß jene Atlantis aber gerade der Herd der ganzen Kulturentwickelung gewescu sein soll, ist auch nach der stellenweise recht zwingenden Beweissühnmg Dounelly's eine bloße Vermuthuug. Interessant bleibt es aber, wie der Verfasser dies» Vermiithnug glaubhaft zu»lachen sucht.— Plaio hat eine unvollendete Geschichte der Atlantis geschrieben. Mit reicher Phantasie schildert er die««gemein fruchtbare Insel. Ein in den Künste» des Friedens mid des Krieges erfahrenes Geschlecht bewohnt sie. Herrliche Paläste, Teuipel und dem Handel und Verkehr dienende Baute», uiiler letzteren ein sinnreiches Netz von Kanäle«, weisen aus die bedelitende Kullurhöbe dieses Volkes hin. Tie Siacitseinrichtungeu sind weise, die wirthschaftlichen und gesellschasllichen Verhältnisse paradiesähuliche. Eines Tages, auf der Höhe ihrer Kullnr stehend. wird dies Wunderland vom Ozean verschlnugen. Nur einige wenige seiner Beivohner enlkomnien nach Europa, Afrika und Amerika, dorthin die Errungeuschasleu ihrer Kullnr trageud, soweit dies nicht früher schon durch Gründung von Kolouie» geschehen war. Donnelly hat großen Fleiß und Scharfsinu aus- geboten, um das alles als wirklich« Begebenheit hinzustelleu. Die Azoren-Jiiseln im Atlantischen Ozean sind die Bergspitz«» der ver- sunkenen Atlantis. Die Ergebnisse der Tiefseeforschung, die Gleich- artigkeit der Thier- und Pflanzenwelt diesseits nud jenseits des Atlantischen Ozeans sprechen, nach seiner Meinung für«ine ehe- malige Verbindung beider Kontinente aus dein Landwege. Die Babylonier. Hebräer, Judier, Griechen, Egypter. Perser, Skandi- navier besitzen Sinlflnlhsagen. die eine auffallende Aehnlichkeit mit denen der Zentralamerikoner, Peruaner nud Mississippi- Indianer habe». Alle weise» auf den Untergang von Atlaiuis hin. Was besonders verblüfft, ist, daß alle diele Völker, die doch ganz entgegengesetzte Welllheile bewohnen, in ihrer Kultur einander zum theil fast gleichen. Dieselben Arte» der Architektur, Bildhauer- kunst, Malerei, Laudwirthschasl, Bauten, Schiffsahrt hier wie dort. Dieselbe Aehnlichkeit in religiösen Gebräuchen(Leichen- nud Wiltweu- Verbrennung, Einbalsamirung der Todlen, Götzen- und Stern- anbetung), dieselben Zeremonien bei Hochzeiten, Tänzen nud Spielen Huben und drüben, lind dann die llebereinstimmung der Volks- sagen und unzähliger Gebräuche bei Krankheilen, Kindergeburten zc. Fn allen Götter- und Götzengeschichten, Sagen und Ueber- lieferungcn dayelbe Bild. Tie Sprachverwandtschaft ist ebenso erstaunlich. Da mau kam» annehmen kann, daß all' diese verschiedenartigen Völker diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans ein und dieselbe Killturenlwiekelung durch- gemacht haben, ohne je mit einander in Berührung gekonimeu zu sein: muß man eine gemcinsaine Gebnrtsstätte annehme». Donnelly glaubt, diese in der vorsintfluthlichen Atlantis gesunden zu Hadem— Aus dem Gebiete der Chemie. — Die chemisch« Wirkung der Sonnenstrahlen ist in neuerer Zeit mit unerwarteten Ergebnissen von Herrn Duclanx, dem Direktor des Pastenr'schen Instituts in Paris, studirt worden, der in den Jahrbüchern desselben darüber derichtet hat. Die Ver» suche wurden niit Oxalsänre-Lösnng angestellt, die sich der chemifche» Wirkung der Strahlen entsprechend schneller oder langsamer zersetzt und eine entsprechende Menge Kohlensäure liefert. Duclanx fand zu- nächst, daß keineswegs eine so einfach« Gleichung staltfindet, um von dem Grade der Bewölkung z. B. ans die phorographisch« Wirkung der Strahlen schließen zu können, so daß rein blauer Himmel das chemisch stärkste, völlig dedeckt« Himmel das schivächste Licht lieferte. Es zeigte sich vielmehr, daß«in gefleckter oder mit leuchtenden Cumnlus-Wolkeu bedeckter Himmel ein wirksameres Licht liefert als blau« oder mit leichtem Cirrus-Gewölk überzogener Himmel. Was wir als Schönw-lter bezeichnen, ist also weder in photo- Veranlworllicher Redakteur: Zlugust Jacobcq in Bei graphischer, noch in hygienischer Beziehung das wirksamste Wetter, und diese Thatsache ist natürlich den Photographen längst bekannt. Auch sind die Lichtwirkungen der Monate verschieden, z. B. im August stärker als im September. Aber auch zwischen scheinbar gleich hellen Tagen zeigte» sich bemerkens- wertste Unterschiede, welche Duclanx zum theil den Duftsloffen und ätherischen Oele» zuschreibt, die zeitweise die Atmosphäre schwängern und die chemisch wirksamen Strehlen besonders stark verschlucken. Eine Folge heiß« Tage, welche die Vegetation anregt und in bergigen Gegenden die Luft mit dem Dnfte der Tannen- und Fichtenwälder füllt, wird von einem Tage zum andern die chemische Kraft der Strahlen schwächen, so daß der erste helle Tag nach Regenwetter die besten Wirkungen giebt; überhaupt sei wechselndes Licht bei der Zersetzung der Oxalsänre-Lösnng am wirksamsten.— („Prometheus.") Humoristisches. — Ein Abenteuer ist jüngst den« Nachtwächter des kleinen Städtchens B. im Regiernngsoezirk Marienwerder zugestoßen. Der Manu legte sich, ermüdet von seinem Rundgange, in ein« der letzten stürmischen Rächte in einen ans der Straße stehenden, mit Slroh beladen«» Schlitten, der einem Fnhrman» aus F. gehörte, und dessen Besitzer ausgespannt hatte, um den Morgen abzuwarten. D« Nachtwächter verfiel im warmen Strohlager in einen tiefen Schlaf. Ehe er erwachte, spannte der Fuhriverksbefiyer an und fuhr»ach dem Is Kilometer entfernten F., ohne zu ahnen, was für einen sonderbaren Fahrgalt er hinten in, Schlitten habe. Als das Fuhrwerk in F. ankam, erwachte der «chütz« der Nachtruhe; schlaftrunken und crslannt über die seltsame Unigebnug greift er pflichtschuldigst nach seiner Psessc, um seines Amtes zn walten. Da ii>«kt er zu seinem größten Schrecken, daß er sich in einen, srenideu Ort befindet. Nnlerdefsen beginnt es zu dämmern, und nn» hat er noch die Schadeufreudo einig« Bäcker- jungen zu erdulden, die sich um den„fremden Wächter der Nacht" versaiumelten. Wohl oder übel muß er den 14 Kilometer langen Weg nach B.. seine Piek« als Stock benutzend, zn Fuß antreten.— Der Nachtwächterfchlaf ist sehr oft gut und tief. In ein« kleineu schtesifchen Stadt haben vor dreißig Jahren zwei lese Schmiede- Lehrlinge, während die Wächler der Nacht schlafend„unter den Landen" lehnten, zwei Nachtwiickilersvieße so zusammengeschweißt. daß man am»ächfien Tage den Meißel anwenden mußte, um sie zu trennen.— rt. Adam und Eva in der Volksschule. In der untersten Klasse einer Berliner Gcmeindeschnle hatten die Kleiiren die Geschichte von Adam und Eva lernen»mssen. Das dicke Lieschen soll aus Gebciß der Lehrerin crzähten, wie der Slmdenfall sich zugetragen hat nud thnt dies folgendennaßen: Kind: lind Eva gab Adam den Apfel, nnd Adam eßte den Apfel. Lehrerin: Falsch; es heißt: Adam aß den Apfel. Wie heißt es also? Kind: Adam aßte den Apfek. Lehrerin: Das ist wieder falsch. Es heißt: a ß. Nun sag's einmal richtig. Kind: Nnd da eßte das Aas den Apfel.— Vermischtes vom Tage. — Die Dampfschneidemühle von G. C. Bartels». Söhne in Hamburg rst niedergebrannt.— — Im Georgenburger Forst bei Jnsterbiirg wurden unter aufgethanten Schueemassen fünf Leichen anfgefmiden. Opfer der Schneestürme.— — In Leipzig übergoß sich die Fra» eines Schirrmeisiers mit Petrolenm und setzte die durchtränkten Kleider in Brand. Sie starb kurze Zeit, nachdem man st« ins Spital gebracht.— — Der Professor Vosyka, Lehrer an der czechischen technischen Hochschule in Prag, hat sich erschossen.— — Sau Sebastian(Spanien). Der französische Dampfer „Blanche" ist in einem heftigen Sturme beim Verlassen des Hasens von Los Pasages gescheitert, lg Personen find erlrnnken.— — Im Hafen von Antwerpen sind infolge eines Un- wetters uiehrere Unglücksfälle vorgekoinmen. Die Schcssfahrt nach den englischen Häsen war zeitweilig unterbrochen.— — Moskau. Ein Personenzug ist einen Abhang hinab- gestürzt und zerschellt. Man zählte 19 Todte und 8 Verwundete.— — Ein Minister a l s Entführer. Stoilescu, der rumänische Minister des Aenßeren, hatte einem jungen Freund b« Entführung einer Millionärslochter geholfen. Jetzt ist der wiilhende Bater zum Kadi und König gelaufen.— — Die Meldung, daß auf dem Dampfer„Venu s" ein Pestfall vorgekommen ist, wird von englischer Seite als erfunden bezeichnet. Kein aus Indien kommendes Schiff, dürfe in Malta an- laufen.— — In P o r t S m o u t h(England) ist eine Schauspiel«!» direkt von der Bühne weg unter die Heilssoldaten gegangen. Zuvor vertheille sie ihre Juwelen und Kleider unter ihre bisherigen Kolleginnen.—_ Di« nächste Nummer des Unterhaltungsblaltes erscheint Sonn- tag, den 7. März.__ in. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.