Anterhallungsölatt des Dorwärts Nr. 54. Mittwoch, den 17. März. 1897. (Nachdruck verboten.) 32] Fskob de« Uetzke. Eine Waldbanerngeschichte aus unseren Tagen. Von Peter Rosegge r. Die neueste Zeit hatte dem Waldmeister eine neue Land- plage gebracht, und dem Aerger darüber schrieb er es zu, daß sich in seinen Knochen die Gicht anmeldete. Tie Touristen! Das sind fürs erste weder Hirschen noch Wildschützen, also sehr verächtliche Kreaturen. Fürs zweite steigen sie auf allen Bergen und Wänden umher, jodeln und lärmen und ver- scheuchen das Wild. Trotten mit ihren verfluchten Bergstöcken höllisch blöde und gleichgiltig dahin und verscheuchen es doch. Können den Schildhahn nicht vom Rebhuhn unterscheiden und verscheuchen sie doch. Auf dem Weg, heißt's, wollten sie bleiben, diese gottsvermaledeiten Lnftbummler. Auf welchem Weg? Es giebt keinen Weg, keinen öffentlichen, in unseren Gebirgen. Privatgrund! Da wird nicht aufgetreten! Die Tonristen wußten nur von einer schönen Gottesivelt und nichts von einer, die dem Kampelherrn gehört; sie stiegen also auch hier wie überall auf die Berge und freuten sich. Da nahm der Oberförster eines Tages einen gefangen. Der hatte nach keinem Wild geschossen, ja nicht eiinnal eins ge- sehen, denn er war sehr kurzsichtig und trug über seine ge- wohnlichen Augengläser Nummero Acht noch ein paar blaue Brillen gegen das grelle Sonnenlicht. Diesen Menschen hatte der Oberförster festgenommen, weil das halbblinde Individuum oben ans der Nockhöhe einen Jauchzer gemacht hatte.„Wen der Teufel schon umhertreibt im Revier, der soll wenigstens's Maul halten!" „Aber liebster Herr Jäger," rief der Tourist,„wenn die Welt halt allzuschön ist! Wenn's halt gar zu lustig ist auf der Alm, wer soll da nicht jauchzen! Juch! Juch! Juch!" Klingend jauchzten es die Wälder nach in der Runde. Ter Waldmeister war außer sich.„Die Hände kann man so einem Kerl fesseln, aber um die Goschen läßt sich kein Schloß anlegen." „Juch! Jnch!" schmetterte der Tonrist in alle Winde und machte einen Freudensprung um den anderen. Der Waldmeister legte ganz unwillkürlich die Finger an den Hahn.„Hol' der Teufel das ganze Jagdgesetz, wenn man so einen Manlaffen nicht über den Haufen schießen darf!" knirschte er und stieß den Gewehrkolben auf den Boden. Der Tourist mußte mit ihm. Er ging voran und pfiff allerlei Licdel», der zornmüthige Waidmann ging hinten drein und knurrte allerlei Namen. Erst unten au der Sandach, wo das Wasser alles Pfeifen und Jauchzen und Knurren über- täubte, wurde der Tourist freigelassen. Er lies aber nicht alsbald davon, sondern stellte sich hart vor den Jäger hin und sagte: Hochanschnlichc Herrschaften und Jägerslent'! Ihr habt es weit gebracht mit der Welt, daß man jetzt nimmer jauchzen soll dürfen im grünen Wald! Das Fluchen ist nicht verboten, wie ich Euch angemerkt habe. Schön! So verdamm' Euch Gott, Ihr edlen Herren und unedlen Jäger, daß Ihr Eurer Leidenschaft die Existenz braver Leute, ganzer Stände opfern könnet! Verdamm' Euch Gott, die Ihr den Mordkuall habt aufgebracht im Wald und das frohe Jauchzen verdrängt! Zu Pulver soll Euer Blut werden und zu Blei Euer Herz und zu Rauch Cur« schwarze Seele. Guten Morgen." Und war davon. Der Fluch schien echter zu sein als der gute Morgen; es war ganz verdammt heute! Noch grub in der schwarzen Seele des Waldmeisters der eine Aerger, da kam auch schon der zweite. Der Almhalter Wegerer begegnete ihm. Der schlich mäuschenstill daher auf dein steinigen Hohlweg, und zwar barfuß,„daß ich die Hirsche nicht verjage", sagte er juin_ Ladislaus. Die Wahrheit war, daß er keinen Schuh Der Waldmeister wollte seinen Unmuth zerstreuen tind Hub mit dem alten Wegerer ein Gespräch an. „Na, Wegerer," sagte er,„was kann so einem Kerl auf- gesetzt sein, der im Wald wie toll umherschreit und das Wild anfscheucht?" „Fürs erste," antwortete der Wegerer,„kann er heiser iverden. Nachher kann's ihm durch die Straf' Gottes auf- gesetzt sein, daß er taubstumm wird! Ganz taubstumm. Und blind und lahm, und nach und nach todt— mausetodt!" „Schön," sagte der Waldmeister,„und weil Du Dich schon so gut Mlskennst, und Du vor lauter Blindheit ein Seher bist geworden, sage mir einmal, was kann dem Bauer dort drüben aufgesetzt sein!" „Dem Reuthofer? Der muß verhungern, wenn er nicht gescheit ist und sich als Wildschütz einsperren laßt. Ist ihm aufgesetzt, ich sag's!— Seinem Haussitzer, dem Pechöl- Ratz, ist auch was aufgesetzt. Ja, der wird mit achtzig Jahren noch ein schönes Weib heirathen, weil er Kinder haben will." „Da wird ihm wohl noch etwas anderes aufgesetzt werden," bemerkte der Walvmeister witzig.„Schau her da. Älter, hast Du schon einmal einen solchen Rosenkranz gesehen?" Er zog aus der Tasche einen Lederbeutel und aus diesem seine Seiden- schnür mit den Knoten hervor. „Weiß nicht," schmunzelte der alte Almhalter.„Ich bin halt ganz unschuldig und kenn' mich da nicht aus." „So reden wir von anderem. Sage mir, lieber Alter, was steht unserem gnädigen Herrn bevor?" „Dem gnädigen Herrn!" entgegnete der Wegerer,„dem Kampelherrn! Ja, das ist so eine Sach'l" „Nun?" „Der gnädige Herr Kampelherr," sagte der Alte mit Be- denken,„wenn sich der nicht bald ändert— an dem erlebe» wir noch was!" „Wohl doch nichts Schlimmes!" „Weiß nicht. Wenn sich der nicht bald ändert, so—" „Heraus mit der Farbe!" „— So wird er Baron." Der Waldmeister lachte laut auf. Er dachte auch daran, daß es nicht sein Schaden sein würde, wenn die Weissagung des Alten in Erfüllung ginge. „Und was meinst Du, Wegerer, was mir aufgesetzt ist?" fragte der Waldmeister und that die Schnur wieder in den Lederbeutel. „Dem Herrn Waldmeister?" sagte der alte Halter und zog dabei seine Stimme in die Länge. „Aufrichtig sein!" „Darf ich?" „Ich zahl einen Schnaps." „Ist ein gutes Fürnchmen, Herr Waldmeister, ein sehr gutes Fürnehmen. Dem Herrn Waldmeister wird's noch recht gut gehen." „Das hoffe ich. Will wissen, was mir für ein besonderes Glück aufgesetzt ist." „Nach meiner Meinung," sagte der Wegerer schmunzelnd, „aber nicht für übel halten! Kein Mensch kann dafür, was ihm aufgesetzt ist. Nach meiner Meinung müßte sich der liebe Herr Waldmeister zum seligen End' an seiner Seidenschnur aufhenken." „Und dafür willst Du Schnaps haben!" fuhr der Wald- meister auf. „Es kann auch Wein sein." sagte der Alte bescheiden. „Schau, daß Du weiter kommst!" herrschte ihm jener zu. Der Wegerer schlich kopfschültelnd davon.„Ich glaube gar", murmelte er bei sich,„der Mann ist beleidigt. Ei Teuxel, ist es mir akkurat aufgesetzt, daß ich den muß beleidigen, der mir einen Schnaps zahlen will." Und huschte davon. Ei» Narr müßt' einer sein! Im Herbste war's, am Frauentag, genannt Maria Geburt. - Ter Jakob saß zur Feiertagsruh' an seinem Tische und blätterte wieder einmal in der Bibel. Das Blättern ging gar mühsam von statten, die Finger waren steif und ungelenk und das Papier ist keine Axt und kein Spaten. Ja, wäre es eine Axt gewesen oder ein Spaten, dem Manne hätte es besser bekommen. Die herbe Arbeit hatte ihm immer das Herz erfrischt, die Schrift machte ihn nur noch nachdenklicher, als er schon war. Und nachdenken soll ein Mensch nicht, der so betrübt ist, wie der Jakob es war. Ein Luftzug vom offenen Fenster herein hatte auch ein wenig geblättert und schließlich das Kapitel von dem ver- lohnen Sohn aufgeschlagen.— Was geht den Jakob der verlorene Sohn an! Er schlug Hiob den Dulder auf— er verblätterte ihn wieder. Er suchte die Gesänge des Jeremias, aber noch bevor er sie gefunden hatte, schob sich die zwergige Dirn' zur Thüre herein und berichtete kichernd, daß ein Bettel- mann draußen sei. Man solle ihm ein Stück Brot geben. Das habe er schon bekommen, aber er sitze auf dem An- trittstein und wolle nicht fortgehen, so berichtete die Dirn unter heftigem Lachen. Wieder blätterte in der Bibel die Luft, Jakob's Auge fiel auf die Worte des Propheten Jesaias:„Weg ist Freude und ubel von den Fluren. In den Hainen tönet kein Jauchzen. u magst am Morgen Deine Saat säen, am Tage, da Du die Ernte in Besitz nehmen willst, wird sie Schutt sein.— Was war noch an meinem Weinberg zu thun, das ich nicht gethan hätte?— Der Herr wird ihn zur Wüste machen." Es war ihm bange. Er stand auf, um hinauszugehen in seine Stallnng, daß es Werktag werde um ihn. Da sah er vor der Hansthür auf dem Antrittstcin noch den Bettelmann; der saß müde da und stützte den Kopf auf die Hand. Der Jakob trat zu ihm, blickte ihm ins Gesicht und erschrak bis ins Herz hinein.— Das ist doch nicht möglich! Es kann nicht sein. Es ist nur so eine Aehnlichkeit, alte Leute sehen sich alle gleich. Und ist's doch wieder! In ivelchem Zustand! Zer- rissen und verkommen.— Der struppige Bart des Bettelmannes ist eisgrau und bewuchert das. ganze Gesicht. Die kleinen Augen zucken wirr nud die Zunge kommt aus dem Munde hervor und sucht in» Bart herum nach Brosamen, die etwa vom verzehrten Brotstück dort zurückgeblieben sind. Dabei ist der wetterfahle Hut schief nach einer Seite hin gestülpt, so daß das Kerlchen bei seiner Armseligkeit noch fast keck aussieht. „Mit Verlaub", sagte der Jakob, als er eine Weile beob- achtend vor dem Bettler dagestanden war,„ich muß mich doch vielleicht irren." „Wirst Dich nicht irren," antwortete der Bettelmann und trommelte mit der mausfahlen Stiefelspitze auf dem Stein. „Wirst Dich nicht irren. Rösser kaufen geh' ich um, wenn Tu rhrer hast." „Also richtig der Guldeisner!" rief der Jakob.„Gut ausschaust! Heißt das, alt, Woltern alt werden wir halt schon miteinand." „Alt und letz, und arm'lud dumm," knurrte der andere in seinen wulstig beflickten Mantel hinein. „Wirst nicht eine Weil' so sitzen bleiben, Nachbar, in der frostigen Hcrbstluft da!" sagte der Jakob,„geh' ein wenig in die Stuben hinein." „Wenn Du ein Wirthshaus hättest. Ueber Nacht bleiben möcht' ich da." „Wirst Platz haben," sagte der Jakob und dachte bei sich: Armen Mensch! Mußt betteln und willst es nicht merken lassen. Er hatte vieles vorausgesehen, aber das hatte er nicht erwartet. Das Mitleid kam. Er will es ihm nicht fühlen lasien, dem Guldeisner, was dieser einst in seinem Hochmnth gesündigt. „Mich freut es recht, Nachbar, daß ich Dich Heimen kann und daß Du mein Dach nicht verschmähst," sprach der Jakob. „So, Franz, mach' Dich nur bequem da in der Stuben. Brauchst nicht so still umzuthun, der Petcrl auf der Ofenbank, der schläft fest. Em Krügel Holzapfelmost, wenn Du magst. Dies Jahr ist er wieder einmal geronnen. Leg' ab Deinen Wetter- mantel, leg' ab. Ist das beste Zeug, so ein alter Loden, wenn man in den Regen kommt. Ich häng' auch allemal niein altes Zeng um, wenn ich ins Gebirg geh'. Aber daß Du jetzt Rösser suchst zn Altenmoos!" „Such' ja keine," antivortete der Guldeisner und pfusterte die Worte nur so stoßweise hervor,„Rösser! Ein Narr müßt' einer sein! Den Guldcisnerhof möcht' ich wieder kaufen. Heißt das, wenn er noch stehen thät' und wen» ich Geld hätt'. Der Kampelherr, Hab' ich gehört, will ihn wieder los haben. Will ganz Altenmoos wieder los haben. Hat einen 5kracher gemacht, beim Kampelherrn. Mir kann's gleich sein. Aber errathen hast es, Reuthofer!" Er trank de» Krug Most auf einen Zug aus. „Wie Dn's nur gar so fein hast errathen mögen!" fuhr er gesprächig fort.„Oft Hab' ich an Dich gedacht. Aber den anderen geht's auch schlecht. Recht verzwickelt schlecht." Und nun Hub er an zu erzählen von den Ausgcwailderten, von solchen, die irgendwo eine Hütte hatten und darin Roth litten und von solchen, die nichts hatten, und von solchen, die ver- schollen waren. Dann wieder lobte er die Wirthschaft des Reuthofers und rief immer wieder aus:„Daß Du es aber gar so gut hast errathen mögen!" Der Jakob konnte sich nicht genug wunder» über das vertrauensselige Geplauder des einst so schroffen, ivortkargen Mannes. Es hatte in der That den Anschein, als fühlte der Guldeisner sich jetzt als Mensch, der nichts mehr zn verlieren hat, weit behaglicher und gcmüthlicher, denn früher als. reicher Großbauer und Herrenschlössclbefitzer. „Dummer Bauer!" sagte der Guldeisner plötzlich und schaute den Jakob mit Verachtung an. „So!" entgegnete dieser. „Kommst vom Tisch bis zum Ose» und weißt nichts. In die Fremde muß man! Die Welt muß man sehen! Einen Unterschied muß man kennen lernen!— Du lebst und stirbst auf einem Fleck und meinst, ivas für em Schelmcnstückel Du geleistet hast! Bist vierspännig gefahren? Hast Champagner getrunken? Bist betteln gegangen? Nichts erfahren. Ein Narr müßt' einer sein! Der Apfel hat zwei Seiten, mein lieber Reuthofer! Ans der einen ist er roth, auf der anderen gelb. Du bist hausgesessen geblieben und guckst auch sauer drein. Wenn'» was gilt, Nachbar, schlafen will ich besser wie Du!" „Magst recht haben," versetzte der Jakob und dachte bei sich: Hochmüthig muß der immer sein, das eine Mal ist er's auf seinen Neichthnm, das andere-Mal auf seine Bettel- haftigkeit. Im Wandwinkel hockte die zwergige Dirn' und kicherte llnd kicherte. Das verdroß den Guldeisner.„Dumme Drulle, altcnmooserische!" knurrte er sie an, da brach sie in ein schallendes Gelächter ans. Als der Guldeisner und die zwergige Dirn' so neben- einander auf der Bank saßen, er bruinmend und knurrend, sie kichernd und lachend, da fiel es dem Jakob ein, was die Leute sagten und daß diese zwei ungleichen Wesen näher niileinander verwandt wären, als das sonst zwischen fremden Leuten gc- bräuchlich und sittsam ist. Ter ganz gescheite Guldeisner und die dumme Dirn'! Da sitze» sie nebeneinander und sie weiß nichts von ihm, als daß er brummt, und er weiß nichts von ihr, als daß sie lacht. Lassen wir Gras darüber wachsen, dachte der Jakob, wer weiß, ob er eine Freude daran hätte, der Junggescll', in seinen alten Tagen eine solche Stütze zn finden. Besser, freilich, besser ist er immer noch daran, als der alte Ehemann, der kinderlos dasteht.... Die Abendsuppe ließ sich der Guldeisner wohl schmecken. „Mehr Milch müßt' dabei sein, wenn Deine Köchin keine Dudl lvär!" sagte er schließlich.„Wenn ich Wasser saufen ivill, so leg' ich mich in den Bach und nicht in die Schüssel." Ter Jakob freute sich dieses kritischen Allsspruches, welcher zeigte, daß der Guldeisner satt war. „Wo ans geht niorgen Dein Weg, Nachbar?" fragte er. Ter Guldeisner blickte den Jakob wie befremdet an. „Morgen?" fragte er dann,„morgen bleib ich daheim." Da merkte es der Reuthofer, daß in der Vorstellung des Guldeisner der Rcnthof zu dessen neuer Heimath erkoren war. „Es wäre schon recht, wenn ich Tu ein Daheim geben kunnt ," versetzte der Jakob zn einer höflichen Ablehnung. „Schau' Dir's halt einmal an, das traurige Altenmoos." Der Guldeisner brütete vor sich hin und murmelte:„Alten- moos! Auf diesen» Fleck ist's mir auch einmal gut'gangen." Dann fuhr er auf:„Nachschauen muß ich. Die vertrackten Kerle schlagen mir Jungivald nieder. Sag' einmal, Winkel- bauer, sind da oben im Knatschelhaus, oder im Oberstöckelhaus Leut' drinnen?" „Liegt seit.fünfzehn Jahren kein Zimmerbaum mehr auf dem anderen." „Sind im Sa»ldlerhof Leut' drinnen, oder im Wald- stuberhäusel?" „Wo diese gestanden sind, da»vachsen Brennesseln." „Dodl alter," fuhr der Guldeiser den Jakob an,„»vo soll einer denn nachher betteln, wenn die verdammten Nester dahin sind! Na hörst, Bauer, dieses Altenmoos ist sauber herunter gekommen!" Eine scharfe Entgegnung lag dem Jakob auf der Zunge, er sprach sie nicht aus, er hatte Mitleid mit des Alten wirr« gewordenem Kopf. Er lud ihn ein zum Schlafengehen. Als der Gtildeisner sein Leibel auszog, hin es über den Strohschaub zu breiten, den ihm der Jakob in die Stube zur Schlafstätte getragen hatte, kletzelte er ein Papier aus der Tasche.„Da Hab' ich— wenn's wahr ist— einen Brief/ murmelte er.„Hütt' eh bald vergessen, daß ich ihn abgieb'. Dem Jakob Steinreuter gehört er" und las stockend die Adresse:„Bauer in Altenmoos bei Sandeben, letzte Post Krebsau in Steiermark. Kaiserthum Oesterreich.— Muß weit her sein, weil er so viel umfragt in der Welt nach dem Jakob Steinreuter. Da hast ihn." „Wie kommst Du zu so einem Brief?" fragte der Jakob, das große versiegelte und verbogene Schreiben ihm ans der Hand nehmend. „Traurig stünd's mit Eurer Post, wenn unsereiner nicht war'. Hundstraurig. Der Bot' in Sandeben— wohin ich ginge?" schreit er mir nach. Heim, sag' ich, ins Attenmoos. Ob ich mir einen Botengroschen wollt' verdienen nnd einen Brief mitnehmen für den Reuthofer? Lumpig! sage ich, daß Ihr sogar die Kavaliere belästigen müßt mit Eurer Brief- post. Her den Bettel!— Sapperment, ist das einmal ein Federbett!" Damit sank er in das Stroh.„Ah, jetzt werd' ich bald König sein," lallte er noch, dann schnarchte er auch schon. (Fortsetzung folgt.) Ein Komnntnnvd. In der nächsten Nummer beginnen wir mit dem Abdruck der „ E r i n n e r u n g e n e i n e s 5t o m»i u n e k ä in p f e r s" von H e n r i B r i s s a c. Wer ist Henri Brissac'i werden die Jüngeren fragen. Unter den Aclteren sind viele, die ihn dein Name» und Ruf nach rennen, dieses Prachtexemplar der immer seltener werdenden Vieillvs Barbes(„Alten Barle"), wie man i» Flankreich die noch überlebenden Verschwörer und Barrikadenkämpfer ans den Zeiten Louis Philipp's und Napoleon's des itleinen nennt. Es war damals die R o»i a n t i k d e r R e v o l u t i o n.»iid Henri Brisfac mit feinem Feuerkvpf und seiner flammenden Phantasie war einer derronianlischsten jener Siomanliker. Und ist er auch jetzt i» den Siebzigen— er ward 1825 geboren—, so ist sein Herz doch noch so jung ivie vor 50 Jahren, nur daß sich aus dem Romantiker der Revolution ei» klar bewußter Sozialist entwickelt hat. AlS 5knabe und Jüngling begeistert durch die Großthaten der französische» Revolution, gerieth er als Eiiinndzwanzigjähriger i» die sozialistische Strömung. Er las— 1346— die Schriften Fonrier's, dessen scharfe, lebendige Kütik der Bourgeoisie-Wirlh- schast sich ihm unverlöschlich einbrannte. Die Fourieristen waren eine der drei sozialistischen Sekte», die damals in Frankreich nebe» einander und mit einander rangen: Saint S i in o n i st e n. C a b e t i st e n, F o n r i e r i st e». Die revolutionären Franzosen mußten zu jener Zeit irgend einem Ismus huldigen— auch die von heule haben diesen nationalen Erbfehler noch nicht ganz ausgeschwitzt—; Brissac wurde Fourierist. Mit Eon- siderant, Cantagrel und anderen arbeitete er an der nach Fonrier's Tode gegründeten„Democnitis Pacifique"(wörtlich: „friedliche Demokratie"), dem Hauptorgan vorachtnndvierziger Sozialisten. Trotz der Friedlichkeit der„friedlichen Demokratie" kämpfte er, 23 Jahre alt, auf den Barrikaden des Februar(1848), und vier Monate später auf denen der Jnnischlacht. Er kam heiler Haut davon; und auch der Staatsstreich des 2. Dezember 1651 ver> schonte den noch ivenig Bekannten. Unter dem Kaiserreich setzte Brissac seine literarische Thätigkeit fort, so gut es ging, und wurde durch ein Gedicht, das er G c o r g e S a n d widmete, mit dieser genialsten Verfechterin der Frauenemanzipation bekannt und be- freundet. Ende der fünfziger Jahre gründete er die „Revue de Paris", welche jedoch bald von der kaster- lichen Polizei unterdrückt ward. Von Ekel erfüllt über die politische Schandwirlhschaft und an der Möglichkeit baldiger Besserung verzweifelnd, begab Brissac sich 1866 nach Warschau, wo er als Sprachlehrer seinen Lebensunterhalt fand. Sieben Jahre später veröffentlichte er in Paris, wo der Druck des kaiserlichen Despotismus anscheinend etwas nachließ, seine von schwärmerischer Liebe zur Menschheit getragene Schrift:„Der neue Geist in der Menschheit"(l Esprit Nouveau dans l'Humanite); und im Jahre 1863 kehrte er in die Heimath zurück, um sich persönlich an dem Kamps gegen das Kaiserreich zu betheiligen, dem die junge französische Demokratie kühner und kühner zu Leibe ging. Im„Rappel", in der „Cloche"(„Glocke") warseine Feder unermüdlich, nnd in Versammlungen. die allerdings nur in privat gemietheten Räumen stattfinden durften, bildete sich Brissac zum Vollsredner. Ter Krieg kam; der Sturz Napoleon's. die Errichtung der Republik: die Belagerung von Paris. Brissac trat in die Redaktion des„Combat"(„Kampf") ein, nnd später auch des„Vengeur"(„Rächer"). An den Versuchen, die Republik demo- kratisch zu machen nnd den revolutionären Massenkrieg zur Ber- iheidigung zu organisiren. nahm er natürlich nach Kräften»heil. Die französischen Reaktionäre wollen die Republik ersticke», das be- waffnete Paris entwaffnen. Das Volk erhebt sich am 13. März 1871 Die Komm u n e ersteht und Brissac wird Mitglied der St o m m u n e. Am IS. April wird er in den Exekutiv- A u s s ch u ß der Kommune gewählt und einige Tage später in de» W o h l f a h r t s« A» s s ch u ß. Während der Kommune that Brissac seine Schuldigkeit. In der blutigen Maiwoche erlag die Kommune dem Ansturm der über- mächtigen Feinde. Fünsunddreißigtausend Leichen bezeichneten den Sieg der„Ordnung". Am 20. Juni wurde Brissac verhaftet und zu lebenslänglicher Deportation, d. h. zur„trockenen Guillotine" veruriheilt. Seine Schicksale in der Gefangenschaft und aus dem Bagno hat er in seinen„Erinnerungen" beschrieben, die wir für den„Vorwärts" übersetzen ließen und die wir von morgen an unsere» Lesern vor- führen werden. Ist doch morgen der 26. Jahrestag der Kommune- Erhebung. In feinen„Erinnerungen" lernen unsere Genossinnen und Genosse» den Mann kennen. I-e st�le c est, rhomrae— der Stil ist der Mensch— und der Mann. Tie Amnestie des Jahres 1830 öffnete Brissac die Thore des Ge- sängnisses nnd der Heimath. Im Kerker hatte er Muße gehabt, nachzudenken, sich zu sammeln. Er begriff, daß der Sozialismus etwas anderes ist als philanthropische Träumerei und eine Sammlung frommer Wünsche, Er hatte von Marx gehört— sobald er in Frankreich war und sich Bücher verschaffe» konnte, ging er an das Studium des„Kapitals" nnd anderer Schriften unseres großen Lehrers. Und er, der sozialistische Schwärmer, wurde wissenschastlicherSozialist. Seitdem ist Henri Brissac unermüdlich thätig in der Propa» ganda für den modernen wissenschaftlichen Sozialismus nnd die internationale Sozialdemokratie. In allen Organen, welche die revolutionären Sozialisten nacheinander ins Leben riefen, arbeitete er mit. der fleißigsten nnd tüchtigsten einer— im„Citoz-en"(„Bürger"), im„Citoyen de Paris"(„Bürger von Paris"), im„Cri du Peuple" („Ruf des Volks"). Außerdem in der..Societe Nouvelle"(der „Neuen Gesellschaft") von Brüssel, uud in der wiffenschastlichen „Revue Socialiste" ic. Vom Augenblick an, wo die„Pelite Re- publique" unter den Einfluß der sozialistischen Partei kam, wurde Brissac Mitglied der Redaktion.— Ehre dem Braven! Und noch recht viele Kämpfe! Das ist das beste, was wir ihm wünschen können.—>V. L. Kleines �enillekon — Aphorismen über die Kunst. Sich seEst zu offenbarest und den Künstler zu verbergen, ist Zweck der Kunst.— Kritiker ist der, der seinen Eindruck vom Schöne» in neuer Form oder neuer Technik wiedergeben kann.— Bücher sind weder moralisch noch unmoralisch; sie sind gut ge- schrieben oder schlecht geschrieben. Ein drittes giebt es nicht.— 51ei» Künstler will etwas beweisen; nur Thalsachen können be- wiesen werden.— Vom formellen Standpunkt ist die Musik das Urbild aller Künste; vom Standpunkt des Gefühls ist es die Schauspielkunst.— Der Beschauer, nicht das Leben, wird von der Kunst wieder- gespiegelt.— Meinungsverschiedenheiten über ein Kunstwerk zeigen, daß eZ neu, vollständig und lebensfähig ist.— Alle Kunst ist ganz nutzlos.— Oscar Wilde.(„Wiener Rundschau.") — Wie die Venns von Milo anfgefnnde» wurde, darüber hat der verstorbene Marquis von Trogoff- Lanvaux, der i.u Jahre 1820 Seekadctt aus der„Esperance" war uud sich im März jenes Jahres aus der Insel Milo, dem alten Melos, aufhielt, eine Ziotiz hinterlassen, die erst jetzt zur Veröffentlichung gelangt. Sie lautet nach einer Mittheilniig des„Leipz. Tagebl.":„Während unseres Ausenthaltes iu Melos bemerkte ein griechischer Bauer bei der Feldarbeit, daß die Erde den wiederholten Schlägen seiner Hacke widersteht, zieht diese zurück und gewahrt eine Art Wölbung. Getrieben durch die Neugier und die Hoffnung, einen wcrthvollen Fund zu mache», gränt er rund herum nnd erkennt, daß er eine Art Nische vor sich hat. Nach vieler Arbeit findet er endlich die Eingangsthür, stürzt sich darauf nnd sieht zu seinem großen Erstaunen eine wundervolle Frauenfigur mit zwei Hennen zu beiden Seileu. Sie ist gut erhalten. In einer ihrer Hände hält sie einen Apjel, und man hat sie deshalb für die Gottheit der Insel angesehen— da melos im Griechischen Apfel bedeutet— aber man kann sie ebenso gut für eine Venus hallen. Sie ist von grober Sd;önheit: die Draperien sind bcwunderns» werlh ausgeführt." Der herrlichen Figur sehleu die beiden Arme, und nach dem damaligen offiziellen Bericht sollte sie auch ohne Arme gesunden worden sein. Dem widerspricht nun sowohl die obige, gewiß einwandssreie Mittheilung eines ganz un- beeinflußten Augenzeugen, der ebenfalls als Schiffskadett der Aus» grabung beiwohnte. Tumont d'Urville, der 1874 schrieb: Die Statue stellte eine nackte Frau dar, deren linke emporgehobene Hand einen Zipfel trug, rvährend die rechte ein geschickt drapirtes Gewand hielt, das nachlässig von den Hüsten bis zu den Füßen herabfiel; übrigens waren beide verstümmelt nnd sind augenblicklich vom Körper entfernt." Woher diese Vcr- stümmelung rührte, darüber giebt die Erzählung des Vize- konsnls Brest Auskunft, daß sich»m den Besitz des Standbildes zwischen französischen, griechischen und türkischen Soldaten ein förin» lidzes Gefecht entsponnen habe, bei dem die Statue arg zu Schaden gekommen fei. Um der Verantivortung für diese Barbarei zn ent- gehen, wurde in dem amtlichen Bericht gesagt, die Statue hätte bei der Auffindung bereits keine Arme mehr gehabt; und auch der Kadett Dnmont d'Urville wurde. wie ei» anderer Augenzeuge, Lieutenant Matterer berichtet, veranlaßt, dieser amtlichen Lesart beizupflichten, die er erst 54 Jahre später richtig stellte.— Literarisches. n. Wolfs, Franz:»Opfer der Zeit". Schauspiel in 4 Alten. Dresden 4897. E. Pierson. Georg Dolberg steht am Ziele seines Strebens. Soeben ist der große Eisenring bis aus die Unterschriften eine Thatsache geworden. In gehobenster Stimmung verlassen die Gäste, die betheiligten Eisenwerksbesitzer, die Tnsel, um bei einer„fröhlichen Kegelpartie" im Garten neue Kräfte für das Souper zu sammeln. Während des Kegelschiebens beschließen sie als erste That des neuen Unternehmens die Entlassung von 200 Arbeitern, um die Dividende zn steigern. Dolberg, der plötzlich moralische Anwandlungen bekommt, erklärt sich dagegen, weil er als neugebackener Direktor es nicht schon am ersten Tage mit der Masse, d. h. den Arbeitern, verderbe» will und dann, weil die Aktionäre, ohne ihn zu frage», diesen Beschluß gefaßt haben. Wem verdanke» sie den» überhaupt ihr Glück? Ihm, dem Schwiegersohne des Reichsten n»Ier ihnen. Hat er deshalb all' seine Ideale in den Staub getreten, ein Weib des Geldes wegen geheiralhet und jahrelang den Knecht gemacht. um in der ersten Stunde, wo er Herr geworden ist, es nicht ganz nnd unumschränkt zn fein? Er läßt seinen Schwiegervater rufe». Dieser erklärt ihm, daß er bankrott sei und sich eine Kugel durch den Kopf jagen müsse, wen» die Gründung nicht zu stände komme. Er schließt seine Erklärung mit den Worten: „Als Direktor wird uns Deine Arbeit bald in gutes Fahr- wasser bringen!"„Arbeit, nnd innner wieder Arbeit!" ruft ihm Dolberg entgegen,„jetzt glaubte ich oben zn sein... genießen zn können. Ansehen, Reichlhnm zu ernten.... Wofür hätte ich denn meine Jugend hingegeben, mein ganzes Leben geopfert?!" Der Schwiegersohn eines armen, eines bankrotten Mannes hat keine Kraft inehr weiter zn leben. Die Ueberzeugung, daß der Reichthnm hinter ihm stehe, hatte ihn kühn, nnternehmend und rücksichtslos gemacht; jctzt liegt er feige und gebrochen ain Boden. Mit dem Glauben an sich hat er auch de» Glauben an die Zukunft verloren. Ehrlich arbeiten kann er nicht mehr. dazu ist er längst zu verweichlicht, nnd das Betrügen mit dem Gclde anderer Leute für die Taschen anderer macht ihm erst recht kein Vergnügen mehr. Durch einen Revolverschuß macht er seinem„verfehlten" Leben ein Ende.— Der Verfasser hat den Versuch gemacht, die sehr unwahrscheinliche Handlungsweise Dolberg's durch klnge Reden und fentimentale Auftritte als folgerichtig hinzustellen. Wer indeflen die Leute der Dolberg'schen Gesellschastsschicht nur einigermaßen kennt, wird an- derer Ansicht bleiben nnd trotz aller Anerkennung, die er dem Talente des Verfassers zollt, das Buch unbefriedigt bei seile legen.— Völkerkunde. — Die Heirath zwischen Tobten. Die merkwürdige Sitte der Heirath zwischen Todte» bespricht schon Marco Polo bei den Tartaren. Wenn jemand eine Tochter hatte, die vor der Hoch- zeit starb, und ein anderer hatte einen Sohn, der ebenfalls vor der Hochzeit gestorben mar, so richteten die Eltern dieser beiden Verstorbenen eine große Hochzeit für dieselben ans. Ein Kontrakt wurde av.fgesetzt und dann verbrannt, damit die beiden in der anderen Welt die Thatsache erfahren nnd sich gegenseitig als Mann und Weib betrachte» könnten. Die Eltern hielten sich von Stunde an für Verwandte, als wenn ihr« Kinder wirklich sich geheirathet hätten. Dasjenige, was als Brautschatz zwischen den Eltern ver- einbart ivar, ließ derjenige, der es zu zahle» hatte. a»f ein Stück Papier malen nnd verbrannte dasselbe, in dem Glaube», daß sich dadurch die genannten Dinge im Jenseils für die Betheiligten verwirklichten. Colonel Aule glaubte, daß diese Sitte chinesischen Ursprungs sei. Der Japaner Kumugusu Minakata weist dies aus einer chinesischen Quelle, dem„Tsoh-mung-l»h", auch nach. Aus derselben geht hervor, daß die Sitte im Norden China'? bestand, aber offenbar von den Tartaren entlehnt war. Ein Freiwerber „Kweimei, d. h. Ehestifter der Geister", wurde von den Eltern als Vermittler gewählt, der die Ceremonie, die von der oben geschilderten etwas abwich nnd dann zum theil bei den Gräbern der Verstorbenen vorgenommen wurde, ausführte.— Der chinesische Autor des genannten Buches, Kang Amchi, erzählt, daß er selbst seine alle Heimath kurz nach der Unterjochniig durch die Kin« Tartaren im Jahre 4426 v. Chr. besuchte. Die Heirath der Tobten umß ihm nun dort als etwas nenes entgegengetreten sein, was durch die nördlichen Eindringlinge nach China eingeführt worden war, denn er fühlt sich veranlaßt, die Sitte als Erster aufzuzeichnen. („Globus".) Ans dem Thierlebeu. — Habicht nnd Krähen. Aus B u r g d o r f(Provinz tannover) wird der„Magd. Ztg." unterm 42. März geschrieben: in interessanter Kamps zwischen einem Hühnerhabicht nnd einer Anzahl Krähen spielte sich gestern Nachmittag in der benachbarten Ortschaft Weferlingsen ab. Aus einer Wiese dicht beim Dorfe waren mehrere Hühner mit dem Anspicken von grünen Gräsern beschäftigt, als plötzlich ein großer Hühnerhabicht aus den Lüsten herabschoß, sich auf eins der Hühner stürzte, es mit seinen Fängen ergriff und nun mit der Beule davonfliegen wollte. Doch der Habicht hatte seine Rechnung ohne die Krähen gemacht, die in großer Anzahl nicht weit entfernt den Vorgang mit angesehen hatten. Ohne langes Be- sinnen flogen die Krähen auf den Habicht los. um das laut schreiende Huhn seinen Krallen wieder zu entreißen. Sie rückten dem Habicht dermaßen zn Leibe und bearbeiteten ihn so mit Schnabelhiebe», daß er schließlich seine Beute im Stich lassen mußte und schleunigst die Flucht ergriff. Vollbefriedigt über ihre Arbeit ließen sich die Krähen dann wieder in den Aesten der Bäume nieder, riefen dem Räuber aber noch lange ihr„Deis! Deif!" nach.— Techuisches. — Preisausschreiben für industrielle Neu- Heiken. In Wien findet in diesem Sommer eine„Internationale Ausstellung nener Ersindungen" statt. Die Direktion der Ausstellung hat die Ausschreibung von Geldpreisen für die beste» und zweck- mäßigsten Lösungen besonders aktueller nnd wichtiger industrieller Probleine beschlossen. Ausgesetzt ist je ei» Preis von 300 Kronen für das beste A» t o m o b i l- F a h r r a d, für den besten kraus- portablen Gaserzenger und für einen kompendiösen Ventilator; je ein Preis von 450 Kronen für den besten E x t i n k t e u r nnd den besten K r a n k e n- F a h r st u h l; je ein Preis von 400 Kronen für den besten Petroleum- b r e n n e r, für den ziveckmäßigsten N e t t n n g s g ü r t e l, für die beste Bremse der Fahrräder, für daS beste Sl l a r m f ch l o ß, für den besten K l e i n f i l t e r, für das billigste nnd reichhaltigste Neisc-Necessaire, für den besten automatischen T h ü r s ch l i e ß e r, für den besten Ver- b a n d k a st e n, für das einfachste und billigste Verfahren zur Her- stellung schwarzer Lichtpausen, für die beste A u f z i e h- Vorrichtung für Pendeluhren, für die beste T o n r i st e n- Kamera für N a d f a h r e r, für die beste Fahrradlaterne und für die beste T y p e n- S ch r e i b m a s ch i n e. Die ausführlichen Bedingungen für die Betheiligung werden ans Verlangen von der Direktion der Ausstellung gratis und franko zugesendet.— Humoristisches. •~j~ Theorie n n d Praxis. Ein frommer Mann, der einen Epezereiladen besaß, fragte seinen Ladcndiener:„Johann, hast Tu den Rum gewässert?"„Ja!"„Hast D» den gestoßenen Zucker mit Sand gemischt?"„Ja!"„Hast Du den Tabak angefeuchtet?" „Ja!"„Mahle noch Kommisbrot unter den Pfeffer, dann komm' herein, wir wollen unsere Andacht verrichten."— — Ein Ganzschlaner. Gegen den Kardinal Mazarin wurden nnzählige Spottgedichte veröffentlicht. Er kümmerte sich nicht darum Nur einmal that er sehr erbost nnd befahl, alle Exemplare einiger Schmähschriften, die gegen ihn los- wetterten, ins geheim anfzukausen, um sie dann, wie er vorgab, ver- brennen zu lassen. Als er alle beisammen hatte, ließ der schlaue Italiener sie alle wieder verkaufen nnd erzielte mit diesem Handel zehntausend Thaler.— Vermischtes vom Tage. .— Soden, der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, ist Direktor eines großen Plautagcn-Unternehmcns in Kamerun geworden.— — In Schmalkalden hat ein Zimmermann seine Frau im Streite mit einem Beile erschlagen.— — In München ist in der Sonutagnacht infolge von Schnee« fall und Frost ei» Dritttheil der Tclephondrähte gerissen.— — In L u d w i g s b u r g(Württemberg) kam ein Bäckerlehrling auf de» Einfall, seine Kameraden durch„prodeweises Aufhängen" zu erschrecken. Tie Absicht gelang nur zu gut. Der Unvorsichtige bezahlte den Scherz mit dem Leben.— — Ans eiueni Wiener Juwelierladcn wurden Maaren im Werth« von 40 00V Gulden gestohlen.— — Den Bazillus der Kahlheit will in Paris der Dr. Sabourand entdeckt haben.— — In Belgien soll der Transport und Verkauf von Fröschen verboten werden. Der Antrag geht vom Ackerbau- Ministerium ans. In Süddcutschland und Frankreich gelten Frosch- schenke! als Fastenspeise.— — In Brüssel wurde eine Falschmünzer» Werk« st ä t t e entdeckt. Zwei Männer wurde» verhastet. Die bürgerlichen Blätter bezeichnen sie als Anarchisten.— — Im Postamts zn Genua brach infolge einer Gasexplosion Feuer aus. Sechs Personen wurden verwundet.— — Jit B a k»i(am kaspischen Meer) befürchtet man das Auf- tauchen der Pest. Die Arbeiter fliehen zu Hunderten.— — Saint Louis(Nordamerika), 46. März. Ei» der Firma „Ely Walker u. Ko." gehöriges siebenstöckiges Waarenhaus ist gestern Abend durch Feuer zerstört worden. Der Werth des abgebrannten Gebäudes wird auf 200 000, der Werth der verbrannten Waaren auf 4 500 000 Doll. geschätzt. Bei de» Löscharbeiten kamen mehrere Feuenvehrleute ums Leben. Verantwortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.