Anterhaltungsblatt des Vorwärts 6] Nr. 60. Erinnerungen Donnerstag, den 25. März. ( Nachdrud verboten.) eines Kommunekämpfers. Von Henry Brissac. 151 Der Hunger quälte mich seit dem vorigen Tage. Die Stickluft im Karzer hatte es mir unmöglich gemacht, den Tag über mehr als einen einzigen Zwieback zu fuabbern. Aber die belebende Brise der Rhede und die frische Nachtluft hatten ein geradezu rasendes Bedürfniß nach Nahrung geweckt, das durch die ganzen vorhergehenden Entbehrungen noch verstärkt wurde. Endlich öffnete sich meine Zelle, und ich fand Brot am Boden liegen. Ich stürzte darüber her und verschlang es. Es war etwa ein halbes Pfund. Gewiß war das meine erste Mahlzeit; ich erwartete die zweite am Abend. Aber es kam nichts. Auch diese Nacht brachte ich fröftelnd zu. Am nächsten Morgen kam ein Wärter, mich zur Sprechstunde abzuholen. Verschiedene Zellengefangene famen mit mir. Hätte die Tropensoune gebrannt, so wäre mein Schüttelfrost schnell verschwunden gewesen, aber sie verbarg sich hartnäckig hinter einem grauen Wolkenschleier. Ich krenzte die Arme auf der Brust, wie um das letzte Bischen Wärme, das mir geblieben war, zusammenzuraffen und so machte ich mich, bar köpfig und kahlgeschoren, das Gesicht ebenfalls glattgeschoren, mit Schellen an den Füßen, auf den Weg. Wir kamen an kleinen vergitterten Häusern vorbei. Offene Thüren gestatteten den Gefangenen ein bischen im Freien zu schlendern. Trotz meiner Kurzsichtigkeit glaubte ich, einige politische Freunde zu er kennen. Die verhaßte Vermischung mit gewöhnlichen gemeinen Verbrechern dauerte auch auf der Fusel Nou fort. Wir machten Halt und erwarteten den Arzt. Glücklicherweise war es nicht der bewußte Korse, sondern ein junger Arzt dritter Klaffe. Was haben Sie?" fragte er mich sanft. " Ich friere und möchte eine Bettdecke."" Notiren Sie eine Bettdecke," wandte er sich an einen Schreiberdienste verschenden Sträfling. 1897. Aufseher führte mich nach der Schmiede. Ich mußte mich ausstrecken, damit mir die Fußschelle abgestreift werden konnte. Aber alsbald wurde mir eine schwerere angeschmiedet, die mit zwei Ketten verbunden war. Eine Kette mehr als in Toulon - ein merkbarer Fortschritt! Ich wurde in eins der Häuser vierter Klasse" geführt, das mitten im Gebäudekomplexe des Besserungshauses lag. Es war ein langes Gefängniß, für fünfzig Verurtheilte bestimmt, doch drängten sich, als die auf Arbeit befindliche Kolonne zurückgekehrt war, etwa siebzig Personen darin zusammen. Bergitterte Fensteröffnungen hoch oben in den Mauern, darunter ein Brett, worauf Säcke und Eßwaaren; noch tiefer die während des Tages eingerollten Hängematten; in einiger Entfernung davon ein Balken, gegen den sie in der Nacht ausgespannt werden; zwei Wascheimer im Hintergrunde. Einer der anwesenden Sträflinge bot mir ein angeblich goldenes Kreuz zum Kauf an. Ich lehnte ab. Aber' s fostet ja nur fünf Nickel." Ich wiederholte meinen abschlägigen Bescheid. Willst auch kein Taschentuch?" Ich verneinte gleichfalls. " Du hast wohl keine Asche?" „ Nein!" " Für einen Hagzir"( Zwangssträfling) schanst Du nicht besonders" helle" aus," sagte ein anderer Galeerensträfling. Ich mache in dieser Beziehung gar keine Ansprüche." " Wenn Du keinen Toback haft, kannst Du Div. ja nicht mal eine ins Gesicht stecken." „ Ich verzichte darauf." " Sieht er denn wie ein ehrlicher Mensch aus?" So laßt' n doch, er ist' n Kommunard und hat noch kein Lehrgeld gezahlt." Spielen wir!" sagte einer der Sträflinge zu seinen Kameraden. Er zog ein Packet Karten hervor." Willst Du aufpassen?" fragte er mich. " Meinetwegen, aber ohne alle sonstige Verantwortung." Wenn Dir was auffällt, so rus' Achtung!" sagte ein anderer. Ich brauchte nicht„ Achtung!" zu rufen, denn die andern Zwangssträflinge kamen bald zurück. Als ich in meine Belle zurückgekehrt war, erhielt ich zum Frühstück genau dieselbe Quantität Brot wie gestern. Ich überlegte lange, ob ich sie auf einmal oder nach und nach Jeder streckte sich auf dem Boden hin oder setzte sich so aufessen sollte. Ich fonnte zu feinem festen Entschlusse gut oder übel es gehen wollte, auf seinen Sack. Mein Nach kommen und beschloß, mich ganz der Eingebung des Augen- bar zur Rechten, der von meiner Ankunft erfahren hatte, bat blicks zu überlassen. Das unvermeidliche Resultat versäumte mich, mir seine Erfahrung in dieser Umgebung zu Nutze zu nicht, sich alsbald einzustellen: In weniger als einer halben machen. Er hatte leidlich gute Bildung und vermied es sorgStunde war alles rein aufgegeffen. Meine Vernunft machte fältig, Rothwelsch zu reden. Er sagte, er wäre ein alter mir die heftigsten, aber nußlosesten Vorwürfe. Sie nahmen Quartiermeister, für ein leichtes Vergehen mit Gefängniß bezu, je mehr Stunden verstrichen. straft. Vom Jähzorn hingerissen, habe er einen Wärter getödtet, Nachts brachte mir die Decke zwar Wärme, aber keinen der ihn, wie er behauptete, feindselig verfolgte, und so sei er Schlaf; diesen verscheuchte ein Hunger, gegen den unmöglich ins Baguo gekommen. Er fragte mich: Sie kommen aus auzufämpfen war. Dieser Zustand verschlimmerte sich un- der Zelle?" Wir sprachen vom Kerkermeister, von der Nahrung leidlich, als der Tag anbrach. Ich delirirte und hatte eine und von der Bettdecke. eigenthümliche Vision. Ich sah Berge von Fleisch, dampfende„ Der Kerkermeister oder Schließer," sagte er, heißt hier Schüsseln auf einer zierlich gedeckten Tafel. Jede andere Vor- Buchtmeister, weil er die Züchtigung mit der Peitsche vorstellung, wie Fortschritt Familie Humanität war spur- zunehmen hat. Er hat mehrere Kollegen, der Henker gehört los verschwunden. auch dazu. Kurz und gut: sie haben Sie nicht todtgeschlagen „ Bevor ich das thue, müßte ich doch wissen, warum fie mich hätten todtschlagen sollen?" Da öffnete sich ein Pförtchen und schloß sich augenblicklich preisen Sie Ihren Stern!" wieder; neben mir fiel ein Zettel zur Erde. Ein paar mit einem Bleistift geschriebene Zeilen sprachen mir Muth zu, geduldig zu sein, und kündigten mir meine demnächst bevorftehende Befreiung aus der Zelle an. Etwas später öffnete fich das Pförtchen abermals und eine Stimme flüsterte: " Schnell, wollen Sie etwas?" Ich möchte Brot!" Ich bekam es und ein großes Stück gekochtes Rindfleisch, auch Bagno Bouillon, die nachmittags in den Zellen aus getheilt wird. = Aber das ging mir nicht so ungerächt hin: man nahm mir meine Bettdecke weg und ersetzte sie durch einen alten zerrissenen Lumpen. Ich sah es nur zu wohl der Kampf zwischen dem Arzt und dem Menschen, der offenbar das volle Vertrauen der Strafverwaltung genoß, war ein zu ungleicher. Die Fieberschauer erneuerten sich jede Nacht bei mir, und der Arzt und ich waren schließlich doch die Geprellten. ,, Warum haben denn die Aufseher zugeschlagen, ohne auch nur zu schauen, wer die Schläge bekam? Hier bedarf es keiner Gründe, daß todtgeschlagen wird: das bloße Vergnügen daran genügt schon. Wenn man Ihnen, um Ihnen das Geständniß eines wirklichen oder vermeintlichen Verbrechens zu entreißen, die Daumschrauben angelegt hätte, was würden Sie dazu fagen?" der ,, Die Daumschrauben?!" ,, Natürlich; ich werde Ihnen einen Verurtheilten zeigen, dadurch verstümmelt wurde." Also ist die Folter hier noch in voller Blüthe?!" Es giebt verschiedene Leute hier, die behaupten, die Daumenschraubenstrafe habe eine ausgezeichnete moralische Wirkung. Das sind gewöhnlich diejenigen, die sie verhängen, aber nicht selber zu fosten haben. Ich versichere Ihnen nochNach zehn Tagen wurde ich aus der Zelle entlassen. Ein[ mals, Sie haben in dieser Zelle bedeutendes Glück gehabt. 238 Außer Ihrem Pfunde Brot, das freilich von den Zuchtmeistern auf ein halbes reduzirt worden ist aber das ist so üblich - „ Gewiß!" Unser Zug schwenkte in ein Thal ein, das häßlich auss haben Ihnen Ihre Kameraden beigestanden, die es fertig sehendes Gebüsch und kahle Felsen begrenzten, von denen die gebracht haben, einen der dienenden Geister oder vielleicht gar erbarmungslosen Sonnenstrahlen zurückprallten. Später ging's einen der Zuchtmeister selbst zu bestechen- ich will damit durch eine Allee von Kokosnuß- Bäumen, die, von der nicht sagen, daß das besonders schwierig gewesen ist. Aber Brise bewegt, melancholische Töne von sich gaben, ähnlich Sie werden sich doch erinnern, daß Sie mehrmals Rindfleisch- dem Geklapper von Gebeinen. Wir machten bei einem suppe auf einem Teller bekommen haben?" Steinbruche Halt. Die einzelnen Arbeiter wurden nach den verschiedenen ihnen zugewiesenen Arbeiten ver= Das ist nebensächlich; aber Sie haben einen Teller theilt. Ich wurde unter die Geröllbrecher verwiesen. Ich gehabt! Was würden Sie gesagt haben, wenn Sie Ihre stieg auf eine kleine Anhöhe von Kieselsteinen und setzte Suppe aus Ihren Schuhen hätten schlürfen müssen?!" meinen Steinbrechhammer in Bewegung. Ich isolirte mich " Ist das auch so üblich?" möglichst, und einer der Aufseher, der rings umherspähte, kam auf mich zu. „ Eine ganz normale Rindfleischsuppe!" " Sie sind von der Kommune?" " Ja." " " Wiffen Sie, daß an Thiers' Stelle der Marschall Mac Mahon getreten ist!" Ich erbleichte und fragte:„ Woher wissen Sie das?" " Nicht mehr. Aber es gab eine Zeit, wo der Befehl gegeben wurde, den Zellengefangenen die Teller zu entziehen. Und da haben denn die Meisten, um nicht um ihre Suppe zu tommen, ihre Schuhe hingehalten und zu Suppenschüsseln gemacht. Diese schöne Neuerung schien sich bereits verewigen zu wollen, als irgend jemand, ich weiß nicht wer, der von der Sache erfuhr, sie unpassend fand und abstellen ließ. Was" Zum Donnerwetter! Telegraphische Depeschen. Es ist Ihren Lappen von einer Bettdecke betrifft, so müssen Sie nicht der geringste Zweifel daran! Die Republik begraben! wissen, daß eine ganze Bettdecke ein Staatskapital ist, das Sie brauchen natürlich nicht zu sagen, daß ich Ihnen diese den Zuchtmeistern Profit abwerfen muß: Man muß sie Neuigkeit hinterbracht habe. Sie müßten sich eigentlich freuen, eben bezahlen, die Decke; Sie sind daran also selber schuld." denn wenn ein Napoleon oder der Graf von Paris den Thron Bezahlen, womit?" besteigt, giebt es sicher eine Amnestie. Euch wird sie freilich nicht viel nügen, aber wenn Sie sich gut führen, werden Sie wenigstens zur Begnadigung vorgeschlagen werden." " Zum Kuckuck, mit Geld." " Wenn man sich aber sonst eine verschaffen kann?" " Na, warum haben Sie denn dann Ihren Besuch in der Sprechstunde nicht wiederholt?" Um mich über den Zuchtmeister zu beklagen?" " Nein, das nicht! Sie waren einmal in seiner Hand; das wäre ein zu fühnes Spiel gewesen; aber, um vom Arzte zu verlangen, daß er Sie ins Hospital aufnimmt; so wären Sie aus der Zelle fort gekommen, bis Ihre Verhältnisse eine günstige Veränderung erfahren hätten." Aber ich fühlte mich nicht eigentlich krant, nur schwach." " Man muß eine Krankheit simuliren; der Arzt hätte einen leisen Wint verstanden. Er protegirt ganz ersichtlich alle, die ihm aus einem ganz besonderen Grunde empfehlenswerth erscheinen. Und die Theilnehmer an der Kommune befinden sich in diesem Falle. Es kommt häufig vor, daß die Aerzte die um fich blos Besorgten krank finden, was sie sehr wohl erkennen. Es ist das Mitleid, das sie für die armen Teufel empfinden, die sich die Mühe gegeben haben, krant zu erscheinen. Bedenken Sie, daß, wenn sie den Kuiff aufdeckten, sie den Lenten zu 25 Peitschenhieben verhelfen würden. Ueberdies, wie sollten fie gewissenhaft einige Hundert in der Sprechstunde vornehmen, in einer Zeit, die nicht einmal für einige Dußend genügt? Unvermeidliche, höchst beklagenswerthe Mißgriffe kommen da vor. Arme Unglückliche, die in der großen Wenge übergangen werden, schleppen sich in elendem Siechthum bis ans Ende hin, ohne auch nur von der Arbeit befreit zu werden." Da öffnete sich die Gitterthür und eine sichtliche Bewegung ging durchs ganze Haus. " Aufgepaßt," sagte der Mann, der mit mir gesprochen hatte, jezt tommt der Appell zur Arbeit. Richten Sie sich nach mir! Halten Sie sich in Reih' und Glied, lassen Sie die Arme der Länge nach am Leibe herunterhängen und sehen sie stier vor sich hin, namentlich wenn der Chef uns inspizirt." Wir schritten hinaus, eine lange Reihe Leute, blos„ aus der vierten". Da sah ich in einiger Entfernung einen Einäugigen mit einem richtigen Galgengesicht sich auf einen Sträfling stürzen und ihn barbarisch schlagen: Es war der Chef. Er kam zu uns, bemerkte mich, der ihm unbekannt war und ging direkt auf mich zu. Reine Untlugheit!" flüsterte mein Nebeumann. Der Chef pflanzte sich vor mich hin, sah mich einen Augenblick an, ergriff meine Jacke an der Brust, schüttelte mich heftig, wartete und ging weiter. Wir erhielten Befehl, weiter zu marschiren. " Warum hat mich der Elende in dieser Weise angepackt?" fragte ich meinen freundlichen Nebenmann und Rathgeber. Nicht so laut es giebt Dhren hier!.. es giebt Ohren hier!... Was wollen Sie? Sie sind ihm noch unbekannt, er wollte Sie zur Probe betaften. Vielleicht gefällt ihm auch Ihre Figur nicht. Uebrigens hat er sie blos ein bischen gerempelt, ohne Sie zu schlagen; wahrscheinlich kommt's nicht wieder vor." " Soll ich noch meinen Stern preisen?" Ich hielt es für nußlos, mit diesem Tropf, der allerdings nur die Meinung der großen Mehrheit aussprach, mich in eine Erörterung einzulassen. Also, sagte ich mir, Kammer und Präsident sind einig, unsern Lappen von Republik vollends zu zerreißen, und Frankreich will sich ein neues Königsgespenst geben! Wie lange wird das wohl dauern? D Recht und Gerechtigkeit, ihr seid fein leerer Schall, aber dreimal wehe denen, die sich der Aufgabe weihen, euch zum Triumphe zu verhelfen!... Ein mißtönendes, kreischendes, wildes Geschrei erschütterte die Luft; Kanaken waren's, die es ausstießen. Ich sah eine Anzahl Wollköpfe vorbeidefiliren, schwarze Gesichter mit bestialischem Ausdruck und wilden Augen und ungeheuren auseinander gezerrten Ohrlappen, in denen Ringe baumelten. Die Mehrzahl war hanswurstmäßig gekleidet, einige faft nackt, alle mit Keulen bewaffnet. Mehrere trugen einen langen Stab auf den Schultern; an diesem war ein Weißer mit gebundenen Händen und Füßen wie ein Schwein aufgehängt. Mein neuer Bekannter sagte mir:" Das ist die Ortss polizei von Eingeborenen. Sie haben einen Flüchtling eins gefangen und wissen sich nun vor Freude nicht zu lassen." Und die Verwaltung erlaubt, daß ein Gefangener in dieser Weise transportirt wird?" " Pottausend, was kümmert die sich darum?! Sie hält viel auf diese Kanaken, deren Spürsinn, Ausreißer im Gebüsch zu wittern und auszuschnüffeln, ein ganz unglaublicher ist. Sie betäuben sie zuerst mit Schlägen und transportiren die Eingefangenen dann in dieser Weise. St! Der Aufseher beobachtet uns." ( Fortsetzung folgt.) ( Nachdruck verboten.) Ein Tag Urlaub. Nach dem Französischen des Henri Amic von Franz Hofen. Jean Grivet ist der pünktlichste Beamte im Kultusministerium. Seit zwanzig Jahren erfüllt er treu und gewissenhaft die Pflichten, die seine kleine, einfache Stellung mit fich bringt. Jean trägt eine Brille; in seine Stirn haben sich tiefe Runzeln gegraben, sein Haupt man sieht ihm nicht an, ob er ist tahi, sein Rücken gekrümmt, alt oder jung ist. Man könnte ihn eben so gut auf sechzig wie auf vierzig Jahre taxiren. In seiner Umgebung wird er allgemein Vater Grivet genannt, der arme Mensch denkt nicht daran, deshalb jemanden zu zürnen. Das Leben, wie er es führt, hat ihm nichts gelehrt, ihm ist alles fremd und unbekannt, was nicht zu seinem Ministerium gehört. Seit er in diesem angestellt ist, verlaufen seine Tage einer wie der andere. Er tommt stets als erster in sein Bureau und verläßt es immer zuletzt. Abends geht er spazieren, wenn er nach Hause tommt, liest er die Zeitung, ist ein bischen, schnupft viel, dann geht er ruhig schlafen: Am nächsten Morgen fängt die Sache von vorne an und verläuft genau wie am vorigen Tage. Vater Grivet hatte arme Eltern. Seine Mutter starb bei seiner Geburt. Sein Vater, Hauptmann a. D., hatte keinen anderen Lebe nz. unterhalt als seine Pension. Jean war kaum zwanzig Jahre alt, als ihm sein Vater entrissen wurde; die Pension hörte auf, und das 239 unglückliche Rind sah sich vollständig mittellos. Damals verschaffte| sie ist sonst ein so liebes Kind!... Na, übrigens, das hat sie mit ihm sein Onkel Hubert Grivet eine Stelle im Ministerium. sich auszumachen. Der Onkel Grivet hatte glücklich spekulirt, nun war er reich Herr Raysbach kann noch lange so fortsprechen, ohne eine und hatte zugleich mit seinem Vermögen einen gewiffen Einfluß Unterbrechung zu befürchten, Bater Grivet denkt nicht daran, gewonnen, den er zu gunsten seines Neffen geltend machte. ihm etwas zu antworten. Doch that er dies nicht aus Wohlwollen zu Jean, persönlich fümmerte er sich herzlich wenig um ihn, es war ihm ungelegen, daß sich ein Grivet in offener Nothlage befände, er fürchtete, dies tönne feinem Ansehen schaden und ihm Aerger verursachen, deshalb verwendete er sich für seinen Neffen. Sobald Herr Hubert Grivet Jean dem tiefsten Elend entriffen, glaubte er genug gethan zu haben und vermied gefliffentlich, seinen Neffen wieder zu begegnen. Letterer sprach zu wiederholten Malen bei seinem Onkel vor, besonders um ihm zu danken, dann, als er niemals angenommen wurde, schien er zu begreifen und ging nicht mehr hin. Dieses offenkundige Zurückziehen seiner Verwandten tränkte ihn mehr, als er sich eingestehen wollte. Er hätte ebenso gern seinem Onkel eine tiefe Zuneigung bekundet, wie seiner hübschen Cousine, der kleinen Geneviève. Seit jener Zeit bemüht sich Water Grivet, nicht mehr an seine Familie zu denken: wenn sie seine Liebe und Dankbarkeit verschmäht wenn sie nichts mehr von ihm hören und wissen will schön!... dann wird er sie eben auch vergessen!... Das sagt er und glaubt er und denkt ohn' Unterlaß au sie. Der arme Junge hat ja niemanden, den er lieb haben kann! Er ist zu arm, um zu heirathen; er sieht sich verdammt, allein in seiner Dachtammer zu leben, ohne daß seine Gedanken einen Augenblick bei einem geliebten Wesen weilen könnten. Zuweilen trifft es sich, daß er auf der Straße seinen Onkel und seine schöne Cousine Geneviève begegnet. Dann Klopft ihm das Herz zum Zerspringen, er läuft nach der anderen Seite der Straße, geht auf dem Trottoir weiter und sieht ihnen lange nach. Er denkt nicht daran, ihnen böse zu sein. Das Unglück hat ihn nicht bitter gemacht, ja er sucht sie zu entschuldigen, indem er sich allein an allem die Schuld giebt: wenn sie ihn sehen würden, begrüßten sie ihn gewiß, er aber wollte nicht gesehen werden, denn er ist dürftig gekleidet, er würde sich schämen... Water Grivet blickt melancholisch auf seinen dunklen fadenscheinigen aber ordentlich gehaltenen Ueberrock! Armes Kleidungsstück! 3 ist so abgenutzt, daß es in Stücke gehen würde, wenn ein einziger Faden risse. Wenn der Subalternbeamte am Tage seinen Onkel oder seine Cousine getroffen hat, kehrt er abends noch trauriger als gewöhnlich gestimmt in seine Mansarde zurück und fühlt sich verlassener denn je. Sein Herz kann sich von den schlechten Menschen, die von ihm nichts mehr wissen wollen, nicht losreißen. Jede Woche bringt ihm Herr Raysbach, ein alter Freund seines Baters, Nachrichten über die Familie Grivet; der Unglückliche hört es nicht gern und doch ist er nicht zufrieden, wenn er nicht diesen Besuch regelmäßig erhalten hat. Herr Raysbach bemerkt dies wohl und wundert sich auch nicht sonderlich darüber, nur fürchtet er schließlich einen vertraulichen Herzenserguß. Um dieſem auszuweichen, steht er auf und ver abschiedet sich. Bater Grivet bleibt lange, den Kopf auf die Hände gestützt; bisher hat er alles willig erduldet, alles ertragen; jetzt zum ersten Male lehnt er sich dagegen auf. Jit es etwa nicht genug, daß man ihm die Thür verschlossen hat, daß sein Onkel über ihn erröthet und seine Verwandtschaft verleugnet; nein, Herr Hubert Grivet verheirathet seine Tochter, ohne auch nur daran zu denken, ihm, dem Sohne seines Bruders, Mittheilung davon zu machen!. Ein Fremder muß dies thun! Aber er hat ja nicht einmal das Recht, sich zu beklagen, ist er denn nicht seinem Onkel zu Dank verpflichtet? Den Subalternposten, der ihn vorm Verhungern schüßt, verdankt er dem Bater Geneviève's! Gewiß, er weiß genau, daß man ihm diesen Knochen nur zugeworfen hat, um ihn loszuwerden; diese Ueberzeugung entbindet ihn aber nicht einer Art von Verpflichtung, unter der er schwer leidet. Am liebsten würde er alles, was er von dieser Familie, für die er nicht mehr existirt, erhalten, weit von sich werfen. Der bloße Schein empfangener Wohlthaten lastet auf ihn und erdrückt ihn! Geneviève heirathet einen alten, franken, häßlichen Menschen; fie will Gräfin werden, ficher wird sie unglücklich werden, aber er beklagt sie nicht, sie soll thun, was sie will. Bater Grivet ist ein anderer geworden, er fühlt sich jeder zärt. lichen Regung, jedes Mitleids unfähig; man hat ihn betrogen, nun liebt er niemand mehr. Das verächtliche Schweigen seiner Vers wandten hat ihn kurirt. Als der arme Subalternbeamte eines Morgens ins Ministerium kommt, findet er einen Brief auf seinem Schreibtisch, er wirft einen Blick auf die Adresse, erkennt die Handschrift und erbleicht. Dann zerreißt er das Couvert und lieft langsam die folgenden Zeilen: Paris, den 3. November 1880. Mein lieber Junge! Ich bin unserm Freunde Raysbach böse, er hat mir das Ver gnügen, Dir die Hochzeit Deiner Cousine Geneviève mit dem Grafen anzuzeigen, genommen. Uebrigens bist Du auch ein wenig Schuld daran, wenn Du Dich nicht so selten machtest, würdest Du Man sieht durch uns allein diese gute Nachricht erhalten haben. Schicksal anklagen, das unsere Wege nie zusammengeführt bat. Dich aber nicht. Na, darüber muß man sich trösten und das Die Feier findet in der St. Augustin- Kirche pünktlich um 12 Uhr mittags Freitag den 13. November statt. Und nun auf Wiedersehen, lieber Junge, ich wollte Dir teine gedruckte Anzeige schicken und zog es vor, Dir persönlich zu schreiben, um Dir wieder einmal einen Beweis von der wahrhaften Zuneigung Deines Onkels zu geben. Hubert Grivet. ( Schluß folgt.) Kleines Feuilleton. Herr Raysbach ficht Hubert Grivet alle Tage; gemeinsame Interessen führen die beiden zusammen. Dieser Mann hat viel Hochachtung und Freundschaft für Jeau; doch würde er es nie über sich gewinnen, zu dessen gunsten zu sprechen. Die kleinste Unbequemlichfeit schreckt ihn ab, seine Ruhe ist ihm viel zu lieb, als daß er je etwas beginnen würde, was ihm Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Man hat ihm keine Vertraulichkeiten gesagt, Sarüber ist er entzückt, ie. Eine genaue Messung der Fluggeschwindigkeit wilder er will nichts wissen, das ist viel bequemer. So kann er bei dem Enten. Die Geschwindigkeit des Vogelfluges ist im allgemeinen Onkel wie bei dem Neffen mit einem Freimuth glänzen, der ganz nur nach Schätzungen bekannt; es ist ein höchft seltener und gewiß nach seinem Geschmacke ist. Uebrigens hat Bater Grivet nie verwerthvoller Fall, wenn dieselbe einmal mittels genauer wissenschaftsucht, ihn zu behelligen, ganz im Gegentheil. Glücklich lauscht er den Worten Haysbach's und wird nie müde, jenem zuzuhören, wenn er von Geneviève spricht. Das Kind, so scheint es, ist herangewachsen; sie ist jetzt ein großes junges Mädchen von achtzehn Jahren. Wie doch die Zeit vergeht! Bater Grivet erinnert sich noch, wie er sie einmal in der Rue de la Paix getroffen hat. Damals hingen ihr die Lockenhaare auf die Schultern herab, eine hübsche Puppe trug sie unter dem Arm, wahrhaftig, es ist ihm, als ob es gestern gewesen wäre und doch sind zehn Jahre darüber vergangen. Eines Morgens kommt Herr Raysbach früher als gewöhnlich ins Ministerium und geht direkt in das Bureau Vater Grivel's. Dieser arbeitet und sieht ihn nicht eintreten. Bist Du einen Augenblick zu sprechen? fragt ihn Raysbach, indem er ihn mit der Hand leicht auf die Schulter tlopft. Ich stehe Ihnen natürlich zur Verfügung. Was ist denn geschehen? ruft der alte Beamte mit erstaunter Miene. Was fagst Du zu der großen Neuigkeit? Zu welcher Neuigkeit? Zu der Heirath Deiner Cousine, Donnerwetter! Geneviève heirathet? Ja... wußtest Du es denn nicht? Nein, stammelt der arme Mensch. Im ersten Augenblick wird man mich offenbar vergessen haben, sehen Sie, man wird es mir später mittheilen... und, wen heirathet sie denn? Herrn von X einen Adligen. Sein Titel ist das einzige Verdienst, das er meines Wissens nach besitzt. Dieser Herr ist über fünfzig Jahre alt, er leidet an unzähligen Gebrechen und ist abscheulich häßlich. Die Kleine nimmt ihn augenscheinlich nur, um Gräfin zu werden. Schade! die hätte etwas Besseres verdient, licher Instrumente festgestellt werden kann. Dies geschah an einem Dezembertage des vorigen Jahres zufällig auf dem Meteorologischen Observatorium auf dem Blauen Hügel( Blue Hill) bei der Stadt Boston in Amerika. Man beschäftigte sich auf dieser Station wie auf vielen anderen in dem letzten Jahre mit der Messung der Höhe und der Geschwindigkeit von Wolken; es waren zu diesem Zwecke an zwei etwa 21/2 Kilometer auseinander gelegenen Punkten Theodoliten aufgestellt, an denen zwei Meteorologen für die Wolkens postirt waren. Plötzlich kreuzte eine lebendige beobachtung Wolfe, nämlich ein Schwarm wilder Enten, die Be= und zufällig zufällig benutzten beide Meteorologen obachtungslinie, Die Gelegenheit, gleichzeitig Meffungen anzustellen, aus denen sowohl die Höhe als die Geschwindigkeit des Fluges berechnet werden fonnte. Die Höhe betrug 958 Fuß über der unteren Station, über die die Enten hinflogen; die Fluggeschwindigkeit ergab sich zut 761/2 Kilometer pro Stunde, also gleich der Geschwindigkeit eines tüchtigen Schnellzuges. Dabei ist noch in Rechnung zu bringen, daß der Wind sehr schwach war( nur 3 Kilometer pro Stunde) und aus Nord wehte, während die Enten aus Nordost kamen. Thenere Münzen. In London wurde dieser Tage die Montagu'sche Münzsammlung versteigert. Dabei wurde eine Tetras drachme der ersten Ausgabe Alexanders des Großen, von der beute nur noch zwei andere Exemplare bekannt sind, auf 49 2. 10 Schilling getrieben. Eine freisförmige Medaille mit dem Bildnisse desselben Herrschers brachte 31 2. Eine filberne Tetradrachme von Agrigent ging zu 15 2. 10 Schilling ab, und Syrakuser Tetradrachmen gingen auf 16 2., 15 2. 5 Schilling und 17 2. 10 Schilling, eine silberne Syratufer Dekadrachme von Euoinetos auf 30 2., eine zweite auf 23 2. 10 Schilling. Ein Goldstater von Philipp II. wurde zu 12 2. 10 Schilling und ein goldener Doppelstater vou Alexander dem Großen zu 14 2. 10 Schilling zugeschlagen. 240 Literarisches. " . " Um die findet als in Indien, Italien und Kanada; dies gestattet die Ge n. Hermann Friedrich 3: Vor dem Streit." winnung längerer und stärkerer Fasern. Von der Bearbeitung des Dresden, 1897. E. Pierson's Verlag. Lassen wir den Dichter Kap- Asbest mit den in Kanada angewendeten Maschinen scheint selbst reden. Erster Aufzug. Anna, die Tochter des Werkführers man sehr gute Resultate erreicht zu haben; die Faser kann Liesegang, feufzt: Nun sitz ich wieder allein mit meinem Leid." aufgelöst und zu Werg verarbeitet werden, dessen spezifisches Asbeste. Ihr Liebhaber, der Sozialdemokrat Rauscher, ein trotziger Bursche", Gewicht um die Hälfte kleiner ist als das andere erscheint: Ah, Du bist allein!" Anna:„ Wollt Ihr denn wirklich Dieses Werg kann zu sehr feinen Fäden versponnen werden, die Ernit machen, Liebster?" Rauscher:" Wollen?!.. Wollen?! zur Fabrikation von Geweben, Fäden, Schnüren und allerlei Eeilen Müffen wir denn nicht, wenn wir uns nicht selbst verzehren benutzt werden. Alle diese Gegenstände befißen eine nur wenig sollen?!" Water Liesegang kommt hinzu:„ Was zum Teufel soll fleinere Festigkeit als die Produkte aus vegetabilischer Faser; sie nun das hier?!" Anna:„ Himmel, steh mir bei!" Rauscher: find außerdem unentzündlich, verfaulen nicht und werden durch Ihre Anwendung scheint Der Lohn muß um 25 pt. beffer werden und die Arbeitszeit atmosphärische Einflüsse nicht alterirt. fürzer.. Wenn Ihr und Bimmstein( der Fabrikant) das endlich deshalb geeignet, die Lederriemen und andere Gegenstände in einsehen wolltet, wäre viel gewonnen.." Liesegang:„ Nach Feierabend den Fabriken und in allen Fällen zu ersetzen, wo die geim Wirthshaus liegen.. spät nachts im Dusel heimtrollen wöhnlichen Seilerwaaren nur sehr wenig aushalten. zur Fabrik gehn, die Schnapspulle im Sack.. da, da liegt Gure Noth!" Festigkeit des Kap- Asbest zu bestimmen, hat man fürzlich ein 19 MilliEr weist Rauscher die Thür. Anna: Himmel, steh mir bei!" meter starkes Seil aus blauem Asbest, an welchem ein Gewicht Rauscher ab. Liesegang lieft feiner Tochter die Leviten und geht von 100 Kilogramm bing, der Flammeneinwirtung eines Gas dann auch ab. Gleich darauf steigt Rauscher durch's Fenster wieder brenners ausgesetzt, wobei dasselbe erst nach 22 Stunden riß. Die in's Zimmer. Anna:" Gott sei Dank!" Rauscher:" Die Ohren blauen Asbestseile sind etwas leichter wie nene russische Hanffeile foll ich mir verftopfen lassen, um den Schmerzen schrei" der Unter- und besitzen ungefähr 66 pCt. von der Zugfestigkeit derselben. Seit drückten nicht zu hören? Himmel, steh mir bei!" Er will durch das furzem hat man auch begonnen, Asbeft zur Anfertigung von Fenster wieder abgehen. Anna:„ Du darfst nicht von mir gehn; denn Matraßen zu verwenden und, wie es scheint, mit sehr gutem Erfolg. ich.. ich.. bin Dein!"- 3weiter Aufzug. Fabrikant Bimmstein, der Die Asbestfasser ist biegsam und elastisch, ihre Normaltemperatur im soeben die Arbeiterdeputation zur Thür hinauskomplimentirt und inter verhältnismäßig hoch und im Sommer niedrig; der Asbest den alten Liesegang nach der Polizei geschickt hat, benutzt die günstige scheint auch, da er für Jufekten und Ansteckungsfeime teinen günstigen Gelegenheit, um ein bischen mit Anna zu pouffiren. Der alte Aufenthaltsort bietet, zu Krantenlagern in Hospitälern vorzüglich zu Sünder wird dabei gestört von: Rauscher, 4 Männern, 5 Frauen paffen. („ Technische Rundschau.") und einem Säugling. Er drückt sich rasch. Alle( ortanartig, wildHumoristisches. empört durcheinander schreiend). Das wagte der Hund?! y. Der Bliz und die Rußbutte. Ein erzgebirgischer Himmel und Hölle! Wo steckt er?! Zerreißen wollen wir Rußbuttenmann, der mit dem Reff auf dem Buckel durch den Wald ihn!.. Schändlich Schmachvoll!. Stürmen wir ihm die ging, wurde von einem Gewitter überrascht. Er suchte vor dem UnBude!.. Stecken wir dem Kerl das Haus in Brand!.. Bravo!.. wetter Schutz in einer nahen Höhle und trat unter. Sein Neff legte Bravo!.. Drauf und dran!" Unter den Rufen: Die ganze er ab und vor sich hin auf den Boden. Da zuckte ein Blig hernieder Herrlichkeit soll himmeln!.. Dem wollen wir's einseifen! Drauf und schlug das Reff sammt dem fienrußgefüllten Fäßchen in tausend und dran!" wird alles kurz und klein geschlagen. Rauscher hat sich in Splitter. Der Mann. der all sein Um und Auf, femen ganzen Reichzwischen, Himmel, steh mir bei!" rufend, von Anna zur Thür hinaus thum vernichtet sieht, schüttelt die Faust gen Himmel und schreit, ziehen lassen. Alle( durcheinander). Was.. Rauscher hat sich dünn den Donnerfeil meinend:" Wenn i wuhin( wohin) schlag', do sah gemacht? Das ist ein netter Bruder, der. Hol's der( fehe) i do( ch) ach( and)), wuhin i schlag! Da schlag' i do net glei Teufel!" Letzter Aufzug. Anna und Rauscher am Bette des ins Rußbuttenraff( reff) rei( hinein)!" alten Liesegang, den der streikende Arbeiter Klingenberg schwer ver wundet hat. Er stirbt, nachdem er die Geschichte mit Bimmſtein erfahren und dem Bündniß zwischen Anna und Rauscher seinen Segen gegeben hat. Rauscher ab. Anna schmerzdurchwühlt" Am 13. März 1827 wurde in Berlin das erst e allein. In diesem Augenblick dringt das Geräusch haftiger Trottoir gelegt. Der Waghals, so solches unternahm, erhielt Schritte auf dem gepflasterten Hof durch's Fenster und eine allerhöchste Belobigung. gleich darauf, wie etwas entfernter, die In der protestantischen Hauptkirche in Wiesbaden hielt Rauscher's: Wer folgt mir?( Betroffen.) Du, Klingen vor den Krieger- und Militärvereinen und zahlreichen Offizieren der berg?!" Stimme Klingenberg's:" Dachtest wohl... Sie hätten Pfarrer Ziemendorff die Zentenarfeier- Feftrede. Er meinte, man solle mich längst?. Ha..ha.. ha! Ne..nemuß erst noch feinen Gögendienst treiben; es feien in der letzten Zeit Gedenktage genug ein Wörtchen mit Dir reden Eber bin ich nicht zu haben gewesen; diese würden meist nur zur Völlerei benutzt, in der Kirche He.. hehe!.." Nach kurzem Wortwechsel ein deutlich hör- folle man nur Gott verehren u. s. w. barer Stoß".( Hier macht ein markerschütternder Schrei Rauscher's -Bei der Zentenarfeier- Illumination in Wesel ist ein fünfAuna im Innersten erbeben.) Anna:( entsetzensvoll, mit Grabes- jähriges Mädchen verbrannt. In Lipine traf bei der nimme): Himmel, was war das?!"( Greift krampfhaft nach dem Bentenar Vorfeier einen Obersteiger, der die Festrede gehalten, sein Herzen.) Andre's!"( Aus tiefster Seele):„ Mein Andre's!"( Bleibt Herzschlag. während des Folgenden geisterbleich, mit hervorquellenden Augen..) b. w. c. Der Millionär Schäffle in Mülhausen i. E. hat Stimme Rauscher's( schmerzdurchzuckt):„ Klingenberg!.. Meuchel- den Inhaber einer Hamburger Einjährig Freiwilligen Presse" mörder!.. Weh.. Weh mir!( Wie die eines Sterbenden, der 10 000 m. gezahlt, nachdem sein Sohn das Examen bestanden aushaucht): Haaaa!" Anna: Andre's.. Gott!"( Greift, wie hatte. Muß eine Mordsleistung sein so ein Einjährig Freinach einem Halt, fonvulfivisch in der Luft herum und bricht ohn- willigen- Gramen!" mächtig zusammen.) Minutenlange Todesstille. Dann fällt der Der Münchener Lotal Baukommission liegt ein Gesuch Vorhang. um Errichtung eines Hunde Schlachthauses in einer Bor stadt vor. " " 1 " Kulturhistorisches. Stimme # Vermischtes vom Tage. = " " In Hirschau( Oberpfalz) hat eine Feuersbrunst 8 Haupt. und 40 Nebengebäude in Asche gelegt. - Rodolphe Salis, der Gründer des Künstler- Tingeltangels Chat Noir" zu Paris ist gestorben. " Einen Speisezettel aus dem 12. Jahr. hundert theilt das Leipziger Tagebl." mit. Es ist ein Wochen zettel, an den sich in der Fastenzeit die Augustiner Chorherren auf dem Petersberge bei Halle a. S. hielten, und er lautet: Sonntag. Mittags: Mandelsuppe. Karpfen. Trengheiß(?). Erbsgemüse und Der größte Wasserbehälter der Welt. Die Stockfisch. Abends: Bierfuppe. Stockfisch oder Lachs. Gebratener Stadt Boston( Nordamerika) geht daran, fich das größte Waffer Aal. Grüßgemüse. Siedhonig oder Feigen. Mohumilch(?) oder reservoir banen zu lassen, welches bis jetzt geplant wurde. Es soll alte Weiber(?). Montag: Grüßsuppe. Rustige(?) Heringe mit 65 Milliarden Gallonen, das sind an 300 Milliarden Liter, Wasser Sauerkraut. Karpfen in der Brühe. Rübengemüse mit Lachs.fassen und wird damit zweimal so groß sein als dasjenige zu Dienstag: Biersuppe. Bratheringe mit falten Erbsen. Aal. Kraut Croton für New- York und wie selbes für Birmingham zusammengemüse. Stockfisch. Mittwoch: Rustige Heringe mit Zwiebeln. genommen. Hanffuppe oder Strick(?). Karpfen. Grüßgemüse. Stör oder Durch einen Orkan wurde in Arlington( Nordamerika) Sonstige Fische.- Donnerstag: Grüßsuppe. Bratheringe mit falten die Kinder Bewahranstalt zerstört. Dreizehn Rinder sind getödtet, Erbsen. Aal in der Würze. Rübengemüse. Lachs mit Zwiebeln. mehrere verlegt worden. -Freitag: Rustige Heringe mit Zwiebeln. Erbssuppe. Karpfen in der Würze. Stockfisch mit Krautgemüse. Sonnabend: Bier fuppe. Bratheringe mit Erbsen. Lachs in der Brühe. Grüßgemüse. Feigen. Siedheringe oder sonstige Speisefische. Technisches. b. w. c. Jn 2ouisville( Kentucky, Nordamerika) wurde eine verstorbene Musiklehrerin in ihrem Klavier begraben. Sie hatte es zu ihren Lebzeiten so angeordnet.In Mexiko versuchte ein Toreador den Stier von einem Fahrrade aus zu fällen. Das Thier nahm Rad und Mann auf die Hörner und schleuderte beide in den Zuschauerraum. Der Stier - Der blaue Rap Asbest. In der Kapkolonie sind sehr fämpfer soll, nach der Aussage eines Berichterstatters, ausgesehen große Asbestlager vorhanden. Dieser Asbest unterscheidet sich von haben, als wenn er durch eine Kopierpreffe gezogen worden wäre. ben anderen im Handel vorkommenden Sorten zunächst durch seine Der Zentral- Bahnhof in Buenos Aires ist niederblaue Farbe, dann durch eine viel größere Leichtigkeit und endlich gebrannt. Das Feuer entstand durch Explodiren einer Gasleitung dadurch, daß man ihn in gleichförmigeren und stärkeren Schichten in der Thurmuhr. -Berantwortlicher Nedakteur August Jacobey in Berlin. Druck und Berlag von May Bading in Berlin.