Unterhaltungsblatt des Vorwärts 8] Nr. 62. " Erinnerungen Sonntag, den 28. März. ( Nachdruck verboten.) eines Kommunekämpfers. Von Henry Brissac. Wie, Aerzte sind sie auch?" " Gewiß. Oder es beliebt ihnen, sie für gesund auszugeben und sie müssen vor den Schranken des Gerichts stehen, bis sie sich in die andere Welt hinüberstehen. Ich habe in der Ambulanz einen Unglücklichen gesehen, der sich bei der Arbeit das Bein gebrochen hatte. Er hat sich selbst auf seine Weise besorgt, indem er auf ein Boot wartete, daß ihn nach der Insel Nou brachte. Einige Zeit nach seiner Ankunft mußte er sich einer Amputation unterziehen. Die Schuld hierfür ist nicht den Aufsehern anzurechnen, aber es giebt ein ungefähres Bild von der Lage der Sträflinge, die im Didicht Zuflucht gesucht haben und dort verunglückt sind. Es giebt Biele, die sogar zu fliehen versuchen, ohne daß sie von vorn herein die geringste Hoffnung haben. Wenn möglich, ergeben fie fich gleich dem nächsten Gendarmerieposten und ziehen der Hölle, die sie erwartet, die vierte Klasse und selbst die doppelte Kette vor." Die Deffnung der Gitterthür machte dieser Erzählung ein Ende. Es war der Zeitpunkt gekommen, wo es galt, sich für vier Stunden auf eine Schicht Geröll hinzukauern. Diesmal blieb mein Brechhammer feinen Augenblick unthätig; ich wußte mich überwacht und beobachtet. Als sich das Gitter nach gethaner Arbeit wieder geschloffen hatte, nahmen wir unsere Unterhaltung wieder auf. " Haben Sie mir," sagte ich, nicht von einem Verurtheilten erzählt, der mehrere hundert Peitschenhiebe wegen Fluchtversuche erhalten hat?" " Ja, er ist in unserem Hause, sogar in unserer Abtheilung, sehen Sie sich einmal den in der Ecke zur Linken an." " Was hatte dieser Unglückliche für einen Beruf, bevor er ins Gefängniß gesperrt wurde?" Mein Freund lachte: Er war immer eingesperrt. Er hat die fire Jdee des Diebstahls. Man könnte ihm eine noch so hohe Rente geben, er würde trotz alledem weiter stehlen. Alle seine Fluchtversuche haben nur das eine Motiv, zu stehlen. Er hofft immer einen guten Schlag" zu machen. " Und sein Nachbar?" " " Ein alter Schmuggler. Sie errathen, daß er einen Zollbeamten getödtet hat. Er hegte eigenthümliche Ansichten über den Freihandel unter den Völkern. Wenn man alle Zoll beamten erschießt, so werden die Zollbeamten unmöglich," hat er einmal zu mir gesagt. Diese Logik drückte ihn unanfechtbar. Ich hatte ihm entgegengehalten, daß bei gleichem Grundsatze und Verfahren andererseits auch alle Schmuggler ausgerottet werden würden. Er war betroffen: daran hatte er nie gedacht! Jeht ging alles wirr in seinem Kopf durcheinander: Vertilgung der Zollbeamten, die, behauptete er steif und fest, verworfene Verbrecher seien, und Erhaltung der Schmuggler, die, versicherte er gleichfalls, die ehrlichsten Leute von der Welt sind. Ich habe den Zweifel in diese Seele geworfen!" Und der dritte?"" Ein Korse. Sie verstehen sofort, daß sich's da abermals um einen Schuß handelt. Seine Ehre bestand, wie es scheint, darin, den letzten, ihm persönlich ganz unbekannten Abkömmling einer mit der feinigen seit hundert Jahren verfeindeten Familie zu ermorden.*) Ich habe vom Schutze der Gesetze mit ihm gesprochen. Er hat mir wild zur Antwort gegeben, daß die Gesetze für die Feigen und für die Advokaten gemacht sind. Viele halten ihn für einen Helden und wahren Repräsentanten der Zivilisation. Es ist hauptsächlich die Furcht vor seinem Meffer, wodurch diese Bewunderung unterhalten wird." ## Und der vierte?" " Traurig. Abermals ein Flintenschuß. Ein Laffe von sechzehn Jahren, der gerade vom Gymnasium kommt, verliebt fich in eine Schlumpe und tödtet seinen vermeintlichen Neben buhler, der sein Vater ist." " Hat er wenigstens das Bewußtsein seiner Missethat?" *) Blutrache, besonders auf Korsika üblich. 1897. " Ich weiß es nicht. Er ist durch alle Lafter des Bagno völlig verthiert." " Und der fünfte?" " Er machte in Kirchen. Er rühmt sich, Freidenker auf seine Art zu sein. Alles, was er und sein Geschäftsassocié", der zu seiner Linken, nächtlicherweile in den Kirchen stehlen konnten, haben sie zur Befriedigung ihres Wunsches nach üppigem Wohlleben ohne zu arbeiten verwendet." " Der fiebente?" B. Ich" fann ein wenig Zunft sprechen, nicht wahr? de la Maube:" machte in jungem Weiberfleisch. Aber er hatte einen Rivalen, einen andern Macher in jungem Weiberfleisch und sein Stolz war geknickt. Die Welt war zu eng für zwei solche Geister: einer erdolchte den undern. Er " Und so ist die Gesellschaft beide losgeworden?" sagt's ja selbst! Er versichert, unwiderstehlich gewesen zu " Aber wenn Sie wüßten, wie ihn die Frauen beweinen! sein mit seinem vornehmen Gesicht-". Scheußlich!" " D, unterbrechen Sie mich nicht!- Mit seiner ge wählten Sprache, mit seiner Weste mit Steiffragen und Sammtaufschlägen. Sie waren alle gefchmeichelt, denn er hatte zum Verwechseln das Wesen eines Mylord, das heißt er ist es, der so sagt. Im übrigen ist er intelligent, ver schlagen, grausam." " Der achte?" Thier. Er hat glatt gearbeitet. Er ist ein warmer Anhänger Bastien de la Villette. Ordinär, einfach ein wildes einer originellen Theorie, daß nämlich die Diebe und Mörder viel mehr werth sind, als die Produzenten, weil sie muthiger Nahrung setzt, nämlich Gendarmen, Richter, Advokaten u. s. w. und geschickter sind und weil ihr Gewerbe viel mehr Leute in " Der neunte?" Ein Stahlstecher von verkanntem Genie. Fabrizirte Banknoten, ohne dazn die Ermächtigung der Bank vor Frankreich erhalten zu haben." " Der zehnte?" zeitungs- Lektüre das!" " Haben Sie noch nicht genug? Die reine Gerichtsist nicht dasselbe: es ist gut, daß ich meine Kameraden kennen Berichte über eine Menagerie lesen und in ihr selbst leben lerne. Fahren Sie fort!" Der zehnte hat mit 18 Jahren ein Haus angezündet, das ihm und seiner Mutter gehörte. Das Feuer hat noch ein anderes Haus ergriffen, und zwei Personen sind verbrannt. Der Brandstifter wollte sich an seiner Mutter rächen, die das Haus zum Verkauf gestellt hatte. Sein Eigenthum aus Rache zu verbrennen, schien ihm sinnreich. Sein Advokat hat, um ihn zu retten, auf Verrücktheit plädirte. Ging er viel irre?" " Der elfte?" Ein alter verschrumpfter Bauer. Eines Tages befand er fich, eine Hacke in der Hand haltend, gerade hinter seiner Frau, seiner Lebensgefährtin seit 30 Jahren. Die Hacke machte eine Bewegung nach abwärts und spaltete den Kopf der sitzenden Frau. Er weiß nicht wie, er weiß nicht warum. Er und seine Frau hatten gegenseitig ihre Güter dem entdeckten darin die Ursache, die zu ergründen er sich vergebens Ueberlebenden geschenkt. Die etwas hellsehenden Geschworenen bemühte." Der zwölfte." Sie wollen also durchaus? Es ist freilich wahr, daß wir noch nicht einmal mit der Hälfte durch sind. Der zwölfte also hat in granenhafter Weise ein Mädchen von 25 Jahren ge fchändet. Er glaubt fest, daß er das Recht dazu hatte, weil sie großjährig war. Auf alle Fälle glaubt er, daß seine Jury bestochen war, und er hat den Frauen einen unauslöschlichen Haß geweiht. Dieser Haß zeichnet Verbrecher seiner Kategorie aus. Wenn ich diese Unschuldigen reden höre, so möchte ich immer glauben, daß sie selbst vergewaltigt worden sind und fühle nicht übel Lust, diese abscheulichen Frauen zu ver wünschen, die, infolge ihrer überlegenen Körperkraft, diese Männer ins Verderben gestürzt haben." " " Der dreizehnte?" Eine Berühmtheit; der Giftmischer von Marseille, wie er genannt wird. Sie haben doch von Joye gehört?" 246 " Ich erinnere mich dunkel der Sache; jedenfalls ist mir der Name bekannt. Wollen Sie mich Herrn Joye vorstellen?" Ich war aufgestanden, ging zu dieser bemerkenswerthen Persönlichkeit hin und wir tauschten unsere Begrüßungen aus. Er fühlte sich geschmeichelt und machte kein Hehl daraus. Ich betrachtete sein pergamentartig vertrocknetes Gesicht, das von zahlreichen tiefen Runzeln bedeckt war, die konzentrisch um zwei schlaue Augen liefen, und seinen riesigen zahnlosen Mund, um den ein zweideutiges Lächeln spielte. Seine Beschäftigung war die eines Dorfzauberers;„ Kräuter sammeln" war nur ein Aushängeschild. Er lachte weiblich über die Dummheit der Bauern, welche an seine Amulette, magischen Kreise und Zauberformeln geglaubt hatten. Er ges stand, daß er Abtreibung der Leibesfrucht praktizirt habe, um den Frauen gefällig zu sein, die sich ihrer schweren Bürde entledigen wollten. Aber er leugnete formell, jemals jemand vergiftet zu haben. Er beklagte sich lebhaft über die Journalisten", die zu seiner Verurtheilung beigetragen hätten. Uebrigens war er gegen mich sehr höflich und nannte mich nur" Monsieur"; so höflich, daß eine Stimme murrend dagegen protestirte: Bist bald fertig mit Deinen Faren? Hier giebt's keinen Monsieur", hier giebt's nur Fagzirs( Galeerensträflinge)." Der so sprach, war sein Kettengefährte, d. h. derjenige, der mit ihm durch eine Kette zu einem Paar zusammengeschmiedet war. Und er gab der Kette, an der sein siameficher Zwillingsbruder Joye war, einen heftigen Ruck und zog diesen in den Hintergrund. Mitten in der Nacht wurde ich durch das Knarren der langsam geöffneten Gitterthür aufgeweckt. Ich erkannte einen Wärter und einen Zuchtmeister, der eine Laterne trug. Der lettere beleuchtete der Reihe nach mehrere Sträflinge, und der Wärter blieb vor ihnen stehen. ( Fortsetzung folgt.) Sonntagsplandevei. Die Feste, die die Schaubegier gefeiert hat, sind nun vorüber. Unbehindert dürfen die Leute aus dem Süden wieder nach dem Norden gehen. Ruhig darf man den Straßenzug Unter den Linden überschreiten. Die pomphafte Ausschmückung der Triumphstraße tonnte man noch etliche Tage nach den Festlichkeiten in Gemüthsruhe bewundern. Wenn man sonst keinen hohen Maßstab an solche dekorative Gelegenheitsstücke legt, eines war diesmal ganz besonders auffällig die Großprahlerei auf Kosten einfacher Schönheit. Nicht einmal vor dem Brandenburger Thor hatte die Sucht, mit übergoldetem Flitter zu glänzen, Halt gemacht. Auch dies gediegene Monument bekam eine grell schreiende Verkleidung. Das zeugt nicht von ausgebildetem Geschmack, eher vielmehr von einer Großmannssucht, die nicht kann, wie sie gern möchte; darum ist sie mit solchem Eifer bemüht, zu blenden. diese genug im öffentlichen Leben. Wozu sie noch ins Bereich der Kunstpflege verpflanzen? Wer unbefangen an das Begas'sche Wilhelms- Monument, die tünstlerische Bereicherung jüngste tünstlerische Bereicherung Berlins herangeht, der wird hier schon erkennen, wo im einzelnen die Renommage vorleuchtet. Wenn die Räumungsarbeiten um das Denkmal herum erst vollendet sind, wird man einen ruhigen Standpunkt zum Ver gleich zwischen der Denkmalsanlage und ihrer Umgebung gewinnen. Auf das Festgerede gewerbsmäßiger Enthusiasten, die alle Bedenken von ehedem als lächerliche Frrthümer bezeichnen, ist nichts zu geben. Das Mißverhältniß zwischen der Monumentalität der Weftfront des Schlosses mit dem Eosander'schen Portal und dem Wilhelmsdenkmal ist nicht so erdrückend, als man annehmen konnte. Die die größte in Berlin, behauptet Doch bis zu einem gewiffen Grade ihre Selbständigkeit. Zwanzig Denkmalsanlage, weitaus Meter hoch von der Sohle erhebt sich das Reiterstandbild. Vielleicht hat die wuchtige Gliederung der nahen Schloßfront dazu beigetragen, das Standbild mit Roß und Reiter verhältnißmäßig schlank aufragend erscheinen zu lassen. Das Ausschreiten des Pferdes verräth nahezu fofettirende Grazie. Das Denkmal in seiner Grundstimmung strebt überhaupt nicht nach der strengen, ernsten Bescheidenheit der Natur. Allegorisirender Glanz, Frauengestalten von malerischem Reiz sollen künstlerische Beweglichkeit hervorrufen. Schlichte, monumentale Würde ist nicht das Kennwort für die Anlage; und höchst markant ist es, daß das trefflichste an ihr in einer Einzelheit gelungen ist, in der Mädchengestalt von ergreifender Lieblichkeit, die den Reiter geleitet. Hier brauchte Begas nicht über feine Kraft hinaus. Hier war er Herr auf eigenstem Gebiet. gezwungen waltete hier seine Phantasie. Freilich könnte man die Gestalt vom Gesammtdenkmal loslösen; sie ist nichts Wesentliches; und über die allegorischen Beziehungen der Figur zu dem idealisirten Reiter zerbrechen sich die Gelehrten ihre Köpfe. Ist es der Genius, von dem der demüthige Monarch sich leiten ließ? Dem widers spräche dann wieder die aufgeputzte, ins schönfärberische ge= rathene Haltung des Reiters. Fast scheint es, als hätte Begas diese reizvolle Mädchengestalt absichtslos geschaffen, als wollte er sich für manche Gebundenheit, zu der er gezwungen war, hier schad Los halten. Uns Mannigfach geht so auf dem Denkmal, das vor allem nicht den Eindruck der straffen Einheitlichkeit, wie das Kurfürsten oder das Frißendenkmal macht, Gesuchtes neben Freiersonnenem einher. Pomphafter, weiter ausladend, will das neue Denkmal erscheinen; imponirender in ihrer konzentrirten Kraft sind die Denkmäler Friedrichs II. und des Kurfürsten, weil Wollen und können deckten. Mit schuldig an diesem Ergebniß sich dentlicher deckten. an einer so umfassenden ist vielleicht die Haft, mit der Anlage gebaut werden mußte. Manches mußte Begas anderen zur Ausführung überlassen; die natürlich be Mitarbeitern tonten ihre fünstlerischen Merkmale, und so wurde die innere Geschlossenheit des Kunstwerks mehrfach durchbrochen. Neben den Reliefs von Krieg und Frieden auf den Seitenflächen des Postaments und neben den Viktorien, die im Grunde wieder auf alte, idealistischallegorische Schablone auslaufen, finden sich die vier Löwengestalten Sie sind durch Meisterschüler von naturalistischer Schärfe. Begas mit wahrem Behagen, das bis an die von Grenze von Kraftmeierei reicht, ausgeführt. Sie sind das an dem Denkmal; und wie fie Leidenschaftlich- Aggressive so da kauern über Waffen und Trophäen und aufbrüllen und fauchen, so macht das wohl den Eindruck, den ein Beobachter empfing: Tritt dem Denkmal nicht zu nahe! Für das alte Berlin war eine gewisse Kargheit im LebensLugus und im Schmuck sprichwörtlich geworden. Das imperia Das Bedenklichste an der ganzen Anlage ist der Hinterbau, der listische, neue Berlin", wie berauschter Lokalpatriotismus die Stadt zu nennen beginnt, möchte gerne ins Gegentheil umschlagen. die Rückendeckung des Reiterstandbildes schaffen soll. Hier äußert Es giebt auch lokalpatriotische Byzantiner; und sich die Renommage schon recht fühlbar, die zu blenden sucht, weil Es ist wie bei vielen Schmeichler haben dem Bürgerthum einzureden begonnen, das die Mittel zum Gediegenen nicht ausreichen. stolze, das kaiserliche Berlin sei berufen, auch äußerlich eine Groß- Wirthschaften: die Schauräume prunkend, elegant, die Hinterstuben mit Scheinglanz und schloddrig ausgeschmückt. Das paste niemals herrenrolle unter den Weltstädten zu spielen. Dem Barock- Charakter zu streng fünstlerischem Grundsatz. Unigebung will sich die Sandsteinhalle mit ihren Säulen anschmiegen. Mit allerhand allegorischem der jonischen Beiwerk = Raum ist das Kaiser Wilhelm- Denkmal auf der Schloßfreiheit auf gestellt, so heißt es schon, das ist nur ein Wegstein mehr in der baulichen Entwickelung Berlins. Ein augusteisches Zeitalter sei einwird fie aufgedonnert". Wiederum die alten geleitet; auf halbem Wege dürfe man nicht stehen bleiben. Das ist eine merkwürdige Erinnerung, die im Berlin der Gegenwart an die Sächelchen, Zeus und die Genien, die zu dem modernen Menschen römische Cäsarenzeit anknüpft. Für die Architektur des modernen nicht mehr unmittelbar sprechen fönnen. Todte Embleme und NothBerlins sind vielleicht die neuen Geschäfts- und Kaufhäuser am be- behelje für die Phantasie derer, die für neue Aufgaben nicht neuen So sehr sich diese Sandsteinhalle nun zeichnendsten, wie sie das zentralisirte Kapital aufbaut; mit ihren Eisen- Ausdruck finden können. tonstruktionen, mit ihren Maffenlagern, mit ihren Riesenschaufenstern. recken möchte, sie ist doch nur eine Art von dürftiger Verkleidung, Was soll der Traum von einem augufteischen Zeitalter? Dem cafaristischen von spanischer Wand. Sie macht den wenig heimlichen Platz nicht Machtwillen stand damals die römische Weltherrschaft zu gebote. lauschiger; sie gewährt dem Blick feinen steten Ruhepunkt; hoch Rom war die Urbs", die Stadt", schlechtweg geworden, die eine über sie strebt das Bild des Reiters empor, und durch die freien Weltstadt, der ein folossales Gebiet dienstpflichtig blieb. Hier Räume zwischen den Säulen kann das Auge weiter schweifen. Darum wohl wird die Phrase von der augusteischen Epoche in durften sich Wollen und können bis zu hohem Grade decken. Auf heutigem Berlinischen Boden ähnliches verlangen, hieße die Menge geworfen. Schon beißt es, Schinkel's Bauakademie, dies ins Reich Die römischen prächtige Zeugniß echter fünstlerischer Harmonie, solle abgebrochen hohler Phantastik fich verirren. Auguste brauchten den machtvollen Pomp: ste stachelten die werden, um mehr Freiheit zu schaffen. Man möchte mit schimmerns Schaulust der eigenen Leute so daß die vergaßen, den Bauplänen vorrücken. Das imperialistische Berlin soll seinen daß sie insgesammt nur ein Schemel für den augufteischen Ruhm strahlenden Mittelpunkt haben. Bleibt nur Eines zu gewinnen: geworden; und auch auf Fernwirkung hin gegenüber den eroberten, Das äußere wie das innere Vermögen. Wenn sich die Herrschaften halbzivilifirten Völkerschaften war ihr Thun gerichtet. Jedenfalls sonst auf ellenbohe Socken stellen, es wird nichts daraus. Kunst wußten sie materielle und geistige Mittel herbeizuschaffen. Ihre Art kommt vom Können", nicht von der Begehrlichkeit. war feine Maskerade. In die Gefahr aufgeblafener Künftlichkeit und dekorativen Scheinwesens tämen diejenigen, die aus spröder Erde augusteifchen Prunt stampfen wollten. Wir haben der Renommage an Alpha. " Ein„ Bauer".*) Bon Olga Kobylansta. 2476 " der A die mit zehn. Milliarden Collars( 40 000 000 000 m.) und 803 000 Manu Nordamerika verlor dabei 303 000 Soldaten, während Südamerika 500 000 Menschen einbüßte. Der deutsch französische Jedesmal, wenn ich Regimentsmusik höre, taucht eine Krieg tostete französischen Nation Summe 0011 Erinnerung aus jungen Tagen in meiner Seele auf. Es war 6 320 000 000 Mart, nebst einer Kriegsentschädigung von fünf in einer großen Stadt, im Monate August und gegen die Mittags- Milliarden Franks. Frankreich verlor dabei 290000 Mann, zeit. Ich befand mich in Gesellschaft polnischer, vornehmer Frauen davon bei Gravelotte allein 13 328 Soldaten. Von den Deutschen und besah einige der mir von ihnen vorgelegten schönen Hand- fielen bei Gravelotte 4900 Mann. Diese Menschenverluste gehören arbeiten. Es waren dies auf dunklem Sammt funstvoll gestickte mit zu den größten, welche seit 1850 durch Kriege verursacht Blumenguirlanden, Bouquets und Arabesken. Ich ironisirte sie ein wurden. Den Krimkrieg 1854/55 bezahlte England wenig und sie zogen mich auf. Eine von ihnen Panna rund einer Milliarde, vier Millionen M. und 750 000 Mann. ( Fräulein) Wanda( sie hatte feine, gepflegte Hände, wie die 12 pCt. starben im Felde, 88 pCt. in den Spitälern. Im französischDeutschen fagen durchgeiftigte Hände"), die besonders viel von italienischen Kriege, im Jahre 1859, fielen 45 000, im Der Bildung und von Gefühlsleben sprach, stand mit mir auf immer österreichisch preußischen Feldzuge von 1866 40 000 Mann. währendem Kriegsfuße und nannte mich scherzweise Heine". Bis Indianer Aufstand im Jahre 1857 und der chinesische heute weiß ich nicht, was mich eigentlich je bewogen hatte, mit ihr Krieg drei Jahre später verschlangen 52 000 Mann. Die Serie so viel Zeit zu verlieren. der englischen Kriege in Afghanistan 1878/80; im 3ululande 1879; in Transvaal 1881; Ggypten 1882; Sudan 1885 und Birma 1885 Toftete 60 000 Toote. Der chinesisch japanische Krieg 1894 forderte 25 000 Opfer. Dazu kommen noch die ungezählten Todten unter den Nichtkombattanten. Ein in der Türkei lebender dem russisch- türkischen Kriege von 1877 aus einem einzigen türkischen Flusse über 1000 Leichen ermordeter Kinder herausgefischt wurden. Endlich darf man auch die gefallenen Thiere, Pferde, Mulis und Rameele nicht vergessen. Die britische Armee verlor in dem einzigen Kriege im Sudan, 1885, 4000 Kameele, die wie Augenzeugen sich schon sterbend auf den Knieen oft noch durch der erzählen Wüstensand hin zu den Eingeborenen schleppten. Unter Lachen und Scherzen vernahmen wir plöglich etwas wie Regimentsmusik. Panna Wanda flog zur Glasthüre, die unter schweren Peluchedraperien verborgen war und zum Balkon führte, und wir traten alle Drei auf den Balkon und sahen mit fröhlicher Neugier nach unten. Aus einer weiten Seitenstraße ergoß sich unter taktmäßigen amerikanischer Missionar, Dr. Cyrus Hamlin, erzählt, daß nach Mufitklängen eine dunkle, gleichmäßig auftretende, langgestreckte Menschenmasse das Militär. Die für gewöhnlich indigoblauen Uniformen und Blouser schienen grau. Die sonnverbrannten, vor Müdigkeit und Hunger dunkel gewordenen Gesichter der Leute kamen mir geradezu braun vor. Der Schritt dieser Masse einförmig, wuchtig, mechanisch wie charakteristisch ist er doch und wie schwer zu vergessen! Nein, das waren jetzt nicht Menschen. Das war ein mathematisch zusammengestellter Mechanismus, dessen Seele der Takt der Mufit war, der allein dieses ganze Werk der Kunst und des Zwanges leitete und vorwärts trieb. Der Thee und seine Namen. Die auf den Theekisten eingebrannten Namen der verschiedenen Sorten chinesischen Theesdie Theebrände dürften nach ihrer Bedeutung nur wenig bekannt Ein einziges Rad der Maschine, in der letzten Reihe einer Ab- sein. Diese Namen besagen nun felgendes: Da haben wir zuerst theilung, verfehlte seinen Zweck. Der Mann war schwächer und die feinste Sorte, den Pecco; die Bedeutung dieses Wortes ist fleiner als die neben ihm schreitenden Kameraden und konnte nicht weißes Haar, und man versteht darunter die Fäden zarter Blätter. mit ihnen Schritt halten. Er blieb stets um einen Schritt zurück Ferner bedeutet Souchong: fleine Pflanze, Powchong: gefältetes und hinkte. Meine Blicke hafteten starr auf seinen plumpen, dicken Gewächs und Congo: Arbeit; legtgenannte Bezeichnung soll die Mühe. vor Trockenheit gerötheten Lederschuhen und ich stellte mir auf andeuten, welche die Bereitung der betreffenden Sorte erfordert. Twankay feinem Fuße eine tiefe Wunde vor. Diese Vorstellung rief in mir ist eigentlich der Name eines kleinen Flusses, in dessen Bereich die eine Menge unliebfamer Erinnerungen aus dem Militärleben so benannte Sorte gekauft wird. Bohea heißt eine Theeſorte nach wach. Ich dachte an alle Mübfeligkeiten und Beschwerlichkeiten vor der Regenzeit oder blühender Frühling, das heißt zeitig im dem Gebirge, wo sie gesammelt wird. Haysan endlich bedeutet: des Dienstes, an das brutale Benehmen mancher Vorgesetzten; ich gedachte der Leiden des einfachen, an Freiheit gewöhnten Land: Frühjahr. Die Bezeichnung Haysanskin ist halb chinesisch, halb an feinen Schmerz und seine Sehnsucht nach seiner stillen englisch; die rein englische Bezeichnung ist teaskine( Theehäute), Welt, und ich empfand plöglich Interesse für das Antlitz des un weil der betreffende Thee aus dem Ausschusse verschiedener Sorten tauglichen Soldaten. In diesen Zügen mußte sich irgend etwas aus: zusammengesezt ist. Eine noch schlechtere Sorte, bei der sich viele prägen, eine Art Leid, Stumpfheit, oder aber vielleicht stummer Trog? Stengel finden, heißt teabones( Theeknochen).Allein die Sonne brannte so glühend heiß hernieder, daß ich die Augen unwillkürlich für einen Moment schließen mußte. Dann, sie mit der Hand beschattend, sah ich blos, wie der Soldat den wehen Fuß mühsam nachschleppte. mannes, " Welch' ein schönes Bild!" rief die neben mir stehende Polin enthusiastisch. Ach, Wanda, dort an der Spize der letzten Abtheilung der Offizier mit dem gezückten Säbel, siehst Du ihn? Ach, fo follten alle unseren jungen Leute gegen unseren Feind marschiren ach!" " Ich sehe, Jadwiga. Aber bemerkst Du nicht? Das ganze Bild wird entstellt durch den in der letzten Reihe hinkenden Cham**). Das Blut stieg mir zu Kopfe und ich sah zu ihnen auf. Auf ihren schönen, frischen Lippen spielte noch ein verächtliches Lächeln, und die Augen Panna Wanda's große, schimmernde Sterne blickten fühl nach unten. In meinen Händen befand sich noch das Buch„ Konrad Wallenrod"***) das ich in der Eile auf den Balkon mitgenommen hatte. In einer mir selbst unerklärlichen plöglichen Erregung schleuderte ich das Buch den Frauen vor die Füße und wendete mich, höhnisch lächelnd, mit einer Verbeugung zur Thüre. zurück. Theater. " werke auf das deutsche Theater zu verpflanzen. Jetzt thut man es Man war in Deutschland stets sehr geschäftig, fremde Bühnenin Kopenhagen, Edgar Hoyer, hat vor nicht langer Zeit eine mitunter mit affenartiger Geschwindigkeit. Ein dänischer Journalist Komödie Kinder der Bühne" geschrieben. Am Freitag schon lernten wir die ziemlich belanglose Arbeit im Berliner Theater" fennen. Ge ist eine richtige Journalisten- und Schauspielerkomödie, ohne Tiefe und in ihren Motiven nus allen längst vertraut. Was in ihr vorgeht, kann in jeder deutschen Die Mittelstadt, wo Schauspielerkult getrieben wird, passiren. Tochter eines Materialwaarenhändlers hat einen jungen Schaus spieler geheirathet. Er wird die Zigeunerei nicht völlig los; sie wird durch ihren Gatten und die Schauspielerfippe in ihrem forretten Sinn verletzt. So kommt es zu einem vorübergehenden Bruch, bis die Frau begreift, der Künstler brauche eine gewisse Ungebundenheit zu seinem Leben. Viel Schnickschnack wird in wichtigthuerischer Ueberhebung über die Schauspielerei gesprochen; daneben ist mancher zug aus der schauspielernden Zigeunerei hübsch und treffend beobachtet. Hier Schindler und Frandsen, der Damen Carry, Dröscher die Darstellung der Herren Formes, und Firle dentlicher und derber, als nöthig. Bei größerer Zurückhaltung hätten sie freilich auf ihr Publikum, das der Uebertreibung eben hold ist, nicht gewirkt. war gerade Frau Jadwiga hielt mich mit einer vornehmen Handbewegung " Ich weiß nicht, welcher Art die Empfindung war, der Sie sich in diesem Momente hingegeben haben, mein Herr!" sprach sie langfam, allein wie konnten Sie vergessen, daß Sie sich in unserer Gesellschaft befinden?" " Ju wessen Gesellschaft?" fragte ich. " In Gesellschaft von Polinnen! Vergessen Sie das nicht ein zweites Mal!" Ich hatte nur eine ironische Verbeugung zur Antwort und ging. Aber niemals, auch bis zu meinem Tode nicht, werde ich den Ton der Stimme vergessen, in dem mir die folgenden Worte nachklangen: Er ist ein Bauer, Jadwiga..." Ein Ruthene, Wanda!" " Kleines Feuilleton. Was Kriege kosten. Der amerikanische Sezessionstrieg 1861-65 toftete am Lande die Summe von *) Aus„ Neue Revue"( Wien). **) Cham: verächtlicher polnischer Ausdruck für„ Bauer". ***) Eine Dichtung von Mickiewicz. Biologisches. Was ist Gährung? Eine Entdeckung von weit tragender Bedeutung für das Gesammtgebiet der biologischen Wissen schaften ist, wie der Börsen- Courier" mittheilt, von Prof. Dr. Hans und Dr. Eduard Buchner in München gemacht worden. Wenn diese Entdeckung sich bewährt, dann ist die Lehre von der Gährung, bisher eine der festesten Grundlagen der modernen Biologie, vollkommen über den Haufen geworfen. Vor mehr als dreißig Jahren hat diese Lehre Pasteur mit dem Nachweis begründet, daß alle Gährungen nur die Lebenserscheinungen niederer Organismen, pflanzlicher Zellen sind, so namentlich die alkoholische Gährung eine Wirkung der Hefezellen ist. Seitdem spielte die Lebensthätigkeit der Zellen eine maßgebende Rolle in der Erklärung aller biologischen Erscheinungen, aus dem Studium ihrer Formen ging die Bakteriologie hervor. Jetzt wird nun plötzlich dieser ganzen Lehre der Boden unter den Füßen fortgezogen. Die beiden genannten Münchener Forscher haben die That 248 fache ermittelt, daß Zellensaft von niederen Pilzen, insstrahlung stark gespannter Elektrizität, die in der Erdoberfläche durch besondere Hefezellen, welcher durch energische Zerreibung und Aus Induktion von tiefgehenden Gewitterwolfen erzeugt wird. Wahrpreffung derselben mittels eines mehrhundertfachen Atmosphären scheinlich sind bei den beiden genannten Kirchen die Blizableiter drucks gewonnen ist und eine" flare, vollkommen ellenfreie nicht in guter Leitung mit der Free verbunden. Die anderen Shutte zeigen die Erscheinung nicht. 101 1 Humoristisches. ... " Flüssigkeit darstellt, alkoholische Gährung hervorzurufen im stande ist, d. h. gährungsfähigen Zucker in Alkohol und Kohlensäure zu spalten. Bringt man z. B. etwas Trauben- oder Rohrzucker in solche Flüssigkeit bei dreißig Grad Temperatur, so beginnt als-! Aufrichtig. Während des Krieges gegen Dänemark bald die Kohlensäure- Eutwickelung als Folge der eingeleiteten war der Beherrscher eines kleineren deutschen Staates Inhaber Gährung. Daß der ausgepreßte Saft wirklich gänzlich zellenfrei eines preußischen Regiments. Als nun der Krieg fiegreich beendet ift, wurde noch dadurch besonders gesichert, daß der Saft durch ein war, wollte unser Landesvater auch etwas für die Tapferen thun. Riefelgurfilter gefchickt wurde, welches alle törperlichen Bestandtheile stiftete ein goldenes Verdienstkreuz und verlieh es verschiedenen zurückhält. Also nicht die lebende, organisirte Zelle ist der Offizieren und Soldaten seines i. e. desjenigen Regiments, dessen Träger und Erreger der Gährungswirkung, sondern sie geht Juhaber er war. Das Kreuz wurde den betreffenden mit der Poft von einer im Bellfaft gelöften Substanz aus. Die Quelle ihrer zugesandt. Auf dem Päckchen stand vermerkt:" Juliegend ein Bildung ift ohne Zweifel das das Protoplasma der Zelle, x'sches goldenes Verdienstkreuz. Werth: Fünf. aber sie ist in ihrer Wirkung von demselben unabhängig. Die Ents undzwanzig Silbergroschen. decker haben sie mit dem Namen„ 3ymase" belegt. Seht man eine - So ziemlich dasselbe. Wachtmeister( zum einprozentige Lösung von arseniksaurem Natron zu den Hefezellen, Sergeanten, der einen Einjährigen ausbildet):" Nun, Sergeant so hebt man dadurch ihre gährungerregende Wirkung auf; diejenige Müller, die schönen Tage sind nun bald vorüber, die schönen Tage des Hefepreßfaftes läßt den Zufah unverändert bestehen. Die lebende von wie sagt man gleich?( zum Einjährigen gewendet): Nun, Belle bewirkt also nicht die Gährung. Sie Einjähriger, das müssen doch Sie wissen!" Einjähriger: Die Bymafe" ist nicht etwa nur verflüffigte lebende Zellen- Herr Wachtmeister meinen wohl die schönen Tage von Aranmaffe, sondern sie ist ein gelöstes Zellenprodukt von eiweißartiger jueg"?!" Wachtmeister:" Ja, ja! Ganz richtig! Die Natur, dessen aktive Wirksamkeit beim Aufbewahren sehr bald schönen Tage von Aranjuez!. Ich verwechsle nämlich immer ganz spontan schwindet, ohne daß physikalische oder chemische drei Sachen: Die schönen Tage von Aranjuez, den Postillon von Veränderungen der Flüssigkeit eintreten. Auch in der Longjumeau und den schiefen Thurm von Pisa! Kälte aufbewahrt, verliert frischer Hefepreßsaft sehr bald seine Wirkung, er behält sie dagegen unbeschränkt, sobald ihm etwas Rohrzucker zugesetzt wird, so daß die Gährungsfähigkeit gewissermaßen ständig unterhalten wird eine noch sehr räthselhafte Erscheinung. Offenbar bewirken die Hefezellen die Gährung nur vermittelst der Zymase" und zwar entweder innerhalb der Zellmembranen oder, was wahrscheinlicher ist, indem die„ Zymase" von den lebenden Zellen abgeschieden wird und der Gährungsvorgang dann unmittelbar an der Peripherie der Zellen erfolgt. Die Gährung scheidet also als eine Funktion der lebenden Zellen fortan aus. An die organisirte Zellstruktur sind überhaupt nur noch die Aufnahme und Zerlegung der Nahrungsstoffe und das Wachs thum( Belltheilung) gebunden. Dagegen kommt die Immunifirung und Heilung, wie sie in der neuesten bei den Jnfektions- Krank heiten durch die Serumtherapie erstrebt, theilweise auch schon er reicht werden, nur vermittelst gelöster Substanzen, die als Zellprodukte anzusprechen sind, zu stande. Professor Buchner fonnte auch aus Massenkulturen des Tuberkelbazillns, des Bacillus pyocyaneus und des Cholerabazillus einen Breßfast gewinnen, welcher vollkommen bazillenfrei ist. Dieser Saft ist offenbar das gelöfte spezifische Produkt der Batterienzellen, durch welches sie wirksam werden. Damit stimmt überein, daß z. B. das Gift der Tetanus( Wundstarrkrampf und der Diphtheriebazillen bereits früher als eine lösliche Substanz erkannt worden ist. Aus dem Thierleben. Bon Thieren, die bei Pflanzen Schutz fuchen, erzählt Kurt Grottewiß im„ Hamb. Korr.": In Texas giebt es zwei Bienenarten( Melissodes pygmaeus und Coelioxy texanus), die in der Nacht auf dornigen Büschen oder Bäumen schlafen. Es sind die äußersten dünnen Zweige und besonders die starken Doruen, auf denen die Bienen ihr Nachtlager aufschlagen. Sie umfassen mit ihren Gliedmaßen die Zweige oder Dornen und flammern sich so an ihnen fest. Offenbar verbinden die Infekten auf diese Weise das Angenehme mit dem Nüglichen. Sie halten auf den Büschen nicht nur ihre Nachtruhe ab, sondern finden hier zugleich einen sicheren Schuh gegen ihre Feinde, wahrscheinlich besonders Vögel, welche diese Sträucher ihrer Dornen wegen meiden. Es wurden oft 50-60 folcher schlafenden Bienen an einem einzigen Busche oder kleinen Baume gefunden, und der Anblick dieser Schlafbäume" soll ein äußerst seltsamer sein. Physikalisches. " Vermischtes vom Tage. Das technische Studium ist in Deutschland in außer ordentlicher Zunahme begriffen. Im Winterhalbjahr 1896/97 zählte man 7727 Studireude; vor zehn Jahren betrug die Zahl noch nicht den dritten Theil, vor fünf Jahren taum 4900. Farbenblindheit der Seeleute. Die im Jahre 1896 auf den Navigationsschulen und Seemannsämtern des Deutschen Reiches vorgenommenen amtlichen Untersuchungen von Seeleuten auf Farbenblindheit haben folgendes Resultat ergeben: Auf 20 Navigationsschulen, 18 Seemannsämtern und 2 sonstigen Untersuchungsstellen wurden insgesammt untersucht 900 Seeleute. Von diesen erwiesen sich als nichtfarbenblind 882, als farbenblind 13 und als unvollständig farbenblind( grünblind) 5. Das Prozent verhältniß stellt sich demnach folgendermaßen: Nichtfarbenblind waren 98 pet., farbenblind 1,44 pet., unvollständig farbenblind 0,56 pCt. -In Bonn verwundete ein Zuschneider seine frühere Braut und deren Vater mit Revolverschüffen.Aus Regensburg hat ein Domvitar Reißaus genommen. ft in einem öffentlichen Lokal, als er mit einer Wittwe zufammen war, unangenehm gestört worden. Der Herr saß im ordinariatlichen Ehegericht.In Sellerup bei Börkop( Schleswig) ist ein 71 jähriger Mann gestorben, der siebzehn Jahre hindurch mittels eines Gunnnis schlauches durch den geöffneten Magen fünstlich ernährt wurde. Ein Sammtrath wird laut Annonce von sämmtlichen Herren Riedefel Freiherren zu Eisenbart gesucht. Dieser Herr Sammtrath" soll das Gesammtvermögen aller Riedesel ver " walten. -In der Garnisonstadt Dieuze( Lothringen) fam es, wie der Frank. 3tg." gemeldet wird, an den Jubiläumstagen zwischen bayerischen Chevauxlegers und Infanteristen vom Regiment Nr. 136 u heftigen Streitigkeiten, bei denen es blutige Röpfe abseite. Die Offiziere, die das Handgemenge zu beendigen suchten, sollen dabei nicht sehr schonungsvoll behandelt worden sein. Ein anderes Blatt spricht von 16 Verwundeten. Roubaix, 27. März. An der belgischen Grenze fam es zwischen Schmugglern und Zollbeamten zu einem regelrechten Kampfe, in welchem drei Schmuggler getödtet und einer schwer verletzt wurde. Den Zollbeamten fiel eine große Menge Tabat und Bigarren in die Hände, welche nach Frankreich eingeschmuggelt werden sollten. St. Elmsfeuer. Die Bamberger Sternwarte Französische Schriftsteller als Pflanzentheilt folgendes mit: Am Abend des 18. März und in weit tenner. George Saund hat das Chrysanthemum mit blauen schwächerem Maß auch am 19. zeigte sich vor und nach dem Ge- Blüthen ersonnen, Victor Hugo den bengalifchen Rosenstock ohne witter eine wegen ihrer Seltenheit besonders interessante Erscheinung, Dornen erdacht, Balzac die kletternde Azalee entdeckt, Jules Janin nämlich St. Elmsfeuer an den Thurmspißen der oberen Pfarrrkirche die blaue Nelfe gesehen, Frau von Genlis die grüne Rose; Zola und der Michelsberger Kirche. Von halb 7 Uhr bis 11 Uhr er- fennt eine duftende Kamelie und Alexandre Dumas eine schwarze glänzten am 18. in furzen, rasch und unregelmäßig aufeinander Tulpe. folgenden Zwischenräumen diese Thurmfpitzen in elektrischem Lichte, Nansen weilt gegenwärtig in Paris. Die geographische besonders der als Windfahne dienende vergoldete Engel mit der Gesellschaft veranstaltete ihm zu Ehren einen feftlichen Empfang, an Posaune auf der oberen Pfarrkirche und zwar am lebhafteften dem sich der Ministerpräsident und der Unterrichts- und der Kolonial. bei dem flaren Himmel nach Eintritt der Dämmerung, minister betheiligten. Nach einem Vortrage wurde Nanfen die große als tief im Nordwesten und Norden das Wetterleuchten goldene Medaille der geographischen Gesellschaft überreicht. und Bligen aufstieg. Das elektrische Erglühen übertraf Malta, 24. März. Während der englische Kreuzer Helligkeit weit das auf der Vergoldung der Thurmknöpfe Theseus" gestern außerhalb des Hafens Uebungen mit Torpedos fich spiegelnde Vollmondlicht. Am Abend des 19. leuchtete vornahm, explodirte einer derfelben, als er auf eine Barkasse vor Miondaufgang der vergoldete Engel der oberen Pfarrkirche aus heruntergelaffen wurde. Dreißig Mann wurden verlegt, darunter der vollsten Dunkelheit der Umgebung bald stärker, bald schwächer zwei schwer, da ihnen die Beine weggerissen wurden. Einer diefer heraus, zu der gleichen Zeit, als tief in Nordost die ersten Blige schwer Verletzten ist bereits seinen Wunden erlegen. Einem Matrosen fichtbar wurden. Das Elmsfeuer entsteht bei erhabenen spizigen wurden seine Kleider vollständig weggeriffen, während er selbst Gegenständen( Thürmen und Schiffsmasten) durch langfame Ans: feinen Schaden erlitt. Verantwortlicher Redakteur: Angust Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. an